Mittwoch, 7. Juni 2017

Begegnung mit der inneren Hebamme




(Den ersten Teil des Textes findest du auf meiner Seite, den zweiten Teil auf der Homepage von meiner Kollegin Dagmar Cassiers!)

In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gab es zu meiner Kinderzeit ein paar wenige Menschen, über die nicht mit ihrem Nachnamen sprachen sondern mit ihrer Berufsbezeichnung. Zu diesen Personen gehörten der Doktor, der Pastor, der Polizist und der Apotheker.
Die Hebamme gehörte auch dazu. In meiner Erinnerung gab es für viele Jahre nur eine davon im Dorf. Darum hieß sie „die“ Hebamme. Sie war bei meiner Geburt dabei und bei den Geburten meiner Geschwister. Meine Mutter sprach mit Respekt von ihr und zugleich spürte ich im Reden auch ein Tabu. „Frag nicht näher! Darüber spricht man nicht! Das ist mir unangenehm.“ Warum, das kann ich nur vermuten. Immerhin wurden wir von unseren Eltern sexuell nicht aufgeklärt. Überhaupt nicht. Sexualität war ein Thema, das einfach in der verbalen Kommunikation nicht vorkam.
Aber mir geht es hier und heute um die Hebamme. Ich finde, dass es sich lohnt ihr mehr Aufmerksamkeit zu widmen und ich lade dich zum virtuellen Spaziergang ein.
Ich stelle mir vor, wie ich im Bauch meiner Mutter aufwuchs in den ersten Monaten meines Lebens. Im Bauch meiner Mutter erlebte ich meine erste geschlossene Welt. Dort gab es nur mich und meine Mutter. Dann gab es noch Geräusche, Licht und Traumzustände. Und es gab Veränderungen. Am Ende der Schwangerschaft die erste richtig große. So wie du und jeder andere Mensch musste ich raus in die Welt. Raus aus der dunklen Höhle und hinein in das grelle Licht der großen und weiten Außenwelt.
Ich wusste nicht, dass da draußen in der Nähe des Bauches meiner Mutter eine andere Frau stand. Eben die Hebamme. Eine, die spürte. Die hörte. Die beruhigte. Die ermunterte. Die ermahnte. Eine Frau, die eine Fülle von Möglichkeiten kannte, Mütter zu begleiten und Kinder zu unterstützen, auf die Welt zu kommen. Zum Zeitpunkt meiner Geburt konnte ich meinen Verstand noch nicht voll und ganz nutzen. Sonst hätte ich diese Hebamme als ersten fremden Menschen bewusst wahrgenommen. Eine fremde Frau hat mich „gehoben“ und stellvertretend „bemuttert“. Die Übersetzung des Wortes „Hebamme“ bedeutet so viel wie „Hebemutter“.
Meine „Hebemutter“ hat schon Wochen vor meiner Geburt angefangen mich zu beobachten und wahrzunehmen. Wie geht es meiner Mutter und wie weit bin ich in meinem Reifungsprozess. Erst, als alle Parameter stimmten, ging es los mit der Geburt. Alles an mir war fertig und ich war bereit zum Aufbruch durch den Geburtskanal. Es fehlte nur noch der letzte Impuls.
Hier geht der Text weiter auf der Seite von Dagmar Cassiers

www.matthias-koenning.de

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