Donnerstag, 28. Februar 2019

Es ist ein Riss in allen Dingen. Da kommt das Licht herein. (Leonard Cohen)

Ein Riss geht durch unsere Gesellschaft. Auf der einen Seite leben die Reichen und auf der anderen die Armen. Ein Riss geht durch die Menschen, die Frauen und Männer voneinander trennen. Ein Riss im Boden lässt zwei Teile entstehen. Risse durchziehen die Kontinentalplatten und diese driften auseinander. Es ist ein Riss in allen Dingen. Ich schaue in meine Kaffeetassen und sehe, wie überall die Glasur von Rissen durchzogen ist.
Ein Riss geht durch meine Seele, wenn ich an alle Kränkungen denke, die ich im Laufe meines Lebens erfahren habe. Ein Riss geht durch mein Herz, wenn ich an Trennung denke. Wenn ich vorsichtig bin, kann ich es manchmal verhindern, dass ein Riss entsteht. Eigentlich möchte ich es ja heile haben. Wir mögen ja auch lieber Gesundheit anstelle von Krankheit. Leben anstelle von Tod. Liebe anstatt Hass. Aber unsere Erde ist durchzogen von Rissen. Ich kann noch so sehr aufpassen. Weder mein eigenes Leben noch das Leben insgesamt kann ich vor Rissen bewahren.
Mein Foto zeigt ein zersplittertes Glas. Es hält so gerade noch zusammen. Leonard Cohen sagt in einem Lied: Es ist ein Riss in allen Dingen. Da kommt das Licht herein. Risse betrachten wir ja eigentlich als trennend. Die Glassplitter verletzen uns und das Glas selbst wird unbrauchbar. Aber wenn die Sonne darauf scheint, dann bricht sich darin das Licht. Besonders in den Rissen. Ich kann meinen Blick auf die Zerstörung richten und auf den Schmerz oder aber auch auf das Licht, das durch die Risse hineinkommt.
Darin sehe ich eine Einladung. Zwischen Mann und Frau gibt es oft Risse und die Erfahrung der Unterschiedlichkeit und des Unverständnisses. Aber in dem Riss kommt das Licht herein. Wenn ich den Blick auf das hereinkommende Licht richte beginne ich zu staunen. Ah, da gibt es einen Reichtum, den ich entdecken kann. Überall gibt es Risse und die Idee von Trennung. Und überall gibt es den Reichtum des Lichtes als Geschenk. In einer Weiterbildung fragte uns ein Trainer angesichts von negativen Erlebnissen: "Worin liegt das Geschenk?" Und das möchte ich dir auf den Weg geben. Wenn du dir der Risse in deinem Leben schmerzhaft bewusst wirst - wird es auch das Licht geben, dass du hereinlassen kannst. Wo also siehst du dein Geschenk?
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Mittwoch, 27. Februar 2019

Entleere mich, bitte. (Leonard Cohen)

Kennst du folgendes? Du hast viele Termine. Viele Begegnungen. Du hast viel gearbeitet und noch viele Pläne. Es kommt immer wieder etwas hinzu. Wenn du gefragt wirst sagst du: Ich bin ganz voll und es passt nichts mehr hinein. Eigentlich bräuchte ich eine ganz lange Pause. Aber es geht nicht. Ich muss da jetzt wohl durch und hoffe, dass es in ein paar Wochen besser wird.
Aber es wird nicht besser. Du hast weiterhin viele Begegnungen. Nimmst viele Termine wahr. Arbeitest noch mehr und es kommt noch mehr dazu. Dein Gefäß kann das alles schon lange nicht mehr halten. Du fühlst dich schon so schwer an, dass du gar nicht mehr die Kraft hast, deine Lebensschale zu erleichtern. Du kennst nur noch das Füllen aber nicht mehr das Entleeren.

Aber vielleicht hast du noch eine Bitte in dir. Ein letzter Satz, bevor du im übertragenen Sinne stirbst. "Entleere mich, bitte." Es ist egal, an wen du diese Bitte richtest. Ans Universum, an deine Geliebte, an dein Mutter oder an einen weisen Menschen. Das Geheimnis der Rettung liegt darin, die Bitte zu äußern. Es zu sagen. Die Ohnmacht einzugestehen und aufzugeben. Der Gedanke, dass ein anderer dich beim Entleeren unterstützt verschafft dir die Erleichterung, die du jetzt unbedingt brauchst. Die Bitte verschafft dir den ersten Freiraum. "Entleere mich, bitte." entspricht dem Seufzer deiner Seele, wenn es einfach zu viel geworden ist. Dann musst du nicht einmal selber loslassen, was dir ja schwer fällt. Du erteilst die Erlaubnis, dass ein anderer das für dich macht. Probier es mal aus: "Entleere mich, bitte."
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Dienstag, 26. Februar 2019

Nach dem Sinn meiner Lieder habe ich nie gefragt. Ich habe sie für mich selbst geschrieben. (Leonard Cohen)

Stell dir vor, dass du alles, was du machst, aus dir heraus machst. Weil es tief in dir verankert ist. Du machst einfach deine Dinge. Es fühlt sich richtig an. Du kannst es gedanklich nachvollziehen und du setzt es praktisch um.
Oft entsteht da eine Idee in dir. Du findest ein Rezept. Du hast einen interessanten Gedanken. Du möchtest ein Gedicht oder ein Lied schreiben und dann setzen die Gedanken ein. Mögen die anderen das auch? Ist es gut genug für die Öffentlichkeit? Blamiere ich mich damit? Wird es schmecken oder überhaupt gelingen?
Stell dir vor, dass du ein Gedicht schreibst und in einem Blog veröffentlichst. Du machst es einfach. Voller Glück und Zufriedenheit liest du dein eigenes Gedicht und bist stimmig mit dir. Du hast es für dich geschrieben. Die anderen dürfen teilhaben. Aber das ist nicht so wichtig. Du bist unabhängig von deren Urteil. Es ist deine Art, wie du dein Leben ausdrückst. Du bist darin Schöpferin und Schöpfer. Fragt das Gänseblümchen dich, ob es dir gefällt? Es ist da und wächst. Mehr nicht. Auch du bist als Mensch da und hast eine Berechtigung, da zu sein. Und dein Eigenes zu finden und in die Welt zu bringen. Manchmal ist es nicht gut, nach dem Sinn von etwas zu fragen. Wenn du keine Antwort findest, könnte es schnell sinnlos sein. Wenn du dir die Frage nach dem Sinn stellst, bist du schon weg von dem, was du machst. Fragen Kinder nach dem Sinn von Verstecken spielen? Sie spielen einfach und hören auf, wenn sie keine Lust mehr haben. Es regelt sich von selbst. Einfach von innen heraus. Diese Kompetenz, die du als Kind hattest, kannst du wieder zum Leben erwecken. Spiel doch mal in deiner Fantasie einfach wieder verstecken. Wie fühlt sich das Leben jetzt an? Nimm es mit für deine nächste schöpferische Aktion.
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Montag, 25. Februar 2019

Je weniger ich von dem war, was ich war, desto besser habe ich mich gefühlt. (Leonard Cohen)

Über viele Jahre meines Lebens hinweg habe ich mich angestrengt, vor mir bestehen zu können. Da gibt es ja die Vorstellung meiner Eltern, meiner Lehrer und der Kirche von einem sinnvollen und guten Leben. Ich wollte ja dazugehören. Teil des Ganzen sein. Meine Eltern fanden Fleiß, Zuverlässigkeit, Ordnung und Höflichkeit sehr wichtig. Ich wusste: Wenn ich mich darum eifrig bemühe, werde ich vor ihnen bestehen und dazugehören dürfen. So hat sich über viele Jahre ein "Ich" gebildet, von dem ich denke, dass das "Ich" bin.
Jetzt, als Erwachsener gibt es immer wieder Situationen, wo ich nach meinem anerzogenen Ich etwas machen müsste, das in mir einen Widerstand hervorruft. Will ich das wirklich oder spricht da im Hintergrund die Stimme meines Vaters? Es kommt mir manchmal so vor, als ob um mich herum sich eine Kruste gebildet hat, wie eine Art zweites "Ich". Wenn ich erkenne, dass das die Stimme meiner Eltern war, dann überprüfe ich, ob ich das loslassen kann. Ich kann Cohen gut verstehen, wie sich das anfühlt, wenn ein Teil der Kruste abspringt. Das, was ich als zu mir gehörig empfinde, ist womöglich gar nicht meins. Es gehört jemand anderem. Ich lasse also ein kleines Stück "falsche" Kruste los und spüre, dass ich auch ohne weiterleben kann und dass es sich ganz gut anfühlt.
Ich erlebe viele Menschen im "mittleren" Alter, die langsam aufwachen und überprüfen, welche Stimmen da im Inneren sind und wo sie hingehören. Das kann ganz schön verwirren, wenn man damit erst einmal anfängt. Stell dir vor, dass du mit einem Rucksack unterwegs bist. So nach und nach ist immer etwas dazugekommen und dein Körper hat sich an die Last gewöhnt. Du weißt gar nicht mehr, wie ein Leben ohne Last sich anfühlen könnte. Jetzt aber ist die Zeit reif, dass du deinen Rucksack öffnest und aussortierst. Was gehört dir oder möchtest du behalten und was kannst du loslassen? Es kann sein, dass es sich am Ende besser anfühlt! Ein wenig leichter und Platz für Neues.
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Samstag, 23. Februar 2019

Der Wind bricht einen biegsamen Baum nicht. (Sukuma)



Welch tiefe Weisheit. Manche von uns stehen wie eine Kiefer starr im Sturm, manche stark wie eine Eiche. Wenn der Sturm zu stark ist, die Wurzeln nicht mehr greifen, dann haut es den Baum um. Die Empfehlung der Sukuma entspricht einer tiefen Weisheit, die es auch in anderen Kulturen gibt. Sei biegsam, dann haut dich der Sturm nicht um.Geh mit den Dingen, schwinge mit, sei Weide und nicht Kiefer. Es braucht ein langes Leben und spirituelles Einüben, wie eine Weide zu sein. Oft befinden wir uns wie im Trotzalter oder wie in der Pubertät. Nein, das will ich nicht! Nein, das mache ich nich!. Ich habe meinen eigenen Willen! Manchmal ist es gut, ein wenig geschmeidiger und biegsamer zu sein und mit den Dingen zu schwingen. Der Wind bricht einen biegsamen Baum nicht.

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Freitag, 22. Februar 2019

Ein wenig Chaos ins Leben bringen?!

Wir lieben unsere festen Gewohnheiten. Die Tasse Kaffee am Morgen aus einer bestimmten Tasse. Die spezielle Sorte Brot mit der immer gleichen Menge an verteilter Butter. Die Uhrzeit, der Zeitraum, der Ort des Frühstücks. Die Art, die Autotür aufzuschließen und sich in sein Fahrzeug zu setzen. Die Uhr am linken Arm und den Kamm in der hinteren rechten Hosentasche. Den Lieblingsbäcker und das Lieblingskino, den Lieblingsitaliener und die Lieblingsdöner. Die Worte zur Begrüßung und die Worte zum Abschied. Die Art die Zähne zu putzen von links oben bis rechts oben außen, dann links unten bis rechts unten außen. Kaffee nie mit Zucker aber immer mit Milch, ein bestimmtes Quantum. Kleidung von einer bestimmten Marke in einer zum Typ passenden Farbe. Das Maß an Höflichkeit bis Freundlichkeit ja nach Grad der Bekanntschaft oder Freundschaft. Der Besuch bei den Eltern am ersten Weihnachtstag zum Kaffee. Abfahrt vor dem Abendessen. Das Gläschen französischen Rotwein zum Ausklang des Abends. Mit dem Po zuerst aufs Bett, dann das linke und dann das rechte Bein. Einlschafposition auf dem Bauch mit dem Kopf nach links gedreht. Der Winkel zwischen Kinn und Brust beträgt 68,5 °.
Sicherheit, Wohlfühleffekt, Stabilität, Zuverlässigkeit,...

Es kann jedoch sein, dass sich das manchmal wie schon gestorben anfühlt bevor du aufwachst!



Besuch deine Eltern mal nicht am ersten Weihnachtstag, sondern an Silvester oder am Valentinstag. Putz deine Zähne und trink deinen Kaffee mit der dir ungewohnten Hand. Wähle bewusst eine andere Einschlafposition. Fahre im Urlaub da hin, wo du eigentlich nie hinfahren würdest. Befreunde dich mit dem Italiener, von dem die Leute sagen, dass seine Pizza nicht schmeckt. Kaufe einen Markenpullover und schneide direkt nach dem Einkauf ein kleines Loch hinein. Zieh diesen Pullover an und beobachte, ob die Leute das merken. Entscheide dich, wenn du total pünktlich bist, wenigstens einen Tag in der Woche zum Unpünktlichkeitstag zu deklarieren. Na, welches ist DEIN Beitrag zum Wachwerden!


Mach es einfach mal anders! Beobachte dich dabei! Na, wie fühlt es sich an, wenn du aufgewacht bist?

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Donnerstag, 21. Februar 2019

Bist du da?


Bin ich wirklich online? Ja, mein PC ist eingeschaltet. Das Signal zeigt an, dass ich mit dem Netz verbunden bin. Ich kann Mails empfangen und verschicken. Ich kann surfen im Internet. Auf meiner Facebookseite sehe ich auch die anderen PCs, die online sind, ebenso die bei skype. Aber bin ich online? Wenn ich mich vom PC wegbewege, bleibt das Gerät zwar online, aber ich selber? Ich kann mich im Haus bewegen oder sonst wo unterwegs sein. Bin ich online?
Hinter diesem Satz verbirgt sich mehr. Wenn ich mit einer Gruppe locker beim Essen zusammensitze fragt mich manchmal einer: "Hallo! Bist du da?" Dann wache ich auf und merke, dass ich geträumt habe und mich an einem ganz anderen Ort befand. Meine Gedanken waren zwar online, aber nicht verbunden mit den Menschen am Tisch.
Bist du immer wirklich online? Wenn ich mit anderen Menschen zusammenbin, wünsche ich mir, so präsent zu sein, wie es irgendwie nur geht. Das stelle ich mir so vor: Ich bin körperlich anwesend, mit meinen Gedanken bin ich aufmerksam bei meinem Gesprächspartner. Auch mein Herz ist geöffnet und ich spüre die Energien, die hin und her fließen. Ich fühle mich verbunden. Dann bin ich wirklich online!
Leider sind wir Menschen ganz schön störanfällig, so wie das weltweite Netz. Manchmal stürzt du ab, manchmal funktionierst du nur halb, manchmal gibt es ein unerklärliche Störung und manchmal willst du oder kannst du einfach nicht.
Im Gespräch könnte es sinnvoll sein, deinem Partner ein Signal zu geben, ob du online oder offline bist. Dein Körper allein drückt das nicht immer aus.

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Mittwoch, 20. Februar 2019

Die Welt gehört dir!


Ich sitze auf meinem Fahrrad. Kurz vor dem Supermarkt am Fahrradständer schneidet mir ein kleiner Knirps forsch den Weg ab. Der Vater dahinter ärgert sich sichtlich und ermahnt seinen Sohn: "Pass auf! Die Welt gehört dir nicht allein! Da sind auch noch andere auf die du Rücksicht nehmen musst!" Ich strahle den Vater und sage: "Immerhin hat Ihr Sohn ein gesundes Selbstbewusstsein. Ja, die Welt gehört ihm!" Schon ist der Vater beruhigt und schaut stolz auf seinen Sohn.
Diese Szene bekommt eine Frau mit, die mit ihren Einkäufen wiederkommt und neben mir geparkt hat. "Selbstbewusstsein könnte ich jetzt gut gebrauchen. Die Kassiererin an der Kasse hat mich bestimmt komisch angeschaut, weil ich heute schon zum dritten Mal hier bin. Immer wieder habe ich etwas vergessen. Das ist ja kein Wunder, wenn man den ganzen Tag mit demenzkranken Menschen zu tun hat."
Wir wechselten noch ein paar Worte und jeder ging seines Weges. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass der kleine Junge mit seinem forschen Radfahren auch diese Frau gestärkt hat. Er hat dazu beigetragen, dass wir Erwachsene immer wieder etwas für unser Selbstvertrauen tun können. Die Welt gehört dir zwar nicht, aber du kannst ein wenig so tun. Jetzt, in diesem Augenblick ist diese Welt nur für dich da. Du darfst dich darin austoben, darin spielen, dich ausprobieren und Erfahrungen machen. Vielleicht liest die Frau, die ich am 30. April gegen 18.00 Uhr vor dem Marktkauf in Ahlen traf auch einmal diesen Blog. Ihnen wünsche ich Kraft und Stärke und eine gute Portion Gelassenheit im Umgang mit sich selbst!

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Dienstag, 19. Februar 2019

Im Sein sein!

                                                                                              
Das Kind bekommt ein schlechtes Zeugnis und wird nicht versetzt in die nächste Klasse. Da kann man nichts machen!
Das Paar hat sich heillos zerstritten und reicht die Scheidung ein. Da kann man nichts machen.
Der Kranke liegt im Sterben und der Tod wartet vor der Tür. Da kann man nichts machen.

Klingt wie Resignation, nicht wahr. Manchmal müssen wir uns dem "Schicksal" ergeben. Das Kind hat sich alle Mühe gegeben und dennoch die erforderlichen Noten nicht geschafft. Das Ehepaar war sogar in einer Beratung und der Kranke hat lange gekämpft. Da kann man nichts machen. Es mag sein, dass das Kind nicht versetzt wird, das Paar sich trennt und der Kranke stirbt. In jeder Situation "kann man dann dennoch etwas machen".
Das Kind kann daraus eine Lektion für die Zukunft lernen und andere Wege gehen. Das Paar findet in der Krise vielleicht einen neuen Anfang. Der Kranke kann noch vor dem Tod seinen Angehörigen seine Liebe zeigen.
Die Situationen können wir manchmal nicht verändern, aber unsere innere Einstellungen. Jedes Ereignis, das uns herausfordert, gibt uns die Gelegenheit zum inneren Wachsen.

Du kannst dein Leben bejahen mit allen Facetten. Es gibt nichts zu tun.
Du kannst Ja sagen auch  zu deinen Fehlern. Dann gibt es nichts zu tun.
Du kannst dich mit dir selber aussöhnen. Dann gibt es nichts zu tun.

Da kann man nichts machen - Resignation.
Es gibt nichts zu tun - einfach im Sein sein!

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Montag, 18. Februar 2019

Ab dem dritten Weg beginnt die Freiheit





Gehe ich am Samstag zur Hochzeit oder fahre ich am Wochenende nach Hamburg?

Esse ich heute die Reste von gestern oder koche etwas Frisches?
Bleibe ich am Wochenende zu hause oder verreise ich?
Wähle ich A oder wähle ich B?

Virginia Satir sagt:
Ein Weg führt in die Sackgasse.
Zwei Wege führen in ein Dilemma.
Ab dem dritten Weg beginnt die Freiheit.

Also entscheide ich so:
Ich gehe zur Hochzeit und mache vorher mit den Freunden in Hamburg eine skype-Konferenz.
Ich gebe die Reste in das Frische und gestalte eine originelle Neukomposition
Ich verreise am Wochenende und nehme mein Wohfühlkuschelkissen von  zu hause mit.
Ich entscheide mich für den oberen Teil vom A und für den unteren Teil von B und erfinde den Buchstaben, den man nicht aussprechen kann und der eine neue Welt öffnet.

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Samstag, 16. Februar 2019

Faulsein ist wunderschön (Pippi Langstrumpf)


Fleiß stand in meiner Kindheit ganz oben in der Liste der Tugenden. "Sei fleißig in der Schule!" Dann bekommst du gute Noten. Mit den guten Noten bekommst du einen tollen Schulabschluss. Kannst studieren oder dich bewerben. Du hast gute bis sehr gute Berufsaussichten. Du verdienst Geld und kannst dir etwas leisten. Du wirst unabhängig und liegst niemandem auf der Tasche. Wer fleißig ist hat alle Chancen zum Reichtum.
Nur: Fleißig sein ist auf die Dauer ganz schön anstrengend. Da fehlt manchmal die Freude. Schnell wirst du zum Streber abgestempelt. Pippi Langstrumpf gibt die Empfehlung, dass du morgen auch noch fleißig sein kannst.
Faulsein ist wunderschön! Eine tolle Empfehlung! Pippi Langstrumpf spricht aus Erfahrung. Sie ist faul und findet das eben wunderschön. Sie hat kein schlechtes Gewissen! Darum könnte ich nicht entspannt faul sein. Ich hätte das schlechte Gewissen. Ich würde auf meinem Sofa sitzen und mit den Fingern auf der Lehne trommeln. Ich würde mit den Zähnen knirschen und vor mich grummelig murmeln: "Faulsein ist nicht wunderschön..." Ich bewundere Pippi, dass sie das so aus voller Überzeugung sogar singen kann. Eine tolle Weltanschauung. Sie sagt ja nicht, ob das moralisch in Ordnung ist oder nicht. Sie spricht davon, dass es sich einfach toll anfühlt.
Faul sein bekommt immer so eine schlechte Bewertung. Fleiß ist gut und Faul sein ist schlecht! Das finde ich auch nicht in Ordnung. Ich könnte doch mal dazulernen. Das schlechte Gewissen ist lediglich ein Überbleibsel aus der Kindheit. Da sitzen noch Mama und Papa und die Lehrer im Nacken. Das mit dem Fleiß ist ihre Überzeugung und ich habe sie übernommen.
Ich lasse mich also von Pippi Langstrumpf angrinsen und zurufen: "Faulsein ist wunderschön!" Und mache heute mal ein wenig mit!
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Freitag, 15. Februar 2019

Einfach so!

Mir gefällt der Satz. Einfach so! Beim recherchieren stelle ich überrascht fest, dass es in den USA einen Feiertag gibt der so heißt: der "Just Because Day", der "Einfach So Tag" wird am 27. August begangen. Dafür gibt es verschiedene Gründungslegenden, die mich hier nicht so interessieren.
Spannend finde ich, dass mir der Satz gefällt, und dass es bislang ohne mein Wissen dazu einen Feiertag in den USA gibt.
Stell dir vor: Jemand schenkt dir eine Blume. Was denkst du dann? Wenn es dein Geburtstag ist, brauchst du nichts zu fragen. Der Grund des Schenkens ist klar. Wenn dir kein Grund einfällt warum dir jemand eine Blume schenkt fragst du: "Wieso?" - "Warum?" - "Gibt es etwas besonderes?" Meistens gibt es einen Grund dafür, dass wir etwas tun. Weil die Blumen kein Wasser haben, gieße ich sie. Weil ich etwas bestellt habe erhalte ich eine Rechnung und bezahle sie auch. Unser Verstand sucht nach guten Gründen für unser Handeln. Er möchte das sortieren und einordnen können. Es muss zum Weltbild und zu unseren Glaubenssätzen passen. Wenn ich den Grund für die geschenkte Blumen kenne, kann ich es einordnen. War das Geschenk berechtigt? Habe ich es mir verdient? Gab es einen Anlass? Muss ich mir das merken und irgendwann etwas zurückschenken? Erst wenn alle Fragen beantwortet sind können die Gedanken in der Schublade landen.
Auf die Dauer ist ein solches Leben sehr berechenbar und ohne Überraschungen oder große Freude. Logik und klare Abläufe geben zwar Sicherheit, aber da fehlt dann schnell mal das "erfrischende" Gefühl.
Die "Einfach so!" Philosophie folgt da einem anderen Weg. Probiere es mal aus und sage: "Einfach so!" Geh durch die Fußgängerzone und begrüße für eine halbe Stunde jeden Menschen mit den Worten: "Schön, dass Sie da sind!"  Geh in eine Bäckerei und sage der Verkäuferin: "Heute scheint die Sonne, auch für Sie!" Du nimmst zehn Geldstücke im Werte von jeweils einem Euro in die Hand und verschenkst das Geld. Du legst einen Euro auf die Theke eines Metzgers, strahlst die Verkäuferin an und sagst: "Einfach so!" Du gibst deine Geldstücke Menschen, die es nicht brauchen oder nicht damit rechnen und überlässt dich dabei deiner Intuition und sagst: "Einfach so!"
Die "Einfach so!" Philosophie führt den Verstand an der Nase herum und ist zugleich voller Lebensfreude. Sie ist wie das kleine Kind an der Hand der Mutter und hüpft mit einem Lutscher durch die Welt. Sie lächelt verschmitzt wie ein alter weiser Greis, der sich dessen bewusst ist, dass keiner seiner Gedanken so besonders wichtig ist zum Erhalt für die Nachwelt. "Einfach so!" heißt: "Was du denkst ist richtig und das Gegenteil auch!" Es bringt dein System durcheinander und - holt dich direkt in die Gegenwart. Einfach so!
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Donnerstag, 14. Februar 2019

Für die Liebe - ein Valentine!



Wie schön, dass du mit mir hier bist!

Ich schaue dich so gerne an!

Ich genieße diesen Augenblick gemeinsam mit dir.

Ich mag dich sehr!

Ich bin so vertraut mit dir!

Bei dir kann ich einfach so da sein!

Ich bin so gerne mit dir zusammen!

Mein Herz hüpft voller Freude wenn ich dich sehe!

Keinen Tag mit dir möchte ich missen!

Du bist so einzigartig und wundervoll!

Mittwoch, 13. Februar 2019

Nach manchen Gesprächen hat man das Verlangen, einen Hund zu streicheln, einen Affen zuzuwinken und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen. (Maxim Gorki)

Manche Gespräche machen das Leben kompliziert. Vorher war alles klar und hinterher bist du völlig durcheinander im Kopf. Ich habe die Idee, mir ein neues Fahrrad zu kaufen. Ich gehe in den Laden und mir gefällt eines besonders gut. Das möchte ich kaufen.
Dann berate ich mich mit einem Freund. Der erzählt mir was von Qualität, Preisunterschieden, Vertrauen in Händler, Second Hand, die richtige Jahreszeit, die neuen Modelle, die kommen werden und die Frage, im zunehmenden Alter nicht doch lieber ein E-Bike zu kaufen. Nach einem solchen Gespräch bin ich fertig mit der Welt. Dabei geht es nur um ein Fahrrad. Ein Metallrahmen mit zwei Rädern, die mich zügig von A nach B bringen.
Nach einem solchen Gespräch wünsche ich mir einen Hund, der mich hoffnungsvoll anschaut. Einfach nur streicheln. Mehr nicht. Oder ich wünsche mir einen Besuch im Zoo und nicke freundlich einem Affen zu. Mit dem muss ich nicht sprechen. Der würde mich ja auch gar nicht verstehen. Zunicken reicht aus! Oder ich könnte vor einem Elefanten den Hut ziehen. Eine kleine unscheinbare Geste. Im Vorbeigehen. So ganz beiläufig. Die Begegnung mit einem Tier holt mich ins Leben zurück. Vereinfache dein Leben!
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Dienstag, 12. Februar 2019

Wer sich allzuoft bückt, fängt an, krumm zu gehen und zu denken. (Persische Weisheit)

Unser Körperhaltung drückt aus, wie wir denken und fühlen. Wie wir denken und fühlen wirkt sich auf unsere Körperhaltung aus.
Wenn wir unsere Körperhaltung ändern, verändern wir auch zugleich unser Denken.
Ein Klient sitzt mir in der Beratung gegenüber. "Ich weiß keinen Ausweg. Ich kann nicht mehr, ich habe auch keine Ideen mehr, was ich noch machen kann, alles ist so mühsam. Immer kommen mir da die Hindernisse." Dabei sitzt der Klient auf seinem Stuhl. Er sitzt auch fest. Jetzt wünscht er sich ein Lösung damit er aufstehen und ins Handeln gehen kann. Aber das "Festsitzen" des Körpers sagt: "Es gibt keine Lösung." Ein wichtiger Schritt könnte sein, erst einmal aufzustehen und einen ersten Schritt zu gehen. Wenn ich den Körper in eine Lösungssituation bringen, dann folgt in der Regel auch das Denken. Wenn der Körper sitzt, sitzt auch sozusagen das Denken.
Die persische Weisheit erinnert mich an Menschen mit einem anderen Thema. Der "Untergebene" bückt sich vor dem "Vorgesetzten". "Jawohl Chef, mache ich Chef, ist es Recht so Chef!" Wenn dann noch die Angst dazu kommt, etwas falsch zu machen, bekommt die Verneigung den Ausdruck der Entschuldigung. "Habe ich nicht so gemeint. Hoffentlich ist es richtig so! Entschuldigung für dieses und für jenes... Entschuldigung, dass ich da bin!" So bückst du dich immer öfter und der Rücken gewöhnt sich an diese Haltung. Der Körper folgt deinem Denken. Du bückst dich und fängst an langsam zu verschwinden. Du wirst immer krummer. Geh mal eine Stunde lang krumm und nimm wahr, was du dann noch sehen kannst und was dein Rücken dir erzählt. Du siehst die Dinge auf dem Boden und verlierst das Bewusstsein für Freiheit und Weite. Mit dem krummen Rücken bekommst du krumme Gedanken: "Das Leben ist ungerecht, ich bin so erschöpft, alle wollen mir was..."
Überlege gut, vor wem du du dich bückst. Der aufrechte Gang und der klare Blick sind öfter gefordert als zu denkst.

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Montag, 11. Februar 2019

Manches wird gut, wenn wir es gut sein lassen.


Machst du auch die Erfahrung, dass du etwas nicht loslassen kannst. Du ärgerst dich über einen Satz deines Freundes, deiner Freundin. Du fühlst dich gekränkt und enttäuscht. Wie konnte sie nur so etwas sagen! Jetzt hat er alles zerstört.
Dann wollen wir eine Erklärung, damit wir es verstehen. Wir fragen den Freund und der erklärt sich. Aber wir sind nicht einverstanden damit. Die Erklärung reicht nicht aus. Da bleibt ein "hätte" und "könnte". Wir hätten gerne noch eine tiefere Erklärung. Eine die mehr befriedigt. Und außerdem noch eine Entschuldigung. Und zugleich lehnen wir die Entschuldigung hab, weil der Groll noch so tief sitzt. 
Wir können es einfach nicht stehen lassen. Wir erzählen anderen Menschen von diesem Satz und von dieser Kränkung und von dieser Freundin, die so etwas macht. Wir bekommen Bestätigung oder Skepsis oder Widerspruch. Und es ist wieder nicht genug. Als ob die Seele keine Ruhe finden kann. Da muss noch was geklärt werden. Da löst sich ein Ärgergefühl einfach nicht auf. Wir bleiben tief in der Kränkung vergraben.
Manches wird gut, wenn wir es gut sein lassen. Manches wird nie gut. Es wird auf keinen Fall gut, wenn ich mir den Groll immer wieder bestelle. Indem ich darüber nachdenke. Indem ich es anderen erzähle. Manches kann erst anfangen gut zu werden, wenn ich als ersten Schritt aufhöre, mir den gleichen Gedanken wieder aufzuwärmen. Wenn ich darauf verzichte, die Kränkung gesühnt haben zu wollen. Manches wird gut, wenn wir es gut sein lassen. Ich lasse also... die Gedanken, die mich kränken. Ich lasse die Bilder und das Erlebnis los. Ich gebe meine "Güte" hinein in das Bild und in das Ereignis. Ich höre auf, passiv zu sein und das Opfer zu spielen. Je mehr Güte ich hineinfließen lasse, desto mehr wird etwas gut. Oder wieder gut! Nach einem Streit fragen wir ja manchmal: "Und? Ist es wieder gut? Bist du mir wieder gut?" "Ja, ich bin dir wieder gut! Meine Liebe zu dir ist stärker als mein Groll! Ich lasse den Groll los!" Manches wird (von selber) gut, wenn wir es mit (Gut Sein) füllen.
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Samstag, 9. Februar 2019

Wo fängt der Friede an?

In Dortmund kam ich an einem Haus vorbei, wo im Fenster ein Bild angebracht war. Zwei Frauen reichen sich die Hand und spannen damit den Rahmen für die Darstellung auf. Ein Tor aus Gitterstäben öffnet sich. Hände sind zum Friedenszeichen erhoben. Einige davon in dunkler Hautfarbe. Ein Wort in großen Schriftzeichen deutet die Botschaft an: Friede.
Interessanterweise hängt das Bild selbst an einem Gitter. Dieses Gitter ist fest im Mauerwerk verankert. Ich kann zwar das Fenster öffnen, aber niemand kann dort einbrechen. Das Bild selsbst verstärkt sozusagen noch das Gitter. Hier kann niemand mehr durch. Verriegelt und verrammelt. Direkt hinter dem Gitter sieht man noch ein zusätzliches Brett. Sichtschutz, damit niemand hineinschauen kann.
Ich sehe also ein Bild mit einer Botschaft von einem Wunsch nach Frieden. Ich sehe das Bild mit dem Wunsch nach mehr Offenheit an einer Stelle, die sehr verschlossen wirkt. Da gibt es die großen Worte im Leben: Friede, Liebe, Hoffnung, Menschenrechte. Damit lassen sich großartige Reden schwingen.
Überprüfe die Wörter, Sätze und Bilder. Magst du sie glauben? Was steckt dahinter? Manchmal musst du genauer hinsehen! Ach ja! Da redet so ein Verschlossener über Offenheit. Da spricht ein Politiker mit der geschlossenen Faust über den Frieden.
Eine Konsequenz? Einfach nur mehr Aufmerksamkeit. Hinterfrage, was du hörst und siehst. Manchmal gibt es mehr Wunsch und Schein als Realität.
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Freitag, 8. Februar 2019

Das Leben ist eine Reise


Auf dem Bild steht: "Life is a journey".  Ja das stimmt, ist mir vertraut. Ich sehe das Netz, das mich an die Gepäckablage in einem Zugabteil erinnert. Dahinter oder darüber befindet sich ein Koffer mit dieser Aufschrift vom Leben, das einer Reise gleicht.
Dann entdecke ich den Stempel in der linken Ecke: "First Class". In welcher Klasse reist du mit deinem Leben? Erste, zweite oder Holzklasse? Oder bist noch gar nicht aufgebrochen, weil du kein Geld für eine Fahrkarte hast?
In mir taucht der Wunsch auf, dass jeder Mensch in der ersten Klasse fahren darf. Ohne Ausweis. Ohne Aufpreis. Erste Klasse weil jeder Mensch ein Mensch ist. Weil unsere Welt das möglich macht. Es ist Fülle da. Für jedes Wesen!
Im realen Leben fahre ich oft und gerne Zug. Während sich die Leute in der zweiten Klasse quetschen, können die in der ersten Klasse die Füße hochlegen. Zwei Plätze für jeden. Das ist doch ungerecht, oder?
In meinem Herzen und in meinen Begegnungen mache ich keinen Unterschied. Jeder Mensch ist für mich einfach nur "Erste Klasse"!
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Donnerstag, 7. Februar 2019

Tür ist emotional instabil. Bitte fest drücken!

Manchmal wirkt etwas sehr fest und stabil. So eine Tür auch. Wenn sie fest geschlossen ist und sich in den Rahmen einfügt und auch gut in den Angeln hängt. Prima! Kann nichts passieren. Ich kann sie auch mal zuknallen und es macht ihr nicht viel aus.
Wenn aber die Tür äußerlich stabil, aber emotional instabil wäre. Dürfte ich dann feste drücken? Wäre das nicht gefährlich? Bekäme die Tür dann einen Schock? Ein Trauma? Wahrscheinlich nicht. Eine Tür muss ich feste drücken, wenn ich sie öffnen möchte. Die Tür braucht das. Sonst bewegt sie sich nicht. Eine Tür besitzt ja auch keine Emotionen.
Aber wir Menschen. Wir sind emotional oft instabil. Unsere Herzenstür ist da manchmal vor lauter Angst verschlossen. So verschlossen, dass uns sogar ein leichtes Pochen erschreckt. Und dann soll da auch noch jemand feste drücken? Wo ich doch so voller Angst bin? Gerade weil wir Menschen so sensitiv sind wünschen wir uns fürsorgliche Besucher an unserer Lebenstür.
Manchmal jedoch vergessen wir Menschen, dass wir nicht nur ein Haufen von instabilen Emotionen sind. Sondern wir sind auch Türen. Fest. Stabil. Klar. Erfahren! Wer erinnert uns daran, dass wir bei allen Einschränkungen auch diese Qualitäten besitzen. So kann es sein, dass ein Besucher kommt und mich als stabile Tür betrachtet. Er drückt feste zu. So, wie er es immer macht! Jetzt könnten wir sagen: "Was für ein grober Klotz! Wie wenig einfühlsam!" Wir könnten aber auch sagen: "Wenigstens einer, der mich wie einen normalen Menschen betrachtet. Der mir noch etwas zutraut." Und vieleicht hilft das auch, diese Stabilität wieder zu spüren.
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Mittwoch, 6. Februar 2019

Das Leben ist wie eine Tür: Du musst da durch.

Manchmal stehe ich vor einer Tür und weiß, dass ich da rein müsste. Die Tür führt in ein Geschäft oder zu einem Kunden. Dann stehe ich vor der Tür und bekomme plötzlich Angst. Ich war noch nie da. Was soll ich sagen? Ich weiß ja nicht einmal genau, was ich will. Vielleicht stehe ich peinlich berührt und schweigend da. In eine solche Situation möchte ich auf keinen Fall geraten.
Dann spüre ich, wie die Angst sich mehr und und mehr ausbreitet und ich dann nicht mehr durch die Tür will. Dann tauchen neue Gedanken auf wie: Ich kann auch morgen wiederkommen. Dann weiß ich besser, was ich will. Ich muss ja auch gar nicht unbedingt jetzt hier rein. Ich finde noch eine andere Möglichkeit.
Manchmal stehe ich vor einer Tür und weiß, was gleich kommen wird. Die Gedanken und die Angst und die Entscheidung, doch nicht hereinzugehen. Dann stehe ich vor der Tür und nehme die Abkürzung. Ich mache die Tür einfach auf und gehe hinein. Ich lasse die Gedanken und die Gefühle enfach nicht zu. Ich konzentriere mich auf meine Hand und auf meinen Körper. Ich gehe die Schritte und drücke die Tür. Wie automatisiert betrete ich dann das Geschäft. Ich habe das schon öfter so gemacht und ich bin immer lebendig wieder herausgekommen. Ich stand nie einer Hexe gegenüber, die mich eingesperrt hat. Ich wurde nie beschimpft oder ausgelacht.
Manchmal stehe ich vor einer Tür und muss da gar nicht rein. Ich weiß, jetzt kommen wieder die Angstgedanken und die Entscheidung, nicht hineinzugehen. Dann sage ich mir: Och, jetzt erst recht. Ich habe da nichts verloren. Darum muss ich da jetzt rein! So bin ich mal in einer Galerie gelandet. Ich stand dort ganz allein mit dem Galleristen und den Bildern. Ich stand dort mit meiner Verwirrung und damit, dass ich gar nicht wusste, was ich da sollte. "Ich wollte einfach nur mal schauen!" "Alles klar! Gerne! Schauen Sie sich um. Wenn Sie mich brauchen, dann melden Sie sich einfach." Mehr ist nicht passiert. Die Bilder interessierten mich gar nicht. Trotzdem bin ich herumgelaufen und habe Bildbetrachter gespielt.
Wenn ich vor einer Tür stehe kann ich mich entscheiden. Gehe ich rein oder gehe ich weiter. Beim Leben an sich ist das anders. Es fordert mich auf, teilzunehmen. Ich muss durch eine Tür durch. Die erst Tür war der Geburtkanal meiner Mutter. Da musste ich auf jeden Fall durch. Ich kenne Menschen, die anschließend im Grunde eingepackt haben. Geburtskanal Abenteuer reicht für das ganze Leben. Die zweite Hürde ist nur noch der Tod. Du musst auch wieder raus durch die nächste Tür. Das leben kannst du beschränken auf zwei Türen: Rein und wieder raus!
Das Leben ist wie eine Tür: Du musst da durch. Stimmt! Und alle, die wir hier sind, haben es schon geschafft. Wir sind durch die eine Tür im Leben gelandet. Und jetzt kann ich was draus machen oder auf die zweite Tür warten.
Und? Was machst du in der Zwischenzeit, bevor sich für dich die zweite Tür öffnet? Kostest du das Leben aus?
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Dienstag, 5. Februar 2019

Gefühle klopfen nicht an die Tür und fragen, ob es gerade passt.

Wieso können Gefühle nicht einfach anklopfen und fragen? Sie kommen einfach so! Ich möchte frühstücken am Samstag und mein Lieblingsbrötchen steht nicht auf dem Tisch. Es könnte mir egal sein und ich nähme halt irgend ein anderes. Aber nein! Ich spüre, wie sich etwas in mir zusammenbraut. Ich bin enttäuscht, fühle mich gekränkt, nicht gesehen, übergangen. Da will mir ein Familienmitglied den Tag verderben am frühen Morgen. Jeder hier weiß, dass das mein Lieblingsbrötchen ist. Darauf freue ich mich schon die ganze Woche. Alle anderen bekommen das, was sie sich wünschen und ich nicht. Das Gefühlspaket wird größer und größer, je länger ich darüber nachdenke. Ich werde traurig und ärgerlich zugleich. Ich stelle die Mitgliedschaft in dieser Familie in Frage. Wenn ich jetzt schon am frühen Morgen nicht gesehen werde mit meinen Wünschen, wie wird dann der Rest des Tages aussehen?
Gefühle klopfen nicht an die Tür und fragen, ob es gerade passt. Sie kommen dann, wenn sie kommen. Unmittelbar und direkt. Und sie kommen als Interpretation auf das, was ich gerade erlebe. Und sie kommen, damit ich die Energie habe, etwas zu machen. Wenn ich mich ärgere, dass mein Lieblingsbrötchen nicht bekomme, habe ich jetzt die "Ärgerenergie" selber zum Bäcker zu laufen. Ich würde es dort kaufen und mein Morgen wäre gerettet.
Die Gefühle kommen wie der Sprit für einen Verbrennungsmotor. Mir fällt etwas auf. Ich möchte darauf reagieren und bekomme dafür die entsprechenden Gefühle! Die Gefühle klopfen zwar nicht an, aber eigentlich bestelle ich sie mir teils bewusst und teils unbewusst. Ich hätte das fehlende Brötchen ja auch völlig anders deuten können. Es war nicht mehr genug Platz im Körbchen und mein Brötchen liegt noch in der Küche. Das Brötchen war beim Bäcker leider schon ausverkauft oder noch im Ofen. Oder jemand hat mal eine Anmerkung von mir falsch gedeutet. Wenn ich diese anderen Gedanken gedacht hätte, wäre ich vielleicht nicht wütend geworden. Ich wäre gleichgültig geblieben und hätte meine Familienmitgliedschaft nicht gleich infrage gestellt.
Meine Gedanken kann ich beeinflussen. Ich kann sie stoppen oder umlenken. Ich kann andere Gedanken denken. Und ich kann meine Gefühle willkommen heißen. Jetzt ist es da. Ist hereingekommen ohne anzuklopfen. Einfach so! Einverstanden. Jetzt ist es da. Es ist gekommen und wird auch wieder gehen. In mein  Wohnzimmer kommt auch jedes Familienmitglied ohne anzuklopfen. Das ist unser gemeinsames Refugium. Jeder hat dort Wohnrecht. Meine Gefühle auch! Sie müssen nicht anklopfen. Sie haben ein Wohnrecht bei mir. Sie müssen nicht fragen. Sie fänden eine solche Vorstellung völlig absurd. Sie kommen auch nicht. Sie sind verborgen und auf Abruf immer schon da. Sie sind wie die Leitstelle der Feuerwehr. Allzeit bereit!
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Montag, 4. Februar 2019

Wenn das Leben eine Tür schließt, dann öffne sie wieder. Es ist eine Tür. Türen kann man öffnen.

Stell dir vor, dass du dich beworben hast. Du bist eingeladen zu einem Vorstellungsgespräch und bekommst hinterher eine Absage. Dann schließt sich in diesem Augenblick eine Tür für dich. Diese Stelle hat jetzt jemand anders bekommen und du nicht. Mein Postkartenspruch sagt jetzt: "Wenn das Leben eine Tür schließt, dann öffne sie wieder. Es ist eine Tür. Türen kann man öffnen."
Kann ich jetzt einfach die Stelle antreten, obwohl ich abgelehnt wurde? Ich kann die Tür ja einfach öffnen. Ist ja nur eine Tür! Ich denke, so ist das nicht gemeint. Wenn ich eine Möglichkeit verpasst habe, dann kann sich schnell Resignation in mir ausbreiten. Ich kann so hoffnungslos werden, dass ich nicht einmal mehr eine Türklinke drücke nach dem Motto: Ist eh verschlossen! Für mich! Keine Chance!
Wie könnte der Umgang mit einer Absage anders ausgehen? Wie kann ich die Chance für mich nutzen und die Türklinke drücken, so dass sich etwas für mich öffnet? Ich kann aus der Absage lernen. Ich kann schauen, was war denn der genaue Grund. Wo kann ich mich verbessern. Die Absage kann meine Widerstandskraft stärken nach dem Motto: Jetzt erst recht! Ich kann trotzdem mit dem Arbeitgeber in Verbindung bleiben und mich für das nette Vorstellungsgespräch bedanken.
Es geht also darum, dass ich die Türen nicht als etwas Absolutes betrachte. Türen sind nur relativ verschlossen. Wenn sie sich absolut verschließen, dann muss man sie zumauern.
Solange eine Tür eine Tür ist, kann ich sie öffnen. Wenn ich in Möglichkeiten denke, öffnet sich ein Weg. Sonst gibt es eine Sackgasse. Der Spruch möchte dir helfen, aus einem Sackgassendenken auszusteigen.
Und das erlebe ich in meinem Umfeld häufig: So eine Art Sackgassenbewusstsein. "Da ist nichts mehr zu machen!" "Da geht nichts mehr!" Ja, das stimmt, manche Türen kann ich nicht mehr öffnen, wenn sie sich schließen, aber ich finde trotzdem noch eine Möglichkeit, so lange ich lebe. Es geht schließlich auch nicht um die Tür, sondern um den Raum hinter der Tür und meine Absicht, irgendwo hin zu gelangen. Der nächste kleine Schritt, der mir einfällt, ist die nächste Tür, die ich öffne.
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Samstag, 2. Februar 2019

Als noch alles besser war.


Früher war alles besser, da konnte ich noch herumlaufen und die Leute schauten mich an. Heute schauen alle auf ihr Smartphone.
Früher war alles besser, da konnten sich die Leute noch orientieren. Heute finden sie den Weg nur mit enem Navi.
Früher war alles besser, da bekam man noch Briefe mit der Hand geschrieben. Heute bekommt man nur noch Mails, so dahin geschmiert.
Früher war alles besser. Das Brot schmeckte nach Brot. Der Apfel nach Apfel und das Gemüse nach Gemüse. Heute ist alles künstlich. Früher war eben alles besser.

So steht es auf meiner Spruchkarte. Dann lese ich weiter: "... zum Beistpiel gestern, da war noch Wochenende." Ich stutze. Ist ein Wochenende wirklich besser? Ob Montag, oder Freitag oder Wochenende! Wer im Früher lebt hat mit dem Leben abgeschlossen. Der vergleicht und ärgert sich.

Die "Früher war alles besser" - Sätze gehen mir auf den Zeiger. Ich mag sie nicht hören. Sie machen mich ärgerlich. Ich bin froh über mein Smartphone. Ich freue mich über die Unterstützung durch das Navi und das Brot schmeckt mir auch heute. Ich lebe heut und genau jetzt und das ist gut so!
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Freitag, 1. Februar 2019

Wieder ganz werden!


Kommt dir die Überschrift eigenartig vor? Wieder ganz werden? Du würdest vielleicht sagen, dass du ein ganz und gar vollständiger Mensch bist. An dir fehlt nichts. Vielleicht doch ein Körperteil? Wenn du keinen Blinddarm mehr hast wie ich, wirst du den nicht wieder in deinem Körper einsetzen können, genauso wie eine entfernte Schilddrüse oder Zähne. Dann bist zwar körperlich nicht mehr so ganz vollständig, aber irgendwie doch. Es ist noch genug da, um gut durch das Leben zu kommen. Du würdest also doch sagen, dass du ganz und vollständig bist.
In der Bibel spricht Gott einen merkwürdigen Satz zu Abraham. „Wandle einher vor meinem Antlitz und sei ganz!“ (Gen 17,1) Damals war Abraham hoch betagt mit 99 Jahren. Also kurz vor seinem hundertsten Geburtstag. Gott meinte mit dem Wort „ganz sein“ so etwas wie „vollständig sein“ und sprach es zugleich wie einen Segen aus. Gott schaut also auf Abraham und stellt einen Mangel fest nach 99 Jahren. Hat Abraham Einbußen erlitten? Körperliche Gebrechen? Enttäuschungen? Haben seine Kräfte nachgelassen?
Übertrage ich die Vorstellung Gottes einmal auf dich und mich. „Geh deinen Weg vor Gott und sei vollständig.“ Das würde ja bedeuten, dass ich tatsächlich unvollständig sein könnte. Dass etwas an mir fehlen würde. Dass ich mich in einem Mangel befinde. Und darüber möchte ich mit dir hier gerne weiter nachdenken.
Mein Vater erzählte mir an Weihnachten von einer Begegnung, die bis heute in ihm nachwirkte. Da hat ihm ein Freund mächtige Vorwürfe gemacht und ihn damit tief gekränkt und erschüttert. Diese Begegnung hängt bis heute in seinen Knochen. Wenn er davon erzählt fühlt er sich sofort kleiner, schwächer und ohnmächtig. Eben nicht mehr aufrecht und ganz.
Wenn ich auf mein eigenes Leben zurückblicke, dann gibt es auch ein paar Ereignisse, die eine bleibende Auswirkung hatten. Ich meine so richtige Brüche in der Lebensbiographie. Ein Bruch, der in mir etwas zerbrochen hat. Ich denke an einen Freund, der mich abgelehnt und verlassen hatte.  Oder an meinen Abschied von meiner Tätigkeit in der Kirche. Oder eine vernichtende Bewertung eines Lehrers über ein Fach, das ich nie verstehen würde.
Von den kleinen Angriffen und Kränkungen konnte ich mich gut erholen. Wenn ich daran jetzt denke und mich da reinfühle gibt es keinen Rest. Keine elektrische Ladung mehr drauf. Ich bin klar mit mir, mit der Situation und mit allen Beteiligten. Ich habe vergeben, jemand hat mir vergeben und danach fühle ich mich wieder ganz und vollständig wie vorher.
Aber ein paar Ereignisse haben dauerhafte Spuren hinterlassen. Narben, die schnell wieder aufbrechen können. Wunden, die auf den ersten Blick geheilt sind, aber nicht in der Tiefenschicht. Wenn ich daran denke kommen alte Gefühle wieder hoch. Schmerzhafte Gefühle. In einem geflügelten Wort sagen wir ja: „Da habe ich Federn gelassen!“ Das fühlt sich immer noch nackt und ohnmächtig an. Da habe ich meine Würde und meine Schönheit verloren. Seitdem bin ich angeschlagen. Ich kann nicht mehr so viel aushalten. Ich bin dünnhäutiger geworden.
Was ich menschlich tun konnte, habe ich getan. Ich kann alle Aspekte durchdenken und mir selbst gegenüber Verständnis entwickeln. Ich kann in meiner Trauer Trost bei Freunden suchen. Ich kann mich auf etwas Neues ausrichten und ich kann ein Gesamtpaket schnüren, dass am Ende alles wieder „in Ordnung“ ist. Was aber wäre mehr als „nur in Ordnung“? Was wäre so befriedet, dass es auf einer höheren Ebene zu einem „Mehr“ an Leben führt nach dem Motto: Durch die Krise und die Wandlung hin zu einer höheren Lebensqualität.
Gott sagt zu Abraham: „Wandle einher vor meinem Antlitz und sei ganz.“ Einschneidende Ereignisse, die mich zutiefst treffen, bewirken, dass ich mich nicht mehr ganz fühle. Als ob ein Teil von mir während der Krise auf der Strecke geblieben ist. Du merkst das manchmal an Kommentaren wie: „Seit seine Frau gestorben ist, ist er nicht mehr so wie vorher. Das wird er bis zu seinem Tod nicht überwinden.“ „Mit ihr ist gar nichts mehr los. Alles ist weg!“
Im schamanischen Denken spricht man davon, dass uns während unseres Lebens Seelenanteile verloren gehen können. Ich kann zum Beispiel das Vertrauen verlieren, wenn mich mal jemand tief enttäuscht hat. Bei einer großen Enttäuschung kann ich zugleich die Fähigkeit verlieren, überhaupt je wieder vertrauen zu können. Und jetzt laufe ich ohne diesen wichtigen Persönlichkeitsanteil durch das Leben, der vertrauen kann. Mir fehlt also jetzt ein Seelenanteil.
Zugleich geht das schamanische Denken davon aus, dass der Schamane diese verlorenen Anteile zurückholen und in die Seele integrieren kann. Auf diese Weise geschieht nicht nur irgendwie „Ordnung“, sondern Heilung.
Jesus versteht seine Mission in ähnlicher Weise, wenn er davon spricht, dass er das Verlorene sucht, das Verwundete heilt und das Darniederliegende aufrichtet. Ich kann mir also vorstellen, dass es grundsätzlich möglich ist, wieder ganz zu werden.
Bei Abraham kommt es ja zu einer Begegnung. Abraham begegnet Gott und Gott spricht. Der Zöllner kommt zu Jesus und Jesus spricht. Oder jemand geht zum Schamanen und dieser besucht die jenseitige Welt und wird zum Botschafter der Heilung. Es gibt also eine Begegnung mit einem Gegenüber. Dieses Gegenüber ist angebunden an etwas, das heilsam, wirksam und größer ist.
Gott muss nur etwas aussprechen und schon wirkt es. Er fordert Abraham nicht auf, irgendetwas zu denken oder zu arbeiten. Er sagt: „Sei ganz!“ Er wirkt durch sein Wort. Gott erinnert Abraham daran, dass dieser aus der göttlichen Quelle kommt und von je her „ganz“ ist. Sein Körper und seine Erlebnisse mögen darauf hinweisen, dass Abraham sein Leben gelebt und fast verbraucht hat. Aber in seinem Bewusstsein kann er realisieren, dass er ganz und gar aus Gott kommt und nie etwas verlieren kann.
Ich kann also in meine Kränkungen und Enttäuschungen gehen und mich darin eingraben und festmachen. Ich kann mich als zusammengesetzten Scherbenhaufen betrachten, der noch so ungefähr kann. Ich kann mich aber auch mit meinem Geist, mit meiner Seele auf eine Ebene bewegen, auf der ich alle Kränkungen in Segen verwandeln kann. Mit meiner körperlichen, irdischen Existenz fällt mir das schwer. Die zerbrochene Freundschaft kann ich kitten, aber das Ereignis nie auslöschen.
Ich kann jedoch meine Erlebnisse auswerten und auf der Seelenebene verwandeln. Wie meine ich das? Gott spricht zu Abraham: „Wandle einher vor meinem Antlitz und sei ganz.“ Abraham möge sich vor dem Antlitz Gottes bewegen. Er geht also in den heilenden Raum Gottes hinein. Er verlässt seinen enttäuschenden, menschlichen Lebensraum und stellt sich hinein in den göttlichen Raum. So, als würde eine Mutter zum weinenden Kind sagen: „Komm her zu mir. Ich tröste dich!“ Gott spricht eine Einladung aus, dass in seiner Nähe Heilung passieren kann.
Abraham muss nichts weiter machen, als sich quasi unter die „göttliche Dusche“ zu stellen. Da geschieht etwas, nur weil er sich in die göttliche Nähe begibt. Fern von Gott bleibt das Leid an ihm kleben. Er wird es nie ausradieren können. In der göttlichen Nähe geschieht etwas Unerwartetes. Abraham muss nur näher kommen. Wenn er Gott nahe kommt, dann kommt er auch der Erinnerung nahe, wo sein eigener Urgrund sich befindet. Abraham kommt Gott nahe und „weiß“ innerlich: „Ich gehöre ja zu Gott! Wie konnte ich das vergessen!“
Ich kann es also wie Abraham machen oder wie die Menschen, die zu Jesus gegangen sind. Ich verändere meinen Ort und bewege mich in die Nähe Gottes. Wie mache ich das? Ich schließe die Augen und konzentriere mich auf meinen Herzensraum. Ich vergegenwärtige mir dort, dass ich aus dem Göttlichen komme und mich darin bewege. Ich visualisiere die Ereignisse, die für mich krisenhaft waren und bis heute nachwirken. Ich fühle die Gefühle von Trauer, Angst und Wut. Aber ich fühle sie im Herzensraum. Ich gedenke des Ereignisses im Herzensraum. Ich lade alle Beteiligten meiner Konflikte dorthin ein. Der Herzensraum ist wie ein Tempel oder wie ein Krankenzimmer oder wie der tröstende Arm meiner Mutter. Ich dehne mich in diesen Raum hinein aus und spüre die göttliche Weite, die entsteht.
In der Bibel spricht Gott eine Einladung aus an Abraham: „Komm mal her und probiere es aus!“ Auch, wenn wir den Eindruck haben in einer Zeit zu leben, in der Gott nicht mehr spricht, gilt die Einladung. In deinem Herzensraum spricht Gott auch heute noch. Er hat sich dahin zurückgezogen, weil die Intimität und Wirksamkeit höher ist. Wenn ich dich einlade, deine Augen zu schließen und dir das einfach so vorzustellen, dann meine ich es genau so! Es ist eine Einladung, es einfach mal zu machen. So wird das Wort Gottes auch heute noch für dich erfahrbar: „Wandle einher vor meinem Antlitz und sei ganz!“