Samstag, 30. November 2019

Herbergssuche - Räume im Advent





Das Leben kommt mir manchmal vor wie eine ständige Herbergssuche. Ich wurde gezeugt und richtete mich im Bauch meiner Mutter ein. Meine Seele fand eine erste Herberge. Leider musste ich diese verlassen, die Hütte wurde zu klein für mich. Ich wurde verstoßen und bekam eine Wiege. Diese stand in einem kalten und viel zu großen Zimmer. Mir kam die erste Erinnerung hoch: Der Bauch deiner Mutter war am Anfang doch auch zugleich fremd und viel zu groß.
Dieses Spiel setzte sich fort. Kindergarten, Schule, eigene Wohnung, Universität. Immer war ich nur vorübergehend dort. Mal für ein paar Minuten, mal für ein paar Tage und auch mal für ein paar Jahre. Da gibt es das ständige Schwanken in mir. Darf ich bleiben? Wenn ja, wie lange? Ist es sicher hier? Dann richtest du dich ein, fühlst dich wohl und dann? Dann musst du wieder gehen. Immer, wenn es am Schönsten ist. Du musst damit klarkommen, ob du willst oder nicht.
Da fällt mir meine Seele ein. Auch sie wohnt in einer Herberge. Diese „Herberge“, mein Körper kommt mir auch oft sehr fragil vor. Immer verlangt er nach Aufmerksamkeit. Er möchte geschützt werden vor Wärme und Kälte, vor Nässe und Trockenheit. Manchmal fühlt er sich wohl in seiner Haut, in seiner „Umhüllung“ und manchmal möchte er da einfach nur raus.
Mein Körper, eine Herberge für die Seele. Mein Körper hat die Aufgabe, die Seele zu beherbergen. Da steckt doch das Wort bergen und Geborgenheit drin. Die Seele sucht Geborgenheit und bekommt sie auch. Aber es ist nie so ganz sicher! Da gibt es die Krankheiten, die Ängste und Sorgen. Da gibt es die lebensbedrohlichen Zustände, wenn die Geborgenheit aufhört und die Unsicherheit beginnt. Der Anfang einer möglichen Panikattacke.
Es lohnt sich also, einmal genau hinzuschauen. Die Herbergen zu betrachten. Ich möchte es gerne mit dem Wort „Raum“ bedenken. Ein neutrales Wort. Jede Herberge ist zunächst einmal ein Raum mit Länge mal Breite mal Höhe. Der einfachste Raum ist geometrisch gesehen ein Würfel. Und damit fängt jetzt der Advent an.
Der Advent hat als Ziel auch einen Raum: Den Stall von Bethlehem. Auf den ersten Blick erscheint er eher nebensächlich. Dennoch ist es das Ziel einer Reise. Maria und Josef waren unterwegs. Sie gingen ihren eigenen Adventsweg. Maria war schwanger. Im Bauchraum barg sie das Kind. Ihr Ziel war Bethlehem, übersetzt: „Hausraum des Brotes“. In der Konkretisierung ein Stall oder der Legende nach auch eine Höhle. Da tauchen die ersten Misstöne schon auf! Ein zugiger Stall im „Haus des Brotes“! Da gibt es die Begegnung meiner Fragilität mit der Fragilität des göttlichen Kindes. Da kommen mir die Räume in den Sinn, die ich schon durchwandert habe. Räume der Geburt, Räume des Lebens, Räume des Sterbens und Räume des Abschiedes. Aber im Advent taucht da dieser Raum in Bethlehem auf. Im Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse heißt es in einer Zeile:

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,

Mir gefällt die Idee, mit Hermann Hesse Raum um Raum zu durchschreiten und nach der Qualität des jeweiligen Ortes zu forschen. Ich lade dich ein, in den Tagen des Adventes mit mir den einen oder anderen Raum zu besuchen. Wir werden keinen Raum zur Heimat machen. Aber in jedem Raum wird es Hinweise geben, die für den Adventsweg hilfreich sein können. Die Wegweiser dazu werden wir im eigenen Sprachraum finden. In welchem Raum dürfen wir bleiben? Selbst der Stall in Bethlehem lädt nur zum Rasten und Ausruhen ein für eine kleine Weile. Betreten wir also neugierig morgen den ersten Raum.

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Du siehst nur deinen Schatten, wenn du deinen Rücken zur Sonne drehst. (Khalil Gibran)


Ich musste  über diesen Satz erst nachdenken. Wenn ich meinen Rücken zur Sonne drehe dann scheint mir die Sonne ins Gesicht. Dann sehe ich meinen Schatten nicht, denn der fällt ja hinter mir. Ich schaue also in die Sonne und genieße das Licht. Mir wird bewusst, dass ich ein Lichtwesen bin. Ich könnte denken, dass es im Leben keinen Schatten gibt. Alles ist Sonne. Ich bin ein Engel. Wie wunderbar.
Wenn ich mich umdrehe, dann spüre ich die Sonne im Rücken und sehe meinen Schatten. Mir wird bewusst, dass der Schatten auch da ist. Ich sehe ihn nicht immer, aber er ist da. Wenn ich meinen Schatten sehe, dann sehe ich aber nicht mehr die Sonne.
Ich denke, dass mein Leben aus Sonne und Schatten besteht. Ich bin manchmal freundlich zu mir und manchmal stehe ich mir selber im Weg. Ich finde manche Eigenschaften an mir wunderbar und mit anderen komme ich nur schwer klar. Ich sehe die Geschenke in meinem Leben und auch die Hypotheken. Da sind immer beide Teile: Licht und Schatten.
Welche Botschaft versteckt sich hinter Khalil Gibrans Satz? Ich verstehe ihn so, dass ich die Möglichkeit habe, mich zu entscheiden. Ich kann mich entscheiden, ob ich meinen Schatten sehe oder das Licht. Es geht nicht darum was besser oder schlechter ist. Menschen, die ständig ihren Schatten betrachten können nur depressiv werden. Menschen, die nur ihr eigenes Licht sehen verlieren den Zugang zu den anderen Seiten der Realität. Das Leben besteht aus Licht und Schatten. Aber ich kann mich drehen. Ich kann meine Positionen verändern. Ich kann die Graubereiche hinzunehmen. Da gibt es das Spektrum von hell- bis dunkelgrau. Sowohl als auch ist entspannter als entweder oder.
Es ist auch hilfreich, hin und wieder seinen Schatten wahrzunehmen. Am Schatten kannst du dich weiterentwickeln. Da weißt du, wo du noch etwas tun kannst. Zur Sonne hingewendet weißt du, wo das Element ist, von dem du lebst. Ich wünsche mir, da wie ein Tänzer zu werden, der geschickt zwischen Licht und Schatten sich mit leichten Füßen hin- und herbewegen kann.
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Freitag, 29. November 2019

Im Advent der Sehnsucht Nahrung geben!



Haben sich alle deine Lebenswünsche erfüllt? Möchtest du noch irgendetwas unbedingt erleben? Fühlst du dich satt und zufrieden oder gibt es da manchmal so einen unbestimmten Hunger, den du gar nicht so genau benennen kannst? Was wohnt unter deinem Ärger, unter deiner Trauer, unter deiner Angst und unter deinen Schmerzen und dann noch eine Etage tiefer? Hast du jemals dorthin gespürt? Der Advent lädt dich und mich ein, genau dort einmal hinzugehen.
Für mich ist der Advent so etwas wie eine Sehnsuchtszeit. Gott sehnt sich so sehr nach dem Menschen, dass er ihm näher kommen möchte. Der „körperlose“ entfernte Gott möchte aus Liebe in die körperliche Erfahrung kommen. Geistig und spirituell verbinden konnte er sich schon immer. Aber das Abenteuer Mensch ist doch eine andere Hausnummer. Was trieb Gott an? Die Sehnsucht nach uns?
Manchmal erlebe ich den Alltag als sehr alltäglich. Ich stehe auf und frühstücke. Ich fahre zur Arbeit und erledige meine Aufgaben. Ich komme zurück und kaufe ein. Ich koche und esse und erhole mich. Ich pflege meine sozialen Kontakte in der Familie und im Freundeskreis und blicke im November auf den Kalendertag und denke: „Bald schon ist wieder ein Jahr vorüber. Wo ist die Zeit nur geblieben.“ Wenn ich dann auf das vergangene Jahr zurückblicke und auf das Jahr davon, dann stelle ich fest, dass es keine großen Unterschiede gab. Einen anderen Urlaubsort, neue Menschen kennengelernt, die eine oder andere Aufgabe angepackt und erledigt. Aber ich bin immer noch in meiner Lebensgeschichte drin und nicht ausgestiegen.
Dann stelle ich mir vor, dass ich irgendwann einmal vor diesem Leben in der körperlosen Welt einen Entschluss gefasst habe. Ich wollte Mensch werden und in das Leben hinein, für das ich mich dann entschieden habe. Aber was war davor? Was war vor meinem Leben? Gab es da eine Sehnsucht? Etwas, was mich angetrieben hat? Warum sollte ich denn in einen so zerbrechlichen Körper hinein als wehrloses Baby bei kriegsgebeutelten Eltern. Ich gehe nicht davon aus, dass ich einfach so zufällig da bin. Ei und Samen von Vater und Mutter verbinden sich und dann entstehe ich irgendwie? Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich schaue in mich hinein und nehme einen komplexen Körper wahr. Eine Geist und eine Seele. Das alles nur zufällig? Kann ich mir nicht vorstellen. Vor diesem Leben war ich in einem Bewusstseinszustand und habe eine Entscheidung getroffen. Und ich hatte eine Idee. Einen Plan. Einen Wunsch. Eine Absicht. Ein Ziel und eine Aufgabe. Und es gab eine Kraft, die mich antrieb. Die Sehnsucht!
Die Bibel spricht ja davon, dass wir Gottes Ebenbilder sind. Das Phänomen Sehnsucht verbindet und mit ihm. Das Wort kommt aus dem Mittelhochdeutschen und meint übersetzt „Krankheit des schmerzlichen Verlangens.“
Da gibt es ein Verlangen, das mich so mit Schmerzen erfüllt, dass ich mich wie krank fühle. Wenn der Herbst lange dauert, die Tage dunkel und trübe werden, dann gibt es plötzlich das unbändige Verlangen nach Sonne und Wärme. Wenn ich dann meinen Urlaub plane, schaue ich nicht mehr auf die Kosten, dann ist mir alles egal. Fast. Ich will unbedingt weg, dahin, wo die Sonne und die Wärme sind.
Als mich als Kind die vielen asthmatischen Anfälle plagten hatte ich eine unglaubliche Sehnsucht nach Atem. Ich schaute auf die Sportler und darauf, wie sie ihren gesamten Körper beatmen konnten und wollte das auch. Immer und dauerhaft viel Atemluft.
Das, was wir haben, können wir nicht ersehnen. Es ist ja schon da. Wir können nur ersehnen, was noch nicht da ist. Eine Frau sehnt sich nach ihrem Mann oder umgekehrt, wenn beide getrennt sind. Manche Menschen sind sogar so süchtig nach dem Sehnen, dass sie das besser finden als die Erfüllung. Der klassische Seemann sehnt sich in der Ferne nach seiner Braut, und wenn er bei ihr ist, wieder nach der Ferne. Er liebt den Zustand von Sehnsucht an sich.
Andere Menschen mögen diesen Zustand überhaupt nicht, weil es mit Schmerzen verbunden ist. Was, wenn du es einfach nicht aushalten kannst? Die Flucht in ein pragmatisches und handfestes Leben ist dann die Lösung.
Aber wenigsten vier Wochen im Jahr bekommt die Sehnsucht einen eigenen Patz, einen eigenen Zeitraum. Stell dir vor, dass du alkoholkrank bist und müsstest ein paar Wochen in einem Spirituosenladen verbringen. Ein Rückfall wäre doch vorprogrammiert.
Was geschieht da eigentlich mir dir und mir in diesen „sehnsuchtsvollen Adventswochen“? Du kannst die Zeit betäuben mit Weihnachtsmärkten und geschäftigem Treiben. Bloß nicht die tiefen Schichten der Seele fühlen. Lieber ein paar emotionale Impulse mit Kerzenlicht, betrieblichen Weihnachtsfeiern und Geschenkesuche. Das ist kalkulierbar und nach vier Wochen ist der Spuk vorbei.
Der Ort im Körper, wo die Sehnsucht entsteht und wohnt, ist dein Herz. Du kannst also die vier Wochen auch für dich nutzen, dich mit deinem Bewusstsein in diesen Raum zu versenken und deiner eigenen Sehnsucht Aufmerksamkeit zu schenken.
Was wirst du spüren? Was denken? Welche Bilder werden hochkommen? Woran wirst du dich erinnern? Die Sehnsucht ist so etwas wie ein Energiefeld das dich beatmen wird. Vielleicht bekommst du plötzlich einen Zugang zu deinem Bewusstsein vor deiner jetzigen körperlichen Existenz. Auf einmal erinnerst du dich daran, warum du auf die Welt gekommen bist und was du hier erleben und erfahren möchtest. In deinen Alltagsabläufen bleibt gar nicht die Zeit dafür.
Das Mönchtum und die Meditierenden haben schon immer gewusst, dass es einen Wechsel braucht von Arbeit und Gebet. Wenn die Kontemplation fehlt, dann werden wir Menschen zu bewusstlosen Akteuren. Erst, wenn wir gewollt und entschieden nichts tun und in die Stille gehen, entsteht ein Raum, wo wir uns unserer selbst bewusst werden.
Nichts gegen Weihnachtsmarkt, Geschenke, Feiern und Trubel. Für Abenteuer und Vergnügen sind wir ja auch auf die Welt gekommen. Es geht nur um diese andere Seite, die auch ihre Berechtigung hat.
Es gab ja mal eine Zeit vor Elektrizität, Digitalisierung und Mobilität. Es gab eine Zeit, wo die Dunkelheit des Abends uns einlud in die Stille. Die Sehnsucht kommt gerne, wenn es dunkel wird. Und auch, wenn die Angst eine Chance hat, uns zu erreichen. Ich habe Angst vor dem Sterben und sehne mich nach dem erfüllten Leben. Wenn es aber immer hell ist und wenn unsere Gedanken pausenlos mit dem Kontrollieren und Planen beschäftigt sind, kommt unser System nicht mehr zur Ruhe.
In der Dunkelheit der Nacht, in der Fülle und Tiefe deines Herzensraumes, inmitten von Angst und Leere kann etwas geschehen, was jenseits des Planens liegt. In diesem Zustand ereignet sich Schöpfung. Und so etwas muss es gewesen sein, dass Jesus Christus entstehen ließ. Ein Mensch, der uns daran erinnert, dass wir aus dem Göttlichen kommen und dahin zurückkehren.
Ab und zu braucht es eine Zeit und einen Raum, wo wir uns erinnern können und wo wir neu den Entschluss fassen dürfen, wofür wir leben möchten. Deine Sehnsucht liebt die Stille, die Dunkelheit, das Fühlen und die Leere. Möge deine Adventszeit segensreich sein!

Donnerstag, 28. November 2019

Die fünf Freiheiten nach Virginia Satir



Virginia Satir war eine wichtige systemische Familientherapeutin und lebte von 1916 - 1988. Sie hat wertvolle Impulse gesetzt für familäre Strukturen und sehr wertschätzend und ressourcenorientiert gedacht und gehandelt. Sehr bekannt geworden sind ihre "fünf Freiheiten", die ich gerne nach und nach erschließen möchte.

Die erste Freiheit: Die Freiheit zu sehen und zu hören was im Moment wirklich da ist, anstatt was sein sollte, gewesen ist oder erst sein wird. 

Mein Mann sollte mir besser zuhören können. Dann wäre das Leben viel schöner. Mein Kind sollte mehr aufräumen, dann wäre ich viel entspannter. Mein Arbeitgeber sollte sehen, was ich alles leiste, dann würde ich viel lieber arbeiten.
Oder: Früher war doch alles besser. Die Bahn war pünktlicher. Die Brötchen schmeckten frischer und waren günstiger. Die Milch kam noch von der Kuh. Ich war körperlich fit. Die Welt war einfach schöner. Die Leute hatten alle mehr Zeit.
Oder: Wenn ich in Rente gehe, dann werde ich mehr Zeit haben. Wenn meine Kinder groß sind, dann werde ich endlich tun können was ich immer schon tun wollte.
Du denkst oft mit den Worten: "sollte" du gehst in die "gute Vergangenheit" oder phantasierst dich in eine "bessere" Zukunft. Du machst das schon automatisch, ständig oder mehrmals am Tag. Du verlässt die Gegenwart und den Augenblick und merkst nicht, wie unfrei du dadurch wirst. Du wirst wie ein Sklave, der sich die Freiheit wünscht: Wenn ich erst einmal diese Fesseln los werde, dann wird alles anders! Pustekuchen!
Virginia Satir lädt dich ein zu einem ganz bestimmten Aspekt der Freiheit. Du entscheidest dich für das "sollte" "die tolle Vergangenheit", die "bessere Zukunft". Du trägst die Verantwortung dafür, wohin deine Phantasie, Sichtweise, dein Ohr und deine Gedanken gehen.
Und du hast die Freiheit, dich jetzt neu zu entscheiden! Du kannst dich dafür entscheiden und hast die Freiheit das zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist. Du musst dir nichts vormachen. Du brauchst nichts beschönigen. Du musst dir die Zukunft nicht toll vordenken. Bekommt das, was ist, jetzt von dir die Erlaubnis da zu sein?
Mein Mann kann nicht zuhören. Das ist so. Aber ich kann ihn immer wieder darauf hinweisen, dass er das jetzt in diesem Augenblick tun kann. Mein Kind ist kein Aufräumer. Das ist einfach so. Und mein Kind ist trotzdem in Ordnung. Die Welt wird nicht untergehen, wenn es nicht aufräumt und es bleibt mein Kind. Mein Arbeitgeber ist blind für die Leistungen der Angestellten. Das ist einfach so! Aber ich kann für mich würdigen, was ich leiste. Und ich leiste was! Und das fühlt sich stark an! Egal, ob es der Chef sieht oder nicht.
Ich warte nicht bis zur Rente, damit ich mehr Zeit habe. Jetzt in diesem Augenblick nehme ich mir die Zeit. Es ist meine Zeit, meine Lebenszeit. Heute schmecken mir die Brötchen und außerdem bin ich ein toller Bäcker. Und heute noch werde ich tun, was ich immer schon gerne tun wollte.
Spürst du wie es ist, wenn du ein Gespür für deine Freiheit wieder findest und entwickelst? Wenn du unerfüllten Sehnsüchten hinterherträumst kann es dich viel Kraft und Energie kosten und irgendwann bist du weg! Du bist nicht mehr da. Gedankenverloren schlürfst du deinen Kaffee und weißt gar nicht, was du getrunken hast. Was kannst du jetzt in diesem Moment hören und sehen?

Die zweite Freiheit: Die Freiheit das auszusprechen, was ich wirklich fühle und denke, und nicht das, was von mir erwartet wird.

Was wird von dir erwartet? Von einer Mutter wird erwartet dass sie empört ist, wenn das eigene Kind ungerecht behandelt wird. Von einem Kind wird erwartet, dass es auf  seine Eltern hört.
Was wird von dir in einer Beziehung erwartet? "Wenn du mich wirklich liebst, dann wüsstest du jetzt wie es mir geht!" "Wenn ich wirklich wichtig für dich wäre, dann würdest du dich heute nicht mit deinen Freunden treffen sondern bei mir bleiben!"
Ich kenne solche Merkwürdigkeiten zur Genüge aus meiner Kindheit. Häufig hatte ich so Fragen und

Mittwoch, 27. November 2019

Tu was du willst, aber nicht weil du musst.

Rahel Varnhagen von Ense wurde gefragt: "Was machen Sie?"  Sie antwortete: "Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen."
"Was machen Sie?" -  "Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen. " Ich habe einmal einen Film über die Yanomami gesehen. Das kam mir so ursprünglich vor. So nah bei sich selbst, bei der Natur und bei den Menschen. So stelle ich mir das Leben im Paradies vor. Das Leben bestimmt von selbst die Themen. Wenn ich Hunger habe esse ich. Wenn ein Mensch da ist bin ich gemeinsam mit ihm. Wenn die Sonne scheint halte ich den Bauch da hin.Wenn ich das wirklich so täte! Ich esse wenn ich keinen Hunger habe und kann mit Menschen nicht gut zusammen sein. Ich schütze mich vor der Sonne wenn sie kommt und sehne sie herbei, wenn sie sich nicht blicken lässt.
"Was machen Sie?" - "Nichts." Ich mache immer etwas. Ich achte darauf, immer alles richtig zu machen. Im richtigen Rhythmus und zur richtigen Zeit. Ich führe dadurch ein anstrengendes Leben. Das Nichts leiste ich mir nicht einmal im Urlaub. Höchstens mal für einen Tag oder für eine Stunde. Frau Varnhagen von Ense lässt das Leben auf sich regnen. Sie setzt sich dem Leben aus. Sie muss da nicht extra was machen. Vielleicht geht sie auf die Straße und dann begegnen ihr schon die Themen. Ein Hund, eine Sonne, ein Hunger, eine Lust! Vielleicht ist es möglich, auch heute in der Zivilisation wie ein Yanomami zu leben. Im Einklang mit sich, mit den Menschen, mit der Natur. Der Regen ist da und ich auch. Einfach zulassen und nichts weiter machen. Darin liegt schon genug Stoff für das Leben.

Wie sähe dein Leben aus, wenn es nichts mehr zu tun gäbe? Dahinter steckt für mich der Gedanke des "Müssens". Mein Leben als einen Ablauf von Zwängen. Eine Sklavenidentität. Jemand befiehlt und ich gehorche. Einem Vorgesetzten oder einer inneren Stimme. Wenn es nichts mehr zu tun gibt, dann hören die Stimmen auf, die da "müssen" rufen. Dann kann ich tun ohne dass ich denke, dass ich was tue. Dann würde mir jemand sagen: "Ständig tust du etwas!" Und du würdest antworten: Wirklich? Kommt es dir so vor? Ich fühle mich völlig tiefenentspannt. So, als hätte ich schon lange nicht mehr etwas getan."


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Dienstag, 26. November 2019

Wenn es sich gut anfühlt, Kopf aus!

Du hast einen Wunsch, den du dir gerne erfüllen möchtest. Du möchtest vielleicht mit deinem Partner zum Italiener. Wie wunderbar! Leckere Pizza oder Pasta oder einen wunderbaren Salat! Für jeden ist etwas dabei. Da geht dir dein Herz auf und du bekommst auch noch einen kräftigen Rotwein und eine tolle Vorspeisenplatte und vor allem zum Schluss Tiramisu. Du reibst dir die Hände und das Wasser läuft dir im Mund zusammen. Du stellst dir auch noch vor, dass es im Restaurant gemütlich ist und dass du eine entspannte und schöne Zeit mit deinem Liebsten verbringst. Nach dem anstrengenden Tag endlich entspannen bei einem tollen Essen. Es fühlt sich herrlich an.
Du ahnst es schon? Dann kommt der Kopf. Der macht sich ein paar Gedanken und schon ist alles kaputt. In fünf Minuten. Beim Italiener gibt es immer Teig. Pizza oder Pasta ist immer aus Teig. Teig sind überflüssige Kohlenhydrate. Die gehen direkt auf die Hüfte. Außerdem ist es echt teuer, wenn du einen guten Wein trinkst und auch noch drei Gänge bestellst. Wer muss fahren und darf nicht trinken? Heute wollen sowieso alle zum Italiener und dann ist es dort auch noch so laut. Nichts mit Romantik. Für das Geld kannst du dir auch selber einen gesunden Salat kaufen.
So macht das der Kopf, der Verstand. Er macht dir alles kaputt wenn du ihn anstellst. Also, wenn du heute zum Italiener gehen möchtest dann erschaffe dir nur das wunderbare erste Bild und das tolle Gefühl. Dann musst du unbedingt sofort loslaufen und dich beim Italiener an den Tisch setzen und direkt bestellen. Erst, wenn du das gemacht hast, darfst du wieder nachdenken. Was hast du da nur wieder gemacht! Unnütz Geld ausgegeben! Aber das ist jetzt völlig egal. Du bekommst deine wunderbare fettige Pasta und den kräftigen Rotwein. Was soll dein Verstand jetzt machen? Er muss aufgeben und sich seinem Schicksal ergeben. Also, wenn es sich gut anfühlt - Kopf aus!
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Montag, 25. November 2019

Ich bin nicht interessiert mich mit jemandem zu konkurrieren - ich hoffe wir schaffen es alle.

Genau! Konkurrenz im alten Sinne schafft Stress. Wer ist besser? Es gibt Gewinner und Verlierer. Und niemand möchte gewinnen. Concurrere aus dem Lateinischen übersetzt heißt: Zusammen laufen. Also kein Gegensatz, sondern Gemeinschaft.
Das gefällt mir. Ich laufe mit dir und du läufst mit mir. Wir laufen auf Augenhöhe!
Anfang der Woche war ich auf einer Weiterbildung und wir sollten zu Beginn in Vierergruppen uns austauschen über ein Thema und gemeinsam dabei laufen. Da erinnerte ich mich an Tage im Benediktinerkloster vor vielen Jahren. Wenn vier Mönche gemeinsam einen Spaziergang machten gingen zwei vorwärts und zwei rückwärts. So konnten alle vier sich gegenseitig in die Augen schauen. Ich nenne das jetzt Benediktinerwalk. Das Tempo verlangsamt sich. Die vorwärts Gehenden achten auf die beiden vor sich, dass sie nicht ins Stolpern geraten. Die Rückwärtslaufenden üben sich ein in das Vertrauen. Vier können schnell konkurrieren im alten Muster. Wer ist klüger und wer hat die besseren Ideen. Besser sein führt schnell in die Einsamkeit. Der Erste kommt allein ins Ziel. Er hat zwar gewonnen, aber niemanden an seiner Seite.
Ich hoffe auch, dass wir es alle schaffen. Dass jeder ans Ziel kommt. Dass alle Menschen gut leben können. Dass für alle mehr als genug Liebe und Aufmerksamkeit da ist. Dafür möchte ich mich stark machen wo immer ich bin. Und ich glaube, dass Männer und Frauen dafür bestens geeignet sind, das gemeinsam hinzubekommen. Männer allein? Frauen allein? Ich bin gewiss: Wir schaffen das alle!
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Samstag, 23. November 2019

Einen Reichtum an Freundschaft für dich!


Ein Freund ist jemand, 
dem man den ganzen Inhalt des Herzens
reichen kann, weil man weiß,
dass er ihn mit zärtlicher Hand
annehmen und sichten wird.

(aus Arabien)

Mögest du reich gesegnet sein mit solchen Freundinnen und Freunden.
Möge dein Herz voller Dankbarkeit für dieses Geschenk sein.
Mögest du selbst eine Freundin und ein Freund sein mit einer zärtlichen Hand.
Möge dein Sichten voller Friede und Zuwendung sein!

Freitag, 22. November 2019

Liest du noch die Speisekarte oder isst du schon!


Auf den ersten Blick klingt dieser Satz vielleicht eigenartig. Darum will ich ein paar Sätze dazu schreiben.
Stell dir vor, du gehst mit Freunden in ein Restaurant. Der Kellner heißt euch willkommen und zeigt euch einen Platz, wo ihr sitzen könnt. Ihr setzt euch und der Kellner bringt die Speisekarte. Er überreicht dir sehr freundlich diese Karte und empfiehlt dir auch eine von den Speisen. "Suchen sie vegetarisch? Das finden Sie hier! Und auf dieser Seite stehen die Tagesgerichte! Der Fisch ist heute besonders zu empfehlen!"
Du bedankst dich beim Kellner und dann lest ihr alle die Speisekarte rauf und runter. Ihr tauscht euch aus. "Was nimmst du?" "Ja wie toll, das klingt auch ganz lecker!" Vor deinem geistigen Auge siehst du die toll angerichteten Speisen. Dein Magen ruft: "Hurra!" in seiner unnachahmlichen Art. Dann kommt der Kellner wieder und es geschieht etwas merkwürdiges. Du gibst dem Kellner die Speisekarte zurück und deine Freunde machen es ebenso. Ihr bedankt euch bei dem freundlichen Mann für das Austeilen der Karten, entrichtet eine kleine Leihgebühr und verlasst das Lokal.
"Hä!" wirst du jetzt denken, oder? Das ist doch völlig schräg! Man geht doch in ein Lokal um zu essen. Du liest zwar die Speisekarte, aber das Ziel ist doch das Essen. In meiner Geschichte gibt es aber keine Bewusstheit vom Essen, sondern nur die Bewusstheit einer Speisekarte. Dort werden die Speisen gelesen, aber nicht konsumiert. In meiner Geschichte ist das völlig in Ordnung so. Meine Besucher kennen es nicht anders. Sie gehen in eine Lokal um Speisekarten zu lesen.
Du würdest jetzt vielleicht mit deinem erweiterten Bewusstsein sagen: "Wie schräg ist denn das! Das Eigentliche haben die Gäste doch verpasst. Das Wesentliche kommt erst nach der Bestellung. Es geht um das Essen, das Genießen und das Sattwerden. Vom Lesen wirst du nicht satt!"
Jetzt wirst du vielleicht fragen warum ich diesen Gedanken mit dir teile. Ich möchte dich einladen, diese Geschichte auf dein Leben zu übertragen. Wo liest du noch die Speisekarte und merkst nicht, dass du eigentlich essen dürftest?
Ich wage einmal eine Übertragung. In der Kirche erzählt dir der Pfarrer im Rahmen seiner Predigt etwas über Gott. Er erzählt, dass er gütig ist und dass man ihm vertrauen kann. Er liest dir vor, was in der Bibel steht und erklärt dir, wie du das verstehen kannst. Mit meinen Worten. Er liest eine Speisekarte vor. Aber isst du auch? Du hörst vielleicht etwas über Gott, aber du isst ihn nicht. Du spürst ihn nicht in dir und hast keine Gespür dafür in ihm zu leben. Du bekommst selten eine Anleitung zum "Gott spüren". Gerade in spirituellen Fragen habe ich oft den Eindruck, dass wir alle Speisekarten lesen und gar nicht wissen, dass es ums Essen geht.
Stell dir doch einmal vor, dass die Predigt ausfällt. Der Pfarrer würde sagen: "Herzlich willkommen! Schließe deine Augen und achte auf deinen Atem wie er kommt und geht. Nimm wahr, welche Bilder in dir auftauchen und welche Gedanken entstehen. Hörst du die Stimme Gottes? Was sagt er gerade. Was nimmst du wahr?" Dann - Stille. Zeit zum Wirken! Nach einer Weile lädt der Pfarrer ein zum Teilen: "Wer möchte erzählen, was geschehen ist?"
Auf einmal gäbe es eine Demokratisierung von Religion. Alle würden von den kostbaren Speisen erzählen, die sie gerade gegessen haben. Alle würden merken, dass sie den Sprung geschafft haben vom Lesen der Speisekarte hin zum Genießen der Speisen.
Die Gotteserfahrung ist meine Herzensangelegenheit. Ich weiß nicht, ob dir mein Bild etwas sagt. Vielleicht lässt es sich auch auf andere Situationen übertragen. Du hörst von Musik aber in dir gibt es keine Melodie. Dir erzählt jemand von Farben aber deine Welt ist schwarz und weiß. Du hörst, dass es die Liebe gibt, aber dein Herz bleibt bei der Sehnsucht stehen. Darum noch einmal meine Frage: Liest du noch die Speisekarte oder isst du schon?
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Donnerstag, 21. November 2019

Man sollte viel öfter einen Mutausbruch haben.

Ich neige schon nicht zu Wutausbrüchen. Ich breche selten aus. Ich lebe ein sehr geordnetes und strukturiertes Leben. Ich sorge dafür, dass mein Ärger nicht zu hoch wird und dass ich ihn ordentlich kanalisiere. Ich fühle ihn und ich spreche ihn aus. Ich bemühe mich um einen äußerst professionellen Umgang damit. Aber ich breche nicht einfach aus. Ich würde auch nicht aus einem Gefängnis ausbrechen. Brechen wäre mir viel zu brutal. Es entspricht mir gar nicht. Ich drängel mich auch nicht vor an der Kasse und benutze meine Ellenbogen. Ich setze mich auch nicht einfach durch auf Kosten anderer. Und ich finde Menschen, die ihre Gefühle gar nicht kontrollieren können äußerst anstrengend. Sie beherrschen so schnell das ganze Feld.
Aber bei manchen Aufgaben taucht da so eine Angst auf. Unerlaubt schwimmen im Baggersee. In ein fremdes Land reisen, wo ich nichts verstehe. In ein Sternerestaurant gehen und nicht wissen, wie man sich benimmt und was ich da bestellen kann. Einfach auf wildfremde Leute zugehen und sie ansprechen. Dinge tun, die ich noch nie gemacht habe. Da will ich manchmal etwas und nehme mir allen Mut zusammen und dann.. kehre ich einen Zentimeter davor wieder um. Was mir dann fehlt? So ein richtiger Mutausbruch. Wenn ich den hätte, würde ich mich schreiend auf das Neue stürzen. Die Angst niederbrüllen und einfach machen. Aber ich neige nicht zu Ausbrüchen. Ich neige zu winzig kleinen Schrittchen und habe dafür die Energie einer Schlaftablette. Aber ich werde es schaffen, bis zum Ende meines Lebens einen ordentlichen Mutausbruch hinzubekommen. In der letzten Stunde meines Lebens werde ich schreien bevor mein Herz stillsteht. Ich beame mich in das neue Leben nach dem Tod hinein und werde mein Ding machen. Das nehme ich mir fest vor. Und ich gebe mir die Freiheit, bis dahin ein wenig zu üben.
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Mittwoch, 20. November 2019

Glück findest du nicht wenn du es suchst, sondern wenn du zulässt das es dich findet...

Ich sitze hier und erwarte das Glück. Warum sollte ich es suchen? Ich weiß nicht einmal, wo ich suchen müsste. Ich wäre die ganze Zeit unterwegs und würde es sowieso nicht finden. Ich sitze hier und erwarte das Glück ohne es zu erwarten. Wenn ich es wirklich erwarten täte wäre es wieder wie suchen. Ich würde ja innerlich Ausschau halten. "Na, Glück, willst du nicht vorbeikommen?" Dann wäre suchen sogar noch besser als erwarten.
Aber ich sitze trotzdem und sage dem Glück, dass ich da bin. Ich muss ja ein Signal senden, dass ich bereit bin und dass ich Zeit habe. Sonst denkt das Glück, dass ich so viel zu tun habe und es gar nicht beachten würde. Ich gebe dem Glück auch keine Zeitfenster vor. Ich sage nicht, dass ich am Tag eine Stunde oder fünf Minuten Zeit hätte. Dann würde das Glück sich ja sehr beschränken müssen. Wenn das Glück nur Ewigkeit kann, dann wären fünf Minuten zu wenig. Dann würde das Glück ja sagen, dass es sich nicht lohnt, mich zu besuchen.
Wenn ich aber dem Glück meinen ganzen Tag zur Verfügung stelle, dann könnte ich ja nichts anderes mehr machen. Ich sitze dann Stunde für Stunde und lasse mich vom Glück finden und währenddessen wartet meine Wohnung darauf, dass ich sie putze. Was mache ich denn jetzt, dass das Glück mich finden kann. Dass es weiß, dass ich bereit bin...
Das Glück ist zu mir gekommen. Es hat sich in mein Herz gesetzt und sich kaputt gelacht über meine seltsamen Gedanken. Es hat gesagt: "Was bist du doch für ein komischer Kerl. Ich bin schon so lange da und du bemerkst mich nicht. Du machst dir Gedanken darüber ob ich komme und dabei bin ich schon lange da. Ich sitze hier in deinem Herzen und winke dir unaufhörlich zu." Ach, so einfach ist das. Ich nehme kurz Kontakt zu meinem Herzen auf und schon ist es da. Ohne äußeren Grund und ohne, dass etwas passiert. Ich sitze hier und bin vergnügt und beobachte, wie mein Verstand einen Grund sucht, warum ich glücklich bin. Er findet einen. Ich habe es warm. Ich habe keine Eile mit irgendetwas, ich sitze bequem. Der Verstand sucht immer einen Grund. Jetzt hat er einen. Und Ich? Ich sitze hier und amüsiere mich über meinen Verstand. Er kann es nicht lassen für mich zu arbeiten und sogar im Glücklichsein denkt er nach. Er weiß ja nicht, dass er damit das Glück vertreibt. Das Glück braucht nämlich gar nichts. Einfach nichts. Es ist so da. Ich teile dieses Geheimnis mit meinem Lächeln.
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Dienstag, 19. November 2019

Es gibt nur zwei Tag im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist gestern, der andere morgen. (Dalai Lama)

Gestern ist vorbei und morgen ist noch nicht. Gestern hätte ich weniger arbeiten können und war wohl zu lange unterwegs und hatte zu viel zu tun und hätte mir mehr freie Zeit nehmen können. Ich habe es leider nicht gemacht und heute bereue ich es. Ich habe nicht gut auf mich aufgepasst. Jetzt ist heute und muss die Auswirkungen von gestern ertragen. Gestern schwappt nach heute über. Hätte ich doch gestern meinen Terminkalender nicht so vollgestopft. Wenn ich daran denke fehlt mir für heute die Kraft.
Und der Tag morgen macht mir Angst. Ich habe da so einen unangenehmen Beratungsauftrag. Hilflose und empörte Ehefrauen machen mich als männlichen Berater vorsichtig. Also beschäftige ich mich mit dieser Frau, die morgen kommt, heute schon. Ich lege mir einen Panzer zu und passe auf, dass sie weder mich noch alle anderen Männer beschimpfen kann. Die Beratung fängt heute schon an und ich werde wieder nur eine Stunde berechnen. Dabei ist morgen erst morgen und noch nicht jetzt.
Gestern ist vorbei und morgen ist noch nicht. Warum tue ich mir das an? Ich meine nicht die viele Arbeit und die unangenehmen Beratungen. Ich meine diese Gedanken, die mich von gestern und morgen ins Heute überfallen und mein Jetzt blockieren. Mein Verstand ist völlig undiszipliniert und macht, was er will. Wenn ich an gestern und heute denke, dann kann ich jetzt nichts mehr machen und auch nicht im Jetzt sein. Ja, ich kann nicht einmal Ich selber sein. Ich bin dann das Ich von gestern oder das Ich von morgen. Aber ein solches Ich ist gar nicht. Das Ich ist jetzt gerade da, wo ich diese Zeilen schreibe. Und wenn ich mich auf das Schreiben konzentriere und die Buchstaben anschaue, die ich gerade schreibe, dann verschwinden die Gedanken vom gestrigen Tag und die Angst vor morgen.
Ich werde mir also dessen bewusst, dass meine Gedanken einen Spuk erzeugen und ich schüttle sie ab wie Regentropfen. Ich lege meine Aufmerksamkeit ganz bewusst auf das, was ich jetzt mache. Was ich jetzt wahrnehme und - spüre, dass da ein Ich ist, das sich wahrnimmt. Yes, mehr davon!
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Montag, 18. November 2019

Wähle einen Job, den du liebst und du wirst nie wieder arbeiten müssen.

Unter Arbeit verstehen wir ja oft Anstrengung, Zwang, Erschöpfung und Ausbeutung. Die wichtigsten und schönsten und wachesten Stunden des Tages sind reserviert für die Arbeit und zum Geld verdienen. Du arbeitest sieben oder acht Stunden und verdienst dir dein Geld um anschließend zu leben. Das eigentliche vergnügliche Leben findet jenseits der Arbeit statt. Und wenn du die Arbeit als Sklaverei wahrnimmst freust du dich um so mehr auf die Freiheit. Und zugleich findet in dir ein Kampf statt. Deine Arbeit und dein Arbeitgeber gegen dich. Die Gewerkschaft und der Betriebsrat passen auf, dass die Schwelle nicht übertreten wird. Du gehst also jeden Tag in den "Kampf" und hoffst, nicht unterzugehen. Dass deine Arbeit sich nicht plötzlich vermehrt oder überfordert. Wer über viele Jahrzehnte kämpft fühlt sich am Ende ausgelaugt, krank, erschöpft und wahnsinnig rentenbedürftig. Muss das so bleiben und ist das erstrebenswert?
Auf keinen Fall. Wenn du deine Arbeit so liebst wie dein sonstiges Leben empfindest du es nicht als Arbeit sondern als reines Vergnügen. Du bekommst die Chance zur Selbstverwirklichung. An jedem Abend bist du vielleicht körperlich erschöpft, aber äußerst glücklich und zufrieden. Du kannst dir keinen Tag ohne "liebende Arbeit" vorstelllen. Herzlichen Glückwunsch, wenn du einer solchen Arbeit nachgehen darfst.
Die meisten Menschen leben jedoch in einer scheinbar anderen Realtität. Eben doch die Arbeit als Kampf und die Unmöglichkeit, die Arbeit lieben zu können an jedem Arbeitstag. Gibt es noch eine andere Möglichkeit? Ja, sie findet im Mindset statt. In deiner Vorstellungskraft. Du kannst in deinem Geist so mächtig sein, dass du dir eine andere Erlebnisqualität erschaffen kannst. Was machst du im Urlaub? Da kaufst du ein, gehst wandern, aktivierst deinen Körper, liest vielleicht Bücher. Was machst du an deinem Arbeitstag? Du kaufst ein, gehst zu Arbeit, aktivierst deinen Körper und liest was im PC. Du machst im Prinzip das gleiche, empfindest es aber anders. Stell dir vor, dass morgen dein nächster Arbeitstag ist, du aber aufwachst mit dem Gedanken, dass du Urlaub hast. Du machst alles wie immer an jedem Arbeitstag, aber du bleibst bei der Vorstellung von Urlaub. Wie wirst du dich fühlen? Was wird dein Körper dir sagen? Wie wird sich das auf deine Arbeit auswirken und wie wird deine Laune sein? Und alles nur, weil du deinen ersten Gedanken am Morgen in eine bestimmte Richtung gelenkt hast. Wähle also einen Gedanken, den du liebst und du wirst nie wieder arbeiten müssen.
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Samstag, 16. November 2019

Take it easy!


Stell dir eine Situation vor, die dich belastet. Du hast einen Fehler gemacht. Du hast dich blamiert. Du fühlst dich nicht wohl damit. Du möchtest es verdrängen, leugnen, zur Seite schieben. Aber es lastet auf dich. Wie fühlt es sich an?
Wenn das Ereignis frisch ist, kann ich diese Reaktion gut verstehen. Aber wenn diese Geschichte schon lange zurückliegt? Wenn es sich in deiner Kindheit abgespielt hat? Und wenn du daran denkst und es fühlt sich wieder so schwer an, macht das noch Sinn? Diesen alten Teebeutel wieder in die Tasse zu hängen und alte Gefühle wiederzubeleben? Es ist ein altes Gefühl! Es ist nicht aktuell!
Jetzt magst du denken: Aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Es kommt einfach immer wieder. Ich hatte mich damals so blamiert! Es belastet mich immer noch! Dann belastet dich nicht das vergangene Ereignis sondern es belastet dich das aktuelle Gefühl, dass du dir selber gemacht hast. Die Erinnerung erschafft das Gefühl. Du bist der Schöpfer dieses Gefühls. Du hast es selber erschaffen!
Wenn du mal in die Jauchegrube gefallen bist und es dir nicht gefallen hat. Würdest du freiwillig wieder hineinspringen? Würdest du noch einmal eine heiße Herdplatte anfassen um das Gefühl von Verbrennung wiederzubeleben? Würdest du doch nicht. Das macht keinen Sinn! Aber deine alten Ereignisse kramst du dein ganzes Leben lang wieder hervor und erneuerst deine schlechten Gefühle.
O.k. Wenn du es nicht lassen kannst, weil du ein Erinnerungsjunkie bist dann mache es doch einmal ganz richtig. Das geht so!
Stell dir eine Situation vor, die dich belastet. Schließe dazu die Augen und lass sich das Bild in dir entfalten. Nimm wahr, wie deine Mutter dich auslacht und wie du reagierst. Wende dich aber dieses mal auf keinen Fall ab wie sonst! Bleib bei dem Bild! Bleib noch weiter bei dem Bild! Schau dir deine Mutter an und schaue dich selber an. Lass alles zu, was auftaucht. Es ist wie bei einem Eiterpickel: Alles muss raus! Also schau das Bild an. Übernimm die Verantwortung dafür. Es ist deine Situation, deine Geschichte, deine Erinnerung. Sie gehört dir! Egal was du erlebt hast. Schau dir die Situation an und laufe nicht weg! Halte es länger aus als sonst. Schau dich daran satt! Ich habe einmal Sahne sehr gerne gemocht. Dann habe ich einen ganzen Becher Sahne getrunken und mir wurde schlecht. Lange Zeit konnte ich dann keine Sahne mehr essen. Ich hatte die Nase voll davon. Schau dir also mal als Experiment deine schwere Geschichte an bis du satt bist.
Wenn du es lange genug gemacht hast wird etwas sehr Unerwartetes und Ungewöhnliches geschehen. Davon kann ich dir hier nichts erzählen, denn dann würde dein Geist ganz schnell dahin flüchten. Das möchte ich vermeiden.
Wenn du dir dein Bild anschaust dann machst du etwas anderes gleichzeitig. Du sagst dir: Jetzt bin ich hier. Mein Leben ist weitergelaufen! Ich bin die von damals und zugleich jemand anderes. Zum Abschluss der Übung schaust du auf das Mädchen im Foto: Es bläst eine Pusteblume. Die Geschichte ist abgeschlossen. Der Same darf sich verteilen. Die Geschichte war schwer und der Same ist leicht. Wie bei einer Pusteblume puste ich den Samen meiner Geschichte in die Welt und habe Anteil an meiner Weiterentwicklung und der Entwicklung der Welt.
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Freitag, 15. November 2019

Herzliches Wunschglück!

Mögen deine Wünsche dich glücklich machen.
Mögen deine Gedanken über dein Wünschen reich sein und dich erfüllen.
Möge dein Wünschen lebendig und leicht sein.
Möge dein Wünschen eine Spur von Loslassen haben.

Mögen deine Wünsche ihren Ursprung in deinem Herzen haben.
Möge dein Glück viele Quellen haben.
Möge dein Glück auch Unglück wohlwollen begrüßen können.
Möge dein Glück auch das Unglück umfassen.

Mögest du Glück haben mit dem richtigen Wünschen.
Mögest du glücklich bleiben, wenn deine Wünsche nur Wünsche bleiben.
Mögest du unabhängig vom Wünschen sein und zugleich dafür empfänglich.
Mögest du von nichst abhängig sein und in deinem Herzen geborgen.

Ich wünsche dir herzliches Wunschglück!

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Donnerstag, 14. November 2019

Westfälische Liebeslyrik!

Wie wäre es, wenn du deine Kinder öfter mal lobst und ihnen Anerkennung schenkst? Wie wäre es, wenn du deiner Liebsten ab und zu mal liebevoll über den Rücken streichelst als Zeichen deiner Zuwendung? Wie wäre es, wenn du dich ein wenig dankbarer fühlen würdest für all das, was dir das Leben schenkt?
Die westfälische Form des Wohlwollens lautet: "Da hab ich kein Problem mit!" Manchmal schmunzle ich in der Beratung über diesen Satz, wenn er fällt. "Da hab ich kein Problem mit!" Ich habe kein Problem damit, zu den Menschen freundlich zu sein. Der Westfale meint damit: "Ich kann das!" Er ist sich dessen bewusst, dass Lob und Anerkennung zu verteilen zu seinen Fähigkeiten gehört. Grundsätzlich!
Er wendet dieses Prinzip aber nicht so häufig an. Er wendet es eher selten an bis nie! Er könnte, wenn er denn wollte! Die westfälische Zuwendung mutet bisweilen knorrig und knarzig an. Ähnlich wie bei einem Schinken wird er nur in dünnen Scheiben verteilt an auserwählte Personen.
Wenn du die westfälische Mentalität nicht kennst, könntest du den Eindruck gewinnen, du müsstest emotional verhungern. Die Westfalen haben kein Problem mit dem Verteilen von Lob und Anerkennung. Sie tun es einfach nicht! Mit dem, was man nicht praktiziert, kann man auch kein Problem haben.
Ich mag das Knorrige und auch den Schinken. Zugleich wünsche ich mir auch manchmal eine Alternative. Für die Kinder, für die Liebe, für ein bisschen mehr Leben...
Wie wäre es, wenn du deine Kinder öfter mal lobst und ihnen Anerkennung schenkst? "Ja, das tue ich gerne! Danke, dass du mich daran erinnerst! Das ist so wichtig!"
Wie wäre es, wenn du deiner Liebsten ab und zu mal liebevoll über den Rücken streichelst als Zeichen deiner Zuwendung? "Ja, das mache ich gerne! Dass ich daran nicht schon früher gedacht habe! Welch tolle Idee!"
Wie wäre es, wenn du dich ein wenig dankbarer fühlen würdest für all das, was dir das Leben schenkt? "Wie wunderbar, dass du mich dran erinnerst. Danke!"
Merkst du den Unterschied? Lieber Westfale, neben dem trockenen Knochenschinken gibt es als Ergänzung auch noch den saftigen Kochschinken!
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Mittwoch, 13. November 2019

Jeder Mensch ist Kunst ... gezeichnet vom Leben.

Jeder Mensch ist Kunst! Du bist ein Kunstwerk! Du bist so wunderschön und so äußerst liebenswert. Das meine ich wirklich so. Und du auch und du auch wenn ich in die Runde schaue von allen Menschen, die das jetzt lesen. Du bist ein wunderbar liebenswerter und schöner Mensch. Kein Künstler hätte dich wunderbarer gestalten können. Du bist das perfekte und wunderbare Kunstwerk überhaupt. Erlebst du dich selber auch so? Oder denkst du, dass ich übertreibe. Schaust du in den Spiegel und siehst deine Falten? Deine grauen Haare und deine Speckröllchen? All die Dinge, die im Laufe der Jahre dazugekommen sind? Erinnerst du dich noch an die früheren Zeiten, wo alle dich als Kind so süß fanden? Als die Erwachsenen sich über deinen Kinderwagen beugten und sich nicht satt konnten an deiner Süße und Schönheit. Was warst du für ein Wunderwerk der Schöpfung!
Und heute? Du bist immer noch ein Wunderwerk... nur gezeichnet vom Leben. Du bist ein Wunder mit Spuren! Deine Geschichte ist eingeschrieben in dein Gesicht, in deine Augen, in deine Haut und in deine Organe. In deine Muskulatur und in deinem Knochengerüst. Keine Zone deines Wesens ist geschichtslos. Alles in dir erzählt davon, wie du als wunderbares Kunstwerk das Leben gemeistert hast.
Das größte Wunder jedoch wird sich noch ereignen. Wenn du aufhörst zu hadern mit dir und mit den Zeichen an deinem Körper. Wenn du einverstanden mit dir bist und loslassen kannst. Dann verwandeln sich die "Zeichen" in einen Ausdruck deiner einmaligen Persönlichkeit. Dann ist es nicht mehr wichtig, dass du wie alle Babys nur süß warst. Sondern dein Wesen bekommt die wunderbare Süße einer eindrucksvollen Lebensgeschichte. Manchmal schaue ich in das Gesicht von älteren Menschen und bin voller Bewunderung über deren Ausstrahlung. Ich kann mich nicht satt sehen und freue mich total über das, was ich wahrnehmen darf. Ich bekomme das Geschenk von bajahtem Leben in Höhen und Tiefen mit allem, was die Erde uns anbieten kann. Und ich wünsche mir, dass ich das genauso könnte. Und dass ich vor dem Spiegel stehe mit allen Blessuren und Falten und gerade darin die Kunst und die Schönheit entdecken darf.
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Dienstag, 12. November 2019

Deine Not-to-do Liste!

Machst du auch solche Listen, auf die du schreibst, was du noch alles zu tun hast? Wie viele Punkte stehen denn da so drauf? Priorisierst du oder schreibst du einfach wahllos alles herunter. Machst du so eine Liste, weil du nur einfach vergesslich bist? Oder brauchst du Strategien, um den inneren Schweinehund zu überwinden. Oder liebst du einfach nur die vielen durchgestrichenen Sätze, wenn du am Ende alles erledigt hast? Bist vielleicht angetrieben von dem inneren Glaubenssatz:"Wenn ich meine To-do-Liste abgearbeitet habe geht es mir gut und ich fühle mich frei?"
Dann solltest du dir überlegen, ob du doch ein Sklave deines Ehrgeizes oder deines schlechten Gewissens oder deiner Verantwortungsübertreibung bist. Vielleicht bist du aber auch einfach nur ein Listenjunkie. Du machst eine Liste für den Einkauf, für den Koffer, für die Woche und für das Jahr. Dann schaust du auf deine Listen und arbeitest sie ab und bist dabei sehr wichtig. Oder du freust dich einfach, wenn etwas erledigt ist und der Druck in deinem Kopf und in deinem Körper verschwindet. Du liebst es, in dir ein reines und ruhiges Gewissen zu erzeugen.
Mach das ruhig so. Das ist ganz in "Ordnung"! Es hilft dir und kann ein Geländer sein in der Unübersichtlichkeit des Lebens. Ich lade dich trotzdem ein, mal eine "Not-to-do Liste" zu machen. Da steht drauf: Ich muss nicht aufräumen. Ich muss mein Konzept nicht fertig bekommen. Ich muss nicht einkaufen gehen. Ich muss nicht die Wäsche waschen... Also eine lange Liste von Dingen, die du nicht machen musst. Und wenn du diese Liste nicht abarbeiten musst, musst du diese Liste auch gar nicht erst schreiben. Es würde ausreichen, wenn du auf einen Zettel schreibst: Not-to-do! Und? Wie fühlt es sich an, wenn du durch die Wohnung läufst und überall einen Post-it hinklebst mit der Überschrift "Not-to-do". Spürst du, wie dein Freiraum wächst? Oder spürst du eher das schlechte Gewissen, das dir sagt: "So geht das aber nicht!" Nein, so geht das wirklich nicht. So funktioniert leider eine solche Liste auch gar nicht. Du würdest an alle deine "To dos" vorbeilaufen, wo jetzt klebt: "Not to do" und du wärest ständig konfrontiert mit den unerledigten Dingen.
Ich selbst mache das so. Ich setze mich hin und schließe die Augen. Dann sehe ich nicht mehr die "To dos". Sie sind noch nicht verschwunden, weil ich sie ja noch denken kann. Aber ich sehe sie nicht mehr. Ich gehe in mein Herz und schreibe dort in schönen Buchstaben flüsternd: "Not to do!" Mein Herz genießt für einen Augenblick den Freiraum, der entsteht. Und mit diesem Freiraum im Inneren mache ich dann manche Sachen von der "To-do Liste". Ich arbeite weiter mit solchen Listen aber nie ohne die andere Liste, die genauso wahr ist. Es gibt nichts zu tun!
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Montag, 11. November 2019

Außerhalb des Körpers sehen Kalorien immer so liebenswert aus.

Genau! Ich liebe den Gang durch Feinkostabteilungen. Was man alles für Köstlichkeiten aus Lebensmitteln herstellen kann. In so manche Torten könnte ich mich verlieben, mich hineinsetzen, Stück für Stück verdrücken. All diese Kalorien sehen so köstlich und äußerst liebenswert aus. Ich kann sie so lieben, dass ich sie vor Liebe verschlingen kann. Endlich etwas, was sich nicht wehrt gegen meine Liebe. Torten lieben Menschen! Dafür sind sie gemacht. Menschen zu erfreuen. Torten wissen, dass sie nur wegen ihrer Kalorien liebenswert sind. Ohne Kalorien sehen sie ärmlich aus, eben wie Zwieback oder Obst. Obst ist gesund und oft auch lecker, aber nicht liebenswert.
Wie schön, dass die Torte mich liebt und ich sie zurücklieben darf. Sie mag es, wenn ich in sie hineinbeiße und mich daran erfreue. Da darf es diesen Augenblick von Gier und Maßlosigkeit geben. Wo der Verstand aussetzt und der Bauch gewinnt.
Stopp! Genau da liegt wohl das Problem. Dass der Bauch gewinnt. Dauerhaft gewinnt. Die Kalorien sind nur außerhalb meines Körpers liebenswert. In meinem Körper drin sieht die Welt völlig anders aus. Der Bauch steht vor und verdeckt den Blick auf die Füße. Ich rechne nach, wie lange ich brauchen werde, bis die Kalorien wieder verschwunden sind. Ich stelle mich auf die Waage und vor dem Spiegel und weiß, dass ich mich verurteilen werde. Für die Unförmigkeit und für die zusätzlichen Kilos. Ich verurteile mich für den kurzen Moment der Gier und der Unachtsamkeit und zahle eine hohe Rechnung. Es kommen verlorene Monate mit den Vorstellungen von Lieblosigkeit und von Abnehmen.
Außerhalb des Körpers sehen Kalorien immer so liebenswert aus. Weißt du was? Ich falle immer noch da drauf herein. Ich weiß es und liebe weiterhin Torte. Ist mir doch egal! Ich werde auf jeden Fall sterben. Mit und ohne Torte oder sonstige Kalorien. Ich stelle mir vor, dass ich in den Himmel komme und die Engel mich fragen, wie ich auf der Erde die Torten fand. Und ich müsste sagen, dass ich sie ignoriert hätte. Dann würden die Engel mich ratlos anschauen und mir sagen, dass die Menschen nur dafür auf die Erde kämen, um Torte zu essen... Diese Vorwürfe möchte ich mir ersparen. Ich möchte nach diesem Leben allen Engeln im Himmel in aller Ausführlichkeit den Unterschied erklären wollen von Schwarzwälder Kirsch und von Pommes oder Pralinen.
Heute kauf ich mir also eine Torte und genieße jede Kalorie und ich merke mir den Geschmack und ich erschaffe mir Bilder, die ich nicht vergesse. Ich möchte den Engeln im Himmel davon vorschwärmen und ihnen erzählen, wie wunderbar das Leben auf der Erde ist und dass ich froh war, nicht im Amazonasgebiet inkarniert worden zu sein.
Und wenn ich so denke bekommen die liebenswerten Kalorien außerhalb des Körpers auch eine innere Liebenswürdigkeit. Und wenn ich wirklich will, esse ich morgen wieder Obst, Gemüse und Salat ;-) und esse vielleicht ganz heimlich so ein kleines leckeres Stück mit liebenswerten Kalorien. Nur wegen der Engel im Himmel!
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Samstag, 9. November 2019

Wer sich allzuoft bückt, fängt an, krumm zu gehen und zu denken. (Persische Weisheit)

Unser Körperhaltung drückt aus, wie wir denken und fühlen. Wie wir denken und fühlen wirkt sich auf unsere Körperhaltung aus.
Wenn wir unsere Körperhaltung ändern, verändern wir auch zugleich unser Denken.
Ein Klient sitzt mir in der Beratung gegenüber. "Ich weiß keinen Ausweg. Ich kann nicht mehr, ich habe auch keine Ideen mehr, was ich noch machen kann, alles ist so mühsam. Immer kommen mir da die Hindernisse." Dabei sitzt der Klient auf seinem Stuhl. Er sitzt auch fest. Jetzt wünscht er sich ein Lösung damit er aufstehen und ins Handeln gehen kann. Aber das "Festsitzen" des Körpers sagt: "Es gibt keine Lösung." Ein wichtiger Schritt könnte sein, erst einmal aufzustehen und einen ersten Schritt zu gehen. Wenn ich den Körper in eine Lösungssituation bringen, dann folgt in der Regel auch das Denken. Wenn der Körper sitzt, sitzt auch sozusagen das Denken.
Die persische Weisheit erinnert mich an Menschen mit einem anderen Thema. Der "Untergebene" bückt sich vor dem "Vorgesetzten". "Jawohl Chef, mache ich Chef, ist es Recht so Chef!" Wenn dann noch die Angst dazu kommt, etwas falsch zu machen, bekommt die Verneigung den Ausdruck der Entschuldigung. "Habe ich nicht so gemeint. Hoffentlich ist es richtig so! Entschuldigung für dieses und für jenes... Entschuldigung, dass ich da bin!" So bückst du dich immer öfter und der Rücken gewöhnt sich an diese Haltung. Der Körper folgt deinem Denken. Du bückst dich und fängst an langsam zu verschwinden. Du wirst immer krummer. Geh mal eine Stunde lang krumm und nimm wahr, was du dann noch sehen kannst und was dein Rücken dir erzählt. Du siehst die Dinge auf dem Boden und verlierst das Bewusstsein für Freiheit und Weite. Mit dem krummen Rücken bekommst du krumme Gedanken: "Das Leben ist ungerecht, ich bin so erschöpft, alle wollen mir was..."
Überlege gut, vor wem du du dich bückst. Der aufrechte Gang und der klare Blick sind öfter gefordert als zu denkst.

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Freitag, 8. November 2019

Im Zweifel für die Freiheit! (Willy Brandt)

Willy Brandt hat dieses Wort geprägt in einem politischen Zusammenhang. Im Zweifel für die Freiheit!
Leichter gesagt als getan. Im Laufe meiner Beratungen kommt es immer wieder vor, dass ich Menschen erlebe, die in ihren Beziehungen sich vorkommen wie in einem Gefängnis. "Mein Mann macht mir nur noch Vorwürfe. Alles mache ich falsch. Ich weiß gar nicht mehr, was ich noch tun soll!" Andere fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz völlig unwohl. Der Chef ist eine Katastrophe, Kompetenzen werden entzogen, sinnlose Aufgaben, Arbeiten werden doppelt und dreifach gemacht. Der Arbeitsplatz kann nur noch mit Bauchschmerzen und Widerwillen aufgesucht werden. Krankheitstage scheinen der einzige Ausweg zu sein, dem Elend zu entkommen.
Im Zweifel für die Freiheit? Im Zweifel entscheiden sich leider viele Menschen nicht für die Freiheit. Schon damals in Israel musste Moses sein Volk lange bearbeiten, den Weg in die Freiheit zu gehen und bei den ersten Schwierigkeiten wollten sie zurück zu den Fleischtöpfen Ägyptens.
Manche Menschen halten lieber an ihrer "Sklavenidentität" auch heute noch fest. Sie werden zwar missachtet, beschimpft oder geschlagen. Aber sie haben einen Platz, wo sie hingehören. Die Unsicherheit der Freiheit fühlt sich schlimmer an als das schlimme Elend der Sicherheit. Gibt es da einen Ausweg?
Zunächst einmal braucht es Verständnis. Wer sich im Zustand der "Sklaverei" fühlt hat den Zugang zum "Befreiungsgefühl" verloren. Um also die Freiheit genießen zu können musst du die Sehnsucht nach Freiheit in dir wecken und wach halten. Es muss dich etwas zur Freiheit ziehen und du musst bereit sein, den Preis dafür zu zahlen. Du musst wählen: mehr Sicherheit oder mehr Freiheit.
Wenn man einen jungen Elefanten mit einem kleinen Stock am Boden angepflockt, dann gewöhnt er sich an die Gefangenschaft. Als erwachsener Elefant kann er bedenkelnlos an diesem kleinen Stock angepflockt bleiben. Obwohl er wegen seiner Stärke fliehen könnte macht er es nicht. Es ist nicht in seinem Bewusstsein verankert, dass er eigentlich frei ist.
Wir Menschen fühlen uns oft wie ein solcher Elefant. Wir sind an einem kleinen Stöckchen angebunden, das sich anfühlt wie ein Baum. Und wie der Elefant haben wir das Bewusstsein für die Freiheit verloren. Für die Freiheit müssen wir uns vorher entscheiden, damit sie sich ereignen kann. Also Augen auf, genau hinschauen, um die Ecke denken, das Unmögliche für möglich halten. Die Veränderungen im Denken zulassen und Freiheit einfach mal ausprobieren - wenigstens für einen Tag!

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Donnerstag, 7. November 2019

Bist du depressiv oder umgeben von Menschen, die dir nicht gut tun?

Wenn du dir selbst Depressionen oder einen Minderwertigkeitskomplex diagnostizierst, stelle sicher, dass du nicht einfach nur von Arschlöchern umgeben bist.

Zu mir kam eine Frau mit der ärztlichen Diagnose einer Depression.
Sie war ratlos. Sie kam sich so ohnmächtig und hilflos vor.
Dann haben wir uns unterhalten über das Leben und die Arbeit und die Familie.
Sie erzählte von ihrem Mann.
Der war auch nicht zufrieden mit ihr. Sie würde nichts für sich tun. Sich nicht mehr schick machen. Die Figur vernachlässigen. So schlecht gelaunt sein.
Ihr Mann würde ständig Vorschläge machen und Veränderungen einfordern. Und es sei so schwer, ihn zufriedenzustellen.
Aber jetzt hatte sie ja eine Diagnose: Depression! Ich kam wirklich auf eine völlig andere Idee. Wenn ich einen Mann an meiner Seite hätte, der mich ständig kritisieren würde und das über Jahre. Wie würde es mir dann gehen?
Ich habe nicht gefragt, aber ich hätte fragen sollen: "Leben Sie mit einem Arschloch zusammen?" Gedacht hatte ich es.
Allein die Vorstellung, dass ich von lauter Arschlöchern umgeben bin befreit mich schlagartig von jeder Depression. Bei einer Depression bestrafe ich mich letztlich selbst und hocke da in meinem Abgrund. Wenn ich sauer bin auf die Welt um mich herum, dann komme ich in die Tat.
Wenn du also so einen Anflug von Depression hast, dann schau doch mal, ob da nicht gerade ein kleines Arschloch in der Nähe ist. ;-)
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Mittwoch, 6. November 2019

Ich wurde gut erzogen, keine Ahnung, was dann passiert ist.

Meine Eltern legten Wert auf eine gute Erziehung. Danke sagen. Der Junge macht eine Verbeugung und das Mädchen einen Knicks. Bescheiden sein und Fragen eines Erwachsenen beantworten.
Verwandte und Nachbarn sollten einen guten Eindruck bekommen. Gut erzogene Kinder weisen hin auf erziehungsfähige Eltern.
Eltern müssen früh genug mit der Erziehung anfangen, damit auch möglichst früh ein funktionierender Erwachsener dabei herauskommt. Es kommt ja darauf an, sich so in die Gesellschaft einzufügen, dass du nicht auffällst. Oder dass du einen guten Eindruck hinterlässt. Dass niemand dir etwas vorwerfen kann. Dass du gut durch das Leben kommst. Moralisch perfekt und mit einem guten Zeugnis für den Eintritt durch die Himmelspforte.
Die Eltern meinen es gut. Sie wollen, dass das Leben der Kinder glückt. Sonst würden sie wohl nicht erziehen. Beim Erziehen wird halt viel gezogen. Vielleicht gut für die Konformität und die Anpassung. Aber schlecht für die individuelle Entfaltung. Auf meiner Spruchkarte steht: "Ich wurde gut erzogen, keine Ahnung, was dann passierte."
Ich habe eine Ahnung, was dann passierte. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo trotz aller Erziehung der Mensch erwacht zu sich selbst. Er sagt sich: "Die Erziehung, das war nicht ich. Das waren meine Eltern. Zu mir gehört ein anderes Leben." Ich erlebe das wie eine Vertiefung oder Neuauflage der Pubertät.
Wenn du alt genug bist, gehst du noch einmal wichtige pubertäre Schritte. Du streifst dein anerzogenes Kind-Ich ab und wirst erwachsen. Findest dein Eigenes. Das, was zu deiner Persönlichkeit passt und zu dir gehört. Und ich glaube, dass das auch passieren muss. Irgendwann. Bis du den Verstand verlierst oder die Augen für immer zu machst kannst du aufwachen aus deinem Kindheitstraum(a). Es ist gut für dich, wenn dann etwas passiert. Wenn du aufwachst und tief erkennst: "Wie schön! Das bin ja ich!"
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Dienstag, 5. November 2019

Heute ist wieder mal alles so Trallala

Wie geht es dir?
"So Trallala".

An manchen Tagen geht es mir einfach gut. Es passt alles. Das Wetter, die Laune, die Kleidung, das Essen. Alles ist stimmig. Die Menschen sind nett zu mir und ich kann auch sehr nett sein. Solche Tage gibt es wirklich. Leider nicht kontinuierlich und es dürften auch ein paar mehr sein.

An manchen Tagen geht es mir einfach schlecht. Es passt nichts. Das Wetter, die Laune, die Kleidung, das Essen. Nichts ist stimmig. Die Menschen sind nicht nett zu mir und ich kann auch nicht nett sein. Auch solche Tage gibt es. Zum Glück nicht zu oft. Aber es dürften noch weniger sein

An den meisten Tagen habe ich so eine Mischung. Etwas hier von und etwas da von. Es gibt eben Tage, da ist alles so "Trallala". Mir gefällt der Begriff. Diese Uneindeutigkeit. Diese Mischung, die ich nicht benennen kann.
Wenn dich jemand fragt: "Wie geht es dir?" Dann antwortest du oft, dass es dir gut geht. Dass es dir schlecht geht, sagst du eher nicht. Da würdest du große Betroffenheit auslösen. Aber eigentlich geht es dir ja eher so "ungefähr", eben so "Trallala".

Besitzt "Trallala" eine eigene Qualität? Ich finde, ja. Mit Trallala fülle ich Melodien, wo ich keinen Text für finde. Höre dir die Schlager an. Ein wenig Text und ganz viel "Oh" und "Ah",  "Mm" und "jäh". Trallala eben. Bei Trallala legst du nicht den Wert auf einen Inhalt, auf einen Gedanken, sondern eher auf ein Gefühl. Trallala meint ein Gefühl. Ein Mischgefühl. Ein Eintopf. Manchmal kommen viele Gefühle zusammen und ergeben ein eigenartiges Gemenge. Du bist nicht glücklich, aber auch nicht unglücklich. Sogar neutral wäre das falsche Wort. Es gibt kein Wort, dass das inhaltlich trifft. Statt Trallala könntest du auch einfach schnauben und antworten: "Ich weiß nicht."
Wenn die Mehrzahl deiner Tage aber "Trallala" sind, wäre es gut, wenn du damit einverstanden sein könntest. Begrüße jeden "Trallala" - Tag mit einem herzlich Willkommen und nimm ihn an, wie er da ist. Wird schon! Ist auch in Ordnung! Muss ja! Geht jetzt nicht anders! Iss so! Eben - Trallala. Oder auch - so la la.
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Montag, 4. November 2019

Die Macht der Gewohnheit



In meinem „früheren“ Leben konnte ich es mir leisten, jeden Tag einen Mittagschlaf zu halten. Meine „Heilige Stunde“. Als Seelsorger hatte ich keinen festen 8 Stunden Arbeitstag, sondern es verteilte sich von 08.00 Uhr bis 22.00 Uhr. Meine Idee war, wenn ich jeden Mittag eine Pause mache von einer Stunde, kann ich den Tag gut bewältigen. Irgendwann war ich der festen Überzeugung, dass mein Körper diese Zeit dringend braucht. Regelmäßig nach dem Mittagessen fuhr mein System herunter und schaltete auf Standby.
Als ich meine Tätigkeit wechselte verschwanden dieser Glaubenssatz und diese Körpererfahrung über Nacht. Der Mittagschlaf war ein Teil meiner Identität. Das gehörte zu meinem Leben dazu. Eine Gewohnheit mit viel Macht. Mich zog etwas in die Horizontale. Dann war es nicht mehr möglich und ehrlicherweise auch gar nicht nötig.
Es macht Sinn, diesem Phänomen ein wenig neugierig auf die Spur zu kommen. Nichts ist sofort eine Gewohnheit. Es gibt immer ein erstes Mal. Ich kaufe am Samstag auf dem Markt ein. Dafür fahre ich zuerst zur Tanke und kaufe die Tageszeitung. Dann geht es weiter zum Brotstand und zu den Eiern. Ich schließe mit einem kleinen Blumenstrauß für 3,50 Euro. Mit dem Bauernbrot fing alles an. Später kamen dann die Eier dazu und noch später die Tageszeitung. Ich absolviere an jedem Samstag diese Tour fast zur gleichen Zeit und treffe auch ganz bestimmte Menschen immer wieder. Die Frau am Käsestand greift schon zum Gouda und der Eierhändler wartet schon auf meine leere Eierschachtel. Je länger ich das mache, desto gewohnter wird für mich dieser Gang.
Das, was zu Beginn neu und „ungewohnt“ ist wird im Laufe der Zeit zu einer „Gewohnheit.“ Da steckt das Wort „wohnen“ drin. Ich möchte also so leben, dass es sich wohnlich anfühlt. Dass ich den Tag stressfrei leben kann. Dass es sicher ist und dass ich mich darauf verlassen kann. Die Gewohnheit steigert mein Wohlbefinden. Die Erde kreist um die Sonne und der Tag hat vierundzwanzig Stunden und mein Schlüssel passt zu meiner Haustür.
Je mehr Gewohnheiten ich sammeln kann, desto sicherer fühle ich mich. Alles geht seinen gewohnten Gang vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Ich richte mir mein Leben wohnlich ein. Und? Bekommst du so wie ich in diesem Moment eine leichte Beklemmung? Oder denkst du: Ich mach das auch so ähnlich?
Wie! Wo bleibt die Spontaneität. Das Leben! Das Abenteuer! Die neuen Möglichkeiten! Na ja, das ist halt der Preis. Möchtest du Sicherheit oder lieber Autonomie? Viele Gewohnheiten garantieren dir ein dauerhaft sicheres Lebensgefühl. Wenige Gewohnheiten geben dir Platz und Zeit für viele Abenteuer. Du könntest also in dich gehen und überprüfen, wo deine genauen Bedürfnisse liegen. Du machst dir dann eine bunte Tüte von strukturierenden Gewohnheiten und Freiräumen für deine Abenteuer. Der gewohnte Gang am Samstag zum Markt und anschließend einen Ausflug.
Das würde aber voraussetzen, dass da jemand ist, der das jeweils neu entscheidet. Es muss jemanden geben, der eine Gewohnheit ablegt oder verändert. Es müsste dir also bewusst werden, dass du dir etwas angewöhnt hast und dass du dir es wieder abgewöhnen kannst. Coaches und Trainer sind ja für solche Veränderungsprozesse spezialisiert.
Wenn ich mich und meine Gewohnheiten durchdenke komme ich allerdings zu einem erschreckenden Ergebnis. Ein Teil der Gewohnheiten hat sich selbständig gemacht. Manche Gewohnheiten stoßen mich regelmäßig an und erinnern mich daran, dass ich jetzt gefälligst etwas zu tun habe. Sie verlangen von mir den Gang auf den Markt. Wenn ich eine Andeutung mache, dass ich darauf auch einmal verzichten könnte, taucht da eine innere Stimme auf. „Willst du das wirklich? Möchtest du den freien Samstag wirklich beginnen mit trockenem Brot und ohne Eier und Tageszeitung! Weißt du, wie es dir gehen wird, wenn du es nicht machst? Muss ich dich an deine schlechte Laune erinnern, die du unweigerlich bekommen wirst? Warum willst du dir selbst den Samstag verderben? Fahr los und dann hast du es hinter dir. Es ist doch so schön mit all diesen wunderbaren Dingen am Frühstückstisch zu sitzen. Du kannst doch da so unglaublich entspannen! Das fühlt sich doch so wohnlich an! Brauchen wir das nicht alle so ab und zu?“ Die Stimme hört nicht auf und ich ergebe mich.
Wenn das so ist – habe ich dann die Gewohnheit oder hat die Gewohnheit mich! Die Antwort ist eindeutig. Und darin liegt die Macht der Gewohnheit. Sie ködert sich bei dir ein für ein erstes Mal und verschafft dir Befriedigung. Dann säuselt sie dir vor, dass du es immer haben kannst. Und dass es ganz leicht ist. Und schon wird aus dem ersten ein zweites Mal und ein drittes Mal... und dann zeigt sich die Gewohnheit in ihrer größten Ausdehnung und geht nicht wieder weg. Die Verwandtschaft von Gewohnheit und Sucht liegen eng beieinander. Der Unterschied zeigt sich nur noch in den gesundheitlichen Folgen. Die Gewohnheit hat so viel Macht über uns, weil wir das Gewohnte als wohnlich empfinden. Wir mögen Wohlbefinden und Sicherheit. Und wenn du dich auf dem Sofa eingerichtet hast kommst du so leicht nicht wieder hoch. Das würde Energie und Anstrengung bedeuten.
Viele Gewohnheiten pflegen wir, die uns überhaupt nicht mehr bewusst sind. Wir machen es einfach. Wir haben die Gewohnheiten unserer Vorfahren übernommen und machen weiter. Überprüf einmal deine Gewohnheiten und frage dich, woher sie kommen. Wo legst du vor dem Schlafengehen deine Sachen hin? Wie verabschiedest du dich? Wie kochst du deinen Kaffee? In welcher Reihenfolge bereitest du dein Frühstück vor? Hast du deine Kinder getauft, weil es so gewohnt war und auch noch in der richtigen Konfession? Beschenkst du deine Lieblingsmenschen am Geburtstag oder wenn du katholisch bist am Namenstag? Was von dem, was du tust ist Gewohnheit und was ist eine Herzensentscheidung.
Gewohnheiten sind völlig in Ordnung und es gibt sehr schöne und entspannende, die ich nicht missen möchte. Es geht mir nur um die Macht, die sie haben und die ihnen nicht zusteht. Manchmal werden Gewohnheiten auch zu einem Zwang und fühlen sich nicht mehr wohnlich an. Manchmal ist es einfach gut, es zu erkennen und sich davon zu verabschieden. Dann wir dir bewusst, dass die Zeit abgelaufen ist und die Zeit wird reif für ein neues erstes Mal. Schließ mal deine Augen und betrachte deine Lebenswaage der letzten Monate. Wie viel Gewohnheit und wie viel erstes oder zweites Mal kannst du entdecken? Bist du mit dem Ergebnis zufrieden? Fühlt es sich für dich gut an? Egal, wohin es pendelt und ob es ausgeglichen ist. Du kannst das ja frei entscheiden. Du darfst dich einrichten in dem Gewohnten oder auch das Abenteuer wagen. Du bist ja dein Regisseur. Aber entziehe der Gewohnheit ihre Mächtigkeit und nimm dir das Leben wieder. 

Samstag, 2. November 2019

Das Licht lacht immer über das Werk der Dunkelheit (aus Estland)


Wenn ich in den Keller gehe ist es dort dunkel. Sobald ich das Licht anmache ist es hell.
Wo ist die Dunkelheit hin verschwunden? Sie hat sich einfach aufgelöst!
Das Licht lacht immer über das Werk der Dunkelheit. Es ist dunkel und du machst das Licht an. Die Dunkelheit verschwindet. Einfach so!
Wenn ich die Nachrichten höre dann wird viel Dunkelheit verbreitet. Ich könnte den Eindruck bekommen, dass die Welt vollkommen trist und trübe ist. Das ist aber nicht die ganze Wahrheit! Nur ein kleiner Teil! Ein kleiner Teil, der sehr viel Aufmerksamkeit bekommt. Jetzt in diesem Augenblick lieben Millionen von Menschen andere Millionen von Menschen. Jetzt in diesem Augenblick behandeln Tausende von Ärzten ganz zugewandt tausende von Menschen. Jetzt in diesem Augenblick strahlen Millionen Kinder über etwas, was sie gerade erfreut.
Ich verbinde mich mit diesen unendlich vielen Impulsen des Lichtes! Bist du dabei?
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Freitag, 1. November 2019

Ein Blinder liebt es, von Wundern zu hören. (jüdische Weisheit)


Ein Blinder kann keine Wunder sehen, aber er kann davon hören. Vielleicht möchte er sie eigentlich lieber sehen. Das kann er nicht. Dazu müsster ein Wunder an sich selbst erleben. Aber er kann von Wundern hören und sehnt sich danach zu hören, dass andere Blinde geheilt wurden. Wenn er hört, dass nur ein Blinder wieder sehen kann, dann kann er für sich selber weiterhoffen.
Und er liebt diese Wundergeschichten und kann nicht genug davon bekommen. Und er möchte mehr von diesen Wundern hören. Seine Hoffnung benötigt diese Wundernahrung. Eines Tages....

Du bist auf der Suche nach deinem Traumhaus. Du möchtest nicht länger zur Miete wohnen. In eigenen Wänden! Mehr Platz! Einen Garten! Deine Träume verwirklichen. Wie sähe dein Lebenssatz aus? "Ein Mieter liebt es, in Wohnzeitschriften zu blättern."
Ein Mensch mit Fernweh schaut sich Reisemagazine an. Eine Frau oder ein Mann auf der Suche nach einem Partner tummelt sich auf Partnerbörsen. Ein Kranker pilgert von Arzt zu Arzt in der Hoffnung, irgendwann den richtigen zu finden.

Alle verbindet die Sehnsucht, dass sie gerne etwas hätten, was sich noch nicht oder wovon sie nicht genug haben. Wie sähe das Leben aus, wenn die Sehnsucht aufhören würde. Wenn du genug davon hättest, den Mangel auffüllen zu müssen. Wenn du nicht mehr wie ein Bettelnder durch das Leben gehen würdest? Die Werbung könnte einpacken. Sie würde nicht mehr gebraucht. Du wärest nicht mehr verführbar. Du würdest es nicht mehr lieben, wie ein Blinder Wundergeschichten hören zu müssen. Du würdest dich der Realität stellen und annehmen was ist. Vielleicht wäre das eine Befreiung!
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