Dienstag, 31. März 2015

14 österliche Worte: Du kannst!


Entweder haben unsere Eltern es uns eingetrichtert oder wir haben es von uns selber gedacht: "Du kannst das nicht! Du bist noch zu klein! Komm, lass mich mal machen!"
Ob du ein kleines Kind bist oder schon lange erwachsen. Wenn du etwas machen musst, was du noch nie zuvor getan hast, kannst du das möglicherweise noch nicht. Du bist ja schließlich unerfahren. Vielleicht musst du es erst noch lernen. Als Kind kannst du nicht laufen und lernst es im Laufe der Zeit. Du musst viele Dinge koordinieren. Auf deinen zwei Füßen stehen, das Gleichgewicht halten, gleichzeitig einen Fuß bewegen und mit dem anderen den Stand wahren. Das braucht seine Zeit. Zu Beginn kannst du fast nichts und am Ende läufst du ausgezeichnet. Wenn du verstanden hast, wie das Lernen geht dann überträgst du diese positive Erfahrung auf andere Situationen. Du siehst einen PC und hast keine Ahnung. Dann wagst du dich daran mit deinen Vorkenntnissen, mit Begleitung von außen, mit schriftlichen Anweisungen und du startest bis du es kannst. Es ist also ganz normal, etwas Neues nicht zu können, und nach einer gewissen Zeit seine Kenntnisse zu erweitern.
Hast du noch das Wort deiner Eltern im Ohr: "Das kannst du nicht! Kind, hör mir doch zu! Das kannst du nicht!" Klingt doch sehr absolut und endgültig. Wenn dieser Satz bei dir als Kind ankommt, was hörst du? Du hörst: "Das kannst du nie!" Wenn deine Eltern dir gesagt hätten: "Das kannst du jetzt noch nicht aber ich helfe dir und dann wirst du es können. Vielleicht nicht heute, aber morgen oder übermorgen!" Wie kämen diese Worte dann bei dir an? Die Absolutheit des "Nichtkönnens" wäre weg und du würdest die "Möglichkeiten" hören. "Noch" kannst du es nicht, aber bald...
Auf seinem Weg nach Jerusalem ist Jesus vielen Menschen begegnet, die nicht konnten. Sie konnten nicht sehen, nicht aufrecht gehen, nicht zupacken, nicht menschenfreundlich sein. Jesus sagte ihnen einfach auf seine Art: "Du kannst!" Er veränderte ihre negativen Glaubenssätze und sie konnten.
Wenn du in deinem Herzen und im Kopf ständig den Satz verinnerlichst: "Ich kann nicht", wie fühlst du dich dann. Klein? Ohnmächtig? Hilflos?
In der Beratung erlebe ich es oft und gerne den wichtigen Schritt, wenn der Mensch sagt: "Ich kann!" Er hat vielleicht noch nicht einmal eine Lösung für sein Problem. Es geht aber ein Ruck durch den ganzen Körper. Es kommt eine Energie die sich so ausdrückt wie: "Ich weiß noch keine Lösung aber ich will es anpacken!"
Barack Obama wird vielleicht nicht in die Geschichte eingehen mit seinen Taten. Bestimmt aber mit den Worten: "Yes we can!" Das österliche Wort heute heißt: "Der Tod in seiner vielfältigen Form kann mich nicht aufhalten. Ich kann!"
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Montag, 30. März 2015

14 österliche Worte: Vertraue!


Du bist enttäuscht! Dein Kind hat gelogen. Dein Mann verschweigt, dass er beim Arzt war. Deine Arbeitskollegin spricht schlecht über dich wenn du nicht da bist. Die Politiker halten nicht ihr Versprechen. Deine Eltern besuchen dich nicht zum Geburtstag. Dein Arbeitgeber entlässt dich obwohl du gut arbeitest. Du nimmst Medikamente gegen deine Krankheit und sie helfen nicht. Du bist enttäuscht! Du hast dich getäuscht! Du hast dich täuschen lassen!
Ständig verspricht uns jemand etwas und wir glauben es. Wir freuen uns wenn sich das Versprechen erfüllt. Die Freunde von Jesus glaubten auch, dass mit ihm sich alles ändern wird. Jeder hatte da seine eigenen Wünsche, Ideen und Projektionen. Der eine Jünger hoffte, dass Jesus die Römer aus dem Land jagt. Der andere Jünger hoffte, dass die Armen endlich an die Macht kommen. Andere hofften auf Heilung von körperlichen Gebrechlichkeiten oder Befreiung von Sünden.
Du hast deine Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen. Es sind deine Wünsche und Erwartungen. Du wünschst dir, dass dein Kind nicht lügt. Du erwartest, dass dein Mann erzählt, dass er beim Arzt war. Du denkst, dass deine Arbeitskollegin im Beisein von anderen nicht schlecht über dich sprechen darf. Es sind DEINE Wünsche und Erwartungen. Manchmal verspricht dein Gegenüber ja auch sogar etwas. "Ja, ich lüge nicht!" "Ja, ich war beim Arzt!" Dann bist du noch enttäuschter.
Immer geht es jedoch um eine Täuschung! Es geht um deine Täuschung! Du trägst insofern die Verantwortung, dass du diese Täuschung zugelassen hast. Weil du dir manchmal etwas so sehr wünschst, lässt du dich gerne täuschen und hältst diese Täuschung lange aufrecht.
Wenn dann die Enttäuschung kommt kannst du froh sein. Du bist von einer Täuschung befreit worden. Du kannst jetzt die Wahrheit erkennen. Die Wahrheit, dass du dich getäuscht hast oder dich hast täuschen lassen.
Manche Menschen sagen, ich bin so oft enttäuscht worden. Ich kann nicht mehr vertrauen. Wenn du so denkst, dann schiebst du die Verantwortung von dir fort. Dreh doch einmal diesen Gedanken um und sage: "Ich passe auf, dass ich mich nicht mehr so oft täuschen lasse. Oder, Täuschungen gehören zum menschlichen Leben dazu. Es ist in Ordnung! Ich gehe einfach in die Enttäuschung hinein und bin anschließend wieder klar!" Du kannst dankbar sein für jede Enttäuschung, weil sie dein Inneres klärt. Dein Vertrauen kannst du bewahren und weiterentwickeln jenseits von Enttäuschungen. Vertrau deinem Kind und deinem Mann und deinen Arbeitskollegen, den Politikern und vertrau jedem Menschen. Tue es einfach! Du wirst überrascht sein, was geschieht. Wenn du vertraust wird sich der Blickwinkel deiner Wirklichkeit verändern. Du wirst freundlicher, gelassener und wohlwollender. Du gibst deinem Mann und deinem Kind die Erlaubnis dich enttäuschen zu dürfen. Sie dürfen dich enttäuschen, dich von der "Täuschung" befreien.
Das bedeutet einen völlig anderen Umgang mit Enttäuschungen als bislang. Bislang hast du eine Enttäuschung negativ gedeutet. Enttäuschungen sind heilsam. Sie sind durchaus schmerzhaft, ärgerlich und unangenehm. Wenn du jedoch bereit bist, die Schmerzen anzunehmen dann bleibt dein Vertrauen von dieser Erfahrung unberührt. Du erlebst eher das Gegenteil. Eine "willkommene" Enttäuschung stärkt dein Vertrauen. Aber überprüfe das einmal! Glaube mir nicht! Es ist zunächst einmal nur meine Idee.
Vertraue! Vertrauen ist völlig unabhängig von deinen Vorerfahrungen und Enttäuschungen. Vertrauen ist eine Grundsatzentscheidung, die du einmal triffst und in jeder Situation deines Lebens wieder erneuerst. Eine wahrhaft österliche Erfahrung. Enttäuschungen "töten" deinen irrigen Blick und Vertrauen stellt den Anfang wieder her. Tod und Auferstehung!
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Sonntag, 29. März 2015

14 österliche Worte: Lebe!


Es kann vorkommen, dass du des Lebens müde wirst. Manchmal ist es einfach zu viel! Du rackerst dich ab. Du tust und machst! Du übernimmst eine Aufgabe und dann noch eine Aufgabe. Du läufst und läufst und irgendjemand sagt dir: "Du bist gar nicht mehr da! Du bist nur noch im Funktionsmodus!"
Irgendwann merkst du, dass du nicht mehr stoppen kannst. Dein Körper kommt nicht mehr zur Ruhe. Deine Gedanken kreisen. Du befindest dich im Hamsterrad. Während der Hamster sich dort scheinbar wohlfühlt geht es dir schlechter und schlechter in deinem Rad. Dein Energiepegel sinkt und sinkt und du hoffst, dass du diesen Tag irgendwie bewältigst.
Du begegnest letztlich deinem eigenen inneren Tod. Oft merkst du es leider viel zu spät. Letztlich schreit dann dein Körper auf und signalisiert: "Ich kann nicht mehr." Ständige Grippen, Rückenschmerzen, Migräne, Erschöpfungszustände und Schlaflosigkeit bestimmen deinen Alltag.
Wie kommst du aus dem Hamsterrad heraus? "Dein Kopf sagt: Immer weiter! Nicht nachdenken! Immer weiter! Ich finde schon einen Weg!" Unterbrich deine Kopfgedanken und sage."Stopp!" Aus dem Hamsterrad kommst du erst, wenn du "STOPP" machst. Innerlich gehst du aus dich heraus und beobachtest dich von außen: Was ist aus dir geworden? Willst du das alles so? Was wäre, wenn du jetzt sterben müsstest? Dann müsstest du dich von deinem Hamsterrad radikal verabschieden. Es gibt keine einzige Umdrehung mehr. Nicht eine! Du müsstest also für einen Moment sterben, alle Aktivitäten sterben lassen. Du müsstest dich von deiner Identität verabschieden. Vielleicht sogar von allen Identitäten!
Und dann? Dann braucht dein Körper, dein Geist und deine Seele Zeit! Es geht sozusagen in die Erde, in die Dunkelheit, in den Tod. Dir wird bewusst, was alles in dir eigentlich schon tot ist. Du hast nur noch funktioniert. Aber der Sinn ist dir abhanden gekommen, die Freude - und - vor allem "DAS LEBEN".
Ostern würde an dieser Stelle dir sagen: "Lebe!" Höre auf zu funktionieren! Verabschiede dich von überflüssigen und falschen Identifikationen! Überprüfe deine Beziehungen und deine Aufgaben! Schau den Menschen in die Augen und vergewissere dich, dass sie da sind. Und dass du da bist. Spüre die Freude in deinem Herzen, dass dein Herz pocht und schlägt und hüpft! Streife den Tod ab wie eine verbrauchte Haut und lebe!
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Freitag, 27. März 2015

Wunder Leben!

Als im vergangenen Winter viel Schnee lag, hing ich in einem Strauch einen Meisenknödel auf. Es brauchte ein paar Tage, bis die Meisen daran gingen. Auch eine Taube und eine Amsel hatten Interesse an diesn Körnern. Sie waren aber zu groß und zu schwer und konnten sich nicht an dem Netz festhalten. "Die Trauben hingen zu hoch." Als jedoch die Meisen kamen und kraftvoll in dem Knödel herumpickten, fiel immer ein Bröckchen auf den Boden. Da waren Taube und Amsel gleich zur Stelle und pickten sich ihren Teil. So erreichten sie doch noch ihr Ziel, etwas vom großen Kuchen abzubekommen. Ich glaube, das gilt auch für uns Menschen. Wenn du aufmerksam bist, fällt immer etwas ab, auch für dich. Schau nur genau hin! Dabei geht es um die Aufmerksamkeit und das Gewahrsein.
Jetzt im Frühjahr wärmt die Sonne die Natur und bringt sie zum aufwachen. Ein paar Sonnenstrahlen fallen auch für dich ab. Du brauchst nichts dafür tun. Stell dich einfach in die Sonne und es geschieht. Du erwachst, wie die Natur!
Du kannst dir auch die Weisheit von Taube und Amsel aneignen und dir zu Herzen nehmen. Immer fällt irgendwo etwas für dich ab. Im Karneval die Kamelle, im Winter die Wärme in einem Kaufhaus, hier und da ein paar Rabatte und Peisnachlässe, ein Probierstand im Supermarkt, eine kleine Gabe auf dem Wochenmarkt, ein Hustenbonbon und ein Paket Taschentücher in der Apotheke, eine Scheibe Wurst beim Metzger und ein freundlicher Hinweis einer Verkäuferin im Modegeschäft. Vielleicht lässt du selber mal hier und da etwas liegen für einen anderen Menschen. Ein kleines Bildchen, einen Aufkleber, eine Dose Futter für das Tierheim. So funktioniert der Kreislauf. Du empfängst und du gibst, du bist ein Teil vom Ganzen. Du kannst es bewusst mitgestalten und erlebst Wunder über Wunder! Faszinieren, nicht?

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Donnerstag, 26. März 2015

Steh auf!

Jesus befindet sich in guter Gesellschaft mit Marius Müller-Westernhagen, Bushido, Culcha Candela, Betontod und den Toten Hosen. Sie alle und noch einige Künstler mehr sangen oder sprachen diese Aufforderung aus: „Steh auf!“ 
Das sind energische Worte! „Steh auf!“ Mit Ausrufezeichen! Jesus richtet diese Worte an den verstorbenen Sohn einer Witwe. Dieser wird gerade auf der Bahre liegend weggetragen. „Steh auf!“ ruft Jesus in einem eindeutigen Befehlston. Man stelle sich einmal vor, er würde folgendes sagen: „Junger Mann, es wäre doch schön für deine traurige Mutter und für alle anderen Verwandten, wenn du es dir mit dem Sterben noch einmal überlegen würdest. Die ganze Zukunft liegt noch vor dir! Willst du das alles wegwerfen? Ist deine Zeit denn wirklich schon gekommen?“ Das wären zwar sehr einfühlsame Worte gewesen und sicherlich angemessen für einen Toten und zugleich tröstlich für die Mutter. Hätten solche Worte jedoch ausgereicht, einen Toten aufzuwecken? Jesus entscheidet sich für die harte Tour. „Steh auf!“ 
Die Band Betontod singt in ihrem Lied: „Ich will Dich nie wieder am Boden sehen, es ist Zeit aufzustehen und nach vorne zu sehen! Ich will Dich nie wieder am Boden sehen, steh auf!“ Interessant, dass sowohl „Betontod“ als auch die „Toten Hosen“ das Wort „Tod“ im Namen tragen. Musiker mit solchen Namen werden so zu Verkündern des Evangeliums vom Aufstehen! „Am Boden liegen – und aufstehen“ – darüber möchte ich gerne noch ein wenig intensiver nachdenken. Als kleines Kind bin ich mit meinen Eltern und Geschwistern am Sonntag spazieren gegangen. Mein Vater erzählt mir heute manchmal, dass ich mich einfach zwischendurch auf die Straße setzte und nicht wieder aufstand. Alle seine Bitten und Appelle halfen nichts. Ich blieb da einfach sitzen und die ganze Familie wartete, bis ich von selbst wieder aufstand. Aus der Perspektive des am Boden liegenden zeigt sich: Der muss auch aufstehen wollen. Die Aufforderung muss das Ziel zuerst einmal erreichen. 
Wir Menschen können nicht früh genug damit beginnen, das wieder Aufstehen einzuüben. Wir alle haben irgendwann gelernt, das erste Mal auf eigenen Füßen zu stehen und bewegten uns haltsuchend und wackelig auf den Beinen an den Objekten im Wohnzimmer entlang. Dann gingen wir freihändig ohne „Objektschutz“ zwischen Mama und Papa hin und her, strahlten über die ersten wirklich freien Schritte und … wir fielen! Das Fallen gehört zum Laufen lernen dazu. 

Mittwoch, 25. März 2015

Erhol dich gut!



Das Wort „erholen“ kommt ursprünglich aus der Medizin. Nach einer Phase der Krankheit geht es darum, wieder gesund zu werden.  Der Körper soll nach einer Anstrengung wieder Zeit bekommen zur Regenerierung, vielleicht nach dem Motto: „Hole dir deine Gesundheit wieder.“
Wenn wir uns vor dem Urlaub wünschen: „Erhol dich gut!“ dann verbinden wir damit den Wunsch nach einer Regeneration. Das setzt ja voraus, dass der entsprechende Mensch tatsächlich krank war oder eine anstrengende Phase hinter sich gebracht hat.
Es wäre schön, wenn wir auch die Arbeitsphasen im Leben so gestalten, dass wir nicht erholungsbedürftig werden. Interessanterweise sprechen wir auch nicht von Erholungsbedürftigkeit nach einem anstrengenden Sport. Ein anstrengender Sport führt zur Erholung und eine anstrengende Arbeit zur Erholungsbedürftigkeit.
Ich glaube, da stimmt was nicht.
Statt „Erholung“ rede ich lieber von „Pause“. Untersuchungen zeigen, dass wir Menschen uns nur 90 – 120 Minuten konzentrieren können und dann eine Unterbrechung brauchen. Einfach für ein paar Minuten nichts tun und Körper und Geist zur Ruhe kommen lassen. Wenn wir am Tag genug pausieren, wird der Urlaub nicht zu einer Art selbstfinanzierter Reha Maßnahme.  Der Urlaub wird zur zweckfreien Zeit und zu einer ausgedehnten Pause.
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Dienstag, 24. März 2015

Werde wesentlich



Auch diesen Vers habe ich gefunden bei Angelus Silesius im „cherubinischen Wandersmann.“
„Mensch, werde wesentlich; denn wenn die Welt vergeht,
So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.“

Es gibt das „Wesen“ und das,  was „dazu fällt“.  Es gibt einen unzerstörbaren Kern, und es gibt die vergängliche Geschichte. Es geht etwas und es bleibt etwas. Jeden Tag fällt uns etwas zu. Ein Mensch kreuzt unseren Weg, wir sitzen am Frühstückstisch, wir erledigen die Alltagsgeschäfte. Wir regen uns auf, wir werden erschüttert. Wir geben den „vorübergehenden“ Erlebnissen unendlich Bedeutung. Nicht zuletzt besetzen uns manche Ereignisse so stark, dass wir über Jahre traumatisiert werden.
„Mensch, werde wesentlich!“ Das, was wir erleben soll uns dazu dienen, dass wir daran wachsen und reifen. Häufig bleiben wir jedoch bei den Dingen stehen und nicht beim Wesentlichen.
Als Kind kommst du z.B. zu deiner Mutter und beschwerst dich: „Mama, der Bernd hat mich gehauen!“ Dann hörst du deine Mutter sagen: „Ach du Armer, das hat er bestimmt nicht mit Absicht gemacht.“ „Doch, hat er...!“ Ihr Beide bleibt in der Szene, bis sie sich irgendwann friedlich oder sonst wie auflöst.
Sinnvoll ist es, wenn du dich irgendwann als Erwachsener mit den dahinter verborgenen Themen auseinandersetzt. Wie erlebst du den Umgang mit Macht und mit Gewalt? Wie gehst du um mit Schmerzen, Kränkungen und Ablehnungen? Wer ist dieses „Du“, dass das da gerade erlebt? Wenn du das machst, trägst du etwas dazu bei, wesentlich zu werden.
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Montag, 23. März 2015

Angeschlagenes Geschirr hält gut zwei Menschenalter. (aus Russland)

Ich hänge an meinen Töpfen, an meinem Geschirr, an meinem Besteck. Ich brauche nicht alle Jahre davon etwas Neues. Neues Geschirr im Laden lacht mich nicht an. Ich gehe gleichgültig daran vorbei. Mit meinen Tellern und Tassen bin ich sehr zufrieden. Die Tassen sind schlicht, sie sind rundum dicht und halten jede Flüssigkeit. Auf den Tellern passt so viel, dass ich locker davon satt werden kann. Mein Geschirr lässt sich gut spülen und ist äußerst pflegeleicht. Auch die Jahre im Geschirrspüler haben sie schadlos überstanden. Die Teller haben noch keine einzige Macke, denn ich bin sorgfältig damit umgegangen. Nach so vielen Jahren mute ich dieses Geschirr auch meinen Besuchern zu. Bislang hat sich noch niemand darüber beschwert und alle essen brav von diesem Geschirr ohne Anzeichen von Ekel oder Ablehnung.
Zugegeben, die eine oder andere Tasse ist nicht mehr ganz heile. Von zwölf Tassen sind drei angeschlagen, wie man so schön sagt. Ich habe sie nicht nach hinten gestellt. Ich entscheide nach dem Zufallsprinzip. So müssen auch Gäste aus diesen Tassen trinken. Mir fällt das nicht einmal mehr auf. All dieses Geschirr gehört zu mir und ich habe mir fest vorgenommen, sie bis zum letzten Tag meines Lebens zu benutzen. Meine Möbel halten nicht so lange aus. Stoffe verschleißen sichtbarer als Porzellan.
Wir werfen viel zu früh viel zu viel weg. Trödelmärkte machen mich traurig. Da stehen all die Dinge, die angeschlagen und aussortiert sind. Ich will sie nicht haben, denn ich bin mit meinen Dingen ganz zufrieden. Ich möchte sie auch nicht zum Trödel bringen. Wenn ich diese Welt verlasse mögen meine Erben entscheiden, ob mein Geschirr noch taugt für ein weiteres Menschenalter.
Mein Geschirr ist zuverlässiger als meine Berufslaufbahn und meine Beziehungen. Sie sind treuer als das Geld auf meinem Konto und meine zunehmenden Alterskennzeichen. Sie stehen gleichmütig und treu in ihrem Schrank und warten auf den nächsten Einsatz, ohne Klage und ohne sich über das Alter zu beschweren.
Sie sind es sogar wert, darüber zu meditieren und darüber in eine Meditationshaltung zu kommen. Das ist ein wichtiger Aspekt: Es geht mir um das Würdigen, Werschätzen und Anerkennen. Wer dem angeschlagenen Geschirr noch zwei Menschenalter schenkt, dem kann man sich gut mit seinen Sorgen anvertrauen. Der wird sorgsam und liebevoll damit umgehen.
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Sonntag, 22. März 2015

Ich halte Ausschau nach dir

In einem Buch bleibe ich bei dem Satz hängen: "Ich halte Ausschau nach dir." Ich weiß gar nicht, warum mich der Satz so berührt.
Immer wieder einmal kommt es vor, dass ich mich verabrede. Vor allem, wenn der Treffpunkt unüberschaubar oder unvertraut ist und mich verwirrt, habe ich gerne eine kleine Sicherheit. "Wie finde ich dich?" heißt dann meine Frage. Natürlich kann ich schauen im Café auf dem Platz zwischen den vielen Fußgängern wo die Person ist, mit der ich mich treffen will. Wenn ich aber höre, dass mir jemand sagt: "Ich halte Ausschau nach dir!" Dann bin ich beruhigt. Ich muss das nicht alleine hinbekommen. Mein Gegenüber unterstützt mich. Er schaut nicht wahllos in der Gegend herum und wartet still vor sich hin, liest ein Buch oder schreibt SMS. Da wirft jemand seine Fäden oder sein Netz aus, so dass ich nicht verloren gehen kann.
Im Schreiben merke ich, was mich berührt. Ich könnte meine Verabredung verpassen. Er oder sie ist nicht da und ich bleibe allein. Ich gehe verloren! Ich bin hilflos! Da springen ganz alte Muster an aus meiner kindlichen Vergangenheit.
Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Mutter Ausschau nach mir gehalten hat wenn ich draußen spielte. Andere Mütter sind am Abend auf die Straße gegangen und haben nach ihren Kindern geschaut und gerufen. "Thomas, komm rein, es gibt Abendessen!" Meine Mutter hat einfach erwartet, dass wir als gut erzogene Kinder die Regeln beachten. Wenn wir Kinder das Haus betraten war unsere Mutter immer beschäftigt mit irgendeiner Arbeit. Etwas war immer zu tun. Da hielt niemand "Ausschau". Da gab es kein Erwarten oder Ausdruck von Wiedersehensfreude.
"Ich halte Ausschau nach dir!" Da werde ich erwartet! Da kümmert sich jemand um mich! Da bin ich für jemanden wichtig! Ich gehe nicht verloren! Das fühlt sich wirklich gut an, nicht wahr?

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Freitag, 20. März 2015

Wer die Menschen liebt hat immer eine große Familie


Dieser Spruch kommt aus Ägypten. Wir leben in einer Zeit, in der es Familien nicht immer leicht miteinander haben. Ehen gehen auseinander, Paare finden sich neu, Patchworkfamilien entstehen. Manche Singles sind nicht so stark eingebunden in einer Familie und verankern sich eher im Freundeskreis. Entscheidend ist für mich die Erfahrung, sein Leben nicht allein gestalten zu müssen. Ich bin eingebunden, verbunden, habe meinen Platz. Ich denke an meine Großfamilie mit Freundinnen und Freunden und umgekehrt hoffe ich auch.
Wer nicht lieben kann erfährt oft Einsamkeit. Mir gefällt der Gedanke aus Ägypten, wie du zu einer großen Familie kommst: Einfach die Menschen lieben. Die Liebe verbindet die Menschen überall auf der Welt. Du musst nicht einmal Blutsverwandt sein.
Wer die Menschen liebt, hat immer eine große Familie. Immer - das heißt wirklich jede Stunde, jeden Tag, in jedem Alter, bis zum Tod. Augustinus sagt: "Liebe und tu, was du willst."


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Donnerstag, 19. März 2015

Sag Ja zum Wandel




Für drei Jahre lebte ich bei einem Pfarrer, der einen Spruch liebte und ständig zitierte. „Nichts erfordert so viel Treue wie beständiger Wandel.“
Wir neigen dazu, die Dinge festzuhalten. Wir halten unser Haus fest, unsere Freundschaften, Gewohnheiten, unsere Versicherungen, das Geld und letztlich das Leben. Dahinter steht vielleicht das Bedürfnis nach Sicherheit. Materielle und personale Sicherheit geben uns ein stabiles und gutes Gefühl. Die größte Gefahr für die beständige Sicherheit ist der Wandel.
Ich erinnere mich noch eine Kindersendung von früher mit einem Liedvers: „Nichts soll bleiben wie es ist. Alles muss sich ändern.“ Kinder lieben das Abenteuer und das Neue. Das Leben möge spannend sein.  Zu Beginn des Lebens bist du neugierig und freust dich auf spannende Erfahrungen. Mit zunehmendem Alter jedoch schleicht sich das Bedürfnis ein nach einem Zustand jenseits der Anstrengung. So wirst du älter und hast so manches Ehepaar vor Augen, das nur noch in Ritualen lebt nach dem Motto: „Alles soll bleiben wie es ist, nichts darf sich ändern.“ Wir richten uns ein und finden das  so gemütlich und zuverlässig. Schließlich folgt die Zwei  immer der Eins, der Abend folgt immer dem Mittag und der Schlaf folgt dem Wachsein.
Wenn wir unser Leben aber aus einem anderen Blickwinkel der Vergänglichkeit und Begrenzung betrachten, zerrinnt uns alles zwischen den Fingern. Die Körperzellen, aus denen wir jetzt bestehen, werden sich morgen umgewandelt haben in eine andere Daseinsform. Den gestrigen Tag kann ich nicht wieder beleben. Die Kinder werden erwachsen und ich lebe unaufhaltsam dem körperlichen Tod entgegen. Das ach so stabile und sichere Haus verfällt trotz aller Sanierungen und bei genauerem Betrachten stelle ich fest: Die absolute Beständigkeit ist eine Illusion.
Was tun? Wenn du die Prozesse nicht aufhalten kannst, dann kannst du vielleicht mit Allem mitschwingen. Gib dich einfach einverstanden mit den Veränderungen. Seltsamerweise kannst du darin beständig sein. Du kannst jeden Augenblick deines Lebens dich damit einverstanden erklären, alles loszulassen und Neues zu empfangen. In dem Wort Treue steckt ja „Vertrauen“. „Nichts erfordert so viel Treue wie beständiger Wandel.“ Das heißt: Mit großem Vertrauen meisterst du den stetigen Wandel. So wird dein Bedürfnis nach Beständigkeit erfüllt in der Bejahung eines fortwährenden Veränderungsprozesses.
Für mich hat diese Idee des Wandels auch etwas mit der Schöpfung zu tun. Wir sind Mitschöpfer und Gestalter dieser Welt. Wir entwickeln uns ständig weiter, hoffentlich. Wir dürfen wie eine Pflanze wachsen und reifen und unser ganzes Potential ausschöpfen. Der Wunsch nach Pausen ist bestimmt hilfreich und ebenfalls notwendig. Die Wandlungen finden einfach statt, aber in den Pausen triffst du die Entscheidung, wohin du dich mitentwickeln möchtest. Treue zum Wandel ist das Einverständnis in die eigene Weiterentwicklung.

Dienstag, 17. März 2015

Papst Franziskus und die Schwächen der Kurie: Streben nach weltlichen Profiten und die Prahlerei

Die letzte Schwäche der römischen Kurie nennt Papst Franziskus das Streben nach weltlichen Profiten und die Prahlerei: "Das ist die Krankheit jener, die unersättlich sind in ihren Versuchen, ihre Macht zu vervielfachen, und dabei des Rufmords, der Diffamierung und der Diskreditierung anderer fähig sind – auch in Zeitungen und Magazinen – , natürlich um sich selbst als kompetenter als andere darzustellen.

„In aller Bescheidenheit, nur so ganz nebenbei. Ich bin der Vorsitzende in meiner Selbsthilfegruppe. Ich glaube, dass ich das gut kann und die Vorstellung, der Franz würde diese Aufgabe übernehmen wäre für mich unerträglich. Der Franz ist schlicht und einfach unehrlich. Er kann nicht zuhören und er macht, was er will. Ich sorge dafür, dass alles in unserer Gruppe seinen geregelten Gang geht. Bezirkssprecher bin ich übrigens auch. Seitdem ich das mache läuft der Laden. Ich muss aber immer schauen ob dieser Posten noch mit meiner Führungsaufgabe bei meiner Firma vereinbar ist. Mein Leben ist nicht immer so ganz leicht. Ich bin Schriftführer im Tennisclub und soll demnächst den zweiten Vorsitzenden machen. Ich bin Elternsprecher in der Klasse meines Sohnes und Präsident des örtlichen Karnevalsvereins. Ich mache diese Dinge alle gerne. Es kommen halt im Laufe der Jahre so einige Dinge zusammen. Und auch Geschichten, die ich so höre. Wissen Sie, warum der Hermann nicht Karnevalspräsident wurde? Der war doch verheiratet und so ganz nebenbei hatte er was am Laufen mit der ... (Das flüstere ich dir nur ins Ohr!)“
Spricht der Papst von solchen Typen? Kennst du selber welche? Gibt es die wirklich in der Kirche auch? Unter den Kurienmitgliedern? Da soll es doch Menschen geben, die rufen heimlich bei der Zeitung an und stecken dem Redakteur so eine kleine Geschichte zu. Wenn die Öffentlichkeit mitbekommt, wie eine Person wirklich ist, dann... So mancher Bürgermeisterkandidat und Ministeranwärter ist auf diesem Weg gestolpert. Aber Kirchenleute? Die machen das doch nicht, oder?
Gehen wir einmal davon aus, dass in der Kirche jede menschliche Schwäche möglich ist. Was steckt wohl dahinter? Welche Not hat ein Mensch, dass er sich selber für so wichtig hält! Für so wichtig, dass er überall Konkurrenten und Neider sieht, die er ausmerzen muss?
Vielleicht gibt es ja wirklich die Vorstellung: „Nur ich kann die Welt retten!“ „Ich habe wirklich die Kompetenz und der andere ist völlig unfähig!“ „Das muss doch jeder sehen!“ „Das erkennt man doch auf den ersten Blick!“ Die Absicht ist durchaus edel! Ich möchte die Welt positiv verändern und gestalten und der Bruder ist dabei im Weg. Der hat je keine Ahnung! Der ist unfähig! So verbessere ich die Welt und gehe dabei über Leichen.
Jeder, der einen verantwortlichen Posten in einer Firma hat, in der Kirche, in einem Verein oder sonst wo – ist da durchaus gefährdet! Am Ende bleibt ein Trümmerhaufen und die Erkenntis: „Ich habe es doch nur gut gemeint!“
Mein Papstwort am heutigen Tag: „Übernimm Verantwortung für dich und dein Leben. Sag Ja zu deinen Aufgaben und halte keine fest. Verabschiede dich jeden Abend von deinen Zuständigkeiten und sei dir bewusst: Deine Aufgaben sind Leihgaben.“

Zum Schluss

Fünfzehn Schwächen hat Papst Franziskus bei der Kurie entdeckt. Vielleicht gibt es noch mehr davon! Für die Fastenzeit reichen diese Punkte aus. Genug Stoff zum Nachdenken. Genug Material für die innere Einkehr.
Ich stelle mir vor, wie der Papst vor seinen Mitarbeitern steht und alle diese Punkte öffentlich macht. Er spricht sie aus! Ich stelle mir all diese Mitarbeiter vor und schaue in deren Köpfe und Herzen. „Ich bin nicht gemeint! Von wem spricht er da! Oh je, voll erwischt! Wo kann ich mich jetzt verstecken! Die anderen sind viel schlimmer! Und du, Papst Franziskus? Welcher von diesen Punkten trifft auf dich zu?“
Wenn es nur darum geht, einen Menschen bloßzustellen, die Schwächen öffentlich zu machen, wem hilft es? Die 15 Schwächen zeigen auch die Schwächen der Gesellschaft. Die Medien freuen sich, wenn es der Kurie an den Kragen geht. Darüber kann man schreiben. Darüber kann man sich aufregen. Und mir gibt es Stoff zum Schreiben von fast 15 Schreibmaschinenseiten.
Jetzt ist es genug! In der Bibel spricht Jesus eine Einladung aus, die da heißt: „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater im Himmel ist.“ (Lukas 6,36) So schaue ich die Kurie an und blicke wie in einen Spiegel. Ich schaue hinein und sage mir: „Das bin ich!“ „Das bin ich auch!“ „Das bin ich manchmal!“ „Und da bin ich gefährdet!“ Ich freue mich, dass mich jemand mit all dem so mag und mit mir barmherzig ist. So will ich es auch mit mir und meinem Spiegelbild sein. Liebe Kurie in Rom: Als Spiegel meiner Seele habt ihr einen guten Job gemacht. Danke! Und alles Gute für jeden von euch!
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Montag, 16. März 2015

Papst Franziskus und die Schwächen in der römischen Kurie: die Bildung von geschlossenen Kreisen


 In seiner Ansprache vor der Kurie in Rom kritisiert Papst Franziskus unter Punkt 14 die Bildung von „geschlossenen Kreisen“, die stärker sein wollen als die Gemeinschaft: "Diese Krankheit beginnt immer mit guten Absichten, aber mit der Zeit versklavt sie ihre Mitglieder, indem sie zu einem Krebsgeschwür wird, das die Harmonie des Körpers bedroht und so viel Schaden verursacht – Skandale – besonders gegenüber unseren jüngeren Brüdern".

Gehen wir doch einmal diesem Rätsel von „geschlossenen Kreisen“ auf den Grund. Man könnte ja meinen, dass die Kirche eine offene Gruppe wäre. Die Kirchentüren stehen offen, alle sind zu den Gottesdiensten eingeladen. Die Termine werden öffentlich bekanntgegeben. Jeder und jede darf sich im Ehrenamt engagieren und von Zeit zu Zeit geben die Pfarreien Briefe heraus und informieren über alle Aktivitäten. Die Zeitung berichtet über das Leben der Gemeindemitglieder, der Haushaltsplan liegt für alle zur Einsicht aus und der Pfarrer lädt manchmal ein zu öffentlichen Sprechstunden.

Von welchen „geschlossenen Kreisen“ spricht Papst Franziskus? Da kann ich nur Vermutungen anstellen. Während meines Studiums wohnte ich im Priesterseminar. Nach einigen Wochen stellte ich fest, dass es im Keller eine Bar gab, wo eine Gruppe von Studenten sich regelmäßig zum geselligen Beisammensein traf. Dort wurde ordentlich gebechert, Zigarren geraucht, Skandale ausgetauscht und gelästert. Zum Frust abladen und für die zölibatäre Kompensation ging man also in den Keller. Ich war einmal dort  für einen kurzen Moment und dann nie wieder. Ich wurde mit Blicken und Gesten hinauskomplimentiert. Ich fühlte mich nicht willkommen, ich gehörte nicht dazu. Und – ich wollte den Platz auch gar nicht!
Aber das ist ja klar, wo gelästert wird sind bestimmte Ohren nicht erwünscht. Im Laufe der Jahre entdeckte ich mehrere „verborgene“ und „geschlossene“ Kreise in einer Kirche, die den Anspruch auf „Offenheit“ hat. Das Phänomen, dass Kreise sich schließen gibt es nicht nur in der Kurie, in Seminaren und in Pfarrgemeinden sondern und überall dort, wo Menschen regelmäßig zusammenkommen. „Wir kennen uns doch so gut! Wir sind so vertraut miteinander! Wir mögen uns! Fremde gefährden unsere Gruppe! Die wollen doch was!“ Eine Gruppe tut gut daran, sich immer wieder einmal von Zeit zu Zeit zu überprüfen. Wollen wir geschlossen sein oder uns öffnen? Darf jeder mitbekommen, was wir hier tun und worüber wir sprechen?
Es existieren leider auch Gruppen im Untergrund, „Kellergruppen“, die das Licht der Öffentlichkeit scheuen. Der Papst spricht hier vom Skandal und vom Schaden gegenüber den jüngeren Brüdern. Was meint er damit? Hier auch wieder nur eine Vermutung. Nach meinem Wissen existieren in allen „allein männlichen“ Lebensfeldern homosexuelle Zirkel. Befürchtet Franziskus die Verführung der jungen Priester durch die älteren? Gerade ein zölibatär ausgerichtetes Umfeld lädt dazu ein, die Sexualität im Verborgenen zu leben. Wäre es nicht schön, wenn die Kirche ein „offenes“ Herz hätte für alle Menschen mit inneren Nöten? Mehr Freiheit, mehr Verständnis, mehr Möglichkeiten? Weniger Doppelmoral, weniger Verstecken! Ein „Mehr“ an Barmherzigkeit mit sich selbst würde auch zu einem „Mehr“ an Barmherzigkeit im öffentlichen Leben führen. Letztlich geht es um die Integration des Schattens und nicht um die Verbannung in den Keller.
Mein Papstwort für heute: „Nimm deine inneren geschlossenen und verschlossenen Kreise wahr und wage es, sie zu öffnen, damit Liebe und Licht einziehen können.“

Sonntag, 15. März 2015

Papst Franziskus und die Schwächen in der Kurie - immer mehr wollen!


Bei den Schwächen, die Papst Franziskus der Kurie vorhält, spricht er im Punkt 13 von dem Aspekt immer mehr zu wollen: "Wenn ein Jünger versucht, eine existenzielle Leere in seinem Herz mit der Ansammlung materieller Güter zu füllen, nicht weil er sie braucht, sondern weil er sich dadurch sicherer fühlt".



Von welchen materiellen Gütern können Kleriker denn immer mehr wollen? Mir fallen da spontan ein: Bücher, Ikonen, Weinflaschen, technischer Schnickschnack.
Bücher an sich wären also nicht verwerflich nach der Meinung des Papstes. Wenn ich ein Buch benötige um mehr zu wissen, oder mich weiterzuentwickeln ist das in Ordnung. Wenn es darum geht, es lediglich zu besitzen wird das schon fraglich. Technischer Schnickschnack erfüllt durchaus wichtige Aufgaben. Handys zur Kontaktpflege und Terminvereinbarungen, PC zum arbeiten usw. Ich kenne aber auch das Leuchten in den Augen der Menschen, ein Iphone zu besitzen, bzw. immer die neueste Generation. Besitzen wird wichtiger als die Funktionen und wirklichen Aufgaben. Ikonen und Weinflaschen würde ich zu den Luxusgütern zählen. Kann man, muss man aber  nicht haben. Wein und Ikonen führen uns aber vielleicht zum Kernthema in der Schwäche, „immer mehr zu wollen.“ 
Es geht letztlich um die Erfahrung und den Umgang mit der „existentielle Leere im Herzen“. Der Hintergedanke könnte so aussehen: Ich habe keine Freude mehr an der Vorstellung, dass Gott mein Herz erfüllt. Er ist ausgezogen. Ich spüre ihn nicht mehr, ich denke nicht mehr an ihn, ich suche ihn auch nicht mehr. Ich bin enttäuscht, frustriert und kann dennoch nicht damit abschließen denn als „Jünger“ ist „Gott“ ja zugleich mein Broterwerb. Jeder sonstige Christ ist „Hobby-Gott-Sucher.“ Sein Brot verdient er mit anderen Dingen.
Der Kleriker oder „Jünger“ muss also äußerlich die Fassade aufrechterhalten, „Gott“ ist ja sein Broterwerb. Wie geht er aber mit sich in einer solchen Lebensphase um? Wenn Gott nicht mehr da ist aber das Herz „Treibstoff“ benötigt, dann muss ein Ersatz her. Die Ehefrau kann es nicht sein. (Das wäre übrigens Missbrauch! Eine Partnerin als Ersatz für Sinnleere. Gleichwohl kommt das durchaus bei Paaren häufiger vor.) Ein Idealer Ersatz für den kultivierten „Jünger“ sind antike Bücher und kostbare Weine. Man verzichtet zwar auf „Gott“ aber nicht auf etwas „Wertvolles“. „Wertvolle Bücher“ und „wertvoller Gott“ zeigen doch eine gewisse Verwandtschaft auf.
Wertvolle Bücher im Herzen, Reisen zu antiken Stätten der Welt mit „Exklusivführung“, Freundschaft mit Doktoren und Professoren, auf den Gästelisten der Industriellen stehen und Eintrittskarten ergattern zu seltenen Opernaufführungen – der Möglichkeiten gibt es viele, zu „göttlichen“ Erlebnissen zu kommen.
Das betrifft nicht nur die Mitglieder der Kurie, sondern jeden, der „existentielle Leere“ im Herzen erlebt. Eine päpstliche Lösung sähe ja ganz einfach aus. Lade Gott wieder in dein Herz ein, dann brauchst du nicht mehr den ganzen Schnickschnack. Wenn das mal so einfach wäre. Ich höre so manchen Kleriker und Normalmenschen sagen: „Habe ich doch schon versucht! Immer wieder!“
Was muss ich mir eigentlich unter „existentielle Leere im Herzen“ vorstellen? Vielleicht kann ich mich dem Bild ja einmal ohne Wertung und Vorwurf nähern. Mein Wort dafür heißt „Einsamkeit“. Das klingt dann nicht mehr so philosophisch und abstrakt. Kennst du diesen Zustand? Kannst du dir diesen Satz einmal sagen: „Ich bin einsam!“ Lass diesen Satz tief in dich einwirken. Was geschieht jetzt? „Das will ich nicht?“ – „Hilfe, das fühlt sich aber erschreckend an?“ – „Ja ich fühle es und es macht mich traurig?“ Vielleicht entsteht auch ein Gefühl von Leere. Kannst du zu dem, was da jetzt kommt, Ja sagen? Ein Ja zur Einsamkeit? Wenn du das kannst hast du einen großen Schritt gemacht in deiner Weiterentwicklung.
Ich glaube, dass wir Menschen zwischen zwei Polen leben. Wir sind „Viele“ und wir sind „Einsame“! Beide Vorstellungen sind manchmal erträglich, manchmal schrecklich und oft auch heilsam und friedvoll.
Wandeln wir das päpstliche Wort noch einmal um: „Geh mitten hinein in die existentielle Leere. Sie gehört zu dir wie auch die Fülle. Halte die Einsamkeit aus und heiße sie Willkommen. Vielleicht wartet an diesem Ort der fast unhörbare Hauch Gottes auf dich.“

Freitag, 13. März 2015

Papst Franziskus und die Schwächen in der Kurie: Abschied von der Trauermiene


In der langen Liste des Papstes der Kurie gegenüber taucht unter Punkt zwölf der Vorwurf auf, eine Trauermiene aufzusetzen: "Tatsächlich sind theatralischer Ernst und steriler
Pessimismus oft Symptome von Angst und Unsicherheit. Der Jünger muss höflich,
enthusiastisch und glücklich sein und Freude weitergeben, wo auch immer er hingeht".


Jemand mit einer Trauermiene macht einen bekümmerten Gesichtsausdruck. Das wäre wirklich nicht schön für Besucher und Gäste aus der weiten Welt, wenn sie ständig Trauermienen in den vatikanischen Fluren begegnen müssten.
Es sei denn! Es gäbe viele Gründe zur Trauer! Man denke an all diejenigen, die aus der Kirche ausgetreten sind, die wiederverheiratet Geschiedenen, die vielen anderen Konfessionen, Sekten und Religionen, Sünden der Kirchenmitglieder und die vergangenen Sünden der Kirche von Hexenverbrennung, Verfolgungen und Machtmissbrauch. Vielleicht lesen die vatikanischen Jünger ja die ausufernden Kirchenkritikbücher und trauen sich nicht mehr mit einem strahlenden Lächeln in die Öffentlichkeit zu gehen. Der Sünder glaubt, dass man ihm die Sünde ansieht. Das habe ich zumindest als Kind geglaubt wenn ich Süßigkeiten aus der Schublade stibitzt habe. „Gott sieht dem Sünder ins Herz. Der Kopf läuft rot an und der Blick neigt sich zu Boden.“
Der Papst versucht sich mit einem ersten Ansatz. Er erkennt Angst und Unsicherheit im theatralischen Ausdruck von Pessimismus. So fordert er Freude und Höflichkeit bis zum Enthusiasmus ein. Wenn das mal so einfach wäre! Einmal pusten und die Trauer verschwindet! Einmal tief Luft holen und die Freude einziehen lassen! Per Dekret und Verordnung!
Wenn ich einen solchen Satz in meinen Beratungen äußern würde hätte ich ein paar Tage später meine Entlassungspapiere in der Hand. Wenn die Trauer tief sitzt, dann braucht sie Raum und Zeit. Jesus mag das zwar gedacht haben, dass seine Jünger überall die Freude des Evangeliums hinbringen. Dazu muss der Jünger aber innerlich erlöst und befreit sein.
In der Regel ist ein Christ ja getauft, also befreit! Aber fühlt er sich auch so? Kann man die Gießkanne der Gnade einfach so über die Menschen ausschütten nach dem Motto: Der Liebe Gottes kannst du dich gar nicht widersetzen. Freude ist ansteckend! Sei mal locker! Du bist doch erlöst!
Wenn die Trauer tief sitzt, dann sitzt sie tief! Der Trauernde muss irgendwie aus seinem Loch. Wenn wir die vatikanischen Jünger einmal befragen dürften nach dem Grund ihrer Trauer - was würden sie wohl antworten?
Zugegeben: In meiner Zeit als Pfarrer hatte ich für sie kein Verständnis. Heute tut mir das Leid. Das sind auch Menschen! Ich habe mich nicht für sie interessiert! Ich hatte ja auch Angst, dass genau die mich im Visier hatten. Heute stelle ich fest: Ich habe sie dämonisiert. Ich! Niemand sonst! Es sind meine Bilder und meine Vorstellungen. Mein Papstwort für den heutigen Tag umgewandelt heißt: „Habe Verständnis für jeden Menschen in einer Trauersituation. Schenke ihm deine Aufmerksamkeit und Anteilnahme und begleite ihn aus seiner Grube so gut es geht.“

Donnerstag, 12. März 2015

Papst Franziskus und die Schächen in der römischen Kurie: Gleichgültigkeit gegenüber anderen


Papst Franziskus spricht in seiner elften Schwäche von der Gleichgültigkeit gegenüber anderen: "Wenn man aus Neid oder Heimtücke Freude daran findet, andere fallen zu sehen, statt ihnen aufzuhelfen und sie zu ermutigen".


Gleichgültigkeit hört sich ja irgendwie normal an. Viele Menschen sind heute gleichgültig. Es kümmert sie nicht, wenn es mit der Wirtschaft bergab geht, wenn die Arbeitslosenzahlen nicht sinken, wenn Nachbarn im Streit miteinander liegen. Ein echter Gleichgültiger kümmert sich einfach dann nur um sich und nicht um das Elend ringsum.
Jetzt spricht der Papst ja eigentlich gar nicht über die Gleichgültigkeit sondern über Niedertracht. Die vatikanischen Jünger finden Freude daran, wenn andere fallen. Er sieht in deren Herzen Neid und Heimtücke. Demnach wäre ein Besuch im Vatikan nahezu lebensgefährlich. Ich sollte meine älteste Hose anziehen, die teure Kamera in die Tiefen meines ärmlichen Rucksackes verstecken und höchstens mit einem trockenen Stück Brot das Gelände betreten. Wenn ich als Bettler erscheine erwecke ich keinen Neid.

Der Papst spricht hier aber eine sehr traurige Wirklichkeit an. Der Umgang mit dem Neid. Nicht nur in Rom, überall vergleichen die Menschen. Ich wuchs mit vier Geschwistern auf. Alle die gleiche Portion Quark in der Schüssel! Und wehe, die Schwester bekam einen Löffel mehr! Der „Neid“ lauerte an allen Ecken und Enden. Wer hat mehr Geld, wer bekommt mehr Zuwendung, wer hat mehr Freiheiten, wer muss früher und wer darf später ins Bett. Der Neid bekam jeden Tag seine Chance. Die Taufe allein verhindert keinen Neid. Auch Christen sind durchzogen von diesem zerstörerischen Lebensgefühl. Auch Jesus erlebte das häufig! So erzählte er von den Arbeiten im Weinberg, die am Abend alle den gleichen Lohn bekamen für unterschiedliche Leistungen.
Mit Kindern ins Ferienlager fahren könnte auch die Überschrift tragen: „Wie verhindere ich zwei Wochen Neid!“ Wir Menschen scheinen so gestrickt zu sein! Immer die Angst zu kurz zu kommen. Immer die Befürchtung übersehen zu werden. Immer aufpassen, dass die Zuwendungen auch bei mir Halt machen! Wenn die anderen fallen bleibt für mich mehr übrig. Als Christ und vatikanischer Jünger darf ich das aber nicht offen zeigen.
Was tun? Einübung in das radikale Vertrauen und einen veränderten Glaubenssatz. Nicht das Prinzip: „Jedem das Gleiche“ sondern „jedem nach seinem Bedürfnis“ und das auf der Grundlage: „Es ist genug für alle da!“
Mein Papstwort lautet darum ganz einfach: „Vertrau! Es ist mehr als genug für alle da! Gott ist Fülle!“ 

Mittwoch, 11. März 2015

vom Katschen und Tratschen



Mit freundlichem Dank an den Autor des Artikel Herrn Andreas Kaiser. Die Bistumszeitungen setzen einen Impuls für die Fastenzeit mit der Ansprache des Papstes Franziskus an die Kurie in Rom im Advent 2014. So tauche ich noch einmal in einem kirchlichen Blatt auf. Ganz schön!

Und hier der Link:
Der Artikel in der Bistumszeitung Osnabrück



Papst Franziskus und die Schwächen in der Kurie: Verehrung von Vorgesetzten


Bei der 10. Schwäche,  die Papst Franziskus bei der Kurie sieht handelt es sich um die Verehrung der Vorgesetzten. "Das ist die Krankheit jener, die ihre Vorgesetzten hofieren und dafür auf deren Wohlwollen hoffen. Sie sind Opfer des Karrierismus und des Opportunismus. Sie verehren Menschen, die nicht Gott sind".


Früh übt es sich auf der Karriereleiter! Ich erinnere mich an meine Seminarzeit. Da gab es Studenten, die oft und gerne beim Mittagessen am Tisch des Direktors saßen. Die bekamen es auch mit, wann einmal der Bischof zu Besuch da war und wurden prompt zu seinem Tischnachbarn. Diese Studenten gingen in den bischöflichen Gottesdienst, wurden bischöfliche Messdiener und kannten nach und nach alle wichtigen Persönlichkeiten an der Bistumsspitze.
Wenn der Bischof dann später einen zuverlässigen und ihm bekannten Menschen suchte für eine verantwortungsvolle und karrierefördernde Aufgabe dann hatte er natürlich jemanden im Blick, der schon mal bei ihm Messdiener war oder mit dem er schon einmal an einem Tisch gesessen hatte.
Wann fängt die Verehrung von Vorgesetzten an? Sage ich Herr Bischof? Oder sage ich Hochwürdigster Herr? Darf ich womöglich Herr Papst sagen oder Herr Franziskus? Da gibt es viele Möglichkeiten mit den Verehrungen anzufangen. Darfst du in der Kirche widersprechen oder ungehorsam sein? Wie viele Freiheiten erlaubst du dir?
Im sonstigen Wirtschaftsleben tauchen diese Fragen auch auf. Mir ist schon häufig aufgefallen, dass Menschen sich verändern sobald der Chef im Raum auftaucht. Wenn der Vorgesetzte erscheint wird der Angestellte zum Kind. „Hoffentlich habe ich nichts falsch gemacht!“ „Lass dich nicht erwischen!“ „Bloß nicht auffallen!“ Oder auch umgekehrt: „Jawohl Chef!“ „Sie haben Recht Chef!“ „Das mache ich gerne für Sie Chef!“ „Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“
Vielleicht möchte ein Vorgesetzter gar nicht „verehrt“ werden aber es entsteht oft ein Automatismus. Den „Sklaven“ sitzt die Unterwürfigkeit in den Genen. Schon als Kinder haben wir von unseren Eltern gehört: „Solange du die Füße unter meinem Tisch stellst...“ Kinder, die eine solche Erziehung verinnerlicht haben sind geradezu prädestiniert für ein Leben in der Verehrung von Vorgesetzen. Sei lieb zum Chef, dann geht es dir gut.
Doch auch hier gibt es wieder die Möglichkeit einer völlig anderen Sichtweise. Eine Stufe unter der Verehrung liegt die Achtung! Einen Menschen zu ehren, nicht zu verehren, sondern zu achten ist doch ein sehr hohes menschliches Gut. Der Angestellte muss also nur von seiner Verehrung zu einer Achtung kommen und diese Achtung auf alle Menschen ausweiten.
So könnten wir den heutigen Satz von Papst Franziskus umschreiben: „Bringe jedem Menschen Ehre, Achtung und Respekt entgegen und schau nicht, auf welcher Stufe der Karriereleiter dieser Mensch steht. Ein Bettler sei für dich wie ein König und ein König wie ein Bettler. Im Kern ist jeder ein von Gott geliebter Mensch.“ 

Dienstag, 10. März 2015

Papst Franziskus und die Schwächen in der Kurie: Der Terror des Geschwätzes


Am 22.12. 2014 hielt Papst Franziskus seine bekannte Rede vor der Kurie und benannte 15 Schwächen in Rom. Dazu zählt unter Punkt 9: "Der Terror des Geschwätzes". "Das ist die Krankheit von Feiglingen, die nicht den Mut haben, direkt zu sprechen, sondern nur hinter dem Rücken von Leuten".


Kanonenfeuer von Gehässigkeit und übelster Rede. Gerüchte auf allen Fluren und in allen Räumen des Vatikan. Heimlich und unheimlich! Zerstörerisch und zersetzend! Es muss sich nach den Erlebnissen des Papstes nicht um die eine oder andere Nickeligkeit handeln sondern um Abgründe, die sich auftun. Die Hölle befindet sich direkt unter dem Petersdom! Also machen wir uns mit Franziskus auf dem Weg und kommen einmal dem Geschwätz auf die Schliche. 
"Hast du schon gehört?" Wenn dich jemand mit diesem Satz anspricht, dann werde aufmerksam. Mit diesem Satz beginnt der Klatsch und Tratsch und Gerüchte werden in die Welt gesetzt. Klatsch und Tratsch sind der Name für zwei Personen, die fortlaufend miteinander im Gespräch sind.
Klatsch und Tratsch existieren unabhängig von dir. Sie gleichen Geistern, die sich ständig neue Opfer suchen. Sie haften sich Personen an, die empfänglich dafür sind. Klatsch und Tratsch können ihre Opfer riechen.
Bist du Klatsch und Tratsch gefährdet? Spürst du manmal, wie sich diese Energien dir nähern und versuchen, von dir Besitz zu ergreifen? Hier findest du einige Hinweise für dein persönliches Gefährdungspotential. Der Einfachheit halber taufe ich dieses Phänomen "Klatra". Empfindest du dein Leben als langweilig und eintönig? Gibt es wenig Abwechslung und deine Bedürfnisse nach neuen Erfahrungen werden nicht erfüllt? "Klatra" liebt dein inneres Brachland und pflanzt sich mitten in deinem Herzen ein.
Fühlst du dich vernachlässigt oder so gar nicht beachtet von deiner Familie? Wirst du zu wenig angesprochen und mit einbezogen in wichtige familiären Angelegenheiten? "Klatra" gibt dir die Bedeutung, die du dir wünschst. "Klatra" setzt dich an die erste Stelle und macht dich zu einem König und einer Königin!
Verdienst du zu wenig Geld? Hättest du gerne eine besser bezahlte Stellung? Vergleichst du dein Bankkonto mit dem anderer Menschen? Ist dir das Gefühl von Neid vertraut? "Klatra" liebt den Neid und kennt genau die Einfallstore für dieses Gefühl in deinem Kopf und in deiner Seele. "Klatra" macht sich bemerkbar mit Flüstersätzen genau mitten ins Ohr wie: "Du hast besseres verdient!" "Die oder der ist ein Betrüger!" "Der gehört ins Gefängnis!"
Bist du unzufrieden mit deinem Körper? Zu dick oder zu dünn und die zu vielen Kilo auch noch an der falschen Stelle? "Klatra" mag es besonders, wenn in einer Zeitschrift ein Promi abgeschmiert wird. Da säuselt wieder die Stimme in deinem Ohr: "Schau an, so gehts, wenn man die Nase so hoch hält! Ich habe das schon lange geahnt oder vorhergesehen..."
Kennst du das Gefühl von innerer Leere? Du befindest dich in einer seelischen Wüste? Zugleich möchtest du gerne ein Teil einer Gemeinschaft sein? Auch mit diesem Zustand ist "Klatra" sehr vertraut. Immer, wenn du folgenden Satz hörst, sei wachsam. "Das muss ich gleich ... erzählen!" Der Wunsch der Weitergabe ist die Energiequelle von "Klatra". Wenn du nichts weitergibst bedeutet das den der Tod von "Klatra".
Du bemerkst an dieser Stelle vielleicht eine gewisse Scheu und Zurückhaltung in meinen Gedanken. Ich habe "Klatra" bislang keinem Geschlecht zugeordnet. "Klatra" ist ja eigentlich die Zusammensetzung von "der Klatsch" und "der Tratsch".  Du könntest eine geballte Verdoppelung von Männlichkeit darin vermuten. Ich denke, "Klatra" ist sowohl männlich als auch weiblich oder weder/noch und sowohl/als auch. "Klatra" tarnt sich. Das ist wieder so eine Spezialität. "Klatra" passt sich dem Geschlecht wie ein Chamäleon an.
Wie hältsst du dir "Klatra" vom Leib? Entwickel ein gutes Verhältnis zu deiner Persönlichkeit. Pflege freundliche Kontakte zu dir selbst, zu deinen Freunden und zu allen Geschöpfen. Sei zufrieden mit deinem Leben und vertraue in einer Krise auf eine positive Wendung.
Hat "Klatra" einmal Besitz von dir ergriffen wirst du diese Energie nur schwer los. Wie bei einer Sucht braucht es da eine klare Strategie. Meide jede Situation, in der Klatsch und Tratsch auftreten könnten. Und wenn du hörst, dass schlecht über jemanden gesprochen wird, dann lobe ihn in den höchsten Tönen. Du schaffst dadurch ein gutes Gegengewicht zu den negativen Energien im Raum. Vor allem sei wachsam wenn du hörst: Hast du schon gehört ...
www.matthias-koenning.de 

Montag, 9. März 2015

Papst Franziskus und die Schwächen der Kurie: Wege aus der existentiellen Schizophrenie


Papst Franziskus hat ein wachsames Auge auf seine Kurie gerichtet. 15 Schwächen macht er fest. Unter Punkt 8 erkennt er das Leiden an "existenzieller Schizophrenie": "Es ist die Krankheit jener, die ein Doppelleben führen. Ein Resultat der Scheinheiligkeit, die typisch ist für mittelmäßige und fortgeschrittene spirituelle Leere, die auch akademische Titel nicht füllen können. Es ist eine Krankheit, an der oft die leiden, die den Priesterdienst aufgegeben haben und sich auf bürokratische Aufgaben beschränken und dadurch den Kontakt mit der Realität und echten Menschen verlieren".

Ich vermute einmal, dass Franziskus nicht von der psychiatrischen Diagnose der Schizophrenie spricht sondern als Kenner des Griechischen eine philosophische und theologische Sicht entwickelt. Vielleicht denkt er dass bei einer „existentiellen Schizophrenie“,  „Geist, Seele und Gemüt“ abgespalten sind vom Rest der Persönlichkeit, und das nicht vorübergehendend sondern dauerhaft und tiefgreifend. Wenn also Geist und Seele aus einem Menschen ausziehen dann bleibt nur noch eine leere Hülle übrig. Wenn ein Mensch seine Seele verliert, aber das nicht zeigen möchte, umgibt er sich mit einem Ersatz. Wenn schon nicht fromm, dann wenigstens einen akademischen Titel. Wenn schon keine pastorale Arbeit, dann wenigstens einen gewichtigen Schreibtisch.
Wenn also in der Kurie ein akademischer Schreibtischbeamter sitzt, der sein Herz nicht mehr bei den Sorgen der Menschen hat, führt das zwangsläufig zu einem scheinheiligen Doppelleben.  Über kurz oder lang erstickt eine Behörde in Bürokratismus, Wichtigtuerei und Menschenverachtung. Den Kerngedanken und die Wurzel dieser Krankheit sieht Franziskus in der „spirituellen Leere“.
Blicken wir doch einmal auf das eigene Leben. Im weltlichen Leben übertragen geht es bei der „existentiellen Schizophrenie“ um das Phänomen von „Burnout“. Am Beginn steht ein übergroßes Engagement für eine Sache. Du setzt dich voll ein für deine Firma und vernachlässigst nach und nach andere wichtige Lebensbereiche wie Familie, Freunde und die eigene Erholung. Das Hamsterrad setzt sich in Bewegung und kommt nicht mehr zum Halten. Am Ende bist du ausgebrannt. Dabei handelt es sich um eine „gefühlte Leere“.
Jeder, der sich mit großem Eifer und intensiver Leidenschaft engagiert ist potentiell gefährdet innerhalb und außerhalb der Kirche! Nach und nach zieht sich sozusagen die Freude, die seelische Mitte, der Sinn zurück.
Es kann also gut sein, dass es in der Kurie ganz viele sehr überzeugte und engagierte Mitarbeiter gibt, die aber im Laufe ihrer Dienstjahre den Sinn und die Freude verloren haben. Was tun? Wäre es möglich, alle Büros dort für ein paar Monate zu schließen und ein Praktikum zu machen irgendwo in einer Pfarrgemeinde, einer sozialen Einrichtung oder einem der weltweiten Slums nach dem Motto: „Wir suchen erneut den Sinn unseres Lebens!“ Dann ginge es nicht um eine moralische Verurteilung von Scheinheiligkeit, sondern um das Angebot für einen therapeutischen Weg.
Meine Papstwortalternative für heute: „Wenn du immer gut mit deiner Mitte verbunden bist und auf ein Leben in Balance achtest verhinderst du Burnout und existentielle Schizophrenie.“