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Mittwoch, 7. Dezember 2022

Pflücke den Tag!


"Carpe diem!" Diesen Satz habe ich bislang so verstanden:

Nutze den Tag! 

Die Zeit ist kostbar!
Handle nicht unüberlegt!
Mach keine überflüssigen Dinge!
Wer weiß, ob du morgen noch lebst!
Was du heute kannst besorgen...
Morgenstund hat Gold im Mund...

Immer geht es darum, möglichst viel hineinzupacken. Jeden Zeitraum auszunutzen. Die Vorstellung ist mir nicht sehr sympathisch.
Jetzt habe ich eine andere Übersetzung gehört.

Pflücke den Tag!

Der Tag ist wie eine Blume!
Lebendig!
Farbig!
Duftend!
Freude auslösend!
Bejahend!
Zustimmend!
Ein Geschenk!
Du darfst!

"Nutzt" du noch oder "pflückst" du schon? Stell dir vor, dass du diese Welt und diesen Körper verlässt. Wirst du dann auch noch "nutzen" in der Dimension der Zeitlosigkeit? Pflücken wirst du ganz bestimmt - das Leben, die Liebe, die Freude...

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Dienstag, 6. Dezember 2022

Wenn das Leben eine Tür schließt, dann öffne sie wieder. Es ist eine Tür. Türen kann man öffnen.

Stell dir vor, dass du dich beworben hast. Du bist eingeladen zu einem Vorstellungsgespräch und bekommst hinterher eine Absage. Dann schließt sich in diesem Augenblick eine Tür für dich. Diese Stelle hat jetzt jemand anders bekommen und du nicht. Mein Postkartenspruch sagt jetzt: "Wenn das Leben eine Tür schließt, dann öffne sie wieder. Es ist eine Tür. Türen kann man öffnen."
Kann ich jetzt einfach die Stelle antreten, obwohl ich abgelehnt wurde? Ich kann die Tür ja einfach öffnen. Ist ja nur eine Tür! Ich denke, so ist das nicht gemeint. Wenn ich eine Möglichkeit verpasst habe, dann kann sich schnell Resignation in mir ausbreiten. Ich kann so hoffnungslos werden, dass ich nicht einmal mehr eine Türklinke drücke nach dem Motto: Ist eh verschlossen! Für mich! Keine Chance!
Wie könnte der Umgang mit einer Absage anders ausgehen? Wie kann ich die Chance für mich nutzen und die Türklinke drücken, so dass sich etwas für mich öffnet? Ich kann aus der Absage lernen. Ich kann schauen, was war denn der genaue Grund. Wo kann ich mich verbessern. Die Absage kann meine Widerstandskraft stärken nach dem Motto: Jetzt erst recht! Ich kann trotzdem mit dem Arbeitgeber in Verbindung bleiben und mich für das nette Vorstellungsgespräch bedanken.
Es geht also darum, dass ich die Türen nicht als etwas Absolutes betrachte. Türen sind nur relativ verschlossen. Wenn sie sich absolut verschließen, dann muss man sie zumauern.
Solange eine Tür eine Tür ist, kann ich sie öffnen. Wenn ich in Möglichkeiten denke, öffnet sich ein Weg. Sonst gibt es eine Sackgasse. Der Spruch möchte dir helfen, aus einem Sackgassendenken auszusteigen.
Und das erlebe ich in meinem Umfeld häufig: So eine Art Sackgassenbewusstsein. "Da ist nichts mehr zu machen!" "Da geht nichts mehr!" Ja, das stimmt, manche Türen kann ich nicht mehr öffnen, wenn sie sich schließen, aber ich finde trotzdem noch eine Möglichkeit, so lange ich lebe. Es geht schließlich auch nicht um die Tür, sondern um den Raum hinter der Tür und meine Absicht, irgendwo hin zu gelangen. Der nächste kleine Schritt, der mir einfällt, ist die nächste Tür, die ich öffne.
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Montag, 5. Dezember 2022

Gestern war hier noch aufgeräumt. Schade, dass du es verpasst hast.

Das Leben besteht darin, ständig das Chaos zu bändigen und zu sortieren. Ich putze und räume auf und beschaue mir die wunderbare Ordnung. Nur einen winzigen Augenblick später brauche ich ein Küchenmesser und lege es mal eben ab. Später werde ich es wieder einräumen. Dann kommt noch eine Tasse dazu und ein Schneidebrett. Nur noch ein paar kleine Krümel von dem Brot und schon sehe ich den Anfang vom neuen Chaos.
Der Zustand völliger Aufräumung hält nur kurz an. Ich könnte ja mal so ein Zimmer total aufräumen und dann abschließen. Nichts wieder anrühren. Nur ab und zu aufschließen und die Aufräumung genießen. Es würde sich zwar der Staub sammeln. Aber Staub macht keine Unordnung. Es senkt sich Schicht um Schicht auf die Ruhe. Ich könnte wegen der wunderbaren Ordnung noch ein zweites Zimmer so aufräumen und ein drittes und das ganze Haus. Ich würde das Haus nicht mehr benutzen. Ich könnte in ein Zelt ziehen. Da gibt es wenig Platz und weniger Möglichkeiten für Chaos. Ich würde dann ab und zu in mein Haus gehen, dort vorsichtig herumschleichen und nichts anrühren. Ich hätte auf ewig und überall alles aufgeräumt. Niemand, der mich besucht, würde es verpassen. Gestern war ich schon aufgeräumt und heute ist es noch immer so. Leider ist mein Zelt zu klein und darum kann ich dich hier ins Haus nicht einladen. Es würde doch schnell wieder unaufgeräumt sein.
Ich kann auch sagen: Das Haus wäre tot. Das Leben verschwunden. Wer lebt, macht Unordnung. Grundsätzlich. Geht gar nicht anders.
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Samstag, 3. Dezember 2022

Man bringe mir eine Tür. Ich möchte gehen.


Manchmal sitze ich fest. Eine Konferenz oder Besprechung wird einfach nicht fertig. Noch ein Gedanke. Noch ein Tagesordnungspunkt. Noch jemand will etwas sagen.
Oder ich bin Gast bei einer Veranstaltung: Es ist langweilig. Es gibt nichts zu essen, was mich verlockt. Ich habe keine Lust oder bin sonst wie schräg drauf.
Oder ich sitze und habe keine Kraft mehr. Der Akku ist leer. Oder ich bin satt und zufrieden. Ich könnte mich jetzt zurücklegen und einschlafen. Ich bin so müde, dass ich eigentlich nicht mehr aufstehen möchte.
Also, manchmal nehme ich einfach ein Ende wahr und ich bekomme nicht die Kurve. Aus welchen Gründen auch immer. Dann wünsche ich mir einfach eine Tür, die für mich das Aufstehen und Gehen erleichtert. Dann muss ich einfach nichts mehr tun. Leider funktioniert das Leben so nicht. Dir Türen öffnen sich. Aber ich muss da durchlaufen. Ich muss aufstehen und ich muss eine Entscheidung treffen. Ich kann warten bis die Tür kommt, aber sie wird nicht kommen.
Ich kann warten, bis die langweilige Veranstaltung vorbei ist. Ich kann aushalten, mich in Geduld üben und voll passiv sein. Ich kann aber auch einfach aufstehen und gehen. Genug ist genug!
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Freitag, 2. Dezember 2022

Bist du depressiv oder umgeben von Menschen, die dir nicht gut tun?

Wenn du dir selbst Depressionen oder einen Minderwertigkeitskomplex diagnostizierst, stelle sicher, dass du nicht einfach nur von Arschlöchern umgeben bist.

Zu mir kam eine Frau mit der ärztlichen Diagnose einer Depression.
Sie war ratlos. Sie kam sich so ohnmächtig und hilflos vor.
Dann haben wir uns unterhalten über das Leben und die Arbeit und die Familie.
Sie erzählte von ihrem Mann.
Der war auch nicht zufrieden mit ihr. Sie würde nichts für sich tun. Sich nicht mehr schick machen. Die Figur vernachlässigen. So schlecht gelaunt sein.
Ihr Mann würde ständig Vorschläge machen und Veränderungen einfordern. Und es sei so schwer, ihn zufriedenzustellen.
Aber jetzt hatte sie ja eine Diagnose: Depression! Ich kam wirklich auf eine völlig andere Idee. Wenn ich einen Mann an meiner Seite hätte, der mich ständig kritisieren würde und das über Jahre. Wie würde es mir dann gehen?
Ich habe nicht gefragt, aber ich hätte fragen sollen: "Leben Sie mit einem Arschloch zusammen?" Gedacht hatte ich es.
Allein die Vorstellung, dass ich von lauter Arschlöchern umgeben bin befreit mich schlagartig von jeder Depression. Bei einer Depression bestrafe ich mich letztlich selbst und hocke da in meinem Abgrund. Wenn ich sauer bin auf die Welt um mich herum, dann komme ich in die Tat.
Wenn du also so einen Anflug von Depression hast, dann schau doch mal, ob da nicht gerade ein kleines Arschloch in der Nähe ist. ;-)
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