Freitag, 31. August 2018

Ansichten eines Sinnverleihers


Darf ich dir meinen Sinn verleihen?
Ich meine nicht meine Sinne. Auch nicht die Mehrzahl.
Deine Sinne gehören dir und meine zu mir.
Ich brauche sie jede Stunde meines Lebens.
Sehen, hören, riechen, schmecken, tasten.
Mit dem sechsten und/oder siebten Sinn finde ich manchmal sogar Sinn.

Darf ich dir meinen Sinn verleihen?
Den richtigen Sinn.
Den Sinn meines Daseins auf dieser Welt.
Darf ich dir meinen Sinn verleihen oder hast du schon einen eigenen?
Herzlichen Glückwunsch!
Vielleicht besitzt du sogar viel Sinn.
Einen richtig fetten.
Vielleicht bist du Lebensretter oder Architekt.
Oder du bist Mutter und das lebenslang.

Oder lebst du den Sinn eines anderen?
Den Sinn deiner Mutter, deines Vaters.
Den Sinn deiner Ahnen.
Den Sinn eines Politikers oder Heiligen.

Hast du dir schon mal Sinn ausgeliehen?
Wenn du mal keinen Sinn im Leben siehst?
Du gehst zum Papst und fragst ihn:
"Leih mir doch mal deinen Sinn!"
Und wenn er das täte, wie würde es dir dann gehen?
Wärest du dann erleuchtet?
Du hättest ja den Sinn des Papstes!

Wenn du den Sinn des Papstes hättest, dann wäre sein Sinn immer noch nur eine Leihgabe.
Es könnte sein, dass sein Sinn bei dir gar nicht funktioniert.
Es ist halt der Sinn des Papstes!
Vielleicht gibt es aber auch eine Explosion.
Die katapultiert dich direkt in den Himmel.
Hör mal! Mit dem Sinn des Papstes?!

Möchtest du mal meinen Sinn ausprobieren?
Du fragst, was mein Sinn ist?
Ob sich das für dich lohnt?
Einer meiner Sinne heißt: Weiterentwicklung.
Ein anderer heißt: Einüben in Selbstfreundlichkeit.

Selbstfreundlichkeit macht total viel Sinn und ist ein lebenslanges Geschäft.
Möchtest du mal für einen Moment meine Selbstfreundlichkeit ausleihen?
Oder lieber doch deine eigene finden!
Vielleicht besitzt du sie schon. Aber hast sie noch nicht bewusst in den Blick genommen.
Dann mal los!
Der Sinn meines Lebens besteht zur Zeit darin, mich in Selbstfreundlichkeit einzuüben.

Die Vögel brauchen das nicht zu üben. Die können das einfach so.
Viele indigenen Völker auch.
Und du? Worin besteht dein augenblicklicher Sinn?
Vielleicht bist du einfach da - und glücklich!
Dann brauchst du keinen Sinn ausleihen.
Das wäre überflüssig wie Fußpilz!
Aber wenn du nicht weiterkommst, dann helfe ich dir gerne!
Melde dich dann mal!

www.matthias-koenning.de

Donnerstag, 30. August 2018

Das Leben geht weiter auch wenn's humpelt

Sei stets motiviert!
Geh aufrecht!
Nimm das Leben im Sturm!
Sei gut drauf!
Immer!

Wir leben in einer Welt der Superlative. Alle muss immer wunderbar und supertoll sein. Auf die Dauer wird das ganz schön anstrengend. Die Welt funktioniert nicht immer nach diesen Gesetzen. Du hast wunderbare sonnige und erfüllte Tage. Dafür darfst du dankbar sein.
Zugleich musst du aber auch so manche Pille schlucken. Du wirst krank. Eine Freundschaft kommt in die Krise. Deine Beziehung erleidet Schiffbruch. Dein Arbeitsplatz ist bedroht. Du fühlst dich gestresst. Diese Erfahrungen gehören zum Leben auch dazu. Du wirst es nicht mögen. Aber an diesen Erfahungen darfst du wachsen und reifen.
Hast du den Anspruch, dass du immer elegant durch das Leben schreiten musst? Oder gibst du dir dir Erlaubnis, humpeln zu dürfen? Darfst du beim Humpeln gesehen werden? Schämst du dich dafür, dass es alle sehen können? Du humpelst! Na und? Du könntest auch liegen bleiben. Du könntest dich verstecken. Dich zurückziehen und erst wiederkommen, wenn alles wieder heile ist. Das kannst du machen. Du hast die Freiheit.
Wenn jemand zu mir in die Beratung kommt, dann kann schon mal eine Träne fließen. Leider zerfließt damit auch das sorgfältig geschminkte Gesicht. Es kommt zum Vorschein, was darunter liegt. Unter dem schönen Schein! Wer will schon so aufgelöst durch das Leben gehen. Da ist Humpeln noch besser! Hauptsache, das Gesicht wahren!
Ich sehe die Tränen. Den Schmerz. Die Trauer. Und es tut gut, wenn das alles mal rauskommen darf. Du verlierst dadurch nicht an Würde und Wert. Es humpelt vielleicht. Aber du kannst mit Würde humpeln. Mit einem zerflossenen Gesicht. Irgendwann geht ein Ruck durch deinen Körper. "So, jetzt ist es raus!" - "Ich muss mich nicht mehr verstecken und ich stehe zu mir. Das bin ich! So ist es und Punkt!"
www.matthias-koenning.de

Mittwoch, 29. August 2018

Ein offenes Ohr für die stillen Katastrophen!


In den Medien erscheinen ständig die lauten Katastrophen. Kriege, Konflikte, Flüchtlingsströme in Europa. Lautstarke Auseinandersetzungen um den richtigen Weg in der Politik.
Diese Medienberichte nerven mich zunehmend. Es geht immer um die, die sich lautstark bemerkbar machen können.
Ich möchte hinweisen auf die stillen Katastrophen. Von denen spricht kaum jemand. Da muss ich lange im Internet suchen, bis ich Informationen dazu finde. Die öffentlichen Medien ersparen sich diese. Ich spreche von den vielen Millionen, die nicht genug zum Leben haben, die verhungern. Ich spreche von der ungerechten Verteilung des Wassers und der Vorstellung, Rechte darauf erwerben zu können. Ich spreche von den indigenen Völkern, denen man immer noch das Land stiehlt. Ich spreche von den Menschen, die jeden Tag mehrere Jobs bedienen und dennoch ihre Familien nicht ernähren können. Ich spreche von der zunehmenden Zubetonierung unseres Planeten. Ich spreche von den überflüssigen Konsumgütern und den Nahrungsmitteln, die wir wegwerfen. Ich spreche davon, dass wir in unserer aufgeklärten und superzivilisierten Gesellschaft es nicht hinbekommen, die Güter der Welt gerechter zu verteilen. Ich spreche von den Kindern, die vom Elternhaus und vom sozialen Umfeld her zu wenig Möglichkeiten erhalten, sich persönlich entfalten zu können. Ich spreche von all den Katastrophen, die nicht medienkonform sind. Vielleicht bedrohen diese unseren Planeten viel mehr als die "lauten" Katastrophen, über die jeder spricht und über die jeder noch wieder etwas besseres weiß. Im alten Rom hat mit mit Brot und Spielen die Bevölkerung von den eigentlichen Problemen abgelenkt! Was sind heute Brot und Spiele?
Und mich erschreckt, dass ich von vielen stillen Katastrophen nichts weiß! Sie ereignen sich und niemand hat eine Ahnung davon. Ich werde mal meine Antennen ausfahren. Meine Augen und mein Herz sensibilisieren! Das Spiel ist übrigens vertraut. Schon in der Schule wurden die stillen Kinder nicht bemerkt. Sie rutschten irgendwie dadurch. Die stillen und so wertvollen Kinder, die etwas mehr Beachtung und Aufmerksamkeit verdient hätten, weil auch sie Menschen sind.
www.matthias-koenning.de

Dienstag, 28. August 2018

Darf ich dich verführen?


In einem Bekleidungsgeschäft in Wien gab es einen riesigen Andrang. Ich schaute hinein und wunderte mich über all die vielen Menschen auf engem Raum. Das machte mich neugierig und ich betrat den Laden. Die Kleidung fand ich weder außergewöhnlich noch günstig.
Aber mir fiel der Spruch an der Wand auf: "Wenn Sie mögen was Sie hier sehen, werden Sie lieben was Sie oben erwartet." Vielleicht sollte ich motiviert werden, auch in das obere Stockwerk zu gehen. Ich soll auf keinen Fall das Geschäft verlassen ohne alles gesehen zu haben. Außerdem wird es eine Steigerung geben. Wie bei einer Fernseh-Show. Das Leben läuft auf einen Höhepunkt zu. Die Karten werden erst nach und nach offengelegt. Ich zeige nicht sofort alles, was ich habe. Im ersten Stock werde ich mögen was ich sehe. Aber im zweiten Stock wird das Mögen zum Lieben. Das ist ein Versprechen. Da gibt es eine Verheißung! Ich werde verlockt!
Ich bin natürlich nach oben gegangen. Ich wollte wissen, was sich dort befand. Leider wurde ich ernüchtert. Gleiches Konzept, ähnliche Kleidung! Für bestimmte Kundinnen aber bestimmt das Paradies.
Eigentlich ging es mir nur um das Muster. Das kommt mir so vertraut vor. Ich komme als Mensch auf diese Welt und staune. Ich mag, was ich sehe! Die Sonne, die Berge, das Meer, die Tiere und die Menschen! Ich mag wirklich ganz viel von dem, was ich sehe! Ich bin ganz oft sogar begeistert! Jetzt stelle ich mir ein Spruchband vor das am Himmel erscheint. Drauf steht: "Wenn Sie mögen, was Sie hier sehen, werden Sie lieben was Sie oben erwartet!" Das könnte mir doch große Lust auf den Himmel machen oder auf das Leben nach diesem Leben. Ich mag das Leben auf dieser Welt. Wenn ich das Leben hier und jetzt mag, dann werde ich das Leben nach dem Leben auch mögen. Das Leben jetzt scheint nur ein Vorgeschmack zu sein auf die Zukunft!
Der Koch bringt mir eine kleine Kostprobe seiner Kunst. "Nur mal zum probieren!" Ich weiß schon! Wenn mir diese kleine Probe schmeckt, wie wird mir dann das ganze Menü schmecken? Paradiesisch!
Der Spruch an der Wand sagt mir: Das Leben ist eine einzige Verlockung. Immer gibt es etwas, das dich einlädt! Es gibt immer etwas Interessantes zu sehen, zu hören, zu fühlen und zu spüren. Was wird mich noch heute erwarten?!
www.matthias-koenning.de

Montag, 27. August 2018

Wow, du bist ein Einzelstück!


Immer wieder finde ich sie: Die Einzelstücke! Dieser Pullover ist ein Einzelstück. Er wurde nur einmal hergestellt. Diese Skulptur ist auch ein Einzelstück!
Auf Weihnachts- oder Handwerksmärkten finde ich Stände mit lauter Einzelstücken. Jeder Kuchen, den ich backe, ist ein Einzelstück. Einzelstücke heben sich aus der Masse des Gewöhnlichen hervor. Da steckt ein unglaublicher Reichtum drin! Eine kreative Idee. Sorgfalt. Zeit. Geduld. Kompetenz. Inspiration. Handwerkliches Geschick. Gedanken. Ideen. Schweiß. Ärger. Widrigkeiten. Freude. Liebe. Ganz viel von der Persönlichkeit des Schöpfenden.
Im Einzelstück offenbart sich der Schöpfer, die Schöpferin! Jedes Einzelstück ist ein Hinweis darauf, dass die Massenwaren uns noch nicht völlig überflutet haben. Jedes Einzelstück gibt ein Zeugnis von Einmaligkeit, Unverwechselbarkeit und Originalität.
Mehr noch als jeder Schrank, jede Skulptur, jeder Kuchen und jedes Bastelstück. Mehr noch als jedes Haus und jedes Kleidungsstück oder sonst von Menschen geschaffenes Objekt bist du ein Einzelstück. Du bist ein Einzelstück in hoher Potenz. In einer anderen Dimension. Nicht von Menschenhand gestrickt, aber dennoch mit Idee und unglaublicher Präzision. Du bist ein unglaubliches Einzelstück.
Wenn nicht schon Eines an meiner Seite wäre, das mein Leben ausfüllt, würde ich dich wählen. Weil auch du ein so kostbares Einzelstück bist. Für dich ließe ich alle meine "materiellen Einzelstücke" liegen und stehen. Sie kommen mir bedeutungslos vor, wenn ich dich anschaue. Du Einzelstück! Du geheimnisvolles Etwas! Du Unbegreifliches! Du Wunder! Du Wundervolles!
Und? empfindest du dich aus so? Oder liebst du deinen "einmaligen Strickpullover" mehr als dich selbst! Du und ich, wir sind beide unglaubliche Einzelstücke! Happy day!
www.matthias-koenning.de

Samstag, 25. August 2018

Du bist einfach ganz besonders!

Du bist wunderbar! Wie wunderbar!
Hat dir jemand mal gesagt, dass du wunderbar bist? Dein Kind, deine Eltern, dein Mann oder deine Frau, deine Freundin oder dein Freund? Also, du bist wunderbar! Du bist wirklich einfach ganz besonders. Du bist toll! Du bist außergewöhnlich! Du bist großartig!
Hältst du es noch aus oder hörst du auf zu lesen. Kommt bei dir jetzt ein "Ja"! "Ich bin wunderbar! Wie schön!" Oder kommt eher eine Reaktion wie: "Na ja, vielleicht manchmal! Eher aber nicht! Das ist doch übertrieben! Da kommen mir gleich meine Fehler und Einschränkungen in den Sinn. Das meinst du doch nicht wirklich. Außerdem kennst du mich ja gar nicht. Du weißt nicht, wer hier diesen Text liest. Wenn du mich wirklich kennen würdest. Wenn du wüsstest, wie schlecht gelaunt ich oft bin. Wenn du wüsstest, wie oft ich meine Freundinnen und Freunde vernachlässige! Wenn du wüsstest, wie oft ich eine Maske trage um meine Traurigkeit zu verbergen. Wenn du das wüsstest und noch viel mehr, dann könntest du das nicht mehr sagen."
Ein Teil in dir wünscht sich dennoch diese Bestätigung. Du bist wunderbar! Davon lebst du, Das richtet dich auf und macht dich ein paar Zentimeter größer. Und ein anderer Teil will es nicht hören. Kann es kaum aushalten. Ist es nicht gewöhnt. Im Alltag hörst du eher deine Defizite. Das hast du nicht richtig gemacht. Dies könntest du noch verbessern. Trotzdem: Du bist wunderbar!
In einem Seminar hatte eine Teilnehmerin eine Differenz mit dem Seminarleiter. Da kam ein Gefühl von Ärger hoch. Der Ärger bewirkte zunächst eine Trennung. "Der Seminarleiter ist blöd. Der ist ja sooo klug! Dieser Besserwisser! Ich fand ihn mal richtig gut und ich mochte ihn. Jetzt zeigt er aber sein wahres Gesicht. Er kann nichts anderes neben sich gelten lassen. Ist halt ein Sonnenkönig! Ein Superguru!" Daraufhin sprach der Seminarleiter diese Teilnehmerin an so ungefähr mit den Worten: "Da merke ich jetzt Ärger. Ich bin trotzdem mit dir in Verbindung. Spürst du das? Merkst du, dass ich bei dir bin und dich mag ganz unabhängig davon, ob da jetzt eine Meinungsdifferenz da ist oder ein Ärger! Spür einmal nach!" Da wachte die Teilnehmerin auf und ihr wurde klar, dass das Gefühl von Trennung nicht nötig ist. Sie konnte wieder in Verbindung gehen. Mir hat das sehr gefallen. Denn es hat einen Unterschied gemacht zu sonstigen Erfahrungen.
Wenn wir uns über jemanden ärgern gehen wir in der Regel in die Trennung. Wir wollen mit dieser Person nichts mehr zu tun haben. Wir wenden uns ab. Kannst du dir vorstellen, dass du zugleich den Ärger spürst, aber dich nicht trennst sondern in Verbindung bleibst? "Ich ärgere mich jetzt. Aber du wirst es nicht schaffen, dass ich mich von dir trenne. Ich kann immer noch das Wunderbare in dir wahrnehmen und freue mich, dass ich etwas davon bekomme!"
Also noch einmal. Du bist wunderbar! Trotz und jenseits aller Defizite und Mängel. Du bist einfach ganz besonders. Dafür musst du nichts tun! Gar nichts!
www.matthias-koenning.de

Freitag, 24. August 2018

Nimm deinen Platz ein und dehne dich aus!



Ich atme ein und ich atme aus. Im Winter zieht sich die Natur zurück und im Frühling kehrt sie wieder. In der Nacht ziehe ich mich in mein Bett zurück und kuschle mich in meine Decke ein. Ich ziehe mich zusammen, damit ich mich gut geschützt fühle. Aber am Morgen, wenn ich aufwache, dann dehne und strecke ich mich. Ich kehre ins bewusste Leben zurück.
Mein ganzes Leben kann ich verstehen als einen Wechsel von Zusammenziehen und wieder Ausdehnen. So, wie das Herz pulsiert, lebe ich dabei meinen ganz eigenen Rhythmus. Ich gehe unter die Menschen als soziales Wesen und genieße den lebenswichtigen Kontakt. Ich ziehe mich wieder zurück und bin mit mir selbst allein. Sicherlich hat jeder Mensch ganz eigene Bedürfnisse und einen unterschiedlichen Rhythmus.  
Wenn alles fließt, dann empfinde ich diesen Wechsel als ganz natürlich, sinnvoll und kraftgebend. Ich befinde mich in einer Balance von selbst gewähltem Rückzug und gewünschten sozialen Kontakten. Leider befinden wir uns Menschen nicht immer in dieser Balance. Es fühlt sich immer wieder mal unausgewogen an.
Manchmal betrete ich einen Raum und es zieht sich etwas in mir zusammen. Es wird eng und ich spüre die Kontraktionen. Zu viele Menschen, dicke oder schlechte Luft, Aggressivität, fehlendes Licht. Ich fühle mich nicht gesehen und nicht willkommen. Mein Körper signalisiert: Alarm! Schnell weg von hier!
Oder ich treffe einen Menschen, der mir sehr nahe kommt. Zu nahe. So nahe, dass mir nichts anderes übrigbleibt als mich innerlich zurückzuziehen. Auch hier habe ich wieder das Bedürfnis, möglichst schnell diesen Ort der Enge zu verlassen.
Ich beobachte auch, dass ich nicht das tue was mir gut tut, sondern das, was schädlich für mich ist. Ich gehe hinein in den Raum mit der „dicken“ Luft und halte es aus. „Stell dich nicht so an!“ lautet meine Devise. Vielleicht entspannt es sich ja noch. Vielleicht geschieht ein Wunder. Zur Not kann ich immer noch wieder gehen.
Oder ich nehme wahr, dass mir ein Mensch zu nahe kommt und ich schweige wiederum. Ich möchte ihn nicht verletzen oder zurückweisen. Ich könnte ja sagen: „Bitte geh doch einen Schritt zurück. Das ist mir zu nahe.“ Ich will ja schließlich diesen netten Menschen nicht kränken. Das Ergebnis jedoch ist, dass ich diese erdrückende Nähe aushalten und ertragen muss. Ich übergehe meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Ich stelle mich hinten an.
Das richtige Verhältnis von Nähe und Distanz sieht für jeden Menschen unterschiedlich aus. Wie viel Zeit hättest du gerne für dich alleine wenn du nur für dich entscheiden dürftest. Ohne mal an deine Familie zu denken.  Aber du erlaubst es dir nicht? Aus falscher Rücksicht? Ich will ein guter Ehemann sein, eine perfekte Mutter, ein...
Vielleicht hast du aber auch von dem Rückzug zu viell. Du verbringst zu wenig Zeit in der Nähe mit denen, die du magst. Möchtest du gerne mehr und intensiveren Kontakt als dein Gegenüber? Bist du dir dessen bewusst?
Oder umgekehrt drängst du dich vielleicht unbewusst auf? Hat dir schon mal jemand gesagt: „Du, du kommst mir zu nahe. Das nimmt mir echt die Luft weg.“ Du könntest dich ja mal selber beobachten bei deinen sozialen Interaktionen.
Meine Wahrnehmung geht dahin, dass sich das nicht immer von selbst reguliert. Besser ist es, seine Wünsche und Bedürfnisse zu kommunizieren. Niemand schaut in meinen Kopf und niemand kennt die Regungen meines Herzens. Ich sorge also gut für mich und übernehme die Verantwortung für mich, auch wenn ich mal zurückgewiesen werde oder ich es für andere eng mache.
Eines steht fest: Jedes Lebewesen braucht Platz und möchte sich ausdehnen. Im Garten werden sich jetzt im Frühling die Pflanzen ausdehnen. Da gibt es die Starken und Prächtigen. Sie fragen nicht einmal, ob sie dürfen und geben keinen Kommentar dazu. Sie dehnen sich einfach aus und beanspruchen ihren Raum. Und es ist ihnen völlig egal, ob die kleinen Blümchen noch Sonne und Wasser bekommen. Viele Pflanzen finden zum Glück ihre Nische und behaupten sich trotz der Großen und Starken. Oder sie hängen sich einfach dran wie es der Efeu macht.
Bei Menschen erlebe ich das auch so. Da gibt es diejenigen, die den Raum beherrschen, wo auch immer sie auftauchen. „Platz da! Hier bin ich!“ Gehörst du auch zu den Königen und Königinnen, die einen automatischen Rechtsanspruch auf ein Weltreich haben? Oder gehörst du eher zu denen, die schauen, ob es irgendwo ein kleines Plätzchen gibt, wo es sich einigermaßen ruhig überleben lässt.
Mit der Fastenzeit verbinden viele Menschen die Vorstellung, sich zurückzunehmen. Verzichten, sich klein machen und sich beschränken heißt die Devise. Asche auf dein Haupt! Entschuldigung, dass ich da bin!
Wenn du das schon viele Jahre erfolgreich gemacht hast, dann könntest du ja mal in diesen Wochen das andere Ende des Pendels ausprobieren. Das Gegenteil sozusagen. Dehne dich aus. Nimm deine Schultern zurück und hebe den Kopf an. Schaue deine Mitmenschen auf Augenhöhe an und lächle ihnen zu. Lass alle wissen: „Hier bin ich! Ich nehme diesen Raum hier ein und genieße es!“ Geh in ein Zugabteil und besetze mal einfach deinen Nachbarsitz mit oder sogar noch die Plätze gegenüber. Warum nicht vier auf einmal? Geh durch die Fußgängerzone und lass dich nicht von den Menschenmassen beeindrucken. Da, wo du stehst, steht niemand sonst. Unter Tausenden von Menschen bist du einmalig!
Besuche eine deiner sozialen Gruppen wie Familie, Freunde oder Vereine und schaue alle strahlend an. Du bist ein König und du bist eine Königin. Die Bühne gehört dir. Du musst diese Ideen nicht praktisch umsetzen, aber du kannst sie denken und fühlen. Du wirst merken, wie ein Ruck durch deinen Körper geht. Du ziehst dich nicht zusammen. Du dehnst dich aus.
Die Ausdehnung beginnt im Herzen und im Denken. Manchmal erlebe ich es bei Ehepaaren, dass sich einer aus Rücksicht immer zurückhält. „Mein Mann ist ja so krank. Er ist so beansprucht in seinem Job.“ - „Meine Frau kann ja nicht so, wie sie will. Ihr geht alles immer so zu Herzen.“ Es ist nicht nötig, so zu denken. Das macht mein Gegenüber klein. So kommt es in der Partnerschaft schnell zu einem Oben und Unten und die Liebe auf Augenhöhe geht verloren. 
Also dehne dich aus und nimm deinen Platz ein!
www.matthias-koenning.de 

Donnerstag, 23. August 2018


Sonne für die Seele! 

Von Rose Ausländer stammt folgendes Gedicht:

der garten
öffnet seine rosen

sie duften sich
sonnenworte zu

nur liebespaare
fangen sie auf
und grüssen zurück
in der rosensprache

rosen antworten rot
mit herzlichem duft

duftworte
die sich liebkosen

In einem anderen ihrer Gedichte heißt es so oder ähnlich:


Ich wohne in einer Stadt aus Sonne und Schnee
Der König ist ein Bettler.
Seine Nahrung ist Schnee.

Ich schenke ihm Sonnenworte
Vielleicht kann er sich Brot dafür kaufen.

Mir gefällt die Idee mit den Sonnenworten. Rosen duften sich Sonnenworte zu. Von Sonnenworten können Bettler leben.
Verschenkst du gerne Sonnenworte? Bekommst du viele Sonnenworte? Welche gefallen dir besonders gut? Du kannst sie gerne hier im Kommentar veröffentlichen. Einfach hier unten in das Feld reinschreiben. Ein paar schöne Sonnenworte für alle, die hier lesen.
www.matthias-koenning.de


Mittwoch, 22. August 2018

Schuhe sind Rudeltiere!

Ein Schuh allein macht keinen Sinn. Ich habe zwei Füße und brauche darum auch zwei Schuhe. Einen für den linken Fuß und einen für den rechten. Klar, ist die Werbung durchschaubar. Mit einem Augenzwinkern wird die Solidarität unter den Frauen hergestellt. Das Bild von einem Schrank voller Schuhe. Ein ganzes Rudel. Nicht nur zwei oder drei überschaubare Paare. Eine ganze Herde. Je mehr, desto lebendiger. Ein lebendiges und quirliges Rudel. Eben auch sehr unterschiedliche Paare.
Vor allem hat die kaufende Besitzerin ja nichts damit zu tun. Es geht nicht um ihre mögliche "Sucht", sondern um das Bedürfnis der Schuhe. Die Schuhe selbst tragen die Schuld Schuhe sind in ihrem Wesen Rudeltiere. Ich trage die Verantwortung dafür, dass das Rudel auch ein Rudel bleibt.
Dann muss frau auch kein schlechtes Gewissen mehr haben. Für viele Männer gilt das bestimmt auch. Ich rede von "frau" wegen der Schuhe auf dem Plakat.
Aber eigentlich geht es mir gar nicht um Schuhe in diesem Beitrag. Es geht mir um die Rudelwesen. Wir Menschen sind zutiefst Rudelwesen! Ich komme ohne andere Menschen nicht aus. Wie schrecklich, wenn ich der einzige Mensch auf dieser Erde wäre. Die anderen Menschenwesen in meinem Rudel finde ich nicht immer nett. Manche davon sind nur schwer auszuhalten. Und ich mag es sehr, auch mal ganz für mich alleine zu sein. Ich weiß ja, dass ich im Hintergrund ein Rudel habe. Ich gehöre dazu! Ich reihe mich gerne ein im Rudel der Facebookfreunde, der Autofahrer, der Supermarkt-Einkaufswagenschieber, der Arbeitnehmer, der Urlauber, der Männer und Frauen, der Menschen überhaupt! Also gut: Schuhe sind Rudeltiere - Menschen noch viel mehr!
www.matthias-koenning.de

Dienstag, 21. August 2018

Die inneren Werte!

In der Fußgängerzone fand ich dieses Plakat mit einer Kosmetikwerbung und dem Hinweis auf die inneren Werte. Ich kenne diese Firma bislang nicht. Sie wirbt mit Nachhaltigkeit, Fairness, Natürlichkeit. Wenn es einen Trend von billig, Chemie und wegwerfen gibt, entsteht auch ein Gegentrend.
Es kommt auf die inneren Werte an. Damit wirbt diese Firma. Ein alter Slogan. Wer spricht heute denn schon noch über innere Werte! Dabei ist doch das Äußere heute überall wichtig! Trendy sein! Spaß haben! Das Leben genießen!
Kann es sein, dass diese lockere Lebenseinstellung dem Ende entgegengeht? Wer sich ständig in den Äußerlichkeiten aufhält wird irgendwann leer werden. Die inneren Werte sind eben doch "Werte". Wertvoll! Doch über welche inneren Werte sprechen wir hier?
Gerechtigkeit? Nachhaltigkeit? Fairness? Menschlichkeit? Tierliebe? Verlässlichkeit? Hat das etwas mit Moral zu tun? Die moralischen Werte? Was findest du wertvoll, wenn du in dir selbst hineinschaust? Was findest du beschützenswert? Was möchtest du hegen und pflegen, weil es für dich wertvoll ist? Für mich ist der innere Wert keine Konserve! Alles, was ich fühle und denke! Alles, was ich erlebe und erfahre! Alles, was ich geschenkt bekomme und in mich hineinfließt sind Teile meiner inneren Werte. Ich stelle es mir eher vor wie die Schatzkammer meines Herzens. Jenseits von Moral! Aber nicht ohne! Tiefer und lebendiger.
Der Blick auf meine inneren Werte macht mir deutlich, dass ich reich gesegnet bin. Ich bin nicht arm und ich muss nichts von außen hinzufügen um reicher zu werden! Wenn du dir deines inneren Reichtums bewusst wirst, brauchst du nur noch wenig von außen. Vor allem machst du dich unabhängig von all den Produkten, die dir das Glück versprechen.
Was immer auch diese Firma an guten Produkten dir verkaufen möchte - auf einer bestimmten Ebene hast du es schon!
www.matthias-koenning.de

Montag, 20. August 2018

Das Maß der Liebe ist die Liebe ohne Maß. (Franz von Sales)

Diesen Spruch von Franz von Sales fand ich auf einem Plakat in Englisch. Normalerweise wiegen und messen wir ja ständig. Im Supermarkt bezahle ich fast alles nach Gewicht oder nach Stückzahl. Ich habe ein Maß für die Stunden, die ich arbeite und für die ich bezahlt werde. Ich habe ein Maß für die Stunden, in denen ich schlafe und ein Maß von Geschwindigkeiten im Auto, nach denen ich mich richte.
Die Jahre meines Lebens sind bemessen. Ich kaufe die mir entsprechende Kleidergröße. Ich darf mir ein bestimmtes Maß an Urlaub nehmen und freue mich über normierte Größen für den Schraubenschlüssel. Mir fällt spontan eigentlich nichts ein, was nicht irgendwie eine Art von Maß hat. Sogar Gefühle kann ich messen. Wie groß ist deine Trauer bei einer Skala von 1 - 10?
Wenn ist aber etwas gibt, was ich messen kann, dann müsste es auch etwas geben, was maßlos ist. Die Liebe ist in sich selbst ohne Maß! Liebe ereignet sich grenzenlos! Ewig! Diesseits und jenseits von Raum und Zeit. Die Liebe ist unsere ureigene menschliche Qualität.
Wie wunderbar, dass wir Menschen als begrenzte und messende Wesen dazu fähig sind. Ich kann mich verbinden mit allen Menschen auf der Welt. Mit allen Wesen. Mit allen Planeten. Mit dem ganzen Universum. Mit allen unsichtbaren Wesen. Mit allen Energien und mit allem, was ist.
Das ist unsere göttliche Qualität! Wie sähe unser Leben auf der Erde aus, wenn wir das konsequent leben würden? Was wäre anders als jetzt?
Stell dir vor, dass ab heute für dein Leben nichts sonst mehr wichtig ist. Du fängst an, grenzenlos zu lieben. Du verbindest dich mit den Steinen, mit den Bäumen, mit den Tieren, mit den Menschen, mit dir selbst. Du findest immer wieder neue Dinge, mit denen du dich verbinden kannst. Du verbindest dich auch mit deinen Feinden, mit deinem Schatten. Mit den Menschen, die du nicht magst. Auch mit den Gefühlen, die du spontan oft ablehnst. Ab jetzt machst du nichts anderes mehr. Das wird deine Hauptbeschäftigung.
Du triffst einen Menschen, der dich kränkt. Dann verbindest du dich mit dem Gefühl der Kränkung. Du verbindest dich mit dem Menschen, der dich gekränkt hat. Du verbindest dich mit dem Gefühl der Ablehnung und mit dem Geschenk der Situation. Du verbindest dich mit dem Gefühl von Ärger und dem Wunsch, diesem Menschen die Meinung zu sagen. Und wenn du dich mit all dem verbindest, wirst du anders sprechen. Du wirst diesem Menschen deine Kränkung sagen können nicht mit Worten und Gedanken der Trennung, sondern in Verbundenheit.
Das ist nicht einfach! Das ist eine totale Lebensaufgabe. Es wird dir nicht sofort und auch nicht immer gelingen. Aber du könntest schon mal den Wunsch verspüren, es zu wollen. Zu wollen, in Verbindung zu gehen mit allem, was ist. Dann fängt das Trainingsprogramm an.
In deinem Lebensumfeld kannst du alles nach Trennung sortieren. Du kannst dich im Gefühl und im Bewusstsein von Trennung suhlen. Die von Menschen gestaltete Welt lädt dich förmlich dazu ein. Sogar die Religionen leben die Trennung, obwohl sie von der Liebe Gottes sprechen. Du kannst also mit der Wahrnehmung von vielen schrecklichen Trennungen durchs Leben gehen. Aber du kannst dich auch entscheiden für die Verbindung.
Vor ein paar Tagen bekam ich eine Mail von einem Teammitglied, das einen Dokumentarfilm gedreht hat. Eine Gruppe von Clowns hat eine Tournee durch den Iran gemacht und das Ganze gefilmt und dokumentiert. Das Lachen und die Freude. Und sie wollten auf der Musik CD einen Text setzen, den sie in meinem Blog gefunden haben. Wie schön! Das Internet als Möglichkeit, dass total fremde Menschen sich verbinden können. Ich werde mit meinen Worten zu einem kleinen Teil eines wunderbaren menschlichen Projektes im Iran.
Wie wird die Welt aussehen, wenn wir alle das leben, was Franz von Sales so schön ausgedrückt hat: Das Maß der Liebe ist die Liebe ohne Maß!
www.matthias-koenning.de

Samstag, 18. August 2018

Wenn du strauchelst, weil dir die Arbeit zu schwer wird, möge die Erde tanzen, um dir das Gleichgewicht wiederzugeben. (irischer Segensspruch)


Ich erinnere mich an meine ersten Erfahrungen mit der Telefonseelsorge. Ich saß am Telefon und war ganz aufgeregt. Hoffentlich war ich eine gute Hilfe für einen Menschen in Not. Dann kam die Katastrophe: Es rief ein Mann aus Bayern an und ich verstand kein Wort. Ich verlor den Kopf und wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich versuchte, mir beim Hören einen Sinnzusammenhang zu erschließen. Dann traute ich mich, ihm zu sagen, dass ich ihn nicht verstehe. Daraufhin erklärte er mir sein Problem noch einmal, wieder in tiefstem bayrisch. In meiner Not kam ich auf die Idee, ihn zu bitten, für einen Norddeutschen etwas hochdeutscher zu reden. Da verstand er mein Problem und bemühte sich auf bayrisch-hochdeutsch. Ich verstand wieder nichts.
Während des Anrufs gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Du bist nicht geeignet für die Telefonseelsorge! Was ist, wenn er sich beschwert. Du kannst mit niemandem darüber reden. Du hast Vorurteile gegen Bayern. Was ist, wenn jetzt alle Anrufer aus Dialektgegenden anrufen. Was mach ich nur! Gebe ich diese Aufgabe auf?
Ich hatte wirklich den Eindruck zu straucheln. Diese Erfahrung wird sicher der Eine oder die Andere mit mir teilen. Auch im Beruf kommt es vor, dass du dich überfordert fühlst. Irgendwann kommt es zum Blackout. Schüler kennen das von einem Test und Trainer vor einem hochwichtigen Vortrag.
Es kommt dabei zu bestimmten Körperphänomenen. Du erstarrst, du wirst steif und du hörst auf zu atmen.
Wenn du strauchelst, weil dir die Arbeit zu schwer wird, möge die Erde tanzen. Mir gefällt das Bild. Wenn ich mich versteife könnte die Erde sich bewegen, damit ich wieder in meinen Rhythmus zurückfinde.
Wenn ich mich schon nicht mehr bewegen kann, dann bewegt sich die Welt um mich herum dennoch weiter. Die Erde hat ihren eigenen Tanz, das Leben pulsiert.
Wenn ich demnächst bei einer Überforderung kopflos werde gehe ich in die Achtsamkeit. Ich spüre den Boden, der mich trägt. Ich atme tief durch und lasse mich von den Geräuschen und Stimmen der Umgebung wieder einladen, am Spiel des Lebens teilzunehmen. Die Erde ist groß genug, für ein ständiges und zuverlässiges Gleichgewicht zu sorgen. 

Freitag, 17. August 2018

Warum nicht synchroner schwingen?

Vielleicht lebst du nicht allein, sondern mit anderen Menschen zusammen. Das ist häufig sehr beglückend und schön, manchmal aber auch voller Spannungen. Eine der Ursachen liegt aus meiner Sicht in einem Mangel an Synchronizität. Wir schwingen alle unterschiedlich.
Zwei Menschen gehen aus und der Eine hat in Windeseile Schuhe und Mantel an und der Andere benötigt gefühlte ewige Zeiten. Ich will dabei die Rolle nicht auf Mann und Frau festlegen. Oder beim Essen ist der eine viel früher fertig als der andere. Du stellst einfach fest, dass jeder Mensch so seine ganz eigenen Zeitabläufe hat. Dein Tag kann sich zäh und langsam anfühlen oder rasch und voll. Die Uhr zeigt allen die gleiche Zeit an. Der Tag behält seine 24 Stunden. Die gefühlte Zeit unterscheidet sich jedoch mächtig von den gemessenen Stunden.
Beim Meditieren erlebe ich es häufig, dass für Einige die halbe Stunde schnell verfliegt und andere schon nach zehn Minuten unruhig werden. Diese unterschiedlichen Zeitgefühlt können im Zusammenleben manchmal zu Konflikten führen.
Der erste Schritt für dich könnte heißen: Werde dir bewusst, wie du selbst deine Zeiten und Abläufe empfindest und gestaltest.
Der zweite Schritt heißt: Beobachte, wie deine Umgebung das erlebt im Unterschied zu dir.
Der dritte Schritt heißt: Überlege, ob du hin und wieder dich dem Zeittempo der anderen angleichen könntest. Führt das zu mehr Harmonie und Ausgewogenheit?
Es kann sein, dass dein Gegenüber dankbar dafür ist, dass du mit Ihm oder Ihr stärker synchron schwingst!

www.matthias-koenning.de


Donnerstag, 16. August 2018

Du hast zwar Recht aber ich finde meine Meinung besser.

Manchmal bin ich so schlau! Ich weiß so viele Dinge! Ich kann zu vielen Dingen viel sagen. Ich bin also ein Klugscheißer!
Manchmal begegne ich einem Menschen, der so viele Dinge weiß! Der zu so vielen Dingen so viel sagen kann. Viel mehr als ich! Ein noch größerer Klugscheißer!
Dann bin ich echt genervt. Warum muss es so große Klugscheißer geben?! "Halt die Klappe," sagt eine innere Stimme. "Du bist selbst einer!"
Wenn ich mich so fühle und dann diese Postkarte lese wo steht: "Du hast zwar Recht aber ich finde meine Meinung besser." Dann fühlt sich das an wie Balsam. Endlich jemand, der mich versteht. Es geht nicht darum, Recht zu haben. Es geht darum, eine Meinung zu haben, die sich gut anfühlt! Die Meinung, dass Radfahrer rücksichtslos sind mag zwar falsch sein, aber es fühlt sich gut an, wenn da einer vor meinem Auto herwackelt und ich diese Meinung haben darf. Besser ist, ich habe diese Meinung als dass ich ihn überfahre.
So ist das doch, oder? Meine Meinungen sind bestimmt oft falsch, subjektiv, stimmen nicht, sind übertrieben. Aber sie bewirken in mir ein Wohlgefühl, so dass ich mit mir selber verträglicher werde und auch mit meiner Umwelt. Der neue US Präsident Trump könnte jetzt viele eigenartige Meinungen haben zu den Ereignissen dieser Welt. Ich weiß ja, dass es nur eine Meinung ist, nicht mehr. Eine Meinung, mit der er sich besser fühlt. Es ist gut, wenn er sich gut fühlt. Ein Mensch, der sich gut fühlt, denkt nicht an Krieg. Er darf also ruhig etwas meinen solange klar ist, dass er damit nicht unbedingt Recht hat.
In der Familie lässt man die Nörgler ja auch manchmal einfach so reden und gibt keinen Widerspruch. Der Nörgler möchte einfach sein Herz erleichtern. Besser ist, ich lasse ihn. - Und halte mich da auf, wo die Sonne scheint!
www.matthias-koenning.de

Mittwoch, 15. August 2018

Von hoch oben aus betrachtet!

Von unten sehe ich die Störche da auf ihrem Nest. So schnell kommt da kein Fremder hoch. Da stehen die drei auf ihrer Nestinsel. Ich möchte nicht tauschen. Ich hätte Angst, dort herunterzufallen.
Aber für jetzt stelle ich mich mal dazu. Ich betrachte mal alles von oben aus.

"Ich war bislang immer da oben im Nest. Ich bin dort geboren und nie heruntergekommen. Alles, was ich sehe, habe ich noch nie von Nahem gesehen. Ich bin noch nie so richtig damit in den Kontakt gekommen. Alles fühlt sich an wie ein Film. Ich bin Zuschauer und unbeteiligt. Manchmal möchte ich vom Nest heruntersteigen und meine Neugier befriedigen. Aber ich kann noch nicht fliegen. Ich muss hier hocken und auf den Tag warten, wo meine Flügel mich tragen. So lange bleibe ich Zuschauer."

Wie sähe mein Leben aus, wenn ich nur Zuschauer und Beobachter wäre. Ich müsste mich nicht mehr aufregen. Ich hätte nichts mehr zu tun. Ich könnte mich ausruhen. Lass die anderen mal machen. So ab und zu täte mir das ganz gut. Aber ich wäre nicht mehr dabei! Ich könnte nie eingreifen. Ich könnte meine "Schöpferqualitäten" nicht mehr ausleben. Meine Neugier befriedigen! In den Kontakt gehen!

Wenn ich nur Teilnehmer wäre am Leben, könnte ich mich leicht darin verlieren. Dort treffe ich dann die gestressten und Burnout Gefährdeten. Immer wuseln. Immer dabei sein. Nie eine Pause machen. Es könnte ja wichtiges laufen und ich bin nicht dabei. Ich müsste die Kontrolle abgeben.

Und nun? Ich bin Beobachter und/oder Teilnehmer. Mal die eine Position und mal die andere Position. Und manchmal auch beide zugleich. Darin besteht die menschliche Kunst, dieses Spiel gut zu spielen! Aber wer bin ich, wenn ich weder beobachte, noch teilnehme?
www.matthias-koenning.de

Dienstag, 14. August 2018

Im Wunderwerk!

In Oldenburg sah ich ein Ladenlokal mit dem Hinweis am Türrahmen: "Wunderwerk" Das war doch mal eine Einladung. Ich betrete einen Raum, in dem ich ein Wunderwerk sehen darf. Ich betrat also den Raum und sah - edel ausschauende Modeartikel! Als studierter Theologe erwarte ich mehr von einem Wunder. Ein Wunder befindet sich jenseits von meinen Erwartungen und Vorstellungen. Ein Wunder verzaubert und verändert mich. Vorher gab es einen Mangel und dann kommt die Fülle. Und dann gibt es da noch das Staunen.
Das Wunderwerk in Oldenburg konnte dieses Versprechen leider für mich nicht einhalten. Aber ich bin ja auch ein Mann und nicht so an Mode interessiert. Vielleicht ist dieses Geschäft aber ein Wunderwerk für einen bestimmten Frauentyp.
Aber als ich vorbeiging fiel mein Blick auf das Wort "Wunderwerk". Und ich finde, dass die Welt voller Wunderwerke ist. Das Eichhörnchen in unserem Garten. Die Meisen, die flügge geworden sind. Die Tomaten, die jetzt alle reif werden. Der Badesee, in dem ich mich abkühlen darf. Die Eiswunder in unserer Eisdiele. Meine Freundinnen und Freunde. Du und ich! Die Welt ist voller Wunderwerke und wartet darauf, von mir bewusst wahrgenommen zu werden.
www.matthias-koenning.de

Montag, 13. August 2018

Wie kannst du bestehen im Strom des Wandels?


Im Schaufenster eines Geschäftes sehe ich das Bild einer Schildkröte mit der Umschrift: "Im Strom des Wandels."
Mir kommt es so vor, dass ich in einem Strom schwimme und das Tempo wird ständig schneller. Als Kind lebte ich an einer Bundesstraße, wo ab und zu Autos herfuhren. Alles überschaubar. Wir winkten noch den Menschen im Zug nach, der langsam an unserer Siedlung vorbeifuhr. Auch da wandelte sich ständig etwas. In meiner Familie haben wir lange auf das Tastentelefon gewartet und fanden den Umstieg spannend. Dann wurde die Bundesstraße verlegt und wir wohnten auf einmal in einem reinen Wohngebiet ohne Schnellstraßenanschluss. Unser Dorf bekam ein Schwimmbad.
Mir kam es immer so vor, dass genug Zeit blieb, den Wandel zu bedenken und zu bearbeiten und zu verarbeiten. Die Seele kam nach. Wir konnten in der Familie und im Dorf die Veränderungen besprechen und waren anschließend sicher, dass das Leben immer noch sicher ist.

Wie auf dem Bild im Schaufenster erlebe ich mich in meiner seelischen Verfasstheit eher wie eine Schildkröte. Ich brauche meine Zeit. Das geht nicht alles so schnell. Und jetzt lebe ich als Schildkröte in einer Zeit, die sich ständig beschleunigt. Kaum habe ich ein Computerprogramm verstanden und kann es anwenden, ist es schon von vorgestern und ich muss ein neues lernen. Ständig neue Informationen strömen ungefiltert in mein Gehirn ein. Eine Flut von Mails, ein hohes Tempo bei den Filmen und in Gesprächen fordern meine Schneckenseele heraus. Werde ich zu alt für diese Welt?Empfinden das junge Menschen genauso wie ich?

Ich bin eine Schnecke im Strom des Wandels. Wie kann das gut gehen? Ich werde mir der Qualität meines Schneckendaseins bewusst. Hinter dem Tempo des Wandels bleiben die Grundbedürfnisse bei uns Menschen bestehen. Egal wie schnell und wie viel Wandel auch immer - ich habe ein Bedürfnis nach Freude, nach Sicherheit, nach Verbindung, nach Anerkennung... Ich lasse mich von der Unruhe des Tempos nicht anstecken und lerne, gut bei mir zu bleiben und mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Das gelingt mir nicht immer. Aber wenn es mir bewusst wird, lehne ich mich entspannt zurück und betrachte den Wandel von außen. Wie schön, dass ich hier sitzen und schauen darf. Soll sich die Welt doch abhetzen. Ich steige wieder ein, wenn es für mich Sinn macht!
www.matthias-koenning.de


Samstag, 11. August 2018

Take it easy!


Stell dir eine Situation vor, die dich belastet. Du hast einen Fehler gemacht. Du hast dich blamiert. Du fühlst dich nicht wohl damit. Du möchtest es verdrängen, leugnen, zur Seite schieben. Aber es lastet auf dich. Wie fühlt es sich an?
Wenn das Ereignis frisch ist, kann ich diese Reaktion gut verstehen. Aber wenn diese Geschichte schon lange zurückliegt? Wenn es sich in deiner Kindheit abgespielt hat? Und wenn du daran denkst und es fühlt sich wieder so schwer an, macht das noch Sinn? Diesen alten Teebeutel wieder in die Tasse zu hängen und alte Gefühle wiederzubeleben? Es ist ein altes Gefühl! Es ist nicht aktuell!
Jetzt magst du denken: Aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Es kommt einfach immer wieder. Ich hatte mich damals so blamiert! Es belastet mich immer noch! Dann belastet dich nicht das vergangene Ereignis sondern es belastet dich das aktuelle Gefühl, dass du dir selber gemacht hast. Die Erinnerung erschafft das Gefühl. Du bist der Schöpfer dieses Gefühls. Du hast es selber erschaffen!
Wenn du mal in die Jauchegrube gefallen bist und es dir nicht gefallen hat. Würdest du freiwillig wieder hineinspringen? Würdest du noch einmal eine heiße Herdplatte anfassen um das Gefühl von Verbrennung wiederzubeleben? Würdest du doch nicht. Das macht keinen Sinn! Aber deine alten Ereignisse kramst du dein ganzes Leben lang wieder hervor und erneuerst deine schlechten Gefühle.
O.k. Wenn du es nicht lassen kannst, weil du ein Erinnerungsjunkie bist dann mache es doch einmal ganz richtig. Das geht so!
Stell dir eine Situation vor, die dich belastet. Schließe dazu die Augen und lass sich das Bild in dir entfalten. Nimm wahr, wie deine Mutter dich auslacht und wie du reagierst. Wende dich aber dieses mal auf keinen Fall ab wie sonst! Bleib bei dem Bild! Bleib noch weiter bei dem Bild! Schau dir deine Mutter an und schaue dich selber an. Lass alles zu, was auftaucht. Es ist wie bei einem Eiterpickel: Alles muss raus! Also schau das Bild an. Übernimm die Verantwortung dafür. Es ist deine Situation, deine Geschichte, deine Erinnerung. Sie gehört dir! Egal was du erlebt hast. Schau dir die Situation an und laufe nicht weg! Halte es länger aus als sonst. Schau dich daran satt! Ich habe einmal Sahne sehr gerne gemocht. Dann habe ich einen ganzen Becher Sahne getrunken und mir wurde schlecht. Lange Zeit konnte ich dann keine Sahne mehr essen. Ich hatte die Nase voll davon. Schau dir also mal als Experiment deine schwere Geschichte an bis du satt bist.
Wenn du es lange genug gemacht hast wird etwas sehr Unerwartetes und Ungewöhnliches geschehen. Davon kann ich dir hier nichts erzählen, denn dann würde dein Geist ganz schnell dahin flüchten. Das möchte ich vermeiden.
Wenn du dir dein Bild anschaust dann machst du etwas anderes gleichzeitig. Du sagst dir: Jetzt bin ich hier. Mein Leben ist weitergelaufen! Ich bin die von damals und zugleich jemand anderes. Zum Abschluss der Übung schaust du auf das Mädchen im Foto: Es bläst eine Pusteblume. Die Geschichte ist abgeschlossen. Der Same darf sich verteilen. Die Geschichte war schwer und der Same ist leicht. Wie bei einer Pusteblume puste ich den Samen meiner Geschichte in die Welt und habe Anteil an meiner Weiterentwicklung und der Entwicklung der Welt.
www.matthias-koenning.de

Freitag, 10. August 2018

Beiß die Zähne nicht zusammen!

Wenn du die Zähne zusammenbeißen musst, dann erlebst du etwas als anstrengend, schmerzhaft oder unangenehm. Ein Jährchen älter werden, na und? Ist das schmerzhaft oder unangenehm?
Für eine Zeit habe ich während des Schlafes mit den Zähnen geknirscht. Das meinte jedenfalls mein Zahnarzt und verschriebe mir einen Plastikschutz für die Nacht. Ich habe ihn getragen aber wichtiger fand ich die Forschung nach dem Thema. Was hatte mich denn so belastet, dass ich die Spannung tagsüber nicht abbauen konnte?
Manchmal beschäftigt dich ein Thema. Du sorgst dich. Du hast Angst! Vielleicht sogar eine tiefe Existenzangst. Und diese Sorge hält dich so gefangen, dass du in die Anstrengung gehst. Du musst das Problem lösen. Du musst etwas tun! Es ist zu schwer zum aushalten! Du kannst dir eine Entspannung nicht leisten. Bleib wachsam! Es könnte noch Schrecklicheres geschehen. Vor allem bei Konflikten rechnest du mit dem nächsten Angriff deines Gegners. Du siehst nur noch die Zerstörung, die Auflösung, die Vernichtung, das Böse! Da sammelt sich am Tag so viel Spannung an, dass du die Nacht brauchst, um die Spannung aushalten zu können oder wieder loszuwerden. 
Und was machst du da, wenn die Zähne knirschen? Du zermalmst zwischen deinen Zähnen deinen Gegener, dein Problem, deine Sorge und deine Angst. Leider taucht es beim Aufwachen wieder auf. Es kann sein, dass du einfach sauer bist! Du bist ärgerlich bis wütend! Ein paar kräftige Faustschläge ins Kissen. Ein paar kraftvolle  Worte in den Wald gerufen wären wahrscheinlich eine gute Entlastung für die Zähne, die diesen Job nur unzureichend vollziehen können.
Zugleich ist es hilfreich, für einen Moment in sich zu gehen. Ich kann dem, was wütend macht aus dem Weg gehen. Ich kann es beseitigen oder ich kann die Einstellung gewinnen, dass es nicht so schlimm ist wie es sich gerade anfühlt. Mein Hilfesatz taucht manchmal auf nach der ersten Aufregung: "Angesichts der Ewigkeit, die auf uns wartet, ist das alles nicht so wichtig." Angesichts der Ewigkeit... Wenn ich diese Welt verlassen habe, werde ich mich mit diesem Thema auf keinen Fall mehr beschäftigen. Da mache ich  etwas, das total schön und erfüllend ist. Wenn ich etwas Wunderbares in der Ewigkeit mache, dann kann ich langsam aufhören, micht mit den Sorgen der Gegenwart herumzuplagen. Also! Welche Angst könntest du heute einmal loslassen angesichts der Ewigkeit, die auf dich zukommt und in der du dich schon befindest.
www.matthias-koenning.de


Donnerstag, 9. August 2018

Die Stationen deiner persönlichen Heldenreise!


... und was das mit dir und deinem Leben zu tun hat!

Viele Filme, Romane und Legenden folgen einem Schema, das vielen Menschen unbekannt und verborgen ist. So folgt "Krieg der Sterne" oder "Harry Potter" auch einem solchen Schema. Der Mythenforscher Josef Campbell hat sogenannte "Heldenreisen" untersucht und herausgefunden, warum und wieso ein Heldenepos funktioniert und uns als Leser oder Hörer fasziniert.
Wenn wir Helden- oder auch Heiligengeschichten lesen kann es geschehen, dass wir uns damit identifizieren. Möchtest du dich nicht auch manchmal herausheben aus der Masse der vielen Milliarden Menschen. Möchtest du nicht in einer verborgenen Ecke deines Herzens etwas Besonderes sein? Ein wenig Harry Potter oder Pippi Langstrumpf? Oder eher Winnetou oder Luke Skywalker?
Ich möchte dich einladen, mit mir die zwölf Stationen dieser Reise zu durchwandern und zugleich fruchtbar zu machen für deinen eigenen Lebensweg. Die erste Station heißt:

1. Station: Der Ruf
Der Held lebt in einer oft eher langweiligen Umgebung. Er weiß nicht, dass in ihm schon ein Held angelegt ist. Er wohnt vielleicht bei Stiefeltern oder in einem Heim und die Laufbahn ist schon vorgezeichnet. Dann flattert plötzlich ein Brief ins Haus. Da steht drin, dass er eigentlich jemand ganz anders ist. Dass er eine Lebensaufgabe zu bewältigen hat oder dass irgendwo für ihn ein Schatz vergraben ist. Dieser "Ruf" weckt ihn auf aus dem Dornröschenschlaft. "Ah! Ich habe eine Bestimmung!" Der Held wird wach!

Der Impuls für dich:
Du hast auch einen Ruf! Du bist für etwas bestimmt. Es gibt so etwas wie einen "göttlichen" Plan. Du bist nicht zufällig da. Du bist keine graue Maus, die irgendwann kommt und irgendwann geht. Vielleicht wirst du keine tolle Erfindung machen oder Bundeskanzlerin. Dennoch existiert in dir eine Stimme, die dich ruft. Diese Stimme sagt dir: "Du! Du! Du bist gemeint! Niemand sonst!"
Und? Bist du schon einmal gerufen worden? Wartest du auf die große "literaturwürdige" Reise? Oder bist du auch bereit für dein ganz persönliches Abenteuer, das in keinem Buch aufgeschrieben wird und wo dich kein Fernsehsender begleitet.
Dieser Ruf kann auf sehr verschiedene Art und Weise erfolgen. Dir fällt etwas ins Auge! Du bekommst einen Brief. Du triffst einen Menschen, mit dem du nicht gerechnet hast. Du spürst im Herzen ein unglaubliches "Ja". Es geschieht etwas und du bist auf einmal ein "Wissender". Du weißt es. Punkt. Das ist der Ruf. Wenn du keinen Ruf hast eierst du so lange eben herum. Dann bist du noch nicht so weit oder die Aufgabe ist noch nicht dran oder vorbereitet. Vielleicht hast du ihn auch schon verpasst, sogar mehrfach?! Spür dem einmal nach. So lange du lebst bekommst du die Chance, deinen Ruf zu hören und ihm zu folgen. ...so lange du lebst!

2. Station: Die Weigerung
Der Held geht nicht sofort los und stürzt sich ins Abenteuer. Bin ich wirklich gemeint? Ich kann das doch gar nicht. Das war nur ein Spuk! Ich bin doch ganz normal! Ich habe gar nicht die Fähigkeiten und die Ausrüstung für mein Unternehmen.
Der Held spürt also einen Widerstand. Den Widerstand zu spüren ist unglaublich wichtig. An der Reibung mit dem Widerstand geschieht die innere Reifung und das Wachsen der Bereitschaft. Bei dem Begriff der Resilienz sprechen wir auch vom Wachsen trotz der Widersprüche. Da werden z.B. Kinder überlebensfähig und erwachsen obwohl sie keine behütete Kindheit hatten.
Nach dem Anruf kommt also die Weigerung. Ich nicht! Warum? In der Bibel gibt es auch solche Berufungsgeschichten mit Weigerung. Ich muss mich noch verabschieden. Ich muss noch meinen Vater begraben. Ich bin noch zu jung.
Da möchte ich noch einen Unterschied machen zwischen Ausrede und Weigerung. Bei einer Ausrede ist eigentlich schon die Entscheidung gefallen, dem Ruf nicht zu folgen. Der Mensch traut sich nur nicht, die Wahrheit zu sagen. Bei der Weigerung geht es um den Prozess der inneren Auseinandersetzung. Das Ergebnis steht also noch nicht wirklich fest. Alles ist im Prozess.

Der Impuls für dich:
Wie gehst du mit Widerständen um? Du hast eine Anfrage. Jemand richtet einen Wunsch an dich. Wie findest du heraus, ob du gar nicht willst und nur nach einer Ausrede suchst. Oder wo spürst du, dass du diese Herausforderung eigentlich annehmen möchtest. Manchmal geht es um bestimmte Ängste. Bin ich richtig? Kann ich das? Habe ich genug Zeit? Ist das nicht eine Nummer zu schwer? Wie stehe ich da wenn ich versage? Muss ich mich dann schämen?
Wenn du umgekehrt jemanden "rufst" ist es hilfreich, nicht sofort eine Antwort zu erwarten. Lass Zeit zum Nachdenken und Reifen. Spüre den Widerstand und ringe ruhig ein paar Tage mit dir. Lass die Fragen und Ängste hochkommen damit sie verarbeitet werden. Am Ende wird in dir eine Entscheidung reifen zu der du stehst und die du nicht ständig hinterfragst. Am Ende steht als Ziel der Weigerung und des Ringens eine kräftige Entscheidung.

3. Station: Der Aufbruch
Nach dem Ruf und der Weigerung erfolgt der Aufbruch zur Reise, natürlich mit der entsprechenden Vorbereitung und den notwendigen Instruktionen. Erinnerst du dich noch an Harry Potter und seine erste Zugfahrt? Irgendwann beginnt jede Reise und wir fiebern mit, ob der Held gut ausgerüstet ist. Alles ist neu. Aufregend und spannend! Das Abenteuer beginnt endlich. Je länger die Weigerung dauerte und je intensiver der Prozess der Weigerung und des Widerstandes war, desto spannender gestaltet sich die Aufbruchsituation. Manchmal wird der Held auch in sein Abenteuer gestürzt, obwohl er es gar nicht wollte. Er muss einfach dem Schicksal folgen, das für ihn vorgesehen ist. "Fremde Mächte" sorgen dafür, dass er seine Bestimmung erfüllt.

Der Impuls für dich:
Stell dir vor, dass du dich auf eine Reise begibst. Du fährst in den Urlaub und packst deinen Koffer. Was für ein Kofferpackertyp bist du? Sorgst du für alle Fälle vor? Für Kälte und Hitze? Für Trockenheit und Regen? Für die Bequemlichkeit mit möglichst vielen "elektrischen Erleichterungen"? Schreibst du einen Zettel und packst sorgfältig ein? Oder machst du alles spontan: Klamotten rein in den Koffer und zu. Maximal eine viertel Stunde!
Wenn du darüber nachdenkst, hast du einen guten Anhaltspunkt wie du mit den Aufbrüchen ins Unbekannte umgehst. Bist du ein Sicherheitstyp oder ein Abenteurer, den mögliche gefährliche Situationen nicht scheren. Oder gehörst du zu den Menschen, die eh lieber auf der Couch bleiben und keine Veränderungen zulassen. Du vermeidest Aufbrüche jeder Art, weil sie von dir etwas verlangen, was du gar nicht möchtest: Eine ungewisse Zukunft! Vielleicht musst du ja auch in dein Abenteuer geschubst werden von "fremden Mächten", die es gut mit dir meinen. Oder wäre heute gerade der richtige Tag, endlich mit etwas zu beginnen, was du dir schon lange vorgenommen hast. Du hast etwas verschoben auf den Nimmerleinstag und heute ist es dran.
Manchmal geht es bei der Heldenreise nicht darum den Drachen zu bezwingen, sondern den Kühlschrank auszuputzen oder die Garage aufzuräumen. Welche Heldenreise möchtest du jetzt beginnen?

4. Station: Die ersten Probleme
Nach dem Aufbruch tauchen die ersten Probleme auf. Die Gegner bringen sich in Position. Die Reise erweist sich von Anfang an nicht als ein lockerer Spaziergang. Der Held kommt an eine Weggabelung und muss sich entscheiden. Ein Dieb stiehlt wichtige Hilfswerkzeuge. Ein Brief wird gestohlen und der Feind macht deutlich, dass er Hindernisse aufbaut wo er nur kann. Für den Helden gibt es eine Neuauflage der Widerstände und Weigerungen. Soll er wirklich weitergehen? Noch ist es Zeit zur Umkehr. Noch ist nichts verloren und das alte Leben wartet.
Als sich das Volk Israel auf die Heldenreise in das gelobte Land machte tauchte schon bald der Hunger auf. Viele wollten zurück zu den Fleischtöpfen Ägyptens. Was nützt die Freiheit wenn der Magen leer ist.

Der Impuls für dich:
Du hattest also eine Anfrage, hast hin und her überlegt, dich durchgerungen und dich positiv entschieden. Du bist froh und hoffnungsvoll aufgebrochen. Das kann ein großes Lebensabenteuer sein oder ein simpler Wochenendeinkauf. Wie gehst du mit den ersten Problemen um?
Nehmen wir doch einfach den Einkauf. Du stellst fest, dass dein Portemonnaie leer ist. Dir steht kein Auto zur Verfügung. Außerdem fängt es noch an zu regnen. Und? Was machst du? Abwarten? Aufgeben? Wenn ja - wann?
Jetzt hast du ein Auto zur Verfügung aber du findest am Supermarkt keinen Parkplatz. Jemand schnappt dir den letzten Einkaufswagen weg. Das Gemüse ist nicht mehr ganz frisch und der Ahornsirup wird nicht mehr geführt. Fährst du entnervt nach Hause? Entfaltet sich in dir ein gewisser Widerstand nach dem Motto: Jetzt erst recht!
Wenn du das Einkaufen vergleichst mit deinen übrigen Lebenssituationen. Machst du es da ähnlich? Überwindest du die ersten Probleme mit Leichtigkeit oder gibst du eher früh auf! Wenn du ein Held, eine Heldin sein möchtest dann würdest du einfach weiterreisen. Denk an das Ende, an die Belohnung! Es wartet die Hochzeit oder der Schatz oder ... einfach nur ein leckeres Abendessen auf dich!

5. Station: Übernatürliche Hilfe - das unerwartete Auftauchen der Mentoren
Zu Beginn glaubt der Held, dass er auf sich allein gestellt ist. Es ist niemand da, der ihm hilft. Doch plötzlich taucht eine weise Gestalt auf. Dieser Mentor begleitet den Helden. Er hilft in auswegloser Situation. Er kennt die Gegner, er kann die Fähigkeiten des Helden einschätzen und zeigt neue Wege auf. Er achtet darauf, dass es für den Helden nicht zu viel wird und das Abenteuer weitergeht, wo eine Sackgasse erreicht wurde. Für Harry Potter heißt der Mentor Dumbledore. Für die zwölf Apostel im Neuen Testament hieß der Mentor Jesus. Und für Annika und Tommy war es Pippi Langstrumpf.

Der Impuls für dich:
Wer waren deine Mentorinnen und Mentoren in der Vergangenheit. Welche sind es in der Gegenwart? Hast du Mentoren in deiner eigenen Familie? Im Freundeskreis? Oder gehst du zu einem Profi?
Du kannst immer wieder einmal bei deinem Abenteuer "Leben" in Sackgassen geraten. Du kommst nicht weiter mit deinen eigenen Ideen und Gedanken. Du bist blockiert oder du willst mit dem Kopf durch die Wand. Immer wieder scheiterst du mit bestimmten Fragen. Du drehst immer wieder die gleichen Schleifen und trittst in die gleichen Fettnäpfe. Du ärgerst dich über die Fehler, die du immer wiederholst.
Ein "Mentor" kann dich dabei unterstützen, mal etwas anders zu machen als gewohnt. Einen Gedanken anders zu denken! Eine andere Brille aufzusetzen! Mal eine Pause zu machen!
Manche Mentoren hast du vielleicht bislang übersehen! Kennst du schon deinen inneren Mentoren? In dir gibt es jemanden, der schon weiß! Dein Höheres-Selbst!

6. Station: Die erste Schwelle
Machen wir uns weiter auf unsere Heldenreise. Der Aufbruch ist gewagt, ein Helfer hat sich eingestellt. Da tauchen die ersten Hürden und Hindernisse auf. Prüfungen müssen bestanden werden. Rätsel müssen gelöst werden. Der Held kommt zu einem Schloss und die Tür wird von einem Löwen bewacht. Erst, wenn der Held ihn füttert mit Brot öffnet sich das Tor. Im Grunde dienen diese Prüfungen der Vorbereitung auf die eigentliche Aufgabe. Ist der Held stressresistent genug? Scheitert er schon bei den Anfangsschwierigkeiten. Hat er auch auf den Mentor gehört und die Aufgabenstellung gut verstanden?

Der Impuls für dich:
Wenn du deine Tagesaufgabe oder deine Lebensaufgabe anpackst machst du ja auch ganz unterschiedliche Erfahrungen. Du wünschst dir, dass es leicht wird. Glatt dadurch, nicht wahr? Leider funktioniert das nicht immer so. Auch da musst du kleinere und größere Schwellen überwinden. Du willst deinen Kühlschrank ausputzen und ein undefinierbares Etwas lässt sich nicht mit dem Spülwasser entfernen. Da ist dein Wissen gefragt oder deine Fähigkeit, dich irgendwie schlau zu machen. Die Gefahr besteht wieder wie am Anfang, dass du aufgibst. "Jetzt habe ich es schon versucht. Ich habe mich doch so angestrengt. Und das ist jetzt die Strafe. Womit habe ich das nur verdient!"
Die Reaktion ist verständlich, aber führt dich nicht dem Ziel entgegen. Du kannst damit rechnen, dass Hürden in der Regel auftauchen. Früher oder später! Du kannst dann resignieren oder dir einen Ruck geben nach dem Motto: Jetzt will ich es wissen! Ich gebe nicht auf!
Du darfst darauf vertrauen, dass es in dir noch ein paar Fähigkeiten und Talente gibt, die du bislang nur noch nicht eingesetzt hast.

7. Station: Fortschreitende Probleme mit übernatürlicher Hilfe
Es gibt eine Vorstufe zum Höhepunkt. Bei einer Heldenreise müssen die Probleme steigen und größer werden. Die Helfershelfer des großen Feindes zeigen ihre Krallen. Sie zeigen, wie mächtig der Feind ist. Sie jagen dem Helden Angst ein und sagen ihm: Noch kannst du umkehren! Der Held erleidet seine ersten Blessuren. Amulette gehen verloren und wichtige magische Hilfsgeräte verlieren ihre Kraft. Der Held selbst gerät in eine Situation, die immer auswegloser erscheint. Trotz und in der Bedrohung jedoch bleibt der "Mentor" präsent oder eine andere übernatürliche Hilfsquelle taucht auf. Eine Fee, die weiterweiß. Ein Engel, der den Weg zeigt. Es gibt ein neues Tor, das sich plötzlich auftut, aber in der Logik der Geschichte liegt.

Der Impuls für dich:
Wenn du deine Reise antrittst im Großen wie im Kleinen kannst du in eine solche Situation geraten. Du hast dir das alles so gut ausgedacht. Du hast so erfolgreiche erste Schritte bewältigt und dann? Du hast den Koffer gepackt und der Flieger streikt! Du hast eine neue Stelle bekommen und musst ins Krankenhaus. Da kann etwas auftauchen, dass dir den Boden unter den  Füßen entzieht.
Das machst du nicht mal eben so. Da ist dein ganzes Können gefragt! Da bist du wirklich gefordert. Da weißt du, dass es kein Spiel mehr ist. Interessanterweise wirst du feststellen, dass da auf einmal eine ganz besondere "Krisenenergie" in dir wach wird. Zur rechten Zeit am rechten Ort geht ein Ruck durch deinen Körper und durch deinen Geist und du machst dein Ding! In dieser Situation kannst du darauf vertrauen, dass es einen inneren Schalter gibt, der fast wie automatisch umklickt. Höre dann auf die innere Stimme, die dir sagt: "Hey, du schaffst das!"

8. Station: Der finale Kampf und der gerechte Lohn
Wenn du Filme siehst nach dem Muster der Heldenreise weißt du, dass alles zusteuert auf das große Finale. Bisher war alles nur Vorspiel, Geplänkel, üben und sich stärken. Jetzt kommt es darauf an. Reichen seine Fähigkeiten? Reichen die Gaben aus, die der er erhalten hat. Es kommt zum großen Zusammenspiel von Kenntnissen, Mut und Entschlossenheit, und die Mithilfe der himmlischen Kräfte. Und auch da gibt es wieder einen neuen Höhepunkt. Die Frequenz steigt. Die Bilder werden dramatischer und schneller. Der Erzfeind hat noch einen Trumpf im Ärmel. Es taucht wieder etwas Unberechenbares auf. Aber die Heldenreise folgt unbarmherzig dem eigenen Muster. Der Feind wird besiegt! Der Lohn zeigt sich endlich! Die Prinzessin, der Schatz, die Erkenntnis oder etwas anders mit hohem Wert.

Der Impuls für dich:
Nicht immer gestaltet sich deine eigene Heldenreise so dramatisch wie im Roman oder im Film. Dennoch wirst du auch so etwas erleben wie ein Finale. Du kommst zum Flughafen und bist gut vorbereitet. Koffer gepackt und Flugticket in der Hand. Du bist bestens gerüstet.
Dann kommst du zur Sicherheitskontrolle und ein Warnsignal ertönt. Das Wachpersonal schaut dich kritisch an. Du fühlst dich schon wie ein Verbrecher. Du wirst beobachtet. Du bestehst und kannst am Gate noch einmal ausruhen. Dann kommt die Einladung, in den Flieger einzusteigen und du wirst konfrontiert mit deiner Flugangst. Wie eine mächtige Welle kommt es über dich. Du warst doch so gut vorbereitet. War alles vergeblich? Du bewegst dich in der Reisegruppe und wie in Trance erreichst du deinen Sitzplatz. Jetzt nicht aufgeben! Nicht aussteigen! Die Angst spüren und annehmen. Tief durchatmen! Ins Vertrauen gehen! Irgendwann weißt du, du hast es geschafft. Überleg einmal, wie viele "Abenteuer" du schon im Leben bestanden hast. Prüfungen! Reisen! Liebeskummer, Krankheiten und Operationen... Dein Leben gleicht ständig einer solchen Heldenreise. Bist du aufmerksam für das Wunder das da heißt: Du hast es jedes Mal geschafft!

9. Station: Die Verweigerung der Rückkehr
Mit dem Sieg scheint die Heldenreise zu Ende zu sein. Es gibt doch nicht mehr zu erzählen. Aber - der Held ist erschöpft. Er darf sich jedoch nur kurz ausruhen. Er möchte am Ort seiner Entlohnung bleiben. Er möchte nicht zurück in den tristen Alltag. Es gibt viele Gründe, warum der Held nicht zurückkehren möchte. Vielleicht hat er zu viel verloren auf dem Hinweg oder er verliert zu viel auf dem Rückweg. Es kann aber auch sein, dass der wirkliche und eigentliche Einsatz noch kommt. Der Einsatz, vor dem er sich drückt. Es geht um die Bewältigung des Alltags. Dort wartet ja die eigentlich Aufgabe. In den Märchen geht es ja auch immer darum, dass der Held sich einer Lebensaufgabe stellen muss. Die Prinzessin muss erwachsen werden. Der Jüngling muss seine Königsqualität finden. Die Helden machen sich also auf eine Traumreise und bewältigen dort ihre Konflikte. Sie erwachen am nächsten Morgen und erinnern sich an die Impulse, die aus dem Traum kommen.
Am Ende zeigt sich die Heldenreise wie ein Traum, der darauf hinweist, dass das eigentliche Leben noch wartet.

Der Impuls für dich:
Denke noch einmal an deine eigenen "Lebensabenteuer!" Wo wolltest du auch gerne die Ergebnisse festhalten und dich darin einrichten? Es ist nicht so leicht, nach dem Höhepunkt wieder in den Alltag zurückzukehren. Da gibt es am letzten Urlaubstag den Impuls: "Ich will hierbleiben und nicht zurück!" Da möchtest du, dass ein Fest nicht zu Ende geht, weil es so schön ist.
Und da gibt es auch die Ebenen in deinem Leben von Traum und Wirklichkeit. Wann hört der Traum auf und wann fängt die Wirklichkeit an. In deinen Tagträumen bist du eine Heldin und ein Held und im wirklichen Leben läufst du vor den Problemen davon. Du löst die Aufgaben nur im Tagtraum statt dich dem Leben zu stellen. Der Tagtraum will dir helfen, dass du deine Ressourcen und Fähigkeiten sammelst. Der zweite Schritt der Umsetzung wäre schon hilfreich. Aber wer möchte schon gerne vom bestandenen Heldentraum erwachen und sich dann dem echten Leben stellen? Die Verweigerung der Rückkehr ist verständlich, nicht wahr? Ruh also noch ein  wenig aus. Aber dann...?!

10. Station: Das Verlassen der Unterwelt
Der Held hat sein Ziel erreicht. Er möchte in der Anderswelt bleiben. Die Schatzhöhle ist doch so verlockend! Das Reich der Feen verspricht doch ewiges Glück! Aber nein! Er muss zurück in seine eigene Welt. Wenn er einen bestimmten Zeitpunkt verpasst, kann er nicht mehr in seine Ursprungswelt zurück. Aber dort hat er noch eine Aufgabe zu erfüllen. Er würde quasi zwischen den Welten kleben bleiben. Mit dem Körper und Geist im Feenreich, aber mit dem Herzen in der Ursprungswelt. Als muss der Held die Anderswelt verlassen. Das geschieht in der Regel sehr schnell. Ein magischer Flug. Ein kurzer Aufstieg. Das Ende eines Traumes und das plötzliche Aufwachen.

Der Impuls für dich:
Vielleicht möchtest du auch manchmal die Ergebnisse deiner Arbeit auskosten. Wie schön, was du da erreicht hast. Du als Heldin, als Held hast etwas Tolles vollendet. Vielleicht hast du die Erziehung deiner Kinder auch als Heldenreise erlebt. Als lange und intensive Heldenreise. Jetzt sind die Kinder erwachsen und du möchtest stolz sein auf das Ergebnis. Du möchtest es betrachten und festhalten. Da kann es sein, dass das Leben auf allen Ebenen weitergeht, aber du bist gefangen in deiner "erfolgreichen Elternfantasie". Du möchtest, dass es nahtlos wechselt in die "Großelternrealität". Vater und Mutter sein auf ewig.
Das ist gefährlich. Irgendwann hast du deine Aufgabe erfüllt und das Leben erwartet von dir, dass du dich verabschiedest und loslässt. Das Verlassen der Unterwelt bei der Heldenreise gleicht dem Prozess des Loslassens. So toll deine Ergebnisse auch sind. So groß auch der Schatz, den du gesammelt hast - all das Zeug in deiner Hand hindert dich an der Weiterreise. Du hast eine Heldenreise beendet und irgendwann wartete die nächste auf dich. Wenn du zu spät aufbrichst, dann kann es dich etwas kosten. In einem Märchen verlässt der Schatzsucher gerade noch rechtzeitig den Raum. Er rennt heraus, die Tür fällt ins Schloss und schneidet ihm ein Stück von der Ferse ab. Manche Eltern, die ich kenne, wirken auf mich auch wie Menschen, denen man die Ferse abgeschnitten hat, weil sich nicht freiwillig loslassen wollten.
Wo bist du im Augenblick? Welche Heldenreise hast du eigentlich abgeschlossen und wo verweigerst du die Rückkehr? Manchmal kommt ein magischer Augenblick und der katapultiert dich zurück ins Leben. Vielleicht wartet gerade ein "Gefährt" auf dich und du musst dich nur noch draufsetzen!

11. Station: Die Rückkehr 
Der Held kehrt von seiner Reise zurück. Er erzählt von seinen Abenteuern und muss seinen Platz wieder in der Ursprungswelt finden. Da kann inzwischen der ungeliebte Bruder seinen Platz eingenommen haben. Manche werden ihm nicht glauben. Von manchen wird er als Held empfangen. Der Held selbst hat damit zu kämpfen, wieder gut anzukommen, auch innerpsychisch. Vielleicht sehnt er sich an sein Abenteuerziel zurück. Vielleicht findet er den Alltag zunächst unerträglich. Den "Schatz" muss er in den Alltag integrieren. Die Braut, die er mitgebracht hat, muss auf der Burg eingeführt werden. Seine neuen Kompetenzen muss er unter Beweis stellen.

Mein Impuls für dich:
Wenn du als Heldin oder Held ein Abenteuer bestanden hast und zurückkehrst, hast du dich verändert. Schraube und Mutter passen nicht mehr so richtig zusammen. Wenn du von einer längeren Kur nach Hause kommst, müssen sich die Familienmitglieder wieder aneinander gewöhnen. Wenn die Kinder zum Studium aus dem Haus gehen und wiederkommen, sind das keine Kinder mehr. Sie haben gelernt, selbständig zu leben und finden es unerträglich, weiterhin die tollen elterlichen Ratschläge zu hören.
Wenn du von deiner Abenteuerreise Einkauf zurückkehrst hat sich der Inhalt deines Kühlschranks verändert. Du kannst damit jetzt etwas Frisches kochen. Das "Neue" sorgt für Veränderung. Manchmal wird sie positiv aufgenommen - wie frische Nahrung. Manchmal kann es aber auch für den Rest der Familie bedrohlich sein. Stell dir vor, dass du dich innerlich weiterentwickelt hast. Du bist nicht mehr die Gleiche wie vor dem Prozess. Aus einem verängstigten Wesen ist ein selbstbewusster Mensch geworden. Eben ein Held, eine Heldin. Das verlangt vom ganzen Umfeld eine Anpassung oder Mitveränderung. Welche Prozesse ob klein oder groß hast du gerade abgeschlossen. Fühlt es sich gut an? Was sagt dein Umfeld dazu? Musst du es noch gut kommunizieren und braucht es noch Zeit für die Integration?

12. Station: Herr der zwei Welten
Wenn der Held von seiner Reise zurückgekehrt ist und sich wieder eingewöhnt hat, integriert er die neuen Erfahrungen in sein altes Leben. Er kann das Neue nicht einfach abstreifen. Er ist gewachsen und gereift. Ein Entwicklungsschritt geht zu Ende. Der Prinz, der unreif war und den Drachen bezwungen hat, kann nun mit den Erkenntnissen seine Prinzessin heiraten und König werden. Ohne diese Heldenreise würde er ewiger Prinz bleiben. So zeigt jede Heldenreise eine innere Weiterentwicklung hin zu einer reiferen Persönlichkeit.

Der Impuls für dich:
Blick doch einmal zurück auf deine eigenen "Heldenreisen". Wie viele davon hast du schon bestanden? Welche Reisen haben dich besonders geprägt? Deine Heldenreisen durch Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schule, Kindheit, Pubertät, Verliebtheitsphase, Lehre, Studium, Berufserfahrungen, Familiengründung, Krisen und Freundschaften. Dein Leben könntest du betrachten als ein Ineinander, Miteinander und Nacheinander von vielen Heldenreisen. Durften alle Erfahrungen Teil deiner jetzigen Persönlichkeit werden? Gibt es eine Integration? Woran würdest du das merken? Aus meiner Sicht merkst du es daran, dass du dich hinsetzt, in dich hineinschaust, hineinfühlst und ein dickes und fettes "JA" hörst zu deinem Weg.
www.matthias-koenning.de

Mittwoch, 8. August 2018

Willkommen!


Wenn ich ein Seminar besuche freue ich mich immer auf den Beginn. Ich schaue auf ein Flipchart Papier mit der Überschrift: Herzlich willkommen! Noch mehr freue ich mich, wenn das "w" groß geschrieben wird.
Übersetzt heißt es ja: Es ist mein Wille, dass du kommen darfst! Ich fühle mich eingeladen! Ich muss nicht fragen ob ich darf. Für mich gibt es einen Platz. Um diesen Platz muss ich nicht kämpfen. Er wird mir eingeräumt. Da sagt jemand zunächst einmal "Ja" zu mir.
Du bist willkommen! In deiner Familie, an deiner Arbeitsstelle, bei deinen Freunden, im Supermarkt, auf der Straße, am Bahnhof, im Kino und an vielen anderen tausenden Orten in dieser Welt. Kennst du Menschen, die den Raum betreten mit der nonverbalen Botschaft: "Entschuldigung, dass ich da bin!" Sie senken den Kopf und schauen dich nicht an. Sie entschuldigen sich ständig und stoßen dann tatsächlich irgendwo an, weil sie mit Scheuklappen herumlaufen.
Wie empfindest du dein eigenes Dasein in dieser Welt. Fühlst du innerlich dieses große und riesengroße "Willkommen"! Spürst du diese Einladung, die dich zehn Zentimeter größer macht? Die deine Körperzellen in die Ausdehnung bringt? Die dich tief durchatmen lässt? Die zu 100% gilt?
Übrigens gibt es da eine Einladung auf Gegenseitigkeit. Wenn du dich nicht willkommen fühlst dann kann es daran liegen, dass du selber das Leben nicht eingeladen hast. Schlag doch einfach mal morgen früh deine Bettdecke zurück und rufe laut: "Willkommen, schöner Tag!" Begrüße die einzelnen Teile deines Körpers, deine Dusche und deine Kleidung. Lade deine Kaffeemaschine ein zum fröhlichen Kaffeeproduzieren und rufe der Welt ein "Willkommen!" entgegen. Es ist dein Wille, dass etwas und jemand zu dir kommen darf. Du lässt jemanden oder etwas an deiner Seite sitzen. Sag willkommen zu deinen Gefühlen, seien sie angenehm oder unangenehm. Das Wort des Willkommens weitet deinen Raum!
www.matthias-koenning.de

Dienstag, 7. August 2018

Freiraum!


Keine Zeitung heute

Kein Facebook heute

Kein Internet heute

Kein Smartphone heute

Kein Anruf heute

Keine Zeitschrift heute

Alles offline

Online mit mir!

Montag, 6. August 2018

Die Kunst, auf Stelzen zu laufen


Eines muss ich gestehen. Ich konnte noch nie Stelzen laufen. Ich habe als kleiner Junge immer die Mädchen bewundert, die so leichtfüßig auf Stelzen laufen konnten. Ich konnte weder das Gleichgewicht halten, noch die Stelzen bewegen. Irgendwie hatte ich immer den Eindruck, dass ich am Boden festklebte.
Aber bis heute lässt mich die Vorstellung nicht los, dass hinter dem Stelzenlaufen mehr steckt als du auf dem ersten Blick siehst. Als Mensch stehst du ja auf deinen zwei Beinen und bist von deiner Körperhöhe so lang wie du lang bist. Die Stelzen sagen dir: "Ich kann über mich hinauswachsen." Du bist also größer als du glaubst. Wenn ich mich auf einen Stuhl stelle, dann verändert sich auch die Perspektive. Mein Vorgesetzter wird kleiner und ich verliere die Angst vor ihm. Ein Bischof trägt eigentlich auch Stelzen, nur der Bequemlichkeit halber lieber auf dem Kopf. Seine Mütze macht ihn auch größer als er in Wirklichkeit ist.
Die Stelzen sagen dir zusätzlich: "Das Leben ist wackelig." Du kannst nichts festhalten. Heute glückt dein Leben und wie es im nächsten Augenblick oder morgen aussieht weißt du nicht.
Die Stelzen sagen dir auch: "Sei achtsam!" Wenn du nicht achtgibst, fällst du sofort herunter. Du musst wach sein für den Augenblick. Du musst auf deinen Weg achten und auf deinen Körper. Du musst viele Dinge gleichzeitig beachten und das geht nur, wenn du nicht träumst. Da kannst du fürs Leben lernen. Auch dort kommt es darauf an, dass du aufmerksam bist für den Moment. Denn nur der zählt. Da lebst du nämlich gerade.
Und die Stelzen sagen dir auch: "Manchmal brauchst du eine Krücke!" Wenn es dir nicht gut geht brauchst du einen Menschen, der dich vorübergehend unterstützt. Du kannst lernen, Hilfe anzunehmen. Für das, was du selber nicht kannst, suchst du dir eine Ergänzung.
Eine kleine Einschränkung möchte ich machen in meinem Lobgesang auf mein phantasiertes Kunstverständnis. Stelzen laufen wirkt auf mich immer ein wenig steif. Das ist die Kehrseite. Eine Stelze bleibt eine Krücke, eine geniale zwar, aber eine Krücke. Du bist so groß wie du bist. Dein Leben bleibt wackelig auch auf deinen originalen Füßen. Und über dich hinauswachsen kannst du auch ohne. Entfalte einfach dein Potential. Da geht noch was!
Dennoch: Wer Stelzen laufen kann ist dabei, sein Potential zu entdecken und weiter zu entwickeln. Vielleicht lerne ich ja doch noch mal diese Kunst. Ohne Hilfe wird das aber wohl nichts! ;-)
matthias-koenning.de

Samstag, 4. August 2018

Eigentlich würde ich lieber Ja sagen.

Ich habe Nein gesagt.
Ich werde nicht zur Geburtstagsfeier gehen.
Ich bin sauer auf meinen Gastgeber.
Der hat mir nicht einmal zu meinem Geburtstag gratuliert.
Der hat mich nur eingeladen, weil er ein Selbstdarsteller ist.
Er umgibt sich gerne mit vielen Menschen weil er zeigen will, wie beliebt er ist.

Ich wollte kein schmückendes Beiwerk sein.
Ich wollte mich nicht missbrauchen lassen.
Der hat sich bisher noch nie bei mir entschuldigt.
Im letzten Jahr war ich noch dort.
Und alle haben ihn bewundert.
Das tolle Haus, die tolle Familie, der tolle Hund, das tolle Essen. Toll!

Er hatte nicht mal mein Geschenk ausgepackt.
Kurz gratuliert und schon wieder weg!
Ich hätte im letzten Jahr schon Nein sagen sollen.
Aber mein Nein musste wohl noch wachsen und klarer werden.
In diesem Jahr habe ich Nein gesagt.
Ich habe Nein gesagt ohne eine Begründung.
Damit es ordentlich weh tut.
Darf ich dich einladen?
Nein!

Aber eigentlich...
Eigentlich würde ich lieber Ja sagen.
In dem Nein steckt so viel Kränkung.
Die ist nicht weggegangen.
Ich habe Nein gesagt und die Kränkung ist geblieben.

Daraus habe ich gelernt.
Ich sage weiterhin Nein. Das fühlt sich richtig an.
Aber wenn ich eigentlich lieber Ja sagen würde,
sage ich nicht mehr Nein.
Ich arbeite dann an dem "eigentlich" bis es klar wird.

Bis Kopf, Herz und Bauch übereinstimmen.
Dann gibt es manchmal interessante Lösungen.
Ich sage Ja aber mit Vorbehalt.
Ich sage Nein aber mit Möglichkeit, dass es noch Ja werden kann.
Ich sage Nein und springe trotzdem über meinen Schatten.
Ich sage Ja und mache dennoch Nein.
Ich befreie mich vom Diktat von Ja oder Nein und frage nach meinen Bedürfnissen.
Wenn ich da angekommen bin, lässt sich vieles leicher klären.

www.matthias-koenning.de

Freitag, 3. August 2018

Die Kunst, nicht mehr als das Beste aus allem zu machen!


Du hast etwas versemmelt! Du hast etwas nicht hinbekommen! Dein Kuchen wurde nicht richtig gar. Dein Brief enthält viele Rechtschreibfehler. Du hast dich blamiert bei deinen Freunden. Du hast schlecht über jemanden gesprochen und der hat das "zufällig" mitbekommen.
Du hast einen Auftrag bekommen und dein Auftraggeber ist mit dem Ergebnis unzufrieden. Egal, was du versemmelt hast, du kannst immer noch das Beste daraus machen. Den Kuchen schiebst du wieder in den Ofen, den Brief korrigierst du, bei den Freunden entschuldigst du dich. Du kannst das Beste daraus machen.
Wenn du vor einer Prüfung stehst oder dein Kind vor einer Klassenarbeit zur Schule schickst kannst dir oder deinem Kind sagen: "Mach das Beste daraus!" So einfach und so banal! Du kannst immer und in jeder Situation noch irgend etwas "Bestes" finden. Glück im Unglück. Das Schlimmste verhindern. Dem Ganzen die Spitze nehmen. Retten, was zu retten ist. So weit, so gut! Oder auch, so schlecht?!
Geh mit mir noch einmal zu der Situation, in der du über jemanden schlecht gesprochen hast. Und diese Person hat das mitbekommen! Du versuchst also, das Beste daraus zu machen. Aber innerlich läuft ein dramatischer Vorgang ab. Du fühlst dich ertappt! Du wirst rot im Gesicht! Dir geht es schlecht! Du möchtest es rückgängig machen, im Boden versinken, dich unsichtbar machen! Es sei denn, du bist in der Lage, fehlerfreundlich mit dir umzugehen und dir deine Fehler nicht so zu Herzen zu nehmen. Wobei Fehler einfach entstehen können durch Unachtsamkeit oder Unvermögen. Aber schlecht über jemanden reden und dabei erwischt werden als "Fehler" interpretieren?
Ich will dir heute eine meiner peinlichsten Geschichten erzählen aus meiner Schullaufbahn. Im Englischunterricht schrieb ich mit vierhzehn Jahren auf einen Zettel über meine Lehrerin: "I love she!" Diesen Zettel zeigte ich meinen Freunden. Die lachten natürlich und meine "Offenbarung" sorgte für eine heitere Stimmung. Die Lehrerin wurde prompt auf mich aufmerksam und las diesen Zettel. Ihr einziger Kommentar war: "Das heißt: I love her." War mir das peinlich! Erst nach dreißig Jahren mag ich diese Geschichte öffentlich erzählen.
Da war nichts mehr zu retten. Ich konnte nichts rückgängig machen. Ich wurde erst erlöst, als wir einen neuen männlichen Englischlehrer aus Bayern bekamen. Das Beste konnte ich daraus machen, indem ich so tat, als hätte ich diesen Satz nie geschrieben. So nebenbei, die Lehrerin war wirklich sehr nett und sah auch toll aus.
Doch jetzt komme ich zu der Kunst, nicht mehr als das Beste aus allem zu machen. Eigentlich möchtest du mehr als das Beste aus allem machen, wenn du versuchst, deine Peinlichkeiten rückgängig zu machen. Du möchtest etwas ungeschehen machen. Das ist dein eigentlicher Wunsch! Du kannst es zwar nicht, aber du möchtest es! Fallen dir Situationen im Leben ein, die du rückgängig machen möchtest? Ein Streit mit deinem Mann, deiner Frau? Ein furchtbares Wort deinen Kindern gegenüber? Klebt an dir so ein Wort oder ein Satz, der bis heute Auswirkungen auf dein Leben hat und dein Glück einschränkt?
Die Kunst, nicht mehr als das Beste aus allem zu machen besteht darin, grundsätzlich einverstanden zu sein mit allem, was du gemacht hast. Du übernimmst die Verantwortung für dein Leben, für deine Gefühle, deine Gedanken und deine Taten. Du stehst einfach dazu. Du stehst zu deiner Scham, zum Rot werden und zu allem, was dir peinlich ist. Wenn du versuchst, mehr als das Beste aus allem zu machen, bewegst du dich in einen Bereich der Phantasie. Da kannst du alles rückgängig machen. Da ist dann nichts geschehen. Dann musst du aber gut im Verdrängen sein!
Nicht mehr als das Beste aus allem zu machen! Die Perfektionisten leben nach diesem Motto. Das Beste ist nicht gut genug. Es geht noch besser! Stress und Burnout sind da vorprogrammiert. Wenn du die Kunst beherrscht, nicht mehr als das Beste aus allem zu machen kannst du sogar anfangen, deine Fehler zu lieben. Du bist dir selbst von Herzen gut und gehst ganz wohlwollend mit dir um. Dann stehst du vor dem Herd und sagst zum Kuchen: "Ach ja! So ist es jetzt." Und gut!
www.matthias-koenning.de