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Samstag, 24. März 2018

Bei allem, was du sagst, achte auf den rechten Augenblick. Reden zur unpassenden Zeit sind nicht beliebt. (Ägypten)



Dein Sohn hat den Tisch nicht abgeräumt und als Vater oder Mutter ärgerst du dich darüber. In deinem spontanen Ärger weist du deinen Sohn zurecht, er möge doch Absprachen und Familienregeln einhalten. Der Ärger in deiner Stimme ist deutlich spürbar. Und wie reagiert dein Sohn?
Er wird bockig, er widerspricht, er legt sich mit dir an. Er spiegelt deinen Ärger zurück und dicke Luft ist im Raum.
Immer wieder erlebe ich Paare, die mit "aller Gewalt" versuchen, ihre Konflikt zu klären, wenn sie im Gefühl des Ärgers und der Wut sind. "Ich muss jetzt mit dir reden!" "Das müssen wir hier und jetzt klären!" "So geht das nicht weiter!" "Immer machst du das, nur um mich zu ärgern!" Kennst du diese oder ähnliche Sätze? In der Regel steht am Ende kein Ergebnis wo alle zufrieden sind. Am Ende resigniert einer oder beide sind erschöpft.
Der ägyptische Spruch erinnert dich an den "rechten Augenblick". Auch bei Konflikten gibt es einen rechten Augenblick. Wenn du dich mitten im Gefühl des Ärgers und der Kränkung befindest, ist es sehr schwer, mit deinem Konfliktgegner in einer guten Verbindung zu sein. Er ist eben dein Gegner und nicht mehr dein Partner. Du hast den Eindruck, du musst kämpfen. Du willst dein Recht, du willst gesehen werden, du vermisst das Verständnis und dein Gegenüber empfindet genauso wie du.
Beruhige erst einmal deinen Geist, geh auf Abstand, schlaf eine Nacht drüber, atme ein paar tiefe Atemzüger und triff eine Vereinbarung, wann du reden möchtest, eben... Suche mit deinem "Konfliktgegner" den rechten Augenblick, damit er/sie zu einem Konfliktpartner wird.
Stell dir dabei vor, dass ihr euch nicht gegenübersteht wie Kontrahenten, sondern ihr setzt euch nebeneinander auf eine Bank und schaut in die gleiche Richtung. Ihr schaut gemeinsam auf einen Baum oder eine Blume. Dieser Baum oder diese Blume steht als Symbol da für eure Partnerschaft oder eure Freundschaft. Gemeinsam schaut ihr den Baum an und fragt: "Wie geht es gerade der Ehe, der Freundschaft, der Partnerschaft? Was braucht sie von dir und dem anderen? Was hat gefehlt und wer kann was dafür tun, dass das Fehlende ergänzt wird."
Der richtige Augenblick ist dann, wenn in deinem Herzen wieder mehr Weite als Enge zu spüren ist.

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Mittwoch, 21. März 2018

Die Frau mit dem Schirm!


Kennst du die Frau mit dem Schirm? Ihr Hauptberuf heißt Fremdenführerin. Als Jugendlicher war ich in Berlin und sah das erste Mal eine solche Frau mit einem Schirm. Sie hielt ihn hoch und somit war sie für die ganze Gruppe erkennbar. Es gab auch andere Gruppen mit anderen Männern oder Frauen, jeweils mit Schirm. Die "Fremdenführer" können durch das Hochhalten des Schirmes sich kenntlich machen. Niemand geht so verloren. Alle Schäflein folgen dem Schirm!
Die Frau mit dem Schirm zeigt dir wo du hingehörst. Sie gibt dir Orientierung und erleichtert dein Gruppendasein. Am Flugafen hält dir der Reiseleiter ein Pappschild entgegen und auf deiner Kinokarte findest du deine Platznummer. Das gibt ein gutes Gefühl. Für mich ist gesorgt. Ich muss nicht kämpfen. Ich muss mich nicht anstrengen. Hier ein Schirm, da ein Pappschild und hier wieder eine Nummer.
Dabei beschleicht mich so ein Gefühl, das ich nicht so gerne habe. Ich könnte verloren gehen. Ich verliere schon nicht gerne meine Schlüssel oder mein Geld. Ich achte darauf und halte meine Sachen gut zusammen. Ich fühle nach und zähle durch. Hier mein Geld, da mein Schlüssel und hier meine Papiere. Alles da! Ich bin sicher!
Aber was ist, wenn ich etwas verliere? Was ist, wenn ich mich verliere? Dann kommen die Träume ohne Ausweg! Du möchtest anhalten und kannst nicht aussteigen. Du gehörst hier nicht hin. Aber wie findest du deinen Platz wieder?
Da ist doch die Fremdenführerin mit ihrem Schirm. Sie führt Fremde! Das ist ihre Aufgabe. Sie begleitet Menschen, die fremd sind. Die sich nicht auskennen. Manchmal, wenn wir uns verlieren geschieht es, weil wir uns nicht auskennen. Weil wir fremd sind. Die Entfremdung ist jedoch Teil eines Erweiterungsprogrammes. Zunächst bist du fremd und verloren und so nach und nach wird dir etwas vertraut. Mach dir bewusst, dass das Gefühl von Verlorenheit dazu gehört in einem Prozess, wo du etwas Neues lernst. Du verlässt deinen sicheren Raum und gehst durch die Verlorenheit in das Neue. Und für einen kurzen Moment darfst du dich am Schirm festhalten.
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Samstag, 17. März 2018

Steuer dein Leben und überprüfe es!

Im Einkaufszentrum bewundere ich einen kleinen Jungen, der mit einem Elektroauto durch die Gänge fährt. Voller Stolz und Selbstbewusstsein dreht er das Steuerrad und wirkt darin sehr erwachsen. Beim näheren Hinschauen entdecke ich das andere Ende des Bildes. 


Im Hintergrund bewegt der Vater mit einem Joystick das Fahrzeug. Der Junge lebt in einer fröhlichen Illusion. Er fühlt sich als "Autoselbstfahrer" und merkt nicht, wie jemand von außen sein Fahrzeug steuert.

Dann stelle ich mir vor, dass ich der Junge in dem Fahrzeug bin. Ich denke, dass ich mein Leben fest im Griff habe. Ich entscheide über Weg und Ziel. Autonomie ist für mich ein sehr hoher Wert.
Dann stelle ich mir vor, dass im Hintergrund auch jemand mein Leben steuert mit einem Stick. Er lässt mich in dem Glauben, dass ich autonom bin, damit ich nicht protestiere und damit er ein leichtes Spiel mit mir hat. Aber ein Beobachter von außen sieht es deutlich: Dieser Mensch entscheidet nicht selbst, er wird gesteuert.

Das wiederum führt mich hin zu einer tiefen philosophischen Frage. Manche Menschen glauben ja, dass im Hintergrund Gott wie mit einem Joystick sitzt und seine menschlichen Autos durch die Gegend schaukelt. Das glaube ich nicht. Ich vermute, dass Gott daran nicht das geringste Interesse haben dürfte.
Ich glaube allerdings dennoch, dass es Menschen, Gruppen oder Konzerne mit einem Joystick gibt, die versuchen, die Menschen in bestimmte Richtungen zu lenken. Bist du dir sicher, dass du dein Lebensfahrzeug völlig autonom steuerst? Oder wie oft erliegst du den Impulsen, die von außen kommen. Werbung, Nachrichten in den Medien, scheinbar politische Notwendigkeiten. Beispiel gefällig? Da gibt es einen terroristischen Anschlag. Der wird in den Medien hochgepuscht über Tage und über Wochen. In dir steigt die Angst, dass dein Leben ebenfalls mächtig bedroht wird. Du fühlst dich unsicher und möchtest strengere Gesetze, die dich beschützen. Du bist einverstanden mit Video- und Telefonüberwachung. Und schon bist du mitten in einem System, das dich steuert. Da greift ein Zahnrad in das andere. Verschwörungstheoretiker vermuten dann gleich jemanden, der am anderen Ende der Leitung sitzt mit einem riesigen Weltenlenkungsplan.
Hypothese: So, wie der Vater auf dem Foto seinen Jungen steuert, macht die Wirtschaft das mit uns. Stimmt? Stimmt nicht! Du kannst es durchschauen und aufwachen. Du kannst das Steuer des Lebens in deine eigene Hände nehmen, weil du kein Kind mehr bist. Du bist ein erwachsener Mensch und hast die Freiheit, ja oder nein zu sagen. Ob ein Joystick am anderen Ende etwas macht oder nicht. Es funktioniert nicht automatisch. Du kannst dich dazu verhalten. Du kannst sagen: "Gerne!" oder "Mit mir nicht!"
Aus welchem Material besteht wohl so ein Joystick, mit dem "Die Anderen" arbeiten? Nach meiner Einschätzung ist es die Angst im Negativen oder die Verlockung im Positiven! Wenn du dich vertraut machst mit deiner Angst und sie annimmst, wirst du immun. Kein Joystick der Welt kann dich noch beeinflussen. Die Freiheit erwartet dich jenseits der Angst. Und der Weg dahin führt mitten hindurch! Bist du verführbar durch positive Verlockungen, dann erschaffe dir deine eigenen oder finde den Knopf auf dem steht: "Stopp! Jetzt ist es geunug!"
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Mittwoch, 14. März 2018

Wir müssen reden...

Dicke Luft in der Beziehung oder am Arbeitsplatz. Da hat sich was angestaut an Emotionen. Der Ärger wächst. Frust, Wut, Enttäuschung. Jeder zieht den Kopf ein. Schnell verstecken!
Bis die Person sich meldet, die es nicht mehr aushält. Die größte Einsicht hat. An das Gute glaubt. In den sauren Apfel beißt. Sich als Opfer fühlt. Oder auch als Retter. Irgendjemand sagt dann das gefürchtete und erlösende Wort: "Wir müssen reden..."
Dieser Satz bewirkt oft immerhin, dass der Vulkan zum Ausbruch kommen kann. Es brodelt ja sowieso. Nur zu glauben, dass das "Reden" wieder Frieden bringt ist eine Illusion. Wer reden "muss" und es nicht freiwillig macht, wird sich auch nicht öffnen. Wer reden "muss" weiß ja schon, dass er jetzt ein Gewitter aushalten muss. Es geht nicht um das Reden an sich sondern darum, dass der andere sein emotionales Chaos nicht mehr aushält und einen Schuldigen braucht. Wer ist schon gerne freiwillig ein Mülleimer oder ein Abladeplatz für Frust.
Wenn dein Reden mehr Frieden in eine Situation hineinbringen soll wäre es hilfreich, dein Anliegen als Bedürfnis und Wunsch zu äußern. Als eine Einladung mit der Möglichkeit zum Nein. "Ich fühle mich gerade mit dir in einer emotionalen Schieflage und würde das gerne mit dir anschauen und besprechen. Wärest du dazu bereit? Und wann könnten wir das machen?"
Wenn in Paarkonflikten die Situation gerade vergiftet ist kann auch das Reden mal nicht sehr hilfreich sein. Mehr Worte führen nicht zu mehr gegenseitigem Verständnis. "Du hast mich immer noch nicht verstanden. Wie soll ich dir das denn noch besser erklären." Dann folgt die vermeintlich bessere Erklärung, die emotional jedoch den Abstand vergrößert. Alternative? Eine Schweigephase. Ein sich Erinnern, dass ich mein Gegenüber ja eigentlich ganz gerne habe. Sich auf einer tieferen Ebene verbinden nach dem Motto: "Auch wenn wir uns nicht verstehen fühlen wir uns miteinander verbunden." Man kann auch darauf verzichten, sich gegenseitig verstehen zu wollen. "Ich verstehe dich nicht! Aber das ist völlig in Ordnung! Ich mag dich jenseits davon."
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Freitag, 9. März 2018

Liest du noch die Speisekarte oder isst du schon!


Auf den ersten Blick klingt dieser Satz vielleicht eigenartig. Darum will ich ein paar Sätze dazu schreiben.
Stell dir vor, du gehst mit Freunden in ein Restaurant. Der Kellner heißt euch willkommen und zeigt euch einen Platz, wo ihr sitzen könnt. Ihr setzt euch und der Kellner bringt die Speisekarte. Er überreicht dir sehr freundlich diese Karte und empfiehlt dir auch eine von den Speisen. "Suchen sie vegetarisch? Das finden Sie hier! Und auf dieser Seite stehen die Tagesgerichte! Der Fisch ist heute besonders zu empfehlen!"
Du bedankst dich beim Kellner und dann lest ihr alle die Speisekarte rauf und runter. Ihr tauscht euch aus. "Was nimmst du?" "Ja wie toll, das klingt auch ganz lecker!" Vor deinem geistigen Auge siehst du die toll angerichteten Speisen. Dein Magen ruft: "Hurra!" in seiner unnachahmlichen Art. Dann kommt der Kellner wieder und es geschieht etwas merkwürdiges. Du gibst dem Kellner die Speisekarte zurück und deine Freunde machen es ebenso. Ihr bedankt euch bei dem freundlichen Mann für das Austeilen der Karten, entrichtet eine kleine Leihgebühr und verlasst das Lokal.
"Hä!" wirst du jetzt denken, oder? Das ist doch völlig schräg! Man geht doch in ein Lokal um zu essen. Du liest zwar die Speisekarte, aber das Ziel ist doch das Essen. In meiner Geschichte gibt es aber keine Bewusstheit vom Essen, sondern nur die Bewusstheit einer Speisekarte. Dort werden die Speisen gelesen, aber nicht konsumiert. In meiner Geschichte ist das völlig in Ordnung so. Meine Besucher kennen es nicht anders. Sie gehen in eine Lokal um Speisekarten zu lesen.
Du würdest jetzt vielleicht mit deinem erweiterten Bewusstsein sagen: "Wie schräg ist denn das! Das Eigentliche haben die Gäste doch verpasst. Das Wesentliche kommt erst nach der Bestellung. Es geht um das Essen, das Genießen und das Sattwerden. Vom Lesen wirst du nicht satt!"
Jetzt wirst du vielleicht fragen warum ich diesen Gedanken mit dir teile. Ich möchte dich einladen, diese Geschichte auf dein Leben zu übertragen. Wo liest du noch die Speisekarte und merkst nicht, dass du eigentlich essen dürftest?
Ich wage einmal eine Übertragung. In der Kirche erzählt dir der Pfarrer im Rahmen seiner Predigt etwas über Gott. Er erzählt, dass er gütig ist und dass man ihm vertrauen kann. Er liest dir vor, was in der Bibel steht und erklärt dir, wie du das verstehen kannst. Mit meinen Worten. Er liest eine Speisekarte vor. Aber isst du auch? Du hörst vielleicht etwas über Gott, aber du isst ihn nicht. Du spürst ihn nicht in dir und hast keine Gespür dafür in ihm zu leben. Du bekommst selten eine Anleitung zum "Gott spüren". Gerade in spirituellen Fragen habe ich oft den Eindruck, dass wir alle Speisekarten lesen und gar nicht wissen, dass es ums Essen geht.
Stell dir doch einmal vor, dass die Predigt ausfällt. Der Pfarrer würde sagen: "Herzlich willkommen! Schließe deine Augen und achte auf deinen Atem wie er kommt und geht. Nimm wahr, welche Bilder in dir auftauchen und welche Gedanken entstehen. Hörst du die Stimme Gottes? Was sagt er gerade. Was nimmst du wahr?" Dann - Stille. Zeit zum Wirken! Nach einer Weile lädt der Pfarrer ein zum Teilen: "Wer möchte erzählen, was geschehen ist?"
Auf einmal gäbe es eine Demokratisierung von Religion. Alle würden von den kostbaren Speisen erzählen, die sie gerade gegessen haben. Alle würden merken, dass sie den Sprung geschafft haben vom Lesen der Speisekarte hin zum Genießen der Speisen.
Die Gotteserfahrung ist meine Herzensangelegenheit. Ich weiß nicht, ob dir mein Bild etwas sagt. Vielleicht lässt es sich auch auf andere Situationen übertragen. Du hörst von Musik aber in dir gibt es keine Melodie. Dir erzählt jemand von Farben aber deine Welt ist schwarz und weiß. Du hörst, dass es die Liebe gibt, aber dein Herz bleibt bei der Sehnsucht stehen. Darum noch einmal meine Frage: Liest du noch die Speisekarte oder isst du schon?
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Donnerstag, 8. März 2018

Ganz schön übertrieben!


Übertreibungen von etwas Gutem verdrehen sich schnell ins Gegenteil.

Übertriebenes Wissen führt schnell zur Überheblichkeit.
Übermäßige Pünktlichkeit führt zu Unfreiheit.
Zu viel Sparsamkeit führt zu Geiz.
Zu viel Ordnung führt zur Erstarrung.

Zu viel Sauberkeit führt zu Sterilität.
Zu viel Bewegung führt zur Rastlosigkeit.
Zu viel Ruhe führt zum Tod.
Zu viel Sicherheit führt zur Abgrenzung.

Zu viel Sorglosigkeit führt zu Verlusten.
Zu viel Aufmerksamkeit führt zur Kontrolle.
Zu viel Warten führt zu Passivität.
Zu viele Erwartungen führen zu Enttäuschungen.

Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Die Dinge sind nicht an sich gut! Sie stehen immer in einem Kontext. In der Familie bin ich vielleicht der Rastlose und in der Firma die Ruhe selbst. Und das Verhalten wird von uns bewertet. Ein ruhiger Mensch bekommt vielleicht unsere Achtung, einen phlegmatischen Menschen lehnen wir eher ab.
Schreib doch mal eine Liste deiner "guten" Eigenschaften. Da gibt es ganz viele! Dann beobachte mal, in welchen Situationen du übertreibst. Dann frage dich, wie man eine solche Eigenschaft nennt und ob du die auch kennst. Du beobachtest, dass du vielleicht gerne mit Menschen redest und sie unterhalten kannst. Und wenn du übertreibst, dann könnten dich deine Freunde schnell für einen "Schwätzer" halten. Vielleicht möchtest du ja hier und da ein neues Maß finden?!
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Dienstag, 6. März 2018

Rede wie Silber und schweige wie Gold!


So geht ja das Sprichwort eigentlich: "Reden ist Silber. Schweigen ist Gold!" Ein feierliches Abschlusswort eines Menschen, der nicht zum Kreis der Schwätzer, Denunzianten und Intriganten gehört. Ein Mensch, der auf die Kraft des Schweigens vertraut! Reden ist ganz in Ordnung, aber Schweigen ist auf jeden Fall besser. Silber ist wertvoll, aber Gold ist noch wertvoller.
Dadurch, dass "reden" und "schweigen" in einem Zusammenhang gesetzt werden geschieht zugleich eine Wertung.
Silber hat doch eine ganz eigene und besondere Qualität. Silber ist sehr kostbar. Manche Menschen können sehr gut Silberschmuck tragen. Sie sehen damit wunderbar und würdig aus! Eine Augenweide! Alte Menschen mit "silbernem" Haar wirken erfahren und weise!
Gold hat auch eine ganz eigene und besondere Qualität. Gold ist sehr kostbar. Manche Menschen können sehr gut Goldschmuck tragen. Sie sehen damit wunderbar und außergewöhnlich aus! Eine Augenweide! Menschen mit Gold in der Stimme erfreuen das Herz der Zuhörer!
Reden hat eine wunderbare Qualität! Darin besteht die Hälfte der Kommunikation! Reden auf der einen Seite und zuhören auf der anderen Seite. Toll, wenn jemand über seine Gefühle sprechen kann! Einladend, wenn jemand wohltuende Worte findet! Was täten wir ohne die Geschichtenfinder- und erzählerInnen! Durch das Reden werden ganze Welten erfunden. "Am Anfang war das Wort!" steht schon in der Bibel. Du kannst natürlich auch einfach drauflos quatschen! Darum wäre das schon wichtig, "Reden" mit "Silber" in einen Zusammenhang zu bringen. Etwa so: "Rede wie Silber!" Geh sorgfältig mit deinen Worten um! Achte darauf, was dein Reden beim Zuhörer auslösen kann! Finde ein gutes Maß! Zu wenig ist manchmal eben zu wenig. Und zu viel ist zu viel!
Schweigen hat eine wunderbare Qualität! Verteilt auf die vielen Stunden des Tages schweigst du lange Zeiten. Wenn du nachts im Bett deine Augen schließt trittst du ein in das große Schweigen! Im Schweigen kommt eine ganz neue Welt zu dir! Im Schweigen findest du Ruhe und Kraft! Es ist möglich, im Schweigen sich jenseits aller Worte zu verstehen. Du kannst aber auch schweigen, weil du gekränkt bist. Du verweigerst dich der Kommunikation bzw. des Redens. Du hältst den Mund, damit du nichts falsches sagen willst! Du schweigst halt lieber in Streitsituationen. Darum macht es Sinn, auf die Qualität des Schweigens zu achten! "Schweige wie Gold!" Werde dir dessen bewusst, dass es Art des Schweigens gibt, die wir Meditation oder Kontemplation nennen. Im Schweigen nimmst du das "Ganze" wahr. In der Bibel wird erzählt wie Gott am siebten Tag der Schöpfung ins Schweigen ging. Er ruhte aus! Auch Jesus ging für 40 Tage in die Wüste um eine "goldene" Schweigezeit mit Gott zu erleben.
Doch in der Kombination von "Reden wie Silber" und "Schweigen wie Gold" wird der Wert der einzelnen Qualitäten zerstört. Hilfreicher wäre es, ein Gespür dafür zu entwickeln, was zu welcher Zeit dran ist. Und dass du zugleich darauf achtest, dass deine Art zu reden und zu schweigen sich gut weiterentwickelt zu einer silbernen und goldenen Qualität.
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Samstag, 3. März 2018

Fantasie, komme zurück - die Realität war gemein zu mir...

Ich stehe zu spät auf und verpasse den Zug. Außerdem regnet es und ich verschlafe den ersten Termin. Ausgerechnet heute!
Der Salat im Supermarkt sah so gut aus. Ich öffne zu hause die Schale mit dem Feldsalat und entdecke, dass er kurz vor dem Ende ist. Ich hatte mich so darauf gefreut und keine echte Alternative.
Ich habe die Ankündigung eines tollen Kinofilmes gelesen. Nur gute Kritiken! Ich gehe hin - und der Film gefällt mir nicht. Ich bin enttäuscht.

Wie oft kommt es vor, dass die Realität uns nicht gefällt. Sie macht nicht das, was wir wollen. Wir haben den Eindruck, dass sie macht was sie selbst will. Und vor allem haben wir manchmal den Eindruck, dass sie sich gegen uns verschworen hat. Da kommen die schwarzen Freitage, die Verkettung von unglücklichen Umständen, die Tage, die du vergessen möchtest...
Der Realität scheint es egal zu sein, wie es mir geht. Das sollte es ihr aber nicht! Ich möchte mich ja schließlich wohl fühlen. Kennst du auch diesen Zustand der Enttäuschung, der Lähmung und der Resignation. Wenn ich das Gefühl vermeiden kann, dann mach ich das. Und wie?
Ich gehe in die Fantasie! Ich male mir meine graue Enttäuschungswelt farbenfroh und bunt.  Manchmal funktioniert es. Aber, wenn der Frust tief sitzt, dann kann ich nur die Fantasie herbeibitten und hoffen, dass sie kommt.
Hin und wieder gelingt mir aber eine andere Einstellung. Ich nehme die Realität wie sie kommt. Ich lehne sie nicht ab. Ich bejuble sie auch nicht. In mir macht sich eine Empfindung von Gleichmut breit. Ich schwimme mit der Welle, mit dem Sturm und mit dem regungslosen Wasser. Die Realität haut mich nicht um und ich gebe ihr keine Macht. Ich bleibe in meiner eigenen! Wenn es mir gelingt, fühlt es sich gut an.
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