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Mittwoch, 31. Juli 2019

Wieso wohnt das Meer nur so weit von mir?

Ich wäre so gerne am Meer. Mal eben da hin gehen und die Füße ins Wasser halten. In die Weite schauen. Einen langen Spaziergang machen. Aber das Meer wohnt so weit weg von mir. Da kann ich nicht einfach mal so hingehen. Am frühen Morgen oder gleich nach der Arbeit.
Das Meer bleibt ein Ort der Sehnsucht. Ein Ort, für den ich Zeit brauche, ihn zu besuchen. Wieso wohnt das Meer nur so weit von mir?
Wieso sind manche Menschen so unfreundlich und ungeduldig mit mir? Wieso kann ich es nicht allen recht machen und wieso habe ich nicht genug Zeit für alle meine Lebensprojekte? Wieso ist alles auf dieser Welt so begrenzt? Wieso wohnt das Meer nur so weit von mir?
Mit manchen Begrenzungen sollte ich mich besser arrangieren. Und nicht ständig nach dem Wieso fragen. Es ist wie es ist. Das ist die eine Seite der Wirklichkeit. Annehmen was ist. Und dann gibt es noch die wunderbare Sehnsucht und den Wunsch, dass alles besser wird. Dass das Meer zu mir kommt und ich das Meer doch noch schnell erreichen kann. Eines Tages. Allein dafür lohnt es sich zu leben. Sich in den sehnsüchtigen Bildern zu verlieren und es zu genießen.
Wieso wohnt das Meer nur so weit von mir? Ich kann leiden, weil es so ist. Ich kann es für mich nutzen, mein Traumpotential zu erweitern und in dem Wunsch zu baden, es unbedingt sehen zu wollen. Die Traum vom Meer kann so stark sein wie der reale Kontakt.
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Dienstag, 30. Juli 2019

Fünf Sonnenminuten im Alltag können mehr bedeuten als ein Sonnentag im Urlaub.

Ich wünsche dir einen Urlaub mit ganz viel Sonne.
Überfüllige Freude.
Ein hüpfendes Herz.
Sprudelndes Leben.
Wenn das nicht möglich ist warum auch immer,
dann wünsche ich dir fünf Sonnenminuten im Alltag.

Wie kannst du das hinbekommen?
Indem du deine Aufmerksamkeit dahinlenkst und dich dafür entscheidest,
dass das jetzt eine Sonnenminute ist.
Du siehst einen Menschen, der sich freut und du lässt dich anstecken.
Du genießt etwas, was du gerne isst - süß oder pikant.
Du erinnerst dich an ein Ereignis, das dich mit einem Wohlgefühl erfüllt.
Du denkst an einen Menschen, den du gerne hast.
Du nimmst dir eine kleine Aufgabe vor, auf die du Lust hast.
Du pflückst eine Blume.
Du setzt dich hin und atmest bewusst.

Fünf Sonnenminuten im Alltag können mehr bedeuten als ein Sonnentag im Urlaub. Den Urlaub musst du nutzen, denkst du. Du hast ja nur begrenzt Zeit. Wehe, wenn du die Gelegenheiten nicht nutzt. Zwei verregnete Wochen und du bist enttäuscht. Aber fünf Sonnenminuten im Alltag kannst du dir schaffen. Das kannst du jeden Tag machen. Auch außerhalb der begrenzten Urlaubstage. Dann kann dein Urlaub "verregnet" sein. Das macht nichts. Du hast ja noch den Alltag. Die Chance auf fünf Sonnenminuten. 100 Prozent sicherer als ein Lottogewinn!
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Montag, 29. Juli 2019

Auch ein Montag kann schön sein!

Montag, der Beginn einer neuen Arbeitswoche? Sich quälen und durchkämpfen? Wenn du so anfängst hast du schon verloren! Du quälst dich! Das müsstest du nicht. Denn auch ein Montag kann schön sein.
Du hättest am Sonntag sterben können aber bist es nicht. Du bist am Montag aufgewacht. Dir wird ein neuer Tag geschenkt. Tausend Möglichkeiten liegen vor dir. Du kannst dich für Tee oder Kaffee entscheiden. Für Brot oder Brötchen. Oder auf das Frühstück verzichten. Du kannst heiß oder kalt duschen. Du kannst dich schick machen oder im Schlabberlook herumlaufen. Du kannst aber auch einfach liegenbleiben. Du kannst deine Mails abrufen oder auch nicht. Eine Nachricht schicken an eine Freundin, wie gern du sie hast. Du kannst dich ans Fenster stellen und schauen, ob ein Vogel vorbeifliegt. Auch ein Montag kann schön sein!
Du hast so viele Möglichkeiten deinen Montag schön zu machen. Egal, was du sonst zu tun hast. Auch wenn es viel Arbeit gibt. Wenn du nervige Projekte vor dich hast. Wenn du viele Entscheidungen treffen musst. Wenn dir etwas quer im Magen liegt. Du kannst dir deinen Montag trotzdem verschönern. Auch wenn es mal ganz düster aussieht. Und wenn es dir graust vor einem grauschwarzen Montag, so kannst du diesen schrecklichen Montag dennoch ein wenig verschönern. Du kannst dir ein Blatt Papier nehmen und in schwarzer Farbe schreiben: Schrecklicher Montag! Mit Ausrufezeichen. Dann nimmst du Farbstifte und malst bunte Blumen drumherum, oder setzt den Montag in eine gelbe Blase. Du kannst also etwas mit dem schrecklichen Montag machen. Denn auch ein Montag kann schön sein! Weil du ihn dir schön machst.
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Samstag, 27. Juli 2019

Mach mal bla, bla, bla!



Im Regal unseres Ferienhauses steht eine Zuckerdose von "Blond Amsterdam" mit dem Bild einer Torte und den Worten "bla bla bla". Erinnerungen steigen in mir auf.
Ich sitze draußen gemütlich mit der Familie vor einem Café. Wir plaudern über dieses und das. Nichts Weltbewegendes. Wer ist gestorben? Wer hat sich gerade wo etwas gekauft? Wer ist krank und wieder gesund? Da taucht vor meinem inneren Auge die Zuckerdose von "Blond Amsterdam" auf: Bla, bla, bla.
So ist das doch oft im Leben, nicht wahr? Du machst Konversation. Smalltalk. Bla bla bla - Gespräche. Es geht um nichts. Trotzdem führst du solche Gespräche - am Frühstückstisch, im Café, während der Autofahrt und in den Pausen am Arbeitsplatz. Bla, bla, bla...
Ich lese diese Worte auf dieser Zuckerdose. Regt sich bei dir gerade ein Widerstand? Ein Protest? Nach dem Motto: "Ich führe auch oft solche Gespräche, aber die sind auch wichtig. Es ist wichtig, über das Leben, die Ereignisse und die Gefühle zu sprechen. Sich austauschen und auf dem Laufenden sein!"
Ich lese wieder die Worte auf der Zuckerdose: Bla, bla, bla. Zuerst habe ich auch die Entwertung gelesen. Da verurteilt jemand die Haltung von lockeren Gesprächen bei einer Tasse Kaffee. Doch schnell legt sich mein eigener innerer Widerstand und ich bekomme eine Zustimmung. Bei "Bla bla bla" Gesprächen geht es nicht in erster Linie um den Inhalt, sondern um die Herstellung von Verbindung. Ich mache Beziehungsarbeit. Ich pflege Kontakte. Ich vergewissere mich, dass meine Familie mich noch mag und dass ich mich auf Freundin und Freund verlassen kann. Hauptsache reden, was auch immer. Und zwischendurch sich freundlich anschauen. Einen Augenblick schweigen. Sich zunicken und die Bestätigung bekommen: "Ja, ich bin dir immer noch gut. Unsere Beziehung hält!" Um das zu erreichen benötigst du mindestens ein Pfund "bla, bla, bla" - oder so viel Zucker, wie in diese Dose passt.
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Freitag, 26. Juli 2019

Urlaub ist wenn man auch Sonntag lange wach bleiben kann.

eine interessante Denke haben wir Menschen heute. Wir denken von der Arbeit her. Am Montag fängt die Arbeitswoche an und endet am Freitag. Dann haben wir das Wochenende um dann wieder arbeiten zu müssen. Der Sonntag ist für die Erholung da, damit wir das Leben dann meistern können. Eigentlich denken wir immer noch wie Sklaven und teilen ein in Arbeit und Freizeit.
Besser wäre doch aus meiner Sicht ein ganzheitliches Denken. Ich bin grundsätzlich frei in meinen Entscheidungen und ich mache das, womit ich ganz einverstanden bin. Ich lebe nicht nur am Sonntag sondern jeden Tag, auch am Montag oder Dienstag. Im Urlaub geben wir uns dann die großen Erlaubnisse. Am Sonntag lange wach zu bleiben. Außerhalb müssen wir früh ins Bett damit wir am Montag fit sind. Im Urlaub gönnen wir uns die Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben. Für ca. 30 Tage im Jahr. Auch wenn die Urlaubstage begrenzt sind - in Gedanken kannst du jeden Tag Urlaub machen. Du gehst zwar am Montag zur Arbeit aber gedanklich könntest du im Urlaubsmodus sein. Niemand zwingt dich, mit deinen ganzen Gefühlen und mit all deinem Denken und Handeln dich in den sklavischen Arbeitsmodus zu bewegen. du darfst dir die innere Freiheit bewahren. Wer könnte dich daran hindern? Nur deine inneren Glaubenssätze! Urlaub ist, wenn du innerlich frei bist.
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Donnerstag, 25. Juli 2019

Im Urlaub lebe ich nach dem Motto: Hier kennt mich eh keiner!

Dort, wo du wohnst verhältst du dich so, dass alle gut von dir denken. Du hast ein bestimmtes Bild von dir bezüglich deiner Kleidung, deiner Essgewohnheiten, deine Art, wie du mit dir und den Menschen kommunizierst. Du möchtest für dich und die Welt zuverlässig sein. Wenn dich jeder kennt passt du auf, dass du dich nicht daneben benimmst, oder?
Aber was ist, wenn dich niemand kennt. Was würdest du dann tun? Wenn man dich nicht ablehnen wird oder die Ablehnung irrelevant ist? Im Urlaub erlauben wir uns ja manchmal Dinge, die wir im Alltag nie machen würden. Du trägst vielleicht Schlabberlook oder isst als Vegetarier doch einmal ein Schnitzel. Du trinkst ein Glas Wein zu viel oder auch zwei. Du lässt dich auf mehr Nähe zu dir fremden Menschen ein ;-) oder nimmst dir sonst eine Freiheit. Nur, weil und wenn dich niemand kennt. Sonst passt du auf. Oder lebst angepasst. Du brauchst ja die Menschen um dich herum und ihr Wohlwollen - denkst du!
Aber stimmt das? Wie wäre es, wenn wir alle viel buntere Paradiesvögel wären. Natürlich mit Rücksicht aufeinander und mit dem Wunsch, dass es Platz für alle gibt. Das Leben könnte farbenfroher werden. Was würdest du tun, wenn dich niemand kennen würde. Was wolltest du immer schon einmal machen und du hast es nicht gemacht, weil du um deinen Ruf fürchtest?
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Mittwoch, 24. Juli 2019

Bin im Urlaub! Komme vielleicht wieder zurück.

Du fährst in den Urlaub und - kommst nicht wieder zurück. Du bleibst dort oder reist dann weiter. Aber du kommst nicht zurück. Du lässt deine Wohnung hinter dir, deinen Arbeitsplatz und alle Sozialkontakte. Du brichst auf und kehrst nie wieder zurück. Welch eine Vorstellung!
Macht dir das Angst oder setzt diese Vorstellung dich frei? Irgendwann wirst du verreisen und nicht wieder zurückkehren können. Dann, wenn du stirbst. Deine letzte Urlaubsreise wird das sein. Heraus aus deinem Körper und hinein in das, was danach kommt.
Bin im Urlaub! Komme vielleicht wieder zurück. "Vielleicht" - vielleicht aber auch nicht. Ich behalte mir die Freiheit. Und darum geht es! Den Freiraum zu spüren. Ich muss nicht - ich darf. Ich könnte wenn ich wollte. Der Arbeitsalltag lässt uns ja denken, dass es ewig bis zur Rente so weiter geht. Die Familie bleibt bis zum Ende meiner Tage zusammen. Aber das stimmt ja nicht. Dein Leben ist eher wie Sand. Es zerrinnt zwischen deinen Fingern. Du wirst ihn auf die Dauer nicht festhalten können.
Du bist im Urlaub und kommst vielleicht zurück. Wenn ich im Urlaub bin, dann sitze ich manchmal am Flughafen und warte auf den Aufruf. Dann gibt es einen Moment wo ich denke: "Ich steige einfach nicht ein! Dann geht der Flieger ohne mich!" Nur für einen Augenblick! Und in diesem Augenblick übe ich für meinen letzten Tag. Gehe in den Urlaub und komme nicht zurück.
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Dienstag, 23. Juli 2019

Urlaub? Endlich Zeit für Grippe!

Kaum hast du Urlaub - kommt die Erkältung. Pünktlich und dann, wenn du es dir leisten kannst. Im Arbeitsalltag musst du deine Frau oder deinen Mann stehen. Dann kommt nach langer Arbeit das Wochenende und schon kommt die Erkältung. Sie weiß halt, was sich gehört und dass du so verantwortungsvoll bist.
Wenn schon krank dann nur im Urlaub! Deine Kollegen machen das ganz anders. Ständig krank und dann auch noch Urlaub machen. Sie haben gar keinen Grund sich zu erholen, denn sie arbeiten ja nicht. Die machen ja ständig krank. Feiern krank!
Aber Grippe im Urlaub ist gar nicht so schlecht. Dann kümmerst du dich endlich mal auch um dich selbst. Du gibst dir die Erlaubnis im Bett zu bleiben, leckere Tees zu trinken und dich verwöhnen zu lassen. Du machst es dir kuschelig warm und alle Arbeitsvorstellungen fallen von dir ab.
Wie sähe denn die Alternative aus, wenn du ehrlich bist? Du hast Urlaub und streichst endlich den Zaun und reparierst den Mixer. Da ist Grippe doch besser! Die Grippe kommt und sagt dir: "Willst du schon wieder arbeiten? Mit mir nicht! Ich lasse dich einfach nicht! Ich zwinge dich zum Erholungsglück. Du könntest es leichter haben wenn du pfleglicher mit dir umgehen würdest." Urlaub? Endlich Zeit für die Grippe! Oder endlich Zeit für sich selbst!
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Die Welt ist zu groß um nur an einem Ort zu bleiben!

Ja, du kannst dich in deine Wohnung verkriechen und dort in nur einem Zimmer und dort versteckst du dich unter die Bettdecke. Dort ist dein Ort wo du dich eingräbst. Wäre aber doch schade, oder?
Die Welt ist zu groß um nur an einem Ort zu bleiben! Früher waren die Menschen gebunden an ihr Dorf. Sie hatten keine schnellen Reisemöglichkeiten wie wir heute. Meine Großeltern haben nie ihre engste Umgebung verlassen. Ihre Welt war sehr klein. Wir leben heute in der Zeit der tausend Möglichkeiten.
Mir wird bewusst, dass das Leben ja eigentlich ein Abenteuer ist. Unsere Neugier bekommt viele Möglichkeiten, etwas zu entdecken. Und zugleich habe ich den Gedanken, dass in jedem von uns noch eine Steinzeitidentität lebt. Bist du Siedler oder Nomade? Welche genetischen Marker sind in dir aktiver? Als Siedler reicht dir dein Haus und dein Bett. Aber wenn du nomadische Anteile in dir hast, kannst du sie in dieser Zeit unglaublich nutzen. Mal eben ins Internet und die Welt ins Haus holen. Mal eben schnell einen Flug buchen oder sich ins Auto setzen. Kurz nach Wien fliegen und eine Sachertorte kaufen und am Nachmittag schon auf dem eigenen Balkon Kaffee trinken mit originalem Kuchen original von dir importiert aus Wien.
Manchen macht die große Welt und das Wissen darum aber auch Angst. Mein Gott, was alles weltweit jeden Tag passiert. Revolutionen, Kriege, Morde, Unterdrückung, Hunger, Klimakatastrophen... Da bleibst du lieber in deinem Haus und hängst dir schöne Bilder an die Wand. Du kannst dich entscheiden: Museum oder doch lieber Abenteuer!
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Montag, 22. Juli 2019

Wo immer du hingehst, hat der Himmel dieselbe Farbe.

So ganz stimmt das für mich nicht. Es gibt Orte, wo der Himmel mir eher blasser erscheint und Orte, wo es tief blau ist. An manchen Orten gibt es den ganzen Sommer über keine Wolken und woanders ist es ständig grau.
Dennoch stimmt etwas an dieser Idee. Wo immer du hingehst nimmst du dich selber mit. Du mit deiner Persönlichkeit wirst dich nicht einfach verändern. Du nimmst deine Sorgen und Nöte mit. Deine Kindheitserfahrungen und alle Ereignisse des Alltags.
Und zugleich stimmt es wieder nicht. Mit allem, was und wer du bist, tauchst du ein in eine neue und fremde Welt. Dein Leben kann eine neue Einfärbung erhalten. Du wirst ein bisschen milder. Dir gelingt es, in der fremden Umgebung dich mehr zu öffnen. Ein wenig anders zu sein als zu hause. Du spürst in dir einen kleinen Unterschied, der dich optimistisch stimmt. Du bist gar nicht nur und immer angespannt. Du bist nicht nur und immer sparsam. Manchmal kannst du großzügig sein und dich auch ein wenig entspannen.
Wo immer du hingehst, hat der Himmel dieselbe Farbe? Vielleicht! Aber die kleinen Schattierungen und Nuancen machen den Unterschied aus!
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Samstag, 20. Juli 2019

Der Ursprung vom Urlaub


Ich erlaube mir etwas!
Ich spreche mir selbst eine Erlaubnis aus!
Ich darf!
Ich bin heute gerne freundlich zu mir!

Wortaufdröselung von "Urlaub"
Ur und laub.
Ur wie Ursprung, Anfang, Grundsatz.
Laub wie Erlaubnis
Urlaub übersetzt heißt dann: "Der Ursprung von Erlaubnis"
Da, wo die Erlaubnis herkommt.
Wo sie entsteht.
Urlaub ist also die Zeit, wo ich wahrnehme, dass ich mich mit der Erlaubnis verbinde.
Sie existiert von Anfang an.
Vom Ursprung meiner Existenz her.
Ich erinnere mich einmal im Jahr daran, dass ich die Erlaubnis besitze, da zu sein auf dieser Erde. Diese Erlaubnis brauche ich von niemandem.
Ich bin Urlaub!
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Freitag, 19. Juli 2019

Was urlaubst du dir?

Was urlaubst du dir da eigentlich?
Fährst einfach so weg und nistest dich in fremden Betten ein.
Nimmst mit, wen du magst. Oder fährst einfach allein.
Gibst sinnlos Geld aus für überflüssige Dinge.
Gehst essen und könntest Geld sparen, indem du selber kochst.

Was urlaubst du dir da?
Verstopfst die Straßen mit deinem Auto und verpestest die Luft.
Nur weil du mal was anderes sehen willst.
Verscheuchst die Menschen, die an deinem Urlaubsort leben.
Hast besondere Ansprüche an dein Hotel nur weil es ein paar Sterne hat.

Was urlaubst du dir da so?
Sonst bist doch auch sparsam und ordentlich.
Du gehst zur Arbeit und bist sozial verträglich.
Du fährst mit dem Fahrrad oder mit der Bahn.
Du kaufst deine Lebensmittel in Bio oder im Supermarkt.
Du bist so wunderbar angepasst, dass du auf keinen Fall auffällst.

Was urlaubst dir?
Belegst plötzlich mit deinem Handtuch fremde Liegen.
Meckerst in Hotels am Essen herum.
Beschwerst dich über Schlangen am Flugschalter.
Gehst deiner Famillie auf die Nerven durch deine Nörgelei.

Du urlaubst dir da ganz schön was zusammen.
Könntest du dir sparen.
Mach es doch wie immer und bleib an deinem Platz und in deinem regulären Leben.
Was, um Himmels willen, urlaubst du dir!

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Donnerstag, 18. Juli 2019

Mach mal Urlaub in deinem Herzen! Da ist es noch nicht überfüllt.

Suchst du noch ein Hotel für die Urlaubszeit? Hast du alle Planungen abgeschlossen? Suchst du noch einen Platz an der Sonne, der nicht überfüllt ist? Wo du dich nicht mit deinem Handtuch neben laute Familien quetschen musst? Suchst du noch nach dem Ort, wo du etwas zu essen bekommst ohne lange warten zu müssen?
Mach doch mal Urlaub in deinem Herzen! Da ist es noch nicht überfüllt. Dort bist du die Herrin oder der Herr. Dort ist unendlich viel Platz für dich. Dort scheint die Sonne und es ist super bequem. Du musst dafür nicht einmal lange reisen. Du bist im Bruchteil einer Sekunde dort. Es kostet dir kein Geld. Nur etwas Zeit. Aber die hast du ja in deinem Urlaub. Da will niemand etwas von dir. Die Zeit gehört nicht deinem Arbeitgeber.
Wenn du in deinem Herzen Urlaub machst brauchst du dich nicht ärgern über schmutzige Hotelzimmer und Dosenfutter. Es wird weder verregnet sein noch wird es unerträgliche Sonne geben. In deinem Herzensurlaub entscheidest alles du. Ausschließlich und niemand sonst. Du kannst dort die Zeit mit dir allein verbringen oder jemanden einladen. Wenn du unbedingt willst kannst du auch ein Hotel aus Mallorca darin deponieren. Wenn du Angst hast, dass es dir langweilig wird. Aber ich empfehle dir eine kleine Weile mit dir selbst. Du schließt die Augen, damit du nicht abgelenkt wirst und damit sich da nicht etwas einschleicht in dein Herz, was du nicht haben möchtest. Du schließt also die Augen und bist einfach mit dir in deinem Herzen. Zuerst wird es sehr unruhig dort sein. Du wirst eine Zeit brauchen, bis der Alltag und alle Sorgen sich verabschieden können. Dann könnte es dir für einen Moment unheimlich werden. Weil du die Stille nicht erträgst. Aber irgendwann bist du dadurch. Dann wird es still und frei und du kannst genießen. Den Urlaub in deinem Herzen kannst du auch außerhalb deiner Urlaubszeit machen. Jetzt in diesem Augenblick. Sogar an deinem Arbeitsplatz mitten im Stress. In deinem Herzen ist es nicht überfüllt. Da gibt es Freiraum und Platz!
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Mittwoch, 17. Juli 2019

Urlaubsreif?

So denken wir oft, nicht wahr? Viele Wochen und Monate gearbeitet und jetzt urlaubsreif. Du kannst einfach nicht mehr weiter. Keine Stunde Arbeit mehr. Es ist genug. Nur noch hinlegen und ausruhen. Urlaubsreif eben!
Wie wäre es mit urlaubsreif einmal anders. Bist du schon reif genug mit Urlaub umgehen zu können? Immerhin hast du davon ja nur ca. 30 Tage im Jahr. Wie viele Jahre musst du üben um das gut händeln zu können? Arbeiten kannst du gut. Das machst du an mehr wie 200 Tagen. Aber reif zu werden zur Gestaltung eines ordentlichen Urlaubs ist eine andere Hausnummer. Hast du dir überlegt, ob du wirklich ein Verreisetyp bist? Oder ob du dich nicht viel besser auf deinem Balkon aussannen kannst? Zwei Wochen Balkon oder Garten und jeden Tag einen anderen Partyservice bestellen? Die Infrastruktur im Umkreis von zwei Kilometern nutzen nach dem Motto: Ich verwandle meine Wohnung in ein Hotel? Bist du also schon reif genug, einen ordentlichen Urlaub hinzubekommen?
Oder noch anders! Obst schmeckt am besten, wenn es schön reif ist. Genug Sonnenenergie abbekommen hat. Dann kannst du Obst sehr genießen. Was könntest du im positiven Sinne machen, damit sich dein Urlaub schön reif anfühlt. Was braucht es für Sonnenenergie, damit du eine genussvolle Zeit hast? Vielleicht könntest du schon Urlaub vor deinem Urlaub machen. Damit der Unterschied nicht so krass ist. Einen sanften Übergang von einer Woche. Eine Woche Urlaub vor dem Urlaub und eine Woche Urlaub nach dem Urlaub. Wegen der angenehmen Urlaubsreife. Du legst deinen Urlaub eine Woche in die Sonne, genießt deine freie Zeit und verdaust anschließend für eine Woche.  Wer urlaubsreif ist macht mehr aus seinem Urlaub! ;-)
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Dienstag, 16. Juli 2019

Urlaub ist die Zeit, wo man zum Ausspannen eingespannt wird.

Du planst deinen Urlaub, weil du ausspannen möchtest? Klar! Du bist angespannt durch die privaten und beruflichen Herausforderungen. Du musst an so viele Dinge denken, die du erledigen musst. Ständig planen und organisieren. Dann auch noch die Vorwürfe, dass du das alles nicht richtig machst. Du schaust in den Terminkalender und fragst dich, wie du das alles hinbekommen sollst. Du fällst am Abend tot ins Bett und verkürzt deine Nachtruhe damit du am Tag ein bis zwei Stunden mehr zur Verfügung hast. Du lebst in einer Daueranspannung und hoffst auf den Samstag oder Sonntag für eine kleine Verschnaufpause. Mal eben kurz entspannen.
Du freust dich auf den Urlaub und auf eine wunderbare Reise. Aber um verreisen zu können musst du zuerst viele Dinge zu hause erledigen damit du "entspannt" losfahren kannst. Du hast also doppelte Arbeit! Die Reise vorbereiten und den Alltag meistern. Du solltest also den Urlaub abschaffen. Er verschafft dir die doppelte Menge an Arbeit. Urlaub ist die Zeit, wo man zum Ausspannen eingespannt wird. Wenn es nur nach dir gehen würde, dann würdest du einfach losfahren. Ohne Ziel und ohne Plan. Ein paar Sachen in den Koffer werfen und los. Aber du lebst nicht allein. Jeder in deiner Familie hat eine eigene Vorstellung von der Reise. Dir würde ein Hemd zum Wechseln reichen, aber der Rest will den ganzen Haushalt mitnehmen und du bist damit beschäftigt, den Reisehaufen wieder kleiner zu bekommen. Und - du bleibst in der Anspannung! Angespannt sitzt du im Auto, angespannt kommst du an und packst aus. Du wirst eingespannt, damit der Rest der Familie einen schönen Urlaub hat. Ist das so?
In diesem Jahr machst du alles anders. Du lässt dich nicht mehr einspannen! Du machst Urlaub nach dem Motto: "Es gibt nichts zu tun!" Du bist dann mal weg und kommst in drei Wochen wieder. Du stehst nicht zur Verfügung. Entweder fährst du mit oder du bleibst da. Du lässt dich einfach nicht einspannen. Du kannst ruhig an der einen oder anderen Stelle ein wenig mit anpacken. Mit dem Gefühl wie im Fitnesscenter. Du tust ein bisschen für deine Gesundheit. Aber nur, wenn es passt. Bloß nicht einspannen lassen, auch gedanklich nicht. Suche dir einen Platz im Zuschauerraum und schaue deiner Familie beim Reisespektakel zu. Es ist jetzt deine Zeit. Nur für dich! Morgen stehst du wieder zur Verfügung. Aber jetzt nicht!
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Montag, 15. Juli 2019

Ich habe Meerweh!

Hast du eher Heimweh im Urlaub oder Fernweh, wenn du zu hause bist? Zieht es dich ans Meer oder in die Berge? Kennst du dieses Gefühl von "Weh" als ob da etwas im Außen dich zieht?
Irgendetwas kann das Gefühl von "Weh" auslösen. Bilder vom Meer oder von den Bergen. Die Sehnsucht nach der Geliebten oder dem Geliebten wenn er fort ist. Weh kann auch entstehen wenn du am Meer bist und in die Ferne schaust. Oder wenn du den Berggipfel erreicht hast und das Panorama um dich herum genießt.
Da entsteht eine Art Ziehen in der Herzgegend. Eine Kraft, die dir sagt: "Komm her zu mir! Ich möchte dich ganz nah wissen! Du gehörst zu mir!" Zugleich kannst du dem Ruf nicht folgen. Du würdest im Meer ja ertrinken oder dich vom Berg herabstürzen. Dein Geliebter in der Ferne ist unerreichbar. Das erzeugt dann dieses Weh. Du möchtest und du kannst nicht. Was machst du dann? Du seufzt. "Warte nur! Eines Tages werde ich kommen!"
Was geschieht da in uns Menschen auf tieferer Ebene, wenn da das Weh auftaucht? Manche Menschen können es gar nicht ertragen und wenden sich schnell ab. Sie schütteln sich und denken, es ist nur gerade meine Phantasie. Kinder erleben diesen Schmerz fern von zu hause oft als unerträglich. Sie müssen sofort zu Mama und zum Hunde. Mama und Hund sind ja so alleine. Dabei fühlen sich die Kinder selbst alleingelassen.
Geht es darum auch bei uns Erwachsenen? Du stehst am Meer und schaust in die Ferne - und fühlst dich allein und verlassen. Zugleich weißt du, dass in der Ferne etwas ist, zu dem du gehörst. Das "Weh" ist ein sehr kostbarer spiritueller Moment. In dir wird die Erinnerung an Heimat wach. Es gibt einen Ort, wo du ursprünglich herkommst. Die göttliche Quelle in dir wird wach und erinnert dich daran, dass du nur zu Gast auf dieser Erde bist. Du wohnst in der Fremde. "Unruhig ist unser Herz, bis dass es ruht in dir." sagte Augustinus.
Darum ist die Urlaubszeit nicht unbedingt nur eine Erholung. Verborgen spürst du die Ewigkeit, die an dir kratzt und viel Weh auslösen kann. Genieße diese Herausforderung und atme und seufze tief durch. "Ach! Ich gehöre wo hin und werde eines Tages wieder dort sein!"
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Samstag, 13. Juli 2019

Was wirklich zählt! (Der gesamte zweite Teil der Woche)



Wie kannst du im Dschungel der vielen Herausforderungen dein Leben meistern ohne die Angst vor dem Untergang. Ich gehe davon aus, dass wir Menschen drei Energiezentren haben, die uns zur Verfügung stehen beim Bestehen des Lebens.
Der Verstand bildet die mentale Ebene. Wir machen dort Pläne, überlegen, grübeln und sortieren. Im Herzen verorte ich die Gefühlsebene. Dort erleben wir das Energiezentrum, das uns Impulse gibt von Freude, Angst, Ärger, Trauer und Scham. Dort tanken wir auf um die Kraft zum Handeln zu bekommen. Vom Bauchzentrum her gehen wir in die konkrete Handlung, in die Aktion und in die Umsetzung. Nicht jeder Mensch ist im gleichen Zentrum gleich stark. Du kannst ja einmal überlegen ob du eher verkopft bist oder stark fühlst oder immer gleich in die Handlung gehst.
Die Gefahr besteht nun darin, sich in einem Zentrum zu verlieren ohne sich noch selbst steuern zu können. Du grübelst zum Beispiel ständig über ein bestimmtes Thema und nimmst gar nicht wahr, dass dir niemand mehr zuhört. Oder du bist so traurig über einen Verlust, dass du sehr einsam wirst und dich in dein Schneckenhaus verkriechst. Oder du landest in eine Art Aktivismus und brichst vor Erschöpfung zusammen.
Es fehlt also in meinem Energiemodell noch der Teil, der alles zusammenhält. Diesen Teil nenne ich den inneren Beobachter oder den Regisseur oder spirituell gesehen das „Höhere Selbst.“ Wenn du mit deinem Bewusstsein dir vorstellst, dass es für den Beobachter in dir einen eigenen Ort gibt außerhalb des Körpers kraft deiner Vorstellung wirst du feststellen, dass er sich unterscheidet von den drei Zentren. Dort ist es ruhig. Es gibt dort nichts zu tun. Alles ist an diesem Ort in Ordnung. Es wird dort nicht gewertet. Alles darf, und nichts muss sein. Wenn es um die Frage geht, was wirklich zählt, dann gehört es unbedingt dazu, dass du diese Position des inneren Beobachters für dich entdeckst und ausfüllst. Von dieser Position aus kannst du entscheiden ob du mit dem Grübeln aufhörst, ob es Sinn macht, jetzt zu handeln und auch, was du mit deinen heftigen Gefühlen machst.
Von der Position des Beobachters aus schwemmen dich die Gefühle nicht weg und du ertrinkst nicht darin, sondern du kannst entscheiden, was du jetzt mit diesen Gefühlen machst. Bist du die Angst oder fühlst du sie lediglich? Begleitest du die Trauer oder identifizierst du dich damit? Durchatmest du Wut und zerplatzt du in dem Gefühl? Du überlässt es nicht einfach den aufkommenden Gefühlen was geschieht, sondern du wirst zum Surfer deines Lebens.
Zum Surfen gehören ein paar hilfreiche Grundideen oder Glaubenssätze, die aus der Position des Beobachters heraus deinem Leben mehr Profil und Tiefe geben. Du erinnerst dich an den ersten Teil, wo es um die Selbstliebe ging, um die angstfreie Weiterentwicklung und um die Entscheidung, sich immer wieder zu verbinden. Heute geht es weitere Impulse, deine Beobachterposition zu stärken.

Rufe in den richtigen Wald hinein! 

Ich traf einmal eine Frau, die sehr unglücklich war. Sie erzählte mir, dass sie zu ihren Arbeitskollegen immer nett und freundlich sei. Sie würde alle am Morgen grüßen und sich am Abend verabschieden. Aber niemand würde höflich zurückgrüßen. Und wenn diese Kollegen nicht mehr mit ihr reden, dann würde sie auch nicht mehr mit ihnen sprechen wollen. Der Satz würde nicht stimmen: „So, wie du in den Wald hineinrufst, so kommt es auch zu dir zurück.“ Sie würde sich immer bemühen, aber es würde nichts nutzen. Sie könne sich anstrengen so sehr sie wolle.
Dann fragte ich sie, in welchen Wald sie denn hineinrufe? In den Wald der Kolleginnen und Kollegen oder in den eigenen inneren Wald. Da stutzte sie einen Moment. Ihr wurde klar, dass sie gar nicht nach außen rief. Die Kolleginnen nahm sie gar nicht richtig wahr. Sie blickte in ihren eigenen einsamen, verlassenen und unfreundlichen Wald. Wie kann ein verdorrter Wald im eigenen Inneren einen blühenden Wald in der Außenwelt grüßen und glauben, da käme freundlich etwas zurück.
Die Frau erzählte mir, dass sie über die Jahre hin einsam geworden sei. Sie glaubte nicht mehr an das Glück an ihrem Arbeitsplatz und überhaupt. Irgendwann resignierte sie und gab innerlich auf. Ihr wurde klar, dass sie erst einmal ihren eigenen inneren Wald wiederbeleben muss. Noch war nicht alles verloren. Wurzeln graben sich tief ein und können längere Zeiten überstehen. Was braucht der innere Wald, damit er sich lebendig anfühlt und damit er freudig in andere Wälder hineinrufen kann? Eine gute Portion Selbstliebe! Selbstvertrauen und Glaube. Ein inneres Wissen, selber die Schöpferin und der Schöpfer des Waldes zu sein. Der innere Wald lebt oder vertrocknet in der Weise, wie ich es gestalte. Zu meinem inneren Wald hat niemand sonst einen Zutritt und niemand trägt die Verantwortung dafür außer mir selbst.
Seitdem beobachte ich mich verstärkt, wie es denn so ist mit meiner Außenwirkung. Wenn ich voller Freude durch die Welt gehe rufe ich viel lebendiger und liebevoller. Es kommt unweigerlich Liebe und Freude zurück. Und wenn mal nichts zurückkommt macht das nichts. Ich bin ja nicht darauf angewiesen. Um meinen inneren Wald kann ich mich immer kümmern.
Erinnerst du dich an die Anfangsfrage im letzten Brief, ob du noch ertrinkst oder schon surfst? Ein Ertrinkender wird zum Bettler, der schreit, ob ihn jemand rettet. So wie es Ertrinkende tun müssen. Wenn du surfst muss dich niemand retten. Du nimmst die Wellen wie sie kommen und gleitest durch das Auf und Ab hindurch. Dein inneres freies Kind erwacht und lacht und jauchzt. Du brauchst ein gutes Körpergefühl, ein gesundes Selbstvertrauen und die klare Vorstellung, dass du das kannst.
So wie du in deinen inneren Wald hineinrufst, so verlässt es deinen Körper und erreicht die Welt. Was andere tun kannst du nicht steuern und beeinflussen. Du bist davon auch nicht abhängig. Du bist nur der Hüter deines eigenen inneren Waldes. Da kannst du flüstern und rufen. Schmeicheln und flirten. Spaß machen und trösten.

Nicht ohne deine Lieblingsmenschen!

Glücksforscher haben schon lange herausgefunden, dass ein Mensch nicht allein leben kann. Er braucht gute soziale Kontakte um sich wohlzufühlen. Du brauchst ein Gegenüber und schon Martin Buber hat gesagt. Der Mensch wird am Du zum Ich.
Denke an deine wirklichen Lieblingsmenschen. Verbinde dich jetzt in diesem Augenblick mit ihnen. Lächle innen und außen und winke diesen Menschen zu. Vielleicht gehören welche dieser Lieblingsmenschen zu deiner Familie. Vielleicht auch eher zu deinen Freunden und Freundinnen. Sind männlich und/oder weiblich. Vielleicht hast du aber auch einen Lieblingsmenschen, der dich gar nicht kennt. Ein verstorbener Dichter oder eine Schriftstellerin, ein Mensch aus der fernen Vergangenheit. Oder ein Mensch in deiner Fantasie!
Stell dir einen Kreis von Menschen vor und du bist ein Teil dieses Kreises. In diesem Kreis stehen jetzt deine Lieblingsmenschen. Sie alle bekommen jetzt in diesem Augenblick mit, dass sie deine Lieblingsmenschen sind. Vorher waren sie es auch schon, aber jetzt sagst du es ihnen. „Hallo mein Lieblingsmensch! Schön, dass du mit mir in diesem Kreis bist!“ Schau dabei nach und nach jeden einzeln an. Wenn du diese Menschen gedanklich und gefühlt in deinen Kreis stellst, was glaubst du, wie du dich fühlen wirst? Einsam? Auf keinen Fall! Es macht dir deutlich, dass du zu einer Familie gehörst, blutsmäßig oder per Wahl.
Jederzeit kannst du deine Lieblingsmenschen zu dir einladen oder sie besuchen. Du kannst das physisch nicht immer, aber gedanklich auf jeden Fall. Du kannst dir dessen bewusst werden, dass du Lieblingsmenschen hast. Du bist nicht allein. Wenn du an deine Lieblingsmenschen denkst und dich mit ihnen verbindest wächst dir Kraft und Freude zu. In der Bibel wird erzählt, dass Gott die ersten Menschen erschuf. Auch er fühlte sich dann nicht mehr allein sondern hatte ein Gegenüber. Er konnte so kommunizieren und musste nicht mehr Selbstgespräche führen. Wer nur mit sich spricht wird wahrscheinlich zum Eigenbrötler. Vielleicht musste Gott den Menschen erschaffen damit er nicht zu eigenbrötlerisch wird. Auch er schuf sich Lieblingsmenschen. Wusstest du schon, dass du zu seinem Kreis dazugehörst? Im Kreis deiner Lieblingsmenschen kannst du dich satt hineinsetzen und dich ausgefüllt und wohlfühlen.
Und dann gibt es noch die ganz große Herausforderung. Ich meine die Gruppe der Menschen, die nicht zu deinen Lieblingsmenschen zählen. Die Gruppe, mit der du nicht kuschelst. Die aber dennoch wichtig sind für dich. Ich spreche von den „Entwicklungsmenschen“. Die Menschen, die dich herausfordern. Die dich ärgern. Die du nicht magst. Die dir fremd sind. Mit denen du Konflikte hast. Um die du einen großen Bogen machst. Die du auf keinen Fall in den Kreis der Lieblingsmenschen holst. Alle diese Menschen sind sehr wertvoll für dich. An denen kannst du wachsen und reifen. Sie sind dein kostbarstes Geschenk. Ohne sie würdest du einschlafen und dahindümpeln. Du würdest in deiner Kuschelgruppe ersticken. Du wünschst dir diese Menschen weit weg von dir. Und vielleicht hast du inzwischen festgestellt, dass dir das nicht gelingt. In der Familie hast du ein schwarzes Schaf, in der Nachbarschaft diesen penetranten Ordnungsfanatiker. Am Arbeitsplatz die faule Socke, die sich um jede Arbeit drückt. Manchmal erscheint dir die Welt voll mit „Entwicklungsmenschen“ und du freust dich auf den Himmel, weil du dann endlich von ihnen befreit bist.
Irrtum! Du triffst sie wieder. Alle! Sie sind einfach da. In dieser Welt und in der jenseitigen auch. Und es wird Menschen geben für die du selbst ein „Entwicklungsmensch“ bist. Die auch hoffen, dich so selten wie möglich zu sehen. Und? Musst du deshalb weichen? Auf keinen Fall! Du bist ja wichtig für die Weiterentwicklung dieses dir fremden Menschen.
So wichtig deine Lieblingsmenschen sind für deinen Kuschelfaktor so wichtig sind auch deine „Entwicklungsmenschen“.
Falls du feststellst, dass dir noch ein paar Lieblingsmenschen fehlen und du mehr „Entwicklungsmenschen“ an deiner Seite hast – herzlichen Glückwunsch. Du nimmst die Herausforderungen des Lebens ernst. Du willst dich wirklich weiterentwickeln! Und zugleich genieße es, dass du Lieblingsmenschen haben darfst. Mindestens einen!

Du gehörst dazu kraft deines Willens und deiner Entscheidung

Hattest du in deinem Leben auch die Phase, wo du das Gefühl hattest, nicht zu deiner Familie dazuzugehören? Dir war völlig klar, dass deine Eltern dich irgendwann einmal adoptiert und es dir verschwiegen hatten. Du kamst dich so verschieden vor von deinen Eltern und fühltest dich sehr fremd.
Kennst du das heute auch noch, dass du dich in deinem Verein umschaust und eine gewisse Distanz bemerkst? Da sind die anderen und da bist du. Alle lachen über eine komische Situation und nur du findest es nicht witzig. Du machst dir Sorgen über irgendein Thema und alle anderen schauen dich befremdlich an. Du bist der einzige Mensch, der noch raucht oder nicht Vegetarier ist. Du sitzt im Zug und denkst, dass alle Menschen sich dort fremd sind und niemand mit niemandem verbunden ist.
Du gehörst nicht dazu. Die Vorstellung kann sich in deinem Inneren so ausbreiten, dass es dich völlig isoliert. Oder die Sehnsucht in dich wachruft zu der Welt zurückzukehren, wo du eigentlich hingehörst. Denn wahrscheinlich bist du ein verlorener Engel oder bist das Wesen von einem fremden Planeten. Du bist auf der Erde nur zu Besuch und wirst gleich wieder verschwinden.
Dieses Gefühl der „Nichtdazugehörigkeit“ ist für mich ein ganz natürlicher Bestandteil des Erdendaseins. Wir sind ja alle irgendwie nur Gast auf dieser Erde. Wir sind einmal gekommen und gehen wieder. Wir leben für ein paar Jahre in und mit unserer Herkunftsfamilie und gehen wieder auseinander. Entweder haben wir eine gute und erfüllte Zeit miteinander oder auch nicht. Aber wir werden uns auf jeden Fall eines Tages wieder trennen und neue Menschen finden.
Ich gehöre zu Tausenden von Welten nicht dazu. Ich fahre mit dem Zug von Hamm nach Berlin und komme an viele Städte vorbei mit vielen Menschen, zu denen ich nicht gehöre. Es ist normal, nicht  dazuzugehören. Ich gehöre nur manchmal zu etwas ein wenig dazu. Zu meiner Familie, zu den Menschen in der Nachbarschaft, zu meinem Freundeskreis, zu meinen Arbeitskollegen. Ein Teil in mir wird immer auch die Fremdheit spüren können.
Schwierig wird es, wenn sich die „Nichtdazugehörigkeit“ vertieft hin zu Isolation, Entfremdung, Depression und Abgetrennt sein. Wenn es dazu kommt dann bist du zu weit in diesen Pol hineingerutscht. Das tut niemandem gut. Und es stimmt auch nicht. Denn du gehörst ja dazu.
Und das ist ganz einfach. Du bist auf dieser Welt und darum gehörst du dazu. Du musst dich nicht extra anstrengen. So nach dem Motto: „Ach, ich gehöre nicht dazu. Was müsste ich denn leisten, damit ich es mir verdiene? Soll ich besonders nett sein? Besonders angepasst oder auffallend humorvoll? Soll ich ein paar Bücher lesen und schlau werden? Oder mehr aus meinem Äußeren machen?“ Nein, das alles musst du nicht. Du gehörst dazu, weil du existierst.
Zugleich darfst du aber auch eine Entscheidung treffen. Auch das macht einen Unterschied. Du kannst am Tisch sitzen mit deiner Familie und das Gefühl von Fremdheit hochkommen lassen oder du kannst dich satt hineinsetzen. Du kannst dich einfach entscheiden dazuzugehören. Wenigstens für diesen einen  Augenblick. „Jetzt gehöre ich dazu.“ Du schaust dich um und dir wird bewusst, dass du mit jedem in der Runde etwas erlebt hast. Mit jedem in deiner Familie hast du eine Geschichte. Vielleicht nicht immer eine glücklicher, aber trotzdem eine gemeinsame. Ohne dich hätte das Ereignis nicht stattgefunden oder ganz anders. Du hast diese Begegnung einmalig gemacht. Deine Schwester und du, ihr habt euch einmal in die Augen geschaut und euch gegenseitig wahrgenommen. Und schon gibt es diese Zugehörigkeit. Du kannst deine Schwester oder deinen Bruder jetzt wieder anschauen und dich erinnern, dass ihr einen kleinen Abschnitt miteinander unterwegs wart. Ihr habt einen kleinen Ausschnitt der Weltgeschichte miteinander geschrieben. Einen winzig kleinen, aber dennoch einen sichtbaren. Zumindest für euch. Dann gehörst du zu dieser Geschichte dazu.
Du kannst dich auch in den Zug setzen und an einem ganz bestimmten Tag nach Köln fahren. Dann gehörst du zu diesem Ereignis der Menschen dazu, die mit dir nach Köln gefahren sind.
Je länger du über deine „Nichtzugehörigkeiten“ nachdenkst und dir dessen bewusst wirst, desto mehr sorgst du dafür, dass ein dazu gehöriges Gefühl sich in dir ausbreitet. Du erschaffst dir mehr und mehr ein schweres und leeres Dasein. Je mehr du dir deiner „Dazugehörigkeiten“ bewusst  wirst, desto mehr vergrößerst du das Feld der Daseinsberechtigung. Du entscheidest also ob du verhungerst oder ob du satt wirst.

Lebe den Raum zwischen allen Polen

Manche mögen es eindeutig. Ein klares Nein oder ein klares Ja. Entweder/oder. Schwarz oder weiß. Ich kann es oder ich kann es nicht. Ich liebe oder ich liebe nicht. Beliebt ist dann das Bild von der Schwangerschaft, dass ein bisschen schwanger sein auch nicht geht.
Stell dir ein Pendel vor. Es schlägt nach beiden Seiten hin aus und erreicht jeweils für einen Augenblick in voller Höhe die andere Seite bevor es wieder in die andere Richtung geht. Den größten Teil der Zeit bewegt sich das Pendel jedoch zwischen beiden Polen.
Es gibt immer so etwas wie einen Höhepunkt oder einen Gipfel. Das Ziel der Reise. Das Ja-Wort bei der Trauung. Den Höhepunkt der Show. Den Augenblick wo jemand ein Geschenk auspackt. Der Tag, an dem das Geld auf meinem Konto landet. Ich kann mir angewöhnen diesen Moment besonders zu schätzen. Ich kann aber auch dahin kommen, nur noch solche Augenblicke wahrzunehmen und wertzuschätzen.
Was ist jedoch, wenn das Geschenk mir nicht gefallen wird? Wenn das Ziel sich als völlig unattraktiv entpuppt? Wenn das Geld auf dem Konto mich nicht so befriedigt, wie ich es erhoffte? Es kann passieren, dass ich nur auf wenige Momente im Leben hin lebe. Immer auf den Moment, wo das Pendel den Wendepunkt erreicht. Ich müsste ständig jagen nach dem teuersten Auto nach der schönsten Frau oder dem reichsten Mann. Nach dem besten Restaurant und nach dem günstigsten Supermarktangebot. Ich käme mir vor wie ein Jäger, der nie zur Ruhe kommt.
Ich erinnere mich an Exerzitien mit einem Jesuitenpater, der uns instruierte, mit welcher Entscheidung wir Priester werden sollten. So ähnlich klangen seine Worte: „Geben Sie sich ganz hin! Machen Sie keine halben Sachen. Gott spuckt auf Menschen, die ihr Herz nicht ganz öffnen.“ Seine Sprache wurde immer deftiger. Ich wurde innerlich immer stiller.
Wenn ich ehrlich bin, dann sehe ich mein Leben eher als eine Ansammlung von Alltag. Ein wenig Hingabe und viel Routine. Treue zu  den alltäglichen Dingen wie Brot essen und Zähne putzen. Jeden Tag freundlich sein und das Wetter so annehmen wie es gerade ist. Die völlige Hingabe an das Leben oder an die Liebe gibt es und es ist auch schön. Aber es findet nicht 24 Stunden lang statt an jedem Tag. Das Leben ist alltäglich. Sehr alltäglich! Und noch alltäglicher! Aber – ich kann es wertschätzen. Ich kann es mögen. Ich kann es erforschen und ich kann darauf neugierig sind. 99 Prozent der Menschen sind Könige und Königinnen des Alltags, bewegen sich zwischen den Polen. Sind ein kleiner, aber wichtiger Punkt im Gitternetzwerk aller Menschen weltweit. Wenn du den Raum zwischen den Polen lebst wird dir kein Augenblick wertlos erscheinen. Dein Pendel bewegt sich und bewegt sich. Es verändert ständig ein wenig die Position und du bekommst einen neuen Blickwinkel. Das Geschenk der kleinen Dinge. Heute trägt deine Rose eine kleine Knospe, die vorgestern noch nicht da war. Du kannst dich so sehr über diese kleine Entwicklung freuen, dass dir die völlig entfaltete Rose gar nicht so wichtig erscheint. Du erlebst das Wunder des Alltags. Das alltägliche Wunder! Und du kannst dich wiederum dafür entscheiden. Du kannst dich entscheiden, die Peaks im Leben für nicht mehr so wichtig zu nehmen, sondern dich zu konzentrieren auf die wundervollen Zwischenräume. Stell dir vor, dass du dich ausdehnst. Langsam und beständig. So wie das ganze Weltall. Du konzentrierst dich auf das Ausdehnen und bewohnst mehr und mehr deinen ganzen Raum. Du lässt dich nicht davon ablenken dass du irgendeinen Pol oder ein Ziel erreichen müsstest. Du konzentrierst dich auf den Prozess. Auf das Wahrnehmen dessen, was jetzt gerade ist.
Von der Position des Beobachters aus kannst du beides zugleich machen. Du bist ausgerichtet auf den Gipfel und den Höhepunkt. Und zugleich bist du mit aller Kraft im Erleben des Hier und Jetzt zwischen den Polen.
Vielen Dank für das Lesen meiner Gedanken und dass du meinen Gedanken deine Zeit geschenkt hast. Was zählt für dich? Was habe ich vergessen? Was wirklich zählt ist ja eine sehr persönliche Frage. Wenn du dir die Frage stellst und danach handelst kannst du dir deine Lebenszeit besser einteilen. Du verzichtest vielleicht auf Überflüssiges und konzentrierst dich auf das Wesentliche. Manche Menschen können es auf einen einzigen Satz zusammenfassen. Ich kann die Idee von Augustinus gut teilen wenn er sagte: Liebe und tue, was du willst.  

Freitag, 12. Juli 2019

Was wirklich zählt! Teil 9: Lebe den Raum zwischen allen Polen!


Manche mögen es eindeutig. Ein klares Nein oder ein klares Ja. Entweder/oder. Schwarz oder weiß. Ich kann es oder ich kann es nicht. Ich liebe oder ich liebe nicht. Beliebt ist dann das Bild von der Schwangerschaft, dass ein bisschen schwanger sein auch nicht geht.
Stell dir ein Pendel vor. Es schlägt nach beiden Seiten hin aus und erreicht jeweils für einen Augenblick in voller Höhe die andere Seite bevor es wieder in die andere Richtung geht. Den größten Teil der Zeit bewegt sich das Pendel jedoch zwischen beiden Polen.
Es gibt immer so etwas wie einen Höhepunkt oder einen Gipfel. Das Ziel der Reise. Das Ja-Wort bei der Trauung. Den Höhepunkt der Show. Den Augenblick wo jemand ein Geschenk auspackt. Der Tag, an dem das Geld auf meinem Konto landet. Ich kann mir angewöhnen diesen Moment besonders zu schätzen. Ich kann aber auch dahin kommen, nur noch solche Augenblicke wahrzunehmen und wertzuschätzen.
Was ist jedoch, wenn das Geschenk mir nicht gefallen wird? Wenn das Ziel sich als völlig unattraktiv entpuppt? Wenn das Geld auf dem Konto mich nicht so befriedigt, wie ich es erhoffte? Es kann passieren, dass ich nur auf wenige Momente im Leben hin lebe. Immer auf den Moment, wo das Pendel den Wendepunkt erreicht. Ich müsste ständig jagen nach dem teuersten Auto nach der schönsten Frau oder dem reichsten Mann. Nach dem besten Restaurant und nach dem günstigsten Supermarktangebot. Ich käme mir vor wie ein Jäger, der nie zur Ruhe kommt.
Ich erinnere mich an Exerzitien mit einem Jesuitenpater, der uns instruierte, mit welcher Entscheidung wir Priester werden sollten. So ähnlich klangen seine Worte: „Geben Sie sich ganz hin! Machen Sie keine halben Sachen. Gott spuckt auf Menschen, die ihr Herz nicht ganz öffnen.“ Seine Sprache wurde immer deftiger. Ich wurde innerlich immer stiller.
Wenn ich ehrlich bin, dann sehe ich mein Leben eher als eine Ansammlung von Alltag. Ein wenig Hingabe und viel Routine. Treue zu  den alltäglichen Dingen wie Brot essen und Zähne putzen. Jeden Tag freundlich sein und das Wetter so annehmen wie es gerade ist. Die völlige Hingabe an das Leben oder an die Liebe gibt es und es ist auch schön. Aber es findet nicht 24 Stunden lang statt an jedem Tag. Das Leben ist alltäglich. Sehr alltäglich! Und noch alltäglicher! Aber – ich kann es wertschätzen. Ich kann es mögen. Ich kann es erforschen und ich kann darauf neugierig sind. 99 Prozent der Menschen sind Könige und Königinnen des Alltags, bewegen sich zwischen den Polen. Sind ein kleiner, aber wichtiger Punkt im Gitternetzwerk aller Menschen weltweit. Wenn du den Raum zwischen den Polen lebst wird dir kein Augenblick wertlos erscheinen. Dein Pendel bewegt sich und bewegt sich. Es verändert ständig ein wenig die Position und du bekommst einen neuen Blickwinkel. Das Geschenk der kleinen Dinge. Heute trägt deine Rose eine kleine Knospe, die vorgestern noch nicht da war. Du kannst dich so sehr über diese kleine Entwicklung freuen, dass dir die völlig entfaltete Rose gar nicht so wichtig erscheint. Du erlebst das Wunder des Alltags. Das alltägliche Wunder! Und du kannst dich wiederum dafür entscheiden. Du kannst dich entscheiden, die Peaks im Leben für nicht mehr so wichtig zu nehmen, sondern dich zu konzentrieren auf die wundervollen Zwischenräume. Stell dir vor, dass du dich ausdehnst. Langsam und beständig. So wie das ganze Weltall. Du konzentrierst dich auf das Ausdehnen und bewohnst mehr und mehr deinen ganzen Raum. Du lässt dich nicht davon ablenken dass du irgendeinen Pol oder ein Ziel erreichen müsstest. Du konzentrierst dich auf den Prozess. Auf das Wahrnehmen dessen, was jetzt gerade ist.
Von der Position des Beobachters aus kannst du beides zugleich machen. Du bist ausgerichtet auf den Gipfel und den Höhepunkt. Und zugleich bist du mit aller Kraft im Erleben des Hier und Jetzt zwischen den Polen.
Vielen Dank für das Lesen meiner Gedanken und dass du meinen Gedanken deine Zeit geschenkt hast. Was zählt für dich? Was habe ich vergessen? Was wirklich zählt ist ja eine sehr persönliche Frage. Wenn du dir die Frage stellst und danach handelst kannst du dir deine Lebenszeit besser einteilen. Du verzichtest vielleicht auf Überflüssiges und konzentrierst dich auf das Wesentliche. Manche Menschen können es auf einen einzigen Satz zusammenfassen. Ich kann die Idee von Augustinus gut teilen wenn er sagte: Liebe und tue, was du willst.  

Donnerstag, 11. Juli 2019

Was wirkliche zählt! Teil 8: Du gehörst dazu Kraft deines Willens und deiner Entscheidung.


Hattest du in deinem Leben auch die Phase, wo du das Gefühl hattest, nicht zu deiner Familie dazuzugehören? Dir war völlig klar, dass deine Eltern dich irgendwann einmal adoptiert und es dir verschwiegen hatten. Du kamst dich so verschieden vor von deinen Eltern und fühltest dich sehr fremd.
Kennst du das heute auch noch, dass du dich in deinem Verein umschaust und eine gewisse Distanz bemerkst? Da sind die anderen und da bist du. Alle lachen über eine komische Situation und nur du findest es nicht witzig. Du machst dir Sorgen über irgendein Thema und alle anderen schauen dich befremdlich an. Du bist der einzige Mensch, der noch raucht oder nicht Vegetarier ist. Du sitzt im Zug und denkst, dass alle Menschen sich dort fremd sind und niemand mit niemandem verbunden ist.
Du gehörst nicht dazu. Die Vorstellung kann sich in deinem Inneren so ausbreiten, dass es dich völlig isoliert. Oder die Sehnsucht in dich wachruft zu der Welt zurückzukehren, wo du eigentlich hingehörst. Denn wahrscheinlich bist du ein verlorener Engel oder bist das Wesen von einem fremden Planeten. Du bist auf der Erde nur zu Besuch und wirst gleich wieder verschwinden.
Dieses Gefühl der „Nichtdazugehörigkeit“ ist für mich ein ganz natürlicher Bestandteil des Erdendaseins. Wir sind ja alle irgendwie nur Gast auf dieser Erde. Wir sind einmal gekommen und gehen wieder. Wir leben für ein paar Jahre in und mit unserer Herkunftsfamilie und gehen wieder auseinander. Entweder haben wir eine gute und erfüllte Zeit miteinander oder auch nicht. Aber wir werden uns auf jeden Fall eines Tages wieder trennen und neue Menschen finden.
Ich gehöre zu Tausenden von Welten nicht dazu. Ich fahre mit dem Zug von Hamm nach Berlin und komme an viele Städte vorbei mit vielen Menschen, zu denen ich nicht gehöre. Es ist normal, nicht  dazuzugehören. Ich gehöre nur manchmal zu etwas ein wenig dazu. Zu meiner Familie, zu den Menschen in der Nachbarschaft, zu meinem Freundeskreis, zu meinen Arbeitskollegen. Ein Teil in mir wird immer auch die Fremdheit spüren können.
Schwierig wird es, wenn sich die „Nichtdazugehörigkeit“ vertieft hin zu Isolation, Entfremdung, Depression und Abgetrennt sein. Wenn es dazu kommt dann bist du zu weit in diesen Pol hineingerutscht. Das tut niemandem gut. Und es stimmt auch nicht. Denn du gehörst ja dazu.
Und das ist ganz einfach. Du bist auf dieser Welt und darum gehörst du dazu. Du musst dich nicht extra anstrengen. So nach dem Motto: „Ach, ich gehöre nicht dazu. Was müsste ich denn leisten, damit ich es mir verdiene? Soll ich besonders nett sein? Besonders angepasst oder auffallend humorvoll? Soll ich ein paar Bücher lesen und schlau werden? Oder mehr aus meinem Äußeren machen?“ Nein, das alles musst du nicht. Du gehörst dazu, weil du existierst.
Zugleich darfst du aber auch eine Entscheidung treffen. Auch das macht einen Unterschied. Du kannst am Tisch sitzen mit deiner Familie und das Gefühl von Fremdheit hochkommen lassen oder du kannst dich satt hineinsetzen. Du kannst dich einfach entscheiden dazuzugehören. Wenigstens für diesen einen  Augenblick. „Jetzt gehöre ich dazu.“ Du schaust dich um und dir wird bewusst, dass du mit jedem in der Runde etwas erlebt hast. Mit jedem in deiner Familie hast du eine Geschichte. Vielleicht nicht immer eine glücklicher, aber trotzdem eine gemeinsame. Ohne dich hätte das Ereignis nicht stattgefunden oder ganz anders. Du hast diese Begegnung einmalig gemacht. Deine Schwester und du, ihr habt euch einmal in die Augen geschaut und euch gegenseitig wahrgenommen. Und schon gibt es diese Zugehörigkeit. Du kannst deine Schwester oder deinen Bruder jetzt wieder anschauen und dich erinnern, dass ihr einen kleinen Abschnitt miteinander unterwegs wart. Ihr habt einen kleinen Ausschnitt der Weltgeschichte miteinander geschrieben. Einen winzig kleinen, aber dennoch einen sichtbaren. Zumindest für euch. Dann gehörst du zu dieser Geschichte dazu.
Du kannst dich auch in den Zug setzen und an einem ganz bestimmten Tag nach Köln fahren. Dann gehörst du zu diesem Ereignis der Menschen dazu, die mit dir nach Köln gefahren sind.
Je länger du über deine „Nichtzugehörigkeiten“ nachdenkst und dir dessen bewusst wirst, desto mehr sorgst du dafür, dass ein dazu gehöriges Gefühl sich in dir ausbreitet. Du erschaffst dir mehr und mehr ein schweres und leeres Dasein. Je mehr du dir deiner „Dazugehörigkeiten“ bewusst  wirst, desto mehr vergrößerst du das Feld der Daseinsberechtigung. Du entscheidest also ob du verhungerst oder ob du satt wirst. 

Mittwoch, 10. Juli 2019

Was wirklich zählt! Teil 7: Nicht ohne deine Lieblingsmenschen!


Glücksforscher haben schon lange herausgefunden, dass ein Mensch nicht allein leben kann. Er braucht gute soziale Kontakte um sich wohlzufühlen. Du brauchst ein Gegenüber und schon Martin Buber hat gesagt. Der Mensch wird am Du zum Ich.
Denke an deine wirklichen Lieblingsmenschen. Verbinde dich jetzt in diesem Augenblick mit ihnen. Lächle innen und außen und winke diesen Menschen zu. Vielleicht gehören welche dieser Lieblingsmenschen zu deiner Familie. Vielleicht auch eher zu deinen Freunden und Freundinnen. Sind männlich und/oder weiblich. Vielleicht hast du aber auch einen Lieblingsmenschen, der dich gar nicht kennt. Ein verstorbener Dichter oder eine Schriftstellerin, ein Mensch aus der fernen Vergangenheit. Oder ein Mensch in deiner Fantasie!
Stell dir einen Kreis von Menschen vor und du bist ein Teil dieses Kreises. In diesem Kreis stehen jetzt deine Lieblingsmenschen. Sie alle bekommen jetzt in diesem Augenblick mit, dass sie deine Lieblingsmenschen sind. Vorher waren sie es auch schon, aber jetzt sagst du es ihnen. „Hallo mein Lieblingsmensch! Schön, dass du mit mir in diesem Kreis bist!“ Schau dabei nach und nach jeden einzeln an. Wenn du diese Menschen gedanklich und gefühlt in deinen Kreis stellst, was glaubst du, wie du dich fühlen wirst? Einsam? Auf keinen Fall! Es macht dir deutlich, dass du zu einer Familie gehörst, blutsmäßig oder per Wahl.
Jederzeit kannst du deine Lieblingsmenschen zu dir einladen oder sie besuchen. Du kannst das physisch nicht immer, aber gedanklich auf jeden Fall. Du kannst dir dessen bewusst werden, dass du Lieblingsmenschen hast. Du bist nicht allein. Wenn du an deine Lieblingsmenschen denkst und dich mit ihnen verbindest wächst dir Kraft und Freude zu. In der Bibel wird erzählt, dass Gott die ersten Menschen erschuf. Auch er fühlte sich dann nicht mehr allein sondern hatte ein Gegenüber. Er konnte so kommunizieren und musste nicht mehr Selbstgespräche führen. Wer nur mit sich spricht wird wahrscheinlich zum Eigenbrötler. Vielleicht musste Gott den Menschen erschaffen damit er nicht zu eigenbrötlerisch wird. Auch er schuf sich Lieblingsmenschen. Wusstest du schon, dass du zu seinem Kreis dazugehörst? Im Kreis deiner Lieblingsmenschen kannst du dich satt hineinsetzen und dich ausgefüllt und wohlfühlen.
Und dann gibt es noch die ganz große Herausforderung. Ich meine die Gruppe der Menschen, die nicht zu deinen Lieblingsmenschen zählen. Die Gruppe, mit der du nicht kuschelst. Die aber dennoch wichtig sind für dich. Ich spreche von den „Entwicklungsmenschen“. Die Menschen, die dich herausfordern. Die dich ärgern. Die du nicht magst. Die dir fremd sind. Mit denen du Konflikte hast. Um die du einen großen Bogen machst. Die du auf keinen Fall in den Kreis der Lieblingsmenschen holst. Alle diese Menschen sind sehr wertvoll für dich. An denen kannst du wachsen und reifen. Sie sind dein kostbarstes Geschenk. Ohne sie würdest du einschlafen und dahindümpeln. Du würdest in deiner Kuschelgruppe ersticken. Du wünschst dir diese Menschen weit weg von dir. Und vielleicht hast du inzwischen festgestellt, dass dir das nicht gelingt. In der Familie hast du ein schwarzes Schaf, in der Nachbarschaft diesen penetranten Ordnungsfanatiker. Am Arbeitsplatz die faule Socke, die sich um jede Arbeit drückt. Manchmal erscheint dir die Welt voll mit „Entwicklungsmenschen“ und du freust dich auf den Himmel, weil du dann endlich von ihnen befreit bist.
Irrtum! Du triffst sie wieder. Alle! Sie sind einfach da. In dieser Welt und in der jenseitigen auch. Und es wird Menschen geben für die du selbst ein „Entwicklungsmensch“ bist. Die auch hoffen, dich so selten wie möglich zu sehen. Und? Musst du deshalb weichen? Auf keinen Fall! Du bist ja wichtig für die Weiterentwicklung dieses dir fremden Menschen.
So wichtig deine Lieblingsmenschen sind für deinen Kuschelfaktor so wichtig sind auch deine „Entwicklungsmenschen“.
Falls du feststellst, dass dir noch ein paar Lieblingsmenschen fehlen und du mehr „Entwicklungsmenschen“ an deiner Seite hast – herzlichen Glückwunsch. Du nimmst die Herausforderungen des Lebens ernst. Du willst dich wirklich weiterentwickeln! Und zugleich genieße es, dass du Lieblingsmenschen haben darfst. Mindestens einen!

Dienstag, 9. Juli 2019

Was wirklich zählt! Teil 6: Rufe in den richtigen Wald hinein!


Ich traf einmal eine Frau, die sehr unglücklich war. Sie erzählte mir, dass sie zu ihren Arbeitskollegen immer nett und freundlich sei. Sie würde alle am Morgen grüßen und sich am Abend verabschieden. Aber niemand würde höflich zurückgrüßen. Und wenn diese Kollegen nicht mehr mit ihr reden, dann würde sie auch nicht mehr mit ihnen sprechen wollen. Der Satz würde nicht stimmen: „So, wie du in den Wald hineinrufst, so kommt es auch zu dir zurück.“ Sie würde sich immer bemühen, aber es würde nichts nutzen. Sie könne sich anstrengen so sehr sie wolle.
Dann fragte ich sie, in welchen Wald sie denn hineinrufe? In den Wald der Kolleginnen und Kollegen oder in den eigenen inneren Wald. Da stutzte sie einen Moment. Ihr wurde klar, dass sie gar nicht nach außen rief. Die Kolleginnen nahm sie gar nicht richtig wahr. Sie blickte in ihren eigenen einsamen, verlassenen und unfreundlichen Wald. Wie kann ein verdorrter Wald im eigenen Inneren einen blühenden Wald in der Außenwelt grüßen und glauben, da käme freundlich etwas zurück.
Die Frau erzählte mir, dass sie über die Jahre hin einsam geworden sei. Sie glaubte nicht mehr an das Glück an ihrem Arbeitsplatz und überhaupt. Irgendwann resignierte sie und gab innerlich auf. Ihr wurde klar, dass sie erst einmal ihren eigenen inneren Wald wiederbeleben muss. Noch war nicht alles verloren. Wurzeln graben sich tief ein und können längere Zeiten überstehen. Was braucht der innere Wald, damit er sich lebendig anfühlt und damit er freudig in andere Wälder hineinrufen kann? Eine gute Portion Selbstliebe! Selbstvertrauen und Glaube. Ein inneres Wissen, selber die Schöpferin und der Schöpfer des Waldes zu sein. Der innere Wald lebt oder vertrocknet in der Weise, wie ich es gestalte. Zu meinem inneren Wald hat niemand sonst einen Zutritt und niemand trägt die Verantwortung dafür außer mir selbst.
Seitdem beobachte ich mich verstärkt, wie es denn so ist mit meiner Außenwirkung. Wenn ich voller Freude durch die Welt gehe rufe ich viel lebendiger und liebevoller. Es kommt unweigerlich Liebe und Freude zurück. Und wenn mal nichts zurückkommt macht das nichts. Ich bin ja nicht darauf angewiesen. Um meinen inneren Wald kann ich mich immer kümmern.
Erinnerst du dich an die Anfangsfrage im letzten Brief, ob du noch ertrinkst oder schon surfst? Ein Ertrinkender wird zum Bettler, der schreit, ob ihn jemand rettet. So wie es Ertrinkende tun müssen. Wenn du surfst muss dich niemand retten. Du nimmst die Wellen wie sie kommen und gleitest durch das Auf und Ab hindurch. Dein inneres freies Kind erwacht und lacht und jauchzt. Du brauchst ein gutes Körpergefühl, ein gesundes Selbstvertrauen und die klare Vorstellung, dass du das kannst.
So wie du in deinen inneren Wald hineinrufst, so verlässt es deinen Körper und erreicht die Welt. Was andere tun kannst du nicht steuern und beeinflussen. Du bist davon auch nicht abhängig. Du bist nur der Hüter deines eigenen inneren Waldes. Da kannst du flüstern und rufen. Schmeicheln und flirten. Spaß machen und trösten.

Montag, 8. Juli 2019

Was wirklich zählt! Teil 5: Dein innerer Beobachter

Du erinnerst dich an meinen ersten Teil zu diesem Thema? Hier kannst du den ganzen Text noch einmal nachlesen. Wie kannst du im Dschungel der vielen Herausforderungen dein Leben meistern ohne die Angst vor dem Untergang. Ich gehe davon aus, dass wir Menschen drei Energiezentren haben, die uns zur Verfügung stehen beim Bestehen des Lebens.
Der Verstand bildet die mentale Ebene. Wir machen dort Pläne, überlegen, grübeln und sortieren. Im Herzen verorte ich die Gefühlsebene. Dort erleben wir das Energiezentrum, das uns Impulse gibt von Freude, Angst, Ärger, Trauer und Scham. Dort tanken wir auf um die Kraft zum Handeln zu bekommen. Vom Bauchzentrum her gehen wir in die konkrete Handlung, in die Aktion und in die Umsetzung. Nicht jeder Mensch ist im gleichen Zentrum gleich stark. Du kannst ja einmal überlegen ob du eher verkopft bist oder stark fühlst oder immer gleich in die Handlung gehst.
Die Gefahr besteht nun darin, sich in einem Zentrum zu verlieren ohne sich noch selbst steuern zu können. Du grübelst zum Beispiel ständig über ein bestimmtes Thema und nimmst gar nicht wahr, dass dir niemand mehr zuhört. Oder du bist so traurig über einen Verlust, dass du sehr einsam wirst und dich in dein Schneckenhaus verkriechst. Oder du landest in eine Art Aktivismus und brichst vor Erschöpfung zusammen.
Es fehlt also in meinem Energiemodell noch der Teil, der alles zusammenhält. Diesen Teil nenne ich den inneren Beobachter oder den Regisseur oder spirituell gesehen das „Höhere Selbst.“ Wenn du mit deinem Bewusstsein dir vorstellst, dass es für den Beobachter in dir einen eigenen Ort gibt außerhalb des Körpers kraft deiner Vorstellung wirst du feststellen, dass er sich unterscheidet von den drei Zentren. Dort ist es ruhig. Es gibt dort nichts zu tun. Alles ist an diesem Ort in Ordnung. Es wird dort nicht gewertet. Alles darf, und nichts muss sein. Wenn es um die Frage geht, was wirklich zählt, dann gehört es unbedingt dazu, dass du diese Position des inneren Beobachters für dich entdeckst und ausfüllst. Von dieser Position aus kannst du entscheiden ob du mit dem Grübeln aufhörst, ob es Sinn macht, jetzt zu handeln und auch, was du mit deinen heftigen Gefühlen machst.
Von der Position des Beobachters aus schwemmen dich die Gefühle nicht weg und du ertrinkst nicht darin, sondern du kannst entscheiden, was du jetzt mit diesen Gefühlen machst. Bist du die Angst oder fühlst du sie lediglich? Begleitest du die Trauer oder identifizierst du dich damit? Durchatmest du Wut und zerplatzt du in dem Gefühl? Du überlässt es nicht einfach den aufkommenden Gefühlen was geschieht, sondern du wirst zum Surfer deines Lebens.
Zum Surfen gehören ein paar hilfreiche Grundideen oder Glaubenssätze, die aus der Position des Beobachters heraus deinem Leben mehr Profil und Tiefe geben. Du erinnerst dich an den ersten Teil, wo es um die Selbstliebe ging, um die angstfreie Weiterentwicklung und um die Entscheidung, sich immer wieder zu verbinden. Heute geht es weitere Impulse, deine Beobachterposition zu stärken.
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Samstag, 6. Juli 2019

Jede dunkle Nacht hat ein helles Ende. (persische Weisheit)

Ist doch logisch oder? Das weiß jedes Kind, dass jede dunkle Nacht ein helles Ende hat. Nach jeder Nacht kommt ein neuer Morgen. Diese Erfahrung macht jeder Mensch seit Beginn des Lebens. Diese Erfahrung teilt die ganze Menschheit. Vielleicht bildet eine Sonnenfinsternis und ein Vulkanausbruch eine Ausnahme. Aber generell gilt dieser Satz.
Eigentlich geht es bei dieser persischen Weisheit um die Erfahrung, dass auch in einer ausweglosen Situation immer noch etwas möglich ist. Oder in einer Lebenskrise immer noch ein Fünkchen Hoffnung sein kann. Der Mensch in der Dunkelheit und mitten in der Krise kann leider das Licht nicht mehr wahrnehmen. Für ihn ist es ewige Nacht. Es gibt keinen neuen Morgen.
Für diesen Menschen hilft dann die Erinnerung. "Erinnerst du dich daran? Es war mal besser und es wird auch wieder besser werden." Aber Vorsicht mit einer solchen Ermutigung. Das kann schnell nach rückwärts gehen. Die dunkle Nacht muss man schon auch mal aushalten. Zugleich möchte ich noch die Perspektive erweitern. Dass es hell wird steht außer Frage, es ist nur die Frage wann. Wenn du in der Krise bist kannst du sagen: "Das ist das Ende!" Du kannst aber auch sagen: "Diese Dunkelheit ist der Anfang von etwas, das ins Helle führt!" Du entscheidest, welche Perspektive du einnimmst. Machst du dich fest in der Dunkelheit oder schaust du auf das, was neu kommt.
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Carpe diem: Pflücke den Tag!


"Carpe diem!" Diesen Satz habe ich bislang so verstanden:

Nutze den Tag! 

Die Zeit ist kostbar!
Handle nicht unüberlegt!
Mach keine überflüssigen Dinge!
Wer weiß, ob du morgen noch lebst!
Was du heute kannst besorgen...
Morgenstund hat Gold im Mund...

Immer geht es darum, möglichst viel hineinzupacken. Jeden Zeitraum auszunutzen. Die Vorstellung ist mir nicht sehr sympathisch.
Jetzt habe ich eine andere Übersetzung gehört.

Pflücke den Tag!

Der Tag ist wie eine Blume!
Lebendig!
Farbig!
Duftend!
Freude auslösend!
Bejahend!
Zustimmend!
Ein Geschenk!
Du darfst!

"Nutzt" du noch oder "pflückst" du schon? Stell dir vor, dass du diese Welt und diesen Körper verlässt. Wirst du dann auch noch "nutzen" in der Dimension der Zeitlosigkeit? Pflücken wirst du ganz bestimmt - das Leben, die Liebe, die Freude...

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