Donnerstag, 1. Februar 2018

Nahrung für das innere Kind: Hütten bauen!

"Räum dein Zimmer auf! Zieh die Schuhe aus! Wasch dir die Hände! Schrei nicht so herum! Mach die Türen zu!" Solche und ähnlich Sätze geistern bis heute durch meinen Kopf. Worte meiner Mutter. Sie machte sich solche Sorgen um das Haus. Es sollte unbedingt sauber sein! Strom sparen! Keinen Dreck machen!
Als Kinder gingen wir in den Wald und bauten Hütten. Behausungen für ein paar Tage. Ein paar dicke morsche Äste zusammenschieben und mit Laub verkleiden. Fertig! Sich reinsetzen und Vater, Mutter, Kind spielen. In dieser Hütte durften wir schreien. Wir durften auf dem Boden sitzen und mussten uns keine Hände waschen. Aufräumen war völlig überflüssig und Türen gab es eh nicht.
Meine Hütte! Hier war ich König! Eigene vier Wände! Keine Kosten! Es gab keinen Erwachsenen, der etwas vorschrieb. Auch nicht erklärte. Wie schiebe ich Äste zusammen, so dass sie halten? Sie sind halt mehrmals zusammengebrochen bis wir es heraushatten. Wir durften experimentieren ohne dass die Erwachsenen sich einschalten konnten. Der Wald gehörte uns! Und wir waren Hüttenbauer!
Wie viele Verbotsschilder stecken heute in unserem Erwachsenenkopf! Was wir alles nicht dürfen! Als Staatsbürger, als Arbeitnehmer, als Kirchenmitglieder, als Vereinsangehörige! Manchmal schließe ich ich die Augen und gehe in Gedanken in den Wald meiner Kindheit. Ich schiebe ein paar Äste zusammen und lege Laub auf das Dach. Dann setze ich mich hinein in die Hütte und sage mir: "Hier bin ich König! Hier bestimme ich! Und so, wie ich es gemacht habe, so ist es genau richtig!"
Davon wünsche ich mir mehr für dich und mich: Dass der Blick nicht zuerst auf die Vorschriften und Verbote geht, sondern auf die Möglichkeiten und die Einladungen. Einfach wieder Hütten bauen!
www.matthias-koenning.de

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