Samstag, 29. Februar 2020

An etwas Gutes erinnert man sich, das Böse geht einem nicht mehr aus dem Sinn. (aus Finnland)


Worüber hast du dich heute gefreut? Fällt dir etwas ein? Worüber hast du dich vor zwei Wochen gefreut? Was ist dir in den letzten Wochen Gutes passiert? Jetzt denkst du vielleicht nach und dann bekommst du eine Idee! Ja! Ich war doch eingeladen zum Geburtstag. Es war nett! Ich habe da diese interessante Frau kennengelernt. Das war ein sehr schöner Abend. Jetzt, wo du danach fragst, fällt es mir auch wieder ein.
Das Gute gerät aber so nach und nach in Vergessenheit. Es taucht nur wieder auf, wenn ich mich bemühe. Wenn ich nachdenke. Wenn ich mich erinnere. Die Aktivierung des schönen Ereignisses wird für mein System nicht mehr gebraucht.
Wenn mich etwas schockiert, dann bleibt das im Körper hängen. Sofort bekomme ich einen Adrenalinschub. Bloß nicht weiter da dran denken. Das Ereignis geht mir nicht mehr aus dem Sinn. Wenn ich mich selber frage, wann ich denn mal etwas Schreckliches erlebt habe, dann reihen sich die Ereignisse wie Perlen an einer Schnur. Es läuft ab wie ein Film.
An das Gute kann ich mich durch nachdenken aktiv erinnern und mich freuen. Das Böse steckt noch in den Knochen. Was mache ich mit dieser finnischen Weisheit? Wenn ich möchte, dass ich entspannt und ausgeglichen bin dann arbeite ich lieber an meinen positiven Erinnerungen. Ich lasse das Gute in mir groß werden. Ich tue aktive etwas dafür. Und ich passe auf mich auf, dass ich mich nicht suhle in den negativen Ereignissen. Nicht ständig erinnern! Nicht immer wieder sich selbst quälen. Es zumindest nicht auch noch forcieren. Und zugleich eine innere Friedensarbeit mit sich machen. "Auch, wenn mir dieses Ereignis in den Knochen steckt, darf ich weiterleben. Danke!"
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Freitag, 28. Februar 2020

Denke quer, fühle bunt und handle tanzend.

Du kannst immer geradeaus denken. Also in einer logischen Kette von A nach B. Oder von oben nach unten. Auf dem kürzesten Weg. Gut durchgeplant und organsiert. Ohne Zeitverschwendung und unter bestmöglicher Ausnutzung deiner dir zur Verfügung stehenden Lebenszeit. Ich werde dich nicht daran hindern und wir sehen uns hoffentlich wieder im Himmel. Du wirst auf mich warten müssen.

Ich denke oft quer. Weil mir bei meinen Gedanken immer etwas in die Quere kommt. Ein anderer Gedanke. Ein Mensch mit Sonderwünschen. Ein schräg sitzendes Gefühl oder irgendein Impuls. Ich kann gar nicht geradeaus denken. Mein Gedankenlenkrad schwankt immer hin und her und ich habe oft Mühe, es überhaupt zu halten. Es läuft also eher quer. Seit ich das akzeptiere geht es mir gut damit. Die Strecke wird länger aber ich bekomme auch mehr zu sehen. Manchmal finde ich beim Querdenken einen Gedanken, den ich gerne festhalte. Alle meine Impulse, die ich aufschreibe hier in diesem Blog kommen von meinem Querdenken. Der Blog würde also gar nicht existieren. Ist ja nicht effektiv. Ich verdiene kein Geld damit. Ich weiß nicht mal, wer ihn liest. Aber beim Querdenken passieren die wunderbaren unvorhersehbaren Dinge, die dem Leben Farbe geben.

Du kannst die Option in dich haben, dass du dich ab jetzt nur noch freuen möchtest. Du bestellst dir die sonnige Seite des Lebens. Deine Arbeit findest du Klasse. Fährst zu äußerst begehrenswerten Urlaubszielen. Du arbeitest daraufhin dass du mit deinem Körper rundum und total zufrieden bist. Du pflegst dich super. Du isst total gesund und befolgst alle Ratschläge, die dich gesund und glücklich machen. Freude und Glück über alles.

Das kannst du machen, wird aber nicht umsetztbar sein. Nach meiner langjährigen Erfahrung gibt es Phasen, wo ich etwas verliere und traurig bin. Wo die Dinge einfach nicht so laufen. Ich erlebe Gefühle von Ärger, Trauer, Wut, Schmerz, Ekel. Das ganze Paket von unangenehmen Gefühlen. Wenn dich den Anspruch hätte, nur noch Freude erleben zu wollen, dann wäre mein Leben arm. Ich verzichte darauf. Ich bin für Abwechslung. Ich möchte bunt fühlen. Das ganze Paket von menschlichen Möglichkeiten. Ich möchte es der Werbung unmöglich machen, dass sie mich glücklicher machen könnte. Das brauche ich nicht! Mein Leben ist mit dem Auf und Ab von Gefühlen, Ergeinissen und Gedanken ganz in Ordnung. Einverstanden: Wenn es zu unangenehm wird, muss ich es ja nicht unbedingt aushalten und kann schauen, wie ich mich entlasten kann.

Du kannst ein Werkzeug in die Hand nehmen und deine Dinge einfach machen. Anpacken, erledigen und fertig. Nicht drumherumreden und die Zeit verplempern. Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Ich muss sie nur finden und umsetzen. Man kann immer an irgendeiner Stelle etwas machen. Das ist die Einstellung und das Brot von Handwerkern und sonstigen Fachmenschen.

Ich schaue mich in meinem Haus und in meinem Garten um und betrachte mein Fahrrad und sehe die vielen Aufgaben, die eine klare Umsetzung bräuchten. Ich bin nicht der, der anpackt. Ich packe an und lasse dann wieder los. Weil es nicht funktioniert. Weil ich es nicht verstehe. Weil mir etwas anderes einfällt. Weil ich mich nicht interessiere. Weil mir die Kraft fehlt. Für die Handlung fehlt es bei mir oft an den Umsetzungsmöglichkeiten. Was mache ich jetzt? Resignieren? Ich habe mich dafür entschieden, tanzend zu handeln. Das fühlt sich anders an. Einen Schritt vor und zwei zurück und dann mal zur linken Seite und dann zur rechten Seite. Und auch einmal rundherum. Durch das Tanzen bekommt meine Handlung automatisch eine gewisse Leichtigkeit. Aufgaben werden zum Spiel. Ich spiele jeden Tag an meinem Haus und am Garten und im Laufe der Jahre verwandelt sich mein Umfeld in einen lebendigen Reigen. Nichts ist perfekt! Alle Schrauben lösen sich hin und wieder einmal. Alle Dinge brauchen immer mal wieder Aufmerksamkeit. Keine Handlung hat Bestand für Jahrzehnte. Wenn ich sterbe, hinterlasse ich tausende von Provisorien. Das geht nicht anders, wenn man tanzend handelt. Da fehlt dann doch die Präzision. Aber ich bin einverstanden damit. Und das zählt.

Donnerstag, 27. Februar 2020

"Kommst du mit?" - "Wohin?" - "Auf dumme Gedanken."

Wie geht es dir mit dem Gedanken, wenn dich jemand für dumm hält? Ich erinnere mich an die vielen schrecklichen Jahre in der Schule, wo ich Angst hatte, dem Lehrer zu antworten. Da ging es ja immer darum, wie klug oder wie dumm du als Schüler bist. Entweder liegst du bei deinen Antworten ungefähr richtig oder eher falsch. Das Damoklesschwert der Dummheit schwebte ständig über den Häuptern der Klasse. Meistens versuchte ich, mich in der Menge zu verstecken. Ging es dir ähnlich? Was meinst du, wie dich das geprägt hat! Ich kenne einige, die im Laufe der Jahre still geworden sind. Sie möchten sich nicht outen als Dummköpfe.
Noch heute merke ich bei Teamsitzungen, in Webinaren oder sonstigen Weiterbildungen die Hemmung, dass die Teilnehmenden etwas sagen. Sie könnten bewertet werden. Einen schlechten Eindruck machen. Als Dummköpfe erkannt werden. Allein, wenn man eine Frage stellt, kann man sich schon als Dummkopf zeigen. "Was für eine dumme Frage!" Manche fangen direkt auch so an: "Ich muss da mal eine dumme Frage stellen." Im Hintergrund höre ich ein jahrelanges Leiden unter einem arroganten Lehrer in der Schule.
Stell dir vor, dass der Lehrer, die Lehrerin vorne in der Klasse steht am frühen Morgen und sagt: "Kommt ihr mit?" Die Klasse reibt sich die Hände. Es gibt einen Ausflug. "Wohin?" fragen sie. Und bekommen die Antwort: "Auf dumme Gedanken." Wie wunderbar, wenn ein Raum entsteht, wo sich total dumme Gedanken entfalten können. Ein Aufatmen und ein tiefes und erlöstes Seufzen geht durch die Klasse. Niemand muss mehr klug sein. Klug sein ist sogar verboten. Die Klugheit verhindert ja schließlich die dummen Gedanken.
Dumme Gedanken könnten ja ganz herlich sein. Ausgelassene Gedanken. Gedanken, wo alle anfangen zu lachen und wo sich eine tief Entspannung ausbreitet. Es könnten absurde Bilder entsthehen, die lauter "Ahs" und "Ohs" hervorriefen. Schließlich wären alle gemeinsam auf einer Reise unterwegs. Es wäre nur ein Ausflug. Ausflüge sind erlebnisreich und führen zu neuen Erkenntnissen.
Du könntest auch für dich selbst auf die Reise gehen. Du schließt deine Augen und gehst mit dir selber mit - in das Reich der dummen Gedanken. Es könnte sein, dass du Spaß daran hast. Im Reich der dummen Gedanken wohnen die Harlekine und Clowns, Till Eulenspiegel, Münchhausen und Hans im Glück. Keine schlechte Quelle, mal auszsteigen. Im Reich der dummen Gedanken bekommst du keinen Burnout, da bin ich mir sicher. Mach also mal ein wenig Burnout Prophylaxe mit ein paar dummen Gedanken ;-).
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Mittwoch, 26. Februar 2020

Verbinde dich mehr!



Wie schnell kann es geschehen, dass ich mich getrennt fühle. Dazu reicht schon ein kleiner Anlass mit großen Auswirkungen. Ich stehe zum Beispiel am Morgen auf und möchte mit dem Fahrrad zum Bahnhof fahren. Mein Hinterrad ist platt und ich kann nicht fahren. Und schon gibt es „trennende“ Gedankenketten. Ich mag mein Fahrrad eh nicht mehr, weil es alt ist und schwerfällig läuft. Ich verliere Zeit und muss nun ganz schnell laufen wenn ich den Zug noch bekommen möchte. Ich fühle mich unwohl in meiner Kleidung, weil ich verschwitzt im Zug sitzen werde. Ich bedaure mich jetzt schon am frühen Morgen, weil ich am Ende ja auch wieder zurücklaufen muss. Dann stellt sich mehr und mehr ein Gefühl von Trennung ein.
Ich fühle mich getrennt von meinem Fahrrad, getrennt von meinem Körper, getrennt von der Tagesenergie und getrennt von einem Wohlgefühl. Zum Glück erlebe ich solche Zustände nicht jeden Tag. Aber sie passieren immer wieder und kommen in der Regel ganz plötzlich. Da gibt es ein Ereignis, ein Gefühl oder einen Gedanken und schon befinde ich mich in einem abgetrennten Zustand.
In welchen Situationen erlebst du ähnliches? Du fühlst dich wohl und dann geschieht etwas, das dich aus deiner Mitte bringt. Ein bestimmter Tonfall deines Partners. Ein Vorwurf. Ein Missgeschick. Die Erinnerung an eine Kränkung. Du kommst mehr und mehr in ein isolierendes Gefühl. Da drüben ist die Welt und hier bin ich. Dazwischen ist ein Abgrund und eine Brücke kann ich nicht wahrnehmen. 
Zugleich ist das aber auch ein Teil unserer ganz normalen Wirklichkeit. Wir sind nun einmal kein Einheitsbrei. Eine große menschliche Masse von einem einzigen Körper. Wir sind nicht die Erde, aber ein Teil davon. Sobald das Bewusstsein meiner selbst in mir da ist, bemerke ich den Unterschied. Da gibt es das Gegenüber mehr oder weniger entfernt und das unterscheidet sich von mir.
Diese Feststellung hat noch keine Bewertung. Da bin zunächst einmal ich und dort gegenüber bist du. Wir sind zwei verschiedene Menschen, die unterschiedlich denken und fühlen. Du könntest auch nicht in mich hineinkriechen und fühlen wie sich meine Gefühle anfühlen. Ich kann das auch nicht bei dir. Ich kann mir vorstellen wie es sich anfühlt, wenn du dich freust. Weil ich ähnliche Gefühle kenne und vergleichen kann. Aber wie tief deine Freude ist wüsste ich nicht.
Ein Chinese könnte mir etwas von China erzählen und ich bekomme Bilder im Kopf von Häusern, Bergen und Bäumen. Meine Bilder werden aber nur ähnlich sein wie die Bilder meines chinesischen Freundes. Und meine Bilder werden sich eher fremd anfühlen und die inneren Bilder des Chinesen wie Heimat.
Sich von den Menschen und Dingen getrennt zu wissen ist also zunächst einmal natürlich. Die Welt besteht aus Milliarden von einzelnen Wesen. Ich bin nicht mein Fahrrad, wenn ich morgens losfahren möchte. Ich bin ich und ich besteige mein Fahrrad, das von mir ganz verschieden ist. Das Fahrrad lebt in der Fahrradwelt und ich in der Menschenwelt. Und zwischen uns gibt es einen Schnittpunkt wenn wir Zeit miteinander verbringen.
Aber was geschieht, wenn ich am Morgen vor meinem platten Reifen stehe? Dann löst das in mir ein Gefühl und einen Gedanken aus. Ich fühle mich unwohl. Ich spüre etwas, das sich wie Ärger anfühlt. Ich bedenke die Konsequenzen und den Zeitverlust und die Arbeit und die Kosten, die auf mich zukommen. Zwischen meinem Fahrrad und mir entwickelt sich ein Konglomerat von Fragen, Befürchtungen und Ärger. Es entsteht mehr und mehr ein Raum der Trennung. Das Fahrrad entfernt sich zwar nicht räumlich von mir, aber gedanklich und gefühlt.
Je weiter sich das Fahrrad entfernt, desto entfremdender können auch meine Impulse werden. Was habe ich falsch gemacht? Habe ich nicht aufgepasst? Bin ich über eine Glasscherbe gefahren? Habe ich mein Fahrrad nicht genug gepflegt? Bin ich vom Pech verfolgt? Womit habe ich das verdient!
Durch solche oder ähnliche Gedanken vergrößere ich die Entfernung zum Fahrrad immer mehr. Der Kreis der Entfremdung wird noch größer, wenn ich das platte Fahrrad als Symbol für mein ganzes Leben sehe.
Was habe ich in den letzten Wochen alles platt gemacht? Bin ich vom Wesen her unaufmerksam oder zerstörerisch? Wo verfolgt mich das Pech denn noch? Warum muss ich immer über Glasscherben fahren? Das wird ein teures Jahr! Die anderen Menschen haben viel mehr Glück und sind bevorzugt. Womit habe ich das verdient!
Auf einmal bin ich voller Fragen, die in die tiefere Trennung führen und die Antworten, die ich erhalte, lassen mich wiederum tiefer sinken in die Traurigkeit. Das nennt man dann wohl Depression.
Vielleicht denkst du, dass das mit dem Fahrrad übertrieben ist. Du machst dir da keine Gedanken oder Gefühle zu. Du reparierst einfach und dann ist alles wieder gut. So mache ich das auch - normalerweise. Aber nicht unbedingt am frühen Morgen, wenn ich losfahren möchte.
Das Fahrrad ist auch nur ein Beispiel. Schlimmer wird es ja dann, wenn es um konkrete Menschen geht, die ich mag. Du sitzt am Sonntag mit deiner Familie am Frühstückstisch und alle wollen einen Ausflug machen. Du aber nicht. Du hast eigentlich etwas vor, worauf du dich die ganze Woche schon gefreut hast. Deine Familie strahlt dich an und möchte mit dir den Ausflug machen. Was machst du? Spürst du den Stich in deinem Herzen? Oder kannst du deine Pläne sofort über den Haufen werfen und dich mitfreuen? Oder kommen dir Trennungsgedanken wie: „Schon wieder werde ich nicht gesehen mit meinen Bedürfnissen. Eigentlich möchte ich heute lieber etwas für mich machen. Ich verderbe sowieso allen die Laune wenn ich so missmutig mitfahre.“
Wenn du ehrlich bist wirst du feststellen, dass ein Tag nie so genau verläuft wie du es dir ausgedacht hast. Es kommt immer etwas dazwischen. Selten läuft es völlig reibungslos und nur zu deiner Zufriedenheit ab. Ständig ist deine Fähigkeit gefragt, spontan umzudenken. Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die das sogar mögen und für die das kein Problem ist. 
Leider bewerten wir oft die Ereignisse und machen uns das Leben dadurch schwerer als wir müssten. Außerdem befinden wir uns in einer Welt, die Trennung über alles liebt. Beim Fußball braucht es zwei Mannschaften, die gegeneinander kämpfen. Wenn du die Nachrichten anschaust hörst du nur von Skandalen, Intrigen, Verlusten und Katastrophen. Du wirst förmlich überschüttet mit Negativität. Die Welt ist korrupt und schlecht. Die Feinde lauern überall – in Russland, Syrien und in den USA. Die eigenartigen Präsidenten bekommen mehr Aufmerksamkeit als sie verdienen.
Was geschieht aber mit dir und deinem Geist, wenn du diese Negativität ungefiltert zulässt? Du wirst überschüttet mit Adrenalin und Kortisol. Lauter Hormone, die dich in einen Stresszustand versetzen. Du kommst in so eine Art Überlebensmodus. „Wie schaffe ich es, bis morgen nicht unterzugehen!“ Du kommst aus deiner Mitte und aus deinem Gleichgewicht. Du wirst anfällig für falsche Heilsversprechen, für die Werbung, die dir ein besseres Leben verspricht und für Versicherungen, die du eigentlich nicht brauchst. Du erlebst dich wie eine ängstliche Maus in einem gefährlichen Dschungel. Morgen schon bist du tot. Dir bleiben noch wenige Stunden.
Das Leben kann immer einmal wieder gefährlich werden. Ganz normal. Ich kann etwas essen, das ich nicht vertrage. Ich kann einen Verkehrsunfall haben. Ich kann arbeitslos werden oder schwer erkranken. Ich muss es mir aber nicht ständig herbeidenken. Die Welt ist voller Möglichkeiten, trennende Gefühle und Gedanken zu produzieren. Die Wirtschaft liebt das, weil sie damit ihr Geld verdient. Entweder durch Verlockungen oder durch Angst.
Sind wir Menschen also hilflos und dem Schicksal ausgeliefert? Wir befinden uns im Frieden und leben im Geiste so, als hätten wir Krieg!
Wenn wir Menschen bewusste Wesen sind, dann können wir uns entscheiden. Wir können uns dafür entscheiden, dass wir uns lieber verbinden. Ich kann in jeder noch so lebensfeindlichen Situation einen verbindenden Gedanken entwickeln oder ein verbundenes Gefühl. Das ist auf jeden Fall heilsamer für meine Seele.
Ich kann also am Morgen vor meinem platten Fahrrad stehen und mich freuen über die vielen Fahrten mit einem heilen Reifen. Ich kann planen, wie ich es lustvoll wieder ans Laufen bekomme. Ich kann überall hin einen liebenden Gedanken schicken. Wenn mein Arbeitgeber mit mir unzufrieden ist kann ich ihm dennoch einen lichtvollen Tag wünschen. Wenn ich die innere Freiheit habe!
Dazu braucht es so etwas wie eine Grundsatzentscheidung, die ich jeden Tag erneut treffe. Egal, wie viel Trennendes ich erlebe und mir begegnet – ich entscheide mich für die Verbindung. Ich kann mich sogar mit meinem „Trennungsgefühl“ verbinden. Ich spüre zum Beispiel einen inneren Ärger und habe Verständnis für mich. Es macht Sinn, ärgerlich zu sein und ich bin mit mir ganz einverstanden.
Wenn ich mich verbinde, dann sehe ich mehr die Möglichkeiten als den Mangel und die Einschränkungen. Wenn ich aber in meiner Kränkung bleibe, dann bekomme ich nichts. Ich bin gekränkt und enttäuscht und habe zusätzlich jetzt die Isolierung und Einsamkeit. Erst, wenn der andere auf mich zukommt und sein Unrecht einsieht, komme ich heraus aus meinem Schneckenhaus. Das kann ich so machen, aber währenddessen sitze ich dort in meiner einsamen Ecke und habe Trennungsgefühle.
Wie kann es uns gelingen, dass die Trennungen nicht mehr so viel Macht über uns haben? Dass wir uns nicht mehr so schnell hinreißen lassen von den negativen Einflüssen? Wenn ich mich erinnere an meine mir innewohnenden göttlichen Qualitäten, wächst die Bereitschaft, damit auch zu arbeiten. Das braucht Lust, Bewusstsein, Entscheidung und Training.
Wenn ich mein Leben als ein Geschenk betrachte dann befinde ich mich in einem Gefühl der Verbundenheit. Ich kann dieses Geschenk behüten, pflegen und es wertschätzen. Ich kann jeden Tag etwas dafür tun, dass ich den Blick dafür nicht verliere, sondern das „geschenkte Feld“ vergrößere.
Die schöpferische Qualität, mit der wir Menschen das machen, nennen wir Liebe. Lieben ist also die einfachste Art und Weise, sich immer wieder zu verbinden wenn etwas Trennendes auftaucht.
Wenn ich liebe dann spürt das mein ganzer Körper. Er wird überflutet von Dopamin und Serotonin. Von den Hormonen also, aus denen der Glücksfaktor zusammengesetzt ist. Der Kern der christlichen Botschaft ist nicht eine Kirchenverfassung sondern die Frage nach dem Gelingen der Liebe. Wie sähe eine Kirche aus, die wirklich liebt? Was wäre da anders? Wie sieht dein eigenes Leben aus, wenn du ganz in der Liebe bist? Bist du es womöglich schon? Das wäre fantastisch! Auf jeden Fall wünsche ich dir noch mehr davon. Mögest du in der Liebe und im Bewusstsein der Verbundenheit reich gesegnet sein.

Dienstag, 25. Februar 2020

Auch wenn es blöd ist, ich bleibe!

Ich bin eingeladen zu einem Geburtstag. Viele Gäste sind da und viele finde ich nett. Es könnte ein netter Abend werden. Da gibt es einen Gast, der wohl gerne im Mittelpunkt steht. Er kommentiert alles, weiß zu jedem Thema etwas zu sagen. Hat einen leicht schrägen Humor. All die netten anderen Gäste werden stiller und stiller. Und irgendwann ist es wirklich blöd. Soll ich gehen? Es macht ja schließlich überhaupt keinen Spaß mehr. Auch wenn es blöd ist, ich bleibe!

Ich gehe ins Kino weil mir der Film eine gute Unterhaltung verspricht. Die ersten Minuten langweilen mich. Es wird nicht besser. Hier und da ein Lichtblick. Aber nur unwesentlich. Ich könnte jetzt einfach aufstehen und gehen. Neun Euro für nichts! Auch wenn es blöd ist, ich bleibe!

Ich war mal mit einer Gruppe in der Oper in Barcelona. Eine lyrische Oper wurde gespielt. Wir saßen auf Plätzen, wo wir die Bühne nicht sehen konnten. Oper auf dem Bildschirm vor der Nase. Lyrische Oper? Keine emotionalen Höhen und Tiefen. Für meine Ohren Sprechgesang. Zwei Stunden aushalten bis zur ersten Pause. Ein kurzes verständnisvolles Nicken. Wir gehen! Es ist uns zu blöd!

Was ist gut daran zu bleiben, auch wenn es blöd ist? Alles im Leben muss ständig toll sein. Toller Urlaub! Wunderbarer Arbeitsplatz! Klasse Auto! Alles immer wunderbar! Wer kann diesen Leistungsdruck nur aushalten? Wenn ich immer nur auf der Sonnenseite des Lebens sein muss komme ich ganz schön ins Schwitzen!
Langeweile ist auch mal gut. Es muss nicht immer alles toll laufen. So ungefähr ist auch in Ordnung. Es darf auch mal blöd sein. Auch mal ganz blöd. Dann ist es eben blöd. Wenn es blöd ist kann ich auch mal Blödsinn machen. Blödsinn kann ganz schön sinnig sein!
Ich sitze also beim Geburtstag diesem Menschen gegenüber, der das ganze Feld beherrscht. Es ist ziemlich blöd! Blödem begegne ich mit Blödsinn! Dann mache ich doch mal Blödsinn! Ich übertreibe. Ich stelle absurde Behauptungen auf. Ich verteile Komplimente an die Gastgeberin. Ich lade ein, mal die Plätze zu tauschen. Ich fasse den Entschluss, den nervtötenden Redner durch ständiges Nachschenken zum Schweigen zu bringen. Gerade wenn es blöd ist bleibe ich! Gute Laune kann ja jeder! Endlich mal eine blöde Situation. Ich nehme die Herausforderung an!
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Montag, 24. Februar 2020

Unter Karnevalsflüchtlingen

Ich komme von einer Tagung in Bonn und wir halten in Köln. Jetzt sind wir auf dem Weg nach Dortmund. In Bonn war der Zug noch leer. Jetzt ist er voll. In Köln sind sie eingestiegen: Die vielen Karnevalsflüchtlinge. Du fragst, woher ich das weiß? Ich sitze gerade neben einem. Rechts neben mir sitzen vier Flüchtlinge. Ich habe sie alle gefragt und alle haben mir betätigt, dass sie heute die Gelegenheit zur Flucht ergriffen haben.
Die Frau neben mir kommt gebürtig aus Schleswig. Ich vermute, dass sie eine Protestantin ist. Im Norden gibt es halt keinen Karneval. Vielleicht flüchtet sie in ihre Heimat zurück? Ich traue mich nicht, die anderen Gäste zu fragen, warum sie auf der Flucht sind.
Ich erzähle den Leuten hier gerade, dass ich eine ernsthafte Karnevalsbehinderung habe. Früher wollten die Leute mich motivieren, doch einmal über meinen Schatten zu springen und kräftig mitzusingen und mitzuschunkeln. Ich konnte es nicht. Ich kann es bis heute nicht. Wenn ich es könnte täte ich es. Aber ich bin behindert. Karnevalsbehindert!
Gerade mal wieder habe ich mich öffentlich hier im Abteil zu meiner Behinderung geäußert. Da kommen erlöste Blicke von meinen Nachbarn. Ja! Auch sie sind eindeutlig karnevalsbehindert. Eine Erleichterung geht durch das Abteil. Endlich eine wirkliche Erklärung für die Flucht weg von Köln und hin nach Berlin oder Hamburg. Heiterkeit breitet sich aus. Alle lachen bis zu dem Augenblick, wo ich "Stopp" sage. "Wir wollen doch jetzt wohl hier nicht Karneval feiern?" "Wir müssen schon ernsthaft bei unserer Behinderung bleiben!"
Zugegeben, die letzten drei Sätze habe ich geflunkert. Aber nur die letzten. Jetzt drücke ich auf speichern und veröffentlichen und du kannst es lesen. Viel Vergnügen!
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Samstag, 22. Februar 2020

Erkenne, wie du tickst!


In der vergangenen Woche wollte ich bei einem Bäcker in Münster ein Dinkelbrot kaufen. Vor mir wurde gerade ein Mann von der Verkäuferin bedient. "Haben Sie es eilig?" fragte er mich. "Sie dürfen ruhig vor mir bestellen."
Die Verkäuferin zögerte nicht lange und bediente mich. Während meine drei Brote geschnitten wurden, begann ich mit dem Mann ein Gespräch. Er ging an einem Krückstock und genoss wohl die Unterbrechung seines Alltags am Schreibtisch. Ich erzählte ihm, dass ich als Berater und Lebenslagencoach arbeite worauf er erwiderte, dass er mich in der vergangenen Woche gut hätte gebrauchen können. Unser Gespräch war sehr humorig und er erzählte mir etwas von seiner Schwester. Und darum geht es mir eigentlich jetzt. Sie schrieb ihm eine Mail und beklagte darin ihr Leid. Er machte sich infolgedessen große Sorgen. Drei Tage später kam wieder eine Mail von ihr mit dem Hinweis, alles sei wieder gut.
In seiner "Bauernschläue" mir gegenüber kam er auf den Gedanken, dass er sich seine Sorgen hätte sparen können, wenn er nicht so oft die Mails seiner Schwester lesen würde.
Wenn er also nur alle sieben Tage seine Mails abgerufe hätte würde er nur die letzte lesen mit dem Inhalt: "Mir geht es gut!" Sein gedankliches Sorgenloch könnte er so einfach überspringen. Man würde sich ja manchmal völlig nutzlos Sorgen machen wenn später alles eh wieder gut ist.
Der Mann aus der Bäckerei erinnerte mich an zwei Erfahrungen, die ich auch kenne. 1. Manchmal machen wir uns einfach zu früh Sorgen. 2. Wir leben oft in Zyklen. Ich bekomme z.B. immer um Karneval herum eine Grippe. Weil ich das weiß, kann ich mich darauf einrichten und hänge das nicht so hoch.
Ich habe Menschen erlebt, die für eine ganz bestimmte Anzahl von Jahren in einer Beziehung sein können und sich dann trennen. Die Zahl sieben ist ein beliebter Rhythmus. Oft sind diese Zyklen unbewusst und es ist spannend, diese zeitlichen Abstände aufzudecken und so möglicherweise zu durchbrechen.
Bist du neugierig geworden auf deine zeitlichen Eigenarten? Wann kaufst du neue Kleidung ein? Wann wechselst du dein Auto? Wann bestellst du deine Ferienwohnung? Und wie geht es dir, wenn du deine Rhythmen nicht einhältst?
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Freitag, 21. Februar 2020

Vielleicht gibt es schönere Zeiten; aber diese ist die unsere. (Jean-Paul Sartre)


Gab es in deinem Leben schönere Zeiten als jetzt? Warst du einmal glücklicher? Sehnst du dich nach diesen Zeiten zurück? Trauerst du ihnen noch hinterher?
Träumst du von einer glücklicheren Zukunft? Wenn das und das erst einmal geschieht - dann werde ich das und das tun und mich so und so fühlen?
Wie ist das mit Anspruch überhaupt nach einer "schönen" Zeit. Was muss passieren, dass dein Erlebnis den Stempel "schön" bekommt? Einfach so nach Gefühl oder mit bestimmten Kriterien? Wenn es "schön" sein soll, dann braucht es deine Bewertung. Du musst festlegen, ob und wann etwas "schön" ist. Wie jedoch sieht dein Leben aus, wenn es nicht mehr "schön" sein muss? Wenn du darauf verzichtest. Wenn der Anspruch wegfällt. Wenn du aufhörst mit dem Vergleichen!
Du wirst dir bewusst, dass es "jetzt" ist. Und einen Augenblick später ist es wieder "jetzt". Der Psychotherapeut Christian Meyer lädt ein zu einer Partnerübung, wo du deinen Partner fragst: "Und wessen bist du dir jetzt bewusst." Du sagst dann, wessen du dir gerade bewusst bist. Dein Partner stellt immer wieder die gleiche Frage: "Und wessen bist du dir jetzt bewusst." Diese Übung "zwingt" dich dazu, nicht in Gedanken abzudriften in die Vergangenheit oder Zukunft. Das Bewerten hört auf und du bist im Hier und Jetzt. Wenn du im Hier und Jetzt bist erlebst du dich völlig präsent und hast den Eindruck als ob du von einer Hypnose aufwachst. Probier es mal aus. Du kannst es auch für dich selber machen. "Wessen bin ich mir jetzt gerade bewusst." Antworten. "Und wessen bin ich mir jetzt gerade bewusst?" Antworten...
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Mittwoch, 19. Februar 2020

Auch die zweitbeste Lösung ist eine Lösung!



Benötigst du auch jeden Tag viel Zeit für das Finden von Lösungen? Was kaufe ich ein und wo finde ich die Produkte, die ich benötige? Fahre ich mit dem Auto, mit dem Rad oder gehe ich zu Fuß? Wann habe ich Lust, wann kann ich überhaupt und zu welcher Zeit ist es im Geschäft nicht zu voll? Finde ich alles in einem Laden oder muss ich mir eine Tour überlegen? Vielleicht fallen dir selbst noch viel mehr Fragen ein, die du vor einem Einkauf für dich klären musst, um zu einer guten Lösung zu kommen.
Wenn es nur dieses eine Thema des Einkaufens gäbe, wären deine Aufgaben ja gut lösbar. In der Regel jedoch beschäftigst du pausenlos deinen Geist damit, für viele Aufgaben eine Lösung zu finden. Was muss ich heute unbedingt noch erledigen? Mit wem muss ich etwas besprechen? Fragen für kurz-, mittel- und langfristig. Wer hat Erwartungen an mich und an wen habe ich Erwartungen? Erst, wenn du eine Lösung gefunden hast, kannst du eine Frage abhaken und dein Geist hört auf, dich zu plagen. Manche Fragen werden zum Problem, wenn du keine Lösung finden kannst. Dann kreisen deine Gedanken pausenlos weiter. Das kann sich sogar so weit ausdehnen, dass du dich völlig blockierst, weil du unbedingt für eine bestimmte Aufgabe eine Lösung finden möchtest.
Wenn dir dein Leben egal wäre, dann würdest du einfach irgendetwas irgendwie machen. Du könntest z.B. in den nächsten Laden gehen, deine Hände ausstrecken, ein Produkt in den Korb legen und an der Kasse bezahlen. Etwas wird schon dabei sein, dass deinen Hunger stillt.
Du könntest zusätzlich versuchen, dein Leben insgesamt möglichst plan- und gedankenlos zu verbringen. Von außen würde es wahrscheinlich wie Demenz wirken, aber innerlich wärest du befreit von der ständigen Anspannung, etwas entscheiden zu müssen. Du könntest dich dafür entscheiden, nichts mehr zu entscheiden und ließest auf dich zukommen, was immer auch kommen würde. Du würdest einfach völlig entspannt mitschwingen. Hilfreich wäre dabei allerdings die Fähigkeit, das Denkvermögen auszuschalten.
Stell dir doch einfach mal vor deinem geistigen Auge ein Pendel vor. Dieses Pendel schwingt von links nach rechts. Wenn es nach rechts außen ausschlägt, so findest du dort die völlige Planlosigkeit. Das Chaos. Das Unentschiedene. Die Gedankenlosigkeit.
Dann betrachtest du das Pendel auf der linken Seite wiederum ganz außen. Dort findest du immer und beständig den super perfekten Plan für dein Leben. Du hast alles durchdacht und findest immer die ideale Lösung. Dort gelingt dir einfach alles, weil du von A bis Z durchstrukturiert bist. Du kannst deine Gedanken ständig in höchsten Tönen loben, weil du mit deinen Leistungen sehr zufrieden bist. Alle werden dich bewundern und du wirst nominiert für irgendeinen Nobelpreis.
Unser Pendel schwingt also zwischen Perfektion und Chaos. Wenn du dich einmal selber einschätzen müsstest: Wo würde sich dein vertrauter Bereich befinden? Bist du eher der Chaos-Typ oder der Perfektions-Typ? Wohin schlägt dein Pendel mehr aus? Und mit welchem Anteil bekommst du in der Regel innerlich Konflikte? Und welche Menschen im Außen bedrohen deinen Standpunkt?
Ich möchte mit dir jetzt noch einmal einen Ausflug machen zur linken und geordneten Seite des Pendels. Wahrscheinlich, weil ich mich eher dorthin einsortiere.  In der Regel versuche ich immer, für jede Aufgabe und jedes Problem die beste Lösung zu finden. Ich beobachte mich dabei, wie ich ein gutes Ergebnis meines Nachdenkens gefunden habe. Aber dann fällt mir noch etwas ein und noch etwas und noch etwas. Ich finde also ständig Lösungen. Warum? Ich werde angetrieben von dem Wunsch, die beste Lösung zu finden!
Geht es dir ähnlich? Du suchst unbedingt die beste Lösung. Nicht irgendeine. Sondern die beste! Wenn du einen Kunden bedienst, dann möchtest du nicht nur, dass er zufrieden ist mit deiner Leistung. Du möchtest doch, dass er das Gefühl bekommt, wirklich ein König zu sein. Ob du dich als Krankenschwester um deine Patienten kümmerst, als Rechtsanwalt um deine Klienten, als Berater um deine Kunden oder als Mutter und Vater um deine Kinder. Immer geht es darum, dass du das Beste möchtest. Der glückliche Patient macht dich selber glücklich. Je besser dein Service, desto glücklicher dein Gegenüber und auch du.
Wenn du hingegen nur irgendeine x-beliebige Lösung anstrebst: Was werden die anderen von dir denken? Was du von dir selbst? Du wirst auf jeden Fall immer die beste Lösung anstreben, nicht wahr? Oder hältst du es aus, wenn dich jemand anspricht und sagt: „Das hättest du mit deinem Wissen aber wirklich besser machen können. Du bleibst hinter deinen Möglichkeiten zurück.“ Vielleicht bist du ja ein völlig abgebrühter und gelassener Typ und lehnst dich zurück nach dem Motto: „Mit diesem Thema habe ich Gott sei Dank nichts zu tun! Kritik hat bei mir kaum eine Chance!“ Wetten, dass es irgendwo ein Thema gibt, wo auch du nach der besten Lösung suchst! Es gibt einfach Themen, für die wir gehen. Wo wir uns engagieren. Wo das Herz sozusagen blutet. Für die Kinder, für den Partner, den Geliebten, für Menschen in Not...
Ich befinde mich in Gedanken immer noch auf der linken Seite des Pendels. Ich bin auf der Suche nach der besten Lösung. Ich bin es mir wert! Mein Gegenüber ist es mir wert! Ich möchte auch keine Kritik einstecken, wenn es sich vermeiden lässt. Wenn es nur nicht das große „LEIDER“ gäbe.
Was meine ich damit? Die beste Lösung, die ich mir ausgedacht habe, lässt sich „leider“ nicht immer umsetzen. Das Geschäft führt ein bestimmtes Produkt nicht mehr. Mein Fahrrad ist platt. Mein Kunde kommt auf einmal mit ganz anderen Wünschen. Der Patient ist trotz meiner tollen Pflege gestorben. Ich selber bin schlecht drauf oder nur für einen Augenblick unachtsam. Es kommt sowieso etwas dazwischen in meiner Zeitplanung. Während du also voller Engagement am linken Ende des Pendels die beste Lösung suchst, schleichen sich dort einfach Chaoselemente ein.
Diese „Chaoselemente“ warten nicht, bis du mit deinem Pendel nach rechts ausschlägst. Sie üben ihre Macht heimlich aus und behindern deine Anstrengungen. „Du wirst es nicht schaffen, die beste Lösung umzusetzen!“ flüstern sie dir ein.
Und das macht dein Lebensgeschäft so unglaublich anstrengend. Die beste Lösung lässt sich nur mit einem sehr hohen Preis umsetzen. Im Untergrund wabern die chaotischen Elemente, die du nicht berechnen kannst. Und wenn du zu den „ordentlichen“ Menschen gehörst, wirst du diese Elemente vielleicht sogar ausblenden und unterdrücken. Es wird dir nichts nützen. Je weniger du damit rechnest, desto mehr werden sie ihr Werk verrichten.
Irgendwo hörte ich in einer Ansprache folgenden Satz: „Leider konnten wir die beste Lösung nicht umsetzen und müssen nun mit der zweitbeste vorliebnehmen.“ Im Vortrag klang es wie ein Bedauern. Schade! Wir hätten die beste Lösung verdient. Jetzt wird es nur die zweitbeste.
Beim Fußball ist Erstklassigkeit auch besser als die Zweitklassigkeit. Der Zweite im Sport bekommt nur Silber. Lieber wäre ihm bestimmt Gold. Vor allem, wenn der Abstand zum Sieger nur gering ist. Der Zweitklassige will erstklassig werden und der Erstklassige zur Spitze in der Liga von da aus in die Superliga und dort an die Superposition. Von da oben aus gesehen ist die zweitbeste Lösung ein echter Verlust.
Aber wie gesagt: Die beste Lösung fordert in der Regel einen hohen Preis. Bin ich bereit, immer diesen hohen Preis zu zahlen? Ständig diese Überforderung, dieser Anspruch, diese Absolutheit!
„Wir haben die zweitbeste Lösung gefunden.“ In meinen Ohren klingt es nicht wie Mangel sondern wie Erlösung! Ich gebe mich tatsächlich mit dem Zweitbesten zufrieden. Warum nicht? Ich kann doch diesen Gedanken mal einfach zulassen. Ich betrachte mir einmal ganz genau diese zweitbeste Lösung. Die ist gar nicht schlecht! Da tauchen auf einmal Überraschungen auf. So könnte mir die zweitbeste Lösung bei der Suche nach dem richtigen Geschäft die Nähe zum Altglascontainer bescheren.
So weit hatte ich bisher gar nicht gedacht. Die zweitbeste Lösung für den Kunden lässt einen finanziellen Spielraum für andere Wünsche. Ich verkaufe nicht das beste Gerät aber ein anderes noch hinterher.
Wenn ich mich im „zweitbesten Lösungsraum“ bewege verschwindet die Obergrenze. Das „Müssen“. Der Absolutheitsanspruch! Es tritt ein wenig Gelassenheit ein. Ich kann mich entspannen. Ich entdecke, dass sich in diesem Lösungsraum auch noch Möglichkeiten zeigen, an die ich bisher gar nicht dachte. Wenn das Pendel also ein wenig zur Seite ausschwingen darf, kann ich die „Chaoselemente“ für mich nutzen. Chaos bedeutet ja nicht einfach nur ein schreckliches Durcheinander, sondern zugleich das Meer der tausend Möglichkeiten. Die zweitbeste Lösung heißt: Ich entscheide mich für eine insgesamt gute Lösung und habe noch zusätzliche Optionen!
Es wäre also hilfreich, sich von dem Streben nach der besten Lösung zu verabschieden. Wenn sie eintritt, auch gut. Das muss aber nicht sein. Ich könnte von vornherein die zweitbeste Lösung anstreben. Was würde das verändern, wenn ich das täte? Ich persönlich würde mit dem Suchen nach Lösungen eher aufhören. Wenn ich drei Ideen hätte, würde ich einfach Schluss machen. Genug Lösungen gefunden! Die zweitbeste wird auch dabei sein und das genügt mir.
Wo ich mich schon von der besten Lösung verabschiedet habe könnte ich doch jetzt auch mal zur dritt- oder viertbesten Lösung hinschauen. Was würde ich in diesen „Lösungsräumen“ finden? Eine Idee dazu kommt mir, dass die „Euroshops“ nach diesem Prinzip funktionieren. Ich finde dort etwas, das mir im Augenblick weiterhilft. Ein Markenprodukt wäre toll! Aber jetzt gerade würde das Preiswertprodukt für mich ausreichen.
Wenn ich jedoch das Prinzip der besten Lösung verlasse, öffne ich einen Weg mit einem neuen Glaubenssatz, den ich vielleicht gar nicht betreten möchte. Ich müsste mich verabschieden von meinen hohen Zielen. Ich müsste vor allem meinen Absolutheitsanspruch verlassen. Da höre ich schon: „Wehret den Anfängen!“ - „Wer A sagt muss auch B sagen!“ „Ich möchte mir treu bleiben!“
Da kann ich dich nur daran erinnern, dass wir uns immer noch im Pendel des Lebens befinden. Der Anspruch nach der besten Lösung hat seine Berechtigung. Die Einflüsse und Einwirkungen des Chaos auf der anderen Seite aber auch. Du magst es nicht mögen. Aber es ist Realität. Das Chaos auf der anderen Seite des Pendels sagt dir: „Ich bin da! Ich gehe nicht! Du kannst nur mit mir arbeiten oder gegen mich. Aber mich nicht verdrängen! Was willst du tun?“
Welche spirituelle Haltung steckt hinter der Idee von einer zweitbesten Lösung? Ich muss mich nicht fixieren auf nur eine einzige umsetzbare Möglichkeit. Im Universum existieren Tausende von Möglichkeiten mit wiederum Tausenden von Auswirkungen und Folgen. Die Schöpfung ist vielfältig. Wenn das Samenkorn an dieser Stelle nicht aus dem Boden kriechen kann, dann aus einer anderen. Das Pflänzchen bleibt nicht vor der Betondecke stecken sondern sucht die zweitbeste Lösung. Es kriecht und kriecht, bis die Erde wärmer wird und die Sonne lockt. Es findet den Spalt, wo es hindurchkriechen kann. Das Lebensmotto dazu heißt: „Wenn nicht das, dann das andere. Und wenn nicht das andere, dann vielleicht wieder etwas anderes.“ Das Chaos zeigt sich als das Feld aller Möglichkeiten. Die „beste“ Lösung zeigt sich am Ende lediglich als eine der unendlich vielen Umsetzungen aus dem Feld aller Möglichkeiten.
Wenn du dein Einverständnis gibst zu diesen Prozessen musst du nicht mehr deine „beste“ Lösung finden. Du schwimmst ja schließlich im Meer der Unendlichkeit. Öffne mal jetzt im Frühling deine Augen in der Natur. Was meinst du, wie oft es eine Entscheidung gibt für die zweitbeste Lösung?
Zu welcher spirituellen Gruppe gehörst du? Bist du christlich, muslimisch, atheistisch, freikirchlich, oder…? Welche bietet die beste „Gottes“-Losung? Und welche die zweitbeste? Macht es einen Sinn, so zu fragen? Wenn du an der besten Lösung klebst gibt es nur diese eine! Doch jenseits davon erkennst du das große Mehr der vielen Möglichkeiten. Dort beginnt die Freiheit!

Dienstag, 18. Februar 2020

Verlier nicht den Kontakt!

Ich fahre diesem LKW hinterher und sehe das Plakat: "Don't lose touch!" Ein Mann hängt an der Tür und hat die Beine angezogen. Den Kontakt zum Boden verloren.
Manchmal verlierst du den Bodenkontakt. Den Blick für die Realität. Der Boden trägt nicht mehr. Er wird dir unter den Füßen weggezogen. Arbeitsplatz gekündigt, Ehe zerbrochen, Freundschaft beendet, Krankheit. Verlier nicht den Kontakt! Mit beiden Füßen auf dem Boden stehen gibt Halt und Sicherheit. Schön, wenn uns das geschenkt wird.
Doch manchmal musst du loslassen. Dich irgendwo dranhängen. Der Boden fließt weg. Alles entpuppt sich nur als vorläufige Sicherheit. Wenn du dich irgendwo dranhängst, dann kannst du dich auch fortbewegen. Vom Boden, der nicht mehr tragfähig ist. Immerhin besitzt du neben den Füßen auch noch Arme und Hände. Die sind flexibel. Die können spontan reagieren.
Die Füße sagen: "Hier stehe ich! Ich habe Halt. Das gibt Sicherheit!" Die Hände sagen: "Hier bewege ich mich. Da greife ich hin. Das Leben sortiert sich ständig neu!" Wie gut, dass wir Hände und Füßen haben, die gemeinsam oder auch abwechselnd dafür sorgen, dass wir im Kontakt bleiben.
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Montag, 17. Februar 2020

Wer Sahne will muss Kühe schütteln

Das Leben ist ein Geschenk! Ich habe es mir nicht verdient. ich lebe und gut ist! Das ist wunderbar! Das ist die Klammer und die Vorgabe. Ich atme, also bin ich!
Dennoch fällt mein tägliches Brot nicht vom Baum. Sogar ein Bettler muss etwas für seine Einkünfte tun. Er muss die Hand aufhalten und warten, bis ihm jemand etwas gibt. Betteln kann harte Arbeit sein. Wenn ich etwas möchte, dann muss ich auch etwas dafür tun. Wenn ich Sahne möchte, dann muss ich Kühe schütteln. Wenn ich Brot essen will, dann muss ich backen. Das Leben selbst ist geschenkt. Für den Erhalt des Lebens muss ich etwas tun. Wenn ich aufhöre zu atmen, hört mein Leben auf!
Es kann sein, dass mir die Arbeit zum Lebensunterhalt manchmal etwas schwer vorkommt. Du hast den Eindruck, als ob du Kühe schütteln müsstest. Alles fällt dir verdammt schwer! Kann es nicht leichter sein? Muss ich denn wirklich Kühe schütteln um Sahne zu erhalten? Nein, das musst du nicht!
Du kannst die Kuh melken, den Rahm abschöpfen und dann die Sahne schütteln. Du musst keine Kühe schütteln! Das ist nicht nötig! Manche Menschen machen sich das Leben echt kompliziert. Sie schütteln die Kühe weil sie nicht ahnen, dass es auch leichter gehen könnte. Überdenke mal deinen Tag und beobachte, wo du sehr umständlich bist. In deinen Gedanken oder in deinem Tun! Wie viele Wege gehst du doppelt, weil du nicht achtsam warst! Bei manchen Maschinen musst du nur einen Knopf drücken und es läuft. Du musst nicht die ganze Gebrauchsanweisung lesen und von vorne bis hinten verstehen! Wenn es also einen leichteren Weg zum Ziel gibt, warum nicht?
Wenn du aber nicht melken kannst, dann musst du wohl weiter Kühe schütteln! Du kannst aber auch auf Sahne verzichten. Vielleicht merkst du an dieser Stelle, dass das Leben farbenfroh ist und dass du mehr als nur eine Lösung finden wirst um an Sahne zu kommen. Ziegen schütteln könnte übrigens gefühlt leichter sein.
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Samstag, 15. Februar 2020

Glück ist nichts Äußeres, sondern ein leises Singen der Seele. (Zenta Maurina)


Wie schön! Hast du schon einmal das Singen deiner Seele vernommen? Wenn du es hörst, ist es ein wunderbares Geschenk! Es wird innerlich auf eine bestimmte Weise still. Es ertönt ein feiner Ton, der das Herz trifft. Ein Wohlbefinden breitet sich im ganzen Körper aus. Du bist ganz gegenwärtig. Ganz da! Ganz in Übereinstimmung mit Herz, Kopf und Bauch.
Du kannst es fördern indem du es einlädst. Stell dir vor, dass dein Körperraum und dein Herzbereich wie ein Tempel sind. Ein heiliger Ort. Schirme alle Geräusche von außen ab und bitte deinen Verstand, in eine aufmerksame und wohlwollende Beobachterposition zu gehen. Dein Verstand möge die Aufmerksamkeit auf die Stimme richten, die gleich kommt. Du kannst es mit einem leichten Lächeln unterstützen. Du kannst es auf keinen Fall erzwingen. Es stellt sich ein!
Du bereitest das Nest vor. Du gehst in die Achtsamkeit. Du bist dir selbst Freundin oder Freund. Du hörst auf, im Außen zu suchen und von dort etwas zu erwarten. Die Quelle der Liebe ist tief in dir drin. Sie braucht aber deine Unterstützung, damit du ihren Klang hören kannst.
Hörst du schon das leise Singen deiner Seele?
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Freitag, 14. Februar 2020

Ich finde, die beste Methode, Kindern Ratschläge zu geben, ist die, herauszufinden, was sie wollen, und ihnen dann zu raten, genau das zu tun. (Harry S. Truman)


Der beste Ratschlag für Kinder und erwachsene Menschen besteht darin herauszufinden, was jemand wirklich will. Doch wie finde ich heraus was ich wirklich will?
Ich las einmal einen Zeitungsartikel über ein Ehepaar, wobei der Ehemann viele Jahre als Mönch in einem Kloster lebte. Während all der vielen Jahre "verlernte" er mehr und mehr seine Wünsche und Bedürfnisse. Er hatte ja einen festen Tagesablauf mit dem Wechsel von Gebet und Arbeit. Eigene Wünsche wären da eher hinderlich gewesen. Jetzt lebte er aber in einer Beziehung wo es darauf ankommt, für seine eigenen Bedürfnisse einzustehen. Was tun, wenn er diese gar nicht mehr spüren kann?
Vielleicht steckt in uns allen aber ein Stück von diesem Mönch. Als Kinder hatten wir bestimmt ganz viele Wünsche, Bedürfnisse und ein Wollen. Was haben wir von unseren Eltern gehört? "Kinder, die was wollen..." Wir waren abhängig von unseren Eltern. "Sei lieb, dann bekommst du das und das!" Es war für uns als Kind eher wichtig herauszufinden, was unsere Eltern wollten. Unsere Eltern wollten, dass wir uns gut benehmen. Dass wir nicht streiten. Dass wir gesundes Gemüse essen. Dass wir grüßen. Dass wir nicht herumschreien. Dass wir zu einer bestimmten Zeit ins Bett gehen. Eine endlose Liste.
Wann war Zeit, dass wir herausfinden und ausprobieren konnten, was wir selber wollten? Aus uns heraus. Aus unserer eigenen tiefen Mitte. Unabhängig davon, ob die Eltern das gut fanden oder nicht. Kann ich nach so vielen Jahren der "Erziehung" noch etwas wollen oder ist mir der Wille ausgetrieben worden. Immerhin haben damals Eltern, Schule und Kirche gut zusammengearbeitet. Wie sähe mein Leben aus, wenn ich wirklich täte was ich wollte? Wäre es das Leben, was ich heute führe oder doch ein anderes? Und wenn es ein anderes wäre: Kann ich noch was Drehen? Kann ich mein tiefes eigenes Wollen wiederfinden? Sei weniger Sklave und bestimme dich immer mehr selbst!
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Donnerstag, 13. Februar 2020

Wenn die Seele etwas erleben möchte, wirft sie das Bild dieser Erfahrung vor sich und fährt dann in das eigene Bild hinein. (Meister Eckhart)


Welch wunderbarer Gedanke! Wenn meine Seele etwas erleben möchte entwickelt sie dafür ein Bild und fährt hinein. Schon Meister Eckhart wusste, dass wir uns unsere eigene Wirklichkeit konstruieren. Es passiert nicht einfach etwas!
Es geschieht das, was die Seele entworfen hat. Etwas in mir hat die Sehnsucht und den Wunsch, etwas zu erleben. Erleben hat etwas mit fühlen zu tun. Mit Erfahrung. Ich möchte zum Beispiel wissen wie es sich anfühlt und wie es ist, sich völlig fremd zu fühlen. Ich will es ausprobieren, weil ich neugierig bin und weil ein Teil in mir es unbedingt braucht für den Erfahrungsschatz. Vielleicht für den Unterschied. Heimat kann ich nur dann in der ganzen Fülle erleben wenn ich den Unterschied kenne. Also die Fremde. Wenn meine Seele ein tiefes Heimatgefühl in der Totalität erleben möchte braucht es vielleicht ein ebenso starkes Fremdgefühl.
Die Seele traut sich auch unangenehme Gefühle zu. Gerade diese sind ein wichtiges Lern- und Entwicklungsfeld. Die Seele möchte also eine Erfahrung machen und dann tut sich dafür ein Feld auf. Es entwickelt sich nach und nach eine Geschichte oder wie Meister Eckhart sagt: ein Bild. Sie schreibt eine Art Drehbuch mit vielen Varianten und die wahrscheinlichste Variante setzt sich dann um. Es gäbe also tausende von Möglichkeiten für mich als Seele, Fremdheitsgefühle in unterschiedlicher Intensität zu erleben. Ich möchte also Fremde erfahren und dann öffnet sich das Feld der Fremdheitsmöglichkeiten. Ich muss nur noch hineinfahren in die Möglichkeit, die sich auftut.
Geschieht das bewusst? Unbewusst? Je mehr ich meine Seele kenne und ihre Wünsche und Bedürfnisse, desto mehr kann ich steuern und gestalten. Wenn ich total unbewusst bin werde ich immer denken, dass ich lediglich ein Schicksal habe. Ich bekomme nicht mit, dass da gerade etwas läuft zwischen meiner Seele und dem, was sie sich gerade erschafft. Das erlebe ich dann als großes Leid. Ich leide, weil ein Teil in mir nicht zugestimmt hat. Oder es nicht weiß oder nur so ungefähr ahnt.
Es scheint mir wichtig zu sein, dass ich immer mehr in Kontakt komme mit meiner Seele. Welche Erfahrung möchte ich gerne machen? Wo spüre ich das im Bauch? Wo im Herzen? Welche Bilder tauchen auf? Welche Gedanken verstärken sich im Moment? Je mehr ich in die Achtsamkeit geht, desto mehr bekomme ich mit, was da in mir läuft. Je aufmerksamer ich werde, desto mehr kann ich mitgestalten und schöpfen. Ich kann viel bewusster und entschiedener in "ein bestimmtes Bild hineinfahren." Ich werde also merken: "Jetzt muss ich dieses oder jenes tun, weil es genau das ist, was ich erfahren möchte!" Ich werde ganz in Übereinstimmung sein mit mir selbst.
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Mittwoch, 12. Februar 2020

Man könnte sich den ganzen Tag ärgern. Aber man ist nicht dazu verpflichtet. (Peter Hohl)


Wie sehr könnte ich mich den ganzen Tag ärgern! Mein Brot am Morgen ist nicht mehr frisch. Ich bin vor dem Wecker aufgewacht. Es regnet, obwohl es  nicht angekündigt war. Die Straßen sind überfüllt. Da überholt jemand rücksichtslos. Das Büro ist nicht warm. Die Kollegin ist schlecht gelaunt. Ich habe einen Text nicht abgespeichert und jetzt ist er verloren. Noch nicht genug?
Wenn ich die Augen aufmache, dann finde ich genug Quellen für enormen Ärger. Und wenn ich mich schon mal ärgere, dann füge ich dem Ärger noch mehr hinzu. Höchstwahrscheinlich wird mir das Schicksal helfen, indem es für Nachschub sorgt nach dem Motto: "Ich liefere, was du bestellt hast!"
Mein Adrenalin- und Kortisolspiegel steigt ordentlich an und ich bin ordentlich unter Dröhnung. Ärger belebt!
Ich könnte mich ärgern. Aber ich muss es nicht. Ich bin nicht dazu verpflichtet! Nicht verpflichtet! Oder doch? Gehöre ich zu den Menschen, von denen man erwartet, dass sie verärgert durch die Gegend laufen. Gehöre ich zu denen, die man nur mit Samthandschuhen anfassen kann? Dünnhäutig? Zu gestresst? Nicht mehr autonom? Fremdbestimmt? Dauerbewohner im Haifischbecken?
Das kann sein. Aber ich bin nicht verpflichtet, mich in diesem destruktiven Bereich aufzuhalten. Ich muss nicht. Ich kann das Territorium wechseln. Kann ich es noch? Oder ist mein Leben schon automatisiert. Ich habe ein Abo für Ärger. Ein Abo kann ich kündigen. Ich bin nicht verpflichtet! Was also tun vor dem nächsten Ärger? Ich entscheide mich! Für Wohlwollen und Verständnis!
Ich muss nur aufpassen, dass ich kein Adrenalinjunkie bin. Ein Abhängiger vom Kortisol! Ich müsste mit der Vorstellung leben, dass es mal gerade in mir friedlich ist und dass dieser Zustand willkommen ist. Dann ist nichts los! Es gäbe nichts zu tun außer freundlich mit sich, seinen Fehlern und den Fehlern der anderen zu sein.
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Dienstag, 11. Februar 2020

Ab sofort bin ich nur noch ich. Alles andere ist mir auf die Dauer zu anstrengend. (Ernst Ferstl)


Es reicht aus, wenn ich ich bin. Damit habe ich genug zu tun. Ich weiß oft nicht einmal wer dieses ICH ist. Manchmal denke ich, es ist das Ich meines Vaters. Ich höre seine Stimme in mir. "Mach das so oder so! Aber bloß nicht anders!" Da gibt es die vielen Stimmen, die zu mir sprechen. Meine Eltern, meine Lehrer, mein Pfarrer. Eine lange Liste. Aber diese Stimmen tun so, als seien sie meine eigene. Wenn ich denke, dass sei meine eigene Stimme müsste ich dem ja folgen, nicht wahr?
Sehr raffiniert! Die vielen fremden Stimmen in mir tarnen sich! Ich denke, das sei ich, aber dabei bin ich es gar nicht. Was mache ich nun? Ich identifiziere die Stimmen in mir. Ich frage zuerst, wem sie gehört. Ist es eine fremde Stimme sage ich: "Raus aus meinem System!" Dann stelle ich mit Erschrecken fest, dass so nach und nach alle Stimmen verschwinden. Da bleibt nicht mehr viel übrig! Wo ist meine eigene Stimme? Die, die nur zu mir gehört?
Sie ist leise geworden im Laufe der Jahre. Sie denkt, dass sie unwichtig ist. Alle anderen Stimmen sind wichtiger. Besonders die elterlichen Stimmen. Aber ich halte die Stille in mir aus. Ich werde wütend und traurig. Und wenn ich es wirklich aushalte - meldet sich meine ureigene Stimme ganz leise in mir. Also: Ab sofort bin ich nur noch ich. Alles andere ist mir auf die Dauer zu anstrengend!
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Montag, 10. Februar 2020

Ich besuche mich...


Heute besuche ich mich.

Ich mache es mir schön.

Ich setze mich hin.

Ich mache es mir bequem.

Ich lege ein Buch auf den Tisch.

Ich stelle ein Glas Wasser daneben.

Dann sitze ich...

...mal schauen...

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Samstag, 8. Februar 2020

Du!


Ich liebe diese vielen und bunten "Du". Ein paar Kostproben?

Das handwerklich Du geht so:
Komm mal her und halte fest! Das musst du so machen! Du musst das anders halten, so rutscht es dir weg! Pack mal ordentlich an, so wird das nichts! Willste ne Flasche Bier? Du, wenn wir das geschafft haben, dann haben wir echt was geschafft! Passt! Dich hamsewohl zu heiß gebadet als Kind! Du hast wohl zwei linke Hände! Man, stell dich nicht so an! Siehste, hab ich doch gesagt! Hör mal zu! Du muss nur zuhören!

Das therapeutische Du geht so:
Du, wenn du das so sagst, wie du es gerade sagst, dann merk ich bei mir, wie du da was ins Schwingen bringst. Du hast so eine besondere Art, wie du dich da so ausdrückst. Das ist irgendwie, wie soll ich sagen, na ja so ein wenig einschmeichelnd. Aber nicht, dass du mich jetzt falsch verstehst. Ich meine das nicht so, wie du es vermutlich gerade glaubst. Denn wenn ich dich jetzt so anschaue, dann habe ich den Verdacht, dass sich da bei dir so eine bestimmte Phantasie regt, die ich wirklich vermeiden wollte. Du verstehst, was ich jetzt sagen will? Nein, du verstehst nicht? Ja stimmt, ich drücke mich manchmal so unentschieden aus. Da siehst du, welche Auswirkung so ein Satz auf mich hat, wenn du ihn aussprichst.

Das Eltern Du geht so:
Wie oft muss ich es dir noch sagen! Hast du nicht gehört? Du nervst! Jetzt halt doch mal den Mund und lass mich sprechen! Mach das nicht noch einmal, das sag ich dir! Wehe, du sagst dieses Wort noch einmal. Musst du immer... Kannst du nicht einmal... du du du....

Das Kinder Du geht so:
Du (damit einher geht eine Schwingung, die hoch anfängt, nach unten abfällt und sich wieder rasant nach oben zieht, verbunden mit einem gleichzeitigen Fragenklang, Erzählwunsch und um Aufmerksamkeit bittend.) Das "Du" muss man hören, es ist auf keinen Fall kurz, sondern lang gedehnt und variantenreich. 
Du, darf ich noch ein Eis? Du, Mama, du bist auch die Allerliebste! Du, Mama, darf ich auch noch ein Ü-Ei?

Das Göttlich Du geht so:

Du

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Freitag, 7. Februar 2020

Wenn Du Vogelgesang hören willst, dann kaufe keinen Käfig, sondern pflanze Bäume!

Ich habe gehört, dass Insekten und Vögel auf dem Rückzug sind. Sie haben kein gutes Umfeld mehr wo sie existieren können. Lauter Käfige! Alles voller Beton. Alles vergiftet. Immer weniger Orte auf Mutter Erde, wo sie das finden, was sie brauchen. Das macht mich traurig. Auf unserem Nachbargrundstück wird jetzt auch gebaut. Da, wo es viele Vogelnester gab, wo Eichhörnchen sich wohl fühlten und wo Fledermäuse ihren Wohnort hatten. Dort entsteht jetzt ein riesiger Käfig für Menschen. Noch steht gar nicht fest, ob da jemand hinwill. Ein Nest für Menschen auf Vorrat und Verdacht. Weil Bauspekulanten ein Geschäft wittern.
Wir werden in unserem Garten Bäume pflanzen und insektenfreundlichen Blumen Platz machen. Bei uns wird es blühen und grünen und wir erschaffen uns ein kleines Paradies. Eichhörnchen, Fledermaus, Vögel und Insekten dürfen gerne bei uns einziehen. Ich möchte Vogelgesang hören - so einfach!
Ich las diesen Spruch im Internet und er hat mich berührt. Und mich erinnert, dass wir Menschen wirklich etwas tun können. Wir können uns entscheiden: Kaufen wir Käfige oder pflanzen wir Bäume?
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Donnerstag, 6. Februar 2020

Meer ist nicht die Antwort. Aber du vergisst dort jede Frage.

Was machst du, wenn du viele Fragen im Kopf hast? Wenn du überflutet wirst von Sorgen und Problemen. Wenn es sich in deinem Inneren nur noch unangenehm anfühlt? Wenn du vor lauter Zeug einfach nur noch erschöpft bist und schlafen möchtest?
Arbeitest du ein Problem nach dem anderen ab bis keines mehr da ist? Versuchst du dich abzulenken? Resignierst du am Ende so richtig? In meinen Beratungen lebe ich ja von den Fragen und Problemen der Menschen, die zu mir kommen. Ohne Probleme wäre ich arbeitslos.
Mein größter "Mitbewerber" ist das Meer. Das Meer gibt dir nicht die richtige Antwort. Aber du vergisst dort jede Frage. Das finde ich unglaublich und auch unglaublich wahr. Ich habe es ausprobiert und es stimmt. Ich stehe am Strand und schaue in die Weite. Dann ist dort nur Weite und das Wasser spült alle Gedanken aus meinem Verstand. Dann ist nichts mehr da und es kehrt Ruhe ein. Gibt es eine Frage? Keine, die mehr so wichtig ist angesichts der Weite des Meeres.
Ich sollte meinen "Mitbewerber" für mich arbeiten lassen. Ein Kunde kommt mit einer Frage oder Sorge zu mir und ich sage ihm: "Ich sage nur einen Satz. Der wird Ihnen eine Stange Geld kosten. Ist aber total wirksam und einfach." Wenn der Kunde zustimmt werde ich ihm sagen: "Fahr ans Meer und schau was passiert wenn du schaust."
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Mittwoch, 5. Februar 2020

Mit Menschen, die einen Vogel haben, kann man an ungewöhnliche Orte fliegen.

Wenn ich mein eigenes Leben betrachte bin ich von vielen sehr verantwortungsbewussten Menschen umgeben. Ich selber bin sehr vernünftig und plane mein Leben ordentlich. Mein Kühlschrank ist voll, meine Wäsche gewaschen, mein Wohnzimmer aufgeräumt und mein Konto ist im Plus. Es gibt nichts zu meckern. Es ist aber halt auch alles irgendwie gewöhnlich. Sehr alltäglich.
Manchmal denke ich aber auch, dass das Leben so ein bisschen langweilig wird. Es taucht mal das eine oder andere Problem auf mit dem Haus, dem Auto oder einem elektrischen Gerät. Das bringt dann den Alltag durcheinander und es kommt wenigstens nicht so viel Langeweile auf.
Es sei denn, ich treffe einen Menschen mit einem Vogel. Ich war einmal auf einer Weiterbildung, da setzte sich ein Teilnehmer nicht auf den Stuhl, sondern darunter. Er saß wirklich unter dem Stuhl und tat so, als sei das völlig normal. Weder der Trainer noch die Teilnehmer sprachen ihn darauf an. Das Training war äußerst kurzweilig und wir hatten eine Menge Spaß. Der Mensch unter dem Stuhl hatte natürlich auch immer so leicht absurde Ideen und Fragen - eben Impulse vom Platz unter dem Stuhl. Da sieht die Welt völlig anders aus. Im Film: "Der Club der toten Dichter" durften die Schüler auf Stühle und Tische stehen und die Welt von oben betrachten. Eine andere Perspektive bringt dich auf andere Ideen und Wirklichkeiten.
Damit wir nicht vor Langeweile sterben haben wir Menschen das Neugier- oder Abenteuer- Gen. Oder die Fähigkeit, mal etwas völlig Unerwartetes zu machen. Menschen, die einen Vogel haben scheinen davon eine größere Portion zu besitzen. Wenn du an ungewöhnliche Orte fliegen möchtest solltest du Freundschaften pflegen, die dir das automatisch schenken. Menschen mit einem Vogel sind dafür bestens geeignet.
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Dienstag, 4. Februar 2020

Flausen im Kopf sind der perfekte Airbag für die Seele.

Irgendwo habe ich diesen Spruch gelesen und fand ihn herrlich. Ich liebe den höheren Blödsinn. Ich hatte einmal eine riesige Flause im Kopf. Als Student wohnte ich in einer WG und wir kamen im Advent auf die Idee unsere WG in eine Galerie zu verwandeln und eine Ausstellung zu eröffnen. Wir planten eine Bilderausstellung mit dem Motto: "Kinder malen den heiligen Nikolaus - Bilder einer Seele". Dann setzten wir uns als Studenten hin und malten selber lauter bunter Kinderbilder, die viel Raum ließen für psychologische und theologische Deutung. Wir erfanden einen Kindergarten und eine Grundschule und planten auch eine ordentliche Vernissage mit Schirmherr, Sekt und Häppchen.
Wir schrieben an die Zeitung und hängten an der Uni Plakate auf. Wir fanden sogar einen Professor, der eine Ansprache hielt. Die Vernissage war ein voller Erfolg und im Laufe des Wochenendes durften wir viele Gäste empfangen. Der Professor hätte sich bei der Eröffnung das eine oder andere Kind gewünscht. Das hatten wir leider nicht bedacht, aber niemand ahnte den Schwindel. Wir haben diese Flause nicht aufgeklärt. Alle haben uns die Geschichte abgenommen und niemand hat hinterfragt, ob das nur ein Streich war. Das liegt jetzt mehr als 30 Jahre zurück und ich lese diesen coolen Spruch: "Flausen im Kopf sind der perfekte Airbag für die Seele".

Einfach mal was machen was nicht logisch ist. Einfach mal Spaß haben und wieder so sein wie ein Kind, das Abenteuer liebt. Die Flausen sagen dir, dass unsere Welt manchmal ein absurdes Theater ist, aber den Anspruch auf volle Ernsthaftigkeit hat. Mit den Flausen kannst du gut deine Seele abpolstern. Diese liebt so etwas. Flausen sind leicht, verrückt und lebendig. Spürst du schon, wie deine Seele mir applaudiert und in die Hände klatscht? Erinnerst du dich an deine eigenen lustvollen Flausen von früher? Kommt dir jetzt in diesem Augenblick eine Flause, die du unbedingt ausprobieren möchtest? Mache es! Du erschaffst dir damit einen Airbag für die Ereignisse, die dir alles abverlangen, was du an Lebenskompetenz drauf hast.
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Montag, 3. Februar 2020

Für jede Lösung ein Problem!

In der Regel beschäftigt dich ja irgendetwas. Wenn du lange genug darüber nachdenkst kannst du aus einem Gedanken auch ein Problem machen. Und das Problem kann größer werden wenn du länger darüber nachdenkst. Irgendwann belastet es dich so, dass du gerne eine Lösung hättest.
Du findest eine Lösung nach langem Brüten, vielen Gefühlen, Drama und guten sozialen Kontakten. Dann gibt es den Augenblick der Erleichterung und das fühlt sich einfach gut an. Dieser Moment der Erleichterung. Dann könntest du auf die Idee kommen, dass genau darin der Sinn liegt. Ich erschaffe mir ein Problem, weil ich den Moment der Erleichterung so mag, wenn ich eine Lösung finde. Nach diesem Motto funktioniert ja auch das Leben. Ich habe ein Problem und suche eine Lösung.

Und umgekehrt? Dein Tag könnte ja aus ganz vielen Lösungen bestehen. Ständig löst du etwas und bemerkst gar nicht, dass du gerade etwas gelöst hast. Du machst das manchmal automatisch und oft einfach aufgrund deiner Kompetenz und Erfahrung. Du schmierst dir morgens dein Brot und hast damit eine Lösung für deinen Hunger gefunden. Du weißt aber gar nicht, dass du gerade sehr lösungsorientiert gehandelt hast. Wenn dir das Problem bewusster wäre könntest du die Lösung viel besser wahrnehmen und wertschätzen. Also wirst du dir morgen ein Brot schmieren und weißt, dass du die Lösung für ein Problem hast. Du hattest gerade Hunger und warst sehr kompetent, eine Lösung zu finden. Für jede Lösung hast du also ein dazugehöriges Problem. Allein deine Kompetenz und dein Vertrauen verhindern, dass du das Problem wahrnimmst, obwohl du es hättest. Wenn du dir morgen dein Brot schmierst und es einfach machst und nicht weißt, dass du gerade eine Lösung gefunden hast - stellt sich leider auch keine so wunderbare Erleichterung ein. Du kannst nur dein Brot genießen und mehr nicht. Wenn du aber dein Brot isst und du dir bewusst machst, dass du gerade eben ein heftiges Problem gelöst hast, bekommst du du den Moment der Erleichterung ohne das Problem gespürt zu haben. Leider lieben wir unsere Probleme nicht und wollen schnell weg davon. Wenn wir unsere Probleme lieben täten würden wir ständig lösen können und hätten den Tag voller "erleichternde" Gefühle. Oder?
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Samstag, 1. Februar 2020

Fantasie, komme zurück - die Realität war gemein zu mir...

Ich stehe zu spät auf und verpasse den Zug. Außerdem regnet es und ich verschlafe den ersten Termin. Ausgerechnet heute!
Der Salat im Supermarkt sah so gut aus. Ich öffne zu hause die Schale mit dem Feldsalat und entdecke, dass er kurz vor dem Ende ist. Ich hatte mich so darauf gefreut und keine echte Alternative.
Ich habe die Ankündigung eines tollen Kinofilmes gelesen. Nur gute Kritiken! Ich gehe hin - und der Film gefällt mir nicht. Ich bin enttäuscht.

Wie oft kommt es vor, dass die Realität uns nicht gefällt. Sie macht nicht das, was wir wollen. Wir haben den Eindruck, dass sie macht was sie selbst will. Und vor allem haben wir manchmal den Eindruck, dass sie sich gegen uns verschworen hat. Da kommen die schwarzen Freitage, die Verkettung von unglücklichen Umständen, die Tage, die du vergessen möchtest...
Der Realität scheint es egal zu sein, wie es mir geht. Das sollte es ihr aber nicht! Ich möchte mich ja schließlich wohl fühlen. Kennst du auch diesen Zustand der Enttäuschung, der Lähmung und der Resignation. Wenn ich das Gefühl vermeiden kann, dann mach ich das. Und wie?
Ich gehe in die Fantasie! Ich male mir meine graue Enttäuschungswelt farbenfroh und bunt.  Manchmal funktioniert es. Aber, wenn der Frust tief sitzt, dann kann ich nur die Fantasie herbeibitten und hoffen, dass sie kommt.
Hin und wieder gelingt mir aber eine andere Einstellung. Ich nehme die Realität wie sie kommt. Ich lehne sie nicht ab. Ich bejuble sie auch nicht. In mir macht sich eine Empfindung von Gleichmut breit. Ich schwimme mit der Welle, mit dem Sturm und mit dem regungslosen Wasser. Die Realität haut mich nicht um und ich gebe ihr keine Macht. Ich bleibe in meiner eigenen! Wenn es mir gelingt, fühlt es sich gut an.
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