Dienstag, 28. Februar 2017

Mit der Kraft des Herzens 1: Mit dem Herzen den Weg durch die Fastenzeit


In vielen Sprichwörtern und Sätzen taucht das Herz auf. Immer wieder sind Menschen davon fasziniert, was die Kraft des Herzens bewirken kann. Schon im Advent habe ich mir Gedanken darüber gemacht, dass es gut wäre, immer wieder das Herz zu reinigen, damit das Leben lebendiger wird.
Auch in den kommenden Wochen möchte ich dich einladen, mit der Energie und Kraft des Herzens deinen Weg zu gehen. Wofür schlägt dein Herz?

Mir kommen Sätze in den Sinne wie: "Mein Herz blutet."  "Du liegst mir am Herzen." "Mein Herz schlägt für dich." Ich weiß noch nicht, ob ich die ganze Fastenzeit bis Ostern mit "Herzensimpulsen" füllen kann. Wenn du selber einen Impuls für mich hast, den ich hier veröffentlichen darf, dann lade ich dich hiermit herzlich ein. Teile deine Herzensangelegenheiten mit denen, die diesen Blog lesen. Schick mir eine Mail mit deinem Beitrag und ich werde einen passenden Platz dafür finden.

In einer Partnerübung habe ich einmal die Erfahrung gemacht, dass ich drei Minuten sprechen durfte und mein Gegenüber hat einfach nur zugehört. Mein Gegenüber hat mich angeschaut und das Herz geöffnet. Keinen Kommentar. Keinen Einwand. Keinen Widerspruch. Nur Herz öffnen und zuhören. Vielleicht magst du dem einen oder anderen Menschen ein solches Geschenk machen und ein solches auch empfangen. Es könnte dein Herz bereichern!

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Montag, 27. Februar 2017

Unter Karnevalsflüchtlingen

Ich komme von einer Tagung in Bonn und wir halten in Köln. Jetzt sind wir auf dem Weg nach Dortmund. In Bonn war der Zug noch leer. Jetzt ist er voll. In Köln sind sie eingestiegen: Die vielen Karnevalsflüchtlinge. Du fragst, woher ich das weiß? Ich sitze gerade neben einem. Rechts neben mir sitzen vier Flüchtlinge. Ich habe sie alle gefragt und alle haben mir betätigt, dass sie heute die Gelegenheit zur Flucht ergriffen haben.
Die Frau neben mir kommt gebürtig aus Schleswig. Ich vermute, dass sie eine Protestantin ist. Im Norden gibt es halt keinen Karneval. Vielleicht flüchtet sie in ihre Heimat zurück? Ich traue mich nicht, die anderen Gäste zu fragen, warum sie auf der Flucht sind.
Ich erzähle den Leuten hier gerade, dass ich eine ernsthafte Karnevalsbehinderung habe. Früher wollten die Leute mich motivieren, doch einmal über meinen Schatten zu springen und kräftig mitzusingen und mitzuschunkeln. Ich konnte es nicht. Ich kann es bis heute nicht. Wenn ich es könnte täte ich es. Aber ich bin behindert. Karnevalsbehindert!
Gerade mal wieder habe ich mich öffentlich hier im Abteil zu meiner Behinderung geäußert. Da kommen erlöste Blicke von meinen Nachbarn. Ja! Auch sie sind eindeutlig karnevalsbehindert. Eine Erleichterung geht durch das Abteil. Endlich eine wirkliche Erklärung für die Flucht weg von Köln und hin nach Berlin oder Hamburg. Heiterkeit breitet sich aus. Alle lachen bis zu dem Augenblick, wo ich "Stopp" sage. "Wir wollen doch jetzt wohl hier nicht Karneval feiern?" "Wir müssen schon ernsthaft bei unserer Behinderung bleiben!"
Zugegeben, die letzten drei Sätze habe ich geflunkert. Aber nur die letzten. Jetzt drücke ich auf speichern und veröffentlichen und du kannst es lesen. Viel Vergnügen!
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Samstag, 25. Februar 2017

Meine Freundschaftswoche: Freunde, die wie Sterne sind!

Freunde sind wie Sterne; du kannst sie nicht immer sehen, aber sie sind immer da.
Das erinnert mich an die Sprüche im Poesiealbum aus Kinderzeiten und die Bedeutung von Freundschaften.
Meine Erfahrung: Freunde sind wichtig! Sie sind oft für mich da und ich für sie. Das tut mir gut und das tut meinen Freunden gut. Freunde sind eine echte Bereicherung im Leben. Eine wichtige Ergänzung zu Familie. Und für Menschen ohne Familie stehen Freundschaften vielleicht an erster Stelle.
Spürst du schon meine kleinen Bauchschmerzen? Ich klebe an dem Teilsatz: "Aber sie sind immer da." Das gehört nicht zu meinen Erfahrungen: Freunde, die immer da sind. Ich bin auch nicht immer für alle meine Freunde da. Oft und gerne, ja! Immer? Nein, das würde mich überfordern. Das schaffe ich gar nicht. Das würde ich von einem Freund auch gar nicht erwarten.
Dann wäre der Freund ja eher so etwas wie der "liebe Gott". Von Freundschaften kann manchmal auch zu viel erwartet werden. Auf einmal ist der Freund nicht mehr so wunderbar zugewandt. Er kümmert sich um seine eigenen Sorgen und Probleme. Er hat genug mit sich selber zu tun. Er ist in einer Phase, wo es ihm schwer fällt, diese Freundschaft zu leben. Freundschaften können durchaus gefährdet sein.
Wie gesagt: Freunde sind toll. Ich wünsche mir und dir genügend Freundschaften für eine sattes Beziehungsleben. Ich wünsche dir und mir aber auch, dass es nicht zu einer Überforderung kommt. Keine Freundschaft wie ewige Sterne am Himmel sondern eher wie etwas Brüchiges und Menschliches auf der Erde - mit Macken und Einschränkungen; mit Pausen und Enttäuschungen; mit Höhen und auch mit echten Tiefen. Und mit einem gelassenen und großen Einverständnis
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Freitag, 24. Februar 2017

Meine Freundschaftswoche: Ich möchte Leute um mich haben, die durch Zufall in mein Leben purzeln und mit voller Absicht bleiben!


Findest du auch, dass es manchmal schwer ist, Freundschaften zu pflegen? Du hast häufig das Gefühl des zu wenig. Du musst dafür arbeiten. Du musst dich melden. Dann gibt es noch die Missverständnisse. Du kritisierst und wirst kritisiert. Dann verschwindet ein Freund und du weißt nicht, warum. Du nimmst es persönlich und fühlst dich schuldig.

Irgendwann findest du es auch anstrengend, immer neue Freunde zu finden. Du möchtest gezielt Menschen kennenlernen mit deinem Niveau, deiner Weltanschauung. Die Chemie soll stimmen und die Hobbys möchtest du auch teilen. Aber finde mal einen solchen Menschen.

Wie erleichternd, wenn Leute durch "Zufall" in dein Leben purzeln. Wenn Menschen dir einfach zufallen. Einfach in deinem Leben auftauchen. Du darfst schnuppern und genießen. Er oder sie will nichts und du willst auch nichts. Es gibt keine Erwartungen und kein Versprechen. Keine Androhungen und keine Enttäuschungen. Niemand will von niemandem etwas. Du bist da, der andere Mensch ist da. Und fertig.

Wenn einer von diesen Menschen dann mit Absicht bleibt, dann muss das was mit dir zu tun haben. Dann wird dieser Mensch dich mögen und du fühlst dich wie eine Königin oder ein König. Gefährlich wird es, wenn daraus eine Freundschaft mit Ansprüchen wird. Jetzt stell dir mal eine Freundschaft vor, die sich wie "gepurzelt" anfühlt. Eine "Purzelfreundschaft." Bei einer solchen Purzelfreundschaft gibt es keine Erwartungen, keine Verpflichtungen, kein "muss". Bei einer "Purzelfreundschaft" gibt es das Hier und Jetzt. Du bist da und der oder die andere. Es gibt die Freude, miteinander da zu sein und - fertig. Wie schön!
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Donnerstag, 23. Februar 2017

Meine Freundschaftswoche: Verständnis ist aus, ab jetzt gibt es Konsequenzen!

So oft kommst du zu spät.
Ich kenne dich seit wir Kinder waren.
Da warst du so im Spielen verunken.
Dann rief deine Mutter dich und du hast gar nicht gehört.
Du warst in einer anderen Welt.
Deine Mutter hatte kein Verständnis dafür.

Das Essen stand auf dem Tisch.
Der Rest der Familie wartete.
Und wartete und ärgerte sich.
Die Rufe wurden lauter und ungeduldiger.
"Wenn du nicht sofort kommst...dann!"

Bis heute hängst du in irgendwelchen Tagträumen herum.
So hast du nie die Uhr im Blick.
Trödelst irgendwo herum.
Findest deine Schlüssel nicht.
Denkst, dass du mal ganz schnell noch was erledigen musst.
Wirst hier und da noch zusätzlich abgelenkt.
Und - kommst zu spät.
Wie in deiner Kindheit.

Wenn deine Eltern dich dafür bestraften hattest du eigentlich nichts verstanden.
Du hast nicht wirklich begriffen, was deine Eltern wollten.
Du hast doch einfach nur gespielt.
War doch kein Verbrechen!
Auch heute noch kannst du tief in "Etwas" versinken.
Ich kann das verstehen!
Ich kenne dich und weiß, dass du dich nie ändern wirst.
Weil du so bist, wie du bist.
Ich hatte immer Verständnis für dich!

Doch gestern! Gestern brauchte ich deine Unterstützung.
Du bist viel zu spät gekommen.
Von Minute zu Minute verschwand mein Verständnis und meine Not wuchs.
Du warst nicht da für mich!
Und ich hatte dich gebraucht!

Wenn meine Not mal ganz groß ist, kann mein Verständnis verschwinden.
Dann bin ich auch mal dran.
Mit meinen Bedürfnissen.
Dann ist die Gefahr groß, dass ich Konsequenzen ziehen möchte.
Konsequenz hört sich milder an als Strafe.
Eigentlich möchte ich bestrafen!
Für den Ausgleich.
Für die Gerechtigkeit.
Für den Schmerz und den Ärger.

Dann sage ich jedoch "Stop!"
Meine Freundschaft ist wichtiger.
Wie kann ich reden und was kann ich tun, was die Freundschaft stärkt
und nicht beendet.
Es ist meine Kränkung! Und meine Kränkung steht in meiner Verwantwortung.
Ich kann die Kränkung wahrnehmen.
Den Schmerz spüren.
Den Ärger durchlaufen lassen.
Und - dennoch in der Freundschaft bleiben.
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Mittwoch, 22. Februar 2017

Meine Freundschaftswoche: Du bist meine Lieblingsfreundin

Kann ich als Mann etwas zu diesem Thema sagen? "Du bist meine Lieblingsfreundin". Ich habe weder eine Lieblingsfreundin noch einen Liebelingsfreund. Ich habe Freundinnen und Freunde. Das ja!
Ich erinnere mich aber noch an meine Kinder- und Jugendzeit und habe da meine Schwestern erlebt. Da ging es häufig um die Frage, wer ist denn jetzt mit wem lieblingsbefreundet. Für den familiären Frieden war es gut, wenn meine Schwestern in einer Lieblingsfreundschaft geborgen waren. Und wehe, wenn nicht. Drama, Krise, Weltuntergang, Schmerzen!
Sowohl als Junge als auch als Mann war und bin ich da eher ein Zuschauer. Das ist zugleich wohl die Crux. Für das "Lieblingsfreundeln" musst du dich leidenschaftlich verbinden können. Dich ganz einlassen mit Haut und Haar und allen Gefühlen. Dich förmlich verlieren können. Hoffentlich ohne dich aufzugeben.
Vielleicht lebe ich schwerpunktmäßig auch nur an einem anderen Pol. Der eine Pol heißt: "Ich bin gut bei mir und mit mir und ruhe in mir." Der andere Pol heißt: "Ich gebe mich hin mit allem was ich bin und habe." In der Hingabe kann ich mich selbst verlieren und im bei mir selbst bleiben kann ich einsam werden. Zwei unterschiedliche Gefahren. Wo ist dein Lieblingspol? Ich glaube, dass jeder so einen hat. Gibt es einen tendentiellen Unterschied zwischen Mann und Frau?
Mir hilft die Vorstellung, dass ich mich zwischen den Polen bewege. Ich gebe mich hin und nehme mich so mit, dass ich mich nicht verliere. Ich bin gut bei mir und lade ein, wer bei mir sein mag.
Kann ich als Mann etwas zum Thema Lieblingsfreundin sagen? Nichts aus eigener Erfahrung. Aber ich freue mich für dich, wenn du da so jemanden an deiner Seite hast!
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Dienstag, 21. Februar 2017

Meine Freundschaftswoche: Es heißt Freundschaft, weil man mit Freunden alles schafft!

So ist es!
Meine Freunde stehen mir bei und haben mich gut im Blick.
Meine Freunde ergänzen das, was ich nicht so gut kann.
Meine Freunde machen mir deutlich, dass ich Gott sei Dank nicht allein auf der Welt bin.
Meine Freunde ertragen meine Schwächen und freuen sich mit mir über meine Stärken.
Meine Freunde haben etwas von mir und ich von ihnen.

An sie zu denken gibt Kraft für den Tag!
Sich mit ihnen zu verbinden sorgt für ein wohliges Gefühl!

Da fällt mir ein, dass ich die eine oder andere Freundschaft mal wieder auffrischen könnte.
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Montag, 20. Februar 2017

Meine Freundschaftswoche: Freundschaft ist das Seil das hält, wenn alle Stricke reißen!

Da gibt es die Angst davor, dass alle Stricke reißen, nicht wahr? Ein Seil besteht ja aus vielen einzelnen Stricken. Schön, wenn das ganze Seil ein Leben lang hält. Aber manchmal löst sich ein Faden. Das Seil wird älter und brüchiger und muss so einiges aushalten.
Über weite Strecken passt du auf dein Lebensseil gut auf. Du kümmerst dich um dein Leben und übernimmst Verantwortung für Familie, Beruf, Hobbys, ... Manchmal jedoch wird es dir zu viel. Oder es passt nicht mehr. Oder dir fehlt die nötige Kraft. Je älter du wirst, desto deutlicher wird dir, dass dein Seil eines Tages reißen wird. Spätestens auf dem Sterbebett. Eines Tages reißen deine Stricke. In dem Spruch heißt es nun: "Freundschaft ist das Seil das hält, wenn alle Stricke reißen." Wie schön, wenn es etwas gibt außerhalb deines Stricksystems. Etwas, das alles überdauert und alles trägt, sogar die Trennung und den Tod. Hast du einen Menschen an deiner Seite, der diese Qualiät besitzt?
Hättest du gerne so jemanden? Oder empfindest du das auch als eine Überforderung?
Vielleicht erfährst du das als Geschenk. Dann freue dich und sei dankbar dafür. Was zeichnet die Freundschaft aus, die stärker ist als jeder Teil eines Strickes? Mein Gedanke geht zur Freundschaft mit mir selbst. Wenn alle Stricke reißen, was bleibt? Die Freundschaft mit mir selbst wird noch länger dauern als die Freunschaft mit irgendeinem Menschen. Ab einem bestimmten Abschnitt im Leben gehst du allein. Da ist est gut, mit sich selbst gut Freund und Freundin zu sein, nicht wahr?
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Samstag, 18. Februar 2017

Von Fusseln und Flusen


Stören dich auch diese Fusseln, die deinen Pullover unansehnlich machen? Diese Knötchen und Verfilzungen? Pickst du sie mit deinen Fingern ab? Drehst oder ziehst du? Besitzt du so ein elektrisches Gerät, dass alle Fusseln abrasiert?
Manche Pullover sind völlig resistent gegen Fusseln und bei anderen fängt es ein paar Tage nach dem ersten Tragen schon an. Fusseln sind lästig und überflüssig. Niemand braucht sie. Neben den Fusseln, die von innen nach außen wachsen gibt es ja auch noch die Flusen, die auf dich herabschweben. Du gehst deinen Weg und schon haftet sich da was an dich dran. Staub, Federchen, Mehl, Puderzucker. Schwebeteilchen sind nicht wählerisch. Sie lassen sich nieder, wo es gerade niedergeht.
Fusseln und Flusen suche ich mir nicht aus. Ich kann sie auch nicht aus meinem Leben aussperren. Wenn ich ihnen sage: "Hört auf mich zu belästigen!" reagieren sie nicht einmal. Sie machen mir deutlich, dass ich ständig im Leben mit Dingen konfrontiert werde, die ich nicht beeinflussen kann. Im Frühjahr kommen die Fliegen und Mücken wieder. Ein paar Monate im Winter hatten wir eine Pause. Doch bald kommen sie wieder. Ich öffne das Fenster und schon sind sie da. Ob am Tag oder in der Nacht. Sie schwirren um meinen Kopf und surren mich fertig.
Und dann sind da noch diese Menschen, lästig wie Fliegen und Fusseln zusammen. Menschen, die mich nerven. Menschen, die mir die Ohren volljammern. Fusseln kann ich ignorieren. Bei Fliegen wird es schon schwieriger. Bei Menschen, die jammern? Wenn ich mich auf das Jammern so richtig einlasse, dann ist es zu spät. Dann hocke ich mit im Jammertal.
Wenn ich konsequent bin, dann nehme ich einfach meinen elektrischen Fusselentferner und rasiere den Pullover ab. Wenn ich konsequent bin schnappe ich mir die Fliegenklatsche, ziele und schlage zu. Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei und ich habe ein wenig Zeit bis der nächste Fliegenschwarm kommt. Gewinnen kann ich nur für einen Moment. Wenn ich konsequent bin dann sage ich zum Jammerer: "Halt die Klappe, ich will es nicht hören." Das mache ich aber nicht, weil ich mich ja nicht unbeliebt machen möchte und weil dieser Jammerer ja auch irgendwie mein Mitmensch ist.
Aber mir bleibt eine Alternative: Ich sage Ja zu allen Fusseln und Flusen. Zu allen Fliegen und Mücken. Und Ja zu allen Jammerinen und Jammerern. Es ist besser für mein Seelenheil und außerdem kann ich ja mal den Gedanken zulassen, dass.... ich für bestimmte Menschen selber eine Fluse, eine Fliege, eine Mücke, ein Jammerer bin. Wen gehe ich auf die Nerven und bin bisweilen äußerst lästig? Na gut! Ich bin dann mal ganz still und akzeptiere. Es ist, was ist.
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Freitag, 17. Februar 2017

Nimm dir die Freiheit!



Virginia Satir war eine wichtige systemische Familientherapeutin und lebte von 1916 - 1988. Sie hat wertvolle Impulse gesetzt für familäre Strukturen und sehr wertschätzend und ressourcenorientiert gedacht und gehandelt. Sehr bekannt geworden sind ihre "fünf Freiheiten", die ich gerne nach und nach erschließen möchte.

Die erste Freiheit: Die Freiheit zu sehen und zu hören was im Moment wirklich da ist, anstatt was sein sollte, gewesen ist oder erst sein wird. 

Mein Mann sollte mir besser zuhören können. Dann wäre das Leben viel schöner. Mein Kind sollte mehr aufräumen, dann wäre ich viel entspannter. Mein Arbeitgeber sollte sehen, was ich alles leiste, dann würde ich viel lieber arbeiten.
Oder: Früher war doch alles besser. Die Bahn war pünktlicher. Die Brötchen schmeckten frischer und waren günstiger. Die Milch kam noch von der Kuh. Ich war körperlich fit. Die Welt war einfach schöner. Die Leute hatten alle mehr Zeit.
Oder: Wenn ich in Rente gehe, dann werde ich mehr Zeit haben. Wenn meine Kinder groß sind, dann werde ich endlich tun können was ich immer schon tun wollte.
Du denkst oft mit den Worten: "sollte" du gehst in die "gute Vergangenheit" oder phantasierst dich in eine "bessere" Zukunft. Du machst das schon automatisch, ständig oder mehrmals am Tag. Du verlässt die Gegenwart und den Augenblick und merkst nicht, wie unfrei du dadurch wirst. Du wirst wie ein Sklave, der sich die Freiheit wünscht: Wenn ich erst einmal diese Fesseln los werde, dann wird alles anders! Pustekuchen!
Virginia Satir lädt dich ein zu einem ganz bestimmten Aspekt der Freiheit. Du entscheidest dich für das "sollte" "die tolle Vergangenheit", die "bessere Zukunft". Du trägst die Verantwortung dafür, wohin deine Phantasie, Sichtweise, dein Ohr und deine Gedanken gehen.
Und du hast die Freiheit, dich jetzt neu zu entscheiden! Du kannst dich dafür entscheiden und hast die Freiheit das zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist. Du musst dir nichts vormachen. Du brauchst nichts beschönigen. Du musst dir die Zukunft nicht toll vordenken. Bekommt das, was ist, jetzt von dir die Erlaubnis da zu sein?
Mein Mann kann nicht zuhören. Das ist so. Aber ich kann ihn immer wieder darauf hinweisen, dass er das jetzt in diesem Augenblick tun kann. Mein Kind ist kein Aufräumer. Das ist einfach so. Und mein Kind ist trotzdem in Ordnung. Die Welt wird nicht untergehen, wenn es nicht aufräumt und es bleibt mein Kind. Mein Arbeitgeber ist blind für die Leistungen der Angestellten. Das ist einfach so! Aber ich kann für mich würdigen, was ich leiste. Und ich leiste was! Und das fühlt sich stark an! Egal, ob es der Chef sieht oder nicht.
Ich warte nicht bis zur Rente, damit ich mehr Zeit habe. Jetzt in diesem Augenblick nehme ich mir die Zeit. Es ist meine Zeit, meine Lebenszeit. Heute schmecken mir die Brötchen und außerdem bin ich ein toller Bäcker. Und heute noch werde ich tun, was ich immer schon gerne tun wollte.
Spürst du wie es ist, wenn du ein Gespür für deine Freiheit wieder findest und entwickelst? Wenn du unerfüllten Sehnsüchten hinterherträumst kann es dich viel Kraft und Energie kosten und irgendwann bist du weg! Du bist nicht mehr da. Gedankenverloren schlürfst du deinen Kaffee und weißt gar nicht, was du getrunken hast. Was kannst du jetzt in diesem Moment hören und sehen?

Die zweite Freiheit: Die Freiheit das auszusprechen, was ich wirklich fühle und denke, und nicht das, was von mir erwartet wird.

Was wird von dir erwartet? Von einer Mutter wird erwartet dass sie empört ist, wenn das eigene Kind ungerecht behandelt wird. Von einem Kind wird erwartet, dass es auf  seine Eltern hört.
Was wird von dir in einer Beziehung erwartet? "Wenn du mich wirklich liebst, dann wüsstest du jetzt wie es mir geht!" "Wenn ich wirklich wichtig für dich wäre, dann würdest du dich heute nicht mit deinen Freunden treffen sondern bei mir bleiben!"
Ich kenne solche Merkwürdigkeiten zur Genüge aus meiner Kindheit. Häufig hatte ich so Fragen und

Donnerstag, 16. Februar 2017

Die Kunst, sich um ungelegte Eier zu kümmern


Der Satz folgende bekannte Satz stammt wohl von Martin Luther: "Kümmere dich nicht um ungelegte Eier." Wir sollen uns nicht Gedanken machen um Dinge, für die es noch zu früh ist. So, wie das Ei sich noch im Huhn befindet und nicht zu unserer Verfügung steht, so gibt es auch Gedanken und Sorgen zu Ereignissen, die noch nicht stattgefunden haben.
Dieser Gedanke macht durchaus Sinn. Ich kenne Menschen, die fortwährend mit der Zukunft beschäftigt sind. Sollte ich dies machen oder jenes. Wenn ja, zu welchem Zeitpunkt. Wer muss Bescheid wissen und wer auf keinen Fall. Wenn nein, was werden die Folgen sein? Werde ich das verkraften oder meine Familie? Ich bin ein Weltmeister im Konstruieren von sorgenvollen Zukunftsgedanken. Ich brauche dafür nicht einmal ein Thema. Ich kenne die Gedankenwindungen der "ungelegten Eier".
Kümmere dich nicht um ungelegte Eier. Der Folgesatz hieße ja: "Kümmere dich lieber um die gelegten Eier." Lerne also umzugehen mit dem, was ist. Von Lous Leo Holtz stammt der Satz: "Das Leben besteht zu 10% aus Ereignissen und zu 90% daraus, wie du darauf reagierst." Auch schön gesagt! Nicht die Ereignisse bestimmen dein Leben, sondern wie du damit umgehst.
Und trotzdem! In mir rumort da etwas! Ich finde die ungelegten Eier einfach interessanter. Die gelegten Eier sind doch schon da. Was geschehen ist, ist geschehen. Wird das Huhn noch ein Ei legen? Wohin? Wird es heile bleiben? Wie groß wird es sein? Die ungelegten Eier regen mein Interesse an.
Wir reden ja auch davon, dass das menschliche Leben einem Eisberg gleicht. 5% sind bewusst und satte 95% sind unbewusst. Das Unbewusste ist das Verborgene, also die "ungelegten" Eier. Mein Unbewusstsein ist mächtig und stark - und unberechenbar. "Achte auf die Botschaften deiner Träume!" Wenn du das Unbewusste nicht kennst, kennst du nur ganz wenig von dir. Aber das Unbewusste bestimmt quasi dein ganzes Leben.
Wenn du in die Stille gehst und in dich hineinhorchst und spürst, dann regen sich manchmal deine "ungelegten Eier". Da tauchen dann Bilder, Gedanken, Gefühle, Körperzustände auf. Die ausgeworfenen Eier verlieren ihre Macht. Sie werden gewogen, gemessen und sind durchschaut. Aber die "ungelegten"! Du trägst sie in dir. Sie gehen mit dir! Sie drücken und beschäftigen dich! Wenn die "Ungelegten" schon mal da sind, dann macht es doch Sinn, sich mit ihnen zu beschäftigen und sich um sie zu kümmern. Nicht im Sinne von "Kummer" aber im Sinne von Fürsorge! Sei fürsorglich mit deinen "ungelegten" Eiern, damit sie nicht plötzlich kommen und keinen guten Ort finden, wo sie heile landen können. Je mehr du die Reise nach innen gehst, desto mehr wirst du es als Kunst empfinden, damit umgehen zu können.
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Mittwoch, 15. Februar 2017

Wer mit dem Leben spielt, kommt nie zurecht. Wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer ein Knecht. (Goethe)

Im Urlaub war ich in der Lüneburger Heide. Auf vielen alten Fachwerkhäusern kann man Inschriften lesen. Meistens sind es fromme Sprüche wie: "Wer Gott vertraut, hat auf keinen Sand gebaut." So drückten die Menschen früher wohl ihr Lebensmotto aus. Sieh da, in diesem Haus wohnen fromme und anständige Leute. Es war interessant, diese verschiedenen Sprüche zu lesen.
In Celle fand ich ein Haus, da blieb ich vor dem Spruch stehen. "Wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer ein Knecht." Erst beim Recherchieren fan dich heraus, dass dieser Vers von Goethe stammt.
Die üblichen Sätze hatten eher etwas demütiges und unterwürfiges. Aber dieser Spruch hat es in sich!

Zwei Gedanken bringt Goethe hier zusammen. Spiel nicht mit dem Leben, sondern gestalte es. Renne nicht in irgendetwas einfach so hinein. Es geht nicht darum, im Leben zu spielen. Das ist heilsam und wichtig. Es geht darum, nicht "mit" dem Leben zu spielen. Du musst dich damit beschäftigen, wie das Leben so abläuft. Es folgt bestimmten Gesetzen. Die musst du kennen, damit du zurecht kommst. Du kannst nicht nur nehmen, du musst auch geben. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Sei freundlich zu den Menschen, dann sind sie es auch zu dir. Verschaffe dir einen Überblick, bevor du ins Detail gehst. Vertraue der Liebe!
Im ersten Schritt geht es also darum, sich mit den Grundsätzen des Lebens vertraut zu machen. Aha, so funktionieren die Dinge in dieser Welt! Dann kommt der zweite Schritt. Werde dir bewusst, wer du bist! Bist du Freier oder bist du ein Knecht. Knechte gehorchen fremden Befehlen. Ein Freier gehorcht sich selbst. Du musst ein Bewusstsein dafür entwickeln, dir selbst zu befehlen. Du entscheidest über dein Leben und niemand sonst!
Ist das so? In deinem Leben? Wessen Knecht bist du, wenn du ehrlich hinschaust. Im Straßenverkehr, als Staatsbürger, als Familienmitglied, als Mitglied von einem Verein oder einer Gruppe. Hast du immer das Bewusstsein dafür, dass du ein Freier bist oder wann bist du ein Knecht? Wir glauben ja, dass die Menschen im Mittelalter da eher und öfter Knechte waren als heute. Wir kommen uns ja so unglaublich frei vor. Wie frei sind wir vom Handy, vom PC, vom Auto, vom Geld, vom Urlaub...? Die Namen der Herren haben sich verändert, aber nicht der grundsätzliche Zustand.
Wie kommst du jedoch dahin, weniger Knecht und mehr Freier zu werden. Das Rezept von Goethe lautet: Lerne, dir selbst zu befehlen. Lerne die Gesetze des Lebens kennen und gehe bewusst mit ihnen um. Überprüfe stets bei dir selbst, wenn dich eine Aufgabe oder irgendein Wunsch anfällt: "Will ich das?" "WILL ich das?" "Will ICH das?" "Will ich DAS?" Es geht also um drei Aspekte: Um den "Willen", das wirkliche und kräftige Wollen. Es geht darum, wer dieses "Ich" ist und es geht um das "was"! So lade ich dich ein, einmal einen Tag damit unterwegs zu sein. Immer, wenn du etwas machen sollst stellst du dir die Frage: "Will ICH Das?"
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Dienstag, 14. Februar 2017

Good Morning. Let the stress begin!

Du stehst am Morgen auf und wagst einen Blick in den Tag. Du siehst deine Termine im Kalender. Du stellst dir vor, wie du deine Aufgaben anpackst und bewältigen wirst. Du bist voller Zuversicht und Kraft.
Dann tauchen Bilder auf von Einschränkungen und Widerständen. Da ist doch dieser Kollege, der immer meckert. Da gibt es doch das Hindernis, das du gestern schon nicht überwunden hast. So nach und nach entwickelst du eine Kampfhaltung und bevor du die erste Aktion anpackst fühlst du dich schon im Stress. Du bist vollgepumpt mit Adrenalin und Cortisol. Vielleicht notwendig, damit du deine Dinge auch schaffst.
Mir gefällt die Vorstellung, dass ich nach dem Aufstehen, nach dem Blick in den Kalender, nach den Vorstellungen von allen möglichen und unmöglichen Hindernissen und nach der adrenalingestärkten Kämpferhaltung ich mir das Geschenk gönne, mich noch einmal zu sammeln. Ich setze mich hin und trinke in Ruhe meinen Kaffee. Während die Schlacht gedanklich schon um mich herum begonnen hat, mache ich noch nicht mit. Ich sammle mich und stehe auf, wenn ich wirklich so weit bin. Aber dann: "Good morning. Let the stress beginn!"
In der Sammlung wird es mir nichts ausmachen. Ich bin zentriert und ganz bei mir. Hallo Leben, ich komme!
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Montag, 13. Februar 2017

Wer trägt die Verantwortung für mein Leben?



An erster Stelle fallen mir mein Eltern ein. Sie haben dafür gesorgt, dass es mich gibt. Sie haben sich geliebt und ich bin das Ergebnis. So wünsche ich es mir jedenfalls. Aber gefragt wurde ich natürlich nicht. Ohne sie wäre ich wohl nicht. Meine Gene speisen sich aus ihrem Pool und aus den Linien vieler Vorfahren.
An zweiter Stelle fallen mir meine Lehrer ein, denn die haben dafür gesorgt, dass ich etwas lernen konnte. Ich mochte meine Grundschullehrerin. Wenn sie zu streng gewesen wäre, dann wäre aus mir vielleicht ein sehr ängstlicher Mensch geworden mit einem geringen Selbstwertgefühl. Die Jahre in der Realschule und dem Gymnasium erlebte ich aber eher als eine Heißmangel. Wie ein Stück Tuch wurde ich in der Schule durchgewalkt. Auf meinen Zeugnissen konnte ich das Endergebnis lesen. In Physik nur mäßig aber gut in Religion.
Mir fallen auch meine Pfarrer und Religionslehrer ein, denn die haben sich darum gekümmert, dass mein Glaube Konturen bekam. Manchmal war es wirklich interessant und herausfordernd. Und weite Strecken einfach nur langweilig. Am Schluss blieb auch ein wenig Angst und Respekt kleben.
Wer trägt noch die Verantwortung für mein Leben? Mein Hausarzt hat mich ins Krankenhaus gesteckt mit einer Blinddarmentzündung. Musste das sein? Jetzt habe ich vielleicht eine traumatische Erfahrung von Verlassenheit. Ein kleiner Junge so allein im Krankenhaus.
Mein Arbeitgeber trägt auch Verantwortung, denn er muss dafür sorgen, dass ich jeden Monat mein Gehalt bekomme. Zum Glück ist er zuverlässig und das Gesetz schützt mich.
Ich könnte noch ein paar Menschen zusammenrechnen, die Verantwortung für mein Leben tragen. Die Politik sollte ordentliche Gesetze machen und die Banken die Zinsen nicht zu hoch. Ich schaue am Ende des Monats auf mein Gehalt und sehe, welche Behörden und Versicherungen etwas von mir haben möchte. Vor allem die Krankenversicherung lässt sich ihren Anteil an Verantwortung gut bezahlen.
Jetzt könnte ich die Hände in den Schoß legen und sagen: „Wenn es mir so geht, wie es mir geht, dann ist das kein Wunder! Ich werde einen Schuldigen finden an meinem emotionalen Zustand.“ Vor allem meine Eltern müssen bis zum Ende ihres Lebens meinen Ärger spüren für all das, was sie nicht ordentlich hinbekommen haben. Meine Eltern sind verantwortlich dafür, ob aus mir ein sozial verträglicher Mensch geworden ist.
Ich könnte meinen Religionslehrern und Pfarrern jeden Tag einen Vortrag halten, was sie aus meiner Seele gemacht haben. Wie habe sie es nur geschafft, dass in mir ein strafender Gott Platz nehmen durfte. Ich wundere mich, dass ich trotz und mit all meinen Ängsten überleben konnte.
Ja, wenn alle ihre Verantwortung ordentlich wahrgenommen hätten, dann würde es mir prächtig gehen. Ich wäre heil und gesund. Ich wäre liebenswert und voller Selbstvertrauen. Ich fühlte mich wie auf Händen getragen und könnte die Erde glatt mit dem Paradies verwechseln. Ich hätte eine große Familie, äußerst liebevoll und fürsorglich. Ich wäre reich und würde alle Fähigkeiten und Begabungen entdecken und ohne einschränkende Glaubenssätze entfalten. Ich wüsste nicht einmal, was ein schlechtes Gewissen wäre, weil meine Straße mit Vertrauen und Wohlwollen gepflastert wäre. Wenn alle, aber wirklich alle ordentlich ihre Verantwortung wahrgenommen hätten. Haben sie aber nicht! Bei dir?
Mir geht es schlecht, weil alle versagt haben. Ich könnte eine lange Liste des Versagens und der Anklagen schreiben. Anschließend würde ich mich zurücklehnen und vorwurfsvoll in die Runde schauen: "Da seht ihr nun, was ihr angerichtet habt. Jetzt seht mal zu, wie ihr das wieder hinbekommt. Vorher stehe ich hier nicht auf!"
Ich bin ein armes Opfer. Ein Opfer meiner Eltern. Ein Opfer meiner Ärzte. Ein Opfer meiner Pfarrer. Darum bin ich so verkorkst. Aus mir konnte nur dieses Wrack werden, das jetzt diese Zeilen schreibt.
STOPP!
Bei einer Weiterbildung gehe ich auf die Toilette und sehe einen Zettel am Spiegel hängen. Darauf steht:  "Hier sehen Sie den Menschen, der für Ihr Leben verantwortlich ist!" Ich protestiere! "Ich bin verantwortlich? Ich? Nicht meine Eltern und das ganze Gefolge?" Unerbittlich hängt dort der Zettel und sagt mir, dass ich in den Spiegel schauen soll. "Du trägst die Verantwortung für dein Leben!"
Ja, es gibt Vorgaben. Die Eltern geben etwas vor, die Lehrer, die Ärzte und die ganze Liste der Menschen, die etwas zu meinem Leben beigetragen haben. Und dann kommt der Denkfehler. Ich denke dann: "Aha, das ist das Ergebnis. So bin ich jetzt und in Ewigkeit."
Ich denke um. Ich schaue in den Spiegel und nehme wahr, was ich alles im Leben erlebt habe. Das waren die Vorgaben. Die Geschenke! Und dann aber komme ich! Ich mache etwas mit dem Material, das vor dem Spiegel steht. Ich kann mich dazu verhalten. Ich kann etwas gut oder schlecht finden. Ich kann meinen Eltern danken oder mich davon distanzieren. Ich kann zur Arbeit gehen oder wegbleiben. Ich kann mich verhalten zu dem, was ich da im Spiegel sehe. Ich stehe also vor dem Spiegel und übernehme die Verantwortung für den Menschen, den ich dort sehe. Es ist mein Leben und nicht das Leben meiner Eltern oder meiner Lehrer oder meiner Pfarrer. Die Liste meiner "Förderer" und "Behinderer" existiert zwar. Aber ich mache etwas damit - oder auch nicht.
Ich gehe auf die Toilette und lasse dort etwas los. Ich übernehme die Verantwortung für mein „Geschäft“. Die Exkremente außen und die einschränkenden Bilder und Vorstellungen innen. Ich wasche meine Hände und übernehme die Verantwortung. Ich nicke mir freundlich zu und bestätige mich. In Ordnung! Jetzt bin ich dran!

Samstag, 11. Februar 2017

Absolut!


Ich habe an einer Weiterbildung teilgenommen. Der Referent hatte ein Lieblingswort: "Absolut!"
"Ist es in Ordnung, dass ich einem Klienten etwas so sagen kann?" - "Absolut!"
Jegliches "Ja" wurde zu einem "Absolut". Schade! Ich mag die Unterschiede. Auch bei einer Zustimmung.
Da gibt es doch die vielen "Ja" - Möglichkeiten wie vielleicht, ein wenig, richtig, genau, ich stimme zu, ganz gut, ja mit einer kleinen Einschränkung, jein, nein mit einer Ausnahme...
Wenn es nur ein "Absolut" gibt, gibt es auch keine Steigerung mehr. Alles und jedes ist "Absolut!"
"Liebst du mich?" - "Absolut!"
"Gefällt dir mein neuer Pullover?" - "Absolut!"
Das Absolute in der Philosophie meint die Loslösung von allen Einschränkungen. Ein völliges Ja ohne jeden Funken von Nein. Manche sehen darin eine göttliche Qualität. Nur Gott ist der "Absolute!" Alles Menschliche hat immer eine Einschränkung, wenigstens eine kleine!
Meine Freundin sitzt gerade neben mir und findet das "absolut" von dem Referenten ganz toll! Sie sieht es als wunderbare Wertschätzung und setzt ein breites Strahlen auf. Sie mag schon jetzt den Referenten - ohne dass sie ihn kennt. Er muss "absolut" nett sein. Die Westwestfalen und übrigens auch die Ostwestfalen sind eher sparsam mit "absoluten" Wertschätzungen. "War nicht schlecht!" ist die westfälische Art von "absolut toll."
Ich finde es übrigens absolut in Ordnung, wenn du meinen Gedanken nicht teilst! ;-)

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Freitag, 10. Februar 2017

Ich habe keine Lösug, aber ich bewundere das Problem

Ich betrachte Probleme als Probleme und suche für ein Problem eine Lösung. Wenn ich die Lösung gefunden haben besteht das Problem hoffentlich nicht mehr. Ein Problem wird ja dadurch zu einem Problem, dass ich mich damit hilflos fühle. Ich finde keinen Ausweg. Ich möchte diese ungute Situation beseitigen.
Manchmal habe ich zwar ein Problem, aber keine Lösung dafür. So sehr ich auch suche, ich habe dieses Problem. Ich kann in die Beratung gehen und einen Berater bitten, mir bei der Lösung zu helfen. Ein Problem wird ja eben dadurch für mich zu einem Problem, weil ich keine Lösung finde. Und ich denke, dass eine Lösung das Problem lösen würde. Logisch, oder?
Manchmal ist das Problem aber nicht wirklich ein Problem, sondern meine Lösung. Ich mache das, was mir möglich ist. Ich mache eigentlich immer das, was mir möglich ist. Die Lösung mag mir nicht immer super gefallen, aber es ist eine Lösung. Ich könnte sogar sagen: Ich habe kein Problem, weil ich schon eine Lösung habe. Die mir bestmögliche Lösung. Eigentlich geht es nur um das Gefühl zum Problem.
Wenn ich ein Problem habe, fühle ich mich schlecht. Wenn ich eine Lösung habe, fühle ich mich gut. Wenn ich das Problem nicht mehr als Problem definiere, fühle ich mich auch nicht mehr schlecht. Wenn das Problem zum Lösungsansatz wird, könnte ich mich schnell wieder gut fühlen. Auf meiner Postkarte lese ich: "Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem." Wenn ich das Problem bewundere, dann verschwindet das schlechte Gefühl. Dann fühle ich mich trotz Problem besser. Ich kann sagen: "Wow, ich habe dein ein tolles Problem! So eines hat niemand sonst! Ich sollte es behalten. Es ist außergewöhnlich. Eine echte Herausforderung. Ich kann daran wachsen und reifen."
Ich könnte mir also eine menge Probleme wünschen, damit ich daran wachsen und reifen kann. Sonst rosten meine Zellen ein. Ich werde fett und behäbig. Wer will das schon. Lieber ein Problem als passiv herumsitzen. Wer keine Probleme hat kann auch getrost sterben. Wozu noch? Absurder Gedanke?
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Donnerstag, 9. Februar 2017

Sei wie du bist. Irgendwann kommt es sowieso raus.


Manchmal strenge ich mich an und zeige mich in einer neuen Gruppe von meiner Schokoladenseite her. Ich gehe auf die Menschen zu. Ich lache oder lächle zumindest. Ich nehme Augenkontakt auf. Ich spreche Komplimente aus und versuche, mich interessant zu machen.
Und das ist anstrengend. In mir gibt es einen Teil der sagt: "Was mach ich hier eigentlich. So bin ich doch gar nicht. Ich bin eher schüchtern und zurückhaltend. Ich bin eher jemand, auf den man zugehen muss und nicht jemand, der auf andere zustürmt."
Der Schüchterne in mir bekommt also gar keine Chance. Der wird plattgebügelt und übergangen. Das mag der Schüchterne in mir überhaupt nicht. Der sagt dann zu mir: "Nie wieder! Nie wieder komme ich mit in eine mir unbekannte Gruppe von Menschen!"
"Sei wie du bist. Irgendwann kommt es sowieso raus." In dir gibt es viele verschiedene Persönlichkeitsanteile, die zu dir gehören. Manche magst du und manche nicht. Und von manchen glaubst du, dass die anderen das nicht mögen werden. Wenn du bestimmte Anteile in dir nicht magst, wie sollen die anderen dann das mögen? Wird in der Regel nicht funktionieren.
Wenn ich das nächste Mal in eine Gruppe komme, wo ich niemanden kenne, werde ich es anders machen. Ich schaue, wer denn vertrauensvoll wirkt. Auf diesen Menschen gehe ich zu und sage: "Entschuldigung wenn ich Sie anspreche. Aber ich bin sehr schüchtern und fühle mich hier gerade sehr unsicher. Darf ich einen Augenblick bei Ihnen stehen? Sie wirken auf mich so vertrauenswürdig." Wenn ich mir vorstelle, dass ich das so machen werde, dann nehme ich den Schüchternen schon mal mit, so dass es leichter wird. Allein die Vorstellung, dass ich es machen könnte, reicht aus.
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Mittwoch, 8. Februar 2017

Einfach mal was abhängen

In einem Bekleidungsgeschäft sehe ich einen Ständer, wo ich meine anprobierte Ware abhängen darf. Ich muss sie nicht zurückbringen. Ich darf die Sachen einfach abhängen. Eine Verkäuferin ist zwischendurch damit beschäftigt, die Sachen wieder ordentlich auf den Bügel zu hängen und an den vorgesehenen Platz zurückzubringen.
In meinem Alltag hole ich Teller aus dem Schrank und räume sie nach dem Spülen zurück. Ich packe aus und packe wieder ein. Ich übernehme Verantwortung für die Dinge, für meine Aufgaben und für mein Leben. Ich besitze ein Fahrrad und habe wenigstens ein schlechtes Gewissen, wenn ich es nicht putze. Im Hintergrund sagt mir die innere Stimme: "Das ist dein Fahrrad. Willst du lange etwas davon haben, dann musst du es pflegen!"
Da komme ich in diesen Laden und darf meine Sachen einfach abhängen. Kennst du auch dieses Gefühl von Erleichterung, dass du etwas abhängen darfst. Du musst keine Verantwortung übernehmen. Du denkst nicht weiter nach und lässt los. Ich denke gerade an all die, die so viel Verantwortung tragen müssen. Die sich so viele Sorgen machen um ihre Kinder, die alten Eltern, die kranken Ehepartner. So viele Lasten!
Wenn es dir so geht, dann wünsche ich dir einen Kleiderständer mit der Einladung, einfach mal was abzuhängen. Du glaubst vielleicht, dass Sorgen nur innerlich sind. Sie gehören zu dir und es gibt dafür keinen Ständer. Aber gedanklich könntest du es einfach mal so machen. Da gibt es einen Sorgenständer in deiner Nähe und du hängst deine Sorgen da hin wie Kleider. Für einen Moment. Du kannst sie ja jederzeit wieder zu dir nehmen und anziehen. Aber du hast die Erlaubnis, einfach mal da was hinzuhängen. Dafür ist der Kleiderständer da und dort hängt auch ein Erlaubnisschild.
Wenn du jetzt gerade eine große Last zu tragen hast dann kannst du dir die Erlaubnis geben, für einen Moment loszulassen. Für einen Augenblick eine Pause einzulegen. Es bleibt dir noch genug. Die Verantwortung bleibt und du wirst weitertragen. Es geht nur um den kleinen Moment, mal einfach loszulassen. Der Augenblick der Erleichterung.
Ich freue mich, wenn ich in einem solchen Laden die Sachen nicht zurückbringen muss. Wo gehörten die noch mal hin? Ich darf sie einfach mal da abhängen und meine Gedanken und mein "schlechtes Gewissen" hänge ich gleich mit dazu.
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Dienstag, 7. Februar 2017

Oh, wie schön!

Oh, wie schön!
Ich war eingeladen zu einer Tagung. Auf einem Tisch gab es Saft, Wasser, Kaffee, Kuchen und diverse Kleinigkeiten. Und es lagen dort Servietten mit der Aufschrift: "Oh, wie schön, dass ihr alle hier seid!"
Die Servietten ohne alle die köstlichen Kleinigkeiten wäre nur ein Blatt Papier gewesen mit einer Aufschrift. Aber an den vielen köstlichen Kleinigkeiten konnte ich erkennen: Ich hatte einen Gastgeber mit Herz. Ich war willkommen und ich fühlte mich willkommen.
Auf dem Tisch gab es auch etwas für mich. Ich mochte das frische Obst und den kleingeschnittenen Kuchen. Halt so kleine Häppchen. Köstliche kleine Häppchen. Ich las den Spruch auf der Serviette und sah vor meinem geistigen Auge das Gesicht der Gastgeberin. Ich sah, wie sie in ihrer Küche alle diese Dinge zauberte und dabei an mich dachte. Das hat mir Freude bereitet. Es macht mir Freude wenn ich daran denke, wie andere mir Freude bereiten. Und es macht mir Freude, meine Gastgeber dabei zu beobachten, wie sie sich freuen, wenn sie mir Freude bereiten.
Wie ansteckend doch Freude ist. Da lass ich mich doch lieber anstecken von Einladungen zu köstlichen Kleinigkeiten als von Grippeviren. Oh, wie schön, wenn du meinen Blog liest! Oh, wie schön, dass ich meine Gedanken mit dir teilen darf. Oh, wie schön, dass du hier bist! Oh, wie schön!
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Montag, 6. Februar 2017

Bleib ruhig und mach einfach weiter

Manchmal schlägt mir das Herz bis zum Hals.
Ich bin unterwegs mit meinem Auto und hinter mir fährt die Polizei.
Sofort bin ich im Alarmzustand. Der Adrenalinpegel steigt.
In meiner Wahrnehmung völlig grundlos.
Ich fahre vorschriftsmäßig und habe kein Gesetz übertreten.
Zumindest nicht bewusst.
Aber so ist die erste Reaktion.
Da läuft ein altes Programm ab. "Du darfst nichts falsch machen!
Du darfst dich nicht erwischen lassen!
Das ist verboten! Dafür wirst du bestraft! Du kommst ins Gefängnis!"

Das ist nicht real, findet aber trotzdem statt.
Auf meiner Spruchkarte heute lese ich: "Bleib ruhig und mach einfach weiter."
So ein Adrenalinschub ist gar nicht schlecht.
Du wachst auf und wirst wieder lebendig.
Positiver Stress! Gibt Energie!
Was ist, wenn ich mich nicht beruhige?
Ich ändere den Spruch in:
"Bleib unruhig - und nutze die Energie, die da drin liegt."
Und wenn ich tief genug atme - kommt die Ruhe auch wieder.
Spätestens beim letzten Atemzug!
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Samstag, 4. Februar 2017

Der Frühling beginnt am 4. Februar


Heute beginnt der Frühling!
Es steht nicht auf meinem Kalender.
Der Februar gehört eindeutig zu den Wintermonaten.
Es war in den vergangenen Wochen auch kalt und ich musste an meinem Wagen Eis kratzen.

Alle Zeichen deuten auf Winter.
Es kommt ja noch der ganze Februar.
Trotzdem steht auf meinem inneren Kalenderblatt:
Es ist Frühling!

Wie kann das?
Als ich aufstand und mir den Mantel anzog, die Handschuhe überstreifte und die Mütze aufsetzte...
Da war ich noch mitten im Winter.
Jetzt sitze ich hier und bin trotzdem im Frühling.

Es gab ein paar Tage Sonne!
Ich hatte es in den trüben und bedeckten Tagen schon vergessen.
Es gibt tatsächlich die Sonne.
Und wenn sie durch mein Fenster scheint dann wärmt sie mich.

Heute beginnt der Frühling für mich.
Ich verabschiede innerlich meinen Winter.
Ja, es hat etwas mit mir zu tun.
Nichts mit dem Wetter oder dem Kalender.

Ich kann einfach so in den Frühling gehen.
Ich brauche nicht einmal die Sonne dafür.
Ich weiß, wie sich Frühling anfühlt und ich kann das Gefühl einfach erschaffen.
Wie mache ich das?

Beim Wintergefühl klebe ich im Stuhl fest.
Wenn ich den Frühling fühle, dann dehnt sich innen etwas aus.
Dann möchte ich aufstehen und wo hin.
Farben sammeln!
Sonne tanken!
Irgend etwas!
Aber nicht mehr sitzen.

Am Ende des inneren Winters will ich einfach nicht mehr sitzen.
Ich möchte aufbrechen und loslegen.
Hallo Leben, ich komme!

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Freitag, 3. Februar 2017

Erst zentrieren und durchatmen, dann loslegen!



Hast du schon einmal bemerkt, dass du die gleiche Tätigkeit mal mit Energie und Kraft locker bewältigst und ein andermal nur mit großer Mühe und Anstrengung?
Also, du stehst in der Küche und bereitest das Essen zu. Voller Freude liest du dein Rezept. Du schaust in den Kühlschrank, ob alle Zutaten da sind. In deiner Phantasie entsteht das Bild eines wunderbaren Gerichtes auf einem schön gedeckten Tisch. Deine Familie oder die Gäste schauen erwartungsvoll auf das Wunder, das du gewirkt hast. Nach den ersten Gabeln vernimmst du ein Ah! und Oh! Mit diesem inneren Bild und dem beglückenden Gefühl stellst du dich an den Herd und zauberst fast ohne jede Anstrengung dein Essen.
Ein paar Tage später stehst du wieder in der Küche. Du liest dein Rezept, du schaust in den Kühlschrank ... und du merkst: Etwas fehlt! Du freust dich nicht. Du bekommst kein Bild vom Ergebnis. Die Familie erscheint dir als undankbar. Die Zutaten erfüllen nicht deine Erwartungen. Du kochst und hoffst, du bekommst alles noch irgendwie fertig. Mühselig und angestrengt vollziehst du jeden Arbeitsschritt. Das Essen kommt auf den Tisch und du bist nur froh, wenn du anschließend deine Ruhe hast.
Der Zuschauer deines Filmes sieht zwei fast identische Szenen. Aber wenn der Zuschauer in dein Inneres hineinblicken könnte, würde er einen großen Unterschied wahrnehmen. Die erste Szene wäre gefüllt von Leben und Freude und die zweite Szene trist und grau.
Mich erinnert das an die erste Geschichte in der Bibel. Die Menschen leben im Paradies und arbeiten in diesem Garten voller Liebe und in Verbundenheit mit dem Schöpfer. Nach dem Essen von der verbotenen Frucht verwandelt sich das Paradies in einen Ackerboden, der kaum zu bewältigen ist. Die hilfreichen Engel verschwinden und sie fühlen sich ausgestoßen und verloren in einer kalten Welt.
Manchmal sagst du vielleicht selber: „Ich bin nicht im Vollbesitz meiner Kräfte.“ Wenn dir die Kraft fehlt, wird das Leben zu einer Anstrengung. Wenn du in der Freude bist, wird jede Arbeit zum Spiel und du erlebst dich wie im Flow. Wenn die Anforderungen jedoch anwachsen kann es sein, dass du mehr und mehr den Bezug zu deiner Mitte verlierst.
Wenn dir das Kartoffelschälen keine Freude mehr bereitet und du lustlos mit dem Löffel in der Sauce rührst, wird es Zeit, dass du eine Pause einlegst. Tank erst mal wieder auf! Stell dich in deinen Sonnenraum! Suche einen Wohlfühlort auf und tu erst einmal – nichts! Dein Sonnenraum kann ein äußerer Ort sein wie die Bank vor der Tür, ein Sessel im Wohnzimmer oder ein Platz  unter einem Baum. Dein Sonnenraum braucht jedoch zugleich eine innere Entsprechung. Im Sessel deines Wohnzimmers schließt du die Augen und wendest dich nach innen. Du visualisierst Licht und Wärme. Die angestrengte und überforderte Person in dir bittest du, für einen Moment zur Seite zu treten. Du könntest sie in die Küche schicken und von deinem Sessel aus betrachten. Von deinem Sessel aus schaust du wohlwollend auf die Person in der Küche, die sich gerade abmüht und keine Kraft hat. Dieser Person in der Küche schickst du Aufmerksamkeit und Anerkennung. Du selbst in deinem Sessel weißt, dass alles sich zum Guten wenden wird, denn du bist ja weise. Wenn du die Mitte wieder gefunden hast in deinem Sonnenraum kannst du diesen Menschen in der Küche ja ein wenig unterstützen. 
Wie oft höre ich: „Das muss ich erst noch fertig machen, dann gönne ich mir eine Pause!“ Im Hintergrund klingt bei mir: „Ich muss mich erst noch fertigmachen, dann kann ich eh nicht mehr!“ Arbeiten bis zum Anschlag. Die Pause musst du dir verdienen. Dann kann ich nur sagen: Umgekehrt! Umgekehrt! Nur mit der Pausenstimmung kommst du gut in deine Arbeit. Ohne innere Anbindung an deinen Sonnenraum wird das Leben zum Krampf. Dann höre ich: „Aber ich muss doch ...“ Überprüf einmal deine Glaubenssätze. Von wem stammen diese Aussagen? Spricht da deine Mutter oder dein Vater?
In der Mitte deines Sonnenraumes bist du unangreifbar für das schlechte Gewissen und die ständige Pflichterfüllung. Da ist Platz für dich. Da tankst du auf. Da bist du einfach da!

Donnerstag, 2. Februar 2017

Nicht suchen, sondern finden!

Das Geheimnis der Kunst liegt darin, dass man nicht sucht, sondern findet. So sagt es Pablo Picasso. Ein wunderbarer Satz. Nicht nur für die Kunst, sondern für das Leben überhaupt.
Wenn ich etwas suche, dann bin ich im Mangel. Ich benötige Zeit. Ich mache mich auf den Weg. Ich schaue hier und schaue dort. Ich bin genau fokussiert auf etwas. Ich suche vielleicht für mein Bild ein Motiv und schaue so lange, bis ich es gefunden habe. Der Schwerpunkt liegt beim Suchen. Ich suche Unterlagen, Rezepte, Ideen... Das ist sehr zeitaufwendig. Das ist meine Lebenszeit. Wenn ich suche, dann kann schon mal ein ganzer Tag dabei draufgehen. Ich kann an nichts anderes mehr denken, als ein bestimmtes Objekt zu suchen.
Es geht dabei um den Prozess des Suchens und den Gedanken und den Gefühlen, die sich dabei einstellen. Ich denke, dass ich es nicht finde. Ich mache mir Sorgen, ich bekomme Angst, ich verzweifle. Ich entferne mich immer mehr von meinem inneren kraftvollen und lebensbejahenden Kern.
Worin liegt der Unterschied, wenn ich finde und nicht mehr suche? Wenn ich finde, dann freue ich mich. Es geht eine Welt auf! Ich staune! Wenn ich finde, dann lehne ich mich entspannt zurück und denke, die Welt kommt zu mir. Ich werde dem begegnen, was ich brauche. Einfach so! Ohne diesen inneren Druck von Anstrengung und Verzweiflung. Ohne diesen Aspekt von "Hoffentlich!" Wer beim Suchen hofft, es zu finden ist eben bei der Hoffnung. Hoffnung kann sich erfüllen oder auch nicht. Beim Finden bin ich auf einer ganz anderen Straße. Ich habe die "Hoffnung" als Konzept hinter mich gelassen. Ich werde aufmerksam für das, was ist.
Als Künster "suche" ich vielleicht ein Motiv, dass ich malen kann. Ich suche einen Baum und finde keinen, der meinen Vorstellungen entspricht. Ich kann als Künstler aber auch den Blick auf das Ganze richten und dann sehe ich am Boden einen Stein, der meine ganze Aufmkersamkeit bekommt. Da ist etwas, das mich völlig anspricht - und wird zu meinem nächsten Motiv. Dieser Stein zeigt sich mir dann als das eigetliche Motiv, dass genau dem entspricht, was ich durch "Suchen" nicht gefunden hätte.
Wie erlebst du dein Leben? Suchst du oder findest du? Suchst du zum Beispiel Kleidung beim Einkaufen oder findest du einfach? Wie geht bei dir der Vorgang des Findens? Wie machst du das? Hast du die Liebe deines Lebens gesucht oder war das eher ein Finden? Wie fühlt sich für dich der Unterschied an?
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Mittwoch, 1. Februar 2017

Bist du tot oder blöd - es ist schwer für die anderen.

Der Spruch irritiert mich mal wieder: "Wenn du tot bist, dann weißt du nicht, dass du tot bist. Es ist nur schwer für die anderen. Genau so ist es, wenn du blöd bist."
Ich gehe davon aus, dass ich es mitbekomme, wenn ich tot bin. Ich werde am Ende meines Lebens die Augen des Körpers schließen. Das Herz wird aufhören zu schlagen und die Gehirnzellen werden ihre Tätigkeiten beenden. Ich werde diesen Körper verlassen und nicht mehr brauchen. Und es gibt ein "Ich", dass das bewusst wahrnimmt und gestaltet. Mein höheres Bewusstsein wird den letzten Schritt aktiv machen. Nicht mein Körper-Ich. Das wird lieber festhalten. Die Weisheit in mir wird diesen Schritt vom Leben zum Tod und zum höheren Leben ganz wunderbar gehen.
Manche Menschen finden mich blöd. Was immer das auch heißt, blöd zu sein. Ich finde auch manchmal Menschen blöd. Auf den ersten Blick! Wenn ich dann genauer hinschaue, dann fängt die Entdeckungsreise eigentlich erst an. Kann ich bei mir sehen, wie blöd ich eigentlich selber bin?
Ich finde jetzt, mal angenommen, meinen Ehepartner blöd. Er oder sie ist ständig unpünktlich. Immer muss ich warten. Das nervt total. Er oder sie merkt es nicht mal und ist nicht bereit, sich zu verändern. Wirklich blöd! Jetzt kann ich dabei stehen bleiben und diesen Menschen blöd finden. Der findet mich aber vielleicht auch blöd, weil ich etwas nicht merke. Mein Partner findet mich blöd, weil ich so pingelig bin. Weil er mich für einen Korinthenkacker hält. Weil ich immer so einen Druck mache und alles immer so genau nehme. Weil ich kein Einfühlungsvermögen habe, dass man nicht immer pünktlich sein kann bei so vielen roten Ampeln.
Wenn ich jetzt meinen Partner blöd finde, dann kann ich das machen. Ich habe ein wunderbares Ventil für meinen persönlichen Ärger. Ich kann aber auch wie in einen Spiegel schauen und sagen: "Das bin ja ich!" Ich habe ein viel zu starres Weltbild. Ich tue so, als ob mein Leben von ein paar Minuten abhängt. Ich bin vielleicht ein Sklave meiner Uhr und sehe, dass mein Gegenüber dazu im Unterschied die Herrin ihrer Uhr ist.
Das wäre doch mal eine neue Deutung. Pünktliche Menschen sind Sklaven ihrer Uhr und unpünktliche Menschen sind Herr darüber. Ein Stück mehr Freiheit!
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