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Freitag, 31. Januar 2020

Der Mensch lasse zuerst sich selbst, dann hat er alles gelassen. (Meister Eckhart 1260 - 1327)

Ich schaue oft auf das Außen und mache mich da fest. Wenn mein Arbeitgeber sich verändert, dann geht es mir gut. Wenn das Wetter besser wäre würde ich spazieren gehen. Wenn ich mehr Geld hätte, dann könnte ich mir mehr kaufen und wäre dann glücklicher. Wenn mein Lebenspartner besser zuhören könnte wäre ich mit meiner Ehe zufrieden. Immer muss dann im Außen etwas geschehen.
Stelle dir vor, dass du von dir nach außen hin Fäden knüpfst. Du bist auf der einen Seite und am anderen Ende deines Fadens befindet sich eine "Außenstation". Was dort geschieht kannst du nur schwer beeinflussen. Dort geschieht, was immer geschieht. Du kannst wünschen, bitten, befehlen. Aber am Ende macht der andere Pol deines Fadens das, was dort geschieht.
Das andere Ende des Fadens liegt aber in deiner Hand und in deinem Herzen. Wenn du an dieser Stelle einen Faden loslässt, bist du wieder frei. Dann kann dein Gegenüber machen, was es will. Wenn ich alle Fäden loslasse dann muss ich nichts mehr halten. Nicht mehr ziehen. Keine Kraft mehr vergeuden.
Meister Eckhart geht noch einen Schritt weiter. Er spricht nicht von den "Fäden" im Inneren, die du loslassen sollst, sondern vom Menschen, der zuerst sich selbst lasse. Ich lasse mich los. Mich in meiner Tiefe. Ich gebe mich selber frei. Ich will nichts mehr. Ich halte gar nichts mehr fest. Ich wechsel das Betriebssytem. Mache eine Radikalkur. Ich werde zum Gast auf dieser Erde. Ich darf viel und muss nichts mehr. Ich lasse. Wenn ich also wieder etwas will, und unbedingt will, dann lasse ich als einen ersten Schritt. Ich lasse los, damit ich gar nicht erst festhalte. Ich fange mit dem Festhalten gar nicht erst an. Es macht ja schließlich keinen Sinn. Dann kann das Gewünschte sich ereignen, muss es aber nicht. "Der Mensch lasse zerst sich selbst, dann hat er alles gelassen." Es geht um eine Grundhaltung. Eine Grundhaltung, die grundsätzlich alles verändert. Eine herausfordernde tägliche Übung. Es ist nicht mit einem Beschluss getan. Tägliches Einüben in die Gelassenheit!
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Donnerstag, 30. Januar 2020

Let's share some air!

Magst du mit mir ein wenig von deiner Zeit teilen?
Wir beschnuppern uns.
Teilen die Luft in diesem Raum.
Ich kann dich gut riechen!
Du mich hoffentlich auch!

Es ist so leicht! Wir teilen eine Überfülle an Luft.
Du wirst nicht ärmer und ich auch nicht.
Wir atmen beide und es ist mehr als genug da.
Wir hören nicht auf zu atmen und es bleibt noch genug Luft übrig.

Wir können noch mehr Menschen einladen in diesen Raum.
Wir können bei Bedarf das Fenster öffnen oder nach draußen gehen.
Da gibt es noch mehr Fülle.
Bis zum Ende meines Lebens werde ich nicht fertig sein mit dem Atmen.

Lass uns ein wenig diese Luft teilen.
Es weitet die Lunge und stärkt mein Herz!
Tief ein- und wieder ausatmen.
Tief durchatmen - mit dir!

Da sitze ich in einer Konferenz und es herrscht dicke Luft!
Da muss ich irgendwann raus.
Verbraucht! Negative Energien! Energieverluste!
Dann stehe ich auf und öffne die Tür.
Du gehst neben mir und wir schauen uns an.
Komm, teilen wir draußen gemeinsam die Luft!

Let's share some air!
Ich share mit dir meine Gedanken.
Ich share mit dir mein Wasser.
Ich share mit dir mein Pausenbrot.
Ich share mit dir some air!
Tut einfach gut!

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Mittwoch, 29. Januar 2020

Ganz schön übertrieben!


Übertreibungen von etwas Gutem verdrehen sich schnell ins Gegenteil.

Übertriebenes Wissen führt schnell zur Überheblichkeit.
Übermäßige Pünktlichkeit führt zu Unfreiheit.
Zu viel Sparsamkeit führt zu Geiz.
Zu viel Ordnung führt zur Erstarrung.

Zu viel Sauberkeit führt zu Sterilität.
Zu viel Bewegung führt zur Rastlosigkeit.
Zu viel Ruhe führt zum Tod.
Zu viel Sicherheit führt zur Abgrenzung.

Zu viel Sorglosigkeit führt zu Verlusten.
Zu viel Aufmerksamkeit führt zur Kontrolle.
Zu viel Warten führt zu Passivität.
Zu viele Erwartungen führen zu Enttäuschungen.

Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Die Dinge sind nicht an sich gut! Sie stehen immer in einem Kontext. In der Familie bin ich vielleicht der Rastlose und in der Firma die Ruhe selbst. Und das Verhalten wird von uns bewertet. Ein ruhiger Mensch bekommt vielleicht unsere Achtung, einen phlegmatischen Menschen lehnen wir eher ab.
Schreib doch mal eine Liste deiner "guten" Eigenschaften. Da gibt es ganz viele! Dann beobachte mal, in welchen Situationen du übertreibst. Dann frage dich, wie man eine solche Eigenschaft nennt und ob du die auch kennst. Du beobachtest, dass du vielleicht gerne mit Menschen redest und sie unterhalten kannst. Und wenn du übertreibst, dann könnten dich deine Freunde schnell für einen "Schwätzer" halten. Vielleicht möchtest du ja hier und da ein neues Maß finden?!
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Dienstag, 28. Januar 2020

Jetzt wird es aber echt mal Zeit!

Jetzt wird es aber echt mal Zeit, dass ich zum Friseur gehe. Meine Haare sind schon viel zu lang. Wie sehe ich nur aus! Was denken wohl die Leute! So kann ich mich überhaupt nicht mehr sehen lassen.

Jetzt wird es aber echt mal Zeit, dass ich abnehme. Diese vier Kilo machen mir einfach zu schaffen. Ich bekomme die nicht weg! Die kleben an meinem Bauch und sehen aus wie acht Kilo. Jetzt habe ich lange genug nur einfach herumgedacht.

Jetzt wird es aber echt mal Zeit, dass ich mehr auf mich selbst achte. Ich habe schon so viele Überstunden gesammelt. Ständig diese vielen Projekte am Hals. Niemand, der es mir am Ende dankt. Ich zahle hier mit meiner Gesundheit.

Jetzt wird es aber echt mal Zeit, dass ich mein Fahrrad reparieren lasse. Ständig geht mir die Luft aus dem Reifen. Die Kette knattert und die Bremse greift nicht mehr so richtig. Das nervt mit der Zeit. Irgendwann bleib ich stehen!

Jetzt wird es aber echt mal Zeit! Und es ist gut, dass ich das mal gesagt habe. Und es ist echt mal Zeit für noch so viele andere Dinge. Mein Leben ist gepflastert mit Baustellen. Da sind die Autobahnbaustellen in NRW nichts dagegen. Jetzt wird es aber echt mal Zeit, grundsätzlich durchzugreifen. Von Grund auf! Radikal! Echt mal Zeit!

So! Jetzt ist es raus! Und jetzt setze ich mich hin und beruhige mich erst mal. Trinke eine Tasse Kaffee und komme zu mir. Und dann sehe ich mal weiter.
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Montag, 27. Januar 2020

Schritt zurück oder Anlauf nehmen?

Als Kind konnte ich nicht über einen Bock springen. Mein Turntrainer meinte, dass ich mehr Anlauf nehmen müsste. Ich schaute den anderen Kindern zu. Sie standen an ihrem Ausgangspunkt. Gingen in Schrittstellung. Bewegten sie vor und zurück. Aus der Rückwärtsbewegung in den Anlauf. So habe ich das wahrgenommen.
So machte ich das auch. Ich ging in Schrittstellung. Schaukelte vor und zurück. Dann ganz richtig zurück um in den Anlauf zu finden und rannte los... und stoppte vor diesem Block abrupt ab. Ich hatte wieder was falsch gemacht. Worauf kommt es an? Auf den Schritt zurück? Ordentlich Anlauf nehmen? Kann man auf eines verzichten? Bedeutet der Schritt zurück nicht eine Art Selbstausbremsung? Oder verlängere ich den Anlauf und bekomme mehr Speed? Ich habe es nicht herausbekommen. Aber etwas anders fand ich heraus.
Ich stoppte vor diesem Bock weil ich Angst hatte. Ich wollte mir nicht weh tun. Wie kommt man über den Bock ohne sich anzustoßen oder am Ende hinzufallen? Die Frage nach dem Anlauf stellt sich überhaupt nicht. Die Angst ist das große Thema. Mit vierzig Jahren bin ich das erste mal über einen Bock gesprungen. Mit Eleganz und völlig angstfrei! Wow! Was lerne ich daraus fürs Leben?
1. Manchmal lohnt es sich, nach ein paar Jahrzehnten einen neuen Anfang zu machen. Es ist nie zu spät!
2. Wenn ich am falschen Ende anfange, mein Problem anzupacken, wird es dafür keine Lösung geben. Ich kaufe ja auch keinen Hammer beim Bäcker.
3. Angst ist manchmal ein echt lebenseinschränkendes Gefühl. Ganz oft hilfreich um vor Gefahren zu warnen. Und oft auch eine Behinderung.
4. Der Bock war die Chance für mich, mich meiner Angst zu stellen. Mein Job bestand nicht darin, über den Bock zu springen, sondern die Angst zu bewältigen. Wofür Böcke gut sein können!
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Samstag, 25. Januar 2020

Nahrung für die Seele!




In einem Bericht über technische Veränderungen am Arbeitsplatz lese ich einen interessanten Gedanken. Arbeitsabläufe, die früher mit Händen und Muskelkraft mühsam bewältigt wurden, werden heute von Maschinen erledigt. Für eine solche Arbeit braucht es dann eher Köpfchen als Händchen. Im Laufe der Jahre entstanden in klugen Köpfen Maschinen in klein und groß bis überwältigend für alle erdenklichen Arbeitsabläufe. Dabei werden die Techniken immer detaillierter und ausgereifter. Viele empfinden es als eine große Erleichterung, weniger körperlich belastet zu sein. Allerdings steigt damit auch die Erwartung an den Kopf. Technik will bedient werden. Wenn ich entscheiden müsste eine Kiste von A nach B zu tragen, würde ich mich auch für den Gabelstapler entscheiden.
Im Baumarkt stehe ich staunend vor all den vielen Geräten und Werkzeugen. Für jede erdenkliche Arbeit existiert ein spezielles Werkzeugteil. Dahinter steckt letztlich ein unglaublicher Erfindergeist und Präzisionsarbeit über viele Jahrzehnte bis zu Jahrhunderten.
Jetzt mache ich einfach einen Sprung und betrachte ich meine Seele. Wurde für die Seele inzwischen auch ein Gabelstapler erfunden, der das Leben erleichtert? Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir unsere Seele immer noch mit den Steinzeitwerkzeugen bearbeiten. Meistens ignorieren wir sie. Wir hoffen, dass sie uns im Alltag nicht in die Quere kommt und die Stimmung vermasselt. Was stellen wir mit unserer Seele alles unbewusst und unbemerkt so an?
Wir spüren nicht, wenn wir zu stark belastet sind in unseren Beziehungen und unserer Arbeit und machen einfach weiter so.
Wir streifen unsere Bedürfnisse nach Geborgenheit und Streicheleinheiten ab wie eine nicht nötige Haut und denken, wir müssten den Alltag bewältigen.
Wir nehmen uns Zeit zum Putzen der Zähne und verschieben das Seelenpflegen auf die wenigen Urlaubstage im Jahr. Dabei verwechseln wir auch noch körperliches Ausruhen mit aktiver Seelenpflege.
Was braucht die Seele denn eigentlich zum Leben? Im übertragenen Sinn kann ich fragen: Wenn der Körper zur Entlastung einen Gabelstapler braucht, was braucht da die Seele?
Die erste Antwort, die mir dazu einfällt heißt: Nimm sie erst einmal wahr! Beachte sie! Schenke ihr deine Aufmerksamkeit! Befrage sie doch einmal: „Was brauchst du, dass es dir gut geht?“ Vielleicht wird deine Seele erst zaghaft und zögerlich hervorkommen und Schwierigkeiten haben, sich auszudrücken.  Sie braucht Zeit.  Sie ist unglaublich schnell und zugleich braucht sie Zeit und ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich empfehle dir folgende Übung.
Du gehst zum Bäcker und schaust auf die Auslagen. Du schaust nicht mit den Gedanken im  Kopf: „Was fehlt in meinem Haushalt, was ist gesund? Wie teuer ist das?“ Du fragst stattdessen deine Seele: „Worauf hast du Lust! Was lacht dich an! Was erfreut dein Herz!“ Es kann sein, dass du am Ende ganz unvernünftig bist und irgendein Sahneteilchen kaufst. Dein Kopf wird Bedenken äußern, aber deine Seele frohlockt. Mir geht es bei diesem Beispiel nur das Einüben. Zugleich geht es darum, dass du den Unterschied spürst, ob du im Kopf bist oder mit der Seele arbeitest. Auf die Dauer sollten Kopf und Seele natürlich besser zusammenarbeiten.
Deine Seele benötigt eigentlich keinen Gabelstapler. Deine Seele ist schöpferisch und kann jeder Zeit etwas neu erfinden und hervorrufen. Sie erzählt Geschichten, schenkt dir Freude im Alltag, hüpft um dich herum wie ein kleines Kind, schenkt dir spontan tiefe Erkenntnis und Weisheit, ist unberechenbar und total zuverlässig an deiner Seite.
Zugleich ist sie flüchtig und versteckt sich, wenn du für sie nicht aufmerksam bist. Wie Was für Gewichte der Gabelstapler, ist die Achtsamkeit für die Seele. Wenn du weißt, dass deine Zähne tägliche Pflege brauchen um gesund zu bleiben, dann schenke deiner Seele ein Vielfaches denn mit ihr reist du in das neue Leben. 

Freitag, 24. Januar 2020

Ich dachte ich wäre verliebt, aber ich hatte nur Hunger

Eine mutige Erkenntnis!
Du siehst einen Menschen, den du nett findest.
Es zieht dich hin zu diesem Menschen.
Du möchtest die Nähe.
Du wünschst dir Zärtlichkeit.
Du möchtest gesehen werden.
Du bist voller Sehnsucht.

Du siehst einen anderen Menschen und denkst, dass du verliebt bist.
Dabei schaust du wie in einen Spiegel.
Du siehst nicht diesen anderen Menschen.
Du siehst dich selbst.
Dein Gegenüber löst nur etwas in dir aus.
Es geht nicht um diesen Menschen.
Du denkst es nur.
Weil du so sehnsüchtig bist.
Weil du im Mangel bist.
Weil dir etwas fehlst.
Weil du hungrig bist.

Hungrig nach Liebe und Zuneigung.
Dein Hunger verhindert, dass du dein Gegenüber als eigenständigen Menschen wahrnimmst.
Du siehst ja dich selbst mit deiner Bedürftigkeit.
Wenn du Glück hast, dann wachst du rechtzeitig auf.
Bevor du dein Gegenüber zum Erfüllen deiner Bedürfnisse gebrauchst.
Du stellst fest, dass keine Liebe ist, weil du gar nicht dein Gegenüber meinst.
Du meinst dich selbst.
Du spürst deinen Hunger nach Liebe.

Und?
Kannst du den aushalten?
Wo ist der Ort, an dem du deinen Hunger stillen kannst?
Andere Menschen für deine Zwecke verwenden?
Wie gekaufte Süßigkeiten, Zigaretten oder Alkohol?

Oder bist du bereit, dich mit deinem Hunger auf die Suche zu begeben nach der Quelle, die diesen Hunger stillt. Wo darfst du nehmen ohne zu stehlen? Wo bekommst du geschenkt ohne eine Gegenleistung? Es muss eine Quelle sein, die unerschöpflich und grenzenlos ist. Eine, die genug hat für jedes Geschöpf dieser Welt. Gesegnet bist du, wenn du diese Quelle gefunden hast.
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Donnerstag, 23. Januar 2020

Tue erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche. (Franz von Assisi)


Das Unmögliche zu schaffen ist eine große Herausforderung. Das Unmögliche zeichnet sich darin aus, dass es halt unmöglich ist - jenseits meiner Möglichkeiten. Ich kann unmöglich Frieden in Syrien schaffen. Es ist unmöglich für mich, meinen Chef auszutauschen. Ich kann mir keine anderen Eltern aussuchen. Und ich kann das Gerät, das die Lottozahlen zaubert, nicht beeinflussen. Tausende von Dingen entziehen sich meinen Möglichkeiten. Wenn ich das Unmögliche aber unbedingt will, dann renne ich da wie gegen eine Wand. Ich frustriere mich ständig selbst und gerate schnell in eine tiefe Depression.
Franz von Assisi empfiehlt mir, erst das Notwendige zu tun. Also das, was die Not wendet. Ich kann dafür sorgen, dass ich Wasser bekomme für meinen Durst. Ein Stück Brot für meinen Hunger. Eine Umarmung von einem Menschen, der mir seine Aufmerksamkeit schenkt. Wenn ich mich um das Notwendige kümmere, dann sorge ich erst einmal gut für mich. Ich sammle im übertragenen Sinne Sonnenstrahlen. Ich bewege meine Seele im Raum von Erfüllung und nicht von Mangel.
Allein darin liegt das große Geheimnis: Ich frustriere mich nicht angesichts der Unmöglichkeiten, sondern ich beginne mit dem, wo ich beginnen kann.
Wenn ich einmal angefangen habe, mich um das Notwendige zu kümmern, sehe ich die Möglichkeiten. Wenn der erste Schritt geht, dann geht irgendwo und irgendwie auch noch ein zweiter Schritt. Eben ein möglicher Schritt. Ich gehe Schritt für Schritt und Möglichkeit für Möglichkeit. Ich bewege mich immer mehr im Bereich von Leben, Liebe und Fülle. Und ohne, dass ich dafür extra arbeite eröffnet sich der Raum der Unmöglichkeit. Die Unmöglichkeit wird dir geschenkt.
Franz von Assisi zeigt mir, wie menschliches und göttliches zusammenwirken kann. Die göttlichen Seiten in mir erschaffen das Unmögliche. Sie sind aber darauf angewiesen, dass ich mit meinen menschlichen Möglichkeiten arbeite. Ich kann mich nicht einfach resigniert hinsetzen und warten, dass das Wunder geschieht. Das Wunder zeigt sich oder auch nicht im Gehen meines Weges. Wie bei einer Wanderung gehst du um eine Biege und es öffnet sich ein neuer Blick. Wenn du das Notwendige zuerst tust, hast du schon alles gemacht. Die Not ist vorüber. Du kannst aufatmen und gelassen weitergehen. Für heute wünsche ich dir viel Wunder und die Freude und die Kraft für die notwendenden Schritte.
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Mittwoch, 22. Januar 2020

Mögest du bei jedem Erwachen eine Stimme hören, die zu dir spricht: Heute wird dir was gutes widerfahren. (irischer Segen)


Du wachst auf und dir wird bewusst, dass heute dein Geburtstag ist. Du wirst Anrufe bekommen von Menschen, die dir Glück wünschen. Du wirst in der Post schöne Karten und Briefe finden von Menschen, die an dich gedacht haben. Es wird im Laufe des Tages mehrfach an der Tür klingeln und Freunde werden dich besuchen mit einem Geschenk in der Hand und Freude in den Augen. Du wachst also auf in dem klaren Wissen: Irgendjemand denkt heute an dich und schenkt dir seine Aufmerksamkeit und Liebe. Wenn du Geburtstag hast gehst du davon aus, dass das geschehen wird.
Es ist ein ganz normaler Tag. Du hast keinen Geburtstag und nichts Besonderes liegt an. Kein Jubiläum, kein Fest, ganz normaler Alltag. Wie viele dieser Tage gibt es in deinem Leben? Tage, an denen nichts geschieht außer eben Alltag? Du wachst am Morgen auf und gehst einfach hinein in deinen Tag ohne Wünsche oder positive Erwartungen. Du stehst auf weil der Wecker klingelt und deine Arbeit dich ruft. Die Tiere wachen auch auf, wenn der Tag beginnt und gehen schlafen, wenn er endet – je nach tierischer Eigenart.
Jetzt stell dir vor, dass du am Morgen eine Stimme hörst, die zu dir spricht: „Heute wird dir was gutes widerfahren.“  Wie wirst du aufstehen? Wie stehst du auf im Unterschied zu den anderen Morgen? Was wird dieser Satz in dir auslösen? Freudige Erwartung? Ungeahnte Kraft und Energie? Frohe Beschwingtheit? Stell dir also vor, dass du diese Stimme hörst. Du wirst die Augen aufmachen, dein Herz öffnen, hinhören und aufmerksam sein. Während des Tages geht deine Aufmerksamkeit hin zu der Erfüllung dieses Versprechens: „Ah, da widerfährt mir etwas gutes!“ Du weißt ja nicht, was geschehen wird. Alles kann für dich gut sein! Der Bus, der pünktlich kommt und der freie Sitzplatz für dich! Der geschenkte Freiraum bei der Arbeit, weil ein Termin abgesagt wurde! Das Sonderangebot in der Modeboutique oder was auch immer.
Die Stimme spricht nicht von vielleicht oder möglicherweise. Sie ist klar und präzise: „Heute wird...“
Jetzt magst du sagen: „Ich habe leider noch nie eine solche Stimme gehört am frühen Morgen.“ „Woher sollte diese Stimme kommen?“ Ich bin schon froh, wenn ich die Augen öffnen kann und alles so einigermaßen seinen geordneten Weg geht.
Wenn du auf die Stimme von außen wartest wirst du wahrscheinlich lange warten müssen. Was hindert dich daran, selber diese Stimme zu sein? Morgen also wachst du auf und sagst dir: „So schlimm kann gar kein Tag sein, als dass da nicht zwischendurch auch einmal ein kleines Wunder geschieht. Heute entscheide ich mich dafür, alle möglichen schlimmen Ereignisse zu übersehen und mich voll und ganz auf das Wunder zu konzentrieren, das heute auf mich wartet.“

Dienstag, 21. Januar 2020

Das Grün der Wiesen erfreue deine Augen, das Blau des Himmels überstrahle deinen Kummer, die Sanftheit der kommenden Nacht mache alle dunklen Gedanken unsichtbar. (Irischer Segen)


Wie gehst du mit Kummer und mit dunklen Gedanken um? Wo wohnen sie in deinem Körper? Spüre dem einmal nach. Vielleicht sitzt der Kummer im Herzen und die dunklen Gedanken im Kopf? Vielleicht sitzen sie da und strahlen auf deinen ganzen Körper aus. Du spürst die Schwere in den Gliedern. Du entwickelst einen Tunnelblick. Du nimmst nicht mehr wahr, was um dich herum geschieht.
Kummer und dunkle Gedanken sind wirklich schwer zu ertragen. Die dunklen Gedanken kommen oft als ein Grübeln daher. Hier eine Schleife, daraus eine neue Schleife... Du gehst von Schleife zu Schleife und... dann fängst du wieder von vorne an. Die dunklen Gedanken lieben die Worte: Hätte, Sollte, Müsste. Der Kummer liebt den tiefen Seufzer und die Ohs und Ahs.
Die bedrückende Nachricht heißt: Kummer und dunkle Gedanken gehören zum Menschsein dazu. Sei dankbar, wenn du davon nicht zu viel hast. Aber sie sind und bleiben ein Teil von dir.
Der irische Vers leugnet das auch nicht. Er schenkt dir jedoch eine Ergänzung. Wenn du schon Kummer hast, dann möge das Blau des Himmels ihn überstrahlen. Im Lichte des blauen Himmels bekommt der dunkle Kummer eine andere Färbung. Und wenn deine Sorgen dich gefangen halten richte deine Augen auf das Grün der Wiesen.
Dieser Aspekt ist interessant! Der irische Segen schlägt uns eine Art Farbtherapie vor. Im Grün des Lebens und im Blau der Beruhigung findet dein Kummer Trost. Am Tag mag das noch gehen. Der größte Verbündete von kummervollen Gedanken ist jedoch die Nacht. Ich kenne so viele Menschen, die sich tagsüber gut ablenken können, aber beim Einschlafen fangen die Gedanken an zu kreisen. „Die Sanftheit der kommenden Nacht mache alle dunklen Gedanken unsichtbar.“
Auf dem ersten Blick erscheint dir die Nacht wie ein Feind. Er verstärkt die dunklen Bilder und angsteinflößenden Gedanken. Mir gefällt es, das Bild der Nacht zu verändern. Die Nacht kann sehr sanft sein. Als Kind bist du unter die dunkle Decke gekrochen und hast dich versteckt wie in eine Höhle. Ich lege mich also schlafen und entwickle das Bild einer bergenden Höhle. Wenn dann die Gedanken kommen sage ich ihnen: „Ich kann euch nicht sehen, es ist ja dunkel! Erst morgen im Licht des neuen Tages kann ich mich wieder mit euch beschäftigen. Macht es wie ich und legt euch schlafen. Gute Nacht!“
Erinnerst du dich an die schöne Familienserie von den „Waltons“? Zum 
Schluss einer jeden Episode gab es einen kurzen Dialog quer durch alle Schlafzimmer. Das war ein sehr hilfreiches Ritual den Tag abzuschließen. Jeder sagt seinen letzten Gedanken und vergewissert sich, dass alle Familienmitglieder da sind. Dann lassen alle ihre Gedanken los und Stille kehrt ein. Wünsche also deinem Kummer eine gute Nacht und versprich ihm, dass du dich am nächsten Tag wieder darum kümmerst. 

Montag, 20. Januar 2020

Wenn du strauchelst, weil dir die Arbeit zu schwer wird, möge die Erde tanzen, um dir das Gleichgewicht wiederzugeben. (irischer Segensspruch)


Ich erinnere mich an meine ersten Erfahrungen mit der Telefonseelsorge. Ich saß am Telefon und war ganz aufgeregt. Hoffentlich war ich eine gute Hilfe für einen Menschen in Not. Dann kam die Katastrophe: Es rief ein Mann aus Bayern an und ich verstand kein Wort. Ich verlor den Kopf und wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich versuchte, mir beim Hören einen Sinnzusammenhang zu erschließen. Dann traute ich mich, ihm zu sagen, dass ich ihn nicht verstehe. Daraufhin erklärte er mir sein Problem noch einmal, wieder in tiefstem bayrisch. In meiner Not kam ich auf die Idee, ihn zu bitten, für einen Norddeutschen etwas hochdeutscher zu reden. Da verstand er mein Problem und bemühte sich auf bayrisch-hochdeutsch. Ich verstand wieder nichts.
Während des Anrufs gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Du bist nicht geeignet für die Telefonseelsorge! Was ist, wenn er sich beschwert. Du kannst mit niemandem darüber reden. Du hast Vorurteile gegen Bayern. Was ist, wenn jetzt alle Anrufer aus Dialektgegenden anrufen. Was mach ich nur! Gebe ich diese Aufgabe auf?
Ich hatte wirklich den Eindruck zu straucheln. Diese Erfahrung wird sicher der Eine oder die Andere mit mir teilen. Auch im Beruf kommt es vor, dass du dich überfordert fühlst. Irgendwann kommt es zum Blackout. Schüler kennen das von einem Test und Trainer vor einem hochwichtigen Vortrag.
Es kommt dabei zu bestimmten Körperphänomenen. Du erstarrst, du wirst steif und du hörst auf zu atmen.
Wenn du strauchelst, weil dir die Arbeit zu schwer wird, möge die Erde tanzen. Mir gefällt das Bild. Wenn ich mich versteife könnte die Erde sich bewegen, damit ich wieder in meinen Rhythmus zurückfinde.
Wenn ich mich schon nicht mehr bewegen kann, dann bewegt sich die Welt um mich herum dennoch weiter. Die Erde hat ihren eigenen Tanz, das Leben pulsiert.
Wenn ich demnächst bei einer Überforderung kopflos werde gehe ich in die Achtsamkeit. Ich spüre den Boden, der mich trägt. Ich atme tief durch und lasse mich von den Geräuschen und Stimmen der Umgebung wieder einladen, am Spiel des Lebens teilzunehmen. Die Erde ist groß genug, für ein ständiges und zuverlässiges Gleichgewicht zu sorgen. 

Samstag, 18. Januar 2020

Immer nur die erste Liga - oder vom Umgang mit den Sackgassen

"Street One" kann ich verschieden verstehen.
Es könnte sich um die beste und großartigste Straße im Vergleich zu allen anderen Straßen handeln. Die First Class Straße. Eine, auf die ich mich unbedingt bewegen möchte. Sehen und gesehen werden. Wer diese Kleidung trägt, der kann mithalten auf den Einlaufsmeilen dieser Welt. Der spielt in der ersten Liga. Immer die Nr. 1 sein!

Die zweite Lesart für mich lautet: Wer nur "eine Straße" kennt, landet schnell in der Sackgasse. Virginia Satir empfiehlt bei der Suche nach Lösungen, wenn du ein Problem hast, folgendes:
Ein Weg führt in die Sackgasse. (Street One)
Zwei Wege führen in ein Dilemma. (Street Two)
Ab dem dritten Weg beginnt die Freiheit. (Three and more streets)
Das ist genug Stoff zum Nachdenken, nicht wahr? Wo befindest du dich heute wie in einer Sackgasse? Wo musst du dich zwischen A und B entscheiden und kannst das nicht? Welches wäre jetzt dein dritter und/oder vierter Weg?
Vielleicht wird es Zeit für eine Marke: "Many streets".
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Freitag, 17. Januar 2020

Das Leben ist nicht das, was es sein sollte. Es ist, was es ist. Die Art und Weise, damit umzugehen, macht den Unterschied. (Virginia Satir)

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann kann ich vieles entdecken, das mich an meiner Entwicklung gehindert hat. Viel Leid, körperliche Beeinträchtigungen, Konflikte, Anspannungen und Mangel. Aber das Leben ist nicht das, was es sein sollte.
Eigentlich sollte das Leben sein, dass ich genug zu essen habe und ein Dach über dem Kopf. Dass ich Fürsorge und Liebe als Kind empfange und einen Platz habe, an dem ich sicher bin und wo ich mich in meiner Freiheit entfalten kann. Eigentlich sollte das Leben ein Paradies sein. Eigentlich!
Vielleicht gibt es Menschen, die optimale Bedingungen hatten. Die Beste aller möglichen Welten. Aber das ist nicht die Regel! Wenn ich mich umschaue dann sehe ich immer wieder, dass das Leben nicht das ist, was es sein sollte. Immer fehlt etwas. Nie ist es genug.
Es ist, was es ist. Wenn ich einverstanden bin mit mir und meiner Biographie, kann sich etwas lösen, kann sich ein neuer Weg auftun. Ich könnte auf mein Recht nach heiler Kindheit beharren. Es einfordern - beim Arzt, bei der Regierung, bei den Eltern oder bei Gott. Und wenn die nicht reagieren? Wenn ich nichts bekomme? Dann sitze ich da wie ein Bettler und warte auf ein Almosen. Ich kann das machen!
Ich kann mich aber auch daran erinnern, dass ich ein Mensch bin, der zur Freiheit berufen ist. Ich kann mich dafür entscheiden, aus meiner Hypothek etwas zu machen. Ich kann etwas verwandeln, ich kann etwas befrieden, ich kann mich auf Neues einlassen. Das meint Virginia Satir, wenn sie von der Art und Weise des Umgangs mit meinen Lebensereignissen spricht. Trotz allem, was da nicht in Ordnung ist, gibt es noch Möglichkeiten, die ich ergreifen kann. Und sogar mit dem, was scheinbar nicht in Ordnung ist, kann ich noch etwas machen. Wo liegt das Geschenk in dem, was eigentlich anders sein sollte? Wo hast du dich entwickelt, obwohl die Voraussetzungen nicht optimal waren? Wenn du aufmerksam hinschaust wirst du das Wunder entdecken, was aus dir geworden ist. Auch, wenn das Leben nicht das ist, was es sein sollte. Du  hast immer eine Chance, damit umzugehen.
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Donnerstag, 16. Januar 2020

Wir brauchen vier Umarmungen am Tag, um zu überleben. Wir brauchen acht Umarmungen am Tag, um uns selbst zu versorgen. Wir brauchen zwölf Umarmungen am Tag, um erwachsen zu werden. (Virginia Satir)

Das übersehen wir oft, dass wir menschliche Wesen sind. Wir brauchen den Körperkontakt. Da geht es um das Spüren, um Nähe und um das Nähren. Was hast du bekommen als kleines Kind, damit du gut wachsen konntest? Genug Babynahrung wirst du bekommen haben, sonst wärst du gestorben. Und deine Mutter hat auch mit dir gesprochen, sonst wärst du vermutlich auch schon gestorben. Du bist mit Nahrung versorgt worden, hattest einen Schlafplatz und jemand hat mit dir gesprochen.
Für die Nahrungsaufnahme hat deine Mutter dich auf ihren Arm genommen - hoffentlich.
Virginia Satir meint, dass du eine Mindestanzahl an Hautkontakt brauchst, um überhaupt lebensfähig zu sein. Wir brauchen etwas mehr, damit wir als Erwachsene in der Lage sind, uns selber versorgen zu können. Aber für das eigentliche pralle Leben brauchen wir die Fülle. Wenn ich zu wenig Kontakt hatte als Kind werde ich als Erwachsener immer ein Bedürftiger bleiben.
Ich werde andere Menschen benutzen, dass sie mich versorgen. Ich bin ja noch so ein kleines Kind! Wir bleiben Kinder, wenn wir nicht gut versorgt wurden. So gut, dass wir als Erwachsene uns um uns selbst kümmern können.
Mit wie vielen Umarmungen bist du groß geworden? Gab es genug? War es knapp? Schöpfst du aus der Fülle? Ich zähle mich zur Nachkriegesgeneration. Da gab es schon genug, aber es war immer auch knapp. Es reichte so gerade aus. Also nicht vier Umarmungen, eher gegen acht. Aber keine zwölf. Und ich glaube, dass viele in meiner Generation immer noch damit zu tun haben, auf diese zwölf Umarmungen zu kommen. Und wenn wir unseren Kindern eine gute Zukunft bereiten wollen können wir das nur, wenn wir selber erwachsen werden. Wenn wir nicht mehr wie Bedürftige und Süchtige die Welt ausbeuten, sondern in uns selber als Gesättigte ruhen. So wünsche ich dir satt machende Umarmungen, und welche, die du weiterschenken kannst.
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Mittwoch, 15. Januar 2020

Wir können jedes Mal etwas Neues lernen, wenn wir denken, dass wir es können. (Virginia Satir)

Wenn wir denken, dass wir es können, ist das der erste wichtige Schritt. Wenn ich denke, dass ich es nicht kann, werde ich es vermutlich auch nicht können. Ich benötige einen wichtigen ersten Gedanken, wenn ich etwas Neues lernen will. Ich benötigen einen offenen und zustimmenden Gedanken. Ich muss etwas zumindest erst einmal denken können.
Wenn ich etwas Neues lernen soll, gibt es manchmal den ersten Impuls: Hilfe, das geht ja überhaupt gar nicht! Ich fühle mich sofort überfordert und unter Druck gesetzt. Wenn das geschieht nehme ich da in mir drin eine Blockade wahr. Das fühlt sich so an, als ob für den Moment auch anderes nicht mehr geht. Blackout nennt man das!
Es gibt einen Unterschied, der einen Unterschied macht. Wenn ich den Gedanken zulasse, dass es vielleicht eine Möglichkeit gäbe, dann öffnet sich eine Tür in einen neuen Raum. Sonst bleibt die Tür zu. Wenn ich denke, dass ich etwas Neues grundsätzlich lernen könnte bewege ich mich im Möglichkeitsfeld. Das Gehirn schaltet auf Öffnung und Neugier. Darum ist es wichtig, für einen Moment aufmerksam zu sein. Oft macht die Angst dir einen Strich durch die Rechnung. "Hilfe, das überfordert mich!" "Hilfe, ich gehe unter!" Atme mal durch und vertraue, dass immer noch was geht!
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Dienstag, 14. Januar 2020

Niemand kann einen anderen davon überzeugen, sich zu ändern. Jeder von uns hat eine Tür zur Veränderung, die nur von innen geöffnet werden kann. (Virginia Satir)

Mir gefällt die Perspektive, die Virginia Satir beschreibt. Die Tür zur Veränderung meiner selbst lässt sich nur von mir selbst innen öffnen. Wenn jemand von außen an der Tür rüttelt will ich mich nicht verändern. In meinem Inneren habe ich alle Rechte, zu hundert Prozent.
Interessant, wie viele Menschen im Laufe eines Monats denken, was ich bei mir verändern müsste. Viele Menschen haben auch immer eine ähnliche Idee. Sie stellen vielleicht fest, dass ich "immer" so ernst bin und ich sollte lockerer werden. Also würden mich alle Menschen viel lieber haben, wenn ich das täte. Aber will ich das auch selbst?
Ich schaue mich an und finde mich ganz in Ordnung. Mein Gesichtsausdruck ist zum Teil genetisch bedingt. Ich laufe mit diesem Gesicht und mit diesen Falten durchs Leben. Ich sehe keinen Grund, da etwas zu verändern. Ich werde kein Training vor dem Spiegel machen, weniger ernst auszuschauen.
Aber manchmal stehe ich vor meiner Tür in mir drin und möchte diese Tür öffnen und öffne sie auch. Dann habe ich mich selbst dazu entschlossen. Ich bin ganz in Übereinstimmung mit mir und habe dafür ein großes Ja. Da gibt es keinen Druck und keinen Zwang von außen. Kein "müssen" oder "sollten". Dort, wo du deine Tür von innen her öffnest kommt deine ureigene Persönlichkeit zum Vorschein - unglaublich liebenswert und vollkommen!
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Montag, 13. Januar 2020

Wir dürfen nicht zulassen, dass uns die begrenzte Wahrnehmung anderer Menschen definiert. (Virginia Satir)

Du wirst wahrgenommen von den Menschen um dich herum. Sie haben einen Eindruck von dir. Sie leben mit einem Bild, was sie sich von dir gemacht haben. Du hast mal gesagt: "Das ist mir zu teuer." Und du bekommst die Wertung: Der ist geizig. Der schaut aufs Geld. Der ist sparsam... Ständig verhältst du dich zu etwas. Sprichst oder hast einen Gesichtsausdruck. Damit lädst du die anderen Menschen ein, dass sie sich Gedanken zu dir machen und dich am Ende definieren. Das bist du! Genau so! Und nicht anders! Du bist geizig. Du bist launisch. Du bist nett. Du bist cool.
Dann kann es leicht passieren, dass du anfängst, genau nach diesem Bild zu leben. Du verhältst dich so, wie die anderen es von dir erwarten. Und wehe, du machst mal etwas völlig anders. Dann irritierst du die Menschen um die herum. Letztlich geht es beim Bewerten und Einschätzen immer um die Erfüllung des Bedürfnisses nach Sicherheit. Wenn ich einschätzen kann, wie du denkst und dich verhältst, dann kann ich mich sicher fühlen.
Virginia Satir lädt mich ein, dem etwas entgegen zu setzen. Wir dürfen nicht zulassen, durch die begrenzte Wahrnehmung anderer Menschen definiert zu werden. Jeder Mensch ist so unendlich viel mehr als das, was wir wahrnehmen. Und wichtig ist, dass ich mich selbst in meiner Freiheit wahrnehme. Ich darf ganz anders sein und ich habe viele Seiten in mir, die vielleicht noch nicht gelebt werden durften. Und da braucht es auch meine Entschiedenheit. Wenn überhaupt, dann definiere ich mich selbst und nicht mein Gegenüber. Das schafft Freiraum! Ich bin ein Meer voller Möglichkeiten und Wandlungen. Mein Leben ist ein Abenteuer und ich darf immer neues in mir entdecken, das gelebt werden will.
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Samstag, 11. Januar 2020

Gestalte dein Leben, jeden Tag!

Du schaust am Ende der Woche auf deinen Kalender und hältst dir vor Augen, was alles auf dich zukommt. Am Morgen schaust du auf den Tag und überlegst, was du alles erledigen musst. Unter erledigen verstehe ich die Vorstellung, dass wir bestimmte Pflichtaufgaben haben. Von diesen so genannten Pflichten kommen einige zusammen. Essen zubereiten, einkaufen, putzen, aufräumen, waschen usw. Manchmal arbeitest du dich durch diese Aufgaben und hakst in Gedanken ab, was du geschafft hast. Das Wort "erledigen" drückt dabei eine Menge aus. Am Ende bist du erledigt und erschöpft von deinen Pflichten. Du freust dich auf deine freie Zeit und lebst in der Dualität, im Gegensatz von Arbeit und Vergnügen.
Wenn du das Wort "erledigen" nun ersetzt durch "gestalten" betonst du deine Freiheit und deine Kreativität. Du entscheidest, was du machst und wann du es machst. Du entscheidest auch, ob du es mit Liebe tust oder mit Widerwillen. Du kannst die Aufgaben so gestalten wie Kinder ihre Spiele spielen. Der Tag ist ein Geschenk und darfst ihn für dein Vergnügen mit Inhalt und Freude füllen.
In der Bibel wird die Geschichte von Adam und Eva im Paradies erzählt. Vor dem "Sündenfall" mussten sie auch im Garten arbeiten, aber sie vergnügten sich. Nach dem "Sündenfall" verwandelte sich der Tag in Mühsal und Plage. Ob es Mühsal und Plage ist oder Freude, Siel und Vergnügen - diese Entscheidung findet in deinem Kopf und in deinem Herzen statt.
Je bewusster du den Beginn des Tages beginnst und in den Tag hineinmeditierst, desto eher hast du die Chance, die lebensfrohe Seite in den Blick zu nehmen. Vielleicht geht das nicht zu hundert Prozent, aber vom Grundsatz her ist eine Veränderung immer möglich.

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Freitag, 10. Januar 2020

Ich habe keine Lösug, aber ich bewundere das Problem

Ich betrachte Probleme als Probleme und suche für ein Problem eine Lösung. Wenn ich die Lösung gefunden haben besteht das Problem hoffentlich nicht mehr. Ein Problem wird ja dadurch zu einem Problem, dass ich mich damit hilflos fühle. Ich finde keinen Ausweg. Ich möchte diese ungute Situation beseitigen.
Manchmal habe ich zwar ein Problem, aber keine Lösung dafür. So sehr ich auch suche, ich habe dieses Problem. Ich kann in die Beratung gehen und einen Berater bitten, mir bei der Lösung zu helfen. Ein Problem wird ja eben dadurch für mich zu einem Problem, weil ich keine Lösung finde. Und ich denke, dass eine Lösung das Problem lösen würde. Logisch, oder?
Manchmal ist das Problem aber nicht wirklich ein Problem, sondern meine Lösung. Ich mache das, was mir möglich ist. Ich mache eigentlich immer das, was mir möglich ist. Die Lösung mag mir nicht immer super gefallen, aber es ist eine Lösung. Ich könnte sogar sagen: Ich habe kein Problem, weil ich schon eine Lösung habe. Die mir bestmögliche Lösung. Eigentlich geht es nur um das Gefühl zum Problem.
Wenn ich ein Problem habe, fühle ich mich schlecht. Wenn ich eine Lösung habe, fühle ich mich gut. Wenn ich das Problem nicht mehr als Problem definiere, fühle ich mich auch nicht mehr schlecht. Wenn das Problem zum Lösungsansatz wird, könnte ich mich schnell wieder gut fühlen. Auf meiner Postkarte lese ich: "Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem." Wenn ich das Problem bewundere, dann verschwindet das schlechte Gefühl. Dann fühle ich mich trotz Problem besser. Ich kann sagen: "Wow, ich habe dein ein tolles Problem! So eines hat niemand sonst! Ich sollte es behalten. Es ist außergewöhnlich. Eine echte Herausforderung. Ich kann daran wachsen und reifen."
Ich könnte mir also eine menge Probleme wünschen, damit ich daran wachsen und reifen kann. Sonst rosten meine Zellen ein. Ich werde fett und behäbig. Wer will das schon. Lieber ein Problem als passiv herumsitzen. Wer keine Probleme hat kann auch getrost sterben. Wozu noch? Absurder Gedanke?
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Donnerstag, 9. Januar 2020

Freunde, die wie Sterne sind!

Freunde sind wie Sterne; du kannst sie nicht immer sehen, aber sie sind immer da.
Das erinnert mich an die Sprüche im Poesiealbum aus Kinderzeiten und die Bedeutung von Freundschaften.
Meine Erfahrung: Freunde sind wichtig! Sie sind oft für mich da und ich für sie. Das tut mir gut und das tut meinen Freunden gut. Freunde sind eine echte Bereicherung im Leben. Eine wichtige Ergänzung zu Familie. Und für Menschen ohne Familie stehen Freundschaften vielleicht an erster Stelle.
Spürst du schon meine kleinen Bauchschmerzen? Ich klebe an dem Teilsatz: "Aber sie sind immer da." Das gehört nicht zu meinen Erfahrungen: Freunde, die immer da sind. Ich bin auch nicht immer für alle meine Freunde da. Oft und gerne, ja! Immer? Nein, das würde mich überfordern. Das schaffe ich gar nicht. Das würde ich von einem Freund auch gar nicht erwarten.
Dann wäre der Freund ja eher so etwas wie der "liebe Gott". Von Freundschaften kann manchmal auch zu viel erwartet werden. Auf einmal ist der Freund nicht mehr so wunderbar zugewandt. Er kümmert sich um seine eigenen Sorgen und Probleme. Er hat genug mit sich selber zu tun. Er ist in einer Phase, wo es ihm schwer fällt, diese Freundschaft zu leben. Freundschaften können durchaus gefährdet sein.
Wie gesagt: Freunde sind toll. Ich wünsche mir und dir genügend Freundschaften für eine sattes Beziehungsleben. Ich wünsche dir und mir aber auch, dass es nicht zu einer Überforderung kommt. Keine Freundschaft wie ewige Sterne am Himmel sondern eher wie etwas Brüchiges und Menschliches auf der Erde - mit Macken und Einschränkungen; mit Pausen und Enttäuschungen; mit Höhen und auch mit echten Tiefen. Und mit einem gelassenen und großen Einverständnis
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Mittwoch, 8. Januar 2020

Du bist du und noch viel mehr! ... einfach ganz besonders.

Du bist wunderbar! Wie wunderbar!
Hat dir jemand mal gesagt, dass du wunderbar bist? Dein Kind, deine Eltern, dein Mann oder deine Frau, deine Freundin oder dein Freund? Also, du bist wunderbar! Du bist wirklich einfach ganz besonders. Du bist toll! Du bist außergewöhnlich! Du bist großartig!
Hältst du es noch aus oder hörst du auf zu lesen. Kommt bei dir jetzt ein "Ja"! "Ich bin wunderbar! Wie schön!" Oder kommt eher eine Reaktion wie: "Na ja, vielleicht manchmal! Eher aber nicht! Das ist doch übertrieben! Da kommen mir gleich meine Fehler und Einschränkungen in den Sinn. Das meinst du doch nicht wirklich. Außerdem kennst du mich ja gar nicht. Du weißt nicht, wer hier diesen Text liest. Wenn du mich wirklich kennen würdest. Wenn du wüsstest, wie schlecht gelaunt ich oft bin. Wenn du wüsstest, wie oft ich meine Freundinnen und Freunde vernachlässige! Wenn du wüsstest, wie oft ich eine Maske trage um meine Traurigkeit zu verbergen. Wenn du das wüsstest und noch viel mehr, dann könntest du das nicht mehr sagen."
Ein Teil in dir wünscht sich dennoch diese Bestätigung. Du bist wunderbar! Davon lebst du, Das richtet dich auf und macht dich ein paar Zentimeter größer. Und ein anderer Teil will es nicht hören. Kann es kaum aushalten. Ist es nicht gewöhnt. Im Alltag hörst du eher deine Defizite. Das hast du nicht richtig gemacht. Dies könntest du noch verbessern. Trotzdem: Du bist wunderbar!
In einem Seminar hatte eine Teilnehmerin eine Differenz mit dem Seminarleiter. Da kam ein Gefühl von Ärger hoch. Der Ärger bewirkte zunächst eine Trennung. "Der Seminarleiter ist blöd. Der ist ja sooo klug! Dieser Besserwisser! Ich fand ihn mal richtig gut und ich mochte ihn. Jetzt zeigt er aber sein wahres Gesicht. Er kann nichts anderes neben sich gelten lassen. Ist halt ein Sonnenkönig! Ein Superguru!" Daraufhin sprach der Seminarleiter diese Teilnehmerin an so ungefähr mit den Worten: "Da merke ich jetzt Ärger. Ich bin trotzdem mit dir in Verbindung. Spürst du das? Merkst du, dass ich bei dir bin und dich mag ganz unabhängig davon, ob da jetzt eine Meinungsdifferenz da ist oder ein Ärger! Spür einmal nach!" Da wachte die Teilnehmerin auf und ihr wurde klar, dass das Gefühl von Trennung nicht nötig ist. Sie konnte wieder in Verbindung gehen. Mir hat das sehr gefallen. Denn es hat einen Unterschied gemacht zu sonstigen Erfahrungen.
Wenn wir uns über jemanden ärgern gehen wir in der Regel in die Trennung. Wir wollen mit dieser Person nichts mehr zu tun haben. Wir wenden uns ab. Kannst du dir vorstellen, dass du zugleich den Ärger spürst, aber dich nicht trennst sondern in Verbindung bleibst? "Ich ärgere mich jetzt. Aber du wirst es nicht schaffen, dass ich mich von dir trenne. Ich kann immer noch das Wunderbare in dir wahrnehmen und freue mich, dass ich etwas davon bekomme!"
Also noch einmal. Du bist wunderbar! Trotz und jenseits aller Defizite und Mängel. Du bist einfach ganz besonders. Dafür musst du nichts tun! Gar nichts!
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Dienstag, 7. Januar 2020

Deine königlichen Gaben!




Die Gaben der Weisen aus dem Morgenland für das Jesuskind bestanden aus Gold, Weihrauch und Myrrhe. So erzählt es uns das Matthäusevangelium. Dazu gibt es natürlich die entsprechenden spirituellen Deutungen. Gold steht für die Königswürde von Jesus, Weihrauch für sein Priestertum und Myrrhe für seine Heilfähigkeiten.  
Die Geschichte der Magier, Weisen oder Könige mit ihren wunderbaren Geschenken inspiriert mich zum Nachdenken. Diese Gaben unterscheiden sich von den üblichen Geschenken. Ich möchte mit dir mal einen Vergleich anstellen. Wenn du selber einem Freund oder einem Familienmitglied zum Geburtstag etwas schenkst suchst du ein Präsent aus? Aber nach welchen Kriterien? Schaust du in erster Linie, worüber sich jemand freuen würde? Oder fragst du dich, ob ihm etwas fehlt oder nützlich wäre. Überlegst du, was zu diesem Menschen passen könnte? Vielleicht verschenkst du auch etwas, was diese Person so noch nicht besitzt. Ein Buch, Blumen, ein Bild oder irgendeinen anderen Gegenstand. Oder eine Einladung zu einem Ereignis oder einen Gutschein. Durch dein Geschenk machst du das Leben des Beschenkten reicher. Du fügst also in der Regel etwas hinzu.
Wie war das bei den Königen aus dem Morgenland? Haben sie auch etwas zum Kind hinzugefügt? Etwas, was das Kind reicher machte? Wenn ich die Armut im Stall betrachte könnte es so sein.
Mich beschäftigt aber ein anderer Gedanke. Sie haben kein Geschenk im traditionellen Sinne mitgebracht. Sie wollten nicht das Leben von Jesus bereichern sondern eher etwas verdeutlichen. Sie haben etwas sichtbar gemacht, was bislang unsichtbar oder verborgen war. Sie haben durch ihre Gabe deutlich gemacht, wie sie dieses Kind wahrnehmen oder sehen. Sie sehen nicht mit ihren leiblichen Augen das arme Kind in der Krippe sondern mit dem Herzen und ihrer Weisheit den König, den Priester und den Heiler. Sie sagen also nicht: „Wie niedlich dieser Kleine! Ach welch ein süßes Kind!“ Sie sehen vorweg, was in diesem Kind steckt und wohin es sich entwickeln wird.  
Und diesen Gedanken finde ich interessant. Es kommt nicht auf die materielle Qualität der Gaben an. Nicht einmal der symbolische Wert ist wichtig. Es kommt darauf an, was die Weisen in diesem Kind Jesus sehen.
Spannend wird jetzt die Übersetzung auf dein und mein Leben. Stell dich doch einmal vor einen Spiegel und betrachte dich darin. Was oder wen siehst du? Welche Qualitäten nimmst du bei dir wahr. Kannst du so weit gehen, dass du in dir eine Königin, eine Priesterin oder einen Heiler siehst?
Oder siehst du einfach nur einen Mann oder eine Frau in einem bestimmten Alter mit mehr oder weniger Falten und grauen oder sonstigen Haaren. Siehst du die Spuren deiner Lebensgeschichte oder deine derzeitige psychische Verfassung?
Oder kannst du in den Spiegel schauen und entdeckst dort deine ganz ureigene Qualität. „Ich bin ein Zuhörer, eine Zuhörerin.“ „Ich bin ein Tröster, eine Trösterin.“ „Ich spiele mein Leben mit Leidenschaft und genieße alles was ist.“
Worin liegt also deine Qualität jenseits von Bewertung von richtig und falsch oder gut und schlecht. Was gehört so richtig zu dir. Ordnest du die Welt? Erfindest du? Machst du Beziehungen? Gestaltest du etwas mit Materialien oder besitzt du eine grüne Hand? Oder bist du vielleicht sogar ähnlich „gestrickt“ wie Jesus? Du blickst in den Spiegel und siehst erneut und jetzt noch aufmerksamer hin. Königin? Heilerin? Zuhörer? Tröster? Göttin? Findest du es vermessen, so über dich zu denken?
Was hat Jesus wohl bei sich wahrgenommen, wenn er sich gespürt hat. Sah er in sich auch den König, den Priester und den Heiler? Oder war er angewiesen auf das, was andere in ihm sahen oder über ihn sagten?
Ich vermute, dass es eher ein Wechselspiel ist. Wir brauchen ein Gegenüber, dass uns etwas widerspiegelt. Deine Freundin oder dein Freund sagt dir: „Du bist ein guter Zuhörer. Das schätze ich.“ Dann nimmst du den Gedanken auf und prüfst ihn. „Ja, wo du das sagst, kann ich dem zustimmen. Das könnte gut sein.“ Danach achtest du darauf und stellst mehr und mehr fest, dass du wirklich gut zuhören kannst. Und so baust du diese Qualität aus allein durch deine Aufmerksamkeit.
Wie viele Qualitäten und Fähigkeiten mögen in uns schlummern, die noch nicht zum Leben erweckt wurden. Du selber bist blind für dich, weil du nur die Runzeln und Macken siehst. Und die anderen haben es bei dir noch nicht gesehen oder dir nie gesagt. Oder du warst nie in einer Lebenssituation, wo diese Qualität gefragt war.
Haben deine Eltern früher deine Qualitäten gesehen und diese gefördert? Wunderbar, wenn ja! Oder wurde nur nach den Notwendigkeiten gefragt wie: „Mach ordentlich deine Schule! Sei aufmerksam. Sei höflich! Fall nicht auf!“ Wer hat dich im Leben außerhalb des Elternhauses sonst auf deine Gaben aufmerksam gemacht? Wer waren deine Förderer und Entwicklungshelfer?
Vielleicht möchtest du die Chance in diesem Jahr nutzen und dich weiterentwickeln. Du könntest ja mal vertraute oder auch fremde Menschen fragen: „Welche Qualitäten siehst du in mir? Was nimmst du bei mir wahr?“ Es braucht allerdings ein wenig Mut, solche ungewöhnlichen Fragen zu stellen.
Vielleicht könnte umgekehrt dein nächstes Geschenk für einen Menschen auch eine königliche Gabe wie bei den Weisen des Morgenlandes sein. Du gibst also kein „materielles“ Geschenk sondern eher ein Symbol. Verschenke z.B. eine Schachtel Streichhölzer mit dem Satz: „Wenn ich mit dir zusammen bin, dann gibt es immer sehr zündende Ideen, weil du so lebendig bist. Danke für diese Gabe, an der ich Anteil haben darf.“ Oder du schenkst eine Kerze mit den Worten: „Wenn ich bei dir bin, dann strahlst du immer eine so willkommene Wärme aus, die mir gut tut.“
Du überlegst also, welche Qualitäten sehe ich bei meinem Gegenüber. Wie kann ich das, was ich sehe ausdrücken mit einem Symbol und mit entsprechenden Worten.
Je mehr du deine eigenen Gaben kennst, desto bewusster kannst du sie einsetzen und damit arbeiten. Es wäre doch schade, wenn du am Ende des Lebens für immer deine Augen schließt und in der Anderswelt aufwachst. Von dort aus siehst du auf einmal das Potential, dass in dir zu Lebzeiten schlummerte und nie geweckt wurde. Du würdest denken: „Wenn ich das gewusst hätte, wäre mein Leben anders verlaufen.“
Ich möchte dich zu Beginn des neuen Jahres einladen zu einer Entdeckungsreise. Finde deine eigenen königlichen oder göttlichen Gaben. Da werden die kritischen Stimmen auftauchen wie: „Sei nicht überheblich! Das ist aber ganz schön nazistisch! Eigenlob stinkt!“ Du wirst deine eigenen Hindernisgedanken und Sätze bestimmt kennen. Lass dich davon nicht beeindrucken. Diese Sätze stehen wie Wächter vor einer Schatzhöhle und verhindern, dass du deine Gaben entdeckst.
Sei gewiss: Sie sind auf jeden Fall da. Ohne jeden Zweifel! Du bist voller königlicher Qualitäten! Du kannst dir beim Entdecken nur selbst im Wege sein. Stell dich vor den Spiegel und bitte darum, dass du deine inneren Qualitäten wahrnehmen darfst. Bitte deine selbstzerstörerischen „Dämonen“ darum, für einen Moment mal Pause zu machen und zur Seite zu treten. Sieh die Schönheit deiner Augen und die Würde deiner Lebensgeschichte. Blicke in deine Fähigkeiten, grenzenlos zu lieben. Schau dich an oder spüre in dich hinein und wisse, dass du mit der göttlichen Quelle verbunden bist.
Stelle dir vor, dass jede Träne, die du vor Freude oder auch vor Trauer weinst ihren Ursprung in Gott hat. Mit diesen Tränen spülst du deine Qualitäten frei, so dass sie wie ein Diamant sichtbar werden. Du strahlst dich im Spiegel an und verstärkst damit die Idee, dass diese Erde in Wirklichkeit ein Paradies ist.
Die alten irischen Segen haben oft zum Inhalt, dass du die Welt und dich selbst wohlwollend wahrnimmst. Sei selbst wie ein alter irischer Segen voller Geschichte und Kraft. So brauchst du kein Segenswort von außen. Du bist selbst ein fleischgewordener Segen. Für dich, für deine Umgebung und für die Welt.  

Montag, 6. Januar 2020

Synchronisiere dich!

Vielleicht lebst du nicht allein, sondern mit anderen Menschen zusammen. Das ist häufig sehr beglückend und schön, manchmal aber auch voller Spannungen. Eine der Ursachen liegt aus meiner Sicht in einem Mangel an Synchronizität. Wir schwingen alle unterschiedlich.
Zwei Menschen gehen aus und der Eine hat in Windeseile Schuhe und Mantel an und der Andere benötigt gefühlte ewige Zeiten. Ich will dabei die Rolle nicht auf Mann und Frau festlegen. Oder beim Essen ist der eine viel früher fertig als der andere. Du stellst einfach fest, dass jeder Mensch so seine ganz eigenen Zeitabläufe hat. Dein Tag kann sich zäh und langsam anfühlen oder rasch und voll. Die Uhr zeigt allen die gleiche Zeit an. Der Tag behält seine 24 Stunden. Die gefühlte Zeit unterscheidet sich jedoch mächtig von den gemessenen Stunden.
Beim Meditieren erlebe ich es häufig, dass für Einige die halbe Stunde schnell verfliegt und andere schon nach zehn Minuten unruhig werden. Diese unterschiedlichen Zeitgefühlt können im Zusammenleben manchmal zu Konflikten führen.
Der erste Schritt für dich könnte heißen: Werde dir bewusst, wie du selbst deine Zeiten und Abläufe empfindest und gestaltest.
Der zweite Schritt heißt: Beobachte, wie deine Umgebung das erlebt im Unterschied zu dir.
Der dritte Schritt heißt: Überlege, ob du hin und wieder dich dem Zeittempo der anderen angleichen könntest. Führt das zu mehr Harmonie und Ausgewogenheit?
Es kann sein, dass dein Gegenüber dankbar dafür ist, dass du mit Ihm oder Ihr stärker synchron schwingst!

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Samstag, 4. Januar 2020

Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis (Platon)


Alles hat einen Anfang! Auch die Erkenntnis fängt mit etwas an. Wie läuft ein Erkenntnisprozess? Ich werde zuerst mit einer Idee konfrontiert oder einem Ereignis. Das Erlebte verarbeite ich und ich denke darüber nach. Am Ende des Denkprozesses gibt es ein Ergebnis: Die Erkenntnis.
Jetzt hat Platon eine interessante Idee. Am Ende steht die Erkenntnis und am Anfang ist das Staunen. Das "Staunen" ist eine wunderbare Gabe für uns Menschen. Wann hast du das letzte Mal gestaunt? Kinder staunen ständig! Wenn du ihnen etwas erzählst, dann werden die Augen ganz groß und sie sperren den Mund auf. Sie sagen laut: "Oooooh!" und "Aaaaaah!" Sie sind ganz außer sich und völlig erfüllt von dem Erleben. Sie saugen das Gesehene oder Gehörte förmlich in sich auf. Sie erschaudern und sind tief bewegt. Sie wollen mehr davon. Sie wollen es tiefer erfassen.
Wir Erwachsenen sind da schon viel abgebrühter. Es muss schon ein Smartphone mit besonderen technischen Raffinessen sein, das uns staunen lässt. Wenn ich im Urlaub ans Meer fahre dann staune ich über die Weite! Wenn ich in die Berge fahre dann staune ich über die Erhabenheit! Wenn ich dann jeden Tag aufs Meer schaue verändert es sich schon. Das Staunen wird geringer, die Selbstverständlichkeit wächst. Wir tauschen das "Staunen" gegen die "Macht der Gewohnheit." Ja, die Gewohnheiten sind auf die Dauer mächtiger als das Staunen. Schade eigentlich! Wenn wir nicht mehr staunen können nach Platon, dann hören auch die Erkenntnisse auf. Wir nehmen ja nichts mehr wirklich wahr. Wir gehen daran vorbei.
Du kannst ja auch nicht immer ans Meer oder in die Berge fahren damit du mal staunen kannst. Manche Menschen brauchen immer den letzten Kick damit sie sich das Staunen erhalten können, und das "Ooooh"-Gefühl. Wenn ich heute wieder verstärkt staunen möchte dann braucht es mehr Aufmerksamkeit. Ich blicke in den Garten und schaue mir die Eibe an. Das mache ich über einen längeren Zeitraum. Ich beobachte die Meisen, die darin herumhüpfen und Beeren picken. Ich nehme die Schönheit des Baumes wahr und vertiefe mich in das immerwährende Grün. Ich merke, wie das Staunen sich so langsam im Körper ausbreitet. Ich lebe Seite an Seite mit einem Baum, der jeden Tag ganz zuverlässig an seinem Platz steht. Jahr für Jahr! Jeden Tag und ohne Ausnahme steht er da in seinem Grün und gibt mir Schatten und den Vögeln Nahrung.
Meine Aufmerksamkeit geht jetzt am Frühstückstisch zu meinem Lieblingsbäcker. Ich mag sein Brot. Ich kann es jeden Tag essen. Mir wird es nicht überdrüssig. Er backt es zuverlässig jeden Tag für mich. Ich staune über die Kontinuität. Kuchen kann ich nur ab und zu genießen. Frischen Brot mag ich jeden Tag. Und wiederum breitet sich ein langsames und stetiges Staunen aus.
"Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis." Das hieße für mich, bei jedem Anfang dem Staunen mehr Chancen zu geben, wenn sich in mir so ein Gewohnheitsgefühl breitgemacht hat. Ich lade dich ein zum Staunen über all die vielen Anfangssituationen, die dir geschenkt werden im Leben.
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Freitag, 3. Januar 2020

Wo immer das Glück sich aufhält... (irischer Segen)




Wo immer das Glück sich aufhält,
hoffe, ebenfalls dort zu sein.

Wo immer jemand freundlich lächelt,
hoffe, dass sein Lächeln dir gilt.

Wo immer die Sonne aus den Wolken hervorbricht,
hoffe, dass sie besonders für dich scheint.

Damit jeder Tag deines Lebens so hell wie nur möglich ist.

Du kannst dort stehen, wo Menschen unglücklich sind. Du kannst dich auch dort aufhalten, wo Menschen unfreundlich sind. Und du kannst dich dort aufhalten, wo der Himmel bedeckt ist.

Unglück, Unfreundlichkeit und einen trüben Himmel kannst du auf die Dauer nur schwer ertragen. Das kann dich ganz schön herunterziehen und deine Stimmung trüben.

Suche also die Gesellschaft von glücklichen Menschen. Sei dort, wo Menschen freundlich zu dir sind und gehe so weit, bis die Sonne auf deine Haut scheint. Dann findest du gute Voraussetzungen, dass davon etwas auf dich abfärbt und dein Leben positiv beeinflusst. Ich wünsche dir für dieses neue Jahr die Kraft und den Willen, selbst etwas dafür zu tun. Nicht zu warten, dass das Glück hoffentlich mal zu dir kommt, sondern dass du es mit beeinflussen kannst. Ich wünsche dir die Kraft, unfreundliche Menschen zu verlassen und dich denen zuzuwenden, die dir wohlgesonnen sind. Und ich wünsche dir die Kraft, Wege zu finden, wo die Sonne für dich scheint - im Außen wie im Innen.