Samstag, 20. Oktober 2018

Sei bei dir selbst zu Haus!

bei mir selbst zu Haus.

"Ich lasse los und bin..." Dieser Liedvers begleitet mich seit dem vergangen Jahr. Mir gefällt er. Wir hängen an Bücher, an Häusern, am Geld, an Vorstellungen, an Überzeugungen, an Glaubenssätzen. Wir hängen an der Familie, an Freunden, an Arbeitskollegen, an Mitschülern. Wir hängen am Smartphone, am PC, am Fernsehen, am Auto. Wir hängen jeden Tag und häufig irgendwo fest. Wir hängen an der Gesundheit, an der Jugend und an unseren körperlichen Fähigkeiten.
Immer wenn ich hänge an irgendetwas sage ich mir: Ich lasse los...
Was geschieht, wenn ich loslasse, alles loslasse? Höre ich auf zu existieren? Habe ich Angst, etwas zu verlieren, so dass ich es krampfhaft festhalte? Ich hänge ja nicht nur an den Dinge, ich halte sie oft krampfhaft fest, wenn die Angst, es zu verlieren, auftaucht. Du lässt los und macht eine eigenartige Feststellung: Du hast vielleicht Schmerzen, du bist traurig, weil du etwas verloren hast. Aber du existierst weiterhin, "du bist".
Ich lasse los und .... bin weiterhin, trotz und mit meinem Verlust. Wir hängen oft an Dinge im Außen fest. Wir werfen unseren Anker aus und sagen zum Haus: "Gib du mir Sicherheit". Wir werden unseren Angst zur Ehefrau oder zum Ehemann aus und sagen: "Halte du mich fest!" Manchmal gibt dir dein Haus Sicherheit und manchmal tut der Halt durch den Partner gut. Irgendwann wird es aber nicht mehr funktionieren mit "tödlicher" Sicherheit! Und... was dann...?
Der Vers sagt: "Ich lasse los und bin bei mir selbst zu Haus!" Wenn du dich nach innen wendest und im Inneren den Halt findest, dann wirst du wahrhaft unabhängig. Die Liebe deiner Frau bereichert dich zwar aber nur als Geschenk, als freiwillige Gabe. Du bist in dir zu Hause und dann... kommt noch etwas dazu. Du findest die Sicherheit in dir und das Haus unterstützt dich dabei. Nicht mehr und auch nicht weniger.
Lege deine Schwerpunkt dahin, bei dir selbst zu Hause zu sein. Manchmal ist es notwendig, loszuslassen, um den Weg nach innen finden und gehen zu können.

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Donnerstag, 18. Oktober 2018

Ängstlich zu sinnen und zu denken, was man hätte tun können, ist das Übelste, was man tun kann. Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799)


Es ist vorbei. Was immer auch ist, jetzt ist es vorbei. Und dann fängst du an, darüber nachzudenken. In der Situation, wo alles vorbei ist. "Hätte ich doch!" "Wäre ich doch!" Du weißt ganz genau, wie sinnlos das ist. Du kannst es nicht ungeschehen machen. Das Furchtbare ist jetzt Teil deiner Geschichte. Ja, es stimmt, du hättest etwas anders tun können. Es wäre wirklich möglich gewesen. Und du kannst dich jetzt ordentlich dafür verurteilen. Und es hätte nicht passieren dürfen.
Aber diese nachträglichen Gedanken sind noch übler als die Fehlentscheidung von damals. Dieses Nachtreten und dieses Wiederhervorholen. Und noch mal! Und noch mal!
Kennst du diesen Zwang, nicht Ruhe geben zu können? Lichtenberg hat recht wenn er sagt, dass das das Übelste ist, was du tun kannst. In der Kette der Übelkeiten ist das "Hätte" die größte Übelkeit. Was nun? Auf jeden Fall vermeiden, ständig diese Verurteilungsgedanken zu wiederholen bis zum Erbrechen. Lieber etwas kochen. Einmal um den Block laufen. Sich ablenken. Fernsehen. In die Sauna gehen. Einen Kinofilm anschauen. Sich mit Freunden treffen. Ich empfehle dir ein gedankliches Schwert. Sollte dieser üble "Hätte" Gedanke auftauchen spieß ihn auf! Leg ihn auf den Rost. Brate ihn durch und wirf ihn weg! Du kannst nichts mehr damit anfangen. Übel ist Übel! Vorbei ist vorbei!
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Mittwoch, 17. Oktober 2018

Was für eine Wohltat wäre es nicht, die Ohren so leicht verschließen und öffnen zu können, als die Augen! (Georg Christoph Lichtenberg 1742 - 1799)

Lichtenberg gefällt mir. Wenn ich das Elend der Welt nicht mehr sehen möchte schließe ich die Augen. Es wird dunkel und stille in kann in mir einkehren. Wir sind augenmäßig völlig überreizt. Immer neue Sinneseindrücke. Alles in rasendem Tempo. Wie viele Impulse nehmen wir Tag für Tag über unsere Augen auf. Aber irgendwann kann ich die Augen schließen und alles stoppt. Kein Licht dringt mehr nach innen. Mein ganzes System kann sich erholen. Es geht ganz leicht. Ich muss nur wenig dafür machen und ich habe es selber in der Hand. Einfach die Augen schließen. Zehn Sekunden reichen schon aus, um einen Unterschied zu machen. Schließe doch jetzt mal einfach für einen Moment deine Augen und mache eine Sehpause. Welch eine Wohltat, nicht wahr?

Mit den Ohren geht das nicht. Von Anfang unseres Lebens an bis zum Schluss hören wir. Auch in der Nacht. Es sei denn, wir haben Ohropax. Aber natürlicherweise können wir nicht aufhören zu hören. Wenn du es still haben willst, musst du dich zurückziehen und die Türen und Fenster schließen. Du kannst so gut für dich sorgen, dass es still wird. Aber du kannst nicht eigenständig deine Ohren verschließen. So mal eben für einen winzigen Augenblick.

Wenn ich an Besprechungen teilnehme kommt immer wieder so ein Moment, Ah, das tut gut!" Ich war mal auf einer Weiterbildung, da erklang jede Stunde ein kleiner Gong. Alle schwiegen für eine Minute bis der Gong wieder ertönte. Jede Stunde!
wo ich das gerne könnte. Die Ohren verschließen und keine Stimme mehr hören. Keine Bitten und keine Appelle. Keine Schmeicheleien mehr und keine Vorwürfe. Für einen Moment so tun können, als sei niemand mehr da. Den eigenen Herzschlag spüren und gut mit sich sein. Viele Stimmen und und viel Lärm können manchmal sehr belastend sein. Die Augen schließen geht immer - aber für die Ohren muss ich aktiv sorgen. "Können wir mal alle für einen Moment den Mund halten und schweigen?" "

Wie sähe dein Leben mit einer solch kleinen Unterbrechung aus? Du würdest an jedem lauten und belebten Ort in der Welt für eine Minute schweigen. Die Welt würde still stehen und ein Pause machen. Zeit zum Nachdenken. Wieder aufmerksam werden für das, was wichtig ist. "Ah, die Pause!" "Hören" wir auf und in uns hinein!
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