Mittwoch, 23. Januar 2019

Kaum mache ich was falsch, ist das auch nicht richtig!

Wenn ich mal was mache, mache ich wenigstens mal was.
Ich könnte auch mal mehr machen, wenn ich nicht so viel falsch machen täte.
Kaum mache ich mal was richtig, mache ich auch schon wieder falsch.
Mache ich mal was falsch, fallen alle über mich her.

Wenn ich nichts machen würde, würde ich auch nichts falsch machen.
Wenn ich nichts machen würde, würde ich aber auch nichts richtig machen.
Egal, was ich mache, da ist immer was falsch dabei.
Egal, was ich auch mache, irgendetwas ist auch immer richtig dabei.

Wenn ich was falsch mache, dann mache ich das Falsche aber ordentlich richtig falsch.
Und wenn ich was richtig mache, mache ich dem Falschen den Garaus.
Ich habe noch nie etwas total richtig oder total falsch gemacht.
Ich könnte etwas so ungefähr richtig machen im Wissen, dass auch etwas falsch dabei sein wird.

Ich kann mich in richtig und falsch so verheddern, dass ich nicht mehr weiter weiß.
Dass ich mich erschöpfe und keine Lust mehr habe. Es ist eh falsch. Zumindest ein bisschen.
Was passiert, wenn ich richtig und falsch streiche?
Kaum mache ich was, mache ich es!

Ich mache was!
Ich mache was!
Ich mache was!
Ich mache was!

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Dienstag, 22. Januar 2019

Manches Ende wird ein neuer Anfang.

Manchmal gestalte ich eine Abschiedsfeier für einen Verstorbenen und sehe mit den Angehörigen auf das Ende dieses Lebens. Da geht etwas zu Ende. Für manches gibt es keine Fortsetzung in gleicher Weise. Eine Fernsehserie geht zu Ende. Ein altes Gleis. Ein Arbeitstag und ein Arbeitsleben.
Eigentlich wäre das ja völlig neutral. Ich könnte sagen: Na und? So ist das halt. Logisch! Alles hat ein Ende. Grundlage dieser Welt.
Ich denke an das Ende und mir wird bewusst, dass ich dann etwas oder jemanden nicht mehr habe! Ich verliere etwas. Und das macht mich traurig, wütend oder ängstlich. Und erfüllt mich mit Schmerz. Diese Gefühle möchte ich nicht. Und wenn ich kann, vermeide ich sie. Ich zögere das Ende hinaus. Ich verlängere noch einmal. Ein weiterer Arbeitstag. Noch eine Schleife mit den medizinischen Geräten. Vor dem Abschied noch einmal umarmen und sich dann noch einmal umdrehen und zum Schluss noch einmal winken und in der Ferne noch einmal hupen.
Während ich mich noch im Abschiedsschmerz befinde bahnt sich jedoch schon ein neuer Anfang. Es gibt kein Vakuum! Am Ende des Bahngleises beginnt irgend etwas neues. Eine Straße oder ein Feld oder eine Weide! An meinem letzten Arbeitstag bahnt sich schon der Weg für den ersten Tag "ohne Arbeit". Aber es ist kein Tag "ohne". Es wird etwas alternativ geschehen. Und sei es, dass ich "nur" herumsitze. Es gibt kein Vakuum - also ein "Nichts".
Ich kann mich am Ende von etwas also in den Schmerz hineinbegeben oder mir ins Bewusstsein rufen, dass da jetzt etwas neues anfängt. Der Anfang von etwas kann Angst machen. Aber vielleicht auch Freude oder Spannung, oder...
Es gibt das Ende von etwas, das zugleich der Anfang von etwas ist. Wenn ich damit einverstanden bin, kann ich mich da hinein entspannen. Ich sperre mich nicht gegen das Grundgesetz des irdischen Lebens. Es ist wie bei einem Ballspiel. Du nimmst den Ball auf und gibst in weiter. Bei dir ist nur eine Durchgangsstation. Wenn du den Ball festhältst ist das Spiel vorbei. Du empfängst und gibst weiter. Wie die Liebe. Du empfängst und schenkst. Du folgst einem Rhythmus. Anfang und Ende und wieder ein Anfang. Nichts als ein Rhythmus. Du atmest ein und du atmest aus und gibst dein Einverständnis.
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Montag, 21. Januar 2019

Du wolltest als Kind zum Zirkus? Jetzt bist du mitten drin!

Wolltest du auch als Kind zum Zirkus? Ich auf jeden Fall! Ich wollte Clown werden. Die Clowns haben mich immer am meisten fasziniert. Wahrscheinlich weil ich so gerne lache. "Du wolltest als Kind zum Zirkus? Jetzt bist du mitten drin!" Den Satz fand ich auf einer Spruchkarte.
Schade, dass der Zirkus dabei so schlecht weg kommt. "Was macht ihr nur für einen Zirkus" "Was ist das hier für ein Zirkus!" Unsere Eltern hatten wohl dabei die Fantasie, dass es drunter und drüber geht. Alles durcheinander. Keine Regeln werden mehr beachtet. Der Anfang vom Ende. Die Aufforderung, unbedingt wieder für Ordnung zu sorgen.
Ja, manchmal gerät alles durcheinander oder aus den Fugen. Nichts passt mehr zusammen. Auch wenn es in einer Zirkusvorstellung bunt und quirlig zugeht - es gibt dennoch eine klare Ordnung. Außer den Clowns vielleicht stört kein Artist den anderen bei seiner Nummer. Es gibt einen Platz für die Zuschauer und eine Manege für die Akteure. Das Programm hat ein Anfang und ein Ende und folgt genau einer Choreographie. Da wechseln sich rasante Stunts mit beschaulichen Pferdenummern ab. Für die Zuschauer werden immer neue und andere Gefühle aktiviert. Da stecken viele Planungen und Überlegungen hinter.
Ja, manchmal gerät das Leben durcheinander. Aber mit Zirkus hat das nichts zu tun. Dennoch sagen wir es so! Möge doch unser Leben wirklich wie ein Zirkus sein. Dann würden wir gar nicht durcheinander geraten! Durcheinander gerät das Leben ja nur, weil etwas nicht mehr stimmt! Weil bestimmte Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden. Wenn Menschen sich nicht mehr verstehen. Wenn etwas total quer läuft. Es gibt also immer einen guten Grund!
Was wäre aber, wenn wir wirklich mitten im Zirkus wären? Wir nehmen das Leben ja sehr ernst. Wir erledigen brav unsere Arbeitsaufgaben, sind gut zu unseren Kindern und rücksichtsvoll im Straßenverkehr. Wir haben hohe moralische Messlatten. Für das Zusammenleben ganz sinnvoll. Aber wie sähe unser Leben aus, wenn wir mitten im Zirkus wären? Wir würden vielleicht bemerken, dass das Leben nur ein Spiel ist. Wir spielen miteinander. Wir denken, es wäre ernst, aber es ist nur ein Spiel. Wenn du Kinder beobachtest kannst du sehen, wie spielen geht. Du kannst Zirkus und Ernst gut miteinander verbinden. Der Unterschied ist nicht so groß. Du "spielst" nur eine Nummer in deinem Programm, manchmal akrobatisch und manchmal dressiert.
Und doch mag ich den Clown im Zirkus. Er ist dort fest verankert. Er hält dir den Spiegel vor und macht dir klar, dass du alles ernst nehmen darfst aber dich dabei nicht so wichtig nehmen sollst. Zirkus ist gar nicht so schlecht!
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