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Samstag, 24. Oktober 2020

Himbeeren für die Seele - der zweite Teil der "Seelenbücher"

 Unsere Seele verhungert, wenn sie nicht das bekommt, wovon sie gut leben kann. Doch was braucht sie? Aufmerksamkeit, Fürsorge, Zuwendung, gute Ideen und Impulse, Worte der Verbundenheit und vieles mehr.
Als Menschen machen wir im Laufe eines langen Lebens gute und schlechte Erfahrungen. Wir tragen belastende Ereignisse aus der Kindheit wie eine Hypothek mit uns herum, die uns immer noch einschränken und behindern. Was wäre neben einer Beratung oder Therapie außerdem hilfreich? Wie können wir Verantwortung für uns übernehmen und gut für uns sorgen? Dabei liegen die Quellen für einen zufriedeneren Alltag im Inneren des Menschen. Dort sind die Himbeeren für die Seele zu finden.
Matthias Könning lädt die Leserin und den Leser wieder ein zu einem Spaziergang in die innere Landschaft der Seele. Ähnlich wie in dem Buch „Zähneputzen für die Seele“ gibt es wieder eine Fülle von einladenden Gedanken und Ideen, freundlicher und wohlwollender mit sich selbst umzugehen. Dabei darf es gerne ressourcenorientiert, leicht und nahrhaft sein. Zugleich lässt der Autor teilhaben an seinen eigenen Lebenserfahrungen, die aus einem seelsorglichen und beratenden Hintergrund kommen. 

 

Und hier der Link zum Buch: Himbeeren für die Seele - Damit das Leben wieder schmeckt

Mehr vom Weniger


 

Da sein

Atmen

Tiefer atmen


Mittwoch, 21. Oktober 2020

Freiraum


Keine Zeitung heute

Kein Facebook heute

Kein Internet heute

Kein Smartphone heute

Kein Anruf heute

Keine Zeitschrift heute

Alles offline

Online mit mir!

Dienstag, 20. Oktober 2020

Besuch


 

Heute besuche ich mich.

Ich mache es mir schön.

Ich setze mich hin.

Ich mache es mir bequem.

Ich lege ein Buch auf den Tisch.

Ich stelle ein Glas Wasser daneben.

Dann sitze ich...

...mal schauen!

Montag, 19. Oktober 2020

Überflüssig


 

Überflüssige Wörter - Heute spare ich.

Überflüssige Gedanken - Heute wird es keinen geben.

Überflüssiges Essen - Heute gibt es Brot.

Überflüssige Zeit - Nur mehr davon!

Überflüssige Bilder - Ich lass mich nicht ablenken.

Überflüssige Freunde - Wenn sie Energieräuber sind!

Leben im Überfluss? - Gerne!

Samstag, 17. Oktober 2020

Warum immer ich?


Mir kommen Menschen in den Sinn, die sich scheinbar in einer lebenslangen Pechschleife befinden. Wenn sich sonst niemand ansteckt mit einer Grippe, dieser eine Mensch schafft das ganz bestimmt. Wenn alle das Ziel finden, diese Person wird sich verlaufen. Allen im Restaurant schmeckt das Essen und dieser „Pechvogel“ bekommt nicht, was er bestellt hat. Hat vielleicht auch noch die Geldbörse vergessen. Den Bus verpasst. Auf der Autobahn mit einer Panne liegengeblieben usw.
„Warum immer ich...“ höre ich dann als Kommentar. Damit schwingt so eine gewisse Hilflosigkeit und Resignation. Da gibt es zwar so ein Bemühen, ja auch alles richtig zu machen. Diese Menschen sind oft sehr sorgfältig und umsichtig in ihren Planungen. Aber zugleich wirken sie so, als hätten sie einen Aufkleber auf dem steht: „Schicksal, schlage mich! Etwas geht noch!“ Diese Menschen legen schon bei der Planung ihrer Aktionen einen Keim von Misslingen und Unglück mit hinein. Fast automatisch kommt das herbeigefürchtete Pech und sagt wie selbstverständlich: „Da bin ich! Du hast mich gerufen!“
Warum immer ich? Weil du es auf der unbewussten Ebene bestellt hast? Vielleicht nicht auf dem Bestellzettel, aber auf dem heimlichen Wunschzettel. Nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit bekommt jeder Mensch mal einen Schlag ab. Irgendwann und irgendwo. Es ist einfach wahrscheinlich, mehr aber nicht!
Geh doch mal zurück, wann dieser Glaubenssatz entstanden ist in deiner Biografie. Denn ich halte diesen Satz „Warum immer ich...“ eher für einen Glaubenssatz als für eine Erfahrung. Du bekommst lediglich die Bestätigung für deinen Glauben. Und der scheint sehr stark zu sein.
„Warum immer ich...“ – Fragst du wirklich nach dem „Warum“? Gehst du dem „Warum“ wirklich nach, mit aller Konsequenz? Welche „Weil“ - Antworten würdest du bekommen? Weil du es verdient hast? Weil du schlecht bist? Weil du zu dumm bist? Wenn du solche „Weil“ – Antworten in deinem Inneren wahrnimmst, dann hörst du die Stimme deiner Eltern. Sie haben dich vielleicht nicht wachsen lassen.  Und sie haben dir wenig zugetraut. „Warum immer ich...?“
Weil es Zeit wird, diese Frage einfach über Bord zu werfen. Keines dieser drei Wörter stimmt! Weder „warum“ noch „immer“ noch „ich“. Es wird Zeit, diese alten Klebezettel von der Stirn zu entfernen.
Wie könnte ein Umkehrgedanke heißen? Du beginnst mit dem Weichspülen. Du hast sehr viel Glück im Leben gehabt. Sonst wärest du in deiner Pechsträhne bestimmt schon gestorben. Du hattest total viele glückliche und gelungene Situationen. Wenn du eine Liste machst mit zwei Rubriken von Glück und Pech und du ganz ehrlich mit dir bist. Wo wirst du mehr hin schreiben? Du wirst dich an dein Pech besser erinnern, darum wirst du da mehr finden. Es liegt aber nur an dein Erinnerungsvermögen. Die Tatsache, dass du lebst, ist ein Hinweis dafür, dass es genug gab, damit du dich am Leben halten konntest. Das nenne ich doch mal echtes Glück!
Vielleicht magst du diesen Satz mal erweitern: „Warum nur komme ich aus jeder Krise wieder hervor?!“ „Wie schaffe ich es nur, in dieser „Charly Chaplin Qualität“ zu leben! Immer zu fallen ist nicht die Kunst, sondern dieses Aufstehen! Wie habe ich das nur hinbekommen? Jeder andere wäre längst am Boden liegengeblieben. Aber ich nicht! Ich bin ein „wieder Aufsteher!“

Freitag, 16. Oktober 2020

Schätze in meinem Abstellraum


Es gibt Räume, da stelle ich etwas ab. Ich kann es nicht wegwerfen. Aber jetzt brauche ich es nicht. Dort stelle ich ab, was ich zeitweise benötige. Saisonartikel! Dort stelle ich auch Dinge ab, die nicht schön sind für den Wohnbereich wie Putzeimer und Leiter.
Wir hatten in meiner Kindheit einen ganzen Keller als Abstellraum. Der war sehr beliebt für Strafen! „Ab auf die Kellertreppe!“ Dort saßen wir dann und blickten auf Eimer, Kartoffelkiste, Besen und Schubkarre. Wir waren dort für eine Zeit abgestellt. Nicht tauglich für das Familienleben! Nicht richtig! Es war unbestimmt, wann wir zurückkehren durften. Wir wurden eins mit Eimer und Putzlumpen. Nicht beliebt und nicht erwünscht. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Heute als Erwachsener liebe ich Abstellräume! Dort kann ich Schätze entdecken, die ich vor Jahren selber dort weggelegt habe. Dort finde ich, was ich vermisst habe. Dort entdecke ich Dinge, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie besitze. Da kann ich Hobbys wiederbeleben, Geschenke finden, Kinder beglücken, Ersatzteile entdecken, ausrangierte Geräte wiederbeleben. Dort finde ich wichtige Teile meiner eigenen Lebensgeschichte wieder. Die Geschichte der abgelegten Dinge.
In meinem Inneren gibt es auch einen Abstellraum. Dort parke ich die Begegnungen, die mir gut taten und auch die Kränkungen, die mich nicht loslassen. Da sind alle Erinnerungen in Regalen abgelegt, mal offen und mal versteckt. Das ist so eine total bunte Mischung von Willkommen und Ablehnung. Von nützlich und  kitschig.  Kein Raum erzählt so viel von mir wie mein innerer Abstellraum.
Ich könnte diesen Raum mal wieder im Advent besuchen. Welche Schätze verbergen sich dort, die ich mal wieder reaktivieren könnte. Was dürfte mal wieder ans Tageslicht? Was sollte gereinigt und repariert werden? Wem könnte ich etwas davon schenken?
War der Stall von Bethlehem vielleicht auch so etwas wie ein Abstellraum? Dort trafen sich ja Menschen, die nicht wichtig waren für die große Politik. Hirten, Ochs und Esel und Schafe.
Schau doch einmal in deine inneren und äußeren Abstellräume nach. Nimm dir Zeit. Hole die Dinge ans Licht. Stell sie aus! Verschenke etwas davon! Mach Platz für das Neue!

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Wenn wir keinen Feind in uns tragen, dann kann uns der Feind draußen nichts anhaben.

Wenn wir keinen Feind in uns tragen, dann kann uns der Feind draußen nichts anhaben. (aus Afrika)
Ein interessanter Gedanke und eine weise Erfahrung. Die Gedanken und Gefühle von Feindschaft entstehen in unseren Herzen.
Du bist gekränkt, weil dir jemand weh getan hat. Du bist enttäuscht, weil dich jemand übersehen hat. Deine Bedürfnisse wurden übersehen und nicht ernst genommen. Du sammelst im Inneren deines Herzens alle Enttäschungen, Kränkungen, die Wut und den Ärger an. Da entsteht eine brodelnde Masse, die Energie eines Vulkanes. Eine Zeitbombe, die irgendwann ausbricht.
Da begegnest du mit der Energie deines Grolles einen Menschen, der ähnlich ist wie du. Du schaust wie in in einen Spiegel und erkennst es doch nicht. Du siehst den Feind in deinem Spiegel und merkst nicht, dass du dich nur selber siehst in einer Art Verkleidung. Aber du bist es selbst. Ohne den Groll in deinem Herzen wäre dein Gegenüber ein harmloser Vorübergehender, der dir nichts getan hat.
Was ist daraus zu schließen? Geh den Weg nach innen und lerne deine Abgründe kennen, die Dämonen, die in dir wohnen, die Ärgergeister und Kränkungsgespenster. Da ist eine ganze Gemeinschaft versammelt, die gefüttert werden will. Begegne deinen inneren Feinden mit Wohlwollen und Verständnis und du erlebst das Wunder, dass die Feinde im Außen plötzlich nicht mehr da sind.
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Mittwoch, 14. Oktober 2020

Du, meine Königin!


Die Königin von England - für mich unerreichbar!
Die Königin aus dem Märchen - weit weg!
Die Königinnen aus vergangenen Zeiten - längst gestorben!
Echten Königinnen kann ich mir nur virtuell nähern oder auf dem Papier.
Im Märchenbuch, in einer Zeitschrift, im Traum und im Internet!

Was nützt mir eine solche Königin?
Eine, die nur die Sehnsucht entfacht und mich hungrig stehen lässt!
Eine, die mir das Gefühl vermittelt, dass ich nur ein Bettler bin!
Eine, die in ihren Kreisen verkehrt ohne Kontaktmöglichkeiten zu den meinen!
Wozu brauche ich eine solche Königin?

Wenn ich mich von den Traumwelten verabschiede und aufwache...
Wenn ich den Alltag wirklich wahrnehmen mag...
Wenn ich mein Herz öffne für das, was ist...
Wenn ich nicht mehr die Taube auf dem Dach ganz besonders hoch einschätze...
Wenn ich die Wärme des Spatzes in meiner Hand voller Freude spüre...

Dann bin ich bereit für die Königin des Alltags!
Die Königin für jeden Tag!
Die Königin für die Stunde, wo ich sie brauche!
Die Königin in ihrem inneren Reichtum und in ihrer Armut zugleich!
Die Königin für das Teilen einer Tasse Kaffee!
Und die Königin für einen Spaziergang Hand in Hand...

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Dienstag, 13. Oktober 2020

Ich bin ein Teil der Ewigkeit



„Du sprichst: Versetze dich aus Zeit in Ewigkeit.
Ist denn an Ewigkeit und Zeit ein Unterscheid?“
(Angelus Silesius)

Ist da ein Unterschied zwischen Zeit und Ewigkeit? Hier in meinem Körper, in dieser Dimension mit dem Blick auf den Kalender und auf die Uhr erlebe ich eine deutliche Zeitlichkeit meines Lebens. Zugleich kann ich in meiner Phantasie mir vorstellen, dass es einen Zustand gibt, der diese Begrenzung nicht kennt. Ewigkeit ist dabei nicht eine bis ins unendliche ausgedehnte und unbegrenzte Zeit, sondern eher die erfüllte Zeitlosigkeit.
Ich gehe aus den Kopf und spüre in mein Herz. Alles ist gut! In einem bestimmten Bewusstseinszustand gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Zeit und Ewigkeit. Die Zeit steht gleichsam still und ist außer Kraft gesetzt.

Mein neues Buch: Zähne putzen für die Seele

https://publish.bookmundo.de/shop/index.php/catalog/product/view/id/494031/s/zahne-putzen-fur-die-seele-uber-die-kunst-liebevoll-mit-sich-selbst-umzugehen-227618-publish-bookmundo-de/

Wir putzen täglich die Zähne und betreiben eine intensive Körperpflege. Wir betreiben Fitness und sorgen uns um unsere Gesundheit. Das ist auch sinnvoll und gut so.
Zugleich könnte die eigen Seele mehr Zuwendung und Pflege erfahren. Wie kann ein Mensch seine Seele pflegen? Welche Gedanken sind hilfreich? Und welche eher hinderlich? Wie kann jemand freundlich mit sich umgehen ohne gleich ein Narzisst zu sein?

Das Buch „Zähen putzen für die Seele“ widmet sich diesen Fragen. Es kommt eher leicht und heiter daher. Es fängt oft an mit einer Beobachtung im Alltag, in der Umwelt oder im eigenen Erleben und Handeln. Dann erfolgt eine Einladung, die Beobachtung zu vertiefen und für sich Rückschlüsse zu ziehen. „Ach, so kann ich das Leben ja auch mal betrachten.“ „Warum mache ich es mir so schwer, wo ich es auch mal leichter haben könnte.“

Die einzelnen Texte und Impulse besitzen eine christlich orientierte, jahreszeitliche Orientierung. Sie sind so geschrieben, dass der Autor in einen  inneren Dialog eintritt mit seinem Leser, seiner Leserin. Das Lesen soll sich anfühlen wie ein Spaziergang, wo es neben der Sonne und der frischen Luft auch den einen oder anderen Gedanken oder eine Erkenntnis gibt. Zugleich lässt der Autor teilhaben an seinen eigenen persönlichen Lebenserfahrungen, die vor allem aus einem seelsorglichen und beratenden Hintergrund kommen.


Und hier der Link zum Buch!  Zähne putzen für die Seele

Montag, 12. Oktober 2020

Oh, wie schön!

Oh, wie schön!
Ich war eingeladen zu einer Tagung. Auf einem Tisch gab es Saft, Wasser, Kaffee, Kuchen und diverse Kleinigkeiten. Und es lagen dort Servietten mit der Aufschrift: "Oh, wie schön, dass ihr alle hier seid!"
Die Servietten ohne alle die köstlichen Kleinigkeiten wäre nur ein Blatt Papier gewesen mit einer Aufschrift. Aber an den vielen köstlichen Kleinigkeiten konnte ich erkennen: Ich hatte einen Gastgeber mit Herz. Ich war willkommen und ich fühlte mich willkommen.
Auf dem Tisch gab es auch etwas für mich. Ich mochte das frische Obst und den kleingeschnittenen Kuchen. Halt so kleine Häppchen. Köstliche kleine Häppchen. Ich las den Spruch auf der Serviette und sah vor meinem geistigen Auge das Gesicht der Gastgeberin. Ich sah, wie sie in ihrer Küche alle diese Dinge zauberte und dabei an mich dachte. Das hat mir Freude bereitet. Es macht mir Freude wenn ich daran denke, wie andere mir Freude bereiten. Und es macht mir Freude, meine Gastgeber dabei zu beobachten, wie sie sich freuen, wenn sie mir Freude bereiten.
Wie ansteckend doch Freude ist. Da lass ich mich doch lieber anstecken von Einladungen zu köstlichen Kleinigkeiten als von Grippeviren. Oh, wie schön, wenn du meinen Blog liest! Oh, wie schön, dass ich meine Gedanken mit dir teilen darf. Oh, wie schön, dass du hier bist! Oh, wie schön!
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Samstag, 10. Oktober 2020

Wir lästern nicht, wir beobachten, analysieren und bewerten

Immer wieder kommt es vor, dass ich mit Menschen zusammenbin und plötzlich wird gelästert. Es lässt sich ja wunderbar lästern über Menschen, die gerade nicht da sind. Indem ich andere heruntermache, stelle ich indirekt heraus, dass ich ja irgendwie doch besser bin. Lästern erleichtert das Herz - aber mit einem schalen Beigeschmack.
Es verbessert nicht die Situation. Ich komme in eine negative Idee. Ich mache jemanden fertig, der sich nicht verteidigen kann. Irgendwann kommt die Selbsterkenntnis: So viel besser bin ich auch nicht. Ich könnte jetzt das Lästern schönreden. So wie auf der Spruchkarte. Ich beobachte ja nur, ich analysiere und gebe eine Wertung ab. Wenn ich das mache, dann nehme ich die Gefühle heraus und tue so, als bewege ich mich auf eine sachliche Ebene. Ich glaube nicht, dass das funktioniert.
Wenn ich lästere, dann bin ich wahrscheinlich in einem Gefühl der Kränkung. Meine Bedürfnisse wurden nicht gesehen oder ich habe nicht gut für mich gesorgt. Ich finde es hilfreicher, die eigenen Bedürfnisse wieder in den Blick zu nehmen und besser für sich zu sorgen. Du änderst nichts, wenn du lästerst. Du schaffst aber eine Grundlage für die nächsten Lästerungen. Wenn du gut für dich sorgst wird es keinen Grund mehr dafür geben.
Das Lästern funktioniert ja übrigens nur dort, wo mindestens zwei Personen da sind. Für sich selbst lästern macht keinen Sinn. Lästern geschieht im "wir". Es braucht einen Raum der Resonanz. Du bist gekränkt und suchst eine Bestätigung. Du bekommst eine für dich positive Rückmeldung und du fühlst dich besser. Und darum geht es dir ja eigentlich. Du möchtest dich besser fühlen. Probier es mal mit dem Einstehen für deine eigenen Bedürfnisse!
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Freitag, 9. Oktober 2020

Wie ein Kamel durch das Nadelöhr kommt

Jesus meinte einmal, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr kommt, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Das Kamel ist viel zu groß für das winzig kleine Loch in der Nadel. Das ist unmöglich.
So gibt es im Leben Probleme, für die es keine Lösung gibt. Manchmal kommen Menschen zu mir in die Beratung nach dem Motto: "Ich habe schon alles ausprobiert. Es gibt für mich keine Lösung. Jetzt lasse ich mir dieses noch durch einen Experten bestätigen damit ich endlich aufhören kann mit meiner aussichtslosen Suche." Wenn ich dann frage ob sie schon dieses oder jenes probiert haben dann sehe ich manchmal den Triumph in den Augen. "Habe ich auch schon probiert. Hat nicht funktioniert."
Wenn etwas nicht funktioniert dann würde es auf jeden Fall Sinn machen, es nicht ständig neu zu probieren. Ich kann ein Nadelöhr nehmen und ein Kamel einladen, durch das Loch zu kriechen. Das Kamel wird es nicht schaffen. Auf keinen Fall! Oder?
Wenn etwas nicht geht, dann macht es Sinn, die Augen und das Herz zu öffnen für Lösungen jenseits aller üblichen Lösungen. Suchen wir doch mal nach ungewöhnlichen Lösungen und verstören das Kamelsystem.

- Das Kamel wendet sich von der Nadel ab und entscheidet sich für sinnvollere Wege.

- Das Kamel zupft sich ein Haar aus und führt es vorsichtig durch das Öhr. Das eine Haar steht symbolisch für das ganze Kamel. Wenn es das eine Haar schafft, wird es irgendwann auch das ganze Kamel schaffen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

- Gedanklich ist es ganz leicht. Ich schrumpfe das Kamel oder dehne das Loch und schon passt es.

- Das Kamel verschenkt die Nadel an jemanden, der diese Aufgabe leichter bewältigen kann.

- Das Kamel beschäftigt sich mit Quantenphysik und kommt zur Erkenntnis, dass zwischen den festen Materieteilchen so viel Platz ist, dass man locker hindurchspazieren kann.

- Das Kamel fragt: Wer will eigentlich, dass ich durch das Nadelöhr gehen soll. Wollen das andere oder will ich das selbst.

- Das Kamel fragt: Wozu ist es gut, durch das Nadelöhr zu gehen? Erreiche ich mein Ziel auch auf einem anderen Weg?

- Das Kamel beschäftigt sich beim Anblick des Nadelöhrs mit der grundsätzlichen Frage von Türen und Öffnungen und freut sich an der Erkenntnis von neuen Einsichten.

- Das Kamel könnte den Entschluss fassen, abzunehmen und zu hoffen, dass es durchpasst, bevor es stirbt.

- Das Kamel könnte sich entschließen einfach um das Nadelöhr herumzugehen.

- Das Kamel könnte auch so tun als ob. Es könnte einfach die Geschichte erzählen, wie es Anlauf genommen hat und voller Freude da durchgeritten ist.

Du siehst, jenseits der Unmöglichkeit durch ein Nadelöhr zu kommen gibt es noch andere unmögliche Möglichkeiten. Und? In welchen Situationen bist du selbst manchmal das Kamel und was ist dein Nadelöhr?
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Donnerstag, 8. Oktober 2020

Tu die kleinen Dinge jetzt, dann werden die großen allmählich zu dir kommen und bitten, getan zu werden. (persische Weisheit)

Ich will einmal Arzt werden! Ich möchte eine große Schauspielerin werden! Eines Tages baue ich mir eine große Villa mit einem wunderschönen Garten! Erinnerst du dich an die "großen Dinge", die du vorhattest im Leben? Ist was daraus geworden? Konntest du sie umsetzen? Mir kommen ein paar Studenten in den Sinn, die große Pläne haben. Da braucht es Mut, Weitblick, Zeit und Geduld. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir förmlich an unseren großen Plänen kleben. Eines Tages.... Irgendwann...
"Tu die kleinen Dinge jetzt,..." Während die Phantasie gerne in die Zukunft abschweift, fordert die Gegenwart die Aufmerksamkeit für das "Jetzt". Jetzt deckst du sorgfältig den Tisch. Jetzt setzt du dich hin und isst. Jetzt bist du aufmerksam im Straßenverkehr und achtest als Autofahrer auf die Fußgänger. Jetzt hörst du deinem Gegenüber aufmerksam zu.
Du wendest dich also den kleinen Dingen zu und erledigst sie gewissenhaft und voller Liebe. Damit übst du dich ein für die "großen Dinge" des Lebens. Du trainierst für die fernen Ziele.
Das persische Wort spricht im Rätsel: die großen Dinge kommen und bitten, getan zu werden. Siehst du den Unterschied? Du kannst sagen: "Ich studiere eifrig und fleißig, um Arzt zu werden". Die Alternative heißt: "Der Arztberuf kommt auf mich zu!" Wenn du unter der ersten Prämisse fleißig studierst hüpfst du von Prüfung zu Prüfung, emsig wie eine Ameise. Du siehst das, was gerade vor deiner Nase liegt. Irgendwann einmal hast du es dann geschafft. Wenn der Arztberuf jedoch auf dich zukommt, dann begegnest du vielleicht einem großen Heiler, der in dir die Sehnsucht nach Heilung weckt. Da kommt vielleicht eine Vision auf dich zu, in welcher Art und Weise du Arzt sein wirst. Im ersten Fall arbeitest du mit deinen einschränkenden Vorstellungen, im zweiten Fall arbeitest du mit der unendlichen Energie des Universums.
Im ersten Fall ergreifst du einen Beruf, im zweiten Fall ist es eine Berufung. Und jetzt kommt die Zusammenführung: Deine Berufung entdeckst du dann, wenn du treu die kleinen "beruflichen" Aufgaben erfüllst. Die großen Dinge des Leben machst du nicht selbst, sondern sie bitten, von dir getan zu werden.
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Mittwoch, 7. Oktober 2020

Streu ein wenig Freundlichkeit aus und schau, was geschieht!

Das höre ich häufig bei der Arbeit: "Dafür werde ich nicht bezahlt!" Du wirst nicht dafür bezahlt, jemanden freundlich zu grüßen. Du hältst die Tür auf für den Nachfolgenden. Du fragst, ob dein Gegenüber auch eine Tasse Kaffee möchte. Du erkundigst dich nach dem Gesundheitszustand einer kranken Mutter. Du gibst einen positiven Kommentar ab zu dem, was dir gerade gefällt. Du nimmst etwas auf, was ein anderer fallengelassen hat.
Für all das wirst du nicht bezahlt! Das steht nicht in deinem Arbeitsvertrag! Du hast völlig Recht, wenn du solche Aufgaben verweigerst! Nichts davon musst du tun! Jetzt stell dir einmal einen großen Produktionsbetrieb vor, in dem genau nach Arbeitsvertrag gearbeitet wird. Dem Recht wird völlig Genüge getan. Kein Grund zur Klage darum keine Gefahr für eine Abmahnung. Jetzt stell dir vor, ein solcher Betrieb macht das ein Jahr. Wie wird es dort nach dieser Zeit aussehen?
Scheinbar lebt ein Produktionsbetrieb vom Verkauf seiner Produkte. Aber nur scheinbar! Eigentlich lebt er von den Dingen, wofür niemand bezahlt wird und wofür niemand bezahlt werden kann. In einem guten Betriebsklima kann etwas wachsen und gedeihen. Ein freundliches Klima drückt sich darin aus, wo Menschen aufmerksam sind füreinander, sich gegenseitig wohlwollend begegnen und wo auf die Bedürfnisse der Einzelnen geachtet wird.
Für bestimmte Dinge wirst du nicht bezahlt, aber wenn du sie nicht tust, gräbst du dir auf die Dauer selber die Lebensqualität ab. Dahinter steckt das Gesetz der Resonanz. Wenn du der Welt freundlich begegnest kommt Freundlichkeit zu dir zurück. Wenn du die Umwelt als deinen Feind ansiehst, kommt Misstrauen zu dir zurück.

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Dienstag, 6. Oktober 2020

Über Gefühle reden!

Manche Menschen können total leicht über ihre Gefühle sprechen.
Im Kontakt mit den meisten Frauen erlebe ich, dass sie das echt gut können.
Hut ab!

In der Beratung erlebe ich die Männer da vor allem eher stumm.
Sie können über Ereignisse sprechen. Sie wissen Lösungen für viele Probleme.
Aber sie können in der Regel nicht so gut über ihre Gefühle sprechen.
Oft wissen sie nicht einmal, wie fühlen geht.
Sie haben es nicht gelernt. Es hat ihnen niemand beigebracht.
Vielleicht haben sie als kleine Jungen mal gefühlt, aber niemand hat sich dafür interessiert.
Interessiern sich Mütter mehr für die Gefühle ihrer Töchter als für die ihrer Söhne?

Auf meiner Spruchkarte gibt es die Einladung, die gefühlt eher an die Männer geht.
"Hol den Alkohol, wir müssen über Gefühle reden!"
Der Alkohol löst die Zunge, bringt die Gefühle ins Fließen. Leider sind das dann Gefühle unter Alkoholeinfluss. "Weinseelige" Gefühle. Flüchtige Gefühle, die schnell wieder verschwinden. Hilfreich, wenn Denken und Fühlen zusammenkommen. Wenn beides möglich ist und seine Wertschätzung bekommt. Und manche Männer könnten eine Nachhilfestunde vertragen im Fühlen und Erzählen von Gefühlen. Ruhig auch im nüchternen Zustand.
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Montag, 5. Oktober 2020

Die Magie des Wimpernschlags




Ich erzähle einem Freund etwas, was ich mit einem Kunden erlebt habe und was mich immer noch beschäftigte. Kaum habe ich meinen Satz beendet bekomme ich die Antwort: „Das kenne ich. Da kann ich dir auch etwas zu sagen.“ Und dann erzählt er sofort seine Geschichte. Dabei bin ich noch bei meinen eigenen Gedanken und bei meinen Gefühlen. Mein Freund hatte bestimmt eine ganz gute Absicht. Sich mit mir solidarisch zu zeigen oder mir einen Tipp zu geben mit der Intention: „Ich fühle mit dir. Das kenne ich auch.“ Aber wenn jemand sofort mit seiner eigenen Geschichte kommt, dann fühle ich mich verlassen und nicht gehört. Es gibt keinen Moment der Pause, etwas nachwirken zu lassen.  Es fehlt der Teil, für einen Augenblick miteinander in Verbindung zu gehen. Ein Nicken, dass mich jemand verstanden hat. Eine kurze Rückfrage oder einen Ausdruck der Anteilnahme. Die Gelegenheit, bei mir zu verweilen.
So erlebe ich das auch oft in Gruppen. Jeder versucht, seine Geschichte loszuwerden und es wirkt wie ein Kampf, wer am besten dazwischenkommt. Jeder erzählt seine Erlebnisse und niemand geht in Resonanz mit dem jeweiligen Erzähler. Hinterher kannst du verteilen, wer die meisten Redeanteile hatte. Manche kommen nie dazwischen und versinken irgendwann resigniert ins Schweigen. Ich kenne auch Menschen, die irgendwann völlig aufgeben und still werden. Ich schaue schon lange keine Talkshows mehr. Selten kommt es vor, dass alle sich gegenseitig ein Feedback geben. Jeder will sein Zeug loswerden und Recht haben.
Ich möchte mich dabei durchaus selbst kritisch betrachten. Ich rede auch oft zu lange und zu viel. Ich nutze die Gelegenheit, jemanden ins Wort zu fallen, wenn mich die Leidenschaft oder der Widerspruch treibt. Aber es gefällt mir auch nicht, wenn ich das so mache. Später in der Stille mit mir werde ich dann traurig, dass ich nur von mir erzählt habe und nichts vom anderen weiß. Das ist auf die Dauer unbefriedigend.
Seit einiger Zeit übe ich mich darin, bewusster in eine Begegnung hineinzugehen. Dabei hilft mir die „Magie des Wimpernschlages“. Wenn mir jemand etwas erzählt, nehme ich mir fest vor, zuzuhören und mich für einen bewussten klaren Wimpernschlag zu entscheiden. Ich dehne es auf eine Sekunde aus und ich verbinde es mit meinem Atem. Wenn ich für einen Moment die Augen schließe rede ich nicht automatisch zurück. Habe nicht sofort meine eigene Geschichte auf der Zunge.
Da entsteht ein kostbarer Moment der Stille. Ich schließe meine Augen so, dass es kurz dunkel wird. Dass in diesem winzigen Augenblick der Dunkelheit eine Anfangsreaktion geschieht. Möchte ich dem Erzähler zunicken oder freundlich anschauen? Möchte ich eine Frage der Vertiefung stellen oder nur ein wenig verweilen und das Gesagte nachwirken lassen. Wenn ich für einen verlängerten Wimpernschlag meine Augen schließe, gibt es eine kleine Verzögerung, in der etwas bewusst entstehen kann.  Jenseits des Automatismus, sofort etwas erwidern zu wollen. Dann sinkt das Gesprochene in mein Herz und ich bewege es hin und her.
Die Fokussierung auf den Wimpernschlag wirkt wie ein Anker. Der Wimpernschlag im übertragenen Sinne meint ja eigentlich die Kürze eines Zeitraumes angesichts der Ewigkeit. Die Existenz der Menschen ist nur ein Wimpernschlag im Gesamt der Existenz der Welt. Aber der Wimpernschlag bekommt seine Bedeutung im Umkehrpunkt. In diesem kleinen Zwischenraum kann ich meine Weichen stellen. Und darin liegt die Magie.
Viele unserer Prozesse laufen automatisch ab. Was ja auch Sinn macht. Ich möchte nicht an jedem Tag so Auto fahren wie an meinem ersten. Alle automatisierten Prozesse erleichtern mein Leben und geben mir Energie für die übrigbleibenden Herausforderungen. Ich muss am Tag so viele neue Aufgaben anpacken und bestehen, dass ich dafür Einiges an Energie benötige.
Es gibt aber auch Automatisierungen, die vielleicht nicht so hilfreich sind. In der Begegnung mit Menschen laufen da oft Programme, die ich verändern könnte. Da spricht jemand zu mir mit lauter Stimme und ich ducke mich sofort. Da fragt jemand: „Wer war das?“ Und schon bekomme ich Schuldgefühle. Da sagt der Marktverkäufer, dass er keinen Salat mehr hat und schon gerade ich in einen panikartigen Zustand. Da plappere ich ein Gebet herunter und habe keine Bewusstheit dafür, dass ich mich mit der göttlichen Quelle verbinde. Dabei könnte ich doch die Qualität meines Lebens verbessern. Für einen Wimpernschlag höre oder sehe ich bewusst und drücke nicht meinen Automatikknopf. Ich bleibe für einen Moment bei mir und spüre in mich hinein. Was löst das gerade in mir aus? Welcher Gedanke taucht auf? Wie fühlt sich das an? Was möchte ich jetzt gerne tun? Dabei bleibe ich dabei, für den Moment nichts zu tun.
Der Wimpernschlag öffnet den Raum der Leere. Den Raum, in dem sich die Geschichte neu schreiben lässt. Da kann schon ein Gefühl der Unsicherheit entstehen. Ich höre jemandem zu und mache eine kleine Pause, bevor ich reagiere.
Ich spüre vielleicht auch, dass da etwas in mir Fahrt aufnimmt und mich antreibt. Unbedingt muss ich jetzt sofort etwas sagen. Sofort muss ich meine Geschichte loswerden bevor ich sie vergesse oder sie nicht mehr passt. Sofort muss ich deutlich machen, dass ich auch wichtig bin und interessante Geschichten erlebt habe.
Während des Wimpernschlages kann ich mich fragen: Was ist das gerade in mir, das mich da so antreibt. Das mich förmlich zwingt, sofort meine eigenen Gedanken in den Raum werfen zu müssen. Wenn ich mich an meine Kindheit zurückerinnere dann hatten wir als Kinder nichts zu sagen. Die Erwachsenen haben sich unterhalten und wir waren nicht interessant. Es gab nur die ständigen Erwachsenenfragen wie: „Wie alt bist du denn jetzt? In welche Klasse gehst du?“ Fragen mit einer kurzen Antwort. Dann wirst du größer und denkst, dass du auch mal dazwischen kommen möchtest. Die Zeit des langweiligen Zuhörens beenden und auch durch das Erzählen deutlich machen, dass du der Erwachsenenwelt angehörst.
Der Wimpernschlag hilft mir, kurz auszusteigen und bei mir zu sein und dann wieder einzusteigen um beim anderen zu sein. Dieser kleine Moment fühlt sich an wie eine Weichenstellung. Je nach dem, wie ich reagiere, dahin bewegt sich mein Zug.
Wenn mir jemand etwas erzählt und ich komme sofort mit meiner Geschichte, dann hänge ich den anderen ab, oder er wartet darauf, dass er noch eine bessere Geschichte hat. Dann werden die nächsten Minuten zu einer Kampfarena der interessantesten oder klügsten Beiträge. Oder ich setze eine ganze Gruppe schachmatt, die nur noch darauf wartet, das Territorium verlassen zu dürfen.
Ich kann aber mein Gegenüber auch anschauen und fragen, wie es ihm damit ergangen ist und ob das Ganze immer noch wirkt. Und was an dem Erzählten ihn besonders beeindruckt hat oder welche Fragen geblieben sind. Dann werde ich spüren, wie der andere aufblüht und sich gemeint fühlt.
Schon während der andere spricht kannst du eine Entscheidung treffen. Du trittst für einen Moment zurück und verzögerst deine Reaktion mit dem Wimpernschlag. Du reagierst nicht automatisch.
Im Wimpernschlag wird dir zugleich bewusst, dass es in dir ein steuerndes Ich gibt. Das „automatisierte“ Ich will ständig etwas. Möchte beachtet werden. Spielt sich auf. Sucht Bestätigung. Befürchtet, nicht beachtet zu werden. Reagiert ganz schnell in der Angst, sonst zu kurz zu kommen.
Das steuernde Ich im Hintergrund kann sich zurückhalten und Raum schenken. Es ist nicht angewiesen auf Bestätigung. Es ruht wohlwollend in sich und genießt es, einfach da zu sein. Manchmal werden wir angetriggert, quasi wie angestochen. Wir geraten in einen Aufruhr, eine Art Anspannung. Wir wollen einen Gedanken loswerden. Uns wichtig machen. Dann verschwindet das steuernde Ich in den Hintergrund und wir werden unbewusst.
Der Wimpernschlag kann so etwas werden wie ein Signal bei der Ausfahrt des Zuges aus dem Bahnhof. Wo möchte ich hin mit meinem Geist, mit meinen Gefühlen und mit meinem Körper. Oder wie Viktor Frankl sagt: „Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“
Ich trete für einen Augenblick zurück und dann begebe ich mich wieder hinein in das Geschehen. Wenn du das probierst wirst du feststellen, dass dich das mit großer Freude erfüllen kann. Du nimmst dein Gegenüber besser wahr mit einer höheren Wertschätzung und du nimmst dich selbst besser wahr in deinen Bedürfnissen und Wünschen.
Bei der Erschaffung der Welt hielt Gott nach jedem Schöpfungstag inne und besah sich sein Werk. Und siehe da, es gefiel ihm sehr gut. Und das ist mein Wunsch für dich. Du betrachtest dich selbst und kommst zu der gleichen Einschätzung. Du gefällst dir sehr gut!

Samstag, 3. Oktober 2020

Einen Tag ungestört in Muße zu verleben heißt, einen Tag lang ein Unsterblicher zu sein. (Johann Albrecht Bengel 1687-1752)

Mein Kalender schreibt diesen Spruch einer chinesischen Weisheit zu. Tatsächlich stammt er aber wohl von dem protestantischen Theologen Bengel. Warum glaubt mein Kalender wohl, dass es sich um eine chinesische Weisheit handelt. Wo lag der Anfang des Irrtums?
Wenn du einmal das Internet durchforstest wirst du feststellen, dass viele von vielen abschreiben manchmal mit richtiger Quelle, manchmal mit falscher und oftmals auch ohne Ursprungsangaben. Meine Sätze habe ich auch schon in einem Blog wiedergefunden und gedacht: Ach wie vertraut!
Macht es einen Unterschied, ob die Würdigung der Muße chinesischen oder protestantischen Ursprungs ist? Ich glaube nicht! Wir alle haben etwas Unsterbliches in uns. Wann wird unsere Sehnsucht nach einem ewigen Leben wach? Wenn ich den ganzen Tag arbeite, dann erschließt sich mir kaum ein Ewigkeitsgedanke. Da zählt das, was jetzt in diesem Augenblick zu tun ist.
Doch wenn du für einen ganzen Tag dich der Muße hingibst und in den Himmel schaust, dann öffnest du den Raum des unendlichen Kosmos. Ich nenne es den Zustand der "Verbundenheit". Das Gegenteil wäre die "Trennung". Das theologische Wort dafür heißt "Sünde" von absondern, getrennt sein. Die Stunde ist begrenzt, der Tag mit den 24 Stunden auch. Wenn dir die Sterblichkeit in den Sinn kommt, bist du im Zustand der Trennung, der "Sünde". Der Tod trennt dich vom Leben. Wie gelangst du jedoch  in einen Zustand der Verbundenheit? Wenn du dir Zeit nimmst und nichts tust, einfach da bist, verschwinden die "Zeitphänomene" wie Hektik oder Begrenzung. Die Zeit hört auf zu existieren. Es entsteht ein Zustand der Muße, in dem die Unsterblichkeit aufleuchtet. Auch, wenn du "arbeitest" kannst du in diese Bewusstheit hineingehen des "Ich Bin".
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Freitag, 2. Oktober 2020

Was uns vom Paradies geblieben ist...

 

Immer wieder kommt es vor, dass wir Menschen etwas oder jemanden verlieren. Manchmal macht es uns nicht so viel aus, weil wir nicht daran hängen. Aber oft fühlt es sich schmerzhaft an. Wenn ein geliebter Mensch nicht mehr da ist. Wenn eine gesundheitliche Beeinträchtigung uns daran hindert, Fahrrad zu fahren. Ich vermisse immer noch einen Pullover, den ich bei einer Tagung vergessen habe. Es gibt Verluste, die mir wirklich weh tun und Verluste, die ich kaum bemerke. Und manchmal wundere ich mich, dass ich materiell wertvolle verlorene Dinge gar nicht betrauere, aber an ein paar alte Socken hänge.

Wie kommst du mit Verlusten klar? Kannst du so gut auf dich aufpassen, dass du nie etwas verlierst? Spürst du die Trauer und den Schmerz eines Verlustes oder kannst du alles erfolgreich bearbeiten oder verdrängen? Wie sicher fühlt sich im Moment dein Leben überhaupt an? Immerhin befinden wir uns seit ein paar Monaten in einem Ausnahmezustand durch die Gegenwart des Corona Virus. Wie intensiv erlebst du die Gruppen und Gemeinschaften, die dir sonst Halt gaben und die du nicht mehr triffst? Was hat sich bei dir verändert seit März? Wie gesund oder wie krank empfindest du dich?

In diesen inzwischen chronischen Tagen von Corona werden für mich die Verluste spürbarer. Im Moment kommen Menschen zu mir in die Beratung, die etwas verloren haben. Manchmal deutlich und klar, viele aber eher undefiniert und unbeschreiblich. Es fühlt sich nicht mehr an wie früher. Da gibt es ein Unwohlsein. Ein Schwinden der Arbeitsfähigkeit. Weniger Sinnhaftigkeit. Eine Art Überleben im Funktionsmodus. So etwas Gleichgültiges und Antriebsarmes. Zugleich werden die Menschen dünnhäutig und genervter. Und manchmal spüre ich eine Verwunderung und große Erleichterung, wenn etwas einfach ganz normal wie früher läuft.

Das Geld ist nicht weniger geworden und die Arbeit auch nicht. Aber Menschen im Homeoffice vermissen ihre Arbeitskollegen und Kolleginnen. Sie fühlen sich zunehmend einsam und verlassen. Nicht mehr gesehen und angebunden. Ihnen fehlen die Gespräche zwischen Tür und Angel. Der Austausch bei einer Tasse Kaffee. Sie müssen ihren Arbeitsalltag selber strukturieren und fühlen sich überfordert damit. Kompletter Rückzug ins Private. In der Küche wird gekocht und gegessen, spielen die Kinder und machen Hausaufgaben, befindet sich der eigene Arbeitsplatz, das neue und komplette Corona Leben im Küchenraum. Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen. Menschen bemerken mehr und mehr das Schwinden von Sicherheit, spüren das Bedürfnis nach mehr Freiraum und Entfaltung. Und obwohl eigentlich alles noch läuft und funktioniert liegt über allem eine gewisse Schwere und Erschöpfung.

Irgendwie erinnert mich die jetzige Wirklichkeit an die erste Geschichte in der Bibel vom Verlust des Paradieses. Die Menschen essen vom verbotenen Baum und müssen den Hort der Geborgenheit verlassen. Statt Freude und Verbindung wird ab jetzt alles grau und tödlich. „Hätten wir doch nicht vom Baum gegessen! Was haben wir uns da eingehandelt? Werden wir je wieder glücklich werden?“

Jetzt zeigt sich zugleich, wie widerstandsfähig wir Menschen sein können. Ist alles verloren? Siegt die Depression auf ganzer Linie? Schon Dante Alighieri fand sich nicht mit dem Verlust ab. Er sagte: „Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder.“

Dante erinnert mit seinem Vers an einen himmlischen Urzustand. Wir kommen alle aus dem Paradies. Dort sind unsere Wurzeln, dort finden wir unsere Heimat. Vielleicht ist es auch nur ein Wort der Sehnsucht. Wir werden erinnert an die ersten Menschen, die nach dem Essen vom verbotenen Baum von Gott aus dem Paradies vertrieben wurden. Dabei ist der Verlust des Paradieses ein ganz natürlicher Prozess und hat nichts mit Sünde oder Versagen zu tun. Als Geschöpfe in der Welt leben wir in der Polarität von Gewinn und Verlust.

Im übertragenen Sinne gleicht unsere erste Bewusstseinsstufe als Embryo im Bauch unserer Mutter diesem paradiesischen Urzustand. Ich bin eins mit der Mutter, eins mit der Göttlichkeit. Es gibt kein Du im Gegenüber und kein Ichbewusstsein. Ich schwimme in der Einheitssuppe und mir geht es einfach nur gut.

Dann wachse ich im Bauch meiner Mutter heran und irgendwann wird mein Paradies getrübt. Meine Mutter erschreckt sich. Sie hat Angst vor irgendetwas. Sie isst etwas, was ihr nicht bekommt. Und ich bekomme immer etwas davon ab. Mein Paradiesgefühl geht schneller verloren als ich denke. Ich komme auf die Welt und die erweist sich als hell, grell und laut.

Aber mir bleibt die Erinnerung an einen heilen Anfangszustand. Den möchte ich wiederhaben. Dieses Ursprungsgefühl, dass ich mit Allem verbunden bin. Mein Leben erweist sich von Geburt an als ein Abenteuer, das ich bestehen muss. Ich laufe, falle schmerzhaft und stehe wieder auf. Ich lalle bis ich spreche. Ich mache in die Hose bis ich Kontrolle über meine Körperfunktionen erlange. Ich werde mühsam nach vielen Jahren irgendwann erwachsen.

Als Erwachsener befinde ich mich ständig in diesem Wechsel von Verlusterfahrungen und himmlischen Glückszuständen. Die Sehnsucht nach dem heilen Urgefühlszustand bleibt. Zwischen den mühseligen Schritten, das Leben zu bewältigen winkt das Paradies wie ein Geschenk und eine Verheißung dir immer wieder einmal zu. Du siehst den phantastischen Sternenhimmel über dir und du bekommst eine Ahnung von der Größe Gottes und der Großartigkeit deines Lebens. Du atmest den Duft der Blumen ein und das Leben erscheint dir göttlich.

Oder du blickst in die Augen der Kinder. Auf einmal gibt es Frieden im Herzen. Du musst dich nicht mehr anstrengen. Es geht alles ohne Mühe. Deine Augen treffen die Augen des Kindes und in dir wird es ruhig. Du kommst zu der Erkenntnis: Das Paradies gab es, gibt es immer noch und du gehst zugleich darauf zu, bist manchmal mitten drinnen und weißt, dass deine Sehnsucht nicht vergeblich ist.

Sterne, Blumen und die Augen der Kinder waren die drei übrig gebliebenen Elemente aus Dantes Paradies. Wenn du jetzt einmal deine eigenen Verluste betrachtest aus den vergangenen Wochen ist dir vielleicht ein Stück Paradies verloren gegangen. Aber hast du alles verloren? Konntest du etwas retten? Was ist dir geblieben aus deinem Paradies und wo und wann geht dein Herz auf?

Stell dir vor, dass du heute in der Nacht träumst. Im Traum begegnest du der guten Fee, die dir sagt, dass du drei Wünsche frei hast. Es können aber nur Wünsche sein, die ihren Ursprung im Paradies haben. Wünsche aus einer anderen Quelle kann die Fee dir nicht liefern. Sie wären außerdem nicht förderlich für deine Gesundheit und dein psychisches Wohlergehen. Du hast jetzt nicht einfach wie üblich drei Wünsche frei, sondern drei Dinge, die du aus dem Paradies mit in dein verlustreiches Leben nehmen darfst. Magst du dich verständigen auf die gleichen Dinge wie Dante? Sterne, Blumen und Kinder? Du darfst Dantes Anregungen übernehmen. Oder möchtest du dein Eigenes finden? Wie könntest du das anstellen?

Jetzt wird es interessant. Wenn du anfängst nachzudenken, dann kommt etwas aus dem Verstand. Genug Geld, mehr Sicherheit, eine größere Freiheit, eine Umgebung von gesunden Bäumen, liebevolle Menschen. Es kommt das, was du dir jetzt überlegst. Du bist jetzt auch schon voreingenommen durch Dante. Dein Verstand kann sich aber an das Paradies nicht erinnern. Er erinnert sich nur an das, was er schon kennt. Dein Verstand kennt dich gut und macht dir ein paar Vorschläge aus seiner „Bibliothek der erinnerten Erlebnisse oder Bücher“. Du überlegst dir etwas und stimmst zu oder lehnst ab.

Wie wäre es, wenn du nicht nachdenken würdest über die drei Dinge aus deinem Paradies. Wie wäre es, wenn du auf einen entsprechenden Traum wartest. Dann hast du Ergebnisse aus deinem Unterbewusstsein oder dem kollektiven Unbewussten. Oder du gehst in die Stille und meditierst. Das habe ich gemacht und war überrascht.  Oder du bittest die drei Dinge aus dem Paradies, dass sie sich in den nächsten Wochen in deinem Alltag einfach zeigen.

Die letzte Idee gefällt mir besonders gut. Ich werde in den kommenden Tagen neben den Meditationserfahrungen aufmerksam sein für das, was mir entgegenkommt. Es wird etwas sein, bei dem mein Herz eine zustimmende Bewegung macht. Es wird sich anfühlen wie Ankommen und es wird sich jeder Bewertung entziehen. Es kann ein Blick in den Sternenhimmel sein, muss es aber nicht. Aber es mag sich so ähnlich anfühlen.

Dir wird also in den nächsten Wochen etwas begegnen das sich anfühlt wie ein Gruß und Entgegenkommen aus dem Paradies. Du wirst es dir nicht erdacht oder ausgesucht haben. Es kann sogar sein, dass es dir sehr vertraut ist, weil es schon immer bei dir war. Dir ist es nur nie aufgefallen, weil du deine Aufmerksamkeit nicht dahin gelenkt hast.

Corona und andere Viren werden uns vermutlich noch lange begleiten. Sie werden unser Leben einschränken und verändern. Wir werden manches als Verlust empfinden und darunter leiden. Das mag so kommen, aber es muss dich nicht beeindrucken. Richtest du deinen Blick auf die Verluste oder auf das, was dir aus dem Paradies geblieben ist?

Vielleicht ist es für dich auch schon zu spät und du hast dich der Erschöpfung und der Resignation hingegeben. Das fände ich bedauerlich. In jedem Menschen gibt es einen verborgenen Schalter, den er betätigen kann. Die ständigen Verluste betrauern oder sich dem Leben wieder zuwenden. Den Schalter betätigen und dich entscheiden kannst du nur selbst. Das kann dir niemand abnehmen. Für beide Richtungen gibt es genügend berechtigte Gründe.

Ich möchte nicht dauerhaft in einer maskierten Welt leben. Ich möchte in das unverhüllte Angesicht der Menschen sehen dürfen und darin die Ebenbildlichkeit Gottes erkennen. Weil mich das stärkt und weil es für mich ein bleibender Teil aus dem Paradies ist.

 

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Donnerstag, 1. Oktober 2020

Sei Du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt. (Mahatma Gandhi)


Ja, ich wünsche mir Veränderungen. Wenn ich die Augen öffne, dann sehe ich genug Möglichkeiten, diese Welt zu verbessern, indem sie verändert wird. In meiner Wohnung sehe ich die Spinnweben und Staubflächen. Im Garten das Unkraut. In der Stadt die Häuser, die mal gestrichen werden könnten. In der Stadtverwaltung die Pleiten und Pannen. Beim Bürgermeister die Defizite. Bei den Häusermaklern die hohen Kosten. Und überhaupt die Ungerechtigkeit im Land und die Parteien, die man auf keinen Fall wählen darf. Ich sehe viele Möglichkeiten, die Welt zum Besseren zu verändern.

Die Spinnen in meiner Wohnung werden wiederkommen. Der Bürgermeister ist so wie er ist. Die Makler werden für mich nicht ihre Gebühren verändern. Ich stelle fest, dass ich im Außen nur wenig Möglichkeiten habe. Da bin ich immer auf Zustimmung und Mitarbeit der anderen angewiesen. Immer wieder springt zwar mein Herz an und schreit: "Ungerechtigkeit!" Und ich wünsche mir wirklich die eine oder andere Verbesserung. Aber ich bleibe da schnell in der Ohnmacht.

Mahatma Gandhi gibt mir einen wichtigen Hinweis: "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt." Ich selbst kann die Veränderung sein! Es geht nicht einmal so sehr um ein Tun. Wenn ich anders denke und fühle trage ich schon zur Veränderung bei. So gehe ich in die Haltung der Dankbarkeit und der tiefen Verbundenheit. Ich wünsche mir und der Welt Frieden und Liebe. Das kann ich immer machen. Zu jeder Stunde des Tages. Auch jetzt. Ich wünsche dir Frieden und Licht!
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