Freitag, 5. Januar 2018

„Als ich mich selbst zu lieben begann!“ Ein Impuls zum neuen Jahr


  
Zu Beginn eine Jahres macht es für mich Sinn, sich einen roten Faden zu suchen. Welche Gedanken könnten mich begleiten? Welche Wünsche trage ich im Herzen? Unter welchem Stern wird das neue Jahr für mich stehen?
Statt abnehmen oder pünktlicher kommen entscheide ich mich lieber für eine Idee, die tiefer greift. Wie wäre es damit, einfach der Liebe zu folgen? Es gibt ja den christlichen Grundsatz der drei Wege, die Liebe ins Leben zu bringen. Liebe Gott, der und die Nächste und dich selbst. Die Selbstliebe steht scheinbar auf dem dritten Platz und Gott an erster Stelle. Damit konstruieren wir unbewusst eine Hierarchie der Liebe. Allein das kann gar nicht im Sinn der Liebe sein. Hierarchische Abstufungen finden im Kopf statt. Der Verstand bewertet sofort. Gott ist wichtig und Selbstliebe ist egoistisch und das ist schlecht. Den Nächsten lieben ist wichtiger als auf sich selbst zu schauen. Und vor allem gehört Gott immer an die erste Stelle. So macht das unser Verstand.
Das Herz spricht eine andere Sprache. Es hört Liebe, es öffnet sich wie eine Blumenblüte und brennt. Das Herz schwingt wenn es fühlt und wenn es liebt. Dabei geht es um das Lieben an und für sich. Das Wesen des Herzens besteht darin, zu lieben. Ich liebe mit meinem Herzen und du mit deinem. Über meines verfüge ich und über deines nur du selbst!
Wenn ich mit dem Lieben beginne verlagere ich mein Bewusstsein vom Kopf in das Herz. Im Kopf entwickle ich meine Gedanken. Dort werte ich und wäge ab. Wenn ich mich mitten in das Herz hineinbewege bin ich verbunden mit allem was ist. Der Zustand des Liebens schließt nichts aus. Die Unterschiede verschwinden mehr und mehr ob ich Gott liebe, den Nächsten oder mich selbst. Ich werde zum Liebenden.
Ich kann nur an mir selbst testen, ob meine Liebesfähigkeit vorhanden ist oder nicht. Wenn ich mich selbst liebe kann ich die Auswirkungen bei mir selbst spüren. Ich entspanne mich. Ich fühle mich behaglich. Es wird mir warm. Die Gedanken kommen zur Ruhe. Je mehr ich liebe, desto stärker wirkt es sich körperlich, geistig und fühlend aus.
Ich kann also in meinem Tun eine Prise Liebe hineingeben und schon intensivieren sich meine Empfindungen und bekommen eine tiefere Qualität. Wenn ich mich selbst nicht lieben kann weiß ich gar nicht, was Liebe ist. Ich hätte vielleicht eine gedankliche Ahnung, weil viele darüber sprechen und weil ich Liebesromane zum Studium lesen könnte. Aber ich hätte keine Selbsterfahrung damit. Die Gottesliebe wäre nur eine Art moralisches Gebot, das ich mit erhobenem Zeigefinger erfüllen müsste.
Die Selbstliebe ist also so etwas wie die Voraussetzung dafür, dass ich Gott oder einen anderen Menschen lieben kann. Am Ende ergibt sich ein unendlicher Kreislauf. Gott liebt mich, so dass ich von seiner Liebe lebe und lieben kann. Ich schicke meine dankbare Liebe an Gott zurück und beziehe die ganze Schöpfung mit ein.
Es lohnt sich also, die Selbstliebe in den Blick zu nehmen. Doch wenn ich mich selbst liebe, wer ist dieses „m-ich“? Wen oder was liebe ich da eigentlich? Denjenigen, der so aus dem Bauch der Mutter kam und im Laufe der Jahre gewachsen ist mit Freud und Leid? Denjenigen, der sich hinter allen „Ich-Erfahrungen“ als etwas Göttliches verbirgt? Schließt es möglicherweise von mir nichts aus und beinhaltet alles? Eine intensive spirituelle und philosophische Frage!
Ich kann mich auf jeden Fall bewegen hin zu mehr Liebe zu mir selbst. An den Auswirkungen werde ich erkennen, ob ich diesem Ziel näher komme. Wenn ich die Art und Weise mich selbst zu lieben intensiviere, wird es auch Auswirkungen haben auf die Liebe zu meinem Nächsten.

Ich möchte dich einladen, dies mit der Unterstützung eines Textes (1996) der Autorin Kim McMillen zu tun. Ein Charlie Chaplin Fan hat sie dann ihm in den Mund gelegt und mit dem 70igsten Geburtstag verknüpft. Eine schöne Idee, die sehr erfolgreich wurde. Und hier zunächst der ganze Text, wie er mir vorliegt. Die Struktur der Sätze ist immer gleich. Wenn ich anfange, mich selbst zu lieben, dann gibt es Veränderungen oder Auswirkungen wie Respekt, Reife oder Selbstvertrauen.

Als ich mich selbst zu lieben begann

Als ich anfing mich selbst zu lieben, konnte ich erkennen, dass Angst und
emotionales Leiden nur Warnzeichen sind, dass ich gegen meine eigene Wahrheit lebe.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, verstand ich, wie sehr es jemanden beeinträchtigen kann, wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzuzwingen, auch wenn ich eigentlich weiß, dass der Zeitpunkt nicht stimmt und dieser Mensch nicht dazu bereit ist – und das gilt auch, wenn dieser Mensch ich selber bin. Heute weiß ich: Das nennt man RESPEKT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen
Menschen zu sehnen und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung
zum Wachsen ist. Heute weiß ich: Das nennt man REIFE.

Als ich anfing, mich selbst zu lieben, habe ich verstanden, dass ich immer und unter allen Umständen zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin.  Und dass alles zum richtigen Zeitpunkt geschieht. Von da an konnte ich ruhig sein. Heute weiß ich: Das nennt man SELBSTVERTRAUEN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich es sein lassen, mir meine eigene Zeit zu stehlen, und ich hörte auf, große Zukunftsprojekte zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Freude bereitet und mich glücklich macht, Dinge, die ich gerne tue und die mein Herz zum Lachen bringen - und ich tue sie auf meine Weise und in meinem Rhythmus.
Heute weiß ich: Das nennt man EINFACHHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem selbst befreit, was nicht
gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich
immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das »Gesunden Egoismus«, aber heute weiß ich: Das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer Recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt: Das nennt man DEMUT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit
zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet. So lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig
und krank machen kann. Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam der
Verstand einen wichtigen Partner. Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen
mit uns selbst und anderen zu fürchten, denn sogar Sterne knallen aufeinander und es
entstehen neue Welten. Heute weiß ich: Das ist LEBEN.
(Nach Kim McMillen)

Die erste Auswirkung: Ich werde authentischer

„Als ich anfing mich selbst zu lieben, konnte ich erkennen, dass Angst und
emotionales Leiden nur Warnzeichen sind, dass ich gegen meine eigene Wahrheit lebe.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.“

Manche sehen die Wahrheit als etwas Absolutes an. Es gibt eine objektive endgültige und ewig geltende Wahrheit. Das mag so sein. Aber als Mensch habe ich immer meine subjektive Brille auf. Ich kann sie nicht einfach ablegen. In mir gibt es eine innere Wahrheit, die zu mir selbst gehört. Ich nehme die Wirklichkeit wahr, so wie sie für mich ist. Ich finde einen Menschen schön. Das Meer großartig. Die Berge überwältigend. Jemand anders lebt eine andere Wahrheit und eine andere Wirklichkeit. Aber nicht jeder traut sich zu, seine Wahrheit auch ganz und gar zu leben.
Wenn ich mir sicher bin mit mir selbst frage ich einen anderen trotzdem: „Wie siehst du das? Was meinst du?“ Ich kann den anderen fragen, weil mich seine Wahrheit interessiert und ich mich mit diesem Menschen verbinden möchte. Ich kann aber auch fragen, weil ich mir selbst in meiner Wahrnehmung unsicher bin. Ich traue meiner Wahrheit nicht.
Wenn ich aber von einem göttlichen Ursprung her komme müsste ich es eigentlich besser wissen. Das Göttliche in mir weist mich hin auf etwas ewig und absolut Wahres in mir. Halte ich meine Wahrheit etwa für falsch weil ich immer noch die Stimme meiner Eltern höre? „Du lügst! Du hast Unrecht! Du bist dumm!“
Die alltägliche Wirklichkeit sieht leider so aus, dass wir oft Momente der Angst und Unsicherheit erleben. Dass wir die Balance verlieren und leiden, weil andere Menschen uns negativ bewerten. Damit wir beliebt bleiben oder werden verbiegen wir uns. Wir möchten dazugehören. Nicht ausgeschlossen sein. Sich verlassen zu fühlen und isoliert zu sein ist schlimmer als die eigene Wahrheit nicht zu leben. Was nützt mir meine Wahrheit, wenn ich einsam bin!
Wenn ich aber anfange, mich selbst zu lieben verändert sich meine Wahrnehmung. Ich sage Ja zu meiner eigenen Wahrnehmung der Wirklichkeit. Ich mache mich unabhängig von den Werturteilen meiner Umgebung. Ich riskiere es, verlassen zu werden in dem Wissen, dass ich mit mir auf jeden Fall gut auskommen werde. Wenn ich mich liebe, ist ja Liebe da. Liebe im Innen! Zugleich werde ich feststellen, dass die anderen mich nicht verlassen werden nur weil ich meine eigene Wahrheit lebe! Auch dieses ist nur eine Vorstellung in meinem Kopf und eine Erinnerung an meine Kindheit. Als ich klein war, lachten mich die Erwachsenen aus für meine beschränkte kindliche Weltsicht.
Es ist bestimmt heilsam, dieses kleine Kind in mir zu lieben, das eine ganz eigene kindliche Sicht der Wahrheit hatte. Das Gegenteil von Wahrheit ist für mich übrigens auch nicht die Lüge sondern eher die Unwahrhaftigkeit. Es geht darum, dass ich zu mir selber stehe und mich darin authentisch und echt fühle.  Und mehr davon – das wünsche ich dir und mir.

www.matthias-koenning.de 


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