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Samstag, 24. Februar 2018

Gott ist in uns daheim, wir sind in der Fremde (Meister Eckhart 1260 - 1327)


Schon lange begleitet mich dieser Vers von Meister Eckhart. Gerade in der Urlaubszeit kommt er mir wieder in den Sinn. „Gott ist in uns daheim, wir sind in der Fremde.“ Der Vers spielt mit dem Gegensatzpaar „Daheim“ und „Fremde“.
Mit dem Wort „Daheim“ bekomme ich ein Wohlgefühl. Ich bin geborgen und fühle mich angekommen. Ich darf gelassen sein und mich entspannen. Dieser Platz gehört mir und ich muss nicht darum kämpfen. Ich muss nicht fragen, ob ich bleiben darf oder gehen muss. Ich bin „daheim“.
Mit dem Wort „Fremde“ verbinde ich ein ganz anderes Gefühl. Kinder fremdeln, wenn sie jemand Unbekanntem begegnen. In der Fremde befinde ich mich in einem mir unbekanntem Land und betrete unvertrautes Terrain. Hier ist nicht mein Platz. Ich bin Gast für eine Zeit. Möglicherweise nur geduldet und mit der Erlaubnis eines „Fremden“. Die damit verbundene Unsicherheit ist für Manche nur schwer auszuhalten. In der Fremde bekomme ich Sehnsucht nach „Daheim“. Aus meiner Ferienlagerzeit kommen mir da die Kinder in den Sinn, die sehr unter „Heimweh“ litten vor allem am Abend, allein im Bett und ohne die schützende Nähe der Mutter.
Aber so eindeutig, wie ich es hier gerade schreibe, sind die Gefühle gar nicht. Mit „Daheim“ verbinde ich auch manchmal die Langeweile und die Eintönigkeit. Das kenne ich schon! Immer das Gleiche! Dann möchte ich aufbrechen und in die „Fremde“ gehen. Das verheißt Spannung und Abenteuer. Du machst neue Erfahrungen. Du fühlst dich lebendig. Die mögliche Angst vor dem Unbekannten weicht dem Kribbeln von aufgeregter Erwartung. Wenn niemand die Fremde lieben würde, dann gäbe es keinen Tourismus. Dann würden wir auf unser Haus beschränken uns im Garten oder auf dem Balkon ausruhen.
Manche reisen in die Fremde, in den Urlaub, um etwas hinter sich zu lassen. Den Stress, die Unzufriedenheit, die negativen Erlebnisse und Erfahrungen, ein wenig Flucht vor dem Alltag und der Wunsch, dass in der Fremde das Bessere auf mich wartet nach dem Motto: Daheim fühle ich mich fremd und in der Fremde werde ich neue Heimat finden. Zum Teil wird sich dieser Wunsch leider als Trugschluss erweisen.
Wohin du auch gehst, du nimmst dich immer mit. Deine Ängste sind im Gepäck, deine Eigenschaften, dein Charakter, halt deine komplette Persönlichkeit. Und es kann dir geschehen, dass du in der Fremde dieses Gepäck viel deutlicher wahrnimmst als in deiner kuscheligen Heimat. Wenn ich zum Beispiel zu Hause geizig bin, werde ich nicht auf einmal großzügig nur, weil ich mich an einem anderen Ort befinde.
Meine Gedanken führen mich zu der Idee hin, dass das „Daheim“ und die „Fremde“ zugleich Anteile in uns sind. Ich kann in der Fremde daheim sein und daheim mich fremd fühlen. Diese Gefühle sind unabhängig vom äußeren Ort. Die Orte können mich schneller zu diesem Lebensthema hinführen. Manchmal spürst du eben, wie fremd du dir selber bist. Wer bin ich eigentlich? Was bleibt von mir, wenn ich nicht mehr Familienmutter oder Vater bin. Was bleibt von mir, wenn ich in Rente gehe. Was bleibt von mir, wenn ich mein Haus oder meine Wohnung wegdenke? Bin ich dann noch in mir „daheim“? Wenn alles mir zwischen den Fingern zerrinnt, bleibt noch etwas übrig von mir?
Du kannst da sehr schnell ein absolutes Gefühl von Fremdheit und Verlorenheit bekommen. Du kannst aber auch ein „Dennoch“ – Gefühl spüren von tiefer Heimat jenseits aller Fragen. Die Frage nach Fremde und Heimat ist für mich zugleich eine tief spirituelle Frage. Wir verwechseln da manchmal Kirche mit Gott und denken, dass die Heimat in der Kirche die Heimat in Gott mit einschließt. Auf einmal machst du die Erfahrung, dass die Kirche keine Heimat mehr für dich ist, aber Gott umso mehr. Wir leben in einer Zeit, in der es da keine Eindeutigkeiten mehr gibt.
Meister Eckhart gibt uns einen wichtigen spirituellen Hinweis. Gott ist in uns daheim. Wenn wir das registrieren, in uns aufnehmen, uns damit vertraut machen, dem nachspüren und unsere Aufmerksamkeit dahin lenken, dann breitet sich auf einmal in uns Frieden aus. Du bist von jetzt auf gleich daheim, zu Hause in dir. Du musst nirgendwo mehr hin um Heimat zu finden. Du verreist aus Lust, aber nicht mehr mit dem Ziel, dass da etwas ganz besonderes geschehen muss. Stell dir vor, Gott wohnt in dir und du bist auf der Suche nach ihm. Das Einfachste kommt dir dabei nicht in den Sinn. Du gehst den Weg nach innen in dein Herz und – kommst an. 

Samstag, 17. Februar 2018

Ein Platz zum Leben für dich!

Du gehst in eine Boutique und probierst ein Kleidungsstück an. Wenn es nicht gefällt oder passt, was machst du dann? Du hängst es an einen Ständer direkt an der Umkleide. Dieses Prozedere musste ich erst einmal verstehen. Mir ist das bislang nie aufgefallen.
Ja, ich habe an der Umkleide mal einen Ständer gesehen mit lauter Anziehsachen. Meistens in einem Durcheinander. Aber erst dieses Schild hat mich aufgeklärt. "Bitte hängen Sie hier Ihre anbrobierte Ware ab."
Bisher habe ich meine Waren immer sorgfältig gefaltet und dahin zurückgebracht, wo ich es hergenommen habe. Die Verkäufer machen das auch so. Sie falten und bringen zurück. Für mich war das einfach selbstverständlich. Ich habe es dort weggenommen, also bringe ich es dorthin zurück. Ich mache das wie in meinem Haushalt. Ich benutze das Geschirr. Wasche es ab und stelle es zurück an den Ort, wo es hingehört.
Das gibt mir Halt und Sicherheit. Alle Dinge haben ihren Platz. Dort gehören sie hin. Da finde ich sie wieder und sie stehen dort, bis sie von mir gebraucht werden. Da gibt es so viele Diener in meinem Leben. Teller und Tassen, Lappen und Eimer, Hosen und Hemden, Konservendosen und Tüten. Hunderte von Dingen bleiben geduldig an ihrem Platz bis ich sie greife.
Wenn ich meine anprobierten Waren an diesen "Ständer" hänge - wann werden sie wohl an ihrem Platz zurück gebracht? Vielleicht sucht ein Kunde gerade nach einem Teil, das an diesem Ständer hängt. Es hängt dort und findet nicht den Weg zum Kunden. Ich werde auch in Zukunft meine Pullover, Hemden und Hosen wieder an ihren Platz zurückbringen. Nicht, um die Verkäufer zu entlasten. Die stehen sowieso oft nur herum. Ich tue das für mich und für die Sachen, die ich anprbiere. Und ich erinnere mich daran, dass ich selber auch einen Platz brauche, wo ich sein darf. Ein Platz, den mir niemand streitig macht. Ich möchte auch nicht entsorgt werden und an einem Ort landen, den ich mir nicht ausgesucht habe. Und? Hast du deinen Platz schon gefunden?
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Mittwoch, 14. Februar 2018

Sonnenworte für dich!


Sonne für die Seele! 

Von Rose Ausländer stammt folgendes Gedicht:

der garten
öffnet seine rosen

sie duften sich
sonnenworte zu

nur liebespaare
fangen sie auf
und grüssen zurück
in der rosensprache

rosen antworten rot
mit herzlichem duft

duftworte
die sich liebkosen

In einem anderen ihrer Gedichte heißt es so oder ähnlich:


Ich wohne in einer Stadt aus Sonne und Schnee
Der König ist ein Bettler.
Seine Nahrung ist Schnee.

Ich schenke ihm Sonnenworte
Vielleicht kann er sich Brot dafür kaufen.

Mir gefällt die Idee mit den Sonnenworten. Rosen duften sich Sonnenworte zu. Von Sonnenworten können Bettler leben.
Verschenkst du gerne Sonnenworte? Bekommst du viele Sonnenworte? Welche gefallen dir besonders gut? Du kannst sie gerne hier im Kommentar veröffentlichen. Einfach hier unten in das Feld reinschreiben. Ein paar schöne Sonnenworte für alle, die hier lesen.
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Dienstag, 13. Februar 2018

Wann die Freiheit beginnt!

"Street One" kann ich verschieden verstehen.
Es könnte sich um die beste und großartigste Straße im Vergleich zu allen anderen Straßen handeln. Die First Class Straße. Eine, auf die ich mich unbedingt bewegen möchte. Sehen und gesehen werden. Wer diese Kleidung trägt, der kann mithalten auf den Einlaufsmeilen dieser Welt. Der spielt in der ersten Liga. Immer die Nr. 1 sein!

Die zweite Lesart für mich lautet: Wer nur "eine Straße" kennt, landet schnell in der Sackgasse. Virginia Satir empfiehlt bei der Suche nach Lösungen, wenn du ein Problem hast, folgendes:
Ein Weg führt in die Sackgasse. (Street One)
Zwei Wege führen in ein Dilemma. (Street Two)
Ab dem dritten Weg beginnt die Freiheit. (Three and more streets)
Das ist genug Stoff zum Nachdenken, nicht wahr? Wo befindest du dich heute wie in einer Sackgasse? Wo musst du dich zwischen A und B entscheiden und kannst das nicht? Welches wäre jetzt dein dritter und/oder vierter Weg?
Vielleicht wird es Zeit für eine Marke: "Many streets".
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Montag, 12. Februar 2018

Frieden und Liebe für dich!

In einem Bekleidungsgeschäft fand ich den Hinweis auf eine neue Kollektion mit dem Titel "Peace & Love". Eine Kollektion von Kleidung, die Frieden und Liebe verspricht. Nicht mehr und nichr weniger! Hier sollten die Friedensaktivisten und Liebesbedürftigen zugreifen. Du trägst eine Hose, in der du dich liebenswert und friedlich fühlst. Nicht schlecht!
Dabei braucht die Menscheit heute genau das: eine neue Kollektion mit Frieden und Liebe. Diese Kollektion ist eigentlich uralt. Fast alle Religionen leben davon und haben es sich seit Jahrtausenden auf die Fahne geschrieben. "Mach mit! Bei uns erfärhst du Frieden und Liebe!"
Dass der Bekleidungsmarkt da mitschwingt ist doch interessant.Warum heute? Warum im Jahr 2016? Geht es vielleicht um Flüchtlinge? Darum, dass die Menschen sich zur Zeit unsicher und bedroht fühlen? Glaubt die Bekleidungsindustrie, dass sie mir da einen tollen Panzer aus Abwehrkleidern anbieten kann? Kampfkleidung? Dabei war Kleidung schon immer wichtig. Auf eine Demo gehe ich nicht im Abendkleid und zum einem Konzert ziehe ich nicht Sportsachen an. Welche Kleidung trägt jemand, der an Liebe und Frieden glaubt? Gandhi trug damals indische weiße Baumwolltracht und die Hippies liebten es bunt.
Leider habe ich nicht einmal genau hingeschaut, welche Farben denn in der neuen Kollektion vorherrschen. Gandhi mit Hippieeinsprengsel im Ethnolook? Interessant finde ich noch die Reihenfolge: nicht Love and Peace sondern umgekehrt. Peac and Love geht mir schwerer über die Lippen.
Dennoch bin ich total für diese neue Kollektion. Sie sollte jeden Monat wieder neu auftauchen als neue Kollektion bis alle es gehört haben. Love and Peace könnte zu einem Renner werden, der die Welt nachhaltig verändert.
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Samstag, 10. Februar 2018

Dumm gelaufen! - Über den Umgang mit Plänen.



Ich schaue in den Kühlschrank und finde noch Karotten, Kürbis und Süßkartoffeln. Ich suche im Internet nach einem Rezept mit diesen drei Gemüsezutaten und freue mich. Da ist was für mich dabei und ich muss nicht mehr in den Laden. Beim genaueren Hinsehen jedoch stelle ich fest, dass ich kein Sternanis im Haus habe. Ich hatte mir das doch so schön ausgedacht. Dumm gelaufen!
Ich habe mir den Ablauf des Arbeitstages genau überlegt. Wann stehe ich auf? Was frühstücke ich? Welchen Weg fahre ich? Was mache ich an meinem Arbeitsplatz zuerst und was zuletzt? Wenn ich das mache, dann bekomme ich ein Gefühl von großer Zufriedenheit. Ich weiß genau, dass ich am Abend dort ankomme, wo ich ankommen möchte. Mein Arbeitsalltag läuft präzise ab wie ein Navi. Alle Knotenpunkte sind eingegeben und ich habe Sicherheit und Halt. Doch dann stehe ich an der Abfahrt auf der A1 in Richtung Münster im Stau. Schaffe ich noch meinen Zeitplan? Mein Adrenalinspiegel steigt. Noch ist alles möglich. Aber das Zeitfenster schrumpft immer mehr. Ich muss mich vom ersten Teil meines Planes verabschieden. Der Tagesplan fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Ich hatte mir das doch so schön ausgedacht. Dumm gelaufen!
Ich mache einen Plan und dann läuft es einfach anders. Den Plan habe ich ja mit einer guten Absicht entwickelt. Ich möchte meine Aufgaben stressfrei bewältigen. Alles möge im Fluss sein. Ein Plan hilft mir dabei, meinen Alltag gut zu strukturieren. Wenn ich allerdings näher hinschaue stelle ich fest, dass meine Pläne nie genau so ablaufen, wie ich sie mir ausgedacht habe. Der Plan gelingt nie zu hundert Prozent!
Manchmal beobachte ich Menschen, die völlig planlos sind. Wenn ich das mitbekomme rutsche ich nervös auf meinem Stuhl hin und her. Das ist doch kostbare Lebenszeit! Man muss doch nur mal eben kurz nachdenken! Den Verstand einschalten. Sich vorher etwas Sinnvolles überlegen. Auf der anderen Seite kenne ich Menschen, die planen ihren Urlaub komplett durch. Vom ersten bis zum letzten Tag. Und andere planen nichts. Sie wachen am ersten Urlaubstag auf und stellen fest, dass sie nicht zur Arbeit müssen. Und jetzt?
In Gedanken stelle ich mir eine Skala vor von eins bis zehn. Eins steht für völlige Strukturlosigkeit und zehn für den totalen Superplan. Wo auf dieser Skala machst du dein Kreuz wenn ich dich frage: „Wann fühlst du dich wohl? Wie viel an Planung brauchst du, damit es dir mit dir gut geht?“
Ich finde das sehr hilfreich im Zusammenleben und Arbeiten mit anderen Menschen. Jeder hat da ein anderes Bedürfnis und eine andere Mentalität. Der eine liebt den Plan und der andere die Flexibilität. Bloß nicht festlegen. Stress kommt auf, wenn die Bedürfnisse sehr voneinander abweichen.
Da fährst du mit deiner Familie in den Urlaub. Ein Partner sagt: „Wir müssen unseren Urlaub planen. Sonst wird es nichts.“ Der andere Partner sagt: „Unser ganzes Leben ist durchgeplant von früh bis spät. Wenigstens einmal im Jahr möchte ich keine Pläne machen.“  Dem einen gibt ein Plan Halt und Sicherheit, dem anderen bedeutet das eine Einschränkung der Freiheit. Wenn uns das bewusst wird und wir darüber reden können, wird es leichter.
Wenn ich mir einen Plan vom Tag mache, bekommt er Struktur und es geht mir gut damit. Ich kann überblicken, ob ich meine Arbeit schaffe und ob mir genug Zeit zur Verfügung steht. Wenn ich genauer hinschaue stelle ich fest, dass selten ein Plan sich so erfüllt, wie ich es mir vorher ausgedacht habe.
Und da nehme ich einen Unterschied wahr. Wenn jemand meinen Plan durcheinanderbringt werde ich für einen kleinen Moment unruhig, manchmal auch ärgerlich. Aber dann lasse ich los und es ist wieder in Ordnung. Ich gebe mir die Erlaubnis, mich nicht mehr an meinen Plan zu halten. Ich mache einfach einen neuen Plan. Beim Fahrplan der Bundesbahn bestehe ich auf unbedingte Einhaltung. Aber meinen eigenen Plänen gewähre ich einen großzügigen Freiraum.
Ich kenne Menschen, deren Plan darf ich auf keinen Fall durcheinanderwerfen. Bei der geringsten Abweichung versinken sie in eine Art Ohnmacht oder Hilflosigkeit. Oder sie fangen an, kämpferisch um jeden Preis daran festzuhalten. Ohne Einhalten würde die Welt aus den Fugen geraten.
Wenn ich jetzt eine Schicht tiefer schaue kommt mir ein weiterer Gedanke. Pläne entwickle ich ja, weil ich damit ein Bedürfnis erfüllen möchte. Vielleicht mein Bedürfnis nach Sicherheit. Die Programmpunkte des Tages geben mir die Gewissheit, dass ich am Abend heil ankomme und noch leben werde. Ich werde mich nicht verlaufen und ich weiß jetzt schon, was am Ende des Tages auf mich zukommt. Ich weiß, in welches Bett ich mich heute Nacht legen werde. Meine Phantasie geht dahin, dass ich den Umfang meiner Sicherheit stark mitgestalten kann. Die Gedankenlogik sagt mir: Je besser mein Plan, desto sicherer komme ich ans Ziel.
Allein wenn ich diese Zeilen schreibe fange ich an, innerlich zu grinsen. Welch eine riesige Illusion! Was mache ich mir da nur vor! Das konstruiert sich alles mein Verstand. Das Leben und die Erfahrung sprechen eine andere Sprache. Es kommt doch immer irgendetwas dazwischen. Mal mehr und mal weniger. Soll ich mein Leben abhängig machen von illusorischen Sicherheitsplänen? Das funktioniert doch nie!
Da möchte der Trump eine Mauer errichten zwischen den USA und Mexiko. Die Einwanderer könnten ja das eigene Land unkontrolliert überschwemmen. Als ob da schon Heerscharen von Einwanderern an der Grenze herumlungern würden.
Da möchten mir die Versicherungen so viele Verträge verkaufen, dass ich zwar rundum abgesichert bin, aber den Spaß am Leben verliere. Wenn ich jetzt hundert Euro zur Seite lege gibt der Arbeitgeber etwas dazu. Das Geld wird so angelegt, dass ich jetzt nur fünfzig Euro real bezahlen muss. Dann habe ich im Alter vielleicht vierhundert Euro im Monat mehr. Fürsorge für das Alter? Weiß ich, wie die Welt in zehn Jahren aussehen wird? Weiß ich was von meinem Leben im nächsten Jahr? Eine Freundin hatte die Idee, dass sie im Alter nach Tansania auswandern will. Da kommt man mit einer kleinen Rente gut aus. Ihre Altersvorsorge heißt: Ich lerne afrikanische Sprachen.
Ich plane also, damit ich damit mein Sicherheitsbedürfnis befriedige. Dahinter steckt ja ein Grundgefühl der Angst. Ich glaube, dass ich damit mein Angst bewältigen kann. Ich plädiere dafür, sich eher mit dem Thema Angst zu beschäftigen. Wenn ich mit der Angst im Inneren umgehen kann, bin ich nicht mehr so abhängig von meinen Pläne. Ich lerne, mehr zu vertrauen. Ich pflege Kontakte und soziale Beziehungen.
Ein Plan dient dem Menschen. Er ist hilfreich, den Tag zu koordinieren, sich mit anderen Menschen abzusprechen und für ein gewisses Maß an Ordnung zu sorgen. Pläne können hilfreich sein und mehr nicht.
Der Plan ist kein Gott, dem ich gehorchen müsste. Der Plan kann aber schnell zu meinem inneren Gott werden, dem ich unbedingt folgen muss.
In der Bibel zeigt Gott manchmal seine Irritation über unser Pläneschmieden. Beim Propheten Jesaja (55,8)  heißt es: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege.“ Scheinbar hat Gott auch einen Plan. Einen Masterplan. Viele Geschichten und Begegnungen in der Bibel erzählen davon, dass Gott „Heilspläne“ entwickelt. Wenn Gott uns liebt und wir ihn lieben, wenn wir also in einer liebenden Verbindung sind mit allem, was ist – dann hat sich Gottes Plan verwirklicht.
Und? Hat Gott es schon geschafft? Ich sehe mir die Welt im Großen und im Kleinen an und denke mir, dass Gott für die Umsetzung noch ein paar Jahrhunderte brauchen wird. Auch seine Pläne laufen manchmal ins Leere. Ist Gott darüber verzweifelt? Ich denke nicht. Er richtet sich nach der Erfüllung eines Planes sondern nach einer Vision.
Wenn der Plan zu eng und lebensfeindlich wird lohnt es sich, einmal wieder nach der Vision zu fragen. Wovon träumt Gott? Wovon träumst du? Was möchtest du jetzt, in dieser Phase deines Lebens. Wohin möchtest du dich entwickeln? Welche wichtigen Erfahrungen möchtest du machen?
Und wenn es mal dabei dumm läuft? Na und? Gibt es irgendwo ein Zeugnis? Eine Belohnung? Eine Medaille? Eine Anerkennung? „Alles Misslingen hat seine Gründe, aber alles Gelingen sein Geheimnis.“ (Joachim Kaiser) Ich kann das Misslingen ergründen oder dem Geheimnis des Gelingens folgen. Jenseits aller Konstruktionen und Pläne liegt das Geheimnis des Gelingens. Wenn ich in Übereinstimmung mit mir bin und ein großes Ja in mir trage.

Freitag, 9. Februar 2018

Ich bin nicht da! Ich bin mich suchen gegangen...


Manchmal kommt jemand zu mir in die Beratung und spricht fast ohne Punkt und Komma eine gefühlt ewige Zeit über sein Leben. Und hier! Und da! Und das auch noch! Und das muss ich unbedingt auch noch sagen! Und dieser Mensch redet sich so hinein in sein Thema, dass etwas eigenartiges geschieht.
Dieser Mensch verschwindet. Da ist auf einmal niemand mehr da. Du kannst z.B. mit den Händen wedeln und diese Person reagiert gar nicht. Der Körper sitzt vor dir und du hörst auch die Stimme. Die Sätze sind sinnvoll und die Geschichte ist wirklich dramatisch. Dennoch sitzt dir niemand mehr gegenüber. Da ist etwas verschwunden. Genau das ist in diesem Satz ausgedrückt:

"Ich bin nicht da! Bin mich suchen gegangen. Wenn ich wieder da bin, bevor ich zurückkomme, sage mir: ich soll auf mich warten."

In uns gibt es verschiedene Persönlichkeitsanteile. Ein Teil von dir kann jetzt auf eine schöne Insel verreisen und ein anderer Teil sitzt körperlich am Schreibtisch. Ein "Ich" ist am Körper gebunden und ein anderes "Ich" verschwindet einfach so! Im Traum machst du es auch so, oder? Ein Teil von dir liegt im Bett und ein anderer Teil ist unterwegs in irgendwelchen Traumgeschichten.

Wann geschieht es, dass alle deine Teile einmal ungeteilt versammelt sind? Wie fühlt sich das für dich an? Was ist dann anders? Kennst du das auch, dass du im Zug sitzt, und die Landschaft an dir vorüberzieht. Irgendwann steigst du mit deinen Gedanken aus und bist in der Vergangenheit oder in der Zukunft oder du mäanderst hin und her. Dann ruft der Zugführer: "Wir erreichen Köln in wenigen Minuten." Ein Schauer geht durch deinen Körper und du erwachst. In wenigen Momenten hast du die Erinnerung an deine Traumbilder verloren und das "Traum-Ich" ist verschwunden.

Wie bekommst du es hin, dass alle deine "Ichs" gemeinsam da sind? In dem Augenlick, wo du ganz in der Gegenwart bist, ganz im Hier und Jetzt. Genau dann! Wenn dir jemand beim nächsten Gespräch das Ohr vollredet und du gar nicht mehr zuhören magst oder kannst, dann weißt du vielleicht: Am anderen Ende ist im Moment niemand mehr da. Dann sprichst du diesen Menschen mit Namen an. Du wiederholst den Namen. Du machst es so lange, bis er dich anschaut. Wenn dieser Mensch dich anschaut fragst du: "Bist du da?" Und du wirst merken, dass sich etwas verändert. Dieser Mensch ist auf einmal anders da und du auch. Es kommt zu einer Begegnung. Auge in Auge und Wort an Wort!
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Donnerstag, 8. Februar 2018

Carpe diem: Pflücke den Tag!


"Carpe diem!" Diesen Satz habe ich bislang so verstanden:

Nutze den Tag! 

Die Zeit ist kostbar!
Handle nicht unüberlegt!
Mach keine überflüssigen Dinge!
Wer weiß, ob du morgen noch lebst!
Was du heute kannst besorgen...
Morgenstund hat Gold im Mund...

Immer geht es darum, möglichst viel hineinzupacken. Jeden Zeitraum auszunutzen. Die Vorstellung ist mir nicht sehr sympathisch.
Jetzt habe ich eine andere Übersetzung gehört.

Pflücke den Tag!

Der Tag ist wie eine Blume!
Lebendig!
Farbig!
Duftend!
Freude auslösend!
Bejahend!
Zustimmend!
Ein Geschenk!
Du darfst!

"Nutzt" du noch oder "pflückst" du schon? Stell dir vor, dass du diese Welt und diesen Körper verlässt. Wirst du dann auch noch "nutzen" in der Dimension der Zeitlosigkeit? Pflücken wirst du ganz bestimmt - das Leben, die Liebe, die Freude...

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