Donnerstag, 30. April 2020

Der Dreh beim positiven Denken


Positives Denken funktioniert nicht wirklich. Das behaupte ich mal einfach. Die Bücher darüber verkaufen sich zwar toll. Allein die Vorstellung, dass das Lesen eines solchen Buches über positives Denken dir hilft, beflügelt dich.
Aber mal ehrlich. Hilft positives Denken wirklich? Ich erlebe eher, dass die Menschen, die es versucht haben, daran scheiterten und am Ende noch enttäuschter waren.
Positives Denken kann auch nicht helfen, weil es die Programme im Unterbewusstsein nicht berücksichtigt. Wenn du kein grundsätzliches Vertrauen ins Leben hast vom Bauch und vom Herzen her, dann helfen keine noch so klugen Sprüche. Deine einschränkenden und negativen Glaubenssätze machen dir das alles in Windeseile kaputt.
Da lese ich diese Spruchkarte und empfange eine interessante Botschaft. Positives Denken ist nutzlos. Und "immer" ist sowieso eine Überforderung. Wenn da in diesem O auf der Spruchkarte nicht ein Smiley wäre. Da grinst mich in diesem Buchstaben das Gesicht an und löst ein Gefühl aus. Das trifft mich ins Herz. Das freundliche Gesicht erweitert die Perspektive über das Kopfspektrum hinaus auf den Herzensbereich. Alles wird gut!
Es kommt also nicht auf das positive Denken an sonder auf die "Arbeit" mit den tieferliegenden Schichten in dir. Wenn du entspannt und gelöst bist brauchst du nicht mehr positiv Denken. Du bist ja im Vertrauen. Du bist! Mehr braucht es nicht!
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Mittwoch, 29. April 2020

Kuckuck, wo bin ich?

Wenn ich kleine Kinder sehe verstecke ich mich. Ich verberge das Gesicht in meine Hände und schaue kurz zwischen meine Finger hindurch und ganz schnell wieder weg. Ich spiele mit dem Kind verstecken. Kinder mögen das sehr und fangen an zu lachen. Sie haben Vergnügen am Verstecken und wiederentdecken. "Kuckuck, wo bin ich?" könnte das Spiel heißen.
Als Erwachsener suchst du die Aufmerksamkeit des Kindes. Du hoffst, dass du das Kind in deinen Bann ziehen kannst. Du wünschst dir vielleicht, dass du es sogar schaffst, ein Kind vom Quengeln oder von Tränen abzulenken.
Das erinnert mich an Runden unter Erwachsenen, wo mir das nicht gelingt. Ich komme nicht dazwischen. Immer reden andere! Sobald ich ansetzen möchte buhlt wenigstens einer um das nächste Wort. Manchmal gehe ich hinein in den Kampf und denke: "Jetzt bin ich aber dran!" Oft ist jemand anders schneller als ich. Irgendwann gebe ich auf! Die Themen haben gewechselt. Meine Lust ist verschwunden und mein Selbstvertrauen sinkt gleich mit. Dann denke ich daran, dass ich bei einem kleinen Kind nichts sagen muss. Hände vor das Gesicht. Ein wenig zwischen den Fingern hindurchschauen. Die Hände fallen lassen. Lachen und wieder verstecken. Ich muss nichts sagen. Nicht kämpfen. Und wenn das Kind schon sprechen kann wird es vielleicht sagen: "Noch einmal! Noch einmal!"
Ich stelle mir vor, in einer Runde von Erwachsenen zu sitzen. Wir sprechen über ein Thema und plötzlich wachen alle auf. Da sitzt jemand, der hat auch etwas zu sagen. Wir müssen nur einen Moment innehalten und schweigen. Uns gegenseitig anschauen und durch ein kurzes Nicken ermutigen. "Kuckuck, da bin ich!" Ich glaube nicht, dass die Erwachsenen in einem Gespräch immer wissen, wo sie sind! So viele kluge Worte! So weit weg vom Leben! Manchmal so unwichtig! Aber zugleich sooo wichtig!
Dann wechsle ich die Perspektive. Ich bin das Kind. Da macht ein Erwachsener einen Spaß mit mir. Versteckt sich hinter seinen Händen. Blinzelt durch eine Fingerritze. Lächelt mir zu! Grinst mich an! "Kuckuck, wo bin ich?" Hinter den Fingern? Oder mit dem Herzen ganz nah bei mir!
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Dienstag, 28. April 2020

Schaffe Ordnung in deiner Seele!

Im Spielwarengeschäft fand ich diese schöne Kulturtasche. So heißt sie glaube ich. Die muss für Mädchen gemacht worden sein. Ein Pferdekopf und eine Karotte. Und vor allem Taschen, in die man etwas hineinstecken kann. Ordnung schaffen im kindlichen Beautycase. Für alles gibt es einen Platz und alles lässt sich gut wiederfinden. Ordnung in einem schönen Täschchen.
Mein erster Impuls war ja: Wenn ich ein Mädchen wäre in einem bestimmten Alter, dann hätte ich mich für diese Tasche entschieden. Warum? Mein Herz und meine Seele haben gedacht: Wie schön!
Mein zweiter Impuls dann war: Kann man auch in seiner Seele Ordnung schaffen? Kann man, dachte ich. Manchmal ist da alles so durcheinander. Dieses Gefühlschaos, das da mitunter herrscht. Kaum hast du das eine Erlebnis so ungefähr verarbeitet, musst du dich schon wieder mit dem nächsten beschäftigen. Da rumoren dann in den Gedanken gleichzeitig viele Ereignisse. Das ist nicht gut für die Seele, weil sie dann ganz durcheinander kommt.
Wie könnte ein Ordnungssystem für die Seele aussehen? Ausatmen und loslassen. Mit jedem Atemzug etwas. Loslassen, was die Seele nicht länger haben möchte und ein virtuelles Fach im Herzen schaffen für das, wovon die Seele leben kann. Im Eintamen aufnehmen und im Ausatmen abgeben.
Hast du einmal in deinen Herzenskammern der Seele nachgeschaut, was sich da alles so befindet? Welche Dinge aus Kindertagen spuken da wohl so herum und bereiten dir bis heute Kummer? Aufräumen ist nicht leicht, weil die Dinge tief vergraben sind in fast unsichtbaren Taschen. Sie machen sich aber manchmal bemerkbar. Als latente Unzufriedenheit. Als Unglückspotential. Als Spass- und Lebensbremse.
Daneben gibt es die kostbaren Kleinodien. In so einer "Mädchentasche" gibt es die ja auch. Die kleinen Schätze, die das Herz erfreuen. Gibt es solche Dinge auch in deinem Herzen. Entdecke sie doch mal wieder neu für dich! :-)
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Montag, 27. April 2020

Neue Kollektion Peace & Love

In einem Bekleidungsgeschäft fand ich den Hinweis auf eine neue Kollektion mit dem Titel "Peace & Love". Eine Kollektion von Kleidung, die Frieden und Liebe verspricht. Nicht mehr und nichr weniger! Hier sollten die Friedensaktivisten und Liebesbedürftigen zugreifen. Du trägst eine Hose, in der du dich liebenswert und friedlich fühlst. Nicht schlecht!
Dabei braucht die Menscheit heute genau das: eine neue Kollektion mit Frieden und Liebe. Diese Kollektion ist eigentlich uralt. Fast alle Religionen leben davon und haben es sich seit Jahrtausenden auf die Fahne geschrieben. "Mach mit! Bei uns erfärhst du Frieden und Liebe!"
Dass der Bekleidungsmarkt da mitschwingt ist doch interessant.Warum heute? Warum im Jahr 2016? Geht es vielleicht um Flüchtlinge? Darum, dass die Menschen sich zur Zeit unsicher und bedroht fühlen? Glaubt die Bekleidungsindustrie, dass sie mir da einen tollen Panzer aus Abwehrkleidern anbieten kann? Kampfkleidung? Dabei war Kleidung schon immer wichtig. Auf eine Demo gehe ich nicht im Abendkleid und zum einem Konzert ziehe ich nicht Sportsachen an. Welche Kleidung trägt jemand, der an Liebe und Frieden glaubt? Gandhi trug damals indische weiße Baumwolltracht und die Hippies liebten es bunt.
Leider habe ich nicht einmal genau hingeschaut, welche Farben denn in der neuen Kollektion vorherrschen. Gandhi mit Hippieeinsprengsel im Ethnolook? Interessant finde ich noch die Reihenfolge: nicht Love and Peace sondern umgekehrt. Peace and Love geht mir schwerer über die Lippen.
Dennoch bin ich total für diese neue Kollektion. Sie sollte jeden Monat wieder neu auftauchen als neue Kollektion bis alle es gehört haben. Love and Peace könnte zu einem Renner werden, der die Welt nachhaltig verändert.
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Samstag, 25. April 2020

Dein österliches Wort: Ja!


Ich sage Ja zum Leben
Ich sage Ja zu meinen Gefühlen
Ich sage Ja zu meiner Arbeit
Ich sage Ja zu meinen Wegen
Ich sage Ja zu den Menschen, mit denen ich zusammenlebe

Ich sage Ja zu meinen Schwächen
Ich sage Ja zu meinen Schrullen
Ich sage Ja zu meinem Suchen
Ich sage Ja zu meiner Ungeduld
Ich sage Ja zu meinen Schmerzen

Ich sage Ja zu meinem Nein
Ich sage Ja zu meiner Veragangenheit
Ich sage Ja zu meiner Zögerlichkeit
Ich sage Ja zu meiner Angst
Ich sage Ja zu meiner Herkunft

Ich sage Ja zu dem, wozu ich nicht Ja sagen kann
Ich sage Ja zu dem, was noch offen ist
Ich sage Ja zu dem, was ich nie lösen werde
Ich sage Ja zu dem, was in mir gestorben ist
Ich sage Ja zu dem, was ich nicht lieben kann

Ich lasse mich anstecken von einem österlichen "Ja!"
Ich stimme ein in dieses österliche "Ja!"
Ich lasse mich mitnehmen hin zu dem österlichen "Ja!"
Ich schwinge mich ein auf das österliche "Ja!"
Ich öffne mein Hezr für dieses österliche "Ja!"

Ich sage Ja zu dir
Ich sage jetzt Ja zu dir
Ich sage dir ein willkommenes Ja
Ich sage dir ein herzliches Ja
Ich sage dir ein österliches Ja

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Freitag, 24. April 2020

Dein österliches Wort: Hier!


Wo schaust du hin? Wo findet das Leben statt? Lässt du dich ablenken? Wohin geht deine Aufmerksamkeit? Wo bist du gerade?

Ich höre einem Vortrag zu und bin in Gedanken beim Mittagessen. Dann bin ich bei meinem Handy. Soll ich mal neugierig nachschauen? Dann gehe ich zu meiner Wasserflasche und dann sortiere ich meine Beine neu. Ich kann nicht mehr sitzen und ich überlege mir ständig neue Sitzpositionen. Der Vortrag geht weiter.
In mir entstehen die Bilder vom Hotelzimmer, vom Weg dahin, von der Bahn, die mich dahin bringt, vom Feierabendverkehr, von einer möglichen Sauna, vom vor mir liegenden Wochenende. Ich wandere hin zu meinem nächsten Urlaubsort und zum Supermarkt und den Produkten, die ich einkaufen möchte. Ich bin überall. Überall woanders. Nur! Ich bin nicht hier!
Der Vortrag geht weiter. Ohne mich. Ich bin nämlich nicht mehr da. Ich bin weit weg. In einer anderen Welt. Ich bin nicht mehr hier!
Da taucht dieses Wort auf. Hier! Sei hier! Hier an diesem Ort. Hier bei den Menschen in der Runde und hier bei der Frau, die den Vortrag hält. Dann gehen die Gedanken wieder spazieren und die innere Stimme sagt erneut: Hier! Dann fällt mir ein: Hier will ich ja gar nicht sein! Ich wäre lieber am Gemüsestand im Supermarkt als bei den Vortrag. Mein "Hier" ist bei dem frischen Feldsalat, der vor meinem geistigen Auge auftaucht. Ich sehe den Feldsalat realer als die Frau, die den Vortrag hält. Das kann ich mit meiner Phantasie.
Aber die Stimme sagt wieder: "Hier!" Für einen Moment bleibe ich tatsächlich hier. Denn die Frau mit dem Vortrag schaut mich gerade an. Ich schaue freundlich zurück und bin jetzt hier. Ich bin hier mit meinem Körper, mit meinem Herzen und mit meinen Gedanken. Ich bin hier!
Die Jünger suchten ihren Jesus als die das leere Grab an Ostern sahen. Die Engel gaben ihnen die Botschaft mit auf dem Weg: "Er ist nicht hier." Wie erlösend muss es gewesen sein bei der Begegnung mit dem Auferstandenen: "Ich bin hier!"
Du gehst fort mit dem Körper oder mit deinen Gedanken und wenig später bist du wieder da. Ich bin hier! Genau darin besteht die Kunst des Lebens. Du übst dich darin ein, kontinuierlich im Hier zu sein.
Ich höre dem Vortrag zu und höre auf, zuzuhören. Die Worte tragen mich fort. Ich sehe die Frau an und nehme meinen Körper wahr, meinen Atem,  meine Gedanken und meinen Herzschlag. Jetzt bin ich hier!
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Donnerstag, 23. April 2020

Dein österliches Wort: Nur zu!


"Soll ich das wirklich machen?" - "Meinen Sie ich könnte das?" - "Ist das nicht zu viel?" -  "Ist das nicht zu wenig?" - "Ich bin mir so unsicher!"
So ist es! Wir sind uns oft nicht sicher. Wir wissen nicht wie die Geschichte ausgeht. Vielleicht treffe ich ja eine falsche Entscheidung. Und dann? Wir alle könnten viel erzählen von unseren Hürden und Hindernissen. Wenn wir die nicht hätten dann würden wir einfach durchs Leben stürmen. Aber da ist diese Unsicherheit. Was sind die Folgen? Kann ich das? Soll ich das? Kennst du die vielen Namen für deine Unsicherheiten? Das Wort deutet es ja schon an. Dir fehlt die Sicherheit. Du hast ein Bedürfnis nach Sicherheit. Erst mit dem Schwimmreifen springst du ins Wasser! Wirklich? Wie dick muss der Reifen sein, dass du dich traust? Wie stark muss dein Bedürfnis nach Sicherheit erfüllt werden dass du dich überwindest?
Das andere Wort, das sich hinter der "harmlosen" Unsicherheit versteckt ist "Angst". Manchmal schreiben sich alle Buchstaben Groß bis Übergroß. "ANGST". Ja, wir haben Angst! Angst vor dem Ertrinken, Angst davor heruntergemacht zu werden. Angst zu verhungern. Angst, zu kurz zu kommen. Schreibe einmal eine Liste deiner persönlichen Ängste. Und wenn du wieder vor einem Hindernis stehst, dann schau dir diese Liste an und frage dich, welche Angst steckt gerade dahinter.
Ich konnte als Kind kein Bockspringen. Ich hatte tierische Angst. Ich kam da nicht drüber. Ich blieb davor stehen! Immer! Ich konnte meinen Absprung so doll abstoppen, dass der Sprung nicht einmal weh tat. Meine Angst behinderte den Sprung. Ich schämte mich dafür! Ich spürte den bohrenden Blick der anderen Kinder. Ich hörte ihr Lachen. Ich sah den ratlosen Blick des Lehrers. Die Hürde blieb erbarmungslos vor mir stehen. Irgendwann mit über vierzig Jahren bin ich noch einmal gesprungen. Und das Wunder? Ich konnte es! Einfach so und der Bock war kein Hindernis mehr.
Was hatte damals gefehlt in der Schule? Ein angstfreier Raum! Ein guter Umgang mit den Hürden und Hindernissen? Verständnis? Ermutigung? Geduld? Die richtige Methode? Ein leichter Ansporn? Vielleicht von allem etwas! Heute kommen die Menschen zu mir, die vor ihren Böcken stehen und nicht herüberkommen.
Innerlich sage ich mir selbst ganz sanft: "Nur zu!" Da gibt es den Moment wo du losläufst. Dann zögerst du so ganz eben. Der Impuls zur Bewegung ist schon gesetzt. Du hebst die Ferse leicht an. Bevor die Angst kommt und gewinnt. Also nach dem ersten Impuls und vor der stoppenden Angst braucht es etwas. Ein kleiner Stupser! Eine winzige Aufforderung! Eine kleine Einladung! Ein letzter Kick! "Nur zu!"
Die Frauen gingen am Ostermorgen zum Grab um Jesus zu salben. Vielleicht gab es da auch so einen Impuls von "Ja, das tut uns gut!" bis hin zu "Wozu das alles. Das ist doch sinnlos!" Dann gab es den Impuls: "Nur zu!" Ob es sinnvoll ist oder nicht wirst du erst herausfinden wenn du es machst. Und? Vor welcher Aufgabe stehst du gerade? Ich sage dir von hier aus: "Nur zu!"
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Mittwoch, 22. April 2020

Dein österliches Wort: Auf!


Du kannst nicht mehr! Du bist müde! Du bist erschöpft! Du hast dich verausgabt! Du bist am Ende!
Manchmal stellt sich im Leben so ein Gefühl einfach ein. Es ist zu viel auf dich eingestürmt. Du bist überfordert. Du kannst das alles nicht mehr bewältigen. Eigentlich bist du ja kein Weichei und du hast dich immer wieder auf den Weg gemacht. Komm, etwas geht schon noch!
Dann gibt es einen Zeitpunkt, da geht es eben nicht mehr! Dann musst du dich hinsetzen und eine "ewige Pause" machen. Ohne Energie im Akku läuft halt nichts mehr. Die Menschen des Karfreitags haben das hautnah erlebt. Es ist so aussichtslos! Was willst du gegen den Tod machen? Was machst du gegen den Hass? Die Hoffnungslosigkeit? Du resignierst. Du hörst auf zu kämpfen und bist nur froh, dass die Anstrengung endlich aufhört. Dann gibst du dich einfach der Erschöpfung hin.
Und dann... dann kommt erst einmal lange nichts!
Und dann... dann kommt noch immer nichts!
Die Erschöpfung kann lange und lange dauern!
Und dann? Dann kann es geschehen, das dann, wenn du es selber von dir aus gar nicht mehr willst und mit allem abgeschlossen hast, der Hauch einer Stimme zu dir dringt.  Dieser Hauch nutzt den winzig kleinen Spalt in deinem Ohr aus und flüstert: "Auf!" Und von dir? Da kommt mit tiefen Seufzer ein: "Ach nein!" Und die Stimme? Sie macht eine Pause und flüstert irgendwann wieder: "Auf!" Sie macht nichts weiter als hin und wieder ein "Auf!" zu flüstern. Und je nach der Kraft, die sich in dir entfaltet kann das "Auf!" sich steigern. Es schwingt mit dir mit! Es hört nicht auf, bis du wirklich "auf-stehst!" und gehst.
Die österliche Einladung des "Auf!" lädt dich ein mit Flüstern, Schmeicheln, Provozieren, Hauchen bis hin zum Rufen. Du kannst die Todeszone verlassen. Die Energie ist da!
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Dienstag, 21. April 2020

Dein österliches Wort: Du!


"Ich brauche jemanden der mir hilft. Komm doch mal her! Du stehst doch gerade da. Hast du Zeit? Hast du gerade nichts zu tun? Dann pack doch mal an!"
Da sucht jemand eine starke Hand. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass ich gar nicht gemeint bin. Ich als Person bin völlig unwichtig. Meine Hände werden gebraucht und meine Kraft. Aber ich selbst? Ich bin nicht gemeint!
"Ich muss dir unbedingt erzählen von meiner Begegnung gestern im Supermarkt. Da stand ich doch an der Kasse und diese Frau drängte sich einfach vor. Sie hätte nur ein Paket Nudeln und das würde auch ganz schnell gehen. Das musste ich dir unbedingt erzählen weil ich noch so sauer bin!"
Da ärgert sich jemand. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass ich gar nicht gemeint bin. Wieder bin ich völlig unwichtig. Dieser Mensch will eine Geschichte loswerden. Es geht um seinen Ärger. Aber es geht nicht um mich. Ich werde nicht einmal gefragt, ob ich die Geschichte hören mag. Ich bin nicht gemeint.
Durchforste doch einmal deinen Alltag. Wenn die Kinder zu dir kommen, dein Mann, deine Frau, deine Freunde, Familie oder Nachbarn. Überprüfe einmal ob du gemeint bist. Dir werden Geschichten erzählt. Du sollst zuhören. Da will jemand etwas los werden. Aber bist du gemeint? Du selbst? Was wäre der Unterschied? Woran würdest du merken, dass diese Person dich selber meint?
Manchmal überprüfe ich das. Ich schaue die Person an und frage: "Bist du da?" Dann warte ich, ob eine Reaktion kommt. Ein Blick, ein Wort, eine Geste. "Darf ich dir etwas erzählen? Leihst du mir dein Ohr und deine Aufmerksamkeit? Danke, dass du das für mich machst. Ich mag es so gerne mit dir teilen."
Leider reden wir Menschen selten so miteinander. Wir überfallen uns mit Geschichten ohne zu überprüfen, ob das Gegenüber wirklich da ist und da sein möchte. Stell dir einen Menschen vor der dich mag. Dieser Mensch wartet geduldig bis du ihn anschaust. Nachdem eure Augen sich getroffen haben sagst du: "Du!" Du wirst in deinem Herzen spüren ob es zu einer Verbindung kommt. Dann bist du gemeint! Wirklich "DU"!
So ist das österliche "Du!" Nicht irgendjemand ist gemeint, nicht deine Hände oder deine helfende Art. Auch nicht der Mensch vor dir oder hinter dir und auch nicht ein allgemeines "Man" oder ein vereinnahmendes "Wir". "Du" in deiner Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit. Ich meine "Dich!".
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Montag, 20. April 2020

Dein österliches Wort: Jetzt


Kennst du die Erfahrung vertröstet zu werden? Als Kind hast du deiner Mutter zugerufen: "Mama, komm mal!" Und deine Mutter hat geantwortet: "Ja, gleich!" Und dann? Sie war so beschäftigt und kam nicht.
"Gleich!" Diese Antwort habe ich schon so oft gehört beim Dialog zwischen Eltern und Kindern. In der Alltagswelt gibt es auch Vertröstungen. "Mal sehen!" "Später!" "Das müssen wir uns noch genauer anschauen!" "Da kann ich Ihnen im Augenblick gar nichts zu sagen!" "Es ist noch zu früh!" "Es ist leider schon zu spät!"
Du wirst hingehalten! Du drehst noch eine Schleife und hoffst auf eine baldige Antwort. Die Antwort kommt aber nicht. Du wartest! Warten ist ein schrecklicher Zustand. Denn in der Zeit des Wartens bist du emotional blockiert. Du kannst dich nicht auf andere Dinge konzentrieren. Du unterbrichst dein Leben und kommst dir vor wie im Nebel. Deine Lebenszeit verrinnt und du nimmst am Leben selbst nicht mehr teil. "Gleich!" ist ja eigentlich schon sehr bald. Gleich ist sehr nah dran an der Gegenwart, aber wie nah? Eine Minute? Eine Stunde? Zwei Stunden? Auf jeden Fall kürzer als "Später". Bei "Später" richte ich mich auf das Warten ein und kann in der Zwischenzeit etwas anderes machen. Aber bei "Gleich!" Das ist ein Moment, ein Augenblick, Zeit für ein Glas Wasser und den Gang zur Toilette. Aber dann? Dann muss "Gleich!" sich erfüllen.
Manchmal wird aus dem "Gleich!" aber auch ein "Jetzt!". "Jetzt mein Kind, bin ich für dich da! Dein Warten hat ein Ende. Es war nicht vergeblich! Jetzt schenke ich dir meine Aufmerksamkeit, mein Ohr und mein Herz!"
"Jetzt!" - Ein wirklich österliches Wort. Der Tote wartet auf das erlösende Wort vom Leben. Der Kranke wartet auf die befreiende Botschaft vom Heilwerden. Der sehnsuchtsvoll Liebende wartet auf die erfüllende Antwort seiner Geliebten. In das "Jetzt!" kannst du alle Anspannungen fallen lassen. Du kannst dich zurücklehnen. Du wirst etwas los, das du nicht mehr behalten musst. Du möchtest etwas sagen, teilen, loswerden, bekommen. Das "Jetzt!" erfüllt ein ganz wichtiges Bedürfnis wie Sicherheit oder Freude.
Das österliche "Jetzt!" fordert dich geradezu heraus nicht in das Gestern, in den Tod zu gehen und auch nicht in die Warteschleife des Morgen. Jetzt darfst du leben!
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Sonntag, 19. April 2020

Dein österliches Wort: Jetzt!


Kennst du die Erfahrung vertröstet zu werden? Als Kind hast du deiner Mutter zugerufen: "Mama, komm mal!" Und deine Mutter hat geantwortet: "Ja, gleich!" Und dann? Sie war so beschäftigt und kam nicht.
"Gleich!" Diese Antwort habe ich schon so oft gehört beim Dialog zwischen Eltern und Kindern. In der Alltagswelt gibt es auch Vertröstungen. "Mal sehen!" "Später!" "Das müssen wir uns noch genauer anschauen!" "Da kann ich Ihnen im Augenblick gar nichts zu sagen!" "Es ist noch zu früh!" "Es ist leider schon zu spät!"
Du wirst hingehalten! Du drehst noch eine Schleife und hoffst auf eine baldige Antwort. Die Antwort kommt aber nicht. Du wartest! Warten ist ein schrecklicher Zustand. Denn in der Zeit des Wartens bist du emotional blockiert. Du kannst dich nicht auf andere Dinge konzentrieren. Du unterbrichst dein Leben und kommst dir vor wie im Nebel. Deine Lebenszeit verrinnt und du nimmst am Leben selbst nicht mehr teil. "Gleich!" ist ja eigentlich schon sehr bald. Gleich ist sehr nah dran an der Gegenwart, aber wie nah? Eine Minute? Eine Stunde? Zwei Stunden? Auf jeden Fall kürzer als "Später". Bei "Später" richte ich mich auf das Warten ein und kann in der Zwischenzeit etwas anderes machen. Aber bei "Gleich!" Das ist ein Moment, ein Augenblick, Zeit für ein Glas Wasser und den Gang zur Toilette. Aber dann? Dann muss "Gleich!" sich erfüllen.
Manchmal wird aus dem "Gleich!" aber auch ein "Jetzt!". "Jetzt mein Kind, bin ich für dich da! Dein Warten hat ein Ende. Es war nicht vergeblich! Jetzt schenke ich dir meine Aufmerksamkeit, mein Ohr und mein Herz!"
"Jetzt!" - Ein wirklich österliches Wort. Der Tote wartet auf das erlösende Wort vom Leben. Der Kranke wartet auf die befreiende Botschaft vom Heilwerden. Der sehnsuchtsvoll Liebende wartet auf die erfüllende Antwort seiner Geliebten. In das "Jetzt!" kannst du alle Anspannungen fallen lassen. Du kannst dich zurücklehnen. Du wirst etwas los, das du nicht mehr behalten musst. Du möchtest etwas sagen, teilen, loswerden, bekommen. Das "Jetzt!" erfüllt ein ganz wichtiges Bedürfnis wie Sicherheit oder Freude.
Das österliche "Jetzt!" fordert dich geradezu heraus nicht in das Gestern, in den Tod zu gehen und auch nicht in die Warteschleife des Morgen. Jetzt darfst du leben!
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Samstag, 18. April 2020

Dein österliches Wort: Immer wieder!


Immer wieder stehst du auf wenn du gefallen bist. Immer wieder wachst du auf und beginnst deinen Tag. Immer wieder greifst du zur Zahnbürste und pflegst deine Zähne. Immer wieder richtest du deine Aufmerksamkeit auf die Menschen, die du liebst.
Immer wieder sagst du JA zu deinem Leben und triffst die Entscheidung für den heutigen Tag. Immer wieder! Woher nimmst du die Kraft dazu! Ist es dir dein unglaublich starker innerer Motor schon einmal aufgefallen? Was lässt dich immer wieder hoffen?
Ich kenne viele Menschen, die in einer verzweifelten Situation sagen: "Ich kann nicht mehr!" Dieses Gefühl kann ich sehr gut teilen. Innerlich weiß ich aber, dass der Augenblick kommt wo dieser Mensch wieder aufsteht. "Immer wieder!" Immer wieder geht die Sonne auf heißt es doch in einem Schlager. Wir Menschen geben irgendwann doch einmal auf. Irgendwann kommt der Zeitpunkt wo wir resignieren und loslassen müssen. Wenn du den Menschen, den du liebst, nicht erreichst. Wenn deine Liebe nicht erwidert wird. Dein menschliches "immer wieder" geht wirklich zu Ende. Das Aufgehen der Sonne übrigens auch.
Zugleich gibt es ein österliches "immer wieder". Das ist ewig! Immer wieder sucht Gott den Kontakt zu uns Menschen. Er sucht die Verbindung mit dir. Immer wieder! Er wird nicht müde! Er wird angetrieben von der Liebe. Die Liebe sagt das: Immer wieder!
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Freitag, 17. April 2020

Dein österliches Wort: Willkommen!


Wenn ich ein Seminar besuche freue ich mich immer auf den Beginn. Ich schaue auf ein Flipchart Papier mit der Überschrift: Herzlich willkommen! Noch mehr freue ich mich, wenn das "w" groß geschrieben wird.
Übersetzt heißt es ja: Es ist mein Wille, dass du kommen darfst! Ich fühle mich eingeladen! Ich muss nicht fragen ob ich darf. Für mich gibt es einen Platz. Um diesen Platz muss ich nicht kämpfen. Er wird mir eingeräumt. Da sagt jemand zunächst einmal "Ja" zu mir.
Du bist willkommen! In deiner Familie, an deiner Arbeitsstelle, bei deinen Freunden, im Supermarkt, auf der Straße, am Bahnhof, im Kino und an vielen anderen tausenden Orten in dieser Welt. Kennst du Menschen, die den Raum betreten mit der nonverbalen Botschaft: "Entschuldigung, dass ich da bin!" Sie senken den Kopf und schauen dich nicht an. Sie entschuldigen sich ständig und stoßen dann tatsächlich irgendwo an, weil sie mit Scheuklappen herumlaufen.
Wie empfindest du dein eigenes Dasein in dieser Welt. Fühlst du innerlich dieses große und riesengroße "Willkommen"! Spürst du diese Einladung, die dich zehn Zentimeter größer macht? Die deine Körperzellen in die Ausdehnung bringt? Die dich tief durchatmen lässt? Die zu 100% gilt?
Übrigens gibt es da eine Einladung auf Gegenseitigkeit. Wenn du dich nicht willkommen fühlst dann kann es daran liegen, dass du selber das Leben nicht eingeladen hast. Schlag doch einfach mal morgen früh deine Bettdecke zurück und rufe laut: "Willkommen, schöner Tag!" Begrüße die einzelnen Teile deines Körpers, deine Dusche und deine Kleidung. Lade deine Kaffeemaschine ein zum fröhlichen Kaffeeproduzieren und rufe der Welt ein "Willkommen!" entgegen. Es ist dein Wille, dass etwas und jemand zu dir kommen darf. Du lässt jemanden oder etwas an deiner Seite sitzen. Sag willkommen zu deinen Gefühlen, seien sie angenehm oder unangenehm. Das österliche Wort des Willkommens weitet deinen Raum!
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Mittwoch, 15. April 2020

Dein österliches Wort: Werde!


Sei und Werde! Du darfst zugleich im Sein sein und "Werden". Du bist in einer Entwicklung. Die hört nie auf! Du bist nie fertig! Nicht im Sinne eines Mangels. Du bist wie ein Baum. Auch der wächst. Er nimmt an Größe und Umfang zu. Er sammelt Erfahrungen und Erlebnisse. Jedes Erlebnis macht ihn reifer und vollständiger.
Bist du innerlich damit einverstanden? Das ist eine wichtige Frage! Bei meinem achtzehnten Geburtstag erzählten mir die Erwachsenen: "Jetzt gehörst du zu uns! Jetzt bist du erwachsen!" Ich konnte das noch nicht so ganz glauben weil ich mich noch so unfertig fühlte. Aber ich dachte, so in zwei oder drei Jahren mag das stimmen. Dann bin ich wirklich fertig. Vor allem, wenn ich mein Studium abgeschlossen habe.
Ich kenne viele Menschen die schon lange fertig sind. Haus bauen, heiraten, Kinder bekommen. Fertig! Nicht so ganz! Viele Jahre warten auf die Rente! Dann sterben und wirklich fertig!
Wenn du einverstanden bist mit dem "Werden" dann wird dein Leben zu einem Prozess. Es wird sich ständig wandeln und verändern. Du kannst nichts festhalten. Du gleichst mal einem Bach, mal einem Fluss und mal einem Rinnsal. Aber es verändert sich kontinuierlich. Wenn ich dir das österliche Wort "Werde!" zurufe dann bitte ich dich um das Einverständnis, dass du diesem Fließen deine innere Zustimmung und dein Einverständnis schenkst.
Stell dir vor dass du das Wasser bist. Du findest auf dem Weg des Fließens einen Baumstamm toll und möchtest ihn umarmen und festhalten. Weil du ständig fließt glaubst du, dass du diesen Baumstamm tatsächlich festhalten kannst. Aber das ist ein Irrtum. Der Baumstamm verändert seine Struktur und du bist nicht mehr das gleiche Wasser. Wasser Ja! Aber nicht mehr das gleiche. Hast du ein Bewusstsein davon?
Wenn du dich dem Prozess des Werdens überlässt "gehorchst" du dem Gesetz des Wachstums. Jesus kannte dieses Gesetz. Er sprach davon dass das Reich Gottes einem Senfkorn gleicht. Am Anfang ist es unscheinbar und klein und am Ende wird es zu einem großen Strauch.
Du kannst dich gegen das "Werden" stemmen aber erfüllter wird dein Leben wenn du dein Einverständnis gibst. "Werde!"
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Dienstag, 14. April 2020

Dein österliches Wort: Sei!


Sei lauter, sei leiser, sei stiller, sei gesprächiger, sei sparsamer, sei großzügiger, sei liebevoller, sei härter, sei moderner, sei traditionsbewusster, sei pünktlicher, sei genauer, sei kinderfreundlicher, sei geselliger, sei friedlicher, sei strukturierter, sei nicht so genau, sei genauer, sei sauberer, sei nicht so pingelig, ...

Wie lange wirst du brauchen bis du alle "sei" erfüllt hast? Wer richtet solche Wünsche an dich? Deine Familienangehörigen, KollegInnen oder du selbst? Der Hintergrund ist immer der Gleiche. Du bist nicht richtig so wie du bist! Du sollst anders sein! Und wenn du an einem Punkt richtiger bist, dann bist du gewiss an einem anderen Punkt auf jeden Fall noch falsch. Du arbeitest dein ganzes Leben daran immer richtiger zu sein. Du wirst immer wuschiger im Kopf! Du erfüllst vielleicht den Wunsch von manchen Menschen aber du bist nicht mehr du. Du bist derjenige/diejenige, die jemand anders sich wünscht.
Irgendwann hast du deine Mitte verloren. Du wirst es nämlich nie jemanden so wirklich recht machen. Es bleibt ein kleiner Rest. Du wirst immer und ständig an deinen Themen arbeiten. Ich höre die Resignation: "Das schaffe ich nie! Das ist so anstrengend! Du wirst nie fertig!"
Das österliche Wort heute heißt: "Sei!" Ohne ein Wort dabei! Du bist auf diese Welt gekommen als ein kleines Baby. Damals hat niemand etwas von dir erwartet. Alle haben sich nur gefreut dass du da warst! Nur aufgrund deiner Existenz! Du musstest nichts dafür tun! Du könntest einfach mal wieder dieses kleine Baby in dir besuchen. Bade in dem Gefühl des puren Daseins!
Wenn du im Urlaub am Strand sitzt und aufs Meer schaust, deine Seele in die Sonne hältst und es dir einfach nur gut gehen lässt dann bist du im Sein! Wenn du jetzt für einen Augenblick deine Augen schließt und alle deine tausend Gedanken auf ein schönes Samtkissen ablegst kann es auch geschehen das nur einfach nur bist! Ohne Beiwort, ohne Bewertung, weder richtig noch falsch. Sei!
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Montag, 13. April 2020

Dein österliches Wort: Du darfst!


"Mama, darf ich noch ein Eis?" - "Nein Kind, gleich gibt es Abendessen!"
"Mama, darf ich Fernsehen schauen?" - "Nein Kind, du hast heute schon deine halbe Stunde gehabt!"
"Darf ich heute früher gehen, meine Frau ist krank." - "Muss das wirklich sein?"
"Darf ich heute aus dem Krankenhaus entlassen werden?" - "Ich weiß nicht, wenn dann auf eigene Verantwortung!"
Schon als Kinder haben wir gelernt zu fragen. Wir bitten um Erlaubnis. Dann dürfen wir oder wir dürfen nicht. Die Eltern haben die Macht. Die Kinder beugen sich der Macht. Denn die Eltern haben es ja zu sagen. Sie bestimmen. Dann spielen Kinder miteinander und ein Kind macht einen Vorschlag. Ein anderes Kind sagt: "Immer willst du der Bestimmer sein!" Kinder lernen schon früh, wie die Dinge laufen. In der Regel sind Erwachsene die Bestimmer. Sie bestimmen über das Leben der Kinder. Du darfst oder du darfst nicht. Wenn ein Kind Glück hat bekommt es immerhin mal eine vernünftige Erklärung warum es darf oder nicht. Aber es muss auf das gültige "JA" der Eltern warten. Wir werden älter und fragen noch immer ob wir dürfen oder nicht. Vor einiger Zeit hielt ich ein Tagesseminar und eine Teilnehmerin fragte mich, ob sie auf die Toilette dürfte. Was hätte ich sagen sollen? "Ja klar, wenn Sie müssen!" "Nein, warten Sie doch noch eine halbe Stunde, dann machen wir sowieso Pause!" Ich habe ihr gesagt: "Wenn ich Sie wäre, täte ich das einfach selbst entscheiden."
"Dürfen" und "nicht dürfen". Natürlich ist es wichtig, dass Kinder noch nicht die volle Verantwortung für ihr Leben übernehmen können, weil sie nicht alle Folgen überblicken. Sie brauchen die Begleitung des Erwachsenen. Das "Dürfen" gibt die Möglichkeit für Eltern im positiven Sinne für die Sicherheit und das Wohlbefinden des Kindes zu sorgen.
Doch nach und nach können wir aufhören mit der Frage: "Darf ich?" Die Bibel erzählt viele Geschichten von Menschen, die etwas nicht oder nicht mehr durften. Sie durften nicht mehr ins Dorf wenn sie aussätzig waren. Sie durften nicht in den Tempel. Sie durften bestimmte Dinge nicht essen. Dazu kommt dann die große Unsicherheit! Darf ich vielleicht doch? Oder manchmal? Oder unter bestimmten Voraussetzungen?
Darf ich wieder heiraten obwohl ich geschieden bin? Darf ich zur Kommunion gehen auch wenn ich aus der Kirche ausgetreten bin? Manchmal bis oft kommt die Antwort wie bei einem Kind: "Du darfst!" oder "Du darfst nicht!" Solange ich um Erlaubnis bitten muss denke und handle ich wie ein Kind. Ich übernehme keine Verantwortung sondern schiebe sie dem Erwachsenen zu.
Das österliche "Du darfst" muss sich darum unterscheiden von den Kind- Erwachsenenspielen. Das österliche "Du darfst" ist ein "göttliches du darfst". Das möchte ich so übersetzen.
Du musst nicht mehr fragen! Grundsätzlich darfst du! Du bekommst eine endgültige Erwachsenenerlaubnis! Du darfst das Spiel befehlen-gehorchen verlassen! Du bist aufgenommen in die Gemeinschaft all derer, die Lebenserlaubnis wie selbstverständlich in sich tragen. Es ist ein Wort mit einem Folgesatz: "Du darfst! Geh in die Selbstermächtigung!"
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Sonntag, 12. April 2020

Dein österliches Wort: Du kannst!


Entweder haben unsere Eltern es uns eingetrichtert oder wir haben es von uns selber gedacht: "Du kannst das nicht! Du bist noch zu klein! Komm, lass mich mal machen!"
Ob du ein kleines Kind bist oder schon lange erwachsen. Wenn du etwas machen musst, was du noch nie zuvor getan hast, kannst du das möglicherweise noch nicht. Du bist ja schließlich unerfahren. Vielleicht musst du es erst noch lernen. Als Kind kannst du nicht laufen und lernst es im Laufe der Zeit. Du musst viele Dinge koordinieren. Auf deinen zwei Füßen stehen, das Gleichgewicht halten, gleichzeitig einen Fuß bewegen und mit dem anderen den Stand wahren. Das braucht seine Zeit. Zu Beginn kannst du fast nichts und am Ende läufst du ausgezeichnet. Wenn du verstanden hast, wie das Lernen geht dann überträgst du diese positive Erfahrung auf andere Situationen. Du siehst einen PC und hast keine Ahnung. Dann wagst du dich daran mit deinen Vorkenntnissen, mit Begleitung von außen, mit schriftlichen Anweisungen und du startest bis du es kannst. Es ist also ganz normal, etwas Neues nicht zu können, und nach einer gewissen Zeit seine Kenntnisse zu erweitern.
Hast du noch das Wort deiner Eltern im Ohr: "Das kannst du nicht! Kind, hör mir doch zu! Das kannst du nicht!" Klingt doch sehr absolut und endgültig. Wenn dieser Satz bei dir als Kind ankommt, was hörst du? Du hörst: "Das kannst du nie!" Wenn deine Eltern dir gesagt hätten: "Das kannst du jetzt noch nicht aber ich helfe dir und dann wirst du es können. Vielleicht nicht heute, aber morgen oder übermorgen!" Wie kämen diese Worte dann bei dir an? Die Absolutheit des "Nichtkönnens" wäre weg und du würdest die "Möglichkeiten" hören. "Noch" kannst du es nicht, aber bald...
Auf seinem Weg nach Jerusalem ist Jesus vielen Menschen begegnet, die nicht konnten. Sie konnten nicht sehen, nicht aufrecht gehen, nicht zupacken, nicht menschenfreundlich sein. Jesus sagte ihnen einfach auf seine Art: "Du kannst!" Er veränderte ihre negativen Glaubenssätze und sie konnten.
Wenn du in deinem Herzen und im Kopf ständig den Satz verinnerlichst: "Ich kann nicht", wie fühlst du dich dann. Klein? Ohnmächtig? Hilflos?
In der Beratung erlebe ich es oft und gerne den wichtigen Schritt, wenn der Mensch sagt: "Ich kann!" Er hat vielleicht noch nicht einmal eine Lösung für sein Problem. Es geht aber ein Ruck durch den ganzen Körper. Es kommt eine Energie die sich so ausdrückt wie: "Ich weiß noch keine Lösung aber ich will es anpacken!"
Barack Obama wird vielleicht nicht in die Geschichte eingehen mit seinen Taten. Bestimmt aber mit den Worten: "Yes we can!" Das österliche Wort heute heißt: "Der Tod in seiner vielfältigen Form kann mich nicht aufhalten. Ich kann!"
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Samstag, 11. April 2020

Dein österliches Wort: Vertraue!


Du bist enttäuscht! Dein Kind hat gelogen. Dein Mann verschweigt, dass er beim Arzt war. Deine Arbeitskollegin spricht schlecht über dich wenn du nicht da bist. Die Politiker halten nicht ihr Versprechen. Deine Eltern besuchen dich nicht zum Geburtstag. Dein Arbeitgeber entlässt dich obwohl du gut arbeitest. Du nimmst Medikamente gegen deine Krankheit und sie helfen nicht. Du bist enttäuscht! Du hast dich getäuscht! Du hast dich täuschen lassen!
Ständig verspricht uns jemand etwas und wir glauben es. Wir freuen uns wenn sich das Versprechen erfüllt. Die Freunde von Jesus glaubten auch, dass mit ihm sich alles ändern wird. Jeder hatte da seine eigenen Wünsche, Ideen und Projektionen. Der eine Jünger hoffte, dass Jesus die Römer aus dem Land jagt. Der andere Jünger hoffte, dass die Armen endlich an die Macht kommen. Andere hofften auf Heilung von körperlichen Gebrechlichkeiten oder Befreiung von Sünden.
Du hast deine Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen. Es sind deine Wünsche und Erwartungen. Du wünschst dir, dass dein Kind nicht lügt. Du erwartest, dass dein Mann erzählt, dass er beim Arzt war. Du denkst, dass deine Arbeitskollegin im Beisein von anderen nicht schlecht über dich sprechen darf. Es sind DEINE Wünsche und Erwartungen. Manchmal verspricht dein Gegenüber ja auch sogar etwas. "Ja, ich lüge nicht!" "Ja, ich war beim Arzt!" Dann bist du noch enttäuschter.
Immer geht es jedoch um eine Täuschung! Es geht um deine Täuschung! Du trägst insofern die Verantwortung, dass du diese Täuschung zugelassen hast. Weil du dir manchmal etwas so sehr wünschst, lässt du dich gerne täuschen und hältst diese Täuschung lange aufrecht.
Wenn dann die Enttäuschung kommt kannst du froh sein. Du bist von einer Täuschung befreit worden. Du kannst jetzt die Wahrheit erkennen. Die Wahrheit, dass du dich getäuscht hast oder dich hast täuschen lassen.
Manche Menschen sagen, ich bin so oft enttäuscht worden. Ich kann nicht mehr vertrauen. Wenn du so denkst, dann schiebst du die Verantwortung von dir fort. Dreh doch einmal diesen Gedanken um und sage: "Ich passe auf, dass ich mich nicht mehr so oft täuschen lasse. Oder, Täuschungen gehören zum menschlichen Leben dazu. Es ist in Ordnung! Ich gehe einfach in die Enttäuschung hinein und bin anschließend wieder klar!" Du kannst dankbar sein für jede Enttäuschung, weil sie dein Inneres klärt. Dein Vertrauen kannst du bewahren und weiterentwickeln jenseits von Enttäuschungen. Vertrau deinem Kind und deinem Mann und deinen Arbeitskollegen, den Politikern und vertrau jedem Menschen. Tue es einfach! Du wirst überrascht sein, was geschieht. Wenn du vertraust wird sich der Blickwinkel deiner Wirklichkeit verändern. Du wirst freundlicher, gelassener und wohlwollender. Du gibst deinem Mann und deinem Kind die Erlaubnis dich enttäuschen zu dürfen. Sie dürfen dich enttäuschen, dich von der "Täuschung" befreien.
Das bedeutet einen völlig anderen Umgang mit Enttäuschungen als bislang. Bislang hast du eine Enttäuschung negativ gedeutet. Enttäuschungen sind heilsam. Sie sind durchaus schmerzhaft, ärgerlich und unangenehm. Wenn du jedoch bereit bist, die Schmerzen anzunehmen dann bleibt dein Vertrauen von dieser Erfahrung unberührt. Du erlebst eher das Gegenteil. Eine "willkommene" Enttäuschung stärkt dein Vertrauen. Aber überprüfe das einmal! Glaube mir nicht! Es ist zunächst einmal nur meine Idee.
Vertraue! Vertrauen ist völlig unabhängig von deinen Vorerfahrungen und Enttäuschungen. Vertrauen ist eine Grundsatzentscheidung, die du einmal triffst und in jeder Situation deines Lebens wieder erneuerst. Eine wahrhaft österliche Erfahrung. Enttäuschungen "töten" deinen irrigen Blick und Vertrauen stellt den Anfang wieder her. Tod und Auferstehung!
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Freitag, 10. April 2020

Dein österliches Wort: Lebe!


Es kann vorkommen, dass du des Lebens müde wirst. Manchmal ist es einfach zu viel! Du rackerst dich ab. Du tust und machst! Du übernimmst eine Aufgabe und dann noch eine Aufgabe. Du läufst und läufst und irgendjemand sagt dir: "Du bist gar nicht mehr da! Du bist nur noch im Funktionsmodus!"
Irgendwann merkst du, dass du nicht mehr stoppen kannst. Dein Körper kommt nicht mehr zur Ruhe. Deine Gedanken kreisen. Du befindest dich im Hamsterrad. Während der Hamster sich dort scheinbar wohlfühlt geht es dir schlechter und schlechter in deinem Rad. Dein Energiepegel sinkt und sinkt und du hoffst, dass du diesen Tag irgendwie bewältigst.
Du begegnest letztlich deinem eigenen inneren Tod. Oft merkst du es leider viel zu spät. Letztlich schreit dann dein Körper auf und signalisiert: "Ich kann nicht mehr." Ständige Grippen, Rückenschmerzen, Migräne, Erschöpfungszustände und Schlaflosigkeit bestimmen deinen Alltag.
Wie kommst du aus dem Hamsterrad heraus? "Dein Kopf sagt: Immer weiter! Nicht nachdenken! Immer weiter! Ich finde schon einen Weg!" Unterbrich deine Kopfgedanken und sage."Stopp!" Aus dem Hamsterrad kommst du erst, wenn du "STOPP" machst. Innerlich gehst du aus dich heraus und beobachtest dich von außen: Was ist aus dir geworden? Willst du das alles so? Was wäre, wenn du jetzt sterben müsstest? Dann müsstest du dich von deinem Hamsterrad radikal verabschieden. Es gibt keine einzige Umdrehung mehr. Nicht eine! Du müsstest also für einen Moment sterben, alle Aktivitäten sterben lassen. Du müsstest dich von deiner Identität verabschieden. Vielleicht sogar von allen Identitäten!
Und dann? Dann braucht dein Körper, dein Geist und deine Seele Zeit! Es geht sozusagen in die Erde, in die Dunkelheit, in den Tod. Dir wird bewusst, was alles in dir eigentlich schon tot ist. Du hast nur noch funktioniert. Aber der Sinn ist dir abhanden gekommen, die Freude - und - vor allem "DAS LEBEN".
Ostern würde an dieser Stelle dir sagen: "Lebe!" Höre auf zu funktionieren! Verabschiede dich von überflüssigen und falschen Identifikationen! Überprüfe deine Beziehungen und deine Aufgaben! Schau den Menschen in die Augen und vergewissere dich, dass sie da sind. Und dass du da bist. Spüre die Freude in deinem Herzen, dass dein Herz pocht und schlägt und hüpft! Streife den Tod ab wie eine verbrauchte Haut und lebe!
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Donnerstag, 9. April 2020

Gott ist in uns daheim, wir sind in der Fremde (Meister Eckhart 1260 - 1327)


Schon lange begleitet mich dieser Vers von Meister Eckhart. Gerade in der Urlaubszeit kommt er mir wieder in den Sinn. „Gott ist in uns daheim, wir sind in der Fremde.“ Der Vers spielt mit dem Gegensatzpaar „Daheim“ und „Fremde“.
Mit dem Wort „Daheim“ bekomme ich ein Wohlgefühl. Ich bin geborgen und fühle mich angekommen. Ich darf gelassen sein und mich entspannen. Dieser Platz gehört mir und ich muss nicht darum kämpfen. Ich muss nicht fragen, ob ich bleiben darf oder gehen muss. Ich bin „daheim“.
Mit dem Wort „Fremde“ verbinde ich ein ganz anderes Gefühl. Kinder fremdeln, wenn sie jemand Unbekanntem begegnen. In der Fremde befinde ich mich in einem mir unbekanntem Land und betrete unvertrautes Terrain. Hier ist nicht mein Platz. Ich bin Gast für eine Zeit. Möglicherweise nur geduldet und mit der Erlaubnis eines „Fremden“. Die damit verbundene Unsicherheit ist für Manche nur schwer auszuhalten. In der Fremde bekomme ich Sehnsucht nach „Daheim“. Aus meiner Ferienlagerzeit kommen mir da die Kinder in den Sinn, die sehr unter „Heimweh“ litten vor allem am Abend, allein im Bett und ohne die schützende Nähe der Mutter.
Aber so eindeutig, wie ich es hier gerade schreibe, sind die Gefühle gar nicht. Mit „Daheim“ verbinde ich auch manchmal die Langeweile und die Eintönigkeit. Das kenne ich schon! Immer das Gleiche! Dann möchte ich aufbrechen und in die „Fremde“ gehen. Das verheißt Spannung und Abenteuer. Du machst neue Erfahrungen. Du fühlst dich lebendig. Die mögliche Angst vor dem Unbekannten weicht dem Kribbeln von aufgeregter Erwartung. Wenn niemand die Fremde lieben würde, dann gäbe es keinen Tourismus. Dann würden wir auf unser Haus beschränken uns im Garten oder auf dem Balkon ausruhen.
Manche reisen in die Fremde, in den Urlaub, um etwas hinter sich zu lassen. Den Stress, die Unzufriedenheit, die negativen Erlebnisse und Erfahrungen, ein wenig Flucht vor dem Alltag und der Wunsch, dass in der Fremde das Bessere auf mich wartet nach dem Motto: Daheim fühle ich mich fremd und in der Fremde werde ich neue Heimat finden. Zum Teil wird sich dieser Wunsch leider als Trugschluss erweisen.
Wohin du auch gehst, du nimmst dich immer mit. Deine Ängste sind im Gepäck, deine Eigenschaften, dein Charakter, halt deine komplette Persönlichkeit. Und es kann dir geschehen, dass du in der Fremde dieses Gepäck viel deutlicher wahrnimmst als in deiner kuscheligen Heimat. Wenn ich zum Beispiel zu Hause geizig bin, werde ich nicht auf einmal großzügig nur, weil ich mich an einem anderen Ort befinde.
Meine Gedanken führen mich zu der Idee hin, dass das „Daheim“ und die „Fremde“ zugleich Anteile in uns sind. Ich kann in der Fremde daheim sein und daheim mich fremd fühlen. Diese Gefühle sind unabhängig vom äußeren Ort. Die Orte können mich schneller zu diesem Lebensthema hinführen. Manchmal spürst du eben, wie fremd du dir selber bist. Wer bin ich eigentlich? Was bleibt von mir, wenn ich nicht mehr Familienmutter oder Vater bin. Was bleibt von mir, wenn ich in Rente gehe. Was bleibt von mir, wenn ich mein Haus oder meine Wohnung wegdenke? Bin ich dann noch in mir „daheim“? Wenn alles mir zwischen den Fingern zerrinnt, bleibt noch etwas übrig von mir?
Du kannst da sehr schnell ein absolutes Gefühl von Fremdheit und Verlorenheit bekommen. Du kannst aber auch ein „Dennoch“ – Gefühl spüren von tiefer Heimat jenseits aller Fragen. Die Frage nach Fremde und Heimat ist für mich zugleich eine tief spirituelle Frage. Wir verwechseln da manchmal Kirche mit Gott und denken, dass die Heimat in der Kirche die Heimat in Gott mit einschließt. Auf einmal machst du die Erfahrung, dass die Kirche keine Heimat mehr für dich ist, aber Gott umso mehr. Wir leben in einer Zeit, in der es da keine Eindeutigkeiten mehr gibt.
Meister Eckhart gibt uns einen wichtigen spirituellen Hinweis. Gott ist in uns daheim. Wenn wir das registrieren, in uns aufnehmen, uns damit vertraut machen, dem nachspüren und unsere Aufmerksamkeit dahin lenken, dann breitet sich auf einmal in uns Frieden aus. Du bist von jetzt auf gleich daheim, zu Hause in dir. Du musst nirgendwo mehr hin um Heimat zu finden. Du verreist aus Lust, aber nicht mehr mit dem Ziel, dass da etwas ganz besonderes geschehen muss. Stell dir vor, Gott wohnt in dir und du bist auf der Suche nach ihm. Das Einfachste kommt dir dabei nicht in den Sinn. Du gehst den Weg nach innen in dein Herz und – kommst an. 

Mittwoch, 8. April 2020

Schau der Furcht in die Augen und sie wird zwinkern. (aus Russland)

Wovor fürchtest du dich? Vor Spinnen, vor Enge, vor Menschen, vor Kritik, vor Arbeitslosigkeit, vor Armut? Die meisten Menschen haben vor irgendetwas Furcht. Wobei für mich da im Moment kein großer Unterschied besteht zwischen Furcht und Angst. Die Angst ist das Grundgefühl und die Furcht bezieht sich auf etwas Reales.
Hinzu kommt in der Regel oft die Angst davor, dass die Angst auftaucht, sozusagen eine Potenzierung dieses Gefühles. Die Furcht erscheint uns wie ein Gespenst, dem wir aus dem Weg gehen. Es wirkt bedrohlich und unsere Angst kann ins Unermessliche wachsen. Sie kann sogar lebensbedrohlich werden. Hinter den meisten Ängsten steckt die Frage nach dem Tod. Die Spinne kann beißen und ich werde vergiftet. In der Enge schnürt es mir die Luft ab und ich werde sterben. Ich werde arbeitslos, habe kein Geld mehr und muss verhungern. Menschen können mir Gewalt antun und mich töten.
Das Entscheidende dabei ist: Alles findet in meiner Phantasie statt. Ich entwickle Bilder davon. Nur selten ist die Bedrohung real. Wenn meine Furcht "nur" ein Gespenst ist, dann kann ich es mir doch einmal anschauen. Wenn du deiner Angst in die Augen schaust, was geschieht dann? Das russische Weisheitswort meint: Sie wird zwinkern! Als Kinder haben wir uns im Umgang mit dem Schrecken eingeübt. Wir haben uns versteckt und die Erwachsenen haben uns gesucht. Wenn sie uns gefunden haben, dann haben sie "Buh" gemacht, wie ein Gespenst. Als Kinder haben wir das Erschrecken gespielt und vor Furcht gejuchzt. "Schau der Furcht in die Augen und sie wird zwinkern." In der Beratung lade ich oft ein, in die Angst hineinzugehen, sie anzuschauen, sich mit ihr vertraut zu machen. Das "Zwinkern" siehst du erst, wenn du dich vertraut gemacht hast, wenn du dich traust, genau hinzuschauen.
Mir erzählte eine Freundin von der Erfahrung im Hochseilgarten. Da gab es einen Abschnitt, da musste man springen. Sie musste die Angst vor dem Abgrund überwinden. Ihr half die Einstellung: "Ich springe und wenn ich sterbe dann wars das eben. Mein Leben war schön!"
Leider gibt es keine dauerhafte Befriedung der Angst. Sie kommt auf einem anderen Weg wieder zu dir. Sie bleibt ein Teil von dir solange du lebst, eben so lange du lebst.
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Dienstag, 7. April 2020

Vom Umgang mit Verstörungen

Du bist mit deinem Auto unterwegs zu einem Ziel. Weil du den Weg nicht kennst hast du dein Navi eingeschaltet. Plötzlich kommst du an eine Stelle, wo der Weg versperrt ist wegen Bauarbeiten. Da gibt es einen Moment der Verstörung. Du hast das doch gar nicht geplant. Alles sollte glatt gehen. Du kommst ganz einfach von A nach B.
Du machst Urlaub und beschließt, am Abend ins Kino zu gehen. Laut Internet läuft in einem bestimmten Kino ein toller Film. Du kommst an und die Kinotür ist verschlossen. Die Lichter sind aus! Kein Hinweis warum und weshalb.
Ein Freund benimmt sich anders als gewohnt. Etwas steht nicht mehr an seinem gewohnten Platz. Immer wieder kannst du die Erfahrung machen, dass dich etwas irritiert oder gar verstört. Dein System gerät durcheinander. Ich glaube, wir Menschen haben das nicht gerne. Wir lieben unsere gewohnten Abläufe. Kaffee mit einem Löffel Zucker und nicht zwei. Eine bestimmte Sorte Brot zum Frühstück. Zu einer festen Uhrzeit irgendwo sein. Zuverlässige Öffnungszeiten bei Behörden, in Geschäften und bei Ärzten.
Auch wenn wir Verstörungen nicht mögen. Sie haben auch ihre hilfreiche Seite. Du wachst auf! Du kommst ins Hier und Jetzt. Zwar nicht sanft, aber immerhin wirst du wach und aufmerksam. Wenn du aufwachst hältst du inne. Du wirst dir deiner selbst inne. Was ist passiert? Wo bin ich? Muss ich etwas tun? Du wirst präsent, gegenwärtig.
Verstörungen und Irritationen wecken die unangenehmen Gefühle und Dämonen in dir auf. Wenn du dich mit ihnen ein wenig anfreundest geht es leichter. Jede Verstörung ist wie ein Hund, der dich anstupst, um auf sich aufmerksam zu machen. Da ist etwas, das deine Aufmerksamkeit braucht. Und du brauchst etwas, das dich aufweckt und wieder ins Leben zurückholt.

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Montag, 6. April 2020

Seit ich mich auf das Nichts eingestellt habe fehlt mir nichts. (Johannes vom Kreuz)

Ich stelle mich auf das Mittagessen ein, das vor mir liegt und erwarte etwas, das mir schmeckt: einen köstlichen Salat, frisches Gemüse und einen cremigen Quark.
Ich stelle mich auf eine Geburtstagsfeier ein mit einer fröhlichen Gastgeberin, einem leckeren Essen, einer angenehmen Hintergrundmusik und lockeren Plaudereien mit netten Menschen.
Ich stelle mich ein auf einen entspannten Arbeitstag mit einem guten Maß an sinnvollen Aufgaben, einer kleinen Kaffeepause und gut gelaunten Arbeitskollegen.
Ich habe Erwartungen an das Leben. Ich wünsche mir vieles. Dafür bin ich ja auf diese Welt gekommen. Ich liebe die Fülle und die tollen Möglichkeiten. Ein wenig Paradies könnte es schon sein und lieber sogar noch ein wenig mehr vom Paradies als der Durchschnitt.
Doch wie gehe ich dann um mit den Enttäuschungen? Der Salat war nicht mehr frisch, das Gemüse verkocht, die Geburtstagsfeier langweilig, der Arbeitstag anstrengend! Wenig Paradies und mehr Hölle!
Jetzt teilt der mittlealterliche Mystiker und Theologe Johannes vom Kreuz mit mir seine Erfahrung: "Seit ich mich auf das Nichts eingestellt habe, fehlt mir nichts." Betörend logisch und herausfordernd zugleich. Ich kenne die kastilische Landschaft in der der Mystiker lebte. Karg und öde! Wer als Ordensmensch eh nichts besitzt in einer armseligen Landschaft mag sich gut arrangieren mit dem "Nichts".
Es bleibt der Stachel der unerfüllten Erwartungen und Wünsche. Ich formuliere den Vers des Johannes für mich stimmiger um dann heißt er: "Seit ich alles willkommen heiße, was Ist und mir entgegenkommt, sind die Wünsche verschwunden." Mit dieser Haltung fehlt mir auch nichts mehr.
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Samstag, 4. April 2020

Jede dunkle Nacht hat ein helles Ende. (persische Weisheit)

Ist doch logisch oder? Das weiß jedes Kind, dass jede dunkle Nacht ein helles Ende hat. Nach jeder Nacht kommt ein neuer Morgen. Diese Erfahrung macht jeder Mensch seit Beginn des Lebens. Diese Erfahrung teilt die ganze Menschheit. Vielleicht bildet eine Sonnenfinsternis und ein Vulkanausbruch eine Ausnahme. Aber generell gilt dieser Satz.
Eigentlich geht es bei dieser persischen Weisheit um die Erfahrung, dass auch in einer ausweglosen Situation immer noch etwas möglich ist. Oder in einer Lebenskrise immer noch ein Fünkchen Hoffnung sein kann. Der Mensch in der Dunkelheit und mitten in der Krise kann leider das Licht nicht mehr wahrnehmen. Für ihn ist es ewige Nacht. Es gibt keinen neuen Morgen.
Für diesen Menschen hilft dann die Erinnerung. "Erinnerst du dich daran? Es war mal besser und es wird auch wieder besser werden." Aber Vorsicht mit einer solchen Ermutigung. Das kann schnell nach rückwärts gehen. Die dunkle Nacht muss man schon auch mal aushalten. Zugleich möchte ich noch die Perspektive erweitern. Dass es hell wird steht außer Frage, es ist nur die Frage wann. Wenn du in der Krise bist kannst du sagen: "Das ist das Ende!" Du kannst aber auch sagen: "Diese Dunkelheit ist der Anfang von etwas, das ins Helle führt!" Du entscheidest, welche Perspektive du einnimmst. Machst du dich fest in der Dunkelheit oder schaust du auf das, was neu kommt.
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Freitag, 3. April 2020

Was die Raupe Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt Schmetterling. (Laotse)

Eine Einladung im Angesicht von bedrohlichen Ereignissen! In der Wahrnehmung der Raupe erleben wir das Ende der Welt. Die Raupe lebt in dem Bewusstsein, dass sie ihr Leben beendet mit dem Einpuppen. Sie kann in der Raupenexistenz nicht wahrnehmen, dass sie eigentlich ein Schmetterling ist.
Ich kann jede Krise sehen als den Zeitpunkt der Verpuppung. Ich verpuppe mich heute und wache morgen als Schmetterling auf. Ich bin also eigentlich ein verborgener Schmetterling. Worin besteht der Unterschied, wenn ich mich als Raupe wahrnehme oder als Schmetterling? Wie werde ich mich fühlen und wie nehme ich die Welt wahr in dem Einen oder in dem Anderen? Als Schmetterling werde ich ich mich leicht fühlen und in die Zukunft fliegen und schweben. Ich werde Blumen erobern und Welten erkunden. Ich werde mich satt trinken an Farben und Düften. Ich werde meine enge Welt verlassen und mich auf das Abenteuer Leben einlassen. Und heute am Tag der Krise entscheide ich mich dafür. Ich entscheide mich dafür, auf jeden Fall ein Schmetterling zu sein. Nur noch einmal schlafen und ich breche die Verpuppung auf. Zugleich warte ich nicht bis morgen. Auch wenn ich noch eine Puppe bin, lebe ich im Bewusstsein eines Schmetterlings.Mögest du mit Leichtigkeit in den Tag und in die Nacht gehen. Dich verpuppen und wieder aufwachen. Du bist ein göttlicher Schmetterling in einmaligen Farben und Formen.
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Donnerstag, 2. April 2020

Man bekommt die Welt nicht besser gemeckert!


Manchmal geht mir das Meckern und Nörgeln auf die Nerven. Die Welt ist wie sie ist. Mein Meckern entlastet vielleicht meine Seele, aber sie verändert im Außen nichts. Der Welt ist es egal wie ich sie denke. Ich kann mich entlasten indem ich meckere oder ich kann mich entlasten indem ich etwas mache oder etwas anders denke.
Ich kann denken, dass es nicht so schlimm ist wie es sich anfühlt. Ich kann denken, dass es auch die guten Seiten des Schlechten gibt. Ich kann denken, dass die Welt voller Ausnahmen ist. Ich kann denken, dass es bald auch wieder etwas Schönes gibt. Ich kann die Macht der Gedanken für mich nutzen damit ich nicht in eine negative Meckerenergie abrutsche.
Ich kann auch etwas machen. Wenn ich über etwas meckere was mir nicht gefällt gibt es bestimmt einen kleinen Teil, den ich verändern kann. Ich kann jemandem einen Brief schreiben. Ich kann einen Veränderungsplan entwerfen und einen ersten Schritt für die Umsetzung machen. Ich kann andere einladen etwas Gutes in diesem Fall mit mir zu machen. Ich kann tief ein und ausatmen. Ich kann um den Block laufen.
Ich kann meckern und nörgeln. Das kann ich immer. Wenn ich damit aber die Vorstellung verbinde, dass die Welt dadurch besser wird, befinde ich mich im Irrtum. Die Meckerenergie wirkt sich eher schädlich aus. Sie macht das Schlimme manchmal noch schlimmer und vertärkt die bemeckerten Zustände. Manche brauchen aber erst genug Meckerenergie um in die Veränderung zu bekommen. Wie ist das bei dir? Meckerst du noch oder veränderst du schon?
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Mittwoch, 1. April 2020

Sich selbst neu erleben!



Geht es dir auch so eigenartig in diesen Tagen? Über den Corona Virus möchte ich mir keine Gedanken machen, aber über die Begleitumstände und was das so mit mir macht. Dabei kommt mir das alles noch so unwirklich vor. Plötzlich haben sich die gewohnten Strukturen aufgelöst. Nichts mehr läuft wie bisher. Ein ganzes Land in der Krise.
Ich kenne solche Phasen aus dem eigenen engen ganz persönlichen Leben. Da gibt es diese Ungleichzeitigkeit. Die Welt um mich herum dreht sich mit großer Normalität weiter. Sie unterstützen mich in meiner Krise, befinden sich selber aber nicht darin. Mein eigenes Leben stockt und ich muss schauen, wie es für mich weitergeht. Und jetzt befinden sich fast über Nacht alle Menschen weltweit in der Krise. Alles verändert sich vorübergehend für alle. Eigentlich sind die meisten von uns noch in Sicherheit. Wir haben ein Dach über dem Kopf und genug zu essen. Aber es fühlt sich trotzdem ungemütlich und ungesichert an. Niemand weiß, was noch kommt und ob sich alles verschlimmern wird.
Ich bin noch dabei, mich innerlich und äußerlich zu sortieren. Dass ich nicht mehr jeden Tag mit dem Zug oder Auto zur Arbeit fahre. Dass es jeden Tag neue Regeln beim Einkaufen gibt. Dass ich bestimmte Produkte nicht mehr bekomme und dass wir uns alle auf Abstand begegnen und nicht mehr umarmen. Ich berate am Telefon oder per Skype und sitze viele Stunden vor dem Rechner und erlebe, wie die Technik mal funktioniert und mal auch nicht. Alle wollen auf einmal in diese Onlinetools hinein und verlangsamen den Datenverkehr.
Und dann dieser Abstand. Nur noch die wenigen ganz engen Familienmitglieder bleiben nahe. Der Körperkontakt reduziert sich auf ganz wenige Menschen. Das gab es noch nie. Ich kann mich zumindest nicht daran erinnern. Erwachsene Großmütter winken ihren erwachsenen Kindern und Enkelkindern zu und fallen sich nicht vor Freude in die Arme.
Wir sind andere Zustände gewohnt. Es gibt ja diese Grippetage, dann fühlt es sich ähnlich an. Jetzt sind wir wie in einer Grippe aber ohne Symptome. Mit der Perspektive von ein paar Wochen oder auf unbestimmte Zeit.
Können wir das überhaupt gut verkraften? Wo wir Menschen doch soziale Wesen sind? Uns gegenseitig brauchen? Wir sind doch eine weltweite Familie und können ohne einander gar nicht überleben. Allein auf uns gestellt würden wir vor Einsamkeit und Kummer sterben.
Klar, wir sehen uns auf der Straße und beim Einkaufen und winken uns zu. Halten einen Abstand von zwei Metern und machen so möglich, was noch möglich ist. Während es aber bis vor zwei Wochen noch eine wichtige Lebenserkenntnis von mir war, dass wir einander brauchen, wird es jetzt auf einmal hautnah spürbar. Es wandert vom Kopf in den Körper.
Ich nehme auch die Menschen wahr, die als Single alleine leben. Bislang konnten sie sich regulieren über viele Außenkontakte. Die sich jetzt anstrengen müssen über Telefon im Kontakt zu bleiben. Noch sind wir alle damit beschäftigt, uns zu organisieren. Wie mache ich die Einkäufe. Gehe ich zur Arbeit und wenn ja, wie erledige ich meinen Job. Das kostet Zeit und Energie. Dann aber ist irgendwann alles erledigt und es gibt eine Art Krisenalltag. Ich gehe einkaufen und weiß, dass es länger dauert. Dass ich Menschen mit Mundschutz begegne und mir selber anschließend die Hände wasche, weil ich den Einkaufswagen geschoben habe. Das wird nach und nach selbstverständlich und manches werde ich vielleicht auch nach der Corona Virus Krise beibehalten, weil es so besser ist.
Was jedoch, wenn ich mich organsiert habe und wieder so eine Art Sicherheitsgefühl bekomme. Ich behalte mein Dach über dem Kopf. Ich kann noch genug Nahrungsmittel einkaufen und werde somit nicht verhungern. Alles ist provisorisch organsiert und es gibt halbwegs akzeptable Alltagslösungen. Was dann?
Was dann, wenn ich am Abend auf meinem Sofa sitze und mir dieses neue Leben mit Corona vor Augen halte und vergleiche mit dem Leben davor. Ich glaube, dass ich da ans Nachdenken komme und dass sich plötzlich ohne große Anstrengung die Wichtigkeiten verschieben. Das Hamsterrad kommt einfach zum Erliegen. Alles, was vorher so viel Bedeutung hatte, versinkt in die Bedeutungslosigkeit. Vielleicht bin ich Mitglied in einem Verein und habe Verantwortung übernommen. Plötzlich fallen alle Treffen weg und ich habe sehr viel Zeit. Und ich komme auf den Gedanken, dass dieser Freiraum auch seine guten Seiten hat. Viele Aufgaben im Verein waren nur zeitraubend und wurden im Laufe der Jahre immer weniger sinnvoll.
Bei der Arbeit bin ich davon ausgegangen, dass ich unbedingt zu meiner Arbeitsstelle fahren muss. Dort befindet sich doch mein Arbeitsplatz und ich gehöre zu einem Kreis von Kolleginnen und Kollegen. Plötzlich höre ich sie nur noch per Telefon und merke, wie viel Zeit ich mit kleinen Schwätzchen am Tag verbracht habe. Und wie ich diese Gespräche auch vermisse. Ich komme vielleicht zu der Erkenntnis, dass ich die Arbeit eigentlich langweilig finde, aber den Kontakt mit den Kollegen besonders mag. Dass ich nur deshalb arbeite, um mit netten Menschen zusammen zu sein.
Auf einmal verbringe ich viel mehr Zeit mit meiner Familie. Manche finden das wunderbar. Mit den liebsten Menschen mehr Zeit zu verbringen. Nach wenigen Tagen fangen die Beziehungen an zu kriseln. Zu viel Nähe ist auch nicht gut. Es fehlen die autonomen Freiräume.
Und Rollen verändern sich. Ich kenne einige Mütter, die inzwischen zur Lehrerin geworden sind. Mutter und Lehrerin in einer Person. Für die Kinder ist das manchmal eine echte Katastrophe. Für die Mütter auch. Alle könnten sich entspannen und mal ein paar Wochen alles schleifen lassen. Wenn da nicht der Druck wäre. Die Schulpläne müssen eingehalten werden. Wenn da nicht die Angst vor der Zeit nach der Krise wäre. „Mein Kind verliert den Anschluss.“  Dabei könnten unsere Kinder etwas anderes lernen. Etwas, was die Schule nicht bietet. Sie können lernen, Krisen zu meistern. Den Wert von Geborgenheit und Sicherheit spüren. Kreativität entdecken, wenn die Räume im Außen sich reduzieren.
Es gibt neue Möglichkeiten als Familie zusammen zu sein. Heute leben wir ja so getrennt voneinander. Schon die Kinder lernen, dass jeder in seinem eigenen Raum lebt. Die Eltern am Arbeitsplatz, die Kinder in Kita und Schule. Wie war das wohl früher, als alle alles gemeinsam machten. Oder jeder machte etwas anderes aber alle in räumlicher Nähe. Wenn jeder Tag wie Samstag oder Sonntag wird. Der Alltag und der Sonntag verschwimmen ineinander. Arbeit und Freizeit verlieren auch ihre klaren Konturen. In der letzten Woche wusste ich nicht mehr, wie viele Stunden ich genau für meine Firma gearbeitet habe. Wie schreibe ich das eigentlich auf?
Jeder von uns macht im Augenblick neue Erfahrungen. Das führt zu neuen Gedanken und vielleicht auch Veränderungen für die Zeit nach der Corona Krise. Das ist mal eine echte Fastenzeit. Keine, die wir künstlich herbeiführen müssen. Die äußerlichen Veränderungen bieten genug Stoff, das eigene Leben zu bedenken und zu überprüfen, wie ich es gestalten möchte. Plötzlich gehen Dinge ganz leicht, die vorher unmöglich waren.
Eigentlich wollten wir über Ostern auf die Kanaren verreisen. Alles haben wir storniert oder wurde gestrichen. Unter „normalen“ Umständen hätte ich das nicht akzeptiert. Ich wäre ärgerlich und würde darauf bestehen, verreisen zu wollen. Ich brauche doch die Erholung, die Sonne und die Wärme. Jetzt werden wie uns zwei Wochen anders erholen. Das wird auch gehen. Ganz leicht. Ich spüre keinen Ärger. Ich bin dankbar, dass ich leben darf und dass ich nicht allein auf dieser Welt bin. Ich bin mir bewusst, dass wir als Menschen alle zusammengehören. Und dass wir die Krise viel leichter hinbekommen, wenn wir zusammenhalten und uns verbinden. Das gibt auch ein besseres Lebensgefühl. Du bist da und ich auch und wir können teilen. Gedanken, Gefühle, Erlebnisse und Dinge des täglichen Bedarfes. Ich wünsche dir, dass du diese Zeit gut für dich nutzen kannst und dich in allem reich gesegnet fühlst.