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Freitag, 2. Juni 2017

Mein innerer Soldat


Neben dem inneren Lehrer und dem Arzt gibt es auch noch den inneren Soldaten. Von dem erzähle ich dir nicht so gerne. Ich sehe mich doch eher als Pazifisten und bevorzuge den Weg der Gewaltlosigkeit. Ich sehe im Außen die Soldaten in Uniform und sehe die Mächtigen dieser Welt. Für wen oder was kämpfen die Soldaten? Ist es nicht möglich, das Leben so zu gestalten, dass sich niemand bedroht fühlt? Dass alle das teilen, was es auf der Erde im Überfluss gibt? Wer bedroht das Leben denn mehr, der "Russe" oder die Reichen im eignen Land? Welchen Feind sollen die Soldaten also bekämpfen - und können sie mitentscheiden?
Ich war kein Soldat sondern ich habe damals Zivildienst geleistet. Ein Teil von mir wollte aber lieber aussteigen aus diesem Denksystem. Nicht entweder Soldat oder Zivildienst, sondern aktiv für den Frieden eintreten.
Darum hatte ich mich doch irgendwie über diesen inneren Soldaten erschrocken. Er ist da und verteidigt mein Leben. Da will mich zum Beispiel jemand auf einen Fehler hinweisen. Sofort steht der innere Soldat da und sagt: "Wer erlaubt dir, so mit mir zu reden." "Das war kein Fehler. Ich hatte nicht die richtigen Informationen." Mein Soldat kennt eine Fülle von Kampfhaltungen, Feinde abzuwehren. Er denkt, dass verbale oder emotionale Angriffe von außen meine Existenz gefährden. Er passt also wie ein Wachhund auf mich auf, damit mir ja nichts passiert. Manchmal "schießt" er dabei auch echt über das Ziel hinaus. Er kann andere fertig machen mit seinen Waffen.
Je mehr ich meinen inneren Soldaten ausblende, desto unbewusster und heftiger sind seine Reaktionen. Zuerst wollte ich ihn nicht sehen, den inneren Soldaten. Dann gefiel mir nicht, was er tat. Und dann wollte ich ihn rausschmeißen. Er ist immer noch da. Er macht seinen Job. Er kann nicht anders. Seine Aufgabe ist es, auf mich aufzupassen. Und ich kann da auch nicht mit ihm verhandeln.
Jetzt habe ich mich entschlossen, meine Beziehung zu ihm zu überdenken und auf neue Füße zu stellen. Was gefällt mir also an ihn? Er ist mutig und stark. Er riskiert etwas. Er traut sich. Er steht für einen Wert ein. Er lässt sich nicht so leicht verjagen. Er steht da in der Gefahr und in der Bedrohung. Er gibt mir Sicherheit. Wenn ich diese Teile wahrnehme dann entsteht in mir etwas Kraftvolles. Ich fühle meinen Körper gestärkter und zuversichtlicher. Mein innerer Soldat nickt mir zu und sagt mir: "Das schaffen wir schon!" Und manchmal ist es auch gut, auf ihn zu hören. Er bleibt ambivalent, aber die Ambivalenz kann ich besser händeln.
www.matthias-koenning.de

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