Dienstag, 13. Juni 2017

Mein innerer Dirigent


Manchmal renne ich hin und her. Soll ich jetzt das Geschirr spülen oder lieber erst den Müll wegtragen, damit ich nicht vergesse, die Mülltonne vor die Tür zu schieben. Oder packe ich doch lieber die Tasche für den nächsten Tag. Mache ich alles hintereinander oder doch lieber eher gleichzeitig?
Ich lasse schon einmal das Spülwasser laufen während ich den Müll in die Tonne werfe. Gehe zurück zum Waschbecken und drehe den Hahn zu. Das erste schmutzige Geschirr ins heiße Wasser. Dann schnell an den Schreibtisch und schon mal die Sachen zusammenlegen, die ich morgen nicht vergessen darf. Und weil das Arbeitszimmer näher an der Mülltonne ist als die Küche - schnell die Mülltonne auf die Straße schieben und dann wieder in die Küche um mit dem Spülen zu beginnen bevor das Wasser kalt wird. Am Ende habe ich alle Aufgaben erledigt - und bin erledigt, wenn ich so den Tag verbringe.
Ich mache es aber nicht so! Ich höre auf meinen inneren Dirigenten. Ein Dirigent könnte mit Leichtigkeit das "Arbeitsorchester" aufeinander einstimmen. Er würde mich schnell hin- und herdirigieren und schon hätte ich alle Aufgaben erledigt. Ein Dirigent wäre ein wunderbarer Arbeitsoptimierer.
Meinem inneren Dirigenten sind solche Ideen fremd. Er hat mir erläutert, dass ich eine Symphonie bin. Er möchte mein Inneres zum Klingen bringen. Das geht nur über die Freude, da zu sein. Ich trage eine wunderbare innere Melodie in mir, die er wahrnehmen und spüren kann. Sein Bestreben ist es, mich diese Melodie spielen zu lassen. Ich kann meine Fähigkeiten auch so verwenden, dass ich schnell hin und her hetze. Aber dann spiele ich nicht mehr meine Lebensmelodie. Dann spiele ich "Überleben". Mein innerer Dirigent ruft mich immer wieder in Erinnerung, warum ich auf dieser Welt bin. Es kann nämlich passieren, dass ich meine eigene Komposition verlasse. Das spüre ich Grad des "Unglückfühlens". Mein innerer Dirigent möchte, dass ich mich glücklich fühle. Denn davon lebt er. Wenn er es schafft, dass ich meine eigene Melodie spiele, strahlt er voller Freude. Meine innere Melodie hat übrigens den Anspruch, nur für mich selbst schön zu sein. Es mag dir auch gefallen. Ist aber kein Gegenstand eines Wettbewerbes! Und? Welche Chancen räumst du deinem Dirigenten ein? Steht er am Pult oder schläft er in der Garderobe?
www.matthias-koenning.de

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