Montag, 30. September 2019

Wenn wir keinen Feind in uns tragen, dann kann uns der Feind draußen nichts anhaben.

Wenn wir keinen Feind in uns tragen, dann kann uns der Feind draußen nichts anhaben. (aus Afrika)
Ein interessanter Gedanke und eine weise Erfahrung. Die Gedanken und Gefühle von Feindschaft entstehen in unseren Herzen.
Du bist gekränkt, weil dir jemand weh getan hat. Du bist enttäuscht, weil dich jemand übersehen hat. Deine Bedürfnisse wurden übersehen und nicht ernst genommen. Du sammelst im Inneren deines Herzens alle Enttäschungen, Kränkungen, die Wut und den Ärger an. Da entsteht eine brodelnde Masse, die Energie eines Vulkanes. Eine Zeitbombe, die irgendwann ausbricht.
Da begegnest du mit der Energie deines Grolles einen Menschen, der ähnlich ist wie du. Du schaust wie in in einen Spiegel und erkennst es doch nicht. Du siehst den Feind in deinem Spiegel und merkst nicht, dass du dich nur selber siehst in einer Art Verkleidung. Aber du bist es selbst. Ohne den Groll in deinem Herzen wäre dein Gegenüber ein harmloser Vorübergehender, der dir nichts getan hat.
Was ist daraus zu schließen? Geh den Weg nach innen und lerne deine Abgründe kennen, die Dämonen, die in dir wohnen, die Ärgergeister und Kränkungsgespenster. Da ist eine ganze Gemeinschaft versammelt, die gefüttert werden will. Begegne deinen inneren Feinden mit Wohlwollen und Verständnis und du erlebst das Wunder, dass die Feinde im Außen plötzlich nicht mehr da sind.
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Samstag, 28. September 2019

Das Grün der Wiesen erfreue deine Augen, das Blau des Himmels überstrahle deinen Kummer, die Sanftheit der kommenden Nacht mache alle dunklen Gedanken unsichtbar. (Irischer Segen)


Wie gehst du mit Kummer und mit dunklen Gedanken um? Wo wohnen sie in deinem Körper? Spüre dem einmal nach. Vielleicht sitzt der Kummer im Herzen und die dunklen Gedanken im Kopf? Vielleicht sitzen sie da und strahlen auf deinen ganzen Körper aus. Du spürst die Schwere in den Gliedern. Du entwickelst einen Tunnelblick. Du nimmst nicht mehr wahr, was um dich herum geschieht.
Kummer und dunkle Gedanken sind wirklich schwer zu ertragen. Die dunklen Gedanken kommen oft als ein Grübeln daher. Hier eine Schleife, daraus eine neue Schleife... Du gehst von Schleife zu Schleife und... dann fängst du wieder von vorne an. Die dunklen Gedanken lieben die Worte: Hätte, Sollte, Müsste. Der Kummer liebt den tiefen Seufzer und die Ohs und Ahs.
Die bedrückende Nachricht heißt: Kummer und dunkle Gedanken gehören zum Menschsein dazu. Sei dankbar, wenn du davon nicht zu viel hast. Aber sie sind und bleiben ein Teil von dir.
Der irische Vers leugnet das auch nicht. Er schenkt dir jedoch eine Ergänzung. Wenn du schon Kummer hast, dann möge das Blau des Himmels ihn überstrahlen. Im Lichte des blauen Himmels bekommt der dunkle Kummer eine andere Färbung. Und wenn deine Sorgen dich gefangen halten richte deine Augen auf das Grün der Wiesen.
Dieser Aspekt ist interessant! Der irische Segen schlägt uns eine Art Farbtherapie vor. Im Grün des Lebens und im Blau der Beruhigung findet dein Kummer Trost. Am Tag mag das noch gehen. Der größte Verbündete von kummervollen Gedanken ist jedoch die Nacht. Ich kenne so viele Menschen, die sich tagsüber gut ablenken können, aber beim Einschlafen fangen die Gedanken an zu kreisen. „Die Sanftheit der kommenden Nacht mache alle dunklen Gedanken unsichtbar.“
Auf dem ersten Blick erscheint dir die Nacht wie ein Feind. Er verstärkt die dunklen Bilder und angsteinflößenden Gedanken. Mir gefällt es, das Bild der Nacht zu verändern. Die Nacht kann sehr sanft sein. Als Kind bist du unter die dunkle Decke gekrochen und hast dich versteckt wie in eine Höhle. Ich lege mich also schlafen und entwickle das Bild einer bergenden Höhle. Wenn dann die Gedanken kommen sage ich ihnen: „Ich kann euch nicht sehen, es ist ja dunkel! Erst morgen im Licht des neuen Tages kann ich mich wieder mit euch beschäftigen. Macht es wie ich und legt euch schlafen. Gute Nacht!“
Erinnerst du dich an die schöne Familienserie von den „Waltons“? Zum 
Schluss einer jeden Episode gab es einen kurzen Dialog quer durch alle Schlafzimmer. Das war ein sehr hilfreiches Ritual den Tag abzuschließen. Jeder sagt seinen letzten Gedanken und vergewissert sich, dass alle Familienmitglieder da sind. Dann lassen alle ihre Gedanken los und Stille kehrt ein. Wünsche also deinem Kummer eine gute Nacht und versprich ihm, dass du dich am nächsten Tag wieder darum kümmerst. 

Freitag, 27. September 2019

Ich habe Beschwerden, postraumatisch aus einem anderen Leben

Wenn ich Beschwerden habe, dann suche ich nach einem Grund.
Ich habe Bauchschmerzen und das Falsche gegessen. Oder jemand hat mich geärgert.
Ich habe Kopfschmerzen und hatte irgendwo einen Zug oder mir zu viele Sorgen gemacht.
Ich habe einen Muskelkrampf wegen Überlastung oder innere Anspannung.

Wenn ich so denke, dann muss ich Verantwortung übernehmen. Die Beschwerden kommen nicht einfach so. Ich habe etwas dafür getan, dass sie kommen. Ich kann auch dafür sorgen, dass es wieder besser wird. Für einen großen Teil meiner Beschwerden. Nicht für alle.

Wenn ich aber keinen Grund finde für meine Beschwerden. Wenn ich nicht die Verantwortung übernehmen will. Wenn ich die Zusammenhänge überhaupt nicht verstehe. Wenn es keine Erklärung gibt. Keiner, der mir auch nur annähernd einen Grund sagen kann - dann muss es aus einem früheren Leben kommen. Möglichst noch posttraumatisch. Meine Bauchschmerzen können also daher stammen, dass ich in einem früheren Leben erdolcht oder vergiftet wurde. Bei Kopfschmerzen hat mich jemand erschlagen und die Krämpfe bekomme ich, weil man mich mal erhängte.

Die Lösung findet ich eigentlich ganz praktisch und auch sehr zeitgemäß. Wenn ich eine Schraube nicht in meinem Lieblingsbaumarkt finde, dann kaufe ich wo anders. Wenn ich mit dem Bus nicht nach B komme, dann nehme ich das Auto oder das Fahrrad. Ständig bin ich auf der Suche nach Lösungen. Manche sind praktikabel und manche auch nicht.

Die Existenz von früheren Leben ist sehr praktikabel. Ich muss nicht mehr ständig nach einer Schuld suchen, die vielleicht gar nicht vorhanden ist. Ich bin nicht schuldig, wenn ich Bauchschmerzen habe. Aber es ist egal ob eigenes Versagen oder früheres Leben. Wenn du die Bauschmerzen hast, dann musst du damit umgehen. Hier und Jetzt! So ist es mit allen Phänomenen. Wie du damit umgehst, das kannst du gestalten. Da bist du kein Opfer. Verwende also weniger Zeit für die Suche nach Ursachen und mehr Zeit für das Finden von Lösungen!
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Donnerstag, 26. September 2019

Sei geduldig mit allen Fragen in deinem Herzen, und versuche, die Fragen an sich zu schätzen. (Rainer Maria Rilke)

Du bewegst eine Frage in deinem Herzen und suchst nach einer Antwort. Deine Ungeduld möchte oftmals eine zügige Antwort, vor allem, wenn du leidest. Du fragst, warum du immer so ungeduldig bist mit dir und den Menschen in deiner Familie. Du fragst dich, warum es dir nicht gelingt, den ganzen Tag ausgeglichen und guter Laune zu sein. Du fragst, warum das Leben so ungerecht zu dir ist. Du glaubst, dass dann, wenn du eine Antwort darauf hast, es dir besser geht.
Nach meiner Erfahrung gibt es keine letzten Antworten auf ein "Warum?". Hinter jedem "Warum" gibt es ein neues "Warum". Schon die Kinder, die so fragen, zeigen es dir. Du beantwortest geduldig jede Frage, aber irgendwann spürst du das brühmte Loch in deinem Bauch und sagst: "Schluss. Kein 'Warum' mehr!"
Rilke lädt dich ein, bei der Frage selbst zu bleiben. Lerne, deine Fragen zu schätzen und nicht eine Antwort zu erwarten. Nehmen wir doch einmal eine sehr philosophische Frage. "Wozu bin ich auf dieser Welt?" Jetzt kannst du dich direkt ans Antworten begeben. Du könntest sagen, weil deine Eltern sich liebten oder weil es im Plan Gottes lag. Du könntest aber auch die Frage einfach einmal stehen lassen. Wozu bin ich auf dieser Welt? Wenn ein Antwortgedanke auftaucht, dann stoppe ihn einfach.
Bleib also bei der Frage selbst stehen, ohne auf eine Antwort zu warten. Welche Erfahrungen machst du dabei? Kommt vielleicht ein Gefühl? Wenn ja, welches? Entsteht Freude oder Trauer? Empfindest du vielleicht sogar einen Schmerz, weil da eine Leere entsteht? Das "Wozu" könnte zu einer sehr tiefen und persönlichen Sinnfrage werden. Wer ist das "Ich", das da fragt? Von welcher Welt sprichst du überhaupt, der sichtbaren oder der unsichtbaren Welt? Wo gehört das hin, was du so selbstverständlich "Ich" nennst? Es kann geschehen, dass du die Frage mehr liebst als die Antwort. Denn jede Antwort wird vorläufig sein. Wenn du deinem Kind eine Antwort gibst bist du froh, wenn es nicht weiterfragt und da eine Zufriedenheit entsteht. Zugleich weißt du, dass deine Antwort dem Kind gegenüber mehr Fragen offen lässt, als du Antwort gegeben hast.
Uns fällt es schwer, etwas im Raum stehenzulassen. Wir mögen Stabilität und nicht die Schwebe. Fragen schweben eher als dass sie stabilisieren. Versuche, die Fragen an sich zu schätzen. Die Fragen wirken wie ein Motor, der dich weiter vorantreibt, neue Erfahrungen zu machen und auf der Suche zu bleiben.
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Mittwoch, 25. September 2019

Geduld bedeutet, dass man immer weitblickend das Ziel im Auge behält. Ungeduld bedeutet, dass man kurzfristig nicht die Bestimmung begreift. (Rumi)


Ich kann mein Leben weitblickend betrachten oder kurzfristig. Manchmal bin ich sehr kurzfristig. Kurzfristig sind so viele Aufgaben zu erledigen. Mal eben noch die Wäsche waschen und schnell einkaufen gehen. Dann mal eben noch die Schuhe putzen und einen bestimmten Menschen anrufen. Wenn ich bestimmte Dinge nicht kurzfristig mache gehen sie verloren und dann stehe ich da. Wenn ich mein Leben in der Kurzfristigkeit einrichte dann fühle ich mich getrieben. Und diese Getriebenheit äußert sich dann in der Ungeduld. Gepaart mit einer dauerhaften inneren Unruhe. Was muss ich alles noch erledigen bevor ich mich ausruhen kann.
Wenn ich aber weitblickend das Ziel im Auge behalte, dann breitet sich automatisch Geduld in mir aus. Erst am Ende meines Lebens muss ich die Ziele erreichen. Ich habe also noch unendlich viel Zeit. Auch, wenn ich morgen diese Welt verlasse werde ich nicht unruhig. Denn in meinem Weitblick schaue ich zum Horizont. Der Blick geht in die Weite und in die Ferne. Das macht mich großzügig, langmütig und sehr geduldig. Es gibt nichts zu tun! Ich kann heute mal den ersten Schritt machen und dann eine Pause. Ich habe ja so unendlich viel Zeit. Ich verlangsame meine Schritte. Mein Denken. Meine Pläne. Ich werde nicht untätig. Ich behalte das Ziel fest im Auge. Ich weiche nicht ab. Aber es muss nicht sofort sein.
Ich lade dich ein, mit mir einen größeren Freiraum einzunehmen. Das Herz zu weiten. Die großen Ziele ins Auge zu fassen und aufmerksam den nächsten Schritt zu gehen. Zugleich merke ich, wie mein Atem ruhiger wird. Ich kann loslassen und weiß, dass morgen auch noch ein Tag ist. Eine neue Chance.
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Dienstag, 24. September 2019

Pflücke den Tag!


"Carpe diem!" Diesen Satz habe ich bislang so verstanden:

Nutze den Tag! 

Die Zeit ist kostbar!
Handle nicht unüberlegt!
Mach keine überflüssigen Dinge!
Wer weiß, ob du morgen noch lebst!
Was du heute kannst besorgen...
Morgenstund hat Gold im Mund...

Immer geht es darum, möglichst viel hineinzupacken. Jeden Zeitraum auszunutzen. Die Vorstellung ist mir nicht sehr sympathisch.
Jetzt habe ich eine andere Übersetzung gehört.

Pflücke den Tag!

Der Tag ist wie eine Blume!
Lebendig!
Farbig!
Duftend!
Freude auslösend!
Bejahend!
Zustimmend!
Ein Geschenk!
Du darfst!

"Nutzt" du noch oder "pflückst" du schon? Stell dir vor, dass du diese Welt und diesen Körper verlässt. Wirst du dann auch noch "nutzen" in der Dimension der Zeitlosigkeit? Pflücken wirst du ganz bestimmt - das Leben, die Liebe, die Freude...

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Montag, 23. September 2019

Weniger ist mehr!



Manchmal verkomplizieren wir die Dinge statt sie zu vereinfachen. Da schrauben wir dann Sätze,  die so klingen wie: "Jetzt wo ich dich sehe wollte ich dir noch sagen von gestern her als ich beim Einkaufen war und mir wieder einmal bei  meiner Vergesslichkeit nicht einfiel..." Du kennst sicherlich auch Menschen, die so reden. Oder, du überlegst dir eine Mahlzeit und du möchtest es besonders gut machen für deine Lieben. Je komplizierter das Rezept, desto größer deine Liebe. Das Ergebnis sieht dann so aus: Die Herrlichkeit ist in wenigen Minuten nahezu kommentarlos verputzt.

Schalte mal bewusst einen Einfachtag ein. Heute keine komplizierten Saucen, sondern gebratene Kartoffeln mit Gemüse in der Pfanne, alles naturbelassen. Sage, was du zu sagen hast klar heraus in einfachen Sätzen und ohne Umschweife. Heute könnte dein "Weniger" zu einem "Mehr" werden. Genieße den Freiraum, der dir dadurch entsteht. Ich wünsche dir einen Tag voller Klarheit und Geradlinigkeit.

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Samstag, 21. September 2019

Ich kann. Ich will. Ich werde.

Manchmal habe ich ein Projekt vor der Nase oder ich bekomme eine Aufgabe gestellt. Dazu gibt es ein erstes Gefühl. Das kann positiv sein und es gibt ein klares Ja. Es kann aber auch so eine Mischung entstehen. So ein "eigentlich". Eigentlich bekomme ich es hin.
Dann stellt sich mir das erste Hindernis in den Weg. Die Zeit reicht nicht aus. Ich brauche länger. Ich habe zu viele andere Aufgaben. Na gut. Ich sortiere und schiebe und finde die Zeit. Dann taucht das nächste Hindernis auf. Ich kann das gar nicht. Nicht wirklich. Mir fehlen die Bausteine, es richtig gut zu machen. Na gut. Dann mache ich mich schlau und schiebe am Zeithindernis noch mal herum.
Dann taucht das dritte Hindernis auf. Ein Familienmitglied wird krank. Na gut. Das Projekt wird verschoben und die Zeit wird noch mal eingeteilt. Es tauchen noch mehr Hindernisse auf mit den Überschriften: "Ich kann nicht mehr - mir fehlt die Kraft!" "Ich will nicht mehr - das sind zu viele Hindernisse" "Ich werde es nicht machen - wie viele Hindernisse kommen da noch?"
Dann merke ich, dass ich in einem "Unmöglichkeitskarussell" feststecke. Da kann es helfen, sich einfach mal zu schütteln und einen "Jetzt erst recht!" oder ein "Nichts hält mich auf!" - Satz zu finden. Jetzt spüre ich meine Aufgaben und lese den Spruch: "Ich kann. Ich will. Ich werde." Ich schaue auf die Punkte am Ende der kurzen Sätze. Kein Fragezeichen. Auch kein übertriebenes Ausrufezeichen. Aber eine Klarheit. Und in einem Team, in einer Gruppe freue ich mich immer, wenn bei einer Lethargie sich ein Mitglied aufrichtet. Alle anschaut und klar sagt: "Ich mache!"
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Freitag, 20. September 2019

Kopfkino. Und immer erste Reihe!

So fühlt sich das an. Wenn in meinem Kopf das Kino läuft, dann sitze ich immer in der ersten Reihe. Ich bekomme jedes Detail mit. Ich bin von dem Geschehen meines inneren Filmes so gebannt, dass mir jeglicher Abstand fehlt. Dann läuft der gleiche Film auch noch immer wieder. Es gibt keine Pausentaste und kein Entrinnen. Dann gibt es immer wieder neue Details. Es wird immer noch eine Spur schlimmer. Kopfkino. Und immer erste Reihe!
Wie kann ich mein Kopfkino beeinflussen? Ist das überhaupt möglich? Oder bin ich mit meinem Gedanken- und Bilderkarussell das Opfer meiner selbst? Ich bin gegen Opferkino und für Selbstregulierung. Wie geht das?
Stell dir vor, dass da dein innerer Film abläuft. Du bist der Film selbst und du sitzt in der ersten Reihe. Du stehst gedanklich auf und setzt dich in deinem Kino in die letzte Reihe. Dann bist du immer noch der Film selbst und zugleich entfernst du dich von deinem Film in die letzte Reihe. Das macht schon einen Unterschied. Du bist nicht mehr so nah dran. Du bekommst nicht mehr jedes Detail so genau mit. Du kannst dich beruhigen. Wenn du in der letzten Reihe sitzt hast du von dort aus die Möglichkeit, zum Regisseur zu werden. Du kannst deinen Film verändern. Weil du ja selbst der Film bist und auch der Regisseur, kannst du den Film leicht verändern.
Wenn dich zum Beispiel jemand gekränkt hat und du jetzt maßlos enttäuscht bist, dann stellst du dir die kränkende Szene vor. Machst Kopfkino! Du setzt dich in die letzte Reihe und schaust dir den Film an. Dann fängst du an zu malen. Du veränderst die Bilder in dem Film. Wählst freundliche Farben, einen anderen Hintergrund, andere Gesichtsausdrücke. Du machst den Film freundlicher und freundlicher, bis er dir gefällt. Dann schaust du dir den Film noch einmal an, jetzt aber den veränderten Film. Den Film, wo du die Regie geführt hast. So machst du auch Kopfkino. Aber ein Kopfkino, wo du dann gerne in die erste Reihe gehst!
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Donnerstag, 19. September 2019

Träumer haben vielleicht keinen Plan, aber Realisten haben keine Visionen.

Welche Menschen sind dir lieber? Diejenigen, die noch eine Vision haben und von einer besseren Welt träumen? Menschen, die dich begeistern und dich in heilere Welten entführen können? Menschen, die überall Geheimnisse entdecken und finden. Menschen, die an eine gute Zukunft glauben und sich voller Begeisterung dafür stark machen. Menschen, die etwas ausstrahlen und von denen du dich magisch angezogen fühlst?
Oder sind dir die Menschen lieber, die mit beiden Füßen auf der Erde stehen. Die nicht den ganzen Tag herumstehen und reden und reden und nichts tun. Diejenigen, die anpacken. Die wissen, was zu tun ist. Die den Überblick haben und sich auskennen. Die abschätzen können was geht und was einfach nicht geht. Menschen, die nicht sinnlos ihre Zeit vertun sondern wissen, wie begrenzt das Leben ist und sich dementsprechend engagieren.
Hast du selbst eher Pläne oder eher Visionen? Vielleicht gehörst du aber auch zu den Menschen, die die Mischung lieben. Ein paar kleine aber wunderbare Visionen und den einen oder anderen handfesten und klaren Plan. Du findest beide Typen aber auch in einer klaren Ausprägung. Die Visionäre und die Realisten. Beide in der Reinform schwer zu ertragen! Die Visionäre mag ich sehr, aber sie gehen mir auf den Zeiger, wenn gar nichts dabei herum kommt. Die Realisten mag ich auch sehr, aber sie nerven mich, wenn es gar keinen Platz mehr für Träume gibt.
Träumer haben vielleicht keinen Plan, aber Realisten haben keine Visionen. Realisten haben vielleicht keine Visionen, aber Träumer haben keinen Plan. Träume ohne Pläne und Realitäten ohne Visionen sind nur die Hälfte vom Leben. Der Soziologe Saarinen sagte einmal, dass man Visionen bewohnbar machen müsse. Das gefällt mir. Bewohnbare Visionen zu erschaffen. Dafür braucht der Träumer den Realisten. Und der Realist braucht den Träumer, damit er nicht einen Plan entwirft, den keiner mag. Die meisten Menschen sind in einem der beiden Bereiche stärker. Wichtig jedoch für mich ist, beides zu würdigen!
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Mittwoch, 18. September 2019

Folge deinem Herzen und du kommst immer irgendwo an, wo es schön ist.

Das gefällt mir sehr! Ich folge meinem Herzen und dann bin ich immer da, wo es schön ist. Was mache ich stattdessen oft. Ich folge meinem Verstand und bin oft da, wo ich gar nicht hin will. Mein Verstand sagt mir: Du musst noch aufräumen. Du musst noch einkaufen. Du musst noch den Handwerker anrufen. Du hast etwas zu erledigen. Es fühlt sich dann so an, als ob der Verstand "verständnislos" durch die Gegend läuft und das Herz nicht mitkommt. Die meisten Orte des Verstandes findet das Herz trostlos. Es muss sich immer wieder arrangieren. Manchmal gelingt es und oft bleibt es traurig zurück.
Wie sähe dein Leben aus, wenn du nur deinem Herzen folgen würdest?  Wie würdest du dich fühlen und wo würde ich dich dann treffen? Wärest du im Zoo oder in deinem Garten? Träfe ich dich auf der Autobahn oder bei deinem Lieblingsmenschen? Würdest du durch die Delikatessenabteilung schlendern und ordentlich zugreifen oder sähe ich dich im Café bei einer Portion Eis oder einem Latte Macchiato?
Welche Kleidung würdest du tragen und welchen Gesichtsausdruck hättest du, wenn du deinem Herzen folgen würdest? Und worin läge der Unterschied zu deiner jetzigen Situation? Ist es gerade schön, wo du bist? Wenn ja, dann bist du ja schon deinem Herzen gefolgt. Wenn nicht, dann schließ doch mal eben schnell die Augen und spür in dich hinein. Wo möchte dein Herz sein und gibt es eine Erlaubnis?
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Dienstag, 17. September 2019

Gestern war hier noch aufgeräumt. Schade, dass du es verpasst hast.

Das Leben besteht darin, ständig das Chaos zu bändigen und zu sortieren. Ich putze und räume auf und beschaue mir die wunderbare Ordnung. Nur einen winzigen Augenblick später brauche ich ein Küchenmesser und lege es mal eben ab. Später werde ich es wieder einräumen. Dann kommt noch eine Tasse dazu und ein Schneidebrett. Nur noch ein paar kleine Krümel von dem Brot und schon sehe ich den Anfang vom neuen Chaos.
Der Zustand völliger Aufräumung hält nur kurz an. Ich könnte ja mal so ein Zimmer total aufräumen und dann abschließen. Nichts wieder anrühren. Nur ab und zu aufschließen und die Aufräumung genießen. Es würde sich zwar der Staub sammeln. Aber Staub macht keine Unordnung. Es senkt sich Schicht um Schicht auf die Ruhe. Ich könnte wegen der wunderbaren Ordnung noch ein zweites Zimmer so aufräumen und ein drittes und das ganze Haus. Ich würde das Haus nicht mehr benutzen. Ich könnte in ein Zelt ziehen. Da gibt es wenig Platz und weniger Möglichkeiten für Chaos. Ich würde dann ab und zu in mein Haus gehen, dort vorsichtig herumschleichen und nichts anrühren. Ich hätte auf ewig und überall alles aufgeräumt. Niemand, der mich besucht, würde es verpassen. Gestern war ich schon aufgeräumt und heute ist es noch immer so. Leider ist mein Zelt zu klein und darum kann ich dich hier ins Haus nicht einladen. Es würde doch schnell wieder unaufgeräumt sein.
Ich kann auch sagen: Das Haus wäre tot. Das Leben verschwunden. Wer lebt, macht Unordnung. Grundsätzlich. Geht gar nicht anders.
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Montag, 16. September 2019

Ich gehe dann mal Offline. Man sieht sich im wahren Leben!

Jetzt bin ich gerade Online. Ich schreibe diese Sätze und sehe, wenn in meinem Mailprogramm eine Botschaft ankommt. Bei Facebook bin ich gerade nicht und auch Xing liegt nicht auf Abruf. Smarthone und Laptop mit allen sozialen Netzwerken können mich sehr beschäftigen. Ich bin wo immer ich bin und bin Online. Ich bin weltweit verbunden und vernetzt. Ich habe viele Freunde und kenne viele Seiten im Netz. Ich reagiere und bekomme Reaktionen. Ich bekomme den Eindruck, dass ich wichtig bin. Ich bin ein Teil eines großen digitalen Abenteuers.
Wenn es da nicht die schmerzliche Seite gäbe. Ich bin allein vor und mit meinem Gerät. Da gibt es keine körperliche Dimension mehr. Alles nur für den Verstand, für die Augen und für die Finger. Wie sähe mein Leben aus, wenn ich komplett Offline ginge. Ginge das noch in dieser Zeit? Ade Facebook und alle anderen Portale? Sich im wahren Leben zu sehen? Es braucht eine neue Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, diese Dimension nicht zu verlieren. Freund an Freund, Körper an Körper. Gemeinsam Kaffee trinken. Lachen und schwätzen und mit allen Sinnen sich gegenseitig wahrnehmen. Mit Haut und Haar leben und sich begegnen. Anrufen und die Stimme hören und selber sprechen. Merken, dass wir Menschen mulitdimensionale sinnenfreudige Wesen sind. Sich verabreden und treffen auf dem Marktplatz oder in der Fußgängerzone. Also, jetzt gehe ich wieder Offline, reibe mir die Hände und gehe hinaus in die Welt. Mal schauen, wie es windet, riecht und begegnet.
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Samstag, 14. September 2019

Kreative Lösungen finden!


In einer Seitenkapelle der Kathedrale von Santiago sieht man den Heiligen Jakobus mit erhobenem Schwert, das gleich auf eine Schar von Männern mit Turban niedersaust, um ihnen martialisch den Kopf abzusäbeln. Santiago, der Maurentöter. Ein beliebtes Motiv in der jahrhunderte dauernden kämpferischen Kirche gegen den islamischen Feind.
Vor ein paar Jahren nun beschloss das Domkapitel, diese Figur zu entfernen, weil sie nicht mehr zeitgemäß ist. Diese Entscheidung stieß auf den erbitterten Widerstand der Traditionalisten. Die Figur muss bleiben, sonst gibt es Ärger. Kein Wunder, dass ein schwertschwingender Jakobus den Ärger auch nach Jahrhunderten gut anstacheln kann.
So haben wir nun zwei Gruppen, die sich unversöhnlich gegenüberstehen. Die Verfechter eines sich mit dem Islam versöhnenden Klerus und die Gruppe der Traditionalisten, die um ihre schwindende Identität fürchten. Figur rein oder raus? Das Domkapitel hat zwar die Macht, aber den Proteststurm muss man erst einmal überstehen. Es kann doch nur einen Gewinner und einen Verlierer geben, oder?
Die Lösung, von der ich hörte, klingt schildbürgermäßig oder wie ein fauler Kompromiss. Doch manchmal liegt die Lösung eben auf einer höheren Ebene. Und wie machten das die einfallsreichen Spanier? Nun, die "Mauren" bilden den Sockel der Figur und befinden sich folglich unten. Jetzt wird diese Figur über und über ordentlich mit Blumen geschmückt. So ist nicht mehr erkennbar, was Jakobus dort mit dem Schwert macht. Er könnte jetzt also auch Blumen köpfen. Die Traditionalisten haben sich durchgesetzt: Die Figur bleibt. Der Domklerus hat sich auch durchgesetzt: Die Anstößigkeit verschwindet - zwar nicht aus der Kathedrale, aber hinter einem Berg von Blumen. Der nicht wissende Betrachter wird entzückt sein von der spanischen Frömmigkeit, die jederzeit ihren Heiligen in einem Blumenmeer versinken lässt.

Manchmal scheint es im Leben nur ein entweder/oder zu geben. Einer gewinnt und Einer verliert. Für eine Gemeinschaft ist das aber keine wirkliche Lösung, weil der Verlierer den Verlust auf die Dauer nicht so widerstandslos hinnimmt. Besser ist es, eine Lösung zu finden, wo beide Parteien gewinnen. Die Blumen des Heiligen Jakobus erweisen sich als klugen dritten Weg. Solltest du demnächst in eine Situation hineingeraten, in der es zu einer Entscheidung kommt mit möglichen Gewinnern und Verlierern erzähle doch die Geschichte von Santiago de Compostela und dem geschmückten Jakobus. Dann lade deine Gruppe dazu ein, nach einer Lösung auf ähnlicher Ebene zu suchen. Deine Kinder wollen auf den Abenteuerspielplatz und Vater möchte Ruhe haben. Aber die ganze Familie möchte auf jeden Fall den Tag gemeinsam verbringen. Entweder verlieren die Kinder und verzichten auf das Abenteuer oder der Vater verzichtet auf seine Ruhe. Na, fällt dir eine Lösung ein, wie man den Vater oder die Kinder "mit Blumen" schmücken kann?
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Freitag, 13. September 2019

Ein Blinder liebt es, von Wundern zu hören. (jüdische Weisheit)


Ein Blinder kann keine Wunder sehen, aber er kann davon hören. Vielleicht möchte er sie eigentlich lieber sehen. Das kann er nicht. Dazu müsster ein Wunder an sich selbst erleben. Aber er kann von Wundern hören und sehnt sich danach zu hören, dass andere Blinde geheilt wurden. Wenn er hört, dass nur ein Blinder wieder sehen kann, dann kann er für sich selber weiterhoffen.
Und er liebt diese Wundergeschichten und kann nicht genug davon bekommen. Und er möchte mehr von diesen Wundern hören. Seine Hoffnung benötigt diese Wundernahrung. Eines Tages....

Du bist auf der Suche nach deinem Traumhaus. Du möchtest nicht länger zur Miete wohnen. In eigenen Wänden! Mehr Platz! Einen Garten! Deine Träume verwirklichen. Wie sähe dein Lebenssatz aus? "Ein Mieter liebt es, in Wohnzeitschriften zu blättern."
Ein Mensch mit Fernweh schaut sich Reisemagazine an. Eine Frau oder ein Mann auf der Suche nach einem Partner tummelt sich auf Partnerbörsen. Ein Kranker pilgert von Arzt zu Arzt in der Hoffnung, irgendwann den richtigen zu finden.

Alle verbindet die Sehnsucht, dass sie gerne etwas hätten, was sich noch nicht oder wovon sie nicht genug haben. Wie sähe das Leben aus, wenn die Sehnsucht aufhören würde. Wenn du genug davon hättest, den Mangel auffüllen zu müssen. Wenn du nicht mehr wie ein Bettelnder durch das Leben gehen würdest? Die Werbung könnte einpacken. Sie würde nicht mehr gebraucht. Du wärest nicht mehr verführbar. Du würdest es nicht mehr lieben, wie ein Blinder Wundergeschichten hören zu müssen. Du würdest dich der Realität stellen und annehmen was ist. Vielleicht wäre das eine Befreiung!
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Donnerstag, 12. September 2019

Wenn du dir eine Perle wünschst, such sie nicht in einer Wasserlache. Wer Perlen finden will, muss bis zum Grund des Meeres tauchen. (Rumi)

Perlen findest du nicht in einer Wasserlache sondern auf dem Grund des Meeres. Ich sehe darin eine Einladung, meine eigenen Lebensperlen zu suchen. Ich stelle mich vor den Spiegel und sehe zuerst das, was ich auch in einer Wasserlache sehen würde. Ich sehe mein Gesicht mit den Augen, der Nase, dem Mund. Ich nehme die Haut wahr und meine Haare. Ich kann die Oberflächen erkennen. In einer Wasserlache sehe ich den Untergrund, Blätter, vielleicht Insekten. Es ist nicht sehr aufregend.
Ich schaue in mein Gesicht und was ich sehe, ist nicht wirklich aufregend. Es sei denn, dass ich mich mit den kritischen Augen der Schönheitsindustrie betrachte. Dann könnte ich viele "negative" Punkte feststellen und ordentlich an mir herumdoktern. Wahrscheinlich werde ich keine "Perle" entdecken, denn die befinden sich ja am Grund des Meeres.
Wenn ich also die Perlen meines Wesens finden möchte werde ich diese nicht im Spiegel sehen. Dazu muss ich meine Augen schließen und den Weg nach innen gehen. Ich gehe mit meiner Aufmerksamkeit in die innere Tiefe oder Weite und bin achtsam. Ich will nichts und habe auch kein Werkzeug dabei. Ich gehe tauchen. Ich tauche und tauche - immer tiefer. Ich tauche durch meine Gedanken, durch Wut und Ärger, durch Trauer und Angst und die Schmerzen in der Tiefe. Und dann taucht sie wie von selbst auf - die Perle. Und, worin besteht die Qualität deiner Perle? Du wirst es herausfinden wenn du in deine Tiefe tauchst.
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Mittwoch, 11. September 2019

Wo liegt dein Venedig?


Vor ein paar Tagen las ich von Lippstadt als dem Venedig Westfalens. Kannte ich noch nicht! Dann begann ich zu recherchieren und fand heraus, dass es die Venedig des Nordens gibt mit Giethoorn in Holland. Dazu kommen noch Amsterdam, Brügge, Kopenhagen und Friedrichstadt. Im Osten tummeln sich als Venedig Städte wie Dresden, Breslau und St. Petersburg. Im Westen gibt es auch Orte mit dem gleichen Beinamen wie Westport in Irland und Nantes in Frankreich. Um die Venedigs zu komplettieren wandern wir in den Süden nach Recife, Puerto de Mogan auf Gran Canaria und nach Bangkok.
Ergänzen wir dann noch die Vendigs für die Städte, die sich ein wenig zurücknehmen, dann gelangen wir zu den "Kleinvenedigs" nach Berlin, Colmar und Bamberg. Und mitten drin: Lippstadt, das Venedig in Westfalen! Herrlich!
Ein paar Venedigs habe ich bestimmt noch vergessen. Mir geht es jedoch um das Thema, das sich dahinter verbirgt. Wir möchten alle im Paradies leben. Ein paar Kanäle, schöne Häuser, Orte des Verweilens, ein Straßencafé. Einfach im Sein sein! Manchmal entscheiden wir uns für diesen Ort und fahren nach Venedig im Original. Wir haben die Hoffnung, dass sich da unsere Träume und Sehnsüchte erfüllen.
Die Sehnsucht treibt uns voran und zieht uns an sich. Das lässt sich auch gut vermarkten. Sobald eine Stadt ein wenig Venedig ausstrahlt, lässt sich das mit der Sehnsucht der Menschen verknüpfen nach dem Motto: "Komm nach Lippstadt und deine Seele findet, was sie sich wünscht!" Und so nebenbei lässt du den einen oder anderen Euro im dahinsiechenden emotionalen Sehnsuchtszustand fallen.
Das erinnert stark an die ersten Geschichten im Buch Genesis. Die Menschen verlieren ihr Paradies, weil sie von der verbotenen Frucht essen. Sie werden vertrieben, aber die Erinnerung bleibt und die Sehnsucht auch, wieder dahin zu finden.
Im psychologischen Sinn war unser erstes Paradies der Mutterleib. Den mussten wir verlassen bei der Geburt. Jeder Mensch trägt also eine Geschichte der Verlassenheit in sich. Und zugleich eine Geschichte der Sehnsucht. Ich will zurück! Zurück an dem Ort des Glückes.
"Venedig" wird zu einem modernen Bild unserer Sehnsucht. An das Paradies glaubt ja keiner mehr. Mit dem lässt sich auch kein Geld verdienen.
Wo liegt dein Venedig, wenn wir schon einmal bei dem Thema sind? Wann kannst du entspannen. Wo und was brauchst du dafür, wenn du etwas brauchst? Siechst du noch dahin in deiner Sehnsucht? Bist du also "süchtig" oder bist du schon angekommen? Bist du vielleicht noch verführbar? Wenn ja, wie stark? Welches "Venedig" steht dir zur Verfügung und nach welchem "Venedig" schmachtest du?
Wenn du magst, dann öffne doch mal dein Herz und schau da rein. Vielleicht entdeckst du, dass ein Stück Venedig dort verortet ist und du aufhören kannst mit dem Suchen. Frohes Entdecken!
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Dienstag, 10. September 2019

Probleme sind verkleidete Möglichkeiten


Manche ordnen diesen Spruch Henry Ford zu und andere wiederum Henry David Thoreau. Mir gefällt die Vorstellung, dass Probleme nicht einfach Probleme sind. Ich stelle mir vor, dass jemand zu mir in die Beratung kommt mit dem Auftrag, dass er an Möglichkeiten glaubt angesichts seines Problems. Dass er sie im Augenblick nur nicht erkennen kann.
Die meisten Menschen sind ja klug genug, das eine oder andere Problem zu lösen. Seit frühester Kindheit gehört es zum Lebensprogramm, dass wir Aufgaben gestellt bekommen und sie in der Regel auch gut lösen. Wir lernen, wie wir wieder aufstehen können nachdem wir hingefallen sind. Wir lernen, wie wir mit einem Löffel den Brei von der Schüssel in den Mund bewegen ohne zu schlabbern. Wir weiten unsere Fähigkeiten aus je nach Anforderung. Wir bauen auf auf dem Wissen auf, das wir in uns tragen. Wenn ich mal eine Schraube gelöst habe werde ich andere Schrauben von anderen Gegenständen auch lösen können. Erst, wenn ich meine Aufgaben nicht lösen kann und darunter leide, wird es zu einem Problem.
Ich habe mich mit meinem Verstand angestrengt. Ich habe alles probiert und es lässt sich nicht lösen. Dann wird es für mich zu einem Problem. Ich bin überzeugt davon, dass ich es nicht lösen kann. Weil ich es nicht kann! Ich habe ja alles probiert! Was ist, wenn mein Problem nur aus verkleideten Möglichkeiten besteht? Dann würde es ja bedeuten, dass ich es grundsätzlich lösen könnte. Wenn ich die Kleider ablege. Ich kann meine Möglichkeiten im Moment nur nicht sehen, weil sie unter den Kleidern verborgen sind.
Kann ich die Kleider selber ablegen oder brauche ich dafür Unterstützung? Vielleicht kann ich es gar nicht erkennen, dass ich gerade verkleidet bin. Es sieht nur ein Außenstehender. Der von außen sieht mehr als ich selber. Wie bei des Kaisers neuen Kleidern. Ich bin manchmal blind für meine Möglichkeiten.
Es könnte doch hilfreich sein für mein nächstes Problem, dass ich mir einfach vorstelle, dass ich gerade verkleidet bin. Benebelt! Kurzsichtig! Ich könnte einen Schritt zurücktreten und mich von außen wahrnehmen. Ich könnte mein eigener Coach sein und mich von außen mal ganz neutral betrachten. Auch wenn ich von dort mein Problem nicht lösen kann könnte ich mich dadurch von meinem Problem lösen. Ich könnte zu meinem Problem sagen: "Du bist jetzt da. Aber ich entscheide mich dafür, dich nicht zu lösen. Kann ja jemand anders machen. Kannst mich ja einfach mal in Ruhe lassen. Mir die Ruhe geben, damit da ein Impuls kommt. Nicht aus dem Kopf, vielleicht aus dem Bauch oder aus dem Herzen."
Wenn Probleme verkleidete Möglichkeiten sind, lässt sich dann vom Kleid auf die Möglichkeiten schließen. Könnte ich mir das "Kleid" anschauen und eine Idee bekommen, welche Möglichkeit sich dahinter versteckt? Ich glaube, ja! Nicht jede Möglichkeit trägt das gleiche Kleid. Bevor ich da aber weiter spekuliere müsste ich das mal ausprobieren. Bei meinem nächsten Problem achte ich auf mögliche Verkleidungen. Eine Verkleidung kann ich vielleicht schneller entdecken als die dahinter liegende Möglichkeit. Die Möglichkeit sehe ich also nicht, aber immerhin schon das Kleid. Im Wort Kleid höre ich das Wort Leid. Vielleicht ist mein Leid ein Hinweis auf diese Möglichkeit. Ich leide wenn ich ein Problem habe. Dann schaue ich mir doch mal mein Leid an. Was lässt mich genau leiden? Welches Bedürfnis kann ich im Moment nicht erfüllen? Kann ich mein Problem besser lösen, wenn ich das verk-leid-ete Bedürfnisse kenne? Ich wünsche dir viele Möglichkeiten beim entk-leid-en deiner Probleme!
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Montag, 9. September 2019

Die Magie des Wimpernschlags




Ich erzähle einem Freund etwas, was ich mit einem Kunden erlebt habe und was mich immer noch beschäftigte. Kaum habe ich meinen Satz beendet bekomme ich die Antwort: „Das kenne ich. Da kann ich dir auch etwas zu sagen.“ Und dann erzählt er sofort seine Geschichte. Dabei bin ich noch bei meinen eigenen Gedanken und bei meinen Gefühlen. Mein Freund hatte bestimmt eine ganz gute Absicht. Sich mit mir solidarisch zu zeigen oder mir einen Tipp zu geben mit der Intention: „Ich fühle mit dir. Das kenne ich auch.“ Aber wenn jemand sofort mit seiner eigenen Geschichte kommt, dann fühle ich mich verlassen und nicht gehört. Es gibt keinen Moment der Pause, etwas nachwirken zu lassen.  Es fehlt der Teil, für einen Augenblick miteinander in Verbindung zu gehen. Ein Nicken, dass mich jemand verstanden hat. Eine kurze Rückfrage oder einen Ausdruck der Anteilnahme. Die Gelegenheit, bei mir zu verweilen.
So erlebe ich das auch oft in Gruppen. Jeder versucht, seine Geschichte loszuwerden und es wirkt wie ein Kampf, wer am besten dazwischenkommt. Jeder erzählt seine Erlebnisse und niemand geht in Resonanz mit dem jeweiligen Erzähler. Hinterher kannst du verteilen, wer die meisten Redeanteile hatte. Manche kommen nie dazwischen und versinken irgendwann resigniert ins Schweigen. Ich kenne auch Menschen, die irgendwann völlig aufgeben und still werden. Ich schaue schon lange keine Talkshows mehr. Selten kommt es vor, dass alle sich gegenseitig ein Feedback geben. Jeder will sein Zeug loswerden und Recht haben.
Ich möchte mich dabei durchaus selbst kritisch betrachten. Ich rede auch oft zu lange und zu viel. Ich nutze die Gelegenheit, jemanden ins Wort zu fallen, wenn mich die Leidenschaft oder der Widerspruch treibt. Aber es gefällt mir auch nicht, wenn ich das so mache. Später in der Stille mit mir werde ich dann traurig, dass ich nur von mir erzählt habe und nichts vom anderen weiß. Das ist auf die Dauer unbefriedigend.
Seit einiger Zeit übe ich mich darin, bewusster in eine Begegnung hineinzugehen. Dabei hilft mir die „Magie des Wimpernschlages“. Wenn mir jemand etwas erzählt, nehme ich mir fest vor, zuzuhören und mich für einen bewussten klaren Wimpernschlag zu entscheiden. Ich dehne es auf eine Sekunde aus und ich verbinde es mit meinem Atem. Wenn ich für einen Moment die Augen schließe rede ich nicht automatisch zurück. Habe nicht sofort meine eigene Geschichte auf der Zunge.
Da entsteht ein kostbarer Moment der Stille. Ich schließe meine Augen so, dass es kurz dunkel wird. Dass in diesem winzigen Augenblick der Dunkelheit eine Anfangsreaktion geschieht. Möchte ich dem Erzähler zunicken oder freundlich anschauen? Möchte ich eine Frage der Vertiefung stellen oder nur ein wenig verweilen und das Gesagte nachwirken lassen. Wenn ich für einen verlängerten Wimpernschlag meine Augen schließe, gibt es eine kleine Verzögerung, in der etwas bewusst entstehen kann.  Jenseits des Automatismus, sofort etwas erwidern zu wollen. Dann sinkt das Gesprochene in mein Herz und ich bewege es hin und her.
Die Fokussierung auf den Wimpernschlag wirkt wie ein Anker. Der Wimpernschlag im übertragenen Sinne meint ja eigentlich die Kürze eines Zeitraumes angesichts der Ewigkeit. Die Existenz der Menschen ist nur ein Wimpernschlag im Gesamt der Existenz der Welt. Aber der Wimpernschlag bekommt seine Bedeutung im Umkehrpunkt. In diesem kleinen Zwischenraum kann ich meine Weichen stellen. Und darin liegt die Magie.
Viele unserer Prozesse laufen automatisch ab. Was ja auch Sinn macht. Ich möchte nicht an jedem Tag so Auto fahren wie an meinem ersten. Alle automatisierten Prozesse erleichtern mein Leben und geben mir Energie für die übrigbleibenden Herausforderungen. Ich muss am Tag so viele neue Aufgaben anpacken und bestehen, dass ich dafür Einiges an Energie benötige.
Es gibt aber auch Automatisierungen, die vielleicht nicht so hilfreich sind. In der Begegnung mit Menschen laufen da oft Programme, die ich verändern könnte. Da spricht jemand zu mir mit lauter Stimme und ich ducke mich sofort. Da fragt jemand: „Wer war das?“ Und schon bekomme ich Schuldgefühle. Da sagt der Marktverkäufer, dass er keinen Salat mehr hat und schon gerade ich in einen panikartigen Zustand. Da plappere ich ein Gebet herunter und habe keine Bewusstheit dafür, dass ich mich mit der göttlichen Quelle verbinde. Dabei könnte ich doch die Qualität meines Lebens verbessern. Für einen Wimpernschlag höre oder sehe ich bewusst und drücke nicht meinen Automatikknopf. Ich bleibe für einen Moment bei mir und spüre in mich hinein. Was löst das gerade in mir aus? Welcher Gedanke taucht auf? Wie fühlt sich das an? Was möchte ich jetzt gerne tun? Dabei bleibe ich dabei, für den Moment nichts zu tun.
Der Wimpernschlag öffnet den Raum der Leere. Den Raum, in dem sich die Geschichte neu schreiben lässt. Da kann schon ein Gefühl der Unsicherheit entstehen. Ich höre jemandem zu und mache eine kleine Pause, bevor ich reagiere.
Ich spüre vielleicht auch, dass da etwas in mir Fahrt aufnimmt und mich antreibt. Unbedingt muss ich jetzt sofort etwas sagen. Sofort muss ich meine Geschichte loswerden bevor ich sie vergesse oder sie nicht mehr passt. Sofort muss ich deutlich machen, dass ich auch wichtig bin und interessante Geschichten erlebt habe.
Während des Wimpernschlages kann ich mich fragen: Was ist das gerade in mir, das mich da so antreibt. Das mich förmlich zwingt, sofort meine eigenen Gedanken in den Raum werfen zu müssen. Wenn ich mich an meine Kindheit zurückerinnere dann hatten wir als Kinder nichts zu sagen. Die Erwachsenen haben sich unterhalten und wir waren nicht interessant. Es gab nur die ständigen Erwachsenenfragen wie: „Wie alt bist du denn jetzt? In welche Klasse gehst du?“ Fragen mit einer kurzen Antwort. Dann wirst du größer und denkst, dass du auch mal dazwischen kommen möchtest. Die Zeit des langweiligen Zuhörens beenden und auch durch das Erzählen deutlich machen, dass du der Erwachsenenwelt angehörst.
Der Wimpernschlag hilft mir, kurz auszusteigen und bei mir zu sein und dann wieder einzusteigen um beim anderen zu sein. Dieser kleine Moment fühlt sich an wie eine Weichenstellung. Je nach dem, wie ich reagiere, dahin bewegt sich mein Zug.
Wenn mir jemand etwas erzählt und ich komme sofort mit meiner Geschichte, dann hänge ich den anderen ab, oder er wartet darauf, dass er noch eine bessere Geschichte hat. Dann werden die nächsten Minuten zu einer Kampfarena der interessantesten oder klügsten Beiträge. Oder ich setze eine ganze Gruppe schachmatt, die nur noch darauf wartet, das Territorium verlassen zu dürfen.
Ich kann aber mein Gegenüber auch anschauen und fragen, wie es ihm damit ergangen ist und ob das Ganze immer noch wirkt. Und was an dem Erzählten ihn besonders beeindruckt hat oder welche Fragen geblieben sind. Dann werde ich spüren, wie der andere aufblüht und sich gemeint fühlt.
Schon während der andere spricht kannst du eine Entscheidung treffen. Du trittst für einen Moment zurück und verzögerst deine Reaktion mit dem Wimpernschlag. Du reagierst nicht automatisch.
Im Wimpernschlag wird dir zugleich bewusst, dass es in dir ein steuerndes Ich gibt. Das „automatisierte“ Ich will ständig etwas. Möchte beachtet werden. Spielt sich auf. Sucht Bestätigung. Befürchtet, nicht beachtet zu werden. Reagiert ganz schnell in der Angst, sonst zu kurz zu kommen.
Das steuernde Ich im Hintergrund kann sich zurückhalten und Raum schenken. Es ist nicht angewiesen auf Bestätigung. Es ruht wohlwollend in sich und genießt es, einfach da zu sein. Manchmal werden wir angetriggert, quasi wie angestochen. Wir geraten in einen Aufruhr, eine Art Anspannung. Wir wollen einen Gedanken loswerden. Uns wichtig machen. Dann verschwindet das steuernde Ich in den Hintergrund und wir werden unbewusst.
Der Wimpernschlag kann so etwas werden wie ein Signal bei der Ausfahrt des Zuges aus dem Bahnhof. Wo möchte ich hin mit meinem Geist, mit meinen Gefühlen und mit meinem Körper. Oder wie Viktor Frankl sagt: „Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“
Ich trete für einen Augenblick zurück und dann begebe ich mich wieder hinein in das Geschehen. Wenn du das probierst wirst du feststellen, dass dich das mit großer Freude erfüllen kann. Du nimmst dein Gegenüber besser wahr mit einer höheren Wertschätzung und du nimmst dich selbst besser wahr in deinen Bedürfnissen und Wünschen.
Bei der Erschaffung der Welt hielt Gott nach jedem Schöpfungstag inne und besah sich sein Werk. Und siehe da, es gefiel ihm sehr gut. Und das ist mein Wunsch für dich. Du betrachtest dich selbst und kommst zu der gleichen Einschätzung. Du gefällst dir sehr gut!

Samstag, 7. September 2019

Sonnenworte für dich!


Sonne für die Seele! 

Von Rose Ausländer stammt folgendes Gedicht:

der garten
öffnet seine rosen

sie duften sich
sonnenworte zu

nur liebespaare
fangen sie auf
und grüssen zurück
in der rosensprache

rosen antworten rot
mit herzlichem duft

duftworte
die sich liebkosen

In einem anderen ihrer Gedichte heißt es so oder ähnlich:


Ich wohne in einer Stadt aus Sonne und Schnee
Der König ist ein Bettler.
Seine Nahrung ist Schnee.

Ich schenke ihm Sonnenworte
Vielleicht kann er sich Brot dafür kaufen.

Mir gefällt die Idee mit den Sonnenworten. Rosen duften sich Sonnenworte zu. Von Sonnenworten können Bettler leben.
Verschenkst du gerne Sonnenworte? Bekommst du viele Sonnenworte? Welche gefallen dir besonders gut?  Ein paar schöne Sonnenworte schenke ich im Geiste allen, die jetzt hier lesen.
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Freitag, 6. September 2019

Der Mensch handelt nicht nur gemäß dem, was er ist, sondern er wird auch, wie er handelt. Viktor Frankl

Welche Wirklichkeit ist wirklicher? Handeln aus dem Sein oder im Handeln erst werden?
Mir begegnen manchmal Menschen die sagen: "Ich bin so!" Und weil sie "so" sind, handeln sie entsprechend. Sie haben von sich eine Vorstellung entwickelt, was zu ihrem sein dazu gehört. Jemand denkt von sich, dass er unbedingt Sicherheit braucht. Darum kocht er nur ihm bekannte Rezepte. Fährt in de Urlaub an Orte, wo er sicher ist, nicht negativ überrascht zu werden. Er hat klare Vorstellungen davon, dass er alles so macht, wie es seinem Dasein auf der Welt entspricht. Das fühlt sich leider sehr festgelegt an und gibt wenig Spielraum zur Weiterentwicklung. So jemand probiert nicht einfach etwas neues aus. Das könnte gefährlich sein und das Bedürfnis nach Sicherheit gefährden.
Vikotr Frankl lädt ein, einmal diesen Glaubenssatz umzudrehen. Wenn du handelst, wird es auch dein Sein prägen. Stell dir vor, dass du nur dir bekannte Dinge isst. Du gehst zum Büffet und entscheidest dich für Kartoffelsalat mit Würstchen. Die Oliven und die Okraschoten lässt du liegen, weil du sie nicht kennst und weil du sie vielleicht nicht verträgst oder sie einfach nicht zu deinem Leben dazu gehören. Du bist halt ein westdeutscher Flachländer, der Kartoffelsalat mit Würstchen liebt.
Jetzt stellst du dir vor, dass du zum Büffet gehst und ohne Nachdenken nur Dinge nimmst, die du nicht kennst. Wie ein Forscher wirst du neugierig auf Oliven beißen und dich auf völlig unbekannte Geschmacksrichtungen einlassen. Viktor Frankl meint, dass dich das verändern würde. Du würdest feststellen, dass du gar nicht ein westdeutsches Landei bist, sondern ein Weltbürger, der die Geschmacksexplosionen liebt. Dein Handeln verändert dein Sein. Handeln entsprechend deinem Sein gibt dir Sicherheit. Als Handelnder in unbekanntem Terrain erweiterst du dein Sein. Damit stillst du deinen Wunsch nach Autonomie. Dafür ist es gut, nicht immer an die Folgen zu denken. Die Gefahr besteht dann, dass du nicht mehr deinen Impulsen folgst und für alles erst eine Versicherung abschließt. Dann magst du gut versichert sterben können, aber du verpasst das Leben!
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Donnerstag, 5. September 2019

Erst der Mut zu sich selbst wird den Menschen seine Angst überwinden lassen. Viktor Frankl

Am Sonntag war ich in einem wunderbaren Natursee mit einer kleinen Freibadanlage. Dort gab es ein Drei Meter Brett und vier Mädchen wollten von dort hinabspringen. Für alle war es der erste Sprung vom Brett. Sie waren sehr aufgeregt und erzählten sich von ihrer Angst. Zwischendurch wollten alle wieder die Treppe hinuntersteigen, weil die Angst in der Aufregung immer stärker wurde. Da fasste sich ein Mädchen ein Herz und löste sich von der Gruppenangst: "Ich springe!" Und bevor die Freundinnen ihre Sorgen ausdrücken konnten stellte sie sich an den Rand des Brettes und sprang. An diese Szene musste ich denken als den Satz von Viktor Frankl las. "Erst der Mut zu sich selbst wird den Menschen seine Angst überwinden lassen." Gehe ich mit meinen Bildern und Gefühlen in die Angst, in die Unmöglichkeit oder gehe in mein Potential.
Das Mädchen hat sich einfach von der Gruppenangst gelöst und mit und trotz ihrer Angst einen Entschluss gefasst. Und dann hat sie es gemacht. Es ist eine solche Freude, wenn Menschen in ihre Kraft kommen. Die anderen sind auch gesprungen. Jede musste für einen Moment in den eigenen Mut und in die eigenen Ressourcen gehen. Wenn es darauf ankommt, kann die Gruppe dich fördern und unterstützen und die größte Angst abfedern. Aber springen musst du selbst. Unter der Angst steckt in dir die Energie und die Kraft der Gestaltung. Um dahin zu kommen brauchst du den Mut. Menschen ohne Angst brauchen keinen Mut. Sie machen einfach!
Oft gibt es einen Außenimpuls, der dich behindert. Es ist gefährlich, was du da vorhast! Was sagen die Leute, wenn du das jetzt machst! Das Geschehen im Außen bewertest du und dann bleibst du passiv. Es sei denn, du erinnerst dich daran, dass es ja in dir die Lust, die Kraft, die Ressource, die Zuversicht und das Verlangen gibt. Die Sehnsucht, unbedingt dein Leben zu leben. Wenn du es dann machst, weißt du, dass es genau richtig war.
Das Mädchen, dass zuerst gesprungen ist, wird ihrer Familie und allen Freunden in dieser Woche davon erzählen. Und wenn ihre Lehrerin fragt, was das schönste Ferienerlebnis war, werden die anderen von Mallorca erzählen und sie von der Überwindung der Angst und dem Sprung ins Wasser. Und sie wird wissen: "Das bin ich! Das steckt in mir!"
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Mittwoch, 4. September 2019

Für gewöhnlich sieht der Mensch nur das Stoppelfeld der Vergänglichkeit; was er übersieht, sind die vollen Scheunen der Vergangenheit. Im Vergangensein ist nämlich nichts unwiederbringlich verloren, vielmehr alles unverlierbar geborgen. (Viktor Frankl)

Wie gehst du mit dem Vergänglichen und der Vergangenheit um? Ja, es ist wichtig, im Hier und Jetzt zu leben und schrecklich ist es, ständig im Vergangenen zu wühlen. Es kommt auf den richtigen Umgang damit an!
Ich kann lamentieren, wie vergänglich mein Leben ist. Je älter du wirst, desto mehr siehst du die verpassten Möglichkeiten. Du stellst fest, dass du körperlich nicht mehr so gut drauf bist wie vor ein paar Jahren. Du bist nicht mehr so schnell und so kräftig. Mit Fitness und verstärkter Achtsamkeit versuchst du, den Verfall aufzuhalten. Aber du bist vergänglich. Ob du dich jetzt ängstigst oder es ignorierst. Du bist vergänglich und du kannst die Zeit wie einen Feind betrachten, gegen den du kämpfst oder den du versuchst, auszutricksen. Zugleich kannst du aber auch Gefangener deiner Vergangenheit sein. Gefangener deiner negativen Erlebnisse. Du möchtest sie verdrängen oder vergessen. Aber du weißt, dass sie dein Jetzt beeinflussen. Du trägst die Spuren deiner Kindheit in deinen Körperzellen und in deinem Geist. Vielleicht gibst du dem Gesamtpaket eine negative Bewertung. Es fühlt sich nur schlecht an! Eben wie ein ausgelaugte Stoppelfeld. Stachelig und ausgelaugt.
Es ist deine Entscheidung, so mit deiner Vergangenheit zu verfahren. Viktor Frankl empfiehlt den Blick in die volle Scheune. Du hast geerntet! Wie wunderbar! Deine Scheune ist voller Erlebnisse und Erfahrungen. Du bist gewachsen und gereift. Du bist jetzt dieser einmalige und unverwechselbarer Mensch geworden. Wer wärest du ohne deine Vergangenheit? Ohne die Ereignisse, die dich haben reifen lassen. Du kannst am Stoppelfeld stehen oder in der vollen Scheune. Du stehst vor zwei Schätzen. Nichts davon ist verloren und alles gehört zu dir. Das Stoppelfeld erzählt deine Lebensgeschichte mit allen Höhen und Tiefen und die Scheune erzählt die Geschichte deiner Erkenntnisse und Erlebnisse. Von beidem kannst du leben.
Es kommt also darauf an, welchen Wert und welche Bewertung du der Vergangenheit gibst. Und ob du in einen Vergleich gehst mit der Zukunft. In deiner zeitlichen Begrenzung siehst du die Zukunftsmöglichkeiten schwinden. Du kannst jetzt vielleicht nicht mehr eine neue Familie gründen oder beruflich noch mal völlig neu starten. Na und? Du bist gefangen in deinem Zeitkonzept von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und du bewertest sie. Auch der Zukunft gibst du eine Wertung. Viel Zukunft ist toll und wenig Zukunft ist schrecklich. Und schon ist dann die Angst da und deine Zukunft kannst du in diesem Zustand abhaken. Du hast vielleicht viel Zeit, verbringst sie aber im Käfig deiner Angst.
Du lebst und sammelst Schätze. Du musst nichts dafür tun. Die Schätze kommen zu dir. Sie liegen am Weg und sind schon tief verborgen in dir drin. Du bist wie ein großer Sammler und kommst auf die Welt um Schätze zu sammeln. Deine Scheune ist voll und sie wird noch voller und du musst dich dafür nicht anstrengen. Es geschieht wie das Wachsen des Kornes - automatisch.
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Dienstag, 3. September 2019

Je mehr es dem Menschen um die Lust geht, umso mehr vergeht sie ihm auch schon. Je mehr er nach Glück jagt, um so mehr verjagt er es auch schon. Viktor Frankl

Die Lust zu spüren ist ein wunderbares Geschenk. Da fühle ich mich lebendig. Da bin ich ganz da mit Haut und Haaren. Völlig präsent. Das ist ganz körperlich und sehr befriedigend.
Ich genieße die großen und kleinen Glücksmomente. Den Blick auf das weite Meer. Wie das Eichhörnchen sich meinen Garten erobert und überall Haselnüsse verbuddelt. Ich liebe die Wärme der Sonne auf meiner Haut und das Zusammensein mit Menschen, die ich wirklich mag.
Die Lust auf etwas und die glücklichen Momente im Alltag geben mir eine tolle Motivation, unbedingt hundert Jahre alt werden zu wollen. Die entscheidende Erkenntins dabei: Es ergibt sich einfach so! Ich forciere nichts! Ich hechle dem nicht hinterher. Ich muss es nicht unbedingt haben. Ich bin nicht süchtig danach.
Viktor Frankl macht eine sehr präzise Beobachtung. Wenn du die Lust vermehren willst und dem Glück hinterherjagst, geschieht im Laufe der Zeit das Gegenteil. Dein Nervensystem gewöhnt sich daran und empfindet es nicht mehr als Lust und Glück. Kauf dir ein neues Auto und setze dich am ersten Tag hinein und fahre los. Fühlt sich einfach toll an. Der Geruch, das Neue, die Aufregung! Viele Wohlfühlhormone, die du da produzieren kannst. Wahrscheinlich erlebst du das auch noch am zweiten Tag. Aber schon da nicht mehr bis zur äußersten Spitze. Am Ende des zweiten Tages schleicht sich in deinem Hirn das Gefühl der Gewöhnung ein. Es ist immer noch toll! Aber nicht mehr super toll! Ein paar Wochen später ist es auf jeden Fall sehr schön und dann wird es sehr in Ordnung. Du wirst es nicht bereuen, dein Auto gekauft zu haben. Mehr und mehr übernimmt dein Verstand die Regie und sorgt dafür, dass du einverstanden bist.
Aber die Lust und das Glück haben sich schon lange verabschiedet. Wenn du dich innerlich vom Zwang verabschiedest, unbedingt glücklich sein zu wollen, bist du frei. Es wird schon immer mal wieder eine Überraschung geben für dich! Hör auf, danach zu lechzen und es unbedingt zu wollen. Die Lust und das Glück warten möglicherweise an einer ganz anderen Stelle auf dich und du gehst vorbei, weil du so fixiert bist auf deine Junkie - Objekte. Je weniger es dem Menschen um die Lust geht, umso leichter kann sie kommen. Je weniger der Mensch nach dem Glück jagt, desto mehr kann er mit dem sein, was gerade ist.
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Montag, 2. September 2019

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit. Viktor Frankl

Ich gehe durch die Fußgängerzone und aus der geöffneten Tür des Bäckers kommt mir der Geruch von frisch gebackenem Brot entgegen. Unmittelbar reagiert mein Magen und meldet Hunger an. Ich spüre meine Lust auf frisches Brot und der Speichel beginnt zu fließen. Auf dem Reiz folgt unmittelbar eine Reaktion. Was jedoch liegt zwischen Reiz und Reaktion. Wie schnell reagiere ich? Und wo hört der Automatismus auf und mein Spielraum beginnt?
Viktor Frankl lädt mich ein, meine Aufmerksamkeit auf diesen Bereich zu richten. Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. Diesen Raum kann ich wahrnehmen und für mich nutzen. Ich kann ihn ausdehnen. Ich kann dann, wenn ich beim Bäcker vorbeigehe einfach nur spüren, wie der Duft mich erfüllt. Ich kann meine Körperreaktionen wahrnehmen und meinen Wunsch, in das frische Brot zu beißen. Ich kann es mir verbieten, hineinzugehen. Ich kann es mir erlauben und dennoch nicht tun. Ich kann philosophieren über die Bedeutung von Hunger und ich kann mich entscheiden, statt des Brotes eine Banane zu kaufen. Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. Dort liegt meine Macht zur Wahl. Ich kann mich immer noch für das Brot entscheiden. Ich muss es aber nicht. Wenn ich für einen Moment innehalte, spüre ich mich selbst. Ich werde mir meiner Körperreaktionen bewusst und genieße die Möglichkeiten, die sich mir eröffnen. Ich weiß, dass ich noch oft an Bäckereien vorbeilaufen werde. Manchmal gehe ich hinein und oft auch vorbei.
Ich bin nicht der Sklave meiner ersten Eindrücke, sondern Gestalter und Schöpfer. Ich muss nicht sauer sein, wenn mich jemand übersieht. Ich brauche nicht gekränkt zu sein, wenn mir jemand einen Vorwurf macht. Ich kann viel dafür tun, meinem Nervensystem Entspannung zu bereiten. Wie gestaltet sich dein Raum zwischen Reiz und Reaktion. Wie hoch und weit oder wie begrenzt nimmst du ihn wahr? Wann ist es leichter und wann wird es so richtig schwer? Wie kannst du diesen Raum ausdehnen? Verspürst du die Lust, dich da einfach mal mehr auszuprobieren?
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