Mittwoch, 23. Januar 2019

Kaum mache ich was falsch, ist das auch nicht richtig!

Wenn ich mal was mache, mache ich wenigstens mal was.
Ich könnte auch mal mehr machen, wenn ich nicht so viel falsch machen täte.
Kaum mache ich mal was richtig, mache ich auch schon wieder falsch.
Mache ich mal was falsch, fallen alle über mich her.

Wenn ich nichts machen würde, würde ich auch nichts falsch machen.
Wenn ich nichts machen würde, würde ich aber auch nichts richtig machen.
Egal, was ich mache, da ist immer was falsch dabei.
Egal, was ich auch mache, irgendetwas ist auch immer richtig dabei.

Wenn ich was falsch mache, dann mache ich das Falsche aber ordentlich richtig falsch.
Und wenn ich was richtig mache, mache ich dem Falschen den Garaus.
Ich habe noch nie etwas total richtig oder total falsch gemacht.
Ich könnte etwas so ungefähr richtig machen im Wissen, dass auch etwas falsch dabei sein wird.

Ich kann mich in richtig und falsch so verheddern, dass ich nicht mehr weiter weiß.
Dass ich mich erschöpfe und keine Lust mehr habe. Es ist eh falsch. Zumindest ein bisschen.
Was passiert, wenn ich richtig und falsch streiche?
Kaum mache ich was, mache ich es!

Ich mache was!
Ich mache was!
Ich mache was!
Ich mache was!

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Dienstag, 22. Januar 2019

Manches Ende wird ein neuer Anfang.

Manchmal gestalte ich eine Abschiedsfeier für einen Verstorbenen und sehe mit den Angehörigen auf das Ende dieses Lebens. Da geht etwas zu Ende. Für manches gibt es keine Fortsetzung in gleicher Weise. Eine Fernsehserie geht zu Ende. Ein altes Gleis. Ein Arbeitstag und ein Arbeitsleben.
Eigentlich wäre das ja völlig neutral. Ich könnte sagen: Na und? So ist das halt. Logisch! Alles hat ein Ende. Grundlage dieser Welt.
Ich denke an das Ende und mir wird bewusst, dass ich dann etwas oder jemanden nicht mehr habe! Ich verliere etwas. Und das macht mich traurig, wütend oder ängstlich. Und erfüllt mich mit Schmerz. Diese Gefühle möchte ich nicht. Und wenn ich kann, vermeide ich sie. Ich zögere das Ende hinaus. Ich verlängere noch einmal. Ein weiterer Arbeitstag. Noch eine Schleife mit den medizinischen Geräten. Vor dem Abschied noch einmal umarmen und sich dann noch einmal umdrehen und zum Schluss noch einmal winken und in der Ferne noch einmal hupen.
Während ich mich noch im Abschiedsschmerz befinde bahnt sich jedoch schon ein neuer Anfang. Es gibt kein Vakuum! Am Ende des Bahngleises beginnt irgend etwas neues. Eine Straße oder ein Feld oder eine Weide! An meinem letzten Arbeitstag bahnt sich schon der Weg für den ersten Tag "ohne Arbeit". Aber es ist kein Tag "ohne". Es wird etwas alternativ geschehen. Und sei es, dass ich "nur" herumsitze. Es gibt kein Vakuum - also ein "Nichts".
Ich kann mich am Ende von etwas also in den Schmerz hineinbegeben oder mir ins Bewusstsein rufen, dass da jetzt etwas neues anfängt. Der Anfang von etwas kann Angst machen. Aber vielleicht auch Freude oder Spannung, oder...
Es gibt das Ende von etwas, das zugleich der Anfang von etwas ist. Wenn ich damit einverstanden bin, kann ich mich da hinein entspannen. Ich sperre mich nicht gegen das Grundgesetz des irdischen Lebens. Es ist wie bei einem Ballspiel. Du nimmst den Ball auf und gibst in weiter. Bei dir ist nur eine Durchgangsstation. Wenn du den Ball festhältst ist das Spiel vorbei. Du empfängst und gibst weiter. Wie die Liebe. Du empfängst und schenkst. Du folgst einem Rhythmus. Anfang und Ende und wieder ein Anfang. Nichts als ein Rhythmus. Du atmest ein und du atmest aus und gibst dein Einverständnis.
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Montag, 21. Januar 2019

Du wolltest als Kind zum Zirkus? Jetzt bist du mitten drin!

Wolltest du auch als Kind zum Zirkus? Ich auf jeden Fall! Ich wollte Clown werden. Die Clowns haben mich immer am meisten fasziniert. Wahrscheinlich weil ich so gerne lache. "Du wolltest als Kind zum Zirkus? Jetzt bist du mitten drin!" Den Satz fand ich auf einer Spruchkarte.
Schade, dass der Zirkus dabei so schlecht weg kommt. "Was macht ihr nur für einen Zirkus" "Was ist das hier für ein Zirkus!" Unsere Eltern hatten wohl dabei die Fantasie, dass es drunter und drüber geht. Alles durcheinander. Keine Regeln werden mehr beachtet. Der Anfang vom Ende. Die Aufforderung, unbedingt wieder für Ordnung zu sorgen.
Ja, manchmal gerät alles durcheinander oder aus den Fugen. Nichts passt mehr zusammen. Auch wenn es in einer Zirkusvorstellung bunt und quirlig zugeht - es gibt dennoch eine klare Ordnung. Außer den Clowns vielleicht stört kein Artist den anderen bei seiner Nummer. Es gibt einen Platz für die Zuschauer und eine Manege für die Akteure. Das Programm hat ein Anfang und ein Ende und folgt genau einer Choreographie. Da wechseln sich rasante Stunts mit beschaulichen Pferdenummern ab. Für die Zuschauer werden immer neue und andere Gefühle aktiviert. Da stecken viele Planungen und Überlegungen hinter.
Ja, manchmal gerät das Leben durcheinander. Aber mit Zirkus hat das nichts zu tun. Dennoch sagen wir es so! Möge doch unser Leben wirklich wie ein Zirkus sein. Dann würden wir gar nicht durcheinander geraten! Durcheinander gerät das Leben ja nur, weil etwas nicht mehr stimmt! Weil bestimmte Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden. Wenn Menschen sich nicht mehr verstehen. Wenn etwas total quer läuft. Es gibt also immer einen guten Grund!
Was wäre aber, wenn wir wirklich mitten im Zirkus wären? Wir nehmen das Leben ja sehr ernst. Wir erledigen brav unsere Arbeitsaufgaben, sind gut zu unseren Kindern und rücksichtsvoll im Straßenverkehr. Wir haben hohe moralische Messlatten. Für das Zusammenleben ganz sinnvoll. Aber wie sähe unser Leben aus, wenn wir mitten im Zirkus wären? Wir würden vielleicht bemerken, dass das Leben nur ein Spiel ist. Wir spielen miteinander. Wir denken, es wäre ernst, aber es ist nur ein Spiel. Wenn du Kinder beobachtest kannst du sehen, wie spielen geht. Du kannst Zirkus und Ernst gut miteinander verbinden. Der Unterschied ist nicht so groß. Du "spielst" nur eine Nummer in deinem Programm, manchmal akrobatisch und manchmal dressiert.
Und doch mag ich den Clown im Zirkus. Er ist dort fest verankert. Er hält dir den Spiegel vor und macht dir klar, dass du alles ernst nehmen darfst aber dich dabei nicht so wichtig nehmen sollst. Zirkus ist gar nicht so schlecht!
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Samstag, 19. Januar 2019

Möge der neue Tag sich im Einklang mit dir treffen. (altirische Weisheit)

Heute ist Samstag. Der Samstag erzählt mir: "Ich habe noch keine Gestalt. Die Stunden sind nicht festgelegt. Da gibt es viele Freiräume und tausende von Möglichkeiten. Ich bin voller frischer Brötchen und bunter Marktstände. Ich bin pulsierendes Leben und Verlockung. Ich bin Muße und Entspannung. Ich bin Kino und Ausflug. Ich bin ohne "müssen" und "sollten". Ich komm dir wohlwollend, neugierig, offen und freundlich entgegen. Ich bin wie die einladenden Auslagen im Schaufenster. Ich bin ein Versprechen und eine Erfüllung. Ich bin Verheißung und Lust! Na, und wo bist du?"
Ja, wo bin ich am heutigen Samstag? Ich streife die Woche von Montag bis Freitag ab wie die tote Haut einer Schlange und schwinge im Einklang mit dem Samstag mit. Ich brauche dafür meine Zeit, denn der Samstag spricht zu mir wie ein junger springender Hund, der sich austoben möchte. Aber ich setze den ersten Schritt und kaufe frische Brötchen.
Dir wünsche ich einen reichen Samstagsegen.

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Freitag, 18. Januar 2019

Was ich dir empfehle!

Hättest du gerne eine Empfehlung für die Woche?

Der Gemüseladen empfiehlt Salat.
Der Fleischer seinen Hackbraten.
Der Bäcker den Bauernlaib.
Und der Elektroladen ein schönes Auslaufmodell.

Der Arzt empfiehlt regelmäßige Bewegung.
Der Pastor die Beichte mit der Befreiung von Sünden.
Der Psychologe das Reden über die Gefühle.
Und der Heilpraktiker Globuli genau auf dich abgestimmt.

Kinder empfehlen ein Eis am Stil.
Väter die Sicherheit eines vollen Bankkontos.
Mütter empfehlen, dass sich alle vertragen.
Und Omas und Opas empfehlen Gelassenheit.

Politiker empfehlen, dass man ihren Worten vertraut.
Polizisten, dass man sich an die Regeln hält.
Richter, dass man nicht kriminell wird.
Sozialarbeiter empfehlen einen gut funktionierenden Sozialstaat.

Was empfiehlst du?
Für diese Woche?
Für diesen Augenblick?
Und überhaupt?

Ich empfehle: "Sei freundlich zu dir!"
Darin ist schon alles enthalten.
Überprüfe es mal und fang diesen Text von vorne an.
Sei freundlich zu dir!

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Donnerstag, 17. Januar 2019

Das Grün der Wiesen erfreue deine Augen, das Blau des Himmels überstrahle deinen Kummer, die Sanftheit der kommenden Nacht mache alle dunklen Gedanken unsichtbar. (Irischer Segen)


Wie gehst du mit Kummer und mit dunklen Gedanken um? Wo wohnen sie in deinem Körper? Spüre dem einmal nach. Vielleicht sitzt der Kummer im Herzen und die dunklen Gedanken im Kopf? Vielleicht sitzen sie da und strahlen auf deinen ganzen Körper aus. Du spürst die Schwere in den Gliedern. Du entwickelst einen Tunnelblick. Du nimmst nicht mehr wahr, was um dich herum geschieht.
Kummer und dunkle Gedanken sind wirklich schwer zu ertragen. Die dunklen Gedanken kommen oft als ein Grübeln daher. Hier eine Schleife, daraus eine neue Schleife... Du gehst von Schleife zu Schleife und... dann fängst du wieder von vorne an. Die dunklen Gedanken lieben die Worte: Hätte, Sollte, Müsste. Der Kummer liebt den tiefen Seufzer und die Ohs und Ahs.
Die bedrückende Nachricht heißt: Kummer und dunkle Gedanken gehören zum Menschsein dazu. Sei dankbar, wenn du davon nicht zu viel hast. Aber sie sind und bleiben ein Teil von dir.
Der irische Vers leugnet das auch nicht. Er schenkt dir jedoch eine Ergänzung. Wenn du schon Kummer hast, dann möge das Blau des Himmels ihn überstrahlen. Im Lichte des blauen Himmels bekommt der dunkle Kummer eine andere Färbung. Und wenn deine Sorgen dich gefangen halten richte deine Augen auf das Grün der Wiesen.
Dieser Aspekt ist interessant! Der irische Segen schlägt uns eine Art Farbtherapie vor. Im Grün des Lebens und im Blau der Beruhigung findet dein Kummer Trost. Am Tag mag das noch gehen. Der größte Verbündete von kummervollen Gedanken ist jedoch die Nacht. Ich kenne so viele Menschen, die sich tagsüber gut ablenken können, aber beim Einschlafen fangen die Gedanken an zu kreisen. „Die Sanftheit der kommenden Nacht mache alle dunklen Gedanken unsichtbar.“
Auf dem ersten Blick erscheint dir die Nacht wie ein Feind. Er verstärkt die dunklen Bilder und angsteinflößenden Gedanken. Mir gefällt es, das Bild der Nacht zu verändern. Die Nacht kann sehr sanft sein. Als Kind bist du unter die dunkle Decke gekrochen und hast dich versteckt wie in eine Höhle. Ich lege mich also schlafen und entwickle das Bild einer bergenden Höhle. Wenn dann die Gedanken kommen sage ich ihnen: „Ich kann euch nicht sehen, es ist ja dunkel! Erst morgen im Licht des neuen Tages kann ich mich wieder mit euch beschäftigen. Macht es wie ich und legt euch schlafen. Gute Nacht!“
Erinnerst du dich an die schöne Familienserie von den „Waltons“? 
Zum Schluss einer jeden Episode gab es einen kurzen Dialog quer durch alle Schlafzimmer. Das war ein sehr hilfreiches Ritual den Tag abzuschließen. Jeder sagt seinen letzten Gedanken und vergewissert sich, dass alle Familienmitglieder da sind. Dann lassen alle ihre Gedanken los und Stille kehrt ein. Wünsche also deinem Kummer eine gute Nacht und versprich ihm, dass du dich am nächsten Tag wieder darum kümmerst. 

Mittwoch, 16. Januar 2019

Ich steh mit beiden Beinen fest auf dem Schlauch.

Manchmal stehe ich mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Ich weiß, was ich will und ich weiß, was ich kann. Und ich mache es! Heute morgen habe ich mir ein Brot geschmiert. Ich wollte es und ich konnte es und ich war mir darin total sicher. Ich hatte keine einzige Frage. Brot war da und Butter und Wurst. Ich hatte ein Messer und einen Teller. Ich hatte keine Sekunde einen Zweifel, dass ich am Ende in mein Butterbrot beißen werde. Ich liebe es, mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen. Das gibt mir Halt und Orientierung. Und ich schaffe auch noch andere Dinge als Brote zu schmieren. Mir fallen noch viele Beispiele ein wo ich weißt was ich will und kann und auch umsetze. Je mehr ich finde, desto fester spüre ich den Kontakt zum Boden.
Manchmal aber stehe ich auf dem Schlauch. Wenn ich Gebrauchsanweisungen lese! Gott schütze mich vor Gebrauchsanweisungen. Ich verstehe sie einfach nicht. Ich kann den Erklärungen nicht folgen! Da steht was von links aber ich weiß nicht, von wo aus betrachtet. Da steht etwas von "anbringen" und ich verstehe nur Bahnhof. Mit Schrauben? Von wo nach wo und womit? Wenn ich die Gebrauchsanweisung in den Händen halte spüre ich schon den Schlauch. Auf dem Schlauch stehend verliert das Leben die Standfestigkeit. Du fällst leicht hin oder rutscht im Wasser aus. Oder stehst auf einem Knick und verursachst einen Stau.
Jetzt hat da so ein Schlaumeier diese beiden Sätze verbunden und mein Gehirn neu verschaltet. "Ich steh mit beiden Beinen fest auf dem Schlauch." Wie wunderbar! Ich stehe also nicht wackelig auf dem Schlauch sondern mache mich fest. Wie übersetze ich das jetzt in die Praxis? Ich lese die Gebrauchsanweisung und fühle mich dabei so, als würde ich Brote schmieren. Dann verstehe ich den Text vielleicht immer noch nicht, aber ich habe nicht mehr so ein Ohnmachtsgefühl.
Das Schlimme ist ja nicht das Unverständnis, sondern das Ohnmachtsgefühl. Ab jetzt werde ich weiterhin Gebrauchsanweisungen nicht verstehen, aber mich nie wieder hilflos fühlen. Das ist ein neuer Anfang. Und wenn ich die Anweisungen wieder und wieder lese mit der gleichen inneren Gelassenheit und Stärke - wer weiß! Ich werde verstehen! Ich steh ja schließlich mit beiden Beinen fest auf dem Schlauch.
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Dienstag, 15. Januar 2019

Du bist eine Königin! Du bist ein König!

Bei einem Spaziergang finde ich ein Holzschwert. Es steckt so in dem Stein, dass es an das Schwert von König Artus erinnert. Dieses trug den Namen Excalibur. Ich fand also Excalibur in Holz. Der Zauberer Merlin trieb es damals in einen Stein und nur der wahre Königsanwärter war in der Lage, das Schwert aus dieser Lage zu befreien.
Jetzt stehe ich vor Excalibur aus Holz und darf testen, ob ich die Königswürde in mir trage wie damals Artus. Ich beuge mich und greife mit beiden Händen den Schaft und ziehe. Mühelos kann ich das Schwert anheben. Jawohl! Ich bin ein König! Ich habe es immer schon gewusst und jetzt bekomme ich endlich die Bestätigung. Ein Holzschwert beim Spaziergang. Ich stelle es wieder ab, damit auch der nächste Spaziergänger eine Chance hat, sich zu prüfen.
Ich habe also die Bestätigung der Königswürde. Aber ich weiß, dass ich dafür kein Schwert brauche. Ich muss für meine Würde nichts tun. Ich trage sie in mir seit ich auf der Welt bin. Und du trägst diese Würde auch in dir! Du bist ein unendlich wertvoller und kostbarer Mensch voller glänzender, schimmernder und liebenswürdiger Würde.
Da gibt es das Schwert und den Stein, der das Schwert festhält. Vielleicht ist der Stein nur eine Illusion. Du siehst das Schwert und den Stein und denkst, du kannst nicht ziehen. Es funktioniert nicht. Also ziehst du gar nicht erst. Wenn du genau hinschaust entdeckst du, dass das Schwert aus Holz ist und gar nicht im Stein feststeckt. Es kann also fast unmöglich oder total leicht sein. Wie erlebst du dich selbst, wenn du in den Spiegel schaust. Bist du eine Königin, ein König? Wurde es dir geschenkt oder musstest du hart dafür arbeiten? Oder scheiterst du immer noch? Streiche die Fragezeichen! Ja, du bist eine Königin! Ja, du bist ein König!
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Montag, 14. Januar 2019

Küss mich mal!

Vor einem Schaufenster bleibe ich stehen: "Merry Kisses" lese ich dort. Ach wie schön! Gibt es dort im Laden fröhliche Küsse? Sollte ich mal hineingehen und nachfragen? Ich hätte gerne ein paar fröhliche Küsse! Was kosten sie? Und von wem bekomme ich sie?
Hinter dem Fenster stehen Schaufensterpuppen. Bekomme ich also Küsse von einer Puppe? Ewig jugendlich strahlend aber kalt? Solche Küsse würden mich nicht froh machen. Außerdem müsste ich ja dann küssen und würde nicht geküsst.
Ja, ich wünsche mir fröhliche Küsse. Die Idee gefällt mir. Ein Winken! Ein Handkuss! Ein Küsschen auf die Stirn und jeweils rechts und links auf die Wangen. Fröhliche Küsse! Küsse, die fröhlich machen. Das Januarwetter ist grau und trübe. Ich schließe die Augen und stelle mir vor, dass ganz viele Menschen mir fröhliche Küsse schenken und ich schenke fröhlich zurück! Eine Welt voller "Merry Kisses" - das wünsche ich dir. Und wenn nicht mit dem Mund - dann vor allem mit dem Herzen!
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Samstag, 12. Januar 2019

Möge es in deinem Leben keine verschenkten Tage geben, aber viele, die du anderen schenkst. (irischer Segen)


Im Auto erzählte mir eine Freundin von ihrem „verschenkten“ Tag. Solche Tage kenne ich auch. Du fängst mit einer Arbeit an und kommst nicht voran trotz all der Zeit, die du investiert hast. Du rufst an und erreichst niemanden. Im Laden ist das Produkt ausgegangen, das du gesucht hast. Du machst einen Besuch und durch deine Ungeschicklichkeit reißt du dir einen Knopf vom Hemd an einer Stelle, wo es gleich auffällt. Und das alles nicht in einem Monat, sondern an einem einzigen Tag. Da bekommst du wirklich den Eindruck: Das war ein verschenkter Tag. Da hätte ein spontaner Ausflug oder ein entspannter Nachmittag im Garten mehr Sinn gemacht. Manchmal deuten wir verschenkte Tage eher als „vergeudete“ Tage.
Um „vergeudete“ Tage geht es in diesem irischen Segensspruch. Das sind Tage, zu denen du nicht innerlich Ja sagen kannst. Tage, die du anders geplant und dir anders vorgestellt hast. Da kommt schon mal das Gefühl hoch von Sinnlosigkeit und Leere.
Es gibt daneben aber auch die Erfahrung eines verschenkten Tages in dem Sinne, dass du dich entscheidest, eine bestimmte Zeit mit einem anderen Menschen zu verbringen. Du verschenkst Zeit, du bist sogar so großzügig, dass du einen ganzen Tag schenkst. Es wird dich mit Freude und Zufriedenheit erfüllen und dir helfen, ganz im Sein zu sein. 
Ich glaube, dass kein Tag vergeudet sein muss wenn du ihn als sinnvoll deutest. Auch wenn alles schief geht kannst du sagen: Ich habe wertvolle Erfahrungen gemacht! Also: „Möge es in deinem Leben keine verschenkten Tage geben, aber viele, die du anderen schenkst."

Freitag, 11. Januar 2019

Möge das Leben dich lehren dir selbst ein guter Freund zu sein. (Irischer Segensspruch)


Bist du dir selbst ein guter Freund/ eine gute Freundin? Ich kenne viele Menschen, mich eingeschlossen, die sich selber oftmals sehr kritisch betrachten. Du bist nicht klug genug, du hast diese oder jene Aufgabe nicht optimal erfüllt. Du bist keine wunderbare Ehefrau oder kein aufmerksamer Ehemann. Du fährst mit deinem Wagen zu langsam oder zu schnell. Du beachtest alle Verkehrsregeln supergenau und nahezu penetrant oder du hältst die Regeln alle nur so ungefähr ein. Du schaust dir deine Schulzeugnisse über die Jahre an und erinnerst dich an all die Fächer, in denen du besser hättest abschneiden können, wenn du nur genug geübt hättest. Dir kommen all die Tests vor Augen, die du nicht wichtig genommen hast und überlegst, wo du stehen würdest, wenn du immer die optimale Lösung gefunden hättest auf deinem Weg.
Du gehst zurück in die Vergangenheit und betrachtest deine Gegenwart. Beim Einkauf hast du das Salz vergessen. Die Kartoffeln haben heute fünf Minuten zu lange gekocht, du hast dir beim Essen ein paar Saucenspritzer auf dein frisch gewaschenes Hemd eingehandelt. Du hast dem einen  nicht aufmerksam zugehört und jemand anderem bist du auf die Nerven gegangen.
Du ärgerst dich über deine Schusseligkeit und dein Unvermögen. Kannst du dir trotzdem ein guter Freund, eine gute Freundin sein? Wie oft erlebe ich es, dass ein Freund mir sein Unvermögen beichtet: „Ich habe vergessen dich anzurufen.“ „Ich muss dir doch noch dein Buch zurückgeben, das du mir geliehen hast.“ Dann antworte ich: „Ist doch nicht so schlimm!“
 Kann ich mir das auch selber sagen? Ist doch nicht so schlimm? In wie viele Fallen musst doch noch tappen. Wie viele Dinge müssen dir noch misslingen bis du anfängst, dich dafür zu verurteilen? Möge das Leben dich lehren, dir selbst ein guter Freund zu sein. 
 

Donnerstag, 10. Januar 2019

Mögest du bei jedem Erwachen eine Stimme hören, die zu dir spricht: Heute wird dir was gutes widerfahren. (irischer Segen)


Du wachst auf und dir wird bewusst, dass heute dein Geburtstag ist. Du wirst Anrufe bekommen von Menschen, die dir Glück wünschen. Du wirst in der Post schöne Karten und Briefe finden von Menschen, die an dich gedacht haben. Es wird im Laufe des Tages mehrfach an der Tür klingeln und Freunde werden dich besuchen mit einem Geschenk in der Hand und Freude in den Augen. Du wachst also auf in dem klaren Wissen: Irgendjemand denkt heute an dich und schenkt dir seine Aufmerksamkeit und Liebe. Wenn du Geburtstag hast gehst du davon aus, dass das geschehen wird.
Es ist ein ganz normaler Tag. Du hast keinen Geburtstag und nichts Besonderes liegt an. Kein Jubiläum, kein Fest, ganz normaler Alltag. Wie viele dieser Tage gibt es in deinem Leben? Tage, an denen nichts geschieht außer eben Alltag? Du wachst am Morgen auf und gehst einfach hinein in deinen Tag ohne Wünsche oder positive Erwartungen. Du stehst auf weil der Wecker klingelt und deine Arbeit dich ruft. Die Tiere wachen auch auf, wenn der Tag beginnt und gehen schlafen, wenn er endet – je nach tierischer Eigenart.
Jetzt stell dir vor, dass du am Morgen eine Stimme hörst, die zu dir spricht: „Heute wird dir was gutes widerfahren.“  Wie wirst du aufstehen? Wie stehst du auf im Unterschied zu den anderen Morgen? Was wird dieser Satz in dir auslösen? Freudige Erwartung? Ungeahnte Kraft und Energie? Frohe Beschwingtheit? Stell dir also vor, dass du diese Stimme hörst. Du wirst die Augen aufmachen, dein Herz öffnen, hinhören und aufmerksam sein. Während des Tages geht deine Aufmerksamkeit hin zu der Erfüllung dieses Versprechens: „Ah, da widerfährt mir etwas gutes!“ Du weißt ja nicht, was geschehen wird. Alles kann für dich gut sein! Der Bus, der pünktlich kommt und der freie Sitzplatz für dich! Der geschenkte Freiraum bei der Arbeit, weil ein Termin abgesagt wurde! Das Sonderangebot in der Modeboutique oder was auch immer.
Die Stimme spricht nicht von vielleicht oder möglicherweise. Sie ist klar und präzise: „Heute wird...“
Jetzt magst du sagen: „Ich habe leider noch nie eine solche Stimme gehört am frühen Morgen.“ „Woher sollte diese Stimme kommen?“ Ich bin schon froh, wenn ich die Augen öffnen kann und alles so einigermaßen seinen geordneten Weg geht.
Wenn du auf die Stimme von außen wartest wirst du wahrscheinlich lange warten müssen. Was hindert dich daran, selber diese Stimme zu sein? Morgen also wachst du auf und sagst dir: „So schlimm kann gar kein Tag sein, als dass da nicht zwischendurch auch einmal ein kleines Wunder geschieht. Heute entscheide ich mich dafür, alle möglichen schlimmen Ereignisse zu übersehen und mich voll und ganz auf das Wunder zu konzentrieren, das heute auf mich wartet.“

Mittwoch, 9. Januar 2019

Ein Landeplatz für Engel

Auf einer Goldfolie lese ich: "Engellandeplatz". Finde ich einen solchen Platz im Außen? Kann ich irgendwo hinreisen, wo Engel landen können? Engel fliegen und brauchen Landeplätze. Sonst fliegen sie einfach weiter und ich komme mit ihnen nicht in Kontakt!
Ein Engel interessiert sich leider nicht für solche Landeplätze im Außen. Dort ist ja niemand! Engel interessieren sich für Menschen und sind ganz nah bei ihnen. Sie mögen Landeplätze im Herzen. Wenn du sie willkommen heißt, dann merkst du, dass sie längst da sind. Du selbst bist der Landeplatz für Engel.
Wie schön ist doch die Vorstellung, dass jeder Mensch einen Landeplatz hat. Du stehst dort, und heißt willkommen, was dort landet. Menschen, Engel, Botschaften, Geschenke, Sonne und Regen. Und bei dir darf etwas nicht nur landen, sondern auch noch verweilen. Du hast eine große Fläche mit Räumen und Gärten. Du besitzt eine Herzenswelt aus lauter Willkommensplätzen. Und wenn du mal was suchst, wo du landen möchtest, dann lade ich dich ein. Besuch mich mal! Eine Fläche in meinem Herzen ist immer frei - für Engel wie dich!
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Dienstag, 8. Januar 2019

Mit Eleganz und Leichtigkeit

In diesem Jahr werde ich alle Dinge mit Eleganz und Leichtigkeit lösen. So, wie diese Frau auf dem Bild. Mit all ihrer Pracht und Fülle strahlt sie Eleganz und Leichtigkeit aus.
Manchmal fühlen sich die Dinge so gewichtig und schwer an. Die ganze Zukunft hängt von meiner Entscheidung ab. "Da hängt so viel dran!" Ja, die Dinge hängen zusammen. Alles hat seine Auswirkungen. Wenn ich A mache, dann passiert irgendwo B. Wenn ich Angst habe vor den Auswirkungen werde ich A nicht machen. Aber auch wenn ich A nicht mache hat es Auswirkungen. Ist C dann nicht besser? Vielleicht! Aber ich kann das gar nicht so genau berechnen. Ich kann die Zukunft nicht voraussagen und weiß auch nicht, ob A oder C auf die Dauer besser wäre. Nur - je länger ich nachdenke und den Gedanken Gewicht verleihe, desto schwerer werde ich.
Jetzt entscheide ich mich für Eleganz und Leichtigkeit und spüre mal in mich hinein, wie sich das anfühlt und wie sich das auswirkt. Ich fühle mich wie ein Schmetterling und die Welt ist eine Frühlingswiese. Für jetzt entscheide ich mich für den Schmetterling. Und das fühlt sich gut an!
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Montag, 7. Januar 2019

Bist du frei? Darf ich dich stören?


Hinter dem Schild Nr. 14 verbergen sich zwei Wirklichkeiten. Ich kann es verschieben und bekomme jeweils eine andere Botschaft. Nr. 14 ist frei und manchmal darf ich Nr. 14 nicht stören. Nr. 14 kann man nach links und nach rechts schieben. Nr. 14 gehört zu einem Tagungsraum vor dem ich gerade sitze. Es steht auf: "Bitte nicht stören". Dann kommt ein Mann aus dem Raum und schiebt den Regler auf "frei".
Ich sitze gegenüber und mache mir meine Gedanken. Wenn ich dich anspreche: "Bist du frei?" Magst du mir gerade zuhören? Bist du offen für das, was ich sage? Vielleicht sagst du ja verbal: "Ja klar! Gerne! Was möchtest du von mir?" Und zugleich bist du verschlossen und sendest ein verborgenes Signal aus: "Bitte nicht stören". Du bist also nicht wirklich frei. Du bist beschäftigt. Wir Menschen können das irgendwie gleichzeitig und wieder auch nicht. Ein Raum ist frei oder besetzt. Räume sind da eindeutiger. Aber bei uns Menschen gibt es manchmal zwei Welten. Eine innen und eine, die ich zeige. Wie bei dem Schild am Tagungshaus. Welche Wirklichkeit will ich gerade ausdrücken? Bin ich frei? Oder möchte ich nicht gestört werden! Beides hat seine Berechtigung und es gibt jeweils gute Gründe.
Ich möchte mehr in mich hineinspüren, was denn gerade dran ist. Ich werde mich trauen zu sagen, dass ich gerade nicht gestört werden möchte. Ich riskiere meine Freundschaft und vertraue, dass sie das aushält. Dass mein Gegenüber das versteht oder auch nicht und dennoch die Beziehung zu mir aufrecht hält. Und dass mein Gegenüber und ich beide völlig in Ordnung sind. Mal bin ich eben frei und mal möchte ich nicht gestört werden.
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Samstag, 5. Januar 2019

Möge das Leben dich lehren dir selbst ein guter Freund zu sein. (Irischer Segensspruch)


Bist du dir selbst ein guter Freund/ eine gute Freundin? Ich kenne viele Menschen, mich eingeschlossen, die sich selber oftmals sehr kritisch betrachten. Du bist nicht klug genug, du hast diese oder jene Aufgabe nicht optimal erfüllt. Du bist keine wunderbare Ehefrau oder kein aufmerksamer Ehemann. Du fährst mit deinem Wagen zu langsam oder zu schnell. Du beachtest alle Verkehrsregeln supergenau und nahezu penetrant oder du hältst die Regeln alle nur so ungefähr ein. Du schaust dir deine Schulzeugnisse über die Jahre an und erinnerst dich an all die Fächer, in denen du besser hättest abschneiden können, wenn du nur genug geübt hättest. Dir kommen all die Tests vor Augen, die du nicht wichtig genommen hast und überlegst, wo du stehen würdest, wenn du immer die optimale Lösung gefunden hättest auf deinem Weg.
Du gehst zurück in die Vergangenheit und betrachtest deine Gegenwart. Beim Einkauf hast du das Salz vergessen. Die Kartoffeln haben heute fünf Minuten zu lange gekocht, du hast dir beim Essen ein paar Saucenspritzer auf dein frisch gewaschenes Hemd eingehandelt. Du hast dem einen  nicht aufmerksam zugehört und jemand anderem bist du auf die Nerven gegangen.
Du ärgerst dich über deine Schusseligkeit und dein Unvermögen. Kannst du dir trotzdem ein guter Freund, eine gute Freundin sein? Wie oft erlebe ich es, dass ein Freund mir sein Unvermögen beichtet: „Ich habe vergessen dich anzurufen.“ „Ich muss dir doch noch dein Buch zurückgeben, das du mir geliehen hast.“ Dann antworte ich: „Ist doch nicht so schlimm!“
 Kann ich mir das auch selber sagen? Ist doch nicht so schlimm? In wie viele Fallen musst doch noch tappen. Wie viele Dinge müssen dir noch misslingen bis du anfängst, dich dafür zu verurteilen? Möge das Leben dich lehren, dir selbst ein guter Freund zu sein. 
 

Freitag, 4. Januar 2019

Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt

Wieder mal ein afrikanischer Spruch aus meinem Kalender.
Ich kenne viele Menschen, die das Gefühl haben, nicht bei sich angekommen zu sein. Immer gibt es einen Mangel. Nie ist etwas so ganz richtig. "Jetzt mache ich mehr Sport, das hat mir früher schon gut getan, aber irgendwann habe ich damit aufgehört. Vielleicht hilft es mir ja weiter." Dann kommt der Sport und es fühlt sich wieder nicht so ganz richtig an.
Manche Menschen sagen von sich, dass sie viele Umwege machen. Da ist die erste Liebe, die nicht funktioniert, dann kommt die zweite Liebe und manchmal ist die dritte Liebe dann die richtige.
Manche erlernen einen Beruf und stellen schnell fest, dass er nicht den eigenen Fähigkeiten und dem Herzenswunsch entspricht. Aber sie üben ihn aus über viele Jahre bis hin zur großen Sinnkrise.
Bei all diesen Geschichten und Erfahrungen kommt dann vielleicht der Gedanke: Wozu das alles? Warum diese ständigen Umwege? Wann komme ich endlich an mein Ziel? Wann wird alles so sein, dass ich rundum zufrieden bin?

Da sagt das afrikanische Sprichwort: Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt. Das ist doch beruhigend, nicht wahr? Ich darf Umwege machen, so viele ich will. Es ist nicht einmal ein Umweg. Das Wort "Umweg" ist nur meine persönliche Deutung. Es ist halt mein Weg, der Weg, den ich gerade gehe. Ich kann mehrmals um die ganze Erde reisen und innerlich durch tausend Welten wandern, es geht gar nicht anders, als das ich ans Ziel gelange. Ein Misslingen ist damit quasi ausgeschlossen. Egal wie lange du unterwegs bist und wohin du dich auch wendest: Du kommst irgendwann nach Hause, entweder am Ende deines Lebens, zwischendurch oder auch heute. Diese Erkenntnis schenkt dir eine unmittelbare Gelassenheit und klare Gewissheit. Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt.   
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Donnerstag, 3. Januar 2019

Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis (Platon)


Alles hat einen Anfang! Auch die Erkenntnis fängt mit etwas an. Wie läuft ein Erkenntnisprozess? Ich werde zuerst mit einer Idee konfrontiert oder einem Ereignis. Das Erlebte verarbeite ich und ich denke darüber nach. Am Ende des Denkprozesses gibt es ein Ergebnis: Die Erkenntnis.
Jetzt hat Platon eine interessante Idee. Am Ende steht die Erkenntnis und am Anfang ist das Staunen. Das "Staunen" ist eine wunderbare Gabe für uns Menschen. Wann hast du das letzte Mal gestaunt? Kinder staunen ständig! Wenn du ihnen etwas erzählst, dann werden die Augen ganz groß und sie sperren den Mund auf. Sie sagen laut: "Oooooh!" und "Aaaaaah!" Sie sind ganz außer sich und völlig erfüllt von dem Erleben. Sie saugen das Gesehene oder Gehörte förmlich in sich auf. Sie erschaudern und sind tief bewegt. Sie wollen mehr davon. Sie wollen es tiefer erfassen.
Wir Erwachsenen sind da schon viel abgebrühter. Es muss schon ein Smartphone mit besonderen technischen Raffinessen sein, das uns staunen lässt. Wenn ich im Urlaub ans Meer fahre dann staune ich über die Weite! Wenn ich in die Berge fahre dann staune ich über die Erhabenheit! Wenn ich dann jeden Tag aufs Meer schaue verändert es sich schon. Das Staunen wird geringer, die Selbstverständlichkeit wächst. Wir tauschen das "Staunen" gegen die "Macht der Gewohnheit." Ja, die Gewohnheiten sind auf die Dauer mächtiger als das Staunen. Schade eigentlich! Wenn wir nicht mehr staunen können nach Platon, dann hören auch die Erkenntnisse auf. Wir nehmen ja nichts mehr wirklich wahr. Wir gehen daran vorbei.
Du kannst ja auch nicht immer ans Meer oder in die Berge fahren damit du mal staunen kannst. Manche Menschen brauchen immer den letzten Kick damit sie sich das Staunen erhalten können, und das "Ooooh"-Gefühl. Wenn ich heute wieder verstärkt staunen möchte dann braucht es mehr Aufmerksamkeit. Ich blicke in den Garten und schaue mir die Eibe an. Das mache ich über einen längeren Zeitraum. Ich beobachte die Meisen, die darin herumhüpfen und Beeren picken. Ich nehme die Schönheit des Baumes wahr und vertiefe mich in das immerwährende Grün. Ich merke, wie das Staunen sich so langsam im Körper ausbreitet. Ich lebe Seite an Seite mit einem Baum, der jeden Tag ganz zuverlässig an seinem Platz steht. Jahr für Jahr! Jeden Tag und ohne Ausnahme steht er da in seinem Grün und gibt mir Schatten und den Vögeln Nahrung.
Meine Aufmerksamkeit geht jetzt am Frühstückstisch zu meinem Lieblingsbäcker. Ich mag sein Brot. Ich kann es jeden Tag essen. Mir wird es nicht überdrüssig. Er backt es zuverlässig jeden Tag für mich. Ich staune über die Kontinuität. Kuchen kann ich nur ab und zu genießen. Frischen Brot mag ich jeden Tag. Und wiederum breitet sich ein langsames und stetiges Staunen aus.
"Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis." Das hieße für mich, bei jedem Anfang dem Staunen mehr Chancen zu geben, wenn sich in mir so ein Gewohnheitsgefühl breitgemacht hat. Ich lade dich ein zum Staunen über all die vielen Anfangssituationen, die dir geschenkt werden im Leben.
www.matthias-koenning.de


Mittwoch, 2. Januar 2019

Zu Beginn des neuen Jahres: Die Kunst der kleinen Schritte!


Vielleicht planst du zu Beginn des neuen Jahres große Dinge. Wenn sie zu groß sind können sie schnell im Sande verlaufen. Vielleicht gibt es auch eine Alternative zu den überfordernden Zielen. In einem Gebet spricht spricht Antoine de Saint-Exupéry von der Kunst der kleinen Schritte.


Die Kunst der kleinen Schritte
Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr,
sondern um die Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Mach mich sicher in der rechten Zeiteinteilung.
Schenk’ mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden,
was erstrangig und was zweitrangig ist.
Schenk’ mir die nüchterne Erkenntnis,
dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge
eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind,
durch die wir wachsen und reifen.
Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt.
Schick’ mir im rechten Augenblick jemanden, der den Mut hat,
die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen.
Gib dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten
und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleihe mir die nötige Phantasie,
im rechten Augenblick ein Päckchen Güte
mit oder ohne Worte an der richtigen Stelle abzugeben.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern das, was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Ich kenne Menschen, die stecken sich große Ziele. Vor einiger Zeit erzählte mir eine Frau, dass sie jetzt ernsthaft abnehmen will. Fünfzehn Kilo sind ihr Ziel. Sie hatte es schon so oft versucht und stets war sie gescheitert. So hat sie im Laufe der Jahre sich gut kennengelernt mit ihren Hürden und Hindernissen. "Das Ziel war zu schwer!" "Der Weg war so lang!" "Ich habe mich überfordert!" "Ich konnte nicht durchhalten!" "Ich wusste nicht, was da wirklich auf mich zu kam!" 
Wenn du ein großes Ziel hast, dann siehst du auch die möglichen Hindernisse auf diesem Weg. Das könnte dazu führen, dass du gar nicht erst los läufst. Du schaffst es ja eh nicht. Warum erst anfangen! Du siehst, dass du wirklich einen langen Atem brauchst und viel Geduld. Du musst mit Rückschlägen klar kommen. Es kann sein, dass der Weg gar nicht richtig für dich ist. Dein Ziel ist gepflastert mit Wenns und Abers. 
Was bewirkt da die Kunst der kleinen Schritte? Wenn du dich auf den jetzigen Schritt konzentrierst und diesem Schritt deine volle Aufmerksamkeit schenkst, kannst du diesen Schritt gehen. Nur diesen Schritt, nicht mehr! Du schaust nicht auf das Ziel und hast auch nicht mehr die Hürden und Hindernisse im Blick. Jedes Abnehmen beginnt mit dem ersten Gramm. Es kommt also jetzt und in diesem Augenblick auf das eine Gramm an. Auf nicht mehr und nicht weniger. Du beschäftigst dich nur mit diesem einen Gramm. 
Erst dann und wirklich erst dann, wenn du das erste Gramm geschafft hast, beschäftigst du dich mit dem zweiten Gramm. Nicht früher! Am zweiten Gramm könnte nämlich eine unüberwindliche Hürde kleben. 
Die Kunst der kleinen Schritte ist wirklich eine Kunst. Die Kunst heißt: Im Hier und Jetzt sein! Das Kleine wertschätzen! Im Augenblick leben! Das Leben auskosten! 
Bislang hatte die Frau, die abnehmen wollte, immer von den großen Zielen gelebt. Die konnte sie leider nie erreichen. Dann fiel ihr ein, dass das mit dem Abnehmen für ihr ganzes Leben stand. Sie konnte sich nicht von ihrer schrecklichen Freundin trennen. Sie konnte ihren verstorbenen Vater nicht loslassen. Dann stellte sie fest, dass sie ihrer schrecklichen Freundin heute eine Absage geben konnte. Sie war gerade jetzt frei von Trauer um ihren Vater. Sie merkte, das ging eigentlich ganz leicht. Der kleine Schritt geht leicht, wenn man sich darauf einlässt und sich vom Großen und Ganzen verabschieden mag. 
Der kleine Schritt geht schwer, wenn man alle Wenns und Abers und Konsequenzen daran fest klebt. Wie gut und beruhigend, dass ein Schritt so klein ist, dass du locker wieder zurück gehen kannst, wenn es nicht passt. 

Dienstag, 1. Januar 2019

Segen über die Seele (irischer Segen)

Sammler der Seelen,
bringe mir meine zerbrochene Seele zurück.
Möge kein Teil verloren gehen,
und kein Teil sich verirren.
Berge meine Seele in Frieden
im Seelenschrein meines Körpers.

Am 1. Januar hast du die Schwelle zum neuen Jahr überschritten. Wie fühlt es sich bei dir an? Hast du alle Teile von dir mit in das neue Jahr hinübergenommen? Manchmal erleben wir etwas, was uns nicht gut tut. Etwas, was uns kränkt. Und manchmal fühlt es sich so an, als ob ein Teil unserer Seele dabei auf der Strecke bleibt. Es fühlt sich dann wund an und ein wenig wie verloren sein.
Wie schön ist die Vorstellung, dass es einen Sammler der Seelen gibt. Einen Sammler, der wieder einsammelt, was im Laufe des Jahres und der Jahre sich verloren hat. Möge dieser Sammler mir meine zerbrochene Seele zurückbringen oder die Teile davon, die ich jetzt gut gebrauchen könnte. Manchmal verlieren wir uns und es wäre gut, den Anfang des neuen Jahres mit allen Teilen zu beginnen. Alle Teile der Seele gehören zu mir. 
In dir und in mir gibt es einen Schrein, in dem die Seele sich birgt. Der Seelenschrein! Also schließe ich meine Augen und spüre in mich hinein. Wie fühlt es sich im Herzraum an? Alles vollständig? Braucht es Zuspruch? Gute Worte? Heilende Zuwendung? Dann mache ich das einfach. Ich öffne meinen Seelenschrein und spreche mir gut zu. Das Jahr mit einem versöhnten Herzen beginnen - das wünsche ich dir und mir!