Montag, 31. Dezember 2018

Irischer Segen mit drei Impulsen

 

Folgenden passenden irischen Segen fand ich zum Abschluss des alten Jahres:

Ich wünsche dir,
dass das alte Jahr in Ruhe zu Ende geht.
Dass du alles, was nicht nach deinen Wünschen war,
ins tiefe Meer des Vergessens wirfst.
Dass du nur behältst, was dir Gutes gelang
und was dir geschenkt wurde.
So wirst du getrost dem neuen Jahr entgegensehn.
Es soll dir bescheren ein Päckchen Glück
und etwas Trübes.
Das eine, damit du dich drüber freust,
das andre, damit du`s vom Guten unterscheidest.


Drei Schritte am Silvestertag

1. Loslassen
Was möchtest du loslassen? Welche Gedanken haben im neuen Jahr keinen Platz mehr? Von welchen Ereignissen und Begegnungen möchtest du dich verabschieden? Mancher Ärger mag dir vorkommen wie ein alter Teebeutel, den du immer wieder ins Wasser hältst. Alle Kraft ist ausgesaugt, aber du tauchst immer noch! Schreibe auf, was du loslassen möchtest und verbrenne es um Mitternacht! Vielleicht eine stille Alternative zu Böller und Rakten.

2. Behalten
Welchen Ereignissen möchtest du einen festen Platz im Herzen geben. Gibt es neue Einsichten und wertvolle Erkenntnisse? Welch glücklichen Momente beschwören das Glück noch einmal? Was war deine Quelle, aus der du schöpfen durftest? Welche Menschen wurden dir zum Segen? Gab es da auch überraschende Augenblicke? Behalte ohne zu konservieren! Nimm das mit ins neue Jahr was dir nährt und stärkt.

3. Sich öffnen
Vor dir liegen die vielen Möglichkeiten. Magst du dich öffnen? Bist du neugierig? Hast du Lust auf das Neue? Wie stark ist dein Vertrauen? Wie sehnsuchtsvoll dein Herz? Wie stark sind deine Ängste, Sorgen und Befürchtungen? Dürfen sie auch sein oder lieber doch nicht? Kannst du dich hineinfallen lassen in den Augenblick, der gerade vor dir liegt und jetzt zur Gegenwart wird? Wie schön für dich!

Ich wünsche dir einen Moment der Ruhe und der Begegnung mit dir selbst in Zufriedenheit mit einem ganz großen Ja! 
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Samstag, 29. Dezember 2018

Nachtgedanken


Wir sprechen von Weihnachten in dem Sinne, dass diese "Nacht" geweiht und gesegnet ist. Das Fest beginnt mit dem Heiligen Abend als dem Beginn der Nacht. Vielleicht hast du schon einmal ganz allein und für dich einen Nachtspaziergang gemacht jenseits der Lichter der Stadt. Auf einmal bist du mit dir selbst da und deine Ängste kriechen hoch. Möglicherweise fühlt es sich auch ganz friedlich an. Die außergewöhnliche Zeit, der Ort und das fehlende Licht kann die Sehnsucht in dir wecken nach Verwandlung von Dunkel in Licht, und von Angst in den Frieden. Immerhin geht Gott auch in die Nacht und "weiht" sie. Ich wünsche dir den Frieden und das Licht für deine inneren Dunkelheiten und Nächte.

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Freitag, 28. Dezember 2018

Was mich bewegt - Ein Jahresübergang mit Rainer Maria Rilke




Was mich bewegt

Man muss den Dingen,
die eigene, stille,
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann;
alles ist austragen –
und dann
Gebären …


Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen
des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!


Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind,
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit …


Man muss Geduld haben,
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.


Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.


(Rainer Maria Rilke)


Am Ende des Jahres geht es für mich darum, einen guten Übergang zu finden. Was möchte ich loslassen. Was soll im nächsten Jahr gestärkt werden. Welche Pläne und Wünsche beschäftigen mich, wenn ich an 2019 denke. Rainer Maria Rilkes Gedicht „Was mich bewegt“ kommt mir bei meinen Reflektionen sehr entgegen. Und vielleicht darf ich meine Gedanken dazu mit dir teilen.

In der Regel plane und entwickle ich verschiedene Projekte und Ideen. Rilke spricht aber davon, den Dingen die eigene und ungestörte Entwicklung zu lassen. Zulassen, dass etwas ohne mein Drängen geschieht. Das Gesetz von Wachsen und Reifen beachten. Eigentlich weiß ich das. Spätestens seit ich im Garten arbeite. Ich kann nicht an Pflanzen herumziehen. Sie wachsen von innen aus sich heraus in ihrem Tempo mit den Vorausbedingungen, die sie antreffen. Sie wachsen mit dem Mix aus Sonne, Regen, Erde und den inneren Bedingungen. Dem der Pflanze innewohnenden Wesen.
Und wie gehe ich mit „meinen Dingen“ um? Ich weiß, wie lange meine Kartoffeln kochen und steche nicht ständig darin herum, ob sie schon gar sind. Ich warte geduldig ab, bis es so weit ist. Ich überlasse den Kuchen sich selbst und bin geduldig beim Schreiben meiner Texte. Es kommt  was, oder es kommt nichts. Wenn kein Gedanke da ist kann ich auch keinen aufschreiben. Wenn ich ihn erzwingen will gibt es nur Leere im Kopf.
Rilke lädt ein, den Dingen ihre ungestörte Entwicklung zu lassen. Schreibt er das aus einer Ungeduld und Unzufriedenheit heraus als Appell an sich selbst? Oder lebt er diese Erkenntnis schon lange? Hat er das bitter lernen müssen? Ich weiß es nicht.
Mir kommen Situationen in den Sinn, wo es mir nicht so leicht fällt, den Dingen ihre Zeit zu lassen und das Gesetz von Wachsen und Reifen zu beachten. Wenn der Zug, in dem ich sitze nicht vorankommt, denke ich, er muss jetzt die Zeit aufholen, damit ich rechtzeitig mein Ziel erreiche. Ich sitze dann auf meinem Platz und schiebe meinen Hintern mit nach vorne als ob ich das Tempo dadurch beeinflussen könnte. Ich fahre also mit, statt mich in den Sitz zurückzulehnen und den Zug einfach fahren zu lassen.
In meinen Beratungen bin ich sehr geduldig und beherzige das Gesetz von Wachstum. Bis zu einem gewissen Punkt. Am Ende des Jahres kommt auf einmal der Gedanke, dass es doch jetzt genug sein müsste. Mein Kunde muss es doch endlich begriffen haben. Er müsste doch jetzt die Veränderungsprozesse angestoßen haben. Wie kann er so lange das Leid aushalten, wo es doch schon einen lichtvolleren Weg gibt. Der Dezember eignet sich doch wunderbar, für den Januar neue Ziele zu vereinbaren. Dann sitze ich dort und resigniere, dass das neue Jahr so weiterlaufen wird, wie das alte Jahr endet. Da möchte ich aufspringen und für meine Kunden die Veränderungsarbeit machen. Plötzlich gibt es diesen ungeduldigen „Aufstehimpuls“ im Körper, der mir sagt, dass ich es nicht mehr aushalte. Da muss doch jetzt was passieren.
„Den Dingen ihre ungestörte Entwicklung lassen!“ Was ist, wenn es aber jetzt zur Abwechslung mal meinen kräftigen Impuls braucht. Da gibt es ja auch das Stagnieren und die Resignation. Schließlich kommen Menschen zu mir in die Beratung, weil sie etwas brauchen. Weil es von selbst nicht weiterwächst.
Manchmal gebe ich Kunden einen Impuls und finde ihn wunderbar. Genau richtig! Dann stelle ich fest, dass er gar nicht hilfreich war. Es war halt mein eigener Impuls und nicht der des Kunden. Kennst du ähnliche Erfahrungen? Du gibst deiner Partnerin oder deinen Kindern einen Rat. Ganz wohlmeinend und tief aus deinem Herzen gesprochen. Aber es bleibt dein eigener Impuls und deine Menschen wollen ihn nicht. Rilke spricht von den Dingen, die aus tief innen kommt. Jeder Mensch hat so etwas tief drinnen in seinem eigenen Herzen. Er möchte keine fremden Pflanzen wachsen lassen, sondern seine eigenen aus dem eigenen Inneren. Darum fühlen sich fremde Ratschläge auch so unrichtig an. Sie mögen gut gemeint sein, entsprechen aber nicht deinem Wesen. Wie anders fühlt es sich an, wenn dich jemand begleitet, indem er dir nicht tolle Tipps gibt, sondern dir hilft, dein eigenes Inneres zu finden.
„Alles ist austragen“ meint Rilke. Da gibt es bei mir die tiefe Freude, wenn ich eine Idee austragen darf. Wenn da etwas wächst in mir und ich einfach nur gespannt und aufmerksam dabei sein kann. Im Moment habe ich drei Ideen, die in mir wachsen. Ich möchte noch gar nicht davon erzählen, weil sie noch pflanzlich gesprochen unter der Erde sind. Erst, wenn sie ans Tageslicht kommen, werde ich sie teilen. Es muss ausgetragen werden und ich weiß noch nicht, ob und wie der Prozess sich entwickeln wird. Vielleicht werde ich die eine oder andere Idee nicht austragen. Das weiß ich aber jetzt noch nicht. Ich kann nur achtsam dabei bleiben.
„Alles ist austragen“ Dann folgt bei Rilke ein Bindestrich - „und dann gebären.“ Es gibt die Zeit des Bindestriches und dann muss etwas geschehen. Egal wie lange das Austragen dauert, irgendwann muss das Kind auf die Welt. Tot oder lebendig. Irgendwann muss es heraus. Wie schätzt du am Ende deines Jahres deine Geburten ein? Möchtest du noch etwas gebären? Gibt es da eine Lust oder eine Angst? Gibt es vielleicht aber auch Dinge, die schon lange wie tot in dir herumgammeln und eigentlich entsorgt werden müssten? Dinge, an die du krampfhaft festhältst? „Eigentlich müsste ich mal wieder...“ – „Ich habe schon lange...“ Wenn du etwas zu lange „austrägst“ chronifiziert sich das Tragen und wird zum Selbstzweck. „Schon seit zehn Jahren trage ich mich mit dem Gedanken, dass mein Haus für mich viel zu groß ist und ich umziehen müsste.“ Wie lange willst du noch deinen lähmenden Gedanken tragen? Wann endlich wirst du gebären? Bist du im guten Fluss mit dem, was in dir und um dich herum geschieht? Fühlst du dich stimmig mit dir selbst? Trägst du, wenn es zu tragen gilt und gebierst du, wenn es ans Gebären geht? Oder hältst du vielleicht ängstlich etwas fest? Denk mal darüber nach!
Im nächsten Vers spricht Rilke im Bild des Baumes. Der Baum weiß aus Erfahrung, dass nach jedem Sturm im Frühling auf jeden Fall der Sommer kommt. So stürmisch es auch ist. Der Sommer kommt gewiss. Auch wenn alles gegenteilig aussieht. Es sieht so aus, als ob die Krise nie vorübergeht. Es sieht so aus, als ob es keinen Ausweg gäbe oder das Wachstumsprozesse ins Stocken geraten. Das kann hart werden und schwer auszuhalten sein. Und dennoch kommt der Sommer. Unweigerlich. Ich kann machen, was ich will! So wird also auch mein Zug ankommen. Ich könnte versuchen, ihn anzuschieben, damit er schneller wird. Aber ich könnte mich auch zurücklehnen in der Gewissheit, dass er ankommt. Ich saß vor ein paar Wochen in einem ICE, der eine Schleichstrecke durch das Bergische Land fahren musste mit Tempo 50 Km/H. Das war sehr skurril, aber er kam in Dortmund an.
Leider macht sich mein Verstand so seine unsinnigen Gedanken! Das stimmt: Wenn mein Zug schneller wäre hätte ich am Ende mehr Zeit am Ziel. Aber was würde ich mit dieser Zeit machen? Meine Unruhe während der Fahrt würde mir viele Nerven kosten und ich wäre völlig erschöpft. Dabei hätte ich entspannt Zugfahren können. Das Leben ist sowieso nur eine Reise. Warum nicht im Zug sitzen. Dann bin ich auf jeden Fall schon mal unterwegs. Meistens. Die Vorstellung vom Baum, dass es gewiss einen Sommer geben wird kann mich gelassen machen. Egal wie es wird und was geschieht, es kommt der Sommer. Ich kann am Silvesterabend den Kamin anmachen und meine unerledigten Geschäfte betrachten. Ich kann mir Sorgen machen um meine Gesundheit und meine Familie. Es wird den nächsten Sommer geben. Schwangerschaft, Geburt und der nächste Sommer!
Rilke macht eine kleine Einschränkung: Der Sommer kommt zu den Geduldigen in ihrer Sorglosigkeit. Zu denen, die das Wort Ewigkeit in den Zellen eingeschrieben haben. Wenn du ungeduldig bist, könntest du den Sommer einfach verpassen. Du würdest ihn einfach nicht wahrnehmen. Es ist stürmischer Frühling und du regst dich auf und dann kommt der stürmische Herbst und im Winter sagst du, dass der Sommer ausgefallen ist. In diesem Jahr war der Sommer zum Glück „unüberfühlbar“. Er fand definitiv statt. Satt und prall! Aber wie war es im Jahr davor? Hat da der Sommer stattgefunden für dich? Wenn du das Ewigkeitsgen in dir trägst wirst du sommerlich fühlen. Sogar im Winter. Du hast dich dann so in den Sommer hineingesetzt, dass er dich ganz erfüllt. Du wirst quasi zu einem sommerlichen Menschen, dem die Kälte des Winters nichts anhaben kann. Wenn du an dein Jahr denkst, zu welchem Ergebnis kommst du? Bist du voller Sommer und Ewigkeit und Geduld?

Wenn ich jetzt weitergehe im Gedicht von Rilke komme ich zu dem „Ungelösten“ im Herzen. Bei dieser Vorstellung werde ich unruhig. Das Ungelöste! Die Aufgaben, für die ich keine Lösung weiß. Die Beziehungen, die mir Bauchschmerzen und negative Gefühle machen. Da kommen Begegnungen hoch, für die ich Scham und Abwehr empfinde. Da verklumpt sich sofort etwas im Herzen und schreit nach Lösung. Das ist der Augenblick, wo ich am Silvestertag Pläne schmiede für das nächste Jahr. Das ist die Antriebskraft, mal endlich und endgültig das Problem anzupacken.

Aber das Ungelöste ist nicht ohne Grund ungelöst. Ich war unfähig. Es gab nicht den richtigen Zeitpunkt. Da ist jemand inzwischen gestorben. Da liegen die Scherben am Boden. Im Warten und in der Stille wird mir das Ungelöste leider viel bewusster und zugleich schmerzhafter. Da sitze ich dann und möchte gar nicht daran erinnert werden und kann es nicht verhindern.

Rilke schlägt vor, dass ich beim Ungelösten in meinem Herzen die Fragen selber liebe. Ich betrachte das Schatzkästchen, dass die mögliche Lösung enthält und wenn ich an die Lösung nicht herankomme kann ich das Schatzkästchen selbst lieb haben. Ich kann mich den Fragen als Fragen hingeben und mich darüber freuen, dass ich ein fragendes Wesen bin. Nicht die Antworten treiben mich voran, sondern der Akt des Fragens. Vielleicht muss ich meine Fragen anders stellen! Vielleicht fühlt es sich in meinem Herzen darum ungelöst an, weil ich Fragen stelle, die sich nicht beantworten lassen. Ich besitze ein Buch in einer fremden Sprache und darf diese Sprache jetzt lernen. Das Ungelöste in meinem Herzen kann auch etwas Verlockendes haben. Ich  könnte also mit dem Ungelösten in meinem Herzen neugierig in das nächste Jahr hineingehen und einfach gespannt sein.

Rilke lädt ein, alles zu leben. Nicht auswählen, was ich mag und weglassen, was ich nicht mag. Da gibt es ja den Wunsch für das neue Jahr, dass es glücklich sein möge. Aber es wird nicht nur glücklich werden. Das wäre ein wenig unrealistisch. Es wird viele Aspekte haben wie dieses Jahr auch. Manche sagen, dass sie in diesem Jahr viel Pech hatten und sich für das neue Jahr besseres wünschten. Aber wenn ich so denke dann komme ich in eine Abhängigkeit und Wertung. Das Jahr wird gut, wenn ich Glück habe und schlecht wenn ich Pech habe. Befreie dich von solchen Vorstellungen. Das Ungelöste in meinem Herzen gehört zu mir und zu meinem Leben dazu. Es ist ein beständiger Teil davon und könnte mich auch reich machen.

Wie wunderbar ist doch die Vorstellung, dass wir in die Antwort hineinleben könnten. Die Antwort ereignet sich völlig ungeplant. Irgendwann denke ich mal wieder über meine ungelösten Dinge nach und es fühlt sich irgendwie gelöst an. Ich weiß nicht einmal, wie das geschah. Vielleicht kann ich aufhören, ständig nach Lösungen zu suchen. Wenn ich annehmen kann, was ist, brauche ich nicht nach etwas besserem zu suchen. Ich muss das, was geschieht, auch nicht bewerten. Ich lebe halt in einem Haus mit vielen Fragen und manchmal nicht so vielen Antworten. Und so ist es.

Am Ende des Jahres werde ich mir manchmal meiner Erschöpfung bewusst. Es war viel in diesem Jahr. Dann halte ich inne und lache über mich. Das sage ich jedes Jahr wieder neu. Es war viel dieses Jahr! Wenn ich in die Antworten hineinlebe kann ich einen Unterschied machen. Es ist nie zu viel. Es ist dann immer genau so richtig. Andererseits: Wenn alle Menschen in ihre Antworten hineinleben täten wäre ich als Berater arbeitslos. Aber auch das wäre nicht schlecht. Wäre ich die Arbeit los, könnte ich was anderes machen. Ich habe von einem Psychiater gelesen, wie er Depressionen bewertet. Er meint, dass manche Therapien die Depression verlängern. Manche Depressionen wären ohne Therapie kürzer weil der Patient sich von selbst her heilt. Er hat einfach die Nase voll von den Depressionen.

Rilke teilt in seinem Gedicht das mit uns, was ihn bewegt. Sein Vertrauen, seine Hoffnung und sein Einverständnis mit den ungelösten Dingen. Einen Dichter erlebe ich manchmal allein mit seinen Gedanken. Darum bewegt mich die Vorstellung, dass ich nicht allein bin mit meinen Wachstumsprozessen und den ungelösten Dingen in meinem Herzen. Mir wird es warm ums Herz wenn ich an dich denke und mich mit dir verbinde. Wenn ich die Solidarität spüre, dass wir alle unsere Prozesse haben und mit den ungelösten Dingen leben müssen. Sich zu verbinden fördert mein Wachstum unglaublich und macht die ungelösten Dinge ganz erträglich. Und mir gefällt die Vorstellung in Anlehnung an Rilke, dass ich in meine Beziehungen hineinleben kann. Ich muss mich nicht dafür anstrengen. Die Menschen sind ja schon alle da. Du auch! Ob ich dich sehe oder nicht. Du bist auf jeden Fall da. Und ich gerne mit dir!


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Donnerstag, 27. Dezember 2018

Der Caganer an der Krippe



Schon einmal vom Caganer gehört? Nicht? Ich kenne den Caganer auch erst seit kurzer Zeit. Ich möchte dir heute etwas über diese Krippenfigur erzählen, die aus Katalonien kommt. Sie ist dort äußerst populär, kirchlich nicht sanktioniert, mehr oder weniger anrüchig  und nimmt einen diskreten Platz an der Krippe ein. Inzwischen trägt der Caganer neben einer spanischen Tracht viele unterschiedliche und zeitgemäße Gesichter. Das von Angela Merkel, Barack Obama, Papst Franziskus oder von Messi. Jeder berühmte und bekannte Mensch kann irgendwann an der Krippe landen als Caganer. 
Der flämische Landschaftsmaler Joachim Patinir (1480 – 1524) fing wohl damit an, diesen Caganer in seine Bilder zu setzen. Dezent und winzig klein hat er ihn in seinen Landschaften irgendwo versteckt. Manchmal benötigt man sogar eine Lupe um ihn zu entdecken. Viele Bilder von Patinir wurden nach Spanien an den Königshof verkauft und befinden sich nun im Prado. Die Katalanen haben jedoch diese Figur für sich entdeckt.  Mag es sich auch nur um eine mögliche Legende handeln, wie der Caganer den Weg zur Krippe fand. Er existiert bis heute als Folklorespektakel und hat mein Interesse geweckt.
Habe ich dich neugierig gemacht? Dann will ich das Geheimnis lüften. Während die Spanier da echten Spaß dran haben wird es für mich und vielleicht auch für dich jetzt eher peinlich sein. Ich rede nicht mehr länger drum herum. Das katalanische Wort klingt so sympathisch! „Caganer!“ In der deutschen Übersetzung klingt es banal bis abstoßend oder ekelerregend. Den will niemand hier wirklich an der Krippe haben. Wovon spreche ich?  Also mal die Hose runter und Butter bei die Fische! Ich spreche schlichtweg vom „Kacker“, oder vom „Scheißerchen“. Jetzt ist es raus!
Magst du jetzt noch weiterlesen? Bekommst du ein ordentliches Ekelgefühl? Der Caganer – ich kehre zurück zur katalanischen Sprache – sitzt tatsächlich mit heruntergelassener Hose und entblößtem Po irgendwo mehr oder weniger versteckt in der Krippenlandschaft, übrigens inklusive Häufchen.
Man mag es als Folklore betrachten oder als Krippenspaß für die Kinder nach dem Motto: „Na, wo ist denn der Caganer? Kannst du ihn sehen?“
Wie fremd ist uns dieser Weihnachtsbrauch! Die Spanier sind sowieso anders. Keine Stubenhocker Weihnachtsmuffel, sondern Party auf der Straße. Wir hier mögen da eher ein weichgespültes und bereinigtes Weihnachtsfest. Der Stall ist nicht zugig sondern strahlt Kerzenlicht und Wärme aus. Die Hirten leben nicht einen kärglichen und anstrengenden Beruf sondern sind gekleidet in behaglichem Öko-Look. Das Kind liegt auf sauberem Stroh in strahlendweißen Windeln. Maria wirkt lieblich und fromm und Josef steht bedächtig und andächtig daneben. Gemütlich sind unsere Krippen. Wie die Krippe im Bild, so unsere Familie in der Wirklichkeit. Gemütlich und behaglich im Wohnzimmer bei Kerzenlicht und freundlichen Gesichtern. Nichts möge die Harmonie stören.
Und das genau macht der Caganer. Er zerstört das idyllische Weihnachtsbild. Er zerstört das harmonische Bild. Er sitzt da in aller Ruhe und verrichtet sein Geschäft. Er steht auch nicht auf, sondern verbringt dort die ganze Weihnachtskrippenzeit. Er stellt sich dadurch quer zu unseren Gewohnheiten und Lebenseinstellungen. Er entblößt, was jeder lieber im Verborgenen hält oder macht.
Das ist doch schon interessant, nicht wahr? Die Aufnahme von Speis und Trank findet in aller Öffentlichkeit statt. In der Familie, in Restaurants, in Filmen, in Kochsendungen in Schaufensterauslagen, an Büffets und in Zeitschriften. In epischer Breite und in allen Schattierungen und leuchtenden Farben.  
Die Abgabe von Speis und Trank unterliegt der Diskretion. Wird darüber gesprochen hört man lieber weg, rümpft die Nase, wendet sich ab, senkt die Stimme. Einer der wenigen Bereiche, in denen noch Tabus gebrochen werden können.
Die Katalanen setzen nun dieses Scheißerchen einfach in die Krippenlandschaft. Sie geben ihm Gesichter von berühmten Persönlichkeiten in der Welt. Er trägt auch dein Gesicht und mein Gesicht. Er sagt: „Hey, du bist auch ein kleines Scheißerchen! Du magst es vielleicht nicht hören wollen. Du magst es diskret verstecken. Es gehört aber zu deiner Lebens - Existenz dazu.
Womit werden wir hier eigentlich konfrontiert? Worum geht es beim Caganer an der Krippe? Nun, wir mögen lieber die edlen Seiten an uns. Wir möchten strahlen und duften! Wir lieben die Sonne und die lichten Farben! Die Freude und die Feste! Die Harmonie und die Freunde! Die liebenden Familienangehörige und den erfüllenden Beruf. Wir mögen es, wenn es toll ist! Wenn sich das Leben auf der positiven Seite abspielt. Und – wir strengen uns gerne dafür an. Ich auch! Ich mag die idyllische Krippe, den Glanz und die Wärme! Den Caganer würde ich nicht in meine Krippe stellen. Ich lasse mir den Frieden nicht nehmen und mit Ekelgefühlen muss man ja nicht extra an Weihnachten experimentieren.
Das Thema der menschlichen Entleerung ist doch eher unerquicklich. Im Advent denke ich lieber fromme Gedanken. Gedanken, die meine Seele erheitern und dich mich aufrichten und aufbauen. Gedanken über Friede und Erlösung. Sehnsucht nach ewigem Leben und Verbindung mit dem Göttlichen. Aufstieg in die Höhe und nicht Abstieg in die Exkremente.
Und da hockt in aller Ruhe der Caganer in der katalanischen Krippe und lässt sich nicht fortschicken. Er sitzt dort mit der größten Ruhe. Mit aller Selbstverständlichkeit! Ich kann mich umdrehen und gehen! Ich kann dableiben und zusehen! Ich kann auch wegsehen und mich auf das süße Jesuskind konzentrieren! Der Caganer bleibt einfach da hocken. Er hockt und entleert sich.
Halt! Stopp! Ich kann aber auch noch einmal genauer hinschauen. Meine Aversion überwinden! Meinen Ekel einfach annehmen! Mal einfach akzeptieren, dass er da ist! Was macht er da eigentlich genau? Er entleert sich!
Das ist ja interessant! Er entleert sich. Er leert aus was nicht mehr gebraucht wird in seinem System. Er hat irgendwann das Nahrhafte aufgenommen in seinem Körper. Er hat Energie getankt und den Abfall lässt er jetzt wieder los. Er macht deutlich, dass es im Leben einen Kreislauf gibt. Wir bewegen uns im Kreislauf des Lebens. Wir nehmen auf und wir geben ab. Wir nehmen Sauerstoff auf und geben Kohlendioxyd ab. Wir nehmen auf, wandeln um und geben wieder ab. In uns gibt es die Kreisläufe von Blut, Nerven und Meridianen. Wir sind als ganze Menschen immer Teile eines Kreislaufes. Wir haben das Leben von unseren Eltern. Wir geben es an unsere Kinder weiter und wir verlassen es wieder.
Und immer wieder gibt es etwas, das wir nicht mehr brauchen. Unsere Hautschuppen, Zellen und Exkremente. Sie gehörten zum Kreislauf und werden jetzt entsorgt.
Die Geburt im Stall könnte mit dem Caganer eine wichtige Geschichte erzählen. Gott ist ein Teil dieses großen Kreislaufes von Nehmen und Geben. Er bewegt sich im Fluss der Liebe. Da darf alles sein und nichts wird ausgeklammert.
Maria weint ihre Tränen. Josef muss mit Kränkungen bezüglich der Vaterschaft klarkommen. Der Stall ist zugig. Sie wohnen dort nicht freiwillig und das Kind macht an die Windeln wie jedes andere Kind auch.
Der Caganer erinnert uns an die widrigen Umstände. Wir machen es uns gerne so schön, vor allem an Weihnachten. Wir hoffen, dass es keine widrigen Umstände gibt. Die Familienmitglieder mögen friedlich sein und das Essen soll allen schmecken.
Wenn der Caganer in deinem Leben und deiner Familie einen Platz findet, dann könnte das dein Fest entlasten. Widrigkeiten dürften sein. Du würdest heiter und gelassen bleiben. Es dürfte ganz doll menscheln. Mit Tränen und Kränkungen, mit leicht versalzener Suppe und Geschenken, die nicht ganz alle Bedürfnisse erfüllen. Die menschliche Zuwendung untereinander dürfte ein paar Macken und Einschränkungen bekommen.
Du wärest erfüllt von dem inneren Wissen, dass du der Teil eines großen Kreislaufes wärest von Empfangen und Schenken. Von Geben und Nehmen. Von Liebe und Ablehnung. Von Weiterentwicklung und Stagnation.
Außerdem wäre es hilfreich, auch den Gedankenmüll loszuwerden. Mit welchen Gedanken und Gefühlen möchtest du an die Krippe treten? Wovon möchtest du dich befreien? Was belastet dein System? Was ist überflüssig und tot und dient nur noch als Dünger, wenn es mal aus dir herauskommt?
Der Caganer könnte so zu einer adventlichen Gestalt werden. Tu, was nötig ist. Schieb nichts auf die lange Bank. Nimm an, was ist! Räum auf und mach einen inneren und äußeren Hausputz. Lebe ganzheitlich und erneuere Körper, Geist und Seele!
Und das Kind in der Krippe wird dir sagen: „Es ist wie es ist. Gib einfach dein Einverständnis!“

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Von der Weihnachtsangst!



Wie du dich freust, wenn du erwartet wirst!
Stell dir vor, dass du zu einem Fest eingeladen bist. Du schellst beim Gastgeber und dieser schaut dich verwundert an. Es gibt kein Fest, es ist nichts vorbereitet und niemand hat dich erwartet. Obwohl alles abgesprochen und eindeutig war. Wie würde es dir da gehen? Was würdest du denken und fühlen? Neben der Suche nach einer rationalen Erklärung gäbe es vermutlich Gefühle von Ärger und Traurigkeit.
Ein Freund erzählte mir von seinen Erfahrungen mit Marathonläufen. Da gibt es am Ziel manchmal Familienmitglieder oder Freunde, die dort auf die Läufer warten. Und wie wunderbar das Gefühl ist, sich dann fallen lassen zu können in der Erschöpfung und der Freude, die lange Strecke geschafft zu haben. Wenn niemand am Ziel wartet dann fallen sich wildfremde Läufer und Läuferinnen in den Arm.
Wenn seine Kinder eine Prüfung haben dann steht er da und wartet. Er weiß, wie gut sich das anfühlt, nach der Prüfung eine Anlaufstelle zu haben. Dort fängt er gerne Frust und Ärger auf oder noch viel schöner: Die Freude über das Gelingen zu teilen.
Weihnachten ist für mich auch so eine Zeit der Erwartung. Da soll am Ende der Adventszeit, am Weihnachtsfest etwas passieren, was mich mit Sinn und Freude erfüllt. Ich gehe zu Beginn einen Weg der Vorbereitungen und Einstimmungen und hoffe, dass am Ende ein Fest stattfindet. Begegnung! Verbindung! Freude! Überraschungen! Ich erwarte Menschen und werde von Menschen erwartet. Ich möchte diese Erwartungen nicht enttäuschen und selber nicht enttäuscht werden.
Die „Weihnachtsangst“ könnte darin bestehen, dass ich erwarte und die Arme ausbreite und niemand kommt und will mich umarmen. Oder ich selbst werde von niemandem erwartet und stehe am Ende alleine da. Damit diese Horrorvorstellung auf keinen Fall eintritt setzen wir uns ein. Wir möchten dazugehören. Der Teil von einer Gemeinschaft sein und nicht einsam und ganz allein.
Neben den persönlichen Erwartungsvorstellungen des Adventes nach familiärer Nähe gibt ja auch noch die spirituelle oder christliche Erwartung. Und diese möchte ich mit dir gerne in den Blick nehmen.
Die Christen erwarten die Geburt von Jesus im Stall zu Bethlehem und zugleich die Wiederkunft Christi am Ende der Erdenzeit.
Eigentlich eine merkwürdige und widersprüchliche Vorstellung. Die Ankunft hat schon lange stattgefunden. Es gibt nichts mehr zu erwarten. Jesus hat gelebt vor mehr als 2000 Jahren. Er wurde von Maria und Josef und vom Volk Israel erwartet und die Erwartung hat sich erfüllt. Mit Freude oder auch mit Ablehnung. Eigentlich ist das Kapitel abgeschlossen. Die Geschichte ist geschrieben und das Fest liegt weit in der Vergangenheit zurück. Wenn wir das Kind in der Krippe an Weihnachten erwarten, von welcher Art der Erwartung sprechen wir eigentlich? Tun wir so als ob es keine Geschichte gab? Lieben wir die Romantik und die Wiederholung eines Rituals? Wir erwarten ja nicht wirklich ein kleines lebendiges Kind in Israel, oder?
Beim zweiten Aspekt geht es um die Wiederkunft Christi. Die ersten Christen glaubten ja noch, dass sie das zu ihren Lebzeiten erfahren würden. Morgen schon kommt Christus wieder und wird die Welt erlösen in einem dramatischen Finale. Gut kämpft gegen das Böse und Gott wird gewinnen. Und wenn das Ende heut schon kommt, dann verändert sich alles schlagartig. Es lohnt sich zum Beispiel nicht, Besitz anzuhäufen. Dann „läutere“ ich lieber zügig meine Seele, damit ich „reinen Herzens“ vor Gott treten kann. Seit mehr als zweitausend Jahren warten die Christen nun und es passiert nichts, oder? Im übertragenen Sinn werden wir jedes Jahr zu einem Fest eingeladen, das in aller Regelmäßigkeit nicht stattfindet. Wir haben diesen Aspekt in unserer Kultur ja weitgehend verdrängt. Wir beschränken uns auf einen nostalgischen Aspekt. Ein wenig Krippe, gute Stimmung und familiäre Weihnachtsgefühle.
Was sollen wir auch machen, wenn Christus sich mit der Wiederkunft so viel Zeit lässt. Oder haben wir sein Konzept noch nicht verstanden?
Meine spirituelle Überzeugung liegt darin, dass er immer schon da war und immer schon da ist und immer schon da sein wird. In diesem Sinne gibt es nichts zeitlich zu erwarten. Alle Erwartungen haben sich erfüllt. Ich muss weder nostalgische Erinnerungen pflegen noch merkwürde Jahrhunderte auf ein Ereignis warten, das vielleicht mit dieser apokalyptischen Vorstellung nie stattfinden wird.
Ich möchte dich einladen, der Erwartungsidee von vorhin noch einmal Beachtung zu schenken. Es ist so schön, wenn ich erwartet werde. Wenn mich jemand empfängt und mich willkommen heißt. Wenn ich mich darauf verlassen kann, dass ich für einen anderen Menschen so wichtig bin, dass er Zeit für mich investiert. Alles stehen und liegen lässt, nur um mit mir zu sein und mein Leben jetzt zu teilen. Dieses Gefühl und dieses Bewusstsein beflügeln meinen „Marathonlauf“.
Wenn wir also alle „Adventsläufer“ wären. Menschen, die erwartet werden, wie würde dann unser Leben aussehen? Vielleicht geht es gar nicht darum, dass wir im Advent Gott erwarten oder die Wiederkunft Christi, sondern viel mehr darum, dass er uns erwartet. Dass wir ihm willkommen sind. Ohne jeden Vorbehalt und immer und ständig. Vor unserem Leben und weit nach unserem physischen Tod. Ich bin also gar nicht der Gastgeber von Weihnachten sondern viel mehr der Gast. Aber Gott ist kein Gastgeber, der am 24.12. sein Haus öffnet. Das würde wenig Sinn machen. Wo fände ich für den Rest des Jahres dann meine Heimat? Der 24.12. dient lediglich der Erinnerung aufgrund unserer Vergesslichkeit. Und er dient der Bewusstwerdung. Ich werde mit Freuden erwartet. Immer!
Du könntest jetzt deine Augen schließen und dir deinen Lieblingsmenschen vorstellen. Dieser Mensch lächelt dich an und lädt dich ein. Mit Blicken, Worten und Gesten. Total vorbehaltlos und du hast keinen Zweifel. Du fühlst dich mit allen Seiten und Aspekten in dir geborgen und gesehen. Du jubelst in deinem Herzen und freust dich über dieses grandiose Geschenk von Wohlwollen und Willkommen.
Dann öffnest du deine Augen und trittst vor den Spiegel. Du schaust dich an und empfindest und denkst das gleiche wie bei deinem Lieblingsmenschen. Jetzt in diesem Augenblick bist du dein Lieblingsmensch.
Du schließt deine Augen wieder und gehst in Verbindung mit diesem Gefühl und Bewusstsein, dass du jetzt in dir spürst nachdem du mit deinen „Lieblingsmenschen“ geübt hast. Das, was wessen du dir jetzt bewusst wirst und was du gerade erlebst, ist zugleich das göttliche Willkommen. Du befindest dich jetzt direkt im intimen Weihnachtsgeschehen und in der göttlichen Begegnung.
Die Idee von der Erwartung kann also in dir etwas auslösen, das dich darauf aufmerksam macht, dass es keinen Unterschied gibt zwischen dir und Gott und deinem Lieblingsmenschen. Im Zentrum deines Herzens verbindet sich alles miteinander.
Nur in Raum und Zeit spürst du die Entfremdung und die Heimatlosigkeit. Im zeitlichen Advent klaffen die verschiedenen Erwartungserfahrungen auseinander. Du kannst aber den Schalter in dir umlegen und dir deines Ursprunges wieder bewusst werden. Du kommst von einer göttlichen Quelle, du lebst in ihr und du kehrst zu ihr zurück. Und zugleich hast du diese Quelle nie verloren und musst auch nicht dahin zurückkehren. Du bist immer schon mittendrin.

Dienstag, 25. Dezember 2018

Frohe Weihnachten!


In den Tagen des Adventes habe ich dich eingeladen, auf der Bettkante zwischen zwei Welten zu jonglieren. Es war ein Weg jenseits von Sternen, Engeln und anderen typischen Symbolen dieser Zeit. Ich verstehe Weihnachten so, dass das göttliche Kind in dir geboren wird. In deinem Herzen. Und es ist gut, dein Herz dafür vorzubereiten.
Im Geiste stehe ich nun mit dir vor der Krippe und nehme wahr, was geschieht. Wenn wir aufbrechen und losgehen sind wir selber aktiv. Wir bewegen unseren Körper und kommen Schritt für Schritt voran. Auch in unseren Gedanken und in unserem Herzen waren wir unterwegs. Da gab es die Einladungen, mal sein Denken und Handeln zu überprüfen. Der Adventsweg hat etwas vom Pilgern. Immer wieder sammelst du Erfahrungen, die sich setzen. Du ruhst aus und brichst wieder auf. Du bist zwischendurch erschöpft und müde und bekommst von irgendwo her wieder Energie zum Weiterlaufen.
Jetzt schaust du auf die Krippe und bist am Ziel angekommen. Jetzt gibt es nichts mehr zu tun. Du kannst von dir aus nichts mehr selber machen. Deine Hände sind noch unruhig und wollen arbeiten. Dein Herz ist aufgeregt und wartet auf das Spannende, das jetzt geschieht.
Und dann? Es geschieht nichts! Du stehst und schaust und lässt geschehen. Das Kind schaut dich an und erwärmt dein Herz. Es sagt zu dir ohne Worte: "Komm zur Ruhe. Sei einfach da!" So wünsche ich dir, dass das Geheimnis des Lebens sich dir mitteilt und zeigt und dass du gestärkt deinen Weg weitergehen kannst.

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Montag, 24. Dezember 2018

Der 24. Tag im Advent: Wenn Tag und Nacht sich küssen




Du kannst direkt jetzt diesen Impuls lesen. Zusätzlich findest du hinter folgendem Link die dazugehörigen Vorüberlegungen und meine Grundidee.
   
Der 24. Tag im Advent: Wenn Tag und Nacht sich küssen

In den vier Wochen des Adventes habe ich dich zum Verweilen auf der Bettkante eingeladen. Dir ist vielleicht klar geworden, dass dieser Ort eine Schwelle ist zwischen zwei Welten. Zwischen zwei Körper- und Geisteszuständen. Du bist dir dessen nicht immer bewusst, aber das könnte sich jetzt geändert haben. Die linke und die rechte Gehirnhälfte scheinen nicht immer gut gemeinsam zu funktionieren. Wir sind oft stärker in dem einen oder in dem anderen Bereich. Durch bestimmte Überkreuzübungen kannst du die Verbindung zwischen den beiden Gehirnhälften stärken und dich so ganzheitlicher erleben.
Du kannst die Bettkante zu einem Ort machen, an dem der Tag und die Nacht sich küssen. Du baust eine Brücke zwischen beiden Welten, so dass sie sich durchdringen können. Du nimmst die Nachterfahrungen mit in den Tag und die Tageserlebnisse mit hinein in die Nacht. Wenn du das machst, werden sich bestimmte Bereiche in deinem Leben intensivieren.
Du sitzt auch heute auf der Bettkante und legst deine Hand auf dein Herz. Dieses Ritual wird dir helfen, diese Brücke zu bauen und im Blick zu behalten. In deinem Herzensraum begegnen sich Tag und Nacht. Bewusstes und Unbewusstes. Zeit und Ewigkeit.
Und morgen wirst du aufwachen und wieder auf der Bettkante sitzen. Und du wirst die Erlebnisse der Nacht halten können. Sie werden dir nicht verloren gehen. Sie werden dir am Tag begegnen als Intuition, als Weisheit, Bewusstheit und als Gelassenheitsgefühl.
Zugleich kann es dich an Weihnachten erinnern. Und hier spreche ich zum ersten Mal über diesen Aspekt von Advent und Weihnachten. Die Bettkante als weihnachtliches Ereignis? Die Christen feiern den Heiligen Abend als die Zeit, wo der Tag die Nacht küsst. Wo Gott und Mensch sich verbinden. Wo die Nacht von der Angst befreit wird. Wo das göttliche Kind einen neuen Anfang setzt. Wo der Abend nicht mehr irgendein abgetrennter Dunkelbereich ist, sondern ein „Heiliger Abend“. Ein heilender Abend! Möge es dir geschenkt werden und dein Leben erfüllen! 
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Sonntag, 23. Dezember 2018

Der 23. Tag im Advent: Essen und fasten


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Der 23. Tag im Advent: Essen und fasten

Zur Gestaltung des Tages gehören Mahlzeiten dazu. Jetzt sitzt du auf der Bettkante und dein Verdauungssystem arbeitet vielleicht noch. Hoffentlich kann dein Körper auch in diesem Bereich gleich in eine Ruhephase hinübergehen. Spüre doch mal in deinen Körper hinein, was sich da gerade tut. Wie satt oder wie hungrig fühlt es sich an? Bist du gesättigt? Gesättigt an Nahrung und gesättigt an Liebe oder an Sinn? Fühlt sich dein Tag satt an? Wenn du kein Mangelgefühl hast, gibt es nichts nachzuholen und nichts zu vermissen. Wer satt ist, ist satt. Und kann loslassen, es sei denn, du bist übersatt. Lege deine Hand auf dein Herz und spüre die Sättigung. Lass dich in dieses Gefühl hineinsinken. Es gibt nichts weiter zu tun und nichts nachzuholen.
Gleich, wenn du dich hinlegst, gehst du in die Nachtphase des Fastens. Dein Körper wird keine Nahrung aufnehmen und du wirst trotzdem keinen Mangel haben. Du wirst keine Gelüste haben und musst nichts suchen. Du wirst dich mit diesen Gedanken gar nicht erst beschäftigen. Du hast eine völlige Pause von jeglichem Essensgedanken. Du wirst in einem Zustand sein, in dem Essen keine Bedeutung hat. Du wirst nicht einmal fasten. Fasten würde ja bedeuten, dass du vom Essen her denkst. Fasten heißt dann: Nicht essen! Aber du wirst in einem Zustand der Freiheit sein. Körper und Essen gehören zusammen. Im Traumzustand bewegst du dich jenseits davon.
Am Morgen wirst du wieder auf der Bettkante sitzen. In dir werden Körperprozesse abgeschlossen sein. Es gab eine Pause in der Nahrungsaufnahme und dein Körper brauchte für eine Zeit keinen Nachschub von dir. Jetzt wird er sich gleich wieder melden. „Hallo, mein Mensch, ich brauche was! Müsli oder Brot. Kaffee oder Tee!“ Damit taucht dann das vertraute Gefühl des Tages auf. Du bist ein bedürftiges Wesen nach Nahrung, Sinn und Liebe. Wenn du jetzt aufstehst könntest du die Erinnerung der Nacht mit auf den Weg nehmen. Das bist du nämlich auch: Ein menschliches und göttliches Wesen jenseits von Bedürftigkeit. Und du kannst mit beiden Identitäten gleichzeitig in den Tag gehen. 
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Samstag, 22. Dezember 2018

Der 22. Tag im Advent: Arbeiten und beten


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Der 22. Tag im Advent: Arbeiten und beten

Da gibt es einen alten Grundsatz der Mönche, der davon spricht, wie wichtig der Wechsel von Gebet und Arbeit ist. Von Aktivität und Passivität. Von Sympathikus und Parasympathikus. Die Benediktiner leben nach der Regel: Ora et labora. Bete und arbeite. In diesem gesunden Wechsel bekommen Körper, Geist und Seele das, was sie brauchen.
Du sitzt am Abend auf der Bettkante und spürst, wie die Arbeit in deinen Knochen hängt. An deinem Körperzustand kannst du ablesen, dass du ein arbeitendes Wesen bist. Gleich wirst du liegen und die Arbeit für diesen Tag verlassen. Die Nacht gehört der Stille und der Kontemplation. Du wirst im Schlaf nicht bewusst beten oder kontemplieren können. Aber du bringst dein Gehirn wie bei der Meditation in den Alpha/Thetazustand. Deine Gehirnwellen werden sich verlangsamen und so Traumbotschaften erhalten können. Wenn du jetzt die Hand auf dein Herz legst und deinen Herzensraum dabei beobachtest und zugleich noch deinen Atem wahrnimmst, wirst du müder und müder. Du denkst keinen bestimmten Gedanken sondern nimmst deine Hände wahr und deinen Atem. So bereitest du dich vor auf die Liegephase. Du schaltest mehr und mehr in einen langsameren Gehirnmodus nur durch den Vorgang von Beobachten und Wahrnehmen. Die Mönche würden das dann den „ora“ Zustand nennen.
In der Nacht wirst du diesen Zustand halten können. Den Zustand der Kontemplation. Stelle dir vor, dass du nicht wirklich schläfst, sondern meditierst. Du musst nichts mehr tun. Du darfst sein wie du bist. Der Verurteiler und Kritiker in dir macht auch eine Pause. Dein Planer und dein besorgter Anteil in dir haben ebenfalls nichts zu tun. Nach und nach schickst du alle diese Anteil mit dir ins Bett. Wohlwollend und zugleich klar und bestimmt.
Am Morgen sitzt du wieder auf deiner Bettkante und beobachtest, wie alle deine Anteile aus der Ruhephase erwachen. Hörst du schon den Kritiker? Meldet sich eine andere Stimme? Hörst du auch die Stimme aus der Stille, die dir sagt: Sei entspannt! Es gibt nichts zu tun! Genieße den Tag! Oder findet eine Diskussion der Stimmen in dir statt? So dass es dich mit Riesenschritten ins Wachbewusstsein bringt: Auf, an die Arbeit! Widersteh diesem Szenario nur für einen Moment. Und schon bekommt der kontemplative Teil in dir eine kleine Chance.
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Freitag, 21. Dezember 2018

Der 21. Tag im Advent: Einatmen und ausatmen



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Der 21. Tag im Advent: Einatmen und ausatmen

Du sitzt auf deiner Bettkante am Ende des Tages und nimmst deinen Atem wahr. Du atmest ein und du atmest aus. Mit jedem Atemzug bewegst du dich zwischen zwei Welten. Der Welt des Aufnehmens und der Welt des Abgebens. Du nimmst Sauerstoff auf und gibst Kohlendioxid ab. Mit dem Einatmen betonst du den Aspekt von Anspannung und Aufgabenbewältigung. Mit dem Ausatmen betonst du die Entspannung und das Loslassen. Wenn du jetzt auf der Bettkante sitzt kannst du ja mal nachspüren, welchen Teil des Atmens du mit deiner Tagesaktivität eher verbindest. Bist du primär ein Einatmer oder ein Ausatmer. Auch wenn du beide Teile regemäßig machst, wirst du eine Tendenz spüren. Vielleicht entspricht der Tag an sich mehr dem Einatmen und die Nacht dem Ausatmen. Wenn du stirbst wirst du immer mehr ausatmen und immer seltener einatmen. Mit dem abnehmenden Atmen verlässt du mehr und mehr die quirlige und lebendige Welt und gleitest hinein in das Reich der Nacht.
Wenn du dich gleich hinlegst kannst du ja deine Aufmerksamkeit einmal bewusst auf das Ausatmen legen und mit jedem Ausatmen Gedanken loslassen und Körperanspannungen loslassen. Mit den Atembewegungen unterstützt du deinen Weg in den Schlaf. Lege wieder deine Hand auf dein Herz und spüre, wie unter deiner Hand der Atem fließt bis tief in den Bauchraum hinein. Du wirst vitalisiert und du lässt los und du kannst es gleichmäßig machen. Alle deine Gedanken und dein Körperzustand bringst du mit dem Atmen in einen Fluss.
Wenn du morgen aufwachst wirst du wieder auf der Bettkante sitzen. Beobachte einmal den Atem jetzt. Geht er gleichmäßiger? Fühlt es sich entspannter an? Holst du schon tief Luft und atmest schnell, damit du mit genügend Sauerstoff versorgt wirst und dein Körper seine Aufgaben übernehmen kann? Unterscheidet sich dein Atem jetzt vom Atem am Vorabend? Mit deinem bewussten Atem kannst du deinen Körper und deinen Geist steuern. Du kannst hektisch werden oder tiefenentspannt in den Tag gehen. 
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Donnerstag, 20. Dezember 2018

Der 20. Tag im Advent: Wirklichkeit und Traum


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Der 20. Tag im Advent: Wirklichkeit und Traum

Du sitzt auf der Bettkante am Ende des Tages und befühlst mit den Händen deinen Körper. Das ist deine Wirklichkeit. Du bist Körper. In deinem Inneren kannst du deine Speisereste finden oder das, was der Körper davon verarbeitet hat. Du könntest es medizinisch untersuchen lassen. Du siehst die Struktur deines menschlichen Körpers und die Formen deiner Umgebung. Ein Schrank, ein Bett, eine Lampe und ein Nachttischschränkchen. Deine Wirklichkeit kannst du anfassen und begreifen. Das alles hältst du für absolut wirklich. Wirklich ist das, was du materiell wiegen und messen kannst. Lege deine Hand auf dein Herz und spüre diese körperliche Wirklichkeit. Ja, das bist du. Du bist ein Mensch mit Haut und Haar und aus Fleisch und Blut. Für diesen Moment ist das noch so.
Aber gleich, in wenigen Augenblicken wird sich diese unverbrüchliche Wirklichkeit in Nichts auflösen. Als ob sie nie gegolten hätte. Gleich sinkst du ein in eine anders gestrickte "Wirklichkeit": In deine Traumwelt. Dein jetziger Geisteszustand entlarvt es als „Das ist ja nur ein Traum!“ Und hält es für Phantasie. Für nicht wirklich wie die Welt der materiellen Dinge. So denkst du aber nur im Wachbewusstsein. Gleich, wenn du liegst wirst du zum Herrschaftsbereich der Träume und Phantasien gehören. Sie lachen deine körperliche Wirklichkeit aus. Sie halten sich für wirklicher und wirksamer. Ohne Anstrengung und Kraft erschaffst du gleich ganze Universen. Du wirst im Schlaf zum göttlichen Wesen. Und wenn du aufwachst hältst du das ganze nur für einen Traum, den du nicht festhalten und in die Tageswirklichkeit mitnehmen kannst.
Am Morgen sitzt du wieder auf der Bettkante und bist voller Traumwelt. Wie schnell wird sie sich verflüchtigen? Auflösen? Kannst du sie halten? Kannst du im Tagesbewusstsein deine Traumwelt reaktivieren? Und was geschieht mit der Nachtwelt, die du gerade verlassen hast. Existiert sie unabhängig von dir oder muss sie eine Tagschicht warten bis du wiederkommst? Gleich hat dich der Alltag wieder und behauptet von sich wirklich zu sein. Wirklicher als jeder Traum. Wem glaubst du? Und wer hält diese beiden Teile zusammen? Wer ist das "Ich" dahinter, das beides erleben und zusammenhalten kann? 
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Mittwoch, 19. Dezember 2018

Der 19. Tag im Advent: Von Körper, Geist und Seele


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Der 19. Tag im Advent: Von Körper, Geist und Seele

Du sitzt zum Beginn deiner Nacht auf der Bettkante und spürst deine Körperlichkeit. Du sitzt zum Teil auf dem weichen Bett und vielleicht auch auf einer harten Holzkante. Je nach dem ist dir eher warm oder kalt. Du wirst dir deiner Körperlichkeit bewusst und empfindest es als angenehm oder unangenehm. Zugleich denkst du etwas wie: "Schade, dass es schon so spät ist." Oder: "Der Tag war in Ordnung und morgen muss ich zuerst dies oder das machen." Dein Körper und dein Geist befinden sich vielleicht auch in einem Dialog miteinander. Sie sind es den ganzen Tag gewöhnt, miteinander umzugehen. Manchmal friedlich und oft auch im Streit miteinander. Wenn du dich wie „beseelt“ fühlst weißt du, dass es noch etwas anderes gibt. Während du Körper und Geist wie ein Werkzeug begreifen kannst ist die Seele näher an deinem Herzen. Du kannst sie darin erkennen, dass sie seufzt oder dass sie dahinschmilzt. Dass sie weit wird. Und eigentlich bist du diese Seele selbst. Du bist die Seele, die in einem geistvollen Körper wohnt. Tagsüber tritt sie manchmal in den Hintergrund, wenn Körper und Geist ihre „Gefechte“ und Befindlichkeiten ausdrücken.
Jetzt auf der Bettkante wird es gleich wieder den Übergang geben zur Nacht. Die Prioritäten werden sich verschieben. Körper und Geist werden gleich in den Hintergrund treten. Du kannst dir vorstellen, dass du sie bettest wie ein Zwillingspaar. Wenn sie zur Ruhe kommen und loslassen, wird alles in dir sich entspannen. Dann beginnt die eigentliche Zeit deiner Seele. Sie kann sich befreien und wird in ihrem Element sein. Wenn du morgen aufwachst übernehmen sofort dein Geist und der Körper wieder das Regiment. Die Seele wird leise und tritt in den Hintergrund. Sie rangelt nicht mit Körper und Geist weil es nicht ihrem Wesen entspricht. Leg deine Hand auf dein Herz und beginne damit, Körper und Geist in die Ruhe zu führen. Du entscheidest über diesen Zeitpunkt! Da gibt es ein „Ich“ in dir, dass das steuern und entscheiden kann. „Kommt zur Ruhe mein Körper und Geist und gib der Seele ihren Raum.“
Du wachst am Morgen auf und setzt dich nicht sofort auf die Bettkante. Spür deiner Seele nach bevor Körper und Geist von dir Besitz ergreifen. Wo kommt deine Seele gerade her? Was möchte sie dir flüstern für den Tag. Sie hat eine wichtige Botschaft für dich aus dem Bereich der Nacht. Ihre Worte sind immer wohlwollend und wegweisend. Ihre Ideen haben immer etwas Göttliches und Verbindendes. Du sitzt auf der Bettkante und gehst mit deinem „Seelenwort“ in den Tag. Mit diesem Seelenwort „tränkst“ du deinen Körper und deinen Geist. Was flüstert dir deine Seele? „Du bist liebenswert!“
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Dienstag, 18. Dezember 2018

Der 18. Tag im Advent: Von Weite und Begrenzung



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Der 18. Tag im Advent: Von Weite und Begrenzung

Auf der Bettkante sitzend lade ich dich ein, für einen Moment die Augen zu schließen. War dein Tag voller Weite? Mit vielen Möglichkeiten? So, dass du auswählen konntest. Oder war es ein Tag voller Grenzen. Ständig standen da Menschen, die dich in die Schranken verwiesen haben. Oder du bist an deinen eigenen Schwächen und Fehlern gescheitert. Fühlte sich dein Tag weit an oder begrenzt. Oder gab es eine Mischung von allem?
Gleich wirst du hinabsinken in den Schlaf. Wenn du die Augen schließt wird es wieder den Bereich zwischen diesen beiden Polen geben. Weite oder Begrenzung. Wenn du eintauchst in deine Traumwelt können sich Traumwelten öffnen. Jede Begrenzung verschwindet und du kannst zwischen allen Universen reisen. Nichts und niemand wird dich festhalten. Es könnte so weit werden, dass du dich einsam fühlst oder dich verlierst angesichts von so weiten Ewigkeitsräumen. Oder wirst du abtauchen in eine enge Erdenwelt? Dunkel und stickig wie in einem Sarg! Wie erlebst du deine Tagwelt und wie deine Nacht. Gibt es Unterschiede? Und was magst du mehr? Die Sicherheit der Begrenzung oder eher die Freiheit der Weite? Lege deine Hand auf dein Herz und spüre an diesem Ort, dass du zu beiden Welten gehörst. Dein Herz, dass beschützt in deinem Körper liegt und dein spirituelles Herz, dass sich verbinden kann mit allem, was ist.
Und morgen sitzt du wieder auf der Bettkante und spürst nach, wie weit oder begrenzt deine Nacht war und mit welchen „Spätfolgen“ du da jetzt sitzt. Hast du ein Bedürfnis nach Sicherheit oder den Wunsch nach Weite? Mehr von dem aus der Nacht oder lieber genau das Gegenteil? Du wirst diese Polarität nicht auflösen können zur einen oder zur anderen Seite hin. Du wirst dazwischen wandern und dir beide Gebiete zur Heimat machen.
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