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Donnerstag, 31. Dezember 2020

Der Silvestergedanke

 

Folgenden passenden irischen Segen fand ich zum Abschluss des alten Jahres:

Ich wünsche dir,
dass das alte Jahr in Ruhe zu Ende geht.
Dass du alles, was nicht nach deinen Wünschen war,
ins tiefe Meer des Vergessens wirfst.
Dass du nur behältst, was dir Gutes gelang
und was dir geschenkt wurde.
So wirst du getrost dem neuen Jahr entgegensehn.
Es soll dir bescheren ein Päckchen Glück
und etwas Trübes.
Das eine, damit du dich drüber freust,
das andre, damit du`s vom Guten unterscheidest.


Drei Schritte am Silvestertag

1. Loslassen
Was möchtest du loslassen? Welche Gedanken haben im neuen Jahr keinen Platz mehr? Von welchen Ereignissen und Begegnungen möchtest du dich verabschieden? Mancher Ärger mag dir vorkommen wie ein alter Teebeutel, den du immer wieder ins Wasser hältst. Alle Kraft ist ausgesaugt, aber du tauchst immer noch! Schreibe auf, was du loslassen möchtest und verbrenne es um Mitternacht! Vielleicht eine stille Alternative zu Böller und Rakten.

2. Behalten
Welchen Ereignissen möchtest du einen festen Platz im Herzen geben. Gibt es neue Einsichten und wertvolle Erkenntnisse? Welche glücklichen Momente erzeugen das Glück noch einmal und auf eine andere Weise? Was war deine Quelle, aus der du schöpfen durftest? Welche Menschen wurden dir zum Segen? Gab es da auch überraschende Augenblicke? Behalte ohne zu konservieren! Nimm das mit ins neue Jahr, was dich nährt und stärkt.

3. Sich öffnen
Vor dir liegen die vielen Möglichkeiten. Magst du dich öffnen? Bist du neugierig? Hast du Lust auf das Neue? Wie stark ist dein Vertrauen? Wie sehnsuchtsvoll dein Herz? Wie stark sind deine Ängste, Sorgen und Befürchtungen? Dürfen sie auch sein oder lieber doch nicht? Kannst du dich hineinfallen lassen in den Augenblick, der gerade vor dir liegt und jetzt zur Gegenwart wird? Wie schön für dich!

Ich wünsche dir einen Moment der Ruhe und der Begegnung mit dir selbst in Zufriedenheit mit einem ganz großen Ja! 
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Mittwoch, 30. Dezember 2020

Sei einfach du selbst!


Sei einfach du selbst! Die Einladung klingt verlockend. Alle anderen gibt es schon. Da schwimmt ein Fisch gegen den Strom um deutlich zu machen, dass er sich unterscheidet. Dieser Fisch ist rot und die anderen Fische sind alle blau. Die anderen sind gleichförmig und schwimmen alle in eine Richtung. Sei einfach du selbst! In rot und die eigene unabhängige Richtung einnehmen.
Wie gesagt, die Einladung klingt verlockend. Doch wer ist dieses "du selbst"? Macht es meine Kleidung aus, mein Verhalten, mein Besitz, meine Art und Weise, da zu sein? Meine eigenen Meinungen, die auch mal gegen den Strom gehen dürfen? Bin das ich selbst?
Ich schaue in mich hinein und stelle fest, dass es unglaublich viele Glaubenssätze meiner Eltern in mir gibt. "Das kannst du nicht!" - "Du musst perfekt sein!" - "Du bist ein Pechvogel" - "Das geht so nicht!" Und immer wieder habe ich versucht, da etwas zu korrigieren. Meine Eltern waren ja viel klüger als ich. Ich wollte ja auch, dass sie mich lieb haben. Und ich hatte geglaubt, wenn ich alles so mache, wie meine Eltern es sich vorstellen, dann werde ich sehr geliebt. Erst als Erwachsener habe ich gemerkt, vie viele Anteile meiner Eltern in mir sind und wie wenig ich weiß, wer ich denn selber bin. Die Rechung heißt: "Ich selbst" - "Anteil der frühkindlichen Autoritäten" = ?
Sei einfach du selbst! Jeder Mensch auf dieser Welt steht in der Verantwortung der "Selbstwerdung". Auch die anderen sind nicht einfach einheitsblaue Fische. Sie alle sind sie selbst! Es stimmt, dass wir von unserem Elternhaus, der Schule und der Kirche geprägt sind. Geschenk und Hypothek zugleich. Dennoch bleibt die Verantwortung und Aufgabe bei dir, daraus etwas zu machen. Du kannst alte Glaubensmuster hinterfragen, verändern und sogar auflösen. Du bist wie ein Rohdiamant, der immer wieder an sich arbeitet, bis er sich von allen Seiten her in Vollkommenheit zeigt. Und diese Vollkommenheit gab es schon von Anfang an. Du musst nur wiederherstellen, wie du vom Ursprung her gedacht warst. Werde also die und der, die und der du bist und immer schon warst!
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Dienstag, 29. Dezember 2020

Verdichtete Zeiten!



Wie erlebst du die Zeit im Advent? Ich verbinde diese Wochen mit einem ganz anderen Lebensgefühl als zum Beispiel einen Sommerurlaub oder einer Arbeitswoche.
Im Urlaub habe ich den Eindruck, dass die Stunden des Tages einfach dahinplätschern. Es gibt keine Pläne. Es muss nichts passieren. Du sitzt und schaust. Du sitzt und liest. Oder du gehst wandern aber du musst es auch nicht. Du genießt die Freiräume und es gibt wenig müssen und viel dürfen.
Die Arbeitswochenzeit gibt dagegen eine Art festes Zeitgerüst vor, dem du genügen möchtest. Du erledigst Aufgaben, hältst Termine ein und strukturierst deinen Alltag. Du denkst dabei wochenweise von Montag bis Freitag und gehst dann mehr oder weniger in eine „Wochenenderholungsidentität“. Kennzeichen dieser Lebensphase: Kontinuität, Alltag, Gewohnheit, Anstrengung, bisweilen auch Stress.
Und die Zeit des Adventes? Wie fühlt sich die an im Unterschied zu einer Arbeitswoche oder eines Urlaubes? Immerhin dauert sie vierundzwanzig Tage, diese Zeit im letzten Monat des Jahres. Dazu kommen noch die Weihnachtstage und die „Verlängerung“ bis zum Neujahrstag.
Dem Charakter dieser speziellen Zeit versuche ich mal ein wenig auf die Spur zu kommen und beginne mit dem Anfang eines „gefühlten Zeitbogens“.
Im Januar schaue ich in den Kalender und denke: „Ach, wie schön! Du hast ein ganzes Jahr vor dir! Du kannst so viel damit anfangen. Freiheit! Pläne! Anpacken!“
Dann fängst du an mit der Umsetzung und freust dich nach getaner Arbeit im Sommer auf die Zeit des Ausruhens: „Ich habe es mir verdient. Ich darf eine Pause machen.“ Du bist aber noch nicht an dein Ziel angekommen. Es liegt ja noch ein halbes Jahr vor dir. Du kannst verschnaufen auf deiner Bank und Kräfte sammeln für den nächsten Abschnitt.
Dann erntest du im Herbst und dir wird bewusst, dass alles Leben sich bewegt im Kreislauf von Werden und Vergehen. Im November machst du den Sack zu. Du ziehst deine ersten Bilanzen und kannst noch ein wenig das Jahr korrigieren. Dann gehst du bildlich in die „Grabesruhe“.
Doch was geschieht im Dezember? Und was geschieht im Advent auch jenseits der christlichen und messianischen Erwartungshaltung?
Für mich bekommt der Monat noch einmal eine besondere Qualität. Er ist so „bedeutungsschwanger!“ Damit meine ich, dass ich mich im Laufe des Jahres einfach den Ereignissen hingebe. Ich tue, was dran ist. Im Dezember gibt es auf einmal nichts so Notwendiges und Unaufschiebbares mehr zu tun. Aber, es gibt viel zum Nachdenken!
Da tauchen dann Fragen auf wie: Was macht das eigentlich für einen Sinn, was ich da so treibe. Will ich das wirklich so? Soll es so bleiben oder möchte ich es im nächsten Jahr verändern.
Da bekommst du Hinweise aus deinem Lebensumfeld, doch einmal „besinnlich“ zu sein und „still“ zu werden. Du sollst über die Sinnhaftigkeit deiner Wege nachdenken und deine familiären Beziehungen neu sortieren damit an Weihnachten auch alles gut geht. Du hast vielleicht den Anspruch, in deiner Arbeit das Eine oder Andere zu korrigieren damit die Bilanz am Ende positiv ausfällt. Du wirst verstärkt eingeladen zu Feiern und Begegnungen mit oder ohne besinnliche Texte. Die Selbstansprüche werden vielleicht in dir wach, gegen den Strom des Einkaufswahns zu schwimmen und sich extra Auszeiten zu nehmen. Nur du und der Kamin! Der Trubel um dich herum möge verschwinden und der Trubel innen gleich mit.
Vielleicht gibt es keine Zeit im Jahr, die so „verdichtet“ ist wie der Advent. Während sonst schon die Zeit knapp wird für die Erfüllung all deiner Wünsche, potenziert sich diese Frage geradezu im Advent und wird zu einer lebensentscheidenden Frage: Bist du richtig, so wie du bist? Müsstest du nicht eigentlich alles anders machen?
Auch der Apostel Paulus kann noch eine Schüppe drauflegen wenn er im Epheserbrief sagt: „Kauft die Zeit aus!“ in dem Sinne, dass du ja ein sinnvolles Leben führen mögest. Die adventlichen Lesungen verstärken das Thema, indem es dort häufig um die Vergänglichkeit der Zeit und den drohenden Untergang der Welt geht. Die ersten Worte von Jesus im Markusevangelium handeln auch von der Bedeutungstiefe und Kostbarkeit der Zeit: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen.“
Auf einmal entsteht da so ein Druck! Und nicht nur einer! Druck vom Arbeitsplatz, der Familie und von den christlichen Adventvorstellungen her. Jetzt komme endlich aus dem Quark! Dir bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten. Die Zeit verdichtet sich! Du musst nicht nur die Fülle deiner Termine unterbringen, es muss auch noch supersinnvolle sein!
Vielleicht treten besonders im Dezember die vielen Sehnsuchtserwartungen zu Tage. Das Thema ist vom Advent her ja vorgegeben: Schließlich erwarten wir den Messias! Wir müssen uns doch dazu verhalten! Annehmen oder ablehnen! Dabei gerät man schnell in einen angestrengten Vorbereitungsautomatismus.
Ich glaube, wir überziehen da einfach! Wir machen zu viel! Wir erwarten zu viel! Wir ersehnen zu viel! Wir wünschen zu viel!
Wenn du viele „Erwartungen“ hast von dem, was da geschehen soll, dann macht das deinen Mangel deutlich. Erst, wenn „dies“ und „das“ geschieht, bin ich zufrieden. Erst  wenn ich meine Familienverhältnisse vor Weihnachten geklärt habe, kann das Fest kommen. Erst, wenn meine Bilanz positiv genug ausfällt kann ich das Jahr gut abschließen. Erst, wenn ich eine „besinnliche“ Feier miterleben durfte bin ich auf das Fest eingestimmt. Erst wenn...
Erst wenn du damit aufhörst mit diesen Gedanken, wirst du offen für das, was auch noch geschehen könnte abseits deiner vorgedachten Erwartungen von Besinnlichkeit, Bilanzen und Familienansprüchen.
Wenn du genau hinschaust stellst du fest: Der Messias ist ja schon lange da! Das Reich Gottes auch! Auch deine Familie ist schon da und deine Arbeit ist auch da und wahrscheinlich auch noch im Januar. Es ist alles schon da! Und es ist da auch unabhängig von dir.
Lehn dich mal für einen Moment zurück und lass das „Nichts“ geschehen. Angesichts der Ewigkeit, die auf dich wartet und in der du schon lebst frage dich: Was ist jetzt wichtig! Wenn sich dann ein innerer Friede bemerkbar macht, eine kleine Stille und ein Moment des Einverständnisses könnte so etwas entstehen wie eine angenehme „verdichtete Zeit“.

Montag, 28. Dezember 2020

Orientierung am Ende des Jahres


Das wünschen sich viele Menschen am Ende einer anstrengenden Lebensphase. Zeit und Ruhe. In sich gehen, mal ein gutes Buch lesen, gemütlich beim Kerzenlicht sitzen, ein gutes Gespräch mit einem lieben Freund, ein besinnliches Konzert besuchen und die Seele baumeln lassen.
Das ist jedoch die Realität des Alltags: Nachholen, was liegen geblieben ist; den Großeinkauf machen; Verwandte besuchen; den Garten bearbeiten und vieles mehr. Eigentlich wie immer: ein voller Terminkalender.

Ein ägyptisches Wort sagt: Wer sich abhetzt, wird nie Vollkommenheit erlangen. Dazu gehören Ruhe und Stille.

Die meisten Menschen werden es nicht verhindern können, den einen oder anderen auch schönen Termin zusätzlich zu haben. Aber du kannst alle Dinge etwas gelassener angehen und entgegennehmen. Du lässt dich in deiner Arbeit nicht antreiben vom inneren Unruhestifter. Du nimmst dir vor, vollkommener zu werden in einer ganz speziellen Weise. Vollkommener zu sein in deiner Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die du nicht ändern kannst. Vollkommener zu werden, barmherzig mit deiner Unfähigkeit umzugehen, deine Termine gut zu koordinieren. Vollkommener zu werden, all deine Unzulänglichkeiten zu akzeptieren und dabei der glücklichste Mensch der Welt zu sein. Ich wünsche dir einen gesegneten Tag.

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Sonntag, 27. Dezember 2020

Das Januarbuch - Ein Geschenk fürs neue Jahr

Impulse für den Alltag - Über den Umgang mit der Zeit!

Bewahre die Ruhe! Mache Atempausen! Koste die Zeit aus! Wie setze ich die guten Vorsätze des neuen Jahres in die Tat um. Veränderungen beginnen im Kopf und im Herzen.
Das Januarbuch schenkt Impulse und Anregungen für eine positive und gelassene Lebenseinstellung. Die beschriebenen Weisheiten behalten ihre Gültigkeit auch über den Januar hinaus unter anderem mit den Erkenntnissen aus dem "Dinner for one" und der Weitergabe des "Geheimnis des Lebens".



Was stellst du mit deiner eingesparten Zeit an, wenn du die lahmen Autos vor dir überholst und eine viertel Stunde früher an deinem Ziel ankommst? Wie kannst du Wartezeiten am Flughafen und beim Arzt sinnvoll für dich nutzen? Welche Erkenntnisse gewinnst du an der Kasse eines Supermarktes? Wie ticken spanische Uhren? Woran erkennt man Zeiträuber und wie begegnet man ihnen? Was verbirgt sich hinter dem Wort „mangelig“?
Der Autor geht in seinen Kalendereinträgen im Monat Januar häufig von eigenen Lebenserfahrungen aus. Die kleinen und häufig banalen Dinge und Erlebnisse des Alltags schärfen und erhellen das Bewusstsein. Manchmal erfindet er neue Wörter oder geht irreführenden Sprachregelungen inhaltlich auf den Grund.
Wer ein spirituelles Leben sucht braucht dafür nicht ins Kloster gehen. Das ganz normale und einfache Leben reicht völlig aus zur persönlichen Weiterentwicklung. So bietet der Sketch „Dinner for one“ Stoff für den Umgang mit Stolperfallen im Leben und überholten Gewohnheiten. Mensch-ärgere-dich-nicht erweist sich als ein echtes Lebensspiel und der Leser erfährt, wie man sich dem Glück hingeben kann. Die 31 Januarsteinchen des Buches ergeben ein buntes Zeitmosaik.


Alle weiteren Infos findest du unter folgendem Link: Das Januarbuch

Freitag, 25. Dezember 2020

Der Weg nach Bethlehem


Na? Bist du schon angekommen? Was meine ich mit ankommen, könntest du jetzt fragen. Du hast ein Dach über dem Kopf und im weitesten Sinne eine Familie. Also bist du irgendwo im Leben angekommen. Dabei ist die Frage gar nicht abwegig. Wenn du in deinem Leben schon einmal umgezogen bist weißt du, wovon ich spreche. Du ziehst an einen dir fremden Ort und sensible Menschen fragen dich, ob du schon angekommen bist. Der Körper mag zwar vor Ort sein, aber das Herz und die Seele sind noch am alten Standort oder unterwegs. Du musstest einmal im Berufsleben ankommen, im Rentnerdasein, im Urlaub, in deiner „Seele“.
Über das Ankommen möchte ich heute ein wenig mit dir nachdenken. Immerhin feiern wir an Weihnachten die „Ankunft“ des Kindes in der Krippe. Mir kommt in den Sinn, dass es da einen Dreischritt gib, der im Leben immer wieder auftaucht und sich im Advent auch abzeichnet. Die drei Schritte heißen für mich aufbrechen, unterwegs sein und ankommen. Viele Menschen die ich kenne, haben mindestens mit einem der Schritte so ihre Schwierigkeiten. Manchen fällt der Aufbruch schwer aufgrund vieler Hindernisse, andere finden das heimatlose Umherirren schwierig oder finden keinen passenden neuen Platz.
Wenn du aufbrichst, musst du dich von Vertrautem verabschieden und loslassen. Da gibt es die Sätze wie: „Eigentlich müsste ich … aber“ und dann tauchen die vielen Hindernisse im Kopf auf, warum das nicht geht. Außerdem macht es nur Sinn aufzubrechen, wenn du ein lohnenswertes Ziel vor Augen hast. Du suchst z.B. eine andere Wohnung, weil die Jetzige nicht mehr passt oder weil du eine andere Arbeitsstelle bekommen hast. Manche halten auch lieber am Alten fest obwohl sie richtig leiden, weil das Neue zu ungewiss und beängstigend ist. Lieber bekanntes und vertrautes Leiden als das unkalkulierbare Neue. Dennoch ist es wichtig für die persönliche Weiterentwicklung, immer wieder aufzubrechen und nicht mehr Stimmiges und Abgestorbenes hinter sich zu lassen. Wie mag der Entstehungsgedanke und der Prozess in Gott gewesen sein bevor es zum Kind in der Krippe kam? Welche Notwendigkeiten sah er und was war sein Ziel? War es leicht für ihn, aufzubrechen in die menschliche Gestalt?
Der zweite Schritt nach dem Aufbruch liegt im „unterwegs sein“. Für eine Zeit bewohnst du keinen festen inneren oder äußeren Ort. Du musst ausprobieren, Erfahrungen sammeln, finden und wieder loslassen. Du schaust dir verschiedene Wohnungen an, du denkst dir neue Berufsleben aus, du erfindest neue Rituale und Sprechweisen in deiner Ehe oder deiner Familie oder du hangelst dich von Gottesbild zu Gottesbild. Dabei spürst du vielleicht auch die tausend Möglichkeiten und Freiheiten, die dir damit gegeben sind. Diese zeigen sich erst im Gehen des Weges. „Ah, da gibt es eine Abzweigung und da noch eine. Welche nehme ich denn jetzt?“ Wenn du nie aufbrichst, bleibt dir das Auswählen der vielen Wege erspart.
Irgendwann möchtest du oder wirst du irgendwo ankommen. Es sei denn, du gehörst zu denen, die dauerhaft irgendwie unterwegs sind. Kennst du solche Menschen, die bei dir den Eindruck vermitteln, dass sie wie getrieben sind? Wie die Hummeln verweilen sie nur kurz und sind mental schon wieder weg, bevor der Körper sich auch auf den Weg macht. Vom Leben Jesu kennen wir eigentlich nur die Zeit der „Unterwegs-sein-Phase“. Die Geschichten aus den Evangelien wirken auf mich aber immer wie eine Kombination aus „Ankommen im Unterwegs sein.“ Aufbrechen, unterwegs sein und ankommen wirken bei ihm verbunden.
Ich hoffe, du bist wenigstens einmal im Leben wirklich angekommen. Wirklich mit Körper, Geist und Seele, fast ohne jede Einschränkung mit einem völlig klaren „Ja“. Vielleicht fällt es dir aber auch schwer, dich hinzusetzen, wo immer du bist, die Hände in den Schoß zu legen und dir zu sagen: „Jetzt bin ich angekommen, jetzt bin ich da!“ Ich glaube, dass es im Leben immer nur so ungefähre Momente dieser Art gibt. Wirklich angekommen sind wir, wenn wir es ohne jede Einschränkung fühlen und sagen können. Wahrscheinlich in aller Endgültigkeit nicht in diesem irdischen Leben.
Weihnachten lädt dazu ein, die Sehnsucht nach dem Ankommen stärker in den Blick zu nehmen. Am Unsere Aufmerksamkeit geht auf den Stall zu Bethlehem, den Ankunftsort Jesu. Die Menschen an der Krippe kommen dort an, kommen an diesem Ort zu Ruhe, machen in der Gottesbegegnung die Erfahrung der „Erleuchtung durch den Stern von Bethlehem“ und den Frieden in der Seele mit dem göttlichen Kind.
Bis dahin machst du die merkwürdige Erfahrung einer oft angespannten Gleichzeitigkeit. Gleichzeitig brichst du mit bestimmten Lebensthemen auf, bist mit anderen Themen schon länger unterwegs und bist schon irgendwie angekommen. Du bist vielleicht angekommen an deinem Arbeitsplatz, brichst aber auf in eine neue Beziehung und bist unterwegs auf der Suche nach dem tieferen Sinn in deinem Leben. Manchmal scheint es dich zu zerreißen und manchmal erlebst du das Geschenk, dass alles synchron schwingt und innere Ruhe einkehrt. Gelassenheit breitet sich in deinem Inneren aus. So lädt Weihnachten dich ein, dass du einfach vor der Krippe sitzt und einmal nichts machst und stattdessen geschehen lässt was immer auch mit dir geschieht.

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Donnerstag, 24. Dezember 2020

Frohe Weihnachten!


In den Tagen des Adventes bin ich mit dir den Weg der Kinder gegangen. Es war ein Weg jenseits von Sternen, Engeln und anderen typischen Symbolen dieser Zeit. Mir ging es um das Kind. Das Kind, das du siehst, das Kind in dir, das göttlich Kind damals in Bethlehem und in deiner Krippe heute.
Im Geiste stehe ich nun mit dir vor der Krippe und nehme wahr, was geschieht. Wenn wir aufbrechen und losgehen sind wir selber aktiv. Wir bewegen unseren Körper und kommen Schritt für Schritt voran. Auch in unseren Gedanken und in unserem Herzen waren wir unterwegs. Da gab es die Einladungen, mal sein Denken und Handeln zu überprüfen. Der Adventsweg hat etwas vom Pilgern. Immer wieder sammelst du Erfahrungen, die sich setzen. Du ruhst aus und brichst wieder auf. Du bist zwischendurch erschöpft und müde und bekommst von irgendwo her wieder Energie zum Weiterlaufen.
Jetzt schaust du auf die Krippe und bist am Ziel angekommen. Jetzt gibt es nichts mehr zu tun. Du kannst von dir aus nichts mehr selber machen. Deine Hände sind noch unruhig und wollen arbeiten. Dein Herz ist aufgeregt und wartet auf das Spannende, das jetzt geschieht.
Und dann? Es geschieht nichts! Du stehst und schaust und lässt geschehen. Das Kind schaut dich an und erwärmt dein Herz. Es sagt zu dir ohne Worte: "Komm zur Ruhe. Sei einfach da!" So wünsche ich dir, dass das Geheimnis des Lebens sich dir mitteilt und zeigt und dass du gestärkt deinen Weg weitergehen kannst.

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Mittwoch, 23. Dezember 2020

Der Weg in die Nacht


Wir sprechen von Weihnachten in dem Sinne, dass diese "Nacht" geweiht und gesegnet ist. Das Fest beginnt mit dem Heiligen Abend als dem Beginn der Nacht. Vielleicht hast du schon einmal ganz allein und für dich einen Nachtspaziergang gemacht jenseits der Lichter der Stadt. Auf einmal bist du mit dir selbst da und deine Ängste kriechen hoch. Möglicherweise fühlt es sich auch ganz friedlich an. Die außergewöhnliche Zeit, der Ort und das fehlende Licht kann die Sehnsucht in dir wecken nach Verwandlung von Dunkel in Licht, und von Angst in den Frieden. Immerhin geht Gott auch in die Nacht und "weiht" sie. Ich wünsche dir den Frieden und das Licht für deine inneren Dunkelheiten und Nächte.

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Dienstag, 22. Dezember 2020

24. Impuls im Advent: Eure Kinder sind nicht eure Kinder - Khalil Gibran


Der Advent erreicht heute sein Ziel. Wir kommen an! Wir dürfen schauen! Was siehst du? Was hörst du? Was fühlst du? Du darfst heute in Bethlehem sein. Du bist willkommen!
Du bist ein Besucher. Irgendwann musst du gehen. Die Begegnung wird dich verändern. Du darfst das Kind nicht mitnehmen. Das Bild ja, die Erinnerung auch und die Erfahrung. Aber das Kind lässt du zurück. Es geht seinen eigenen Weg. Du darfst wiederkommen. Aber du musst dann auch wieder gehen. In diesem Spannungsfeld bewegt sich der Text von Khalil Gibran.

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.
Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883-1931

Das sagen Eltern so leichthin: "Mein Kind" oder "unsere Kinder". Die Gefahr besteht, dass Eltern ihre Kinder wie einen Besitz ansehen. Die Kinder kommen durch die Eltern, aber nicht von ihnen. Menschlich denken wir ja häufig, dass wir unseren Eltern das Leben verdanken. Wir kommen aus dem Bauch der Mutter. Wir denken, dass unser Ursprung in der Verbindung von Eizelle und Sperma liegt. Diese Deutung ist sehr biologistisch.
Khalil Gibran macht deutlich: Wir geben dem Körper der Kinder ein Haus, aber nicht ihren Seelen. Die kommen woanders her. Der Ursprung unseres Wesenskernes liegt tiefer. Er wurzelt in Gott.
Somit kommen wir auch zum göttlichen Kind in der Krippe. Scheinbar liegen die Wurzeln von Jesus bei Maria und Josef. Die geheimnisvolle Geschichte drumherum weist aber auf Tieferes hin. Der Stern, die Engel, die Weisen, die Tiere ... sie alle sagen dir: Dieses Kind kommt von Gott! Die Biologie sagt, das kann nicht sein. Der Blick des Glaubens sagt, das ist doch ganz einfach. Alles Leben hat seine Wurzeln in Gott. Lass dich nicht beschränken durch deine familiäre oder soziale Herkunft. Du bist ein Geschenk Gottes. In der Begegnung mit dem Kind im Stall soll diese Erkenntnis in dir aufleuchten wie ein Blitz. Wenn du von Gott kommst kannst du nicht verloren gehen.
Der Prophet sagt: Deine Kinder gehören dir nicht. Du als Kind von Eltern gehörst auch nicht deinen Eltern. Du gehörst niemandem. Du bist frei. Du kannst immer neu entscheiden wohin und wozu du gehören möchtest. Du bist der Besitz von niemandem. Es mag sein, dass deine alten Eltern dich bis heute festhalten oder binden durch Ansprüche oder Vorwürfe. Der Besuch an der Krippe flüstert dir die andere Botschaft ein. Das Kind sagt dir: "Du gehörst zu Gott wie ich auch."
Im Bild des Gedichtes von Pfeil und Bogen bist du als Kind der Pfeil, deine Eltern sind der Bogen und der Schütze ist Gott. Eltern halten sich oft für den Schützen, der die Kinder auf den Weg bringt. Die Eltern stellen nur ihre Kraft und Ressourcen zur Verfügung wie ein Bogen sich dem Pfeil zur Verfügung stellt. Der Pfeil fühlt sich geführt vom Schützen und schätzt die Qualität des Bogens. Weinachten rückt die Perspektiven wieder zurecht und ordnet die elterlichen Verwechslungen neu. Die Eltern sind nicht der Schütze lediglich der Bogen. Das ist ganz gut so und reicht auch aus. Im Kind in der Krippe zeigt sich der zukünftige Schütze, der dich ins Leben hinausschießt, damit du es lebst. In diesem Sinne wünsche ich dir einen gesegneten Neuanfang.
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Montag, 21. Dezember 2020

23. Impuls im Advent: Wenn du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt. (Martin Luther)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethlehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Wie herrlich! Es geschieht nicht so häufig, dass wir Gott auf frischer Tat ertappen. Er verhält sich wie ein geschickter Dieb. Er bleibt im Hintergrund, er verbirgt sich, er entzieht sich. Schon der Prophet Elija macht die Erfahrung, dass Gott sich nicht im Sturm zeigt, sondern im leisen Säuseln des Windes. Wir können ganz leicht an Gott vorbeileben. Er ist da und wir merken es nicht. Unsere Antennen sind nicht auf ihn ausgerichtet.
Du fährst mit der Bahn durch die Schweiz und staunst über die großartigen Berge. Da kann es geschehen, dass du Gott quasi ertappst in seiner Schöpferqualität, es kann aber auch sein, dass die Berge für dich einfach nur Berge sind. Beim Betrachten eines Kinderphotos mag es ähnlich sein. Du siehst halt ein Kind unter vielen Kindern. Nun, zu Martin Luthers Zeiten gab es noch keine Photos.
Worin liegt der Unterschied, wenn du ein Kind siehst oder wenn du es vielleicht sogar ansiehst? Ich glaube, dass es da zu einer Veränderung im Zeitempfinden kommt. Die Zeit ist aufgehoben. Sie existiert nicht mehr.
Im Anblicken des Kindes verschwinden die Gedanken im Kopf. Für einen Moment hören die Sorgen auf zu existieren. Es gibt nichts zu tun, keine Aufgabe, die nach Erledigung schreit. Du bist raus aus der Vergangenheit und raus aus der Zukunft. Du kannst diesen Moment als "Ahnung des Ewigen" ins Wort bringen. Aber eigentlich ist es "wortlos". Es "IST". "Wenn du eine Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt." "Ach, du bist es Gott!" könntest du dann sagen. "Schön, dich mal wiederzusehen!" "Ich hab dich ganz aus den Augen verloren!" "Gut, dass du dich mal wieder gemeldet hast!"
Ich glaube, dass wir mit dem Blick auf die Krippe in so eine ähnliche Richtung etwas sagen können. Gott drängt sich nicht auf. Er ist einfach da und wenn du mit ihm da sein möchtest, dann kann etwas geschehen. Mit dem "Kind" geht das leichter als mit dem "Ganz Großen und Ganz Anderen". Für mich bekommt die göttliche Krippe eine "Flüsterqualität".
Neben dem "Pferdeflüsterer" entwickelt Gott an Weihnachten seine ganz speziellen "Flüsterqualitäten". Mein Impuls für heute: Hörst du die leise Stimme in dir? Wenn ja, was sagt sie? Wenn nein, wo könntest du noch mal suchen? In welchem "Stilleraum" hast du noch nicht nachgeschaut?
Wenn das Kind schläft und du näherst dich, sagt die Mutter ja auch oft: "Pst, leise, das Kind schläft!" Wenn du zu laut bist, kannst du leicht Gott verscheuchen. Das wäre schade, so kurz vor Weihnachten, so nah am Stall!
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Sonntag, 20. Dezember 2020

22. Impuls im Advent: Wer sein Kind liebt, braucht es nicht zu erziehen. (indisches Sprichwort)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethlehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Wenn ich an meine eigene Kindheit zurückdenke, dann komme ich mir sehr erzogen vor. "Was sagt man, wenn man etwas geschenkt bekommt?" "Mach einen Diener!" "Sag guten Tag!" "Komm ja pünktlich!" "Setz dich zur Strafe auf die Bank!" "Setz dich auf den Topf!" "Geh dich waschen und Zähneputzen!" Ich könnte die Sätze endlos fortsetzen. Ich bin gut erzogen. Wenn ich es nicht war, war ich ungezogen. Ungezogen sein ist auf jeden Fall ganz schlecht! Geht überhaupt nicht! Ungezogen sein verdirbt komplett das familiäre Klima. Du wirst gemieden, ausgeschlossen und isoliert bis du deine erzogenen Seite wieder zeigst und um Entschuldigung bittest.
Da gibt es doch die Geschichte von dem Bauern, der ständig an seinen Pflanzen zieht um das Wachstum zu beschleunigen. Das Ergebnis ist klar: Die Pflanzen gehen ein! Wir Menschen sind Gott sei Dank robuster. Wenn die Eltern an uns ziehen gehen wir nicht so schnell ein. Wir haben viele "Erziehungen" überlebt. So manche felsenfeste "Erziehungsgrundsätze" von gestern gelten heute nicht mehr. "Grundsätze" sind eben nur "Sätze" - mehr nicht. Hinter der Erziehung steckt für mich in der Regel die Angst und die Überforderung der Eltern. "Aus meinem Kind soll doch etwas werden!" "Ich möchte mich nicht blamieren!" "Was denken die Leute nur über mich!"
"Wer sein Kind liebt, braucht es nicht zu erziehen." An erster Stelle also steht die Liebe. Das ist nicht einfach ein Gefühl. Es beinhaltet Respekt, Würde, Achtung, Zuwendung, Wohlwollen, Vertrauen, Zutrauen, Freiraum, Hoffnung und vieles andere mehr. Wenn du den "Motor" Liebe mal ordentlich ankurbelst kommst du ganz schön voran. Mindestens 95 % der Strecke. Die Erziehung kommt dann, wenn du den "Erzieher" in dir benötigst, weil die Liebe nicht mehr ausreicht.
Wenn du schon hin und wieder erziehen musst, dann beschäftige dich einmal mit dem Modell der gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg. Bei ihm habe ich gelesen, dass du als Erwachsener am Ende einen Preis dafür zahlen musst, wenn du deinen Kindern Gewalt antust. Sie werden sich im Alter z.B von dir abwenden. Als Kind konnten sie das nicht, weil sie von dir dem Erwachsenen abhängig waren. Wenn die Kinder erwachsen sind können sie zu ihren Eltern sagen: "Als Kind konnte ich mich nicht wehren gegen deine Ungerechtigkeit. Aber heute kann ich dir aus dem Weg gehen."
Das Prinzip "Liebe" statt Erziehung im Bezug auf die Kinder gilt auch für die "Kinder" in dir. Wir oft gehst du ungnädig um mit deinen so genannten Fehlern und Schwächen. Wie viele Gefühle in dir lehnst du ab, weil sie nicht so funktionieren wie du als Erwachsener es gedacht hast. Darum mein Impuls für heute: Welche inneren Kinder müssen gerade unter deiner Erziehung "leiden"? Was würde sich ändern, wenn du sie lieben würdest? Was würden dann die Menschen um dich herum an dir bemerken, wenn du deine "ungezogenen inneren Kinder" liebst?
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Samstag, 19. Dezember 2020

21. Impuls im Advent: Mit Kindern vergehen die Jahre wie im Flug. Doch Augenblicke werden zu Ewigkeiten. (Jochen Mariss)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethelehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Das höre ich von ganz vielen Eltern. Wenn sie auf ihre Kinder schauen und zurückblicken, dann kommt ihnen die Zeit unglaublich kurz vor. "Meine Tochter war doch noch gerade im Kindergarten und jetzt heiratet sie schon." "Ich sehe meinen Sohn noch in der Grundschule und wie schwer er sich tat. Jetzt ist er Lehrer am Gymnasium und unterrichtet kleine Kinder. Wie schnell doch die Jahre vergangen sind."
So ganz stimmt dieser Satz allerdings auch nicht. Ich erlebe auch das Umgekehrte. Eine Mutter erzählt mir, wie schwer es dem Sohn im Kindergarten fällt, Freunde zu finden. "Wie soll das noch werden, der hat ja noch ein ganzes Leben vor sich. Wird er jemals leicht Freunde finden?"
Beim Rückblick können wir den Zeitraffer einbauen und alle Ereignisse fliegen im Sekundentakt vorüber. Beim Ausblick in die Zukunft können wir uns leicht quälen, wenn die Sorgen sich in uns festsetzen.
Doch manchmal werden die Augenblicke zur Ewigkeit. Mir erscheint es so, als ob wir Menschen nur dafür auf die Welt gekommen sind. Wir warten auf den Augenblick, der uns so innerlich erfüllt, dass die Zeit aufhört zu existieren. Wie mag es den Hirten damals am Stall ergangen sein? War das für sie so ein Augenblick der Freude und des innigen Einssein mit allem was ist?
Ich höre sehr gerne zu, wenn Paare mir erzählen von dem Augenblick "als sie es wussten". "Es ging ein Schauer durch mich hindurch. Ich bekam eine Gänsehaut. Mir wurde ganz anders. Diesen Augenblick werde ich nie vergessen. Noch heute kann ich es kaum beschreiben aber intensiv fühlen." Wirklich ein Augenblick für die Ewigkeit.
Mein Impuls heute für dich: Öffne doch einmal dein gedachtes "Schatzkästchen" mit den kostbaren Perlen der "Augenblicksewigkeiten". Waren das Begegnungen mit Menschen oder mit der Natur? Gab es da besondere Ereignisse? Und wenn du dir diese Perlen in diesem Moment anschaust, was geschieht da?
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Freitag, 18. Dezember 2020

20. Impuls im Advent: Mit einer Kindheit voller Liebe kann man ein halbes Leben hindurch die kalte Welt aushalten. (Jean Paul)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethlehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Oft erzählen mir Menschen in der Beratung von ihrer unglücklichen Kindheit. Da gab es Gewalt, Missachtung, Isolation und Alkohol. Manchmal vom Vater, manchmal von der Mutter und manchmal auch von der ganzen Familie. Oft wird es mir da schwer ums Herz und ich fühle tief mit. Die Leiderfahrungen wirken sich aus bis hinein in das Erwachsenenleben. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo der Schmerz erwacht und die Vergangenheit dich einholt.
Ich frage dann oft an einer bestimmten Stelle: "Wie hast du das überlebt?" "Wie hast du es geschafft, trotzdem ein so liebevoller Mensch zu werden? Es hätte auch alles anders kommen können! Du bist nicht untergegangen obwohl alle Zeichen darauf hin deuteten!"
Manchmal kommen dann die auch die versteckten und verborgenen Liebeserfahrungen ans Tageslicht. Da gab es die Oma, die Nähe schenkte. Da hatten die Eltern doch ein paar zugewandte Seiten, die sie hin und wieder zeigten. Da gab es Ruhe und Frieden beim Angeln.
Ein wenig Liebe reicht manchmal schon aus, dass wir Menschen überleben können. Wenn du in deiner Kindheit viel Liebe bekommen hast, dann hast du ein gutes Rüstzeug bekommen, die kalte Welt um dich herum auszuhalten. Schon im Alltag kannst du spüren: Wenn es in dir warm ist, macht dir die äußere Kälte wenig aus. Du hast in dir ein Feuer, das brennt. Du kannst dabei an einen wärmenden Kamin denken oder besser noch an all die Menschen, die du liebst und die dich lieben.
Wenn dich die unglücklichen Gefühle über eine verkorkste Kindheit überfluten ist das wirklich schrecklich. Ich bin mir aber sicher, dass es die anderen Erfahrungen auch gab. Sonst wärst du gestorben an innerer Kälte.
Manchmal experimentiere ich. Ich habe einen Tag voller Blues. Hier stimmt es nicht und da stimmt es nicht und der Tag holpert so vor sich hin. Es gibt solche Tage, da kannst du dich mitten in dein Unglück hineinsetzen. Ist in Ordnung so! Irgendwann kommt für mich jedoch der Zeitpunkt, da werfe ich innen einen Schalter um. Ich sage mir: "Auch wenn heute ein kalter und unglücklicher Tag ist treffe ich die Entscheidung, meine Wahrnehmung für die Liebe zu öffnen!" Ich setze bewusst den Schritt, vor meinem inneren Auge alle Menschen auftauchen zu lassen, die mir wohlgesonnen sind. Die ersten Schritte sind mühsam, aber so nach und nach verliert sich das Gefühl von Verlorenheit und ein zaghaftes Liebespflänzchen zeigt sich.
Mein Impuls für den Tag: Welche Menschen haben dir Liebe geschenkt? In welchen Situationen? Wie haben sie das ausgedrückt? Wie ist das bei dir angekommen? Kannst du das reaktivieren?
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Donnerstag, 17. Dezember 2020

19. Impuls im Advent. Die Kinder finden im Nichts das Gesamte, die Erwachsenen im Gesamten das Nichts. (Giacomo Leopardi)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethlehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Stell dir doch einmal ein Kind in einem Sandkasten vor. Mit Schaufel, Sieb und Eimer erschafft es eine Welt. Es baut Häuser, Tiere, Pflanzen und Menschen. Es erzählt damit Geschichten und erweckt den toten Sand zum Leben. Aus dem Nichts erschafft es die Welt. Jedes Kind kann das, wovon in der Bibel auch über den Schöpfergott erzählt wird. Ein Kind kann komplett in dieses scheinbare "Nichts" abtauchen. Die Menschen aus Sand sind für Kinder so real wie für uns Erwachsene die Menschen aus echtem Fleisch und Blut. Im scheinbar kleinen und begrenzten Sandkasten gibt es reichlich Platz für das gesamte Universum. Welch ein Wunder!

Bei Erwachsenen höre ich oft das Wort: "Ach ja, das kenne ich schon! Ich habe davon gehört! Ich habe es schon ausprobiert! Ist auch nicht das Wahre! Alles hat seine Fehler und Macken!" Daraus kann schnell eine negative Grundhaltung werden: Beim gesunden Obst siehst du die hohen Preise. Beim Buch entdeckst du den geknickten Umschlag. Bei deiner Wohnung den schwarzen Streifen an der weißen Wand. Beim Urlaub den lauwarmen Kaffee am Frühstücksbüffet. Ich könnte diese Liste endlos fortsetzen. Wenn du diese Haltung intensivierst kommt schnell dabei heraus: Die Welt ist schlecht! Die Politiker sind unmöglich! Alle wollen nur das Eine! Das Gesamte zu entwerten ist ein schleichender Prozess und am Ende gibt es Enttäuschung und Resignation.

Die Krippe von Bethlehem enthält eine verborgene Botschaft: Für die enttäuschten Menschen zeigt sich im "Nichts" das "Gesamte" für alle, die im "Gesamten" das "Nichts" sehen! Es geht um eine Veränderung in der Wahrnehmung. Öffne dein Herz, deine Augen und sieh die Wunder, die ständig um dich herum geschehn. Darum mein Impuls für heute: Welche Wunder um dich herum kannst du heute entdecken? Wo findest du im "scheinbaren Nichts" das Gesamte?
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Mittwoch, 16. Dezember 2020

18. Impuls im Advent: Ein Kind ist eine sichtbargewordene Liebe (Novalis)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethelehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Ein immer wieder berührender Gedanke. Zwei Menschen lieben sich, verbinden sich und in der Geburt eines Kind wird dann die Liebe sichtbar. Ein Paar wird zur Familie.
Ich glaube, dass es wichtig ist, die Liebe sichtbar zu machen. Wenn zwei Menschen sich lieben, dann meinen sie damit, dass sie ein starkes Gefühl füreinander haben. Sie schwingen auf einer Wellenlinie, sie verstehen sich gut. Sie empfinden etwas für einander. Sie fühlen sich verbunden. Sie lieben sich.
Zugleich sind wir Menschen darauf angewiesen, dass wir uns ausdrücken. Dass das Gefühl hörbar, sichtbar, sprechbar und riechbar wird. Wir sind Körper, Geist und Seele.
Das alleinige Wissen um die Liebe reicht leider nicht immer aus. Die Liebe muss sich ausdrücken. Und weil die Liebe so groß, bunt und vielfältig ist, ist sie auch so kreativ im Ausdruck. Und sie vermehrt sich. Sie bleibt nicht für sich. Sie ist nicht sparsam und abgezählt. Sie hat keine Angst davor, zu kurz zu kommen und etwas zu verlieren.
Ein Kind ist also eine geballte Ansammlung von Liebe. Es kann dich umhauen und überwältigen. Es macht dich staunend, schauend, schweigend und hingebend. Im Anschauen und Verbinden kannst du spüren: Du bist ganz nah dran an der Quelle. Mein Impuls für heute: Öffne deine Augen und dein Herz für die sichtbargewordene Liebe des Tages. Was kannst du hören, sehen, fühlen oder spüren?
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Dienstag, 15. Dezember 2020

17. Impuls im Advent: Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder. (Dante Alighieri)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethlehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Dante erinnert mit seinem Vers an einen himmlischen Urzustand. Wir kommen alle aus dem Paradies. Dort sind unsere Wurzeln, dort ist unsere Heimat. Vielleicht ist es auch nur ein Wort der Sehnsucht. Wir werden erinnert an die ersten Menschen, die nach dem Essen vom Baum von Gott vertrieben wurden aus dem Paradies.
Im übertragenen Sinne gleicht unsere erste Bewusstseinsstufe als Embryo im Bauch unserer Mutter diesem paradiesischen Urzustand. Du bist eins mit der Mutter, eins mit der Göttlichkeit. Es gibt kein Du im gegenüber und kein Ichbewusstsein. Du schwimmst in der Einheitssuppe und dir geht es einfach nur gut.
Dann wächst du im Bauch deiner Mutter heran und irgendwann wird dein Paradies getrübt. Deine Mutter erschrickt sich. Sie hat Angst vor irgendetwas. Sie isst etwas, was ihr nicht bekommt. Und du - du bekommst immer etwas davon ab. Dein Paradiesgefühl geht schneller verloren als du denkst.
Du kommst auf die Welt und die erweist sich als hell, grell und laut.
Aber dir bleibt die Erinnerung an einen heilen Anfangszustand. Den möchtest du wiederhaben. Dieses Urgefühl, dass du mit Allem verbunden bist. Dein Leben gleicht mit der Geburt einem Abenteuer, das du bestehen musst. Du läufst und fällst. Du lallst bis du sprichst. Du machst in die Hose bis du Kontrolle über deine Körperfunktionen erlangst. Du wirst irgendwann erwachsen.
Die Sehnsucht nach dem heilen Urgefühlszustand bleibt. Zwischen den mühseligen Schritten, dein Leben zu bewältigen weht das Paradies wie ein Geschenk manchmal zu dir herüber. Du siehst den phantastischen Sternenhimmel über dir und du bekommst eine Ahnung von der Größe Gottes und der Großartigkeit deines Lebens. Du atmest den Duft der Blumen ein und das Leben erscheint dir göttlich.
Oder du blickst in die Augen der Kinder. Auf einmal gibt es Frieden im Herzen. Du musst dich nicht mehr anstrengen. Es geht alles ohne Mühe. Deine Augen treffen die Augen des Kindes und in dir wird es ruhig. Du kommst zu der Erkenntnis: Das Paradies gab es, gibt es aktuell und du gehst zugleich darauf zu, bist manchmal mitten drinnen und weißt, dass deine Sehnsucht nicht vergeblich ist.
Mein Impuls für den Tag: Sterne, Blumen und die Augen der Kinder waren die drei Elemente aus Dantes Paradies. Was ist dir geblieben aus deinem Paradies? Wo geht dein Herz auf?
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Montag, 14. Dezember 2020

Dein Herz hat tausend Fenster - Ein Buch zu Weihnachten

 


Magst du es auch, im Advent mit deiner Familie gemütlich zusammenzusitzen bei Keksen, Kakao und Tee? Du zündest eine Kerze an und du fühlst dich mit deinen Lieblingsmenschen wohl und geborgen. Dann fragen die Kinder: „Erzählst du uns eine Geschichte?“ Und du holst dieses Buch hervor, das du in deinen Händen hältst und sagst: „Ja, das mache ich doch gerne!“
Was wirst du finden? Menschen auf abenteuerlichen Herzenswegen. Viele weise und kluge Kinder. Unbekannte und zugleich vertraute Adventsgeschichten. Auf jeden Fall etwas mit Herz und einem glücklichen Ausgang. 

Der Link zum Buch!

16. Impuls im Advent: Die Arbeit läuft dir nicht davon, wenn du deinem Kind den Regenbogen zeigst. Aber der Regenbogen wartet nicht, bis du mit der Arbeit fertig bist. (Aus China)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethlehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Folgende Situation erlebe ich häufiger in meinen Beratungen. Da kommt ein Vater zu mir und erzählt, dass er früher nie genug Zeit für seinen Sohn hatte. Die Arbeit und das Geldverdienen ging vor. Die Familie brauchte ja schließlich Geld. Jetzt ist der Sohn schon lange erwachsen geworden und hat kaum noch Kontakt zum Vater. Nach diesen Erfahrungen sieht der Vater, was er in früheren Jahren versäumt hat und trauert den verpassten Möglichkeiten hinterher.
Den Regenbogen kannst du deinen Kindern nur zeigen, wenn er da ist. Der Regenbogen richtet sich nicht nach deinen Zeitabläufen. Er kommt und ist da und verschwindet wieder. Der Regenbogen existiert nur im Hier und Jetzt. Du kannst sein Erscheinen nicht vorplanen.
Dies ist nur ein Beispiel. Aber es soll zeigen, dass dein erwachsenes Leben oft sehr strukturiert ist. Du hast deinen Rahmen bei den Arbeitszeiten, folgst deinen Gewohnheiten und deinen Glaubenssätzen. Du trägst große Verantwortung und möchtest zuverlässig und glaubwürdig sein.
Aber dein Kind folgt da ganz anderen Regeln. Die sind nicht so kontinuierlich und zuverlässig wie ein Uhrwerk. Da kommt etwas spontan und unerwartet. Es wird im Hier und Jetzt geboren wie ein Regenbogen. Es kann so schnell vergehen wie es gekommen ist. Da gibt es die Lust auf ein Eis und die tausend Spiele, die ein Kind so spielt.
Du musst dein erwachsenes und strukturiertes Leben unterbrechen, wenn du dabeisein willst. Deinem Kind tut es gut, wenn du sein Leben teilst. Kinder mögen Gemeinschaft in jeder Form. Der chinesische Spruch hält dir die verpassten Möglichkeiten vor Augen und den Schmerz, der entsteht, weil du die Gelegenheiten nicht ergriffen hast.
Mein Impuls für heute: Welcher "Regenbogen" zeigt sich dir heute? Welchen hast du in den vergangenen Wochen verpasst? Welche Erfahrungen hast du mit deinen Eltern gemacht? Der Regenbogen schenkt dir die Freude und die Lust am Leben. Von der Pflichtenseite bekommst du ja eh schon genug!
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Sonntag, 13. Dezember 2020

15. Impuls im Advent: Wo die Kinder eines Volkes nicht mehr lachen, nicht mehr spielen und singen, da hat das Land seinen Frühling verloren. (Kardinal Michael Faulhaber)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethlehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Wo die Kinder nicht mehr lachen, spielen oder singen gibt es kein "Leben im Frühling" mehr. Kardinal Faulhaber, der diesen Satz prägte, erlebte zwei Weltkriege und konnte darum aus sehr persönlichen Leiderfahrungen erzählen.
Der Frühling in der Natur symbolisiert ia den Anfang des Lebens. Nach dem langen Winter bringt der Frühling das Erwachen der Natur hervor. Der Frühling steht auch für die erste Phase unseres menschlichen Lebens. Kinder sind unverbraucht, voller Energie und Hoffnung. Es gibt noch keine belastenden Erlebnisse. Alles ist neu und im Aufbruch. Kinder können unbeschwert spielen voller Freude und grenzenloser Neugier. Wie der Kardinal sagt: Die Kinder lachen, spielen und singen - ein paradiesischer Zustand.
Im Frühling sammeln wir ein Depot an, das uns in das Alter hineinträgt und bis ins Alter trägt. Ein verkorkster Frühling wirkt sich auf das ganze Jahr und übertragen auf das ganze Menschenleben aus. Wenn der Beginn nicht gelingt wird der Rest schnell zum Kampf.
"Anfänge" haben es in sich. Wenn dein erster Arbeitstag an deiner neuen Stelle nicht gelingt, dann folgen Tage, an denen du ganz schön kämpfen musst. Der erste Eindruck bei einem neuen Kontakt mit einem fremden Menschen entscheidet über Wohlwollen oder Ablehnung.
Wie im Kleinen so im Großen. Du kannst einem ganzen Land ansehen, ob es den Frühling verloren hat. Die Bilder aus Kriegsgebieten gleichen sich alle. Ohne Frühling wird das Land grau. Es verliert seine bunten Farben. Dort, wo die Kinder lachen ist die Welt in Ordnung. Wenn du in ein Dorf kommst und entdeckst lachende und spielende Kinder kannst du dich beruhigt zurücklehnen. Im Frühling kann das Leben wachsen und gedeihen.
Der Advent findet ja mitten im Winter statt. In der toten Jahreszeit begehen wir einen spirituellen Frühling. Wir bereiten uns auf den Krippengang vor. Wir wünschen uns den Kontakt mit einem lachenden und spielenden Kind. Das belebt unseren eigenen Frühling. Lachen ist ansteckend! Dem kindlichen Frühling kannst du nur schwer widerstehen.
Mein Impuls für den Tag: Wann hast du zuletzt gelacht aus purer Freude? Magst du heute ab und zu eine Zeile singen aus einem dir vertrauten Lied? Wo entdeckst du schon den Frühling um dich herum bei den Menschen, in der Natur und auch in dir?
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Samstag, 12. Dezember 2020

14. Impuls im Advent: Kinder hören mit den Augen und sehen mit dem Herzen. (Albert Herold)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethlehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Bei uns Erwachsenen sind die Zuordnungen immer klar. Mit den Ohren hören wir. Mit den Augen sehen wir und mit den Händen tasten wir. Unsere Welt ist geordnet und sortiert. Wir nutzen ja schließlich unseren Verstand. Das hat man uns in unserer Kindheit beigebracht. "Kind, nutz deine Augen. Mach sie auf, dann siehst du auch!" "Hast du Schmalz in den Ohren?! Hörst du nicht, was ich sage?!"
Im Erwachsenenleben angekommen bist du gerüstet. Du kannst deinen Verstand nutzen, der logisch funktioniert. Du kennst die Gesetze der Natur und alles lässt sich ordentlich erklären. Alle diese Strategien helfen dir, im "Überlebenskampf" gut klarzukommen. Dennoch rumort da etwas im Inneren, das dir sagt: So funktioniert die Welt dann doch nicht immer! Da stimmt etwas nicht! Die Welt und das Leben besteht doch aus mehr, oder?
Was ist dieses "Mehr"? Du bist KünsterlIn, PhilosophIn, DenkerIn und SchöpferIn. In welchen Dimensionen des Daseins werden dir diese Kräfte jedoch bewusst? Wie kann man mit den Augen hören und mit dem Herzen sehen? Bestimmt nicht mit der Logik des Verstandes. Ganz leicht geht es mit der Phantasie des Herzens. In einer Welt voller Feen und Elfen, von Heiligen und Helden, von Gnomen, Zwergen und verborgenen Phantasieländern scheint das nahezu selbstverständlich zu sein, dass man mit den eignen Sinnesorganen mehr anstellen kann, als die Logik einflüstert.
Hast du schon einmal mit den Augen gehört? Was geschieht, wenn du das machst? Mit dem Herzen sehen können ja inzwischen viele Menschen seit dem Kontakt mit dem "Kleinen Prinzen". Mit den Augen zu hören ist so etwas wie eine Verstärkung der Sehwahrnehmung. Es geht darum, die Dinge tiefer zu erfassen, das Leben auf der Seelenebene wahrzunehmen, in die Zwischenräume abzutauchen, sich jenseits von verbaler Sprache zu bewegen und auszudrücken.
Mein Impuls für den heutigen Tag: Höre mit deinen Augen, schau mit deinen Ohren, schmecke mit deiner Nase, rieche mit deiner Haut und denke, dass das Unmögliche für den Verstand für das Herz ganz leicht geht.
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Freitag, 11. Dezember 2020

13. Impuls im Advent: Vor Gott muss man sich beugen, weil er so groß ist; vor dem Kinde, weil es so klein ist. (Peter Rosegger)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethlehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Warum muss man sich überhaupt beugen? Es gibt für mich nur einen guten Grund, sich vor dem Kind zu beugen. Ich möchte auf gleicher Augenhöhe sein! Nicht von oben nach unten und nicht von unten nach oben! Auf gleicher Augenhöhe! Es geht also auch nicht um das beugen an sich, sondern um das, was ich tun muss, um auf Augenhöhe zu kommen.
Und wie ist das mit dem Beugen vor Gott und seiner Größe? Geht es darum anzuerkennen, dass ich so klein bin und Gott so groß ist? Ich verbeuge mich vor dem "Allmächtigen" und sage ihm mit meiner Verbeugung, dass ich ihm diene? Geht es darum? Oder geht es nur um eine Respektbezeugung?
Ich finde das mit dem "Verbeugen" nicht so leicht. Wenn dadurch ein Oben und Unten entsteht bewegen wir uns in ein hierarchisches Denken hinein. Da gibt es Herren und Sklaven. Da gibt es Vorgesetzte und Untergebene. Wenn das " sich Beugen" lediglich bedeutet, dass ich dich respektiere, dann mag es angehen.
Es stimmt zugleich auch das Gegenteil. Vor Gott musst du dich nicht beugen, weil er in dir wohnt. Da macht das Beugen gar keinen Sinn. Vor dem Kind musst du dich auch nicht beugen. Du kannst auch daneben liegen oder es zu dir emporheben. Eigentlich geht es wie immer um eine gute Kommunikation.
Wenn du dich erniedrigst vor wem auch immer kannst du nicht gut kommunizieren. Du machst dich klein, abhängig, bedürftig und ohnmächtig. Eine Position auf Augenhöhe in einer wohlwollenden Atmosphäre von Freiheit erscheint mir hilfreicher als diese "Beugerei".
Wer sich zu viel beugt bekommt einen krummen Buckel und verliert den aufrechten Gang. Gott hat uns geradezu so erschaffen, dass wir aufrecht gehen. Wir bekamen von ihm die Freiheit, die Würde und den aufrechten Gang.
Im Bezug auf das Kind heißt das für mich: Den Kindern den aufrechten Gang zu lehren wäre für mich das erste Ziel. Und der Impuls für heute: Vor wem beugst du dich? Und was drückst du damit aus? Ist es ein "Liebebeugen" oder eine "Sklavenbeuge"?
Beim Kind in Stall von Bethlehem kannst du dir so eine Art Selbstbeugung Gottes vorstellen. Er macht sich klein, damit wir aufhören, uns vor ihm zu verbeugen. Der Weg ins Herz benötigt kein Verbeugen mehr. Sind die Wörter "verbeugen" und "verbiegen" verwandt?
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Donnerstag, 10. Dezember 2020

12. Impuls im Advent: Kinder sind Menschen wie alle, sie sind nur noch ungeschickt im Verbergen ihrer Gedanken. (Gabriel Laub)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethlehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Als die ersten Menschen im Paradies von der verbotenen Frucht aßen versteckten sie sich. Sie dachten sich, dass man ihnen den Fehltritt im Gesicht ablesen könnte. Die Schuld stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Auch wir, so glaube ich, möchten gerne manchmal unsere Gedanken verbergen. Du denkst gerade nicht freundlich über deinen Nachbarn, deinen Ehemann, deine Arbeitskollegin oder deinen Arbeitgeber. Irgendetwas stört oder nervt dich. Oder du hast eine Aufgabe nicht ordentlich erfüllt und du weißt es. Du hast ein schlechtes Gewissen und hoffst, dass niemand dich sieht. Und wenn dich jemand sieht, dann glaubst du, dass man dir die "schlechten" Gedanken im Gesicht ablesen kann.
Du wirst möglicherweise rot und weichst den Blicken aus. Du fühlst dich unsicher.
Wann und wie erlernen wir das Verbergen unserer Gedanken? Gabriel Laub meint, dass Kinder wie alle Menschen sind. Sie sind nur ungeschickt im Verbergen ihrer Gedanken. Kindern kannst du es wirklich im Gesicht ablesen, wenn sie etwas angestellt haben. Sie können noch nicht so lange dem fragenden Blick standhalten. Sie weichen schneller aus oder werden stumm, wenn man sie fragt. Sie lernen im Laufe des Lebens dazu, vor allem von den Erwachsenen.
Sie sehen mit Staunen, wie die Eltern dreist lügen ohne mit der Wimper zu zucken. Und irgendwann schaffen sie es auch. Dabei wäre es doch schön, wenn wir alle unsere Gedanken nicht verbergen müssten. Wir würden stehen zu dem, was wir denken, was wir tun und wer wir sind. Irgendwann kommen die Dinge doch ans Licht. Auswirken werden sich die verborgenen Gedanken sowieso.
Wir Menschen tun uns schwer damit uns so anzunehmen wie wir sind. Nach außen möchten wir doch immer ein wenig besser erscheinen. Wir verkaufen nicht uns selbst sondern ein Bild von uns, weil wir unsere eigene Wirklichkeit für unzumutbar halten.
Was war wohl schlimmer für Gott: Dass die ersten Menschen von der verbotenen Frucht aßen oder dass sie sich vor ihm versteckten? Mein Impuls für heute: Beobachte einmal, wie häufig du deine Gedanken verbirgst. Was darf der andere nicht wissen? Wo könntest du mehr offenbaren von dem, was in dir ist?
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Mittwoch, 9. Dezember 2020

11. Impuls im Advent: Wohl denen, die ihren Kindern den Sinn bewahren, dass kleine Dinge sie freuen. (Jeremias Gotthelf)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethelehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Manchmal erschrecke ich mich über Geburtstagsgeschenke für die Kinder: Die Eltern schenken, Oma und Opa schenken, Patenonkel und Tante schenken. Alle wollen ihre große Liebe zum Ausdruck bringen mit großen Geschenken, mit teuren Geschenken. Das Kind sitzt hilflos zwischen all den so "großen" und teuren Dingen und weiß nicht, welchen es sich jetzt zuwenden soll. Das Gleiche wiederholt sich dann an Weihnachten und zu anderen Festen.
"Großartig", wie wir unsere Kinder lieben. Wir überfordern sie ständig mit unserer Großzügigkeit. Wovon spricht der Jeremias Gotthelf da eigentlich in dem Spruch, den ich für heute ausgesucht habe? Ach ja, jetzt sehe ich, dass das ein Schriftsteller und Pfarrer war, der von 1797 - 1854 gelebt hat. Hatten die damals auch schon das Problem mit dem Beschenken von Kindern?
Oder schenkte man früher kleinen Kindern kleine Dinge und großen Kindern große Dinge. Sei es wie es sei. Für mich sehr wertvoll ist der Aspekt der "kleinen Dinge". In meiner Onkelbiographie habe ich festgestellt, dass die kleinen Dinge immer die schönsten waren. Das Spielzeug für einen Tag! Ein paar Seifenblasen, eine kleine Tröte, ein Gummiball, ein Riesenlutscher... etwas für den Augenblick und etwas fürs Herz.
Als Erwachsener hast du oft die großen Dinge im Visier: Auto, Haus, Urlaub oder irgendwelche teuren Geräte. In der Regel kaufst du dir solche Sachen vom eigenen Geld. Und irgendwann kommt der Zeitpunkt da fängt es wieder an, die Freude über die "kleinen" Dinge! Du freust dich über einen Sonnenstrahl, eine Scheibe Brot, ein freundliches Lächeln....
Mein Impuls für heute: "Der Lob der kleinen Dinge!" Über welche kleinen Dinge freust du dich und wirst wieder wie ein Kind? Vielleicht beobachtest du dabei, dass es mehr Dinge sind als du bislang dachtest.
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