Donnerstag, 31. Oktober 2019

Wir haben eine Regel, nach der sich nie alle immer richten.


Vor ein paar Tagen erschien mir im Traum ein Freund. Er sprach vom Zusammenleben in seiner Familie. Mit folgendem Satz bin ich aufgewacht: "Wir haben eine Regel nach der sich nie alle immer halten."
Nie, alle und immer schwirrte in meinem Kopf herum. Im Aufwachen verstand ich den Sinn dieses Satzes überhaupt nicht. Menschen leben zusammen und entwickeln Regeln. Das gibt jedem in der Gruppe Halt und Orientierung. Regeln verhindern das Chaos. Jedes Mitglied in der Gruppe versucht so gut es geht, sich daran zu halten und dafür zu sorgen, dass alle das Bedürfnis nach Sicherheit und Zusammenhalt wahrnehmen und respektieren. Manchmal entstehen die Regeln demokratisch und manchmal auch nach der Vorstellung der Eltern oder sonstiger Autoritäten.
In meinem Traum nun gab es eine Regel nach der sie nie alle immer halten. Ging es dabei um ein bestimmtes Thema oder galt das grundsätzlich? Ich habe es so verstanden, dass es in der Familie meines Freundes die Erlaubnis gab, dass immer jemand von der Regel befreit war. Niemand erwartet, dass sich alle immer nach dieser Regel richten. In meinem Wachbewusstsein gehe ich davon aus, dass eigentlich sich alle an die Regeln halten. Wie selbstverständlich. Ausnahmen sind Ausnahmen.
Wenn eine Gruppe es sich erlauben kann, dass immer Mitglieder sich befreien dürfen dann entsteht doch ein größerer Freiraum, oder? Es bringt zum Ausdruck, dass es nicht um das Einhalten von Regeln geht sondern um einen guten sozialen Zusammenhalt.
Wir Menschen haben alle unterschiedliche Bedürfnisse zu unterschiedlichen Zeiten. Ich habe das Bedürfnis nach Gemeinschaft, aber auch nach Autonomie. Manchmal scheinen sich die Bedürfnisse zu beißen. "Wir haben eine Regel, nach der sich nie alle immer richten." Den Satz übersetze ich so: "Wir achten darauf, dass möglichst viele Bedürfnisse unserer Gruppenmitglieder erfüllt werden. Dabei stellen wir Regeln eher hinten an."
Wie streng bist du mit deinen Regeln? Am Arbeitsplatz oder in der Familie oder in deinen sonstigen sozialen Gruppen? Wer nimmt sich da mehr Freiheiten heraus und wie händelst du es? Gibt es eine Regel, die für dich absolut gilt? Ich wünsche dir ein Quäntchen mehr Freiraum.
matthias-koenning.de

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Da geht noch was!

                                                                                              
Das Kind bekommt ein schlechtes Zeugnis und wird nicht versetzt in die nächste Klasse. Da kann man nichts machen!
Das Paar hat sich heillos zerstritten und reicht die Scheidung ein. Da kann man nichts machen.
Der Kranke liegt im Sterben und der Tod wartet vor der Tür. Da kann man nichts machen.

Klingt wie Resignation, nicht wahr. Manchmal müssen wir uns dem "Schicksal" ergeben. Das Kind hat sich alle Mühe gegeben und dennoch die erforderlichen Noten nicht geschafft. Das Ehepaar war sogar in einer Beratung und der Kranke hat lange gekämpft. Da kann man nichts machen. Es mag sein, dass das Kind nicht versetzt wird, das Paar sich trennt und der Kranke stirbt. In jeder Situation "kann man dann dennoch etwas machen".
Das Kind kann daraus eine Lektion für die Zukunft lernen und andere Wege gehen. Das Paar findet in der Krise vielleicht einen neuen Anfang. Der Kranke kann noch vor dem Tod seinen Angehörigen seine Liebe zeigen.
Die Situationen können wir manchmal nicht verändern, aber unsere innere Einstellungen. Jedes Ereignis, das uns herausfordert, gibt uns die Gelegenheit zum inneren Wachsen.

Du kannst dein Leben bejahen mit allen Facetten. Es gibt nichts zu tun.
Du kannst Ja sagen auch  zu deinen Fehlern. Dann gibt es nichts zu tun.
Du kannst dich mit dir selber aussöhnen. Dann gibt es nichts zu tun.

Da kann man nichts machen - Resignation.
Es gibt nichts zu tun - einfach im Sein sein!

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Dienstag, 29. Oktober 2019

Auch sind ja alle Dinge so oder anders nachdem wir sie so oder anders betrachten. (Wilhelm Heinrich Wackenroder)


Die Dinge ändern sich, je nachdem, wie ich sie betrachte. Probiere doch mal folgendes aus: Schaue dir einen Baum an und suche nach den Stellen, die dir nicht gefallen. Was findest du hässlich? Steht er nicht doch irgendwie am falschen Platz? Wie sind die Äste ausgerichtet? Die Baumrinde! Die Blätter. Suche die kranken Stellen. Hat fast jeder Baum. Schaue dir diesen Baum an und stelle fest, wie elendig er aussieht.
Dann suchst du dir einen Baum aus, der auf den ersten Blick ganz prima ist. Auch dort fängst du an und suchst nach dem, was dir nicht gefällt.
Dann gehst du zum ersten Baum zurück und stellst dir vor, dass das der schönste Baum der Welt ist. Bislang ist das noch niemandem aufgefallen. Dieser Baum hat wunderbare Teile. Er ist originell. Ein Unikat! Den zweiten Baum betrachtest auch auch wieder wie ein Weltwunder.
Du schaust dir die gleichen Bäume an und kommst zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ich bin der Betrachter und ich entscheide, wie etwas auf mich wirkt.
Was für Bäume gilt, gilt auch für Menschen. Ich kann meine eigenen Kinder sehr verschieden anschauen. Probe gefällig? "Mein Sohn ist verhaltensauffällig. Er räumt nie auf und kann nicht am Tisch sitzen bleiben. Konzentrieren geht nur für ein paar Minuten und außerdem streitet er sich jeden Tag mit seiner Schwester. Ich bin inzwischen fix und fertig mit den Nerven."
Oder: "Ich liebe meinen Sohn! Wenn ich ihn anschaue geht mir das Herz auf. Allein wie er sich freuen kann wenn er etwas sieht, was ihm gefällt! Er ist so lebendig. Er sprüht vor lauter Energie. Wie wunderbar!"
Wie wäre es, sich im Betrachten der Wirklichkeit einzuüben? Was möchte ich sehen? Auch sind ja alle Dinge so oder anders nachdem wir sie so oder anders betrachten.

Montag, 28. Oktober 2019

Vom Seiltänzer lernen!


Von einem Seiltänzer hörte ich die Worte, die er Kindern beibringt, wenn sie auf das Seil wollen. "Schau dahin wo du hin willst! Wenn du auf den Boden schaust - willst du da hin!"
Den Gedanken fand ich interessant. Wenn ich mich auf das Seil stelle, dann muss ich das Ziel vor mir ins Auge fassen und mich darauf konzentrieren. Dann schleicht die Angst hoch und der Gedanke kommt: "Ich könnte fallen!" Ich schaue nach unten. Ich sehe den Abgrund und  - ich falle. Ich lenke also meine Gedanken vom Ziel vor mir um hin zum Ziel unter mir.
Auch, wenn ich mir sage, dass ich zum Boden nicht hin will - das Unterbewusstsein kann "nicht" ja nicht denken. Es denkt immer positiv. Wenn ich zum Boden schaue und nicht fallen will, programmiere ich mich auf das Fallen. Automatisch!
Der Seiltänzer ist also mit seiner ganzen Aufmerksamkeit auf das Ziel ausgerichtet, das vor ihm liegt. Wie gehst du um mit deinen Zielen? Bist du auf dein Ziel auch ausgerichtet? Mit wie viel Prozent deiner Energie und deiner Achtsamkeit? Lässt du es zu, dass sich "Absturzgedanken" einschleichen? Wenn du das zulässt, hast du schon verloren. Du verkrampfst auf dem Seil deines Lebens und du hörst auf zu tanzen.
Dein Leben gleicht einem ständigen Tanz. Du tanzt und unter dir lauert der Abgrund. Der Abgrund ist da, auch wenn du kein professioneller Seiltänzer bist. Du setzt dich ins Auto und fährst los. Du bewegst dich unter den vielen Autos auf der Autobahn. Kommt dir der Gedanke, dass du sterben könntest? Dass Autofahren total gefährlich ist? Dass du ein unglaubliches Risiko eingehst?
Und wenn du dein Gemüse isst? Weißt du zu hundert Prozent, dass es keine Pestizide enthält? Und wenn du liebst oder in einer Beziehung lebst. Kannst du dich wirklich und total darauf verlassen, dass deine Liebe erwidert wird?
Du tanzt und unter deinen Füßen lauert der Abgrund der Angst. Die Angst sagt dir ständig, dass das Leben nicht sicher ist. Überhaupt nicht! Und? Gehst du mit meinen Gedanken mit oder hast du "STOPP!" gemacht! Bist du bei deinem Ziel geblieben? Der Abgrund ist da. Das Ziel auch. Und du, du tanzt!
Da taucht in mir das Bild auf von einem Menschen, der wie auf heißen Kohlen tanzt. Er möchte sich nicht verbrennen und springt ständig hin und her um sein Leben zu schonen. Du kannst auch so auf dem Seil des Lebens tanzen. Immer mit der Bedrohung im Herzen - da sind die glühenden Kohlen.
Oder du entspannst dich, wirst gelassen und gehst in die Freude des Tanzens. "Schau da hin, wo du hinwillst. Wenn du auf den Boden schaust - dann willst du da hin!"
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Samstag, 26. Oktober 2019

Alt genug um es besser zu wissen - Jung genug um es nochmal zu tun!

Eigentlich sollte ich wissen, dass ich beim Kauf einer Kaffeemaschine die Qualität und den Preis prüfe.
Eigentlich bin ich alt genug um zu wissen, dass man rechtzeitig tankt, bevor der Sprit ausgeht.
Eigenttlich bin ich alt genug um genau hinzuschauen, in wen ich mich verliebe.
Eigentlich sollte ich genau wissen, wie viel Alkohol ich am Abend vertrage bevor ich die Kontrolle verliere.
Eigentlich bin ich alt genug um es besser zu wissen.

Wenn wir also alt genug sind werden wir alles besser wissen.
Wir werden Besserwisser!
Wir werden besserwisserisch!

Dann werden wir starr.
Wir werden unbeweglich.
Wir setzen immer und überall unsere Kompetenzen fachgerecht um.
Wir werden immer perfekter.
Wir lernen immer schneller und immer besser aus unseren Fehlern.

Ich könnte mit anderen Worten auch sagen: Wir werden routinierter und töter.
Vieleicht auch nur fast - wenn nicht?

Bevor du gestorben bist an deinem "Alterswissen" kannst du einen Test machen.

Du bist jung genug, um es nochmal zu tun!
Verliebe dich noch einmal.
Fahr mal deinen Tank leer bis nichts mehr geht.
Kauf eine Maschine ohne jede Prüfung.
Mit dem Alkohol bin ich an dieser Stelle mal etwas zurückhaltend.

Bevor du stirbst könntest du die Chancen nutzen, die du hast.
Du lebst heute!
Du lebst nur einmal!
Vielleicht hast du deine Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft.
Du denkst, dass du in deinem Alter so etwas nicht mehr machen darfst.
Das darfst du nur, solange du noch jung bist.
Junge Menschen dürfen und ältere Menschen müssen das nicht mehr.

Mit vierzig Jahren feierte ich meinen ersten Kindergeburtstag!
Topfschlagen, Eierlaufen und Sackhüpfen.
Besser mit vierzig als ohne Kindergeburtstag zu sterben.

Blätter doch mal in deinem Leben zurück.
Wo bist du heute alt genug um es besser zu wissen.
Und wo bist du jung genug um es nochmal zu tun?

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Freitag, 25. Oktober 2019

Wenn du strauchelst, weil dir die Arbeit zu schwer wird, möge die Erde tanzen, um dir das Gleichgewicht wiederzugeben. (irischer Segensspruch)


Ich erinnere mich an meine ersten Erfahrungen mit der Telefonseelsorge. Ich saß am Telefon und war ganz aufgeregt. Hoffentlich war ich eine gute Hilfe für einen Menschen in Not. Dann kam die Katastrophe: Es rief ein Mann aus Bayern an und ich verstand kein Wort. Ich verlor den Kopf und wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich versuchte, mir beim Hören einen Sinnzusammenhang zu erschließen. Dann traute ich mich, ihm zu sagen, dass ich ihn nicht verstehe. Daraufhin erklärte er mir sein Problem noch einmal, wieder in tiefstem bayrisch. In meiner Not kam ich auf die Idee, ihn zu bitten, für einen Norddeutschen etwas hochdeutscher zu reden. Da verstand er mein Problem und bemühte sich auf bayrisch-hochdeutsch. Ich verstand wieder nichts.
Während des Anrufs gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Du bist nicht geeignet für die Telefonseelsorge! Was ist, wenn er sich beschwert. Du kannst mit niemandem darüber reden. Du hast Vorurteile gegen Bayern. Was ist, wenn jetzt alle Anrufer aus Dialektgegenden anrufen. Was mach ich nur! Gebe ich diese Aufgabe auf?
Ich hatte wirklich den Eindruck zu straucheln. Diese Erfahrung wird sicher der Eine oder die Andere mit mir teilen. Auch im Beruf kommt es vor, dass du dich überfordert fühlst. Irgendwann kommt es zum Blackout. Schüler kennen das von einem Test und Trainer vor einem hochwichtigen Vortrag.
Es kommt dabei zu bestimmten Körperphänomenen. Du erstarrst, du wirst steif und du hörst auf zu atmen.
Wenn du strauchelst, weil dir die Arbeit zu schwer wird, möge die Erde tanzen. Mir gefällt das Bild. Wenn ich mich versteife könnte die Erde sich bewegen, damit ich wieder in meinen Rhythmus zurückfinde.
Wenn ich mich schon nicht mehr bewegen kann, dann bewegt sich die Welt um mich herum dennoch weiter. Die Erde hat ihren eigenen Tanz, das Leben pulsiert.
Wenn ich demnächst bei einer Überforderung kopflos werde gehe ich in die Achtsamkeit. Ich spüre den Boden, der mich trägt. Ich atme tief durch und lasse mich von den Geräuschen und Stimmen der Umgebung wieder einladen, am Spiel des Lebens teilzunehmen. Die Erde ist groß genug, für ein ständiges und zuverlässiges Gleichgewicht zu sorgen. 

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Man muss die Schuld auch mal bei anderen suchen.

Plagt dich auch manchmal das schlechte Gewissen?
Du hast nicht aufgepasst. Du hast dich nicht genug gekümmert. Du hast etwas nicht richtig gemacht. Du warst zu früh oder zu spät. Du hast nicht das Richtige angezogen. Du hast einen vergesslichen Eindruck gemacht. Du warst nicht ganz da. Du hast etwas vergessen. Gefällt dir meine Liste? Kannst du noch was hinzufügen?
Ich könnte stundenlang weiterschreiben. Da meldet sich ständig diese überflüssige Simme in mir, die mich ermahnt und erinnert. Ich kann sie manchmal nicht ertragen. Sie zeigt mit dem Finger auf mich und sagt mir mit strengen Augen: "Du bist schuldig!" Ja, ich trage die Schuld, dass etwas nicht mehr funktioniert, dass meine Familie unglücklich ist, dass es nicht bei der Arbeit läuft. Ich trage die Schuld! Wer möchte schon mit Schuld und Schulden herumlaufen. Wer Schulden hat, muss zurückzahlen. Der erhobende Zeigefinger droht nämlich weiter: "Mach das nie wieder! Mach das schön wieder gut! Sonst..." Klar möchte ich keine Folgen tragen, nicht ausgeschlossen werden. Ich möchte nicht aus dem Paradies verbannt werden. Die Stimme in mir hört aber erst auf, wenn ich mich entschuldige, wenn ich etwas wieder gut mache. Schrecklich! Sie hört nicht einmal auf, wenn alles wieder gut ist. Da bleibt der drohende Zeigefinger mit dem "nie wieder!"
Da lese ich auf der Spruchkarte: "Man muss die Schuld auch mal bei anderen suchen." Das ist doch wirklich mal eine Entlastung. Warum immer ich? Jeder trägt doch etwas zum Geschehen in der Welt bei. Warum nicht die anderen! Wenn die Schuld haben, bin ich befreit! Super! Die anderen haben sich nicht genug gekümmert. Die anderen sind nicht richtig. Was habe ich damit zu tun!
Eine schöne Abwechslung! Dennoch beschleicht mich der Gedanke nach einer Alternative. Ein Leben jenseits von Schuld und schlechtem Gewissen. Schulden müssen zurückgezahlt werden. Da klebt ein Gewicht an mir oder an anderen. Da muss etwas ausgeglichen werden. Sonst stimmt die Welt nicht. Ich plädiere für einen Schuldenerlass. Grundsätzlich. Jeden Tag wieder neu. Durch ein Wort bin ich sie los. Ich spreche dich frei von allen Schulden. Ich mich selbst auch. Mache ich einfach. Du sprichst dich auch frei. Dann ereignet sich das Wunder und wir leben wie Adam und Eva am ersten Tag im Paradies.
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Mittwoch, 23. Oktober 2019

Das bin ja ich!

Wir besuchen eine Stadt im Weserbergland und ich stehe plötzlich vor einer Buchhandlung und lese meinen Namen: "Buchhandlung Matthias". Ich liebe Buchhandlungen und fühle mich sofort willkommen und zuhause. Matthias? Das bin ja ich! Ich gehe hinein und nehme das eine oder andere Buch in die Hand, streiche über die Postkarten und schnuppere die Atmosphäre. Nur durch den Namen fühlt es sich so an, als sei alles meins. Es gibt keine Fremdheit zwischen den Gegenständen und mir. Ich nehme kein Buch in die Hand und denke, dass ich aufpassen müsste. Es gehört mir ja schon. Ich kann damit machen was ich will. Und nur, weil die Buchhandlung so heißt wie ich. Dabei gehört sie ja einem anderen Matthias. Jetzt gehe ich auf Google Suche und finde diesen fremden Matthias. Und staune! Da gibt es einen Peter, Stefan und eine Rabea. Sie heißen alle Matthias - aber mit Nachnamen. Wie schön! Ein Matthias mit Vornamen trifft Matthias mit Nachnamen. Verdoppelung von Matthias. Ob es in der Familie einen Matthias Matthias gibt?
Ich gehe zurück zu meinem Gefühl, als ich in der Buchhandlung stand. Zu diesem Bewusstsein: Das bin ja ich! Manchmal stehe ich vor dem Spiegel und schaue mich fragend an. Den kenne ich nicht. Ich habe ihn anders in Erinnerung. Weniger grau und weniger faltig. Ich fremdel ein wenig mit mir. Da sagt mir jemand, dass mir mein Pullover gut steht und die Farbe zu mir passt. Dann werde ich verlegen und fühle mich nicht so wohl. Aber ich lese den Namen an der Buchhandlung, gehe hinein und weiß: Das bin ja ich! Da gibt es keine Bewertung, keine Kritik, kein Urteil. Ich habe nichts gemacht. Weder im Negativen, noch im Positiven. Ich war einfach nur da!
Wie sähe wohl unser Leben aus, wenn wir im Dauerzustand fühlen, denken und empfinden. "Das bin ja ich!" Ich wünsche mir mehr davon.
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Dienstag, 22. Oktober 2019

Das Leben im eleganten Spagat!

In einer Boutique sehe ich zwischen Shirts und Schals eine füllige aus Holz geschnitzte Frau im eleganten Spagat. Die Hände hält sie über den Kopf zusammen und unterstreicht damit ihre aufrechte Haltung. Sie nutzt den Freiraum und den Platz, den sie zur Verfügung hat. Da steht viel um sie herum - und sie macht ihren Spagat. Sie macht einfach ihr Ding. Die Frau im Spagat begeistert mich. Ich kann mir von ihr etwas abschauen.
Inmitten von Trubel, Widrigkeiten, Menschenansammlungen, Stresszuständen, Überforderungen, Sinnlosigkeiten, Abgründen, Angst- und Panikzuständen, medialen Hypes und engen Zeitfenstern einfach nicht mitmachen. Nichts von alledem! Ich sehe mich in der Fußgängerzone auf einer kleinen Matte sitzen und meditieren. Ich bin bei mir und spüre in mich hinein. Ich werde nicht abgelenkt sondern spüre ganz und gar meine auftauchenden Bedürfnisse, meine Verbindungen, meine Lust am Leben. Ich lache über das, was die Welt so wichtig findet und mache nicht mit. Mit Eleganz präsentiere ich meine Fähigkeiten und meinen Schatten. Ich schäme mich nicht für meinen Bauch, sondern setze ihn elegant in Szene. Schau mal, was ich zu bieten habe.
In mir tauchen Bilder von Kinder auf, die ein kleines Kunststück vorführen und nach den Eltern schauen: "Mama, schau mal, was ich kann!" Dabei ist nicht die Bestätigung wichtig, sondern nur die Übertragung des Lebensgefühls. Wie herrlich! Das Leben ein Geschenk!
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Montag, 21. Oktober 2019

Liebe ist, sich auch noch erwachsen wie ein Kind zu begeistern.

Ich bin Beifahrer und vor uns fährt ein Wagen mit Anhänger auf die Auffahrt zur Autobahn. Auf der Plane lese ich: Liebe ist...
Mehr bräuchte ich eigentlich nicht. Keine Definition! Liebe ist! Es reicht aus, wenn sie da ist. In mir und um mich herum. Alles ist getränkt mit Liebe. So wie für die Fischer Wasser ist, ist für uns Liebe. Ich muss sie nicht suchen. Wenn ich aufmerksam bin ist immer etwas davon da und ganz oft auch ganz viel. Ich sitze dankbar als Beifahrer in dem Auto und muss nicht fahren. Ich bin nicht einmal Beifahrer. Ich bin Gast. Und ich habe eine Gastgeberin. Ich sitze in ihrem Auto und sie fährt mich. Ich entspanne mich hinein in die Polster und genieße die Fahrt. Liebe ist. Wenn ich gefahren werde werde ich gefahren. Wenn es mit Liebe getränkt ist, dann werde ich zum willkommenen Gast. Dann bekommt das Ganze Unternehmen Farbe, Fülle und Licht. Der Wagen vor mir erinnert mich daran. Liebe ist.
In etwas kleineren Buchstaben bekomme ich dennoch eine kleine Definition und/oder Hilfestellung. Liebe ist, sich auch noch erwachsen wie ein Kind zu begeistern. Begeistern hat etwas damit zu tun, dass die Dinge leicht und lebendig werden. Abenteuerlich und herzfüllend. Füllig und prall. Und, wenn es Geist gibt in dem, wie ich mich erlebe in meinem Inneren und wie es Geist gibt in dem, was ich tue. Es macht Sinn und erfüllt mich mit Freude. Es muss kein Geld kosten und erfordert keine weite Reise. Es geschieht im Jetzt und im Augenblick. Da, wo mein Auge gerade hinfällt, kann ich mich schon begeistern. Ich sehe gerade ein neues Blatt an meiner Büropflanze, das in der letzten Woche noch nicht da war. Meiner Blume gefällt es bei mir. Sie mag wachsen. Wie schön, dass da etwas wächst.
Was hat dich zuletzt begeistert? Wo hat dein Herz gebrannt und was hat alles bunt gemacht? Hat es dich angefallen oder hast du es erschaffen? Beides ist möglich. Gestern habe ich noch eine große Schüssel Tomaten geerntet. Ich dachte schon, dass ihre Zeit vorbei sei. Aber nein! Sie nutzen die sonnigen Oktoberstunden und werden tatsächlich noch rot. Viele grüne Tomaten werden einfach noch rot.
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Samstag, 19. Oktober 2019

Unabhängig von Enttäuschungen vertrauen!


Du bist enttäuscht! Dein Kind hat gelogen. Dein Mann verschweigt, dass er beim Arzt war. Deine Arbeitskollegin spricht schlecht über dich wenn du nicht da bist. Die Politiker halten nicht ihr Versprechen. Deine Eltern besuchen dich nicht zum Geburtstag. Dein Arbeitgeber entlässt dich obwohl du gut arbeitest. Du nimmst Medikamente gegen deine Krankheit und sie helfen nicht. Du bist enttäuscht! Du hast dich getäuscht! Du hast dich täuschen lassen!
Ständig verspricht uns jemand etwas und wir glauben es. Wir freuen uns wenn sich das Versprechen erfüllt. Du hast deine Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen. Es sind DEINE Wünsche und Erwartungen. Du wünschst dir, dass dein Kind nicht lügt. Du erwartest, dass dein Mann erzählt, dass er beim Arzt war. Du denkst, dass deine Arbeitskollegin im Beisein von anderen nicht schlecht über dich sprechen darf. Es sind DEINE Wünsche und Erwartungen. Manchmal verspricht dein Gegenüber ja auch sogar etwas. "Ja, ich lüge nicht!" "Ja, ich war beim Arzt!" Dann bist du nach einer Lüge vielleicht noch enttäuschter.
Immer geht es jedoch um eine Täuschung! Es geht um deine Täuschung! Du trägst insofern die Verantwortung, dass du diese Täuschung zugelassen hast. Weil du dir manchmal etwas so sehr wünschst, lässt du dich gerne täuschen und hältst diese Täuschung lange aufrecht.
Wenn dann die Enttäuschung kommt kannst du froh sein. Du bist von einer Täuschung befreit worden. Du kannst jetzt die Wahrheit erkennen. Die Wahrheit, dass du dich getäuscht hast oder dich hast täuschen lassen.
Manche Menschen sagen, ich bin so oft enttäuscht worden. Ich kann nicht mehr vertrauen. Wenn du so denkst, dann schiebst du die Verantwortung von dir fort. Dreh doch einmal diesen Gedanken um und sage: "Ich passe auf, dass ich mich nicht mehr so oft täuschen lasse. Oder, Täuschungen gehören zum menschlichen Leben dazu. Es ist in Ordnung! Ich gehe einfach in die Enttäuschung hinein und bin anschließend wieder klar!" Du kannst dankbar sein für jede Enttäuschung, weil sie dein Inneres klärt. Dein Vertrauen kannst du bewahren und weiterentwickeln jenseits von Enttäuschungen. Vertrau deinem Kind und deinem Mann und deinen Arbeitskollegen, den Politikern und vertrau jedem Menschen. Tue es einfach! Du wirst überrascht sein, was geschieht. Wenn du vertraust wird sich der Blickwinkel deiner Wirklichkeit verändern. Du wirst freundlicher, gelassener und wohlwollender. Du gibst deinem Mann und deinem Kind die Erlaubnis dich enttäuschen zu dürfen. Sie dürfen dich enttäuschen, dich von der "Täuschung" befreien.
Das bedeutet einen völlig anderen Umgang mit Enttäuschungen als bislang. Bislang hast du eine Enttäuschung negativ gedeutet. Enttäuschungen sind heilsam. Sie sind durchaus schmerzhaft, ärgerlich und unangenehm. Wenn du jedoch bereit bist, die Schmerzen anzunehmen dann bleibt dein Vertrauen von dieser Erfahrung unberührt. Du erlebst eher das Gegenteil. Eine "willkommene" Enttäuschung stärkt dein Vertrauen. Aber überprüfe das einmal! Glaube mir nicht! Es ist zunächst einmal nur meine Idee.
Vertraue! Vertrauen ist völlig unabhängig von deinen Vorerfahrungen und Enttäuschungen. Vertrauen ist eine Grundsatzentscheidung, die du einmal triffst und in jeder Situation deines Lebens wieder erneuerst. Enttäuschungen "töten" deinen irrigen Blick und Vertrauen stellt den Anfang wieder her. www.matthias-koenning.de

Liebeslänglich


"Liebeslänglich" - las ich auf einer Postkarte.

"Ich verurteile Sie zu einer lebenslänglichen Liebe und zu einem liebeslänglichen Leben."
Möge deine Fähigkeit zu lieben für ein langes Leben andauern.
Hoffentlich bis zu deinem Tod und darüber hinaus.
Möge deine Liebe "lang"- mütig und "kurz" - weilig sein!

"Liebeslänglich" mit und ohne Freispruch - sogar jenseits von Freisprüchen!
Wenn alle Menschen auf der Welt "liebeslänglich" hätten...
Wie sähe eine Zelle aus, wo die "Liebeslänglichen" säßen?
Freiraum statt Gefängnis, nicht wahr?

Liebeslänglich sage ich Ja zu mir und Ja zu dir.
Liebeslänglich halte ich das Licht in die Dunkelheit.
Liebeslänglich umgarne ich die Dornen mit Blütenblättern.
Liebeslänglich kitzle ich den Frust und locke das Lachen.
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Freitag, 18. Oktober 2019

Diamanten mit Mehrwert

In einem Geschäft kann ich essbare Diamanten kaufen. Lustig! Diamanten sind nicht essbar. Wenn sie essbar sind, sind sie keine Diamanten. Diamanten sind äußerst hart und nicht geeignet für den Prozess der Verdauung. Es wird unten wieder herauskommen wie oben eingeführt.

Ich könnte es mir doch trotzdem einmal vorstellen. Essbare Diamanten. Wäre das vergleichbar mit Kaviar? Nur noch teurer? Ein Genussmittel für die Superreichen? Da, wo ganz oben noch einmal sich die Reichen trennen? Kaviar für die Reichen und essbare Diamanten für die Superreichen. Eine Handvoll Diamanten essen und ein Vermögen ist dahin. Eine Mahlzeit im Wert von einer Villa!

Ein Mensch braucht weder Kaviar noch essbare Diamanten. Brot macht alle satt. Brot mit Beigabe wie Butter und Käse wäre für das Vergnügen. Wenn Menschen auf Kaviar verzichten könnten gäbe es Butter und Käse für jeden. Jeder hätte Vergnügen. Die Reichen und die Superreichen müssten sich vorstellen können, mit Brot und Käse auskommen zu können. Mit Brot und Käse auch noch Vergnügen zu haben. Wer genug hat kann ver"gnueg"t sein!

Ich brauche weder Kaviar noch Diamanten. Die wesentliche Dinge kann ich mir sowieso nicht kaufen. Dir mir wesentlichen Dinge! Ob mir jemand Achtung entgegenbringt ist ein Geschenk. Wenn ich geliebt und geschätzt werde, dann weil jemand das freiwillig macht. Ich werde beschenkt! Jeden Tag! Hallo Sonne, schön dass du da bist! Hallo Blume, wunderbar, dass dein Anblick mich erfreut! Hallo Leserin und Leser, danke dass du mir deine Aufmerksamkeit schenkst. Hallo Mensch an meiner Seite: Wie schön, dass ich nicht allein gehen muss!

Welchen Wert haben essbare Diamanten? Das braucht kein Mensch! Aber einen Menschen an meiner Seite, das hat einen wirklichen Mehrwert!
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Donnerstag, 17. Oktober 2019

Sich verlieren und hingeben!

Ich sehe dieses kleine Mädchen auf einer Postkarte im Meer von Blumen. Es ist noch deutlich zu erkennen! Die Blumen und Gräser könnten auch so hoch wachsen, dass das Mädchen darin wirklich untergehen könnte. Kinder irgendwo zu verlieren ist sicherlich der Schrecken vieler Eltern.

Ich bleibe hängen am Wort "verlieren". Sich verlieren im Blumenfeld. Ja, ich kann mich verlieren. Ich bin so voller Arbeit, dass ich mich nicht mehr spüren kann. Ich bin so voller Gedanken und Grübeleien, dass ich die Welt um mich herum nicht mehr wahrnehme. Ich kann mich verlieren in den Anforderungen des Alltags. So, wie ich in einem Wald die Orientierung verliere, kann ich mich auch im Leben verlieren. Dann schließe ich für einen Augenblick die Augen und atme tief durch. Ich suche einen Moment Abstand und halte inne. Wo bin ich? Was möchte ich? Was kann ich verändern? Wo ist mein Ausgangspunkt? Wo woll ich hin?

Ich blicke auf die Postkarte und sehe aber nicht ein Mädchen, das sich verliert. Es wirkt eher versunken. Vertieft in der Natur! Ich kann mcih also auch anders verlieren. Ich kann mich dem Leben hingeben. Das kann auch so aussehen, als würde ich mich verlieren. Ich kann mich im Blumenfeld verlieren, weil ich voller Staunen und Liebe bin. Ich gehe auf in dem, was ich tue. Bis fast hin zur Selbstauflösung. Aber nur fast! Eigentlich geht es darum, völlig im Selbst zu sein, wenn ich mich hingebe. Ich bin ganz ich selbst und gehe zugleich im Anderen auf. Ich kann mich auf zwei Arten verlieren. Indem ich von mir weg gehe und mich nicht mehr spüre. Oder indem ich mich hingebe um ganz da zu sein.

Was verlockt dich zur Hingabe? Wo kannst du dich völlig loslassen ohne Angst, dich zu verlieren? Wo kannst du dich hingeben um dich ganz zu finden?

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Mittwoch, 16. Oktober 2019

Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder. (Dante Alighieri)



Dante erinnert mit seinem Vers an einen himmlischen Urzustand. Wir kommen alle aus dem Paradies. Dort sind unsere Wurzeln, dort ist unsere Heimat. Vielleicht ist es auch nur ein Wort der Sehnsucht. Wir werden erinnert an die ersten Menschen, die nach dem Essen vom Baum von Gott vertrieben wurden aus dem Paradies.
Im übertragenen Sinne gleicht unsere erste Bewusstseinsstufe als Embryo im Bauch unserer Mutter diesem paradiesischen Urzustand. Du bist eins mit der Mutter, eins mit der Göttlichkeit. Es gibt kein Du im gegenüber und kein Ichbewusstsein. Du schwimmst in der Einheitssuppe und dir geht es einfach nur gut.
Dann wächst du im Bauch deiner Mutter heran und irgendwann wird dein Paradies getrübt. Deine Mutter erschrickt sich. Sie hat Angst vor irgendetwas. Sie isst etwas, was ihr nicht bekommt. Und du - du bekommst immer etwas davon ab. Dein Paradiesgefühl geht schneller verloren als du denkst.
Du kommst auf die Welt und die erweist sich als hell, grell und laut.
Aber dir bleibt die Erinnerung an einen heilen Anfangszustand. Den möchtest du wiederhaben. Dieses Urgefühl, dass du mit Allem verbunden bist. Dein Leben gleicht mit der Geburt einem Abenteuer, das du bestehen musst. Du läufst und fällst. Du lallst bis du sprichst. Du machst in die Hose bis du Kontrolle über deine Körperfunktionen erlangst. Du wirst irgendwann erwachsen.
Die Sehnsucht nach dem heilen Urgefühlszustand bleibt. Zwischen den mühseligen Schritten, dein Leben zu bewältigen weht das Paradies wie ein Geschenk manchmal zu dir herüber. Du siehst den phantastischen Sternenhimmel über dir und du bekommst eine Ahnung von der Größe Gottes und der Großartigkeit deines Lebens. Du atmest den Duft der Blumen ein und das Leben erscheint dir göttlich.
Oder du blickst in die Augen der Kinder. Auf einmal gibt es Frieden im Herzen. Du musst dich nicht mehr anstrengen. Es geht alles ohne Mühe. Deine Augen treffen die Augen des Kindes und in dir wird es ruhig. Du kommst zu der Erkenntnis: Das Paradies gab es, gibt es aktuell und du gehst zugleich darauf zu, bist manchmal mitten drinnen und weißt, dass deine Sehnsucht nicht vergeblich ist.
Mein Impuls für den Tag: Sterne, Blumen und die Augen der Kinder waren die drei Elemente aus Dantes Paradies. Was ist dir geblieben aus deinem Paradies? Wo geht dein Herz auf?
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Dienstag, 15. Oktober 2019

Schlussstriche zieht man nicht mit dem Bleistift!

Wenn du einen Schlussstrich mit dem Bleistift ziehst, kannst du diesen immer wieder ausradieren. Er zählt also nicht. Einen vorläufigen Schlussstrich kannst du so ziehen. Zum Üben und zum Spüren, wie sich Schlussstrich anfühlt.
Aber Energie bekommt der Strich erst mit einer klaren Entschiedenheit. Punkt und Schluss. So wird es gemacht. Der Bleistift kostet mehr Energie beziehungsweise du verlierst sie. Weil du immer wieder an die Möglichkeit denken musst, auch radieren zu können.
Ich kann gut Entscheidungen treffen mit einem Stift, den man nicht ausradieren kann. Das setzt in mir Energie frei und ich mache es dann einfach. Da habe ich keine so große Baustelle mit. Aber ich kenne genug Menschen in meinem Umfeld, die Bleistifte lieben (und hassen zugleich). Die sich nie trauen, den Kugelschreiber zu nehmen. Sie könnten ja was übersehen haben. Es wird ihnen bestimmt leid tun. Da tauchen plötzlich die vielen verpassten Möglichkeiten auf. Hätte ich doch lieber... Um all diese Gefühle zu vermeiden nehmen sie lieber den Bleistift. Sie stehen hungrig vor vielen Restaurants, sitzen dann vielleicht hungrig in einem Restaurant, bestellen ein Wasser und stehen hungrig wieder auf. Oder der Hunger legt sich und es gibt den Satz "Ist ja nicht so schlimm." Der Schlussstrich mit dem Bleistift lässt dich also hungrig zurück.
Meine Baustelle liegt eher darin, so mit Kränkungen umzugehen. Nach einer Kränkung einen Schlussstrich ziehen mit dem Kugelschreiber? Die Kränkung loslassen? Das finde ich echt schwer. Da liebe ich den Bleistift! Ich tue so, also ob. Ja! Ich lasse die Kränkung ziehen. Ich unterschreibe. Und dann werde ich erneut gekränkt oder die Bilder kommen wieder hoch und sofort meldet sich die Kränkung: Ich habe ja nur mit Bleistift unterschrieben! Erst, wenn die Kränkung mit einem Kugelschreiber verabschiedet habe, verliert sie ihre Macht. Manchmal behalte ich aber lieber die Macht der Kränkung. Dann habe ich etwas in der Hand, mit dem ich erpressen kann. "Damals, weißt du noch, hast du mir so weh getan. So richtig Leid tut es dir ja bis heute nicht! Das kannst du sowieso nie wieder gut machen. Da wird immer ein Rest bleiben. Siehst du die Narbe! Wie leicht kann sie wieder aufgehen! Möchtest du das wirklich? Bestimmt nicht. Du willst doch nicht schon wieder unsere Freundschaft riskieren?" Dafür braucht es den Schlussstrich mit dem Bleistift. Ich kann radieren und dieses "wunderbare" Gefühl von Kränkung reaktivieren und die Menschen an mich binden, die mich gekränkt haben. Ich halte die Hand auf und erwarte die Wiedergutmachung.
Leider hat das ganze den Nachteil, dass ich stehenbleibe. Das Leben geht nicht weiter. Es findet keine Entwicklung statt und ich bleibe der Sklave und Abhängige irgendeiner Aktion in der Vergangenheit.
Einen Schlussstrich ziehe ich ja nicht einfach so. Ich denke nach und fasse zusammen. Ich schreibe auf, was wichtig ist und ziehe Bilanz. Den Strich ziehe ich am Schluss. Für mein Seelenheil ist es also gut und hilfreich, dann auch wirklich diesen Strich zu ziehen.
Da gibt es ja noch das, was nach dem Schlussstrich kommt. Der Neuanfang. Die neue Chance! Die neue Möglichkeit. Ich kann mich fokussieren auf diesen Teil der Wirklichkeit und dann besser das alte loslassen. Schlussstriche zieht man besser mit dem Kugelschreiber.
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Montag, 14. Oktober 2019

Rückrufaktion?

Ich liebe diese Rückrufaktionen. Da wird "verunreinigte" Wurst gefunden oder Glas in der Schokolade oder Reinigungsmittel in der Babynahrung. Dann gibt es eine große Rückrufaktion. wer ruft da eigentlich wen zurück? Ruft die entsprechende Firma per Telefon ihre Produkte an? Warum heißt das nicht Rückholaktion. Oder Müllsammlung oder produktbezogener Feuerwehreinsatz. Oder Verbraucheralarm. Rückrufaktion klingt so freundlich. "Ich habe Sie angerufen und bitte um einen Rückruf." "Es eilt nicht und ich bin immer für Sie da."
Als ob man per Ruf Produkte bewegen kann. Menschen bewegen Produkte. MitarbeiterInnen müssen die Produkte einsammeln und verpacken. Verbraucher warnen und die schon gekauften Sachen zurücknehmen und verbuchen. Den Ärger aushalten. Das ist mit viel Aufwand und Arbeit verbunden. Da wird nicht einfach nur ein wenig gerufen. "Hallo! Winke winke! Rückruf!"
Dabei würden mir so richtig echte Rückrufaktionen sehr gefallen. Wenn ich einen Menschen anrufe und nur den AB erreiche, dann wünsche ich mir eine zeitnahe Rückmeldung und möchte nicht eine Woche warten. Oder - wie wäre eine Rückrufaktion, dass ich alle Menschen, die ich mag einmal anrufe und es ihnen sage, dass ich sie mag. Oder - Politiker versprechen so halbherzig, etwas für den Umweltschutz zu tun und teilen es der Öffentlichkeit mit. Wer ruft zurück? Wie wäre mal eine ordentliche Rückrufaktion? So bitte nicht! Lieber anders! Das ist zu wage und zu wenig!
Ich mag die "Rückrufaktionen" an Weihnachten. Sich gegenseitig daran erinnern, dass ich an meine Lieblingsmenschen denke und diese an mich.
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Samstag, 12. Oktober 2019

Wer ordentlich drückt kann kräftig bewegen!

Auf einer Toilette in einem Museum fand ich diesen Hinweis: "Die Druckspülung bitte lange gedrückt halten!" "lange gedrückt" in roter Signalfarbe mit Ausrufezeichen. Da wollte ich doch mal die Druckspülung testen. Ich habe draufgedrückt und es kam Wasser. Kurz reichte aus. So fand ich. Länger drücken ginge auch. Aber lange drücken? Wie lange? Eine Stunde? Fünf Minuten?
Drei Erkenntnisse nehme ich mit. Lang oder kurz drückt eher eine Gefühlsqualität aus. Da hat jeder Mensch ein anderes Maß. Wenn ich es eilig habe, dann sind fünf Minuten für mich sehr lang. Wenn ich ein spannendes Buch lese sind zwei Stunden für mich sehr kurz.
Die zweite Erkenntnis: Manchmal gibt es keine schnellen Ergebnisse. Ich muss etwas lange genug machen. Lange genug den Topf putzen bis er sauber ist. Lange genug schreiben bis der Gedanke fertig gedacht ist. Lange genug Geduld haben mit einem Handwerker, den ich beauftragt habe. Lange genug warten, bis der Kaffee durchgelaufen ist. Lange genug den Kuchen im Ofen lassen bis er gar ist. Zugleich kann es auch zu lange sein. Dann bin ich über einen gewissen Punkt hinausgegangen. Habe den richtigen Zeitpunkt verpasst. Ich stelle mir einen Zeitstrahl vor. Auf diesem Zeitstrahl gibt es eine erste Markierung mit dem Hinweis: "lange genug" und einen zweiten Hinweis "zu lange". Dazwischen gibt es die Momente, die richtig sind.
Wohin tendierst du, wenn du dein Leben betrachtest? Bist du geduldig und lässt dir lange genug Zeit? Oder gehörst du zu denen, die den Kuchen kurz vor fertig herausnehmen. Kurz vor fertig die Arbeit beenden? Oder verpasst du den Augenblick und bist kurz nach "zu lange". Das Sonderangebot ist nicht mehr da! Der Kuchen etwas angekokelt. Der Bus vor deiner Nase weggefahren? Wo befindet sich dein "Lieblingszeitpunkt"?
Die dritte Erkenntnis: Manchmal muss ich drücken! Es tut sich nicht von allein. Ich kann vor der Kloschüssel warten und es kommt kein Wasser - es sei denn, es gibt eine Lichtschranke. Ich muss den Knopf drücken. An der Waschmaschine, am PC, am Kaffeeautomaten. Ich muss selber etwas machen. Ohne mein Signal geht es nicht los. Den Knopf an der Waschmaschine drücke ich in der Regel sofort. Ich kenne die Programme und es läuft. Aber am Fahrkartenautomaten fällt es mir schwer den richtigen Knopf zu drücken. Den Knopf, wenn es darum geht, das Geld zu bezahlen. Habe ich den richtigen Tarif? Den günstigsten? Wenn ich fahren will muss ich drücken. Es ist hilfreich, dabei nicht zu viel nachzudenken. Sich entscheiden bevor die Bedenken kommen. Wenn die Bedenken kommen und mächtig werden drücke ich die Knöpfe nicht mehr. Ich drücke nicht und es bleibt ein unbefriedigendes Gefühl übrig. Wer drückt bringt was in Bewegung!
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Freitag, 11. Oktober 2019

Das schafe Schaf zu sein ist eigentlich gar nicht so übel. Vor allem wenn man sich die weißen Schafe einmal etwas genauer ansieht.

Genau! Sieh dir doch einmal die weißen Schafe etwas genauer an. Sie tönen so laut von der Moral und davon, wie die Welt auszusehen hat. Und wie man sich richtig verhält. Schau einmal genau hin, wenn sich die weißen Schafe melden. Jesus sagte einmal: "Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Wo findest du heute die Steinewerfer? In der Politik, in der Kirche oder in der Familie!
Die weißen Schafe von heute sind nur ein wenig geschickter. Sie geben sogar ihre kleinen schwarzen Flecken zu. Machen sie aber zugleich harmlos und verallgemeinern. "Jeder hat seinen dunklen Fleck und seine Schattenseite..." Dann kommt das "ABER"! Wenn das "ABER" kommt, dann geht es los.
Dann wird es interessant und du kannst genauer hinschauen. Wenn die weißen Schafe dann über die schwarzen herziehen. Als ob das Selbsteingeständnis eine Erlaubnis wäre.
"Ich bin ja zum Glück nicht so schlimm!" Die Kirche spricht ja auch gerne davon, dass sie eine "Kirche der Sünder" sei. Glaubt sie das wirklich? Oder ist es nur ein Totschlagsatz? Es lohnt sich der genaue Blick auf die weißen Schafe. Dafür braucht es ein wenig Geduld und die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen.
Und wenn du genauer hinschaust wirst du wieder feststellen, dass jeder Mensch eine Mischung ist. Aus schwarz und weiß und ganz viel grau. Und hoffentlich mit vielen bunten Tupfen!
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Donnerstag, 10. Oktober 2019

Ich bin vielleicht das scharze Schaf der Familie, aber ich habe die geilste Wolle!

Es findet sich immer etwas Positives, oder? Wenn schon schwarzes Schaf, dann sehe ich meine guten Seiten. Auch die haben eine Berechtigung, gewürdigt zu werden. Jeder Mensch hat irgendwo eine kostbare und total liebenswerte Seite. Mir sagte mal ein Ausbilder: "So toll, wie die Leute sagen, dass du bist, bist du nicht. Aber so schlecht, wie die Leute sagen, dass du bist, bist du auch nicht."
Du kannst von außen als schwarzes Schaf gesehen werden oder siehst dich selber so! Dabei bist du einfach nur anders. Du bist auf keinen Fall nur unsympathisch. Du hast deine geile Wolle. Die zeichnet dich aus! Wenn du in deiner Familie ein schwarzes Schaf sein solltest: Weißt du, worin die Qualität deiner "Wolle" besteht? Was deinen Wert ausmacht?
Vielleicht ist es aber besser, das Bild überhaupt zu streichen. Damit aufhören, diesen Unterschied zu machen. Als ob Menschen weiß oder schwarz wären. Menschen sind bunt und sie sind grau. Jeder ist eine Mischung von vielen Farben. Das Bild vom Schaf verführt. Das schwarze Schaf ist eine Erfindung der Gleichmacher. Gleiche Schafe sind besser zu händeln. Das schwarze Schaf ist ein Instrument der Macht. Die Mächtigen definieren, wer schwarz oder weiß ist und instrumentalisieren dann die Weißen, die Schwarzen auszugrenzen. Dann müssen sie es nicht einmal selber machen.
Die Frage ist eher interessant, ob es sich um ein echtes Schaf handelt oder einen Wof im Schafspelz! Jedes schwarze Schaf ist mir da sehr willkommen. Es ist wenigstens echt und ehrlich. Und es geht ein Risiko ein. Das Risiko, nicht dazuzugehören und seinen eigenen Weg zu gehen.
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Mittwoch, 9. Oktober 2019

Ein schwarzes Schaf findet sich immer.

Super Idee. Ich werde eingeladen und fühle mich nicht wohl. Vielleicht, weil ich einfach nicht gut zurecht bin. Weil ich gerade irgendwelche Sorgen habe und keine Lösungen finden für meine Probleme. Ich bin eingeladen und fühle mich nicht wohl in meiner Haut. Was mache ich? Ich finde ein schwarzes Schaf. Garantiert!
Da sehe ich doch diesen lauten Schwätzer. Unerträglich, wie er die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. Alle hängen an seinen Lippen, obwohl er eigentlich nur dummes Zeug erzählt. Was für ein Egoist. Was für ein Schaumschläger! Dabei habe ich gerade solche Sorgen. Der verbreitet hier gute Laune, die ich gar nicht haben möchte. Wegen meiner Probleme! Diesen Schwätzer wähle ich jetzt aus als schwarzes Schaf. Ich werte ihn einfach ab und fange schon mal an, ihn zu isolieren. Ich wende mich meinem Nachbarn zu und sage ihm, wie unerträglich laut doch der da hinten ist. Ich sammle die weißen Schafe still und leise um mich herum bis dieser Schwätzer isoliert ist. Und wenn er nicht mitmacht, dann finde ich ein anderes. Oder mein Nachbar neben mir hat eine wunderbare Idee für ein schwarzes Schaf in der eingeladenen Abendgesellschaft. Hauptsache, dass ich meine Sorgen und mein negatives Lebensgefühlt nicht mehr spüren muss. Wofür sind schwarze Schafe denn da?
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Dienstag, 8. Oktober 2019

Die Familie trifft sich heute, um zu überlegen, wie man mit dem schwarzen Schaf in der Familie umgeht. Gott sei Dank bin ich nicht eingeladen.

In meiner Familie gab es ein schwarzes Schaf. Ich werde es hier nicht näher benennen. Sonst liest das jemand aus meiner Familie und fragt sich, wen ich wohl meine ;-) Aber vielleicht bin ich ja auch das schwarze Schaf. Ich wusste es bislang nur nicht. Woran könnte ich denn erkennen, dass ich ein solches bin? Daran, dass ich sozial unverträglich bin? Ein Trinker? Einer, der permanent Gift verspritzt? Oder daran, dass niemand mit mir Kontakt haben möchte?
Wer nie eingeladen wird ist vielleicht doch ein schwarzes Schaf. Schwarze Schafe möchte man ja nicht dabei haben. Sie bewirken, dass die weißen Schafe sich nicht mehr wohl fühlen. Sie stören einfach durch ihre andere Art. Ich war einmal in einer Gruppe das schwarze Schaf. Ich glaube es zumindest. Eigenartig war, dass es mir niemand gesagt hat. Es fühlte sich nur komisch an. Ich war wohl ein schwarzes Schaf mitten unter weißen Schafen in der Meinung, dass ich auch ein weißes Schaf war. Die anderen haben mich aber nicht so gesehen. Aber es bleibt eine Vermutung. In jeder Gruppe entwickelt sich nach meiner Erfahrung jemand, der diese Rolle übernehmen muss. Das eine schwarze Schaf lässt die anderen weißen Schafe näher zusammenrücken. "Wie gut, dass wir so gut sind! Und nicht wie der! Wenn alle so wären, wo wären wir dann?" Jede Gruppe benötigt für ein gutes Gruppenfeeling ein schwarzes Schaf. Es sei denn, die Gruppe ist schon höher entwickelt und sieht jedes Schaf als Gewinn an, egal welche Farbe es hat.
Aber schwarzes Schaf in einer Familie zu sein, ist nicht sehr dankbar. Besser, du weißt es nicht und bleibst unbewusst, aber zufrieden mit dir. Es soll ja auch glückliche schwarze Schafe geben!
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Montag, 7. Oktober 2019

Schwarze Schafe sind auch nur Menschen.

So ist es! Du kannst einen Menschen als schwarzes Schaf betrachten. Ein Mensch, der alles anders macht. Der sich nicht einfügen möchte. Ein Mensch, der immer auffallen muss und eine Sondereinladung benötigt. Jemand, der sich nicht an gesellschaftliche Konventionen hält. Einer, der sich auf jeden Fall unterscheiden möchte.
Auch so ein schwarzes Schaf bleibt ein Mensch. Ein vielleicht komischer Mensch. Ein unerträglicher Mensch. Ein außergewöhnlicher Mensch. Ein unkonventioneller Mensch. Ein sozial unverträglicher Mensch. Ein Mensch in welcher Art und mit welchem Charakter auch immer - schwarze Schafe sind auch nur Menschen.
Ich glaube, dass es ihnen aber manchmal abgesprochen wird. Es gehört ja dazu, dass ich jedem noch so schwarzen Schaf mit Würde begegne. Ich kann mit bestimmten Handlungen überhaupt nicht einverstanden sein. Da kann jemand für mich wie in einer fremden Welt leben. Aber er verdient meine Achtung. Er ist einer von meiner Art.  
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Samstag, 5. Oktober 2019

Anfang und Ende!


Im Flur meiner Eltern hängt seit meiner Kindheit der Teil eines Gedichtes zum neuen Jahr von Eduard Mörike. Dort heißt es im Schlussvers: 

Herr, dir in die Hände
sei Anfang und Ende,
sei alles gelegt!

Jedes Leben hat einen Anfang und ein Ende. Alles Irdische ist dadurch gekennzeichnet, dass es begrenzt ist. Auch sehr stabile Häuser fallen irgendwann zusammen. Zwar stehen die Pyramiden in Ägypten schon seit einigen Tausend Jahren, aber irgendwann standen sie noch nicht und der Zahn der Zeit nagt unaufhörlich daran. Es mag noch viele viele Jahrtausende dauern, bis sie wieder zerfallen. Aber sie werden zerfallen. Mir fällt nichts ein auf dieser Welt, das keinen Anfang und kein Ende hat.
Eudard Mörike schafft in seinem Gedicht jedoch eine Erweiterung: Anfang und Ende legt er in die Hände Gottes. Damit deutet er an, dass es noch etwas gibt, das über den Anfang und das Ende hinausgeht.
Anfang und Ende gehören zu den begrenzenden Zeiterfahrungen der irdischen Existenz. Leben geschieht immer in einem Zeitraum von Anfang bis Ende. Das sind die Grenzmarkierungen. Aber es gibt eine Dimension, die nicht dieser Beschränkung unterliegt. Unser Bewusstsein kann "Zeitempfindungen" überwinden. Ich kann mich jenseits von Zeit und Raum denken. Menschen mit einer Nahtoderfahrung erzählen davon, wie im Bruchteil einer Sekunde das ganze Leben wie ein Film noch einmal abläuft.
Wir Menschen sind in unserem zeitlichen Empfinden von Begrenzungen, Tod und Ende noch einmal aufgehoben in etwas jenseits von Zeit. Darin liegt eine sehr befreiende Botschaft. Auch und jenseits von Tod und Ende bekommst du noch neue Möglichkeiten. Du bist bildlich gesprochen ein begrenzter Teil in Gottes unbegrenzter Hand.
Wir denken uns "anfänglich" und "endlich" und zugleich können wir uns "ewig" denken. Wie verändert sich dein Leben wenn du das praktisch umsetzt? Wie verändert sich dadurch dein Denken und deine Haltung?
Wenn du dich zeitlich begrenzt erlebst dann bist du im ständigen Mangel alles hier und jetzt noch erleben zu müssen. Die Zeit ist knapp und du hast noch viel zu tun. Wenn du im "Ewigkeitsbewusstsein" bist, dann hört die Hektik auf! Du kannst, aber du musst nicht mehr! Eduard Mörike noch einmal zur Erinnerung: "Herr, dir in die Hände sei Anfang und Ende, sei alles gelegt." Es geht also neben dem Bedenken von Zeit und Ewigkeit noch darum etwas zu tun. Das "Ablegen"! Es geht darum loszulassen, nicht festzuhalten! Wenn ich dem Ewigen das gebe, was ihm eh gehört, dann hört der Kampf auf, unbedingt etwas festzuhalten, was du sowieso nicht festhalten kannst. Kannst du deinen Mann festhalten? Deine Kinder? Deine Gesundheit? Dein Geld? Halte mal mit deinen Händen über einen Zeitraum viele Dinge fest. Du wirst verkrampfen, die Kraft wird dich verlassen und vor allem - du wirst die Dinge nicht mehr genießen können. Wenn du den Geliebten festhältst und nicht loslässt verwandelt er sich in ein Monstrum oder eine Schaufensterpuppe. Im Loslassen der Dinge gewinnst du die Freiheit, damit Erfahrungen zu machen und danach "Danke" zu sagen.
Ob wir "Ja" sagen können zu unserem Leben hängt genau davon ab, ob wir loslassen können. Ohne Angst zu verlieren; nur im Vertrauen, dass schon gut für mich gesorgt ist. In der Übereinstimmung von Atem holen und Atem lassen. In diesem Sinne wünsche ich dir einen ausgewogenen Rhythmus!
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Freitag, 4. Oktober 2019

Die Seele hat die Farbe deiner Gedanken. Mark Aurel

Welche Farbe hat deine Seele? Wenn du von deinen Gedanken auf deine Seele schließen kannst? Welche Farben haben deine Gedanken? Liegen sie im Bereich von weiß, grau oder schwarz? Oder befindest du dich im Spektrum des Regenbogens?
Welche Farben dominieren und welche Farben tauchen nur in ganz bestimmten Situationen auf? Wann hast du zum Beispiel gelbe Gedanken und wann werden sie grün? Ich habe gerade einen orangenen Gedanken. Das fühlt sich sehr weich und warm und wohlig an. Ich kann aber auch ganz schnell einen grauen Gedanken bekommen wenn ich an bestimmte Menschen denke. Vom grauen Gedanken geht es dann schnell ins Herz und erfasst mein ganzes Wesen. Plötzlich bin ich dann grau. Meine Seele mag kein grau. Da bin ich mir ziemlich sicher. Aber weil sie mich liebt erträgt sie es klaglos. Meine Seele ist immer auf meiner Seite. Immer. Aber sie liebt die Farben. Eben auch farbige Gedanken. Meine Seele reagiert unmittelbar und kann sehr schnell wechseln. Ich stelle mir einen Menschen vor, den ich sehr mag und es wird gerade sehr orange bis rot mit vielen gelben Tupfern.
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Donnerstag, 3. Oktober 2019

Wir müssen lernen, die Komödie zu Ende zu spielen. Wir müssen das Unglück müde machen. Charles Dickens

Aus deinen Lebenszusammenhängen kannst du nicht einfach so aussteigen. Du hast vielleicht eine Arbeit, die dich oft nicht erfüllt oder unglücklich macht. Du lebst mit Familienmitgliedern zusammen, die dich eher aufregen. Du beschäftigst dich mit vielen Baustellen und nirgendwo ist deine Welt in Ordnung. Irgendwann wirst du müde und erschöpft sein von den vielen Anstrengungen.
Charles Dickens schlägt einen anderen Weg vor. Dein Leben ist eine Komödie und kein Drama. Da verwechselst du etwas. Und es gibt eine Möglichkeit, mit dem Unglück umgehen zu können. Mache es einfach müde. Es erschöpft sich irgendwann. Weil alles einmal ein Ende hat. Mach es müde bevor du selber müde wirst. Hallo Unglück! Ich halte länger aus als du! Aber wenn du willst, dass lass es uns darauf ankommen. Ich werde dich nicht bezwingen und auch nicht bekämpfen. Irgendwann powerst du dich selber aus. Ich werde währenddessen zuschauen oder bei dieser Komödie mitspielen. Muss ich ja sowieso bis zum Ende meines Lebens. Aber ich entscheide, ob es Komödie ist oder Drama. Und ich entscheide auch, wie intensiv und wie lange ich mitmache!
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Mittwoch, 2. Oktober 2019

Als ich aus der Zelle durch die Tür in Richtung Freiheit ging, wusste ich, dass ich meine Verbitterung und meinen Hass zurücklassen musste, oder ich würde mein Leben lang gefangen bleiben. Nelson Mandela

Ein wichtiger Impuls von Nelson Mandela. Da gibt es ja die Erfahrung der Gefangenschaft. Körper in Zelle. Wenn der Körper die Zelle verlässt gibt es wieder das Gefühl von Freiheit. Aber wenn die Verbitterung und der Hass die Zelle mit verlässt, bleibt die Gefangenschaft auf geistig psychischer Ebene.
Wie viele Menschen laufen mit einer Verbitterung durch das Leben. Sie wurden gekränkt, getäuscht und missbraucht. Es gibt viele gute Gründe, diese Erfahrungen nicht loszulassen. Erst, wenn die Gerechtigkeit zum Zug kommt, kann die Verbitterung gehen. Erst wenn der Täter sich entschuldigt. Wenn die Gerechtigkeit aber nicht siegt, wenn es keine Entschuldigung gibt, dann bleibt die Verbitterung als Anteil einer lebenslangen inneren Gefangenschaft.
Wenn du in der Kränkung bleibst, dann hast du einen zweifachen Schaden. Das ungerechte Ereignis und dein immer noch bleibendes negatives Gefühl. Dein Wohlbefinden machst du davon abhängig, ob der andere dein Leid wieder gut macht. Lass deinen Hass und deine Verbitterung zurück. Allein aus dem Grund, dass deine Seele wieder gesunden kann. Die Freiheit wiegt mehr als eine Wiedergutmachung. Wie hat Mandela das wohl geschafft? Was war sein Geheimnis, dass er die Verbitterung zurücklassen konnte? Der Traum von einer besseren Welt? Die neuen Chancen, die er bekam? Das sich Einlassen auf das Hier und Jetzt? Vergeben können? Eine tiefe Liebe zu seinem Land und zu seinen Menschen? Ich glaube, dass die Liebe heilt.
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Dienstag, 1. Oktober 2019

Wenn die Möglichkeiten sich verkleiden!



Ich mag es sehr bei einer Aufgabe, die ich erfüllen muss auch eine Lösung zu finden. Menschen kommen zu mir in die Beratung, damit sie für ihr Problem eine Lösung finden. Und eigentlich besteht der ganze Tag darin, für irgendetwas eine Lösung zu finden.
Bei den automatisierten Prozessen bemerkst du es noch nicht. Du stehst morgens auf und springst unter die Dusche, kochst dir deinen Kaffee und frühstückst. Ständig „findest“ du Lösungen für etwas, was du bewältigen möchtest. Erst jenseits der automatisierten Aufgaben wird dir das bewusst. Wann kaufst du im Supermarkt die Sonderangebote? Nimmst du heute einen Schirm mit oder vertraust darauf, dass es trocken bleibt? Nimmst du die Einladung an oder lehnst du eher ab? Wenn du dich gut entscheiden kannst, fühlt sich das an wie eine Lösung. Du löst etwas und es geht weiter. Ich mag es nicht so, wenn etwas über einen längeren Zeitraum stockt. Ich mag es, wenn es weiter geht. Wenn nicht, fühlt es sich an, als ob ich zugleich bremse und den Fuß aufs Gaspedal setze. Ich komme nicht voran, verbrauche aber viel Energie. Schwierig wird das Leben, wenn es gar nicht mehr vorangeht, aber ich darunter leide. Dann empfinde ich die Sackgasse als Problem. Dann fängt die Herausforderung an. Wie weiter? Ich kann meine Aufgaben liegen lassen. Sie ignorieren. Unter der Ausweglosigkeit leiden und in die Depression abrutschen. Oder?
Henry Ford plädiert für eine andere Sichtweise. „Probleme sind verkleidete Möglichkeiten.“ Mir gefällt die Vorstellung, dass Probleme nicht einfach Probleme sind. Ich stelle mir vor, dass jemand zu mir in die Beratung kommt mit dem Auftrag, dass er an Möglichkeiten glaubt angesichts seines Problems. Dass er sie im Augenblick nur nicht erkennen kann. Die meisten Menschen sind ja klug genug, das eine oder andere Problem zu lösen. Seit frühester Kindheit gehört es zum Lebensprogramm, dass wir Aufgaben gestellt bekommen und sie in der Regel auch gut lösen. Wir lernen, wie wir wieder aufstehen können nachdem wir hingefallen sind. Wir lernen, wie wir mit einem Löffel den Brei von der Schüssel in den Mund bewegen ohne zu schlabbern. Wir weiten unsere Fähigkeiten aus je nach Anforderung. Wir bauen auf dem Wissen auf, das wir in uns tragen. Wenn ich mal eine Schraube gelöst habe werde ich andere Schrauben von anderen Gegenständen auch lösen können. Erst, wenn ich meine Aufgaben nicht lösen kann und darunter leide, wird es zu einem Problem.
Ich habe mich mit meinem Verstand angestrengt. Ich habe alles probiert und es lässt sich nicht lösen. Dann wird es für mich zu einem Problem. Ich bin überzeugt davon, dass ich es nicht lösen kann. Weil ich es nicht kann! Ich habe ja alles probiert! Aber was verändert sich, wenn mein Problem nur aus verkleideten Möglichkeiten besteht? Dann würde es ja bedeuten, dass ich es grundsätzlich lösen könnte. Wenn ich die Kleider ablege. Ich kann meine Möglichkeiten im Moment nur nicht sehen, weil sie unter den Kleidern verborgen sind.
Kann ich die Kleider selber ablegen oder brauche ich dafür Unterstützung? Vielleicht kann ich es gar nicht erkennen, dass ich gerade verkleidet bin. Es sieht nur ein Außenstehender. Der von außen sieht mehr als ich selber. Wie bei des Kaisers neuen Kleidern. Ich bin manchmal blind für meine Möglichkeiten.
Es könnte doch hilfreich sein für mein nächstes Problem, dass ich mir einfach vorstelle, dass ich gerade verkleidet bin. Benebelt! Kurzsichtig! Ich könnte einen Schritt zurücktreten und mich von außen wahrnehmen. Ich könnte mein eigener Coach sein und mich von außen mal ganz neutral betrachten. Auch wenn ich von dort mein Problem nicht lösen kann könnte ich mich dennoch von meinem Problem lösen. Ich könnte zu meinem Problem sagen: "Du bist jetzt da. Aber ich entscheide mich dafür, dich nicht zu lösen. Kann ja jemand anders machen. Kannst mich ja einfach mal in Ruhe lassen. Mir die Ruhe geben, damit da ein Impuls kommt. Nicht aus dem Kopf, vielleicht aus dem Bauch oder aus dem Herzen."
Wenn Probleme verkleidete Möglichkeiten sind, lässt sich dann vom Kleid auf die Möglichkeiten schließen. Könnte ich mir das "Kleid" anschauen und eine Idee bekommen, welche Möglichkeit sich dahinter versteckt? Ich glaube, ja! Nicht jede Möglichkeit trägt das gleiche Kleid. Bevor ich da aber weiter spekuliere müsste ich das mal ausprobieren. Bei meinem nächsten Problem achte ich auf mögliche Verkleidungen. Eine Verkleidung kann ich vielleicht schneller entdecken als die dahinter liegende Möglichkeit. Die Möglichkeit sehe ich also nicht, aber immerhin schon das Kleid. Im Wort Kleid höre ich das Wort „Leid“. Vielleicht ist mein Leid ein Hinweis auf diese Möglichkeit. Ich leide wenn ich ein Problem habe. Dann schaue ich mir doch mal mein Leid an. Was lässt mich genau leiden? Welches Bedürfnis kann ich im Moment nicht erfüllen? Kann ich mein Problem besser lösen, wenn ich das verk-leid-ete Bedürfnis kenne?
Und jetzt meine Gedanken in einem konkreten Beispiel: Ich sollte einmal einen Vortrag halten und bekam das Thema einfach vorgegeben. Mir gefiel die Überschrift nicht und auch den vorgesetzten Inhalten konnte ich nicht zustimmen. Ich fühlte mich wie in einer Sackgasse. Da gab es meine Verpflichtung im Rahmen meiner Aufgaben und zugleich diesen starken Widerwillen. Das hat mich so blockiert, dass ich Tage darüber nachdenken musste, nicht schlafen konnte, mein Magen sich verkrampfte und ich eine starke Wut im Bauch spürte. Du erinnerst dich: „Probleme sind verkleidete Möglichkeiten.“ Wie finde ich hier einen Weg? Worin bestand bei mir die „verkleidete Möglichkeit“?
Mir wurde klar, dass ich ein starkes Grundbedürfnis nach Freiheit und Autonomie habe. Wenn mir das jemand wegnehmen möchte, dann gehe ich in den Widerstand. Freiwillig, also mit der Freiheit, nein sagen zu können, lasse ich mich gerne ein. Aber bei autoritärem Druck versagt mein System. Die verkleidete Möglichkeit bestand also darin, diese Wirklichkeit zu entdecken. Wie konnte ich meine Autonomie zurückgewinnen? Ich nahm die Überschrift und wählte eine eigene „Unterüberschrift“. Den vorgegebenen Inhalt ignorierte ich völlig, weil es eh nicht überprüft wurde, was ich im Vortrag sagte. Damit ging es mir dann gleich viel besser.  
Welche deiner Bedürfnisse werden manchmal auf die Probe gestellt? Du wirst herausfinden, dass es oft nur um drei Bereiche geht: Deine Bedürfnisse nach Sicherheit, Autonomie oder Verbundenheit. Finde dein Bedürfnis heraus und finde heraus, wie du es anders, aber auch wirksam erfüllen kannst. Ich wünsche dir viele Möglichkeiten beim entk-leid-en deiner Probleme!