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Montag, 30. November 2020

2. Impuls im Advent: Kinder wollen nicht belehrt, Kinder wollen bestätigt sein. (Werner Bergengruen)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethlehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Ich kenne viele Erwachsene, die ein Kind belehren, sobald sie anfangen damit zu sprechen. Erwachsene erklären manchmal so gerne und geben ihr Wissen an die Kinder weiter. Wenn Kinder neugierig sind und etwas fragen, finde ich das auch ganz in Ordnung. Manche Kinder können wirklich Löcher in den Bauch fragen und zu einer großen Herausforderung an dein Wissen werden. Ich meine eher die Erwachsenen, die das ständig und ungefragt tun. "Soll ich dir mal erklären?" "Hast du das gesehen? Ich sage dir jetzt mal wie das geht!" Sie erklären nicht, weil das Kind etwas wissen will, sondern sie erklären, weil sie mit ihrem Wissen sich darstellen möchten oder vielleicht auch ungeschickt versuchen, mit einem Kind auf diese Weise in Kontakt zu treten.
Kinder wollen einfach nur bestätigt sein. Sie möchten gesehen werden mit ihrer Persönlichkeit, mit ihrem Ausdruck und mit ihrer Lebensfreude und ihrer Traurigkeit. Sie zeigen uns, dass das Leben ganz einfach ist. Ich sehe dich und du siehst mich! Wir sind beide da! Und das ist gut so! Mehr gibt es nicht zu sagen!
Meine Anregung für den Tag: Auch wir als Erwachsene belehren uns gegenseitig und wollen eigentlich nur einen guten Kontakt und eine wohltuende Verbindung. Wie machst du das, wenn du anderen Menschen Bestätigung gibst? Was sagst du, und wie zeigst du es?
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Sonntag, 29. November 2020

1. Impuls im Advent: Sind die Kinder klein, müssen wir ihnen helfen, Wurzeln zu fassen. Sind sie aber groß geworden, müssen wir ihnen Flügel schenken. (indisches Sprichwort)

Im Advent möchte ich mit dir meine Aufmerksamkeit richten auf das Ziel in Bethlehem. Ich möchte dem Kind begegnen und wahrnehmen, was dann geschieht. Die Hinweise dafür geben die "Kinder" auf der Straße, das "Kind" in dir, das "Kind" in mir und  "Kinderweisheiten" von Menschen in der ganzen Welt.

Das heutige Wort aus Indien nimmt zwei Aspekte in den Blick. Das Kind braucht auf der einen Seite Wurzeln um zu wachsen und auf der anderen Seite Flügel zum fortfliegen, wenn es erwachsen geworden ist. Wir haben Wurzeln. Wir sind geboren in einer menschlichen Familie, haben Vater und Mutter. Wir haben genug "Erdreich" bekommen um erwachsen zu werden. Wenn wir als Kinder nicht verwurzelt sind, haben wir keinen Stand im Leben. Solche Wurzeln heißen für mich: zuverlässige Bindungen, Liebe und Fürsorge, Freiräume zum Ausprobieren, austesten von Grenzen und vieles mehr.
Wenn wir erwachsen geworden sind müssen wir uns lösen vom Erdreich unserer Eltern. Das ist nicht unbedingt leicht und erfordert ein verändertes und erweitertes Bewusstsein. Du bist nicht mehr Kind, du bist Erwachsen. Wer starke Wurzeln hat tut sich damit manchmal sehr schwer, auf eigenen Füßen zu stehen und ein eigenes vom Elternhaus unabhängiges Leben zu führen. "Leichter" haben es manchmal die Jugendlichen, die kein nährendes Zuhause hatten. Die müssen ausziehen, wenn sie überleben wollen. Egal, wie dein Erdreich in der Kindheit war: Du musst lernen, damit als Erwachsener klar zu kommen.
Kinder, die erwachsen geworden sind haben gelernt, aus den Wurzeln Nahrung zu saugen. Aber sie haben nicht gelernt zu fliegen. Dafür braucht es einen Schalter im Kopf. Die Eltern entlassen ihre Kinder in die Freiheit. Damit schenken sie ihren Kindern Flügeln.

Welcher Impuls ergibt sich aus diesem Spruch für den heutigen Tag? Überlege einmal: Wie waren deine eigenen Wurzeln? Bist du genug genährt worden? Was hat dir gefehlt? Und hast du Kontakt zu deinen Flügeln? Spürst du sie? Bist du wirklich erwachsen geworden und hast dich gelöst von deinen Eltern? Oder gibt es immer noch heimliche und verborgene Vorwürfe gegen sie? Welche Bedürfnisse wurden nicht gestillt und sind dennoch bis heute wirksam?
Verbinde dich heute mit deinen Wurzeln und deinen Flügeln.
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Samstag, 28. November 2020

Der Weg durch den Advent: Begegnung mit dem Kind

Morgen öffnen wir die erste Tür im Adventskalender. Im Advent pflegen viele Menschen wieder die traditionellen Bräuche mit Kerzen, Weihnachtsmarkt, Kirchenbesuch und stimmungsvollen Kaminabenden. Da gibt es aber auch noch die Krippe, die am Ende aufgestellt wird verbunden mit der Erinnerung an die Geburt von Jesus. Wie jeder Mensch fing auch Jesus an als Säugling, als Baby, als Kind.
Der Advent dient der Vorbereitung auf Weihnachten. Wir machen uns auf den Weg und möchten in Bethlehem ankommen. Was werden wir dort finden und erleben? Die Geschichte in der Bibel erzählt uns etwas von einem besonderen Kind, einem göttlichen Kind. Es geht also um ein Kind. Dabei ist das Kind in der Krippe von Bethlehem ja längst erwachsen geworden und vor fast 2000 Jahren gestorben.
Dennoch "kleben" wir am Kind und wiederholen diese Rituale jedes Jahr neu. Ich möchte dich einladen zu einer Begegnung, einer Begegnung mit dem dem Kind. Das mag das Kind im Stall von Bethlehem sein, ein Kind in deiner Familie oder auch das "eigene innere Kind". Das letztere Kind interessiert mich besonders.
Wir haben in unserer Kindheit heilsame und nährende Erfahrungen gemacht und auch Erlebnisse, die sich bis heute negativ auswirken. Wir laufen vielleicht bis heute herum mit unseren Kränkungen, Einschränkungen, Wunden und Narben. Da gibt es vielleicht manches, was geheilt werden möchte.
Wenn wir im Advent diesen "gekränkten" und auch den "heilen" Seiten in uns begegnen dann wünsche ich mir, dass das für uns heilsam und wohltuend sein möge.
So manche "weise Menschen" aus früheren und heutigen Tagen haben diesen Zugang zur "Weisheit" der Kinder aufgezeigt und ich möchte meine und deine Aufmerksamkeit lenken auf diese wertvollen Einsichten. So kommen wir morgen am 1. Tag des Adventskalenders zur ersten "Begegnung mit dem Kind".
Wenn du diese Zeilen liest, welche ersten Bilder und Gedanken steigen da in dir auf? Erste Erinnerungen an deine Kindheit? Deine eigenen Kinder? Vielleicht schreibst du sie auf und beobachtest, was sich daraus in den kommenden Wochen entwickelt.

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Freitag, 27. November 2020

Wo immer die Tanzende mit dem Fuß auftritt, da entspringt dem Staub ein Quell des Lebens. (Rumi)

Wo immer du dein Herz öffnest vermehrst du die Liebe in der Welt.
Wo immer du einen Menschen anlächelst stärkst du Beziehungen.
Wo immer du in einem Menschen eine Königin oder einen König siehst setzt du einen Impuls zum Heilen.

Wo immer du einen ersten Schritt machst in der Krise investierst du in die Zukunft.
Wo immer du noch eine Chance eröffnest schreibst du den Anfang eines neuen Kapitel.
Wo immer du hinter der rauen Schale einen weichen Kern siehst kann Zärtlichkeit entstehen.

So schön wie Rumi kann ich es gar nicht sagen. Stell dir vor, dass du mit den Füßen in den Staub trittst und dann entspringt ein Quell. Wasser aus der Wüste! Wie kraftvoll und selbstbewusst! Nicht nur Wasser, sondern das Leben selbst. Du tanzt und Leben entsteht. Die Wüste kann dich nicht daran hindern. Wie ein Medikament zur Vorbeugung oder gegen Resignation. Tanze und dem Staub entspringt ein Quell!
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Donnerstag, 26. November 2020

Lass den Himmel sich auf der Erde widerspiegeln, auf dass die Erde zum Himmel werden möge. (Rumi)


Bist du mehr ein Engelwesen oder eher ein Erdling? Ich kenne Menschen, die sind so zart und zerbrechlich, dass ich die Fantasie habe, dass sie viel zu gut für die Welt sind. Sie wecken in mir so etwas wie einen Beschützerinstinkt. Menschen, die mit den "harten" Gesetzen der Welt nicht gut klar kommen. Menschen, die irgendwie zu lieb sind. Nicht mit den Abgründen rechnen.
Und dann kenne ich Menschen, die sehr robust sind. Sehr kernig und mit der Erde verbunden. Die so gestrickt sind, dass sie allem gleichen, aber keinem Engel. Menschen, die sich total auskennen mit den Gesetzen der Welt. Die einfach kämpfen können. Die den Dreck nicht scheuen. Die rödeln und anpacken. Die unempfänglich sind für Fragen jenseits dieser Welt. Feinstofflichkeit, was ist das?

Rumi scheint die Verbindung der Gegensätze zu lieben. Eines lebt vom anderen. Die Erde ist erfüllt von Göttlichkeit. Sie ist gesegnet in und mit allem, was mir begegnet. Die Erde ist nicht die Hölle, kann aber zu einer werden, wenn ich keinen Himmel als Spiegelfläche habe. Sobald der Himmel die Chance hat, die Erde zu berühren, verwandelt sich sich. Die Erde wird himmlisch! Das ist doch eine wunderbare Lebensaufgabe. Überall, wo ich mich bewege und wo ich bin, lenke ich meine Aufmerksamkeit auf den himmlischen Spiegel. Ich kann diesen Spiegel drehen und wenden und darf ihn benutzen.
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Mein neues Buch: Zähne putzen für die Seele

https://publish.bookmundo.de/shop/index.php/catalog/product/view/id/494031/s/zahne-putzen-fur-die-seele-uber-die-kunst-liebevoll-mit-sich-selbst-umzugehen-227618-publish-bookmundo-de/

Wir putzen täglich die Zähne und betreiben eine intensive Körperpflege. Wir betreiben Fitness und sorgen uns um unsere Gesundheit. Das ist auch sinnvoll und gut so.
Zugleich könnte die eigen Seele mehr Zuwendung und Pflege erfahren. Wie kann ein Mensch seine Seele pflegen? Welche Gedanken sind hilfreich? Und welche eher hinderlich? Wie kann jemand freundlich mit sich umgehen ohne gleich ein Narzisst zu sein?

Das Buch „Zähen putzen für die Seele“ widmet sich diesen Fragen. Es kommt eher leicht und heiter daher. Es fängt oft an mit einer Beobachtung im Alltag, in der Umwelt oder im eigenen Erleben und Handeln. Dann erfolgt eine Einladung, die Beobachtung zu vertiefen und für sich Rückschlüsse zu ziehen. „Ach, so kann ich das Leben ja auch mal betrachten.“ „Warum mache ich es mir so schwer, wo ich es auch mal leichter haben könnte.“

Die einzelnen Texte und Impulse besitzen eine christlich orientierte, jahreszeitliche Orientierung. Sie sind so geschrieben, dass der Autor in einen  inneren Dialog eintritt mit seinem Leser, seiner Leserin. Das Lesen soll sich anfühlen wie ein Spaziergang, wo es neben der Sonne und der frischen Luft auch den einen oder anderen Gedanken oder eine Erkenntnis gibt. Zugleich lässt der Autor teilhaben an seinen eigenen persönlichen Lebenserfahrungen, die vor allem aus einem seelsorglichen und beratenden Hintergrund kommen.


Und hier der Link zum Buch!  Zähne putzen für die Seele

Mittwoch, 25. November 2020

Ich versuchte, ihn zu finden am Kreuz der Christen, aber er war nicht dort. Ich ging zu den Tempeln der Hindus und zu den alten Pagoden, aber ich konnte nirgendwo eine Spur von ihm finden. Ich suchte ihn in den Bergen und Tälern, aber weder in der Höhe noch in der Tiefe sah ich mich imstande, ihn zu finden. Ich ging zur Kaaba in Mekka, aber dort war er auch nicht. Ich befragte die Gelehrten und Philosophen, aber er war jenseits ihres Verstehens. Ich prüfte mein Herz, und dort verweilte er, als ich ihn sah. Er ist nirgends sonst zu finden. (Rumi)


Wenn ich Gott suche, wo kann ich ihn finden?

Es gibt immer noch Menschen, die Gott suchen. Ganz bewusst oder auch unbewusst. Rumi beschreibt seinen persönlichen Weg, wie er ihn gefunden hat. "Ich prüfte mein Herz, und dort verweilte er, als ich ihn sah. Er ist nirgends sonst zu finden."
Es berührt mich sehr, dass die Lösung heute noch genau so aussieht. Wenn Menschen mich fragen, wie sie Gott finden können, dann lade ich sie ein, den Weg in das eigene Herz zu gehen. Ich muss also diesen inneren Ort aufsuchen. Vielleicht sehe oder spüre ich ihn dort nicht sofort. Aber das ist der Ort, wo ich ihn finden kann.
Wer lehrt uns Menschen, den Weg ins eigene Herz zu gehen. In der Theologie geht es oft um Gott selbst. Was finde ich über ihn in der Bibel und in anderen Schriften. Aber wie stelle ich meine eigene Suche an? Gehe ich in den Kopf? Lese ich in Büchern? Frage ich die Priester? Wer aber lehrt uns, den Weg ins Herz zu gehen. Der erste wichtige Schritt, Gott zu suchen, heißt also nicht, sich zu fragen, wie ich ihn mir vorstellen kann. Welche Eigenschaften er hat oder ähnlich. Der erste Schritt muss sich mit der Frage beschäftigen: "Wie finde ich den Weg nach innen in mein Herz. Mache ich das mit dem Kopf? Fühle ich mich ein? Visualisiere ich? Kann eine bestimmte Art zu atmen helfen?" Für den Weg in meinen eigenen Herzraum bin ich selbst verantwortlich. Und ich glaube, dass jeder Mensch seine eigene Art und Weise entwickeln kann, den Weg ins eigene Herz zu finden.
Stell dir jetzt also vor, dass du dein eigenes Herz besuchen möchtest. Wie wirst du reisen? Wo in deinem Herzen möchtest du hin. Wirst du dort einen stillen Platz suchen oder umhergehen? Wie wirst du wissen, dass das, was du dort wahrnimmst, mit Gott zu tun hat? Ich wünsche dir eine gesegnete Reise!

Dienstag, 24. November 2020

Mögest du bei jedem Erwachen eine Stimme hören, die zu dir spricht: Heute wird dir was gutes widerfahren. (irischer Segen)


Du wachst auf und dir wird bewusst, dass heute dein Geburtstag ist. Du wirst Anrufe bekommen von Menschen, die dir Glück wünschen. Du wirst in der Post schöne Karten und Briefe finden von Menschen, die an dich gedacht haben. Es wird im Laufe des Tages mehrfach an der Tür klingeln und Freunde werden dich besuchen mit einem Geschenk in der Hand und Freude in den Augen. Du wachst also auf in dem klaren Wissen: Irgendjemand denkt heute an dich und schenkt dir seine Aufmerksamkeit und Liebe. Wenn du Geburtstag hast gehst du davon aus, dass das geschehen wird.
Es ist ein ganz normaler Tag. Du hast keinen Geburtstag und nichts Besonderes liegt an. Kein Jubiläum, kein Fest, ganz normaler Alltag. Wie viele dieser Tage gibt es in deinem Leben? Tage, an denen nichts geschieht außer eben Alltag? Du wachst am Morgen auf und gehst einfach hinein in deinen Tag ohne Wünsche oder positive Erwartungen. Du stehst auf weil der Wecker klingelt und deine Arbeit dich ruft. Die Tiere wachen auch auf, wenn der Tag beginnt und gehen schlafen, wenn er endet – je nach tierischer Eigenart.
Jetzt stell dir vor, dass du am Morgen eine Stimme hörst, die zu dir spricht: „Heute wird dir was gutes widerfahren.“  Wie wirst du aufstehen? Wie stehst du auf im Unterschied zu den anderen Morgen? Was wird dieser Satz in dir auslösen? Freudige Erwartung? Ungeahnte Kraft und Energie? Frohe Beschwingtheit? Stell dir also vor, dass du diese Stimme hörst. Du wirst die Augen aufmachen, dein Herz öffnen, hinhören und aufmerksam sein. Während des Tages geht deine Aufmerksamkeit hin zu der Erfüllung dieses Versprechens: „Ah, da widerfährt mir etwas gutes!“ Du weißt ja nicht, was geschehen wird. Alles kann für dich gut sein! Der Bus, der pünktlich kommt und der freie Sitzplatz für dich! Der geschenkte Freiraum bei der Arbeit, weil ein Termin abgesagt wurde! Das Sonderangebot in der Modeboutique oder was auch immer.
Die Stimme spricht nicht von vielleicht oder möglicherweise. Sie ist klar und präzise: „Heute wird...“
Jetzt magst du sagen: „Ich habe leider noch nie eine solche Stimme gehört am frühen Morgen.“ „Woher sollte diese Stimme kommen?“ Ich bin schon froh, wenn ich die Augen öffnen kann und alles so einigermaßen seinen geordneten Weg geht.
Wenn du auf die Stimme von außen wartest wirst du wahrscheinlich lange warten müssen. Was hindert dich daran, selber diese Stimme zu sein? Morgen also wachst du auf und sagst dir: „So schlimm kann gar kein Tag sein, als dass da nicht zwischendurch auch einmal ein kleines Wunder geschieht. Heute entscheide ich mich dafür, alle möglichen schlimmen Ereignisse zu übersehen und mich voll und ganz auf das Wunder zu konzentrieren, das heute auf mich wartet.“

Montag, 23. November 2020

Nahrung für das innere Kind: Spiele, die deine Seele mag!




Wann fühlte sich dein Leben einmal völlig unbeschwert an? Für einen Augenblick abtauchen in dem, was du gerade machst? Als Kinder konnten wir noch spielen. "Warte, bis der Ernst des Lebens beginnt!" warnten uns die Erwachsenen. Dann tauchten wir vielleicht verstört aus unserem Spiel auf und rätselten, was unsere Eltern damit meinten. Dann wurden wir erwachsen und vergaßen die Spiele und das Glück von damals. Es wird Zeit, das Verlorene wieder zu aktivieren! Dein inneres Kind braucht Nahrung! Wie wäre es mit einem kleinen Energieschub?  

Balancieren auf der Bordsteinkante
Erinnerst du dich an das Balancieren auf der Bordsteinkante? Du breitest die Arme aus und setzt einen Fuß vor den anderen. Auf der einen Seite der breite und sichere Weg und auf der anderen Seite der Abgrund. Schaffst du noch den nächsten Schritt? Der Abgrund ist nicht tief. Du kann ein wenig stolpern, aber nicht wirklich fallen. Dieses lustvolle Gefühl, das durch den ganzen Körper geht! Schwanken und sich dennoch halten. Flexibel und beweglich sein! Spaß haben beim Fallen. Sich ein wenig ärgern und wieder auf die Bordsteinkante. Sich lustvoll bewegen. Zu den Eltern schauen. "Schau mal was ich alles kann!" Balancieren als einen Vorgang purer Freude!

Heute erarbeite ich mit Kunden einen mühevollen Weg, wieder in die Balance zu kommen. Zu viel Arbeit und zu wenig Erholung? Wovon mehr und was weniger? Die Balance wiederfinden in einem mühevollen Veränderungsprozess. Darin besteht der erwachsene Alltag. Wie geht denn das noch mal mit dem Balancieren auf leichte Art? Du warst als Kind darin einmal ein Profi. Du hast es einfach gemacht. Hast dich auf die Bordseinkante gestellt und die Arme ausgebreitet. Ein Glucksen im Bauch und einen Freudeflash durch den Körper jagen und dann los! Schritt für Schritt! Vielleicht könntest du in dieses Lebensgefühl zurückfinden wenn du dich einfach mal wieder auf die Bordsteinkante stellst und es machst. Das Gefühl wird schon wiederkommen! Und wenn du es machst und das Gefühl dafür wieder bekommst - was wird sich bei dir dadurch verändern? Wirst du dich selbst anders empfinden? Kannst du das Kind in dir wieder zum Leben erwecken? Und danach? Wie verändert sich dein Alltag dadurch? Möge mehr Freude in deiner Seele einziehen!

"Ich möchte fliegen! Spielst du mit uns Flugzeug?" Mein Vater oder mein Onkel packten mich als kleines Kind dann an Hand und Fuß und schleuderten und drehten uns im Kreis. Die erste Achterbahnfahrt! Welch ein Lebensgefühl und welches Vertrauen hatte ich in diesen Erwachsenen. Der wird mich nicht loslassen. Aber ich lasse los! Ich mache mich ganz locker und breite den freien Arm und das freie Bein aus und lasse mich herumwirbeln. Ich schreie mir die Seele aus dem Leib und fühle mich lebendig wie nie. Noch einmal! Noch eine Runde! Es braucht keine Pause.
Erinnerst du dich an dieses Spiel zwischen Kind und Erwachsenen? Als wir größer und schwerer wurden ging das leider nicht mehr. Wir mussten andere Möglichkeiten suchen, diesen besonderen Kick zu erfahren.

Oder gehörst du zu den Kindern, die sich nie getraut haben. Du warst viel zu vorsichtig, viel zu ängstlich, dich auf solch ein Wagnis einzulassen. Bis heute geht es dir so, dass du dem Leben und den Herausforderungen skeptisch gegenüberstehst. Überall lauert die Gefahr. Der Tod ist allgegenwärtig. Vielleicht nicht in deinen Gedanken, aber im Körpersystem.

Fliegen
Vielleicht gehörst du aber auch wie ich zu den Menschen, die als Kinder gerne geflogen sind. Die es einfach geliebt haben. Aber irgendwann gab es einen Einbruch. Ein erstes Stolpern. Ein Schock, an den du dich nicht einmal erinnern kannst. Irgendetwas ist passiert. Und dann gibt es in dir zwei Bestrebungen. Du möchtest eigentlich das Abenteuer, aber das Trauma hält dich davon ab.
Mir hat mal ein Freund gesagt, dass er nur dieses eine Leben jetzt hat. Und das Leben ist viel zu schade, es in Watte zu verpacken und vor Angst zu vergehen. Jetzt habe ich die Chance. Tot sein werde ich noch früh genug. Ich muss mich nicht so verhalten, als sei ich schon tot. Das Leben ist dafür da, das Abenteuer zu wagen.

Ich schließe die Augen und hole mir das Bild aus Kindertagen zurück. Wie sich das Fliegen angefühlt hat! Großartig! Ich denke an die Worte meines Freundes, dass das Leben ein Abenteuer ist. Dann kommt die nächste Aufforderung an mein Erwachsenenleben: "Machst du mit?" Ich spüre ein Ja und ein Zögern! Ich gebe der aufkommenden Angst nur einen kleinen Moment der Aufmerksamkeit und sage Ja zum Abenteuer. Sterben muss ich sowieso!

Matschen
Ich liebe es, den Hefeteig zu kneten! Voll mit den Händen hinein in Mehl und Wasser und ordentlich matschen! Die Finger verklebt, Mehlstaub auf dem Pullover und ein Glücksgefühl, das durch den ganzen Körper geht. Alle Aggressionen kann ich in den Teig hineinhauen. Ich kann diesen Teig förmlich verprügeln und er ist auch noch dankbar dafür.

Durftest du als Kind im Dreck matschen und Erde essen? Durftest du dir deine Kleidung versauen und man hat dich einfach in Ruhe gelassen? Dann bist du reich beschenkt worden. Auf alternativen Bauernhöfen sehe ich manchmal Schweine sich im Dreck suhlen. Ein Teil von mir möchte einfach mitmachen. Die Bibel erzählt davon, dass wir Menschen aus Lehm gemacht sind.
Du und ich, wir sind "Lehmlinge", "Erdgeschöpfe", "Wühler", "Schöpfer". Wir dürfen mit den Händen matschen und dabei Dinge erschaffen. Evolutionär, aus Zufall oder tief liegender Intuition. Einfach machen und im Machen entstehen lassen. Ohne zu werten! Nur aus Freude am Tun. Matschen ist so herrlich überflüssig!

Gehörst du zu den Menschen, die schon als Kinder lieber im sauberen Wohnzimmer spielten. Die sich nicht auf die Straße trauten? Am Rand vom Sandkasten saßen und hilflos mit der Schaufel herumfuchtelten in der Hoffnung auf Mama, die dich von diesem schrecklichen Platz wieder wegholen möge?

Vielleicht bist du ja ein verborgener Engel, der mit der Körperlichkeit doch so seine Schwierigkeit hat - damals als Kind und heute auch noch. Magst du mit den Händen essen oder doch lieber mit einem Werkzeug, so dass du dir die Finger nicht schmutzig machst. Hast du Angst vor Bakterien, Viren und Bazillen? Bist du ständig auf Alarm? Im roten Bereich?

Oder reibst du dir die Hände jetzt wo du schon lange erwachsen bist und hältst jetzt gerade die Augen auf, wo du mal wieder so richtig matschen kannst! Du kannst im Blumenkasten wühlen, in deinem Garten oder dir einen Kneteteig erstellen. Einfach mal wieder matschen und die Erfahrung machen, wie du dich als "Lehmling" anfühlst. Es setzt einfach Energien frei! Schon beim lesen und es sich vorstellen.

Hütten bauen
"Räum dein Zimmer auf! Zieh die Schuhe aus! Wasch dir die Hände! Schrei nicht so herum! Mach die Türen zu!" Solche und ähnlich Sätze geistern bis heute durch meinen Kopf. Worte meiner Mutter. Sie machte sich solche Sorgen um das Haus. Es sollte unbedingt sauber sein! Strom sparen! Keinen Dreck machen!

Als Kinder gingen wir in den Wald und bauten Hütten. Behausungen für ein paar Tage. Ein paar dicke morsche Äste zusammenschieben und mit Laub verkleiden. Fertig! Sich reinsetzen und Vater, Mutter, Kind spielen. In dieser Hütte durften wir schreien. Wir durften auf dem Boden sitzen und mussten uns keine Hände waschen. Aufräumen war völlig überflüssig und Türen gab es eh nicht.
Meine Hütte! Hier war ich König! Eigene vier Wände! Keine Kosten! Es gab keinen Erwachsenen, der etwas vorschrieb. Auch nicht erklärte. Wie schiebe ich Äste zusammen, so dass sie halten? Sie sind halt mehrmals zusammengebrochen bis wir es heraushatten. Wir durften experimentieren ohne dass die Erwachsenen sich einschalten konnten. Der Wald gehörte uns! Und wir waren Hüttenbauer!
Wie viele Verbotsschilder stecken heute in unserem Erwachsenenkopf! Was wir alles nicht dürfen! Als Staatsbürger, als Arbeitnehmer, als Kirchenmitglieder, als Vereinsangehörige! Manchmal schließe ich die Augen und gehe in Gedanken in den Wald meiner Kindheit. Ich schiebe ein paar Äste zusammen und lege Laub auf das Dach. Dann setze ich mich hinein in die Hütte und sage mir: "Hier bin ich König! Hier bestimme ich! Und so, wie ich es gemacht habe, so ist es genau richtig!"
Davon wünsche ich mir mehr für dich und mich: Dass der Blick nicht zuerst auf die Vorschriften und Verbote geht, sondern auf die Möglichkeiten und die Einladungen. Einfach wieder Hütten bauen!

Sandkastenspiele
Erinnerst du dich noch an deine ersten Sozialaktionen? Im Sandkasten! Deine Mutter hat dich ausgerüstet mit Sieb, Eimer und Schaufel. Sie hat dich in den Sankasten gesetzt und dann durftest du mit den Nachbarskindern spielen. Alle mit ähnlichen Ausrüstungsgegenständen. Du hattest deinen Platz, deine Schüppe und deinen Radius. Manchmal ging es gut mit der Nachbarin und manchmal musstest du einfach deine Schüppe einsetzen um deinen Sandhügel zu verteidigen. Du hast Kuchen gebacken und jeder durfte mal probieren. Und wehe, es schmeckte nicht!

Jetzt bist du erwachsen, oder? Von wegen! Du sitzt an deinem Arbeitsplatz und um dich herum die Kollegen und Kolleginnen. Alle sind ausgerüstet mit Computer oder anderen Arbeitsgeräten. Jeder beansprucht einen Platz für sich und interagiert mit den Nachbarn. Du sorgst dafür, dass alle mit Kaffee versorgt sind und andere fragen dich, ob du gut geschlafen hast. Wie im damals im Sandkasten. Andere Spiele vielleicht, aber mit ähnlichen Gefühlen. Verbundenheit und Harmonie, wenn alle einträchtig beisammen sind. Ärger und Frust, wenn es Kränkungen gibt.

Die ganze Welt, so könnte man sagen, ist doch ein einziger großer Sandkasten. Dort wird gespielt. Manche geben gerne ihre Schüppe und ihren Eimer ab und andere achten darauf, dass niemand sich an Sieb und Förmchen vergreift. Meins!

Wenn ich heute als Erwachsener "spiele" in der Erwachsenenwelt und es emotional hoch hergeht, dann schließe ich für einen Augenblick die Augen und versetze mich zurück in den Sandkasten. Alles nur ein Spiel! Nimm es nicht so wichtig! Du kannst auch aufstehen und dir einen neuen Platz suchen. Die Spielwiese ist groß genug! Und zugleich ist es schön auf dem "Marktplatz" Sandkasten. Einfach schön, mit anderen zusammen.

In Pfützen springen
Gummistiefel an, Regenjacke und ab auf die Straße. Wo ist die nächste Pfütze? Hineinspringen und herumspritzen. Dreckig lachen und jede Hemmung verlieren. Am Anfang klang noch die Stimme der Mutter im Ohr. "Mach dich nicht dreckig. Pass auf! Die Hose ist gerade frisch gewaschen!" Dann waren da die Pfützen entlang des Weges. Unwiderstehlich! Springen von Pfütze zu Pfütze. Wie weit kommst du? Schnell ist die saubere Hose vergessen. Spritzen und andere Leute nass machen. Wie war das noch mal mit der guten Erziehung?

Als Erwachsener springe ich nicht mehr einfach so in Pfützen. Ich überlege und plane den Tag und meine Aktionen. Ich halte meine Kleidung sauber weil ich einen guten Eindruck hinterlassen möchte. Was sollen die Leute von mir denken. Ja genau! Was denken die Leute über mich! Finden sie mich albern oder kindisch? Meine Grenzen sind eng gesteckt. Nicht den Hauch von schlechtem Benehmen. Niemandem die Zunge herausstrecken! Die Kleidung sorgfältig ausgewählt, farblich abgestimmt und gebürstet. Im Berufsalltag immer!

Lebt die Pfützenspringeridentität noch in dir? Traust du dich ab und zu etwas zu machen, was du als Erwachsener einfach nicht tun dürftest? Ich schließe die Augen und stelle mir vor, wie ich in die nächste Pfütze springe und einfach dreckig lache. Die Welt um mich herum ist mir völlig egal. Die Leute sollen denken was sie wollen. Wofür hat der liebe Gott denn die Pfützen erschaffen? Damit ich hineinspringe. Ich werde nicht untergehen! Es ist ganz leicht. Es kostet kein Geld und bringt einfach so Spaß! Wer als Erwachsener wieder in Pfützen springen kann hat die Leichtigkeit wiedergefunden. Ob ein Psychiater bei Depressionen Pfützenspringen verordnen darf? Stell dir das doch mal vor. Du bist depressiv und gehst zum Arzt. Der schaut dich an und sagt. "Da ist die Pfütze und jetzt spring!" Hat das jemand schon mal probiert? In den Pfützen sammeln sich die Tränen der Welt. Sie können nicht in den Boden einsinken und die Erde bewässern. Tränen, die sich stauen. Wie bei einer Depression, oder? Wenn du in die Pfütze springst verteilt sich das Wasser und kann in den Boden eindringen. Ist fast wie weinen, wie der Trauer einen Raum geben, dass sie sich ausbreiten kann. Und dann? Dann ist es gut. Es gibt ja auch die Freudentränen in den Pfützen. Und Freudenpfützentränen verbreiten wäre einfach ein himmlisches Geschenk!

Und hier der Text als Geschenk zum downloaden

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Samstag, 21. November 2020

Nahrung für das innere Kind: In Pfützen springen!

Gummistiefel an, Regenjacke und ab auf die Straße. Wo ist die nächste Pfütze? Hineinspringen und herumspritzen. Dreckig lachen und jede Hemmung verlieren. Am Anfang klang noch die Stimme der Mutter im Ohr. "Mach dich nicht dreckig. Pass auf! Die Hose ist gerade frisch gewaschen!" Dann waren da die Pfützen entlang des Weges. Unwiderstehlich! Springen von Pfütze zu Pfütze. Wie weit kommst du? Schnell ist die saubere Hose vergessen. Spritzen und andere Leute nass machen. Wie war das noch mal mit der guten Erziehung?
Als Erwachsener springe ich nicht mehr einfach so in Pfützen. Ich überlege und plane den Tag und meine Aktionen. Ich halte meine Kleidung sauber weil ich einen guten Eindruck hinterlassen möchte. Was sollen die Leute von mir denken. Ja genau! Was denken die Leute über mich! Finden sie mich albern oder kindisch? Meine Grenzen sind eng gesteckt. Nicht den Hauch von schlechtem Benehmen. Niemandem die Zunge herausstrecken! Die Kleidung sorgfältig ausgewählt, farblich abgestimmt und gebürstet. Im Berufsalltag immer!
Lebt die Pfützenspringeridentität noch in dir? Traust du dich ab und zu etwas zu machen, was du als Erwachsener einfach nicht tun dürftest? Ich schließe die Augen und stelle mir vor, wie ich in die nächste Pfütze springe und einfach dreckig lache. Die Welt um mich herum ist mir völlig egal. Die Leute sollen denken was sie wollen. Wofür hat der liebe Gott denn die Pfützen erschaffen? Damit ich hineinspringe. Ich werde nicht untergehen! Es ist ganz leicht. Es kostet kein Geld und bringt einfach so Spaß! Wer als Erwachsener wieder in Pfützen springen kann hat die Leichtigkeit wiedergefunden. Ob ein Psychiater bei Depressionen Pfützenspringen verordnen darf? Stell dir das doch mal vor. Du bist depressiv und gehst zum Arzt. Der schaut dich an und sagt. "Da ist die Pfütze und jetzt spring!" Hat das jemand schon mal probiert? In den Pfützen sammeln sich die Tränen der Welt. Sie können nicht in den Boden einsinken und die Erde bewässern. Tränen, die sich stauen. Wie bei einer Depression, oder? Wenn du in die Pfütze springst verteilt sich das Wasser und kann in den Boden eindringen. Ist fast wie weinen, wie der Trauer einen Raum geben, dass sie sich ausbreiten kann. Und dann? Dann ist es gut. Es gibt ja auch die Freudentränen in den Pfützen. Und Freudenpfützentränen verbreiten wäre einfach ein himmlisches Geschenk!
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Freitag, 20. November 2020

Nahrung für das innere Kind: Sandkastenspiele!

Erinnerst du dich noch an deine ersten Sozialaktionen? Im Sandkasten! Deine Mutter hat dich ausgerüstet mit Sieb, Eimer und Schaufel. Sie hat dich in den Sankasten gesetzt und dann durftest du mit den Nachbarskindern spielen. Alle mit ähnlichen Ausrüstungsgegenständen. Du hattest deinen Platz, deine Schüppe und deinen Radius. Manchmal ging es gut mit der Nachbarin und manchmal musstest du einfach deine Schüppe einsetzen um deinen Sandhügel zu verteidigen. Du hast Kuchen gebacken und jeder durfte mal probieren. Und wehe, es schmeckte nicht!
Jetzt bist du erwachsen, oder? Von wegen! Du sitzt an deinem Arbeitsplatz und um dich herum die Kollegen und Kolleginnen. Alle sind ausgerüstet mit Computer oder anderen Arbeitsgeräten. Jeder beansprucht einen Platz für sich und interagiert mit den Nachbarn. Du sorgst dafür, dass alle mit Kaffee versorgt sind und andere fragen dich, ob du gut geschlafen hast. Wie im damals im Sandkasten. Andere Spiele vielleicht, aber mit ähnlichen Gefühlen. Verbundenheit und Harmonie, wenn alle einträchtig beisammen sind. Ärger und Frust, wenn es Kränkungen gibt.
Die ganze Welt, so könnte man sagen, ist doch ein einziger großer Sandkasten. Dort wird gespielt. Manche geben gerne ihre Schüppe und ihren Eimer ab und andere achten darauf, dass niemand sich an Sieb und Förmchen vergreift. Meins!
Wenn ich heute als Erwachsener "spiele" in der Erwachsenenwelt und es emotional hoch hergeht, dann schließe ich für einen Augenblick die Augen und versetze mich zurück in den Sandkasten. Alles nur ein Spiel! Nimm es nicht so wichtig! Du kannst auch aufstehen und dir einen neuen Platz suchen. Die Spielwiese ist groß genug! Und zugleich ist es schön auf dem "Marktplatz" Sandkasten. Einfach schön, mit anderen zusammen.
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Donnerstag, 19. November 2020

Nahrung für das innere Kind: Hütten bauen!

"Räum dein Zimmer auf! Zieh die Schuhe aus! Wasch dir die Hände! Schrei nicht so herum! Mach die Türen zu!" Solche und ähnlich Sätze geistern bis heute durch meinen Kopf. Worte meiner Mutter. Sie machte sich solche Sorgen um das Haus. Es sollte unbedingt sauber sein! Strom sparen! Keinen Dreck machen!
Als Kinder gingen wir in den Wald und bauten Hütten. Behausungen für ein paar Tage. Ein paar dicke morsche Äste zusammenschieben und mit Laub verkleiden. Fertig! Sich reinsetzen und Vater, Mutter, Kind spielen. In dieser Hütte durften wir schreien. Wir durften auf dem Boden sitzen und mussten uns keine Hände waschen. Aufräumen war völlig überflüssig und Türen gab es eh nicht.
Meine Hütte! Hier war ich König! Eigene vier Wände! Keine Kosten! Es gab keinen Erwachsenen, der etwas vorschrieb. Auch nicht erklärte. Wie schiebe ich Äste zusammen, so dass sie halten? Sie sind halt mehrmals zusammengebrochen bis wir es heraushatten. Wir durften experimentieren ohne dass die Erwachsenen sich einschalten konnten. Der Wald gehörte uns! Und wir waren Hüttenbauer!
Wie viele Verbotsschilder stecken heute in unserem Erwachsenenkopf! Was wir alles nicht dürfen! Als Staatsbürger, als Arbeitnehmer, als Kirchenmitglieder, als Vereinsangehörige! Manchmal schließe ich ich die Augen und gehe in Gedanken in den Wald meiner Kindheit. Ich schiebe ein paar Äste zusammen und lege Laub auf das Dach. Dann setze ich mich hinein in die Hütte und sage mir: "Hier bin ich König! Hier bestimme ich! Und so, wie ich es gemacht habe, so ist es genau richtig!"
Davon wünsche ich mir mehr für dich und mich: Dass der Blick nicht zuerst auf die Vorschriften und Verbote geht, sondern auf die Möglichkeiten und die Einladungen. Einfach wieder Hütten bauen!
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Mittwoch, 18. November 2020

Nahrung für das innere Kind: Matschen!

Ich liebe es, den Hefeteig zu kneten! Voll mit den Händen hinein in Mehl und Wasser und ordentlich matschen! Die Finger verklebt, Mehlstaub auf dem Pullover und ein Glücksgefühl, das durch den ganzen Körper geht. Alle Aggressionen kann ich in den Teig hineinhauen. Ich kann diesen Teig förmlich verprügeln und er ist auch noch dankbar dafür.
Durftest du als Kind im Dreck matschen und Erde essen? Durftest du dir deine Kleidung versauen und man hat dich einfach in Ruhe gelassen? Dann bist du reich beschenkt worden. Auf alternativen Bauernhöfen sehe ich manchmal Schweine sich im Dreck suhlen. Ein Teil von mir möchte einfach mitmachen. Die Bibel erzählt davon, dass wir Menschen aus Lehm gemacht sind.
Du und ich, wir sind "Lehmlinge", "Erdgeschöpfe", "Wühler", "Schöpfer". Wir dürfen mit den Händen matschen und dabei Dinge erschaffen. Evolutionär, aus Zufall oder tief liegender Intuition. Einfach machen und im Machen entstehen lassen. Ohne zu werten! Nur aus Freude am Tun. Matschen ist so herrlich überflüssig!
Gehörst du zu den Menschen, die schon als Kinder lieber im sauberen Wohnzimmer spielten. Die sich nicht auf die Straße trauten? Am Rand vom Sandkasten saßen und hilflos mit der Schaufel herumfuchtelten in der Hoffnung auf Mama, die dich von diesem schrecklichen Platz wieder wegholen möge?
Vielleicht bist du ja ein verborgener Engel, der mit der Körperlichkeit doch so seine Schwierigkeit hat - damals als Kind und heute auch noch. Magst du mit den Händen essen oder doch lieber mit einem Werkzeug, so dass du dir die Finger nicht schmutzig machst. Hast du Angst vor Bakterien, Viren und Bazillen? Bist du ständig auf Alarm? Im roten Bereich?
Oder reibst du dir die Hände jetzt wo du schon lange erwachsen bist und hältst jetzt gerade die Augen auf, wo du mal wieder so richtig matschen kannst! Du kannst im Blumenkasten wühlen, in deinem Garten oder dir einen Kneteteig erstellen. Einfach mal wieder matschen und die Erfahrung machen, wie du dich als "Lehmling" anfühlst. Es setzt einfach Energien frei! Schon beim lesen und es sich vorstellen.

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Dienstag, 17. November 2020

Nahrung für das innere Kind: Fliegen!

"Ich möchte fliegen! Spielst du mit uns Flugzeug?" Mein Vater oder mein Onkel packten mich als kleines Kind dann an Hand und Fuß und schleuderten und drehten uns im Kreis. Die erste Achterbahnfahrt! Welch ein Lebensgefühl und welches Vertrauen hatte ich in diesen Erwachsenen. Der wird mich nicht loslassen. Aber ich lasse los! Ich mache mich ganz locker und breite den freien Arm und das freie Bein aus und lasse mich herumwirbeln. Ich schreie mir die Seele aus dem Leib und fühle mich lebendig wie nie. Noch einmal! Noch eine Runde! Es braucht keine Pause.

Erinnerst du dich an dieses Spiel zwischen Kind und Erwachsenen? Als wir größer und schwerer wurden ging das leider nicht mehr. Wir mussten andere Möglichkeiten suchen, diesen besonderen Kick zu erfahren.

Oder gehörst du zu den Kindern, die sich nie getraut haben. Du warst viel zu vorsichtig, viel zu ängstlich, dich auf solch ein Wagnis einzulassen. Bis heute geht es dir so, dass du dem Leben und den Herausforderungen skeptisch gegenüberstehst. Überall lauert die Gefahr. Der Tod ist allgegenwärtig. Vielleicht nicht in deinen Gedanken, aber im Körpersystem.

Vielleicht gehörst du aber auch wie ich zu den Menschen, die als Kinder gerne geflogen sind. Die es einfach geliebt haben. Aber irgendwann gab es einen Einbruch. Ein erstes Stolpern. Ein Schock, an den du dich nicht einmal erinnern kannst. Irgendetwas ist passiert. Und dann gibt es in dir zwei Bestrebungen. Du möchtest eigentlich das Abenteuer, aber das Trauma hält dich davon ab.

Mir hat mal ein Freund gesagt, dass er nur dieses eine Leben jetzt hat. Und das Leben ist viel zu schade, es in Watte zu verpacken und vor Angst zu vergehen. Jetzt habe ich die Chance. Tot sein werde ich noch früh genug. Ich muss mich nicht so verhalten, als sei ich schon tot. Das Leben ist dafür da, das Abenteuer zu wagen.

Ich schließe die Augen und hole mir das Bild aus Kindertagen zurück. Wie sich das Fliegen angefühlt hat! Großartig! Ich denke an die Worte meines Freundes, dass das Leben ein Abenteuer ist. Dann kommt die nächste Aufforderung an mein Erwachsenenleben: "Machst du mit?" Ich spüre ein Ja und ein Zögern! Ich gebe der aufkommenden Angst nur einen kleinen Moment der Aufmerksamkeit und sage Ja zum Abenteuer. Sterben muss ich sowieso!
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Montag, 16. November 2020

Nahrung für das innere Kind: Balancieren auf der Bordsteinkante

Wann fühlte sich dein Leben einmal völlig unbeschwert an? Für einen Augenblick abtauchen in dem, was du gerade machst? Als Kinder konnten wir noch spielen. "Warte, bis der Ernst des Lebens beginnt!" warnten uns die Erwachsenen. Dann tauchten wir vielleicht verstört aus unserem Spiel auf und rätselten, was unsere Eltern damit meinten. Dann wurden wir erwachsen und vergaßen die Spiele und das Glück von damals. Es wird Zeit, das Verlorene wieder zu aktivieren! Dein inneres Kind braucht Nahrung! Wie wäre es mit einem kleinen Energieschub?

Erinnerst du dich an das Balancieren auf der Bordsteinkante? Du breitest die Arme aus und setzt einen Fuß vor den anderen. Auf der einen Seite der breite und sichere Weg und auf der anderen Seite der Abgrund. Schaffst du noch den nächsten Schritt? Der Abgrund ist nicht tief. Du kann ein wenig stolpern, aber nicht wirklich fallen. Dieses lustvolle Gefühl, das durch den ganzen Körper geht! Schwanken und sich dennoch halten. Flexibel und beweglich sein! Spaß haben beim Fallen. Sich ein wenig ärgern und wieder auf die Bordsteinkante. Sich lustvoll bewegen. Zu den Eltern schauen. "Schau mal was ich alles kann!" Balancieren als einen Vorgang purer Freude!

Heute erarbeite ich mit Kunden einen mühevollen Weg, wieder in die Balance zu kommen. Zu viel Arbeit und zu wenig Erholung? Wovon mehr und was weniger? Die Balance wiederfinden in einem mühevollen Veränderungsprozess. Darin besteht der erwachsene Alltag. Wie geht denn das noch mal mit dem Balancieren auf leichte Art? Du warst als Kind darin einmal ein Profi. Du hast es einfach gemacht. Hast dich auf die Bordseinkante gestellt und die Arme ausgebreitet. Ein Glucksen im Bauch und einen Freudeflash durch den Körper jagen und dann los! Schritt für Schritt! Vielleicht könntest du in dieses Lebensgefühl zurückfinden wenn du dich einfach mal wieder auf die Bordsteinkante stellst und es machst. Das Gefühl wird schon wiederkommen! Und wenn du es machst und das Gefühl dafür wieder bekommst - was wird sich bei dir dadurch verändern? Wirst du dich selbst anders empfinden? Kannst du das Kind in dir wieder zum Leben erwecken? Und danach? Wie verändert sich dein Alltag dadurch? Möge mehr Freude in deiner Seele einziehen!
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Samstag, 14. November 2020

Wähle einen Job, den du liebst und du wirst nie wieder arbeiten müssen.

Unter Arbeit verstehen wir ja oft Anstrengung, Zwang, Erschöpfung und Ausbeutung. Die wichtigsten und schönsten und wachesten Stunden des Tages sind reserviert für die Arbeit und zum Geld verdienen. Du arbeitest sieben oder acht Stunden und verdienst dir dein Geld um anschließend zu leben. Das eigentliche vergnügliche Leben findet jenseits der Arbeit statt. Und wenn du die Arbeit als Sklaverei wahrnimmst freust du dich um so mehr auf die Freiheit. Und zugleich findet in dir ein Kampf statt. Deine Arbeit und dein Arbeitgeber gegen dich. Die Gewerkschaft und der Betriebsrat passen auf, dass die Schwelle nicht übertreten wird. Du gehst also jeden Tag in den "Kampf" und hoffst, nicht unterzugehen. Dass deine Arbeit sich nicht plötzlich vermehrt oder überfordert. Wer über viele Jahrzehnte kämpft fühlt sich am Ende ausgelaugt, krank, erschöpft und wahnsinnig rentenbedürftig. Muss das so bleiben und ist das erstrebenswert?
Auf keinen Fall. Wenn du deine Arbeit so liebst wie dein sonstiges Leben empfindest du es nicht als Arbeit sondern als reines Vergnügen. Du bekommst die Chance zur Selbstverwirklichung. An jedem Abend bist du vielleicht körperlich erschöpft, aber äußerst glücklich und zufrieden. Du kannst dir keinen Tag ohne "liebende Arbeit" vorstelllen. Herzlichen Glückwunsch, wenn du einer solchen Arbeit nachgehen darfst.
Die meisten Menschen leben jedoch in einer scheinbar anderen Realtität. Eben doch die Arbeit als Kampf und die Unmöglichkeit, die Arbeit lieben zu können an jedem Arbeitstag. Gibt es noch eine andere Möglichkeit? Ja, sie findet im Mindset statt. In deiner Vorstellungskraft. Du kannst in deinem Geist so mächtig sein, dass du dir eine andere Erlebnisqualität erschaffen kannst. Was machst du im Urlaub? Da kaufst du ein, gehst wandern, aktivierst deinen Körper, liest vielleicht Bücher. Was machst du an deinem Arbeitstag? Du kaufst ein, gehst zu Arbeit, aktivierst deinen Körper und liest was im PC. Du machst im Prinzip das gleiche, empfindest es aber anders. Stell dir vor, dass morgen dein nächster Arbeitstag ist, du aber aufwachst mit dem Gedanken, dass du Urlaub hast. Du machst alles wie immer an jedem Arbeitstag, aber du bleibst bei der Vorstellung von Urlaub. Wie wirst du dich fühlen? Was wird dein Körper dir sagen? Wie wird sich das auf deine Arbeit auswirken und wie wird deine Laune sein? Und alles nur, weil du deinen ersten Gedanken am Morgen in eine bestimmte Richtung gelenkt hast. Wähle also einen Gedanken, den du liebst und du wirst nie wieder arbeiten müssen.
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Freitag, 13. November 2020

Hallo Leben, ich komme!

Du stehst am Morgen auf und wagst einen Blick in den Tag. Du siehst deine Termine im Kalender. Du stellst dir vor, wie du deine Aufgaben anpackst und bewältigen wirst. Du bist voller Zuversicht und Kraft.
Dann tauchen Bilder auf von Einschränkungen und Widerständen. Da ist doch dieser Kollege, der immer meckert. Da gibt es doch das Hindernis, das du gestern schon nicht überwunden hast. So nach und nach entwickelst du eine Kampfhaltung und bevor du die erste Aktion anpackst fühlst du dich schon im Stress. Du bist vollgepumpt mit Adrenalin und Cortisol. Vielleicht notwendig, damit du deine Dinge auch schaffst.
Mir gefällt die Vorstellung, dass ich nach dem Aufstehen, nach dem Blick in den Kalender, nach den Vorstellungen von allen möglichen und unmöglichen Hindernissen und nach der adrenalingestärkten Kämpferhaltung ich mir das Geschenk gönne, mich noch einmal zu sammeln. Ich setze mich hin und trinke in Ruhe meinen Kaffee. Während die Schlacht gedanklich schon um mich herum begonnen hat, mache ich noch nicht mit. Ich sammle mich und stehe auf, wenn ich wirklich so weit bin. Aber dann: "Good morning. Let the stress beginn!"
In der Sammlung wird es mir nichts ausmachen. Ich bin zentriert und ganz bei mir. Hallo Leben, ich komme!
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Donnerstag, 12. November 2020

Es ist nie zu spät!


 
Eigentlich wolltest du dich entschuldigen bei deiner Freundin, bei deinem Freund. Dir war klar, dass du dich nicht richtig verhalten hast. Dein enttäuschtes Gegenüber wartet und du bekommst die Kurve nicht. Du schämst dich. Du findest scheinbar nie den richtigen Zeitpunkt. Bis du es doch mal eines Tages hinbekommst. Du hast dich überwunden. Deine eigenen Kränkungen aus dem Weg geräumt. Du stammelst deine Entschuldigung und bekommst die Antwort: „Jetzt ist es zu spät...“ Du hast zu lange gewartet und den Zeitpunkt verpasst wo noch etwas möglich gewesen wäre.
Da gibt es so ein merkwürdiges Ziehen im Bauch und/oder im Brustraum. Ein Teil von dir weiß es. Ein Teil weiß, dass du handeln musst. Ein anderer Teil in dir ist rebellisch. Der Verstand gibt dir klare Botschaften und der Bauch leistet rebellischen Widerstand. Du spürst das Ringen und du spürst den Druck. Eigentlich müsstest du jetzt aktiv werden. Aber es geht nicht.  Du magst es mit Angst bezeichnen oder mit Unsicherheit. Oder mit Widerwillen oder Rebellion. Am Ende zählt das Ergebnis. „Jetzt ist es zu spät...“ Dein innerer Kampf hat zu lange gedauert. Du hast verloren! Wirklich?
Vielleicht hat dein Bauch sich am Ende einfach nur durchgesetzt. Er wollte nicht. Er hat sich stur geweigert und erst nachgegeben, als es eh zu spät war. Der Kopf hatte vielleicht gute Argumente, aber die Gefühle wollten das nicht akzeptieren.
Wann ist etwas zu spät? Manchmal geschieht es einfach durch Zufall. Dann kannst du eh nichts dafür. Es kommt wie es kommt. Du bist ein Spielball der Kräfte. Manchmal jedoch liegt es nur daran, dass du mit dir nicht in Übereinstimmung bist. Kopf und Herz schwingen nicht synchron. Dann ist es deine Aufgabe, wieder mit dir selbst in Übereinstimmung zu kommen.
Wie könnte das aussehen? Für diese konkrete Situation ist es zu spät. Aber es ist nicht zu spät mit dem was jetzt da ist, etwas zu machen. Du kannst beschließen, demnächst nicht so lange zu warten. Du ziehst die Konsequenzen. Du kannst trotz der verpassten Möglichkeiten mit deinen Freunden und Freundinnen in Verbindung bleiben. Wenn durch das „Zu spät“ sich ein Mensch von dir trennt kannst du von deiner Seite her die Verbindung aufrecht halten so gut es geht. Auch wenn es einseitig ist.
Vielleicht folgst du auch nur einem alten Glaubenssatz, den du über Bord werfen darfst. Der „Jetzt ist es zu spät...“ kann leicht in eine Depression führen.  „Es ist nie zu spät...“  Das gilt genauso. Du bist zu spät dran für einen bestimmten Zug, der jetzt weg ist. Dafür ist es noch Zeit für einen Kaffee am Bahnhof und ein Schwätzchen mit einem anderen Reisenden am Bahnsteig. Vielleicht findest du da die Grundlage für eine neue Lebensfreundschaft. Außerdem glaube ich, dass du auf jeden Fall rechtzeitig in der jenseitigen Welt ankommen wirst. „Zeit“ ist lediglich eine irdische Erscheinung.
Es ist weder zu spät noch zu früh. Es ist Jetzt! Und da bist du: Im Jetzt!

Mittwoch, 11. November 2020

Verwaltest du noch den Untergang oder gestaltest du schon den Übergang?

Vor ein paar Tagen kam zu mir eine Frau in die Beratung mit dem Kommentar: „Ich wünsche mir, dass endlich alles wieder normal wird!“ Meine Rückfrage: „Wie meinen Sie das mit dem Normalen.“ „Na, einfach normal. So wie früher.“ Damit meinte sie einen Zustand, der berechenbar, vertraut und zuverlässig war.

Bei meinem letzten Webinar fragte ich die Teilnehmenden angesichts der Corona Krise: „Wer von Ihnen möchte das alte Leben wiederhaben?“ Alle ohne Ausnahme bejahten diese Frage.

Vor mehr als zwanzig Jahren hielt der Pastoraltheologe Professor Paul M. Zulehner Vorträge zum Thema: „Übergang gestalten statt Untergang verwalten.“ Damals ging es um die Kirche, und wie sie den Weg in eine neue Zeit finden kann.

Die Überschrift gefällt mir immer noch und fiel mir in diesen Tagen wieder ein. Im November wird uns deutlich, dass die Natur in den Winterschlaf und in einen Sterbeprozess geht. Die vielen Totengedenktage erinnern uns an die Vergänglichkeit. Der „Untergang“ von etwas gehört zum Leben dazu.

Nur im Alltag wollen wir es nicht unbedingt wahrhaben und uns damit abfinden. Ich wollte damals als Pfarrer keine Gemeindefusionen und fand die Selbständigkeit von überschaubaren Pfarreien richtig.

Nachdem sich die Kirche schon seit vielen Jahren eher in einer Untergangsstimmung befindet, werden solche Zeichen auch in der zivilen Gesellschaft deutlich. Die Corona Pandemie zeigt uns, dass wir das Leben nicht so festhalten können, wie wir es gewohnt sind. Ein Teil in mir sagt zwar, dass alles wieder wie früher wird, wenn wir erst mal die Impfungen haben. Ein anderer Teil in mir sagt, dass das nur eine Illusion ist.

Die Wirklichkeit stellt mir andere Fragen, die so neu gar nicht sind. Konsumieren wir zu viel und stellen den Konsum an erster Stelle? Müssen wir so viel reisen und klimaschädlich fliegen? Können Produkte nicht langlebiger sein? Wie gestalte ich ein sinnvolles und zufriedenes Leben? Wohin möchte ich, dass sich die Menschheit und die Erde entwickelt? Was war bislang gut und wichtig und möchte ich erhalten und was kann ich auch loslassen, weil es nicht mehr passt?

Veränderungen fühlen sich in der Regel unangenehm an. Sie schaffen Unsicherheit und ich spüre deutlicher meine vielen Ängste. Da werden Qualitäten gefragt wie Widerstandskraft, Veränderungsbereitschaft, Vertrauen, Umgang mit Verlusten, Aushalten von Leere und Depressionen und nicht zuletzt auch eine große Portion Mut, die Schritte zu setzen, die notwendig sind.

Mir gefallen die Bilder von Zulehner. Ich kann den Untergang verwalten. Das fühlt sich passiv an. Ich richte mich darauf ein, dass alles zu Ende geht und sorge für einen geordneten Abgang. Versicherungen kündigen, Prozesse abschließen, nichts Neues beginnen. In Würde altern und sterben. Verluste beklagen und im Kreis der Jammerer sich das alte Leben wieder wünschen.

Oder ich fange an, den Übergang zu gestalten. Da werde ich aktiv. Ich verlasse die Komfortzone und probiere neue Dinge aus. Ich nehme wahr, dass die Krise nicht von ungefähr kommt und dass vieles sich schon lange nicht mehr richtig angefühlt hat. Ich lasse los und so entstehen Freiräume und neue Möglichkeiten. Der Übergang fühlt sich nicht immer angenehm an, aber das gehört zum Prozess dazu. Wenn du einmal dein Leben der vergangenen Monate betrachtest vor der Corona Zeit: In welchen Bereichen hast du Dinge gemacht, die bei näherer Betrachtung weder besonders sinnvoll waren noch von dir gewollt. Da gestalten alle Vereine Weihnachtsfeiern und du kommst aus dieser Nummer nicht mehr heraus, obwohl dir nach Keksen und Glühwein gar nicht zumute ist. Aber du denkst, dass du teilnehmen musst, weil du dazu gehörst. Du hältst Beziehungen aufrecht, die dich mehr stressen als erfüllen. Du führst ein Leben in eine Art Trott von Unbewusstheit ohne ein inneres Ja und ohne innere Freude und Sinnhaftigkeit.

Vor ein paar Tagen kam eine Frau zu mir, die seit mehr als dreißig Jahren verheiratet ist. Seit zwanzig Jahren will sie sich von ihrem Mann trennen. Sie sprechen nicht mehr miteinander. Haben kein Interesse und keine Aufmerksamkeit füreinander und halten es einfach aus. Ihr Leben hat sich angefühlt wie Grab und Stillstand. Sie wollte lieber die Grabesruhe aushalten als den Weg in die unsichere Trennung wagen. Dann traf sie einen Bekannten von früher. Der gab ihr ein Feedback: „Du hast dich so verändert. Früher hast du gelacht und fröhlich ausgesehen. Jetzt siehst du so traurig aus.“ Als sie diese Worte hörte, brach ihr ganzes System zusammen und sie wachte plötzlich auf. Sie wurde sehr traurig, dass sie zwanzig Jahre ein Leben gelebt hat, was ihr nicht mehr entsprach. Was hat sie gemacht? Einfach die Konsequenzen gezogen. Sie hat alles noch einmal überprüft und sich getrennt, nachdem sie erkannt hatte, dass es für eine Rettung schon lange zu spät war. Viele Jahre hat sie eine Art Untergang verwaltet. Die katholische Erziehung hat sie daran gehindert, in ihre Lebendigkeit zu gehen. Sie hörte immer die Gebots- und Verbotsworte in sich: „…bis dass der Tod euch scheidet.“ 

Es macht durchaus Sinn, nicht einfach so etwas zu verändern nur weil es im Moment sich nicht mehr gut anfühlt. Da gibt es sehr verständliche Einwände und Einsichten. Ich habe mich irgendwann einmal für die Mitgliedschaft in einer Gruppe entschieden. Ich unterstütze das Anliegen, mag die Mitglieder und kann allem voll zustimmen. Dann engagiere ich mich mit Leib und Seele. Zwischendurch gibt es auch den einen oder anderen Hänger, aber ich erinnere mich an erfolgreiche und gute Zeiten und mit der entsprechenden Selbstmotivation mache ich dann gerne weiter. Vielleicht gelingt mir auf diese Weise ein gutes Weitergehen in dieser Gruppe. Es kann aber auch sein, dass ich irgendwann in der Tiefe meines Herzens erkenne, dass das nicht mehr mein Weg ist. Die Gruppe hat sich verändert. Die Umstände oder ich habe mich verändert. Andere Dinge sind mir wichtiger geworden… Dann stelle ich irgendwann fest, dass es Klärung und Handlungsbedarf gibt. Bevor ich die Mitgliedschaft in meiner Gruppe nur noch erdulde und verwalte könnte ich ja auch die Entscheidung treffen, das Ganze loszulassen und in etwas Neues zu gehen, was besser zu mir und meinem jetzigen Leben passt.

Ich habe jetzt das Beispiel einer unbestimmten Gruppe gewählt. Überprüfe einmal, in welchen Lebensbereichen bei dir etwas nicht mehr stimmig ist. Gegenstände, die du besitzt. Freundschaften, die dich längst nicht mehr erfüllen. Mitgliedschaften in Vereinen, Versicherungen, religiösen Gruppierungen… Du musst nichts ändern! Alles darf so bleiben! Es geht nur um die Überprüfung der Stimmigkeit angesichts eines Untergang-Gefühls. Drei Bausteine sind mir eingefallen, die ich in solchen Prozessen als hilfreich empfinde. 

Sich klären und Klarheit gewinnen

In Krisenphasen und bei Untergansszenarien trübt sich der Blick und ich verliere den Blick für die unterschiedlichen Wirklichkeiten, die man wahrnehmen kann. Da gibt es dann fanatische Maskenverweigerer und denunzierende Maskenträger. Meinungen polarisieren sich. Eine feindschaftliche und aggressive Stimmung breitet sich mehr und mehr aus. Ich verliere den Blick für das Menschliche. Das beobachte ich in der augenblicklichen Corona Krise und auch beim kirchlichen Prozess des synodalen Weges. Jede und jeder fängt an, die eigene Position zu verteidigen, dafür zu kämpfen und im anderen Menschen entweder Freund oder Feind zu sehen. Das vernebelt das Herz! Klärung heißt: Ich trete innerlich einen Schritt zurück und betrachte das Ganze von außen. Welche Bedürfnisse hat mein Gegenüber? Wo deckt es sich mit meinen Bedürfnissen und wo sind wir unterschiedlich? Kann ich die Wahrheit des anderen noch wahrnehmen und für einen Moment dabeibleiben, ohne sofort zu widersprechen? Wo gibt es eine gemeinsame Schnittmenge? An welchen Stellen bin selber ein wenig blind geworden? Wo vielleicht sogar fanatisch aus Angst und Unsicherheit? Welche Gefühle bestimmen gerade mein Leben und meinen Alltag?

Wenn ich mich kläre, dann kommt Klarheit in die Situation. Das erfordert ein wenig Abstand und die Fähigkeit, den inneren Beobachter zu aktivieren. Auf drei Ebenen kann dieser Prozess stattfinden. Ich kläre meine Gedanken und wäge die unterschiedlichen Positionen wertneutral ab. Ich befrage meine Gefühle und sorge gut für mich, wenn Angst und Ärger auftauchen. Ich kläre meine Handlungsimpulse. Was möchte in dieser Phase konkret tun und was könnte ich besser lassen. Wovon mehr und wovon weniger!

 

Wiederentdecken der Veränderungsfähigkeit

In meinen Beratungen komme ich oft zu einem Punkt, der die Wende bringt oder auch nicht. Menschen tun sich relativ leicht mit einer neuen Erkenntnis und eher schwer, in eine Veränderung zu gehen. Sie halten lieber fest an dem unbefriedigenden Status quo, weil sich das vertraut und sicher anfühlt. Lieber unglücklich und sicher sein als nur möglicherweise glücklicher und eher unsicherer. Beim Alten weiß ich was ich habe und das Neue ist noch nicht erschaffen. Wer zwanzig Jahre mit dem gleichen Menschen verheiratet ist kann sich nicht so gut vorstellen, wie man unverheiratet als Single sein Leben bestehen kann. Eine Kirche kann sich nach Jahrhunderten nicht vorstellen, wie sie vielleicht ohne Sakramente und sonntäglichen Gottesdiensten und bewährten Gemeindestrukturen völlig neu und jesuanisch ausrichten könnte. Mit zunehmendem Alter tun wir uns schwer mit Veränderungen. Es braucht dazu eine Bereitschaft und eine Entscheidung. Ich bin bereit für Veränderungen, ich entscheide mich und ich gehe den ersten Schritt. Mit/trotz Angst und Unsicherheit. Viele denken, dass sie erst einen Plan brauchen bevor sie sich verändern. Pläne gibt es im Übergang oft nur als Idee, rudimentär oder in ersten vagen Andeutungen. Eine Veränderungsfähigkeit besteht darin, einfach einen Schritt zu machen. Auch auf die Gefahr hin, dass dieser fehlerhaft, nutzlos, unreflektiert und riskant ist. Nicht der Inhalt des Schrittes ist dabei wichtig, sondern der Mut an sich, einen Schritt in eine unbekannte Zukunft zu machen.

Wie schätzt du deine eigene Veränderungsfähigkeit ein? Bist du eher neugierig und abenteuerlich veranlagt? Prima! Dann hast du gute Voraussetzungen. Hältst du gerne am Bewährten fest und das auch noch zu fest und ängstlich? Wann hast du die letzte kleine oder große Veränderung erfolgreich bewältigt? Vielleicht bist du veränderungsfähiger als du dachtest.

 

Ja zur unbeständigen Vorläufigkeit

Wenn ich den Übergang gestalte und dabei das Alte verlasse gibt es noch keine endgültige Lösung. Das ist eine große Herausforderung für uns. Wer kauft schon eine Waschmaschine, die unbeständig und vorläufig funktioniert. Markenmaschinen werben mit einer Lebensdauer von zwanzig Jahren. Ich entscheide mich auch nicht für eine vorläufige Beziehung, sondern glaube an die ewige Liebe. Wer mag schon unbeständiges Wetter, wenn ich nie weiß, ob es heute noch kälter wird und zusätzlich regnet. Wir mögen die Beständigkeit und unsere automatisierten Hirnprozesse. Das erleichtert unseren Alltag und verschafft Sicherheit.

Diese Übergangsphase, in der wir uns gerade gesellschaftlich und auch spirituell befinden, kann ich nicht mehr länger leugnen und verdrängen. Krisen entstehen dann, wenn es nicht mehr stimmig ist. Wenn es nach Veränderungen förmlich schreit. Wir wissen nur, dass sich etwas verändert, aber nicht wohin der Weg führen wird. Ich mache es mir leichter, wenn ich mit der Vorläufigkeit einverstanden bin. Wenn ich aufhöre, etwas bestimmtes Festes zu wollen. Ich kann doch so eine neutrale und selbstfreundliche Haltung einnehmen. Mal schauen, wohin uns der Weg heute führt. Ich muss es nicht sofort bewerten. Ich kann alles stehen lassen und allem Zeit geben. Im Moment mache ich viele Videoberatungen. Da gibt es eine Stimme, die das ständig bewertet. „Das ist nicht persönlich genug.“ „Da fehlt die Nähe.“ „Das darf nur eine vorläufige Lösung sein.“ „Besser als nichts!“ Wenn ich diese Haltung einnehme, mache ich mir Stress. Ich kann auch sagen: Ich probiere es eine Weile, ein paar Wochen und schaue, wohin es mich führt. Ich muss ja nicht völlig passiv bleiben. Ich kann an der einen oder anderen Stelle etwas korrigieren, so dass es sich angenehmer anfühlt.

Ich bin in diesen Tagen und Wochen in meiner Grundeinstellung gefragt, ob ich den Untergang verwalte oder den Übergang gestalten möchte. Lieber festhalten oder loslassen? Ich höre die Worte der Menschen, die sagen: „Aber das hat sich doch bewährt, das kann man doch nicht über Bord werfen!“ Und ich höre die Worte der Menschen: „Wir leben doch nicht im Gestern! Wir leben im Heute und wir müssen auch morgen noch leben!“ Mir scheint, dass diese zwei polaren Unterschiedlichkeiten vor ein paar Jahren noch von Bedeutung waren. Entweder das Alte bewahren oder das Neue wagen. Heute nehme ich wahr, dass wir schon jenseits dieser Polarität sind. Das Alte zerstört sich, löst sich auf und verschwindet einfach. Es ist nicht mehr zu halten, weil es einfach nicht mehr da ist. Es gestaltet sich eine neue Wirklichkeit und ich muss mich dazu verhalten.

Ich selber finde es spannend und freue mich, in diese Zeit hineingeboren zu sein. Das Alte kenne ich schon zur Genüge. Ich muss es nicht festhalten bis zu meinem Tod. Das Neue, das noch gar nicht da ist, reizt mich. Es muss nicht ärmer oder schlechter sein. Der spirituelle Aspekt sagt mir, dass Gottes Schöpfung sich weiterentwickeln wird. In der Erdgeschichte gab es nie einen Stillstand. Wir leben nicht mehr auf Bäumen, glauben nicht mehr an eine flache Erde, haben die Prinzipien der Physik verstanden und entwickeln moderne Techniken. War es das schon? Oder gibt es eine neue Entwicklung? Etwas, das sich aus der Krise herausschält? Ich bin dabei und ich darf daran mitwirken.


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Dienstag, 10. November 2020

Es gibt heutzutage so viele Genies, dass man recht froh sein soll, wenn einem einmal der Himmel ein Kind beschert, das keines ist. (Georg Christoph Lichtenberg 1742 - 1799)


Dieser Spruch ist nicht modern sondern mehr als 200 Jahre alt. Zu jeder Zeit wurde also über Genies gesprochen. Ob sie es waren weiß ich nicht, aber sie wurden dafür gehalten.
Leben in deinem Umfeld auch viele Kinder, die du für Genies hältst? Oder die Eltern? Es stimmt ja auch. Jedes Kind ist ein Genie! Einmalig und unverwechselbar. Jedes Kind eine Königin und ein König. Vielleicht sind nicht alle Kinder superintelligent und Anwärter auf den Nobelpreis. Aber trotzdem Genies. Worin können Kinder Genies sein?
Im Nasebohren, im Radfahren, im Lachen, im Erzählen, im Zuhören, im Spielen, im Trotzen, in der Neugier, im Rechnen mit zehn Fingern, im Laufen, im Flunkern, im Verstecken und im Finden. Der Himmel beschert uns nur Genies. Ausschließlich! Es ist kein "Allgemeinkind" darunter. Jedes Kind ist in irgendetwas ein Genie. Ohne das kommt ein Kind gar nicht auf die Welt. Ein einziger Same schafft den Weg zum Ei am Anfang des Lebens. Alle anderen sind außen vor. Es braucht viele, viele Zellteilungen, bis so ein Menschlein sich im Bauch der Mutter herausbildet. Wie schafft es das Baby nur, den Weg herauszufinden. Die Angst zu überwinden und in die Welt hinauszuplumpsen. Geschieht das alles einfach nur automatisch? Nach einem Programm? Oder steckt da ein schöpferischer Geist hinter? Ich glaube an den Genie.
Und zugleich hat  Lichtenberg recht. All die Genies können einen ganz schön auf die Nerven gehen. Jedes Kind ist besonders. Kein normales da drunter. Wie anstrengend für all diese Kinder, ständig Genie sein zu müssen. Es den Eltern beweisen, dass sie wer sind. Sich unterscheiden vom Rest der Welt! Jedes Kind ist eben auch einfach nur ein Kind. Ein Kind unter Millionen von Kindern. Und jeder Erwachsene ist einer unter Millionen von Erwachsenen. Vor zwei Wochen saß ich mit vielen Hundert Menschen in einem Thermalbecken in Budapest. Um mich herum hörte ich Englisch, Französisch, Ungarisch, Spanisch, Chinesisch, Italienisch und Kauderwelsch. Alles Menschen und jeder Mensch ein Genie. Man muss es erst einmal bis Budapest schaffen - bis in das Thermalbad! Da sitzt du dann unter vielen Menschen und bist nur einer von diesen vielen Menschen. Kein Genie! Und doch einer! Für irgendeinen Menschen auf der Welt bist du ein Genie! Für deine Mama oder deinen Papa oder für deiner und deinem Liebsten!
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Montag, 9. November 2020

Keine Panik! Und wenn doch?


Vor ein paar Tagen hielt mein Zug planmäßig an einem kleinen Bahnhof. Dann kam die vertraute Durchsage: "Unsere Abfahrt verzögert sich leider noch um wenige Minuten. Wir müssen einen ICE vorbeifahren lassen."
Aus den wenigen Minuten wurde eine Viertelstunde. Ich richtete mich auf eine längere Verzögerung ein und packte meinen Laptop aus. Statt zu warten wollte ich die Zeit gut nutzen. Dann kam eine erneute Durchsage: "Auf dem Steckenabschnitt vor uns ist ein ICE in einen auf den Gleisen liegenden Baum hineingefahren. Unsere Abfahrt verzögert sich auf unbestimmte Zeit." Was war meine erste Reaktion? Kein Problem! Bis zu meinem Haus sind es zwanzig Minuten. Ich kann abgeholt werden. Ein kurzer Anruf genügt.
Die meisten Fahrgäste sprangen unmittelbar nach der Durchsage wie von der Tarantel gestochen auf und verließen fluchtartig den Zug mit dem Handy in der Hand. In wenigen Augenblicken waren Zug und Bahnsteig wie leergefegt. Ich brauchte noch ein paar Augenblicke, den Laptop wieder herunterzufahren.
Dann kam plötzlich die Zugbegleiterin in das Abteil: "Bleiben Sie sitzen! Es geht gleich weiter!" Unmittelbar auch die zentrale Durchsage: "Wir haben wieder freie Fahrt!" Für die flüchtenden Fahrgäste war es zu spät. Für mich nicht! Was lerne ich daraus?
Wenn es zu einer plötzlichen Überraschung kommt neigen wir Menschen zu Panikreaktionen. Unmittelbar und direkt möchten wir uns retten. Da kommen die tierischen Instinkte durch und wir haben das Gefühl, wir müssen sofort handeln. Aber müssen wir das wirklich? Es steht kein Löwe vor uns, der uns auffrisst. Es überfährt und gerade in diesem Augenblick kein Auto. Es besteht keine unmittelbare Todesgefahr. Aber unser Körper gibt diese Signale ab. Was tun stattdessen?
Einen Augenblick innehalten. Einen Atemzug nehmen und das ganz bewusst! Eine Verzögerung einbauen. Es geht darum, diesem Panikmoment für einen Augenblick zu widerstehen. Nach dem Atemzug öffnet sich quasi ein neues Tor. Es ist das Lösungstor! Nach dem Innehalten und dem bewussten Atemzug wirst du dir deiner Ressourcen und Möglichkeiten bewusst. Die waren nämlich für einen Moment ausgeschaltet.
Wenn du diesen Text jetzt liest, wirst du dich bei der nächsten Panik daran erinnern. Du gibst deinem Geist hier und jetzt den Impuls: Beim nächsten Mal innehalten und tief durchatmen. Zugleich fängst du schon jetzt an zu üben. Bei jeder Kleinigkeit wo du merkst, dass dein Puls hochgeht, hältst du inne und atmest. Du machst dir dein eigenes Angst- und Paniktrainingsprogramm. Dieses Programm beinhaltet nur einen Satz: "Innehalten und bewusst atmen!"
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Samstag, 7. November 2020

Entleere mich, bitte. (Leonard Cohen)

Kennst du folgendes? Du hast viele Termine. Viele Begegnungen. Du hast viel gearbeitet und noch viele Pläne. Es kommt immer wieder etwas hinzu. Wenn du gefragt wirst sagst du: Ich bin ganz voll und es passt nichts mehr hinein. Eigentlich bräuchte ich eine ganz lange Pause. Aber es geht nicht. Ich muss da jetzt wohl durch und hoffe, dass es in ein paar Wochen besser wird.
Aber es wird nicht besser. Du hast weiterhin viele Begegnungen. Nimmst viele Termine wahr. Arbeitest noch mehr und es kommt noch mehr dazu. Dein Gefäß kann das alles schon lange nicht mehr halten. Du fühlst dich schon so schwer an, dass du gar nicht mehr die Kraft hast, deine Lebensschale zu erleichtern. Du kennst nur noch das Füllen aber nicht mehr das Entleeren.

Aber vielleicht hast du noch eine Bitte in dir. Ein letzter Satz, bevor du im übertragenen Sinne stirbst. "Entleere mich, bitte." Es ist egal, an wen du diese Bitte richtest. Ans Universum, an deine Geliebte, an dein Mutter oder an einen weisen Menschen. Das Geheimnis der Rettung liegt darin, die Bitte zu äußern. Es zu sagen. Die Ohnmacht einzugestehen und aufzugeben. Der Gedanke, dass ein anderer dich beim Entleeren unterstützt verschafft dir die Erleichterung, die du jetzt unbedingt brauchst. Die Bitte verschafft dir den ersten Freiraum. "Entleere mich, bitte." entspricht dem Seufzer deiner Seele, wenn es einfach zu viel geworden ist. Dann musst du nicht einmal selber loslassen, was dir ja schwer fällt. Du erteilst die Erlaubnis, dass ein anderer das für dich macht. Probier es mal aus: "Entleere mich, bitte."
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Freitag, 6. November 2020

Auch wenn der Lack bröckelt, auf die Grundierung kommt es an!


Mein Lack bröckelt. Vielleicht seit zehn Jahren? Zuerst wollte ich es nicht sehen. Es fiel nicht ins Gewicht. Ich war ja einfach fit. Beweglich und schlank. Ich war stolz darauf, dass ich essen konnte was ich wollte. Ich nahm kein Gramm zu. Mein Körper konnte alles verwerten und ich war supergesund. Auch ohne Sport! Ich habe mich immer bewegt, aber keine Programme absolviert.
Irgendwann vor zehn Jahren stieg ich auf die Wage und sah eine andere Zahl. Ein Zahl, die mir bislang völlig unbekannt war. Ich erschrak! Ich schob es auf die alte Waage, die nicht mehr so ganz funktionierte. Das war der erste Riss im Lack. Eine winzig kleine Schramme.
Ein Teil von mir hat das schnell wieder zur Seite geschoben. War ja nur eine kleine Schramme. Nicht der Rede wert. Aber diese Schramme hat einen Kratzer im Gehirn hinterlassen. Es ist so weit! Du gehörst dazu! Zu denen, für die die Uhr abläuft. Unwiederbringlich! Zum ersten Kratzer kommt ein zweiter dazu. Wie bei einem neuen Auto. Im ersten Jahr passt du einfach gut auf. Dann irgendwann kommt der erste Kratzer und noch einer und noch einer. Bis du denkst: Was soll ich auch von einem Auto erwarten? Es wird halt alt! Ist ein Gebrauchsgegenstand!
Die Kratzer bei mir vermehrten sich. Im Moment verbinden sie sich untereinander und es bröckelt so leicht. Noch bin ich beweglich. Noch kann ich mein Gewicht beeinflussen. Noch kann ich gesund leben. Mehr auf die Nahrungsmittel achten. Für einen gesunden Ausgleich sorgen. Verantwortlich und behutsam mit mir umgehen. Ich kann das Bröckeln hinausschieben. Aber eben nur schieben - nicht verhindern.
Aber ich bin grundiert! Ich bin so was von gut grundiert! Jetzt, wo es bröckelt, sehe ich erst, wie gut es bei mir grundiert ist! Und erst wenn der Lack ab ist. Der ganze Lack! Dann sehe ich die ganze Grundierung. Mir wird klar, dass ich gar nicht mehr brauche. Der Lack ist wunderbar für dieses Leben - aber, auf die Grundierung kommt es an! Und? Was meinst du dazu?
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