Donnerstag, 30. April 2015

Die Kunst der kleinen Schritte


In einem Gebet spricht spricht Antoine de Saint-Exupéry von der Kunst der kleinen Schritte.
Da heißt es:

Die Kunst der kleinen Schritte
Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr,
sondern um die Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Mach mich sicher in der rechten Zeiteinteilung.
Schenk’ mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden,
was erstrangig und was zweitrangig ist.
Schenk’ mir die nüchterne Erkenntnis,
dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge
eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind,
durch die wir wachsen und reifen.
Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt.
Schick’ mir im rechten Augenblick jemanden, der den Mut hat,
die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen.
Gib dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten
und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleihe mir die nötige Phantasie,
im rechten Augenblick ein Päckchen Güte
mit oder ohne Worte an der richtigen Stelle abzugeben.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern das, was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Ich kenne Menschen, die stecken sich große Ziele. Vor einiger Zeit erzählte mir eine Frau, dass sie jetzt ernsthaft abnehmen will. Fünfzehn Kilo sind ihr Ziel. Sie hatte es schon so oft versucht und stets war sie gescheitert. So hat sie im Laufe der Jahre sich gut kennengelernt mit ihren Hürden und Hindernissen. "Das Ziel war zu schwer!" "Der Weg war so lang!" "Ich habe mich überfordert!" "Ich konnte nicht durchhalten!" "Ich wusste nicht, was da wirklich auf mich zu kam!" 
Wenn du ein großes Ziel hast, dann siehst du auch die möglichen Hindernisse auf diesem Weg. Das könnte dazu führen, dass du gar nicht erst los läufst. Du schaffst es ja eh nicht. Warum erst anfangen! Du siehst, dass du wirklich einen langen Atem brauchst und viel Geduld. Du musst mit Rückschlägen klar kommen. Es kann sein, dass der Weg gar nicht richtig für dich ist. Dein Ziel ist gepflastert mit Wenns und Abers. 
Was bewirkt da die Kunst der kleinen Schritte? Wenn du dich auf den jetzigen Schritt konzentrierst und diesem Schritt deine volle Aufmerksamkeit schenkst, kannst du diesen Schritt gehen. Nur diesen Schritt, nicht mehr! Du schaust nicht auf das Ziel und hast auch nicht mehr die Hürden und Hindernisse im Blick. Jedes Abnehmen beginnt mit dem ersten Gramm. Es kommt also jetzt und in diesem Augenblick auf das eine Gramm an. Auf nicht mehr und nicht weniger. Du beschäftigst dich nur mit diesem einen Gramm. 
Erst dann und wirklich erst dann, wenn du das erste Gramm geschafft hast, beschäftigst du dich mit dem zweiten Gramm. Nicht früher! Am zweiten Gramm könnte nämlich eine unüberwindliche Hürde kleben. 
Die Kunst der kleinen Schritte ist wirklich eine Kunst. Die Kunst heißt: Im Hier und Jetzt sein! Das Kleine wertschätzen! Im Augenblick leben! Das Leben auskosten! 
Bislang hatte die Frau, die abnehmen wollte, immer von den großen Zielen gelebt. Die konnte sie leider nie erreichen. Dann fiel ihr ein, dass das mit dem Abnehmen für ihr ganzes Leben stand. Sie konnte sich nicht von ihrer schrecklichen Freundin trennen. Sie konnte ihren verstorbenen Vater nicht loslassen. Dann stellte sie fest, dass sie ihrer schrecklichen Freundin heute eine Absage geben konnte. Sie war gerade jetzt frei von Trauer um ihren Vater. Sie merkte, das ging eigentlich ganz leicht. Der kleine Schritt geht leicht, wenn man sich darauf einlässt und sich vom Großen und Ganzen verabschieden mag. 
Der kleine Schritt geht schwer, wenn man alle Wenns und Abers und Konsequenzen daran fest klebt. Wie gut und beruhigend, dass ein Schritt so klein ist, dass du locker wieder zurück gehen kannst, wenn es nicht passt. 
 

Mittwoch, 29. April 2015

Es ist nicht so ganz unwichtig...


Es ist total wichtig!
Es ist sehr wichtig!

Es ist wirklich wichtig!
Es ist wichtig!

Es ist schon wichtig!
Es wäre schon wichtig!

Es könnte ganz wichtig sein!
Es ist nicht so ganz unwichtig!

Es ist nicht so unwichtig!
Es ist nicht unwichtig!

Es wäre nicht unwichtig!
Es wäre ein wenig wichtig!

Manche "Wichtigkeiten" verstecken sich in merkwürdig verdrehten Sätzen. Ist es jetzt wichtig oder ist es unwichtig? Manche Wichtigkeiten kannst du gut verstecken in solchen Monsterkonstruktionen. Stell dir vor du sagst: "Es ist wichtig, dass du pünktlich kommst!" Klare Botschaft! Dein Gegenüber sagt dann vielleicht: "Das mag aus deiner Sicht so sein, aber mir es es egal!"
Wenn du sagst: "Es ist nicht so ganz unwichtig, dass du pünktlich kommst!" relativierst du deinen Satz und machst dich unangreifbar. Es ist halt nur so ungefähr wichtig. Ich bin da ganz entschieden für mehr Klarheit!

Manche Sätze finde ich "un"-möglich!
Mein Freund ist nicht unnett!
Meine Arbeitskollegin ist wirklich nicht unkooperativ.
Das  Essen in dem Restaurant ist durchaus nicht ungenießbar.
Das Leben nach dem Tod finde ich nicht uninteressant.

Und? Worüber machst du gerne "un"-Sätze?
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Dienstag, 28. April 2015

Radikale Entscheidung für die Liebe!

Suche so oft wie möglich nach dem, was verbindet und achte darauf, nicht das Trennende wahrzunehmen.
Jeder Mensch kann sich weiter entwickeln. Du selbst und auch alle anderen.
Auch der, den du nicht liebst, ist ein Kind Gottes und wird von ihm geliebt.
Die Liebe wird dir helfen, fehlerfreundlich zu werden und "gnädiger" mit dir selbst umzugehen.

Wenn du dich nur noch auf die Liebe konzentrierst, wird sich dein Leben radikal verändern.
Entscheide dich jetzt dazu, mit aller Kraft zu lieben, dich selbst und die Menschen, mit denen du zusammenlebst, die ganze Schöpfung und vor allem diejenigen, die du eigentlich nicht magst. 

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Montag, 27. April 2015

Sei vollkommen aber nicht perfekt! (Eine Erinnerung an meinen ersten Beitrag auf diesem Blog)




Perfektion oder Vollkommenheit! Gibt es denn da einen Unterschied? Ist Perfektion nicht das Gleiche wie Vollkommenheit? Im Alltag gebrauchen wir beide Worte oft wie Synonyme. Für mich gibt es dennoch einen großen Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen und es könnte hilfreich sein, da einmal genauer hinzuschauen.
Der Duden spricht bei „Perfektion“ von der höchsten Vollendung oder der Meisterschaft bei der Verrichtung einer Tätigkeit. Das ist durchaus verständlich. Wir wünschen uns ja ein Waschmaschine, die wirklich funktioniert und nicht nur so ungefähr. Auch beim Hausbau macht es Sinn, dass die Mauern gerade und die Fugen dicht sind. Eine perfekte Handwerksarbeit ist schon erstrebenswert. Zugleich bedeutet „perfekt“ jedoch auch, dass etwas „abgeschlossen“ ist und damit zur Vergangenheit gehört. Was abgeschlossen ist, kann man dann auch getrost loslassen.  
Was für eine Waschmaschine noch verständlich ist, kann für andere Lebensbereiche jedoch eine Überforderung sein. Viele Menschen möchten in allem nach Perfektion streben.  Neben den exakten Anforderungen an den Beruf, haben wir vielleicht auch noch den Anspruch an uns als perfekte Mutter, als perfekter Vater und meinen damit eine möglichst fehlerfreie Erziehung der Kinder. Oft geht es dabei um Vermeidung von Fehlern und um die Scham, die aufkommt, etwas nicht gut genug gemacht zu haben. Da klingeln alte Sprüche von früher in unseren Ohren: „Kind, das musst du noch einmal machen, das ist nicht gut genug. Das ist noch nicht perfekt!“
Ich habe noch das Schreiben mit dem Griffel auf einer Schiefertafel gelernt. Jeden Schultag mussten wir eine ganze Tafel mit runden Bögen gestalten exakt von Linie zu Linie – nicht drüber und auch nicht drunter. Es sollten perfekte Bögen sein. Meine Bögen waren nur selten perfekt. Mutter nahm dann oft den Lappen und wischte alles wieder weg. Ich musste von vorne beginnen und durfte so lange weiterschreiben, bis sie einigermaßen zufrieden mit meiner Arbeit war. 
Jede und jeder von uns kann eine ähnliche Geschichte erzählen von mehr oder weniger gelungenen Entwicklungsschritten. Am Ende entwickelt sich manchmal ein Perfektionszwang, der das Leben erschwert und förmlich vermiesen kann. Da reichen dann nicht die achtzig Prozent gelungene Arbeit, es sollten wenigstens hundert und ein Prozent sein, besser noch mehr. Für die letzten Prozentpunkte strengen wir uns dann auch noch übermäßig an. Die Folge ist irgendwann der innere Zusammenbruch und die Kapitulation.
Mein Vorschlag: verzichte auf die Perfektion und sei einfach vollkommen! Wie meine ich das? Ich muss dazu eine kleine Geschichte erzählen. Vor einiger Zeit war ich zu einem Empfang eingeladen und  eine Gruppe von Grundschulkindern sorgte für das musikalische Rahmenprogramm. Ungefähr zehn Jungen und eine Lehrerin betraten mit ihren Käppis auf dem Kopf die Bühne, stellten sich auf, zogen das Käppi von der Stirn und legten es mehr oder weniger elegant auf den Bühnenboden. Dabei standen sie breitbeinig da wie eine Eins in völliger Selbstsicherheit. Das war schon professionell. Die „Käppi-absetzen-Aktion“ sorgte für ausgesprochenes Vergnügen bei den Zuschauern. Dann sangen sie ihr erstes Lied. Meine musikalisch feinfühligen Ohren horchten auf: da singt doch ein Junge schief! Er singt zwar eine Melodie, aber eine, die mit dem ursprünglichen Lied nichts mehr zu tun hat. Ich konnte ihn sofort identifizieren. Alle anderen Kinder sangen super genau die Töne des Liedes. Aber der eine Junge sang schief. Ohne jeden Zweifel! Durch ihn wurde der Auftritt alles andere als perfekt. Zu meiner Kinderzeit wurden Kinder, die „nicht singen“ konnten, vom Singen ausgeschlossen. Doch dieser Junge war dabei. Er sang jenseits aller Perfektion. Und wie lautete mein innerer Kommentar? Es war vollkommen! Da war pure Freude und Vergnügen beim Singen. Da gab es einen Zusammenhalt in der Gruppe und das Selbstverständnis, ein Teil eines großen Ganzen zu sein. Der Auftritt dieser Kinder sorgte bei allen Zuhörern für Freude und Wohlwollen. Es war vollkommen! 
Was macht Vollkommenheit aus? Fehler in der Umsetzung von Aufgaben kann es durchaus geben, Qualitätsstandards werden vielleicht nicht erreicht. Aber dafür gibt es keinen Druck von Überforderung. Keiner bewertet dich, schimpft mit dir oder macht dich klein. In der Vollkommenheit bist du in deinem Tun völlig im Sein. Du bist die pure Lebensfreude.
In der Bibel sagt Jesus einmal: Seid also vollkommen, wie es auch euer himmlischer Vater ist. (Mt 5,48) In der Regel hören wir oft den Anspruch von Perfektion, hier an dieser Stelle eine moralische Perfektion. „Sei die beste Mutter, der ideale Vater, der tollste Ehemann und die perfekte Ehefrau!“ Gemeint ist biblisch etwas völlig anderes als eine moralische Höchstleistung. Im Hebräischen lautet es ursprünglich: sei „tamim“, wie es auch Gott ist. „Tamim“ heißt übersetzt „ganz“, „vollständig“, „ungeteilt.“ Damit ist also die Einladung ausgesprochen, mit seinem Herzen ungeteilt bei dem zu sein, was man gerade fühlt, denkt oder macht. Auf das Singen übertragen würde das heißen: singe nicht perfekt, aber singe mit ganzem und ungeteiltem Herzen. Mache es vergnügt und spüre dabei die Leichtigkeit und die Freude.
So ist Gott! Gott ist tamim! Gott ist mit seiner ungeteilten Aufmerksamkeit ganz bei uns. Er erfreut sich an seiner Schöpfung, er freut sich über uns. Er sieht unsere Entwicklungen und ist einfach nur da für uns. Es geht Gott nicht um Perfektion, sondern um das „Tamim – Vollkommensein“. Es gilt, sein Leben zu bejahen mit Haut und Haaren, mit der Vergangenheit, mit allen Gefühlen und mit allen erlebten Geschichten. Klammer nichts aus und heiße alles willkommen, was zu dir gehört.  Neben dem Verzicht auf den inneren Kritiker kann es in der Fastenzeit eine wunderbare Ergänzung geben: sei da mit deinem ungeteilten Herzen und mit ganzer Aufmerksamkeit!

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Samstag, 25. April 2015

Die fünf Freiheiten nach Virginia Satir



Virginia Satir war eine wichtige systemische Familientherapeutin und lebte von 1916 - 1988. Sie hat wertvolle Impulse gesetzt für familäre Strukturen und sehr wertschätzend und ressourcenorientiert gedacht und gehandelt. Sehr bekannt geworden sind ihre "fünf Freiheiten", die ich gerne nach und nach erschließen möchte.

Die erste Freiheit: Die Freiheit zu sehen und zu hören was im Moment wirklich da ist, anstatt was sein sollte, gewesen ist oder erst sein wird. 

Mein Mann sollte mir besser zuhören können. Dann wäre das Leben viel schöner. Mein Kind sollte mehr aufräumen, dann wäre ich viel entspannter. Mein Arbeitgeber sollte sehen, was ich alles leiste, dann würde ich viel lieber arbeiten.
Oder: Früher war doch alles besser. Die Bahn war pünktlicher. Die Brötchen schmeckten frischer und waren günstiger. Die Milch kam noch von der Kuh. Ich war körperlich fit. Die Welt war einfach schöner. Die Leute hatten alle mehr Zeit.
Oder: Wenn ich in Rente gehe, dann werde ich mehr Zeit haben. Wenn meine Kinder groß sind, dann werde ich endlich tun können was ich immer schon tun wollte.
Du denkst oft mit den Worten: "sollte" du gehst in die "gute Vergangenheit" oder phantasierst dich in eine "bessere" Zukunft. Du machst das schon automatisch, ständig oder mehrmals am Tag. Du verlässt die Gegenwart und den Augenblick und merkst nicht, wie unfrei du dadurch wirst. Du wirst wie ein Sklave, der sich die Freiheit wünscht: Wenn ich erst einmal diese Fesseln los werde, dann wird alles anders! Pustekuchen!
Virginia Satir lädt dich ein zu einem ganz bestimmten Aspekt der Freiheit. Du entscheidest dich für das "sollte" "die tolle Vergangenheit", die "bessere Zukunft". Du trägst die Verantwortung dafür, wohin deine Phantasie, Sichtweise, dein Ohr und deine Gedanken gehen.
Und du hast die Freiheit, dich jetzt neu zu entscheiden! Du kannst dich dafür entscheiden und hast die Freiheit das zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist. Du musst dir nichts vormachen. Du brauchst nichts beschönigen. Du musst dir die Zukunft nicht toll vordenken. Bekommt das, was ist, jetzt von dir die Erlaubnis da zu sein?
Mein Mann kann nicht zuhören. Das ist so. Aber ich kann ihn immer wieder darauf hinweisen, dass er das jetzt in diesem Augenblick tun kann. Mein Kind ist kein Aufräumer. Das ist einfach so. Und mein Kind ist trotzdem in Ordnung. Die Welt wird nicht untergehen, wenn es nicht aufräumt und es bleibt mein Kind. Mein Arbeitgeber ist blind für die Leistungen der Angestellten. Das ist einfach so! Aber ich kann für mich würdigen, was ich leiste. Und ich leiste was! Und das fühlt sich stark an! Egal, ob es der Chef sieht oder nicht.
Ich warte nicht bis zur Rente, damit ich mehr Zeit habe. Jetzt in diesem Augenblick nehme ich mir die Zeit. Es ist meine Zeit, meine Lebenszeit. Heute schmecken mir die Brötchen und außerdem bin ich ein toller Bäcker. Und heute noch werde ich tun, was ich immer schon gerne tun wollte.
Spürst du wie es ist, wenn du ein Gespür für deine Freiheit wieder findest und entwickelst? Wenn du unerfüllten Sehnsüchten hinterherträumst kann es dich viel Kraft und Energie kosten und irgendwann bist du weg! Du bist nicht mehr da. Gedankenverloren schlürfst du deinen Kaffee und weißt gar nicht, was du getrunken hast. Was kannst du jetzt in diesem Moment hören und sehen?

Die zweite Freiheit: Die Freiheit das auszusprechen, was ich wirklich fühle und denke, und nicht das, was von mir erwartet wird.

Was wird von dir erwartet? Von einer Mutter wird erwartet dass sie empört ist, wenn das eigene Kind ungerecht behandelt wird. Von einem Kind wird erwartet, dass es auf  seine Eltern hört.
Was wird von dir in einer Beziehung erwartet? "Wenn du mich wirklich liebst, dann wüsstest du jetzt wie es mir geht!" "Wenn ich wirklich wichtig für dich wäre, dann würdest du dich heute nicht mit deinen Freunden treffen sondern bei mir bleiben!"
Ich kenne solche Merkwürdigkeiten zur Genüge aus meiner Kindheit. Häufig hatte ich so Fragen und

Freitag, 24. April 2015

Die fünfte der fünf Freiheiten nach Virginia Satir: Geh Risiken ein!


Virginia Satir war eine wichtige systemische Familientherapeutin und lebte von 1916 - 1988. Sie hat wertvolle Impulse gesetzt für familäre Strukturen und sehr wertschätzend und ressourcenorientiert gedacht und gehandelt. Sehr bekannt geworden sind ihre "fünf Freiheiten", die ich gerne nach und nach erschließen möchte.

Die fünfte Freiheit lautet:

Die Freiheit in eigener Verantwortung Risiken einzugehen, anstatt immer nur auf Nummer sicher zu gehen und nichts Neues zu wagen.  

Ich gehe auf Nummer sicher. Das haben wir immer schon so gemacht. Das hat doch bis heute gut funktioniert. Warum sollte ich etwas ändern? 
Da gibt es doch die Weisheit von dem toten Pferd, von dem man absteigen soll, oder? Ich glaube, dass wir oft unsere toten Pferde weiter reiten. Das alte System funktioniert zwar nur noch so ungefähr aber nicht mehr wirklich. Wir sind ja unglaubliche Künstler darin, das Tote schön zu reden. Wir setzen die rosarote Brille auf. Wir ignorieren die Veränderungen. Wir tun so als ob alles in Ordnung wäre. Wir kleben an unseren Überzeugungen und Glaubnessätzen fest. Wir schauen uns das tote Pferd an und sagen, es schläft ja nur!
Dahinter steckt unser Bedürfnis nach Sicherheit. Da weiß ich Bescheid. Das ist bequem. Da kenne ich mich aus. Da blamiere ich mich nicht. Da habe ich ein gutes Gefühl. Das erspart Zeit und Ärger. Wenn ich auf Nummer sicher gehe dann kann es geschehen, dass die Nummer gar nicht mehr so sicher ist wie sie erscheint. Klar, ein totes Pferd wird keiner weiter reiten. Aber du gehst zu deiner Arbeit, obwohl sie dich nicht mehr erfüllt. Du bleibst verheiratet obwohl deine Beziehung schon lange nicht mehr stimmt. Du trittst nicht aus der Kirche aus, obwohl du keinen stichhaltigen Grund mehr dafür findest, dabei zu bleiben. Du wohnst mit deinem Mann, deiner Frau in einem Haus, das einmal für eine fünfköpfige Familie gedacht war, und das du heute gar nicht mehr mit Leben füllen kannst.
Für eine Phase in deinem Leben war das einmal ganz stimmig, was du so machst und denkst. Aber ist es heute auch noch stimmig? Wer sagt dir, dass du es beibehalten musst? Du musst nichts behalten. Du darfst alles loslassen. Im Tod musst du loslassen. Jetzt darfst du es freiwillig machen.
Stell dir einmal vor, dass du stirbst. Du kommst an die Pforte des Himmels und Petrus öffnet die Tür. Du stehst da sehr unentschlossen herum. du willst ja gar nicht in den Himmel. Du weißt ja nicht, was da auf dich wartet. Vielleicht würdest du zu Petrus sagen: "Schick mich wieder zurück in mein altes Leben! Das ist mir vertraut!" Dann würde Petrus zu dir sagen: "Das geht leider nicht. Ich kann dich nicht in dein altes Leben lassen, denn dein Körper funktioniert nicht mehr und einen anderen kann ich dir nicht zur Verfügung stellen. Wenn du damals deine Chancen mehr genutzt hättest, wärest du jetzt gut vorbereitet auf das, was auf dich wartet. Der Himmel ist voller Überraschungen. Du wirst ihn jeden Augenblick neu erleben und neu gestalten. Der Himmel ist nicht vorgefertigt, sondern du gestaltest ihn."
Wir sind auf dieser Erde, damit wir Erfahrungen machen können. Wenn du eine bestimmte Erfahrung gemacht hast, dann kannst du doch abschließen und eine neue Erfahrung machen. Virginia Satir lädt ein, in Freiheit die Verantwortung für das Leben zu übernehmen. Es ist dein Leben! Du darfst Risiken eingehen! Es ist darf etwas schief gehen! Es darf alles schief gehen! Es darf etwas gelingen und es muss gar nichts gelingen! Du brauchst nicht das Leben deiner Eltern fortsetzen und auch nicht deiner Lehrer oder sonstiger Menschen. Du hast dein ganz eigenes Leben. Du hast den Bauch deiner Mutter verlassen und sie hat dir gesagt: "Jetzt mach mal!" Also los: "Jetzt mach mal!"
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Donnerstag, 23. April 2015

Die vierte der fünf Freiheiten nach Virginia Satir: Bitte um das was du brauchst!


Virginia Satir war eine wichtige systemische Familientherapeutin und lebte von 1916 - 1988. Sie hat wertvolle Impulse gesetzt für familäre Strukturen und sehr wertschätzend und ressourcenorientiert gedacht und gehandelt. Sehr bekannt geworden sind ihre "fünf Freiheiten", die ich gerne nach und nach erschließen möchte.

Die vierte Freiheit lautet:

Die Freiheit um das zu bitten, was ich brauche, anstatt immer erst auf Erlaubnis zu warten.

Manchmal muss man Sätze von Virginia Satir quer lesen. Ich habe die Freiheit um das zu bitten, was ich brauche. Moment einmal! Im Allgemeinen finde ich das Bitten sehr unangenehm und vermeide es wenn möglich.
Stell dir vor, du siehst eine Galerie und dort findet gerade eine Ausstellungseröffnung statt. Du stehst vor der Tür und möchtest da herein. Du bist neugierig auf die Bilder, auf die Künstlerin und auf die Gäste. Aber du du bist nicht eingeladen. Jetzt stehst du vor der Tür und hoffst. Du hoffst, dass dich jemand sieht und hereinbittet. Du wünschst dir, dass dir jemand die Erlaubnis gibt, dies Eröffnung zu besuchen. Jetzt stell dir vor: Niemand kommt! Niemand erteilt die Erlaubnis! Niemand bittet dich herein!
Jetzt könntest du fortgehen oder dich überwinden und nachfragen. Du könntest die Galeristen bitten, dabeisein zu dürfen. In deinem gängigen Verhaltensmuster würdest du dich dazu überwinden. Dur würdest dich durchringen. Es wäre dir peinlich und unangenehm. Du würdest es vielleicht nur im Notfall machen. Du würdest nur fragen, wenn es dir ganz wichtig wäre.
Jetzt kommt dieser so nenne ich ihn "Quersatz" von Virginia. Du hast die Freiheit um das zu bitten, was du brauchst. Zugegeben, der Besuch einer Ausstellung ist vielleicht nicht nötig. Aber vielleicht brauchst du ja jetzt diesen Input und diese Erfahrung. Du hast die Freiheit zu bitten. Es gibt keine Notwendigkeit, keinen Zwang, keine Scham und keine Peinlichkeit. Du hast die Freiheit!
Um in Freiheit fragen zu können ist es wichtig, dass du ein Bewusstsein davon erlangst. Du musst dir bewusst werden in jeder Situation deines Lebens, dass du frei bist. Du kannst fragen und bitten, aber du musst nicht.
Wo kommt es in deinem Leben vor, dass du etwas brauchst. Dein Gegenüber sieht es nicht und du denkst, er müsste es aber doch sehen! Du brauchst Zuwendung, Trost, ein offenes Ohr, Zeit, Verständnis oder sonst etwas wichtiges. Da geht es um mehr als um eine Bilderausstellung. Da geht es um ganz fundamental menschliche "Notwendigkeiten". Du kannst leer ausgehen, weil dich niemand beachtet. Da bleibst du am Ende frustriert stehen! Niemand hat dich gesehen! Niemand gibt dir eine Erlaubnis! Und warum? Weil du nicht fragst! Weil du dich nicht getraut hast! Weil es dir peinlich ist! Weil du dich schämst! Weil du schon groß bist! Weil es eine Bedürftigkeit offenbart?
Es kann geschehen, dass du dir selber eine so hohe Hürde aufbaust, dass du lieber verzichtest, anstatt zu fragen. Stell dir vor, du hast Durst. Du möchtest einen Becher Wasser. Dein Gegenüber sieht nicht, dass du Durst hast. Wärst du bereit zum Sterben? Würdest du verdursten oder doch irgendwann fragen?
Du könntest eine Grundsatzentscheidung treffen um ein für alle mal dieses "Spiel" zu beenden. Du gibst dir die Freiheit, immer zu fragen. Du fragst halt einfach. Du fragst und fragst. Irgendwann wird es zu einer Selbstverständlichkeit und du wunderst dich, warum du nicht schon viel früher damit angefangen hast. Bitte doch um das, was du brauchst! Nur du kennst deine Bedürfnisse! Niemand sonst, und an deiner Nasenspitze kann man sie nicht ablesen!
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Mittwoch, 22. April 2015

Die dritte der fünf Freiheiten nach Virginia Satir: Steh zu deinen Gefühlen


Virginia Satir war eine wichtige systemische Familientherapeutin und lebte von 1916 - 1988. Sie hat wertvolle Impulse gesetzt für familäre Strukturen und sehr wertschätzend und ressourcenorientiert gedacht und gehandelt. Sehr bekannt geworden sind ihre "fünf Freiheiten", die ich gerne nach und nach erschließen möchte.

Die dritte Freiheit lautet:

Die Freiheit zu meinen Gefühlen zu stehen, und nicht etwas anderes vorzutäuschen.

Stell dir dein inneres vor wie ein Team. Da gibt es ganz viele Persönlichkeitsanteile, Gefühlsebenen und Identitäten. Stelle dir deine reiche Gefühlswelt vor. Du magst wahrscheinlich die Freude in dir. Du magst deine Fähigkeiten und alles wozu du vorbehaltlos "JA!" sagen kannst.
Dann gibt es noch Gefühle, die empfindest du eher als zwiespältig. Wie ist das zum Beispiel mit der Angst? Du wirst mir vielleicht zustimmen, dass die Angst manchmal notwendig ist. Du bist dadurch vorsichtig im Straßenverkehr. Du passt auf dich auf, damit dir nichts geschieht. Die Angst warnt dich vor möglichen Gefahren. Du empfindest die Angst als manchmal notwendig aber manchmal steht sie dir auch im Weg. Du möchtest mutiger sein und mehr wagen. Da kommt dann die Angst und sagt: "Mit mir nicht!" In diesem Augenblick magst du die Angst gar nicht mehr und schiebst sie aus dem Weg, kämpfst mit ihr, ignorierst sie oder lässt sie gewinnen. Dann wird die Angst, die dich vor Gefahren schützt zu einem unüberwindlichen Hinderniss in deiner Weiterentwicklung.
Neben der Angst gibt es andere Gefühle, die ähnlich ambivalent, unwillkommen oder ungeliebt sind. Da gibt es die reiche Palette von Ärger bist Wut, den Ekel, die Traurigkeit. Ich kenne Menschen, die ganz viel Zeit und Kraft darauf verwenden, diesen Gefühlen möglichst keinen Raum zu geben. Sie lesen dann gerne Bücher über die Kraft des positiven Denkens oder ähnliche Literatur.
Kennst du das auch: Du fühlst dich mies und jemand fragt dich, wie es dir geht? Du sagst dann: "Danke, mir geht es gut!" Oder traust du dich zu sagen: "Mir geht es echt Scheiße!" Ich traue mich das nicht nicht! Ich gehöre zu den Berufsoptimisten! Ich schaffe das auch ganz gut, meine "negativen Gefühle" auszublenden. Das ist nicht wirklich gut!
Manchmal schaffe ich es aber auch, mein ganzes Team im Inneren willkommen zu heißen. Das fühlt sich dann sehr rund an, wenn ich zu meinen Gefühlen stehen kann. Willkommen Angst! Willkommen Ärger! Hallo Wut, du hast auch deinen Platz! Ich sage innerlich "JA!" Und wenn ich mich traue, auch den anderen gegenüber zu meinen Gefühlen zu stehen, fühlt sich das sehr frei an! Wenn die so genannten "negativen und belastenden Gefühle" dasein dürfen, verlieren sie ihre Macht. Sie müssen nicht mehr kämpfen und um Erlaubnis bitten. Sie "müssen" sich nicht mehr mit aller Macht bemerkbar machen. Sie haben ja die Erlaubnis, da sein zu dürfen. Im Innen wie im Außen. Und auch im sich Äußern!
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Dienstag, 21. April 2015

Die zweite der fünf Freiheiten nach Virginia Satir: Sprich aus was du fühlst und denkst!



Virginia Satir war eine wichtige systemische Familientherapeutin und lebte von 1916 - 1988. Sie hat wertvolle Impulse gesetzt für familäre Strukturen und sehr wertschätzend und ressourcenorientiert gedacht und gehandelt. Sehr bekannt geworden sind ihre "fünf Freiheiten", die ich gerne nach und nach erschließen möchte.

Die zweite Freiheit lautet:

Die Freiheit das auszusprechen, was ich wirklich fühle und denke, und nicht das, was von mir erwartet wird.

Was wird von dir erwartet? Von einer Mutter wird erwartet dass sie empört ist, wenn das eigene Kind ungerecht behandelt wird. Von einem Kind wird erwartet, dass es auf  seine Eltern hört.
Was wird von dir in einer Beziehung erwartet? "Wenn du mich wirklich liebst, dann wüsstest du jetzt wie es mir geht!" "Wenn ich wirklich wichtig für dich wäre, dann würdest du dich heute nicht mit deinen Freunden treffen sondern bei mir bleiben!"
Ich kenne solche Merkwürdigkeiten zur Genüge aus meiner Kindheit. Häufig hatte ich so Fragen und Sätze im Kopf wie: Wie sage ich es meiner Mutter? Wie sage ich es, wenn mir etwas kaputt gegangen ist? Mir ist einmal eine kostbare Tasse auf den Boden gefallen und sie ging dabei kaputt. Eigentlich war mir diese Tasse egal. Eine Tasse ist eine Tasse. Mir war nicht egal, dass meine Mutter vielleicht traurig war, aber die Tasse an sich fand ich nicht wichtig. Also musste ich überlegen wie ich mich denn jetzt gegenüber meiner Mutter verhalte. Was erwartet sie? Sie erwartet bestimmt, dass ich den Kopf senke, mich entschulde, drei Tage mit einem schlechten Gewissen herumlaufe, mich klein mache, mich nie wieder aufrichte usw. In meiner Phantasie malte ich mir aus, wie schlecht es jetzt meiner Mutter geht und was ich alles dazu beigetragen habe dass es ihr jetzt so schlecht geht. Ich war also immer damit beschäftigt, was meine Mutter erwartet, was ich jetzt fühlen müsste.
Ich erinnere mich an so einen Spruch von meinem Vater: "Du müsstest dich schämen!" Aber ich schämte mich nicht. Sich nicht zu schämen war also falsch! Für das, was ich getan hatte, musste ich mich schämen. Scham war das angemessene und richtige Gefühl.
So kann es kommen, dass du ständig mit der Frage beschäftigt bist, wie muss ich denken und fühlen, dass die anderen das als richtig empfinden. Irgendwann kenne ich meine eigenen, unmittelbaren und ursprünglichen Gefühle gar nicht mehr. Ich fühle und denke, was die anderen meinen, das ich fühlen und denken müsste. So wirst du zu einem Sklaven von fremden Gefühlen und Gedanken.
Ich las einmal von einer Frau, die mit einem ehemaligen Mönch zusammenlebte. Ihr Mann war kaum in der Lage eigene Bedürfnisse zu äußern. Das mönchische Leben hat ihn bedürfnislos gemacht. Das Leben war bestimmt durch die Klosterregeln und dem Gehorsam gegenüber dem Abt.
Jetzt stell dir vor, dass du eigene Gedanken und eigene Gefühle hast. Es sind deine! Nicht die deiner Eltern, deiner Freunde, deiner Familie oder deines Arbeitgebers. Es sind deine Gefühle! Sie gehören zu dir. Du darfst sie haben, deine Gedanken und deine Gefühle! Niemand kann sie dir absprechen. Niemand hat das Recht, sie zu bewerten. Und wenn, musst das nicht beachten. Du hast die Freiheit das auszusprechen was du wirklich selber fühlst und denkst. Das ist wichtig, damit du spürst, wo du stehst und wer du gerade bist.
Zugegeben! Es ist nicht immer leicht, die eigenen Gefühle auszusprechen. Möglicherweise wirst du dein Gegenüber enttäuschen. Dein Gegenüber hat etwas anderes erwartet. Aber zugleich ist es wichtig, dass dein Gegenüber auf ein wirkliches "Du" trifft und nicht auf eine "Eigenprojektion". Wenn den Gegenüber enttäuscht ist über deine Gedanken und Gefühle gibst du die Möglichkeit, dass dieser sich von seinen "Täuschungen" befreien kann. Du gibst ihm die Gelegenheit, dich wirklich kennenzulernen und wahrzunehmen, was du gerade fühlst und denkst.
Du hast die Freiheit auszusprechen was du denkst und fühlst! Die Freiheit, nicht den Zwang. Es heißt nicht, dass du das tun musst. Dann wäre das ein neuer Zwang. Du kannst es dir einfach mal überlegen ob das für dich eine Möglichkeit sein kann. Hin und wieder experimentierst du uns sprichst aus, was du wirklich denkst und fühlst. Du darfst, aber du musst nicht! Du hast die Freiheit!
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Montag, 20. April 2015

Die erste der fünf Freiheiten nach Virginia Satir: Was im Moment da ist!



Virginia Satir war eine wichtige systemische Familientherapeutin und lebte von 1916 - 1988. Sie hat wertvolle Impulse gesetzt für familäre Strukturen und sehr wertschätzend und ressourcenorientiert gedacht und gehandelt. Sehr bekannt geworden sind ihre "fünf Freiheiten", die ich gerne nach und nach erschließen möchte.

Die erste Freiheit lautet:

Die Freiheit zu sehen und zu hören was im Moment wirklich da ist, anstatt was sein sollte, gewesen ist oder erst sein wird. 

Mein Mann sollte mir besser zuhören können. Dann wäre das Leben viel schöner. Mein Kind sollte mehr aufräumen, dann wäre ich viel entspannter. Mein Arbeitgeber sollte sehen, was ich alles leiste, dann würde ich viel lieber arbeiten.
Oder: Früher war doch alles besser. Die Bahn war pünktlicher. Die Brötchen schmeckten frischer und waren günstiger. Die Milch kam noch von der Kuh. Ich war körperlich fit. Die Welt war einfach schöner. Die Leute hatten alle mehr Zeit.
Oder: Wenn ich in Rente gehe, dann werde ich mehr Zeit haben. Wenn meine Kinder groß sind, dann werde ich endlich tun können was ich immer schon tun wollte.
Du denkst oft mit den Worten: "sollte" du gehst in die "gute Vergangenheit" oder phantasierst dich in eine "bessere" Zukunft. Du machst das schon automatisch, ständig oder mehrmals am Tag. Du verlässt die Gegenwart und den Augenblick und merkst nicht, wie unfrei du dadurch wirst. Du wirst wie ein Sklave, der sich die Freiheit wünscht: Wenn ich erst einmal diese Fesseln los werde, dann wird alles anders! Pustekuchen!
Virginia Satir lädt dich ein zu einem ganz bestimmten Aspekt der Freiheit. Du entscheidest dich für das "sollte" "die tolle Vergangenheit", die "bessere Zukunft". Du trägst die Verantwortung dafür, wohin deine Phantasie, Sichtweise, dein Ohr und deine Gedanken gehen.
Und du hast die Freiheit, dich jetzt neu zu entscheiden! Du kannst dich dafür entscheiden und hast die Freiheit das zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist. Du musst dir nichts vormachen. Du brauchst nichts beschönigen. Du musst die die Zukunft nicht toll vordenken. Bekommt das, was ist, jetzt von dir die Erlaubnis dazusein?
Mein Mann kann nicht zuhören. Das ist so. Aber ich kann ihn immer wieder darauf hinweisen, dass er das jetzt in diesem Augenblick tun kann. Mein Kind ist kein Aufräumer. Das ist einfach so. Und mein Kind ist trotzdem in Ordnung. Die Welt wird nicht untergehen, wenn es nicht aufräumt und es bleibt mein Kind. Mein Arbeitgeber ist blind für die Leistungen der Angestellten. Das ist einfach so! Aber ich kann für mich würdigen, was ich leiste. Und ich leiste was! Und das fühlt sich stark an! Egal, ob es der Chef sieht oder nicht.
Ich warte nicht bis zur Rente, damit ich mehr Zeit habe. Jetzt in diesem Augenblick nehme ich mir die Zeit. Es ist meine Zeit, meine Lebenszeit. Heute schmecken mir die Brötchen und außerdem bin ich ein toller Bäcker. Und heute noch werde ich tun, was ich immer schon gerne tun wollte.

Spürst du wie es ist, wenn du ein Gespür für deine Freiheit wieder findest und entwickelst? Wenn du unerfüllten Sehnsüchten hinterherträumst kann es dich viel Kraft und Energie kosten und irgendwann bist du weg! Du bist nicht mehr da. Gedankenverloren schlürfst du deinen Kaffee und weißt gar nicht, was du getrunken hast. Was kannst du jetzt in diesem Moment hören und sehen?
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Samstag, 18. April 2015

Vom Reichtum der Armut

Papst Franziskus nimmt die Armut wieder in den Blick. Die gelebte Armut war immer ein wichtiger Aspekt in der Kirche. "Selig die Armen, denn Ihnen gehört das Himmelreich", sagt Jesus in der Bergpredigt. Wir sollen mit den Armen solidarisch sein.
Auf zwei Dinge möchte ich gerne hinweisen. Die Armut an sich ist eigentlich kein Ziel. Wir sind von Gott reich beschenkt. Wir dürfen im Reichtum seiner Schöpfung leben. Das Ziel heißt also eher, dass alle Menschen in Solidarität und Geschwisterlichkeit den Weg zum Reichtum und Teilen der Schöpfung finden. Der "Schöpfer" hat die Schöpfung überquellend angelegt und nicht sparsam oder arm!
Der zweite Hinweis verbirgt sich im Wort "Armut". Wortwörtlich steckt darin "Der Mut in den Armen." Die Arme sind die körperliche Verlängerung und Umsetzung des Herzens und des Herzraumes. Im Herzen entsteht der Mut. Dieser Mut wird von den Armen aufgenommen und in die Tat umgesetzt. Wahre "Armut" besteht also darin, beherzt und mutig den inneren Impulsen zu folgen und seine "Berufung" in die Tat umzusetzen. Die "Armen" haben den "Mut" und die Kraft verloren und brauchen vorübergehend Energie, Kraft und Liebe von außen durch unsere menschliche Solidarität. Das Ziel heißt jedoch  Hilfe zur Selbsthilfe.
Es wäre fatal, das "Arm sein" an sich zu glorifizieren. Auf bestimmter Ebene war Jesus auch nicht arm. Er hatte Freunde, er war in starker Liebe mit Gott verbunden, er lebte seine Berufung und hatte "Mut in den Armen", indem er mit seinen Händen und der Energie des Herzens heilen konnte. In diesem Sinne wünsche ich dir diese "Armut, die aus dem Herzen kommt."

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Freitag, 17. April 2015

Das fehlende Puzzleteilchen oder "Vom Umgang mit dem Haar in der Suppe"

Stell dir ein Puzzle vor mit tausend Teilen. Du gestaltest ein Bild mit einer Szene im sonnigen Süden. Es handelt sich um ein andalusisches weißes Dorf an einem blauen und weiten Meer. Im Hintergrund siehst du einen wunderbaren Sonnenuntergang. Du hast Mühe, die weißen Häuser auseinanderzuhalten. Es ist knifflig. Die Wasserelemente sehen alle gleich aus. Du fängst mit dem Rand an, denn du arbeitest ja mit System. Du hast die Teile farblich sortiert, damit du du deine Arbeit überschaubar machst. Deine lange Aufmerksamkeit  und Konzentration kommt langsam dem Ende entgegen. Du stellst dir in Gedanken vor, wie du mit Stolz und Freude auf das Gesamtbild schauen wirst. Es entsteht in deinem Inneren eine Atmosphäre von Urlaub, Frieden und Wohlbehagen. Du siehst dich schon selbst im Sommer an einen ähnlichen Ort. Es sind nur noch wenige Teile übrig. Dann kannst du die übrigen Teile schon zählen. Es sind nur noch fünf Puzzleteile übrig. Den Ort dafür zu finden ist ganz leicht, es geht wie von allein. Während der letzten drei Teile siehst du es deutlich vor dir. Da wird eine Lücke bleiben. Es fehlt ein Teil. Das Bild wird unvollständig. Du schaust in den Kasten. Der ist leer. Du schaust unter dem Tisch nach. Da befinden sich nur ein paar Brotkrümel vom Morgen. Du schaust unter dem Sofa. Vielleicht ist ja beim Auspacken vor einigen Tagen das fehlende Teil dorthin gefallen. Du schaust im Keller nach und die Ahnung in dir steigert sich zur Gewissheit. Das fehlende Teil ist für immer verloren. Es lässt sich nicht finden. Das Hochgefühl von vor einer Stunde sinkt auf einmal in den Keller. Nichts ist mehr von der Freude da. Du wirst nie wieder puzzlen. Du siehst den Abgrund. Die ganze Arbeit war umsonst. 
Und jezt lade ich dich ein, von diesem Traum aufzuwachen. Es war ein Traum, mehr nicht. Es ist nur ein Stückchen Pappe, mehr nicht. Du hast eine tolle Arbeit geleistet. Du kannst im Geiste das Puzzle ergänzen. Du kannst auch angemessen damit umgehen. Ein kleiner Seufer. Ach, wie schade! Aber was solls. 
Im Leben ist es auch manchmal so. Das fehlende Puzzleteilchen hat manchmal so viel Macht. Es kann stärker werden als alles, was wir als gelungen ansehen. Es wird zum Haar in der Suppe, zum fehlenden Sahnehäubchen und zum nicht vorhandene Tüpfelchen auf dem I. 
Geh doch mit dem fehlenden Puzzleteilchen im Leben mal kreativer um! Schlüpfe in deiner Phantasie durch die Lückie im Bild und schau, was sich dahinter verbirgt. Schließe deine Augen und stell dir vor, du bist mitten in deiner Traumlandschaft und das fehlende Puzzleteilchen ist der Schlüssel oder der Türöffner. 
Und wenn du immer noch traurig um das fehlende Teilchen bist, hast du die Möglichkeit, dich in deiner Trauer einzuüben. Das ist auch ganz wichtig. Trauer spüren, hineinatmen und annehmen.


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Donnerstag, 16. April 2015

Vom Großen des Kleinen


Damals kämpften die Israeliten gegen die übermächtigen Philister. Ein Zweikampf gegen Goliath sollte alles entscheiden. Jeder kennt die Geschichte, wie David den Goliath besiegte mit seiner Steinschleuder. Der Stein brachte die Wende. Wie wäre die Geschichte der Israeliten verlaufen ohne David und seine Steinschleuder? Der Stein wurde zum Zeichen und Symbol, der den Wandel brachte von Resignation zu Zuversicht und Hoffnung.
Ich habe festgestellt, dass viele Menschen im übertragenen Sinne auch "ihren" Wendestein im Leben erfuhren. Da kam der Brief mit der Zusage für eine lebenslange Berufsanstellung. Da gab es ein Erschrecken bei einem Beinahe- Unfall, das Wachwerden und die Dankbarkeit dafür, dass das Leben noch eine neue Chance gab. Da gibt es die Frau, die bei einer Party, zu der sie gar nicht gehen wollte, den Mann ihres Lebens fand. Da bekommt das Kind nach einer Kette von Misserfolgen in der Schule endlich einen Lehrer, der genau der richtige Begleiter ist.
Kannst du den "Wendestein" deines Lebens benennen? Gibt es vielleicht sogar mehrere davon?  Oder wartest du noch darauf? Wie kann ein solcher Stein in dein Leben kommen?
Ich glaube, dass diese Steine, die die Wende bringen, ständig in unserem Leben auftauchen. Wir erkennen sie nur oft nicht, weil wir nicht aufmerksam genug sind für die uns zugedachten Zeichen am Weg. So wünsche ich dir offene Augen und ein wachsames Herz für das Kleine und Unscheinbare, dass deinem Leben die positive Wendung gibt.

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Mittwoch, 15. April 2015

Mach es anders!

Wir lieben unsere festen Gewohnheiten. Die Tasse Kaffee am Morgen aus einer bestimmten Tasse. Die spezielle Sorte Brot mit der immer gleichen Menge an verteilter Butter. Die Uhrzeit, der Zeitraum, der Ort des Frühstücks. Die Art, die Autotür aufzuschließen und sich in sein Fahrzeug zu setzen. Die Uhr am linken Arm und den Kamm in der hinteren rechten Hosentasche. Den Lieblingsbäcker und das Lieblingskino, den Lieblingsitaliener und die Lieblingsdöner. Die Worte zur Begrüßung und die Worte zum Abschied. Die Art die Zähne zu putzen von links oben bis rechts oben außen, dann links unten bis rechts unten außen. Kaffee nie mit Zucker aber immer mit Milch, ein bestimmtes Quantum. Kleidung von einer bestimmten Marke in einer zum Typ passenden Farbe. Das Maß an Höflichkeit bis Freundlichkeit ja nach Grad der Bekanntschaft oder Freundschaft. Der Besuch bei den Eltern am ersten Weihnachtstag zum Kaffee. Abfahrt vor dem Abendessen. Das Gläschen französischen Rotwein zum Ausklang des Abends. Mit dem Po zuerst aufs Bett, dann das linke und dann das rechte Bein. Einlschafposition auf dem Bauch mit dem Kopf nach links gedreht. Der Winkel zwischen Kinn und Brust beträgt 68,5 °.
Sicherheit, Wohlfühleffekt, Stabilität, Zuverlässigkeit,...

Es kann jedoch sein, dass sich das manchmal wie schon gestorben anfühlt bevor du aufwachst!



Besuch deine Eltern mal nicht am ersten Weihnachtstag, sondern an Silvester oder am Valentinstag. Putz deine Zähne und trink deinen Kaffee mit der dir ungewohnten Hand. Wähle bewusst eine andere Einschlafposition. Fahre im Urlaub da hin, wo du eigentlich nie hinfahren würdest. Befreunde dich mit dem Italiener, von dem die Leute sagen, dass seine Pizza nicht schmeckt. Kaufe einen Markenpullover und schneide direkt nach dem Einkauf ein kleines Loch hinein. Zieh diesen Pullover an und beobachte, ob die Leute das merken. Entscheide dich, wenn du total pünktlich bist, wenigstens einen Tag in der Woche zum Unpünktlichkeitstag zu deklarieren. Na, welches ist DEIN Beitrag zum Wachwerden!


Mach es einfach mal anders! Beobachte dich dabei! Na, wie fühlt es sich an, wenn du aufgewacht bist?

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