Mittwoch, 30. September 2015

Ich möchte mit dir alt werden...

Hast du jemanden, mit dem du alt werden möchtest? Stell dir doch einen Wein vor, der noch nicht getrunken wird. Er darf liegen bleiben und reifen. Er wird vorsichtig behandelt und hoch geschätzt!

Hast du einen Menschen an deiner Seite, dem du diese Qualitäten zusprechen magst? Ein Mensch, der von Tag zu Tag im Wert steigt? Ein Mensch, in dem du die Reife wachsen siehst Jahr für Jahr. Ein Mensch, den du in Ruhe lassen kannst und den du nicht verändern möchtest? Auch nicht ein ganz kleines bisschen? Ein Mensch, wo die Flasche zu bleibt und sich entwickeln kann, so wie er mag. Du bist dabei oder daneben und freust dich nur?
Ich möchte mit dir alt werden.. es hat aber keine Eile! Dahinter steckt auf den ersten Blick der Wunsch, möglichst lange jung zu bleiben. Aber ob du in Eile oder mit Weile alt wirst ... das steht auf einem anderen Blatt.
Wenn du reifen möchtest dann hat es eher mit Weile als mit Eile zu tun. Ich stelle mir den Menschen an meiner Seite vor wie er in zwanzig Jahren sein wird. Er wird sich eh so entwicklen wie er sich entwicklen wird. Ich verzichte darauf, den Prozess zu beschleunigen, zu verändern oder zu beeinflussen. Manchmal besteht die große Aufgabe und Arbeit darin, das "Nichts tun" mit großem Respekt und mit großer Achtung zu pflegen.
Ja, es gibt die Versuchung, die Flasche zu öffnen. Was tut sich denn da? Schon umgekippt? Aber ich lasse die Finger davon. Ist der Wein in der Flasche gibt es nichts mehr zu tun. Mitwachsen und mitreifen!
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Dienstag, 29. September 2015

In den Arm nehmen!


Was machst du wenn dein Kind zu dir kommt? Es weint, es ist traurig, es hat Sorgen. Du nimmst es zuerst in den Arm. Körperkontakt! Festhalten! Dazu sprichst du ein paar beruhigende Worte und schenkst Zuwendung und Trost. Irgendwann ist es wieder gut. Fast wie von selbst. Meistens!

Was machst du, wenn du traurig bist? Wenn dich jemand gekränkt hat? Wenn du Sorgen hast? In der Regel gehst du zu jemanden hin und sprichst. Du sprichst dich aus. Und du redest und du redest. Manchmal gibt es eine Erleichterung. Manchmal! Immer?

Jetzt mal ehrlich! Wünschst du dir nicht vielleicht auch öfter mal jemanden, der dich in den Arm nimmt so wie damals, als du noch ein kleines Kind hast? Körperkontakt? Ich finde, dass tröstende Worte oft zu wenig sind. Die tun zwar gut, machen aber nicht satt. Die Worte sind wichtig für den Kopf und das Herz, aber der Körper könnte schnell verhungern.

Es wäre schön, wenn wir das als Erwachsene öfter hinbekommen würden. ...nicht vergessen: ich muss dich unbedingt in den Arm nehmen und ganz doll drücken...
Ich wünsche dir jemanden, zu dem du gehen kannst, und der dich mal in den Arm nimmt. Wo es nicht peinlich ist! Wo du dich nicht schämen musst! Wo es ganz einfach geht! Für dich und für den der drückt! Und vielleicht magst du noch stärker zu jemandem werden der zum "in den Arm nehmen" einlädt! :-)
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Montag, 28. September 2015

Ich wurde intelligent geboren, aber das Schulsystem hat mich ruiniert.


Als ich die Karte las kamen Schulerinnerungen hoch. In der Grundschule lernte ich lesen, schreiben und rechnen. Wir haben geturnt und gemalt. Es gab Heimatkunde und Schönschreiben. Im Wesentlichen blieb es dabei in den folgenden Jahren.

Viel lieber hätte ich folgende Dinge gelernt:
Den Umgang mit Gefühlen,
Meine Talente,
Sich auszudrücken,
Die Schwächen zu akzeptieren,
Lebensweisheit,
Praktische Dinge wie den Umgang mit Behörden, das Ausfüllen von Anträgen...
Der Umgang mit Angst, mit Konflikten und mit Menschen die man nicht so mag
Zu sich zu stehen und Ich-Stärke zu entwickeln.
Ich hätte gerne gelernt wie es geht, meinen Platz im Leben zu finden. 

Im Rückblick finde ich manche Stunden verloren. Viele Fächer haben mich nicht berührt und die meisten Dinge habe ich vergessen. Vor allem gab es viel für den Kopf und wenig für das Herz. Wie würde eine Schule heute aussehen, die Wert auf Herzensbildung legt.
Wie würden wir mit Flüchtende dann umgehen? Was wäre anders? Wie würden wir überhaupt miteinander umgehen? Gäbe es mehr Frieden, mehr Verständigung und Verbindung?

Vielleicht wurden wir alle mit einer großen Herzintelligenz geboren. Wie haben sich unsere Fähigkeiten entwickelt? Das Schulsystem hat mich nicht ruiniert. So manche Ruine stellt sich als gute Grundlage für eine positive Entwicklung heraus. Deine Schullaufbahn kannst du nicht verändern. Wenn sie dir nicht gut tat, kannst du trotzdem etwas tun. Du kannst aufstehen und sagen: So nicht! Ich gehe meinen eigenen Weg und kann mich auch jenseits meines Schulsystems weiterentwickeln.
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Sonntag, 27. September 2015

I wish you watt

Ich wünsche dir Leichtigkeit.
Ich wünsche dir ein tiefes Durchatmen.
Ich wünsche dir Wärme für die Seele.
Ich wünsche dir eine gute Verbindung mit allem was ist.

Ich wünsche dir ein Sahnehäubchen auf dem I.
Ich wünsche dir einen wohlwollenden Umgang mit dir selbst.
Ich wünsche dir ein aufmunterndes Wort für den Tag.
Ich wünsche dir einen Moment, wo du wirklich gemeint bist.

I wish fort, was den Tag belastet.
I wish fort, was das Auge trübt.
I wish fort, was das Herz schwer macht.
I wish fort, was mich hindert ganz da zu sein.

You bist gemeint!
You sprech ich an!
You bist ein I!
You kann es!

Watt ist deine Aufgabe heute?
Watt kann dich hindern, ganz du zu sein?
Watt brauchst du noch?
Watt sind deine Ressourcen?

I wish you watt!

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Freitag, 25. September 2015

Wenn dich etwas verstört oder irritiert

Du bist mit deinem Auto unterwegs zu einem Ziel. Weil du den Weg nicht kennst hast du dein Navi eingeschaltet. Plötzlich kommst du an eine Stelle, wo der Weg versperrt ist wegen Bauarbeiten. Da gibt es einen Moment der Verstörung. Du hast das doch gar nicht geplant. Alles sollte glatt gehen. Du kommst ganz einfach von A nach B.
Du machst Urlaub und beschließt, am Abend ins Kino zu gehen. Laut Internet läuft in einem bestimmten Kino ein toller Film. Du kommst an und die Kinotür ist verschlossen. Die Lichter sind aus! Kein Hinweis warum und weshalb.
Ein Freund benimmt sich anders als gewohnt. Etwas steht nicht mehr an seinem gewohnten Platz. Immer wieder kannst du die Erfahrung machen, dass dich etwas irritiert oder gar verstört. Dein System gerät durcheinander. Ich glaube, wir Menschen haben das nicht gerne. Wir lieben unsere gewohnten Abläufe. Kaffee mit einem Löffel Zucker und nicht zwei. Eine bestimmte Sorte Brot zum Frühstück. Zu einer festen Uhrzeit irgendwo sein. Zuverlässige Öffnungszeiten bei Behörden, in Geschäften und bei Ärzten.
Auch wenn wir Verstörungen nicht mögen. Sie haben auch ihre hilfreiche Seite. Du wachst auf! Du kommst ins Hier und Jetzt. Zwar nicht sanft, aber immerhin wirst du wach und aufmerksam. Wenn du aufwachst hältst du inne. Du wirst dir deiner selbst inne. Was ist passiert? Wo bin ich? Muss ich etwas tun? Du wirst präsent, gegenwärtig.
Verstörungen und Irritationen wecken die unangenehmen Gefühle und Dämonen in dir auf. Wenn du dich mit ihnen ein wenig anfreundest geht es leichter. Jede Verstörung ist wie ein Hund, der dich anstupst, um auf sich aufmerksam zu machen. Da ist etwas, das deine Aufmerksamkeit braucht. Und du brauchst etwas, das dich aufweckt und wieder ins Leben zurückholt.

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Donnerstag, 24. September 2015

Der Mensch ist kein Findelkind - Gott ist sein Vater. Giovanni Papini



Hast du das auch einmal gedacht: Ich bin ein Findelkind? Ich bin gar nicht der Sohn oder die Tochter meiner Eltern! Ich bin so anders als die! Ich bin bestimmt adoptiert. Das kann gar nicht anders sein. Solche Gedanken tauchen vor allem dann auf, wenn du dich so unverstanden fühlst. Du hast einen Wunsch oder ein Bedürfnis. Du möchtest länger aufbleiben, später nach Hause kommen, ein zusätzliches Eis oder irgendeinen anderen Wunsch. Deine Eltern wehren deine Wünsche unfreundlich ab: "Das geht so nicht!" "Was stellst du dir vor?" "Wer soll das alles bezahlen!" "Werde erst einmal groß!" Sie sagen lauter Dinge, die du als Kind überhaupt nicht verstehst.
Vielleicht lachen deine Eltern dich sogar aus. "Du bist doch schon groß!" "Du bist noch so klein!" Und wieder verstehst du nicht, was deine Eltern damit meinen. Du fühlst nur die Ablehnung und es kommen Ärger, Wut und Trauer hoch. Du möchtest weinen aber es lohnt sich nicht, weil es keine Schulter gibt an der du dich ausweinen kannst. Was machst du? Du kriechst unter deine Bettdecke und weinst still deine einsamen Tränen. Die Folgen? Du denkst, du seist ein Findelkind.
Echte Eltern würden nicht solche Sachen sagen und so schreckliche Dinge von dir erwarten. Das machen Fremde. Echte Eltern lieben dich ohne wenn und aber! In dir wächst die Überzeugung: Deine echten Eltern sind ganz andere Menschen. Du flüchtest dich in einen Traum von ganz lieben Eltern, die ganz viel Verständnis für dich haben. Das ist dann dein Trost!
Aber du wachst auf und das Leben geht weiter. Du siehst deine Eltern und sie sind wieder gut zu dir. Die Geschichte von gestern ist vergessen. Vergessen? Mitnichten! Bei deinen Eltern bestimmt! Aber bei dir nicht. Diese Erfahrung von Zurückweisung und Ablehnung brennt sich in deine Seele ein. Und du fasst einen Entschluss: "Wenn ich einmal erwachsen bin, dann werde ich meine Kinder lieben so wie sie sind." Oh je! Aus Erfahrung weiß ich, dass das auch nicht gut geht. Was kann da entlasten?
Giovanni Papini meint, dass wir Menschen keine Findelkinder sind, sondern einen Vater haben, der sich Gott nennt. Wir könnten genausogut oder besser auch Mutter sagen. Es existiert also eine "göttliche Elternschaft". Und das ist gut so!
Deine leiblichen Eltern werden dadurch entlastet. Sie können und wollen nicht alles für dich sein. Sie sind Menschen mit Fehlern und Schwächen. Und sie können sehr mittelmäßige Eltern sein. Zum Glück gibt es so etwas wie eine göttliche Rückversicherung. Deine Quelle und dein Ursprung liegt in Gott. Und das ist etwas völlig Heiles und Ganzes. Wenn du dich an diesen Ursprung zurückerinnerst kannst du deine leiblichen Eltern loslassen und deinen eigenen Weg gehen.
Der Impuls für den Tag: Erinnerst du dich an solche "Findelkinderphasen" in deinem Leben? Wie sind sie noch in dir wirksam und was hast du schon überwunden und verarbeitet?
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Mittwoch, 23. September 2015

Jeder Mensch ist mehr als ein Flüchtling

Diese Wirklichkeit stimmt mich traurig. Menschen müssen ihre Heimat verlassen. Sie werden vertrieben und verjagt. Sie haben Angst um ihre Existenz und suchen Sicherheit in einem ihnen fremden Land.
Menschen auf der Flucht existieren seit es Menschen gibt. Das ist bedrückend! Ich bin in einem Dorf groß geworden, wo die Flüchtenden aus dem Osten ihre neue Heimat gefunden haben. In meiner Kindheit hießen sie pauschal: "Flüchtlinge". Sie werden bis heute so genannt von der "Urbevölkerung", den "Herkunftsmünsterländern", auch noch nach mehr als fünfzig oder sechzig Jahren. Mich stört das Wort. "Flüchtlinge" bezeichne ich mit meinem Wortschatz lieber als "Menschen auf der Flucht" oder "Flüchtende". Ich finde es wichtig, sorgsam und so gut wie es geht mit der Sprache umzugehen.
Es gibt viele Worte mit "...ling" die festlegend und einschränkend sind. "Winzling", "Säugling", "Hänfling", "Sträfling". Ein Mensch kann klein sein, aber in ihm steckt mehr. Ein Mensch mag eine Strafe absitzen, aber er ist mehr. Ein Säugling mag an der Mutter der Brust saugen, aber er ist mehr.
Wir sind also mehr als "...linge". Ein sogenannter "Flüchtling" kommt aus einem ganz konkreten Land, hat ein ganz konkretes Geschlecht und Alter. Er und sie ist ein Mensch auf der Flucht. Und er flüchtet im Augenblick, vorübergehend. Nach der Flucht wird er ankommen und nicht mehr flüchtend sein.
So ganz nebenbei: Ich bin auch ein "Flüchtender" in bestimmten Situationen! Ich flüchte manchmal vor Regen, manchmal vor der Sonne und gerne vor übellaunigen Menschen und zerstörerischer Kritik. 
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Dienstag, 22. September 2015

Die Frau mit dem Schirm!


Kennst du die Frau mit dem Schirm? Ihr Hauptberuf heißt Fremdenführerin. Als Jugendlicher war ich in Berlin und sah das erste Mal eine solche Frau mit einem Schirm. Sie hielt ihn hoch und somit war sie für die ganze Gruppe erkennbar. Es gab auch andere Gruppen mit anderen Männern oder Frauen, jeweils mit Schirm. Die "Fremdenführer" können durch das Hochhalten des Schirmes sich kenntlich machen. Niemand geht so verloren. Alle Schäflein folgen dem Schirm!
Die Frau mit dem Schirm zeigt dir wo du hingehörst. Sie gibt dir Orientierung und erleichtert dein Gruppendasein. Am Flugafen hält dir der Reiseleiter ein Pappschild entgegen und auf deiner Kinokarte findest du deine Platznummer. Das gibt ein gutes Gefühl. Für mich ist gesorgt. Ich muss nicht kämpfen. Ich muss mich nicht anstrengen. Hier ein Schirm, da ein Pappschild und hier wieder eine Nummer.
Dabei beschleicht mich so ein Gefühl, das ich nicht so gerne habe. Ich könnte verloren gehen. Ich verliere schon nicht gerne meine Schlüssel oder mein Geld. Ich achte darauf und halte meine Sachen gut zusammen. Ich fühle nach und zähle durch. Hier mein Geld, da mein Schlüssel und hier meine Papiere. Alles da! Ich bin sicher!
Aber was ist, wenn ich etwas verliere? Was ist, wenn ich mich verliere? Dann kommen die Träume ohne Ausweg! Du möchtest anhalten und kannst nicht aussteigen. Du gehörst hier nicht hin. Aber wie findest du deinen Platz wieder?
Da ist doch die Fremdenführerin mit ihrem Schirm. Sie führt Fremde! Das ist ihre Aufgabe. Sie begleitet Menschen, die fremd sind. Die sich nicht auskennen. Manchmal, wenn wir uns verlieren geschieht es, weil wir uns nicht auskennen. Weil wir fremd sind. Die Entfremdung ist jedoch Teil eines Erweiterungsprogrammes. Zunächst bist du fremd und verloren und so nach und nach wird dir etwas vertraut. Mach dir bewusst, dass das Gefühl von Verlorenheit dazu gehört in einem Prozess, wo du etwas Neues lernst. Du verlässt deinen sicheren Raum und gehst durch die Verlorenheit in das Neue. Und für einen kurzen Moment darfst du dich am Schirm festhalten.
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Montag, 21. September 2015

Stille duldet keine Lüge!


Dieser Satz kommt von dem Musiker und Komponisten Arvo Pärt. Er äußerte diesen Gedanken bei einem Interview im Radio. "Stille duldet keine Lüge." Welch ein eindrucksvolles Wort. In der Musik gibt es ja nicht nur die gespielten Noten, die laut erklingen. Es existieren auch die stillen Zwischenräume. In der Popmusik leider nicht. Da wirst du vom ersten bis zum letzten Ton pausenlos "zugetönt".
Aber in der klassischen und der modernen Musik gibt es das. Da "hörst" du auf einmal Stille. Zwischen zwei Tönen geschieht - nichts. Musik und Stille! Scheinbar ein Widerspruch. Doch auch Stille kann tönen!
Was geschieht, wenn du sprichst? Deine Worte, deine Sätze! Sagst du die Wahrheit? Immer? Oder beschönigst du? Du besänftigst vielleicht. Du verharmlost. Du verschweigst. Du übertreibst. Du erzählst aus deiner Sicht mit deinen Worten. Es ist deine Wahrheit oder Unwahrheit, die du aussprichst. Doch was geschieht in der Stille?
Du bist eigentlich voller Worte. Du möchtest etwas sagen. Aber du merkst, dass deine Worte nicht angebracht sind. Keines deiner Worte ist angebracht. Keines fühlt sich richtig an. Du ringst mit den Worten. Du fuchtelst vielleicht mit den Armen. Du resiginierst. Du gehst ins Schweigen. Dann sprichst du zumindest keine unüberlegten Worte aus.
Was geschieht, wenn du schweigst? Arvo Pärt sagt, dass die Stille keine Lüge duldet. Wenn du in deiner eigenen Stille dich anlügst, hast du ja nur dich als Zuhörer. Also, wenn du keinen Zuhörer im Außen hast, warum solltest du dich selber anlügen. Lügst du dich an in deiner Stille dann entsteht richtiger Lärm. Dein Inneres schreit dich an und ruft laut: "Lüge!" Damit zerstörst du die Stille und auch den inneren Frieden. Also ist es besser, in der Stille zu schweigen und keine Gedanken zu denken! Du kannst davon ausgehen, dass die Gedanken nicht stimmen. Sie lösen ein schales Gefühl aus. Im Reden kannst du die Dinge einfach wegmachen. Deinen Unfrieden, deinen Zorn, deine Kränkung und deine Enttäuschungen. Du "belügst" den anderen und glaubst dir selbst. Ein wunderbarerer Selbstbetrug. Aber in der Stille?
Stell dir vor, du liegst mit einem Menschen im Streit. Du verständigst dich mit ihm für einen Moment und bittest um ein gemeinsames Schweigen. Was wird geschehen? Kannst du es aushalten? Möchtest du am liebsten weiterschreien? Wenn du in die Stille gehst kann etwas ganz Schönes passieren. Du spürst den Schmerz, die Trennung, das Unmenschliche in dir. Vielleicht willst du genau das nicht und hörst auf zu schweigen und zu "stillen". Du nimmst die Stille als das, was sie dir anbietet. Einen Raum, in dem du einfach bist und nichts geschieht. Frieden kann kommen!
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Sonntag, 20. September 2015

Wenn Furcht das Herz befällt, spricht die Zunge nur das, was das Auge der Furcht sieht. (Ibnol Katib)

Eine Weisheit der Sufis. Teilst du diese Erfahrung? Du gehst im Alltag deinen Weg. Du erledigst deine Aufgaben. Du sprichst mit Menschen. Du verfolgst deinen Tagesplan. Plötzlich geschieht etwas. Es geschieht etwas, dass dich in ein Erschrecken versetzt. Das kann eine Kleinigkeit sein wie ein Porzellanteller auf dem Boden oder eine Person, die plötzlich dich von hinten her anspricht. Es kann auch etwas Großes sein wie ein Anruf, dass es einen Verkehrsunfall gab oder dein Arbeitsplatz in Gefahr ist.
In einer solchen Situation befällt "Furcht das Herz". Du wirst quasi überfallen. Du kannst für einen
Augenblick oder auch länger dein Leben nicht mehr steuern. Du fühlst dich ohnmächtig und alle kontrollierenden und selbstbestimmenden Kräfte stehen dir nicht zur Verfügung. Du hast nicht die Angst, sondern die Angst hat dich fest im Griff.
In dem Augenblick kann die Zunge nur das aussprechen, was gerade im Inneren abläuft. Du hast die Brille der Furcht aufgesetzt und kannst nicht mehr klar denken. Du denkst in Kategorien der Angst.
In manchen "angsterfüllten" Gesprächssituationen ist es darum wichtig, erst einmal Ruhe hineinzubringen. Erst einmal durchatmen! Erst einmal hinsetzen! Die Klarheit der Gedanken muss erst wiedergewonnen werden. Das braucht seine Zeit. Das geht nicht sofort.
Stell dir vor, dass ein Arbeitgeber seinen Angestellten ruft und ihm mitteilt, dass der in Kürze seine Stelle verliert. Jetzt müsse man unbedingt reden über alle Regularien. In dem Augenblick wird der Angestellte gar nicht in der Lage sein, da einen klaren Gedanken zu fassen. Er wird einfach Zeit brauchen, bis seine Zunge und sein Verstand wieder funktionsfähig sind.
Ich denke, dass es wichtig ist, in einer solchen Situation behutsam zu sein und sich Zeit zu lassen für alle weiteren Schritte.
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Freitag, 18. September 2015

Bei allem, was du sagst, achte auf den rechten Augenblick. Reden zur unpassenden Zeit sind nicht beliebt. (Ägypten)



Dein Sohn hat den Tisch nicht abgeräumt und als Vater oder Mutter ärgerst du dich darüber. In deinem spontanen Ärger weist du deinen Sohn zurecht, er möge doch Absprachen und Familienregeln einhalten. Der Ärger in deiner Stimme ist deutlich spürbar. Und wie reagiert dein Sohn?
Er wird bockig, er widerspricht, er legt sich mit dir an. Er spiegelt deinen Ärger zurück und dicke Luft ist im Raum.
Immer wieder erlebe ich Paare, die mit "aller Gewalt" versuchen, ihre Konflikt zu klären, wenn sie im Gefühl des Ärgers und der Wut sind. "Ich muss jetzt mit dir reden!" "Das müssen wir hier und jetzt klären!" "So geht das nicht weiter!" "Immer machst du das, nur um mich zu ärgern!" Kennst du diese oder ähnliche Sätze? In der Regel steht am Ende kein Ergebnis wo alle zufrieden sind. Am Ende resigniert einer oder beide sind erschöpft.
Der ägyptische Spruch erinnert dich an den "rechten Augenblick". Auch bei Konflikten gibt es einen rechten Augenblick. Wenn du dich mitten im Gefühl des Ärgers und der Kränkung befindest, ist es sehr schwer, mit deinem Konfliktgegner in einer guten Verbindung zu sein. Er ist eben dein Gegner und nicht mehr dein Partner. Du hast den Eindruck, du musst kämpfen. Du willst dein Recht, du willst gesehen werden, du vermisst das Verständnis und dein Gegenüber empfindet genauso wie du.
Beruhige erst einmal deinen Geist, geh auf Abstand, schlaf eine Nacht drüber, atme ein paar tiefe Atemzüger und triff eine Vereinbarung, wann du reden möchtest, eben... Suche mit deinem "Konfliktgegner" den rechten Augenblick, damit er/sie zu einem Konfliktpartner wird.
Stell dir dabei vor, dass ihr euch nicht gegenübersteht wie Kontrahenten, sondern ihr setzt euch nebeneinander auf eine Bank und schaut in die gleiche Richtung. Ihr schaut gemeinsam auf einen Baum oder eine Blume. Dieser Baum oder diese Blume steht als Symbol da für eure Partnerschaft oder eure Freundschaft. Gemeinsam schaut ihr den Baum an und fragt: "Wie geht es gerade der Ehe, der Freundschaft, der Partnerschaft? Was braucht sie von dir und dem anderen? Was hat gefehlt und wer kann was dafür tun, dass das Fehlende ergänzt wird."
Der richtige Augenblick ist dann, wenn in deinem Herzen wieder mehr Weite als Enge zu spüren ist.

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Donnerstag, 17. September 2015

Erst die Arbeit und dann das Vergnügen!


Den Spruch kenne ich schon aus Kindertagen. Ich wollte draußen spielen und meine Mutter hinderte mich daran. Erst die Hausaufgaben machen! Erst die Arbeit und dann das Vergnügen!
Damit schaffen wir einen Unterschied und bilden eine Polarität, die nicht hilfreich und lebensfördernd ist. Wir arbeiten also im Schweiße unseres Angesichtes, damit wir uns anschließend vergnügen können. Wir vergnügen uns, weil wir es uns redlich verdient haben. Du gehst also nach der Arbeit in die Eisdiele und sagst dir: "Das habe ich mir redlich verdient!" Das Vergnügen ist positiv, die Arbeit negativ!
Wenn du dir vorstellst, wie viele Stunden am Tag du arbeitest, dann kann dein Leben nur eine einzige Qual sein. Das gefällt mir nicht und ich möchte diese Polarität ein wenig aufweichen.
Ich habe eine vergnügliche Arbeit. Meine Arbeit macht mir Freude, sie "genügt", sie "vergnügt" mich. In meinem Vergnügen arbeite ich auch sehr gerne. Ich liebe arbeitsame Vergnügen wie kochen und bügeln. Mönche müssen sich stundenlang hinsetzen um meditieren zu können. Mir reicht dazu ein Bügeleisen und schon reise ich in die bunte Innenwelt. Es gibt ja auch Menschen, die betreiben vergnüglichen Sport. Dabei setzen sie sich körperlich so intensiv ein wie ein Straßenbauer oder ein Schmied. Der Schweiß läuft am Körper herunter und - es kann total vergnüglich und befriedigend sein.
Wenn ich aufhöre, solche Unterschiede zu machen, dann ist es auch egal, wie viele Stunden ich arbeite. Ich lebe ja! Ich verabschiede mich von diesem alten Glaubenssatz: "Erst die Arbeit und dann das Vergnügen!" Ich sage: "Werde dir eines vergnügten Zustandes bewusst und dann tue was du willst!"
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Mittwoch, 16. September 2015

Die Kunst des indianischen Weges


Ich las von einem alten Indianer, der mit seinen Enkelkindern unterwegs war. Er forderte sie dazu auf, für alles am Weg aufmerksam zu sein. Irgendwann blieb er stehen und fragte die Kinder, was es dort besonderes gäbe. Die Kinder schauten sich um und konnten nichts außergewöhnliches entdecken. Der alte Indianer zeigte nach oben in den Baum und wies auf eine Eule hin.
"Wie konntest du die Eule sehen, wo du doch die ganze Zeit auf den Boden geschaut hast?" bemerkte einer von den Kleinen. "Es liegt an den Mäusen", erwiderte der Großvater. "Weit und breit ist am Boden keine Maus zu sehen. Die Mäuse kommen nur, wenn es keine Gefahr gibt. Darum war mir klar, dass im Baum eine Eule sitzen muss."
An dieser Geschichte imponiert mir, dass der Indianer die Zeichen lesen konnte. Er muss nicht die Eule sehen um zu wissen, dass sie da ist. Am Fehlen der Mäuse erkennt er die Anwesenheit der Eule.
Wie würde unser Leben aussehen, wenn wir uns in dieser Kunst üben könnten, die Welt so wahrzunehmen. Klar, wenn  es auf der Straße stinkt wissen wir, dass wir in der Nähe eines Feldes sind, wo gerade Gülle ausgefahren wird. Kondensstreifen am Himmel deuten an, dass dort gerade ein Flugzeug vorbeizog. Es geht eher um die Kunst, quasi um die Ecke zu denken.
Der Indianer findet seine Orientierung mit Hilfe der Mäusesicht. Er taucht in diese Welt ein und denkt von da aus. Das ließe sich doch auch auf uns übertragen. Du könntest zum Beispiel einen ganzen Tag lang die Welt mit den Augen und dem Bewusstsein eines Kindes betrachten. Du steigst in die Welt eines Kindes ein und fühlst und denkst so wie es. Du hast die gleiche Körpergröße, das gleiche Wissen und die gleichen Fähigkeiten. Was geschieht, wenn du das machst? Wirst du vielleicht neugieriger, unbeschwerter oder unmittelbarer?
Die Prärie mag ja voller Mäuse sein, darum ist ihre An- oder Abwesenheit für die Deutungen des Lebens hilfreich. Wir müssten etwas anderes finden als Mäuse in unserer Zivilisation. Was kommt bei uns denn häufig vor und könnte gut als Indikator dienen? Aus der Sicht eines Vogels? Oder eines Autos?
Nicht so leicht! Meine Idee heißt: Immer mal wieder das eigene "Ich" verlassen und die Perspektive wechseln. Sonst besteht die Gefahr, dass du denkst, die Welt ist so, wie du sie siehst. Aber die Welt ist nicht so! Es könnte sein, dass deine Welt vielfältiger wird, wenn du hin und wieder die Perspektive wechselst. Du kannst dir auch vorstellen, dass du alles wahrnimmst mit dem Grundgefühl von Liebe! Was geschieht dann mit dir? Du könntest dich auch dafür entscheiden, dass du denkst: Alle wollen etwas von dir! Was geschieht dann? Du wirst feststellen, dass du selbst auf einmal mehr bist als das "Ich", das gerade etwas wahrnimmt. Du gehst nach außen und nimmst etwas wahr. Du kehrst zu dir zurück und nimmst das Neue mit in dir hinein. Das wird dich verändern und deiner Weiterentwicklung dienen. So lernst du die Kunst des indianischen Weges.

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Dienstag, 15. September 2015

Nimmst du die Dinge eher leicht oder schwer?


Stell dir eine Situation vor, die dich belastet. Du hast einen Fehler gemacht. Du hast dich blamiert. Du fühlst dich nicht wohl damit. Du möchtest es verdrängen, leugnen, zur Seite schieben. Aber es lastet auf dich. Wie fühlt es sich an?
Wenn das Ereignis frisch ist, kann ich diese Reaktion gut verstehen. Aber wenn diese Geschichte schon lange zurückliegt? Wenn es sich in deiner Kindheit abgespielt hat? Und wenn du daran denkst und es fühlt sich wieder so schwer an, macht das noch Sinn? Diesen alten Teebeutel wieder in die Tasse zu hängen und alte Gefühle wiederzubeleben? Es ist ein altes Gefühl! Es ist nicht aktuell!
Jetzt magst du denken: Aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Es kommt einfach immer wieder. Ich hatte mich damals so blamiert! Es belastet mich immer noch! Dann belastet dich nicht das vergangene Ereignis sondern es belastet dich das aktuelle Gefühl, dass du dir selber gemacht hast. Die Erinnerung erschafft das Gefühl. Du bist der Schöpfer dieses Gefühls. Du hast es selber erschaffen!
Wenn du mal in die Jauchegrube gefallen bist und es dir nicht gefallen hat. Würdest du freiwillig wieder hineinspringen? Würdest du noch einmal eine heiße Herdplatte anfassen um das Gefühl von Verbrennung wiederzubeleben? Würdest du doch nicht. Das macht keinen Sinn! Aber deine alten Ereignisse kramst du dein ganzes Leben lang wieder hervor und erneuerst deine schlechten Gefühle.
O.k. Wenn du es nicht lassen kannst, weil du ein Erinnerungsjunkie bist dann mache es doch einmal ganz richtig. Das geht so!
Stell dir eine Situation vor, die dich belastet. Schließe dazu die Augen und lass sich das Bild in dir entfalten. Nimm wahr, wie deine Mutter dich auslacht und wie du reagierst. Wende dich aber dieses mal auf keinen Fall ab wie sonst! Bleib bei dem Bild! Bleib noch weiter bei dem Bild! Schau dir deine Mutter an und schaue dich selber an. Lass alles zu, was auftaucht. Es ist wie bei einem Eiterpickel: Alles muss raus! Also schau das Bild an. Übernimm die Verantwortung dafür. Es ist deine Situation, deine Geschichte, deine Erinnerung. Sie gehört dir! Egal was du erlebt hast. Schau dir die Situation an und laufe nicht weg! Halte es länger aus als sonst. Schau dich daran satt! Ich habe einmal Sahne sehr gerne gemocht. Dann habe ich einen ganzen Becher Sahne getrunken und mir wurde schlecht. Lange Zeit konnte ich dann keine Sahne mehr essen. Ich hatte die Nase voll davon. Schau dir also mal als Experiment deine schwere Geschichte an bis du satt bist.
Wenn du es lange genug gemacht hast wird etwas sehr Unerwartetes und Ungewöhnliches geschehen. Davon kann ich dir hier nichts erzählen, denn dann würde dein Geist ganz schnell dahin flüchten. Das möchte ich vermeiden.
Wenn du dir dein Bild anschaust dann machst du etwas anderes gleichzeitig. Du sagst dir: Jetzt bin ich hier. Mein Leben ist weitergelaufen! Ich bin die von damals und zugleich jemand anderes. Zum Abschluss der Übung schaust du auf das Mädchen im Foto: Es bläst eine Pusteblume. Die Geschichte ist abgeschlossen. Der Same darf sich verteilen. Die Geschichte war schwer und der Same ist leicht. Wie bei einer Pusteblume puste ich den Samen meiner Geschichte in die Welt und habe Anteil an meiner Weiterentwicklung und der Entwicklung der Welt.
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Montag, 14. September 2015

Leben frisch oder aus der Konserve!


Ich war mit meiner Männergruppe wandern. Das Photo zeigt unser Frühstück im Hotel, der Christinenhof in Hameln. Es war schier unglaublich! Verschiedene Salatvariationen, persönlicher Empfang an der Tür mit zwei Varianten von selbstgemixtem Saft! Frischen und heißen Pflaumencrumble gezaubert vom Hotelbesitzer! Amuse gueule von Lachstartar und Ziegenkäse mit selbst eingelegter Walnuss! Keine Eierpampe aus dem Warmhaltebecken sondern Kräuterrührei mit Serranoschinken an den Tisch gebracht! Ich kann diese Liste noch fortsetzen, unglaublich! Es war alles frisch und selbst gemacht. Toll! Drei Sterne!

Wir sind ja gewandert und übernachteten im nächsten Hotel. Auch dort gab es ein üppiges Frühstück! Vielfältige Aufbackbrötchen! Oliven, Zwiebeln, Gurken, Sardellen, Fisch, Butter, Marmelade, Nutella! Was dort aber unglaublich war - es kam alles aus Glas und Dose! Ein komplettes Konservenfrühstück! Das totale Gegenteil vom Vortag. Noch nie sah ich einen so vollen Frühstückstisch mit Dosendingen. Sterne mochte ich nicht vergeben!
Das Fazit: Wir wurden satt! An beiden Tagen! Beide Frühstücke erzählten eine tolle Geschichte über den Besitzer. Aber nur einmal ging das Herz wirklich auf! Du kannst dir denken wann, nicht wahr?

Dieses Frühstück ist für mich ein Gleichnis für das Leben. Lebst du frisch oder aus der Konserve? Lebst du von deinen Versicherungen und Rücklagen oder von den täglichen Begegnungen! Das Herz geht nur auf im Hier und Jetzt!
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Samstag, 12. September 2015

Den Schlüssel finden!


Das Bild stammt von einer Postkarte, die an meinem Schrank hängt. Ein elegant gekleideter Vogel trägt einen Schlüssel im Schnabel. Er heißt übrigens Gregorius und wirkt mit seiner Brille klug und weise.
Eine Frau erzählte mir einmal von ihrer Beichtpraxis. Sie musste auf den Pfarrer warten, weil dieser noch einen dringenden Termin hatte. Zur Vorbereitung bekam sie ein Märchen der Gebrüder Grimm in die Hand gedrückt mit der Überschrift: "Der goldene Schlüssel." Kennst du dieses eigenartige Märchen? Es geht so:

Der goldene Schlüssel

Zur Winterszeit, als einmal ein tiefer Schnee lag, musste ein armer Junge hinausgehen und Holz auf einem Schlitten holen. Wie er es nun zusammengesucht und aufgeladen hatte, wollte er, weil er so erfroren war, noch nicht nach Haus gehen, sondern erst Feuer anmachen und sich ein bisschen wärmen. Da scharrte er den Schnee weg, und wie er so den Erdboden aufräumte, fand er einen kleinen goldenen Schlüssel. Nun glaubte er, wo der Schlüssel wäre, müsste auch das Schloss dazu sein, grub in der Erde und fand ein eisernes Kästchen. Wenn der Schlüssel nur passt! dachte er, es sind gewiss kostbare Sachen in dem Kästchen. Er suchte, aber es war kein Schlüsselloch da, endlich entdeckte er eins, aber so klein, dass man es kaum sehen konnte. Er probierte, und der Schlüssel passte glücklich. Da drehte er einmal herum, und nun müssen wir warten, bis er vollends aufgeschlossen, und den Deckel aufgemacht hat, dann werden wir erfahren, was für wunderbare Sachen in dem Kästchen lagen. (Märchen der Gebrüder Grimm)

Ein wenig ärgerlich, nicht wahr? Am Ende des Märchens fragst du dich, was denn wohl in dem Kästchen liegt. Du bekommst jedoch keine Antwort. Das Märchen hat nur eine Person und es gibt kaum Handlung. Keine Verwicklungen. Kein Drama. Keine Verwandlungen. Es geschieht nichts.

Es ist dennoch interessant, das Märchen ohne Geschichte! Es gleicht eher einem Traumbild oder einem Gleichnis. Wir sind alle Besitzerinnen und Besitzer eines "goldenen Schlüssels". Wir können in unserem Leben etwas "goldenes" sehen, wenn wir die Augen und das Herz aufmachen. Unser Leben hat einen sichtbaren und einen unsichtbaren Anteil. Sichtbarer Schlüssel und verborgenes Schatzkästchen. Dein "goldener Schlüssel" könnte deine handwerkliche Geschicklichkeit sein, die Fähigkeit mit den Augen zu sehen. Vielleicht kannst du zwischen den Zeilen hören und bist akrobatisch auf einem ganz bestimmten Gebiet. Vielleicht kannst du einen Finger so bewegen wie niemand sonst auf dieser Welt. Vielleicht nimmst du aber auch etwas wahr, was nur du wahrnehmen kannst. Es ist also unglaublich wichtig, dass du um deinen "goldenen Schlüssel" weißt. Von da aus kannst du auf dein "Kästchen" schließen. Wo es einen Schlüssel gibt, gibt es auch ein Kästchen. Es wäre Schade, wenn du deinen Schlüssel nicht einsetzen würdest. In deinem Herzen könnte lebenslang ein "Schatz" warten und du würdest ihn nicht entdecken, heben und für dich nutzen!
Viele Menschen kennen nicht einmal ihren Schlüssel. Sie gleichen dem Jungen im kalten Schnee. Das Leben ist mühsam und hart. Es fehlt die Wärme im Herzen. Kannst du deine "goldenen Schlüssel" benennen? Welche fallen dir ein? Worin besteht dein Schnee? Wie verbirgst oder versteckst du deine Fähigkeiten?
Der erste wichtige Schritt im Umgang mit sich selbst heißt: "Ich habe meine eigenen goldenen Schlüssel. Ich richte meine Aufmerksamkeit darauf und werde mir dessen bewusst." Du besitzt "goldene Schlüssel".
Der zweite wichtige Schritt heißt:"Ich finde mit meinem Schlüssel das dazu passende Kästchen. Dazu räume ich Hindernisse aus dem Weg und bleibe einfach dran. Der Schlüssel erinnert mich daran, dass ich mich wirklich einsetze und immer wieder vertraue."

Ergänzungen:
In vielen Geschichten gibt es zuerst das Kästchen und dann sucht man den Schlüssel dazu. Die Verzweiflung kommt, wenn sich der Schlüssel nicht finden lässt. Was ist jedoch wichtiger? Schlüssel oder Schatz!
Der Inhalt des Kästchens bleibt uns verborgen. Der Inhalt deines eigenen Schatzkästchens gehört nur dir! Er geht niemandem etwas an! Es ist deine ureigene Persönlichkeit. Geh wohlwollend und wertschätzend damit um!
Vielleicht öffnest du mit deinem Schlüssel irgendwann das Kästchen und kannst nichts darin entdecken. Du denkst, es sei leer! Dann kommt dir die Erkenntnis! Es ging gar nicht um das Kästchen. Es ging um den Schlüssel!
Darum geht es immer! Das wir den Schlüssel zum Leben finden! Das eigene Leben verstehen lernen! Kraftvoller gehen! Gezielter sich einsetzen! Die Verletzungen und Kränkungen bearbeiten! Gelassener und wohlwollender sein! Du könntest entdecken, dass dein "unscheinbarer Schlüssel", den du oft ignorierst oder übersiehst, sich erst beim näheren Betrachten als "goldener Schlüssel" erweist.
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Freitag, 11. September 2015

Die innere Balance finden in drei Schritten




Die innere Balance finden in drei Schritten
Vorbemerkung
Du lebst in ständigen Anforderungen, privat oder beruflich? Der Verstand ist immer mit dem Denken von Gedanken beschäftigt? Mache ich alles richtig? Genüge ich? Woran muss ich jetzt noch denken? Wann plane ich das ein? Wie viel Zeit habe ich noch? Schnell tauchen dann negative Gefühle auf wenn die Angst auftaucht, nicht alle Herausforderungen zufriedenstellend bedienen zu können. „Ich hätte doch...“ „Ich müsste noch...“ „Ich sollte jetzt unbedingt...“ Es fällt mit der Zeit immer schwerer, den Gedankenstrom abzustellen. Der amerikanische Theologe und Therapeut John Selby hat eine Übung entwickelt, wie du in dieser Situation wieder die Balance findest und dich zentrieren kannst. Die Idee dahinter heißt: Wenn ich mit meiner Wahrnehmung gleichzeitig drei Körperphänomene beobachte, dann ist der Verstand damit so beschäftigt, dass das Denken von Gedanken aufhört. Wenn die Gedanken aufhören, kehrt innerlich Stille ein. Die innere Stille führt zur Entspannung, die bis in den Körper hinein spürbar wird. Du schaltest vom Sympathikus hin zum Parasympathikus.
Der Ablauf der Übung
Du suchst dir einen Platz, wo du ungestört sitzen kannst. Ein Stuhl reicht. Die Füße stehen beide auf dem Boden, die Hände liegen locker auf den Oberschenkeln. Die Augen sind geschlossen.
Der 1. Schritt: Erdung!
Bei jeder Herausforderung ist es wichtig, den Kontakt zur Erde zu haben. Mit beiden Füßen auf dem Boden stehen und einen festen Platz einnehmen. Von hier kann dich niemand vertreiben. Du kannst nicht wegrutschen. Wir Menschen gehören zur Erde. Die Erde trägt und ernährt uns. Du sitzt also auf deinem Stuhl und spürst die Verbundenheit mit der Erde. Du stellst dir bildlich vor, wie Wurzeln wachsen aus deinen Fußsohlen hinein in die Erde. Du spürst diese Wärme in den Fußsohlen. Jede Körperzelle versorgst du mit Energie und nimmst Zeit.
Der 2. Schritt: Atem wahrnehmen!
Wir atmen wie selbstverständlich täglich ein und aus. Der Atem versorgt unseren ganzen Körper und unseren Geist mit Sauerstoff. Neben dem Sauerstoff enthält die Luft das, was die Chinesen "Chi" oder die Yogis "Prana" nennen. Wenn wir uns erschrecken, vergessen wir oft, zu atmen. Auch wenn die Angst uns überfällt entsteht Enge und der Atem wird flacher. Dabei benötigt der Körper den Atem bei Herausforderungen besonders intensiv. Beim Atem wahrnehmen geht es wieder darum, aus dem Denken herauszukommen. Du sitzt in der gleichen Position und nimmst jetzt deinen Atem wahr. Du beobachtes, wie der Atem durch die Nase in deinen Körper hineinströmt bis tief in das Becken hinein. Du atmest tief aus und wartest, dass der Atem wie von selber wieder in dir hineinströmt. Beim nächsten Schritt nimmst du gleichzeitig wahr, wie du verbunden bist mit der Erde und wie der Atem kommt und geht. Die gleichzeitige Wahrnehmung beschäftigt den Verstand so, dass das Denken eine Pause macht.
Der 3. Schritt: Den Herzraum spüren!
Nachdem du dich gleichzeitig erdest und bewusst atmest wird das Bedürfnis nach Gedanken schnell wiederkommen. Es braucht noch einen dritten Schritt der Aufmerksamkeit. Das Herzzentrum ist für uns Menschen sehr zentral. Dort gibt es 5000-mal mehr elektromagnetische Energie als im Verstand. Im Herzzentrum verorten wir die Gefühle und das Spüren. Deine Augen sind weiterhin geschlossen und du gehst mit deiner Wahrnehmung in den Körperraum, wo sich auch dein Herz befindet. Du kannst dir z.B. einen Menschen vorstellen, den du besonders magst und beobachtest, was dann in diesem Raum geschieht. Du kannst dir auch eine Urlaubslandschaft vorstellen. Auf jeden Fall etwas angenehmes. Verändert sich etwas?
Nun verbindest du alle drei Schritte. Du nimmst gleichzeitig die Verbindung zur Erde wahr, beobachtest deinen Atem wie er kommt und geht und spürst in deinen Herzraum hinein. Dann verweilst du in diesem Zustand so lange, wie du möchtest.
Nachbemerkung
Wenn du diese Übung regelmäßig wiederholst, brauchst du immer weniger Zeit, bis du in einen Zustand der Entspannung kommen. Du kannst diese Übung für zehn Minuten machen, aber auch für fünf oder vor einer Konferenz nur für eine knappe Minute.
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Donnerstag, 10. September 2015

Herausforderung fremdes Essen!





Wenn jemand sich seltsam und/oder untypisch verhält fragen wir manchmal: "Hat dir jemand etwas ins Essen getan?" Viele Lebenserfahrungen spiegeln sich auch im Essverhalten wider. Ich glaube, das hat etwas mit unserem Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle zu tun. Wenn andere die Köche unseres eigenen Lebens sind, wissen wir nicht, ob es uns bekommt und wir reagieren da manchmal zu Recht mit Vorsicht.

Wenn wir nicht die Köche unseres eigenen Essens sind, wissen wir nicht, was da alles so auf dem Teller landet. Das öffnet der Phantasie Tor und Türen. Waren die Zutaten frisch? Wurde da hygienisch genug gekocht? Wer weiß? Ich achte immer darauf, keinen Koch zu beleidigen, denn er könnte dir als Zeichen seines Ärgers und seiner Verachtung ins Essen spucken. Allein die Vorstellung, dass er es machen könnte, reicht aus, stets höflich zu sein. Im Priesterseminar damals gab es das Gerücht, dass dem roten Tee am Abend ein Mittel zugefügt wurde, welches sich Zölibatol nannte. Das sollte bewirken, dass die Hormone nicht ausgeschüttet wurden und die Priesterkandidaten so leichter den Zölibat leben könnten. Der gleiche Tee heißt dann in christlichen Weiterbildungseinrichtungen Christenverfolgungstee.
Immerhin gibt es genügend Hinweise aus alten Zeiten, dass man mittels Gift im Essen sich eines unbeliebten Herrschers entledigen konnte. Beim "fremden Essen" auf dem Tisch geht es um Kontrolle und um die Frage: Was geschieht hier mit mir? Muss ich Angst haben? Ist das Essen verdorben? Was werden die Folgen sein!
Ob bei fremdem Essen oder auch sonst im Leben bleibt die Herausforderung, ins Vertrauen zu gehen. Diese Grundhaltung zeigt sich also schon in den banalen und alltäglichen Dingen. Dabei kann die Nahrung schnell zu einem Synonym für das Leben selbst werden. "DU BIST WIE DU ISST!"

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Mittwoch, 9. September 2015

Die Wirklichkeit des halb vollen Glases!

Ärgere dich nicht darüber, dass der Rosenstrauch Dornen trägt, sondern freue dich darüber, dass der Dornenstrauch Rosen trägt. (aus Arabien)

Dieser Satz ist die arabische Form des halb leeren oder vollen Glases. Er inspiriert mich zu einer kleinen Meditation.

Ärgere dich nicht darüber, dass die falschen Politiker an der Regierung sind, sondern freue dich darüber, dass eine Regierung auch falsche Politiker verträgt.
Ärgere dich nicht darüber, dass der "neue" Papst Franziskus bislang so wenig Reformen umgesetzt hat, sondern freue dich darüber, dass trotz der wenigen Reformansätze Papst Franziskus seine gute Laune noch nicht verloren hat.
Ärgere dich nicht über deinen Nachbarn, der mit seinem Grill die Luft in deinem Garten verpestet, sondern freue dich darüber, dass trotz des Grills dir genügend Luft zu atmen bleibt.
Ärgere dich nicht darüber, dass deine erwachsenen Kinder dich nicht mehr anrufen, sondern freue dich darüber, dass deine Kinder ein so sinnvolles Leben führen, dass für Anrufe keine Zeit bleibt.
Ärgere dich nicht über das katastrophale Fernsehprogramm, sondern freue dich darüber, dass trotz des katastrophalen Fernsehprogrammes du noch Lust auf gute Unterhaltung hast.
Ärgere dich nicht über einen schlechten Service im Lebensmittelmarkt, sondern freue dich über einen Lebensmittelmarkt, in dem du noch das eine oder andere Produkt findest, das dein Herz erfreut.
Ärgere dich nicht darüber, dass du irgendwann sterben musst, sondern freue dich darüber, dass bis zu dem Zeitpunkt noch ein paar Atemzüge machen darfst und heute dein Leben genießt.

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Dienstag, 8. September 2015

Sich verlieben und verliebt bleiben...

Ich habe diese Postkarte entdeckt und mir ist das Herz aufgegangen. Ein altes Paar geht Arm in Arm. So viel Nähe! So viel Vertrauen! Nicht jung und verliebt, sondern verliebt geblieben! Welch ein Geschenk! Das beflügelt doch, oder?
Schau dir dieses Paar an und teile diese Freude, die du erlebst. Es ist ansteckend! Wie schön! Wenn du diese Freude teilen kannst, dann breitet sie sich in dir aus. Jetzt in diesem Augenblick kannst du den Frieden spüren. Oder kommst du an deinen Schmerz? Weil es bei dir nicht so ist? Weil du dir deine "Liebe" anders gewünscht hast? Das kann und darf auch sein.
"Sich zu verlieben ist einfach. Verliebt zu bleiben hingegen, ist etwas ganz Besonderes." Das ist der Kommentar zu dem Bild. Das erste Verlieben ereignet sich. Einfach so! Es macht Plopp und schon ist es passiert. Dein Herz geht auf! Doch was ist das Geheimis nach so vielen Jahren?
Ich habe im Laufe meines Lebens viele Paare kennengelernt. Da gibt es Paare, die wirken auf mich in ihrem Paardasein wie ständig neben oder gegeneinander. Da gibt es "Freundschaftspaare", "WG-Paare", "Gewohnheitspaare", "Nörgelpaare" oder "Sichstechen-Paare". Da sitzt du bei einem Fest mit vielen Paaren. Und zwischen all den vielen Paaren sitzt manchmal ein Paar und ich mache die Wahrnehmung: Das ist wirklich ein Paar! Die sind ja aufeinander bezogen! Auch noch nach vielen Jahren. Welch ein Geschenk!
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Montag, 7. September 2015

Das Leben wie ein Labyrinth...


Vor ein paar Wochen war ich in Dortmund zum Einkaufen. Ich wollte in der Fußgängerzone für einen Moment in der Petrikirche verweilen und stieß dort statt auf Kirchenbänke auf ein begehbares Labyrinth. Sehr eindrucksvoll und gelegt mit ausgesuchten Steinen. Zwischendurch brennende Kerzen zum Innehalten.
Wenn du beginnst, dann kommst du schnell in Richtung Mitte. Du glaubst, du bist fast da, da führt dich der Weg in einem weiten Bogen fern von der Mitte. Ich bin doch schon so nah dran! Muss ich noch die Schleife drehen? Die ersten Kurven gehst du noch frisch und hoffnungsvoll. Aber mit der Zeit willst du nur noch ankommen. Nicht noch eine Schleife! Das kennst du doch schon! Wann kommst du endlich einmal zur Mitte!
Du musst eigentlich nur weiterlaufen. Ein Labyrinth ist kein Irrgarten. Du kannst dich nicht verlaufen. Du gehst, bis du am Ziel bist. Und dann? Dann musst du wieder zurück! Den gleichen Weg. Ich war versucht, eine Abkürzung zu nehmen. Es wäre leicht gewesen! Einfach quer über die Steingrenzen hinweg das Labyrinth verlassen! Ich konnte es nicht. Im Leben kannst du ja auch nicht einfach so aussteigen. Du musst für die Folgen deines Weges die Verantwortung übernehmen.
Ich habe mich gewundert, wie schnell ich im Labyrinth "ich" bin. Der Schnelle, der Ungeduldige, der Neugierige, der Stolze, ... Ein paar Steine anordnen, loslaufen und schon begegnest du dir selbst. Zugleich wird mir deutlich, dass das Ganze ein Gleichnis ist. Ich gehe meinen Weg. Ich gehe ihn so, wie ich ihn gehe! Hauptsache ist, ich gehe! Wenn ich gehe, komme ich an! Irgendwann. Nur wenn ich nicht gehe, dann komme ich auch nicht an. Das Gehen allein reicht aus! Wenn nur das Gehen an sich immer so einfach wäre! Du wirst müde, resignierst, verlierst den Überblick, das Ziel aus den Augen. Das Gehen an sich ist Herausforderung genug. Mehr muss nicht sein! So wünsche ich dir Kraft und Energie für die Woche!
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Samstag, 5. September 2015

Reißt du Bäume aus oder pflückst du Gras?



Folgenden Spruch fand ich auf einer Karte: „Ich fühle mich, als könnte ich Bäume ausreißen. Also kleine Bäume. Vieleicht Bambus. Oder Blumen. Na gut. Gras. Gras geht.“
Bäume ausreißen zu können ist wohl nicht sehr realistisch. Ohne Hilfsmittel reicht es nicht einmal für einen Baumstumpf. Aber das Gefühl dazu hätte ich gerne und am liebsten jeden Tag. Leider kenne ich diese Kette der „abfallenden Energien“ nur zu gut. Nach der Selbstüberschätzung landen wir häufig beim Gras.  
Bevor ich aber mit dir den Grashalm pflücke lade ich dich ein zu einer kleinen Gedankenreise und wir schauen mal, wo sie uns hinführt. Zunächst einmal sehe ich diesen immensen Energieaufwand, einen Baum auszureißen! Übertrieben, nicht notwendig und Anzeichen für ein überdrehtes Ego. Im Hintergrund gibt es das schon vorhandene und verborgene Wissen, dass ich eigentlich nur Gras schaffe. Ich bin von meinem Wesen her eher ein „Gras-Rupfer“ als ein „Bäume-Ausreißer“, oder? Blumen traue ich mir auch noch zu und unter Umständen eine Bambuspflanze. Aber Bäume? No and never! Aber manche Menschen müssen vor ihren Handlungen zunächst in die Baumenergie gehen, damit sie wenigstens das Gras schaffen. Besser Gras als gar nichts.
Der Bildgegensatz von Baum und Gras führt mich noch zu einem weiteren Gedanken. Ich kenne es bei mir selbst und auch von anderen Freundinnen, dass sie sagen: „Ich muss mir meine Kräfte gut einteilen, sonst schaffe ich es nicht.“ Wenn du eine körperliche Beeinträchtigung hast, dann kommst du gar nicht mehr auf den Gedanken, dass du Bäume ausreißen könntest. Du bist froh über jeden Grashalm, den du bewegen kannst. Du machst dir am Anfang der Woche Gedanken über die Anzahl deiner zu beackernden Halme und teilst gleichmäßig sie auf die einzelnen Wochentage auf. Für jeden Wochentag machst du erneut eine Aufteilung und schaust, wann du fit bist und wie viele Grashalme du wann pflücken kannst. So teilst du dir deine Kräfte sinnvoll ein.
Vielleicht warst du auch einmal jung und dynamisch und hast dir keine Gedanken dazu gemacht, ob deine Kräfte ausreichen für deine Unternehmungswünsche. Du hast einfach gemacht und an das Unmögliche geglaubt. Du warst von deinem Wesen her ein „Bäume-Ausreißer“! Doch wenn du dich ein paar mal verhoben hast, über deine Kräfte hinausgegangen bist, die Realität dich eingeholt hat; Oder wenn dich irreversible körperliche oder psychische Beeinträchtigungen quälen, sieht deine Welt anders aus. Mehr „grashalm-mäßig“.  Du teilst ein, du berechnest und du wägst ab.
„Ich merk das schon“, sagen mir ältere Freunde, „dass das nicht mehr so geht wie noch vor ein paar Jahren.“ Und dann braucht es seine Zeit, alle Kräftestadien zu durchwandern. Du beginnst mit der überbordenden Baumkraft, gehst noch elegant zum Bambus, mit Wohlwollen zu den Blumen und landest vielleicht verbittert oder auch demütig beim Gras, in das du am Ende deines Lebens dann „beißen“ wirst. Schön, wenn du den Weg dann noch mit Humor gehen kannst.
Es kann dir also leicht geschehen, dass du genauso dein Leben wahrnimmst, wie ich es gerade beschrieben habe. Ein kontinuierlicher Abstieg im Nachlassen von Fähigkeiten und Kräften. Und da sage ich doch mal einfach: „Halt Stopp!“ Das mag alles irgendwie stimmen. Zugleich stimmt auch etwas anderes. Und darauf  möchte ich nun deine Aufmerksamkeit richten.
Ich fühle mein ganzes Leben wie einen ständigen und kontinuierlichen Wandlungsprozess. Ich investiere meine Kräfte und gewinne Erkenntnisse. Ich setze mich ein und mache Erfahrungen. Ich setze meine Lebensenergie um. Wenn ich das mache, dann sehe ich auch die Ergebnisse. Ich nehme den Umfang und Wert meiner vielen Millionen Gedanken wahr. Ich sehe die vielen Beziehungen, für die ich mich eingesetzt habe. Ich betrachte die Werke meiner Hände und die tausenden von bewältigten Aufgaben. Ich zähle die Wäscheberge, die ich gebügelt habe. Ich halte mir den Kartoffel- und Gemüseacker vor Augen, den ich im Laufe meines Lebens vertilgt habe.  Ich nehme wahr, dass ich meine Kräfte ganz oft für viele wichtige Dinge verwendet habe. Da kann ich gut „Ja!“ sagen.
Ich stelle mir also vor, dass mein Leben ein ständiges Umsetzen von Energie ist. Ich verwende meine Kräfte und erreiche etwas damit. Somit ist nichts verloren gegangen. Sogar dort, wo du die unnötigen Bäume ausgerissen hast kannst du „Ja!“ sagen. Dort hast du die vielleicht wichtigsten Lernprozesse gemacht und Erkenntnisse für dein Leben gewonnen.
Jetzt kannst du zwei Geschichten erzählen. Du erzählst die Lebensgeschichte von deinem Beginn mit dem Baum und dem Ende mit dem Grashalm. Oder du erzählst die Geschichte von deinen Prozessen der Verwandlungen, Erfahrungen und Erkenntnissen! Beide Geschichten gehören zu deinem Leben dazu.
Ich erinnere mich daran, dass Jesus auch beide Erfahrungen kennt. Einmal spricht er davon, dass ein Hausherr nur ein Haus bauen sollte, wenn er die Kosten vorher ordentlich berechnet hat. Ein anderes Mal spricht er von dem Glauben, der in der Lage ist, Berge zu versetzen.  Zwei Weisheiten, die sich scheinbar widersprechen: „Sei klug und vertraue!“
Und hier wird es interessant. Als körperlich und psychisch begrenzte Menschen leben wir in der Erfahrung der Endlichkeit. Wir unterliegen den Naturgesetzen. Der Apfel fällt! Die Zellen altern! Die Kräfte schwinden!
Zugleich unterliegen wir jedoch einem anderen Gesetz. Auf der geistigen Ebene haben wir unbegrenzte Kräfte und dürfen ewig leben. In unserem Bewusstsein können wir uns vorstellen, dass wir zu einer größeren und umfassenderen Welt gehören als der Körper uns vorgibt. Dein Körper sitzt jetzt auf dem Platz, wo du diese Zeilen liest und dein Geist kann sich ausdehnen über dein Zimmer hinaus, die Wohnung, die Stadt, bis zur Sonne und weiter. Dein Körper gibt dir das Signal: „Ich kann nicht mehr!“ oder „Jetzt geht es noch ein wenig!“ Zur gleichen Zeit kennt dein Bewusstsein das Wort Erschöpfung nicht. 
Irgendwie müssen wir als Menschen den Spagat hinbekommen. Wir nehmen unseren Körper und unsere Kräfte wahr als Konstanten, die uns lebenslang begleiten. Zugleich gibt es für uns als spirituelle Wesen die Möglichkeit, darüber hinauszuwachsen. Während du mühsam deinen Grashalm pflückst, kannst du zur gleichen Zeit im Herzen voller Freude und Dankbarkeit sein über das Bewusstsein, dass du „Du“ bist. Du kannst einen Grashalm pflücken und trauern über deine mangelnden Möglichkeiten - oder Grashalme pflücken in der Wahrnehmung einer unendlichen Dankbarkeit dem Leben gegenüber. In einem Augenblick der Verbundenheit entscheidest du dich für die Fülle und im nächsten Augenblick des Mangels für die Trennung.  
Wenn du das Gefühl hast, dass du Bäume ausreißen könntest, dann bist du vermutlich in diesem grandiosen Bewusstsein der Verbundenheit. Du bist erfüllt von dem Göttlichen, das durch dich hindurchfließt. Ob du am Ende auch materielle Bäume damit ausreißt oder Berge versetzen kannst ist dabei nicht so wichtig. Vielleicht wäre es grundsätzlich hilfreich, zu einer Haltung zu gelangen, bei der du in die „Bäume-Ausreiß-Qualität“ kommst. Also vor jeder Aufgabe sich hinsetzen und tief durchatmen. Werde dir deiner Schöpferkraft bewusst und sage dir: „Ich bin ein Kind Gottes!“ 
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Freitag, 4. September 2015

Wenn du übertreibst...


Übertreibungen von etwas Gutem verdrehen sich schnell ins Gegenteil.

Übertriebenes Wissen führt schnell zur Überheblichkeit.
Übermäßige Pünktlichkeit führt zu Unfreiheit.
Zu viel Sparsamkeit führt zu Geiz.
Zu viel Ordnung führt zur Erstarrung.

Zu viel Sauberkeit führt zu Sterilität.
Zu viel Bewegung führt zur Rastlosigkeit.
Zu viel Ruhe führt zum Tod.
Zu viel Sicherheit führt zur Abgrenzung.

Zu viel Sorglosigkeit führt zu Verlusten.
Zu viel Aufmerksamkeit führt zur Kontrolle.
Zu viel Warten führt zu Passivität.
Zu viele Erwartungen führen zu Enttäuschungen.

Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Die Dinge sind nicht an sich gut! Sie stehen immer in einem Kontext. In der Familie bin ich vielleicht der Rastlose und in der Firma die Ruhe selbst. Und das Verhalten wird von uns bewertet. Ein ruhiger Mensch bekommt vielleicht unsere Achtung, einen phlegmatischen Menschen lehnen wir eher ab.
Schreib doch mal eine Liste deiner "guten" Eigenschaften. Da gibt es ganz viele! Dann beobachte mal, in welchen Situationen du übertreibst. Dann frage dich, wie man eine solche Eigenschaft nennt und ob du die auch kennst. Du beobachtest, dass du vielleicht gerne mit Menschen redest und sie unterhalten kannst. Und wenn du übertreibst, dann könnten dich deine Freunde schnell für einen "Schwätzer" halten. Vielleicht möchtest du ja hier und da ein neues Maß finden?!
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Donnerstag, 3. September 2015

Bist du gut gelaunt?


Wir mögen doch immer gut drauf sein, oder? Gute Laune in der Familie und noch bessere Laune am Arbeitsplatz! Heiter und beschwingt durchs Leben gehen! Wenn beim Bäcker am frühen Morgen die Verkäuferinnen im Brötchengewusel gute Laune verbreiten dann steigt das die Umsatzzahlen. Für die Brötchen zahlst du, und die Freude gibt es gratis dazu!

Da gibt es aber diese so ganz anderen Menschen. Ich meine die auf der Postkarte. "Bin morgens immer gut gelaunt, ich kann's nur nicht so zeigen." Die gibt es wirklich! Ich kenne solche! Die gehen zu einer Karnevalssitzung und sitzen mit starrer Mine auf ihrem Platz. Selbst beim fettesten Witz kommt höchstens ein müdes Lächeln. Sie sitzen stumm in fröhlichen Gesprächsrunden und weigern sich, bei Konzerten mitzuklatschen. Wenn du sie siehst denkst du, warum tut sich dieser Mensch so etwas an.

Ich bin einmal einem solchen Menschen begegnet und habe ihn direkt angesprochen: "Wie ist es dir gestern bei dem Fest ergangen? Du sahst nicht so aus, als ob es dir gefallen hätte!" Seine Antwort, die mich überraschte: "Ich habe mich prächtig amüsiert!" Ich konnte es fast nicht glauben. Aber das muss wohl möglich sein! Es gibt Menschen, die können sich unbändig freuen und amüsieren ohne dass man es von außen sehen kann. Seit diesem Tag verlasse ich mich nicht mehr auf den ersten Eindruck. Der Spruch auf der Postkarte scheint auf den ersten Blick ironisch zu wirken. Aber ich bin davon überzeugt: Das ist keine Ironie! Solche Menschen gibt es tatsächlich!

Und jetzt offenbare ich dir ein Geheimnis. Vor einiger Zeit sprach mich jemand darauf an, dass er mich bei einem Fest gesehen hat. Ich hätte nicht glücklich ausgesehen. Ich hätte irgendwie bedrückt gewirkt. Ich hatte bei dem Fest Null Bedrückung. Mir ging es prächtig! Aber ich muss wirklich einen anderen Eindruck gemacht haben.

Interessant ist also nicht die Frage: Warum sieht der so schlecht gelaunt aus? Sondern die Frage richtet sich zurück an den Beobachtenden. Warum fällt dir das jetzt gerade auf? Wieso beobachtest du den scheinbar schlecht Gelaunten? Was sagt das über dich? Jeder kann doch schauen wie er möchte! Aber du als Beobachtender magst es nicht sehen oder ertragen! Es sagt also mehr über dich selbst. Vielleicht gehörst du ja zu den Gläubigen, die immer und überall gute Laune haben möchten und sehen wollen. Vielleicht lebst du da in deiner unglaublichen Anstrengung von Feier und Ausgelassenheit? Die Band hat es verdient, dass man klatscht! Der geliebte Mensch hat einen Anspruch auf einen gut gelaunten Geburtstag! Du möchtest nie und nimmer ein Spielverderber sein. Das erinnert dich an deine Zeiten als kleines Kind, wo du ausgeschlossen wurdest unter lauten Buhrufen: "Spielverderber! Spielverderber!" Ich lade dich ein, hin und wieder mal einen "Schlechte Laune Tag" einzulegen. Aber nicht mit schlechtem Gewissen! Sondern mit innerer Erlaubnis!
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Mittwoch, 2. September 2015

Verwendung statt Verschwendung


Ich hörte diesen Satz und klebte am "sch".
Verwendung und Ver - sch - wendung ist fast gleich. Es ist das "sch"!
Ver - sch - wendung reiht sich ein in all die Worte mit einem "ver", die eher negativ belastet sind wie
verunreinigen, verlassen, vermeiden, verurteilen, verlieren, verhören.
Ein Verschwender ist jemand, der dafür sorgt, dass die Dinge verschwinden. Aber zu schnell, zu viel, zu unkontrolliert. Ein Verwender der wendet nicht die Dinge auf eine falsche Art und Weise, sondern nutzt die Dinge bewusst. Ein Verschwender also bringt einen großen Salatkopf zum Verschwinden indem er ihn vergammeln lässt und dann in den Müll entsorgt. Ein Verwender würde einen kleineren Kopf kaufen und ausrechnen, wie viel er wann für wie viele Personen braucht.
Zwischen beiden Wörtern liegt nur ein "sch". Das ist nicht viel! Drei Buchstaben! Drei Buchstaben machen einen Verwender zum Verschwender. Das geht schnell! Ruckzuck hast zu viel eingekauft. Du weißt nicht wohin damit. Wenn du nicht Acht gibst, dann schleicht sich das "sch" ein! Echt "Sch..."

Ich habe einmal gehört, dass Gott ganz verschwenderisch in der Liebe ist. Darüber bin ich froh, dass er nicht einfach Liebe verwendet.  Dadurch habe ich keine Angst, dass ich zu kurz komme. Ich sehe ein Sonnenblumenfeld mit verschwenderisch vielen Blumen und das erfreut mein Herz. Die fruchtbare Erde steckt verschwenderisch voll von Regenwürmern, Mineralstoffen und Bakterien. Die Sonne verschwendet ihr Licht in einer unglaublichen Fülle. Ich stelle mir vor, dass sie es einteilt! Wie würde dann die Erde wohl aussehen?

Nach welchem Grundprinzip hast du dein Leben ausgerichtet? Bist du ein Verwender oder ein Verschwender? Oder mal so mal so? Wann das Eine und wann das Andere? Verwendung finde ich gut, es sei denn, dahinter versteckt sich eine Angst. Die Angst heißt: Es ist nicht genug für alle da! Darum halte ich alles fest und verteidige meinen Besitz.
Das Prinzip Verschwendung macht dich darauf aufmerksam, dass du aus der Fülle leben darfst. Du wirst es einfach nicht schaffen, in deinem Leben allen Sauerstoff der Welt einzuatmen. Auch alle Menschen zusammen werden es nicht schaffen! Du brauchst also beim Atmen nicht zu sparen! Wie wunderbar! Auch deine Liebe kannst du verschwenden! Einfach so! Wie wunderbar!
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Dienstag, 1. September 2015

Fantasie, komme zurück - die Realität war gemein zu mir...

Ich stehe zu spät auf und verpasse den Zug. Außerdem regnet es und ich verschlafe den ersten Termin. Ausgerechnet heute!
Der Salat im Supermarkt sah so gut aus. Ich öffne zu hause die Schale mit dem Feldsalat und entdecke, dass er kurz vor dem Ende ist. Ich hatte mich so darauf gefreut und keine echte Alternative.
Ich habe die Ankündigung eines tollen Kinofilmes gelesen. Nur gute Kritiken! Ich gehe hin - und der Film gefällt mir nicht. Ich bin enttäuscht.

Wie oft kommt es vor, dass die Realität uns nicht gefällt. Sie macht nicht das, was wir wollen. Wir haben den Eindruck, dass sie macht was sie selbst will. Und vor allem haben wir manchmal den Eindruck, dass sie sich gegen uns verschworen hat. Da kommen die schwarzen Freitage, die Verkettung von unglücklichen Umständen, die Tage, die du vergessen möchtest...
Der Realität scheint es egal zu sein, wie es mir geht. Das sollte es ihr aber nicht! Ich möchte mich ja schließlich wohl fühlen. Kennst du auch diesen Zustand der Enttäuschung, der Lähmung und der Resignation. Wenn ich das Gefühl vermeiden kann, dann mach ich das. Und wie?
Ich gehe in die Fantasie! Ich male mir meine graue Enttäuschungswelt farbenfroh und bunt.  Manchmal funktioniert es. Aber, wenn der Frust tief sitzt, dann kann ich nur die Fantasie herbeibitten und hoffen, dass sie kommt.
Hin und wieder gelingt mir aber eine andere Einstellung. Ich nehme die Realität wie sie kommt. Ich lehne sie nicht ab. Ich bejuble sie auch nicht. In mir macht sich eine Empfindung von Gleichmut breit. Ich schwimme mit der Welle, mit dem Sturm und mit dem regungslosen Wasser. Die Realität haut mich nicht um und ich gebe ihr keine Macht. Ich bleibe in meiner eigenen! Wenn es mir gelingt, fühlt es sich gut an.
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