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Donnerstag, 11. August 2022

Abenteuer Leben Nr. 10: Wenn du durch ein Nadelöhr reiten kannst

Jesus meinte einmal, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr kommt, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Das Kamel ist viel zu groß für das winzig kleine Loch in der Nadel. Das ist unmöglich.
So gibt es im Leben Probleme, für die es keine Lösung gibt. Manchmal kommen Menschen zu mir in die Beratung nach dem Motto: "Ich habe schon alles ausprobiert. Es gibt für mich keine Lösung. Jetzt lasse ich mir dieses noch durch einen Experten bestätigen damit ich endlich aufhören kann mit meiner aussichtslosen Suche." Wenn ich dann frage ob sie schon dieses oder jenes probiert haben dann sehe ich manchmal den Triumph in den Augen. "Habe ich auch schon probiert. Hat nicht funktioniert."
Wenn etwas nicht funktioniert dann würde es auf jeden Fall Sinn machen, es nicht ständig neu zu probieren. Ich kann ein Nadelöhr nehmen und ein Kamel einladen, durch das Loch zu kriechen. Das Kamel wird es nicht schaffen. Auf keinen Fall! Oder?
Wenn etwas nicht geht, dann macht es Sinn, die Augen und das Herz zu öffnen für Lösungen jenseits aller üblichen Lösungen. Suchen wir doch mal nach ungewöhnlichen Lösungen und verstören das Kamelsystem.

- Das Kamel wendet sich von der Nadel ab und entscheidet sich für sinnvollere Wege.

- Das Kamel zupft sich ein Haar aus und führt es vorsichtig durch das Öhr. Das eine Haar steht symbolisch für das ganze Kamel. Wenn es das eine Haar schafft, wird es irgendwann auch das ganze Kamel schaffen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

- Gedanklich ist es ganz leicht. Ich schrumpfe das Kamel oder dehne das Loch und schon passt es.

- Das Kamel verschenkt die Nadel an jemanden, der diese Aufgabe leichter bewältigen kann.

- Das Kamel beschäftigt sich mit Quantenphysik und kommt zur Erkenntnis, dass zwischen den festen Materieteilchen so viel Platz ist, dass man locker hindurchspazieren kann.

- Das Kamel fragt: Wer will eigentlich, dass ich durch das Nadelöhr gehen soll. Wollen das andere oder will ich das selbst.

- Das Kamel fragt: Wozu ist es gut, durch das Nadelöhr zu gehen? Erreiche ich mein Ziel auch auf einem anderen Weg?

- Das Kamel beschäftigt sich beim Anblick des Nadelöhrs mit der grundsätzlichen Frage von Türen und Öffnungen und freut sich an der Erkenntnis von neuen Einsichten.

- Das Kamel könnte den Entschluss fassen, abzunehmen und zu hoffen, dass es durchpasst, bevor es stirbt.

- Das Kamel könnte sich entschließen einfach um das Nadelöhr herumzugehen.

- Das Kamel könnte auch so tun als ob. Es könnte einfach die Geschichte erzählen, wie es Anlauf genommen hat und voller Freude da durchgeritten ist.

Du siehst, jenseits der Unmöglichkeit durch ein Nadelöhr zu kommen gibt es noch andere unmögliche Möglichkeiten. Und? In welchen Situationen bist du selbst manchmal das Kamel und was ist dein Nadelöhr?
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Mittwoch, 10. August 2022

Abenteuer Leben Nr. 9: Wenn kleine Schritte sich wunderbar anfühlen


In einem Gebt von Antoine de Saint-Exuperéry heißt es:

Die Kunst der kleinen Schritte
Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr,
sondern um die Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Mach mich sicher in der rechten Zeiteinteilung.
Schenk’ mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden,
was erstrangig und was zweitrangig ist.
Schenk’ mir die nüchterne Erkenntnis,
dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge
eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind,
durch die wir wachsen und reifen.
Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt.
Schick’ mir im rechten Augenblick jemanden, der den Mut hat,
die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen.
Gib dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten
und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleihe mir die nötige Phantasie,
im rechten Augenblick ein Päckchen Güte
mit oder ohne Worte an der richtigen Stelle abzugeben.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern das, was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Ich kenne Menschen, die stecken sich große Ziele. Vor einiger Zeit erzählte mir eine Frau, dass sie jetzt ernsthaft abnehmen will. Fünfzehn Kilo sind ihr Ziel. Sie hatte es schon so oft versucht und stets war sie gescheitert. So hat sie im Laufe der Jahre sich gut kennengelernt mit ihren Hürden und Hindernissen. "Das Ziel war zu schwer!" "Der Weg war so lang!" "Ich habe mich überfordert!" "Ich konnte nicht durchhalten!" "Ich wusste nicht, was da wirklich auf mich zu kam!" 
Wenn du ein großes Ziel hast, dann siehst du auch die möglichen Hindernisse auf diesem Weg. Das könnte dazu führen, dass du gar nicht erst los läufst. Du schaffst es ja eh nicht. Warum erst anfangen! Du siehst, dass du wirklich einen langen Atem brauchst und viel Geduld. Du musst mit Rückschlägen klar kommen. Es kann sein, dass der Weg gar nicht richtig für dich ist. Dein Ziel ist gepflastert mit Wenns und Abers. 
Was bewirkt da die Kunst der kleinen Schritte? Wenn du dich auf den jetzigen Schritt konzentrierst und diesem Schritt deine volle Aufmerksamkeit schenkst, kannst du diesen Schritt gehen. Nur diesen Schritt, nicht mehr! Du schaust nicht auf das Ziel und hast auch nicht mehr die Hürden und Hindernisse im Blick. Jedes Abnehmen beginnt mit dem ersten Gramm. Es kommt also jetzt und in diesem Augenblick auf das eine Gramm an. Auf nicht mehr und nicht weniger. Du beschäftigst dich nur mit diesem einen Gramm. 
Erst dann und wirklich erst dann, wenn du das erste Gramm geschafft hast, beschäftigst du dich mit dem zweiten Gramm. Nicht früher! Am zweiten Gramm könnte nämlich eine unüberwindliche Hürde kleben. 
Die Kunst der kleinen Schritte ist wirklich eine Kunst. Die Kunst heißt: Im Hier und Jetzt sein! Das Kleine wertschätzen! Im Augenblick leben! Das Leben auskosten! 
Bislang hatte die Frau, die abnehmen wollte, immer von den großen Zielen gelebt. Die konnte sie leider nie erreichen. Dann fiel ihr ein, dass das mit dem Abnehmen für ihr ganzes Leben stand. Sie konnte sich nicht von ihrer schrecklichen Freundin trennen. Sie konnte ihren verstorbenen Vater nicht loslassen. Dann stellte sie fest, dass sie ihrer schrecklichen Freundin heute eine Absage geben konnte. Sie war gerade jetzt frei von Trauer um ihren Vater. Sie merkte, das ging eigentlich ganz leicht. Der kleine Schritt geht leicht, wenn man sich darauf einlässt und sich vom Großen und Ganzen verabschieden mag. 
Der kleine Schritt geht schwer, wenn man alle Wenns und Abers und Abers und Konsequenzen daran festklebt. Wie gut und beruhigend, dass ein Schritt so klein ist, dass du locker wieder zurückgehen kannst, wenn es nicht passt.
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Dienstag, 9. August 2022

Abenteuer Leben Nr. 8: Wenn es dir egal ist, was deine Eltern denken

"Mama, darf ich noch ein Eis?" - "Nein Kind, gleich gibt es Abendessen!"
"Mama, darf ich Fernsehen schauen?" - "Nein Kind, du hast heute schon deine halbe Stunde gehabt!"
"Darf ich heute früher gehen, meine Frau ist krank." - "Muss das wirklich sein?"
"Darf ich heute aus dem Krankenhaus entlassen werden?" - "Ich weiß nicht, wenn dann auf eigene Verantwortung!"
Schon als Kinder haben wir gelernt zu fragen. Wir bitten um Erlaubnis. Dann dürfen wir oder wir dürfen nicht. Die Eltern haben die Macht. Die Kinder beugen sich der Macht. Denn die Eltern haben es ja zu sagen. Sie bestimmen. Dann spielen Kinder miteinander und ein Kind macht einen Vorschlag. Ein anderes Kind sagt: "Immer willst du der Bestimmer sein!" Kinder lernen schon früh, wie die Dinge laufen. In der Regel sind Erwachsene die Bestimmer. Sie bestimmen über das Leben der Kinder. Du darfst oder du darfst nicht. Wenn ein Kind Glück hat bekommt es immerhin mal eine vernünftige Erklärung warum es darf oder nicht. Aber es muss auf das gültige "JA" der Eltern warten. Wir werden älter und fragen noch immer ob wir dürfen oder nicht. Vor einiger Zeit hielt ich ein Tagesseminar und eine Teilnehmerin fragte mich, ob sie auf die Toilette dürfte. Was hätte ich sagen sollen? "Ja klar, wenn Sie müssen!" "Nein, warten Sie doch noch eine halbe Stunde, dann machen wir sowieso Pause!" Ich habe ihr gesagt: "Wenn ich Sie wäre, täte ich das einfach selbst entscheiden."
"Dürfen" und "nicht dürfen". Natürlich ist es wichtig, dass Kinder noch nicht die volle Verantwortung für ihr Leben übernehmen können, weil sie nicht alle Folgen überblicken. Sie brauchen die Begleitung des Erwachsenen. Das "Dürfen" gibt die Möglichkeit für Eltern im positiven Sinne für die Sicherheit und das Wohlbefinden des Kindes zu sorgen.
Doch nach und nach können wir aufhören mit der Frage: "Darf ich?" Die Bibel erzählt viele Geschichten von Menschen, die etwas nicht oder nicht mehr durften. Sie durften nicht mehr ins Dorf wenn sie aussätzig waren. Sie durften nicht in den Tempel. Sie durften bestimmte Dinge nicht essen. Dazu kommt dann die große Unsicherheit! Darf ich vielleicht doch? Oder manchmal? Oder unter bestimmten Voraussetzungen?
Darf ich wieder heiraten obwohl ich geschieden bin? Darf ich zur Kommunion gehen auch wenn ich aus der Kirche ausgetreten bin? Manchmal bis oft kommt die Antwort wie bei einem Kind: "Du darfst!" oder "Du darfst nicht!" Solange ich um Erlaubnis bitten muss denke und handle ich wie ein Kind. Ich übernehme keine Verantwortung sondern schiebe sie dem Erwachsenen zu.
Das neue "Du darfst" muss sich darum unterscheiden von den Kind- Erwachsenenspielen. Das erwachsene "Du darfst" ist ein "göttliches du darfst". Das möchte ich so übersetzen:
Du musst nicht mehr fragen! Grundsätzlich darfst du! Du bekommst eine endgültige Erwachsenenerlaubnis! Du darfst das Spiel befehlen-gehorchen verlassen! Du bist aufgenommen in die Gemeinschaft all derer, die Lebenserlaubnis wie selbstverständlich in sich tragen. Es ist ein Wort mit einem Folgesatz: "Du darfst! Geh in die Selbstermächtigung!"
Und dann geschieht es wie von selbst. Du machst etwas und hinterher fällt dir ein, dass deine Eltern ganz empört gewesen wären. Und du? Du freust dich einfach darüber, dass deine Eltern wirklich die Macht über dich verloren haben. Du hast die elterlichen Stimmen in dir einfach hinter dir gelassen.
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Montag, 8. August 2022

Abenteuer Leben Nr. 7: Wenn du die Leichen im Keller umarmst

Die Medien leben zum Teil davon, dass sie Leichen ausgraben. Wer hat seine Doktorarbeit getürkt? Wer hat in seiner Jugend etwas angestellt und versteckt es bis heute? Wer war schon mal im Gefängnis und verschweigt es? Welcher Politiker hat mal was peinliches in der Vergangenheit gesagt?
Wir haben vermutlich alle "Leichen" im Keller. Leichen aus unseren Kindertagen. Du hast mal ein Kind verhauen und es kam nie heraus! Du hast Geld von deinen Eltern entwendet! Ein Spielzeug deiner Schwester zerstört! Unerlaubt Süßigkeiten aus Omas Dose genommen! Wenn du ordentlich katholisch sozalisiert bist hast du es gebeichtet und dir wurden vergeben und du hast die Vergebung gespürt. Dann mag es dich weniger betreffen.
Aber gehen wir einmal davon aus, dass du mal was angestellt hast für das du dich bis heute schämst. So sehr, dass du es als Kind schon niemandem beichten mochtest. Eine Leiche in deinem Keller, die zwar nicht mehr stinkt, aber still vor sich hinverwest.
Du könntest in deiner Lebensbiografie auch weitergehen zu den Ereignissen, für die du dich als Erwachsener heute noch schämst. Du denkst daran und schon sprudeln die Gefühle von Angst, Ärger und Scham. Aber weil du dich schämst hältst du die Gefühle lieber zurück. Du vermeidest es, an dieses beschämende Ereignis zurückzudenken. Zugleich musst du aber befürchten, dass dich jemand entlarvt. Du könntest dich auch selbst entlarven. So, wie ein kleines Kind hältst du die Hand vor die Augen und sagst: "Ich bin nicht da!" Das beschämende Ereignis, deine Leiche, behält eine unheimliche Macht.
Jetzt wird es Zeit, dieser Leiche die Macht zu nehmen. Du steigst in den Keller hinab und umarmst sie einfach. "Herzlich willkommen! Ich habe dich so lange ignoriert und Angst vor dir gehabt. Darum habe ich dich in den Keller gesperrt. Du darfst herauskommen ans Licht! Ich akzeptiere, dass du zu meinem Leben dazugehörst." Dann ist der Spuk vorbei! Im neuen Bewusstsein der Freiheit machst du das einfach. Du gehst in deinen Keller und übernimmst die Verantwortung. Du gehst sorgfältig und umsichtig mit deinen Leichen um und machst selbstverständlich deinen Job. Und? Welche Leiche waretet schon auf dich? Auf das Licht und auf die Auflösung?
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Samstag, 6. August 2022

Abenteuer Leben Nr. 6: Wenn du die Straße bei rot überquerst

Bekommst du schon Schnappatmung bei dieser Vorstellung?  Du fährst mit deinem Wagen bei rot über die Ampel! Du schaust natürlich ob es sicher ist. Aber du fährst, wenn kein Auto kommt. Ordnungswidrigkeit! Punkte! Strafe! Polizei! Mutwillig! Gesetzesübertretung! Verkehrsgefährder!
Verboten! Wenn das jeder machen würde!
In meiner Kindheit gab es im ganzen Dorf keine einzige Ampel. Es galt rechts vor links in jeder Straße. Nirgends rot! Diese Zeit gab es einmal! Es kam auf meine Achtsamkeit an. Ich musste schauen und konnte selbst bestimmen mit Rücksichtnahme auf den gesamten Verkehr. Es hat mich sehr entspannt.
Heute begegnet mir immer mehr rot! Immer mehr verboten! Immer mehr Beobachtung! Kontrolle mit dem Hinweis auf Sicherheit! Das lehne ich auch gar nicht ab. Trotzdem stelle ich mir vor, dass ich bei rot über die Straße fahre. Jetzt, in diesem Augenblick! Dabei kommt mir ins Bewusstsein, wo es im Leben überall Sperrzonen gibt. Sperrzonen, die Schutz und Sicherheit versprechen. Zonen, zu denen ich aus guten Gründen keinen Zutritt habe.
Aber manche "Rotzonen" existieren, obwohl wir sie nicht mehr brauchen. In einer Geschichte wird erzählt, wie Elefanten zum Gehorsam erzogen werden. Wenn sie klein sind, bindet man ein Seil an einem Stock, den man in die Erde steckt. Dann weiß der Elefant, dass er nicht fortlaufen kann. Der Elefant lernt. Er wird größer und weiß, dass da ein Seil und ein Stock ist. Der Stock bleibt der gleiche kleine Stock. Der Elefant wird erwachsen und denkt, dass er nicht fortlaufen kann. Der Stock hindert ihn. Er weiß nicht, dass er nur den Fuß anheben muss und die Freiheit ist ganz leicht und nah.
Die rote Ampel vermittelt ein Gefühl. Du bist im roten und verbotenen Leben. Alles ist geregelt. Es geht mir darum, diese Schranke im Kopf zu überwinden. Ich habe die Freiheit, mich noch einmal dazu zu verhalten. Rot existiert, da gibt es ein Gesetz oder eine soziale Vereinbarung. Da gibt es aber auch die Freiheit in mir. Und manchmal muss ich dem Bewusstsein der Freiheit in mir Raum geben, dass ich mich entscheiden kann. Sich entscheiden können und dürfen ist ein Privileg der Freiheit und des erwachsenen Lebens.
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