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Montag, 6. Juni 2016
Über das geschickte Verpacken von unangenehmen Nachrichten
Ich war vor ein paar Tagne beim Buchhändler. An der Kasse bezahlte ich meine Waren und die Kassiererin stellte mir die Frage: "Geht das so mit oder brauchen Sie für 20 Cent eine Tüte?" Ich wurde daran erinnert, dass Geschäfte keine Tüten mehr verschenken dürfen.
Die Verkäuferin hätte ja auch sagen können: "Wenn Sie eine Tüte brauchen, dann kostet das 20 Cent extra." oder "Leider müssen wir jetzt für die Tüte 20 Cent berechnen." Ich fand ihren Satz unglaublich geschickt. Eigentlich gab es ja eine negative Nachricht für mich. Ich sollte jetzt für eine Tüte Geld bezahlen, die bislang umsonst war. Sie versteckte die 20 Cent aber so geschickt in ihrem Satz, dass gar kein Mangel bei mir aufkam. Sie war ja ganz besorgt um mich mit der Frage, ob ich auch noch einen Platz für meine Bücher finde. "Geht es so mit?" Klar ging es so mit, ich hatte ja meinen Rucksack. Wenn es nicht gegangen wäre, wäre die Tüte die Lösung gewesen - für 20 Cent. Und das klang so völlig neutral. Ohne Schimpfen auf die Politik. Ohne in ein Mangegespräch zu gehen. Ohne Lamentieren.
Diese Kunst würde ich gerne beherrschen. Negative Dinge so zu verpacken, dass sie zu einem Geschenk werden. "Möchten Sie gerne morgen bei einem anderen Arbeitgeber arbeiten oder benötigen Sie noch diesen Arbeitsplatz für einen geringen Abschlag beim Lohn?"
"Möchtest du gerne ein Eis bei diesem heißen Wetter oder lieber doch das volle Taschengeld am Anfang des Monats?" "Soll ich dir zum Geburtstag einen Kuchen backen oder hättest du doch lieber ein Überraschungsgeschenk?"
Die Kunst des Verpackens von unangenehmen Nachrichten besteht in einem einzigen Wort: "Oder". Wenn ich "oder" sage gebe ich die Möglichkeit zur Auswahl. Auswählen ist immer positiv. Ich habe eine Wahlfreiheit. "Möchtest du lieber verheiratet bleiben oder doch lieber viel Geld für eine Trennung bezahlen?" "Möchten Sie dieses Sonderangebot haben oder doch lieber für 1Euro das Angebot upgraden für die Nutzung der besonderen Funktionen?"
Was die Werbung kann, das kann ich doch auch im Alltag nutzen. "Möchtet ihr, dass ich frisch koche oder lieber das Essen aus der Pommesbude hole bei einer Umlage von 3 Euro pro Person?" Die weiteren "oder" überlasse ich gerne dir. Frohes Verpacken!
www.matthias-koenning.de
Sonntag, 5. Juni 2016
Armer schwarzer Kater!
Kennst Du dieses Spiel aus Kindertagen? Alle Kinder sitzen im Kreis. Ein Kind in der Mitte spielt den schwarzen Kater und kriecht miauend zu einem Mitspieler. Dabei versucht es, diesen durch Grimassen zum Lachen zu bringen. Das angesprochene Kind im Kreis muss dann sagen: „Armer schwarzer Kater!“ und darf dabei keine Miene verziehen. Wenn es aber lacht, wird der Kater erlöst und die Rollen werden getauscht.
Ich denke mir, dass manche Kinderspiele einen bestimmten Zweck
erfüllen. Es geht natürlich zunächst um den Spaß Spielen. Daneben geht es aber zugleich
um die Bewältigung von Erlebnissen und Erfahrungen. Ich werde ausgegrenzt und
bin traurig. Dann werde ich gerettet und gehöre wieder dazu. Ausgrenzung ist
zwar blöd, aber ich muss lernen, mit dieser frustrierenden Erfahrung klarzukommen.
Mit dieser kleinen Erinnerung an die Kindheit möchte ich dich jetzt
gerne einladen, einen neuen Blick auf den schwarzen Kater zu werfen. Das Sprichwort
weiß ja schon, dass es Unglück bedeutet, wenn eine schwarze Katze deinen Weg
kreuzt. Was mag wohl eine solche Katze selber über diesen Glaubenssatz denken.
„Ich will keine Quelle von Unglück sein. Das habe ich nicht verdient!“ Der
schwarze Kater befindet sich ähnlich wie das schwarze Schaf in einer „schwarzen“
Rolle, die nicht sehr beliebt ist. Wer möchte schon gerne ausgegrenzt sein und
nicht dazu gehören. Im Spiel stellt sich der schwarze Kater ja zusätzlich noch
ziemlich dumm an. Statt sein Schicksal zu beklagen spielt er die Rolle des
Clowns. Man sieht ihm nicht an, dass er traurig nach einem freien Stuhl im
Kreis sucht und dazugehören möchte. Das erinnert mich an die Kinder, die es nur
negatives Auffallen schaffen, Zuwendung zu bekommen. Der schwarze Kater miaut
und zieht Grimassen in der Hoffnung, dass ein Kind reagiert. „Armer schwarzer
Kater!“ Endlich wird er gesehen, der arme schwarze Kater. Endlich begreift
jemand, dass hinter dem Feixen und Verstellen eine große Not steckt.
An dieser Stelle verlasse ich das Kinderspiel und betrete die
Erwachsenenwelt. Ich möchte nicht in erster Linie dieses Kinderspiel
analysieren sondern für das Leben jetzt fruchtbar machen.
So lade ich dich ein zu deinem ganz persönlichen „Armer-schwarzer-Kater-Spiel“.
Stell dir doch einmal vor, dass du dich gerade mit einem Arbeitskollegen oder
dem Chef gestritten hast. Da hat jemand deine Arbeit kritisiert und sich
abfällig geäußert über deine mangelnden Qualitäten. „Das hättest du wirklich besser
machen können! So kannst du diese Arbeit nicht abliefern! Das geht ja gar
nicht!“
Jetzt bist du geknickt! Du fühlst dich traurig, bist wütend und
enttäuscht. Du fängst an dich zu rechtfertigen. „Das stimmt ja gar nicht!“ –
„Ich war gar nicht zuständig! Das war ja auch viel zu viel für mich!“ – „Immer
hacken alle auf mir herum! Das ist ungerecht!“ Du sitzt in deinem seelischen
Abgrund und möchtest dich verstecken mit einem Gefühlsgemisch von Schuld,
Verzweiflung, Angst und Scham. Da hast du nun dein dickes Paket von schlechten
Gefühlen. Du möchtest es loswerden, aber deine Gedanken lassen das nicht zu.
Dann fangen die Grübeleien an. „Hätte dein Kollege nicht...“ – „Hättest du
nicht...“ Du gehst die Szene der Auseinandersetzung immer wieder durch. „Und
täglich grüßt das Murmeltier!“ Du kannst
nicht damit aufhören, dich wieder und wieder in diese Szene hineinzubegeben.
Nie wieder kommst du zur Arbeit. Nie wieder wirst du mit deinem Kollegen sprechen.
Du möchtest kündigen aber dann plagen dich die Existenzängste. Du bist nichts,
du kannst nichts. Du wirst entlassen und du landest auf der Straße.
Wie gefällt es dir in diesem Abgrund der schlechten Gefühle? Bist du
noch bei mir oder schüttelst du jetzt den Kopf! Oder denkst du: „Gott sei Dank
habe ich gerade kein solch abgründiges Gefühlskonglomerat!“ Einverstanden!
Schüttle mal alle deine eigenen Erinnerungen an solche Zustände ab.
Aber du gibst zu. Das kann manchmal vorkommen. Dein Leben ist gespickt
mit kleineren und größeren Krisen und Katastrophen, die dich emotional in den
Abgrund stürzen.
Weil du noch nicht erlöst oder erleuchtet bist, musst du klarkommen
mit deinen dunklen Flecken, deinen Schattenseiten und deinen traumatischen
Erinnerungen an deine Kindheit. „Armer schwarzer Kater!“
Jetzt stell dir noch einmal vor, dass du gerade sehr leidest. Du bist
geknickt und du befindest dich im Abgrund. Jetzt gehst du zu einer Freundin,
einem Freund, deinem Mann, deiner Frau und erzählst von diesem unglücklichen
Ereignis. Vielleicht beginnst du so: „Kannst du mir helfen? Ich habe da ein
Problem! Ich bin heute mit meinem Arbeitskollegen aneinandergeraten. Der hat
mich so gekränkt und verletzt. Der hat doch glatt behauptet, dass meine Arbeit
nicht qualifiziert ist!“
Was macht dein Gegenüber? Oft? Er fühlt natürlich mit dir mit! Und
genau an dieser Stelle möchte ich den „armen schwarzen Kater“ einführen. Wenn
ich das Wort „Problem“ höre, dann schwingt bei mir sofort ein anderes Wort mit
und das heißt „Lösung“. Du erzählst mir von deinem Problem und ich höre: „Gib
mir eine Lösung!“ Wenn du ein Problem
hast dann glaube ich, dass ich dir Erleichterung verschaffe, wenn ich dir eine
Lösung für dein Problem präsentiere. Ich gehe ja davon aus, dass dein Problem
nicht mehr existiert, wenn ich eine gute Lösung gefunden habe. Das ist doch
logisch, nicht wahr? Logisch schon! Aber nicht hilfreich! Zumindest nicht für
den Augenblick.
Bei Paaren erlebe ich es oft, dass die Männer eher Lösungen
präsentieren, wenn die Ehefrauen von einem Problem erzählen. Sie sind es
gewohnt, in Autos oder Computer zu denken. Das muss ja nur repariert werden,
dann funktioniert es doch wieder. Erledigt und gut. Das stimmt auch! Ein
Problem sucht nach einer Lösung. Und wenn diese da ist, dann verschwindet
automatisch das Problem. Leider funktioniert diese Logik nicht. Sie erweist
sich sogar oft als völlig kontraproduktiv. Ich sehe da manchmal die Ehemänner
stehen, die ratlos die Welt nicht mehr verstehen. „Da habe ich eine so gute
Lösung und meine Frau weist mich ab. Was habe ich nur falsch gemacht!“ Was machen
dann die Ehemänner? Sie suchen noch eine bessere Lösung! Und noch eine Lösung!
Und noch eine! Das ist das, was sie können. (Wenn ich von Männern spreche, dann
meine ich eher den männlich - rationalen Anteil in uns Menschen.)
Warum funktionieren Lösungen nicht? Es gibt doch so wunderbar viele
davon! Eine besser als die andere! In uns Menschen sitzt leider nicht nur der
rational denkende Verstand, sondern auch das überaus reiche Gefühlsleben. Wenn
die Gefühle nichts bekommen, dann setzen sie sich vor jedem Lösungsansatz.
Und genau da möchte ich den „armen schwarzen Kater“ platzieren. Wenn
du im emotionalen Abgrund steckst, dann brauchst du keine Lösung, sondern jemanden,
der dich tröstet. So einfach ist das! „Armer schwarzer Kater!“ Es braucht ganz
viel Raum zum Erzählen, zum Mitfühlen, zum Verständnis haben. Platz für den
Ärger, Zeit für die Tränen, Raum für den Frust. Das will alles erst einmal da
sein! Das Ausbreiten der Gefühle wünscht sich ein Gegenüber und ein Gehalten
Sein, damit es sich auflösen kann. Wenn also jemand zu dir kommt um von seinem
Problem zu erzählen kommt es zunächst darauf an, ganz viel Zuwendung und Raum
zu schenken. Das ist die Lösung auf der ersten Ebene: „Armer schwarzer Kater!“
Nicht ins Lächerliche ziehen! Kein Spiel daraus machen! Den armen schwarzen Kater
würdest du doch auch erst einmal streicheln, ihn trösten oder auf den Schoß nehmen.
Wenn die Angst, die Trauer oder die Wut eine Erlaubnis bekommt wird sie satt
und dann ist es irgendwann genug.
Unsere Gedanken rotieren immer und ständig. Ununterbrochen setzen wir
sie Minute für Minute fort. Die Gefühle verhalten sich anders. Du fühlst die
Angst, wie sie kommt. Du lässt sie zu und in dir wirken. Die Angst schwillt an,
erreicht ihren Höhepunkt und löst sich wieder auf. Die Gefühle kommen in
Wellen. Aber wehe, wenn der „arme schwarze Kater“ keinen Raum bekommt! Er
bleibt sitzen oder wirkt im Untergrund weiter.
Für die rationalen und lösungsorientierten Menschen erfolgt hier ein
wichtiger Hinweis. Deine Lösungen sind sehr gefragt. Die erste Lösung jedoch
lautet: Fühle mit dem armen schwarzen Kater so lange, bis er satt ist. Vielleicht
ist dann schon gar nichts mehr zu tun. Der „Kater“ war nie an einer
pragmatischen Lösung interessiert. Der „Kater“ brauchte nur deinen Trost. Mehr
nicht!
Jetzt möchte ich mit dir noch kurz auf den schwarzen Kater selbst schauen.
Wie schafft es der Kater, dass er keinen Trost bekommt, obwohl er ihn gerne
hätte?
Der Kater geht zum Tröster und sagt: „Ich habe da ein Problem. Weißt
du eine Lösung?“ Der Kater inszeniert selber, dass er nicht getröstet wird. Er
könnte ja auch sagen: „Ich bin traurig! Ich bin wütend! Ich bin frustriert!
Kannst du mich trösten? Hältst du mich für einen Moment! Darf ich mich bei dir
ausjammern?“ Wenn der „arme schwarze Kater“ das täte, wäre es für das Gegenüber
viel leichter. Das Gegenüber wüsste
sofort, dass Lösungen auf der rationalen Ebene nicht gefragt sind.
In den Evangelien wird erzählt, dass Jesus die Menschen heilte. Wie
hat er das gemacht? Manchmal wird beschrieben, wie er sich vor der Heilung innerlich
emotional erregte. Jesus fühlte also zuerst einmal mit. Wir verstehen seine
Handauflegungen heute eher wie ein Ritual. Dahinter steckt aber die Grunderfahrung
einer körperlichen Zuwendung. Er hätte auch sagen können: „Komm in meine Arme!“
oder „Komm auf meinen Schoß!“ Wenn im Evangelium steht: ‚Er legte ihm die Hände
auf.’ dann klingt es halt ein wenig erwachsener und wir können es leichter
akzeptieren.
Und jetzt zu dir, du „armer schwarzer Kater!“ Wie geht es deinem
Seelchen? Ist bei dir alles gut? Bist du
zufrieden? Oder fühlt es sich gerade bei dir leicht an? Wenn ja, ach wie schön!
Und wenn nicht? Zu wem könntest du jetzt gehen? Wem magst du dich anvertrauen?
Wer kann etwas dafür tun, dass es wieder ein wenig leichter wird? Nur zu!
Der arme schwarze Kater ist übrigens nicht nur „arm“. Im Grunde seines
Herzens ist er ein stolzes Tier! Voller Anmut, Schönheit, Kraft und Stärke. Im
Kater steckt ein König, der sich nur manchmal wie ein Bettler fühlt. So
wechselt das bei uns Menschen ständig. Vom „armen schwarzen Kater“ zur „stolzen
schönen Katze“ und zurück.
Freitag, 3. Juni 2016
Leih mir deinen Mann!
"Leih mir deinen Mann" so hieß eine amerikanische Filmkomödie von 1964 mit Jack Lemmon und Romy Schneider. Betrachten wir einmal nicht den Inhalt des dazugehörigen Romanes.
Ich bleibe mit dir bei der Idee. Die Idee wäre nicht schlecht, sich einen Ehemann oder eine Ehefrau ausleihen zu können. Es würde mir nicht darum gehen, Klischees zu bedienen nach dem Motto: Eine Frau zum Bügeln oder einen Mann zur Reparatur der Waschmaschine.
Wenn du in einer festen Beziehung lebst, dann bist du nun mal in einer festen Beziehung. Da genießt du die Anteile der Freude, was sehr schön ist. Du lebst aber auch mit den Teilen, die du nicht so magst. Du besitzt bestimmt genug von diesen Schattenteilen und deine Partnerin in deiner subjektiven Wahrnehmung erst recht und vielleicht sogar noch viel mehr als du. An schlechten Tagen siehst du womöglich nur die Unmöglichkeiten deiner festen Beziehung. Wie schnell kann das Leben da zur Hölle werden. Du wünschst dir den Partner auf den Mond - aber er bleibt einfach da sitzen. Du kannst es dir nur wünschen, mehr nicht!
Jetzt stell dir einmal vor, es gäbe eine Agentur, wo du dir einen Mann oder eine Frau ausleihen könntest. Gegen eine Gebühr, eine Leihgebühr. Mit diesem Leihmenschen verbringst du eine fest abgesprochene Zeit für ein fest vereinbartes Ereignis. Der Leihmensch will schließlich auch wissen, worauf er sich einlässt.
Du würdest dich vom Leihmann oder von der Leihfrau überraschen lassen. Du hättest keine überzogenen Erwartungen. Du würdest ihn oder sie einfach so annehmen und wissen: Am Ende geht er oder sie zurück ins eigene Leben. Du würdest dich entspannt zurücklehnen und die Zeit genießen. Du könnstest diesen Menschen bei Erfolg erneut leihen oder wegen der Abwechslung auch jemand anderen. Du würdest mit vielen Menschen viele bunte Erfahrungen sammeln. Der Frust der Zahnpastatube würde nicht mehr stattfinden. Nie wieder!
Leider oder Gott sei Dank gibt es eine solche Agentur nicht. Zumindest nicht in meiner Wohnnähe. Aber ich möchte dir gerne einen Vorschlag machen. Betrachte deine Partnerin oder deinen Partner doch mal selbst als Leihmenschen. Diesen Menschen hast du dir irgendwann ausgesucht für eine feste Beziehung. Wenn du in diesem Menschen einen Leihmenschen siehst, kannst du dich entpannt zurücklehnen. Du leihst ihn dir aus, wenn er mag und wenn du magst. Und wenn einer von euch nicht mag, geht ihr für eine Zeit euren eigenen Weg.
Du hast diesen Menschen geliehen. Er gehört dir nicht. Er gehört sich selbst. Du gehörst dir auch selbst. Wenn jemand dich ausleiht kannst du den Leihausweis verlängern und dich dir selbst zurückgeben.
Dein Dasein auf dieser Welt ist im Übrigen auch nur geliehen. Du weißt nur noch nicht, wann du es zurückgeben musst. Leihen könnte für dich so etwas werden wie eine Grundhalung. Ein Leiher hält nicht fest, sondern gebraucht und gibt zurück. So bleibt dein Koffer leicht und du kannst mit leichtem Gepäck reisen. Wenn du leihst, dann passt du auch gut auf deine Sachen auf. Du willst sie ja unbeschädigt zurückgeben und nicht Strafgebühren zahlen. Deinen Leihmenschen an deiner Seite solltest du auch gut behandeln. Nicht dass du irgendwann Strafgebühren zahlen musst für die Schrammen und Wunden, die du verursacht hast. Pass also schön auf deine Leihmenschen auf! ;-)
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Donnerstag, 2. Juni 2016
Ich verleihe Sinn!
Darf ich dir meinen Sinn verleihen?
Ich meine nicht meine Sinne. Auch nicht die Mehrzahl.
Deine Sinne gehören dir und meine zu mir.
Ich brauche sie jede Stunde meines Lebens.
Sehen, hören, riechen, schmecken, tasten.
Mit dem sechsten und/oder siebten Sinn finde ich manchmal sogar Sinn.
Darf ich dir meinen Sinn verleihen?
Den richtigen Sinn.
Den Sinn meines Daseins auf dieser Welt.
Darf ich dir meinen Sinn verleihen oder hast du schon einen eigenen?
Herzlichen Glückwunsch!
Vielleicht besitzt du sogar viel Sinn.
Einen richtig fetten.
Vielleicht bist du Lebensretter oder Architekt.
Oder du bist Mutter und das lebenslang.
Oder lebst du den Sinn eines anderen?
Den Sinn deiner Mutter, deines Vaters.
Den Sinn deiner Ahnen.
Den Sinn eines Politikers oder Heiligen.
Hast du dir schon mal Sinn ausgeliehen?
Wenn du mal keinen Sinn im Leben siehst?
Du gehst zum Papst und fragst ihn:
"Leih mir doch mal deinen Sinn!"
Und wenn er das täte, wie würde es dir dann gehen?
Wärest du dann erleuchtet?
Du hättest ja den Sinn des Papstes!
Wenn du den Sinn des Papstes hättest, dann wäre sein Sinn immer noch nur eine Leihgabe.
Es könnte sein, dass sein Sinn bei dir gar nicht funktioniert.
Es ist halt der Sinn des Papstes!
Vielleicht gibt es aber auch eine Explosion.
Die katapultiert dich direkt in den Himmel.
Hör mal! Mit dem Sinn des Papstes?!
Möchtest du mal meinen Sinn ausprobieren?
Du fragst, was mein Sinn ist?
Ob sich das für dich lohnt?
Einer meiner Sinne heißt: Weiterentwicklung.
Ein anderer heißt: Einüben in Selbstfreundlichkeit.
Selbstfreundlichkeit macht total viel Sinn und ist ein lebenslanges Geschäft.
Möchtest du mal für einen Moment meine Selbstfreundlichkeit ausleihen?
Oder lieber doch deine eigene finden!
Vielleicht besitzt du sie schon. Aber hast sie noch nicht bewusst in den Blick genommen.
Dann mal los!
Der Sinn meines Lebens besteht zur Zeit darin, mich in Selbstfreundlichkeit einzuüben.
Die Vögel brauchen das nicht zu üben. Die können das einfach so.
Viele indigenen Völker auch.
Und du? Worin besteht dein augenblicklicher Sinn?
Vielleicht bist du einfach da - und glücklich!
Dann brauchst du keinen Sinn ausleihen.
Das wäre überflüssig wie Fußpilz!
Aber wenn du nicht weiterkommst, dann helfe ich dir gerne!
Melde dich dann mal!
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Mittwoch, 1. Juni 2016
Leihst du mir mal dein Ohr?
Ich wünsche mir gerade nicht, dass du mir zuhörst.
Natürlich wünsche ich mir, dass du diese Zeilen liest.
Damit leihst du mir quasi dein Ohr, denn ich spreche schreibend zu dir.
Also: Leihst du mir mal dein Ohr?
Ich meine das fast wörtlich.
Du sollst dir nicht dein Ohr abschneiden und mir zur Verfügung stellen.
Was sollte ich mit deinem Ohr.
Dir würde das Schmerzen bereiten und ich wüsste nicht, ob du es noch retten könntest.
Leihst du mir trotzdem mal dein Ohr?
Ich meine das so:
Wenn ich virtuell mal dein Ohr leihen würde,
dann könnte ich mit deinen Ohren hören.
Dann wüsste ich hautnah, wie meine Worte bei dir ankämen.
Was sie in dir auslösten.
Ich könnte deine Gefühle fühlen.
Du müsstest mir nichts erzählen und ich wüsste, wie es sich in dir drinnen anfühlte.
Ich würde mitverfolgen können, wie meine Worte in dir sich ihren Weg bahnten.
Vor allem könnte ich dann vergleichen.
Ich könnte vergleichen, wie ich höre und wie du hörst.
Vielleicht funktioniert deine Akustik viel besser.
Du hörst die hellen Töne präziser?
Ich die tiefen Töne tiefer?
Wenn du dich gekränkt fühltest wüsste ich, wie tief dein Schmerz reichte.
Ich könnte mich wundern, dass ich bei wenig Schmerz schon ordentlich jammern würde
und du bei ganz tiefem Schmerz noch tapfer lächeltest.
Ich würde sofort mitbekommen, wann es genug wäre und mit meinen Worten aufhören.
Ich glaube, das mache ich jetzt mal.
Danke fürs Ausleihen!
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