Montag, 31. Juli 2017

Der Ursprung vom Urlaub


Ich erlaube mir etwas!
Ich spreche mir selbst eine Erlaubnis aus!
Ich darf!
Ich bin heute gerne freundlich zu mir!

Wortaufdröselung von "Urlaub"
Ur und laub.
Ur wie Ursprung, Anfang, Grundsatz.
Laub wie Erlaubnis
Urlaub übersetzt heißt dann: "Der Ursprung von Erlaubnis"
Da, wo die Erlaubnis herkommt.
Wo sie entsteht.
Urlaub ist also die Zeit, wo ich wahrnehme, dass ich mich mit der Erlaubnis verbinde.
Sie existiert von Anfang an.
Vom Ursprung meiner Existenz her.
Ich erinnere mich einmal im Jahr daran, dass ich die Erlaubnis besitze, da zu sein auf dieser Erde. Diese Erlaubnis brauche ich von niemandem.
Ich bin Urlaub!
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Samstag, 29. Juli 2017

Daheim!

Urlaubszeit! Ich sitze am Küchentisch und blicke auf den Lampenschirm. Da fällt mir das kleine schwarze Etikett auf mit der Aufschrift: "home sweet home".
Warum fahren wir eigentlich fort, wenn die Heimat so süß ist? Kennst du dieses eigenartige Gefühl? Du bist zu Hause und erlebst deinen Alltag. Manches gefällt dir und vieles geht dir auf die Nerven. Irgedwann hast du die Nase voll und willst nur noch raus. Abstand gewinnen, Urlaub machen. Etwas anders sehen und hören. Du bekommst Fernweh!
Dann bist du in der Urlaubsfremde und atmest die ersten Tage durch. Keine Verpflichtungen mehr, Entspannung pur. Ausruhen dürfen. Die Seele baumeln lassen. Irgendwann wird die Erinnerung an die Heimat in dir wach. Wie hoch ist der Rasen gewachsen? Was machen die Nachbarn? Wie schläft es sich noch mal im eigenen Bett? Du sehnst dich nach mehr Platz. Dir fehlt das eine Buch oder ein bestimmtes Gerät. Du bekommst Heimweh!
Ich habe im Laufe des Lebens festgestellt, dass die meisten Menschen irgendwo hin tendieren. Manche sind eher Heimweh und andere Fernwehtypen. Und dann gibt es noch diejenigen, die immer hin un herpendeln. Das sind die "Seefahrertypen". Die wünschen sich immer genau woanders als da, wo sie gerade sind.
Wir brechen bald auf und steuern unsere Heimat an. Unser sweet home? Was ist mein sweet home? Die vier Wände, in denen ich meinen Alltag lebe? Meine Seele? Mein Herz? Der Mensch, den ich liebe? Von allem etwas? Das Geheimnis liegt im hin und her wandern. Der Entzug der Heimat lässt die Sehnsucht nach ihr wachsen. Die Süße liegt nur in der Vorstellung, nicht in der Umsetzung. Gut, wenn ich die süße Heimat in mir selbst verankern kann.
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Freitag, 28. Juli 2017

Vielseitig unbegabt!


Urlaubszeit! Raus aus der Alltagsfalle und den vielen Ansprüchen! Der Kabarettist Christian Ehring schenkt mir einen Urlaubsimpuls: "Ich bin vielseitig unbegabt." Da klingt der gängige Spruch gleich mit. "Er ist nur einseitig begabt." Das fängt ja in der Schule schon an. Bist du eher sprachlich oder eher mathematisch begabt. Die einseitigen Naturwissenschaftler und die einseitigen Künstler. Wer einseitig begabt ist, muss sein Talent auch ordentlich kultivieren. So wirst du Schauspieler oder Physikprofessor. Das Leben ist ab der Grundschule schon vorgebahnt.
Dann gibt es noch die Menschen, die vielseitig begabt sind. Die echten Wunderkinder. Sie können alles. Denen fällt dann auch die Entscheidung manchmal schwer. Was mache nur mit meinem Leben? Schauspieler oder Professor? Oder Professor mit guten Schauspielqualitäten?
Ich gehöre wohl zu der Gruppe, die viele Dinge so ungefähr können. Nirgendwo ganz oben und nirgendwo ganz unten. Guter Durschnitt eben. Das hat den Vorteil, dass ich nicht so unter Leistungsdruck stehe.
Solange ich aber irgendetwas kann gibt es auch einen Anspruch. Den Anspruch, die Talente ordentlich auszubauen und zu nutzen. Etwas aus sich zu machen. Wie befreiend hört sich da doch der Satz von Christian Ehring an: "Ich bin vielseitig unbegabt." Das unterscheidet sich doch sehr von: "Ich kann nichts!" Erinnerst du dich an Zeugnisse, wo es eine sechs gab? Ungenügend? Hilfe! Mit einer solchen Note hätte ich mich nicht nach Hause getraut. Ungenügend und das Selbstbewusstsein im Keller. Wie erfrischend, wenn ich sage: "Ich bin vielseitig unbegabt." Ich habe keine Begabung, bin darin aber vielseitig. Vielseitig klingt positiv. Ein Vielseitiger ist für viele Dinge gut. Er kann nichts, davon aber viel und mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen.
Ich erinnere mich an manche Kinder im Ferienlager, die nicht begabt waren. Sie konnten nicht schön malen, nicht schnell rennen und vieles andere auch nicht. Aber in ihrem "Nichtkönnen" waren sie unglaublich glücklich. Mitleid war völlig fehl am Platz. Eher Neid. Wie kann man so glücklich sein, ohne etwas zu können?!
Unser Ego bestimmt sehr stark unser Leben. Etwas können. Dazu gehören. Etwas darstellen. Jemand sein. Der vielseitig Unbegabte spiegelt sich in der klassischen Rolle des Clowns. Er macht alles und macht es so verkehrt, dass alle über ihn lachen und er über sich selbst auch. Der Clown sieht das Leben als ein Spiel. Mehr nicht! Und damit hält er mir den Spiegel hin. Ich bin der unwichtigste Mensch in der Welt und darf darüber total glücklich sein.
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Donnerstag, 27. Juli 2017

Ohne Glanz und Gloria!

Urlaubszeit! Es ist Sommer. Im Fenster hängt noch ein Stern aus der Weihnachtszeit. Ein Zacken hat sich vom Fenster gelöst. Die Farben verblassen. Der Glanz vergeht. Es ist halt Sommer und Weihnachten ist längst vorbei. Na ja, bis zum nächsten Weihnachtsfest dauert es ja auch nur noch knapp ein halbes Jahr. Jetzt könnte er auch ruhig noch hängen bleiben.
Vielleicht handelt es sich aber auch gar nicht um einen Weihnachts- sondern eher um einen Ganzjahresstern.
Jedenfalls erinnert mich der Stern am Fenster im Hochsommer an eine wichtige Erkenntnis. Die Dinge zum richtigen Zeitpunkt loszulassen und zu verabschieden. Da gibt es Hosen in meinem Schrank, die ich schon lange nicht mehr angezogen habe. Da stehen Tassen im Schrank, aus denen nie getrunken wird. Bücher, die ich nie gelesen habe und nie lesen werde. Wo siehst du die "Weihnachtssterne" im übertragenen Sinne in deiner Wohnung? Was könnte gut mal entsorgt werden?

Der Stern im Fenster macht mich aber auch aufmerksam auf die inneren Erlebnisse und Ereignisse, die noch in mir wirken und die ich nicht loslasse. Weil ich es noch nicht bewusst gemacht habe. Oder weil es mir bisher gar nicht aufgefallen ist. Oder weil ich es einfach nicht kann. Da hat mich mein Partner gekränkt und diese Kränkung bekomme ich einfach nicht aus dem Kopf und aus dem Herzen. Da klebt sie nun wie ein verblassender Weihnachtsstern in meiner Seele. Wenn ich da mal so richtig hinspüre, dann bemerke ich viel Zeug! Da könnte ich gut mal aufräumen und abhängen. Wenn das Zeug nur nicht so kleben würde!

Wie werde ich die "inneren Weihnachtssterne" los? Ich brauche sie doch gar nicht mehr. Sie passen nicht in die Zeit. Nicht in mein jetziges Leben. Sie sind Ballast. Überflüssig. Behindernd. Trotzdem werde ich sie nicht los. Ich verabschiede sie irgendwie, aber sie kommen durch die Hintertür zu mir zurück. Wie bei einem PC ziehe ich ein neues Betriebssystem auf und anschließend wirkt zugleich das alte im Hintergrund und verlangsamt meine Programme.

Es ist Sommer. Ich habe Urlaub! Ich kann mal einfach hinspüren und mit den "inneren Weihnachtssternen" ganz persönlich reden. Ein wenig verhandeln. Mit Geduld und Verständnis. Vielleicht geht ja auch schon ein wenig lockern. Manche verziehen sich auch freiwillig nach einem Gespräch. Manche bleiben auch. Aber ich gewichte sie nicht mehr so.
Ich schaue auf den Weihnachtsstern und freue mich über den Zacken, der schon das Festkleben aufgegeben hat. Ich kann auch dran vorbeischauen. Ich sehe noch genug! Den Weg, die Bäume und denjenigen, der da kommt. Es muss nicht perfekt sein. Einem Oldtimer sieht man auch die Jahre an und hat Verständnis für die eine oder andere Schramme. Gelassenheit dem "Zeug" im Inneren gegenüber ist schon ein ganz wichtiger Schritt im Prozess des  Loslassens. Damit bin ich zufrieden. Ich habe ja schließlich Urlaub!
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Mittwoch, 26. Juli 2017

Urlaub vom Denken?

Urlaubszeit?

Geht das? Zwei Wochen Urlaub ohne Gedanken?

Keine Gedanken über Arbeit, nervige Familie, die eignen Unzulänglichkeiten, die unerfüllten Aufgaben, die Sorgen um Finanzen und Gesundheit...

Ich räume meinen Schreibtisch auf und weiß, dass ich morgen Urlaub habe. Und ab morgen höre ich mit dem Denken auf. Zwei Wochen ohne Gedanken!

Es funktioniert einfach nicht. Die Gedanken kommen. Sie drängen sich auf. Je mehr ich sie nicht will desto stärker sind sie da. Manchmal klappt es, wenn ich die Gedanken austrixe. Ich frage mich, aus welcher Ecke meines Verstandes wohl der nächste Gedanke kommen wird. Ich löse einen Gedanken auf, wie Wolken am Himmel. Ich stelle mir bei einem Gedanken einen Teebeutel vor, der wieder und wieder verwendet wird und völlig ausgelaugt ist.

Für den Bruchteil einer Sekunde ist kein Gedanke da! Ich verabschiede mich von der Illusion, zwei Wochen ohne Gedanken sein zu können. Aber zwischendurch sitze ich auf einem Stuhl im Garten und schaue die Sträucher, Bäume und Blumen an. Vögel fliegen herbei und lassen sich nieder. Amseln hüpfen auf dem Rasen herum auf der Suche nach Nahrung. Dann wandern meine Augen hierhin und dorthin. Und auf einmal bin ich im Zustand des Dösens. Ich beobachte und nehme wahr und denke nicht. Mein Verstand ist irgendwie beschäftigt mit Wahrnehmen. Ich döse immer mehr und mehr und - alles ist irgendwie egal. Es gibt nichts zu tun!

Dann wache ich auf und schaue auf die Uhr. Es wird doch Zeit für irgendetwas. Schon übernimmt der Verstand wieder das Ruder. Nö! Heute nicht! Ich mache noch ein Runde mit den Bäumen und den Vögeln und dem Dösen. Mein Geld reicht noch für die Pommesbude. Es gibt nichts zu tun! Immer noch nicht!
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Dienstag, 25. Juli 2017

Urlaub im eigenen Garten!


Wie haben die Menschen früher Urlaub gemacht? Gar nicht! Sie haben gearbeitet und hatten ein wenig freie Zeit. Sie ruhten sich aus am Abend vor dem Schlafengehen und am Sonntag nach dem Kirchgang. Zwischendurch ein zusätzlicher Feiertag.
Haben die Menschen früher etwas vermisst? Vermutlich nicht! Das Wort Urlaub war ja unbekannt. Die Menschen setzten sich bei schönem Wetter vor dem Haus und unterhielten sich. Vielleicht spürten sie die Erschöpfung in den Knochen. Sprachen über das Wetter und die Ernteaussichten. Erzählten sich Ereignisse aus der direkten Nachbarschaft und gingen zeitig ins Bett.
Die Bank vor dem Haus existiert nicht mehr oder ist verwaist. Wir packen die Koffer und verreisen. Luftveränderung. Raus aus den vier Wänden. Mal etwas anderes sehen. Abschalten vom Alltag. Also wird ein Urlaubsort ausgesucht. Die Reise planen. Packen, verreisen, ankommen ... und dann? Vor der Ferienwohnung auf einer Bank sitzen und über die Wetteraussichten spekulieren. Dann ca. 10 Tage ausruhen und wieder Sachen packen, zurückreisen, auspacken und ankommen. Sich erholen von der Reise. So kommen wir dann auf 10 Tage Erholung und mindestens vier Tage für Reisedurchführung.
Das können wir uns doch eigentlich sparen oder? Ich stelle mir für dieses Jahr vor, dass ich Urlaub mache. Ich setze mich am Samstag in mein Auto und fahre einmal um die Stadt herum zu meinem Urlaubsdomizil. Ich komme wieder zu Hause an und stelle mir vor, dass es meine Ferienwohnung ist. Ich steige aus und freue mich! Eine Ferienwohnung mit Waschmaschine. Eine Küche, die nach meinen Bedürfnissen eingerichtet ist. Es gibt schon Vorräte! Gemütliche Betten und Kleidung für jedes Wetter - genau in meiner Größe und meinem Geschmack! Ich mache Urlaub in der schönsten Ferienwohnung, die ich mir vorstellen kann.
Ich habe zwar den Eindruck, dass ich die Umgebung irgendwie kenne. Aber ich stelle fest, dass es zum Glück nicht so voller Touristen ist. Ich mache Urlaub unter Einheimischen. Keine Massen, die die Restaurants bevölkern und auf meinen Wanderwegen den Müll hinterlassen. Kein Geschrei und überflüssige nächtliche Diskotheken draußen. Ich gehe spazieren und nehme Kontakt mit den Einheimischen auf. Hier wohnen nette Menschen. Da könnte ich mich mit befreunden. Es ist schön hier und nichts los. Was kann es Besseres geben im Urlaub.
Die Anfahrt war wichtig! Ohne Anfahrt rund um das Dorf würde ich denken, dass das mein zu Hause ist. Dort, wo ich im Garten arbeiten muss. Dort wo in der Wohnung ständig eine Reparatur lauert. "Jetzt, wo wir Zeit haben, könnten wir ja mal..." Aber zum Glück bin ich ja nicht in meiner Wohnung. Ich bin verreist. Einmal um das Dorf herum. Ich bin erstaunt, wo man überall Urlaub machen kann!
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Montag, 24. Juli 2017

Mal ganz einfach im Urlaub!



Urlaubszeit! Du hast deine Reisepläne abgeschlossen und beginnst schon damit, in Gedanken deine Koffer zu packen. Was nimmst du mit? Wie komfortabel wird dein Ferienort sein? Gehörst du zu den Menschen, die eher irgendwo ihr Zelt aufschlagen, bist du ein Rundumverwöhner im Hotelzimmer mit Vollpension oder liebst du den Komfort und die Freiheit einer Ferienwohnung? Egal für welche Unterbringungsart du dich entscheidest, du musst deine Koffer packen und – dich beschränken. Du wirst nicht deinen kompletten Kleiderschrank und alle Küchenutensilien ausräumen. Das ist schlicht und einfach nicht möglich, wenn du auf Reisen gehst. Du musst auswählen! In diesem Moment wird der Urlaub schnell zur Tortur. Benötigst du eher Sachen für kalte oder für warme Tage? Wählst nach dem Zwiebelprinzip oder nach dem „Wir gehen abends gerne aus“ Modus? Planst du eine Waschmaschine vor Ort ein oder lieber eine waschfreie Zeit? Was ist mit Lebensmitteln und Dingen, die es im Urlaub nicht gibt, die du aber ganz unbedingt brauchst! Packst du deinen Föhn und das Bügeleisen auch ein?
Du nimmst Dinge in die Hand und packst sie in den Koffer. Du nimmst manches wieder heraus und packst es zurück in den Schrank. So geht es hin und her. Irgendwann bist du froh, den Koffer schließen zu können. Der Tag deiner Abreise beginnt. Es kommt der Augenblick, wo du im Auto sitzt. Die Angst kriecht hoch und  treibt dir noch einmal die Schweißperlen ins Gesicht. Hast du auch nichts vergessen? Ausweis, Geld, Versicherungskarte und Autopapiere? Dir fällt nichts mehr ein und dein Urlaub beginnt. Egal, ob du alles dabei hast, jetzt kannst du nichts mehr ändern! Du musst mit dem auskommen, was du eingepackt hast.
Am Urlaubsort angekommen richtest du dich ein. Das Meiste hast du eingesteckt, aber irgendetwas fehlt auch. 

Dem Fehlenden trauerst du dann etwas nach. Doch irgendwann nach ein paar Tagen stellt sich das Gefühl von Zeitlosigkeit und Gleichgültigkeit ein. Die Hemden reichen aus, alles ist halb so schlimm und du hast immer noch die Fähigkeit zur Improvisation. Das Gefühl vor der Abreise wird zu einer Erinnerung, die du gerne verdrängen möchtest. Auf einmal wird das Leben einfach! Du musst keine Kleidung vorführen und dein Hemd trägst du auch noch einen Tag länger. Ein bunter Salat macht dich glücklich. Du genießt die Sonne mit einem spannenden Buch am Strand oder eine Wanderung mit einem entspannten Gespräch und – alles ist gut. Das Leben kann so einfach sein! Du brauchst nur wenig zum Leben.
Im Lukasevangelium schickt Jesus einmal seine Jünger los. Sie sollen unabhängig von ihm Kranke heilen und das Reich Gottes verkünden. Und das ohne einen Geldbeutel, ohne Vorräte und ohne Schuhe! Sie sollen auf alle Sicherheiten verzichten und sich ganz auf das Wirken ihrer Persönlichkeit und die Kraft Gottes verlassen. Jesus preist die Schönheit der Lilien auf dem Feld und lädt uns ein, von den alltäglichen Sorgen Abstand zu nehmen. Es ist für dich gesorgt! Nimm einen Gang raus! Vertrau dem Heute und dem, was hier und jetzt da ist.
Stell dir vor, du würdest dich dazu entscheiden, dass dein Leben von jetzt ab immer so sein soll. Einfach, unkompliziert, verbunden, mit innerer tiefer Freude und in Übereinstimmung mit dir, mit Gott und der Welt. Auch, wenn dir das nicht durchgängig gelingt, gibt es doch immer wieder auch im Alltag solche Momente, wo alles einfach und klar wird. Das sind Augenblicke, wo du alles loslassen kannst und nichts festhalten musst.
Diese kostbaren Erfahrungen wünsche ich dir zu Hause oder im Urlaub.

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Samstag, 22. Juli 2017

Ferienworte für deine Seele!



Urlaubszeit! Wunderbar! Du packst deine Koffer und fährst in eine Gegend, in der du dich gut erholen kannst. Am Strand liegen, die Weite des Meeres auf sich wirken lassen und dabei selber wieder weit werden. Berge erklimmen, über allem stehen, wieder den Überblick gewinnen und die Aussicht genießen. Im Urlaub umgibst du dich mit einer schönen Landschaft. Da kannst du deine Seele baumeln lassen und dich so richtig erholen. Du umgibst dich zusätzlich noch mit einem schönen Hotel oder einem gemütlichen Zelt oder einer kuscheligen Ferienwohnung. Und bist gerne mit Menschen zusammen, die dich mögen und die du magst. Einmal im Jahr entscheidest du dich für einen Ausflug ins Paradies.
Wenn ich kann, möchte ich gerne etwas dazu beitragen. Umgib dich zusätzlich mit nährenden Worten. Im Alltag hörst du genug verpflichtende Worte. Die innere Stimme spricht fast ununterbrochen vom „Müssen“ und „Sollen“. Diese Stimme appelliert, fordert auf, weist hin und lässt dich nur im Schlaf in Ruhe. Diese Stimme scheint dich selten zu nähren und eher auszusaugen. Und diese Stimme möchte ich gerne mit dir heute in den Blick nehmen. Die Stimme, die dich grübeln lässt. Die so unaufhörlich spricht. Die sich immer meldet, wenn du es gar nicht möchtest.  
Im Urlaub möchtest du diese innere Stimme möglicherweise für ein paar Tage einfrieren und gar nicht erst mitnehmen. Leider hört sie nicht auf dich. Diese innere Stimme begleitet dich im Urlaub in den ersten Tagen mit Sätzen wie: „Das hast du leider vergessen... Du hättest noch den anrufen müssen... Das hast du noch nicht geklärt... Das muss noch warten...“ So liegst du am Strand und stehst auf dem Berg. Du willst einfach nur alles genießen.  Und plötzlich mischt sich die innere Stimme ein.  
Wenn du Glück hast bekommst du auch mal Ruhe. Dazu musst du weit genug vom Alltag der Vergangenheit entfernt sein und zugleich weit genug entfernt von den zukünftigen Sorgen.
Willst du Ruhe haben, dann brauchst du in der Regel drei Wochen. In der ersten Woche hörst du die kritische Stimme, die nach und nach leiser wird. Es folgt hoffentlich eine Woche Pause. Dann meldet sie sich wieder mit den Aufgaben, die auf dich warten, wenn du wieder nach Hause kommst.
Was jedoch machst du, wenn dir nur zwei Wochen zur Verfügung stehen? Oder wenn du so unglaublich gewissenhaft bist? Oder nicht abschalten kannst? Wenn du ein unverbesserlicher Perfektionist bist und gedanklich auch noch im Urlaub arbeitest?
Im Urlaub verlässt du dein gewohntes Umfeld und umgibst dich mit einer alternativen Landschaft und einer unbekannten Wohnung. Du gönnst deinem Körper neue Eindrücke und Erholung vom Stress des Alltags. Das geschieht irgendwie automatisch. Andere Landschaft, verändertes Gefühl. Aber was machst du mit deinen Gedanken und vor allem mit der inneren Stimme? Du steigst in dein Auto ein und nimmst sie einfach mit. Ansonsten hast du alles geplant! Kleidung, Getränke und Pausenbrote! Geld und Papiere.
Nur. Für deine innere Stimme hast du nicht vorgesorgt. Du hast sie vergessen. Aber die innere Stimme lässt sich nicht einfach abstellen. Sie legt sich nicht in dein Bett und wartet, bis du wiederkommst! Sie schreit nicht: „Hurra!“ „Ich bekomme eine Pause von meinem Menschen.“ Sie setzt sich mit ins Auto und fängt nach wenigen Momenten schon an zu nörgeln. „Hast du wirklich alle Blumen gegossen?“ „Die Butter im Kühlschrank wird ranzig sein, wenn du wiederkommst.“ „Wie weit das Ziel auch wieder ist!“ „Du bist viel zu spät losgefahren! Oder zu früh!“ Du kannst dich auf diese innere Stimme verlassen, dass sie sich meldet.
Du hast in deinem Leben bisher etwas total wichtiges einfach nicht im Blick gehabt. Du hast vergessen, gut für diese innere Stimme zu sorgen. Damit ist jetzt Schluss! Du hast es erkannt! Deine innere Stimme, die ewig nörgelt, braucht auch Urlaub. Sie möchte auch mal etwas zur Entspannung.
Schenke dieser inneren Stimme doch in deinem Urlaub nährende Worte. Schenk ihr Worte, mit denen sie sich beschäftigen kann. Deinen Kindern gibst du ja auch Spielzeug, damit die Fahrzeit verkürzt wird. Warum also nicht nährende Worte für deine innere Stimme. Du könntest schöne Worte auf kleine Selbstklebezettel schreiben und im Auto verteilen oder zwischen deine Wäsche oder deinen Geldscheinen. Ich mach mal ein paar Vorschläge und du kannst sie ergänzen oder andere finden. Goldstück, Schatzkästchen, Liebling, Wunderstimmchen, Gedankenvorrat, Sonnenscheinchen, Begleiterlein... Mit diesen oder ähnlichen Worten könntest du deiner inneren Stimme schmeicheln. Du kannst ihr aber auch neue Worte schenken, damit sie etwas zu tun hat. Ich weiß nicht, ob ich diese jetzt schon aufschreiben soll. Es könnte sein, dass deine Stimme sofort schon wieder anfängt zu arbeiten. Die ist nämlich so veranlagt.
Du könntest ihr die Wörter des Jahres 2015 sagen. Aber die finde ich nicht so verheißungsvoll für einen Urlaub. Oder was meinst du zu „Flüchtlinge“, „Grexit“ oder „Flexitarier“? Klingt nicht wie Urlaub, oder?
Die Unwörter der letzten Jahre möchte ich gar nicht erst benennen. Die sind für den Alltag schon unerträglich. Es müssten eher Worte sein, die deine innere Stimme noch nicht kennt. Worte, die zugleich ein Wohlbefinden auslösen, wenn die innere Stimme es hört. Du könntest deinen Lieblingsmenschen damit beauftragen, dir immer wieder einmal nette Worte zu sagen. Ganz überraschend. Einfach so! Mal im Auto oder mal im Supermarkt. So ein Satz wie: „Ich bin gerne mit dir hier zusammen.“ „Du hast so strahlende Augen.“ „Ach wie gut du duftest.“
Ich mache mal ein Beispiel. Du grübelst vielleicht gerade. Sehr typisch, kommt immer wieder vor. Deine innere Stimme macht dir einen Vorwurf. Dann hörst du plötzlich die Worte deines Lieblingsmenschen im Ohr und deine innere Stimme schweigt. Sie ist überrascht. Damit hat sie nicht gerechnet. Sie ist schachmatt gesetzt. Du könntest für deinen Lieblingsmenschen dir auch solche Sätze überlegen. Auch der hat eine innere Stimme, die ihn plagt.
Du würdest dich im Urlaub mit lauter nährenden Sätzen umgeben. Du lässt sie dir schenken und du verschenkst sie. Deine innere Stimme wird sich ganz schön wundern. Es kann sein, dass sie das am Anfang nur schwer ertragen kann. Sie ist diese kritischen und selbstzerstörerischen Gedanken so gewohnt. So gewohnt! Da hörst du auf einmal in deinem Brüten so einen Flüstersatz im Ohr: „Schön, dass ich mit dir hier sein darf! Ich freue mich so!“ Das wird dich umhauen. Von jetzt auf gleich. Ein echtes Urlaubserlebnis für deine innere Stimme.
Jetzt in diesem Augenblick hört sie übrigens zu. Ist dir das bewusst? Ich weiß nicht, ob es ihr angenehm oder eher unangenehm ist. Ich könnte jetzt doch mal einfach mit ihr sprechen. Du, liebe Leserin und lieber Leser, tritt doch mal einen Schritt zurück und werde zum Zuschauer und zur Zuhörerin. Ich spreche jetzt mal mit deiner inneren Stimme.
„Hallo du innere Stimme. Ich kenne dich ziemlich gut. Du bist bestimmt so ähnlich wie meine in mir. Du passt immer so gut auf deinen Menschen auf. Dass der keinen Fehler macht. Dass niemand ihn kritisiert. Dass alles gut läuft. Im richtigen Tempo. Zur richtigen Zeit. Du vergisst nie etwas und gibst keine Ruhe, bis alles richtig ist. Du hast wirklich viel zu tun und ich bin erstaunt, wie du das durchhältst. Wie oft meldest du dich am Tag bei deinem Menschen? Hundert mal? Tausend mal? Und was du nicht alles im Blick hast! Unglaublich! Ich bewundere dich dafür! Ich könnte das nicht. Ich bräuchte immer wieder mal eine Pause.
Aber du, liebe innere Stimme, bist so unermüdlich. Immer siehst du noch etwas, was nicht in Ordnung ist. Du passt wirklich gut auf deinen Menschen auf, nicht wahr? Ohne dich wäre der schon längst gestorben. Als Folge von seiner Unaufmerksamkeit und der fehlerhaften Selbsteinschätzung oder ...
Danke schön dafür! Und ich freue mich, wenn du deine treuen Dienste weiter ausführst. Ohne dich käme dein Mensch gar nicht klar. Darf ich im Urlaub auch mal etwas für dich tun? Allerdings ... du könntest jetzt ein ganz klein wenig Pause machen und ich verwöhne dich. Würde das gehen? Oder bekämst du schnell ein schlechtes Gewissen! Das wäre dann nicht gut. Ich will ja nicht deine Arbeit behindern. Du könntest meine „nährenden“ Worte dann gar nicht richtig genießen.
Also, liebe innere Stimme, du möchtest doch deinem Menschen dienen und für ihn da sein. Das ist deine Bestimmung. Du bist aber auch darauf angewiesen, dass du mit deinem Menschen in einer guten Verbindung lebst. Dass ihr gut miteinander auskommt. Weil ihr ja aneinander gebunden seid. Und ich glaube, dass dein Mensch sich wünscht, dass du dich mit ihm erholst – im Urlaub. Ich spreche nur von den paar Tagen am Meer oder in den Bergen. Du könntest auch mal ein paar Tage dich sammeln und wieder zu Kräften kommen. Deine Stimme würde nach dem Urlaub für deinen Menschen viel freundlicher klingen. Er würde sich nicht sofort über dich ärgern, wenn er deine Stimme wieder hört. Er würde dir dankbar sein, dass du einfach da bist. Du könntest in deinem Urlaub doch auch mal neue Gedanken sammeln. Dich mit Worten umgeben, die dir gut tun. Wie wäre es? Ich lade dich ein! Wie wäre es, wenn du im Urlaub deine terrapeutischen Qualitäten entdecken würdest. Du fragst dich jetzt, was das ist? Ein Terrapeut? „Terra“ kommt von Erde und deine Erde ist der Mensch, in dem du lebst. Als Terrapeut würdest du im Urlaub darauf achten, dass es deinem Menschen mit dir gut geht.  Das hat was mit „Gönnen“ zu tun. Mit Wohlwollen! Mit Freundlichkeit! Also mit Terrapie!
Danke, dass du mir zugehört hast. Ich wünsche dir neue und schöne Urlaubserlebnisse mit Worten, die dich wirklich nähren. Lass es dir gut gehen.“
Danke auch dir, liebe Leserin, lieber Leser, dass ich mal mit deiner inneren Stimme sprechen durfte. Es kann sein, dass du die Qualität deines Urlaubes auf diesem Weg noch ein wenig verbessern kannst. Entweder bestimmt deine innere Stimme dein Leben oder du gestaltest sie nach deinen Vorstellungen und Vorgaben? Wenn du gestalten willst, dann musst du einen Schritt aus dir heraus zurücktreten. Wie gerade eben als ich mit deiner inneren Stimme sprach. Sonst bist du zu nah an dir dran und die innere Stimme bekommt zu viel Macht. Du bewegst dich in ihrem Sog. Aber einen Schritt zurück und es kann sich ganz gut anfühlen. Dann sitzt du z.B. mit deiner inneren Stimme gemeinsam im Auto. Diese sagt wie gewohnt: „Hast du auch die Blume im Bad gegossen?“ Und du antwortest nicht mit einem Schrecken oder einem schlechten Gewissen. Du sagst vielleicht eher: „Danke für deinen Hinweis. Und jetzt darfst du es dir auch bequem machen und tief durchatmen. Zur Abwechslung pass ich mal auf dich auf.“
In diesem Sinne wünsche ich dir eine erholsame Zeit mit vielen nährenden Worten. Und hier ein schönes von Rose Ausländer:
Wir wohnen
Wort an Wort
Sag mir
dein liebstes
Freund
meines heißt
DU

Freitag, 21. Juli 2017

Botschaft auf der Zuckerdose

Wir besitzen eine Zuckerdose von "Blond Amsterdam" mit dem Bild einer Torte und den Worten "bla bla bla". Erinnerungen steigen in mir auf.
Ich sitze draußen gemütlich mit der Familie vor einem Café. Wir plaudern über dieses und das. Nichts Weltbewegendes. Wer ist gestorben? Wer hat sich gerade wo etwas gekauft? Wer ist krank und wieder gesund? Da taucht vor meinem inneren Auge die Zuckerdose von "Blond Amsterdam" auf: Bla, bla, bla.
So ist das doch oft im Leben, nicht wahr? Du machst Konversation. Smalltalk. Bla bla bla - Gespräche. Es geht um nichts. Trotzdem führst du solche Gespräche - am Frühstückstisch, im Café, während der Autofahrt und in den Pausen am Arbeitsplatz. Bla, bla, bla...
Ich lese diese Worte auf dieser Zuckerdose. Regt sich bei dir gerade ein Widerstand? Ein Protest? Nach dem Motto: "Ich führe auch oft solche Gespräche, aber die sind auch wichtig. Es ist wichtig, über das Leben, die Ereignisse und die Gefühle zu sprechen. Sich austauschen und auf dem Laufenden sein!"
Ich lese wieder die Worte auf der Zuckerdose: Bla, bla, bla. Zuerst habe ich auch die Entwertung gelesen. Da verurteilt jemand die Haltung von lockeren Gesprächen bei einer Tasse Kaffee. Doch schnell legt sich mein eigener innerer Widerstand und ich bekomme eine Zustimmung. Bei "Bla bla bla" Gesprächen geht es nicht in erster Linie um den Inhalt, sondern um die Herstellung von Verbindung. Ich mache Beziehungsarbeit. Ich pflege Kontakte. Ich vergewissere mich, dass meine Familie mich noch mag und dass ich mich auf Freundin und Freund verlassen kann. Hauptsache reden, was auch immer. Und zwischendurch sich freundlich anschauen. Einen Augenblick schweigen. Sich zunicken und die Bestätigung bekommen: "Ja, ich bin dir immer noch gut. Unsere Beziehung hält!" Um das zu erreichen benötigst du mindestens ein Pfund "bla, bla, bla" - oder so viel Zucker, wie in diese Dose passt.
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Donnerstag, 20. Juli 2017

Lass dich nicht stören!


Lass dich nicht stören wenn du diese Zeilen liest. Lass dich bloß nicht stören! Auch wenn gleich jemand in dein Gesichtsfeld kommt. Oder wenn dein Handy einen Ton von sich gibt. Oder wenn ein Hinweis aufpoppt, dass du eine Mail bekommen hast.
Lass dich nicht stören, auch wenn gerade ein Gedanke kommt. Ein Gedanke, dass du unbedingt noch was zu erledigen hast. Vielleicht möchtest du jetzt einfach in Ruhe lesen und wünschst dir, dass dich niemand stört. Allein der Gedanke endlich ungestört zu sein bewirkt vielleicht, dass du ganz bestimmt gestört wirst.
Ich werde übrigens ständig gestört. Egal wo ich bin und was ich mache. Wenn ich im Zug lese streift jemand mit seinem Rucksack meine Arme. Im Garten trinke ich meinen Kaffee und eine Fliege setzt sich hartnäckig immer wieder auf meine nackten Füße. Ich werde gestört und lasse mich stören. Ich werde unterbrochen und ich lasse mich unterbrechen bei dem, was ich gerade mache.
Lass dich nicht stören! Wenn das so einfach wäre. Es muss nichts besonderes passieren. Nicht mal eine Fliege. Ich sitze im Büro und höre drausßen ein Auto vorbeifahren. Die Sonne sticht mir in die Augen und mein Magen grummelt. Immer kommt etwas dazwischen.
In Besprechungen heißt es immer "Störungen haben Vorrang". Zuerst muss die Störung bearbeitet werden, dann können sich alle wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Lass dich nicht stören!
Und? Lässt du dich stören? Stört dich etwas? Jemand? Leicht oder massiv?
Für mich gehören Störungen dazu. Sie tauchen irgendwann auf und verschwinden auch manchmal. Zum Glück gibt es die vielen Stellen, die sich mit Störungen beschäftigen. Bei der Bahn, bei den Telefongesellschaften, den Callcentern, den Beratungsstellen. Ich würde gerne wissen, wie viele Menschen ihr Geld verdienen mit der Beseitigung von Störungen.
Wie würde ein Leben völlig ohne Störungen aussehen? Alles würde wohl reibungslos funktionieren! Wie am Schnürchen! Wie eine Maschine? Wie ein Roboter? Vielleicht sind Störungen ja ganz hilfreich. Ich spüre mich! Ich merke, dass ich noch da bin. Ich habe etwas zu tun. Ich bekomme einen Adrenalinschub bevor ich einschlafe vor lauter Reibungslosigkeit. Ja, ohne Störungen liefe alles reibungslos. Ohne Reibung! Durch Reibung entsteht Energie. Ein Leben ohne Störungen wäre energiearm.
Ich kann mich gegen Störungen wehren oder mit den Störungen gehen. Du kannst dich jetzt ruhig stören lassen und liest trotzdem meinen Gedanken bis zum Ende. Du kannst aufhören mit den Vorwürfen: "Bitte stör mich nicht! Ich lese gerade!" Die Autos müssen nicht anhalten und die Sonne muss sich nicht verstecken. Die Fliege darf fliegen und dein Smarphone darf Geräusche machen. Du bedankst dich für die Reibungsenergie und machst weiter. Die Störung wird erst zur Störung, wenn sie dich hindert, weiterzumachen. Und wenn du tatsächlich aufhörst wegen der Störung wird es auch für etwas gut sein. Jede Störung gibt dir einen Hinweis. Noch bist du nicht im Paradies. Noch lebst du auf einer unvollkommenen Erde. Noch ist alles im Werden. Störungen gehören einfach dazu!
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Mittwoch, 19. Juli 2017

Pipi und AA

In Oberhausen sah ich dieses Hinweisschild: "PiPi und AA"! Da geht es zur Toilette. Ich musste lachen und fühlte mich zurückversetzt in meine Kindheit. "Mama ich muss AA!" Wenn ich das Thema google bekomme ich Hinweise zu Lautmalerei oder Kindersprache. Ich lasse von Mama die beiden "m" weg und es bleiben zwei "A" übrig.
Irgendwann fängt es an, dass wir für die komplette Verrichtung unserer Notdurft niemanden mehr brauchen. Wir können es ganz eigenständig. Ich weiß gar nicht mehr wie lange es gedauert hat, bis ich es ganz ohne Hilfe konnte. Vor einigen Jahren war ich im Porzellanwarengeschäft meines Dorfes. Die Verkäuferin an der Kasse sah mich und strahlte mich an. "Weißt du noch, wie ich dir im Kindergarten den Hintern abgeputzt habe? Ich war die Einzige, die das durfte. Nicht einmal die Erzieherinnen!" Und das rief sie laut vor allen anderen Kunden im Laden. Ich hatte keine Erinnerung und ich erkannte die Verkäuferin nicht einmal wieder.
Diese Begegnung löste in mir ein Gefühlsgemisch aus von Scham, Neugier und Hilflosigkeit. Das ist doch intim! Das sagt man doch nicht laut in der Öffentlichkeit! Aber so ist das! Wir sprechen nicht über die Geschichte, wie wir trocken wurden. Mit welchen Etappen und mit welchen Gefühlen. Ab wann fand ich es unerträglich, dass meine Eltern sich einmischten in mein intimes Leben?
In Oberhausen sah ich dieses Hinweisschild: "Pipi und AA!" Kein WC oder Toilette. Da stehen die Kindheitsworte laut und öffentlich. Die Erinnerungen werden wach und mein Herz klopft. Dann beruhige ich mich aber ganz schnell wieder. Alles ist gut!
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Dienstag, 18. Juli 2017

Bist du da?


Manchmal kommt jemand zu mir in die Beratung und spricht fast ohne Punkt und Komma eine gefühlt ewige Zeit über sein Leben. Und hier! Und da! Und das auch noch! Und das muss ich unbedingt auch noch sagen! Und dieser Mensch redet sich so hinein in sein Thema, dass etwas eigenartiges geschieht.
Dieser Mensch verschwindet. Da ist auf einmal niemand mehr da. Du kannst z.B. mit den Händen wedeln und diese Person reagiert gar nicht. Der Körper sitzt vor dir und du hörst auch die Stimme. Die Sätze sind sinnvoll und die Geschichte ist wirklich dramatisch. Dennoch sitzt dir niemand mehr gegenüber. Da ist etwas verschwunden. Genau das ist in diesem Satz ausgedrückt:

"Ich bin nicht da! Bin mich suchen gegangen. Wenn ich wieder da bin, bevor ich zurückkomme, sage mir: ich soll auf mich warten."

In uns gibt es verschiedene Persönlichkeitsanteile. Ein Teil von dir kann jetzt auf eine schöne Insel verreisen und ein anderer Teil sitzt körperlich am Schreibtisch. Ein "Ich" ist am Körper gebunden und ein anderes "Ich" verschwindet einfach so! Im Traum machst du es auch so, oder? Ein Teil von dir liegt im Bett und ein anderer Teil ist unterwegs in irgendwelchen Traumgeschichten.

Wann geschieht es, dass alle deine Teile einmal ungeteilt versammelt sind? Wie fühlt sich das für dich an? Was ist dann anders? Kennst du das auch, dass du im Zug sitzt, und die Landschaft an dir vorüberzieht. Irgendwann steigst du mit deinen Gedanken aus und bist in der Vergangenheit oder in der Zukunft oder du mäanderst hin und her. Dann ruft der Zugführer: "Wir erreichen Köln in wenigen Minuten." Ein Schauer geht durch deinen Körper und du erwachst. In wenigen Momenten hast du die Erinnerung an deine Traumbilder verloren und das "Traum-Ich" ist verschwunden.

Wie bekommst du es hin, dass alle deine "Ichs" gemeinsam da sind? In dem Augenlick, wo du ganz in der Gegenwart bist, ganz im Hier und Jetzt. Genau dann! Wenn dir jemand beim nächsten Gespräch das Ohr vollredet und du gar nicht mehr zuhören magst oder kannst, dann weißt du vielleicht: Am anderen Ende ist im Moment niemand mehr da. Dann sprichst du diesen Menschen mit Namen an. Du wiederholst den Namen. Du machst es so lange, bis er dich anschaut. Wenn dieser Mensch dich anschaut fragst du: "Bist du da?" Und du wirst merken, dass sich etwas verändert. Dieser Mensch ist auf einmal anders da und du auch. Es kommt zu einer Begegnung. Auge in Auge und Wort an Wort!
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Montag, 17. Juli 2017

Lange drücken

Auf einer Toilette in einem Museum fand ich diesen Hinweis: "Die Druckspülung bitte lange gedrückt halten!" "lange gedrückt" in roter Signalfarbe mit Ausrufezeichen. Da wollte ich doch mal die Druckspülung testen. Ich habe draufgedrückt und es kam Wasser. Kurz reichte aus. So fand ich. Länger drücken ginge auch. Aber lange drücken? Wie lange? Eine Stunde? Fünf Minuten?
Drei Erkenntnisse nehme ich mit. Lang oder kurz drückt eher eine Gefühlsqualität aus. Da hat jeder Mensch ein anderes Maß. Wenn ich es eilig habe, dann sind fünf Minuten für mich sehr lang. Wenn ich ein spannendes Buch lese sind zwei Stunden für mich sehr kurz.
Die zweite Erkenntnis: Manchmal gibt es keine schnellen Ergebnisse. Ich muss etwas lange genug machen. Lange genug den Topf putzen bis er sauber ist. Lange genug schreiben bis der Gedanke fertig gedacht ist. Lange genug Geduld haben mit einem Handwerker, den ich beauftragt habe. Lange genug warten, bis der Kaffee durchgelaufen ist. Lange genug den Kuchen im Ofen lassen bis er gar ist. Zugleich kann es auch zu lange sein. Dann bin ich über einen gewissen Punkt hinausgegangen. Habe den richtigen Zeitpunkt verpasst. Ich stelle mir einen Zeitstrahl vor. Auf diesem Zeitstrahl gibt es eine erste Markierung mit dem Hinweis: "lange genug" und einen zweiten Hinweis "zu lange". Dazwischen gibt es die Momente, die richtig sind.
Wohin tendierst du, wenn du dein Leben betrachtest? Bist du geduldig und lässt dir lange genug Zeit? Oder gehörst du zu denen, die den Kuchen kurz vor fertig herausnehmen. Kurz vor fertig die Arbeit beenden? Oder verpasst du den Augenblick und bist kurz nach "zu lange". Das Sonderangebot ist nicht mehr da! Der Kuchen etwas angekokelt. Der Bus vor deiner Nase weggefahren? Wo befindet sich dein "Lieblingszeitpunkt"?
Die dritte Erkenntnis: Manchmal muss ich drücken! Es tut sich nicht von allein. Ich kann vor der Kloschüssel warten und es kommt kein Wasser - es sei denn, es gibt eine Lichtschranke. Ich muss den Knopf drücken. An der Waschmaschine, am PC, am Kaffeeautomaten. Ich muss selber etwas machen. Ohne mein Signal geht es nicht los. Den Knopf an der Waschmaschine drücke ich in der Regel sofort. Ich kenne die Programme und es läuft. Aber am Fahrkartenautomaten fällt es mir schwer den richtigen Knopf zu drücken. Den Knopf, wenn es darum geht, das Geld zu bezahlen. Habe ich den richtigen Tarif? Den günstigsten? Wenn ich fahren will muss ich drücken. Es ist hilfreich, dabei nicht zu viel nachzudenken. Sich entscheiden bevor die Bedenken kommen. Wenn die Bedenken kommen und mächtig werden drücke ich die Knöpfe nicht mehr. Ich drücke nicht und es bleibt ein unbefriedigendes Gefühl übrig. Wer drückt bringt was in Bewegung!
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Samstag, 15. Juli 2017

Bist du ein Verschwender?


Ich hörte diesen Satz und klebte am "sch".
Verwendung und Ver - sch - wendung ist fast gleich. Es ist das "sch"!
Ver - sch - wendung reiht sich ein in all die Worte mit einem "ver", die eher negativ belastet sind wie
verunreinigen, verlassen, vermeiden, verurteilen, verlieren, verhören.
Ein Verschwender ist jemand, der dafür sorgt, dass die Dinge verschwinden. Aber zu schnell, zu viel, zu unkontrolliert. Ein Verwender der wendet nicht die Dinge auf eine falsche Art und Weise, sondern nutzt die Dinge bewusst. Ein Verschwender also bringt einen großen Salatkopf zum Verschwinden indem er ihn vergammeln lässt und dann in den Müll entsorgt. Ein Verwender würde einen kleineren Kopf kaufen und ausrechnen, wie viel er wann für wie viele Personen braucht.
Zwischen beiden Wörtern liegt nur ein "sch". Das ist nicht viel! Drei Buchstaben! Drei Buchstaben machen einen Verwender zum Verschwender. Das geht schnell! Ruckzuck hast zu viel eingekauft. Du weißt nicht wohin damit. Wenn du nicht Acht gibst, dann schleicht sich das "sch" ein! Echt "Sch..."

Ich habe einmal gehört, dass Gott ganz verschwenderisch in der Liebe ist. Darüber bin ich froh, dass er nicht einfach Liebe verwendet.  Dadurch habe ich keine Angst, dass ich zu kurz komme. Ich sehe ein Sonnenblumenfeld mit verschwenderisch vielen Blumen und das erfreut mein Herz. Die fruchtbare Erde steckt verschwenderisch voll von Regenwürmern, Mineralstoffen und Bakterien. Die Sonne verschwendet ihr Licht in einer unglaublichen Fülle. Ich stelle mir vor, dass sie es einteilt! Wie würde dann die Erde wohl aussehen?

Nach welchem Grundprinzip hast du dein Leben ausgerichtet? Bist du ein Verwender oder ein Verschwender? Oder mal so mal so? Wann das Eine und wann das Andere? Verwendung finde ich gut, es sei denn, dahinter versteckt sich eine Angst. Die Angst heißt: Es ist nicht genug für alle da! Darum halte ich alles fest und verteidige meinen Besitz.
Das Prinzip Verschwendung macht dich darauf aufmerksam, dass du aus der Fülle leben darfst. Du wirst es einfach nicht schaffen, in deinem Leben allen Sauerstoff der Welt einzuatmen. Auch alle Menschen zusammen werden es nicht schaffen! Du brauchst also beim Atmen nicht zu sparen! Wie wunderbar! Auch deine Liebe kannst du verschwenden! Einfach so! Wie wunderbar!
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Schätze in meinem Abstellraum


Es gibt Räume, da stelle ich etwas ab. Ich kann es nicht wegwerfen. Aber jetzt brauche ich es nicht. Dort stelle ich ab, was ich zeitweise benötige. Saisonartikel! Dort stelle ich auch Dinge ab, die nicht schön sind für den Wohnbereich wie Putzeimer und Leiter.
Wir hatten in meiner Kindheit einen ganzen Keller als Abstellraum. Der war sehr beliebt für Strafen! „Ab auf die Kellertreppe!“ Dort saßen wir dann und blickten auf Eimer, Kartoffelkiste, Besen und Schubkarre. Wir waren dort für eine Zeit abgestellt. Nicht tauglich für das Familienleben! Nicht richtig! Es war unbestimmt, wann wir zurückkehren durften. Wir wurden eins mit Eimer und Putzlumpen. Nicht beliebt und nicht erwünscht. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Heute als Erwachsener liebe ich Abstellräume! Dort kann ich Schätze entdecken, die ich vor Jahren selber dort weggelegt habe. Dort finde ich, was ich vermisst habe. Dort entdecke ich Dinge, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie besitze. Da kann ich Hobbys wiederbeleben, Geschenke finden, Kinder beglücken, Ersatzteile entdecken, ausrangierte Geräte wiederbeleben. Dort finde ich wichtige Teile meiner eigenen Lebensgeschichte wieder. Die Geschichte der abgelegten Dinge.
In meinem Inneren gibt es auch einen Abstellraum. Dort parke ich die Begegnungen, die mir gut taten und auch die Kränkungen, die mich nicht loslassen. Da sind alle Erinnerungen in Regalen abgelegt, mal offen und mal versteckt. Das ist so eine total bunte Mischung von Willkommen und Ablehnung. Von nützlich und  kitschig.  Kein Raum erzählt so viel von mir wie mein innerer Abstellraum.
Ich könnte diesen Raum mal wieder im Advent besuchen. Welche Schätze verbergen sich dort, die ich mal wieder reaktivieren könnte. Was dürfte mal wieder ans Tageslicht? Was sollte gereinigt und repariert werden? Wem könnte ich etwas davon schenken?
War der Stall von Bethlehem vielleicht auch so etwas wie ein Abstellraum? Dort trafen sich ja Menschen, die nicht wichtig waren für die große Politik. Hirten, Ochs und Esel und Schafe.
Schau doch einmal in deine inneren und äußeren Abstellräume nach. Nimm dir Zeit. Hole die Dinge ans Licht. Stell sie aus! Verschenke etwas davon! Mach Platz für das Neue!

Freitag, 14. Juli 2017

Schluss mit den ewigen Vorwürfen!


Stell dir vor, dass du am Morgen aufwachst. In der Nacht ist ein Wunder geschehen. Eine Fee kam und hat dieses Wunder bewirkt. Die Fee hat das Wunder bewirkt, dass niemand in deiner Familie dir mehr Vorwürfe macht. Es gibt keine Sätze wie: "Du hättest aber..." "Du solltest..." "Du müsstest..." "Hast du noch nicht..." Woran würdest du merken, dass dieses Wunder eingetreten ist? Was würden deine Familienmitglieder stattdessen sagen. Wie würden sie aussehen? Wie auf dich wirken?

Vielleicht kommt dir dein Heim freundlicher vor. Zugewandter? Wohlmeinender? Und wenn dir niemand einen Vorwurf mehr macht und alle sich gegenseitig ermutigen und bestätigen - wie würdest du dann reagieren? Was würde sich bei dir ändern? Welche Sätze würdest du sagen? Wie würdest du dich fühlen?

Jetzt stell dir vor: Du gehst morgen ins Bett und wachst am nächsten Morgen auf. Du stellst fest, dass die Fee tatsächlich in der Nacht dieses Wunder bewirkt. Du wirst am Morgen aufwachen und dieses Wunder an dir bemerken. Du wirst keine Vorwürfe mehr machen. Es ist geradezu unmöglich für dich, einen Vorwurf zu formulieren. Du bist voller Verständnis und Mitgefühl. "Wir alle brauchen jemanden, der uns keine Vorwürfe macht!" las ich auf einer Spruchkarte. Zunächst dachte ich an einen anderen Menschen, der uns so annimmt wie wir sind. Und einer, der uns keine Vorwürfe macht. Diesen Menschen zu finden ist nicht leicht. Ist eher ein Geschenk! Und wenn du keinen Menschen mit dieser Qualität hast? Gehst du in den Mangel?

Wenn die Fee kommt und das Wunder bewirkt, dass du morgen in dir keine Vorwürfe mehr hörst dann hast du einen Menschen gefunden, der dir keine Vorwürfe mehr macht. Du selbst! Du machst dir keine Vorwürfe mehr! Fängt nicht alles damit an, dass wir gnädig mit unserem inneren Kritiker umgehen? Wenn wir aufhören mit unseren Selbstvorwürfen wird das etwas verändern. Die anderen werden auch aufhören, uns Vorwürfe zu machen. Wir alle brauchen jemanden, der uns keine Vorwürfe macht! Fang doch einfach mit dir selber an!
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Donnerstag, 13. Juli 2017

Ich bin ein gutes Team!


Betrachte heute doch einmal deine Teams. Da gibt es das Familienteam, Team am Arbeitsplatz, Teams in Vereinen und Gruppen. Du bist jeweils ein Teil dieser Teams. Verbinde dich doch einmal innerlich mit dem Familienteam. Welche Gedanken tauchen da auf? Welche Gefühle kommen dir? Kannst du aus vollem Herzen sagen: "Wir sind ein gutes Team!" Woran machst du das fest? Übernimmt jeder Verantwortung für eine Aufgabe? Gibt es einen Zusammenhalt, ein Zusammengehörigkeitsgefühl? Wird jemand vermisst, wenn er nicht da ist? Gibt es eine Stellvertreterregelung? Können alle ihre Stärken leben und werden Schwächen gut ausgeglichen? Wer ist eher Unterstützer und wer das Alpha Tier? Wer ist der Kreative und wer sorgt für die zuverlässige Erledigung aller Aufgaben? Wo kann dein Familienteam sich noch weiterentwickeln.

So, wie es ein Familienteam gibt, gibt es auch dein inneres Team. Familie im Außen und die Familie im Innen. Bekommen alle Anteile ihren Platz in dir? Darf Angst sein? Bekommt Ärger auch einen Platz? Wer schiebt sich immer in den Vordergrund und wer kommt nie auf die Bühne? Welchen Anteil verdrängst du und welche Anteile magst du besonders? Wenn du in dir hineinschaust, kannst du da sagen: "Wir sind ein gutes Team?"

Wenn du das bestätigen kannst: "Herzlichen Glückwunsch!" Ich kenne genug Menschen, die ständig hadern und nörgeln. Der nimmt seine Verantwortung nicht wahr! Immer diese Angst in mir. Irgendwie läuft es nicht so richtig gut. Ständig diese Baustellen!

Ich glaube, dass das zu unserem Leben dazugehört. Teams sind keine Roboter und keine Maschinen. Teams bestehen aus Menschen mit Stärken und Schwächen. Mit Phasen von Energie und mit Phasen von Lustlosigkeit. Ein gutes Team verträgt auch Veränderungen und Zeiten von Stillstand. Dann heißt es halt: Anschauen und korrigieren!

Wie schön aber ist es, wenn du dich satt zurücklegen kannst am Abend oder auch zwischendurch und dir sagst: "Wow, wir sind ein gutes Team - im Außen wie im Innen!" Du wirst vielleicht auch die interessante Feststellung machen, dass es da eine Resonanz oder Korrespondenz gibt. Wie außen, so auch innen.
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Mittwoch, 12. Juli 2017

Glückliche Gedanken?!

Kann ich mir glückliche Gedanken machen? Gedanken sind doch ohne Gefühle. Ein Gedanke kann ein Gefühl auslösen. Ich denke an die Sonne und fühle mich glücklich. Ich denke an einen Hai und fühle Angst. Der Gedanke ist ohne Gefühle.
Ich kann trotzdem auf meine Gedanken achten. Gedanken haben Folgen. Jeder Gedanke löst eine Kette aus. Ich denke an den Chef, der ständig kritisiert. Wenn ich den Gedanken denke, dass der Chef kritisiert wird das bei mir Ärger auslösen. Ich bekomme Bilder im Kopf. Ich bin unzulänglich. Der Chef ist ungerecht. In mir wachsen immer mehr Gefühle von Ärger. Vielleicht auch Ohnmacht, weil ich mich nicht wehren kann und meine Abhängigkeit mir bewusst wird. Ich spüre auch noch Angst, entlassen zu werden. Ich sehe mich arbeitslos und unter der Brücke liegend. Ich bin am Ende. Und nur, weil ich am Anfang den Gedanken gedacht habe, dass mein Chef mich kritisiert.

Ich kann auch den Gedanken denken, dass mir Pizza schmeckt. Dann stelle ich mir einen luftigen Hefeteig vor. Ich knete mit den Händen und reibe den Käse. Ich rieche den Duft aus dem Backofen und werde von Minute zu Minute glücklicher. Ich stelle mir vor, wie ich den ersten Biss zu mir nehme. Wie es mir schmeckt und wie ich satt werde. Und nur, weil ich am Anfang den Gedanken gedacht habe, dass ich Pizza essen werde.

Je sorgfältiger ich meine Gedanken denke, desto zufriedener werden die Ergebnisse. Ich kann zwar keine glücklichen Gedanken denken. Aber ich kann Gedanken denken und die die Folgen im Auge behalten. Und jetzt denke ich an Sonne, Radfahren, Eis, Freunde, Urlaub...
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Dienstag, 11. Juli 2017

Ferien vom Ich


Wie wäre es einmal mit „Ferien vom Ich?“ Immerhin steht die Urlaubszeit vor der Tür und die Urlaubsziele stehen hoffentlich fest. Den Alltag hinter sich lassen. Keinen Stress mehr! Keine Termine im Kalender! Super! Wirst du es genießen können? Bist du frei von Sorgen und Aufgabenpaketen? Fühlst du dich frei im Herzen? Oder wirst du deinen ganzen Gedankenmüll mit auf die Reise nehmen. Vielleicht möchtest du ja auch verreisen in der Hoffnung, am Urlaubsort dein Zeug loszuwerden. Der Nordseestrand sozusagen als Sammelplatz von Sorgenhaufen! ;-)
In meiner Erinnerung tauchte vor ein paar Tagen der Gedanke auf: „Ferien vom Ich“. Bei meiner Recherche stellte ich fest, dass so der Titel eines Buches von Paul Keller heißt. Eine Idee daraus wurde dreimal verfilmt. Ein gesundheitlich lädierter Milliardär steigt aus seinem reichen Leben aus und macht anonym eine Art Reha. Pause von den lästigen Kakerlaken, die nur sein Geld wollen. Flucht vor denen, die sich in der Sonne seines Reichtums mit bescheinen lassen möchten.
„Ferien vom Ich!“ Geht das überhaupt? Und wenn ja – wie? Und vor allem: Was hätte ich davon, wenn ich es täte?
In dem Spielfilm gehört ja zur Identität des Milliardärs sein Geld. Er macht also mal Ferien von seinem Reichtum und taucht ein in die einfache bürgerliche Welt. Bis zur armen Hütte reicht es allerdings nicht. Er bleibt „gutbürgerlich“.
Wenn ich Ferien vom Ich machen wollte müsste ich zuerst wissen, was denn zu meinem „Ich“ so dazu gehört? Ist das ein Ganzes? Besteht es aus Teilen? Wenn ich mit meinem Namen gerufen werde, dann rufe ich: „Das bin ich!“ Und ich meine mich irgendwie ganz. Ein Namensvetter könnte sich zur gleichen melden mit dem gleichen Satz. „Das bin ich!“ Ich bin dann immer irritiert wenn ich nicht gemeint bin. Für den Bruchteil einer Sekunde versinke ich in die Existenzlosigkeit. Ich bin für einen Moment nicht mehr da. Ich wache auf und denke: Menschen mit meinem Namen gibt es also viele.
Zu meinem „Ich“ gehören zugleich viele Teile. Mein Aussehen und das Bild, das ich selbst von mir habe. Da gehören meine Familienangehörigen zu und meine Freunde. Meine Ausbildungen und mein Beruf. Meine guten und meine schwierigen Kindheitserlebnisse. Meine Fähigkeiten und Eigenschaften, Meine Werte und meine Persönlichkeit. Meine Wünsche, meine Träume und meine Scham. All dieses und noch viele Teile mehr würden ein buntes Mosaik ergeben. Ich könnte da die Überschrift hinsetzen und sagen: „Das bin Ich!“ Auch wenn es mehrere Menschen mit meinem Vornamen gibt unterscheide ich mich doch recht deutlich. Ich stelle mich vor den Spiegel und erkenne mich wieder. Da sehe ich niemanden, der so ähnlich ist wie ich. Ich sehe mich selbst.
Wenn ich mein Lebensmosaik betrachte könnte ich auf die Idee kommen, dass das Mosaik irgendwie willkürlich ist. Gebastelt. Könnte auch anders aussehen. Mehr davon oder sogar weniger? Ich könnte im Urlaub mal reduzieren. Ganz schön viel, was ich da vom „Ich“ mit herumschleppen muss. Ständig erwartet jemand etwas von mir. Und ich möchte zugleich meinem eigenen Bild entsprechen. Es gehört ja zu meinem Ich dazu. Ich gehe regelmäßig zur Arbeit. Ich möchte mich selber so sehen und auch, dass die anderen mich so wahrnehmen. Ich bleibe nicht einfach so zu Hause! Ich bin ein Freund und entscheide mich nicht, mal jeden zweiten Tag ein Feind von meinem Freund zu sein. Die vielen Puzzleteile meines „Ich“ stärken meine Identität und geben mir Halt und Sicherheit. Sie bilden einen Rahmen, so dass ich nicht auseinanderfalle. Wer wäre ich denn ohne all diese Teile meines Ich-Mosaikes?
In meinen Beratungen fällt mir auf, dass manche Menschen sich auf eine eigenartige Weise selbst beschreiben. Sie sagen zum Beispiel nicht direkt und einfach: „Ich mag gerne Milch.“ Oder „Ich komme oft zu spät.“ Sie sagen stattdessen: „Ich gehöre zu den Menschen, die immer noch Milch trinken.“ Sie fühlen sich einer Art Gruppe zugehörig. Die Gruppe der „Milchtrinker “ oder der „Zuspätkommer“. In einer Gruppe kann man gut abtauchen oder sich verstecken. Oder durch die „Gruppe“ fühlt sich der Mensch nicht mehr so allein und unverstanden. Zugleich klingt es wie eine Rechtfertigung oder Aufklärung. Ich selbst höre allerdings immer auch mit: „Ich gehöre zwar zu den Menschen, aber ich weiß nicht, ob das wirklich so stimmt. Und ich schäme mich ein wenig dafür!“ Ich höre also eine gewisse Unsicherheit mit. So jemand könnte ja auch mal diese Gruppe verlassen. „Ich gehöre zu den Menschen, die Milch trinken. Aber jetzt verlasse ich die Gruppe, weil es für mich nicht mehr so notwendig ist.“
Wenn ich mir mein „Ich-Mosaik“ betrachte komme ich zugleich auf die Idee, dass es da Teile gibt, die schon lange nicht mehr so richtig passen. Teile, die früher mein „Ich“ ausgemacht haben, die ich immer noch mit mir herumschleppe, obwohl ich es nicht mehr bin. Wenn ich meine Eltern besuche, dann bin ich immer noch „Sohn“. Ich fühle mich dann auch manchmal wie 10 oder 15 Jahre. Ich finde das nicht angemessen. Klar bin ich immer noch Sohn für meine Eltern, aber erwachsener Sohn und nicht kindlicher Sohn. Dieser hilflose „Ich“-Anteil ist aber immer noch lebendig und wartet auf einen angemesseneren Platz.
In meinem „Ichmosaik“ kommen manchmal Dinge hinzu und manchmal verschwindet auch was. Mein „Kirchen-Ich“ hat sich im Laufe der Zeit stark reduziert. Manchmal leuchtet er noch auf. Aber vor ein paar Jahren machte der noch einen ganz großen Teil meines Lebens aus. Mein „Ich“ ist also gar nicht so starr festgelegt. Ich dachte lange Zeit, dass ich alle diese Anteile brauchte. Sie gehören zu mir dazu. Ich brauche sie. Dann stellte ich fest, dass ich weiter existierte, auch wenn bestimmte Ich-Anteile verschwunden sind. Trotz weniger „Kirchen-Ich“ existiere ich noch. In die freigewordene Lücke findet sich schnell ein neuer Anteil. Mein Mosaik ist selten leer.
„Ferien vom Ich!“ Ich könnte mal anonym irgendwo Urlaub machen. Da könnte ich dann meine Geschichte verbergen, meinen Namen, meinen Beruf und meine sozialen Verbindungen. Wer wäre ich dann stattdessen? Was bliebe von mir noch übrig? Würde es mir damit gut gehen? Immerhin bekomme ich ja ganz viel Zuwendung für mein „Ich-Mosaik“. „Toll, dass du so ein schönes Haus hast!“ „Du hast ein tolles Brot gebacken. Schmeckt fantastisch!“ Der Zuspruch und die Anerkennung stärken mein „Ich!“ Wenn ich jetzt anonym in den Urlaub fahren würde, bekäme ich möglicherweise keine Anerkennung mehr. Mein Ich würde nach und nach verhungern. Demnach müsste ich dich warnen, Ferien vom Ich zu machen. Das wäre ein höchst riskantes Unternehmen. Du müsstest jemanden mitnehmen, der auf dich aufpasst!
Auf der anderen Seite gibt es aber auch Menschen, die bewusst in die Einsamkeit, in die Wüste gehen. Da wird das „Ich“ entlarvt. Ausgehungert! Da zählt nicht mehr, was du kannst und wer du bist! Kannst du dir vorstellen, Ferien vom Ich zu machen? So wie Jesus – vierzig Tag ab in die Wüste?
Ich brauche also mein Ich. Es hält mich aufrecht, gibt mir Identität und stabilisiert mich. Nicht umsonst ist es schwer für einen Ehepartner, wenn nach vielen Jahren die „andere Hälfte“ geht. Wer ist die Frau ohne den Ehemann und umgekehrt? Bei der Trauer geht es nicht nur um den Abschied, sondern auch um die Aufgabe, sich wieder selbst zu finden. Wer bin ich ohne den anderen?
„Ferien vom Ich!“ Macht es nun Sinn? Unter bestimmten Voraussetzungen schon. Dann kann es sogar heilsam sein. Es kann ja passieren, dass ich mich einfach zu sehr in meine Arbeit vergraben habe nach dem Motto: „Arbeit ist alles!“ Dann kann ich mich in den Ferien für eine Auszeit entscheiden um wieder in einen Normalmodus schalten zu können. Oder ich hatte gedacht, dass zu meinem „Ich“ gehört, dass ich ständig mit vielen Leuten im Kontakt sein muss. Hier ein Anruf, da ein Treffen, noch ein Whatsapp. Ich mache Ferien von meinen Kontakten und ... stelle fest, dass ich vielleicht ein Junkie bin. Ich bin abhängig davon, dass das Leben um mich herum zirkuliert. Ich bin, weil die anderen sind. Ich könnte Ferien machen von diesem Teil meines Ich. Vielleicht wird es auf einmal still. Beängstigend still. Ich spüre die Leere. Halte das Schweigen aus. Überlebe es. Merke meine Abhängigkeiten. Mache einen ordentlichen Entzug und nehme mir die Zeit, wieder mich selber mehr zu spüren. Ich kann es mit mir aushalten, auch wenn nichts läuft.
Ab und zu einmal Teile meines Ich in die Ferien schicken. Um Platz zu schaffen für neue Impulse. Ich erlaube mir eine Weiterentwicklung. Gebe auf, was ich nicht mehr wirklich brauche und halte mal eine Lücke aus.
Wir müssen ständig Teile unseres Ich aufgeben. Eines Tages verabschieden wir uns vom Beruf, von den Kindern, von Freunden und Verwandten, von der Gesundheit, von Gepflogenheiten, von Häusern... Was bleibt von mir, wenn alle Ich-Anteile sich verabschieden? Breche ich zusammen? Löse ich mich auf? Gibt es etwas hinter allen „Ich-Anteilen“, was mit mir zu tun hat? Auf einer tieferen oder höheren Ebene? Verschwinden die Teile und es bleibt trotzdem das Ganze?
Wenn ich nach und nach meine Ich-Anteile loslassen kann werde ich vielleicht erfahren, dass ich mich nicht auflöse sondern auf einer tieferen Ebene mehr zu mir selbst komme. Zu meinem Selbst. Zu meinem Ursprung und Ziel, zu dem, was jenseits meiner Masken und der Materie liegt. Dort, wo ich „eigentlich“ bin. In meinem Eigenen.
„Ferien vom Ich?“ Eine interessante Ergänzung zu dem Satz „Ich mache Ferien!“ Wir legen ja viel Wert auf die „Ferien“. Wo fahre ich hin? Wie lange und mit wem? Viel weniger fragen wir: „Wer ist das Ich, das Ferien macht..“ oder „Welches Ich macht da jetzt Ferien?“ Da gibt es ja ein „Ich“, das sich ständig überlastet und gestresst fühlt. Dieses Ich braucht eine Pause. Aber das „Ich“ der Beziehungen hat das vielleicht gar nicht nötig. Das braucht keine Ferien. Das „Ich“ der Freundschaft findet Urlaub vielleicht völlig überflüssig oder sogar bedrohlich. Früher machten die Menschen auch keine Ferien und haben nichts vermisst. Vielleicht bekommst du jetzt eine Ahnung, warum reisen für dich unangenehm ist. Du hast es nur nie zugegeben oder zugelassen, weil alle Welt Urlaub toll findet. Dein „Geborgenheits-Sofa-Ich“ will nicht weg!
Für das „Ich“ der Beziehungen kann Urlaub ganz schädlich sein. So weit weg von den Menschen, die du liebst! Wir sollten nicht die Menschen bedauern, die nicht wegfahren. Die pflegen ihre anderen „Ich“-Anteile, welche auch immer das sind.
Ich besaß bislang übrigens kein „Garten–Ich“. In meiner Kindheit war das die Aufgabe meiner Eltern. Gartenarbeiten fand ich furchtbar. Später im Leben wohnte ich immer zur Miete ohne Garten. Jetzt entwickle ich seit ein paar Wochen ein Garten-Ich. Ich hätte nie gedacht, dass das zu einer Facette meines Lebens gehören würde. Noch schaue ich ein wenig irritiert dabei zu und schüttle den Kopf. Ich benutze lauter Geräte, zu denen ich bislang kein Verhältnis hatte.
Aber besteht nicht das Abenteuer des Lebens darin, ständig neue Ich-Anteile zu entdecken und zu entwickeln? Das bin ich und das bin ich auch. Das eine war ich einmal und das andere bin ich nicht mehr. Das könnte ich noch werden, muss es aber nicht. Und alle diese Anteile vom Ich sind nur vorläufig und keines davon ist endgültig. Und viele werden zusammengehalten von der Angst.
Die Angst, dass ich aufhören könnte zu existieren, wenn das „Ich“ nicht mehr da ist. Und das ist wohl die größte Herausforderung an mich.  
Und? Machst du Ferien? Möchtest du Ferien machen vom Ich? Von einem Teil davon? Oder ist dieser Gedanke für dich abwegig und fremd? Ich wünsche dir auf jeden Fall eine Ferienzeit, in der du gut mit dir sein kannst, mit welchen Anteilen oder welchem Ich auch immer. Die Fußballvereine nutzen die Zeit, ihre Mannschaft neu zu sortieren. Nach dem Sommer fängt eine neue Saison an. Wer wird dabei sein?  

Montag, 10. Juli 2017

Anfang und Ende!


Im Flur meiner Eltern hängt seit meiner Kindheit der Teil eines Gedichtes zum neuen Jahr von Eduard Mörike. Dort heißt es im Schlussvers: 

Herr, dir in die Hände
sei Anfang und Ende,
sei alles gelegt!

Jedes Leben hat einen Anfang und ein Ende. Alles Irdische ist dadurch gekennzeichnet, dass es begrenzt ist. Auch sehr stabile Häuser fallen irgendwann zusammen. Zwar stehen die Pyramiden in Ägypten schon seit einigen Tausend Jahren, aber irgendwann standen sie noch nicht und der Zahn der Zeit nagt unaufhörlich daran. Es mag noch viele viele Jahrtausende dauern, bis sie wieder zerfallen. Aber sie werden zerfallen. Mir fällt nichts ein auf dieser Welt, das keinen Anfang und kein Ende hat.
Eudard Mörike schafft in seinem Gedicht jedoch eine Erweiterung: Anfang und Ende legt er in die Hände Gottes. Damit deutet er an, dass es noch etwas gibt, das über den Anfang und das Ende hinausgeht.
Anfang und Ende gehören zu den begrenzenden Zeiterfahrungen der irdischen Existenz. Leben geschieht immer in einem Zeitraum von Anfang bis Ende. Das sind die Grenzmarkierungen. Aber es gibt eine Dimension, die nicht dieser Beschränkung unterliegt. Unser Bewusstsein kann "Zeitempfindungen" überwinden. Ich kann mich jenseits von Zeit und Raum denken. Menschen mit einer Nahtoderfahrung erzählen davon, wie im Bruchteil einer Sekunde das ganze Leben wie ein Film noch einmal abläuft.
Wir Menschen sind in unserem zeitlichen Empfinden von Begrenzungen, Tod und Ende noch einmal aufgehoben in etwas jenseits von Zeit. Darin liegt eine sehr befreiende Botschaft. Auch und jenseits von Tod und Ende bekommst du noch neue Möglichkeiten. Du bist bildlich gesprochen ein begrenzter Teil in Gottes unbegrenzter Hand.
Wir denken uns "anfänglich" und "endlich" und zugleich können wir uns "ewig" denken. Wie verändert sich dein Leben wenn du das praktisch umsetzt? Wie verändert sich dadurch dein Denken und deine Haltung?
Wenn du dich zeitlich begrenzt erlebst dann bist du im ständigen Mangel alles hier und jetzt noch erleben zu müssen. Die Zeit ist knapp und du hast noch viel zu tun. Wenn du im "Ewigkeitsbewusstsein" bist, dann hört die Hektik auf! Du kannst, aber du musst nicht mehr! Eduard Mörike noch einmal zur Erinnerung: "Herr, dir in die Hände sei Anfang und Ende, sei alles gelegt." Es geht also neben dem Bedenken von Zeit und Ewigkeit noch darum etwas zu tun. Das "Ablegen"! Es geht darum loszulassen, nicht festzuhalten! Wenn ich dem Ewigen das gebe, was ihm eh gehört, dann hört der Kampf auf, unbedingt etwas festzuhalten, was du sowieso nicht festhalten kannst. Kannst du deinen Mann festhalten? Deine Kinder? Deine Gesundheit? Dein Geld? Halte mal mit deinen Händen über einen Zeitraum viele Dinge fest. Du wirst verkrampfen, die Kraft wird dich verlassen und vor allem - du wirst die Dinge nicht mehr genießen können. Wenn du den Geliebten festhältst und nicht loslässt verwandelt er sich in ein Monstrum oder eine Schaufensterpuppe. Im Loslassen der Dinge gewinnst du die Freiheit, damit Erfahrungen zu machen und danach "Danke" zu sagen.
Ob wir "Ja" sagen können zu unserem Leben hängt genau davon ab, ob wir loslassen können. Ohne Angst zu verlieren; nur im Vertrauen, dass schon gut für mich gesorgt ist. In der Übereinstimmung von Atem holen und Atem lassen. In diesem Sinne wünsche ich dir einen ausgewogenen Rhythmus!
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Samstag, 8. Juli 2017

"Mach Tempo, dann lebst du doppelt so viel!"


Verlockend, nicht wahr? Mit ein wenig Geschick und Organisationstalent schaffst du das Doppelte an einem Tag. Du könntest mit deinem Arbeitgeber sprechen, dass du schneller arbeitest, dafür früher nach Hause gehst und dort dich den Dingen widmest, die dir sonst noch am Herzen liegen. Familie, Hobbys, Weiterbildung, Renovierungen... Du könntest gleichzeit das Leben eines Rentners und eines Arbeiters führen. Du würdest doppelt so viel leben.
Im Buch Momo kommen ja die grauen Männer und rechnen den Menschen vor, wie sie Zeit sparen können, damit sie mehr Zeit haben.  Und nach diesem Prinzip funktioniert ja auch die Wirtschaft. "Mach Tempo, dann lebst du doppelt so viel!" Diesen Spruch habe ich im Radio gehört in einem Beitrag, wo es um den Umgang mit der Zeit geht.
"Mach Tempo!" Das erinnerte mich an meine Kindheit und Jugendzeit. Mein Vater arbeitete in einer Schuhfabrik und versorgte die ganze Familie mit Heimarbeit. Schule, Mittagessen, Hausaufgaben, "Heimarbeit", Freizeit... Das unterschied uns von vielen anderen Familien. Der Berg von Schuhschäften! Arbeiten im Akkord! "Mach Tempo!" Dann bist du schneller fertig und kannst auf die Straße. Das hatte durchaus eine eigene Kinderlogik. Dadurch prägt sich schnell ein bestimmter Lebensstil ein. "Immer schnell!" Im rasanten Tempo durchs leben. Ich könnte ja am Ende auch früher Schluss machen, denn ich habe ja alles erledigt!
Ich behaupte einfach mal das Gegenteil: "Mach langsam, dann lebst du doppelt so intensiv!" Das ist der Nachteil am Tempo. Das Genießen kommt zu kurz und die Seele bleibt auf der Strecke. Ich wünsche dir einen guten Ausgleich zwischen Tempo und Müßiggang, damit sich dein Leben kohärent anfühlt und du in einer guten Balance bist.
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Freitag, 7. Juli 2017

Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis (Platon)


Alles hat einen Anfang! Auch die Erkenntnis fängt mit etwas an. Wie läuft ein Erkenntnisprozess? Ich werde zuerst mit einer Idee konfrontiert oder einem Ereignis. Das Erlebte verarbeite ich und ich denke darüber nach. Am Ende des Denkprozesses gibt es ein Ergebnis: Die Erkenntnis.
Jetzt hat Platon eine interessante Idee. Am Ende steht die Erkenntnis und am Anfang ist das Staunen. Das "Staunen" ist eine wunderbare Gabe für uns Menschen. Wann hast du das letzte Mal gestaunt? Kinder staunen ständig! Wenn du ihnen etwas erzählst, dann werden die Augen ganz groß und sie sperren den Mund auf. Sie sagen laut: "Oooooh!" und "Aaaaaah!" Sie sind ganz außer sich und völlig erfüllt von dem Erleben. Sie saugen das Gesehene oder Gehörte förmlich in sich auf. Sie erschaudern und sind tief bewegt. Sie wollen mehr davon. Sie wollen es tiefer erfassen.
Wir Erwachsenen sind da schon viel abgebrühter. Es muss schon ein Smartphone mit besonderen technischen Raffinessen sein, das uns staunen lässt. Wenn ich im Urlaub ans Meer fahre dann staune ich über die Weite! Wenn ich in die Berge fahre dann staune ich über die Erhabenheit! Wenn ich dann jeden Tag aufs Meer schaue verändert es sich schon. Das Staunen wird geringer, die Selbstverständlichkeit wächst. Wir tauschen das "Staunen" gegen die "Macht der Gewohnheit." Ja, die Gewohnheiten sind auf die Dauer mächtiger als das Staunen. Schade eigentlich! Wenn wir nicht mehr staunen können nach Platon, dann hören auch die Erkenntnisse auf. Wir nehmen ja nichts mehr wirklich wahr. Wir gehen daran vorbei.
Du kannst ja auch nicht immer ans Meer oder in die Berge fahren damit du mal staunen kannst. Manche Menschen brauchen immer den letzten Kick damit sie sich das Staunen erhalten können, und das "Ooooh"-Gefühl. Wenn ich heute wieder verstärkt staunen möchte dann braucht es mehr Aufmerksamkeit. Ich blicke in den Garten und schaue mir die Eibe an. Das mache ich über einen längeren Zeitraum. Ich beobachte die Meisen, die darin herumhüpfen und Beeren picken. Ich nehme die Schönheit des Baumes wahr und vertiefe mich in das immerwährende Grün. Ich merke, wie das Staunen sich so langsam im Körper ausbreitet. Ich lebe Seite an Seite mit einem Baum, der jeden Tag ganz zuverlässig an seinem Platz steht. Jahr für Jahr! Jeden Tag und ohne Ausnahme steht er da in seinem Grün und gibt mir Schatten und den Vögeln Nahrung.
Meine Aufmerksamkeit geht jetzt am Frühstückstisch zu meinem Lieblingsbäcker. Ich mag sein Brot. Ich kann es jeden Tag essen. Mir wird es nicht überdrüssig. Er backt es zuverlässig jeden Tag für mich. Ich staune über die Kontinuität. Kuchen kann ich nur ab und zu genießen. Frisches Brot mag ich jeden Tag. Und wiederum breitet sich ein langsames und stetiges Staunen aus.
"Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis." Das hieße für mich, bei jedem Anfang dem Staunen mehr Chancen zu geben, wenn sich in mir so ein Gewohnheitsgefühl breitgemacht hat. Ich lade dich ein zum Staunen über all die vielen Anfangssituationen, die dir geschenkt werden im Leben.
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Donnerstag, 6. Juli 2017

Kannst du vertrauen nach der Enttäuschung?


Du bist enttäuscht! Dein Kind hat gelogen. Dein Mann verschweigt, dass er beim Arzt war. Deine Arbeitskollegin spricht schlecht über dich wenn du nicht da bist. Die Politiker halten nicht ihr Versprechen. Deine Eltern besuchen dich nicht zum Geburtstag. Dein Arbeitgeber entlässt dich obwohl du gut arbeitest. Du nimmst Medikamente gegen deine Krankheit und sie helfen nicht. Du bist enttäuscht! Du hast dich getäuscht! Du hast dich täuschen lassen!
Ständig verspricht uns jemand etwas und wir glauben es. Wir freuen uns wenn sich das Versprechen erfüllt. Die Freunde von Jesus glaubten auch, dass mit ihm sich alles ändern wird. Jeder hatte da seine eigenen Wünsche, Ideen und Projektionen. Der eine Jünger hoffte, dass Jesus die Römer aus dem Land jagt. Der andere Jünger hoffte, dass die Armen endlich an die Macht kommen. Andere hofften auf Heilung von körperlichen Gebrechlichkeiten oder Befreiung von Sünden.
Du hast deine Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen. Es sind DEINE Wünsche und Erwartungen. Du wünschst dir, dass dein Kind nicht lügt. Du erwartest, dass dein Mann erzählt, dass er beim Arzt war. Du denkst, dass deine Arbeitskollegin im Beisein von anderen nicht schlecht über dich sprechen darf. Es sind DEINE Wünsche und Erwartungen. Manchmal verspricht dein Gegenüber ja auch sogar etwas. "Ja, ich lüge nicht!" "Ja, ich war beim Arzt!" Dann bist du noch enttäuschter.
Immer geht es jedoch um eine Täuschung! Es geht um deine Täuschung! Du trägst insofern die Verantwortung, dass du diese Täuschung zugelassen hast. Weil du dir manchmal etwas so sehr wünschst, lässt du dich gerne täuschen und hältst diese Täuschung lange aufrecht.
Wenn dann die Enttäuschung kommt kannst du froh sein. Du bist von einer Täuschung befreit worden. Du kannst jetzt die Wahrheit erkennen. Die Wahrheit, dass du dich getäuscht hast oder dich hast täuschen lassen.
Manche Menschen sagen, ich bin so oft enttäuscht worden. Ich kann nicht mehr vertrauen. Wenn du so denkst, dann schiebst du die Verantwortung von dir fort. Dreh doch einmal diesen Gedanken um und sage: "Ich passe auf, dass ich mich nicht mehr so oft täuschen lasse. Oder, Täuschungen gehören zum menschlichen Leben dazu. Es ist in Ordnung! Ich gehe einfach in die Enttäuschung hinein und bin anschließend wieder klar!" Du kannst dankbar sein für jede Enttäuschung, weil sie dein Inneres klärt. Dein Vertrauen kannst du bewahren und weiterentwickeln jenseits von Enttäuschungen. Vertrau deinem Kind und deinem Mann und deinen Arbeitskollegen, den Politikern und vertrau jedem Menschen. Tue es einfach! Du wirst überrascht sein, was geschieht. Wenn du vertraust wird sich der Blickwinkel deiner Wirklichkeit verändern. Du wirst freundlicher, gelassener und wohlwollender. Du gibst deinem Mann und deinem Kind die Erlaubnis dich enttäuschen zu dürfen. Sie dürfen dich enttäuschen, dich von der "Täuschung" befreien.
Das bedeutet einen völlig anderen Umgang mit Enttäuschungen als bislang. Bislang hast du eine Enttäuschung negativ gedeutet. Enttäuschungen sind heilsam. Sie sind durchaus schmerzhaft, ärgerlich und unangenehm. Wenn du jedoch bereit bist, die Schmerzen anzunehmen dann bleibt dein Vertrauen von dieser Erfahrung unberührt. Du erlebst eher das Gegenteil. Eine "willkommene" Enttäuschung stärkt dein Vertrauen. Aber überprüfe das einmal! Glaube mir nicht! Es ist zunächst einmal nur meine Idee.
Vertraue! Vertrauen ist völlig unabhängig von deinen Vorerfahrungen und Enttäuschungen. Vertrauen ist eine Grundsatzentscheidung, die du einmal triffst und in jeder Situation deines Lebens wieder erneuerst. Enttäuschungen "töten" deinen irrigen Blick und Vertrauen stellt den Anfang wieder her.
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Mittwoch, 5. Juli 2017

Wen fragst du um Erlaubnis? - Du darfst!


"Mama, darf ich noch ein Eis?" - "Nein Kind, gleich gibt es Abendessen!"
"Mama, darf ich Fernsehen schauen?" - "Nein Kind, du hast heute schon deine halbe Stunde gehabt!"
"Darf ich heute früher gehen, meine Frau ist krank." - "Muss das wirklich sein?"
"Darf ich heute aus dem Krankenhaus entlassen werden?" - "Ich weiß nicht, wenn dann auf eigene Verantwortung!"
Schon als Kinder haben wir gelernt zu fragen. Wir bitten um Erlaubnis. Dann dürfen wir oder wir dürfen nicht. Die Eltern haben die Macht. Die Kinder beugen sich der Macht. Denn die Eltern haben es ja zu sagen. Sie bestimmen. Dann spielen Kinder miteinander und ein Kind macht einen Vorschlag. Ein anderes Kind sagt: "Immer willst du der Bestimmer sein!" Kinder lernen schon früh, wie die Dinge laufen. In der Regel sind Erwachsene die Bestimmer. Sie bestimmen über das Leben der Kinder. Du darfst oder du darfst nicht. Wenn ein Kind Glück hat bekommt es immerhin mal eine vernünftige Erklärung warum es darf oder nicht. Aber es muss auf das gültige "JA" der Eltern warten. Wir werden älter und fragen noch immer ob wir dürfen oder nicht. Vor einiger Zeit hielt ich ein Tagesseminar und eine Teilnehmerin fragte mich, ob sie auf die Toilette dürfte. Was hätte ich sagen sollen? "Ja klar, wenn Sie müssen!" "Nein, warten Sie doch noch eine halbe Stunde, dann machen wir sowieso Pause!" Ich habe ihr gesagt: "Wenn ich Sie wäre, täte ich das einfach selbst entscheiden."
"Dürfen" und "nicht dürfen". Natürlich ist es wichtig, dass Kinder noch nicht die volle Verantwortung für ihr Leben übernehmen können, weil sie nicht alle Folgen überblicken. Sie brauchen die Begleitung des Erwachsenen. Das "Dürfen" gibt die Möglichkeit für Eltern im positiven Sinne für die Sicherheit und das Wohlbefinden des Kindes zu sorgen.
Doch nach und nach können wir aufhören mit der Frage: "Darf ich?" Die Bibel erzählt viele Geschichten von Menschen, die etwas nicht oder nicht mehr durften. Sie durften nicht mehr ins Dorf wenn sie aussätzig waren. Sie durften nicht in den Tempel. Sie durften bestimmte Dinge nicht essen. Dazu kommt dann die große Unsicherheit! Darf ich vielleicht doch? Oder manchmal? Oder unter bestimmten Voraussetzungen?
Darf ich wieder heiraten obwohl ich geschieden bin? Darf ich zur Kommunion gehen auch wenn ich aus der Kirche ausgetreten bin? Manchmal bis oft kommt die Antwort wie bei einem Kind: "Du darfst!" oder "Du darfst nicht!" Solange ich um Erlaubnis bitten muss denke und handle ich wie ein Kind. Ich übernehme keine Verantwortung sondern schiebe sie dem Erwachsenen zu.
Das neue "Du darfst" muss sich darum unterscheiden von den Kind- Erwachsenenspielen. Das erwachsene "Du darfst" ist ein "göttliches du darfst". Das möchte ich so übersetzen:
Du musst nicht mehr fragen! Grundsätzlich darfst du! Du bekommst eine endgültige Erwachsenenerlaubnis! Du darfst das Spiel befehlen-gehorchen verlassen! Du bist aufgenommen in die Gemeinschaft all derer, die Lebenserlaubnis wie selbstverständlich in sich tragen. Es ist ein Wort mit einem Folgesatz: "Du darfst! Geh in die Selbstermächtigung!"
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