Montag, 1. Januar 2018

Mit einem irischen Segen in das Jahr 2018



Nicht, dass jedes Leid Dich verschonen möge,
noch dass Dein zukünftiger Weg stets Rosen trage,
keine bitt’re Träne über Deine Wange komme,
und dass kein Schmerz Dich quäle,
nein, dies alles wünsche ich Dir nicht.
Sondern:
Dass dankbar Du allzeit bewahrst
die Erinnerung an gute Tage,
dass mutig Du gehst durch alle Prüfungen,
auch wenn das Kreuz auf Deinen Schultern lastet,
auch wenn das Licht der Hoffnung schwindet.
Was ich Dir wünsche:
Dass jede Gabe Gottes in Dir wachse,
dass Du einen Freund hast,
der Deiner Freundschaft wert ist.
Und dass in Freud und Leid
das Lächeln des Mensch gewordenen Gotteskindes
Dich begleiten möge.



Ein auf den ersten Blick doch seltsamer Wunsch aus Irland. Meinen Freunden wünsche ich, dass sie verschont bleiben von Leid, Schmerz und Tränen. Realistisch scheint das nicht zu sein. Was ist wenn? Was ist, wenn dich das Leid überfällt? Was ist, wenn aus irgendeinem Grund die Tränen kommen und du Schmerzen erleiden musst?
Es wird nicht so kommen, dass dein Jahr 2018 vom ersten bis zum letzten Tag voller Glück und Harmonie sein wird. Wenn sich dein Leben so fügt, dann überprüfe, ob du noch in deinem menschlichen Körper bist oder schon im Himmel! Vielleicht hast du den Übergang dann gar nicht wahrgenommen.
Wenn ich in Gedanken die vergangenen Jahre zurückblicke fällt mir für jedes Jahr wenigstens ein Ereignis ein, dass mich traurig gemacht hat. Warum sollte es 2018 anders sein für dich und mich?
"Lieber nicht daran denken!" höre ich dich sagen oder: "Augen zu und dadurch" wäre die Alternative.
Der irische Segen plädiert für Wünsche, die auch real werden können jenseits von Utopien, die sich nicht erfüllen lassen. Die Wünsche, die dort ausgedrückt werden sind handfest und spirituell zugleich.

1. Wunsch: Bewahre dankbar die Erinnerung an gute Tage.

An diesem Silvestertag macht es Sinn Rückblick zu halten. Was ist dir gelungen? Wo gab es erfüllende Begegnungen? Welche Erkenntnisse haben dich weitergebracht? Was möchtest du davon mitnehmen in das neue Jahr?
Entfalte in dir den Zustand von Dankbarkeit. Ich sage das nicht moralisch: "Sei dankbar!" sondern ich meine den Bewusstseinszustand von Dankbarkeit! Dafür setzt du dich hin und schließt die Augen. Dann besuchst du mit deiner Vorstellungskraft alle Menschen, die dir wichtig sind. Du nickst ihnen freundlich zu und begrüßt sie. Du erinnerst dich an deren gute Worte, Geschenke oder Zeichen.
Du wanderst durch deine Wohnung, bleibst an dem einen oder anderen Gegenstand hängen, der einmal ein Geschenk für dich war und verbindest dich mit der Schenkerin, dem Schenker. Du schaust in deinen Kühlschrank und bei deinen Vorräten und spürst die Sättigung in dir. Du gehst mit deinen inneren Bildern an deine Urlaubsorte und sammelst die Sonnenstrahlen wieder ein.
Du schickst die sorgenvollen Gedanken über das neue Jahr mit den Wolken fort und setzt deinen Erinnerungsweg der Dankbarkeit fort. Du kannst dich in das jüdische Dajenugebet einüben das da lautet: "Allein das wäre genug gewesen..." "Dajenu", "das Genügende" richtet den Blick auf das Einfache und Bescheidene. Du brauchst zum Leben nicht viel. Das "Wenige" ist schon "Fülle". Allein, dass du jeden Tag Brot essen konntest ist genug. Du hattest nicht nur Brot, sondern auch noch Wasser. Allein das Wasser für jeden Tag wäre genug gewesen. Du hattest nicht nur Wasser, sondern auch noch liebende Menschen um dich herum. Allein die liebenden Menschen wären genug gewesen...
Wenn du dich in den "Zustand des dankbaren Empfindens" versetzt, werden die Erinnerungen wieder frisch. Sie kommen wieder in dein Herz, in deinen Verstand und in deine Körperzellen.
"Bewahre dankbar die Erinnerung an gute Tage." Diesen Satz möchte ich für alle Mutigen noch erweitern. "Gib auch den Erinnerungen an schlechten Tagen Raum." Auch sie gehören zu deinem Leben dazu. Sie helfen dir vielleicht in deiner Weiterentwicklung. Hast du sie schon gut "durchgekaut"? Oft prägen sich diese Erfahrungen viel stärker in unser Gedächtnis ein.

2. Wunsch: Gehe mutig durch alle Prüfungen

Dieser Wunsch erinnert mich an die vielen Märchen wo es darum geht, ein Traumziel zu erreichen, einen Schatz zu erobern, eine Weisheit zu erlangen oder die große Liebe zu finden. Um etwas zu erreichen musst du dafür bestimmte Prüfungen bestehen. Bei den Umsetzungen entdeckst du deine Eigenschaften, die dich fördern und manchmal auch behindern. Und so manches mal stehst du dir selber im Weg. 
Du bist bequem, du bist anspruchsvoll, du bist gefangen in deiner Lebensgeschichte... der Prüfungsaufgaben gibt es viele. Und bei jeder begegnest du dir selber wie in einem Spiegel. Sich selber anzuschauen und zu begegnen erfordert viel Mut! Immer, wenn uns die "Fehler" der anderen auffallen, dann schauen wir eigentlich wie in einen Spiegel und sehen uns selbst. Nur sagen wir: "Das ist DER und nicht ICH!" 
Du mögest mutig durch alle Prüfungen gehen auch... Da gibt es diese "auch wenn". Im Märchen steht der Held vor einer Prüfung. Die muss er bestehen. Zuvor begegnet er dem "Auch wenn". "Auch wenn ich ängstlich bin!" "Auch wenn ich es nicht verstehe!" "Auch wenn es mir zu viel wird." Das "Auch wenn" kann zum Hindernis oder zur Hürde werden in der Umsetzung der Ziele. Du wirst erst gar nicht in die Prüfung hineingehen und schon vorher dich verweigern. Die Kinder in der Schule bekommen zum Beispiel Bauchschmerzen. Als Erwachsener bekommst du Migräne oder "Rücken". "...auch wenn das Kreuz auf deinen Schultern lastet". 
Die eigene Lebensgeschichte formt sich um zu einer Biographie von Hürden und Hindernissen. Deine Erlebnisse aus der Kindheit begleiten dich bei jeder Prüfung. "Das schaffst du nie!" haben vielleicht einmal deine Eltern zu dir gesagt. Dieser "Kreuzessatz" baut sich dann vor deiner nächsten Prüfung auf wie eine unüberwindliche Hürde. Irgendwann fängst du nicht einmal mehr an. 
Neben den "durchkreuzten Sätzen" kann der Mut noch kleiner werden, wenn das Licht der Hoffnung in dir schwindet. Wie willst du ohne Hoffnung den Weg in die Prüfung gehen. In dir braucht es das Denken der Möglichkeit, die Prüfung auch bestehen zu können. Erinnerst du dich daran wie deine Eltern dir sagten: "Ich weiß, du schaffst es! Ich weiß es ganz bestimmt!" Irgendwann bewegte sich in deinem Kopf ein Schalter und du konntest dich daran erinnern, dass das nicht deine erste Prüfung war, sondern, dass du schon einige vorher bestanden hattest. Deine neu aufkeimende Hoffnung ist nicht unbegründet. Einmal geschafft heißt: Ich schaffe es bestimmt noch einmal! So wünsche ich dir diesen Mut, kraftvoll in das neue Jahr auszuschreiten mit all deinen "auch wenn...." Gehe mutig durch alle Prüfungen!

3. Wunsch: Dass jede Gabe Gottes in dir wachse!

Hast du schon alle Gaben in dir entdeckt, die Gott dir geschenkt hat? Oft verstehen wir uns ja als "Lernende" lediglich im Kinder- und Jugendalter. Mit dem Ende der Ausbildung und des Studiums hört das "Gaben" entdecken für viele auf. Die Uhr bleibt stehen und das Leben besteht aus ständigen Wiederholungen des Gleichen. Wer traut sich noch mit 50 ganz jungfräulich ans Klavier?
Auf der anderen Seite: Wir Menschen sind neugierig! Wir sind so angelegt! Du siehst ein Sportgerät und probierst es aus. Du stellst fest, dass es genau wie für dich gemacht wurde. Du isst in einem Restaurant ein tolles Gericht, das dir himmlisch schmeckt und willst es unbedingt nachkochen. Dabei lernst du unbekannte Zubereitungsarten und erweiterst deinen Kochhorizont. 
Vor vier Jahren erfuhr ich einmal etwas von "Obertonsingen". Das hat mich so fasziniert, dass ich bei jeder Autofahrt mich in dieser Art des Singens versuchte bis sich der erste Oberton in mir bildete. Im Entdecken unserer Gaben spüren wir einfach, dass wir Menschen sind. Wie der schöpferische und erschaffende Gott sind auch wir Schöpferinnen und Schöpfer. Wir bauen mit an dieser Welt und erhalten dadurch die Bestätigung: Es ist gut, dass du dabei bist! 
Gaben wollen entdeckt werden! Sie möchten wachsen und reifen! Jeder Tag im neuen Jahr ist dabei ein Entdeckungstag und ein Wachstumstag! Richte deine Aufmerksamkeit einfach darauf!

4. Wunsch: Lebe die Freundschaft!

Manchmal geht mir ein Gedanke durch den Kopf. Wenn ich einem Freund, einer Freundin begegne denke ich: "Du weißt gar nicht, wie sehr ich dir wohlgesonnen bin!" Ich sollte meine Freundinnen und Freunde besser behandeln. Ich könnte schnell eine lange Liste der Defizite aufstellen. Ich lade nicht häufig genug ein. Ich schreibe nicht genügend Briefe. Ich rufe zu wenig an. Ich erkunde mich viel zu selten nach deren Wohlbefinden. Ich nehme die Freundschaften als viel zu selbstverständlich an. Ich bedanke mich zu wenig. Ich bitte zu wenig. Ich stelle viele Freundschaften auf eine lange Geduldsprobe. 
Bist du gut im Pflegen deiner Freundschaften? Herzlichen Glückwunsch! Du kannst mir da sicherlich so Einiges beibringen. Ich bin da nicht so gut drin! Aber in meinem Herzen bin ich mit allen Menschen verbunden, die mit mir bislang unterwegs waren. 
Wenn ich mich jetzt mit dir verbinde und dich anschaue, dann sage ich dir bekannter- und unbekannterweise: Du hast es verdient, einen Freund oder eine Freundin zu haben, die deiner Freundschaft wert ist - so wie es oben im irischen Segen ausgedrückt wird. Du bist wichtig! Du bist ein wertvoller Mensch! Ohne, dass du irgendetwas tust! Ohne, dass du irgendetwas besonders gut kannst! Ohne dein Geld! Ohne, dass du etwas verschenken könntest! Einfach, weil du bist! Und ich glaube, dass jeder einen Menschen braucht, der in diesem Sinne Freundschaft leben kann. Jemand, der nichts von dir will, sondern sich einfach freut, mit dir zu sein! 

5. Wunsch: Eine wohlwollende Begleitung!

Du wirst es nicht verhindern können, dass es in diesem Jahr Freud und Leid geben wird. Die Münze heißt "Leben" und jede Münze hat nun einmal zwei Seiten. Du wünschst dir viel von der einen Seite und möglichst wenig von der anderen. Einfacher machst du es dir, wenn du alles annimmst wie es kommt. Hilfreich ist es auch, nicht jetzt schon an das zu denken, was möglicherweise kommen könnte. Noch ist nichts eingetreten. 
Du kannst aber etwas dafür tun, wie du dich auf den Weg machst. Mit "wie" meine ich deine Gemütsverfassung. Du kannst innerlich jetzt schon besorgt sein, ängstlich, zweifelnd und fragend. Du kannst dich aber auch dafür entscheiden, noch einmal innerlich zur Krippe zu gehen, bevor du sie wieder abbaust und für ein Jahr in den Schrank verstaust. Du schaust auf das "Lächeln des Mensch gewordenen Gotteskindes." Was löst das in dir aus? Werden deine Schritte leichter, beschwingter? 
Eine bestimmte Art des Obertonsingens funktioniert so, dass du mit deiner Stimme einen gleichbleibenden Grundton erzeugst. Mit der Zunge und den Hohlräumen in deinem Mund baust du darauf die zweite Stimme mit den Obertönen auf. Wenn du aber den Grundton nicht mehr singst, verschwinden sofort die Obertöne. Dein Leben gleicht diesen Obertönen. Sie klingen himmlisch! Sie bewegen deine Seele! Aber... sie brauchen einen Grundton! Ohne diesen Grundton fällt dein Gesangsgebäude zusammen. "Das Lächeln des Mensch gewordenen Gotteskindes" kann so etwas wie ein Grundton sein. Im "Untergrund" ist er immer da und entfaltet seine Wirksamkeit. Er trägt dich, er begleitet dich und er gibt deinen Obertönen die Nahrung, die sie brauchen. 
So wünsche ich dir für dieses neue Jahr eine wohlwollende Begleitung in dir und im Lächeln aller Menschen, die dir wohlgesonnen sind!

www.matthias-koenning.de 





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