Freitag, 28. Februar 2014

Männer unter sich: Rosen am Valentinstag

Am Valentinstag war ich bein Gärtner. Warum? Natürlich Blumen für die Liebste. Ein junge Mutter stand im Laden und schaute amüsiert zur Tür. Nach und nach kamen an diesem Abend immer mehr Männer in den Laden, alle von der Montage, nach Feierabend und im Blaumann.
Ungelenk und verlegen traten sie von einem Bein auf das andere. Die junge Mutter schaute immer amüsierter: "Na? Ist heute Valtentinstag? Gibt es Blumen für die Liebste?" Zur Gärtnerin: "Leider denken die Männer nur am Valtenistag daran. Ist ja eh nur Geschäftemacherei, der Valentinstag."
Betreten schauen die Herren der Schöpfung die Wand und den Boden an. Peinlich, einfach nur peinlich! Ja, die Frau hat Recht und zugleich taucht schon das nächste Problem auf: Welche Blumen bringe ich denn jetzt mit? Rote Rosen? Rote und langstielige Rosen? Oder doch eher einen unverfänglichen bunten Strauß nach Geschmack der Gärtnerin? Und dann steht man da auch noch nach Feierabend im Rudel mit den anderen Männern! Und das Straußbinden dauert! Man kann beim Straußkaufen nicht infach rein in den Laden und wieder raus, so wie beim Zigarettenkauf! Das müssen wir Männer jetzt aushalten.
Ich war der Erste in der Reihe der Männer, ohne Blaumann. Ich wurde zügig bedient und ließ die Schlange der Wartenden hinter mir.
Irgendwie erinnerte mich diese Szene an diese Werbung mit den Kondomen an der Supermarktkasse. Für so manchen Mann ist der Kauf von Rosen ähnlich peinlich wie der Kauf von Kondomen. Der gefühlte Unterschied ist nur gering.
"Heiliger Valentin, steh uns ungelenken Männern bei, dass wir mit erhobenem Haupt einen wunderbaren Rosenstrauß kaufen und stolz damit durch die ganze Stadt laufen, um die Blumen an den Ort der Bestimmung zu bringen."

Donnerstag, 27. Februar 2014

Valendienstag

Nein, es handelt sich nicht um einen Schreibfehler. Ich meine wirklich Valendienstag mit D. Wie komme ich zu diesem Wort?
Eine Freundin erzählte mir von einer rührenden Begegnung. Sie ist in der häuslichen Krankenpflege tätig und hat an einem Dienstag im Februar von einem alten Herren eine Schachtel Pralinen geschenkt bekommen. Verwundert und sprachlos schaut sie ihn an. "Womit habe ich das verdient?" "Ich habe keinen Geburtstag! Ist heute was besonderes?" Der alte Herr macht meine Freundin darauf aufmerksam, dass heute Valendienstag sei. Tatsächlich verschenkte er seine Pralinen an einem Dienstag. Gemeint hatte er den Valentinstag mit T. Verstanden hatte er bislang, dass man Frauen an einem Dienstag, eben dem Valen - Dienstag mit Blumen oder Pralinen beschenkt.
Eine wunderbare Verwechslung. Das wäre doch eine prima Idee, die die Welt bereichern würde. Jeder Dienstag ist ein ValenDienstag. Ein Tag reserviert für die Liebe! Der Liebe tut es gut, an eine wichtige Stelle gesetzt zu werden. Im Gedenken an den heiligen Valentin erheben wir den Dienstag zum Valen-Dienstag. Wir stellen uns in den "Dienst" der Liebe!


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Mittwoch, 26. Februar 2014

Die Kraft der kleinen Dinge


Damals kämpften die Israeliten gegen die übermächtigen Philister. Ein Zweikampf gegen Goliath sollte alles entscheiden. Jeder kennt die Geschichte, wie David den Goliath besiegte mit seiner Steinschleuder. Der Stein brachte die Wende. Wie wäre die Geschichte der Israeliten verlaufen ohne David und seine Steinschleuder? Der Stein wurde zum Zeichen und Symbol, der den Wandel brachte von Resignation zu Zuversicht und Hoffnung.
Ich habe festgestellt, dass viele Menschen im übertragenen Sinne auch "ihren" Wendestein im Leben erfuhren. Da kam der Brief mit der Zusage für eine lebenslange Berufsanstellung. Da gab es ein Erschrecken bei einem Beinahe- Unfall, das Wachwerden und die Dankbarkeit dafür, dass das Leben noch eine neue Chance gab. Da gibt es die Frau, die bei einer Party, zu der sie gar nicht gehen wollte, den Mann ihres Lebens fand. Da bekommt das Kind nach einer Kette von Misserfolgen in der Schule endlich einen Lehrer, der genau der richtige Begleiter ist.
Kannst du den "Wendestein" deines Lebens benennen? Gibt es vielleicht sogar mehrere davon?  Oder wartest du noch darauf? Wie kann ein solcher Stein in dein Leben kommen?
Ich glaube, dass diese Steine, die die Wende bringen, ständig in unserem Leben auftauchen. Wir erkennen sie nur oft nicht, weil wir nicht aufmerksam genug sind für die uns zugedachten Zeichen am Weg. So wünsche ich dir offene Augen und ein wachsames Herz für das Kleine und Unscheinbare, dass deinem Leben die positive Wendung gibt.

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Montag, 24. Februar 2014

Mehr Schein als Sein


Auf dem Bahnsteig steht auf einer blauben Hinweistafel "Fahrgastinformation". Darunter in einer Laufschrift die Angabe der Uhrzeit. Ich bin irritiert und weiß nicht wieso. Früher stand auf solchen Tafeln einfach nur: Information. Der Fahrgast trat gar nicht in Erscheinung. Als Fahrgast wusste ich ja, dass diese Informationen für mich gedacht sind. Jetzt lese ich es auch noch weiß auf blau: Das sind Informationen für mich, den Fahrgast.
Dann lese ich die Information: Sie beschränkt sich auf die Angabe der Uhrzeit. Ich erfahre also nicht, wann der Zug jetzt genau kommt, ob es für mich einen freien Platz gibt und ob der Zug pünktlich sein Ziel erreicht. Die Informationen sind also eher spärlich. Aber ich bin gemeint, ich der Fahrgast. Es gibt Informationen für mich. Oder geht es gar nicht um Informationen, sondern eher um den Service, eine Fahrgastinformationstafel anzubieten?
Das ist die Irritation! Die Bahn bietet mir als Kunden eine Fahrgastinformationstafel an! Wie wunderbar, das hat mir beim Reisen noch gefehlt! Jetzt stehe ich auf einem verwaisten Bahnsteig, ich kann keinen Beamten oder Schaffner sehen, den ich etwas fragen kann. Es gibt auch keinen Schalter, lediglich einen "Fahrgastautomaten". Aber ich habe eine Informationstafel. Danke für den Service!
Die Taktik ist interessant für das Leben. Wenn du etwas nicht hast, dann kannst du aber dieses, was du nicht hast, werbewirksam inszenieren. So versteckst du dein "Nichthaben", den Mangel. Wenn du Hunger hast, dann hältst du eine Tafel hoch, dass du an sich Pizza toll findest! (Du verschweigst deinen Hunger) Wenn du Arzt bist, dann hängst du ein Schild auf, wo der Patient lesen kann: "Hier schüttelt der Arzt noch persönlich Ihre Hand." (Er verschweigt, dass er aus Zeitgründen nicht mehr für dich tun kann.) Webinare versprechen ein wunderbares Geschenk mit ganz tiefen Erkenntnissen, wenn du einen Button drückst und deine Mailanschrift verrätst. (Das Geschenk entpuppt sich dann als die aufgewärmte Brühe von dem, was du eh schon wusstest.) Deine Seite bei facebook erzählt dir, dass du irrsinnig viele Freunde hast. (Was du dir verschweigst ist, dass du vielleicht nur mit zweien davon redest."
So wird eine "Fahrgastinformation" beim näheren Hinsehen zu dem, was es in Wirklichkeit ist. Ein relativ nutzloses Teil, das immerhin noch den Bahnsteig verziert aber dir kaum Informationen gibt.

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Sonntag, 23. Februar 2014

Die Kraft der Stille


Das wünschen sich viele Menschen vor allem am Wochenende nach einer anstrengenden und nervenaufreibenden Woche.  Zeit und Ruhe, in sich gehen, mal ein gutes Buch lesen, gemütlich beim Kerzenlicht sitzen, ein gutes Gespräch mit einem lieben Freund, ein besinnliches Konzert besuchen und die Seele baumeln lassen.
Das ist jedoch die Realität am Wochenende: Nachholen, was liegen geblieben ist; den Großeinkauf machen; Verwandte besuchen; den Garten bearbeiten und vieles mehr. Eigentlich wie immer: ein voller Terminkalender.

Ein ägyptisches Wort sagt: Wer sich abhetzt, wird nie Vollkommenheit erlangen. Dazu gehören Ruhe und Stille.

Die meisten Menschen werden es nicht verhindern können, den einen oder anderen auch schönen Termin zusätzlich zu haben. Aber du kannst alle Dinge etwas gelassener angehen und entgegennehmen. Du lässt dich in deiner Arbeit nicht antreiben vom inneren Unruhestifter. Du nimmst dir vor, vollkommener zu werden in einer ganz speziellen Weise. Vollkommener zu sein in deiner Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die du nicht ändern kannst. Vollkommener zu werden, barmherzig mit deiner Unfähigkeit umzugehen, deine Termine gut zu koordinieren. Vollkommener zu werden, all deine Unzulänglichkeiten zu akzeptieren und dabei der glücklichste Mensch der Welt zu sein. Ich wünsche dir einen gesegneten Tag.

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Samstag, 22. Februar 2014

Die Kunst der heilsamen Unterbrechung






Wenn du am Morgen deine Beine aus dem Bett hebst bleib für einen Moment auf der Bettkante sitzen und besinne dich: Was wünsche ich mir für den heutigen Tag?

Wenn du beim Frühstück in dein Brot beißt, mach eine kurze Pause. Was esse ich hier eigentlich?
Wenn du unterwegs bist, mach eine kurze Pause. Lass die Welt für einen Augenblick still stehen. Wenn du die Zeitung liest, mache beim Lesen eine kurze Pause. "Was habe ich da gerade gelesen?" Wenn du mit jemanden sprichst unterbrich deine eigene Rede und mache eine kurze Pause.
Mit jeder Unterbrechung wirst du dir deiner selbst gewahr. Du steigst aus aus dem Alltagsgeschäft und spürst dich selbst.
Wenn du anfängst wahrzunehmen kommst du in den Genuss des Hier und Jetzt
Ich wünsche dir den Genuss des Augenblicks, wo du dich unterbrichst um dir zu begegnen.

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Freitag, 21. Februar 2014

Wenn die Zeit still steht


Während meiner Zeit als Pfarrer kam es zu folgender Situation. Meine Schwester besuchte mit ihren damals noch zwei kleinen Töchtern meinen Gottesdienst. Sie hatte sich vorher nicht angekündigt. Somit wusste ich nichts von ihren Plänen. 
Ich stand mit meinem Mikrofon und predigte frei mitten im Kirchenraum. Plötzlich nehme ich zwei kleine Kinder wahr, die vor mir stehen. Mit offenem Mund schauen die Zwei mich staunend an. Ich schaue sie an, sie schauen mich an. Ich breche meine Predigt ab und bin nur aufmerksam für diesen Augenblick. Ich nehme das Staunen der Mädchen wahr. Ich staune selbst. Was machen die denn hier, mitten im Gang? Alle Leute schauen gebannt hin. Warum hört der auf zu predigen? Wer sind die beiden Kinder, die den Pfarrer anstarren? Für einen Augenblick gab es keine Bewegung im Raum. Die Uhr stand still. Nur Staunen und Aufmerksamkeit. Und dann? Freude, große Freude! Ich begrüße die beiden Mädchen und erkläre der Gemeinde, wer sie sind. Der Bann allerdings ist gebrochen. Der Gottesdienst geht weiter. 
Da gibt es solche Momente, die sind jenseits von Raum und Zeit. Reine Präsenz, völliges Hier und Jetzt. Solche Erfahrungen ereignen sich einfach. Sie sind ein Geschenk und machen etwas deutlich. Das Leben ist nicht planbar. Es ist immer überraschend und überraschend anders. 

Donnerstag, 20. Februar 2014

Im flow!


Heute Morgen machte ich eine interessante Erfahrung. Frische Brötchen sollten auf den Tisch. Alle Zutaten für die Brötchen kamen um 6.00 Uhr in den Brotautomaten. Eigentlich wollte ich ja ausschlafen bis .... Aber die Entscheidung, um 6.00 Uhr den Brotautomaten anzustellen, hatte Folgen. Jetzt war ich doch wach und konnte die Zeit nutzen. Die Betten abziehen und mal eben in die Waschmaschine tun. Heute soll die Sonne scheinen und die Bettwäsche wird am Nachmittag trocken sein. Mal eben so nebenbei einen Kartoffelsalat machen für den Ausflug und den Müll leeren. Frühstück vorbereiten und so dieses und das noch machen. Jetzt ist es 9.47 Uhr und ich habe das Gefühl, schon ein ganzes Tagewerk vollbracht zu haben. Alles nur, weil ich mich entschied, um 6.00 Uhr den Brotautomaten für den Hefeteig anzustellen. Alles Folgende war nicht geplant.

Fazit: Beginne mit irgendetwas, das dir Freude bereitet. Einmal in dieser Energie kannst du einfach viele Dinge für den Tag mitnehmen.

Übrigens: die Brötchen waren köstlich. Das Rezept: 500g Mehl (bei mir Dinkel), ein Päckchen Trockenhefe, zwei Teelöffel Zucker, 1Teelöffel Salz, 75 g Butter, 250 g Sahne, ein Eigelb. Alles in die Maschine. Anschließend den Teig "veredeln" mit 100g getrockneten und klein geschnittenen Aprikosen und drei Esslöffel gehackte Walnüsse. Alles bei 200 Grad für 20-25 Minuten in den Ofen.


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Mittwoch, 19. Februar 2014

Die Macht ist mit dir!


Gestern sah ich einen Jungen auf der Straße. Er spielte Fußball und trug ein Trikot mit der Aufschrift: Neuer (die Nummer 1). Das Hemd war zwar reichlich groß, aber er trug es mit sichtbarem Stolz. Dieser kleine Junge ist auch eine Nr. 1! Das Bild erinnerte mich an Gespräche mit Kindern über die Reliquien von Heiligen. In den Altar einer Kirche werden Knochen eingelassen in der Hoffnung, dass etwas von der Qualität des dazugehörigen Heiligen sich auf die Gemeinde überträgt. Der Mensch, der dann den Altar berührt erfährt möglicherweise Stärkung und Heilung. Er geht gebäugt in die Kirche hinein und geht aufrecht wieder heraus. Was früher die Reliquienknochen waren, sind heute die Trikots von Fußballspielern. Die Jungen haben mir immer wieder bestätigt, dass man im Trikot von Manuel Neuer sich zehn Zentimeter größer und erheblich stärker fühlt.
Wenn die Medizin immer mehr über die positive Heilkraft mit Hilfe des Placebo Effektes spricht, dann ist das aus Sicht der Religion ein alter Hut. Spirituelle Menschen haben schon immer gewusst, dass in uns Menschen geheimnisvolle Kräfte wirken, die wir positiv beeinflussen und mitgestalten können. Früher hießen die Hilfsmittel Knochen, Fahnen, Steine, Weihrauch, Gewänder und Kerzen und heute sind es Trikots und Fanartikel. Die Idee dahinter ist der Wunsch nach einem Zuwachs von Energie und Stärke. Letztlich werden da unsere Selbstheilungskräfte aktiviert. In jeder Lebenssituation kannst du spüren: Deine Ressourcen sind größer als du denkst!

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Dienstag, 18. Februar 2014

Weite dein Herz und deinen Raum

Beim Spaziergang am Sonntag sah ich zwei türkische Frauen mit langem Kleid und Kopftuch auf einer geraden und langgezogenen Landstraße. Sie brachten sich gegenseitig das Radfahren bei. Eine Frau saß auf dem Rad, die andere hielt und sorgte für Stabilität. Um zu dieser Straße zu kommen mussten sie dahin laufen und das Fahrrad schieben. Schon bald werden sie nicht mehr schieben, sondern gemeinsam fahren und ihren Lebensraum ausweiten.
Ich stelle mir vor, dass die beiden Frauen in der Regel zu Fuß unterwegs sind. Wie weit kann man am Tag laufen, wie groß mag der Radius um das eigene Haus sein? Auf einmal gibt es die Möglichkeit, mit dem Rad einkaufen zu fahren. Neue Geschäfte in anderen Stadtteilen, einen anderen Friseur ausprobieren, die Welt erforschen, den Raum weiten.
Wir fangen als Baby in unserer Wiege an und entdecken die Rapppeln, das Kuscheltier und die Schmusedecken. Wir fangen an zu krabbeln und entdecken die Gegenstände im Umkreis des Fußbodens. Wir fangen an zu laufen und erobern das Haus und die Nachbarschaft. Vom Spüren der Haut als die erste körperliche Grenze erweitern wir ständig unseren Raum und machen neue Erfahrungen. Das ist doch ein wunderbares Geschenk. Schon der Psalmbeter erfuhr dieses Phänomen mit den Worten: "Du stellst meine Füße auf weiten Raum." (Ps 31,9)
Ich lernte Radfahren mit drei Jahren. Die zwei türkischen Frauen vielleicht mit über vierzig. Sie zeigen mir, dass es nie zu spät ist, mit etwas Neuem zu beginnen. Den weiten Raum zu erkunden und zu erleben ist einfach zu verlockend. Da warten Wunder und Welten auf dich. Die Erlebnisse erweitern dein Bewusstsein und lassen dich immer wieder staunen. Und Staunen ist der Anfang von Religion. Die Weite des Raumes weitet auch dein Herz. Ich wünsche dir Neugier und den Mut der beiden türkischen Frauen, immer wieder neue Wagnisse einzugehen.

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Montag, 17. Februar 2014

Weisheit mit Fruchtgummi

Ich hatte Gäste da  zum Essen. Danach öffnete ich eine große Tüte Haribo - Colorrado und meine Gäste griffen tüchtig zu. Die meisten wählten gezielt aus. Nicht jedem schmeckte alles. Ich beobachtete daraufhin gezielt, wer was nahm. Dann schaute ich Maria an und sagte zu ihr: du bist der Lakritzetyp. Volker war der Karamellmann, Susanne die Himbeere, Solveigh für die Kokosteilchen und ich für die Lakritzfruchtgummidrachen?
Wir stellten miteinander fest: Colorado ist irgendwie genial. Jeder findet sein Lieblingsteilchen in dieser Tüte. Jeder hofft, dass der Andere etwas anderes als man selber mag. Das Fischen im Schlälchen macht Spass. Der Jagdinstinkt wird befriedigt. Rundum zufriedene Gesichter. So einfach geht das. Jeder Jeck ist eben anders, auch bei Konfekt.
Noch etwas war zu beobachten. In der Schale blieben die Schaumzuckerhütchen liegen. Wir schauten uns gegenseitig an. Maria meinte zu wissen, dass Die immer liegen bleiben. Volker erinnerte sich allerdings schwach an eine Schaumzuckerliebhaberin. Da bieten sich auf einmal Vergleicht an zum menschlichen Leben. Es gibt die beliebten Menschen in der ersten Reihe und die ewig abwartenden Mauerblümchen. Die müssen manchmal ein wenig Geduld haben, bis ihr Liebhaber kommt. Allen Bewohnern der Haribo-Colorradotüte wünsche ich auf jeden Fall immer einen Platz bei irgendeinem Liebhaber oder Liebhaberin.

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Sonntag, 16. Februar 2014

Dem Geld die Macht entziehen

Ich wollte es wissen. Wie mächtig ist das Geld. Wie mächtig ganz konkret ist ein Zehneuroschein! Und, wie mächtig ist er?
Im Evangelium wird Jesus einmal auf die Probe gestellt. Muss man dem Kaiser Steuern bezahlen? Er antwortet: Gib dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört. Der Denar mit dem Bild des Kaisers mag dem Kaiser gehören. Aber wem gehört dein Herz?
Also, ich wollte es wissen. Im Gottesdienst nahm ich einen Zehneuroschein und gab einem Gottesdienstteilnehmer ein Streichholz. Dieser durfte meinen Geldschein verbrennen. Was denkst du, wie er reagierte? "Das ist doch nicht Ihr Ernst, oder?" fragte er. Aber es war mein Ernst. Ich drückte ihm erneut das Streichholz in die Hand. "Ich kann es nicht!" bekannte er. Trotz bitten, trotz ausdrücklicher Erlaubnis konnte er es nicht. So mächtig ist ein Geldschein!
Also gab ich ihm den Geldschein und ich zündete ihn mit meinem Streichholz an. "Noch können Sie es löschen, noch ist der Geldschein gültig!"
Ein Raunen und eine Schockwelle durchzog das Kirchneschiff. Hinterher gab es viele Kommentare. Vom Geld für die Armen und der Strafbarkeit meiner Handlung bis hin zu tiefer innerer Erschütterung über die Macht des Geldes gingen die Reaktionen.
Und, wie mächtig ist für dich das Geld? Kannst du es einfach verschenken, dieses Stück Papier? Probier es doch einfach mal aus!

Das Geld hat keine Macht. Es handelt sich nur um ein Stück Papier. Es ist nicht mehr und nicht weniger. Es erhält seine Macht dadurch, dass du dem Geld diese Macht gibst. Entziehst du ihm die Aufmerksamkeit, zeigt es sich lediglich als ein Stück Papier. Wenn du mit diesem Stück Papier ein Auto verbindest, einen Urlaub, eine eigene Villa oder ein Leben im Wohlstand, dann geht es dir um das Auto und den Urlaub, nicht um das Geld selbst. 
Richte deine Aufmerksamkeit also nicht auf das Geld, sondern auf das Auto oder den Urlaub. Muss es denn dein Auto sein? Das Geld hat keine Macht. Du hast die Macht! Du entscheidest selber, wem und was du Macht gibst! Das meint auch Jesus. Er sagt sinngemäß: Gib der Liebe die Macht. Gib die Macht der göttlichen Energie in und außerhalb deiner Selbst. Probier es aus und nimm wahr, was dann mit dir geschieht. 
Wahrnehmung: Wieviel Aufmerksamkeit und Energie gibst du dem Geld, wieviel der Liebe? Sei ehrlich und entscheide dich möglicherweise neu!

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Samstag, 15. Februar 2014

Ich habe dich im Blick

Ich bin eingeladen und bringe meine Freundin mit. Sie kennt niemanden von den anderen Gästen. Das ist eine große Herausforderung. Manchmal bist du in Situationen gestellt, die ein großes Vertrauen von dir verlangen. Wenn alle und alles unbekannt ist verschwinden die Sicherheiten. Normalerweise gehst du auf ein Fest und suchst die sicheren Kreise, also die Menschen, mit denen du vertraut bist. Von dieser Sicherheitszone kannst du erwägen, ob du sie hin und wieder verlässt, um deinen Horizont zu erweitern. Doch wo gehst du hin bei einer Party, wenn du wirklich niemanden kennst? Hältst du dich an deinem Glas fest? Suchst du dir eine sichere Ecke, damit du die Übersicht nicht verlierst?
Du kennst wenigstens den Menschen, mit dem du aufgebrochen bist. Du kannst ihn bitten: "Hast du mich im Blick?" Du hörst die Bestätigung: "Ja, ich habe dich im Blick!" Das finde ich ein wunderschönes Wort: "Jemanden im Blick haben." Ich achte auf sein Wohlergehen. Ich fühle mich ein. Ich verbinde mich. Ich schenke ihm meine Aufmerksamkeit. Zugleich bedränge ich nicht. Ich schaue immer wieder mal, so ganz nebenbei.
Mir gefällt es auch, wenn mich jemand in den Blick nimmt. Dann fühle ich mich gesehen und bekomme eine Bestätigung. Im Restaurant gefällt es mir auch, wenn der Kellner mich im Blick hat, nicht aufdringlich, sondern mit Zurückhaltung und dennoch klar.
Ins Visier genommen werden möchte ich dagegen nicht. Da fahre ich meine Stacheln aus und gehe in Abwehrhaltung. Ich setze mein Visier auf und gebe gut darauf acht, dass mir nichts geschieht. Es ist schön, wenn irgendjemand auf der Welt die im Blick hat!

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Freitag, 14. Februar 2014

Der Gruß zum Valentinstag!



Valentinstag: viel mehr als nur Kommerz!
Die historischen Fakten um den heiligen Valentin sind äußerst dürftig. Zugleich ist Valentin dennoch der Namensgeber für das Fest der Liebe. Ein näheres Hinschauen lohnt sich also. Bis in das Jahr 1972 hinein existierte noch ein heiliger Valentin am 14. Februar im Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet. Dann wurde er einfach aus dem Kalender gestrichen, weil er sich historisch nicht wirklich nachweisen lässt. Aber die Legende erzählt doch einiges mehr und macht deutlich, warum der Valentinstag zum Valentinstag geworden ist.
So wird erzählt, dass dieser Heilige im dritten Jahrhundert nach Christus Bischof im italienischen Terni war. Er traute Paare im christlichen Ritus, oftmals heimlich und verbotenerweise. So versorgte er mit seinen Diensten unter anderem Soldaten, die nach kaiserlichem Befehl gar nicht heiraten durften. Diesen frisch verheirateten Paaren schenkte er mit Freude Blumen aus seinem Garten. Er war ein beliebter „Zeremonienmeister“, weil er den Ruf hatte als Glücksbote für eine gelingende Partnerschaft. Unter dem Kaiser Claudius starb er am 14. Februar 269 den Märtyrertod. Begraben ist er im bayrischen Krumbach.
„Zufällig“ geht sein Gedenktag einher mit dem römischen Fest „Lupercalia“. Dieses Fest war der Göttin Juno geweiht. Juno wiederum ist die Schutzpatronin der Ehe. Der 14. Februar war für die römischen unverheirateten Frauen ein beliebter Tag, um sich im Tempel ein Orakel für die Geschicke in der Liebe weissagen zu lassen. Die jungen Männer durften an diesem Tag Lose ziehen mit den Namen der noch nicht verheirateten Frauen. Die ausgelosten Paare verbrachten dann den Tag miteinander in der Hoffnung, dass daraus eine Partnerschaft entstehen könnte.
Der christliche Weg besteht ja oft darin, einen „heidnischen“ Brauch christlich zu übernehmen. Man kann wohl davon ausgehen, dass dieser „Junotag“ bei den jungen Menschen in Rom äußerst beliebt und aus der Sicht der Kirche äußerst unmoralisch war. So wandelte man dann die Göttin „Juno“ in den heiligen „Valentin“, so dass der Weg der Liebe in eine geordnete Bahn gehen konnte. Ein kleines Augenzwinkern ist an dieser Stelle durchaus angebracht.
Die verheirateten Männer schenkten ihren Frauen an diesem Tag Blumen. Das kommt einem doch vom Valentinstag allzu bekannt vor. Unser Blumenschenken geht also auf das alte Rom zurück und ein wenig auch auf den heiligen Valentin.
Interessant ist daneben auch noch der Weg, den der Valentinstag genommen hat. Viele Jahrhunderte nach Valentin und „Juno“ geschah nur wenig, aber seit dem 15. Jahrhundert werden uns  Valentinsbräuche aus England überliefert mit der Kombination „Geschenke und Gedichte“. Brief- und Blumenbrauchtum (Valenines)  wanderte von England mit den Auswanderern in die Neue Welt und kam von dort nach dem zweiten Weltkrieg mit den US Soldaten, die hier bei uns stationiert waren, wieder zu uns.  Im Laufe der Jahre wuchs das Brauchtum unaufhaltsam: Blumen, Schokoladen und eine ganze „Valentinswelt“ beleben heute diesen Tag. Da tut es gut, sich mal wieder der Wurzeln zu besinnen. Valentin ist also alles andere als eine Neuerfindung. Die Wurzeln reichen weit zurück. Ob christlich oder römisch: eigentlich zählt immer noch, wie Paare zueinander finden. Danke, Valentin! Du hast deine Sache gut gemacht!


Donnerstag, 13. Februar 2014

Hast du schon gehört...

Wenn dich jemand mit diesem Satz anspricht, dann werde aufmerksam. Mit diesem Satz beginnt der Klatsch und Tratsch und Gerüchte werden in die Welt gesetzt. Klatsch und Tratsch sind der Name für zwei Personen, die fortlaufend miteinander im Gespräch sind.
Klatsch und Tratsch existieren unabhängig von dir. Sie gleichen Geistern, die sich ständig neue Opfer suchen. Sie haften sich an Personen an, die empfänglich dafür sind. Klatsch und Tratsch können ihre Opfer riechen.
Bist du Klatsch und Tratsch gefährdet? Spürst du manmal, wie sich diese Energien dir nähern und versuchen, von dir Besitz zu ergreifen? Hier findest du einige Hinweise für deine Gefährdungspotential. Der Einfachheit halber taufe ich dieses Phänomen "Klatra"

Empfindest du dein Leben als langweilig und eintönig? Gibt es wenig Abwechslung und deine Bedürfnisse nach neuen Erfahrungen werden nicht erfüllt? "Klatra" liebt dein inneres Brachland und pflanzt sich mitten in deinem Herzen ein.

Fühlst du dich vernachlässigt oder sogar nicht beachtet von deiner Familie? Wirst du zu wenig angesprochen und mit einbezogen in wichtige familiären Angelegenheiten? "Klatra" gibt dir die Bedeutung, die du dir wünscht. "Klatra" setzt dich an die erste Stelle und macht dich zu einem König und einer Königin!

Verdienst du zu wenig Geld? Hättest du gerne eine besser bezahlte Stellung? Vergleichst du dein Bankkonto mit dem anderer Menschen? Ist dir das Gefühl von Neid vertraut? "Klatra" liebt den Neid und kennt genau die Einfalltore für dieses Gefühl in deinem Kopf und in deiner Seele. "Klatra" macht sich bemerkbar mit Flüstersätzen genau mitten ins Ohr wie: "Du hast besseres verdient!" "Die oder der ist ein Betrüger!" "Der gehört ins Gefängnis!"

Bist du unzufrieden mit deinem Körper? Zu dick oder zu dünn und die zu vielen Kilo auch noch an der falschen Stelle? "Klatra" mag es besonders, wenn in einer Zeitschrift ein Promi abgeschmiert wird. Da säuselt wieder die Stimme in deinem Ohr: "Schau an, so gehts, wenn man die Nase so hoch hält! Ich habe das schon lange geahnt oder vorhergesehen..."

Kennst du das Gefühl von innerer Leere? Du befindest dich in einer seelischen Wüste? Zugleich möchtest du gerne ein Teil einer Gemeinschaft sein? Auch mit diesem Zustand ist "Klatra" sehr vertraut. Immer, wenn du folgenden Satz hörst, sei wachsam. "Das muss ich gleich ... erzählen!" Der Wunsch der Weitergabe ist die Energiequelle von "Klatra". Wenn du nichts weitergibst bedeutet das den der Tod von "Klatra".

Du bemerkst an dieser Stelle vielleicht eine gewisse Scheu und Besonderheit in meinen Gedanken. Ich habe "Klatra" bislang keinem Geschlecht zugeorndet. "Klatra" ist ja eigentlich die Zusammensetzung von "der Klatsch" und "der Tratsch".  Du könntest eine geballte Verdoppelung von Männlichkeit darin vermuten. Ich denke, "Klatra" ist sowohl männlich als auch weiblich oder weder/noch und sowohl/als auch. "Klatra" tarnt sich. Das ist wieder so eine Spezialität. "Klatra" passt sich dem Geschlecht wie ein Chamäleon an.

Wie hältsst du dir "Klatra" vom Leib? Entwickel ein gutes Verhältnis zu deiner Persönlichkeit. Pflege freundliche Kontakte zu dir selbst, zu deinen Freunden und zu allen Geschöpfen. Sei zufrieden mit deinem Leben und vertraue in einer Krise auf eine positive Wendung.
Hat "Klatra" einmal Besitz von dir ergriffen, wirst du diese Energie nur schwer los. Wie bei einer Sucht braucht es da eine klare Strategie. Meide jede Situation, in der Klatsch und Tratsch auftreten könnten. Und wenn du hörst, dass schlecht über jemanden gesprochen wird, dann lobe ihn in den höchsten Tönen. Du schaffst dadurch ein gutes Gegengewicht zu den negativen Energien im Raum. Vor allem sei wachsam wenn du hörst: Hast du schon gehört ...

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Mittwoch, 12. Februar 2014

Have a break!

Komm mir nicht in die Quere! Daran musste ich denken, als ich mit dem Fahrrad unterwegs war und eine Angestellte vor ihrer Apotheke den Fahrradweg fegte. Schon hatte ich das Bild in mir, wie der Besenstiel zwischen meine Felgen gerät und ich über den Lenker stürzte. Zum Glück war ich nicht so schnell unterwegs. Es bestand keine Gefahr. Ich konnte rechtzeitig bremsen und die Fegerin hat mich bemerkt.
Wenn dir jemand in die Quere kommt, musst du deinen Weg unterbrechen. Du hältst für einen Augenblick an. Du denkst, dass du es eigentlich jetzt in diesem Augenblick gar nicht gebrauchen könntest. Du willst deinen Plan umsetzen und bist voller Tatendrang. Du möchtest nicht ausgebremst werden und dein Ziel erreichen. Du empfindest es als schädlich, wenn sich dir jemand einfach in den Weg stellt.
Dennoch ist es wichtig, ab und zu unterbrochen zu werden. Manche reden ohne Punkt und Komma. Wenn du solche Leute nicht stoppst, hast du keine Chance. Manchmal verfolgst du ein Ziel und erst im Anhalten stellt sich heraus, dass das Ziel gar nicht so wichtig ist für dich.
An dem Tag, als sich die Apothekerin mir in den Weg stellte mit ihrem Besen, stellte ich an meinem Ziel fest, dass ich meinen Fahrradschlüssel vergessen hatte. Aha, dachte ich, so funktioniert das Leben. Ich hätte vor der Apotheke zur Besinnung kommen können. Fahr nach Hause und hol deinen Fahrradschlüssel! Hab ich nicht gemacht.
Häufig kommen Menschen zu mir mit einer Energie, die heute mit burn-out bezeichnet wird - eine vom eigenen System verordnete innere Zwangspause. Manchmal kommen wir uns selbst in die Quere und bremsen uns aus. Da ist es gut, die Signale nicht zu übersehen. Sei jederzeit aufmerksam für das, was im Hier und Jetzt geschieht! Wenn dir jemand in die Quere kommt, dann danke ihm für das Geschenk der Unterbrechung. Wahrscheinlich war das Signal wirklich für dich gedacht, jetzt in diesem Augenblick. Die Unterbrechung lädt dich ein, nach innen zu gehen und zu überprüfen, ob du noch auf dem Weg bist, der für dich förderlich ist. Jesus sagt in der Bibel dazu: Kehr um!

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Dienstag, 11. Februar 2014

Vier Schritte zum helfenden Gespräch nach David Servan-Schreiber

Dir begegnet ein Mensch, der etwas aufreibendes erlebt hat und du möchtest gerne beistehen und helfen. Wie machst du das? 

Bei David Servan-Schreiber lese ich im Buch "Die Neue Medizin der Emotionen" einen hilfreichen Text, wenn jemand zu dir kommt mit einem stressauslösenden Erlebnis. Um sich die Schritte zu merken, nennt er sie "Else". Du beginnst mit der Frage:
"Was ist passiert?" Du lässt den Menschen drei Minuten ungestört reden und du hörst aufmerksam zu ohne zu unterbrechen. Drei Minuten reichen aus, dann unterbrichst du.





Dann kommen vier Schritte, die du dir leicht merken kannst.
Schritt 1 steht für die Frage nach E = Emotion: Du hast jetzt diese Dinge erlebt. Was hast du dabei empfunden und gefühlt? (Das Erzählen der Gefühl hilft, das Erlebte zu verarbeiten. Die Belastungen werden dabei besonders deutlich.)

Schritt 2 steht für die Frage nach L = "Lass mich das Schwierigste von dir wissen." (Du weißt nicht, was dein Gegenüber am stärksten belastet. Es ist gut, einen Unterschied zu machen damit deutlich wird, was war das belastendste Gefühl. So kommst du auf die Spur, was den Gipfel des Erlebten ausmacht.)

Schritt 3 steht für S = "Was hilft dir am meisten, standzuhalten?" (Damit sprichst du die Ressourcen deines Gegenübers an. Welche Stärke hilft, genau in dieser Situation wieder Boden unter die Füße zu bekommen.)

Schritt 4 steht für E = Empathie. Du drückst deinem Gegenüber dein Mitempfinden aus und teilst für einen Augenblick die Last mit dem Anderen.

Viel Freude und Erfolg bei deinen nächsten hilfreichen Gesprächen.

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Montag, 10. Februar 2014

Viel Fülle, wenig Mangel!


Vor einiger Zeit verwendete ich in einem Gottesdienst zum ersten Mal das Wort "mangelig". Ich fragte die Anwesenden, ob sie das Gefühl kennen, "mangelig" zu sein. Alle lachten zuerst, weil sie das Wort nicht kannten. Im Wörterbuch kommt es vor als Adjektiv im Saarland um 1870 mit der Bedeutung: mit Mangeln behaftet. Das Wort gab es also mal regional, aber nicht bundesweit und auch nicht im heutigen Deutsch. Dennoch ist es mir sympathisch.
Was ist der Unterschied zwischen "Mangel" und "mangelig"?  Das Substantiv "Mangel" klingt in meinen Ohren so absolut. Ich leide Mangel! Mir fehlt grundsätzlich etwas. Ich habe einen Mangel an Geld, an Liebe, an Sinn. Da tut sich ein gefühlter Abgrund auf, der scheinbar unüberwindlich ist. Jetzt prüfe mal das Wort "mangelig".
Wenn ich an Geld denke, dann bin ich mangelig. In Bezug auf Liebe bin ich ein wenig mangelig. "Mangelig" lässt sich gut mit "ein wenig" verbinden um es abzumildern. Das Adjektiv zu bilden ist wie eine Brücke über den Abgrund "Mangel". Bei deinem Mangel kann ich dir kaum helfen, aber wenn du mangelig bist, kann ich etwas für dich tun. "Mangelig" ist die kleine Schwester oder der kleine Bruder von "Mangel."
Für manche Menschen existiert nur Schwarz oder Weiß, Entweder/Oder. Das schränkt das Leben ein. Die Grautöne gehören dazu und öffnen neue Perspektiven und Alternativen. Wo stehst du selber? "In der Fülle?" oder "Im Mangel?" Du merkst schon selbst: Wahrscheinlich weder so ganz in der Fülle noch so ganz im Mangel. Vielleicht ist dein Leben ein wenig "füllig" und auch ein wenig "mangelig". Mal so oder so! Mal auch beides gleichzeitig! Mangelig im Geld und füllig in der Liebe. Wobei die meisten Menschen bei "füllig" eher an einen fülligen und kräftigen Körper denken.
Ich wünsche dir heute eine bunte Tüte mit fülligen Erlebnissen und wenigen mangeligen Erfahrungen, damit du einen Antrieb hast, mal wieder nach einem "Mehr" im Leben zu suchen.

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Sonntag, 9. Februar 2014

Von der Reinheit und der Liebe zu den Flecken



Wie hältst du es mit der Reinheit? Bist du da entspannt, gibt es Zwänge? Thema angenehm oder unangenehm? Dieser Monat inspiriert mich zu diesem Thema, denn das Wort Februar kommt vom lateinischen Wort februare und heißt übersetzt reinigen. Im römischen Kalender war das ursprünglich der letzte Monat im Jahr,  wobei „Februa“ auch der Beiname der Göttin Juno ist.  In diesem Monat ging es den Römern um das Opfern und um die Widererlangung von kultischer Reinheit. Viele Kulturen kennen die Vorstellung, dass wir uns innerlich und/oder äußerlich beschmutzen. Um wieder versöhnt dem „reinen“ Gott gegenüberzutreten bedarf es in dieser Vorstellung eine Erneuerung und Reinigung.
Dazu kommen mir mehrere Assoziationen. Vor kurzem war ich in dem Kinofilm „Der Medicus“ und sah im ärmlichen Heimatdorf des späteren Arztes lauter schmutzige Gesichter. Alles starrte nur so vor Dreck! Das erinnerte mich an andere Filme aus dem Mittelalter, in denen die Menschen eher wie Tiere hausten als wie ordentlich gewaschen, gut angezogene und zivilisierte Menschen.
Machen wir einen Sprung in die Gegenwart. Da gab oder gibt es die berühmte Werbung von „Ariel“ (hebräisch wie passend: der Feuerherd Gottes) mit Clementine, die da lautete: „Ariel wäscht nicht nur sauber sondern rein“. Ich konnte nie verstehen, was bei der Wäsche den Unterschied ausmacht zwischen „sauber“ und „rein“. Ich erwarte von einem Waschmittel, dass es die Wäsche schlicht sauber macht. Dennoch suggeriert der Satz, dass es Steigerungen der Sauberkeit gibt: Schmutzig, Sauber, Rein… Was für Vorstellungen und Ideen verbergen sich da im Hintergrund? Mit welchen Bildern wird hier gespielt?
Eine erste Idee dazu kommt mir von unserem ganz natürlichen Empfinden her. Du siehst Schmutz oder vergammeltes Essen und ekelst dich. Der Ekel, den du empfindest, warnt dich davor, mit der verdorbenen Nahrung in Berührung zu kommen. Du hast ein ganz natürliches Frühwarnsystem. Wenn du Schimmel isst, kannst du sterben. Halte dich davon fern. Der Ekel bewirkt, dass wir uns fernhalten von etwas, das uns nicht gut tut. Schmutzige Menschen wecken in uns den Gedanken nach Ungeziefer. Wir beginnen uns schon zu kratzen und rümpfen die Nase. In unseren Breiten kommt das ja nur noch selten vor, vielleicht wenn wir Menschen begegnen, die auf der Straße leben.
Wir vermeiden Situationen, in denen Ekel entstehen könnte. Ariel wird auch noch die letzten verborgenen Schimmel- und Schmutzreste beseitigen. Dreck, den man nicht sieht. Da kommen dir dann Bakterien, Mikroben und sonstige kleine Giftviecher in den Sinn, die dir nach dem Leben trachten.
Du befindest dich im ständigen Kampf gegen den Schmutz in der Welt. Du reinigst im weiteren Umfeld die Wohnung, den Garten und die Straße und im näheren Umfeld deine Haut, deine Haare und deine Kleidung. Nie hört diese Arbeit auf.
Wenn der Februar als Reinigungsmonat ursprünglich der letzte Monat im römischen Jahreskalender war, macht das auch Sinn, aufzuräumen und sich zu säubern nach dem Motto: Geh frisch und rein in das neue Jahr. 
Interessanterweise kennt auch die Kirche Zeiten der Reinigung. 40 Tage nach dem Weihnachtsfest am 2. Februar begeht sie das Fest mit den verschiedenen Namen: „Darstellung des Herrn“, „Lichtmess“ oder „Fest der Reinigung Mariens“. Maria erhält nach dem jüdischen Gesetz 40 Tage nach der Geburt ihres Sohnes wieder den Status der kultischen Reinheit. Dahinter verbergen sich sehr archaische Vorstellungen vom Leben. Wenn Tiere getötet werden, dann verlieren sie ihr Blut. Wenn eine Frau in der Menstruation blutet, verliert sie ihre Lebenskraft und muss geschont werden. Wieder geht es um die tiefergehende Auseinandersetzung mit Leben und Tod. Halte dich vom Tod und von den Toten fern, wenn du selber leben möchtest. Darum schicke „Todeskandidaten“ wie Bakterien in die Quarantäne und reinige dich selbst ordentlich. Das macht ja durchaus auch Sinn. Mir geht es nicht um das sinnvolle Reinigen, sondern um die Angst vor den „lebensfeindlichen und bedrohlichen“ Elementen.
In der Regel beginnt im Februar die Fastenzeit, die Zeit der inneren Reinigung und Umkehr. Womit wir zu einem weiteren Aspekt kommen. Neben der äußeren Reinheit, die wir durch das Waschen erreichen können, gibt es auch die Vorstellung der inneren Reinheit. Wenn ich innerlich rein bin, kann ich vor Gottes Angesicht treten. So manche Bußlieder sprechen da vom “Abwaschen der Sünde, um rein zu werden“.
Der Waschzwang von manchen Menschen treibt auf die Spitze, was viele empfinden und denken. Ich möchte rein sein, innen und außen. Sünde, Schmutz und Ekel halte ich möglichst fern von mir. Das macht mir Angst, das will ich nicht haben, davon wende ich mich ab. Mein Motto lautet in solchen Situationen: Ach, jetzt wird es erst interessant! Suchen wir doch einmal nach dem positiven „Wert“ des Schmutzes.
Eine frühere Kollegin im Altenheim desinfizierte sich ständig ihre Hände, damit sie sich keine Keime einfing. Von allen Angestellten war sie  am häufigsten krank.
Kinder, die nicht im Dreck wühlen, haben keine Möglichkeit, ihr Immunsystem sinnvoll zu stärken. Ein ordentliches Schlammbad kann durchaus gesundheitsfördernd sein. 
Jesus ist es egal, ob seine Jünger mit unreinen Händen essen. Für ihn kommt die Unreinheit von innen und nicht von außen. Er hat auch keine Berührungsängste gegenüber den sogenannten unreinen Aussätzigen.
Schmutzige Wäsche waschen im übertragenen Sinn ist deshalb so erfolgreich, weil wir unseren eigenen Schatten lieber verstecken, als ihn zu zeigen. Je mehr wir ihn jedoch verbergen, desto gewichtiger fühlt er sich an, wenn wir ihn entdecken. Beim genauen Hinsehen wird ausnahmslos jeder Politiker seine   schmutzige Wäsche haben. Wenn jeder offen damit umgeht, ist es nicht mehr bedeutsam für die Öffentlichkeit.   
Die systemischen Familientherapeuten sagen: „Wo Scheiße ist, ist auch ein Kamel.“ Das heißt: Die verachteten Dinge der einen Seite der Medaille weisen zugleich hin auf die wertvolle. Wenn „Geiz“ z.B. dein abgelehnter „Scheißehaufen“ ist bedeutet es immerhin, dass du Geld sehr hoch achtest und dir Mühe gibst, verantwortlich damit umzugehen.
Ekel ist zunächst einmal ein wertvolles und beschützendes Gefühl, das dich unterstützt gegen alle Krankheitskeime. Du musst ihm aber nicht immer nachgeben und davor weglaufen. Manchmal ist es gut, sich diesem Gefühl zu stellen.
Wenn du nur deine sonnigen Seiten liebst, liebst du dich nur halb. Wir sollen nach dem wichtigsten christlichen Gebot Gott lieben und den Nächsten wie uns selbst. Da steht nicht, dass wir nur einzelne Teile von uns lieben sollen. In dir wohnen Prinz und ein Frosch gemeinsam! Vielleicht ist es darum hilfreich, hin und wieder mit Absicht einen kleinen Flecken auf die „saubere“ Tischdecke hinzuschmieren. Ein Freund von mir machte das regelmäßig mit dem Kommentar: „Dann muss ich nicht mehr so aufpassen!“
Das wiederum finde ich einen wichtigen Hinweis. Das ständige „Rein-Sein“ ist auf die Dauer sehr anstrengend. Lehne dich zurück und entspann dich. Sei wortwörtlich mitten im Fluss und akzeptiere den Schlamm am Grund und die Klarheit im fließenden Wasser.  In diesem Sinne einen gesegneten Februar!

Samstag, 8. Februar 2014

Der Kick beim Schummeln!

Du spielst Karten und es droht deine Niederlage. Dann schummelst du möglicherweise, indem du in die Karten deiner Mitspieler schaust. Laut Grimms Wörterbuch heißt "schummeln" unter anderem "Beim Gehen den Körper viel und unnötig bewegen". Wenn der Taschenspieler betrügt, führt er die Leute durch rasche Bewegungen hinters Licht.
Hast du auch damals in der Schule geschummelt indem du beim Nachbarn abgeschrieben hast? Schummelst du heute auch manchmal, wenn du mit Kindern spielst oder drückst beide Augen zu, wenn du deine Kinder dabei beobachtest?
Ich glaube, es fällt uns schwer, mit der drohenden Niederlage zu leben. Es fällt schwer, am Ende als Verlierer dazustehen. Dabei ist es egal, ob es sich um Schule, Beruf oder Freizeit handelt. Jeder steht gerne auf dem Siegertreppchen. Die anderen bewundern dich und diese Erfahrung steigert dein Selbstwertgefühl. Ein erschummelter Sieg behält zwar seinen faden Beigeschmack. Aber er ist leichter zu ertragen als die Niederlage.
Zugleich schummeln wir manchmal im doppelten Sinne. Wir sind ja keine Betrüger! Wir haben lediglich geschummelt. Schummeln ist die Verharmlosung des Betruges. So beschummeln wir uns, indem wir uns eben nicht Betrüger nennen. Schummeln hat auch etwas niedliches an sich. Das spiegelt sich in der holländischen Sprache wider. Dort heißt "schommelen" schaukeln. Wenn wir also schummeln, dann schaukeln wir nur ein wenig hin und her. "Zufällig" siehst du dabei die Karten deines Mitspielers und die Antworten deines Mitschülers.
In Rätselheften schummel ich gerne. Dann "schaukle" ich zur letzten Seite und beweise mir, dass ich "auf dem Kopf gedrehte Wörter" lesen kann. So habe ich auch ein Rätsel gelöst. Im Schummeln nimmst du deine Grenzen wahr. Auf die Dauer ist es jedoch leichter und entspannter, zu diesen Grenzen zu stehen und drohende Niederlagen nicht so zu gewichten. Du wirst anschließend auch wieder aufstehen.

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Freitag, 7. Februar 2014

Dein Platz im Leben




Immer wieder beschäftigt mich die Frage: Wo gibt es einen Platz für mich? Wo darf ich leben, wo darf ich sein? Ergeht es dir auch manchmal so wie bei dem Kinderspiel von der Reise nach Jerusalem? Es ist kein Stuhl mehr für dich frei! Du hast das Gefühl, du gehörst nicht dazu. Du kommst zum Beispiel etwas später zu einer Geburtstagsfeier. Alle lachen, unterhalten sich und sind in ausgelassener und gelöster Stimmung. Du hast den Eindruck, du kommst nicht wirklich dazwischen. Und du bist die Einzige, der Einzige, der nicht dazwischen kommt. Du strengst dich an, nickst allen freundlich zu und signalisierst dein Interesse. Deine Seele scheint irgendwo im Raum zu schwirren, aber nicht in dir an dem Platz, wo sie sich wohlfühlt. Da kommen vielleicht so alte Kindersprüche hoch, die dich damals schon gekränkt haben: „Aufgestanden, Platz vergangen, musst dir einen wieder fangen!“ Schrecklich, nicht wahr! Das wird schnell zu einem Einfallstor für eine depressive Grundstimmung: „Ich gehöre hier nicht hin!“ „Ich gehöre nirgendwo hin!“ „Es ist so anstrengend, sich immer zu bemühen!“ Und viele Ausbrüche mehr.
Ich möchte dir von meiner letzten Zugfahrt erzählen. Ich war zu einem Meeting in Stuttgart und hatte für den Rückweg im ICE einen Platz reserviert. Als ich im Zug einstieg, saß auf meinem Platz ein Mann und las seine Zeitung. Zwischen seinen Füßen stand seine Aktentasche. Am Haken hing sein Mantel. „Es tut mir Leid“, sagte ich, „aber dieser Platz ist leider reserviert.“ (Nur so nebenbei – das mit dem „Leidtun“ ist doch eine Floskel, oder? Man ist doch froh über einen Platz, der freigehalten wird von der Bahn, extra für dich. Außerdem kostet das ja auch Geld.)
Aber weiter zu meinem Erlebnis. Der Mann faltete wortlos seine Zeitung zusammen, nahm seinen Mantel und seine Tasche und setzte sich direkt auf den Sitz vor meinem jetzt frei gewordenen Platz und faltete seine Zeitung wieder auseinander. Aber dort gab es auch eine Reservierung. Der „Besitzer“ dieses Platzes kam weniger als eine Minute später. Das gleiche Spiel wiederholte sich: „Entschuldigung…“ Zeitung falten, Mantel und Tasche nehmen. Wieder einen Platz weiter, jetzt schräg rechts davor. Wieder keinen Blick auf das „Reserviert“ - Zeichen und die Zeitung ausfaltend. Dieses Mal saß dort schon ein Gast, der nur mal kurz zur Toilette musste. Wieder stand Mister „Besetzer“ wortlos auf und suchte sich den nächsten freien Platz. Der lag dann leider im nächsten Abteil und ich weiß nicht, wie die Geschichte endete. Meine ersten Regungen waren: „Der hat nicht alle Tassen im Schrank! Kann er denn nicht nachschauen! Ist der blind? Warum hat er sich nicht eine Reservierung bestellt wie jeder andere? Ist der dreist!“  
Zugleich jedoch musste ich innerlich grinsen. „Welch herrliches Erlebnis hier im Zug! Ach, wie wunderbar dreist doch jemand sein kann! Wie abgefahren! So frech möchte ich auch mal sein! So bekommt man auch einen Platz – halt immer wieder einen neuen. Das ist zwar anstrengend und aufwendig, aber so geht es auch!“
Es gibt viele Möglichkeit mit der Frage nach dem Platz im eigenen Leben umzugehen. Warte ich darauf, bis mir jemand einen Platz an seiner Seite anbietet? Ergreife ich die Gelegenheiten, die sich mir bieten? Nehme ich einfach Platz, wo immer ich einen sehe? Warte ich auf Einladungen? Verbinde ich das mit der Frage: Werde ich gesehen? Mag mich jemand? Kann ich es akzeptieren, auch einmal übersehen oder abgelehnt zu werden?
Unsere Verstorbenen hatten mal einen körperlichen Platz in dieser Welt und mussten ihn verlassen. Auch wir werden diesen Platz einmal räumen müssen. Es gibt keine festen Plätze, die für immer und ewig an der gleichen Stelle unser Eigen sind. Du bist Gast auf dieser Welt und ich bin es auch. Als Gast habe ich auf jeden Fall einen Platz, wo ich gerade bin. Das ist doch schon mal eine Aussage!
Da, wo ich gerade bin, kann niemand anders sein. Ich habe meinen Platz, weil ich Bin. Vor Gott und in Gott hat jeder und jede einen Platz. Ich brauche nicht darum zu kämpfen. Ich brauche ihn nicht zu erbitten und es muss ihn mir niemand einräumen. Er ist mir gegeben. Nur das „Wo“ ist eine Frage, nicht das Grundsätzliche. Also sei gelassen! Aufgestanden, Platz vergangen… Na und? 

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