Freitag, 27. September 2013

Welches Füllwort ist gerade in?

Manche Wörter werden inflationär gebraucht. Okay gehört zu dieser Kategorie. Eine Zeitlang konnte Okay bis zum 20 mal auftauchen. Okay flaut im Moment wieder etwas ab. Irgendwann hieß ein Füllwort "nicht wirklich". "Bist du zufrieden mit der Wahl? - Nicht wirklich!" Ständig wechseln sich solche Wörter ab.
Ich nenne sie Reaktionswörter. Irgendjemand erzählt dir etwas und du sagst "Okay" oder "nicht wirklich". Es könnte auch "Ach ja?" sein. Irgendwann jedoch kommt der Augenblick, da wird es dir bewusst. Ständig kommt aus deinem Mund quasi automatisch dieses Füllwort. Du benutzt beispielsweise so lange "Okay" bis dir bewusst wird, dass du ständig dieses Wort verwendest. Manchmal weisen dich die anderen darauf hin.
Wenn du jedoch einmal so ein Wort so richtig ins Visier und unter die Lupe nimmst, kommst du zu interessanten Erkenntissen. Im Duden findet sich unter Okay: Einverständnis oder Zustimmung. Dabei weiß niemand die Abkürzung für die zwei Buchstaben "o" und "k". Dazu gibt es mindestens zehn Gründungslegenden. Es entstand also irgendwann einmal in den USA. Es steht für "in Ordnung" aber das Wort selbst lässt sich nicht mehr herleiten. Wie sind diese zwei Buchstaben in Kombination so machtvoll geworden? Wie haben die das geschafft? Wie ist es diesen Buchstaben gelungen, so häufig in einem Dialog vorzukommen?
Okay, diese Frage bewegt nicht die Menschheit, aber es zeigt sich darin ein interessantes Phänomen. Wir können scheinbar sinnlose Wörter finden oder erfinden, denen wir Bedeutung geben. Neue Wörter erschaffen eine neue Wirklichkeit. Pippi Langstrumpf war bekannterweise eine Meisterin der Wortschöpfung.  Okay hat es bis in die Psychotherapie geschafft. "Ich bin ok. Du bist ok". "Ich bin zwei Buchstaben du bist zwei Buchstaben." Okay, ich mach besser Schluss.

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Donnerstag, 26. September 2013

Mit dem Herzen online sein!

Bin ich wirklich online? Ja, mein PC ist eingeschaltet. Das Signal zeigt an, dass ich mit dem Netz verbunden bin. Ich kann Mails empfangen und verschicken. Ich kann surfen im Internet. Auf meiner Facebookseite sehe ich auch die anderen PCs, die online sind, ebenso die bei skype. Aber bin ich online? Wenn ich mich vom PC wegbewege, bleibt das Gerät zwar online, aber ich selber? Ich kann mich im Haus bewegen oder sonst wo unterwegs sein. Bin ich online?
Hinter diesem Satz verbirgt sich mehr. Wenn ich mit einer Gruppe locker beim Essen zusammensitze fragt mich manchmal einer: "Hallo! Bist du da?" Dann wache ich auf und merke, dass ich geträumt habe und mich an einem ganz anderen Ort befand. Meine Gedanken waren zwar online, aber nicht verbunden mit den Menschen am Tisch.
Bist du immer wirklich online? Wenn ich mit anderen Menschen zusammenbin, wünsche ich mir, so präsent zu sein, wie es irgendwie nur geht. Das stelle ich mir so vor: Ich bin körperlich anwesend, mit meinen Gedanken bin ich aufmerksam bei meinem Gesprächspartner. Auch mein Herz ist geöffnet und ich spüre die Energien, die hin und her fließen. Ich fühle mich verbunden. Dann bin ich wirklich online!
Leider sind wir Menschen ganz schön störanfällig, so wie das weltweite Netz. Manchmal stürzt du ab, manchmal funktionierst du nur halb, manchmal gibt es ein unerklärliche Störung und manchmal willst du oder kannst du einfach nicht.
Im Gespräch könnte es sinnvoll sein, deinem Partner ein Signal zu geben, ob du online oder offline bist. Dein Körper allein drückt das nicht immer aus.

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Mittwoch, 25. September 2013

Lösungen auf einer anderen Ebene oder Brot für den Löwen

Im Märchen vom Wasser des Lebens kann der junge Mann nur das Schloss mit dem verborgenen Schatz betreten, wenn er die Wächterlöwen davor überwindet. Von einem Zwerg bekommt er für diese Aufgabe Brot geschenkt und dieses Brot soll er an die Löwen verfüttern um sie abzulenken. Das gelingt auch.
Brot für den Löwen! Diese Lösung macht mich stutzig! Ich dachte, Löwen fressen Fleisch und kein Brot. In meiner Phantasie hätten die Löwen für das Brot nur ein müdes Lächeln übrig gehabt. Aber in dem Märchen lassen die Löwen sich mit Brot abspeisen. Der junge Mann musste unbedingt in das Schloss, um das Wasser des Lebens dort zu finden. Die Löwen waren eine der Hürden, die es zu überwinden galt.
Im Leben ist es auch oft ähnlich. Du hast ein Ziel vor Augen, das du erreichen möchtest. Dabei ist es egal, ob dein Ziel beruflich oder privat ist. Dabei kommmen dir neben den Zielen sogleich die Hindernisse in den Sinn. Diese Hindernisse hältst du für unüberwindlich. Dir fehlen einfach die Lösungen! Nehmen wir ein Beispiel: Du möchtest ein Auto kaufen und hast dich schon für eines entschieden. Dann taucht die erste Hürde auf: Wie kann ich es nur finanzieren? Dann taucht die zweite Hürde auf: Bekomme ich es nicht auch noch günstiger? Was sagt meine Familie dazu?
Dies Hürden sind nun deine Löwen. Um zu deinem Auto zu gelangen, musst du deine Löwen überwinden. In der Regel denkst du bei deinen Lösungen über die dir bekannten Methoden nach. Du suchst nach Fleisch für den Löwen und nicht nach Brot. Aber so wie der junge Mann im Märchen kein Fleisch hat, denkst du auch in den den dir bekannten "Fleischkategorien". Suche also mal nach Brotlösungen! Was heißt das nun für den Autokauf? Die Lösungen liegen da, wo du sie gar nicht vermutest. Vielleicht steuert die Oma etwas Geld dazu bei und lässt sich dafür von dir durch die Gegend kutschieren. Du vereinbarst mit dem Autohändler, deinen Wagen als Werbefläche zu nutzen. Sieh den Autokauf nicht wie ein mühsames Unterfangen, sondern wie ein großes Spiel. Arbeite mit dem, was du gerade zur Hand hast! Die "Brotlösungen" sind schon in dir da. Vertrau deinen eigenen Ideen und deiner Kreativität! Oft sind Lösungen eher einfach und unspektakulär!

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Montag, 23. September 2013

Der Mensch ist was er isst - oder alles nur Phantasie?

Seit langem schon betreibe ich Supermarktstudien der eigenen Art. Jeder Einkauf bringt neue Erkenntnisse. Über das Leben, über die Menschen, über Leidenschaften und Gewohnheiten. Der Supermarkt ist ein Spiegel des Lebens.

Käuferin A an der Kasse: große Pakete Fleischwurst, Nudelsalat, Kartoffelsalat, Tiefkühlpommes, Toastbrot, Dosenravioli
Meine Phantasie: große Familie, viele Kinder, eher Jungen als Mädchen, keine Lust oder Zeit zum Kochen, vielleicht eine Party?
Käuferin B an der Kasse: Feldsalat, Bananen, Kohlrabi, Tomaten, Müsli, Milch, Butter.
Meine Phantasie: Gesunde Ernährung, selber kochen, vegetarisch, Frische, kleine Familie mit einer Tochter.
Käufer C an der Kasse: eine Flasche Schnaps
Meine Phantasie: alleinlebend, arbeitslos, Alkoholiker.

Ich lege meine Waren auf das Band: Tomaten, Mozarella, Basilikum, eine Flasche Chianti
Meine Phantasie zu mir: Italiener, Urlaub, Romantik, es fehlen ein paar ordentliche Kalorien.
Ich verlasse den Supermarkt und die Phantasien verschwinden. Der Supermarkt entpuppt sich als ein Ort der Märchenentstehung. Käuferin A fährt mit ihrer Familie in den Urlaub und braucht einfache Vorräte, Käuferin B macht Besorgungen für die kranke Mutter. Käufer C ist wirklich Alkoholiker und ich - liebe Tomate Mozarella.
Wie viel Leben findet eigentlich lediglich in unserer Phantasie statt? Tausende von Bildern entstehen so jeden Tag. Eine Alternative zum wirklichen Leben?

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Sonntag, 22. September 2013

Kino für umsonst!

Als es noch die Telefonzelle gab, waren die Gespräche darin privat. Die Zelle sorgte für ein gewisses Maß an Abschirmung und Ruhe. Die Zellen sind rar geworden in der städtischen Landschaft. Irgendwann gehören Telefonzellen völlig der Vergangenheit an und du findest sie nur noch im Museum.
Oft beobachte ich folgende Situation: Ich sitze im Zug, Großraumwagen. Kurz vor einem Bahnhof fängt die Handytätigkeit an. Entweder tönt es, oder die Leute rufen an. Dann kommt von vielen Ecken her: "Ich bin gleich da!" "Holst du mich ab?" "Komme heute später!" "Wir haben Verspätung!" "Ist Lena schon da?" "Ich versteh dich nicht, der Empfang ist nicht so gut!" "Was machst du heute Abend?" "Was machen wir heute Abend?" "Was gibt es zu essen?"
Der Zug fährt in den Bahnhof ein und nach und nach verebben die Gespräche. Nach meiner Einschätzung sind die Gespräche vom Inhalt her ziemlich überflüssig. Früher konnten die Leute ja im Zug auch nicht telefonieren. Absprachen wurden vor der Reise getroffen. Aber als Zuhörer und Zuschauer bekommst du Kino für umsonst. Das ist schön! Wenn da jemand freudig reagiert, weil er abgeholt wird. Oder wenn man mitbekommt, wie die Qualität der Beziehung so ist. Du fieberst mit, wer denn wohl am anderen Ende der Leitung ist. Wenn du als Zugreisender vor dich hin döst, ist eine Unterbrechung mal ganz belebend.
Was mich nervt, sind eher die Handygespräche im Supermarkt. "Du, ich steh hier vor dem Kaffeeregal und weiß nicht, welche Sorte ich nehmen soll!" Es lebe die selbstbestimmte Entscheidung!

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Donnerstag, 19. September 2013

Und plötzlich starren dich alle an!

Eine Frau erzählte mir von einer Abweisung durch ihren Sohn bei einem Familienfest vor den Augen aller Gäste. Da kommt der Moment, "wo alle sie anstarren!"
Da gibt es das Rot werden, die Scham, das Zittern am ganzen Körper und der Wunsch, unsichtbar zu werden.
Jeder Mensch hat seinen eigenen wunden Punkt. Wenn wir das Gefühl haben, dass alle uns anstarren, dann wird der wunde Punkt besonders spürbar. Da sind wir äußerst verletzlich und in diesem Zustand wollen wir auf keinen Fall gesehen werden. Wir glauben, dass die Leute um uns herum genau das sehen, was uns so mit Scham erfüllt. "Hilfe! Jetzt, wo das große Stück Kuchen vor mir steht und gleichzeitig mein Pullover hier im Café hochrutscht sehen alle, wie dick ich bin." "Verdammt! Wo ich bei der Arbeit gerade mal eine kurze Pause machen und mir die Augen zufallen und ausgerechnet jetzt der Chef vorbeikommt, treibt es mir die Schamesröte ins Gesicht. Du bist faul, man hat dich erwischt. Das bleibt ewig in seinem Gedächtnis haften. Es gibt nie mehr eine Gehaltserhöhung..."
Damit uns so etwas nie im Leben passiert, werden wir vorsichtig. Wir halten uns zurück und wollen bloß nicht auffallen. Wir werden zum Mäuschen und verstecken uns. Leider ist das eine anstrengende Strategie. Wenn du es zulassen kannst, dass alle dich anstarren, dann kann das der Beginn einer Befreiung sein! Sollen sie doch starren! Die Gaffer haben auch ihre wunden Punkte und blinden Flecken!
In Situationen, wo sie dich anstarren und du selber erstarrst nimm dir vor, bewusst und wach hineinzugehen. "Das nächste mal bin ich vorbereitet. Da mögen alle starren und ich schaue freundlich in jedes Gesicht. Ja, so bin ich im Augenblick. Ihr seht mich gerade bei meinem wunden Punkt. Das gehört zu mir. Und in einigen Sekunden bin ich auch wieder die starke und taffe Persönlichkeit, die ihr auch alle kennt.  Danke für die Möglichkeit, mit meiner Scham neu umzugehen."

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Montag, 16. September 2013

Alles Keks

Gestern habe ich in der Eisdiele Kekseis probiert, oder besser gesagt Eis mit Keks. Im Lebensmittelladen fielen mir dann Pudding mit Keks ins Auge und Milkaschokolade mit Keks. Alles Keks, oder? Wer hat sich das nur ausgedacht. Gibt es da etwa einen Trend, den ich noch nicht mitbekommen haben? Irgendetwas mit Keks?
Schokolade zwischen Keks und um Keks herum war mir vertraut, auch Keks in vielen Variationen und ich muss gestehen: Ich liebe Kekse. Darum hatte ich mich auch für das Kekseis entschieden. Aber ich war enttäuscht vom Kekseis und ich fragte mich warum!
Mein Begründungsversuch lautet so: Es gibt die Variation 1, die heißt Keks und Irgendwas oder die Variation 2 Irgendwas und Keks. Variation 1 liebe ich, denn dort wird Keks an die erste Stelle gesetzt. Es geht darum, den Keks zu adeln mit lauter schönen Zutaten. In der Variation 2 geht es um Irgendetwas an der ersten Stelle, das mit Keks geadelt wird.
Mein Eis bestand nicht aus Eis mit namenlosem Keks, sondern eine echte Marke! Schon beim Kaufen standen mir die Tränen in den Augen. Lieber Eismacher, was hast du nur mit den wunderbaren Keksen gemacht? Die sind jetzt matschig und haben sich völlig aufgelöst bis zur Unkenntlichkeit.
An Pudding mit Keks und Schokolade mit Keks habe ich mich noch nicht herangewagt. Ich verzichte lieber. Welche Weisheit erfolgt aus dieser Erfahrung? Nun, im positiven Sinne lerne ich, die Dinge neu zusammenzufügen und kreativ zu mischen. Das ist modern sowohl in der Musik, als auch bei der Kleidung. Im negativen Sinne wird es auf die Dauer immer schwerer, etwas pur und im Original zu bekommen. Das ist es, was mich eigentlich umtreibt. Ich liebe das Original! Original Keks, original Eis, ... und viel wichtiger, ORIGINAL DU!

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Samstag, 14. September 2013

Relaxen mit Monochord


Relaxen mit dem Monochord

Entspannen mit Gitarrenklängen

Meditieren mit dem Spektrum und der Vielfalt von Obertönen

Und da ist auch noch der Fön.

Alles ist Windhauch

Du musst nichts tun

Sei einfach da

Geh aus dem Verstand

Geh hinein in dein Herz

Sei da

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Freitag, 13. September 2013

Sag einfach mal Nein!




 Vor zwei Wochen war ich in Köln und saß in der Fußgängerzone auf einer Bank. Neben mir versuchte ein Sanitäter vom Arbeiter-Samariter-Bund, Mitglieder zu werben für seinen Verein. Das machte er so, dass er jeden auf Kölsch ansprach mit dem Satz: „Hamse mal 2 Minütschen?“ Ich saß dort eine halbe Stunde und nicht einer hatte diese zwei Minuten übrig.
Im Supermarkt gibt es hin und wieder einen Stand, wo man ein Produkt ausprobieren kann. Ein wenig Creme für die Haut heute im Sonderangebot; eine Fertignudelpackung heute im Rahmen einer Sonderaktion; oder im Foyer eine Werbecrew für einen bekannten Pannendienst. Ich selbst habe nie Zeit und halte an einem solchen Stand nie an. Dabei könnte ich doch mal ein wenige Creme abstauben oder ein Stück Mettwurst probieren. Aber ich mache es nicht. Es nervt mich, weil ich meinen Einkauf erledigen will.
Dennoch habe ich Respekt und Achtung vor diesen Menschen, die mir etwas „andrehen“ wollen. Sie müssen eine hohe Frustrationstoleranz, Idealismus oder einen angemessenen Stundenlohn haben. Wie erleben sie wohl uns „Vorbeiläufer“? Aus ihrer Perspektive gesehen gehen viele Menschen vorbei, die sie oft nicht einmal ansehen, die bestenfalls „Nein danke!“ sagen, die mit dem Kopf schütteln, die sich demonstrativ wegdrehen oder genervt dreinschauen. Diese Erlebnisse geben mir Anlass zum Nachdenken.
Kennst du diese Erfahrung? Da sagt jemand Nein zu dir. Nein, das will ich nicht. Nein danke, nicht mit mir! Du, ich möchte nicht! Kannst du so ein Nein akzeptieren? Was geschieht mit deinen Gefühlen, wenn du ein Nein kassieren musst. Manchmal kann es geschehen, dass uns so ein Nein durch und durch geht. Es mag sein, dass es vielleicht nur um eine Terminabsage geht. Aber du verstehst es als Absage an deine Person. „Der mag mich nicht!“ „Die lehnt mich ab!“ „Meine Freundschaft ist gefährdet!“
Mir fällt bis heute das „Nein sagen“ total schwer. Und umgekehrt kann ich ein Nein nur schwer akzeptieren. Darum könnte ich nie ein Werbemensch im Supermarkt oder in der Fußgängerzone sein. Dennoch! „Hut ab!“ vor diesen Menschen. Sie stehen dort und erledigen einfach ihre Aufgabe.
Inzwischen habe ich jedoch dazugelernt. Für den Lions-Club verkaufe ich zurzeit Lose für das Entenrennen.  Da stand ich an einem Samstag auf dem Wochenmarkt und rief den Leuten zu: „Na, haben Sie schon Lose für das Entenrennen?“ „Jeder Euro für Kinder- und Jugendarbeit in Ahlen!“ „Unterstützen Sie uns!“ Ich stellte mich den Leuten in den Weg. Meine Angst habe ich einfach abgeschüttelt wie lästige Schmeißfliegen. Schließlich war alles ja für einen guten Zweck. Ja, es sind viele Leute vorbeigegangen und ich musste so manches Nein schlucken. Aber ganz viele haben auch „Ja“ gesagt. Und dann ist mir etwas aufgefallen!
Wenn ich ein deutliches und klares „Ja!“ zu mir und in mir trage, kann ich gut mit dem Nein umgehen. Ein Nein darf ruhig ein Nein sein ohne Rechtfertigung, ohne Erklärung ohne einen überflüssigen Kitt. Es ist Ausdruck meiner Freiheit. Jeder darf, niemand muss. Ich auch nicht! Interessanterweise habe ich am Ende ordentlich Lose verkauft und es gab mehr „Ja!“ als „Nein!“
Wie ist eigentlich Jesus mit dem Nein umgegangen. Haben einige potentielle JüngerInnen wohl auch abgelehnt? War Jesus dann gekränkt? Immerhin hat Jesus einmal Nein zu seiner eigenen Familie gesagt nach dem Motto: Wer seid ihr? Seid ihr meine Familie oder sind es die, die Gottes Willen erfüllen? Oder er sagte mehr als deutlich Nein zu den Händlern im Tempel von Jerusalem. Nein und Ja gehören zum Leben einfach dazu. 
„Soziale“- und „Kirchenleute“ tun sich mit dem Nein manchmal schwerer als der Rest der Welt. Nimm das „Nein!“ nicht so schwer, wo immer es auch herkommt und wie oft es auch ertönt. Das Wagnis des „Nein“ eröffnet manchmal einen neuen Freiraum. Es kann sein, dass du vielleicht einen Freund verprellst. Es kann sein, dass nicht mehr alle denken, wie nett du sonst doch bist.
Wenn dein Nein zu dir gehört, gehört es zu dir. Wenn ein Ja zu dir gehört, gehört es auch zu dir. Es kommt aus deinem Inneren und entspricht dir, hier und jetzt. Morgen kann es auch wieder anders sein. Ich wünsche dir ein frohes experimentieren mit der „Wiedergeburt“ deines Nein. 


Donnerstag, 12. September 2013

Das fehlende Puzzleteilchen

Stell dir ein Puzzle vor mit tausend Teilen. Du gestaltest ein Bild mit einer Szene im sonnigen Süden. Es handelt sich um ein andalusisches weißes Dorf an einem blauen und weiten Meer. Im Hintergrund siehst du einen wunderbaren Sonnenuntergang. Du hast Mühe, die weißen Häuser auseinanderzuhalten. Es ist knifflig. Die Wasserelemente sehen alle gleich aus. Du fängst mit dem Rand an, denn du arbeitest ja mit System. Du hast die Teile farblich sortiert, damit du du deine Arbeit überschaubar machst. Deine lange Aufmerksamkeit  und Konzentration kommt langsam dem Ende entgegen. Du stellst dir in Gedanken vor, wie du mit Stolz und Freude auf das Gesamtbild schauen wirst. Es entsteht in deinem Inneren eine Atmosphäre von Urlaub, Frieden und Wohlbehagen. Du siehst dich schon selbst im Sommer an einen ähnlichen Ort. Es sind nur noch wenige Teile übrig. Dann kannst du die übrigen Teile schon zählen. Es sind nur noch fünf Puzzleteile übrig. Den Ort dafür zu finden ist ganz leicht, es geht wie von allein. Während der letzten drei Teile siehst du es deutlich vor dir. Da wird eine Lücke bleiben. Es fehlt ein Teil. Das Bild wird unvollständig. Du schaust in den Kasten. Der ist leer. Du schaust unter dem Tisch nach. Da befinden sich nur ein paar Brotkrümel vom Morgen. Du schaust unter dem Sofa. Vielleicht ist ja beim Auspacken vor einigen Tagen das fehlende Teil dorthin gefallen. Du schaust im Keller nach und die Ahnung in dir steigert sich zur Gewissheit. Das fehlende Teil ist für immer verloren. Es lässt sich nicht finden. Das Hochgefühl von vor einer Stunde sinkt auf einmal in den Keller. Nichts ist mehr von der Freude da. Du wirst nie wieder puzzlen. Du siehst den Abgrund. Die ganze Arbeit war umsonst. 
Und jezt lade ich dich ein, von diesem Traum aufzuwachen. Es war ein Traum, mehr nicht. Es ist nur ein Stückchen Pappe, mehr nicht. Du hast eine tolle Arbeit geleistet. Du kannst im Geiste das Puzzle ergänzen. Du kannst auch angemessen damit umgehen. Ein kleiner Seufer. Ach, wie schade! Aber was solls. 
Im Leben ist es auch manchmal so. Das fehlende Puzzleteilchen hat manchmal so viel Macht. Es kann stärker werden als alles, was wir als gelungen ansehen. Es wird zum Haar in der Suppe, zum fehlenden Sahnehäubchen und zum nicht vorhandene Tüpfelchen auf dem I. 
Geh doch mit dem fehlenden Puzzleteilchen im Leben mal kreativer um! Schlüpfe in deiner Phantasie durch die Lückie im Bild und schau, was sich dahinter verbirgt. Schließe deine Augen und stell dir vor, du bist mitten in deiner Traumlandschaft und das fehlende Puzzleteilchen ist der Schlüssel oder der Türöffner. 
Und wenn du immer noch traurig um das fehlende Teilchen bist, hast du die Möglichkeit, dich in deiner Trauer einzuüben. Das ist auch ganz wichtig. Trauer spüren, hineinatmen und annehmen.


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Mittwoch, 11. September 2013

Ich habe dich im Blick!

Ich bin eingeladen und bringe meine Freundin mit. Sie kennt niemanden von den anderen Gästen. Das ist eine große Herausforderung. Manchmal bist du in Situationen gestellt, die ein großes Vertrauen von dir verlangen. Wenn alle und alles unbekannt ist verschwinden die Sicherheiten. Normalerweise gehst du auf ein Fest und suchst die sicheren Kreise, also die Menschen, mit denen du vertraut bist. Von dieser Sicherheitszone kannst du erwägen, ob du sie hin und wieder verlässt, um deinen Horizont zu erweitern. Doch wo gehst du hin bei einer Party, wenn du wirklich niemanden kennst? Hältst du dich an deinem Glas fest? Suchst du dir eine sichere Ecke, damit du die Übersicht nicht verlierst?
Du kennst wenigstens den Menschen, mit dem du aufgebrochen bist. Du kannst ihn bitten: "Hast du mich im Blick?" Du hörst die Bestätigung: "Ja, ich habe dich im Blick!" Das finde ich ein wunderschönes Wort: "Jemanden im Blick haben." Ich achte auf sein Wohlergehen. Ich fühle mich ein. Ich verbinde mich. Ich schenke ihm meine Aufmerksamkeit. Zugleich bedränge ich nicht. Ich schaue immer wieder mal, so ganz nebenbei.
Mir gefällt es auch, wenn mich jemand in den Blick nimmt. Dann fühle ich mich gesehen und bekomme eine Bestätigung. Im Restaurant gefällt es mir auch, wenn der Kellner mich im Blick hat, nicht aufdringlich, sondern mit Zurückhaltung und dennoch klar.
Ins Visier genommen werden möchte ich dagegen nicht. Da fahre ich meine Stacheln aus und gehe in Abwehrhaltung. Ich setze mein Visier auf und gebe gut darauf acht, dass mir nichts geschieht. Es ist schön, wenn irgendjemand auf der Welt die im Blick hat!

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Dienstag, 10. September 2013

Entschleunigen mit Kleingeld

Vor mir im Supermarkt wollte eine Frau bezahlen. Sie öffnete ihre Geldbörse und suchte die "Taler" zusammen. Sie tat es in aller Seelenruhe. Sie ließ sich nicht ablenken. Die Kassiererin tippte nervös mit ihren Fingern auf der Kasse und die Schlange hinter mir wurde unruhig. Im Alter lässt die Beweglichkeit in den Fingern halt nach und die Augen wollen auch nicht mehr. Kleingeld zählen wird zu einer mühsamen Angelegenheit. Unbeirrt von der Unruhe in ihrem Umfeld sammelte die Frau Geldstück um Geldstück bis es passte. Ich spürte förmlich den Druck hinter mir. Wann geht es hier endlich weiter! Kann nicht nicht nächste Kasse geöffnet werden?
Vielleicht war äußerlich noch nicht so viel zu sehen, aber innerlich war es deutlich spürbar. Überall stieg die Spannung. Dann kam ich an die Reihe mit meinen Waren. Ich wollte bezahlen. Ich bemerkte die Schwere meines Portemonnaies angesichts der vielen kleinen Münzen. Mir wurde bewusst, dass ich immer mit Scheinen zahle, damit alles an der Kasse im Fluss bleibt. Ich gebe stets dem Druck der Ungeduldigen in meiner Schlange nach. Ich beuge mich dem Tempo der Kassiererin.
Dieses mal öffnete ich meine Geldbörse und mich überkam plötzlich eine vollkommene innere Ruhe. Da sprang im Kopf ein Schalter um. Ich zählte Cent für Cent und Euromünze für Euromünze. Ich zögerte sogar manchmal mit dem Herausnehmen nur um das Gefühl auszudehnen, endlos Zeit zu haben.
Ich finde das auch im Nachhinein noch eine wunderbare Übung zur Entschleunigung. Lass dir Zeit! Renn dir nicht ständig innerlich davon! Bleib bei dem, was du tust! Auch das Bezahlen von Waren kannst du würdigen. Immerhin hast du dein Geld schwer verdient! Gib es mit Andacht aus, es ist ja schließlich ein Ergebnis deiner Arbeit! Und - wenn du Herz und Augen öffnest, lernst du jeden Tag eine neue Lektion fürs Leben.

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Montag, 9. September 2013

Erkenntnisse aus dem Pralinenclub

Die Überschrift ist dramatisch, das dazugehörige Erlebnis auch. Abstürze sind immer dramatisch. Dabei trägst du vielleicht das Bild vom Vogel oder Flugzeug in dir. Alles scheint easy und sicher bis zum dem Moment, wo das Drama beginnt. Beim Fliegen weißt du, dass du abstürzen kannst und von deinem PC befürchtest du gleiches. In anderen Zusammenhängen rechnest du kaum mit einem solchen Zusammenbruch.
Einmal schon erzählte ich von meinem Pralinenclub und dem Erlebnis mit einer besonderen  Praline Curry Ananas (hier nachzulesen!".  Gestern Abend bekam sie eine Schwester. Menta hieß sie. Doch zunächst muss ich einen Bogen spannen.
Stell dir einen vergnügten Abend mit Freundinnen vor in entspannter und fröhlicher Atmosphäre. Du erzählst dir die Ereignisse der vergangenen Wochen und probierst dabei eine um die andere köstliche Praline aus einem Wunderkasten, der alle vier Wochen per Post kommt und dir eine neue Schokoladenwelt öffnet. Jede Praline eine neue zehn Punkte Offenbarung. Praline Ananas liegt schon Jahre zurück mit der denkbar schlechtesten Note vier von zehn möglichen Punkten.
Gestern nun kam gegen Ende des Abends eine weiße Praline auf den Tisch mit Namen Menta. Die Beschreibung versprach Minze und Frische. Wir schnitten die Praline auf und sahen ein grünes Innenleben von zerschnittenen Minzblättern. Wir nahmen dieses Stück Praline in den Mund. In diesem Augenblick brach der Pralinenabend zusammen! Alle anderen Pralinen gerieten ins Abseits, in völliger Vergessenheit. Das, was sich da im Mund abspielte war unbeschreiblich. Da gab es nur noch verständnislose Blicke und den Wunsch, dieses Objekt sofort wieder loszuwerden. Für diese Praline war im Bewertungssystem nicht einzuordnen zwischen Null und Zehn. Wir entschieden uns für Minus Eins.
Menta wird jetzt zu meiner neuen ungeliebten Freundin und Curry Ananas bekommt eine Schwester. Mein Pralinenclub wurde im Laufe von mehrere Jahren zu einem Fachkreis von Feinschmeckern. Da kam Menta zur richtigen Zeit. Ein plötzlicher Absturz hat etwas unglaublich Reinigendes. Du wachst auf und kommst wieder in der Wirklichkeit an. Ist das nicht die Aufgabe von Minze? Erfrischen und dadurch wieder wach werden? Dann hat diese Praline mit Minus Eins ja ihre Aufgabe wunderbar erfüllt!

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Aufgetankt?


Die große Urlaubszeit ist vorbei und der Alltag beginnt wieder. Konntest du die Zeit gut für dich nutzen und hast aufgetankt? Merkst du jetzt den Unterschied von vorher und nachher? Fühlst du dich gesünder an, gibt es weniger Grübeleien oder spürst du die Auswirkungen eher seelisch? Wie nachhaltig waren die Urlaubstage für dich? Wie viele Kilometertage oder Wochen wirst du nun mit dem vollgeladenen inneren Tank fahren können?
Oder gehörst du zu den Menschen, die das nicht hinbekommen, im Urlaub aufzutanken. Es soll Menschen geben, die in der „schönsten Zeit“ des Jahres erst so richtig Stress bekommen. Die Konflikte in der Familie zeigen sich viel deutlicher als im Alltag wenn man jetzt mehr Zeit miteinander verbringt. Oder, da entsteht auf einmal ein Gefühl der Leere und der Sinnlosigkeit, wenn du nicht mehr arbeiten kannst. Du weißt nichts mit dir anzufangen und bist froh, wenn der schnöde Alltag wieder die zuverlässige Zeitgestaltung vorgibt. Mir klingt noch der Satz von meinem Vater in den Ohren: „Es wird Zeit, dass die Schule wieder beginnt. Nichts ist schlimmer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.“ Mein Vater konnte nie wirklich Urlaub machen während seines Arbeitslebens. In den freien Tagen wurde im Garten gearbeitet oder etwas am Haus renoviert. Vielleicht hat mein Vater den Urlaub aber auch gar nicht gebraucht, weil er mit der damit verbundenen „Philosophie des Ausspannens“ nichts anfangen konnte.
Ich komme noch einmal zurück zu meinen Eingangsfragen. Die „Ferienphilosophie vom Ausspannen“ setzt ja bestimmte Glaubenssätze voraus, die folgendermaßen aussehen. Du arbeitest das ganze Jahr und bist irgendwann müde, erschöpft und urlaubsreif. Dann nutzt du die freie Zeit, deinen leeren Akku aufzuladen und hoffst, dass es reicht bis zu deinem nächsten Urlaub. So „hangelst“ du dich von Ferien zu Ferien ein Leben lang und hoffst, bei einigermaßen zufrieden stellender Gesundheit dein Rentenalter zu erreichen. Im extremen Fall sieht ein solches Leben so aus, dass du nie wirklich lebst, sondern in der Vorbereitung für das Leben steckenbleibst. In der Arbeit erwartest du sehnsuchtsvoll die freie Zeit und bist nicht mehr mit der Arbeit verbunden. In der freien Zeit denkst du daran, dass du schon bald wieder arbeiten musst und kannst die freie Zeit nicht voll ausschöpfen. Im Rentenalter weißt du dann nichts mit dir anzufangen, weil du so an dein Schema und den Rhythmus „Arbeit und Urlaub“ gewohnt bist, dass du dich nicht mehr umstellen magst. Ein solches Lebensmodell finde ich nicht sehr erstrebenswert.
Zugleich kannst du nur wirklich gut leben mit einem gut gefüllten inneren Tank. Die Familientherapeutin Virginia Satir gebrauchte für ihre Klienten immer das Bild vom Energietopf. Gestresste Eltern fragte sie immer: „Wie voll ist dein Energietopf?“ Und wenn sie sagten, dass höchstens noch der Boden bedeckt ist, fragte Virginia weiter, wie sie mit so wenig Energie ihre Aufgaben meistern könnten.
Manchmal kommen Menschen zu mir in die Beratung, die die Freude im Leben verloren haben. Sie fühlen sich überfordert vom Beruf, den Ansprüchen in der Familie, finanziellen Sorgen und gesundheitlichen Problemen, dass es einfach zu viel geworden ist. Ein ganz wichtiger Schritt in der Begleitung wird dann für mich die „Ressourcenarbeit“. Was tut dir im Moment gut? Was brauchst du für dich? Was ist für dich Quelle deiner Freude? Nur mit Energie im Topf lassen sich Aufgaben bewältigen. Energie tanken ist also der erste und wichtigste Schritt vor allen anderen Aufgaben.
Zwei Ideen kommen mir in den Sinn. Die erste heißt: Neben der „Jahresurlaubstankstelle“ tanke täglich auf. Gönne dir Momente des Sitzens und des Nichtstuns. Gestalte zwischendurch Tage der Entspannung und des einfachen Daseins. Genieße es, mit deiner Familie bei einer Tasse Kaffee zu sitzen und die Natur zu betrachten. Fühle deine Dankbarkeit für die vielen kleinen Dinge des Alltags.
Die zweite Idee heißt: Ändere deine Grundeinstel-lung! Bei meinem Yoga- und Workcamp in Italien hieß die Devise: „Arbeiten ist spielen!“ Wir arbeiten nicht, sondern wir spielen. Kinder spielen zum Beispiel Vater, Mutter, Kind. Familie „spielen“ fühlt sich leichter und erlöster an als „Arbeit an den familiären Strukturen“. Verbinde dich innerlich mit deiner Arbeit und geh in die Leichtigkeit. Sieh die schöpferischen und freudigen Aspekte. So fühlst du dich am Ende des Tages nicht mehr erholungsbedürftig. Du hast ja lediglich gespielt.
Die ersten Menschen im Paradies bestellten ihren Garten Eden und waren mit ihrer Handarbeit glücklich und zufrieden. Nach dem „Sündenfall“ empfanden sie die gleiche Tätigkeit als Mühsal und Plackerei. Interessant, nicht wahr? Du tust das Gleiche und empfindest es je nach innerem Seinszustand paradiesisch oder höllisch. Der „Sündenfall“ war ein „Absonderungsfall“, ein sich loslösen von der göttlichen Quelle. Wenn du dich mit der göttlichen Quelle verbindest bekommt dein Energietopf einen nie versiegenden Zugang. Du kannst also deinen Energietopf immer wieder mühsam anfüllen einmal im Jahr über den Urlaub oder du verbindest dich kontinuierlich mit der Quelle. Darin liegt wohl das Geheimnis der Heiligen, dass sie um dieses Geheimnis wussten, direkt aus der Quelle zu schöpfen.

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Samstag, 7. September 2013

Meditation mit Gong und Klang

Meditation mit Gong und Klang



Das Leben ist heiter und beschwerlich.

Es ist wie Arbeit und Spiel.

Es ist geplant und überraschend.

Es findet innen statt und außen.

Es ist ein: "Ach ja?"

Oder ein: "Oh je!"

Es ist ein Seufzer und eine Erleichterung.

Es atmet ein und atmet aus.

Es ist.

Freitag, 6. September 2013

Nicht entschleunigen sondern müßen!

Entschleunigung ist in aller Munde. Nimm mal etwas Tempo heraus! Lass es langsamer angehen! Wenn du ständig beschleunigst und von Termin zu Termin hetzt musst du dich nicht wundern, wenn du am Ende ausgebrannt bist. Zwischen den Terminen verschnaufen, sich hinsetzen, in sich gehen, zur Besinnung kommen braucht Rituale, Selbstdisziplin, innere Einsicht und ein darauf ausgerichtetes Bewusstsein.
Mir geht es hier jedoch um eine kleine Erweiterung und Anregung. Das Wort "Entschleunigung" setzt das Bild von "schleunig" voraus im Sinne von schnell und zügig. Das "Ent" heißt also: weniger zügig sein und verlangsamen. Ich gehe also von der schnellen Geschwindigkeit aus und reduziere sie. In meinem Bewusstsein veranker ich eine Geschwindigkeitsreduzierung. Dabei bleibt aber zunächst das Bild von der Geschwindigkeit. Die Pause, das andere Tempo wird definiert von der schnellen Geschwindigkeit her. Ich mache langsamer.
Dabei hat das andere Tempo einen Wert in sich. Ich sage ja auch nicht, dass eine Frau ein "Nichtmann" oder ein Mann eine "Nichtfrau" ist. Wenn ich als Mann eine "Nichtfrau" bin, definiere ich mich immer vom Bild der Frau her. Mann und Frau sind jedoch je eigenständige menschliche Wesen.
Gibt es ein anderes Wort für entschleunigen oder verlangsamen? Ein Wort, dass die damit verbundene Qualität zum Ausdruck bringt? Welche Qualität verbirgt sich denn dahinter? Bei einem anderen Tempo bin ich vielleicht mehr bei mir, mehr in Übereinstimmung mit dem, was ich tue, reicher an Erkenntnissen, habe die Möglichkeit, das Erlebte zu verarbeiten und wieder loszulassen. Ich kann Energie tanken und Kräfte sammeln und dabei im Sein sein. "Müßiggang" wäre das eigenständigere Wort als "Entschleunigung". Aber wenn ich gefragt werde, was ich denn gerade mache, was sage ich da? Ich pflege den Müßiggang? Meine Alternative heißt: ich müße! Das Verb von Buße heißt büßen. Dann könnte das Verb von Muße auch müßen heißen. Gibt es leider bislang noch nicht. Ich würde mich freuen über ein intensives Müßen und das Entdecken dieser eigenen Qualität.
Entschleunigen ist übrigens auch eine eigene Qualität. Um intensiver müßen zu können braucht es manchmal der Entschleunigung. Entschleunigst du noch oder müßt du schon!

matthias-koenning.de

Mittwoch, 4. September 2013

Schummel mal wieder!

Du spielst Karten und es droht deine Niederlage. Dann schummelst du möglicherweise, indem du in die Karten deiner Mitspieler schaust. Laut Grimms Wörterbuch heißt "schummeln" unter anderem "Beim Gehen den Körper viel und unnötig bewegen". Wenn der Taschenspieler betrügt, führt er die Leute durch rasche Bewegungen hinters Licht.
Hast du auch damals in der Schule geschummelt indem du beim Nachbarn abgeschrieben hast? Schummelst du heute auch manchmal, wenn du mit Kindern spielst oder drückst beide Augen zu, wenn du deine Kinder dabei beobachtest?
Ich glaube, es fällt uns schwer, mit der drohenden Niederlage zu leben. Es fällt schwer, am Ende als Verlierer dazustehen. Dabei ist es egal, ob es sich um Schule, Beruf oder Freizeit handelt. Jeder steht gerne auf dem Siegertreppchen. Die anderen bewundern dich und diese Erfahrung steigert dein Selbstwertgefühl. Ein erschummelter Sieg behält zwar seinen faden Beigeschmack. Aber er ist leichter zu ertragen als die Niederlage.
Zugleich schummeln wir manchmal im doppelten Sinne. Wir sind ja keine Betrüger! Wir haben lediglich geschummelt. Schummeln ist die Verharmlosung des Betruges. So beschummeln wir uns, indem wir uns eben nicht Betrüger nennen. Schummeln hat auch etwas niedliches an sich. Das spiegelt sich in der holländischen Sprache wider. Dort heißt "schommelen" schaukeln. Wenn wir also schummeln, dann schaukeln wir nur ein wenig hin und her. "Zufällig" siehst du dabei die Karten deines Mitspielers und die Antworten deines Mitschülers.
In Rätselheften schummel ich gerne. Dann "schaukle" ich zur letzten Seite und beweise mir, dass ich "auf dem Kopf gedrehte Wörter" lesen kann. So habe ich auch ein Rätsel gelöst. Im Schummeln nimmst du deine Grenzen wahr. Auf die Dauer ist es jedoch leichter und entspannter, zu diesen Grenzen zu stehen und drohende Niederlagen nicht so zu gewichten. Du wirst anschließend auch wieder aufstehen.

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