Mittwoch, 31. Januar 2018

Nahrung für das innere Kind: Matschen!

Ich liebe es, den Hefeteig zu kneten! Voll mit den Händen hinein in Mehl und Wasser und ordentlich matschen! Die Finger verklebt, Mehlstaub auf dem Pullover und ein Glücksgefühl, das durch den ganzen Körper geht. Alle Aggressionen kann ich in den Teig hineinhauen. Ich kann diesen Teig förmlich verprügeln und er ist auch noch dankbar dafür.
Durftest du als Kind im Dreck matschen und Erde essen? Durftest du dir deine Kleidung versauen und man hat dich einfach in Ruhe gelassen? Dann bist du reich beschenkt worden. Auf alternativen Bauernhöfen sehe ich manchmal Schweine sich im Dreck suhlen. Ein Teil von mir möchte einfach mitmachen. Die Bibel erzählt davon, dass wir Menschen aus Lehm gemacht sind.
Du und ich, wir sind "Lehmlinge", "Erdgeschöpfe", "Wühler", "Schöpfer". Wir dürfen mit den Händen matschen und dabei Dinge erschaffen. Evolutionär, aus Zufall oder tief liegender Intuition. Einfach machen und im Machen entstehen lassen. Ohne zu werten! Nur aus Freude am Tun. Matschen ist so herrlich überflüssig!
Gehörst du zu den Menschen, die schon als Kinder lieber im sauberen Wohnzimmer spielten. Die sich nicht auf die Straße trauten? Am Rand vom Sandkasten saßen und hilflos mit der Schaufel herumfuchtelten in der Hoffnung auf Mama, die dich von diesem schrecklichen Platz wieder wegholen möge?
Vielleicht bist du ja ein verborgener Engel, der mit der Körperlichkeit doch so seine Schwierigkeit hat - damals als Kind und heute auch noch. Magst du mit den Händen essen oder doch lieber mit einem Werkzeug, so dass du dir die Finger nicht schmutzig machst. Hast du Angst vor Bakterien, Viren und Bazillen? Bist du ständig auf Alarm? Im roten Bereich?
Oder reibst du dir die Hände jetzt wo du schon lange erwachsen bist und hältst jetzt gerade die Augen auf, wo du mal wieder so richtig matschen kannst! Du kannst im Blumenkasten wühlen, in deinem Garten oder dir einen Kneteteig erstellen. Einfach mal wieder matschen und die Erfahrung machen, wie du dich als "Lehmling" anfühlst. Es setzt einfach Energien frei! Schon beim lesen und es sich vorstellen.

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Dienstag, 30. Januar 2018

Nahrung für das innere Kind: Fliegen!

"Ich möchte fliegen! Spielst du mit uns Flugzeug?" Mein Vater oder mein Onkel packten mich als kleines Kind dann an Hand und Fuß und schleuderten und drehten uns im Kreis. Die erste Achterbahnfahrt! Welch ein Lebensgefühl und welches Vertrauen hatte ich in diesen Erwachsenen. Der wird mich nicht loslassen. Aber ich lasse los! Ich mache mich ganz locker und breite den freien Arm und das freie Bein aus und lasse mich herumwirbeln. Ich schreie mir die Seele aus dem Leib und fühle mich lebendig wie nie. Noch einmal! Noch eine Runde! Es braucht keine Pause.

Erinnerst du dich an dieses Spiel zwischen Kind und Erwachsenen? Als wir größer und schwerer wurden ging das leider nicht mehr. Wir mussten andere Möglichkeiten suchen, diesen besonderen Kick zu erfahren.

Oder gehörst du zu den Kindern, die sich nie getraut haben. Du warst viel zu vorsichtig, viel zu ängstlich, dich auf solch ein Wagnis einzulassen. Bis heute geht es dir so, dass du dem Leben und den Herausforderungen skeptisch gegenüberstehst. Überall lauert die Gefahr. Der Tod ist allgegenwärtig. Vielleicht nicht in deinen Gedanken, aber im Körpersystem.

Vielleicht gehörst du aber auch wie ich zu den Menschen, die als Kinder gerne geflogen sind. Die es einfach geliebt haben. Aber irgendwann gab es einen Einbruch. Ein erstes Stolpern. Ein Schock, an den du dich nicht einmal erinnern kannst. Irgendetwas ist passiert. Und dann gibt es in dir zwei Bestrebungen. Du möchtest eigentlich das Abenteuer, aber das Trauma hält dich davon ab.

Mir hat mal ein Freund gesagt, dass er nur dieses eine Leben jetzt hat. Und das Leben ist viel zu schade, es in Watte zu verpacken und vor Angst zu vergehen. Jetzt habe ich die Chance. Tot sein werde ich noch früh genug. Ich muss mich nicht so verhalten, als sei ich schon tot. Das Leben ist dafür da, das Abenteuer zu wagen.

Ich schließe die Augen und hole mir das Bild aus Kindertagen zurück. Wie sich das Fliegen angefühlt hat! Großartig! Ich denke an die Worte meines Freundes, dass das Leben ein Abenteuer ist. Dann kommt die nächste Aufforderung an mein Erwachsenenleben: "Machst du mit?" Ich spüre ein Ja und ein Zögern! Ich gebe der aufkommenden Angst nur einen kleinen Moment der Aufmerksamkeit und sage Ja zum Abenteuer. Sterben muss ich sowieso!
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Montag, 29. Januar 2018

Nahrung für das innere Kind: Balancieren auf der Bordsteinkante

Wann fühlte sich dein Leben einmal völlig unbeschwert an? Für einen Augenblick abtauchen in dem, was du gerade machst? Als Kinder konnten wir noch spielen. "Warte, bis der Ernst des Lebens beginnt!" warnten uns die Erwachsenen. Dann tauchten wir vielleicht verstört aus unserem Spiel auf und rätselten, was unsere Eltern damit meinten. Dann wurden wir erwachsen und vergaßen die Spiele und das Glück von damals. Es wird Zeit, das Verlorene wieder zu aktivieren! Dein inneres Kind braucht Nahrung! Wie wäre es mit einem kleinen Energieschub?

Erinnerst du dich an das Balancieren auf der Bordsteinkante? Du breitest die Arme aus und setzt einen Fuß vor den anderen. Auf der einen Seite der breite und sichere Weg und auf der anderen Seite der Abgrund. Schaffst du noch den nächsten Schritt? Der Abgrund ist nicht tief. Du kann ein wenig stolpern, aber nicht wirklich fallen. Dieses lustvolle Gefühl, das durch den ganzen Körper geht! Schwanken und sich dennoch halten. Flexibel und beweglich sein! Spaß haben beim Fallen. Sich ein wenig ärgern und wieder auf die Bordsteinkante. Sich lustvoll bewegen. Zu den Eltern schauen. "Schau mal was ich alles kann!" Balancieren als einen Vorgang purer Freude!

Heute erarbeite ich mit Kunden einen mühevollen Weg, wieder in die Balance zu kommen. Zu viel Arbeit und zu wenig Erholung? Wovon mehr und was weniger? Die Balance wiederfinden in einem mühevollen Veränderungsprozess. Darin besteht der erwachsene Alltag. Wie geht denn das noch mal mit dem Balancieren auf leichte Art? Du warst als Kind darin einmal ein Profi. Du hast es einfach gemacht. Hast dich auf die Bordseinkante gestellt und die Arme ausgebreitet. Ein Glucksen im Bauch und einen Freudeflash durch den Körper jagen und dann los! Schritt für Schritt! Vielleicht könntest du in dieses Lebensgefühl zurückfinden wenn du dich einfach mal wieder auf die Bordsteinkante stellst und es machst. Das Gefühl wird schon wiederkommen! Und wenn du es machst und das Gefühl dafür wieder bekommst - was wird sich bei dir dadurch verändern? Wirst du dich selbst anders empfinden? Kannst du das Kind in dir wieder zum Leben erwecken? Und danach? Wie verändert sich dein Alltag dadurch? Möge mehr Freude in deiner Seele einziehen!
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Samstag, 27. Januar 2018

Finde den Raum der Ruhe!


Die Ruhe kommt nicht so leicht von selbst. Ich muss die Ruhe finden! Ich muss sie nicht suchen. Aber ich muss sie finden. Oft ist sie nicht einfach so da.
Ich habe meine Aufgaben, die ich erfüllen möchte. Ich habe Verantwortung übernommen für Menschen und für Dinge. Hast du einmal Zeit für mich? Kannst du dies noch schnell erledigen vor dem Wochenende? Das wäre auch noch wichtig!
Die Kinder haben auch noch ein Anliegen. Die Eltern. Der Ehemann. Die Ehefrau. Der Arbeitskollege. Alle wollen sie ja auch nur deine Aufmerksamkeit für einen kleinen Augenblick. Bloß nicht zu viel. Niemand will dich ja überfordern.
Irgendwann taucht der Gedanke auf: Jetzt bräuchte ich mal ein wenig Ruhe! Doch sie ist nicht da! Hat sie sich versteckt! Hast du sie versteckt! Hast du sie verlegt wie den Regenschirm oder deine Handschuhe? Warst du vielleicht noch nie im Besitz von Ruhe? Könntest du Ruhe überhaupt ertragen, wenn du sie hättest?
Ruhe ist wie ein Ort, zu dem du hinfindest. Du machst dich bewusst auf den Weg und suchst diesen Ort auf. Du entscheidest dich dafür. Die Ruhe ist nicht einfach so da. Auch Brot ist nicht einfach so da. Du backst oder kaufst es. Und du entscheidest dich dafür. Du entscheidest dich dafür, den Raum der Ruhe zu finden.
Du musst diesen Raum auch nicht suchen! Er ist da, wenn du dich für ihn entscheidest. Wenn du dich hinsetzt, wo auch immer, geschieht es. Vor allem befindet sich der Ort deiner Ruhe in deinem Inneren. Du entscheidest dich für eine Pause. Du setzt dich hin. Du atmest ein. Du atmest aus. Du spürst deinen Herzschlag. Du wirst dir deiner selbst bewusst. Jetzt! Hier!

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Freitag, 26. Januar 2018

Die zehn Aspekte der Achtsamkeit von Papst Johannes XXIII: "Nur heute!"



Papst Johannes XXIII richtet seinen achtsamen Blick auf das Heute. Auf 10 Punkte möchte er sich und uns hinweisen. Beginnen wir mit dem ersten Punkt und sehen die wertvollen Hinweise für unseren eigenen Alltag.

1. Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

Bist du ein Morgen- oder eher ein Abendgrübler? Kannst du nicht einschlafen, weil die vielen unerledigten Dinge in deinem Kopf schwirren? Oder wachst du am Morgen auf und überlegst, was du alles in den kommenden Tagen erledigen musst. Dabei fallen dir besonders die Hürden und Hindernisse ein. Es kommen Druckgefühle und das schlechte Gewissen.
Oder es kommt ein Familienangehöriger zu dir und beginn: "Das war ganz schrecklich mit meinem Arbeitskollegen. Der müllt mich immer zu mit seinen Themen, dass ich mich gar nicht konzentrieren kann. Ach ja, die Auffahrt zur Garage müssen wir unbedingt reinigen, weil sich der Nachbar schon beschwert hat. Der macht mir auch echt Sorgen. Ständig nörgelt er an uns herum. Wir müssen unbedingt mal mit dem reden. Jetzt gehe ich eben in den Keller und wechsle eine Dichtung aus. Oder müssen wir noch einkaufen? Da habe ich gar keine Antenne für. Aber wenn ich sehe, wie du mich anschaust, dann denke ich, das müssen wir sofort tun."
Alles auf einmal! Das wäre die Lösung, nicht wahr? Dann hättest du es hinter dir! Aber wir Menschen leben in Raum und Zeit. Wir können nicht tausend Dinge gleichzeitig machen. Das "auf einmal" überfordert uns. Es kann schnell geschehen, dass du eine völlige Blockade bekommst. Da steigt so ein fetter Nebel in deinem Inneren auf. Der bewirkt Druck und Abwehr. Du verlierst den Zugang zu deinen Fähigkeiten. Du verlierst die innere Freiheit. Das Hamsterrad fängt an sich zu drehen und du weißt, es wird nicht aufhören.
Papst Johannes empfiehlt, den Tag zu erleben, ohne das Problem seines Lebens auf einmal lösen zu wollen. Man achte auf die Details.
Der Papst spricht von sich! "Ich werde..." Er beschränkt sich auf das "Heute!" Er spricht vom Bemühen und nicht von dem Anspruch, dass es perfekt gelingen müsste. Er erkennt, dass die vielen kleinen Probleme etwas mit meiner Persönlichkeit zu tun haben. Er entscheidet sich für Geduld, Beschränkung, Freiraum.
Was ist dein Zuviel? Was kannst du für heute streichen? Was müsstest du selber gar nicht tun, weil jemand anders die Verantwortung trägt? Wie geht es dir mit deiner Perfektion? Kinder wollen oft alles sofort. Geduld ist nicht leicht. Es kann aber sein, dass es Freude macht, die Aufgaben zu reduzieren und mehr Sorgfalt und Wohlwollen hineinzulegen.


2. Nur für heute werde ich große Sorgfalt in mein Auftreten legen: vornehm in meinem Verhalten; ich werde niemanden kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern - nur mich selbst.

Nur heute - vielleicht auch nur in diesem Augenblick! Wenn ich im Spiegel auf meine Stirn schauen könnte, dann würde da stehen: "Das finde ich nicht gut!" - "Das finde ich nicht richtig!" Hast du einmal beobachtet, wie oft am Tag du etwas an deinem Gegenüber auszusetzen hast? Ob es deine Kinder sind, deine Arbeitskollegen, die Nachbarn, die weite Verwandtschaft, die Politiker... Du könntest den ganzen Tag und den Rest deines Lebens Menschen für ihr Verhalten kritisieren. Wie leicht ist es, den anderen zu verbessern. "Mach doch mal so!" "Hast du das probiert?" "Das kannst du doch so nicht machen!" Wie geht es dir, wenn du selber kritisiert wirst?"
Wirst du dann kleinlaut und verkriechst dich in dein Schneckenhaus? Oder ruft das deinen Ärger hervor und du gehst in den Widerstand? In der Regel bekommst du irgendein scheußliches Gefühl. Es sei denn, du bist schon so erleuchtet, dass du gelassen mit jeder Form von Kritik umgehen kannst. Wenn du ein negatives Gefühl bekommst bei Kritik, wie wird deine Kritik ankommen beim Gegenüber? "Ich habe es ja nur gut gemeint!" "Ich wollte nur helfen!" Ich glaube, dass diese Form von Hilfe überflüssig ist. Bist du beauftragt worden? Hat dich jemand danach gefragt?
Papst Johannes schlägt vor, dass er große Sorgfalt in seinem Auftreten legt und vornehm sein wird in seinem Verhalten - wohlgemerkt nur heute! Mir gefällt es, dass ich zunächst einmal in eine Grundhaltung hineingehe. Ich bin sorgfältig und vornehm! Das klingt ein wenig altertümlich, hat aber einen ganz schönen Kern. Du entdeckst in dir einen aristokratischen Zug. Du gehst in deine Göttlichkeit und in deine Würde. Wenn du in dir selbst ruhst und dich wertschätzt, dann gibt es meistens gar keinen Grund zur Kritik. So großzügig, wie du dir selber gegenüber bist, wirst du auch deinem Gegenüber sein, vom Kind bis zum Greis, vom Bettler bist zum Millionär.
Ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren, nur mich selbst. Der Gedanke gefällt mir. Ich arbeite an mir selbst. Ich entwickle mich - heute. Ich bin sorgfältig in dem was ich sage und auch was ich denke.
Auch deine kritischen Gedanken erreichen dein Gegenüber. Auch deine negativen Gedanken haben ihre Auswirkungen. An sich selbst zu arbeiten ist ein Mammutunternehmen und eine Lebensaufgabe. Eigentlich hätte ich damit schon genug zu tun - heute! Wenn die anderen nur nicht immer so unmöglich wären...;-)

3. Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin - nicht für die anderen, sondern auch für diese Welt.

Es gibt Tage, die echte Unglückstage sind. Warum? Warum habe ich diese unheilbare Krankheit? Warum bin ich ein Mauerblümchen? Warum werde ich immer übersehen? Du könntest dich vor den Spiegel stellen und den Hut des Leides aufsetzen. Du bist der unglücklichste Mensch der Welt. Womit hast du das verdient? Das ist auch ungerecht! Ohne Abstriche! Du hast das Unglück nicht verdient!
Angesichts all deiner leidvollen Augenblicke wäre es ermessen zu denken, du könntest immer und überall glücklich sein, oder? Papst Johannes spricht wieder vom "Heute". Nur heute werde ich... Dann kommt ein interessanter Gedanke. Er spricht von der "Gewissheit". Er wartet nicht auf einen glücklichen Augenblick und hofft, dass er kommt. Er ruft die Gewissheit in sich wach. Gewissheit meint so etwas wie ein inneres Wissen. Das innere Wissen ist unerschütterlich in der Zuversicht, eigentlich für das Glück bestimmt zu sein. Es kann sein, dass in diesem Augenblick ich mich in einer Situation befinde, dich mich nicht glücklich macht. Zugleich trage ich die Gewissheit in mir, dass ich dennoch für das Glück bestimmt bin. Die Gewissheit macht dich stark und nicht so sehr das erlebte Glück!
Du könntest schnell zu einem "Glücksjunkie" werden. Du hechelst immer und ständig danach, dass du um jeden Preis glücklich sein musst. Allein das Hecheln danach verhindert dein Glück. Gehe einmal der inneren Gewissheit nach. Die Gewissheit, dass ich für das Glück bestimmt bin, macht mich glücklich.
Zugleich gibt es da auch noch den Punkt, dass ich nicht für die anderen erschaffen bin. Ich muss nicht die anderen glücklich machen. Wenn ich heute in der Lebensbejahung bin sorge ich dafür, dass der Freudepegel in der Welt steigt. Ich bin ein Teil des Großen und Ganzen.

4. Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

In meinen Beratungen mache ich manchmal folgende Erfahrung. Ein Mitarbeiter hat Probleme mit seinem Vorgesetzten. Er findet auch, dass das Unternehmen keine so gute Firmenphilosophie hat. Es gibt Intrigen und Verfilzungen. Probleme werden auf die lange Bank geschoben und manche arbeiten nicht für ihr Geld oder nutzen andere aus. Das gibt es: Nicht so tolle Umstände!
Der Weg ist zu weit. Die Arbeit ist zu langweilig. Der Kollege ist zu umständlich! Wenn das alles nicht wäre, dann könnte ich ja so richtig loslegen. Wenn die Umstände anders wären, dann...
Leider sind die Umstände so wie sie sind. Manche Menschen versuchen als ständig, die Umstände zu verändern. Die Umstände sind leider so groß und mächtig, dass da oft nichts zu machen ist. Wenn der Chef netter wäre könnte ich eine viel bessere Arbeitsleistung bringen.
Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen. Den Gedanken mag ich. Eigentlich wünschte ich mir eine bessere Welt. Für heute entscheide ich mich dafür, mit dieser Welt zu leben, so wie ich sie vorfinde. Morgen könnte ich mich auch anders entscheiden. Heute entscheide ich mich dafür, mich mit dem schrecklichen Chef zu arrangieren. Morgen könnte ich ihn vergiften! Aber heute nicht! Heute passe ich mich den Umständen an.
Wenn du erst loslegen kannst mit deinem Leben wenn die Umstände passen, befindest du dich in Abhängigkeit. Du bist der Sklave der Umstände. Du hast deine Freiheit verloren. Du wartest ab, was die Umstände machen und du bist ihnen ohnmächtig und hilflos ausgeliefert. Wenn du dich "anpasst", bist du handlungsfähig. Du musst nicht mit den Umständen einverstanden sein. Du musst nicht kuschen, das ist damit nicht gemeint. Die Umstände sind oft einfach wie sie sind. Verschwende daran nicht deine Energie. Nur heute machst du einfach das Beste daraus. Dann hast du für heute schon einmal etwas geschafft und deine Freiheit bewiesen.

5. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

Zehn Minuten für eine gute Lektüre! Das ist nicht viel Zeit! Wenn ein Mensch einen guten Gedanken hat und ich darf ihn lesen empfinde ich das als ein sehr kostbares Geschenk. Die Menschen im Mittelalter waren darauf angewiesen, dass ein kluger Mensch in ihrer Umgebung wohnte. Sie konnten keine tollen Bücher lesen. Als Kind hatte ich kein Geld dafür, mir Bücher zu kaufen. Aber es gab die Leihbücherei. Ich habe sie geliebt und im Laufe der Jahre Regal um Regal verschlungen.
Ich bin immer noch auf der Suche nach Büchern, die meinen Horizont erweitern. Und es gibt so viele Menschen, die so tolle Dinge geschrieben haben. Romane für das Herz, Sachbücher für die Weiterbildung, psychologische Bücher für die innere Weiterentwicklung.
Papst Johannes gibt einen wertvollen Impuls, warum die Lektüre so wichtig ist. Es geht um das Leben der Seele. Deine Seele benötigt also Nahrung. Wir denken an unseren Körper und geben ihm drei Mal am Tag, was er braucht. Doch die Seele? Was gibst du deiner Seele als Nahrung? Manchmal liest du Sätze und in dir schwingt etwas mit. Die Seele ruft laut: "Juhu!" Das liebe ich! Wenn die Seele keine Nahrung bekommt zieht sie sich zurück. Sie fühlt sich überflüssig und wird nicht gebraucht. Aber sie kommt sofort, wenn du sie ansprichst. Hast du Lust zu einem Experiment?
Geh einmal in einen Buchladen und überlasse der Intuition die Entscheidung, wo sie hinmöchte. Zu den Romanen oder Ratgebern? Einfach nach dem Bauch entscheiden. Dann stehst du vor einem Regal und greifst nach dem Buch, wo du spontan hingreifen möchtest. Das ist dann dein Seelenbuch! Der Kopf sucht das Bekannte und Vertraute. Die Seele sucht das Neue!

6. Nur für heute werde ich eine gute Tat verbringen, und ich werde es niemandem erzählen.
Ein Papst und nur eine gute Tat? Und nicht mal drüber sprechen. Tu Gutes und rede darüber heißt es doch in der Geschäftswelt.

Mir gefällt die Idee trotzdem. Nicht jeden Tag eine gute Tat, sondern wiederum nur heute! Es ist wichtig, diesen Gedanken immer zu wiederholen. Nur heute... Viele Menschen haben in sich den Gedanken: "Wenn ich dir einen Finger hinstrecke nimmst du die ganze Hand." Heute darfst du deinen Finger anbieten. Du bietest deinen Finger an und nicht deine Hand. Was morgen ist, wird erst morgen entschieden und nicht heute. Heute den Finger und eher heimlich und verborgen.
Wenn du über deine Taten sprichst, ist das bestimmt gut für deine Selbstbestätigung. Du bekommst Zuwendung und Anerkennung von deiner Umwelt. Wenn du es niemandem erzählst, wird es keiner so leicht bemerken und du verzichtest auf Lob und Wertschätzung. Was ist gut daran, es niemandem zu erzählen?
Zunächst einmal gibt es so etwas wie eine stille, heimliche und kindliche Freude. Das Kind, das heimlich der Mutter ein Bild auf den Tisch legt und sich darüber freut, wie sie reagieren wird. Wann erlebst du als Erwachsener die kindliche Freude des "Nikolauseffektes". Still, leise, heimlich, verborgen, tief...
Wenn du es niemandem erzählst bekommt dein Ego keinen Stoff. Du kannst dich beobachten ob es dir um die gute Tat geht oder doch eher um die gute Anerkennung für deine Tat? Eine gute Tat heute macht dir deutlich, dass du ein Tel des großen Ganzen bist. Du darfst mitgestalten, mitschöpfen und in der Freude sein. Welche gute Tat würde dich heute reizen?

7. Nur für heute werde ich etwas tun, für das ich keine Lust habe zu tun: sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.

Kennst du das? Du stehst am Morgen auf und schaust auf die Arbeit, die vor dir liegt. Sie kommt dir eintönig vor. Jeden Tag kochen? Jeden Tag aufräumen? Jeden Tag spülen? Du hast keine Lust. Du findest das Leben in diesem Augenblick weder lustig noch lustvoll. Ja, du kannst dir einreden, dass du ja mal etwas anders machen kannst. Du probierst ein neues Rezept aus. Du verlängerst heimlich deine Pause am Arbeitsplatz um ein paar Minuten und schwätzt mit einem netten Kollegen.
Das wird aber wenig daran ändern, dass es immer wieder solche Augenblicke und Tage der Lustlosigkeit gibt. Wenn du wenigstens eine ordentliche Depression hättest! Du würdest eine Diagnose vom Arzt erhalten, das Mitgefühl deiner Familie, eine tolle Therapie und hilfreiche Tabletten. Aber Lustlosigkeit?
Ich erinnere mich an Ferienzeiten als Kind. Da gingen wir zu unserer Mutter und fragten sie: "Was sollen wir machen?" - "Spielt doch verstecken!" - "Nö, keine Lust!"  Gestehe es dir einfach ein: Es gibt Tage ohne Lust. Keine Depression. Einfach keine Lust. Ich habe manchmal auch keine Lust, etwas zu schreiben. Leider gibt es in mir eine Stimme die sagt: "Mache es trotzdem! Du kannst auch ohne Lust schreiben, ist nicht so schwer. Fang einfach an und es wird." Diese Stimme ist ziemlich mächtig.
Papst Johannes macht uns auf eine interessante Beobachtung aufmerksam. Du entscheidest dich also, trotz deiner Unlust etwas zu tun. Das beleidigt deine Gedanken! "Ich habe doch gesagt, dass ich keine Lust habe. Warum machst du trotzdem diese Aufgabe. Willst du, dass ich streike! Soll ich dir sagen, was ich jetzt mache! Ich zeige ein beleidigtes Gesicht. Ich werde so griesgrämig ausschauen, dass jeder Mensch zu dir auf Abstand geht. Hör also lieber auf zu arbeiten, sonst ziehe ich ein Gesicht." So ähnlich kommen die Gedanken, wenn du ohne Lust etwas tust. Der Papst macht daraus einfach einen Sport. Du darfst dich ruhig beleidigt fühlen. Das ist in Ordnung. Aber muss das jemand merken? Kannst du es nicht einfach erwachsen, stolz und selbstbewusst ganz für dich fühlen? Probiere doch einmal aus - nur heute - in einer Situation beleidigt zu sein und es niemanden merken lassen. Das Gefühl gehört dir. Du fühlst es und fertig!

8.  Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen - und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.

Nur für heute ein genaues Programm. Ich kenne Menschen, die vor lauter Arbeit nicht anfangen können. Ihnen fehlt ein Plan. Sie besitzen keine Struktur. Sie fangen etwas an und wenden sich ganz schnell dem nächsten zu. Oder sie fangen gar nicht erst an, nehmen aber alles in die Hand. Sie sind erfüllt von Gedanken wie: "Ich müsste...", "ich sollte...", "ich könnte..." ergänzt durch unbedingt, dringend und auf jeden Fall.

Nur heute machst du ein genaues Programm.
1. Du setzt dich hin und schreibst auf, was du erledigen möchtest.
2. Dann gibst du jeder Aufgabe Punkte. Drei Punkte bedeutet "total wichtig". Zwei Punkte ist wünschenswert und ein Punkt ist kann muss aber nicht.
3. Dann schreibst du die "Dreipunkteaufgaben" untereinander in der Reihenfolge der Dringlichkeit. Vergiss nicht die "Freudefaktoren" wie lustvolle Aufgaben oder Pausen oder kreative kleine Unterbrechungen. Dann folgen die Zweipunkter und dann die Einpunkter.
4. Dann schreibst du hinter jeder Aufgabe wie viel Zeit du dafür verwenden möchtest.
5. Du wirfst einen Blick darauf, ob deine Liste realistisch ist. Du kannst ja jetzt die Zeiten zusammenrechnen. Wenn dein Arbeitszeitpensum ausgeschöpft ist streichst du alles von deiner Liste, was darüber hinausgeht.

Der Papst gibt den Hinweis auf zwei Fallen. Achte darauf, dass du dich nicht abhetzt. Ein Programm bewirkt oft dies. Du fühlst dich wie ein Sklave und arbeitest das Programm ab. Du vergisst, dass das Programm lediglich eine Strukturhilfe ist und nicht dein Sklaventreiber. Wenn dein Zeitplan nicht gut berechnet ist oder Unvorhergesehenes geschieht, dann streiche wieder etwas vom Ende deiner Liste.
Der zweite Hinweis dreht sich um die Unentschlossenheit. Manchmal gehen deine Projekte deswegen nicht voran, weil du dich nicht entscheiden kannst. Mache ich A oder B oder lieber C oder rufe ich an und frage den oder die. Rechne einmal die Zeiten zusammen, in denen du unentschlossen bist. Deine Lebenszeit ist kostbar. Manchmal ist es besser, sich für das Falsche oder Zweitbeste zu entscheiden. Das ist besser als in der Unentschlossenheit zu verharren. Die Unentschlossenheit an sich ist ein unglaublicher Energieräuber. Sie führt dich in die Passivität und du bekommst nichts mehr von deiner Liste gebacken. Du gibst einfach auf!
Also, ein Programm. Nur für heute! In der Freude bleiben und es als Experiment sehen. Entscheide dich - ruhig auch einmal falsch - und vertraue, dass aus deiner falschen Entscheidung auch etwas Gutes wachsen kann. Aber die Gefahr wird geringer, wenn du dein Werk nicht in Hetze abarbeitest. Vergiss nicht, regelmäßig und tief dabei zu atmen.

9. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist - und ich werde an die Güte glauben.

Nur für heute werde ich keine Angst haben? Wenn ich darüber mal Einfluss hätte! Bei mir kommt die Angst einfach. Ich rufe sie nicht herbei. Ich will sie nicht einmal haben. In bestimmten Situationen kommt sie. Es kann sein, dass heute nichts geschieht, was die Angst auf den Plan ruft. Aber in der Hand habe ich das nicht. Ich kann leider einfach nicht beschließen, heute keine Angst zu haben. Ich kann Papst Johannes auch nicht fragen, ob er das in seinem Leben konnte. Nach meiner Erfahrung gibt es keinen Menschen ohne Angst. Jeden Menschen treibt irgendeine Angst im Leben an. Es gibt einigermaßen angstfreie Tage oder Zeiten. Vielleicht kannst du die Angst ausblenden, kleinreden, verdrängen... Da gibt es viele erfolgreiche Wege.
Vielleicht geht es dem Papst auch nicht um die Angst an sich sondern um die Kehrseite. Ich kann das Positive sehen und bejahen und mich darüber freuen. Es gibt ja Menschen, die sich konsequent weigern, in die Güte zu gehen. Wer weiß, was danach kommt. Wenn ich mich jetzt freue, falle ich hinterher um so tiefer. Wenn ich jetzt Angst vor der Freude habe und sie verhindere, kann ich auch nicht mehr fallen. Ich bin ja schon am Boden. Eine fatale Logik.
Ich möchte nicht enttäuscht werden, darum verhindere ich die Freude. Du kannst dich auf die Angst fixieren oder die Entscheidung treffen dich zu freuen über alles, was schön ist. Wenn dich auch viele Ängste plagen kannst du dich zugleich über die Blumen auf deinem Tisch freuen, das Lächeln eines Menschen, ein süßer Vogel im Baum. Stoff zum Freuen findest du genug!

10. Nur für heute werde ich fest glauben - selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten  - ,dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

Erst in dem zehnten und letzten Gedanken spricht der Papst über Gott. Alle anderen "nur heute" Gedanken beinhalten das Wort Gott nicht. Nur für heute werde ich "glauben".
Die Idee ist, dass Gott sich so um mich kümmert als gäbe es sonst niemanden auf der Welt. Wenn ich mir all die Menschen anschaue, die das Gegenteil zeigen... Die Menschen auf der Flucht. Die arbeitslos sind. Die unglücklich Verheirateten. Diejenigen, die Gewalt erfahren sei es physisch oder psychisch. Ich könnte eine ganze Litanei aufzählen von Menschen die das Gegenteil erleben von der gütigen Vorsehung Gottes. Ein großer Teil der Menschheit lebt ein Leben, das so nicht sein müsste, wenn wir alle gerechter und liebender wären. Aber der Kern dieses Papstgedankens ist wohl ein anderer.
Es geht ja um mich und um meine Grundhaltung. Nur für heute! Ich!
Ich werde also nicht über die Ungerechtigkeit der Welt nachdenken sondern darüber, wie es mir geht, wenn ich unglückliche Situationen erlebe. Verliere ich dauerhaft den Boden unter den Füßen, wenn ich in meinem Leben Leid erfahre? Kratzt das mein Gottesbild an? Erwarte ich tatsächlich, dass Gott mir jeden Tag paradiesische Umstände schenkt? Dann wäre er ja mein Sklave oder Diener. Zugleich finde ich den Gedanken und die Idee hilfreich. Wenn ich mein ganzes Leben anschaue weiß ich, dass ich einem Lebens- oder Seelenplan folge. Ich entwickle mich. In Zeiten von Entwicklung geht es rauf und runter. In meiner Entwicklung gibt es die Erlaubnis und das Einverständnis, dass kommen kann was kommen will.
Ich bin nicht wie ein Kind, das ständig etwas von Gott einfordert und erwartet. Gott, tu dies und bewahre mich vor jenem! Gott ist in mir und ich bin in ihm! Wir kümmern uns gemeinsam. Vielleicht müssen wir uns bis an das Ende des Lebens kümmern und über den Tod hinaus, dass alles vollendet und gut wird. Der Satz des Papstes für mich in Kurzform: "Es ist wie es ist und ich sage Ja dazu!"
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Donnerstag, 25. Januar 2018

Wir alle brauchen jemanden, der uns keine Vorwürfe macht


Stell dir vor, dass du am Morgen aufwachst. In der Nacht ist ein Wunder geschehen. Eine Fee kam und hat dieses Wunder bewirkt. Die Fee hat das Wunder bewirkt, dass niemand in deiner Familie dir mehr Vorwürfe macht. Es gibt keine Sätze wie: "Du hättest aber..." "Du solltest..." "Du müsstest..." "Hast du noch nicht..." Woran würdest du merken, dass dieses Wunder eingetreten ist? Was würden deine Familienmitglieder stattdessen sagen. Wie würden sie aussehen? Wie auf dich wirken?

Vielleicht kommt dir dein Heim freundlicher vor. Zugewandter? Wohlmeinender? Und wenn dir niemand einen Vorwurf mehr macht und alle sich gegenseitig ermutigen und bestätigen - wie würdest du dann reagieren? Was würde sich bei dir ändern? Welche Sätze würdest du sagen? Wie würdest du dich fühlen?

Jetzt stell dir vor: Du gehst morgen ins Bett und wachst am nächsten Morgen auf. Du stellst fest, dass die Fee tatsächlich in der Nacht dieses Wunder bewirkt. Du wirst am Morgen aufwachen und dieses Wunder an dir bemerken. Du wirst keine Vorwürfe mehr machen. Es ist geradezu unmöglich für dich, einen Vorwurf zu formulieren. Du bist voller Verständnis und Mitgefühl. "Wir alle brauchen jemanden, der uns keine Vorwürfe macht!" las ich auf einer Spruchkarte. Zunächst dachte ich an einen anderen Menschen, der uns so annimmt wie wir sind. Und einer, der uns keine Vorwürfe macht. Diesen Menschen zu finden ist nicht leicht. Ist eher ein Geschenk! Und wenn du keinen Menschen mit dieser Qualität hast? Gehst du in den Mangel?

Wenn die Fee kommt und das Wunder bewirkt, dass du morgen in dir keine Vorwürfe mehr hörst dann hast du einen Menschen gefunden, der dir keine Vorwürfe mehr macht. Du selbst! Du machst dir keine Vorwürfe mehr! Fängt nicht alles damit an, dass wir gnädig mit unserem inneren Kritiker umgehen? Wenn wir aufhören mit unseren Selbstvorwürfen wird das etwas verändern. Die anderen werden auch aufhören, uns Vorwürfe zu machen. Wir alle brauchen jemanden, der uns keine Vorwürfe macht! Fang doch einfach mit dir selber an!
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Mittwoch, 24. Januar 2018

Verstörungen, die dich aufwecken!

Du bist mit deinem Auto unterwegs zu einem Ziel. Weil du den Weg nicht kennst hast du dein Navi eingeschaltet. Plötzlich kommst du an eine Stelle, wo der Weg versperrt ist wegen Bauarbeiten. Da gibt es einen Moment der Verstörung. Du hast das doch gar nicht geplant. Alles sollte glatt gehen. Du kommst ganz einfach von A nach B.
Du machst Urlaub und beschließt, am Abend ins Kino zu gehen. Laut Internet läuft in einem bestimmten Kino ein toller Film. Du kommst an und die Kinotür ist verschlossen. Die Lichter sind aus! Kein Hinweis warum und weshalb.
Ein Freund benimmt sich anders als gewohnt. Etwas steht nicht mehr an seinem gewohnten Platz. Immer wieder kannst du die Erfahrung machen, dass dich etwas irritiert oder gar verstört. Dein System gerät durcheinander. Ich glaube, wir Menschen haben das nicht gerne. Wir lieben unsere gewohnten Abläufe. Kaffee mit einem Löffel Zucker und nicht zwei. Eine bestimmte Sorte Brot zum Frühstück. Zu einer festen Uhrzeit irgendwo sein. Zuverlässige Öffnungszeiten bei Behörden, in Geschäften und bei Ärzten.
Auch wenn wir Verstörungen nicht mögen. Sie haben auch ihre hilfreiche Seite. Du wachst auf! Du kommst ins Hier und Jetzt. Zwar nicht sanft, aber immerhin wirst du wach und aufmerksam. Wenn du aufwachst hältst du inne. Du wirst dir deiner selbst inne. Was ist passiert? Wo bin ich? Muss ich etwas tun? Du wirst präsent, gegenwärtig.
Verstörungen und Irritationen wecken die unangenehmen Gefühle und Dämonen in dir auf. Wenn du dich mit ihnen ein wenig anfreundest geht es leichter. Jede Verstörung ist wie ein Hund, der dich anstupst, um auf sich aufmerksam zu machen. Da ist etwas, das deine Aufmerksamkeit braucht. Und du brauchst etwas, das dich aufweckt und wieder ins Leben zurückholt.

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Dienstag, 23. Januar 2018

Zähne zusammenbeißen!

Wenn du die Zähne zusammenbeißen musst, dann erlebst du etwas als anstrengend, schmerzhaft oder unangenehm. Ein Jährchen älter werden, na und? Ist das schmerzhaft oder unangenehm?
Für eine Zeit habe ich während des Schlafes mit den Zähnen geknirscht. Das meinte jedenfalls mein Zahnarzt und verschriebe mir einen Plastikschutz für die Nacht. Ich habe ihn getragen aber wichtiger fand ich die Forschung nach dem Thema. Was hatte mich denn so belastet, dass ich die Spannung tagsüber nicht abbauen konnte?
Manchmal beschäftigt dich ein Thema. Du sorgst dich. Du hast Angst! Vielleicht sogar eine tiefe Existenzangst. Und diese Sorge hält dich so gefangen, dass du in die Anstrengung gehst. Du musst das Problem lösen. Du musst etwas tun! Es ist zu schwer zum aushalten! Du kannst dir eine Entspannung nicht leisten. Bleib wachsam! Es könnte noch Schrecklicheres geschehen. Vor allem bei Konflikten rechnest du mit dem nächsten Angriff deines Gegners. Du siehst nur noch die Zerstörung, die Auflösung, die Vernichtung, das Böse! Da sammelt sich am Tag so viel Spannung an, dass du die Nacht brauchst, um die Spannung aushalten zu können oder wieder loszuwerden. 
Und was machst du da, wenn die Zähne knirschen? Du zermalmst zwischen deinen Zähnen deinen Gegener, dein Problem, deine Sorge und deine Angst. Leider taucht es beim Aufwachen wieder auf. Es kann sein, dass du einfach sauer bist! Du bist ärgerlich bis wütend! Ein paar kräftige Faustschläge ins Kissen. Ein paar kraftvolle  Worte in den Wald gerufen wären wahrscheinlich eine gute Entlastung für die Zähne, die diesen Job nur unzureichend vollziehen können.
Zugleich ist es hilfreich, für einen Moment in sich zu gehen. Ich kann dem, was wütend macht aus dem Weg gehen. Ich kann es beseitigen oder ich kann die Einstellung gewinnen, dass es nicht so schlimm ist wie es sich gerade anfühlt. Mein Hilfesatz taucht manchmal auf nach der ersten Aufregung: "Angesichts der Ewigkeit, die auf uns wartet, ist das alles nicht so wichtig." Angesichts der Ewigkeit... Wenn ich diese Welt verlassen habe, werde ich mich mit diesem Thema auf keinen Fall mehr beschäftigen. Da mache ich  etwas, das total schön und erfüllend ist. Wenn ich etwas Wunderbares in der Ewigkeit mache, dann kann ich langsam aufhören, micht mit den Sorgen der Gegenwart herumzuplagen. Also! Welche Angst könntest du heute einmal loslassen angesichts der Ewigkeit, die auf dich zukommt und in der du dich schon befindest.
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Montag, 22. Januar 2018

Du schaffst das!

Manche Aufträge sind einfach unmöglich! Ein Elefant kann nicht auf einem Seil balancieren über einen Abgrund. Das Seil wird ihn nicht tragen. Da steht dann jemand davor oder dahinter und ruft: "Du schaffst das!"
Manchmal betrachtest du eine Anfrage, eine Aufgabe, einen Auftrag und denkst: Das geht gar nicht! Die Voraussetzungen stimmen nicht. Das Geld stimmt nicht. Deine Ressourcen stimmen nicht. Den Auftraggeber mag ich nicht. Ich kann das nicht! Die Summe heißt: Es geht nicht! Und wenn dein Bauch klar und deutlich Nein! sagt, dann verabschiede dich davon. Das war nichts für dich!

Manchmal jedoch bekommst du eine Aufgabe und es schleichen sich viele "wenn" und "aber" ein. Dein Bauch sagt dir: Fühlt sich eigentlich richtig an. Dein Kopf sagt dir: Zu viel, zu schwierig, zu...
Da können sich schnell Hürden aufbauen, die unüberwindlich erscheinen. Auch das wirkt wie ein Seil über den Abrund und du bist der Elefant.

Manchmal hast du nur ein Seil und manchmal gibt es einen breiten Weg. Manchmal erscheint dir der breite Weg aber wie ein Seil und du glaubst, dass du es nicht schaffst. Darum ist folgende Prüfung wichtig: Arbeitest du mit einem festen Weg oder mit einem Seil, das nicht trägt? Bei deiner Prüfung stellt sich vielleicht heraus, dass nur deine Angst den Weg zum Seil gemacht hat oder deine Unzulänglichkeit und deine behindernden Glaubenssätze.

Und manchmal geschieht auch das Wunder. Du gehst einfach los. Du fragst nicht nach Weg oder Seil über den Abgrund. Du gehst einfach. Und es geschieht das Wunder. Du kommst an! Du hast keine Erlärung dafür. Die Logik spricht dagegen. Aber du hast es geschafft!
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Samstag, 20. Januar 2018

Verabrede dich mal wieder mit dir selbst!



Wenn du am Morgen deine Beine aus dem Bett hebst bleib für einen Moment auf der Bettkante sitzen und besinne dich: Was wünsche ich mir für den heutigen Tag?

Wenn du beim Frühstück in dein Brot beißt, mach eine kurze Pause. Was esse ich hier eigentlich?
Wenn du unterwegs bist, mach eine kurze Pause. Lass die Welt für einen Augenblick still stehen. Wenn du die Zeitung liest, mache beim Lesen eine kurze Pause. "Was habe ich da gerade gelesen?" Wenn du mit jemanden sprichst unterbrich deine eigene Rede und mache eine kurze Pause.
Mit jeder Unterbrechung wirst du dir deiner selbst gewahr. Du steigst aus aus dem Alltagsgeschäft und spürst dich selbst.
Wenn du anfängst wahrzunehmen kommst du in den Genuss des Hier und Jetzt
Ich wünsche dir den Genuss des Augenblicks, wo du dich unterbrichst um dir zu begegnen.

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Freitag, 19. Januar 2018

Jede Krise birgt auch eine Chance!

                                                                                              
Das Kind bekommt ein schlechtes Zeugnis und wird nicht versetzt in die nächste Klasse. Da kann man nichts machen!
Das Paar hat sich heillos zerstritten und reicht die Scheidung ein. Da kann man nichts machen.
Der Kranke liegt im Sterben und der Tod wartet vor der Tür. Da kann man nichts machen.

Klingt wie Resignation, nicht wahr. Manchmal müssen wir uns dem "Schicksal" ergeben. Das Kind hat sich alle Mühe gegeben und dennoch die erforderlichen Noten nicht geschafft. Das Ehepaar war sogar in einer Beratung und der Kranke hat lange gekämpft. Da kann man nichts machen. Es mag sein, dass das Kind nicht versetzt wird, das Paar sich trennt und der Kranke stirbt. In jeder Situation "kann man dann dennoch etwas machen".
Das Kind kann daraus eine Lektion für die Zukunft lernen und andere Wege gehen. Das Paar findet in der Krise vielleicht einen neuen Anfang. Der Kranke kann noch vor dem Tod seinen Angehörigen seine Liebe zeigen.
Die Situationen können wir manchmal nicht verändern, aber unsere innere Einstellungen. Jedes Ereignis, das uns herausfordert, gibt uns die Gelegenheit zum inneren Wachsen.

Du kannst dein Leben bejahen mit allen Facetten. Es gibt nichts zu tun.
Du kannst Ja sagen auch  zu deinen Fehlern. Dann gibt es nichts zu tun.
Du kannst dich mit dir selber aussöhnen. Dann gibt es nichts zu tun.

Da kann man nichts machen - Resignation.
Es gibt nichts zu tun - einfach im Sein sein!

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Donnerstag, 18. Januar 2018

Es ist besser das zu überschlafen, was du zu tun beabsichtigst, als dich von dem wachhalten zu lassen, was du getan hast. (Igbo)




Bevor du eine Entscheidung triffst, von der Glück oder Unglück anderer Menschen abhängt, schlaf mal eine Nacht drüber. Nicht alles muss sofort entschieden werden. Bedenke alles, wiege es hin und her und dann lass es wieder los. Schiebe es in den kosmischen Brutkasten und belass es dort für eine Weile.
Wenn du zu schnell handelst und dabei Menschen verletzt oder kränkst, nur weil du es zu eilig hattest, musst du den Preis der schlaflosen Nächte zahlen.
Die Art deiner Nächte kann ein wichtiger Hinweis sein, wie gelassen du mit deinem Leben umgehst. Kannst du gut loslassen? Deine Gedanken, deine Pläne, dein möglicherweise schlechtes Gewissen?

Es ist besser, das zu überschlafen, was du zu tun beabsichtigst, als dich von dem wachhalten zu lassen, was du getan hast.

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Mittwoch, 17. Januar 2018

„Als ich mich selbst zu lieben begann!“ Zehn Impulse und Leitgedanken zum neuen Jahr



Zu Beginn eine Jahres macht es für mich Sinn, sich einen roten Faden zu suchen. Welche Gedanken könnten mich begleiten? Welche Wünsche trage ich im Herzen? Unter welchem Stern wird das neue Jahr für mich stehen?
Statt abnehmen oder pünktlicher kommen entscheide ich mich lieber für eine Idee, die tiefer greift. Wie wäre es damit, einfach der Liebe zu folgen? Es gibt ja den christlichen Grundsatz der drei Wege, die Liebe ins Leben zu bringen. Liebe Gott, der und die Nächste und dich selbst. Die Selbstliebe steht scheinbar auf dem dritten Platz und Gott an erster Stelle. Damit konstruieren wir unbewusst eine Hierarchie der Liebe. Allein das kann gar nicht im Sinn der Liebe sein. Hierarchische Abstufungen finden im Kopf statt. Der Verstand bewertet sofort. Gott ist wichtig und Selbstliebe ist egoistisch und das ist schlecht. Den Nächsten lieben ist wichtiger als auf sich selbst zu schauen. Und vor allem gehört Gott immer an die erste Stelle. So macht das unser Verstand.
Das Herz spricht eine andere Sprache. Es hört Liebe, es öffnet sich wie eine Blumenblüte und brennt. Das Herz schwingt wenn es fühlt und wenn es liebt. Dabei geht es um das Lieben an und für sich. Das Wesen des Herzens besteht darin, zu lieben. Ich liebe mit meinem Herzen und du mit deinem. Über meines verfüge ich und über deines nur du selbst!
Wenn ich mit dem Lieben beginne verlagere ich mein Bewusstsein vom Kopf in das Herz. Im Kopf entwickle ich meine Gedanken. Dort werte ich und wäge ab. Wenn ich mich mitten in das Herz hineinbewege bin ich verbunden mit allem was ist. Der Zustand des Liebens schließt nichts aus. Die Unterschiede verschwinden mehr und mehr ob ich Gott liebe, den Nächsten oder mich selbst. Ich werde zum Liebenden.
Ich kann nur an mir selbst testen, ob meine Liebesfähigkeit vorhanden ist oder nicht. Wenn ich mich selbst liebe kann ich die Auswirkungen bei mir selbst spüren. Ich entspanne mich. Ich fühle mich behaglich. Es wird mir warm. Die Gedanken kommen zur Ruhe. Je mehr ich liebe, desto stärker wirkt es sich körperlich, geistig und fühlend aus.
Ich kann also in meinem Tun eine Prise Liebe hineingeben und schon intensivieren sich meine Empfindungen und bekommen eine tiefere Qualität. Wenn ich mich selbst nicht lieben kann weiß ich gar nicht, was Liebe ist. Ich hätte vielleicht eine gedankliche Ahnung, weil viele darüber sprechen und weil ich Liebesromane zum Studium lesen könnte. Aber ich hätte keine Selbsterfahrung damit. Die Gottesliebe wäre nur eine Art moralisches Gebot, das ich mit erhobenem Zeigefinger erfüllen müsste.
Die Selbstliebe ist also so etwas wie die Voraussetzung dafür, dass ich Gott oder einen anderen Menschen lieben kann. Am Ende ergibt sich ein unendlicher Kreislauf. Gott liebt mich, so dass ich von seiner Liebe lebe und lieben kann. Ich schicke meine dankbare Liebe an Gott zurück und beziehe die ganze Schöpfung mit ein.
Es lohnt sich also, die Selbstliebe in den Blick zu nehmen. Doch wenn ich mich selbst liebe, wer ist dieses „m-ich“? Wen oder was liebe ich da eigentlich? Denjenigen, der so aus dem Bauch der Mutter kam und im Laufe der Jahre gewachsen ist mit Freud und Leid? Denjenigen, der sich hinter allen „Ich-Erfahrungen“ als etwas Göttliches verbirgt? Schließt es möglicherweise von mir nichts aus und beinhaltet alles? Eine intensive spirituelle und philosophische Frage!
Ich kann mich auf jeden Fall bewegen hin zu mehr Liebe zu mir selbst. An den Auswirkungen werde ich erkennen, ob ich diesem Ziel näher komme. Wenn ich die Art und Weise mich selbst zu lieben intensiviere, wird es auch Auswirkungen haben auf die Liebe zu meinem Nächsten.

Ich möchte dich einladen, dies mit der Unterstützung eines Textes (1996) der Autorin Kim McMillen zu tun. Ein Charlie Chaplin Fan hat sie dann ihm in den Mund gelegt und mit dem 70igsten Geburtstag verknüpft. Eine schöne Idee, die sehr erfolgreich wurde. Und hier zunächst der ganze Text, wie er mir vorliegt. Die Struktur der Sätze ist immer gleich. Wenn ich anfange, mich selbst zu lieben, dann gibt es Veränderungen oder Auswirkungen wie Respekt, Reife oder Selbstvertrauen.

Als ich mich selbst zu lieben begann

Als ich anfing mich selbst zu lieben, konnte ich erkennen, dass Angst und
emotionales Leiden nur Warnzeichen sind, dass ich gegen meine eigene Wahrheit lebe.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, verstand ich, wie sehr es jemanden beeinträchtigen kann, wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzuzwingen, auch wenn ich eigentlich weiß, dass der Zeitpunkt nicht stimmt und dieser Mensch nicht dazu bereit ist – und das gilt auch, wenn dieser Mensch ich selber bin. Heute weiß ich: Das nennt man RESPEKT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen
Menschen zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung
zum Wachsen ist. Heute weiß ich: Das nennt man REIFE.

Als ich anfing, mich selbst zu lieben, habe ich verstanden, dass ich immer und unter allen Umständen zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin.  Und dass alles zum richtigen Zeitpunkt geschieht. Von da an konnte ich ruhig sein. Heute weiß ich: Das nennt man SELBSTVERTRAUEN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich es sein lassen, mir meine eigene Zeit zu stehlen, und ich hörte auf, große Zukunftsprojekte zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Freude bereitet und mich glücklich macht, Dinge, die ich gerne tue und die mein Herz zum Lachen bringen - und ich tue sie auf meine Weise und in meinem Rhythmus.
Heute weiß ich: Das nennt man EINFACHHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem selbst befreit, was nicht
gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich
immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das »Gesunden Egoismus«, aber heute weiß ich: Das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer Recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt: Das nennt man DEMUT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit
zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet. So lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig
und krank machen kann. Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam der
Verstand einen wichtigen Partner. Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen
mit uns selbst und anderen zu fürchten, denn sogar Sterne knallen aufeinander und es
entstehen neue Welten. Heute weiß ich: Das ist LEBEN.
(Nach Kim McMillen)

Die erste Auswirkung: Ich werde authentischer

„Als ich anfing mich selbst zu lieben, konnte ich erkennen, dass Angst und
emotionales Leiden nur Warnzeichen sind, dass ich gegen meine eigene Wahrheit lebe.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.“

Manche sehen die Wahrheit als etwas Absolutes an. Es gibt eine objektive endgültige und ewig geltende Wahrheit. Das mag so sein. Aber als Mensch habe ich immer meine subjektive Brille auf. Ich kann sie nicht einfach ablegen. In mir gibt es eine innere Wahrheit, die zu mir selbst gehört. Ich nehme die Wirklichkeit wahr, so wie sie für mich ist. Ich finde einen Menschen schön. Das Meer großartig. Die Berge überwältigend. Jemand anders lebt eine andere Wahrheit und eine andere Wirklichkeit. Aber nicht jeder traut sich zu, seine Wahrheit auch ganz und gar zu leben.
Wenn ich mir sicher bin mit mir selbst frage ich einen anderen trotzdem: „Wie siehst du das? Was meinst du?“ Ich kann den anderen fragen, weil mich seine Wahrheit interessiert und ich mich mit diesem Menschen verbinden möchte. Ich kann aber auch fragen, weil ich mir selbst in meiner Wahrnehmung unsicher bin. Ich traue meiner Wahrheit nicht.
Wenn ich aber von einem göttlichen Ursprung her komme müsste ich es eigentlich besser wissen. Das Göttliche in mir weist mich hin auf etwas ewig und absolut Wahres in mir. Halte ich meine Wahrheit etwa für falsch weil ich immer noch die Stimme meiner Eltern höre? „Du lügst! Du hast Unrecht! Du bist dumm!“
Die alltägliche Wirklichkeit sieht leider so aus, dass wir oft Momente der Angst und Unsicherheit erleben. Dass wir die Balance verlieren und leiden, weil andere Menschen uns negativ bewerten. Damit wir beliebt bleiben oder werden verbiegen wir uns. Wir möchten dazugehören. Nicht ausgeschlossen sein. Sich verlassen zu fühlen und isoliert zu sein ist schlimmer als die eigene Wahrheit nicht zu leben. Was nützt mir meine Wahrheit, wenn ich einsam bin!
Wenn ich aber anfange, mich selbst zu lieben verändert sich meine Wahrnehmung. Ich sage Ja zu meiner eigenen Wahrnehmung der Wirklichkeit. Ich mache mich unabhängig von den Werturteilen meiner Umgebung. Ich riskiere es, verlassen zu werden in dem Wissen, dass ich mit mir auf jeden Fall gut auskommen werde. Wenn ich mich liebe, ist ja Liebe da. Liebe im Innen! Zugleich werde ich feststellen, dass die anderen mich nicht verlassen werden nur weil ich meine eigene Wahrheit lebe! Auch dieses ist nur eine Vorstellung in meinem Kopf und eine Erinnerung an meine Kindheit. Als ich klein war, lachten mich die Erwachsenen aus für meine beschränkte kindliche Weltsicht.
Es ist bestimmt heilsam, dieses kleine Kind in mir zu lieben, das eine ganz eigene kindliche Sicht der Wahrheit hatte. Das Gegenteil von Wahrheit ist für mich übrigens auch nicht die Lüge sondern eher die Unwahrhaftigkeit. Es geht darum, dass ich zu mir selber stehe und mich darin authentisch und echt fühle.  Und mehr davon – das wünsche ich dir und mir.

Die zweite Auswirkung: Ich respektiere mehr

„Als ich mich selbst zu lieben begann, verstand ich, wie sehr es jemanden beeinträchtigen kann, wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzuzwingen, auch wenn ich eigentlich weiß, dass der Zeitpunkt nicht stimmt und dieser Mensch nicht dazu bereit ist – und das gilt auch, wenn dieser Mensch ich selber bin. Heute weiß ich: Das nennt man RESPEKT.“

Manchmal möchte ich, dass der andere etwas für mich macht. Ich selbst habe keine Zeit oder ich kann es einfach nicht. Ich wünsche mir, dass mir jemand hilft und wenn ich diesen Wunsch nicht ausspreche, kann er sich auch nicht erfüllen. Meine Wünsche stehen nicht auf meiner Stirn geschrieben. Sich etwas von jemandem zu wünschen in aller Offenheit finde ich sehr hilfreich und verbindend. Da ist nichts dran auszusetzen.
Es geht darum, jemandem Wünsche aufzuzwingen. Dieser Zwang begegnet mir im Leben eigentlich nicht. Wenn jemand etwas von mir wünscht dann spüre ich die Freiheit, ob ich den Wunsch erfüllen mag und kann. Wenn sich ein bedrückendes Gefühl breit macht weiß ich, dass da etwas nicht stimmt.
Neben der offensiven Art, Druck und Zwang auszuüben, gibt es die verborgenen manipulativen Ansätze, die ich viel gefährlicher finde. Ansätze, die ich gar nicht so richtig bemerke. „Du weißt doch, dass ich nicht kochen kann. Und wir treffen uns doch nächste Woche und ich fühle mich total überfordert.“ Und dann folgt kein ausgesprochener Wunsch, keine Bitte. Ich höre den Appell: „Koch du für mich! Sonst bist du Schuld, dass ich mich blamiere.“ Und schon stehe ich am Herd. „Wenn du nicht willst, dass ich nass werde, dann müsstest du mich eben wegbringen. Du hast ja, wie ich sehe, auch nicht etwas Wichtiges vor bei dem ich stören könnte. Das würde ich auf keinen Fall tun. Ich respektiere deine freie Zeit.“ Natürlich will ich nicht, dass mein Partner nass wird und selbstverständlich habe ich nicht ständig wichtiges vor! Außerdem möchte ich den Beziehungsfrieden gerne bewahren.
Zugleich nagt der Manipulationsversuch aber an meinem Herzen. Es fühlt sich nicht gut an, zu manipulieren oder manipuliert zu werden.
Wenn ich mich selbst liebe, dann höre ich mit solchen Spielen auf. Dann frage ich klar und direkt. Dann respektiere ich die Freiheit des anderen und nehme eine Absage aufrecht entgegen. Ohne Groll und ohne Kränkung. Ich habe kein Recht, auf das Leben des anderen einzuwirken und ihn für mich auszunutzen. Zu keiner Zeit! Liebe kennt keinen Zwang, denn dann verlässt sie sich selbst und ihre Grundsätze. Wenn ich meine eigenen Manipulationsweisen durchschaue mit „selbstliebenden“ Augen werde ich anders denken und sprechen – respektvoller! Und mehr davon – das wünsche ich dir und mir.


Die dritte Auswirkung: Ich werde reifer

„Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen
Menschen zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung
zum Wachsen ist. Heute weiß ich: Das nennt man REIFE.“

Alles um mich herum ist eine Aufforderung zum Wachsen! Ich darf wachsen. Ich erinnere mich an so manche Situationen in meinem Elternhaus wo es darum ging, bloß nicht so zu werden wie die Nachbarskinder. Das eine Kind stotterte. Das andere Kind war faul. Wieder ein anderes Kind war dumm oder war zu aggressiv oder ungehorsam gegenüber den Eltern.
Ständig verglich meine Mutter uns mit irgendwelchen anderen Kindern. Konnten wir in der Schar der Nachbarskinder bestehen?
So fing ich an mich zu vergleichen. Was konnte ich besser und was konnte ich schlechter? Meine Mutter schaute auf die Moral und ich als kleiner Junge schaute auf das, was andere Jungen praktischerweise besser konnten als ich. Ich konnte nicht Fußball, keine Hütten bauen, keinen Flitzebogen erstellen und keine flugfähigen Drachen bauen. Andere Jungen konnten dafür nicht hüpfen, singen und Geschichten erzählen. Das konnte ich wiederum, aber ich hätte gerne wenigstens einmal gut Fußball spielen wollen.
Wenn die Sehnsucht dahin geht, das gut zu tun, was andere können, dann gehe ich weg von mir. Ich bin nicht mehr bei mir sondern beim anderen. Doch es fühlt sich so an, als stünde ich am Bahnsteig und der Zug fährt ohne mich ab. Ich stehe am Rand des Fußballfeldes und das Spiel findet ohne mich statt. Ich würde ja so gerne, aber ich kann nicht! Während dieser Zeit des sehnsuchtsvollen Zuschauens versäume ich es, mich um mein eigenes Wachsen zu kümmern. Es hat mir niemand beigebracht, dass ich mich unterscheiden darf. Dass ich ganz einmalig bin! Ich dachte oft, dass ich kein echter Junge wäre. Nur ein so ungefährer!
Ich habe etwas falsch verstanden. Ich dachte, ich müsste so werden wie die anderen Jungen ohne darauf zu achten, dass ich das gar nicht bin.
Wenn ich anfange, mich zu lieben, dann höre ich auf, nach außen zu schauen. Dann nehme ich das Außen nur wahr als einen wunderbaren parallelen Wachstumsprozess zu meinem eigenen. Alles wächst auf je eigene Weise – warum nicht auch ich? Während der Nachbarsjunge zu einem tollen Fußballspieler heranwächst fange ich an zu singen. Ich singe aus vollem Herzen meine Melodien und Lieder. Denn das bin ich! Der Sänger und nicht der Fußballspieler. Ich höre auf, meine Zeit zu vergeuden und lebe das eigene Leben!
Wenn ich anfange, mich zu lieben, dann liebe ich eben meine Stimme, meine Stimmungen und meine Lieder. Das ist mein Beitrag zur Welt! Je mehr ich singe, desto voller und ausdrucksstärker wird meine Melodie. Einwilligen in den eigenen Reifungsprozess! Davon mehr – das wünsche ich dir und mir. 



Die vierte Auswirkung von Liebe:  Ich entwickle mehr Selbstvertrauen

„Als ich anfing, mich selbst zu lieben, habe ich verstanden, dass ich immer und unter allen Umständen zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin.  Und dass alles zum richtigen Zeitpunkt geschieht. Von da an konnte ich ruhig sein. Heute weiß ich: Das nennt man SELBSTVERTRAUEN.“


Da wo ich bin, bin ich am richtigen Ort. Jetzt und immer. Und es ist immer richtig. Immer! Es ist nie falsch! Nie! Meine Gedanken gehen oft in eine andere Richtung. Bin ich zu früh? Bin ich zu spät? Darf ich hereinkommen? Bin ich willkommen? Habe ich etwas Falsches gesagt? Habe ich mich gut genug ausgedrückt? Bin ich Schuld, dass jetzt dieses oder jenes passiert? Je mehr ich diese Gedanken zulasse, desto vorsichtiger werde ich. Und desto nachdenklicher und zurückhaltender. Ich bewege mich wie in einem emotionalen Porzellanladen. Immer in der Angst, irgendetwas nicht richtig zu machen und für die Folgen einstehen zu müssen.
Ich passe einmal nicht auf und schon geht etwas kaputt. Alle schauen auf mich und lachen mich aus oder beschimpfen mich. Ich schäme mich und fühle mich schuldig. Ich fange an, mich durch das Leben zu schleichen in der Hoffnung, dass mich niemand in meiner Schwäche sieht.
Wie anders fühlt es sich an, wenn mir bewusst wird, dass es nur ein dummer Gedanke ist, der mich da einschränkt. Eine Konstruktion in meinem Kopf! Ich bin immer richtig. Am richtigen Ort und zur richtigen Zeit. Wenn mir das bewusst wird kann ich loslassen. Kann ich mich fallen lassen in den Ort und in das Dasein und in das Sein. Und wenn ich mich fallenlassen kann muss ich nicht mehr aufpassen. Ich bewege mich jenseits und außerhalb von richtig und falsch. Dann lebe ich im Vertrauen und traue meinem Selbst immer mehr zu. Und mehr davon – das wünsche ich dir und mir!

Die fünfte Auswirkung: Ich werde einfacher

„Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich es sein lassen, mir meine eigene Zeit zu stehlen, und ich hörte auf, große Zukunftsprojekte zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Freude bereitet und mich glücklich macht, Dinge, die ich gerne tue und die mein Herz zum Lachen bringen - und ich tue sie auf meine Weise und in meinem Rhythmus.
Heute weiß ich: Das nennt man EINFACHHEIT.“

Für ein paar Jahre bezog ich eine Zeitschrift, die es sich zum Thema machte, Dinge zu vereinfachen. Vereinfache dein Leben! Ich war ganz fasziniert davon, wie ich komplizierte Dinge vereinfachen konnte. Zeit, Geld und Energie sparen. Auch das kann schnell zu einer zeitaufwändigen Ideologie werden. Vereinfachen um jeden Preis. Da schlägt das Herz der Sparfüchse! Ich habe das Abo schon lange abbestellt und alles entsorgt. Das hat mein Leben unglaublich vereinfacht. Keine Vereinfachungsregeln mehr beachten vereinfacht auch!

Wenn es schwer ist, etwas zu vereinfachen, dann ist es nicht mehr leicht und somit überflüssig. Mir gefällt es, wenn ich nur wenige Dinge beachten muss. Am liebsten als halbautomatische Abläufe! Ich mag es, wenn ich etwas mit Freude tun kann und wenn es mein Herz zum Lachen bringt. Ich habe mich davon verabschiedet ein Rezeptbuch zu schreiben. Ich wasche meinen Feldsalat. Schneide Tomaten und eine Avocado. Dazu ein wunderbares Dressing mit Salz, Pfeffer, Ahornsirup, Essig und Olivenöl. Es wird mir schmecken. Und morgen würde es mir noch einmal schmecken. Und auch das ganze Jahr! Das Brot wird mir auch schmecken! Ich liebe Brot! Ich könnte auch nur von Wasser und Brot leben. Einfach und köstlich!
Wenn ich beginne, mich zu lieben, höre ich auf, kompliziert zu denken. Das Herz möchte nicht Monate und Jahre auf irgendetwas warten. Das Herz lebt im Jetzt. Der Verstand mag die komplizierten Dinge. Verschraubte Gedanken! Je verschraubter, desto weiter jedoch entferne ich mich von mir! Wenn ich beginne, mich zu lieben, finde ich auch meinen eigenen Rhythmus. Den Rhythmus meines Herzens. Dann hört der Stress sofort auf. Ich muss nicht mehr im Tempo eines fremden Menschen leben. Ich lebe in dem, was zu mir gehört.
Nah an meinem Herzen braucht es wenig. Und mehr davon – das wünsche ich mir für dich und mich.



Die sechste Auswirkung: Von der Selbstliebe entwickle ich immer mehr

„Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem selbst befreit, was nicht
gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich
immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das »Gesunden Egoismus«, aber heute weiß ich: Das ist SELBSTLIEBE.“

Liebe ist einfach da – und manchmal nur ein Wort, das schön klingt und ein positives Gefühl bewirkt. Es bringt mich in einen sehnsuchtsvollen Zustand und entlarvt meinen Mangel. Ich erlebe zum Beispiel zu wenig Zuwendung und kompensiere durch Süßigkeiten.
Damit Liebe wirklich „ist“ braucht sie Konkretisierung. Was von den Dingen, die ich praktiziere, tut mir nicht gut auf die Dauer und in der Tiefe? Oft meine ich nur, dass mir etwas gut tut, es ist aber nur eine Illusion, eine Einbildung! Es entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein Ersatz für die Liebe. Ich finde mich nicht schön also kaufe ich extravagante Kleidung und schminke mich. Nichts gegen tolle Kleidung! Extravagante Kleidung und Schminke kann natürlich ein Ausdruck reiner Lebensfreude sein! Je nach Motivation. Darum ist die Frage wichtig: „Was möchte ich mit dem, was ich denke und mache, ausdrücken.“
Schöne Kleidung wird darum keine Selbstliebe bewirken. Ich kann sie also damit nicht herstellen. Wenn ich mich nicht gut fühle und mich dann schick mache, werde ich mich für einen Moment besser fühlen, aber nur aufgrund der Kleidung. Ich bin dann abhängig von schönen Kleidern. Wenn ich mich aber grundsätzlich schön fühle brauche ich nicht wirklich irgendwelche Kleider. Ich kann sie mögen und genießen, aber ich bin nicht davon abhängig.
Wenn ich mich selbst liebe, werde ich unabhängig von den materiellen Dingen im Leben. Speisen, Menschen und Dinge verlieren ihre Macht. Ich kann sie haben, muss es aber nicht. Und darin liegt der Unterschied, der einen Unterschied macht.
Wenn ich mich selbst liebe, dann besser nicht nur einmal am Tag oder ab und zu. Sondern grundsätzlich und überhaupt! Es kann so schnell passieren, dass dich etwas herunterzieht. Ein abweisender Blick. Schlechtes Wetter. Unerledigte Aufgaben. Dann hast du das Gefühl, dass du dich durch das Leben schleppst. Alles wird schwerer und schwerer. Kennst du die Trigger, die solche Zustände bei dir bewirken? Alles fühlt sich zu Beginn leicht und wunderbar an und plötzlich sagt jemand zu dir einen Satz und bevor dir klar wird, was da geschieht, fühlst du dich schlecht. Wie auf Knopfdruck! Begrüße ab jetzt diese Momente! Da fängt nämlich die Herausforderung gerade an. Entlarve den Trigger und bleibe schön bei dir. Beobachte, wie das geschehen konnte und entscheide dich, wieder in die Liebe zu gehen. Wenn du dich schlecht fühlst, gehst du auch schlecht mit dir selbst um. Niemand gewinnt etwas durch dein schlechtes Gefühl. Du zahlst selbst den Preis. Du kannst dich in jeder Sekunde für die Liebe entscheiden. Es ist ein Training!
Der Egoismus trainiert das Ego – dein so menschlich gewordenes Ich. Dahinter, dazwischen und mitten drin existiert aber dein Höheres Selbst. Wenn du dich selbst liebst, trainierst du diesen ursprünglichen Teil von dir. Mehr davon – das wünsche ich dir und mir.

Die siebte Auswirkung: Ich werde demütiger

„Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt: Das nennt man DEMUT.“

Ich gebe es nicht gerne zu. Ich habe gerne recht. Es fuchst mich, wenn ich einmal nicht recht habe. Dann werde ich entlarvt als dummer Junge. Als Unwissender! Ich hätte doch besser recherchieren können! Ich hätte das Gelesene besser behalten können! Wer recht hat, besitzt die Macht und steht höher, oder?
Ich habe festgestellt, dass recht haben isoliert. Es macht einsam. Warum? Wenn ich anderen Menschen zuhöre dann höre ich mit einem bestimmten Ohr. Ich kann zuhören mit anteilnehmender Offenheit und mit wohlwollendem Interesse. Ich kann aber auch zuhören mit der Fehlersuche: „Das ist falsch und ich weiß es richtig!“ Das Aufdecken der Fehler macht mich selbst stark und den anderen schwach. Wenn ich das mache und ständig mache, dann trenne ich mich vom anderen. Ich stelle ihn hin als Dummkopf. Am Ende ist die ganze Welt dumm und ich bin der einzige Mensch mit Durchblick. Ich werde zum Gott und zum einzigen Gott! Du bemerkst die Hybris?
Wenn ich mich selbst liebe dann entscheide ich mich für ein anderes Lebensprinzip. Ich verzichte auf das Recht. Das Rechtsprinzip wird benötigt, wenn die Liebe nicht mehr fließt oder solange man noch Angst vor dem Egoismus der Menschen haben muss. Das Recht lebt davon, dass wir uns ohne dieses die Köpfe einschlagen würden. Es verhindert den Krieg.
Wenn ich mich selbst liebe, dann verzichte ich erst einmal auf das Recht. Ich verzichte darauf, alles zu überprüfen nach Richtigkeit. Ich überprüfe also nicht mehr. Ich höre zu, wenn jemand etwas sagt und nehme seine Wahrheit mit Dankbarkeit an. Wenn ich nicht mehr recht haben möchte, dann irre ich mich selbst auch weniger. Ich bestehe ja nicht mehr auf etwas. Manchmal sage ich etwas und jemand anders korrigiert mich. Manchmal gehe ich nicht in den Widerspruch, sondern ich sage: „Danke, du hast recht!“ Wenn ich das mache entsteht ein eigenartiges Loch. Mein Gegenüber befindet sich inzwischen in einer ordentlichen Kampfstimmung und hat sich schon ein neues Argument zurechtgelegt. Wenn ich meinem Gegenüber recht gebe, gibt es keine Nahrung mehr für den Kampf und es entsteht eine Pause. Es kann sich ein neuer Raum öffnen, ein Freiraum, in dem neues geschehen kann. Die Haltung dazu könnte ich mit Demut bezeichnen. Den Mut, den Kampf zu beenden. Die tiefe Erkenntnis zu bekommen, dass ich „nur“ meine eigene Wahrheit sehe und leben kann. Und dass die göttliche allertiefste Wahrheit mir entzogen ist. Ich verlasse also meine falsche Göttlichkeit im recht haben wollen hin zu einer dienmütigen Haltung des Nichtwissens dem absolut Göttlichen gegenüber. Mehr davon – das wünsche ich dir und mir.

Die achte Auswirkung: Ich werde bewusster

„Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit
zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet. So lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.“

Manchmal kann ich die Vergangenheit nicht loslassen. Ich denke zurück an meine Kindheit, die Schule und meine früheren Berufsjahre. Wenn ich mich auf die positiven Ereignisse konzentriere dann steigen sie mir mit Mühe in meine Erinnerung auf. Die negativen Erlebnisse haben aber eine viel größere Macht. Alte Kränkungen und Verletzungen können plötzlich auftauchen und mein Gefühlsleben von jetzt auf gleich überfluten. Was ich gedanklich zu bewältigt geglaubt habe kommt von hinten herum im Gefühl mit einer heftigen Welle wieder. Wozu ist das gut? Ich lebe doch gar nicht mehr in der Vergangenheit. Diese Ereignisse sind vorbei. Manchmal gebe ich mich diesen Kränkungsgefühlen hin und manchmal sage ich auch „Stopp!“ Bis hier her und nicht weiter. Es ist überflüssiges und altes Zeug, das ich da wieder und wieder aufwärme!
Wenn ich in die Zukunft gehe dann könnte ich ja denken: „Wie wunderbar! Ich habe Arbeit, ein Dach über dem Kopf und lebe in einer tragfähigen Beziehung. Danke!“ Aber stattdessen tauchen da plötzlich Krisenszenarien auf. Bilder von Arbeitslosigkeit und Überlebenskampf unter einer Brücke. Ich stelle mir ein leeres Bankkonto vor und schon spüre ich die Angst. Das ist doch verrückt, oder? Im Moment habe ich noch genug Geld um die nächsten Monate davon zu leben. Aber der Zukunftsangst reicht diese Vorstellung nicht aus. Sie möchte mehr Sicherheit.
Ich mache mir bewusst, dass ich meine Sorgen und Ängste ständig nähre. Ich gehe in die Vergangenheit und ich gehe in die Zukunft. Ich hole mir dort alle selbstzerstörerischen Gedanken und Gefühle ab. Ich muss das nicht machen! Wenn ich in das Hier und Jetzt gehe verschwindet der Spuk auf der Stelle. Es war nur ein Gespenst, nicht mehr!
Was hat das mit der Selbstliebe zu tun? Wenn ich mich selbst liebe, dann kann ich das nur in jedem Augenblick. Nur im Jetzt kann ich aktiv lieben. Wenn ich das mache, dann befinde ich mich im Zustand der Verbindung mit mir selbst. Ich bin da mit mir und spüre meinen Körper, meinen Atem und meinen Herzschlag. Ich spüre, dass ich jetzt lebendig bin. Und ich mache mir das bewusst. Ich atme nicht nur automatisch, sondern ich bin mir bewusst, dass ich jetzt in diesem Augenblick atme. Wenn ich Angst habe, vergesse ich zu atmen und es ist mir nicht bewusst. Wenn ich Angst habe und es registriere, dass ich gerade Angst habe und nicht atme – dann kann ich mich entscheiden, wieder tiefer und bewusster zu atmen. Wenn ich liebend mit mir im Hier und jetzt bin, kann ich gut für mich sorgen und meinen Körper mit Entscheidung beatmen. „Aha, da ist gerade diese Enge in meiner Brust, weil mir jemand etwas Unangenehmes gesagt hat. Es wäre jetzt gut für mich, das Atmen nicht zu vergessen, sondern ganz tief mehrmals ein- und auszuatmen.“ Dafür braucht es Bewusstheit, sonst übernimmt ausschließlich das Unbewusste das Ruder und ich lebe nicht, sondern werde gelebt und fühle mich fremdgesteuert. Mit mehr Bewusstheit kann ich auch mehr Verantwortung übernehmen. Mehr davon – das wünsche ich dir und mir.

Die neunte Auswirkung: Mehr Herzensweisheit

„Als ich mich selbst zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig
und krank machen kann. Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam der
Verstand einen wichtigen Partner. Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.“

Wenn ich in mir hineinschaue dann entdecke ich verschiedene Möglichkeiten, mit mir und mit der Welt zu kommunizieren. Ich kann Dinge erkennen und benennen. Ich kann meinen Verstand gebrauchen und vernünftige Dinge denken und sagen. Ich kann Pläne entwickeln und mich Schritt für Schritt daran abarbeiten. Ich funktioniere wie ein Uhrwerk darin, wenn ich alles sorgfältig durchdacht habe. Mein Verstand dient mir seit vielen Jahren und wurde trainiert in der Schule und in der Universität. Dafür bin ich sehr dankbar!
Jetzt stelle ich mir vor, dass ich mit einem anderen Menschen am Meeresstrand stehe und einen enthusiastischen Vortrag halte über Wassertemperaturen, über Winde, Wellen und angrenzende Länder. Dann könnte dieser Mensch an meiner Seite mich entgeistert anschauen weil er etwas ganz anderes wahrnimmt. Mein Gegenüber fühlt sich gerade großartig und genießt den Wind um die Ohren. Er riecht das Salzwasser und spürt, wie die Wellen seine Füße umspülen. Und er taucht ein mit seinem ganzen Sein in dieses grenzenlose Meer und fühlt sich verbunden mit allem, was ist. Und ich spreche von meinen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dann wird deutlich, dass wir in zwei Welten leben. Ich lebe in der Welt des Verstandes und mein Gegenüber im Gefühl.
Gibt es ein besser oder schlechter? Ein richtig oder falsch? Muss ich mehr fühlen und mein Gegenüber mehr denken? Und was geschieht, wenn ich anfange mich zu lieben? Die Liebe verbindet diese beiden Kraftquellen und scheinbar entgegengesetzten Pole. Sie macht deutlich, dass der Verstand für sich allein armselig ist und das Gefühl für sich allein keine Substanz hat. Die Verbindung von Herz und Weisheit führt zur Herzensweisheit, zu einem Weisheitsherz. Beide Fähigkeiten können sich auf diesem Weg wunderbar ergänzen und gegenseitig bereichern. Es braucht eine Instanz, die nicht bewertet und dieses Zusammenspiel fördert und unterstützt. Die Liebe wertet nicht. Sie kann stehen lassen und beiden Qualitäten Raum geben. Mehr davon – das wünsche ich dir und mir.

Die zehnte Auswirkung: Mehr leben

„Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen
mit uns selbst und anderen zu fürchten, denn sogar Sterne knallen aufeinander und es
entstehen neue Welten. Heute weiß ich: Das ist LEBEN.“

Viele von uns leben nach einem unausgesprochenen und allgegenwärtigen absoluten Grundgefühl. Wir wünschen uns Glück und es möge uns gut gehen. Wir möchten positive Gedanken denken und wohlige Gefühle haben. Wir lieben die Freiheit und möchten zugleich geborgen sein. Wir lieben paradiesische Zustände und tun ganz viel dafür. Wir arbeiten, damit wir uns das Glück leisten können. Die Konsumindustrie weiß um unser Begehren und lebt davon. Am Silvestertag umgeben wir uns mit lauter Glückssymbolen und wünschen allen Menschen ein friedliches und erfülltes neues Jahr.
Wir wollen nichts hören von Krieg, Hunger und Zerstörung. Konflikte sind uns ein Dorn im Auge und wir vermeiden sie lieber. Wer setzt sich denn schon gerne auseinander und beschäftigt sich mit Problemen. Wir wünschen uns nicht solche zerstörerischen Zustände und wir tun ganz viel dafür, dass so etwas auf keinen Fall passiert.
Wenn ich aber auf mein Leben zurückblicke, dann sehe ich eine bunte Mischung. Ich sehe alles! Ich sehe meine kranken und meine gesunden Anteile. Ich nehme meine zerstörerischen und aufbauenden Gedanken wahr. Ich hatte manchmal Glück und immer wieder auch Pech. Mir wurde einmal meine Lieblingsgitarre gestohlen und ich bekam einfach so Geld geschenkt.
Das Geheimnis besteht für mich nicht darin, weniger vom Unglück abzubekommen. Ich übe mich darin ein, dass es mir immer weniger ausmacht. Dass ich immer einverstandener damit werde, weil das Leben auf diesem Planeten so gestrickt ist. Das Leben auf der Erde ist eine bunte Tüte – von allem und für jeden ist etwas dabei. Wenn ich ohne Abstriche mich selbst liebe, dann kann ich mich fallen lassen in ein großes und umfassendes Einverständnis. Und davon ruhig mehr – das wünsche ich dir und mir. 

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