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Donnerstag, 6. Januar 2022

Die vierte Auswirkung wenn ich mich selbst liebe: Ich entwickle mehr Selbstvertrauen



  „Als ich anfing, mich selbst zu lieben, habe ich verstanden, dass ich immer und unter allen Umständen zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin.  Und dass alles zum richtigen Zeitpunkt geschieht. Von da an konnte ich ruhig sein. Heute weiß ich: Das nennt man SELBSTVERTRAUEN.“

Da wo ich bin, bin ich am richtigen Ort. Jetzt und immer. Und es ist immer richtig. Immer! Es ist nie falsch! Nie! Meine Gedanken gehen oft in eine andere Richtung. Bin ich zu früh? Bin ich zu spät? Darf ich hereinkommen? Bin ich willkommen? Habe ich etwas Falsches gesagt? Habe ich mich gut genug ausgedrückt? Bin ich Schuld, dass jetzt dieses oder jenes passiert? Je mehr ich diese Gedanken zulasse, desto vorsichtiger werde ich. Und desto nachdenklicher und zurückhaltender. Ich bewege mich wie in einem emotionalen Porzellanladen. Immer in der Angst, irgendetwas nicht richtig zu machen und für die Folgen einstehen zu müssen.
Ich passe einmal nicht auf und schon geht etwas kaputt. Alle schauen auf mich und lachen mich aus oder beschimpfen mich. Ich schäme mich und fühle mich schuldig. Ich fange an, mich durch das Leben zu schleichen in der Hoffnung, dass mich niemand in meiner Schwäche sieht.
Wie anders fühlt es sich an, wenn mir bewusst wird, dass es nur ein dummer Gedanke ist, der mich da einschränkt. Eine Konstruktion in meinem Kopf! Ich bin immer richtig. Am richtigen Ort und zur richtigen Zeit. Wenn mir das bewusst wird kann ich loslassen. Kann ich mich fallen lassen in den Ort und in das Dasein und in das Sein. Und wenn ich mich fallenlassen kann muss ich nicht mehr aufpassen. Ich bewege mich jenseits und außerhalb von richtig und falsch. Dann lebe ich im Vertrauen und traue meinem Selbst immer mehr zu. Und mehr davon – das wünsche ich dir und mir!
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Mittwoch, 5. Januar 2022

Die dritte Auswirkung wenn ich mich selbst liebe: Ich werde reifer



„Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen
Menschen zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung
zum Wachsen ist. Heute weiß ich: Das nennt man REIFE.“

Alles um mich herum ist eine Aufforderung zum Wachsen! Ich darf wachsen. Ich erinnere mich an so manche Situationen in meinem Elternhaus wo es darum ging, bloß nicht so zu werden wie die Nachbarskinder. Das eine Kind stotterte. Das andere Kind war faul. Wieder ein anderes Kind war dumm oder war zu aggressiv oder ungehorsam gegenüber den Eltern.
Ständig verglich meine Mutter uns mit irgendwelchen anderen Kindern. Konnten wir in der Schar der Nachbarskinder bestehen?
So fing ich an mich zu vergleichen. Was konnte ich besser und was konnte ich schlechter? Meine Mutter schaute auf die Moral und ich als kleiner Junge schaute auf das, was andere Jungen praktischerweise besser konnten als ich. Ich konnte nicht Fußball, keine Hütten bauen, keinen Flitzebogen erstellen und keine flugfähigen Drachen bauen. Andere Jungen konnten dafür nicht hüpfen, singen und Geschichten erzählen. Das konnte ich wiederum, aber ich hätte gerne wenigstens einmal gut Fußball spielen wollen.
Wenn die Sehnsucht dahin geht, das gut zu tun, was andere können, dann gehe ich weg von mir. Ich bin nicht mehr bei mir sondern beim anderen. Doch es fühlt sich so an, als stünde ich am Bahnsteig und der Zug fährt ohne mich ab. Ich stehe am Rand des Fußballfeldes und das Spiel findet ohne mich statt. Ich würde ja so gerne, aber ich kann nicht! Während dieser Zeit des sehnsuchtsvollen Zuschauens versäume ich es, mich um mein eigenes Wachsen zu kümmern. Es hat mir niemand beigebracht, dass ich mich unterscheiden darf. Dass ich ganz einmalig bin! Ich dachte oft, dass ich kein echter Junge wäre. Nur ein so ungefährer!
Ich habe etwas falsch verstanden. Ich dachte, ich müsste so werden wie die anderen Jungen ohne darauf zu achten, dass ich das gar nicht bin.
Wenn ich anfange, mich zu lieben, dann höre ich auf, nach außen zu schauen. Dann nehme ich das Außen nur wahr als einen wunderbaren parallelen Wachstumsprozess zu meinem eigenen. Alles wächst auf je eigene Weise – warum nicht auch ich? Während der Nachbarsjunge zu einem tollen Fußballspieler heranwächst fange ich an zu singen. Ich singe aus vollem Herzen meine Melodien und Lieder. Denn das bin ich! Der Sänger und nicht der Fußballspieler. Ich höre auf, meine Zeit zu vergeuden und lebe das eigene Leben!
Wenn ich anfange, mich zu lieben, dann liebe ich eben meine Stimme, meine Stimmungen und meine Lieder. Das ist mein Beitrag zur Welt! Je mehr ich singe, desto voller und ausdrucksstärker wird meine Melodie. Einwilligen in den eigenen Reifungsprozess! Davon mehr – das wünsche ich dir und mir.  
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Dienstag, 4. Januar 2022

Die zweite Auswirkung wenn ich mich selbst liebe: Ich respektiere mehr



 
„Als ich mich selbst zu lieben begann, verstand ich, wie sehr es jemanden beeinträchtigen kann, wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzuzwingen, auch wenn ich eigentlich weiß, dass der Zeitpunkt nicht stimmt und dieser Mensch nicht dazu bereit ist – und das gilt auch, wenn dieser Mensch ich selber bin. Heute weiß ich: Das nennt man RESPEKT.“

Manchmal möchte ich, dass der andere etwas für mich macht. Ich selbst habe keine Zeit oder ich kann es einfach nicht. Ich wünsche mir, dass mir jemand hilft und wenn ich diesen Wunsch nicht ausspreche, kann er sich auch nicht erfüllen. Meine Wünsche stehen nicht auf meiner Stirn geschrieben. Sich etwas von jemandem zu wünschen in aller Offenheit finde ich sehr hilfreich und verbindend. Da ist nichts dran auszusetzen.
Es geht darum, jemandem Wünsche aufzuzwingen. Dieser Zwang begegnet mir im Leben eigentlich nicht. Wenn jemand etwas von mir wünscht dann spüre ich die Freiheit, ob ich den Wunsch erfüllen mag und kann. Wenn sich ein bedrückendes Gefühl breit macht weiß ich, dass da etwas nicht stimmt.
Neben der offensiven Art, Druck und Zwang auszuüben, gibt es die verborgenen manipulativen Ansätze, die ich viel gefährlicher finde. Ansätze, die ich gar nicht so richtig bemerke. „Du weißt doch, dass ich nicht kochen kann. Und wir treffen uns doch nächste Woche und ich fühle mich total überfordert.“ Und dann folgt kein ausgesprochener Wunsch, keine Bitte. Ich höre den Appell: „Koch du für mich! Sonst bist du Schuld, dass ich mich blamiere.“ Und schon stehe ich am Herd. „Wenn du nicht willst, dass ich nass werde, dann müsstest du mich eben wegbringen. Du hast ja, wie ich sehe, auch nicht etwas Wichtiges vor bei dem ich stören könnte. Das würde ich auf keinen Fall tun. Ich respektiere deine freie Zeit.“ Natürlich will ich nicht, dass mein Partner nass wird und selbstverständlich habe ich nicht ständig wichtiges vor! Außerdem möchte ich den Beziehungsfrieden gerne bewahren.
Zugleich nagt der Manipulationsversuch aber an meinem Herzen. Es fühlt sich nicht gut an, zu manipulieren oder manipuliert zu werden.
Wenn ich mich selbst liebe, dann höre ich mit solchen Spielen auf. Dann frage ich klar und direkt. Dann respektiere ich die Freiheit des anderen und nehme eine Absage aufrecht entgegen. Ohne Groll und ohne Kränkung. Ich habe kein Recht, auf das Leben des anderen einzuwirken und ihn für mich auszunutzen. Zu keiner Zeit! Liebe kennt keinen Zwang, denn dann verlässt sie sich selbst und ihre Grundsätze. Wenn ich meine eigenen Manipulationsweisen durchschaue mit „selbstliebenden“ Augen werde ich anders denken und sprechen – respektvoller! Und mehr davon – das wünsche ich dir und mir.
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Montag, 3. Januar 2022

„Als ich mich selbst zu lieben begann!“ Ein Impuls zum neuen Jahr


  
Zu Beginn eine Jahres macht es für mich Sinn, sich einen roten Faden zu suchen. Welche Gedanken könnten mich begleiten? Welche Wünsche trage ich im Herzen? Unter welchem Stern wird das neue Jahr für mich stehen?
Statt abnehmen oder pünktlicher kommen entscheide ich mich lieber für eine Idee, die tiefer greift. Wie wäre es damit, einfach der Liebe zu folgen? Es gibt ja den christlichen Grundsatz der drei Wege, die Liebe ins Leben zu bringen. Liebe Gott, der und die Nächste und dich selbst. Die Selbstliebe steht scheinbar auf dem dritten Platz und Gott an erster Stelle. Damit konstruieren wir unbewusst eine Hierarchie der Liebe. Allein das kann gar nicht im Sinn der Liebe sein. Hierarchische Abstufungen finden im Kopf statt. Der Verstand bewertet sofort. Gott ist wichtig und Selbstliebe ist egoistisch und das ist schlecht. Den Nächsten lieben ist wichtiger als auf sich selbst zu schauen. Und vor allem gehört Gott immer an die erste Stelle. So macht das unser Verstand.
Das Herz spricht eine andere Sprache. Es hört Liebe, es öffnet sich wie eine Blumenblüte und brennt. Das Herz schwingt wenn es fühlt und wenn es liebt. Dabei geht es um das Lieben an und für sich. Das Wesen des Herzens besteht darin, zu lieben. Ich liebe mit meinem Herzen und du mit deinem. Über meines verfüge ich und über deines nur du selbst!
Wenn ich mit dem Lieben beginne verlagere ich mein Bewusstsein vom Kopf in das Herz. Im Kopf entwickle ich meine Gedanken. Dort werte ich und wäge ab. Wenn ich mich mitten in das Herz hineinbewege bin ich verbunden mit allem was ist. Der Zustand des Liebens schließt nichts aus. Die Unterschiede verschwinden mehr und mehr ob ich Gott liebe, den Nächsten oder mich selbst. Ich werde zum Liebenden.
Ich kann nur an mir selbst testen, ob meine Liebesfähigkeit vorhanden ist oder nicht. Wenn ich mich selbst liebe kann ich die Auswirkungen bei mir selbst spüren. Ich entspanne mich. Ich fühle mich behaglich. Es wird mir warm. Die Gedanken kommen zur Ruhe. Je mehr ich liebe, desto stärker wirkt es sich körperlich, geistig und fühlend aus.
Ich kann also in meinem Tun eine Prise Liebe hineingeben und schon intensivieren sich meine Empfindungen und bekommen eine tiefere Qualität. Wenn ich mich selbst nicht lieben kann weiß ich gar nicht, was Liebe ist. Ich hätte vielleicht eine gedankliche Ahnung, weil viele darüber sprechen und weil ich Liebesromane zum Studium lesen könnte. Aber ich hätte keine Selbsterfahrung damit. Die Gottesliebe wäre nur eine Art moralisches Gebot, das ich mit erhobenem Zeigefinger erfüllen müsste.
Die Selbstliebe ist also so etwas wie die Voraussetzung dafür, dass ich Gott oder einen anderen Menschen lieben kann. Am Ende ergibt sich ein unendlicher Kreislauf. Gott liebt mich, so dass ich von seiner Liebe lebe und lieben kann. Ich schicke meine dankbare Liebe an Gott zurück und beziehe die ganze Schöpfung mit ein.
Es lohnt sich also, die Selbstliebe in den Blick zu nehmen. Doch wenn ich mich selbst liebe, wer ist dieses „mich“? Wen oder was liebe ich da eigentlich? Denjenigen, der so aus dem Bauch der Mutter kam und im Laufe der Jahre gewachsen ist mit Freud und Leid? Denjenigen, der sich hinter allen „Ich-Erfahrungen“ als etwas Göttliches verbirgt? Schließt es möglicherweise von mir nichts aus und beinhaltet alles? Eine intensive spirituelle und philosophische Frage!
Ich kann mich auf jeden Fall bewegen hin zu mehr Liebe zu mir selbst. An den Auswirkungen werde ich erkennen, ob ich diesem Ziel näher komme. Wenn ich die Art und Weise mich selbst zu lieben intensiviere, wird es auch Auswirkungen haben auf die Liebe zu meinem Nächsten.

Ich möchte dich einladen, dies mit der Unterstützung eines Textes (1996) der Autorin Kim McMillen zu tun. Ein Charlie Chaplin Fan hat sie dann ihm in den Mund gelegt und mit dem 70igsten Geburtstag verknüpft. Eine schöne Idee, die sehr erfolgreich wurde. Und hier zunächst der ganze Text, wie er mir vorliegt. Die Struktur der Sätze ist immer gleich. Wenn ich anfange, mich selbst zu lieben, dann gibt es Veränderungen oder Auswirkungen wie Respekt, Reife oder Selbstvertrauen.

Als ich mich selbst zu lieben begann

Als ich anfing mich selbst zu lieben, konnte ich erkennen, dass Angst und
emotionales Leiden nur Warnzeichen sind, dass ich gegen meine eigene Wahrheit lebe.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, verstand ich, wie sehr es jemanden beeinträchtigen kann, wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzuzwingen, auch wenn ich eigentlich weiß, dass der Zeitpunkt nicht stimmt und dieser Mensch nicht dazu bereit ist – und das gilt auch, wenn dieser Mensch ich selber bin. Heute weiß ich: Das nennt man RESPEKT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen
Menschen zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung
zum Wachsen ist. Heute weiß ich: Das nennt man REIFE.

Als ich anfing, mich selbst zu lieben, habe ich verstanden, dass ich immer und unter allen Umständen zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin.  Und dass alles zum richtigen Zeitpunkt geschieht. Von da an konnte ich ruhig sein. Heute weiß ich: Das nennt man SELBSTVERTRAUEN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich es sein lassen, mir meine eigene Zeit zu stehlen, und ich hörte auf, große Zukunftsprojekte zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Freude bereitet und mich glücklich macht, Dinge, die ich gerne tue und die mein Herz zum Lachen bringen - und ich tue sie auf meine Weise und in meinem Rhythmus.
Heute weiß ich: Das nennt man EINFACHHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem selbst befreit, was nicht
gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich
immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das »Gesunden Egoismus«, aber heute weiß ich: Das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer Recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt: Das nennt man DEMUT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit
zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet. So lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig
und krank machen kann. Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam der
Verstand einen wichtigen Partner. Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen
mit uns selbst und anderen zu fürchten, denn sogar Sterne knallen aufeinander und es
entstehen neue Welten. Heute weiß ich: Das ist LEBEN.
(Nach Kim McMillen)

Die erste Auswirkung: Ich werde authentischer

„Als ich anfing mich selbst zu lieben, konnte ich erkennen, dass Angst und
emotionales Leiden nur Warnzeichen sind, dass ich gegen meine eigene Wahrheit lebe.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.“

Manche sehen die Wahrheit als etwas Absolutes an. Es gibt eine objektive endgültige und ewig geltende Wahrheit. Das mag so sein. Aber als Mensch habe ich immer meine subjektive Brille auf. Ich kann sie nicht einfach ablegen. In mir gibt es eine innere Wahrheit, die zu mir selbst gehört. Ich nehme die Wirklichkeit wahr, so wie sie für mich ist. Ich finde einen Menschen schön. Das Meer großartig. Die Berge überwältigend. Jemand anders lebt eine andere Wahrheit und eine andere Wirklichkeit. Aber nicht jeder traut sich zu, seine Wahrheit auch ganz und gar zu leben.
Wenn ich mir sicher bin mit mir selbst frage ich einen anderen trotzdem: „Wie siehst du das? Was meinst du?“ Ich kann den anderen fragen, weil mich seine Wahrheit interessiert und ich mich mit diesem Menschen verbinden möchte. Ich kann aber auch fragen, weil ich mir selbst in meiner Wahrnehmung unsicher bin. Ich traue meiner Wahrheit nicht.
Wenn ich aber von einem göttlichen Ursprung her komme müsste ich es eigentlich besser wissen. Das Göttliche in mir weist mich hin auf etwas ewig und absolut Wahres in mir. Halte ich meine Wahrheit etwa für falsch weil ich immer noch die Stimme meiner Eltern höre? „Du lügst! Du hast Unrecht! Du bist dumm!“
Die alltägliche Wirklichkeit sieht leider so aus, dass wir oft Momente der Angst und Unsicherheit erleben. Dass wir die Balance verlieren und leiden, weil andere Menschen uns negativ bewerten. Damit wir beliebt bleiben oder werden verbiegen wir uns. Wir möchten dazugehören. Nicht ausgeschlossen sein. Sich verlassen zu fühlen und isoliert zu sein ist schlimmer als die eigene Wahrheit nicht zu leben. Was nützt mir meine Wahrheit, wenn ich einsam bin!
Wenn ich aber anfange, mich selbst zu lieben verändert sich meine Wahrnehmung. Ich sage Ja zu meiner eigenen Wahrnehmung der Wirklichkeit. Ich mache mich unabhängig von den Werturteilen meiner Umgebung. Ich riskiere es, verlassen zu werden in dem Wissen, dass ich mit mir auf jeden Fall gut auskommen werde. Wenn ich mich liebe, ist ja Liebe da. Liebe im Innen! Zugleich werde ich feststellen, dass die anderen mich nicht verlassen werden nur weil ich meine eigene Wahrheit lebe! Auch dieses ist nur eine Vorstellung in meinem Kopf und eine Erinnerung an meine Kindheit. Als ich klein war, lachten mich die Erwachsenen aus für meine beschränkte kindliche Weltsicht.
Es ist bestimmt heilsam, dieses kleine Kind in mir zu lieben, das eine ganz eigene kindliche Sicht der Wahrheit hatte. Das Gegenteil von Wahrheit ist für mich übrigens auch nicht die Lüge sondern eher die Unwahrhaftigkeit. Es geht darum, dass ich zu mir selber stehe und mich darin authentisch und echt fühle.  Und mehr davon – das wünsche ich dir und mir.

www.matthias-koenning.de 


Samstag, 1. Januar 2022

Der Mensch an deiner Seite! Mit einem irischen Segen für das neue Jahr


 

Es ist mir ein Herzensanliegen, mich mit dir zu Beginn des neuen Jahres bewusst zu verbinden. Die Masken, der Rückzug ins Private, das soziale Distanzieren machen auf die Dauer krank. Ich lebe von deinem Lächeln und deinem freundlichen Blick. Ich fühle mich gemeint, wenn du mich anblickst und merke, wie mir das gut tut. Ich möchte nicht in einer Welt leben, wo Freunde zu Fremden werden. Deine Viren und Bakterien helfen mir dabei, mein Immunsystem zu stärken. Deine Fragen und dein Interesse an meinem Leben helfen mir dabei, mich selbst lebendig zu fühlen.

Das möchte ich zu Beginn des neuen Jahres mir und dir verstärkt ins Herz schreiben. Noch vor zwei Wochen dachte ich, dass ich mit dem Schreiben aufhöre. Genug Briefe geschrieben. Ich habe alles gesagt, was ich selbst sagen möchte. Dann bekomme ich ein paar Rückmeldungen, dass sich Menschen immer noch freuen über meine Gedanken und das hilfreich finden. Am Ende des alten und am Beginn des neuen Jahres beschließe ich, noch ein wenig weiterzuschreiben. Nicht mehr jeden Monat, aber immer wieder mal nach Lust und Bedarf. An das sich Verbinden, statt zu trennen kann ich nicht oft genug erinnern. Das Menschliche geht schneller verloren als ich dachte. Ein paar Virusmonate können eine ganze Kultur vernichten.

In meinem Weihnachtsgruß habe ich eine Puzzle Krippe zerlegt und durcheinandergebracht. Die Ordnung von Bethlehem war zerstört. Zugleich weiß ich, dass jede Krise die Geburt von etwas sein kann, was tiefer wird und sinnerfüllter. Ich glaube nicht, dass es darum geht, etwas wiederzubeleben, was eh nicht mehr lebendig war. Aber es geht für mich darum, den Reichtum der Liebe in sich selbst zu entdecken und im Menschen an meiner Seite. Beides gehört zusammen und bedingt sich gegenseitig.

Jeder Mensch kann sich selbst als kostbar und wertvoll erleben. Das ist ein großartiges Geschenk. Aber es braucht den anderen, der das wahrnehmen kann, sieht und bestätigt.

Es gibt Mechanismen, die uns entzweien und Haltungen, die uns in die Fülle führen. Das gilt es zu erkennen und zu durchschauen. Was entzweit und was kann verbinden?

Diese Frage lässt sich für mich leicht beantworten. Recht haben wollen, den anderen als Bedrohung zu sehen, die jeden Menschen innewohnende Angst, die traumatischen Lebenserfahrungen bringen in die Entzweiung. Vertrauen, Freundschaft, Wohlwollen, Fürsorge und Liebe bringen uns Menschen einander näher und verbinden uns miteinander. Wenn wir das so einfach tun könnten und würden!

Ich gehe davon aus, dass wir alle im Moment nicht mehr gut bei uns sind. Aber so, dass wir es auch nicht mehr gut einschätzen können. Manchmal habe ich Menschen in der Beratung, die unter einer Art Verfolgungswahn leiden. Sie fühlen sich am Arbeitsplatz beobachtet von den Kollegen und Führungskräften und geraten in eine Angst, die mehr und mehr zunimmt. Sie sind nur noch darauf fixiert, dass ihnen niemand zu nahe kommt und wittern überall Gefahr. Es ist nirgendwo mehr sicher. Im Kontakt wirken sie so, als seien sie in einer Art Traumwelt, abgedriftet, jenseits des Hier und Jetzt. Dann „klopfe“ ich an und frage: „Sind Sie da?“ „Können Sie mich wahrnehmen? Mögen Sie mich einmal anschauen?“ Das Anschauen kann helfen, wieder ins Hier und Jetzt zu kommen.

Es geht also um die Angst und darum, was mit uns Menschen passiert, wenn die Räume der Sicherheit immer kleiner werden. Wir verlieren den Blick für die Realität. Die Angst bewirkt eine Art von Verzerrung. Die Gespenster werden immer größer, mächtiger und bedrohlicher. Wenn das auch noch kollektiv geschieht, kann uns niemand mehr in die wirkliche Wirklichkeit zurückholen. Alle sind schließlich betroffen. In der Politik merken wir es daran, dass es auf einmal Maßnahmen gibt, die es unter „normalen“ Umständen nie gäbe. „Außerordentliche Ereignisse erfordern außerordentliche Maßnahmen.“ Uns werden Lösungen angeboten, die wir nüchtern betrachtet nie als Lösungen akzeptieren würden.

Erinnerst du dich an den Ausverkauf von Toilettenpapier, Mehl und Trockenhefe? Wie schnell konnte die Angst uns zu solchen Handlungen führen. Wir „denken“ ja, dass wir rationale Wesen sind. Wir sind „aufgeklärt“. Aber sind wir das? Und auch, wenn wir uns aufgeklärt wähnen, besitzen wir den Körper und das Fühlen eines Säugetieres. Das Denk-Hirn suggeriert uns, dass wir alles im Griff haben, während im Untergrund unser Stammhirn Panik schiebt.

Bei zeitlich befristeten Krisen fühlen wir uns in der Regel noch gut in unserer Kraft und haben einen Zugang zu unseren Ressourcen. Das Vertrauen ist stark und wir sehen schnell das Licht am Ende des Tunnels. Je länger der Weg ist desto mehr werden wir abgeschnitten vom Vertrauen, der am Anfang des Weges noch stark ist.

Ich erinnere mich an eine Wanderung auf der Insel Madeira vor vielen Jahren. Dort kann man an den Wasserläufen, den sogenannten Levadas entlanglaufen. Manchmal führen sie auch durch einen Tunnel, so dass eine Taschenlampe ein wichtiges Utensil ist. Wir hatten damals keine dabei und wagten uns in einen längeren Tunnel hinein. Wir vertrauten uns dem Handlauf an, dass er uns genügend Sicherheit gab. Doch der Weg machte im Verlauf einen kleinen Bogen, so dass wir irgendwann gar nichts mehr sehen konnten. Kein Licht am Anfang oder Ende des Tunnels. Unsere Schritte wurden immer langsamer und die Angst machte sich im Körper breit. Zugleich aber auch der Überlebenswille und die Anstrengung, ruhig zu atmen. Es gab das innere Wissen, dass wir irgendwann einen kleinen Lichtpunkt sehen werden. Der ließ aber auf sich warten, länger als unser Vertrauen dauerte. Sollen wir umkehren? Die Strecke und die Zeit konnten wir abschätzen. Der Verstand funktionierte noch. Das Licht wird kommen, logischerweise. Der Tunnel ist nicht länger als ein Kilometer. Irgendwann tauchte natürlich das Licht mit einem winzig kleinen Punkt auf und die Erleichterung war riesengroß.

Was jedoch wäre, wenn es dieses Licht nicht gegeben hätte. Wenn wir Schritt für Schritt weitergelaufen wären in die absolute Dunkelheit hinein. Wir hätten uns durch Panik und Angst durchgekämpft. Hätten Hoffnung geschöpft und uns gegenseitig ermutigt und wären am Ende doch resigniert.

Inzwischen wissen wir mehr über die Funktion unseres autonomen Nervensystems. Wenn alles aussichtslos wird, geraten wir in eine tiefe Erschöpfung und Resignation. Das „Säugetier“ in uns bereitet sich auf eine Art komatöses Sterben ein. Dabei ist es nicht wichtig, ob es im Außen wirklich eine Gefahr gibt. Die gefühlte Bedrohung reicht aus.

Gibt es einen Ausweg? Ja, den gibt es tatsächlich für uns Menschen im Unterschied zum Säugetier. Die bewusste erneute Entscheidung für die Liebe und die Verbundenheit. Wir Menschen sind in der Lage, uns an das nährende Feuer in der Höhle zu erinnern. Wo wir im Kreis sitzen und miteinander essen und reden, singen und uns Geschichten erzählen. Und wir können uns daran erinnern, wie sich das angefühlt hat. Wir können also damit beginnen, wieder Höhlen zu bauen, ein Feuer anzuzünden, Geschichten und Essen zu teilen und dem „sozialen Säugetier“ in uns wieder den Raum zu geben, den es braucht, sich sicher und geborgen zu fühlen.

Ich habe einen irischen Segen gefunden, der genau das zum Ausdruck bringt. Da heißt es:

Irischer Segen

An deiner Seite sei ein Mensch, der wissen will, wer Du wirklich bist, der annehmen kann, der Du warst, der verzeiht, was Du zu tun versäumst und der Dir dankt, was Du gibst.

Ein Mensch, der an Dich glaubt, wenn Du an Dir zweifelst, der Dich umarmt, wenn Du Dich selber nicht aushältst, der sich zu Dir bekennt, wenn Du Dich verleugnest, und der Deine Zuversicht ist, wenn Dir der Mut sinkt. 

Ein Mensch, der Dir so sehr vertraut, dass er bereit ist, sich preiszugeben, sein Licht in Deine Tiefe zu schenken, und mit Dir das Wagnis einzugehen, das wachsende, wandernde Liebe heißt.

Für mich kommt in dem Segen zum Ausdruck, dass wir Menschen es immer wieder schaffen, unsere Angst zu überwinden und ins Vertrauen zu gehen. Dass Wunder möglich sind und Sichtweisen sich verändern. Dass Vergebung geschieht, weil Menschen ein großes Herz zeigen. Und dass dann, wenn es mir gerade nicht gut geht und ich mutlos geworden bin, es zugleich einen wunderbaren Menschen an meiner Seite gibt, der das sieht und mich auffängt. Wenn viele Menschen in Angst und Sorge sind, dann gibt es aber oft auch einen Menschen, der sich nicht hat anstecken lassen und der im Vertrauen geblieben ist.

Ich wünsche dir solche Menschen im kommenden Jahr, an die du dich anlehnen kannst und die dich stärken. Und vielleicht gehörst du zu denen, die unerschütterlich im Vertrauen und in der Liebe geblieben sind. Dann wünsche ich dir, dass dir diese Stärke erhalten bleibt und du zugleich auch jemanden findest, der dir Augenblicke der Stärkung schenkt.