Freitag, 29. Dezember 2017

Herbergsräume suchen und den Weihnachtsraum finden


 
Das Leben kommt mir manchmal vor wie eine ständige Herbergssuche. Ich wurde gezeugt und richtete mich im Bauch meiner Mutter ein. Meine Seele fand eine erste Herberge. Leider musste ich diese verlassen, die Hütte wurde zu klein für mich. Ich wurde verstoßen und bekam eine Wiege. Diese stand in einem kalten und viel zu großen Zimmer. Mir kam die erste Erinnerung hoch: Der Bauch deiner Mutter war am Anfang doch auch zugleich fremd und viel zu groß.
Dieses Spiel setzte sich fort. Kindergarten, Schule, eigene Wohnung, Universität. Immer war ich nur vorübergehend dort. Mal für ein paar Minuten, mal für ein paar Tage und auch mal für ein paar Jahre. Da gibt es das ständige Schwanken in mir. Darf ich bleiben? Wenn ja, wie lange? Ist es sicher hier? Dann richtest du dich ein, fühlst dich wohl und dann? Dann musst du wieder gehen. Immer, wenn es am Schönsten ist. Du musst damit klarkommen, ob du willst oder nicht.
Da fällt mir meine Seele ein. Auch sie wohnt in einer Herberge. Diese „Herberge“, mein Körper kommt mir  auch oft sehr fragil vor. Immer verlangt er nach Aufmerksamkeit. Er möchte geschützt werden vor Wärme und Kälte, vor Nässe und Trockenheit. Manchmal fühlt er sich wohl in seiner Haut, in seiner „Umhüllung“ und manchmal möchte er da einfach nur raus.
Mein Körper, eine Herberge für die Seele. Mein Körper hat die Aufgabe, die Seele zu beherbergen. Da steckt doch das Wort bergen und Geborgenheit drin. Die Seele sucht Geborgenheit und bekommt sie auch. Aber es ist nie so ganz sicher! Da gibt es die Krankheiten, die Ängste und Sorgen. Da gibt es die lebensbedrohlichen Zustände, wenn die Geborgenheit aufhört und die Unsicherheit beginnt. Der Anfang einer möglichen Panikattacke.
Es lohnt sich also, einmal genau hinzuschauen. Die Herbergen zu betrachten. Ich möchte es gerne mit dem Wort „Raum“ bedenken. Ein neutrales Wort. Jede Herberge ist zunächst einmal ein Raum mit Länge mal Breite mal Höhe. Der einfachste Raum ist geometrisch gesehen ein Würfel. Und damit fängt jetzt der Advent an.

Der Advent hat als Ziel auch einen Raum: Den Stall von Bethlehem. Auf den ersten Blick erscheint er eher nebensächlich. Dennoch ist es das Ziel einer Reise. Maria und Josef waren unterwegs. Sie gingen ihren eigenen Adventsweg. Maria war schwanger im Bauchraum barg sie das Kind. Ihr Ziel war Bethlehem, übersetzt: „Hausraum des Brotes“. In der Konkretisierung ein Stall oder der Legende nach auch eine Höhle. Da tauchen die ersten Misstöne schon auf! Ein zugiger Stall im „Haus des Brotes“! Da gibt es die Begegnung meiner Fragilität mit der Fragilität des göttlichen Kindes. Da kommen mir die Räume in den Sinn, die ich schon durchwandert habe. Räume der Geburt, Räume des Lebens, Räume des Sterbens und Räume des Abschiedes. Aber im Advent taucht da dieser Raum in Bethlehem auf. Im Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse taucht die Zeile auf:

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,

Mir gefällt die Idee, mit Hermann Hesse Raum um Raum zu durchschreiten und nach der Qualität des jeweiligen Ortes zu forschen. Ich lade dich ein, in den Tagen des Adventes mit mir den einen oder anderen Raum zu besuchen. Wir werden keinen Raum zur Heimat machen. Aber in jedem Raum wird es Hinweise geben, die für den Adventsweg hilfreich sein können. Die Wegweiser dazu werden Hinweise aus der Sprache. In welchem Raum dürfen wir bleiben? Selbst der Stall in Bethlehem lädt nur zum Rasten und Ausruhen ein für eine kleine Weile. Betreten wir also neugierig morgen den ersten Raum.

Im Vorraum der Ahnungen

Je größer und das Haus, je reicher der Besitzer, desto imposanter der Vorraum. In der einfachen Wohnung ist es der Flur und im Schloss stehst du in der imposanten Eingangshalle. Der Vorraum eines Hauses wirkt auf mich wie die Verlängerung der Haustür. Und zugleich kannst du wie bei der Ouvertüre eines Musikstückes die „Themen“ wahrnehmen. Farben, Gegenstände, Atmosphäre, Gerüche, Ordnung, Platz und Sauberkeit erzählen dir ganz viel von den Bewohnern. In den Vorräumen kannst du erahnen, was sich hinter den einzelnen Türen verbirgt. Die Themen stehen fest. Bist du willkommen? Kommst du dir vor wie ein Eindringling?

Eigentlich gibt es immer den Raum vor dem Raum. Der Stall zu Bethlehem besitzt auch einen Vorraum: das Feld der Hirten, der Stern und die Weite des Himmels. Der „Vorraum des göttlichen Kindes“ stellt sich dar wie eine riesengroße Einladungskarte: „Du bist herzlich willkommen!“

Sogar dein eigener Körper besitzt einen Vorraum. Wenn dir jemand zu nahe tritt, gehst du automatisch einen Schritt zurück, auch wenn du noch gar nicht berührt worden bist. Du kannst dich verschließen, indem du die Hände ineinander verschränkst oder du kannst die Hände ausbreiten mit einer Einladung.
Beobachte doch einmal den Vorraum deines Körpers. Wie weit dehnt er sich aus. Was spürst und merkst du dort? Wie sicher fühlt er sich an? Wie spiegelt sich der „Vorraum“ deines Körpers in deinem Hausflur-Vorraum? Und was kannst du erkennen, wenn du dann auf dein Herz schaust? Die Einladung des Adventes lautet: „Effata! Öffne dich!“


Das ist mein Revier!

Das ist mein Raum! Hier sitze ich! Dieser Platz gehört mir! Wenn du  durch deine Wohnung gehst und allein wohnst, dann wirst du feststellen, dass die ganze Wohnung dein Revier ist. Da kannst du atmen, wohnen, dich ausdrücken, sicher sein!
Wenn du deine Wohnung teilst mit anderen Menschen hast du in der Regel auch dein Revier. Dein Bett, deine Schubladen, dein Kleiderhaken, dein Stuhl bei den Mahlzeiten. Die Plätze verteilen sich. Je kleiner der Wohnraum, desto kleiner dein Revier, dein eigener Raum!
Auch in einem Zeltlager wird jedes Kind seinen Raum finden. Die eigene Matratze und der Koffer! Der eigene Raum, den Jesus belegte war auch nicht groß: Zuerst der Bauch von Maria und dann der Futtertrog – im Wechsel mit dem Schoß! Ich glaube schon, dass Jesus die Zärtlichkeit seiner Mutter erlebt hat.
Manchmal müssen wir um unseren Raum kämpfen oder wir müssen ihn teilen. Dein eigenes Revier gibt dir Sicherheit und bestätigt dich in der Existenzberechtigung. Ist dein Raum groß genug? Freundlich? Fühlst du dich wohl dort? Möchtest du ihn erweitern oder verkleinern? Wohnst du vielleicht in einem Revier, das dir viel zu groß geworden ist? Nimm einfach mal deinen Raum und dein Revier wahr und spüre hinein ob er stimmig ist!
Der eigene Raum! Der Raum von Jesus war knapp. Bauch und Krippe! Eine gute Vorbereitung für die Zeit als Wanderprediger. Der Menschensohn hat keinen Platz, der ihm gehörte. Sein Revier? Das Herz?


Dasein im Spielraum

Haben wir noch etwas Spielraum? Die Zeit drängt! Der Stress steigt! Das Geld wird knapp! Haben wir noch etwas Spielraum? Es gilt, das Feld der Möglichkeiten auszuschöpfen. Sich nicht sofort zu begrenzen.
Wenn du einatmest gibt es oft noch etwas Spielraum. Selten atmest du restlos ein und wieder aus. Etwas Spielraum nach oben und nach unten. Nicht zu knapp kalkulieren!

Der Spielraum will dir sagen, dass es im Leben Variablen gibt. Nicht alles ist festgelegt. Gott sei Dank! Oft höre ich aber auch die Worte: „Da geht nichts mehr!“ Wir sind am Limit angekommen. Limit ist die Grenze! Es ist gut, immer ein wenig Spielraum zu lassen!

Denn es gibt die Pflicht und die Kür. Da muss etwas auf der einen Seite und da darf etwas sein auf der anderen Seite. Die Kleidung muss deinen Körper bedecken, aber der Spielraum lässt zu, dass du dich bewegen kannst. Je mehr Spielraum, desto mehr Bewegungsmöglichkeiten.
Gefällt dir nicht auch die Vorstellung, dass es im Leben Räume gibt, in denen du spielen kannst. Auch noch als Erwachsener! Wenn du spielst, vergisst du deine Sorgen und gehst ins Sein. Du darfst das Leben spielen und musst es nicht bestehen.
Und Jesus? Er suchte auch nach den Spielräumen, vor allem, wenn es um die Gesetze ging. Wenn diese einschnüren und einschränken, dann schafft er Spielraum! Und du? Ist dein Spielraum groß genug? Kannst du ihn gut für dich nutzen? Magst du spielen?


Übergänge – Dasein im Zwischenraum

Zwischen den Stühlen sitzen. Zwischendurch etwas machen. Mal eben etwas erledigen zwischen zwei wichtigen Terminen.
Im Haus und in der Wohnung gibt es auch manchmal Zwischenräume. Der Raum zwischen zwei Räumen. Einbauschränke, Platz für die Dämmung, der Platz in der Tür, wo es keine Mauer gibt... Rechne einmal den Reichtum deiner Zwischenräume aus!

Der Zwischenraum ist ein „mal eben“. Mal eben noch dieses tun. Mal eben noch eine Schnitte Brot essen im Stehen. Mal eben noch auf die Toilette gehen! Mal eben noch zum Briefkasten laufen. Mal eben noch Brötchen kaufen. Mal eben noch! Zwischenraum! Wie sähe dein Leben ohne Zwischenräume aus? Da kannst du abschalten, umschalten, loslassen und dich neu orientieren. Du kannst dich auf den Wechsel einstellen und den Raum für dich zusätzlich nutzen.
Rechne einmal aus, wie groß deine zeitlichen Zwischenräume sind. Was machst du da? Kannst du dich im Zwischenraum auch einfach mal hinsetzten und tief atmen? Wenn du das machst wirst du feststellen, dass es da auch einen Zwischenraum gibt. Du atmest ein – Pause – du atmest aus.
Die Zeit des Adventes gleicht auch einem Zwischenraum, der Übergang von einer Zeit in eine andere Zeit. Es wächst das Bewusstsein, dass mehr Göttliches zu dir kommen kann. Im Zwischenraum blitzt das Göttliche auf!


Die Kunst des Räumens!

Einmal nicht Raum als Substantiv, sondern als Verb. Wir räumen! Wenn wir räumen, dann sortieren wir die Gegenstände des Raumes. Wir fügen ein. Wir entfernen. Wir sortieren um. Wir gestalten den Raum.
Räumen ist die Art und Weise mit dem Raum umzugehen oder im Raum da zu sein. Wir füllen auf, wir schaffen Platz. Die Kunst des Räumens besteht darin, den Raum zu gestalten. Du wirst dir deines Raumes bewusst. Nimm einmal deine Wohnräume bewusst wahr. Vielleicht möchtest du ein wenig räumen? Raum gestalten? Räume den Tisch ein wenig nach links oder nach rechts. Mehr in die Mitte oder mehr an den Rand. Räume die Sachen in den Schränken. Räume chaotisch oder räume mehr sortiert. Räume die Bilder an deiner Wand. Räume auch mal ein wenig schräg! Kannst du es aushalten?

Bei dem Verb „räumen“ denken wir oft an „aufräumen“. Als wir Kinder waren haben uns die Eltern genervt. „Räum auf!“ Dann haben wir wieder unsere Kinder genervt als Erwachsene: „Räum auf!“ Dabei könnte räumen sehr lustvoll sein! Räumen ist letztlich ein schöpferischer Prozess. Räumen schafft Räume! Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde war wüst und leer. Dann räumte er auf, indem er das Licht von der Finsternis schied.

An Weihnachten erinnern wir uns daran, wie Gott wieder einmal räumte und Platz schuf in einem Stall. Wie räumst du? Wie ist das Thema für dich besetzt? Magst du räumen? Lustvoll? Oder mit nervigen Erinnerungen an die Kindheit. Vielleicht ist es gut, für Neues ein wenig Platz zu schaffen und dafür umzuräumen.


Raumwunder – Wunderräume

Manche Häuser werden verkauft als Raumwunder. Die Maße sind bescheiden, aber so gestaltet wie ein Palast. Gut durchdacht und jeder Fleck wird ausgenutzt. Man wundert sich eben, wie viel Raum es gibt. Meine Festplatte ist auch ein Raumwunder. So viele Informationen auf so engem Raum!
Die Kombination macht es! Raum und Wunder – Wunder und Raum! Ein Raumwunder übersetzt heißt: Es scheint klein, aber am Ende ist es größer als gedacht. Ein Wunderraum: Ein Raum, in dem Wunder geschehen.
Kennst du Räume, in denen Wunder geschehen? Gibt es im Krankenhaus Wunderräume? In einer Arztpraxis? In einer Schulklasse? In einer Kirche? Bei dir in deiner Wohnung? In deinem Herzen? Räume, in denen Wunder geschehen. Das wünsche ich mir!
War der Stall zu Bethlehem ein solcher Wunderraum und zugleich ein Raumwunder? Dass das Göttliche in der Bescheidenheit wirklich Platz gefunden hat? Dass in diesem Raum ein echtes Wunder geschah?
Stell dir vor, dass du nach Hause kommst und in einem deiner Räume ist ein Wunder geschehen. Du siehst es nicht, aber du spürst es. Da ist ein Wunder passiert. Der Raum hat eine andere Ausstrahlung! Vielleicht befriedet es dein Herz und dir wird es ganz leicht. Du fühlst dich wie ein Engel. Du bist ein Engel in einem Wunderraum. Meinst du, dass du heute einen von deinen Räumen „bewundern“ kannst? Wie mit einem Zauberstab? Vielleicht bewunderst du zunächst dein Herz und verwandelst es in einen Wunderraum. Das wäre ein wirkliches Raumwunder! Was da nicht alles so reinpasst – in unser Herz!

In der Werkstatt eines Raumausstatters

Da liegen Tücher! Da gibt es Stoffe! Kissen, Kerzenständer und Decken. Viel Tuch! Für die Möbel, für den Tisch, für die Wand und für das Fenster. Ein Mensch, der Räume ausstattet. Es gibt Ausstatter und Bestatter. Das darf man nicht verwechseln. Der Bestatter gibt sich mit einer Holzkiste zufrieden und stattet sie aus um sie anschließend zu versenken. Ein Ausstatter verziert, verschönert, sorgt für das Wohlbefinden.
Ich habe mal mit einem Raumausstatter gesprochen. Der erzählte mir, dass er sofort sieht und weiß, was ein Mensch möchte, wenn er zu ihm kommt. Er sieht den Menschen und weiß, was zu ihm passt. Vielleicht ist der Stoff im Wohnraum die Ausdehnung der Kleidung. Kleidung für die Haut und Kleidung für den Raum.
In meinem Studienjahr in Spanien ist mir ein Unterschied aufgefallen. Dort waren die Räume nicht gestaltet, nicht ausgestattet. Die Möbel hatten Flair, aber es fehlte die Ausstattung. Die war eher sparsam. Wenn ich heute in so manche Wohnzimmer komme, dann könnte ich mich gut ausziehen. Es wäre noch genug Kleidung übrig. Hier eine Decke, dort ein Teppich und da eine Decke.
Wie hast du deine Räume ausgestattet? Bist du ein Gestalter? Eine Gestalterin? Hast du Freude daran? Geht es dir auch so, dass du manchmal einen Raum betrittst und denkst: Too much!
Ich stelle mir Gott vor wie einen Raumausstatter. Er hat die Schöpfung gestaltet mit Flora und Fauna, mit Wind und Sonne und vor allem mit Farben. Mit vielen bunten Farben. In allen Schattierungen. Und dann entscheidet er sich für einen Stall! Die Minimalform von Ausstattung! Wenn ich ihn besuchen will, diesen Stall, dann könnte ich ja ein Tuch mitbringen. Eines von mir mit Liebe gewebt! Ein schöpferisches Tuch für den Stall, gewebt von mir. Dann stehe ich an der Krippe und lache mich kaputt! Der Stoff für mein Tuch kommt ja eh von Gott! Ich bringe zurück, was eh von ihm ist! Ich habe nur ein bisschen mit rumgewebt. Ich bin eben auch ein Raumausstatter! Und du?

Der Ort hinter dem Raumteiler

Ich hatte mal einen Raumteiler. Selbstgeknüpft, Makramee! Dieser Raumteiler grenzte das Waschbecken aus. Ich wollte es nicht direkt in meinem Wohnraum haben. Auf diese Weise bastelte ich mir zwei Räume. Einen Wohnraum und ein Badezimmer! Der Raumteiler teilt den Raum in mehrere Teile. Hinter dem Raumteiler kann ich mich umziehen oder etwas verstecken. Ich kann etwas unsichtbar machen für meine Augen oder für die Augen der Besucher. Praktisch!
Alle Räume sind eigentlich aufgeteilt. Ein Tisch kann einen Raum teilen, ein Sofa und auch der Fernseher. Wenn ich mich mitten in den Raum stelle, dann werde ich selbst zum Raumteiler. Ich strecke meine Hände aus und habe jetzt einen Raum vor mir und einen Raum hinter mir.
Ich kann mich auch einüben ins Raumteilen. Dann teile ich nicht mehr den Raum in zwei Teile, dann teile ich meinen Raum mit einem anderen Menschen. Dann bewohne ich nicht mehr meinen Raum exklusiv, sondern ich teile! Diese Art des Raumteilens mag ich sehr!
Da kommt das Kind in der Krippe und teilt auch den Raum. Der Stall zu Bethlehem ist oft gut aufgeteilt. Die Krippe in der Mitte. Maria auf der einen Seite und Josef auf der anderen Seite. Dazwischen und direkt dahinter Ochs und Esel. Die Hirten davor. Alles ist schön geordnet! Dabei teilt das Kind den Raum. Es teilt den Raum auf für dich und mich und sagt mir: „Hier! Da ist Platz! Ich teile diesen Raum mit dir!“
Betrachte doch einmal deine Räume unter dem Aspekt des Teilens! Welche Räume teilst du gerne? Welche teilst du ab um sie unsichtbar zu machen? Welche Falten versteckst du hinter dem Raumteiler Schminke? Wen lädst du hinter deinen Raumteiler ein um ein wenig Raum zu teilen?

Mit dem Raumschiff durch die Galaxis

Die Erde ist unser Wohnraum. Wir sind körperlich auf diesen Raum beschränkt. Wir können hier zwar die Räume wechseln, innerhalb der Wohnung oder von Haus zu Haus. Wir können auch in eine andere Wohnung fliegen. Aber es werden immer Räume auf dieser Erde sein.
Aber in unserer Phantasie sind wir in der Lage, das Raumschiff zu besteigen und einen Ausflug in die Galaxis zu machen. Wir können uns von der Erde entfernen und wie bei Raumschiff Enterprise ferne Welten besuchen.
Im Science Fiction können wir uns vorstellen, dass es andere Wesen auf anderen Planeten gibt, die andere Werte haben. Die nach anderen Vorstellungen und Bedingungen leben. Für uns fremd und vielleicht auch bedrohlich, bisweilen sogar abstoßend bis ekelerregend.
Unser Leben findet in der Komfortzone statt. Ein Leben in einer afrikanischen Hütte oder einer luxuriösen Villa in Amerika wären immer noch ähnlich im Verhältnis zum Leben auf einem anderen Planeten. Aber erst wenn wir unsere Komfortzone deutlich verlassen merken wir den Unterschied.
Setz dich doch einfach mit in deiner Phantasie in ein Raumschiff und verlasse diese Erde. Was wirst du vermissen? Woran hängst du? Wo wird dir deutlich, dass du ganz gerne da bist, wo du bist?
Wenn wir uns im Advent erinnern an die Geburt Jesu im Stall zu Bethlehem könnten wir uns ja mal fragen nach seinem Vorleben. Weil ich nur menschlich denken kann könnte ich mir auch vorstellen, dass er mit einer Art „Raumschiff“ von einer anderen Dimension zu uns gekommen ist. Die andere Dimension war seine Komfortzone und er hat sein Dasein eingetauscht mit einem Erdenplatz. Freiwillig!
Wir Menschen sind nur vorübergehend auf dieser Erde. Wir sind Gäste! Nach diesem Leben werden wir uns in ein irgendwie geartetes „Raumschiff“ bewegen und körperlos diese Dimension verlassen. An Weihnachten berühren sich also die Dimensionen. Die an die Erde gebundene Körperdimension wird aufgebrochen und es zeigt sich, wer wir auch noch sind!  


Die Raumbeleuchtung muss stimmen

Stell dir vor, dass du eine Krippe in einer Kirche besuchst. Die Hirten werden angestrahlt. Auch der Verkündigungsengel ist eingetaucht in hellem Licht. Der einzige Ort, der im Dunkel liegt, ist das Kind. Du würdest dir sicher deine Gedanken dazu machen. Da stimmt doch was nicht! Die Hauptperson im Verborgenen? Vielleicht würdest du auch denken, dass da ein Konzept und eine Idee hinter stecken muss.

Du kannst in einem Raum Betonung hineinbringen, indem du Licht hineinfallen lässt. Du richtest dein Licht dahin, wo du etwas sehen möchtest. Andere Teile des Raumes bleiben im Dunkel.  Damit entscheidest du, was sichtbar und betont werden möchte und was besser im Verborgenen bleibt. Einen Fleck an der Tapete würdest du so vielleicht eher verbergen.

Vor ein paar Tagen habe ich das Sofa im Wohnzimmer von der Wand abgezogen. Im Verborgenen konnten die Spinnen ihre Netze unbemerkt knüpfen. Leider kann ich nicht den ganzen Raum beleuchten. Es bleiben Ecken und es entstehen Schatten, wenn das Licht irgendwo hin fällt.

Jetzt könnte ich auch einmal nach meiner inneren Raumbeleuchtung fragen. Wenn du eine Lampe in dein Inneres hältst: Was möchtest du gerne ins Licht stellen? Welche Seiten ließest du lieber im Verborgenen? Hast du ein Raumbeleuchtungskonzept oder überlässt du das dem Zufall oder gibst deinem Unterbewusstsein die Verantwortung? Wenn du um besonders abgelehnte Schattenseiten in weißt könntest du ja auf die Idee kommen, dein Licht extra auf die Sonnenseiten deines Charakters zu richten. „So möchte ich, dass die Menschen mich wahrnehmen und sehen! Meine Schokoladenseite!“
Wie sähe das Lichtkonzept des königlichen Kindes aus? Ich vermute, dass die Besucher an der Krippe merken, dass das Licht besonders die Schattenzonen ausleuchten würde. Das finde ich gar nicht schlecht. Dann können die inneren Spinnennetze auch mal aufgeräumt und entfernt werden.


Wer darf wo hin? Das finde ich im Raumbelegungsplan

Fahre ich in ein Seminarhaus gibt es dort einen Raumbelegungsplan. Da darf ich schlafen, da isst unsere Gruppe, dort finden Kleingruppentreffen statt und in einem anderen Raum trifft sich die Großgruppe. Der Raumbelegungsplan koordiniert alle Wünsche und Bedürfnisse aller Menschen und Gruppen an einem bestimmten Ort.

Ich habe einmal eine Raumbelegungsplanerin getroffen. Die war gut organisiert! Die hatte den Überblick! Sie kannte die Namen der Teilnehmer, der Gruppen, die Größe und Ausstattung der Räume. Sie war vertraut mit allen Ressourcen. Bei ihr liefen alle Fäden zusammen. Ohne sie gäbe es in dem Seminarhaus ein Chaos. Niemand würde mehr seine Gruppe finden. Räume wären zu groß oder zu klein für die Gruppe. Ein Blick auf den Raumbelegungsplan und jeder weiß: Das passt!

Genau darum geht es! Es muss passen! Alles ergibt einen Sinn und fügt sich wie ein Puzzle zusammen. Ich als Teilnehmer kann die verborgene Ordnung oft nicht erkennen. Das System durchschaue ich nicht. Mir reicht auch aus zu wissen, wo mein Zimmer ist  und in welchem Raum ich jetzt meine Gruppe treffe. Als Teilnehmer benötige ich nicht den Überblick.

Kann ich mir Gott vorstellen als einen Raumbelegungsplaner? War das mit dem Stall Absicht? Oder hat er sich verplant? Sind seine Vorstellungen nicht aufgegangen? Ist die Erde zu chaotisch und Gott sehr planvoll?
Bethlehem wirkt auf mich eher wie ein Ordnungsminimum im Chaos oder wie eine chaotische Minimalordnung. Die Erde ist groß genug und es fügt sich von allein. Vielleicht brauchen wir weder einen Raumplaner noch einen Raumbelegungsplan. Was für ein Seminar zweckmäßig ist scheint für das Leben nicht so übertragbar zu sein. Du darfst also im Advent darauf vertrauen, dass es für dich schon irgendwo einen Platz gibt im großen Universum.

Wie die Raumluft dein Wohlbefinden beeinflusst

Die Luft ist dicke! Du betrittst einen Raum und spürst die Auswirkungen eines Konfliktes. Da muss es gebrodelt haben! Die Personen sind nicht mehr dort. Du kontest den Konflikt nicht verfolgen und du kennst nicht den Inhalt. Aber du spürst ihn deutlich! Liegt das an der Raumluft? Wann ja, welcher Teil deines Systems kann die Luft erkennen und ihr eine Bedeutung geben? Wie gelangt diese Information zu dir?
Du betrittst einen Raum und es übertragen sich Gefühle. In der Luft müssen sich Informationen befinden. Für deine Augen unsichtbar. Für deine Ohren nicht hörbar. Deine üblichen Sinne versagen! Sie können ja auch nicht die Wellen wahrnehmen, die von Handy und Co. ausgelöst werden.
Dann gibt es Gott sei Dank noch die Raumluft, die du gut zuordnen kannst. Der Duft von Kerzen, Brot oder Kräutern. Die frische Brise am Meer und der typische Geruch der Toskana oder des Hochgebirges. Die Luft beeinflusst dein Wohlbefinden. Das geschieht automatisch. Du kannst einen Menschen riechen und der Geruch gefällt dir und schenkt dir Nähe. Oder er warnt dich und bringt dich auf Distanz.
Wie stellst du dir die Luft im Stall von Bethlehem vor? Alpenländisch? Orientalisch? Wie ein typischer Kuhstall im Münsterland? Wahrscheinlich gab es ein Mischung von Schaf, Heu, Holz, Orient und menschliche Ausdünstungen. Ich stelle mir vor, dass mein ganzer Körper dort entspannt. Automatisch! Das mache ich nicht über das Denken. Ich denke nicht, dass dort das göttliche Kind liegt und ich deswegen heilige Gefühle bekomme. Ich stelle mir vor, dass ich einfach entspanne. Ich lasse los und bin da. Nur weil ich in Resonanz gehe mit der Raumluft. Sie wirkt auf mein Unterbewusstsein. Ich bekomme das Signal über den Körper zu den Gefühlen bis hin zum Gehirn: „Hier ist es sicher!“ 
Wandere doch einmal durch deine Wohnung und schalte nur deine Nase ein. Stell dich mitten in einen Raum und öffne weit deine Nasenflügel. Was kannst du wahrnehmen? Was erzählt deine Nase und was nimmst du darüber hinaus wahr? Duftet es nach Verständnis und Wohlwollen? Riecht es nach Stress und Angst? Wie kannst du deine Raumluft ein wenig duftiger machen – mit und vor allem ohne Hilfsmittel, rein mental!


Bloß keine Räumungsklage

Da bist du angekommen. Du hast einen Raum besetzt. Da stehen deine Möbel. Da hängen deine Bilder an der Wand. Du hast dich eingerichtet und du fühlst dich wohl. Dein Wohnraum ist dir zur zweiten Haut geworden. Leider wohnst du zur Miete.
Da kommt der Besitzer und will dich heraus haben. Du möchtest nicht gehen und es kommt zu einer Räumungsklage. Da will jemand, dass du gehst. Das Gericht entscheidet sich gegen dich. Dein „Wohlbefinden“ zählt dort nicht. Die Wohnung gehört dir nicht und du bist lediglich ein „Gast“ auf Zeit.
Du könntest jetzt sagen: „Das ist das Schicksal eines Mieters. Du bist nie wirklich sicher. Wenn du gehen musst dann musst du gehen. Freiwillig oder mit Klage!“ Dennoch möchte ich gerne für einen Moment bei dem Gefühl verweilen wenn ich das Wort Räumungsklage höre.
Da nimmt dir jemand etwas weg. Du hast es geliebt. Dein Herz hängt daran. Du gehst nicht freiwillig. Der Gedanke allein schmerzt dich. Du fühlst dich heimatlos. Der Boden wird dir unter den Füßen entzogen. Du musst! Wenn du nicht dein inneres Einverständnis gibst bekommst du neben der Klage auch noch Depressionen. Du zahlst einen doppelten Preis. Du verlierst deine Heimat und hast zusätzlich ein Gefühl von tiefer Trauer.
Die Menschen im Stall von Bethlehem sind zwar nicht aufgrund einer Räumungsklage dort gelandet. Sie wirken aber wie Menschen, die unter den Folgen einer Räumungsklage litten. Der Abrutsch in die Obdachlosigkeit. Aber sie haben sich nicht beklagt, keine Klagen eingereicht. Vielleicht konnte sich die göttliche Familie ja woanders beheimaten.
Wer in Gott Heimat findet bekommt lebenslanges Wohnrecht. Es ist gut zu wissen, dass Räumungsklagen sich nur auf diese eine irdische Wohnung beziehen und nicht auf die innere Verankerung.
Zugleich bringt mich das auf den adventlichen Gedanken, wem du mal eine Räumungsklage ins Haus schicken möchtest. Welche Anteile in dir besetzen dich, gehören da gar nicht hin. Ich denke da vor allem an „Mama“ und „Papa“ Sätze aus der Kindheit, die immer noch sehr wirksam sind. „Wenn du nicht...!“  Schick diese alten Glaubenssätze zurück, wo sie herkommen. Steck sie in einen virtuellen Briefumschlag mit der Anschrift: „An meine Eltern! Ich schicke euch alle „Müssen“ und „Sollen“ - Aufforderungen zurück. Ich brauche meinen Wohnraum für mich und stelle einen Antrag auf Eigenbedarf.“


Putzt du noch oder betreibst du Raumpflege

Normalerweise nehme ich Staubsauger, Putzeimer und Lappen in die Wand und wühle mich durch die Wohnung. Es muss halt sein, das Putzen. Regelmäßig! Ich möchte es ja schließlich sauber haben und bei Gästen einen guten Eindruck hinterlassen.
Hilfreich ist es für mich, in eine entsprechende Putzenergie zu kommen und systematisch von A nach B zu gelangen. Vor allem auf die Ecken und versteckten Räume achten. Dann Augen auf und durch!
Da kommt mir mein Elternhaus in Erinnerung und das Bestreben meiner Mutter, uns Kinder eifrig abzuschrubben, wenn wir verdreckt vom Spielplatz  zurückkehrten. Schrubben, bis die Haut glüht!  Heute gehe ich behutsamer mit mir vor. Vielleicht war das Putzen früher geprägt davon, allen Bakterien und Kleinlebewesen auf den Leib zu rücken und gnadenlos auszumerzen. Den Staubkörnern in der Wohnung und dem Dreck unter den Fingernägeln den Garaus machen. Dreck darf nicht sein! Den putzen wir weg!

Wie anders klingt das Wort Raumpflege! Wenn ich den Raum pflege, dann bringe ich ihm Achtung entgegen. Ich gestalte ihn so, dass er seine Wirkung entfalten kann. Ich pflege ihn so, dass ich mich darin wohlfühle. Ich pflege meinen Körper, damit er sich wohlfühlt. Das mache ich mit meiner Wohnung und das mache ich mit allen Dingen. Ich bringe den Gegenständen meine Aufmerksamkeit und Achtung entgegen. Sie werden es mir danken und länger leben. Wenn ich aufhöre zu putzen und anfange zu pflegen mache ich meine Reinigung zu einem Wellnessereignis. Diese Vorstellung gefällt mir. Wellness für die Räume vor Weihnachten!
Wenn ich auf den Stall von Bethlehem schaue, dann kommt mir in den Sinn, dass Maria und Josef wohl eher darauf achten konnten, ihn behaglich zu machen als ihn durch zu wienern.
Welche Räume waten denn schon auf deine pflegenden Hände? Wo kannst du einmal liebevoll hinschauen und welchen Dingen ein wenig mehr Beachtung schenken?



Ein Raum für die Andacht

Jede Kirche ist eigentlich ein Andachtsraum. Heute gibt es auch in öffentlichen Gebäuden Andachtsräume, so in manchen Flughäfen und im Reichstag in Berlin. Ein Raum, in dem nicht gearbeitet wird. Ein Raum, der keine praktischen Funktionen hat. Dort ist es still. Dort wird nicht gearbeitet.

Im Andachtsraum kann ich meine Gedanken sammeln. In meiner Andacht kann ich meine Aufmerksamkeit auf etwas hinlenken. „Andächtig“ lausche ich der Musik.
Gibt es in deiner Wohnung einen Raum, wo du andächtig sein kannst?

Ich sehe da zwei Möglichkeiten.  Die erste ist ein ganz konkreter Ort, ein Platz. Vielleicht besitzt du sogar ein eigenes Zimmer, das nur dem Schweigen dient. Ein Ort, an dem du dich zurückziehen kannst. Vielleicht bevorzugst du ja eher die Gartenbank draußen und machst die ganze Welt zum Andachtsort. Oder du hast dir eine Nische eingerichtet, mit Bild und Kerze oder einem anderen Gegenstand, der dich in die Andacht führt, in das Sammeln deiner Gedanken und Gefühle.
Die zweite Möglichkeit gefällt mir besonders gut. Dieser Andachtsraum ist mobil und immer und überall einsetzbar. Du kannst stehen, sitzen oder gehen. So wie es dir entspricht. Du schaffst dir durch die innere Stille, Affirmationen, Visualisierung, Bewusstheit einen Raum in dir und um dich herum. Du triffst die Entscheidung, in deinen Andachtsraum zu gehen und dort zu sein. So kannst du die Zeit im Wartezimmer beim Arzt nutzen. Deinen Sessel im Wohnzimmer, die Bahnfahrt, deinen Gang durch die Stadt. Du kannst jeden Ort der Welt zu einem Andachtsraum machen, einem Ort, an dem du deine Gedanken sammelst und aufmerksam bist für das Hier und Jetzt.
Weihnachten macht eben genau dieses deutlich. Der Stall wird zum Ort der Andacht. Dort angekommen gehen die Menschen in die Achtsamkeit. Sie lauschen genauer hin! Achten auf ihre Intuition! Unterscheiden die Geister! Sammeln Kraft! Viel Freude in deinem Andachtsraum! 


Vom Strafraum zum Erlaubnisraum

Bei einem Strafraum handelt es sich um eine Fläche vor dem Tor im Fußballfeld, der genau vermessen und durch Linien gekennzeichnet ist. Dort herrschen andere Regeln als im Rest des Feldes.
Wer diesen Raum nicht beachtet und die Regeln verletzt, wird bestraft. Wenn ich mich im Strafraum aufhalte ist besondere Vorsicht angesagt. Da gelten andere Regeln und Gesetze.
Das erinnert mich an manche Räume,  die durch  einen Stacheldrahtzaun eingefasst werden. Atomkraftwerke, tiefe Gruben, Gefängnisse, besondere Hoheitsgebiete. Das Innenleben muss vom Außenleben getrennt werden. Trennende Räume. Wer dort macht was er will muss die Konsequenzen spüren.
Ein Fußballfeld ist ja eigentlich nur ein einziges Feld und dennoch zeigen die Linien dort eine Trennung an. Hier wir und da die anderen – mit einem besonderen Hoheitsgebiet.
Jeder Mensch lebt auch quasi wie in einem „Strafraum“. Komm mir nicht zu nahe, wenn du mir unbekannt bist oder wenn ich dir nicht traue!  Respektiere meine körperlichen Grenzen! Manche Menschen sind da großzügig und andere weniger. Für einen gewalttätigen Ehemann kann der Raum um die Wohnung zum Strafraum werden, wenn ein Richter ihn dazu verurteilt. Schutz der Familienangehörigen!
Es reicht, eine Linie zu denken. Hier ich und da du! Ich kann die Linie auch ausradieren der wegdenken. Dann gibt es Verbindung.
Ich stelle mir vor, dass an Weihnachten die Strafräume durchlässiger werden. Es wächst das Vertrauen, dass ich mich nicht schützen muss. Das Kind in der Krippe sagt: „Verwandle die Strafräume in Erlaubnisräume!“

Die Schätze aus dem Abstellraum

Es gibt Räume, das stelle ich etwas ab. Ich kann es nicht wegwerfen. Aber jetzt brauche ich es nicht. Dort stelle ich ab, was ich zeitweise benötige. Saisonartikel! Dort stelle ich auch Dinge ab, die nicht schön sind für den Wohnbereich wie Putzeimer und Leiter.
Wir hatten einen ganzen Keller als Abstellraum. Der war sehr beliebt für Strafen! „Ab auf die Kellertreppe!“ Dort saßen wir dann und blickten auf Eimer, Kartoffelkiste, Besen und Schubkarre. Wir waren dort für eine Zeit abgestellt. Nicht tauglich für das Familienleben! Nicht richtig! Es war unbestimmt, wann wir zurückkehren durften. Wir wurden eins mit Eimer und Putzlumpen. Nicht beliebt und nicht erwünscht. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Heute als Erwachsener liebe ich Abstellräume! Dort kann ich Schätze entdecken, die ich vor Jahren selber dort weggelegt habe. Dort finde ich, was ich vermisst habe. Dort entdecke ich Dinge, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie besitze. Da kann ich Hobbys wiederbeleben, Geschenke finden, Kinder beglücken, Ersatzteile entdecken, ausrangierte Geräte wiederbeleben. Dort finde ich wichtige Teile meiner eigenen Lebensgeschichte wieder. Die Geschichte der abgelegten Dinge.
In meinem Inneren gibt es auch einen Abstellraum. Dort parke ich die Begegnungen, die mir gut taten und auch die Kränkungen, die mich nicht loslassen. Da sind alle Erinnerungen in Regalen abgelegt, mal offen und mal versteckt. Das ist so eine total bunte Mischung von Willkommen und Ablehnung. Von nützlich und  kitschig.  Kein Raum erzählt so viel von mir wie mein innerer Abstellraum.
Ich könnte diesen Raum mal wieder im Advent besuchen. Welche Schätze verbergen sich dort, die ich mal wieder reaktivieren könnte. Was dürfte mal wieder ans Tageslicht? Was sollte gereinigt und repariert werden? Wem könnte ich etwas davon schenken?
War der Stall von Bethlehem vielleicht auch so etwas wie ein Abstellraum? Dort trafen sich ja Menschen, die nicht wichtig waren für die große Politik. Hirten, Ochs und Esel und Schafe.
Schau doch einmal in deine inneren und äußeren Abstellräume nach. Nimm dir Zeit. Hole die Dinge ans Licht. Stell sie aus! Verschenke etwas davon! Mach Platz für das Neue!

Bewusstseinserweiterung im Aufwachraum

Du bekommst eine Narkose und wirst operiert. Anschließend wird dein Bett in ein bestimmtes Zimmer geschoben, wo du dich von deiner Narkose erholen kannst. Aufwachen unter Beobachtung. Du befindest dich in einem Raum, der dem Aufwachen bestimmt ist.
Jetzt stell dir einmal vor, dass du nachts schläfst. Am Morgen wachst du auf und dein „Schlafraum“ wird zu einem „Aufwachraum“. Du kennst den Unterschied von schlafen und wachen. Denn nach dem Aufwachen erinnerst du dich daran, dass du ja vorher geschlafen hast. Das fühlte sich völlig anders an. Im Schlaf warst du dir deines Körpers nicht bewusst. Du weißt nicht, wann und wie oft du dich bewegt hast. Aber du kennst den Unterschied von schlafen und wach sein. Durch das Aufwachen wechselst du vom Schlaf zum Wachzustand.
„Das ist mir nicht neu!“ wirst du jetzt sagen. Das kenne ich! Na und? Das mache ich seit ich lebe. Ich schlafe und ich wache! Dann möchte ich mit dir jetzt einen Schritt weiterdenken. Stell dir vor dass du schläfst und aufwachst. Aber, dein Aufwachen ist kein echtes Aufwachen, sondern lediglich der Wechsel in einen anderen Traumzustand. Du bist also nur scheinbar wach. Du befindest dich quasi in einer Art Dämmerzustand. Wie mit Drogen, nur nicht so krass. Du denkst, dass du wach bist, du bist dir vielleicht sogar ganz sicher! Aber wirklich wach bist du nicht!
Du weißt nicht wer du in Wirklichkeit bist! Du hast Ereignisse aus deiner Kindheit verdrängt. Du erinnerst dich nicht an deine Vorleben und hältst diese Idee an sich schon für Spinnerei. Wenn du alle deine Identitäten einmal fortdenkst als da sind: „Ich  bin Vater, Mutter, habe einen Beruf, bin ein Familienmitglied, Nachbar, Staatsbürger...“  Durch das Fortdenken deiner Scheinidentitäten besitzt du jetzt keine Identität mehr! Wer bist du dann, wenn du so denkst? Wer ist dieses „Ich“?
Wenn du diese Frage stellst dann kann es geschehen, dass du im Wachsein noch einmal neu aufwachst. Es ist so, als ob ein Groschen fällt. Es gibt ein Aha! Du nimmst wahr, dass es ein vom Körper unabhängiges Bewusstsein gibt. Dieses „ich“ nimmt sich anders wahr. Dieses „ich“ ist in der Lage, sich selbst zu beobachten und entschiedener da zu sein.
Wenn du dich auf dem Weg zur Krippe machst kommst du auch in einen „Aufwachraum“. Du kommst wie in Trance zu der Krippe mit deiner ganzen Lebensbiographie, deinen Hürden und Einschränkungen. Dann stehst du vor dem Kind und es geht ein Ruck durch dich hindurch. Du stellst fest, dass du das gar nicht bist. Du bist nicht das Sammelsurium deiner biographischen Ereignisse. Im angeschaut werden durch das Kind wachst du auf. „Aha“, das bin ja „Ich“. Da gibt es ein „Ich“, das gemeint ist. Meine Eltern wollten vielleicht ein „braves“ Kind. So habe ich mich auf deren Wunsch hin „brav“ entwickelt. Aber das bin nicht ich! Das war das „Wunsch-Ich“ meiner Eltern. Ich war ständig ein „Wunsch-Ich“ anderer Menschen. Jetzt wache ich auf! Jetzt merke ich das erst! Und? Bist du schon wach oder schläfst du noch obwohl du wach bist?

Geheimnisse im Hohlraum

In unserer Wohnung gibt es einige Wandschränke. Jeder Schrank ist letztlich ein Hohlraum, in dem ich etwas einlagern kann. Es ist dort gut geschützt in diesem Raum vor Sonnenlicht, Feuchtigkeit, Insekten und Temperaturschwankungen.
In unseren Wandschränken gibt es zusätzliche Hohlräume. Kleine Orte, die niemand vermutet. Löcher in der Wand oder Plätze hinter einer Säule wurden dadurch sinnvoll  ausgenutzt. In solchen Hohlräumen kannst du deine Kostbarkeiten verbergen und verstecken. Ersatzschlüssel, Kreditkarten oder Schmuck.
Als Kind habe ich mit Leidenschaft Hohlräume erkundet. Überall habe ich dadurch Höhlen entdeckt. In Bäumen, im Boden, in Mauernischen. Und immer habe ich mir vorgestellt, dass andere Menschen dort ihren Schatz versteckt haben. Eines Tages werde ich einen Schatz in einem Hohlraum finden und damit glücklich sein.
Vielleicht ist diese Vorstellung ein wenig naiv. Aber es hat etwas Verlockendes. Das Geheimnis im Hohlraum hält deine Neugier wach. Du bleibst lebendig. Du bist noch nicht fertig mit dem Leben. Du vermutest, dass da noch etwas auf dich wartet. Wenn du es gefunden hast, wirst du ganz glücklich sein. Es kribbelt. Es lässt dich lebendig werden. Du kannst es für dich behalten oder mit jemandem teilen.
Der Stall von Bethlehem hat auch Aspekte des Hohlraumes. Dort ist ein Geheimnis, ein Kleinod verborgen. Nicht jeder kann ihn entdecken. Du kannst schnell daran vorbei laufen, weil dein Blick auf Paläste gerichtet ist. Da gibt es Bethlehem und einen Stall mit einem Hohlraum. Dort wartet ein Geheimnis auf dich, das von dir entdeckt werden möchte. Weißt du schon, was du dort findest? Weißt du es wirklich? Oder schaust du jetzt lieber noch einmal nach? Manchmal ist das mit dem Hohlraum sehr geheimnisvoll. Du gehst hin und es ist leer. Dann ist auf einmal etwas drin. Und dann wieder etwas anderes. Du weißt es nie genau?!
  

Vom Zuschauerraum auf die Bühne und zurück

Wenn es einen Zuschauerraum gibt, dann existiert auch eine Bühne. In einem Zuschauerraum versammeln sich die Menschen, die bei einer Sache zuschauen. Die Plätze sind verteilt. Auf der einen Seite wird aktiv etwas gemacht. Auf der anderen Seite schaut man zu. Die eher aktive Seite und die eher passive Seite. Aber beide Seiten bedingen sich gegenseitig. Ohne ein Schauspiel ist der Zuschauerraum ein Raum wie jeder andere. Erst durch die Anwesenheit von Zuschauern erlangt dieser Raum seine Funktion. Das Schauspiel benötigt den Zuschauer, sonst wird es nicht bemerkt. Ein Theaterstück ohne Zuschauer muss ausfallen. Darum ist der Zuschauer ein höchst aktiver Mensch. Er sitzt und richtet seine ganze Aufmerksamkeit auf das Schauspiel.

Wir könnten uns Bethlehem und den Stall auch so vorstellen. Da gibt es eine Bühne mit einem Geburtsschauspiel und die Zuschauer, die aufmerksam hinschauen und hinhören. Die Räume sind dabei verteilt. Der Platz, von dem aus jemand auf die Krippe schaut ist der Zuschauerraum. Du darfst von außen auf das schauen, was im Inneren geschieht.

Manchmal möchtest du vielleicht die Position wechseln. Du möchtest an dem Schauspiel teilnehmen. Weil es dich fesselt? Weil du dir eine andere Handlung wünschst? Weil die Schauspieler ihr Geschäft nicht verstehen? Im Stall von Bethlehem stehst du als Zuschauer und bemerkst, wie dein Herz die Position verändert. Es hüpft einfach in die Krippe hinein. Es wird Teil des Schauspieles. Du bekommst die Möglichkeit vom Zuschauer zum Mitspieler zu werden. Du darfst auch wieder zurückgehen in deine Ausgangsposition.
Im Leben ist es hilfreich, in beiden Räumen zuhause zu sein. Wenn du zu sehr in deinem Spiel auf der Lebensbühne negativ vertieft bist, kannst du eine Pause machen und in den Zuschauerraum wechseln. Von dort aus kannst du deine Position überdenken und neue Entscheidungen treffen.
Wenn du zur Krippe gehst kann es geschehen, dass du deine Zuschauerposition veränderst. Du möchtest eben nicht länger zuschauen, sondern aktiv dabei sein. Dein Herz hüpft zum Krippenkind und lässt sich mit Liebe erfüllen. Es kehrt zu dir zurück und du veränderst dich und die Welt in eine riesengroße Krippe voller Liebe und Lebendigkeit.


Verbindung mit dem Herzraum

Es gibt Räume, die wir ständig wie selbstverständlich benutzen. Im Schlaf- und Wohnzimmer halten wir uns auf und sind uns dessen nicht bewusst. Wir gehen in der Regel nicht in das Wohnzimmer und denken: „Jetzt bin ich im Wohnzimmer. Ich spüre nach, wie sich das anfühlt. Ich setze mich hin und entspanne.“ Wir machen es einfach ohne einen Gedanken daran zu verschwenden.
Wir atmen ohne dass wir uns des Atmens bewusst werden. Ich kenne viele Menschen, die ganz erstaunt sind, wenn ich sie auffordere, einmal ihren Atem zu beobachten. Sie wissen nicht, in welche Räume sie hineinatmen. Dann sind sie erstaunt, dass sie manchmal aufhören zu atmen, vor allem dann, wenn sie Angst haben.
In diese Kategorie gehört auch der Herzraum. Wir spüren unser Herz pochen wenn wir darauf achten. Wir wissen, dass es dieses Organ gibt und wir kennen die Grundfunktionen. Wir nehmen aber selten wahr, dass es dort einen Raum gibt, in dem wir hineinspüren können. Wenn wir denken, dann verorten wir unser Bewusstsein oft oben im Kopf. Wir denken und schauen die Welt mit unseren Augen an. Wir hören mit den Ohren und alle diese Körperteile liegen im Kopf. Darum sind wir mit unserer Aufmerksamkeit dann im Bereich des Kopfes. Von dort aus nehmen wir wahr.
Du kannst jetzt einmal folgendes Experiment machen. Du verabschiedest dich von der Kopfregion in folgender Weise. Du konzentrierst dich mit deinen Augen nicht mehr auf ein bestimmtes Objekt. Du schaust also nicht die Blume oder die Tasse an, sondern du schaust durch alle Dinge hindurch. Du schaust auf einen imaginären Punkt am Horizont und nimmst alles gleichzeitig war. So, als ob du einen glasigen Blick bekommst. Auch deine Ohren richtest du auf alles aus. Du hörst nicht mehr ein einzelnes Geräusch und versuchst, es zu identifizieren. Du wirst ein Gesamthörender und ein Gesamtsehender. Wenn du das machst, dann musst du nicht mehr aufmerksam sein für die Details in deiner Umgebung.
Dann stellst du dir vor, wie du mit Hilfe deiner Imaginationskraft in deinen Herzraum hinunterrutschst. Setze dich neben dein Herz und nimm wahr, was dort geschieht. Nur wahrnehmen und beobachten. Nichts tun! Du brauchst Geduld und es ist gut, dort zu bleiben. Es wird einen Impuls geben wieder nach oben in den Kopf zu gehen. Das ist deine gewohnte Art, da zu sein. Du kannst dir einen Sessel neben deinem Herzen vorstellen, in dem du platzt nimmst und es dir gemütlich machst. Nach einer Weile kannst du versuchen, einen Weg in dein Herz hinein zu finden. Was spürst du dort? Was nimmst du wahr? Wie unterscheidet sich deine Wahrnehmung vom Herzen her und vom Kopf her.
Wenn du an einer Besprechung teilnimmst, dann probiere dort einmal diesen Unterschied. Nimm die Menschen vom Herzaum her wahr und dann geh in den Kopf. Was wirst du anders denken, fühlen, spüren oder dann sagen oder ausdrücken. Wann ist es gut, im Kopf zu sein und wann wechselst du besser in dein Herz?
Stell dir Bethlehem wie einen Herzraum vor oder wie einen Kopfraum. Der Kopfraum sagt: „Dort kommt Jesus Christus zur Welt. Er ist Gottes Sohn, geboren von der Jungfrau Maria. Er hat den Auftrag, die Menschen von ihren Sünden zu erlösen.“ Was sagt der Herzraum, wenn du zur Krippe trittst? Vielleicht so? „Ah, wie schön!“


Kraft sammeln im Rückzugsraum

Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Im „Rückzugsraum“ wird alles noch einmal in Ruhe bedacht. Alle Fakten für ein Urteil kommen auf den Tisch. Es wird abgewogen und nach einem gerechten Urteil gesucht.
Du kommst von der Arbeit nach Hause und brauchst etwas Zeit für dich. Du ziehst dich zurück in dein Zimmer oder in eine Ecke des Wohnzimmers und lässt den Tag an dir vorüberziehen. Du bist vielleicht noch aufgeregt. Dein Herz schlägt. Die eine oder andere Begegnung geht dir nicht aus dem Sinn. Du brauchst die Zeit damit du mit Kopf, Herz und Seele wieder ankommen kannst. Wenn dein System durcheinander gerät braucht es Zeit, sich wieder zu synchronisieren. Dazu braucht es Zeit und Raum.
Manche bevorzugen dafür einen bestimmten Platz. Ein Sessel, ein Blick aus dem Fenster, ein Platz draußen im Garten, auf der Terrasse oder in der freien Natur. Manche können einfach die Augen schließen und den Rückzugsraum im Innen aufsuchen.
Vielleicht ergeht es Menschen im Großraumbüro oft deswegen nicht gut, weil der Rückzugsraum fehlt. Sie sind immer öffentlich. Alles ist für alle zu hören und zu sehen. Wer traut sich schon in aller Öffentlichkeit während der Arbeitszeit die Augen zu schließen und sich zu sammeln?
Wie sieht dein Rückzugsraum aus? Nutzt du ihn? Welche Rituale findest du hilfreich? Besuchst du diesen Raum zu festgelegten Zeiten oder nach Bedarf und Möglichkeit?
Nach der Geburt, den Besuchen an der Krippe, den Verheißungen und Aufregungen heißt es in der Bibel über Maria: Sie bewegte alles in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Auch Maria nahm sich Zeit zum Sammeln und zum Verarbeiten der Ereignisse.
Ich entdecke darin die Einladung, nicht immer aktiv sein zu müssen. Immer in der Spirale von Hektik und Anstrengung sein. Ich habe ein Recht zum Rückzug. Ich habe eine Verantwortung mir selbst gegenüber. Ich kann mir die Erlaubnis erteilen und meiner Umwelt sagen: „Jetzt nicht!“ – „Ich nehme mir eine Auszeit!“
Bei der Nahrungsaufnahme machst du es ja auch so! Du nimmst die Nahrung auf und gönnst deinem Körper die Zeit des Sortierens und Verdauens. Und das braucht Zeit und Raum.

Genügend Wohnraum für alle

Bei einem Adventsabend wurde die Geschichte vorgelesen von einem Krippenspiel mit dem Thema Herbergssuche. Maria und Josef waren unterwegs und wurden an jeder Tür abgewiesen. In Bethlehem gab es nicht genug Wohnraum für alle. Die Kinder hatten ihre Rollen gut gelernt. Die Lehrerin unterstützte als Souffleuse. Der Junge, der den letzten  Herbergswirt spielte sollte nach Drehbuch energisch das Paar zurückweisen.
Der Junge nahm wahr, wie Maria und Josef ständig Ablehnung erfuhren. Da krampfte sich sein Herz mehr und mehr zusammen und das Spiel nahm einen ungeahnten Verlauf. „Ich kann das nicht! Ich kann euch nicht wieder auf die Straße schicken. Kommt herein und seid meine Gäste. Wir können heute auch in den Stall gehen.“ Totenstille und dann kommt der donnernde Applaus.
Genügend Wohnraum für alle. Die Konventionen durchbrechen. Die Geschichte neu erzählen. Keine Geschichte von zugeschlagenen Türen und Abweisung. Sondern eine Geschichte von Willkommen und Einladung. Genügend Wohnraum für alle!
Im Wohnraum kannst du wohnen. Im Wartezimmer kannst du nur für einen Moment verweilen und dann musst du wieder aufbrechen und gehen. Im Wohnraum darfst du bleiben. Du kannst dich entspannen. Niemand schickt dich fort. Du kannst deine Sorgen loslassen. Du hast Zeit zum Essen und Trinken. Du darfst erzählen und jemand hört dir zu. Keiner schaut auf die Uhr.
Vielleicht hat das Wort „wohnen“ ja etwas mit „Wonne“ zu tun. Das würde mir gefallen. Es gibt einen Ort, an dem du mit Wonne sein kannst. Du machst dich einfach breit und bist satt und zufrieden.


Freiraum schaffen
Es wird eng! Am Ende des Monats schaust du auf dein Bankkonto und bekommst ein beklemmendes Gefühl. Da sind nur noch wenige Geldreserven da und es wird eng für die letzten Tage.
Du hast einen Termin vereinbart und steckst mit deinem Auto im Stau. Du wirst unruhig und schaust ständig auf die Uhr. Noch gibt es einen Puffer, aber wie lang reicht er noch? Irgendwann wird es eng und du weißt nicht, ob du pünktlich an dein Ziel kommst.
Du glaubst dich am Ende deines Lebens. Eigentlich wolltest du noch dieses oder jenes erledigen. Du stirbst und dein Leichnam wird in den Sarg oder die Asche in die Urne gelegt. Sowohl da als auch in der Erde wird es eng.
Dir wird klar, dass du auch an Weihnachten viele Aufgaben zu erledigen hast. Dein Terminkalender wird voller und voller. Deine Gedanken kreisen um die Anforderungen und du machst dir Sorgen, ob du das alles noch schaffst, was du dir vorgenommen hast. Es wird enger und enger. Die letzten Einkäufe, Geschenke, kochen, Verwandtenbesuche, schmücken und putzen...
Du kommst von deinen Aktivitäten nach Hause und bist in Gedanken noch bei den Ereignissen des Tages. Du kannst nicht loslassen und hast dich noch nicht von dem zuvor Erlebten verabschiedet. Zu Hause wirst du überfallen mit Wünschen und Bitten und du merkst, dass du noch gar nicht dazu bereit bist. Du spürst schon körperlich die Enge.
Begleitet wird das Erleben von Enge vielleicht auch dadurch, dass du förmlich vergisst zu atmen oder dass du ganz hektisch, unregelmäßig oder viel zu schnell atmest.
Immer wenn es eng wird bist du nicht mehr gut in dem, was du tust. Du verlierst die Aufmerksamkeit für die Details. Du fühlst dich überfordert. Du verlierst den Überblick. Du bist angespannt. Du bist nicht mehr ganz präsent. Irgendwann versuchst du, alles „so ungefähr“ hinzubekommen, aber eben nur „so ungefähr“. Du hast das Gefühl, als ob du in einen anderen Modus schaltest. Wenn es eng wird, schaltetest du in den Funktionsmodus.
Eng kann es auch beim Kontakt mit Menschen werden. Ist dir folgende Erfahrung vertraut? Da steht dir jemand gegenüber und kommt dir mit seinem Gesicht  näher. Er überschreitet diese imaginäre, unsichtbare und persönliche Körpergrenze immer mehr. Dir wird es unangenehm und du weichst instinktiv einen Schritt zurück. Dein Gegenüber bemerkt nicht einmal dein Unwohlsein und rückt nach.  Du spürst die kurze Distanz förmlich wie eine Bedrohung. Es fällt dir immer schwerer, aufmerksam zuzuhören und du weichst wieder einen Schritt zurück. Was ist dein Impuls? „Es wird mir hier viel zu eng! Rück mir von der Pelle!“
Auf der anderen Seite sprechen wir von engen Freundinnen und einer engen Verwandtschaft. Dann geht es nicht um Einengung, sondern um unser Wohlgefühl bei einer positiv erlebten Nähe. Nicht jede Enge wird also automatisch negativ empfunden.
Die meisten „Engen“ jedoch bedürfen der Aufmerksamkeit und rufen nach einem sehr notwendigen Schritt. Wenn es eng wird, dann brauchst du zuerst einen Freiraum.
Stell dir eine Lehrerin in ihrem Klassenzimmer vor, die von allen Kindern körperlich gleichzeitig bestürmt wird. Sie wird sagen: „Macht mal erst Platz!“ Wenn du zu viele Aufgaben zur gleichen Zeit erledigen musst, dann ist es wichtig, sich zuerst inneren Freiraum und Platz zu verschaffen. Im Freiraum kannst du vom Funktionsmodus in einen entspannten Zustand umschalten. 
Das Leben im Freiraum wird sich verändern. Du bekommst neue Impulse. Die Aufgaben lassen sich leichter bewältigen. Du fühlst dich im Fluss mit den Dingen und alles geht dir leicht von der Hand.
Ich kenne viele Menschen, die einem anderen Lebensprinzip folgen. Sie erledigen erst die vielen einengenden Aufgaben und atmen dann erleichtert auf. Sie gönnen sich erst den Freiraum, nachdem sie es sich „leisten“ können. Ich glaube, das ist ein Irrtum! So bewegst du dich von Anspannung zu Anspannung, von Enge zu Enge und von Erleichterung zu Erleichterung. Irgendwann bist du nur noch froh um die kurzen Augenblicke der Erleichterungen im Lauf der gewohnten Enge.
Um den Stall von Bethlehem herum gibt es viel Raum. Viel Freiraum! Da darf alles und da muss gar nichts sein. Du bist eingeladen aber es gibt keinen Besuchszwang. Allein die Vorstellung reicht aus, dass sich dein Herz weitet und der Freiraum vergrößert. An der Krippe will niemand etwas von dir. Nicht einmal beten musst du. Was immer du auch denkst oder machst, es wird nicht bewertet.  Der Freiraum von Bethlehem lässt dich tief durchatmen. Schöpfe Kraft und sei einfach da. Du kannst diesen Freiraum im Außen finden, vielmehr noch im Innen.
Du hast es in der Hand. Du kannst eine Entscheidung treffen und für einen Moment innehalten: Stopp sagen und den Herzensraum weiten.  Und wenn dir jemand zu nahe in dein Gesichtsfeld tritt dann kannst du sagen: „Schön, dass du da bist und meine Nähe so schätzt. Aber ein paar Zentimeter mehr Abstand lässt meine Sympathie zu dir noch wachsen.“ Dann atmest du tief ein und füllst Bauch und Brustraum ganz aus mit deiner Gegenwart. Hier stehst du und nimmst den Raum ein, den du brauchst, um gut da sein zu können. 

Zum Schluss
Wir haben viele Räume besucht und in keinem wirklich geblieben. Zugleich bewegen wir uns ständig in diesem großen Raum der Welt. Wir sind unendlich kostbare Teile dieses Weltenraumes. Dieser Raum ist so groß, dass wir uns darin verloren fühlen könnten. Aber wenn ich die Unendlichkeit des Weltenraumes in mein Bewusstsein hole kann er unendlich klein werden. Der Makrokosmos und der Mikrokosmos in meinem Bewusstsein. Darin darf ich den Spiegel des Göttlichen erkennen. 

www.matthias-koenning.de 














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