Dienstag, 30. September 2014

Ein Kanal für den inneren Vulkan

Wieder einmal sind sich alle am Tisch einig. Eine spricht aus, was alle denken: Das geht ja gar nicht! Am Tisch entsteht Einvernehmen und Solidarität. Das geht ja gar nicht!
Ich saß zwar in der Nähe und bekam den Inhalt und Anlass der Aufregung leider gar nicht mit. Ich weiß nicht, was da "gar nicht ging". Irgendjemand hat irgendetwas gesagt oder getan, was unmöglich war. Abscheu und Verachtung hing wie eine Wolke über diesem Tisch. "Das geht ja gar nicht!" ist auch so eines dieser Modeworte. Mir gefällt dieser Satz. Du rufst ihn aus der Tiefe deines Bauches heraus im Brustton der völligen Überzeugung. Es gibt da keinen Kompromiss und kein Hauch eines Verständnisses. Auch das muss mal sein! Ewig wird erwartet, dass du Verständnis hast für andere Menschen oder bestimmte Situationen, aber wer hat Verständnis für dich? Mit einem solchen Satz wie "Das geht ja gar nicht!" kannst du auch gleich allen anderen Ärger, den du in dir gesammelt hast, mit nach oben spülen und herauslassen. Die schreckliche Tat dieses unmöglichen Menschen war nur der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.
Ich hole mir die Situation am Tisch wieder ins Bewusstsein. Das furchtbare Wort, die unmögliche Tat hatte ihre gute Seite. Solidarität und Freundschaft am Nachbartisch. Jawohl! Wir sind anders! Uns passiert so etwas nicht! Wir halten zusammen! Wir pflegen unsere Freundschaft! Wir sind tolerant und verantwortungsbewusst! Wir wissen noch, was Moral und Anstand ist!
Diese fremde Person, von der ich nichts weiß bis heute, hat ohne es zu wissen eine gute Tat vollbracht. Sie hat dafür gesorgt, dass sich mein Bewusstsein erweitert hat. Manchmal ist es gut, seinem Herzen Luft zu machen und den Ärger förmlich auszuspucken. Danach kann der Atem wieder frei fließen und du bekommst die Energie zum weitergehen.

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Montag, 29. September 2014

Der Sprung über die Hürde der Unzufriedenheit



Wie wirst du es schaffen, dass du den heutigen Tag unzufrieden beendest?

Seltsame Frage? Wir haben unsere inneren Abläufe und Mechanismen, die oft schon automatisch funktionieren. Du wachst zum Beispiel morgens mit einem "Unzufriedenheitsgefühl" auf. Dir wird etwas klar. Kann ja gar nicht anders sein, bei dem Wetter draußen! Oder, so wie mich die Kinder schon anschauen! Oder, so wie mir das Essen heute schmeckt! Oder, was meine Waage schon wieder anzeigt!
Ich finde immer einen Grund, warum meine Unzufriedenheit berechtigt ist. So schaffe ich es mit Leichtigkeit, den Abend mit Unzufriedenheit zu erreichen!
Jetzt kommt der Trick: Wenn du dir morgens die Frage stellst: Wie wirst du es schaffen, dass du  den heutigen Tag unzufrieden beendest? denkst du über deine typischen Unzufriedenheitsgründe nach. Sie werden dir bewusst und es wird nicht mehr so leicht sein, den Abend mit völliger Unzufriedenheit anzusteueren. Es könnte ja auch der Wunsch nach Zufriedenheit auftauchen, gleich zu Beginn des Tages! Du kommst zu der Erkenntnis: Ich will ein zufriedener Mensch sein und richte meine Aufmerksamkeit auf alles, was schön ist und was mir gelingt.
In diesem Sinne ein waches Bewusstsein!

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Sonntag, 28. September 2014

Eine Hand ist schon vergeben. (neudeutsche Weisheit)

Ein gesunder Mensch besitzt zwei Hände, eine davon links und die andere befindet sich rechts. Beide ergänzen sich ganz gut gegenseitig. Beide Hände brauchst du auch für bestimmte Handlungen. Du denkst, das ist doch selbstverständlich? Noch, betone ich, noch ist das selbstverständlich!
Ob ich am Bahnsteig stehe, mich durch die Fußgängerzone bewege oder sonst wo bin. Dort, wo viele andere sich bewegen, bemerke ich ein zunehmendes Phänomen. Die Menschen haben nur noch eine Hand zur Verfügung. Die andere Hand ist leider schon vergeben. Darin befindet sich ein so genanntes Smartphone. Noch ist es nicht mit der Hand zusammengewachsen aber ich bin überzeugt davon, dass der nächste Schritt darin liegt, ein solches Gerät wie einen Handschuh über die Finger zu ziehen. Dieses Gerät wird dann Softphone heißen, weil es sich der Anatomie des Menschen anschmiegt.
Auch das wird dann nur die vorübergehende Lösung eines noch raffinierteren Gerätes sein. Ein Implantat? Ein Implaphone?
Eine Hand ist schon vergeben! Das wird zu einem neuen Sprichwort, eine neudeutsche Weisheit. Der Sinn dieses Wortes heißt: Achte darauf, wem du deine Hand zur Verfügung stellst. Ein Smartphone erwartet deine Hand quasi rund um die Uhr. Damit ist deine Hand vergeben für alle Zeiten. Sei dir bewusst, dass du möglicherweise all die vielen schönen Dinge dann nicht mehr tun kannst, wozu man zwei Hände braucht.
Meine Hände vergebe ich immer nur für kurze Zeit. Jetzt gerade schreiben sie, alle beide! Gleich werden sie ein Brot schmieren; Eine Hand hält und eine schmiert. Und dann ...? Mal sehen! Ich werde mich politisch einsetzen für die Freiheit meiner Hände.
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Freitag, 26. September 2014

Kinder die quengeln sind die Rabattjäger von morgen. (neudeutsche Weisheit)

Hast du schon mal darüber nachgedacht wie es jemand schafft, immer für sich Rabatte herauszuschlagen? Mir gelingt das leider kaum. Manchmal frage ich zögerlich im Laden nach einem eventuellen Preisnachlass.  Aber allein meine Ausstrahlung reicht aus, dass jeder Verkäufer eine Mine des Bedauerns aufsetzt, dass da leider nichts möglich ist.
Ich spinne mal mit dir folgenden Faden. Das kennst du! Du stehst im Supermarkt an der Kasse und vor dir quengelt ein Kind. "Mama darf ich n' Ü-Ei?" "Nein Kevin, heute nicht!" "Ooch Mamma, ich will abba!" "Nein Kevin, ich habe nein gesagt. Und dabei bleibt es!" "Ooch Mamma, ich will abba jetz n'Ü-Ei!" Das Spiel geht also hin und her und am Ende gewinnt der Quengel, so nenne ich ihn mal. Ich bin immer froh, dass ich keinen Quengel an meiner Seite habe. Hut ab für alle Mütter, die das aushalten müssen Tag für Tag. Ein Quengel (das ist ein in einen Wunsch umgewandeltes Bedürfnis) fängt häufig so an: "Mamma, darf ich noch..." In diesem Anfang liegt die Fortsetzung, bis ein Quengel seinen Quengel durchgesetzt hat. Ein Quengel braucht nichts erklären und nichts argumentieren. Es reicht die ewige Wiederholung mit leicht anderen Worten und vor allem mit einer emotionalen Steigerung des Willens. Was geschieht in Mutter oder Vater: "Wie peinlich mein Kind doch ist! Ich bin ein Versager in der Erziehung! Warum muss mein Kind nur so sein! Wie komme ich hier jetzt heil raus!"
Wenn du so denkst, hast du schon verloren. Es kostet dich Nerven, kratzt an deinem Selbstwertgefühl und verdirbt dir den Tag. Du brauchst Stunden um dein Kind wieder lieben zu können. Jetzt habe ich für dich eine frohe Nachricht. Freue dich über deinen Quengel. Aus ihm wird mal ein wunderbarer Rabattjäger. Jeden Euro, den du In erquengelten Ü-Eiern investiert hast, wirst du wiederbekommen. Schreib alle deine Ausgaben auf eine Liste auf und schenk sie deinem Kind zum 18.ten Geburtstag!
Wie wird das ein Quengler anstellen? Nun, in seiner Kindheit hat er dafür Qualitäten entwickelt. Dazu gehören Hartnäckigkeit, Durchsetzungskraft, Taubheit für Argumente und ein eiserner und unerschütterlicher Wille, das Ziel zu erreichen. Ihr Kind wird nicht eher aus dem Geschäft gehen, bis es einen Preisnachlass bekommt.
Jetzt schlägt auch deine Stunde. Du fragst dein Kind, wie hoch der Rabatt war und zeigst ihm die Quittungen von all den Ü-Eiern aus der Kindheit. Vielleicht gibt dir dein Kind nicht das Geld zurück, aber es wird dankbar sein für deine erzieherische Leistung. Du hast es geschafft, aus einem Quengel einen Rabattjäger zu machen.
Und jetzt weiß ich nicht, ob ich diesen Post wirklich ernst nehmen soll. Wenn ein Wissenschaftler dies liest bitte ich um eine ernsthafte Untersuchung. Ich habe gehört, dass amerikanische Untersuchungen von besonders hoher Qualität sind.
Also, amerikanische Untersuchungen haben gezeigt, dass quengeln in der Kindheit zwar nerv tötend für die Eltern ist, sich aber später positiv auswirkt auf die Durchsetzungsfähigkeit im Berufsleben. Geht doch, oder?

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Donnerstag, 25. September 2014

Bist du noch Mensch oder schon Dokument?

Wir ertrinken in der Dokumentationsflut.
Im Krankenhaus wird jede Handlung dokumentiert. Es scheint so zu sein, dass das Dokumentieren von größerer Wichtigkeit ist, als die Behandlung der Patienten. Der Patient wird vielleicht nicht geheilt entlassen, aber alles ist perfekt dokumentiert.
Die mobile Altenpflegerin fährt von Haus zu Haus um die Alten zu versorgen. Auch sie dokumentiert und schreibt alles auf, was sie macht.
Als Selbständiger sammelst du die Quittungen und Rechnungen und stellst deine Papier fein säuberlich zusammen. Du dokumentierst auch deine Tätigkeiten damit das Finanzamt die Steuern berechnen kann. Die Dokumentation ist von großer Bedeutung. Immer ist Genauigkeit gefragt.
In der Kirche waren die Pfarrer einmal Seelsorger. Sie dokumentieren auf ihre Art. Konferenzen, Fusionsgespräche, Sitzungen und Absprachen verhindern die Ausübung der ursprünglichen Tätigkeit.
Lehrer dokumentieren den "Fortschritt" ihrer Schüler. Auch sie konferieren häufig um die ständig neuen Schulgesetze gesetzeskoform umzusetzen.
Alle dokumentieren und entfernen sich mehr und mehr von ihren ursprünglichen Aufgaben.
Der Arzt heilt nicht mehr, der Lehrer unterrichtet nicht mehr, die Krankenschwester pflegt nicht mehr, der Pfarrer seelsorgt nicht mehr. Ist die Tendenz nicht beängstigend?
Ich kenne genug Menschen, die unter der Last der Dokumente stöhnen. Eigentlich lieben sie ihren Beruf und empfinden ihre Tätigkeit häufig sogar als Berufung. Aber sie haben immer weniger Zeit für ihre Leidenschaft. Das System fordert die Dokumentation. Wir alle sind Teile eines Systems und glauben, wir müssten deren Gesetzen und Regeln folgen. Und hinter dem System stecken auch wieder Menschen, die diese Papiere erwarten. Doch wo ist die Grenze? Ab wann erstickt der Mensch in der Dokumentationsflut? Immerhin sprechen wir tatsächlich von Flut. Manchmal hilft nur radikales aufräumen. Wir entwickeln uns zu Dokomentationsmessies. Was tun?
Du kannst dich von den Wellen erschlagen lassen, darüber stöhnen oder darin untergehen. Du kannst aber auch darauf surfen. Du bist der Herr der Dokumente und nicht umgekehrt. Du entscheidest in deiner Freiheit, was du tun möchtest. Sei wach, aufmerksam und reduziere!

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Mittwoch, 24. September 2014

Dafür wirst du nicht bezahlt, aber davon lebt die Welt

Das höre ich häufig bei der Arbeit: "Dafür werde ich nicht bezahlt!" Du wirst nicht dafür bezahlt, jemanden freundlich zu grüßen. Du hältst die Tür auf für den Nachfolgenden. Du fragst, ob dein Gegenüber auch eine Tasse Kaffee möchte. Du erkundigst dich nach dem Gesundheitszustand einer kranken Mutter. Du gibst einen positiven Kommentar ab zu dem, was dir gerade gefällt. Du nimmst etwas auf, was ein anderer fallengelassen hat.
Für all das wirst du nicht bezahlt! Das steht nicht in deinem Arbeitsvertrag! Du hast völlig Recht, wenn du solche Aufgaben verweigerst! Nichts davon musst du tun! Jetzt stell dir einmal einen großen Produktionsbetrieb vor, in dem genau nach Arbeitsvertrag gearbeitet wird. Dem Recht wird völlig Genüge getan. Kein Grund zur Klage darum keine Gefahr für eine Abmahnung. Jetzt stell dir vor, ein solcher Betrieb macht das ein Jahr. Wie wird es dort nach dieser Zeit aussehen?
Scheinbar lebt ein Produktionsbetrieb vom Verkauf seiner Produkte. Aber nur scheinbar! Eigentlich lebt er von den Dingen, wofür niemand bezahlt wird und wofür niemand bezahlt werden kann. In einem guten Betriebsklima kann etwas wachsen und gedeihen. Ein freundliches Klima drückt sich darin aus, wo Menschen aufmerksam sind füreinander, sich gegenseitig wohlwollend begegnen und wo auf die Bedürfnisse der Einzelnen geachtet wird.
Für bestimmte Dinge wirst du nicht bezahlt, aber wenn du sie nicht tust, gräbst du dir auf die Dauer selber die Lebensqualität ab. Dahinter steckt das Gesetz der Resonanz. Wenn du der Welt freundlich begegnest kommt Freundlichkeit zu dir zurück. Wenn du die Umwelt als deinen Feind ansiehst, kommt Misstrauen zu dir zurück.

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Dienstag, 23. September 2014

Fege den Staub des letzten Jahres fort und mit ihm alle unguten Gefühle. (aus China)

Eine Idee für eine gute Psychohygiene: "Fege den Staub des letzten Jahre fort und mit ihm alle unguten Gefühle." Die unguten Gefühle können den Alltag ganz schön bestimmen und belasten. Da wurdest du gestern oder vorgestern gekränkt - egal durch wen - und die Kränkungen (da steckt das Wort krank machen drin!) bestimmen dein Grundgefühl auch heute noch.
Je nach Veranlagung kann ein negatives oder krankmachendes Ereignis lange Nachwirkungen haben. An einigen Kränkungen arbeitest du dich dein ganzes Leben lang ab. Mal kannst du damit ganz gut umgehen und dann kocht es plötzlich und unerwartet wieder hoch. Alles braucht eben seine Zeit.
Manchmal jedoch macht es Sinn, die unguten Gefühle wegzufegen wie Staub. Der Staub in der Wohnung sammelt sich an über Tage, Monate und Jahre. Jeder hat in seiner Wohnung Ecken, wo das Phänomen deutlich wird. Zu viel Staub beeinträchtigt die Wohnqualität. Die Lunge setzt sich zu und du kannst nicht mehr frei atmen. Du belastest dich mit "totem Zeug."
Manche erlebten Kränkungen gleichen auch dem Staub oder "totem Zeug". Es fühlt sich an, als ob du den gleichen Teebeutel immer wieder in frisches Wasser gibst und nur noch den Aufguss von einem Aufguss von einem Aufguss zu dir nimmst. Manche unguten Gefühle, die du aufwirbelst, hindern dich, durchzuatmen. Also weg damit! Dazu braucht es manchmal eine klare Entscheidung und einen inneren Staubwedel. "Ich will es nicht mehr!" Dabei empfiehlt es sich durchaus, diese Aktion nicht nur einmal im Jahr zu starten.
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Montag, 22. September 2014

Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben aber den Tagen mehr Leben. (aus China)

In einer Beratung erzählte mir ein Mann von all seinen Plänen für die Zeit seiner Pensionierung. Sein Leben sei so voll. Er müsse sich um die Arbeit kümmern, seine Familie fordere ihn ständig ein und alle wollen etwas von ihm. Als Rentner würde alles anders werden. Leider müsse er noch mindestens sieben Jahre auf diesen Tag warten.
Mit dieser Einstellung ist er nicht allein. Ich kenne viele, die ihr Heil in die Zukunft legen. Morgen wird alles besser. Ich sitze meine Sorgen aus. Irgendwann fängt ein schöneres Leben an. Pustekuchen! Vielleicht lebst du morgen schon nicht mehr. Ich kenne genug "Rentner", die ab dem Tag der Pensionierung nur noch krank waren. Nichts von den Zukunftsplänen kann umgesetzt werden. Wenn du also in der Gegenwart Pläne schmiedest für eine schöne Zukunft verschenkst du die Zeit, die du gerade in dem Augenblick hast, wo du denkst. Du kennst nicht die Anzahl deiner Lebenstage, darüber hast du kaum einen Einfluss. Aber du kannst beeinflussen, wie du deinen heutigen Tag gestaltest und welche Gefühle du dem Augenblick entgegenbringst. Beobachte dich einmal, wie häufig du mit deiner Phantasie in die Zukunft springst. Dann schaust du auf die Uhr und stellst mit einem Erschrecken fest, dass der Tag gelaufen ist, ohne dass du gelebt hast. Also, gib deinem Tag mehr Leben!
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Samstag, 20. September 2014

Der Mensch wurzelt in seinen Ahnen - aber alle Dinge haben ihre Wurzeln im Himmel. (aus China)

Ich kann es nicht leugnen. Ich bin das Kind meiner Eltern. Meine Eltern wiederum sind die Kinder ihrer Eltern. Bestimmte Fähigkeiten, Eigenschaften und Aussehen habe ich geerbt von ihnen mit meiner besonderen Mischung. Manches davon gefällt mir und manches auch nicht immer. Menschen, die meine Familie kennen, sagen zu mir: "Du bist ein typischer..." So ist es, ich wurzel in meinen Ahnen. Ich bin wie ein Ast an einem großen Familienstammbaum. Ich gehöre irgendwo dazu und bin Gott sei Dank nicht ohne Wurzeln.
Ich erlebe diese Zugehörigkeit als Geschenk und zugleich sagt es nicht alles über mich aus. Vielleicht sagt es nicht einmal das Wichtigste über mich aus. Mir kommen die Menschen in den Sinn, die unter ihrer Familie leiden. Da ist nicht alles heil, da ist vieles unheil. Es gibt Menschen, die wären am liebsten in einer anderen Familie geboren.
In der Bibel werden uns Geschichten erzählt von Jesus, der eine kritische Einstellung zu seiner eigenen Familie hat. Er predigt und draußen steht seine Familie. Die erkennt Jesus in gewisser weise gar nicht an und meint, dass die zu seiner Familie gehören, die den Willen Gottes erfüllen. So ähnlich meint es auch das chinesische Weisheitswort. "Der Mensch wurzelt in seinen Ahnen - aber alle Dinge haben ihre Wurzeln im Himmel."
Als Zweig an deinem Ahnenbaum kannst du dein Bewusstsein erweitern, dass dieser Baum im Himmel wurzelt. Du bist nicht deine Familie! Du gehörst zum Himmel! Dort liegt deine tiefste Identität!
Wenn du dich ärgerst über deine irdische Familie aus welchem Grund auch immer, dann richte deine Aufmerksamkeit auf deine "himmlische Familie". Das sind deine Freunde, Seelenverwandte und letztlich die ganze Menschheitsfamilie und die unsichtbare Welt. Der chinesische Weisheitssatz ist zweigeteilt. Hinter dem Bindestrich fängt er mit aber an! Du bist das Kind deiner Eltern, aber das ist nicht deine letzte Definition. Deine eigentliche Zugehörigkeit ist weiter und eröffnet den Raum der Freiheit.
p.s. Wenn du meinen Blog regelmäßig liest gehörst vielleicht auch zu einer Familie, der du dir bislang noch nicht bewusst bist.

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Freitag, 19. September 2014

Die Maske

Lass dich von mir nicht täuschen
durch die Maske, die ich trage.
Ja, ich trage viele Masken,
die mein wirkliches Ich verdecken,
und ich habe Angst sie abzunehmen.

Vortäuschen ist mir zur zweiten Natur geworden;
aber lass dich um Gottes Willen nicht irreführen.
Du meinst, dass ich so sicher bin und gelassen,
dass ich mein Leben fest im Griff habe
und keine Hilfe brauche.
Aber glaub mir nicht, bitte!

Meine Selbstsicherheit ist nur Schein, und der trügt.
Darunter wohnt mein wirkliches Ich,
verwirrt, allein und voller Furcht.
Aber das will ich verbergen,
niemand soll wissen,
wie es um mich steht.
Deshalb verstecke ich mich hinter der Maske
von lässiger Selbstsicherheit,
um mich vor wissenden Blicken zu schützen.
Und doch ist gerade solches Wissen meine Rettung,
meine einzige Rettung,
allerdings nur dann, wenn demVerstehen Annahme folgt
und dann Liebe.
Das allein kann mich davon überzeugen,
was ich selbst nicht glauben kann:
dass ich etwas wert bin.

Aber das sage ich dir nicht,
weil ich es nicht wage.
Ich habe Angst, dass du mich nicht verstehen
und annehmen kannst.
Ich habe Angst, dass du mich verachtest und auslachst,
und das könnte ich nicht ertragen.
Ich habe Angst, dass ich nichts wert bin und zu nichts tauge,
und dass du das erkennst und mich ablehnst.
Deshalb treibe ich dies elende Spiel,
äußerlich selbstsicher, innerlich verzweifelt.

Du fragst, wer ich bin?
Ich bin jeder Mann und jede Frau, die dir begegnen.

(Den Text habe ich schon lange in meinen Unterlagen, noch aus dem Computerfreien Leben. Der stammt aus dem Englischen frei übersetzt, Verfasser unbekannt)
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Donnerstag, 18. September 2014

Angst klopfte an. Vertrauen öffnete. Keiner war draußen. (aus China)

Angst klopfte an.
Angst öffnete.
Draußen wartete der Abgrund.

Angst hämmerte an der Tür.
Angst hielt die Tür fest.
Eine Weile ging es gut, dann brachen die Dämme.

Angst schlug die Tür ein.
Angst suchte verzweifelt nach einem Versteck.
Draußen und drinnen begann der Weltuntergang.

Angst klopfte und bat um Einlass.
Angst öffnete und hieß Angst willkommen.
Draußen und drinnen war Friede.

Diese neue Erfahrung nannte die Angst Vertrauen. 

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Mittwoch, 17. September 2014

Bevor du nicht 99 von 100 Schritten getan hast, sollst du nicht behaupten, du hättest bereits die Hälfte geschafft. (aus China)

Diese Weisheit widerstrebt mir ein wenig. Wenn ich mit einer Arbeit beginne oder einen Weg gehe, dann freue ich mich schon über die ersten Ergebnisse und die ersten gegangenen Schritte. Ich spreche mir Mut zu und schaue auf das, was ich schon geschafft habe. Mir kommen dabei die Menschen in den Sinn, die sich schnell abschrecken lassen und gar nicht erst anfangen. Ich habe immerhin schon begonnen.
Erst Recht, wenn ich etwas mehr als die Hälfte geschafft habe wächst in mir der Stolz. Den Rest mache ich mit links, sage ich mir. Es ist schon mehr als die Hälfte. Ich blicke zurück und mir wächst die Energie zu für die kleine Reststrecke an Weg oder Arbeit. Da kommt mir dieser chinesische Satz in die Quere, der "behauptet", dass ich bei 99 von 100 Schritten nicht behaupten darf, dass ich bereits die Hälfte geschafft hätte. 99 ist doch kurz vor dem Ziel. Es fehlt nur noch ein Schritt, ein einziger Schritt. Im Alltag beschäftige ich beim hundersten Schritt schon mit der nächsten Aufgabe.
Der Brief ist geschrieben und eingetütet. Während ich die Briefmarke klebe geht mein Blick zur letzten Mail, die ich beantworten möchte. Wenn ich dort meinen Namen druntersetze geht mein Gedanke hin zu den Kartoffeln in der Küche, die geschält werden wollen. Wenn ich zum Schluss am Herd alle Töpfe noch einmal abschmecke und rühre geht mein Gedanke zum Briefkasten um zu schauen, ob der Postbote schon da war.
Jedes Mal denke ich, wie gut ich doch organisiert bin und wie am Schnürchen die Arbeiten erledigt werden. Mein Vater wäre stolz auf mich. Wie kann der chinesische Spruch so etwas behaupten! Will er mich ärgern?
Ja ich kenne Menschen, denen im letzten Moment der Mut verlässt und alle bisherigen Schritte waren vergeblich. Die letzten Hindernisse vor dem Ziel, die du nicht überwinden kannst. Die meisten Bauwerke werden darum erst so spät vollendet. Da war etwas, mit dem niemand gerechnet hat.
Und wie ist das mit meinen eigenen letzten Schritten? Womöglich vergesse ich, den Brief einzuwerfen. Während ich meinen Namen unter meine Mail setze und abschicke übersehe ich die Betreffzeile. Während ich zum Briefkasten gehe brennt mir mein Essen an. Was lerne ich aus diesem Weisheitswort: Abgerechnet wird zum Schluss. Sei sorgfältig bis zum letzten Schritt.
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Dienstag, 16. September 2014

Angeschlagenes Geschirr hält gut zwei Menschenalter. (aus Russland)

Ich hänge an meinen Töpfen, an meinem Geschirr, an meinem Besteck. Ich brauche nicht alle Jahre davon etwas Neues. Neues Geschirr im Laden lacht mich nicht an. Ich gehe gleichgültig daran vorbei. Mit meinen Tellern und Tassen bin ich sehr zufrieden. Die Tassen sind schlicht, sie sind rundum dicht und halten jede Flüssigkeit. Auf den Tellern passt so viel, dass ich locker davon satt werden kann. Mein Geschirr lässt sich gut spülen und ist äußerst pflegeleicht. Auch die Jahre im Geschirrspüler haben sie schadlos überstanden. Die Teller haben noch keine einzige Macke, denn ich bin sorgfältig damit umgegangen. Nach so vielen Jahren mute ich dieses Geschirr auch meinen Besuchern zu. Bislang hat sich noch niemand darüber beschwert und alle essen brav von diesem Geschirr ohne Anzeichen von Ekel oder Ablehnung.
Zugegeben, die eine oder andere Tasse ist nicht mehr ganz heile. Von zwölf Tassen sind drei angeschlagen, wie man so schön sagt. Ich habe sie nicht nach hinten gestellt. Ich entscheide nach dem Zufallsprinzip. So müssen auch Gäste aus diesen Tassen trinken. Mir fällt das nicht einmal mehr auf. All dieses Geschirr gehört zu mir und ich habe mir fest vorgenommen, sie bis zum letzten Tag meines Lebens zu benutzen. Meine Möbel halten nicht so lange aus. Stoffe verschleißen sichtbarer als Porzellan.
Wir werfen viel zu früh viel zu viel weg. Trödelmärkte machen mich traurig. Da stehen all die Dinge, die angeschlagen und aussortiert sind. Ich will sie nicht haben, denn ich bin mit meinen Dingen ganz zufrieden. Ich möchte sie auch nicht zum Trödel bringen. Wenn ich diese Welt verlasse mögen meine Erben entscheiden, ob mein Geschirr noch taugt für ein weiteres Menschenalter.
Mein Geschirr ist zuverlässiger als meine Berufslaufbahn und meine Beziehungen. Sie sind treuer als das Geld auf meinem Konto und meine zunehmenden Alterskennzeichen. Sie stehen gleichmütig und treu in ihrem Schrank und warten auf den nächsten Einsatz, ohne Klage und ohne sich über das Alter zu beschweren.
Sie sind es sogar wert, darüber zu meditieren und darüber in eine Meditationshaltung zu kommen. Das ist ein wichtiger Aspekt: Es geht mir um das Würdigen, Werschätzen und Anerkennen. Wer dem angeschlagenen Geschirr noch zwei Menschenalter schenkt, dem kann man sich gut mit seinen Sorgen anvertrauen. Der wird sorgsam und liebevoll damit umgehen.
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Montag, 15. September 2014

Schau der Furcht in die Augen und sie wird zwinkern. (aus Russland)

Wovor fürchtest du dich? Vor Spinnen, vor Enge, vor Menschen, vor Kritik, vor Arbeitslosigkeit, vor Armut? Die meisten Menschen haben vor irgendetwas Furcht. Wobei für mich da im Moment kein großer Unterschied besteht zwischen Furcht und Angst. Die Angst ist das Grundgefühl und die Furcht bezieht sich auf etwas Reales.
Hinzu kommt in der Regel oft die Angst davor, dass die Angst auftaucht, sozusagen eine Potenzierung dieses Gefühles. Die Furcht erscheint uns wie ein Gespenst, dem wir aus dem Weg gehen. Es wirkt bedrohlich und unsere Angst kann ins Unermessliche wachsen. Sie kann sogar lebensbedrohlich werden. Hinter den meisten Ängsten steckt die Frage nach dem Tod. Die Spinne kann beißen und ich werde vergiftet. In der Enge schnürt es mir die Luft ab und ich werde sterben. Ich werde arbeitslos, habe kein Geld mehr und muss verhungern. Menschen können mir Gewalt antun und mich töten.
Das Entscheidende dabei ist: Alles findet in meiner Phantasie statt. Ich entwickle Bilder davon. Nur selten ist die Bedrohung real. Wenn meine Furcht "nur" ein Gespenst ist, dann kann ich es mir doch einmal anschauen. Wenn du deiner Angst in die Augen schaust, was geschieht dann? Das russische Weisheitswort meint: Sie wird zwinkern! Als Kinder haben wir uns im Umgang mit dem Schrecken eingeübt. Wir haben uns versteckt und die Erwachsenen haben uns gesucht. Wenn sie uns gefunden haben, dann haben sie "Buh" gemacht, wie ein Gespenst. Als Kinder haben wir das Erschrecken gespielt und vor Furcht gejuchzt. "Schau der Furcht in die Augen und sie wird zwinkern." In der Beratung lade ich oft ein, in die Angst hineinzugehen, sie anzuschauen, sich mit ihr vertraut zu machen. Das "Zwinkern" siehst du erst, wenn du dich vertraut gemacht hast, wenn du dich traust, genau hinzuschauen.
Mir erzählte eine Freundin von der Erfahrung im Hochseilgarten. Da gab es einen Abschnitt, da musste man springen. Sie musste die Angst vor dem Abgrund überwinden. Ihr half die Einstellung: "Ich springe und wenn ich sterbe dann wars das eben. Mein Leben war schön!"
Leider gibt es keine dauerhafte Befriedung der Angst. Sie kommt auf einem anderen Weg wieder zu dir. Sie bleibt ein Teil von dir solange du lebst, eben so lange du lebst.
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Sonntag, 14. September 2014

Über die Kunst, eine Ablehnung zu vermeiden...

Ein Freund sagte vor Kurzem zu mir: Ich traue mich gar nicht, dich zu fragen, ob du einmal Zeit für mich hast. Für einen Augenblick stutzte ich. Moment mal! Wie raffiniert ist das denn? Er traut sich nicht zu fragen und fragt dann doch! Sehr geschickt, auf diese Weise seine Schüchternheit zu überwinden und das zu erhalten, was man sich wünscht. Du fragst einfach, indem du nicht fragst. Das ist eine wunderbare Art, die Hindernisse und Hürden zu überwinden oder geschickt zu umgehen.
Probier es doch einmal aus!
"Ich traue mich nicht, dir zu sagen, dass ich dich liebe, weil ich nicht weiß, wie du darauf reagieren wirst. Ich könnte es nicht ertragen, wenn du einfach Nein zu mir sagst!" statt: "Ich liebe dich."
"Ich traue mich nicht, Ihrer geschickten Verkaufsstrategie jetzt am Telefon zu widerstehen. Sie könnten mir böse sein und mich beim nächsten Anruf über den Tisch ziehen." statt. "Ich möchte nichts!"
"Ich traue mich nicht, von Ihnen eine kostenloses Angebot für eine Heizung machen zu lassen, weil ich mein schlechtes Gewissen fürchte, wenn ich das Angebot nicht annehme und Sie umsonst gekommen sind." statt "Machen Sie mir ein kostenloses Angebot!"
Manche Dinge lassen sich nicht einfach direkt sagen, aber indirekt geht es leichter. Es ist wie mit den dicken Pillen. Schluckst du sie pur hinunter, könnten sie dir im Hals steckenbleiben. Legst du sie auf einen Löffel mit Joghurt rutscht es wie von selbst.
Überlege einmal, wie oft du am Tag indirekte Fragen stellst oder Wünsche äußerst und hoffst, der andere versteht dich. Direkte Fragen und Wünsche vermeidest du, damit du dir keine Abfuhr holst. Du sagst: "Kommt morgen nicht die Müllabfuhr?" statt: "Stell doch bitte den Müll raus!" "Ist noch Tee im Schrank?" statt: "Kochst du mir einen Tee?" "Bis zum Fußballplatz ist es ziemlich weit!" statt: "Könntest du mich dahinfahren?"
Niemand mag so gerne eine Zurückweisung im Nein. Oftmals hören wir im "Nein" zu einer ganz bestimmten einzelnen Frage gleich eine grundsätzliche Ablehnung. Indirektes Fragen verkompliziert leider das Leben ein wenig es sei denn, du machst das so geschickt wie mein Freund.

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Freitag, 12. September 2014

Wer verstehen kann ist klar im Vorteil!

Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Dieser Satz taucht im Augenblick immer wieder in Internettexten auf. Wörterbücher erklären dazu, dass es sich dabei um einen humoristischen oder ironischen Satz handelt von Menschen, die einen Fehler machen, weil sie die Gebrauchsanweisung nicht ordentlich gelesen haben.
Wer lesen kann ist klar im Vorteil! Wie wahr! Analphabeten sind deutlich im Nachteil. Lesen können bedeutet Unabhängigkeit und die Möglichkeit, seinen Horizont zu erweitern. Ich weiß nicht, wie viele Bücher ich im Laufe meines Lebens gelesen habe. Berge davon verschlungen, viele durchwandert und einige erkämpft und durchgeackert. Weil ich lesen konnte war ich klar im Vorteil. Heute bin ich dankbar dafür, dass ich lesen kann. Ich bin dankbar für alles, was ich auch noch verstehen kann. Lesen und verstehen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Bei mancher Bedienungsanleitung bist du eher im Nachteil, wenn du lesen kannst. Bedienungsanleitungen sind zwar oft les- aber nicht verstehbar.
Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Die Welt eines Analphabeten ist eingeschränkter. In bestimmten Bereichen jedoch sind wir alle Analphabeten. Oder kannst du die Herzen der Menschen lesen, die Natur lesen, deine Seele lesen? Wörter lesen können entspannt den Alltag, aber erst das "Leben" lesen erweitert dein Bewusstsein.

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Donnerstag, 11. September 2014

Schöpferische Wege in der Liebe


Eine Freundin erzählte mir, dass Kinder und Jugendliche heute nicht mehr sagen: "Ich bin in Max verliebt," sondern einfach nur: "Ich bin in Max." Das Wort "verliebt" wird nur gedacht, aber nicht gesagt. Das Gegenüber weiß dennoch genau, was gemeint ist.
Bestimmte Sätze lösen in uns immer noch eine Scham aus. Dazu gehört manchmal das Eingeständnis der Liebe in der Öffentlichkeit, das Zugeständnis eines Fehlers, das sich Zeigen mit einer Schwäche. Spannend, dass sich das auch im Wort ausdrückt! "Ich bin in...!" Du versteckst quasi das wichtige Wort, weil du nicht möchtest, dass der andere sieht, wie du rot wirst. Du versteckst dich, indem du das Wort versteckst. Dennoch ist mit dem Satz alles gesagt, wenn man die Spielregeln dafür kennt. "Ich bin in" könnte ja vieles heißen: Ich bin in Max Schule, ich bin in Max hereingelaufen, ich bin in Max Haus. Jetzt weiß jeder, der dies liest, dass "ich bin in Max" ein anderer Satz ist für "Ich bin verliebt in Max."
Kinder und Jugendliche sind sehr erfinderisch im Suchen nach Lösungen. Durch Weglassen das Wichtige ausdrücken. Politiker sind Meister in der Kunst, das Wichtige wegzulassen. Ein Politiker würde zu einem Thema nicht sagen: "Ich habe keine Ahnung!" sondern eher: "Darüber werden wir beim nächsten Parteitag ausführlich reden und Sie können davon ausgehen, dass dies in einer offenen und gesprächsbereiten Atmosphäre geschehen wird. Zeitnah werden wir die Bevölkerung über unsere sicherlich erfolgreichen Ergebnisse informieren." Dann schließen sich noch fünf Sätze an, damit vernebelt wird, dass der Politiker nichts weiß oder nichts substantielles sagen möchte.
Wenn du mich fragst: "Wie geht es dir?" und ich die Antwort gebe indem ich sage "Mir geht es..." und dabei die Schultern einziehe weißt du auch, wie es mir geht, ohne dass ich etwas sage.
Bei dem "Ich bin in ..." stellt sich jedoch auch eine solidarische Freude ein. "Find ich toll, du in..."

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Mittwoch, 10. September 2014

Wer sich allzuoft bückt, fängt an, krumm zu gehen und zu denken. (Persische Weisheit)

Unser Körperhaltung drückt aus, wie wir denken und fühlen. Wie wir denken und fühlen wirkt sich auf unsere Körperhaltung aus.
Wenn wir unsere Körperhaltung ändern, verändern wir auch zugleich unser Denken.
Ein Klient sitzt mir in der Beratung gegenüber. "Ich weiß keinen Ausweg. Ich kann nicht mehr, ich habe auch keine Ideen mehr, was ich noch machen kann, alles ist so mühsam. Immer kommen mir da die Hindernisse." Dabei sitzt der Klient auf seinem Stuhl. Er sitzt auch fest. Jetzt wünscht er sich ein Lösung damit er aufstehen und ins Handeln gehen kann. Aber das "Festsitzen" des Körpers sagt: "Es gibt keine Lösung." Ein wichtiger Schritt könnte sein, erst einmal aufzustehen und einen ersten Schritt zu gehen. Wenn ich den Körper in eine Lösungssituation bringen, dann folgt in der Regel auch das Denken. Wenn der Körper sitzt, sitzt auch sozusagen das Denken.
Die persische Weisheit erinnert mich an Menschen mit einem anderen Thema. Der "Untergebene" bückt sich vor dem "Vorgesetzten". "Jawohl Chef, mache ich Chef, ist es Recht so Chef!" Wenn dann noch die Angst dazu kommt, etwas falsch zu machen, bekommt die Verneigung den Ausdruck der Entschuldigung. "Habe ich nicht so gemeint. Hoffentlich ist es richtig so! Entschuldigung für dieses und für jenes... Entschuldigung, dass ich da bin!" So bückst du dich immer öfter und der Rücken gewöhnt sich an diese Haltung. Der Körper folgt deinem Denken. Du bückst dich und fängst an langsam zu verschwinden. Du wirst immer krummer. Geh mal eine Stunde lang krumm und nimm wahr, was du dann noch sehen kannst und was dein Rücken dir erzählt. Du siehst die Dinge auf dem Boden und verlierst das Bewusstsein für Freiheit und Weite. Mit dem krummen Rücken bekommst du krumme Gedanken: "Das Leben ist ungerecht, ich bin so erschöpft, alle wollen mir was..."
Überlege gut, vor wem du du dich bückst. Der aufrechte Gang und der klare Blick sind öfter gefordert als zu denkst.

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Dienstag, 9. September 2014

Jede dunkle Nacht hat ein helles Ende. (persische Weisheit)

Ist doch logisch oder? Das weiß jedes Kind, dass jede dunkle Nacht ein helles Ende hat. Nach jeder Nacht kommt ein neuer Morgen. Diese Erfahrung macht jeder Mensch seit Beginn des Lebens. Diese Erfahrung teilt die ganze Menschheit. Vielleicht bildet eine Sonnenfinsternis und ein Vulkanausbruch eine Ausnahme. Aber generell gilt dieser Satz.
Eigentlich geht es bei dieser persischen Weisheit um die Erfahrung, dass auch in einer ausweglosen Situation immer noch etwas möglich ist. Oder in einer Lebenskrise immer noch ein Fünkchen Hoffnung sein kann. Der Mensch in der Dunkelheit und mitten in der Krise kann leider das Licht nicht mehr wahrnehmen. Für ihn ist es ewige Nacht. Es gibt keinen neuen Morgen.
Für diesen Menschen hilft dann die Erinnerung. "Erinnerst du dich daran? Es war mal besser und es wird auch wieder besser werden." Aber Vorsicht mit einer solchen Ermutigung. Das kann schnell nach rückwärts gehen. Die dunkle Nacht muss man schon auch mal aushalten. Zugleich möchte ich noch die Perspektive erweitern. Dass es hell wird steht außer Frage, es ist nur die Frage wann. Wenn du in der Krise bist kannst du sagen: "Das ist das Ende!" Du kannst aber auch sagen: "Diese Dunkelheit ist der Anfang von etwas, das ins Helle führt!" Du entscheidest, welche Perspektive du einnimmst. Machst du dich fest in der Dunkelheit oder schaust du auf das, was neu kommt.
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Montag, 8. September 2014

Tu die kleinen Dinge jetzt, dann werden die großen allmählich zu dir kommen und bitten, getan zu werden. (persische Weisheit)

Ich will einmal Arzt werden! Ich möchte eine große Schauspielerin werden! Eines Tages baue ich mir eine große Villa mit einem wunderschönen Garten! Erinnerst du dich an die "großen Dinge", die du vorhattest im Leben? Ist was daraus geworden? Konntest du sie umsetzen? Mir kommen ein paar Studenten in den Sinn, die große Pläne haben. Da braucht es Mut, Weitblick, Zeit und Geduld. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir förmlich an unseren großen Plänen kleben. Eines Tages.... Irgendwann...
"Tu die kleinen Dinge jetzt,..." Während die Phantasie gerne in die Zukunft abschweift, fordert die Gegenwart die Aufmerksamkeit für das "Jetzt". Jetzt deckst du sorgfältig den Tisch. Jetzt setzt du dich hin und isst. Jetzt bist du aufmerksam im Straßenverkehr und achtest als Autofahrer auf die Fußgänger. Jetzt hörst du deinem Gegenüber aufmerksam zu.
Du wendest dich also den kleinen Dingen zu und erledigst sie gewissenhaft und voller Liebe. Damit übst du dich ein für die "großen Dinge" des Lebens. Du trainierst für die fernen Ziele.
Das persische Wort spricht im Rätsel: die großen Dinge kommen und bitten, getan zu werden. Siehst du den Unterschied? Du kannst sagen: "Ich studiere eifrig und fleißig, um Arzt zu werden". Die Alternative heißt: "Der Arztberuf kommt auf mich zu!" Wenn du unter der ersten Prämisse fleißig studierst hüpfst du von Prüfung zu Prüfung, emsig wie eine Ameise. Du siehst das, was gerade vor deiner Nase liegt. Irgendwann einmal hast du es dann geschafft. Wenn der Arztberuf jedoch auf dich zukommt, dann begegnest du vielleicht einem großen Heiler, der in dir die Sehnsucht nach Heilung weckt. Da kommt vielleicht eine Vision auf dich zu, in welcher Art und Weise du Arzt sein wirst. Im ersten Fall arbeitest du mit deinen einschränkenden Vorstellungen, im zweiten Fall arbeitest du mit der unendlichen Energie des Universums.
Im ersten Fall ergreifst du einen Beruf, im zweiten Fall ist es eine Berufung. Und jetzt kommt die Zusammenführung: Deine Berufung entdeckst du dann, wenn du treu die kleinen "beruflichen" Aufgaben erfüllst. Die großen Dinge des Leben machst du nicht selbst, sondern sie bitten, von dir getan zu werden.
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Sonntag, 7. September 2014

Liebeskummer lohnt sich doch...


Liebeskummer würde sich nicht lohnen meint ein alter Schlager, weil ja eh dein Herz am nächsten Tag darüber lacht. Leider sind meine Erfahrungen andere. In den letzten Wochen hatte ich verstärkt in meinen Begegnungen mit dem Thema Liebeskummer zu tun.
Bislang dachte ich, dass Liebeskummer das Spezialthema von Jugendlichen sei. Diese Einstellung muss ich doch sehr revidieren. Eine Berliner Kollegin hat sich als Therapeutin sogar darauf spezialisiert, Menschen mit Liebeskummer zu begleiten. Sie meinte, dass vor allem Männer sich schwer damit tun, den Kummer auszuhalten und den Kummer nur schwer bewältigen können. Menschen jeden Alters werden davon betroffen und es gibt eine große Hilflosigkeit im Umgang damit.
Ich möchte den Themenbogen wie schon häufig ein wenig weiter spannen. Dabei macht es Sinn, auf das Wort selbst zu schauen. Laut Duden kommt das Wort „Kummer“ aus dem Mittelhochdeutschen und heißt: „Schutt, Müll, Mühsam, Gram“. Auch „Leid“ ist damit verknüpft. Ein Mensch mit Liebeskummer leidet sozusagen an der Liebe. Die Liebe kommt nicht zu Erfüllung. Da ist innen etwas zugeschüttet wie mit Müll und Schutt. Die Gedanken kreisen und der Kopf ist angefüllt mit immer wiederkehrender Grübelmasse. Da gibt es eine starke und bisweilen sehr schmerzhafte Sehnsucht nach Nähe, die sich nicht so erfüllt wie gewünscht. Wenn die Anfangsliebe absolut ist, duldet sie keine Trennung, auch keine körperliche oder zeitlich befristete.
Wenn die Liebe dich erwischt ist sie maßlos, grenzenlos, absolut und allumfassend. Was ich hier ein wenig philosophisch ausdrücke fühlt sich für den Beteiligten oft nur schrecklich an in der Nichterfüllung. Gerade wenn das Gegenüber sich verschließt, zurückzieht, alles offen hält, sich nicht ausdrückt oder im schlimmsten Fall sogar „Nein“ sagt, ist alles aus. Das sind Momente, Stunden und Tage, wo es nicht möglich scheint, den  „Liebeskranken“  hilfreich zu unterstützen. Wer von euch als Mutter oder Vater stand da nicht schon hilflos neben seinem „Liebeskummerkind“. Zunächst einmal geht es wirklich darum, dieses Gefühl auszuhalten nicht nicht davonzulaufen oder auf bessere Zeiten zu vertrauen.
Der Liebeskummer ist viel umfassender als du auf den ersten Blick hin glaubst. Da stellt ein Ehepaar nach 26 gemeinsamen Jahren fest, dass die Gefühle füreinander gestorben sind. Sie wenden sich an den Anwalt und reichen die Scheidung ein. Beim Anwalt kommt dann eher das Rechtliche auf den Tisch. In meiner Interpretation leidet das Paar unter erheblichem Liebeskummer. Es ist ein Kummer, dass die Liebe gestorben ist. Trauern die Paare in der Regel um diese verlorene und gestorbene Liebe? Ist es für ein sich trennende Paar dennoch möglich, etwas für die Liebe zu tun in der Trennung? Sie können zum Beispiel in Liebe gut voneinander denken und einander neues Glück wünschen. Wenn sie den Scheidungsweg im Blick haben wird das schwer. Aber wenn sie sich als liebeskummerkrank begreifen werden sie vielleicht auch andere Wege suchen.
Wenn Kinder groß werden und aus dem Haus gehen, welches Gefühl haben dann wohl die Eltern? Ist doch klar, sie leiden total unter Liebeskummer. Die lieben Kinder sind nicht mehr so präsent und da. Es kommt zu einer schmerzhaften Trennung. Und ob es zu einer neuen erwachsenen Verbindung kommt ist noch ganz offen. Sehen Eltern sich selber als liebeskummerkrank? In der Regel bleiben sie bei den Sorgen um ihre Kinder stehen. „Kind, können wir dir noch helfen? Brauchst du etwas? Sollen wir dich besuchen kommen? Komm doch zu uns! Wir sind immer für dich da!“ Nein, die Kinder brauchen dich im Augenblick nicht mehr! Sie brauchen die Freiheit! Aber du brauchst etwas! Wenn du deine Kinder ziehen lässt und das Gefühl benennst, was du spürst, bist du konfrontiert mit deinem „Liebenskummer“. Das ist ein Schmerz, den du annehmen könntest. Mach dir diesen Schmerz bewusst. Es ist deiner! Er gehört zu dir! Er ist sogar großartig, weil du daran erkennen kannst, dass du überhaupt liebesfähig bist. Ohne die gespürte Liebe gibt es auch keinen Kummer. Leider ist „erwachsener Liebeskummer“ nach meinen Erfahrungen oft mit Scham behaftet. Nur als Jugendlicher darfst du mit deiner engsten Freundin den Liebeskummer eingestehen.
 Jetzt gehe ich noch in einen dritten Bereich. Als Kind warst du vielleicht in einer liebevollen Verbindung mit Gott. Er war immer für dich da und wenn du gute Lehrer und Seelsorger hattest, haben sie dir erzählt, dass Gott dich liebt und sogar die Liebe selbst ist. Dann wirst du erwachsen und merkst, dass andere Menschen einen anderen Gott haben oder auch ohne einen auskommen. Du machst vielleicht leidvolle Erfahrungen von Verlust und Krankheit in deinem Leben, die nicht mit deinem Gottesbild übereinstimmen. Du fühlst dich fremd gegenüber Gott je erwachsener du wirst. Der Kopf sagt dir vielleicht: „Na, ob das mit diesem Gott so stimmt? Existiert der überhaupt?“ Dein Herz sagt dir dabei möglicherweise etwas völlig anderes. Du leidest unter spirituellem „Liebeskummer“. Gott hat sich dir entzogen, er ist dir fremd geworden. Und wenn du ein leidenschaftlicher Gottlieber warst, dann magst du wirklich großen Kummer spüren, der dein ganzes Erwachsenenleben anhält, wenn du dich nicht darum „kümmerst“.
Ich habe den Verdacht, dass wir den Liebeskummer überhaupt nicht mögen und wollen. Aber er erwischt jeden von uns irgendwann. Das, was wir lieben, können wir leider nicht festhalten. Es befindet sich in unserem Gewahrsam aber nicht in unserem Besitz. Wir müssen immer wieder loslassen, alles. Menschen, Dinge, Gott... Wenn wir von uns aus freiwillig verlassen mag es weniger schmerzhaft sein. Zu mir kommen in die Beratung auch eher die Menschen, die verlassen werden als die, die verlassen.
Also, der Liebeskummer gehört in bestimmten Phasen deines Lebens einfach dazu. Mach dich mit dieser Erkenntnis und dem damit verbundenen Gefühl vertraut. Geh da hinein! Beobachte einmal was geschieht, wenn du den Schmerz spürst und einfach dabei bleibst, es aushältst. Wenn du denen Kummer bejahst und willkommen heißt. Ein ungewöhnlicher Gedanke?
Da gibt es noch die andere Seite des „Kummers“. Die finde ich auch wichtig. Im vergangenen Jahr war ich auf einer Tagung mit der Überschrift: „Coaching für Kümmerer.“ Angesprochen waren damit Ehrenamtliche, die sich in sozialen Feldern engagieren. Das sind eben „Kümmerer“. Der „Kümmerer“ ist sozusagen der Fachmann, die Fachfrau für den Kummer. Menschen mit Liebeskummer lege ich nicht einfach nur nahe, dass sie den Schmerz aushalten müssen, ich versuche sie auch zu trösten. Der beste Kümmerer ist für mich ein guter Tröster. Wenn ich Trennung erlebe fühlt sich das an wie eine schmerzhafte Wunde. Und so, wie ich eine körperliche Wunde verbinde, brauche in der Situation seelischen Trost, einen „Spezialverband“. Wenn du also Liebeskummer hast nach vielen Ehejahren und dich mit Trennungsgedanken plagst; oder du befindest dich in dem Augenblick, wo du die Kinder ins Leben entlässt; oder du erlebst gerade die Schwelle wo dein kindlicher Glaube an Gott dich verlässt: Du hast Liebeskummer und suche dir ohne Scham (von mir aus auch mit) einfach wenigsten einen tröstenden Menschen.
Lohnt sich der Liebeskummer? Die Frage ist für mich falsch gestellt. Sie lässt sich auf diese Weise nicht beantworten. Der Kummer gehört zur Grunderfahrung der Liebe dazu. Genauso wie die „Liebesfreude“. Denn gerade um die geht es ja letztlich. Von der Liebesfreude lebst du! Sie ist deine emotionale und spirituelle Tankstelle. Aus dieser Quelle schöpfst du. Um sie zu erfahren gehst du immer wieder neu das Risiko ein, dass die Freude zum Kummer werden kann.
Die Bibel erzählt übrigens fortwährend vom Liebeskummer Gottes. Alle Geschichten der Schrift wurden nur deswegen aufgeschrieben. Die Geschichten erzählen vom Liebeskummer Gottes und seinem Bemühen, mit und für den Menschen den Weg in die Liebesfreude zu finden.  Möge dir ganz viel davon in deinem Leben beschieden sein. 

Freitag, 5. September 2014

Die geheimnisvolle Kraft, die aus dem Glauben wächst

Gestern sah ich einen Jungen auf der Straße. Er spielte Fußball und trug ein Trikot mit der Aufschrift: Neuer (die Nummer 1). Das Hemd war zwar reichlich groß, aber er trug es mit sichtbarem Stolz. Dieser kleine Junge ist auch eine Nr. 1! Das Bild erinnerte mich an Gespräche mit Kindern über die Reliquien von Heiligen. In den Altar einer Kirche werden Knochen eingelassen in der Hoffnung, dass etwas von der Qualität des dazugehörigen Heiligen sich auf die Gemeinde überträgt. Der Mensch, der dann den Altar berührt erfährt möglicherweise Stärkung und Heilung. Er geht gebäugt in die Kirche hinein und geht aufrecht wieder heraus. Was früher die Reliquienknochen waren, sind heute die Trikots von Fußballspielern. Die Jungen haben mir immer wieder bestätigt, dass man im Trikot von Manuel Neuer sich zehn Zentimeter größer und erheblich stärker fühlt.
Wenn die Medizin immer mehr über die positive Heilkraft mit Hilfe des Placebo Effektes spricht, dann ist das aus Sicht der Religion ein alter Hut. Spirituelle Menschen haben schon immer gewusst, dass in uns Menschen geheimnisvolle Kräfte wirken, die wir positiv beeinflussen und mitgestalten können. Früher hießen die Hilfsmittel Knochen, Fahnen, Steine, Weihrauch, Gewänder und Kerzen und heute sind es Trikots und Fanartikel. Die Idee dahinter ist der Wunsch nach einem Zuwachs von Energie und Stärke. Letztlich werden da unsere Selbstheilungskräfte aktiviert. In jeder Lebenssituation kannst du spüren: Deine Ressourcen sind größer als du denkst!

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Donnerstag, 4. September 2014

Und plötzlich ist da Freude

Manchmal bekommt das Leben eine gewisse Schwere. Da gibt es Aufgaben, die noch zu erledigen sind. Du spürst eine gewisse Lethargie in dir und dir fehlt die Kraft und die Energie, das anzupacken, was eigentlich dran wäre. Vielleicht kommt noch hinzu, dass das Wetter dir nicht passt und irgendjemand sagt dir etwas nicht so nettes und schon bist du drin - mitten im Blues. du hast es dir nicht ausgesucht und beim Aufstehen war die Welt noch in  Ordnung.
Vor einigen Tagen war ich unterwegs und in einer solchen Verfassung. Die Gründe für den Blues waren belanglos und sie sind schon aus meiner Erinnerung verschwunden. Da bläst mir vom Straßenrand her ein kleiner Junge mit totaler Hingabe und Freude Seifenblasen in den Weg.
Er kann sich vor Vergnügen gar nicht mehr einkriegen. Er strahlt über das ganze Gesicht. Ich fuhr vorbei und mein Blick war nur flüchtig. Eine Momentaufnahme. Dieser Moment hat den Blues einfach weggewischt. Eine Seifenblase hat ihn eingehüllt und irgendwohin getragen.
Es war ein wunderbares Geschenk, diese Seifenblasen!
Manchmal braucht es für gewisse Probleme keine Lösungen auf der gleichen Ebene. Die Lösung eines Problems liegt manchmal da, wo du es nicht vermutest. Die Lösung kommt auf dich zugeflogen wie eine Seifenblase!
Zugegeben: Eine Seifenblase erledigt keine Aufgabe, die vor dir selbst erledigt werden muss. Aber sie erschafft in dir eine neue Wahrnehmung der Wirklichkeit. Das Leben kann zu einer Spielwiese werden auf der du nicht arbeitest, sondern spielst!

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Mittwoch, 3. September 2014

Der Gruß führt zur Unterhaltung. (persische Weisheit)

Eine scheinbar sehr simple Erkenntnis: Der Gruß führt zur Unterhaltung. Ein umfangreiches Musikstück beginnt mit der Ouvertüre. Alle Themen werden dort schon einmal angekündigt. Die Ouvertüre ist die Eröffnung und dann folgt mehr.
Wenn du mit jemanden kommunizieren willst, dann musst du mit irgendetwas anfangen. Warum nicht mit einem Gruß? Wenn du wirklich in einen Kontakt treten willst, kommt es auf die erste Begegnung an, die erste Geste und das erste Wort. Der erste Eindruck zählt. Achte also einmal auf deinen Gruß. Wie machst du das eigentlich?
Vielleicht erscheint dir der Gedanke sehr überflüssig. Du grüßt halt eben wie du immer grüßt. Bist du dir deiner Wirkung bewusst? Schaust du dein Gegenüber zuerst an? Wo schaust du hin, in die Augen? Schaust du ins rechte oder ins linke Auge? Macht das einen Unterschied?
Wie erlangst du die Aufmerksamkeit deines Gegenüber? Winkst du mit den Händen, räusperst du deine Stimme, machst du dich zehn Zentimeter größer?
Lächelst du oder schaust du Ernst oder machst du es abhängig vom Ereignis? Bei einer Reklamation im Laden schaust du vielleicht Ernst und bei einem Wiedersehen mit dem Freund freundlich? Oder hoffst du, dass du spontan gesehen wirst ohne etwas dafür zu tun?
Und wenn du gesehen wurdest, welcher Gruß kommt dir über die Lippen? Hast du einen Standardsatz, mehrere Sätze, spontan, geschäftlich oder privat? Bist du eher ein Freund vom lockeren "Hallo" oder lieber vom "Guten Tag!"
Dein Gruß ist die Ouvertüre für eine Unterhaltung oder dafür, dass erst gar keine zustande kommt. "In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...", sagt Hermann Hesse. Warum nicht ein wenig mehr Sorgfalt an den Tag legen mit dem Gruß? In der Arbeitswelt spricht man inzwischen gerne von Wertschätzung und Anerkennung. Auch die fängt mit dem Gruß an.
Mein Lieblingsgruß heißt übrigens: "Namaste" aus dem Sanskrit und heißt soviel wie: "Ich grüße das Göttliche in dir." Mehr Wertschätzung geht nicht.
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Dienstag, 2. September 2014

Es gibt keinen Heiligen ohne Vergangenheit und keinen Sünder ohne Zukunft. (persische Weisheit)

In meiner Kindheit besaß ich ein Buch mit dem Titel: "Helden und Heilige". Die Heiligen waren so heilig, dass sie keine wirklichen Fehler hatten. Sie waren von Anfang an für ein Leben ganz aus der Berufung bestimmt als Ordensleute oder Priester. Als Kind wuchs in mir der Wunsch: So möchte ich auch gerne sein. Ein Mensch ohne Fehler, geliebt von Gott mit ganz vielen heiligen Gefühlen und guten Taten.
Als ich älter wurde wuchs meine Skepsis. Jeder Heilige ist nur ein Mensch. Die Hälfte verschweigen die Biographen. Ich stehe zu meinen Fehlern weil sie mir helfen, mich weiterzuentwickeln. Die persische Weisheit spricht davon, dass auch Heilige eine Vergangenheit haben. Sie waren nicht immer so wie wir sie heute sehen.
Umgekehrt habe ich auch noch die Sprüche der Eltern im Kopf. "Du warst schon immer ein Dickkopf. Dir konnte man noch nie etwas sagen." Viele Kinder wachsen auf mit einer Festlegung der Eltern: "Aus dir wird doch nichts. Einmal ein Faulpelz, immer ein Faulpelz!" Hier sagt uns das persische Wort: "Es gibt keinen Sünder ohne Zukunft." Ob im Guten wie im Schlechten. Jeder hat eine Vergangenheit und eine Zukunft. Die Wege sind offen für jeden und der Entwicklungsmöglichkeiten gibt es unendlich viele.
Noch hilfreicher ist es, sich vom Bild eines Sünders oder Heiligen zu verabschieden. Ich bin ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Beide Seiten brauche ich zur Entwicklung. Alles gehört zu mir. Wenn du einen Sünder als Sünder bezeichnest, welches Recht hast du dazu? Wenn du einen Heiligen als Heiligen qualifizierst, aufgrund welcher Vorlage? Kennst du diesen Menschen durch und durch. Wir sind alle Menschen jenseits von Heiligkeit und Sünde.
Bei meiner Ausbildung zum Kaplan ging es um die Frage, wie wir damit umgehen, wenn die Menschen uns nicht mögen oder unsere Arbeit abqualifizieren. Unser begleitender Supervisor gab uns den Rat: "So schlecht, wie die Leute sagen, dass du bist, bist du sicher nicht. Aber so gut, wie die Leute sagen, dass du bist, bist du auch nicht!"
Oft geht es nur um die Pflege unserer  Eitelkeit. Wir sind halt doch lieber ein Heiliger als ein Sünder. In einer Zeitschrift las ich von einer Untersuchung, dass sich mehr als die Hälfte aller Menschen einschätzen: "Ich bin besser als der Durchschnitt."
Ich bin also etwas großzügiger als der Durchschnitt, etwas klüger, etwas liebevoller... eben etwas besser als der Durchschnitt. Aber das ist auf die Dauer sehr anstrengend im ständigen Vergleich zu leben. Das persische Sprichwort gleicht die Welten an. Wer bist du jenseits von Heiligkeit und Sünde?
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Montag, 1. September 2014

Wer alleine arbeitet, addiert; wer zusammen arbeitet, multipliziert. (arabische Weisheit)

Wenn du alleine für dich arbeitest dann fügst du eines zum anderen und mühsam und Schritt für Schritt kommst du deinem Ziel näher.
Wenn du mit anderen zusammen arbeitest kommen andere Faktoren dazu. Es gibt mehr Ideen, mehr Freude, du teilst, es wird leichter, es entsteht eine besondere Energie. Es gibt mehr als die Summe der einzelnen Teile. Zusammenarbeit kann beflügeln, so dass es sich multipliziert.
Wenn in der Zusammenarbeit der Wurm ist, geschieht allerdings auch das Gegenteil. Es dividiert sich. Wenn du merkst, dass in deiner Familie oder Arbeitsgruppe etwas grummelt, musst du das erst besprechen und aus dem Weg räumen. Das Grummeln behindert letztlich jeden.
Wenn du dich im Gefühl des "Multiplizierens" befindest weißt du, wie Schöpfung geschieht. Wenn in der Natur alle Faktoren stimmen: die Wärme, der Regen, die Sonne und alle anderen Umweltbedingungen, kommt es zur Wachstumsexplosion.  Das gilt übertragen auch für unser menschliches Zusammenleben. Wenn du also Teil einer Gruppe bist, betraut mit einer Aufgabe, kannst du ganz viel dafür tun, dass sich alles multipliziert. Geh mit deiner Aufmerksamkeit in die Zuversicht, die Gelassenheit und in das Wohlwollen. Das ist der Nährboden für inneres und äußeres Wachstum.
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