Samstag, 30. April 2016

Das leben ist zu kurz für schlechtes Essen

"Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen", las ich im Schaufenster eines Naturkostladens. Mehr als fünfhunderttausend Einträge bei google wiederholen diesen Slogan. "Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen."
Ich esse gerne! Ich lebe gerne! Ich kann nicht auf Vorrat essen. Ich benötige jeden Tag neu meine Nahrung. Wenn ich heute esse, was mir schmeckt, geht es mir heute gut. Bin ich heute glücklich und zufrieden. Die Liebe geht durch den Magen! Wenn es mir gut geht schmeckt mir das Essen und wenn ich lecker esse, geht es mir gut. Ich weiß nicht, was morgen sein wird.
In meiner Kindheit gab es keine dicken Bohnen und keine Graupensuppe. Das erinnerte meine Mutter an den Krieg. An Zeiten, wo es nicht genug gab. Und wo das Essen oft schlecht war. Und wo auch schlechtes Essen half, den Tag zu überstehen.
Und manchmal fühle ich an einer Stelle in mir die Kriegsenkelseite. Die Abwehr von dicken Bohnen und Graupensuppe in meinem Herzen, als sei ich selbst noch mitten im Krieg. "Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen." Gibt es da so einen heimlichen Hintergedanken von "schlechten Zeiten", die auf uns zukommen könnten? Nach dem Motto: "Genieße den heutigen Tag. Heute bekommst du gutes Essen. Aber wenn die Bomben explodieren. Wenn wir überflutet werden von Flüchtenden. Wenn der Terrorismus zunimmt. Wenn die Ölquellen versiegen. Wenn die Reichen den Armen den letzten Cent genommen haben... Dann sieh zu, wo du gutes Essen herbekommst. Also! Komm und kaufe heute!"
Ich trete einen Schritt zurück und streife dieses Gespenst ab. Da spielt jemand mit meiner Angst und mit meinen Befürchtungen und mit meinen unbewussten Glaubenssätzen. Ja, ich werde heute essen und ich werde gut essen! Aber ich lasse mich nicht anstecken von den Unkenrufen nach einem eventuellen kurzen Leben. "Das Leben ist kurz!" Ist nur ein Gedanke! Ein Gedanke in meinem Kopf! Einer, der ein Gefühl auslösen will. Am Ende des Gefühles steht die Aufforderung: "Komm rein und kauf bei mir!"
Jetzt habe ich es durchschaut! Die Buchstaben im Schaufester sind überdimensional groß. Nicht angemessen! Ein wenig kleiner dürften sie sein. So klein, dass ich noch das köstliche Obst und Gemüse sehen kann. Den Spruch vergesse ich! Aber das Gemüse lädt mich ein!
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Donnerstag, 28. April 2016

Der Wind bricht einen biegsamen Baum nicht. (Sukuma)



Welch tiefe Weisheit. Manche von uns stehen wie eine Kiefer starr im Sturm, manche stark wie eine Eiche. Wenn der Sturm zu stark ist, die Wurzeln nicht mehr greifen, dann haut es den Baum um. Die Empfehlung der Sukuma entspricht einer tiefen Weisheit, die es auch in anderen Kulturen gibt. Sei biegsam, dann haut dich der Sturm nicht um.Geh mit den Dingen, schwinge mit, sei Weide und nicht Kiefer. Es braucht ein langes Leben und spirituelles Einüben, wie eine Weide zu sein. Oft befinden wir uns wie im Trotzalter oder wie in der Pubertät. Nein, das will ich nicht! Nein, das mache ich nich!. Ich habe meinen eigenen Willen! Manchmal ist es gut, ein wenig geschmeidiger und biegsamer zu sein und mit den Dingen zu schwingen. Der Wind bricht einen biegsamen Baum nicht.

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Mittwoch, 27. April 2016

Da hab ich kein Problem mit!

Wie wäre es, wenn du deine Kinder öfter mal lobst und ihnen Anerkennung schenkst? Wie wäre es, wenn du deiner Liebsten ab und zu mal liebevoll über den Rücken streichelst als Zeichen deiner Zuwendung? Wie wäre es, wenn du dich ein wenig dankbarer fühlen würdest für all das, was dir das Leben schenkt?
Die westfälische Form des Wohlwollens lautet: "Da hab ich kein Problem mit!" Manchmal schmunzle ich in der Beratung über diesen Satz, wenn er fällt. "Da hab ich kein Problem mit!" Ich habe kein Problem damit, zu den Menschen freundlich zu sein. Der Westfale meint damit: "Ich kann das!" Er ist sich dessen bewusst, dass Lob und Anerkennung zu verteilen zu seinen Fähigkeiten gehört. Grundsätzlich!
Er wendet dieses Prinzip aber nicht so häufig an. Er wendet es eher selten an bis nie! Er könnte, wenn er denn wollte! Die westfälische Zuwendung mutet bisweilen knorrig und knarzig an. Ähnlich wie bei einem Schinken wird er nur in dünnen Scheiben verteilt an auserwählte Personen.
Wenn du die westfälische Mentalität nicht kennst, könntest du den Eindruck gewinnen, du müsstest emotional verhungern. Die Westfalen haben kein Problem mit dem Verteilen von Lob und Anerkennung. Sie tun es einfach nicht! Mit dem, was man nicht praktiziert, kann man auch kein Problem haben.
Ich mag das Knorrige und auch den Schinken. Zugleich wünsche ich mir auch manchmal eine Alternative. Für die Kinder, für die Liebe, für ein bisschen mehr Leben...
Wie wäre es, wenn du deine Kinder öfter mal lobst und ihnen Anerkennung schenkst? "Ja, das tue ich gerne! Danke, dass du mich daran erinnerst! Das ist so wichtig!"
Wie wäre es, wenn du deiner Liebsten ab und zu mal liebevoll über den Rücken streichelst als Zeichen deiner Zuwendung? "Ja, das mache ich gerne! Dass ich daran nicht schon früher gedacht habe! Welch tolle Idee!"
Wie wäre es, wenn du dich ein wenig dankbarer fühlen würdest für all das, was dir das Leben schenkt? "Wie wunderbar, dass du mich dran erinnerst. Danke!"
Merkst du den Unterschied? Lieber Westfale, neben dem trockenen Knochenschinken gibt es als Ergänzung auch noch den saftigen Kochschinken!
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Dienstag, 26. April 2016

Ich bin ein Wörterverstecker!

Eine Freundin erzählte mir, dass Kinder und Jugendliche heute nicht mehr sagen: "Ich bin in Max verliebt," sondern einfach nur: "Ich bin in Max." Das Wort "verliebt" wird nur gedacht, aber nicht gesagt. Das Gegenüber weiß dennoch genau, was gemeint ist.
Bestimmte Sätze lösen in uns immer noch eine Scham aus. Dazu gehört manchmal das Eingeständnis der Liebe in der Öffentlichkeit, das Zugeständnis eines Fehlers, das sich Zeigen mit einer Schwäche. Spannend, dass sich das auch im Wort ausdrückt! "Ich bin in...!" Du versteckst quasi das wichtige Wort, weil du nicht möchtest, dass der andere sieht, wie du rot wirst. Du versteckst dich, indem du das Wort versteckst. Dennoch ist mit dem Satz alles gesagt, wenn man die Spielregeln dafür kennt. "Ich bin in..." könnte ja vieles heißen: Ich bin in Max Schule, ich bin in Max hineingelaufen, ich bin in Max Haus. Jetzt weiß jeder, der dies liest, dass "ich bin in Max" ein anderer Satz ist für "Ich bin verliebt in Max."
Kinder und Jugendliche sind sehr erfinderisch im Suchen nach Lösungen. Durch Weglassen das Wichtige ausdrücken. Politiker sind Meister in der Kunst, das Wichtige wegzulassen. Ein Politiker würde zu einem Thema nicht sagen: "Ich habe keine Ahnung!" sondern eher: "Darüber werden wir beim nächsten Parteitag ausführlich reden und Sie können davon ausgehen, dass dies in einer offenen und gesprächsbereiten Atmosphäre geschehen wird. Zeitnah werden wir die Bevölkerung über unsere sicherlich erfolgreichen Ergebnisse informieren." Dann schließen sich noch fünf Sätze an, damit vernebelt wird, dass der Politiker nichts weiß oder nichts Substantielles sagen möchte.
Wenn du mich fragst: "Wie geht es dir?" und ich die Antwort gebe, indem ich sage "Mir geht es..." und dabei die Schultern einziehe, weißt du auch, wie es mir geht, ohne dass ich etwas sage.
Bei dem "Ich bin in ..." stellt sich jedoch auch eine solidarische Freude ein. "Find ich toll, du in..."

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Montag, 25. April 2016

Loslassen und ankommen!

bei mir selbst zu Haus.

"Ich lasse los und bin..." Dieser Liedvers begleitet mich seit dem vergangen Jahr. Mir gefällt er. Wir hängen an Bücher, an Häusern, am Geld, an Vorstellungen, an Überzeugungen, an Glaubenssätzen. Wir hängen an der Familie, an Freunden, an Arbeitskollegen, an Mitschülern. Wir hängen am Smartphone, am PC, am Fernsehen, am Auto. Wir hängen jeden Tag und häufig irgendwo fest. Wir hängen an der Gesundheit, an der Jugend und an unseren körperlichen Fähigkeiten.
Immer wenn ich hänge an irgendetwas sage ich mir: Ich lasse los...
Was geschieht, wenn ich loslasse, alles loslasse? Höre ich auf zu existieren? Habe ich Angst, etwas zu verlieren, so dass ich es krampfhaft festhalte? Ich hänge ja nicht nur an den Dinge, ich halte sie oft krampfhaft fest, wenn die Angst, es zu verlieren, auftaucht. Du lässt los und macht eine eigenartige Feststellung: Du hast vielleicht Schmerzen, du bist traurig, weil du etwas verloren hast. Aber du existierst weiterhin, "du bist".
Ich lasse los und .... bin weiterhin, trotz und mit meinem Verlust. Wir hängen oft an Dinge im Außen fest. Wir werfen unseren Anker aus und sagen zum Haus: "Gib du mir Sicherheit". Wir werden unseren Angst zur Ehefrau oder zum Ehemann aus und sagen: "Halte du mich fest!" Manchmal gibt dir dein Haus Sicherheit und manchmal tut der Halt durch den Partner gut. Irgendwann wird es aber nicht mehr funktionieren mit "tödlicher" Sicherheit! Und... was dann...?
Der Vers sagt: "Ich lasse los und bin bei mir selbst zu Haus!" Wenn du dich nach innen wendest und im Inneren den Halt findest, dann wirst du wahrhaft unabhängig. Die Liebe deiner Frau bereichert dich zwar aber nur als Geschenk, als freiwillige Gabe. Du bist in dir zu Hause und dann... kommt noch etwas dazu. Du findest die Sicherheit in dir und das Haus unterstützt dich dabei. Nicht mehr und auch nicht weniger.
Lege deine Schwerpunkt dahin, bei dir selbst zu Hause zu sein. Manchmal ist es notwendig, loszuslassen, um den Weg nach innen finden und gehen zu können.

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Samstag, 23. April 2016

Streng dich nicht so an oder - lass es geschehen!


Ein Baby mag sich sehr anstrengen, um durch den engen Geburtskanal auf diese Welt zu kommen. Es mag diese anstrengende Erfahrung lange in sich tragen. Vielleicht erwächst daraus sogar ein Glaubenssatz. "Streng dich an! Das Leben ist kein Zuckerschlecken!"
Im Sandkasten kämpft es um die Schüppe mit den anderen Kindern. Im Kindergarten bemüht es sich, den Erzieherinnen zu gefallen. In der Schule holt es durch viel Üben das Letzte aus sich heraus. Und es erfährt im Laufe des Lebens immer wieder die Bestätigung: "Streng dich an, dann wirst du belohnt!" 
Bevor das Baby auf die Welt kommt, geschah jedoch etwas anderes. Da gab es keine Anstrengung. Keine Leistung. Keine Arbeit. Den Großteil der "Arbeit" erledigte das Prinzip Geschenk und Wachstum wie von selbst. Es war ein großes Geschehen lassen. Da reihte sich Wunder an Wunder. Der menschliche Körper fügte sich in seiner unglaublich hohen Komplexität ohne jede Anstrengung. Jede Zelle wusste, was sie zu tun hatte. Jede Zelle fügte sich einem inneren Bauplan. Mit absoluter Sicherheit und völlig fehlerfrei.
Wenn du dir dein Leben heute anschaust, nach welchem Prinzip lebst du? Das Leben als Anstrengung oder das Leben als ein Wunder des Wachstums wie von selbst? Ich glaube, dass es gut ist, an der einen oder anderen Stelle es einfach mal geschehen lassen. Ins Vertrauen gehen! Nicht ständig rumerziehen an den Kindern. Ständig nörgelig mit sich selbst zu sein und an sich herumzuzerren. Diese immer wiederkehrende Unzufriedenheit mit sich und mit der Familie.
Die Pflanze wächst von selbst. Sie braucht nur Licht, Luft und Wasser und einen guten Platz. Was brauchst du? Licht, Luft und Wasser und einen guten Platz. Dann darf geschehen, was immer auch geschieht.
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Freitag, 22. April 2016

Wir werden als Originale geboren, sterben aber als Kopien.


Mehreren Autoren wird dieser Satz zugesprochen. Albert Einstein und Edward Young gehören auch dazu. Die Vorstellung finde ich nicht sehr ermutigend.
Aber so ist es wohl. Wir kommen auf diese Welt als Original. Wir sind einmalig und unverwechselbar. Wir kommen direkt aus der göttlichen Quelle und sind seine Erfindung. In uns schlummert ein unendliches Potential von Träumen, Fähigkeiten, Begabungen und Vielfalt. Wie lange hält dieser Zustand an?
In den ersten Monaten schlummern wir mehr oder weniger dahin. Die Eltern füttern uns und nehmen uns auf den Arm. Sie versuchen, durch unseren Trancezustand hindurchzudringen. "Na mein Schatz, was brauchst du denn? Hast du Hunger? Ist dir kalt?" Als Baby befinden wir uns noch im gehirnwellenfrequenten Dämmerzustand und die Eltern wollen schon etwas von uns. Wir können nicht sprechen aber fühlen, dass da irgendjemand etwas will.
Sehr früh fangen dann unsere Eltern mit der Erziehung an. Dahinter steckt ja die gute Absicht, uns für das Leben fit zu machen. Wie verhält und benimmt man sich in der Gesellschaft der menschlichen Lebewesen. Je nach Unumstößlichkeit und Rigidität der Eltern bleibt noch Spielraum oder er schwindet zusehends dahin. Du wirst als Original geboren und deine Eltern, deine Lehrer und deine Umwelt formen dich. Und dann wunderst du dich eines Tages, dass du deinen Eltern so ähnlich bist. Dass du deinen Onkel und Tanten und deinen Geschwistern auch so ähnlich bist. In deiner Familie habt ihr es z.B. mit dem Thema Geld. Zwischen Geiz und Verschwendung. Aber alles dreht sich um dieses Thema. Oder ihr habt es mit Thema Ordnung. Such dir etwas aus.
Irgendwann bist du erwachsen und wachst hoffentlich auf. Wenn du deine familiären Glaubenssätze und Wertvorstellungen für einen Moment durchstreichst, was bleibt dann von dir. Wer bist du jenseits deiner Erziehung? Hast du noch Zugang zu deinem eigenen Original?
Mein Geheimnis für dich: Die Originalität ist dein natürlicher Zustand. So bist du auf die Welt gekommen. Du musst nur deine "Schonhaltung" aufgeben und schon bist du wieder du. Als Kopie bist du in einem unnatürlichen Zustand. Du bist von außen so geformt worden. Zugleich schlummert in dir ein Original. Wenn du die Übermalungen wegputzt, kommt es ganz schnell zum Vorschein. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich das bei einem Menschen entdecken darf!
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Donnerstag, 21. April 2016

Leben ist das, was uns passiert, während du eifrig dabei bist andere Pläne zu machen.

Du machst dir einen tollen Plan. Du planst deinen Geburtstag. Du planst deinen Einkauf mit Zettel und Zeiten. Du planst die Suche nach der großen Liebe. Du planst deine Schule und deine berufliche Karriere. Du planst deinen Tag und die Abfolge deiner Mahlzeiten. Du planst die Erziehung deiner Kinder und den Bau deines Hauses. Du planst den nächsten und den übernächsten Urlaub und den Kauf deines nächsten Autos und Laptops.
Du planst und planst und planst. Während du planst geht das Leben links und rechts von dir weiter und du bist nicht dabei. Du hockst vor deinen Plänen. Du stellst fest, dass das Leben was anderes mit dir vorhat als du planst. Aber Planen gibt dir doch so viel Sicherheit. Du weißt dann wengistens, wann es wo mit wem hingeht. Du kannst entspannen.
Du kannst es aber auch umgekehrt machen. Du fängst an, dich zu entspannen. Wenn du entspannt bist, dann kann das Leben dich treiben ohne dass du verkrampfst. Du bewegst dich im Strom der Ereignisse. Du erlebst und schaust hier und schaust da. Du nimmst teil an dem, was gerade so läuft. Du setzt deine eigenen Akzente dabei und genießt. Es gibt nichts zu tun! Du bist ja im Tun, indem du tust, was dem Sein entpricht.
So völlig planlos oder ohne Pläne kann ich leider auch nicht. Aber wenn ich sie mache, dann nicht so ausführlich. Ich nehme sie auch nicht so wichtig. Ich darf sie wieder verändern. Wenn es um die Alternative geht von Leben oder Planen weiß ich, wofür ich mich entscheide. Und du?
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Mittwoch, 20. April 2016

Läuft bei mir. Zwar rückwärts und bergab. Aber läuft!

Wenn es bei dir rückwärts läuft und bergab, dann lehn dich doch einfach zurück! Endlich Schluss mit der Anstrengung. Die Alternative heißt vorwärts und bergauf. Wenn du es zu lange, zu intensiv und zu viel davon machst, geht dir irgendwann die Puste aus. Auch wenn es mal rückwärts geht. Du bleibst in Bewegung.
Bei diesen Spruchkarten weiß man nie so richtig, ob sie ironisch gemeint sind. Sie zeugen aber von der Kunst der Umdeutung. Das Leben umzudeuten ist wirklich eine Kunst. Manche Menschen mögen denken: "Mein Leben ist Scheiße!" Sie sind enttäuscht und unzufrieden. In meiner Weiterbildung hörte ich den entscheidenden Satz, der die "Scheiße" veränderte. "Wo Scheiße ist, ist auch ein Kamel." Wohin richtet sich nun dein Blick? Auf das Kamel oder auf seine Abfallprodukte. Und auch wenn du das Abfallprodukt siehst. Irgendwann kommt der Augenblick, wo du am Feuer sitzt und das Brennmaterial geht dir aus. Dann erinnerst du dich an die "Scheiße" und weißt, wofür sie gut ist.
Alles, was dir begegnet, kann für dich gut oder schlecht sein. Und auch das kann bleiben oder sich wieder ändern. Welche Rückschlüsse und Konsequenzen ziehe ich daraus?
Es geht rückwärts und bergab und läuft. Es geht bergauf und vorwärts und läuft. Da gibt es Scheiße und da gibt es ein Kamel. Ich bleibe nicht dabei stehen. Ich bewerte es nicht. Das lohnt sich nicht. Ich erlebe es einfach wie es ist - und fertig!
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Dienstag, 19. April 2016

Eigentlich bin ich ein Frühaufsteher...

Eigentlich bin ich ein Frühaufsteher in der falschen Zeitzone. Eine wunderbare Umschreibung für einen Langschläfer und einen Menschen, der das Bett nicht verlassen mag. Es ist nur eine Frage der Perspektive.
Wenn du zehn Stunden am Tag schläftst ist es weniger als die Zeit von 14 Stunden, wo du wach bist. Du schläfst also relativ wenig.
Wenn du ein linker Kirchenangehöriger bist, dann bist du im Verhältnis zur gesamten aufgeklärten Gesellschaft in Deutschland eher ein Konservativer.
Wenn du dreißig Stunden in der Woche einer Arbeit nachgehst bist du im Verhältnis zu einem Manager möglicherweise fast arbeitslos.
Im Verhältnis zur Eiszeit leben wir hier wie in den Tropen und sind immer in Massen unterwegs angesichts eines einsamen Wanderers durch die Sahara.
Was wir sind, sind wir immer im Vergleich zu. Im Verhältnis von etwas. Und wann sind wir absolut? Wenn wir sterben? Sind wir dann absolut tot? Ohne Umdeutung? Oder sind wir nur relativ tot in dem Sinne, dass unser Körper nicht mehr funktioniert. Was ist jedoch mit dem Geist? Vielleicht ist der ja froh, wenn er mal den Körper los wird, damit er sich so richtig lebendig fühlen kann - eben ohne körperliche Einschränkungen. Am Ende des Lebens sind wir also nicht einmal relativ tot, sondern möglicherweise relativ lebendiger als vorher. Oder?
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Montag, 18. April 2016

Eine Welt für Kinder - Imaginarium


Ein Shopping - Center auf Fuerteventura. Auf jeder Ebene Fahrgeschäfte und Attraktionen für Kinder. Wie geschickt, dachte ich. Ein Kaufhaus, das ganz auf Kinder ausgerichtet ist. Vater und Kinder vergnügen sich mit den Spielwaren, damit Mama ungestört shoppen kann.
Wir blieben stehen vor einem Spielwarengeschäft mit zwei Eingängen. Der ein hoch, der andere für mich zu niedrig. Imaginarium stand über den Eingangstüren. Ein Eingang für Erwachsene und ein Eingang für Kinder.
Imaginieren heißt ja "sich vorstellen" - "einbilden". Wenn ich imaginiere, dann stelle ich mir Bilder vor meinem inneren Auge vor. Ein Imaginarium müsste dann eine Welt voller Bilder sein. Eine Fantasiewelt oder eine Welt, in der die Traumilder der Kinder Wirklichkeit werden. Die "eingebildeten" Puppen und Dreiräder werden im Imaginarium zur anfassbaren Raliät. Die Erwachsenen betreten durch ihren Eingang den Laden und wissen, es handelt sich um ein Kaufhaus, in dem sie die Waren mit Geld bezahlen müssen. Eine Welt von Plastik und Täuschungen. Die Kinder betreten durch "ihren" Eingang den gleichen Raum und kommen in das Land ihrer Träume. Erwachsene und Kinder befinden sich jenseits des Tores am gleichen Ort und nehmen dennoch etwas unterschiedliches wahr.
Da wird die Imagination wirklich zur Imagination. Der Erwachsene sieht beim Roboter auf den Preis und schätzt ab, ob es sich lohnt, auch noch dieses Spielzeug zu kaufen. In drei Tagen hat das Kind es zerlegt und landet in der Spielzeugkiste der abgelegten und unbrauchbar gewordenen Traumobjekte. Der kurzweilige Spaß für ein horrendes Vermögen. Das Kind sieht im Roboter die Erfüllung der Spielträume. Es reist mit ihm auf den Mond, den Mars und in ferne Galaxien. Der Roboter räumt das Kinderzimmer auf und ist ein Superkamerad, immer stark und ein toller neuer Freund. Willkommen im Imaginarium!
Und jetzt zu dir und mir. Wir stehen zur gleichen Zeit und nebeneinander auf dem Marktplatz irgendeiner Stadt in Deutschland. Nach einer halben Stunde gehen wir gemeinsam in ein Café um die Ecke und erzählen uns, was wir gesehen, gehört, gerochen und sonst wahrgenommen haben. Werden wir die gleiche Geschichte erzählen? Mit Sicherheit nicht! Auch wir leben in einem Imaginarium. In einem scheinbar erwachsenen Imaginarium. Der Unterschied vom Erwachsenen zum Kind ist nur graduell.
Wann wachen wir auf aus unsereren Bildern? Und was bleibt? Was geschieht, wenn wir den "Spielzeugladen Welt" wieder verlassen und feststellen, wir waren nur in einer Imagination. Wir waren Besucher eines Traumes. Wir wachen auf und was stellen wir fest?
Wer bin ich ohne mein erwachsenes Imaginarium? Zur Zeit kann ich es nicht verlassen. Ich bin darin wie gefangen, weil ich zu dieser Welt gehöre. Aber ich kann mein Bewusstsein davon lösen und ahne, dass ich noch zu einer anderen Wirklichkeit gehöre. Denn gedanklich kann ich aus dem Imaginarium aussteigen und aufwachen. Ich stelle mich an den Rand des Spielplatzes und gehe in die Beobachterposition. Interessant, was sich dort so tut! Wer ist das "Ich", das diese Beobachtung macht? Ich weiß nur: Es ist!
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Samstag, 16. April 2016

Bin gerade etwas neben der Spur. Ist schön da.

Jeden Tag musst du in der Spur sein. Du musst deine Aufgaben erfüllen. Deine Rollen. Alle erwarten von dir Zuverlässigkeit. Mach deinen Job also ordentlich als Vater oder Mutter, als Sohn oder Tochter, bei der Arbeit, in der Nachbarschaft, in der Familie und in allen deinen Gruppen und Vereinen. Es wird von dir erwartet. Und vielleicht erwartest du ja es auch von dir selbst. Vielleicht findest du es für dich sogar am wichtigsten, in der Spur zu bleiben.
Ganz schön anstrengend, nicht wahr?
Sollte es dir mal passieren dass du gerade etwas neben der Spur bist, dann halte doch dort einmal inne. Wie ist es dort? Schau dich mal um an dem Platz, wo nicht alles so gebahnt und so ordentlich ist. Dort gibt es keinen Zwang und kein Müssen. Dort mag es ein wenig chaotisch sein oder unaufgeräumt. Vielleicht gibt es auch eine kleine Ecke in deinem Herzen, die sagt: "Ist schön da! Zumindest für einen Moment."
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Freitag, 15. April 2016

Das Schönste an mir bin ich!

Was ist das Schönste an dir?
Viele Menschen schauen eher auf das, was an ihnen hässlich ist.
Sie haben im Fokus der Aufmerksamkeit, was sie nicht mögen.
Viele finden genug Dinge, die sie nicht an sich mögen. Was kannst du bei dir aufzählen?
Stell dich vor den Spiegel und betrachte deinen Körper von Kopf bis Fuß. Von vorne und von hinten. Die beiden Seiten auch noch. Dann schließe die Augen und betrachte dein Inneres. Deinen Chrakter, deine Eigenschaften, deine Glaubenssätze, deine Muster, deine Geschichte... Findest du viele Punkte auf deiner Negativliste?
Oder hast du dich jetzt dieser Übung verweigert? Hast du gesagt: "Da mache ich nicht mit! Ich zerfleische mich doch nicht!" Konntest du meiner Einladung widerstehen? Herzlichen Glückwunsch! Du gehörst zu den Ausnahmen.
Ich lade dich jetzt neu ein. Stell dich vor den Spiegel und lächle dich an: "Das Schönste an mir bin ich!" Flüster es. Hauche den Satz. Sprich den Satz lockend, schmeichelnd, fest, weich, mit aller Kraft, mit großer Zärtlichkeit, voller Hingabe, mit intensivem Wohlwollen, extatisch, verschmitzt, wie selbstverständlich!
Vielleicht traust du dich noch nicht. Wenn du es jetzt aber tätest, was glaubst du, wie würdest du dich dabei fühlen? Käme dir das komisch vor? Ungewohnt? Würde es dir Freude bereiten?
Übrigens: Das Schönste an dir bist du! Magst du es dir auch selbst sagen?
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Es heißt Freundschaft, weil man mit Freunden alles schafft!

So ist es!
Meine Freunde stehen mir bei und haben mich gut im Blick.
Meine Freunde ergänzen das, was ich nicht so gut kann.
Meine Freunde machen mir deutlich, dass ich Gott sei Dank nicht allein auf der Welt bin.
Meine Freunde ertragen meine Schwächen und freuen sich mit mir über meine Stärken.
Meine Freunde haben etwas von mir und ich von ihnen.

An sie zu denken gibt Kraft für den Tag!
Sich mit ihnen zu verbinden sorgt für ein wohliges Gefühl!

Da fällt mir ein, dass ich die eine oder andere Freundschaft mal wieder auffrischen könnte.
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Donnerstag, 14. April 2016

Ich könnte aufhören zu shoppen, aber aufgeben war noch nie mein Ding.

Ich gebe es auf, mich ständig zu kritisieren. Die Veränderungen stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand der Selbstverurteilung.

Ich gebe es auf, ständig andere zu kritisieren. Ich stelle fest, dass ich besser meine eigenen Anteile bearbeiten kann.

Ich gebe es auf, ständig herumzunörgeln. Es schafft mir eine schlechte Stimmung und wirkt sich negativ auf die Körperzellen aus.

Ich gebe es auf, ständig auf meine Kontoauszüge zu schauen und die Flaute zu bejammern. Es wird dadurch nicht mehr. Heute habe ich ein Dach über dem Kopf und genug zu essen. Was will ich mehr!

Ich gebe es auf, mich ständig mit anderen Menschen zu vergleichen. Die anderen seien glücklicher, reicher, gesünder... Ich bin ich und so ist es gut.

Manche Dinge lohnen sich wirklich aufzugeben! Shoppen ist bestimmt dabei eine Ausnahme ;-).
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Mittwoch, 13. April 2016

Ich bin auf Diät! Ich verzichte auf Dinge, die mir mein Lächeln stehlen.

Ich bin auf Diät!
Ich verzichte auf Dinge, die mir mein Lächeln stehlen.
Ich verzichte auf Erlebnisse, die mir den Schlaf rauben.
Ich verzichte auf Menschen, die mir nicht guttun.
Ich verzichte auf Momente, die mich traurig machen.

Schön. Nicht wahr?
Ich ergänze!

Ich bin im Rausch!
Ich genieße die Menschen, die mich wohlwollend anlächeln.
Ich genieße die Minuten, wo ich in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken kann.
Ich genieße den Augenblick, wo ich umarmt werde und jemanden umarmen darf.
Ich genieße die Momente, die mich glücklich machen.

Ich entscheide mich lieber für den Rausch als für Diät. Obwohl - Diäten dieser Art könnten wir alle immer wieder einmal gebrauchen.
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Dienstag, 12. April 2016

Ich habe meine Ernährung umgestellt. Die Kekse stehen jetzt links vom Laptop.

Ständig werde ich aufgefordert meine Ernährung umzustellen. Gemüse ist gesund. Fastfood macht uns krank. Zu viel, zu fett. Immer die falschen Dinge. Tausende von Diätprogrammen und eine ganze Industrie lebt von den Weisheiten zur richtigen Nahrung. Du solltest deine Ernährung umstellen. Wie wohltuend, wenn jemand auf die Idee kommt, einfach nur mal was von links nach rechts zu stellen. Schon ist die Umstellung perfekt.
Die örtliche Umstellung des Hamburgers von der linken Seite des Laptops hin zur rechten ist genauso absurd wie all diese Ernährungsprogramme. Ich wüsste ein paar gute Alternativen. Belass es doch mal für ein paar Wochen so wie es ist. Sage ganz und gar Ja zu dir und sei freundlich zu dir selbst. Spricht mit deinem Körper. Der weiß, was er mag, was er braucht und was ihm gut tut.
Stell vielleicht mal deine Gedanken um. Negative Gedanken bewirken negative Gefühle. Positive Gedanken bewirken positive Gefühle und ein allgemeines Wohlbefinden.
Bevor du ständig deine Ernährung umstellst probier es mal mit der Umstellung deines Geistes. Sieh den Tag als Geschenk und das Leben als eine Kette von lauter Glücksmomenten. Und jetzt? Was nimmst du wahr? Was sagt dein Körper! Und jetzt? Was nimmst du jetzt in diesem Augenblick wahr? Also, sei freundlich zu dir selbst. Mal für einen Augenblick. Nur jetzt!
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Montag, 11. April 2016

Wenn dich das Leben tritt, nutze den Schwung!

Niemand lässt sich gerne treten! Du möchtest nicht, dass jemand über dein Leben bestimmt. Dich irgendwohin treibt, wo du nicht hin möchtest. Du möchtest dein Leben selbst bestimmen. Und wo du stehst, da stehst du! Da ist dein Platz!
So ist es. Du gestaltest deinen Alltag. Du verdienst Geld und kaufst dir etwas dafür. Du heiratest und richtest dir eine Wohnung ein. Du setzt Kinder in die Welt und siehst dich als einen Teil der Gesellschaft. Du gehörst dazu. Du hast dein Schicksal freiwillig so gewählt und bist damit zufrieden, wenn nicht sogar glücklich. Da darf dich niemand so einfach treten und dich da verdrängen.
Leider ist das Leben manchmal anders. Du hörst von der Erkrankung der Nachbarin und bedauerst sie. Zugleich denkst du: "Gott sei Dank nicht ich!" Und schon einen Moment später bekommst du einen Tritt. Vielleicht keine Krankheit, aber ein kaputtes Auto und gleichzeitig fehlendem Kapital. Du bekommst einen Tritt und spürst das deutlich. Es tut weh! Du möchtest diese Tritte vermeiden und schaffst es manchmal nicht. Schließlich hast du nicht überall deine Augen. Vor allem nicht hinten. Die Schicksalsschläge kommen ja in der Regel nicht von vorne, sondern eher überraschend von hinten. Da machst du nichts mehr.

Wenn es nun einmal so ist, dass das Leben dich tritt, dann kannst du neben dem Negativen auch das Positive nehmen. Und was ist das Positive? Wenn du einen Tritt bekommst, wirst du mit Energie versorgt. Du bewegst dich. Nicht freiwillig! Aber du bewegst dich. Du kannst den Schwung nutzen, um dich vorwärts zu bewegen. Die fernöstlichen Kampfsportarten leben davon. Du nimmst fremde Energie auf und lenkst sie um. So kommst du nicht zu Schaden und gewinnst jeden Kampf. Allerdings finde ich es ganz gut, wenn die Tritte nicht zu häufig kommen und dass genügend Zeit bleibt, sich vom Schmerz zu erholen und den Vorwärtsdrall positive zu nutzen.
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Samstag, 9. April 2016

Ich möchte Leute um mich haben, die durch Zufall in mein Leben purzeln und mit voller Absicht bleiben!


Findest du auch, dass es manchmal schwer ist, Freundschaften zu pflegen? Du hast häufig das Gefühl des zu wenig. Du musst dafür arbeiten. Du musst dich melden. Dann gibt es noch die Missverständnisse. Du kritisierst und wirst kritisiert. Dann verschwindet ein Freund und du weißt nicht, warum. Du nimmst es persönlich und fühlst dich schuldig.

Irgendwann findest du es auch anstrengend, immer neue Freunde zu finden. Du möchtest gezielt Menschen kennenlernen mit deinem Niveau, deiner Weltanschauung. Die Chemie soll stimmen und die Hobbys möchtest du auch teilen. Aber finde mal einen solchen Menschen.

Wie erleichternd, wenn Leute durch "Zufall" in dein Leben purzeln. Wenn Menschen dir einfach zufallen. Einfach in deinem Leben auftauchen. Du darfst schnuppern und genießen. Er oder sie will nichts und du willst auch nichts. Es gibt keine Erwartungen und kein Versprechen. Keine Androhungen und keine Enttäuschungen. Niemand will von niemandem etwas. Du bist da, der andere Mensch ist da. Und fertig.

Wenn einer von diesen Menschen dann mit Absicht bleibt, dann muss das was mit dir zu tun haben. Dann wird dieser Mensch dich mögen und du fühlst dich wie eine Königin oder ein König. Gefährlich wird es, wenn daraus eine Freundschaft mit Ansprüchen wird. Jetzt stell dir mal eine Freundschaft vor, die sich wie "gepurzelt" anfühlt. Eine "Purzelfreundschaft." Bei einer solchen Purzelfreundschaft gibt es keine Erwartungen, keine Verpflichtungen, kein "muss". Bei einer "Purzelfreundschaft" gibt es das Hier und Jetzt. Du bist da und der oder die andere. Es gibt die Freude, miteinander da zu sein und - fertig. Wie schön!
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Freitag, 8. April 2016

Wer die Menschen liebt hat immer eine große Familie. (Ägypten)

Dieser Spruch kommt aus Ägypten. Wir leben in einer Zeit, in der es Familien nicht immer leicht miteinander haben. Ehen gehen auseinander, Paare finden sich neu, Patchworkfamilien entstehen. Manche Singles sind nicht so stark eingebunden in einer Familie und verankern sich eher im Freundeskreis. Entscheidend ist für mich die Erfahrung, sein Leben nicht allein gestalten zu müssen. Ich bin eingebunden, verbunden, habe meinen Platz. Ich denke an meine Großfamilie mit Freundinnen und Freunden und umgekehrt hoffe ich auch.Wer nicht lieben kann erfährt oft Einsamkeit. Mir gefällt der Gedanke aus Ägypten, wie du zu einer großen Familie kommst: Einfach die Menschen lieben. Die Liebe verbindet die Menschen überall auf der Welt. Du musst nicht einmal Blutsverwandt sein.
Wer die Menschen liebt, hat immer eine große Familie. Immer - das heißt wirklich jede Stunde, jeden Tag, in jedem Alter, bis zum Tod. Augustinus sagt: "Liebe und tu, was du willst."


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Donnerstag, 7. April 2016

Es ist besser, das zu überschlafen was du zu tun beabsichtigst, als dich von dem wachhalten zu lassen, was du getan hast. (Igbo)




Bevor du eine Entscheidung triffst, von der Glück oder Unglück anderer Menschen abhängt, schlaf mal eine Nacht drüber. Nicht alles muss sofort entschieden werden. Bedenke alles, wiege es hin und her und dann lass es wieder los. Schiebe es in den kosmischen Brutkasten und belass es dort für eine Weile.
Wenn du zu schnell handelst und dabei Menschen verletzt oder kränkst, nur weil du es zu eilig hattest, musst du den Preis der schlaflosen Nächte zahlen.
Die Art deiner Nächte kann ein wichtiger Hinweis sein, wie gelassen du mit deinem Leben umgehst. Kannst du gut loslassen? Deine Gedanken, deine Pläne, dein möglicherweise schlechtes Gewissen?

Es ist besser, das zu überschlafen, was du zu tun beabsichtigst, als dich von dem wachhalten zu lassen, was du getan hast.

www.matthias-koenning.de

Mittwoch, 6. April 2016

Im Abgrund der Todesbedrohung und weit jenseits davon – Wege zu österlichen Befreiungen (der gesamte Text)


Manchmal wird dir das Leben schwer. Du schaust hinein in einen Abgrund. In deinen Abgrund. Du erkennst deine Fehler, dein Versagen und vor allem – dein Unglück. Da gibt es Momente des Erschreckens und zugleich des Aufwachens. Die Überraschung: Ach ja, das bin ja ich. Das ist mir passiert! Das habe ich bewirkt! Das ist geschehen mit meiner Schöpferkraft.
Wenn du in den Abgrund hineinschaust mag es sich wie ein heilsames Erschrecken anfühlen. Ich bin noch nicht da drin. Ich kann einen anderen Weg einschlagen. Aber wenn du im Abgrund deiner Verstrickungen hockst und erst einmal keinen Ausweg siehst, braucht es vielleicht den einen oder anderen Impuls. Vielleicht ist der Abgrund gar nicht so tief, wie du dachtest. Vielleicht lösen sich von einem Rand ein paar Steine und es entsteht eine Rampe. Oder du besitzt verborgenes Werkzeug, dass dir beim Herausklettern helfen könnte. Nur du hast es noch nicht wahrgenommen oder kennst dich nicht aus mit dem Gebrauch. Bestenfalls entpuppt sich der Abgrund als kleines Loch, den du nur so „abgrundtief“ wahrnimmst. Dann musst du nur aufstehen und weitergehen. Mehr ist nicht zu tun.
Ich möchte mit dir gerne durch den einen oder anderen „Abgrundsatz“ gehen. Was meine ich mit Sätzen aus der Tiefe der Scham oder des Schmerzes? „Das habe ich nicht gewollt...“ oder „Wie lange muss ich das noch aushalten...“ sind für mich ganz typische Worte der Verzweiflung. Ich glaube, dass es heilsam und wichtig ist, etwas Licht in diese Erlebnisse und Erfahrungen zu bringen. Du kannst im Abgrund fest steckenbleiben oder daran wachsen und reifen. Wachsen und reifen gefällt mir besser. Wenn es im Schmerz Tröstendes gibt, kann sich etwas lösen und ein „österlicher“ Verwandlungsprozess kann beginnen. In diesem Sinne wünsche ich dir eine mutige Begegnung mit dir selbst. Deinem Licht und deinem Schatten. 


Das habe ich nicht gewollt...
Stell dir vor, dass du ganz in Übereinstimmung bist mit deinen Zielen. Du hast aus voller Überzeugung und mit ganzem Herzen etwas in die Tat umgesetzt. Vielleicht hattest du bei deiner Entscheidung ein etwas mulmiges Gefühl, aber dennoch war es abgewogen und in Ordnung.
Nach dem Tun kommt dann jemand auf dich zu und beschwert sich über die Auswirkungen. Deine Entscheidung hat bewirkt, dass jemand anders gekränkt ist oder sich beschädigt fühlt. Es kann sogar sein, dass du sprachlos bist über die Auswirkungen deiner Entscheidungen. „Das habe ich nicht gewollt...“  - magst du sagen und denken. Du hast etwas anderes gewollt. Du musstest eine Entscheidung treffen und bist jetzt erschrocken, dass du einem Menschen „Schaden“ zugefügt hast. Das ist nicht nur unangenehm. Du fühlst dich im ersten Moment schuldig. Du machst dir Vorwürfe, dass du manche Aspekte gar nicht bedacht hast. Du hättest bei etwas längerem Nachdenken doch eine bessere Entscheidung treffen können.
Ich stelle mir da all die Politiker vor, die ständig Entscheidungen treffen und die Auswirkungen nicht wirklich bedenken. Oder du hast dein Kind erzogen nach bestimmten Grundsätzen. Vielleicht waren deine Eltern total sparsam und du wolltest jetzt deinen Kindern gegenüber großzügig sein. Du warst es und hast verschwenderische Kinder erzogen, die mit ihrem Geld nie auskommen und dich ständig anpumpen. „Das hast du nicht gewollt...“  Du wolltest etwas Gutes! Du wolltest zu einer besseren Welt beitragen in deinem Bereich. Du wolltest vor allem ein gutes Gefühl haben für das, was du tust. Du wolltest „Ja“ zu deinem Leben sagen. Und dann kommt alles anders. Es kann sogar sein, dass dein Weltbild dadurch zusammenbricht. Auch das „hast du nicht gewollt.“
So oft geschehen Dinge, die wir eigentlich nicht wollen. Du stößt etwas an und das „Etwas“ nimmt seinen von dir unabhängigen Verlauf. Nur begrenzt kannst du es noch beeinflussen. Jesus hat auch nicht „gewollt“, dass sein Weg am Kreuz endet. Das hätte auch gut eines seiner letzten Worte gewesen sein. „Das habe ich nicht gewollt...“ Vielleicht hätte er gewollte, dass auch seine „Gegner“ sich für einen Weg der Vergebung entschieden hätten. Haben manche aber nicht gemacht.
Wie gehe ich aber jetzt um mit dem „Das habe ich nicht gewollt...“?
Mir hilft die Vorstellung, dass das letzte Wort dazu noch nicht gesprochen ist. Du weißt nicht, ob es am Ende doch zu etwas Gutem führt. Du bist ein wichtiges Rädchen im Weltgetriebe, weil das wirkt, was du tust. Gott sei Dank. Sonst wäre alles egal! Aber du bist nur ein relativ kleines Rädchen in der langen Menschheitsgeschichte. Da gibt es neben dir viele andere Räder, die auch etwas bewirken. Sie verstärken dich oder arbeiten gegen dich.
Der andere Impuls der mir kommt heißt: Dann übernimm doch einfach die Verantwortung dafür. Steh zu deiner Entscheidung. Steh zu deinen Fehlern. Bezahl den Preis und geh den nächsten Schritt. „Das habe ich nicht gewollt...“ führt schnell in eine Ohnmacht. Wichtig ist es, aus dieser Ohnmacht herauszukommen. Einen Schritt machen. Fast egal, welchen! „Entschuldigung, kann ich nach jetzt nach dem Fehlgriff etwas für dich tun?“ „Was brauchst du jetzt, wo das passiert ist, was ich mit verursacht habe?“ „Kann ich noch eine Korrektur versuchen?“ Zur Übernahme der Verantwortung gehört auch, die Augen aufzumachen und einzugestehen, dass alle meine Handlungen etwas bewirken. Wenn ich Gedanken an den Weltfrieden hege, trage ich etwas zum Frieden bei.  Wenn ich meinen Arbeitskollegen gering schätze, dann trage ich etwas zum schlechten Betriebsklima bei. Es reicht, wenn ich es denke. Ich muss nicht einmal etwas tun.
Der österlich verändernde Impuls zu „Das habe ich nicht gewollt...“ heißt für mich: „Ich muss nicht stehen bleiben. Auch damit kann ich etwas machen. Ich kann eingestehen, Verantwortung übernehmen, Korrekturen einleiten und das Vertrauen auf einen möglichen positiven Ausweg weiter im Auge behalten.“   


Ich habe mich so bemüht...
Ich musste einmal einen Vortrag im Kindergarten halten über religiöse Erziehung im Kleinkindalter und habe dafür viele Bücher gelesen. Ich habe mich hineingewühlt in Religionspädagogik und kindgerechter Gebetspraxis. Ich habe Ideen gesammelt für einen spirituellen und zugleich modernen Weg, heute als Familie religiös zu leben. Gemalte Folien gehörten selbstverständlich dazu und ein Hand out für die Teilnehmer.
Nach fünf Minuten schon wurde ich unterbrochen durch einen Vater, der endlich seine ganzen Enttäuschungen über die Kirche abladen konnte. Das war das Einfallstor für einen Abend  voller Kirchenkritik.
Dabei hatte ich mich so bemüht, ein anderes Bild von Kirche abzugeben. Ich hatte so viel vorbereitet und so gute Ideen. Ich hatte mich auf alle Eltern gefreut und gehofft, ihnen hilfreiche Ideen an die Hand geben zu können. All meine Mühe war vergebens. So lautete die Quintessenz des Abends.
„Ich habe mich so bemüht...“ Wie oft kommt es vor, dass du dir wirklich ganz viel Mühe gegeben hast. Du hattest ein Rezept ausgesucht und dementsprechend eingekauft. Du hattest dich hingestellt, liebevoll vorbereitet und gekocht. Dir hatte es selbst geschmeckt und du warst stolz auf deine Leistung. Dann sitzt deine Familie beim Essen und du tischst auf. Dein wunderbares Gericht! Alle probieren und - verziehen die Gesichter zur Ekelgrimmasse. Sie wollen deine Kochexperimente nicht! Lieber Pizza und Pommes. Du hast ihnen keinen Gefallen getan. Dabei hast du dir solche Mühe gegeben!
„Ich habe mich so bemüht...“ Oft geht es darum, dass uns eine Arbeit Zeit und Energie gekostet hat. Wir haben echt investiert, so wie es ein gutes Unternehmen macht zur Verbesserung der Produktpalette. Und dann dieses Enttäuschung. Es ist mir nicht gelungen oder es wird nicht gewürdigt.
Erinnerst du dich an Kommentare deiner Lehrer aus Kindertagen? „Er hat sich sehr viel Mühe gegeben!“ Du hast nicht gehört, wie fleißig du warst, sondern dass du es einfach nicht drauf hast. Du bist zu blöd! „Ich habe mich so bemüht...“ das kratzt an dein Selbstwertgefühl. Da musst du echt stark sein und zu dir stehen können.
Wie könnte da ein österlicher Impuls aussehen? Bei dem Satz „Ich habe mich so bemüht...“ folgt ja ein gedachtes „Aber“. Das „Aber“ bringt die Einschränkung und die Vernichtung der Bemühungen. Dieses „Aber“ denkst du mit und machst dich damit klein. „Ich habe mich so bemüht, aber es hat nicht geklappt. Aber ich war nicht gut genug. Aber die anderen haben mich nicht gesehen.“  - Streiche diese „Aber-Gedanken“ aus deinem Bewusstsein.
Vielleicht kannst du auch das Wort Mühe streichen. „Ja, ich habe alles gegeben!“ Du hast ganz viel Energie von dir hineingegeben. Auch wenn niemand anders das würdigt, so kannst du es selber würdigen. Du kannst dich selbst anerkennen für deine Leistung und Hingabe. Du tust es zunächst einmal für dich! Wenn die anderen das toll finden, auch gut! Die österliche Umformulierung heißt für mich: „Ja, ich habe alles gegeben und freue mich über mein Werk!“

Wie lange muss ich das noch aushalten...
Du kannst wirklich in ausweglose Situationen geraten. Du leidest einfach! Du musst einen Menschen ertragen, der dich ablehnt und du kannst nicht weg von ihm. Du bist konfrontiert mit einer Erkrankung, die dich unglaublich schmerzt. Du musst eine Arbeit verrichten, die dir gar nicht liegt und mit der du dich überhaupt nicht identifizieren kannst. Du bist in eine Phase gekommen, wo du es eigentlich nicht mehr ertragen kannst, aber dennoch aushältst.
Es bleibt dir nichts anderes übrig? Du siehst keine Alternativen? Du steckst fest? Du hast keine Kraft und Energie mehr für einen Neubeginn? Du schleppst dich so gerade durch von Tag zu Tag?
„Wie lange muss ich das noch aushalten!“ Dieser quälende Schrei scheint eingebrannt zu sein in deinem ganzen Körper und in deiner Seele. Wenn das so ist, dann gebe ich dir gerne die Bestätigung und das Feed back : „Ja, das ist einfach zu viel!“
Das Unerträgliche wird eben irgendwann „untragbar“. Du kannst es nicht mehr tragen! Es ist zu viel geworden und du musstest es über einen zu langen Zeitraum tragen. Vielleicht hast du bei bestimmten Dingen irgendwann einmal eine vorläufige Erlaubnis gegeben. Du kümmerst dich zum Beispiel um deine alten Eltern. Aber du hattest nicht daran gedacht, dass das Jahre dauern könnte. Du hast mit ein paar Wochen gerechnet. Das wäre gegangen. Aber Monate oder sogar Jahre? Du übernimmst vielleicht eine schwere Aufgabe für den Augenblick aber nicht für einen unübersehbar langen Zeitraum. Dein Ja galt nur für eine kleine Strecke, für eine kurze Zeit.
„Ich muss das alles tragen! Wer soll das sonst machen? Es ist doch niemand da! Freiwillig mache ich das auch nicht!“ Solche Sätze höre ich dann und das macht mich mit hilflos. Manchmal scheint es nur so etwas zu geben wie einen Trostsatz: „Ich wünsche dir, dass es bald aufhört. Vielleicht geschieht ja auch mal ein Wunder!“
Hinter dem „Wie lange noch“ steht es ein „Eigentlich kann ich gar nicht mehr“. Du bist schon jenseits deiner Kräfte angekommen. Sogar so weit, dass du nicht einmal mehr die Lasten aus deinen Händen legen kannst. Sie kleben an dir fest!
Gibt es einen österlichen Impuls? Ich gehöre zu den unerschütterlichen Vertretern, die trotzdem nach einer Lösung suchen jenseits des „Wie lange noch ertragen!“ Vielleicht magst du jemanden bitten: „Hilfst du mir beim Tragen?“ Wenn da schon eine Last ist, die zur übermäßigen Belastung geworden ist dann gibt es doch auch oft die Bereitschaft anderer Menschen, etwas mitzutragen. Ein wenig Entlastung! Ein wenig Freiraum! Als belasteter Mensch musst du allerdings die Bereitschaft haben, jemanden zu fragen und das Angebot auch zu würdigen. Du wirst nicht alles loswerden. Was du ja eigentlich möchtest. Aber die Entlastung wäre der erste Schritt hin zu einer Veränderung. Ein erster kleiner, aber hilfreicher Schritt. Einen kleinen Teil der Lasten jemand anderes zu übergeben. Vielleicht trägst du ja auch Teile, die gehören dir gar nicht. Da hat jemand dir etwas aufgeladen und du hast es einfach behalten. Jetzt musst du es eben zurückgeben. Vielleicht kannst du auch hier und da eine kleine Pause einlegen und dir Ruhezeiten erlauben und Abladeplätze finden. Mein österlicher Satz heißt: „Ich trage eine Last, die mir zu groß geworden ist. Kannst du mir helfen? Zugleich erlaube ich mir Zeiten und Orte der Entlastung!“

Wenn ich das gewusst hätte...
„Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mich völlig anders entschieden. Ich bin von völlig anderen Tatsachen ausgegangen.“ „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich nie das Haus gekauft. Jetzt hocke ich da mit den Schulden, die ich nicht mehr bezahlen kann.“ „Wenn ich das gewusst hätte, dass du ein so depressiv veranlagter Mensch bist, hätte ich mit dir nie eine Beziehung aufgenommen.“ „Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nie auf die Welt gekommen. Da ist so viel Unfrieden und Zerstörung. Mehr als ich ertragen kann.“
So viel „Wenn ich das gewusst hätte...“ Gehörst du auch zu den Menschen, die möglichst viel wissen möchten, damit sie eine Entscheidung treffen können? Das hat ja auch eine gewisse Logik. Wenn ich viel über etwas weiß, kann ich auch eine gute Entscheidung treffen. Ich kann abwägen und die beste aller Möglichkeiten herausfinden.
Wenn du so denkst, dann bist du doch ein sehr verantwortungsvoller Mensch. Dir kann man wirklich vertrauen. Du triffst keine Entscheidungen ins Blaue hinein. Einfach so aus dem Bauch! Du überlegst gründlich. Du beherzigst die Worte deiner Eltern und Lehrer die dir einmal sagten: „Denk doch mal nach!“
Vielleicht hast du darum auch Angst vor einer Fehlentscheidung. Wenn du das gewusst hättest, dann hättest du dich nicht „falsch“ entschieden. Leider können wir immer nur eine Entscheidung treffen mit dem Wissen zu dem Zeitpunkt, wo wir uns entscheiden müssen. Wenn du es gewusst hättest, hättest du eine noch bessere Entscheidung treffen können.
Es kann aber auch passieren, dass du gar keine Entscheidung triffst. Du wartest und wartest und informierst dich hier und dort. Du denkst, dass du bestimmt was übersehen hast und dass irgendjemand noch mehr weiß. Dann geschieht es, dass du auf einmal zu spät bist. Die Zeit ist abgelaufen. Die Geschichte hat sich ohne dich weiterentwickelt. Ein anderer Interessent hat die Ferienwohnung gemietet auf die du spekuliert hast. Dir fehlten noch ein paar ganz wichtige „Details“.  Dinge, die nicht in der Internetbeschreibung waren wie: Wo gibt es den nächsten Bäcker? Wann gibt es die stärkste Sonneneinstrahlung auf der Terrasse? Wie stark ist der Strahl, der aus der Dusche kommt? Wenn du gewusst hättest, dass jemand anders sich auch für die Wohnung interessiert, hättest du schneller zugegriffen.
„Wenn du das gewusst hättest“ kann auch ein Ausdruck deiner Angst sein. Die Angst überhaupt vor Entscheidungen. Deine Überzeugung, dass du nichts falsch machen darfst. Deine Sorge, von anderen dafür kritisiert zu werden. Die Stimme deines inneren Kritikers der da sagt: „Mach bloß nichts unüberlegt!“ – „Nachher wirst du es bitter bereuen!“
Die österliche Umwandlung aus meiner Sicht könnte heißen: „Du bist begrenzt. Du wirst nie alles wissen. Du wirst nie wirklich genug wissen und du kannst dich auch entscheiden mit einem begrenzten Wissen. Du kannst viele Dinge im Laufe des Weges noch korrigieren. Und vielleicht entsteht aus dem scheinbar Negativen auch etwas Positives. Das Leben hält noch Überraschungen für dich bereit und du kannst üben nur so ungefähr perfekt zu sein.“ Der dazugehörige Umkehrsatz heißt: „Das, was ich weiß wird ausreichen für meine Entscheidung. Und zugleich vertraue ich auf meinen Bauch, der mehr und anders „weiß“ als mein Kopf.“

Hätte ich doch was gesagt...
„Ja genau! Hätte ich doch bei der letzten Dienstbesprechung was gesagt. Ich habe genau gewusst, dass es nicht funktioniert. Aber alle anderen haben so stark argumentiert, dass ich nichts mehr sagen mochte. Jetzt ist es zu spät und ich muss eine Sache mit ausbaden, die ich gar nicht so wollte.“
„Hätte ich doch was gesagt als mein Mann sich dieses Auto gekauft hatte. Ich habe gleich gewusst, dass es für uns als Familie nicht geeignet ist. Kein Platz für Gepäck. Das habe ich sofort gesehen. Aber mein Mann wollte unbedingt diesen Wagen. Ich habe mich nicht getraut. Mein Mann hätte mich bestimmt platt geredet. Jetzt ist es zu spät und wir müssen mit diesem Wagen irgendwie klarkommen.“
Kennst du solche oder ähnliche Situationen? Eine Stimme in dir spricht: „Sag was! Das geht so nicht!“ Aber du schweigst. Du scharrst mit den Füßen. Du schaust unruhig hin und her und zugleich fühlst du dich gehemmt. „Soll ich es sagen? Wie stehe ich denn da, wenn ich nicht recht habe?“ Du wirst vielleicht wieder als Spaßbremse abgestempelt. „Schon wieder die mit ihren ewigen Bedenken!“
Wenn du bereit wärest, die Folgen einer Fehlentscheidung zu tragen, wäre ja alles in Ordnung. Aber du bist gar nicht bereit. Du hättest nur etwas sagen müssen! Dann ärgerst du dich doppelt. Du findest die Entscheidung falsch und du hast nichts gesagt. Du ärgerst dich über dich selbst. Über deine Feigheit. Über deine Angst. Über dein mangelndes Selbstvertrauen. Und dann klebst du am „hättest“ fest. Stundenlang zerfleischst du dich in Gedanken und möchtest die Uhr zurückdrehen. „Hätte ich doch...“
Hast du aber nicht! Du hast nichts gesagt! Du wirst damit leben müssen. Du kannst es dir dabei leicht machen oder schwer. Du kannst dich tagelang geißeln und deine geschwollene Zunge pflegen auf die du gebissen hast um nichts zu sagen. Du kannst aber auch sagen: „Nicht noch einmal! Das nächste Mal rede ich! Ich überwinde alle Hindernisse und sage, was ich denke!“
Die österliche Umkehr heißt: „Ich spreche aus was ich denke und bin bereit, jeden möglichen schiefen Blick zu tragen. Mein Gedanke ist genauso wichtig wie jeder andere. Auch ich trage etwas dazu bei, dass es zu einer gemeinsamen Entscheidung kommt, an der ich meinen Anteil haben darf.“

Jetzt ist es zu spät...
Eigentlich wolltest du dich entschuldigen bei deiner Freundin, bei deinem Freund. Dir war klar, dass du dich nicht richtig verhalten hast. Dein enttäuschtes Gegenüber wartet und du bekommst die Kurve nicht. Du schämst dich. Du findest scheinbar nie den richtigen Zeitpunkt. Bis du es doch mal eines Tages hinbekommst. Du hast dich überwunden. Deine eigenen Kränkungen aus dem Weg geräumt. Du stammelst deine Entschuldigung und bekommst die Antwort: „Jetzt ist es zu spät...“ Du hast zu lange gewartet und den Zeitpunkt verpasst wo noch etwas möglich gewesen wäre.
Da gibt es so ein merkwürdiges Ziehen im Bauch und/oder im Brustraum. Ein Teil von dir weiß es. Ein Teil weiß, dass du handeln musst. Ein anderer Teil in dir ist rebellisch. Der Verstand gibt dir klare Botschaften und der Bauch leistet rebellischen Widerstand. Du spürst das Ringen und du spürst den Druck. Eigentlich müsstest du jetzt aktiv werden. Aber es geht nicht.  Du magst es mit Angst bezeichnen oder mit Unsicherheit. Oder mit Widerwillen oder Rebellion. Am Ende zählt das Ergebnis. „Jetzt ist es zu spät...“ Dein innerer Kampf hat zu lange gedauert. Du hast verloren! Wirklich?
Vielleicht hat dein Bauch sich am Ende einfach nur durchgesetzt. Er wollte nicht. Er hat sich stur geweigert und erst nachgegeben, als es eh zu spät war. Der Kopf hatte vielleicht gute Argumente, aber die Gefühle wollten das nicht akzeptieren.
Wann ist etwas zu spät? Manchmal geschieht es einfach durch Zufall. Dann kannst du eh nichts dafür. Es kommt wie es kommt. Du bist ein Spielball der Kräfte. Manchmal jedoch liegt es nur daran, dass du mit dir nicht in Übereinstimmung bist. Kopf und Herz schwingen nicht synchron. Dann ist es deine Aufgabe, wieder mit dir selbst in Übereinstimmung zu kommen.
Wie könnte eine österliche Umkehrung aussehen? Für diese konkrete Situation ist es zu spät. Aber es ist nicht zu spät mit dem was jetzt da ist, etwas zu machen. Du kannst beschließen, demnächst nicht so lange zu warten. Du ziehst die Konsequenzen. Du kannst trotz der verpassten Möglichkeiten mit deinen Freunden und Freundinnen in Verbindung bleiben. Wenn durch das „Zu spät“ sich ein Mensch von dir trennt kannst du von deiner Seite her die Verbindung aufrecht halten so gut es geht. Auch wenn es einseitig ist.
Vielleicht folgst du auch nur einem alten Glaubenssatz, den du über Bord werfen darfst. Der „Jetzt ist es zu spät...“ kann leicht in eine Depression führen.  „Es ist nie zu spät...“  Das gilt genauso. Du bist zu spät dran für einen bestimmten Zug, der jetzt weg ist. Dafür ist es noch Zeit für einen Kaffee am Bahnhof und ein Schwätzchen mit einem anderen Reisenden am Bahnsteig. Vielleicht findest du da die Grundlage für eine neue Lebensfreundschaft. Außerdem glaube ich, dass du auf jeden Fall rechtzeitig in der jenseitigen Welt ankommen wirst. „Zeit“ ist lediglich eine irdische Erscheinung.
Der österliche Umkehrsatz könnte heißen: „Es ist weder zu spät noch zu früh. Es ist Jetzt! Und da bin ich – im Jetzt!“

Nie wieder...
Du hast dir die Finger verbrannt? Du bist tief enttäuscht? Du bist so enttäuscht, dass das „Nie wieder...“ auf die Welt kam? Es kam in deine Welt. Nie wieder möchtest du dir die Finger verbrennen. Nie wieder darf dich jemand so verletzen! Nie wieder wirst du vertrauen! Nie wieder wirst du dein Herz öffnen!
Ich war vor vielen Jahren in Indien und habe dort meinen Urlaub verbracht. In der letzten Woche bekam ich eine starke Infektion und verbrachte nach der Reise drei Wochen in einer Klinik. Meine Haut bestand nur noch auch schmerzenden Eiterblasen. Nie wieder wollte ich nach Indien reisen. Allein der Gedanke  daran verursachte mir Ekel, Angst und Abwehr. Viele Jahre konnte ich auch hier kein indisches Restaurant besuchen. Nie wieder wollte ich etwas mit diesem Land zu tun haben, das mich gefühlt an den Rand des Todes gebracht hatte.
Darum kann ich das „nie wieder...“ gut nachvollziehen. Der Schmerz muss nur tief genug sitzen. Das „Nie wieder...“ folgt einem tiefen und eindrucksvollen Erlebnis. Bei mir führte es zu der Folge, dass ich nie wieder nach Indien wollte. Ich war auch nie wieder in Indien. Aber immerhin habe ich meine Phobie bezüglich eines indischen Restaurants überwunden. Manchmal lasse ich mich überreden und kann dort sitzen und essen. Der Ekel, die Angst und die Abwehr machen sich bemerkbar und behindern mich, aber nicht mehr so, dass ich völlig blockiert werde. Ich kann mich begrenzt auf Indien einlassen. Mein „Nie wieder...“ bröckelt seit einiger Zeit.
Nie wieder lieben? Nie wieder eine Freundschaft? Nie wieder einem Menschen vertrauen? Dann kannst du gleich mit dem Leben aufhören, oder? Wenn du für alle Lebensbereiche ein „Nie wieder...“ aussprichst kannst du dir gleich einen Sarg bestellen. Nie wieder leben!
Wie könnte eine österliche Umkehrung aussehen? Vielleicht musst du nur ein wenig von dem „Nie“ zurücknehmen. Etwa so: „Im Augenblick, zur Zeit kann ich nicht vertrauen. Ich trage noch die schlechten Erfahrungen in mir. Vielleicht sieht meine Welt morgen aber schon ein wenig heller aus. Jetzt gerade mag ich nicht mehr.“ Wenn du so denkst machst du deutlich, dass du gerade ein schlimmes Erlebnis hattest, aber du machst daraus kein Drama oder sprichst ein Todesurteil. Du behältst dir selber die Freiheit vor, morgen anders zu denken. Heute nicht mehr aber morgen vielleicht!
Du weichst dein „Nie wieder...“ auf, weil es für dich einen höheren Wert gibt. Die Liebe darf noch eine Chance bekommen. Das Vertrauen ist auf die Dauer heilsamer für dich und führt dich in eine höhere Kohärenz als die Enttäuschung und das Misstrauen. Anderenfalls müsstest du ständig dein „Nie wieder...“ bedienen. Deine Körperhaltung wäre voller Abwehr und Widerstand. Deine Umwelt würde denken: „Mit diesem Menschen ist es echt schwer auszuhalten. Ständig diese negativen Sätze, diese feindliche Ausstrahlung.“ Und du bekämest daraufhin deine fortwährende Bestätigung: „Habe ich doch gewusst, dass ich nicht vertrauen oder lieben darf. Ich werde nur enttäuscht.“
Der österliche Gedanke lautet also: „Immer wieder gebe ich der Liebe und dem Leben eine Chance. Niemand wird es schaffen, mich ganz aus dem Vertrauen herauszuwerfen. Ich komme wieder, auch wenn ich enttäuscht bin. Ich gönne mir eine Auszeit und pflege meine Wunden. Und dann bin ich wieder da! So oft ich kann...“

Warum immer ich...
Mir kommen Menschen in den Sinn, die sich scheinbar in einer lebenslangen Pechschleife befinden. Wenn sich sonst niemand ansteckt mit einer Grippe, dieser eine Mensch schafft das ganz bestimmt. Wenn alle das Ziel finden, diese Person wird sich verlaufen. Allen im Restaurant schmeckt das Essen und dieser „Pechvogel“ bekommt nicht, was er bestellt hat. Hat vielleicht auch noch die Geldbörse vergessen. Den Bus verpasst. Auf der Autobahn mit einer Panne liegengeblieben usw.
„Warum immer ich...“ höre ich dann als Kommentar. Damit schwingt so eine gewisse Hilflosigkeit und Resignation. Da gibt es zwar so ein Bemühen, ja auch alles richtig zu machen. Diese Menschen sind oft sehr sorgfältig und umsichtig in ihren Planungen. Aber zugleich wirken sie so, als hätten sie einen Aufkleber auf dem steht: „Schicksal, schlage mich! Etwas geht noch!“ Diese Menschen legen schon bei der Planung ihrer Aktionen einen Keim von Misslingen und Unglück mit hinein. Fast automatisch kommt das herbeigefürchtete Pech und sagt wie selbstverständlich: „Da bin ich! Du hast mich gerufen!“
Warum immer ich? Weil du es auf der unbewussten Ebene bestellt hast? Vielleicht nicht auf dem Bestellzettel, aber auf dem heimlichen Wunschzettel. Nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit bekommt jeder Mensch mal einen Schlag ab. Irgendwann und irgendwo. Es ist einfach wahrscheinlich, mehr aber nicht!
Geh doch mal zurück, wann dieser Glaubenssatz entstanden ist in deiner Biografie. Denn ich halte diesen Satz „Warum immer ich...“ eher für einen Glaubenssatz als für eine Erfahrung. Du bekommst lediglich die Bestätigung für deinen Glauben. Und der scheint sehr stark zu sein.
„Warum immer ich...“ – Fragst du wirklich nach dem „Warum“? Gehst du dem „Warum“ wirklich nach, mit aller Konsequenz? Welche „Weil“ - Antworten würdest du bekommen? Weil du es verdient hast? Weil du schlecht bist? Weil du zu dumm bist? Wenn du solche „Weil“ – Antworten in deinem Inneren wahrnimmst, dann hörst du die Stimme deiner Eltern. Sie haben dich vielleicht nicht wachsen lassen.  Und sie haben dir wenig zugetraut. „Warum immer ich...?“
Weil es Zeit wird, diese Frage einfach über Bord zu werfen. Keines dieser drei Wörter stimmt! Weder „warum“ noch „immer“ noch „ich“. Es wird Zeit, diese alten Klebezettel von der Stirn zu entfernen.
Wie könnte die österliche Umkehrung aussehen? Du beginnst mit dem Weichspülen. Du hast sehr viel Glück im Leben gehabt. Sonst wärest du in deiner Pechsträhne bestimmt schon gestorben. Du hattest total viele glückliche und gelungene Situationen. Wenn du eine Liste machst mit zwei Rubriken von Glück und Pech und du ganz ehrlich mit dir bist. Wo wirst du mehr hin schreiben? Du wirst dich an dein Pech besser erinnern, darum wirst du da mehr finden. Es liegt aber nur an dein Erinnerungsvermögen. Die Tatsache, dass du lebst, ist ein Hinweis dafür, dass es genug gab, damit du dich am Leben halten konntest. Das nenne ich doch mal echtes Glück!
Vielleicht magst du diesen Satz mal österlich erweitern: „Warum nur komme ich aus jeder Krise wieder hervor?!“ „Wie schaffe ich es nur, in dieser „Charly Chaplin Qualität“ zu leben! Immer zu fallen ist nicht die Kunst, sondern dieses Aufstehen! Wie habe ich das nur hinbekommen? Jeder andere wäre längst am Boden liegengeblieben. Aber ich nicht! Ich bin ein „wieder Aufsteher!“ Das nenne ich mal wirklich eine österliche Qualität.



Wenn ich nur könnte...
Wenn ich nur könnte, dann würde ich es ja tun. Aber die Umstände verhindern es. „Wenn ich nur könnte...“ lebt von dem Nachsatz „...dann würde ich.“ Ich will ja wohl, aber ich kann doch nicht.
Mach doch einmal eine Liste all der Dinge, die du tun willst, aber nicht zu können glaubst. Du merkst schon hier meine Umformulierung. Die erste Unterscheidung. Es gibt Dinge, die ich nicht kann und Dinge ich glaube nicht zu können. Ich kann definitiv kein Flugzeug fliegen und Kinder gebären. Fliegen habe ich nicht gelernt und für eine Schwangerschaft fehlt mir die anatomische Voraussetzung. Ein Haus bauen habe ich auch nicht gelernt und kann es nicht. Da vermute ich aber eher einen Glaubenssatz. Ich glaube, dass ich es nicht kann. Wenn ich da genauer nachforsche dann stimmt es so nicht. Als Kind habe ich regelmäßig Hütten im Wald gebaut. Zwischen Hütten und Häusern gibt es keinen so großen Unterschied. Du brauchst Wände, ein Dach und einen Eingang. Es scheint also vom Grundprinzip her kinderleicht.
Jetzt nimmst du an einer Weiterbildung teil und der Trainer fordert dich zu einer Übung auf. Was ist dein erster Impuls? „Das kann ich nicht!“ Natürlich kannst du es nicht im Sinne von Könnerschaft und Perfektion! Wie denn auch? Aber du kannst jetzt diese Übung machen. Es geht um eine Übung und nicht um die Demonstration deines Könnens. Da läuft also ein unbewusster Mechanismus ab. Ich soll üben? Ich mache das bestimmt nicht perfekt. Ich werde mich bestimmt blamieren. Alle werden auf mich schauen und denken, wie schlecht ich bin. Wie unfähig! Warum ich mich überhaupt hier angemeldet habe! Du katapultierst dich in Windeseile in dein „Unfähigkeitsprogramm.“ Der Trainer muss nur sagen: „So, jetzt habe ich es euch gezeigt und jetzt dürft ihr einmal üben.“ Bei welchen Worten wirst du gleich emotional hochgehen? „Ja, gezeigt hast du es. Aber noch nicht ganz genau erklärt!“ – „Dürfen? Dass ich nicht lache! Ich muss ja wohl!“ – „Üben? Meint der wirklich üben? Wenigstens den Hauch einer Ahnung sollte ich zeigen.“ Dein unbewusstes Unfähigkeitsprogramm katapultiert dich in Windeseile in die absolute Hilflosigkeit.
Dann läuft das nächste Programm ab das da heißt: „Wie komme ich da wieder raus!“ Wenn du dich weigerst, stehst du auch schlecht da. Du blamierst dich wenn du dich verweigerst und du blamierst dich, wenn du es tust. Du hast die Wahl zwischen Cholera und Pest. Wie rettest du dich vor dir selbst? „Ich will ja wohl! Wenn ich nur könnte...“ Du machst wenigstens das Angebot deines guten Willens. Deinen guten Willen wird der Trainer bestimmt positiv konnotieren.  Und du wirst nicht in einem allzu schlechten Licht dastehen vor allen anderen Kursteilnehmern. Denn immerhin willst du ja!
Nun mag so eine Weiterbildung eine Ausnahme sein. Gott sei Dank kommst du dich nicht zu oft in eine solche Situation und meldest dich darum auch lieber nicht zu diesen Veranstaltungen an.
Vielleicht jedoch gehörst du zu den Menschen, die mit diesem Glaubenssatz in einem Abgrund hocken. „Wenn ich nur könnte...“ ist zu deinem Lebensthema geworden. Immer und ständig zweifelst du an deinen Fähigkeiten. Ständig bewertest du deine Stagnationen und fehlenden Fortschritte. Du leidest darunter und du kommst nicht so richtig voran. Gefühlt wirft dich jede Herausforderung eher zurück. Auf den Stuhlgang übertragen hieße dein Motto: „Ich drücke, aber es kommt nichts!“
Wo könnte da eine österliche Umkehrung ansetzen? Meine erste Idee lautet: „Du willst zwar, aber du willst zu sehr wollen. Dein starkes „Wollen“ führt zu einem verminderten „Können“. Du hast zu viel Druck! Du hörst womöglich die inneren Elternstimmen, die da sagen: „Streng dich mal an!“ „Der Wille allein genügt nicht!“ „Üb mal eifrig, dann kannst du das auch!“ „Du bist halt nicht so intelligent wie dein Bruder, wie deine Schwester!“ „Schon dein Opa konnte nicht ordentlich sprechen. Du hast das von ihm!“
Deine Eltern haben dir ein genmanipuliertes Samenkorn eingepflanzt. Identifiziere es und gib es deinen Eltern zurück. Es gehört ihnen und zu ihrem Leben und nicht zu dir.
Wenn du das zu starke „Wollen“ loslassen kannst, kann sich dein eigenes Potential erst entfalten. Es ist in Ordnung, dass du dich blamieren könntest. Ja steh zu deiner Scham! Werde dir bewusst, dass da ein uraltes Programm in dir abläuft. Schreibe dir ein lustvolles neues Programm. Werde zu einer Entdeckerin und einem Entdecker. Sei dir bewusst, dass du noch gar nicht weißt, was du alles so kannst. Du kannst mit Sicherheit viel mehr. Vielleicht kannst du bei dem Lehrgang gerade nicht diese Übung. Dafür kannst du eine andere Übung. Du kannst den Trainer beeindrucken mit deiner Schlagfertigkeit, deinem Blick, deinem Scharm, deiner Wissbegier, deinen Fragen oder was auch immer.
In deinem Inneren blickst du auf eine Messlatte, die unheimlich hoch gelegt ist. Eine Messlatte, über die du nie springen wirst. Leg sie auf dem Boden und schlendere mal so gerade drüber. Oder geh unter deine hohe Messlatte hindurch. Auch das ist möglich! Du musst nicht springen!
Ich habe beschlossen, dass ich nie einen Flugschein machen werde. Da gehe ich voll unter meine Anspruchslatte hindurch. Ich werde immer in einem Flieger mitfliegen – als Passagier. Da schlendere ich über diese Messlatte.
„Wenn ich nur könnte...“ Formulieren wir den Satz österlich um. „Ich befreie mich von diesem Gedanken. Vor allem von dem Aspekt des Selbstmitleides. Von meinem Betteln um Anerkennung! Das brauche ich nicht. Ich finde meinen Selbstwert in mir selbst. Ich kann genug, um das Leben zu bestehen. Ich kann genug, um mich des Lebens zu erfreuen. Und zu dem, was ich nicht kann, stehe ich.“

Wege aus dem Abgrund
Ich habe exemplarisch lediglich ein paar Sätze aus dem Abgrund ausgewählt. Ich vermute, dass jeder einen anderen „lebensbedrohlichen“ Satz kennt. Deiner war möglicherweise gar nicht dabei. Es geht auch nicht so sehr um den Satz, sondern um das damit verbundene Gefühl der Ohnmacht, der Angst und der Hilflosigkeit.
Niemand hält sich gerne in diesen schrecklichen Feldern auf. Du fühlst dich abgeschnitten vom Leben und von der Liebe. Du hast den Eindruck, dass du da auch so schnell nicht wieder herauskommst. Die Abgrunderfahrungen erscheinen zugleich so absolut und so bodenlos. Ein Abgrund kann zwei Meter oder schnell auch zwanzig Meter tief sein. Bei zwei Metern funktionieren noch die eingeübten Überlebensstrategien. Du denkst zuerst nach. Du suchst dann nach Lösungen. Du erinnerst dich an deine Fähigkeiten. Du findest Lösungsstrategien. Du bist noch nicht am Nullpunkt.
Wenn du jedoch tiefer rutscht, weil das Ohnmachtsgefühl stetig zunimmt, näherst du dich einem Zustand, in dem die Resignation überhand nimmt bis du dich ihr ergibst.
Bis dahin leistest du Widerstand.
Jetzt stell dir einmal vor, dass du ab einem gewissen Zeitpunkt den Widerstand aufgibst. Du rutscht wirklich hinein bis in die tiefste Tiefe. Normalerweise wehrst du dich. Jetzt lass mal einfach die Frage zu, die da heißt: Was kommt nach dem Abrutschen? Was liegt unter dem Abgrund? Wer bin ich jetzt, wenn ich da so liege? Welche „Ich-Anteile“ liegen da in der Tiefe des Abgrundes? Alle? Wirklich alle? Vielleicht gibt es noch ein anderes „Ich“, das nicht da liegt? Nach diesem „Ich“ könnte ich jetzt fragen. Diesem Teil könnte ich mich jetzt zuwenden.
Und der Teil, der im Abgrund liegt, muss vielleicht dort liegen, weil dieser Teil nicht mehr gebraucht wird. Weil dieser Teil sterben muss. Weil dieser Teil begraben werden möchte. Totes stößt du in den Abgrund und überlässt es der Erde für den Kompostierungsprozess.
Vielleicht sind alle deine Notschreie am Rande des Abgrundes: „Wie lange muss ich das noch aushalten!“ „Warum immer ich!“ „Hätte ich doch was gesagt!“ lediglich das Material, das du zum Kompostieren abgeben möchtest. Es geht ja um deine Weiterentwicklung. Die Glaubenssätze, die dich hindern, kannst du der Erde übergeben. Du hast sie für ein paar Jahre deines Lebens gebraucht und ordentlich gefüttert! Mit allen dazugehörigen Erfahrungen, die dein Leben so ohnmächtig hat werden lassen. Weg mit dem ganzen Müll! Nur ein Teil von dir liegt im Abgrund. Ein anderer Teil ruft dich zum Aufstehen und zur Auferstehung. Der göttliche Teil in dir möchte solche lebensfeindlichen Sätze abstreifen. Sie sind vergleichbar mit einem Computerprogramm aus längst vergangenen Tagen.
Somit musst du nicht nach Wegen aus dem Abgrund suchen. Dort landet das, was dort irgendwann landen muss. Aber du kannst nach den Anteilen schauen, die dich leben lassen und die eine andere Sprache sprechen. Eine Sprache der Liebe und eine Sprache des kraftvollen „Ja“. Der Teil im Abgrund darf ruhig ohnmächtig werden -  genauer betrachtet heißt es ja „ohne Macht“. Du entziehst den tödlichen Sätzen die todbringende Macht. Das ist eine Kernidee von Ostern. Keine Flucht vor dem Abgrund. Keine Angst vor dem Tod. Eine Entscheidung für das Leben und für die Liebe.

www.matthias-koenning.de

Dienstag, 5. April 2016

Wege aus dem Abgrund


Heute und in den kommenden Tagen geht es um Sätze aus der tiefsten Seele. Sätze aus dem Abgrund verbunden mit dem Wunsch. Wie komme ich da jetzt raus? Wenn aus quälenden Gedanken wieder quellende und pulsierende Lebensimpulse werden, kann das zu einer österlichen Erfahrung werden.
 
Ich habe exemplarisch lediglich ein paar Sätze aus dem Abgrund ausgewählt. Ich vermute, dass jeder einen anderen „lebensbedrohlichen“ Satz kennt. Deiner war möglicherweise gar nicht dabei. Es geht auch nicht so sehr um den Satz, sondern um das damit verbundene Gefühl der Ohnmacht, der Angst und der Hilflosigkeit.
Niemand hält sich gerne in diesen schrecklichen Feldern auf. Du fühlst dich abgeschnitten vom Leben und von der Liebe. Du hast den Eindruck, dass du da auch so schnell nicht wieder herauskommst. Die Abgrunderfahrungen erscheinen zugleich so absolut und so bodenlos. Ein Abgrund kann zwei Meter oder schnell auch zwanzig Meter tief sein. Bei zwei Metern funktionieren noch die eingeübten Überlebensstrategien. Du denkst zuerst nach. Du suchst dann nach Lösungen. Du erinnerst dich an deine Fähigkeiten. Du findest Lösungsstrategien. Du bist noch nicht am Nullpunkt.
Wenn du jedoch tiefer rutscht, weil das Ohnmachtsgefühl stetig zunimmt, näherst du dich einem Zustand, in dem die Resignation überhand nimmt bis du dich ihr ergibst.
Bis dahin leistest du Widerstand.
Jetzt stell dir einmal vor, dass du ab einem gewissen Zeitpunkt den Widerstand aufgibst. Du rutscht wirklich hinein bis in die tiefste Tiefe. Normalerweise wehrst du dich. Jetzt lass mal einfach die Frage zu, die da heißt: Was kommt nach dem Abrutschen? Was liegt unter dem Abgrund? Wer bin ich jetzt, wenn ich da so liege? Welche „Ich-Anteile“ liegen da in der Tiefe des Abgrundes? Alle? Wirklich alle? Vielleicht gibt es noch ein anderes „Ich“, das nicht da liegt? Nach diesem „Ich“ könnte ich jetzt fragen. Diesem Teil könnte ich mich jetzt zuwenden.
Und der Teil, der im Abgrund liegt, muss vielleicht dort liegen, weil dieser Teil nicht mehr gebraucht wird. Weil dieser Teil sterben muss. Weil dieser Teil begraben werden möchte. Totes stößt du in den Abgrund und überlässt es der Erde für den Kompostierungsprozess.
Vielleicht sind alle deine Notschreie am Rande des Abgrundes: „Wie lange muss ich das noch aushalten!“ „Warum immer ich!“ „Hätte ich doch was gesagt!“ lediglich das Material, das du zum Kompostieren abgeben möchtest. Es geht ja um deine Weiterentwicklung. Die Glaubenssätze, die dich hindern, kannst du der Erde übergeben. Du hast sie für ein paar Jahre deines Lebens gebraucht und ordentlich gefüttert! Mit allen dazugehörigen Erfahrungen, die dein Leben so ohnmächtig hat werden lassen. Weg mit dem ganzen Müll! Nur ein Teil von dir liegt im Abgrund. Ein anderer Teil ruft dich zum Aufstehen und zur Auferstehung. Der göttliche Teil in dir möchte solche lebensfeindlichen Sätze abstreifen. Sie sind vergleichbar mit einem Computerprogramm aus längst vergangenen Tagen.
Somit musst du nicht nach Wegen aus dem Abgrund suchen. Dort landet das, was dort irgendwann landen muss. Aber du kannst nach den Anteilen schauen, die dich leben lassen und die eine andere Sprache sprechen. Eine Sprache der Liebe und eine Sprache des kraftvollen „Ja“. Der Teil im Abgrund darf ruhig ohnmächtig werden -  genauer betrachtet heißt es ja „ohne Macht“. Du entziehst den tödlichen Sätzen die todbringende Macht. Das ist eine Kernidee von Ostern. Keine Flucht vor dem Abgrund. Keine Angst vor dem Tod. Eine Entscheidung für das Leben und für die Liebe. 

Montag, 4. April 2016

Wenn ich nur könnte...


Heute und in den kommenden Tagen geht es um Sätze aus der tiefsten Seele. Sätze aus dem Abgrund verbunden mit dem Wunsch. Wie komme ich da jetzt raus? Wenn aus quälenden Gedanken wieder quellende und pulsierende Lebensimpulse werden, kann das zu einer österlichen Erfahrung werden.
 
Wenn ich nur könnte, dann würde ich es ja tun. Aber die Umstände verhindern es. „Wenn ich nur könnte...“ lebt von dem Nachsatz „...dann würde ich.“ Ich will ja wohl, aber ich kann doch nicht.
Mach doch einmal eine Liste all der Dinge, die du tun willst, aber nicht zu können glaubst. Du merkst schon hier meine Umformulierung. Die erste Unterscheidung. Es gibt Dinge, die ich nicht kann und Dinge ich glaube nicht zu können. Ich kann definitiv kein Flugzeug fliegen und Kinder gebären. Fliegen habe ich nicht gelernt und für eine Schwangerschaft fehlt mir die anatomische Voraussetzung. Ein Haus bauen habe ich auch nicht gelernt und kann es nicht. Da vermute ich aber eher einen Glaubenssatz. Ich glaube, dass ich es nicht kann. Wenn ich da genauer nachforsche dann stimmt es so nicht. Als Kind habe ich regelmäßig Hütten im Wald gebaut. Zwischen Hütten und Häusern gibt es keinen so großen Unterschied. Du brauchst Wände, ein Dach und einen Eingang. Es scheint also vom Grundprinzip her kinderleicht.
Jetzt nimmst du an einer Weiterbildung teil und der Trainer fordert dich zu einer Übung auf. Was ist dein erster Impuls? „Das kann ich nicht!“ Natürlich kannst du es nicht im Sinne von Könnerschaft und Perfektion! Wie denn auch? Aber du kannst jetzt diese Übung machen. Es geht um eine Übung und nicht um die Demonstration deines Könnens. Da läuft also ein unbewusster Mechanismus ab. Ich soll üben? Ich mache das bestimmt nicht perfekt. Ich werde mich bestimmt blamieren. Alle werden auf mich schauen und denken, wie schlecht ich bin. Wie unfähig! Warum ich mich überhaupt hier angemeldet habe! Du katapultierst dich in Windeseile in dein „Unfähigkeitsprogramm.“ Der Trainer muss nur sagen: „So, jetzt habe ich es euch gezeigt und jetzt dürft ihr einmal üben.“ Bei welchen Worten wirst du gleich emotional hochgehen? „Ja, gezeigt hast du es. Aber noch nicht ganz genau erklärt!“ – „Dürfen? Dass ich nicht lache! Ich muss ja wohl!“ – „Üben? Meint der wirklich üben? Wenigstens den Hauch einer Ahnung sollte ich zeigen.“ Dein unbewusstes Unfähigkeitsprogramm katapultiert dich in Windeseile in die absolute Hilflosigkeit.
Dann läuft das nächste Programm ab das da heißt: „Wie komme ich da wieder raus!“ Wenn du dich weigerst, stehst du auch schlecht da. Du blamierst dich wenn du dich verweigerst und du blamierst dich, wenn du es tust. Du hast die Wahl zwischen Cholera und Pest. Wie rettest du dich vor dir selbst? „Ich will ja wohl! Wenn ich nur könnte...“ Du machst wenigstens das Angebot deines guten Willens. Deinen guten Willen wird der Trainer bestimmt positiv konnotieren.  Und du wirst nicht in einem allzu schlechten Licht dastehen vor allen anderen Kursteilnehmern. Denn immerhin willst du ja!
Nun mag so eine Weiterbildung eine Ausnahme sein. Gott sei Dank kommst du dich nicht zu oft in eine solche Situation und meldest dich darum auch lieber nicht zu diesen Veranstaltungen an.
Vielleicht jedoch gehörst du zu den Menschen, die mit diesem Glaubenssatz in einem Abgrund hocken. „Wenn ich nur könnte...“ ist zu deinem Lebensthema geworden. Immer und ständig zweifelst du an deinen Fähigkeiten. Ständig bewertest du deine Stagnationen und fehlenden Fortschritte. Du leidest darunter und du kommst nicht so richtig voran. Gefühlt wirft dich jede Herausforderung eher zurück. Auf den Stuhlgang übertragen hieße dein Motto: „Ich drücke, aber es kommt nichts!“
Wo könnte da eine österliche Umkehrung ansetzen? Meine erste Idee lautet: „Du willst zwar, aber du willst zu sehr wollen. Dein starkes „Wollen“ führt zu einem verminderten „Können“. Du hast zu viel Druck! Du hörst womöglich die inneren Elternstimmen, die da sagen: „Streng dich mal an!“ „Der Wille allein genügt nicht!“ „Üb mal eifrig, dann kannst du das auch!“ „Du bist halt nicht so intelligent wie dein Bruder, wie deine Schwester!“ „Schon dein Opa konnte nicht ordentlich sprechen. Du hast das von ihm!“
Deine Eltern haben dir ein genmanipuliertes Samenkorn eingepflanzt. Identifiziere es und gib es deinen Eltern zurück. Es gehört ihnen und zu ihrem Leben und nicht zu dir.
Wenn du das zu starke „Wollen“ loslassen kannst, kann sich dein eigenes Potential erst entfalten. Es ist in Ordnung, dass du dich blamieren könntest. Ja steh zu deiner Scham! Werde dir bewusst, dass da ein uraltes Programm in dir abläuft. Schreibe dir ein lustvolles neues Programm. Werde zu einer Entdeckerin und einem Entdecker. Sei dir bewusst, dass du noch gar nicht weißt, was du alles so kannst. Du kannst mit Sicherheit viel mehr. Vielleicht kannst du bei dem Lehrgang gerade nicht diese Übung. Dafür kannst du eine andere Übung. Du kannst den Trainer beeindrucken mit deiner Schlagfertigkeit, deinem Blick, deinem Scharm, deiner Wissbegier, deinen Fragen oder was auch immer.
In deinem Inneren blickst du auf eine Messlatte, die unheimlich hoch gelegt ist. Eine Messlatte, über die du nie springen wirst. Leg sie auf dem Boden und schlendere mal so gerade drüber. Oder geh unter deine hohe Messlatte hindurch. Auch das ist möglich! Du musst nicht springen!
Ich habe beschlossen, dass ich nie einen Flugschein machen werde. Da gehe ich voll unter meine Anspruchslatte hindurch. Ich werde immer in einem Flieger mitfliegen – als Passagier. Da schlendere ich über diese Messlatte.
„Wenn ich nur könnte...“ Formulieren wir den Satz österlich um. „Ich befreie mich von diesem Gedanken. Vor allem von dem Aspekt des Selbstmitleides. Von meinem Betteln um Anerkennung! Das brauche ich nicht. Ich finde meinen Selbstwert in mir selbst. Ich kann genug, um das Leben zu bestehen. Ich kann genug, um mich des Lebens zu erfreuen. Und zu dem, was ich nicht kann, stehe ich.“