Morgen öffnen wir die erste Tür im Adventskalender. Im Advent pflegen viele Menschen wieder die traditionellen Bräuche mit Kerzen, Weihnachtsmarkt, Kirchenbesuch und stimmungsvollen Kaminabenden. Da gibt es aber auch noch die Krippe, die am Ende aufgestellt wird verbunden mit der Erinnerung an die Geburt von Jesus. Wie jeder Mensch fing auch Jesus an als Säugling, als Baby, als Kind.
Der Advent dient der Vorbereitung auf Weihnachten. Wir machen uns auf den Weg und möchten in Bethlehem ankommen. Was werden wir dort finden und erleben? Die Geschichte in der Bibel erzählt uns etwas von einem besonderen Kind, einem göttlichen Kind. Es geht also um ein Kind. Dabei ist das Kind in der Krippe von Bethlehem ja längst erwachsen geworden und vor fast 2000 Jahren gestorben.
Dennoch "kleben" wir am Kind und wiederholen diese Rituale jedes Jahr neu. Ich möchte dich einladen zu einer Begegnung, einer Begegnung mit dem dem Kind. Das mag das Kind im Stall von Bethlehem sein, ein Kind in deiner Familie oder auch das "eigene innere Kind". Das letztere Kind interessiert mich besonders.
Wir haben in unserer Kindheit heilsame und nährende Erfahrungen gemacht und auch Erlebnisse, die sich bis heute negativ auswirken. Wir laufen vielleicht bis heute herum mit unseren Kränkungen, Einschränkungen, Wunden und Narben. Da gibt es vielleicht manches, was geheilt werden möchte.
Wenn wir im Advent diesen "gekränkten" und auch den "heilen" Seiten in uns begegnen dann wünsche ich mir, dass das für uns heilsam und wohltuend sein möge.
So manche "weise Menschen" aus früheren und heutigen Tagen haben diesen Zugang zur "Weisheit" der Kinder aufgezeigt und ich möchte meine und deine Aufmerksamkeit lenken auf diese wertvollen Einsichten. So kommen wir morgen am 1. Tag des Adventskalenders zur ersten "Begegnung mit dem Kind".
Wenn du diese Zeilen liest, welche ersten Bilder und Gedanken steigen da in dir auf? Erste Erinnerungen an deine Kindheit? Deine eigenen Kinder? Vielleicht schreibst du sie auf und beobachtest, was sich daraus in den kommenden Wochen entwickelt.
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Donnerstag, 30. November 2023
Mittwoch, 29. November 2023
Ich finde, die beste Methode, Kindern Ratschläge zu geben, ist die, herauszufinden, was sie wollen, und ihnen dann zu raten, genau das zu tun. (Harry S. Truman)
Der beste Ratschlag für Kinder und erwachsene Menschen besteht darin herauszufinden, was jemand wirklich will. Doch wie finde ich heraus was ich wirklich will?
Ich las einmal einen Zeitungsartikel über ein Ehepaar, wobei der Ehemann viele Jahre als Mönch in einem Kloster lebte. Während all der vielen Jahre "verlernte" er mehr und mehr seine Wünsche und Bedürfnisse. Er hatte ja einen festen Tagesablauf mit dem Wechsel von Gebet und Arbeit. Eigene Wünsche wären da eher hinderlich gewesen. Jetzt lebte er aber in einer Beziehung wo es darauf ankommt, für seine eigenen Bedürfnisse einzustehen. Was tun, wenn er diese gar nicht mehr spüren kann?
Vielleicht steckt in uns allen aber ein Stück von diesem Mönch. Als Kinder hatten wir bestimmt ganz viele Wünsche, Bedürfnisse und ein Wollen. Was haben wir von unseren Eltern gehört? "Kinder, die was wollen..." Wir waren abhängig von unseren Eltern. "Sei lieb, dann bekommst du das und das!" Es war für uns als Kind eher wichtig herauszufinden, was unsere Eltern wollten. Unsere Eltern wollten, dass wir uns gut benehmen. Dass wir nicht streiten. Dass wir gesundes Gemüse essen. Dass wir grüßen. Dass wir nicht herumschreien. Dass wir zu einer bestimmten Zeit ins Bett gehen. Eine endlose Liste.
Wann war Zeit, dass wir herausfinden und ausprobieren konnten, was wir selber wollten? Aus uns heraus. Aus unserer eigenen tiefen Mitte. Unabhängig davon, ob die Eltern das gut fanden oder nicht. Kann ich nach so vielen Jahren der "Erziehung" noch etwas wollen oder ist mir der Wille ausgetrieben worden. Immerhin haben damals Eltern, Schule und Kirche gut zusammengearbeitet. Wie sähe mein Leben aus, wenn ich wirklich täte was ich wollte? Wäre es das Leben, was ich heute führe oder doch ein anderes? Und wenn es ein anderes wäre: Kann ich noch was Drehen? Kann ich mein tiefes eigenes Wollen wiederfinden? Sei weniger Sklave und bestimme dich immer mehr selbst!
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Dienstag, 28. November 2023
Wenn die Seele etwas erleben möchte, wirft sie das Bild dieser Erfahrung vor sich und fährt dann in das eigene Bild hinein. (Meister Eckhart)
Welch wunderbarer Gedanke! Wenn meine Seele etwas erleben möchte entwickelt sie dafür ein Bild und fährt hinein. Schon Meister Eckhart wusste, dass wir uns unsere eigene Wirklichkeit konstruieren. Es passiert nicht einfach etwas!
Es geschieht das, was die Seele entworfen hat. Etwas in mir hat die Sehnsucht und den Wunsch, etwas zu erleben. Erleben hat etwas mit fühlen zu tun. Mit Erfahrung. Ich möchte zum Beispiel wissen wie es sich anfühlt und wie es ist, sich völlig fremd zu fühlen. Ich will es ausprobieren, weil ich neugierig bin und weil ein Teil in mir es unbedingt braucht für den Erfahrungsschatz. Vielleicht für den Unterschied. Heimat kann ich nur dann in der ganzen Fülle erleben wenn ich den Unterschied kenne. Also die Fremde. Wenn meine Seele ein tiefes Heimatgefühl in der Totalität erleben möchte braucht es vielleicht ein ebenso starkes Fremdgefühl.
Die Seele traut sich auch unangenehme Gefühle zu. Gerade diese sind ein wichtiges Lern- und Entwicklungsfeld. Die Seele möchte also eine Erfahrung machen und dann tut sich dafür ein Feld auf. Es entwickelt sich nach und nach eine Geschichte oder wie Meister Eckhart sagt: ein Bild. Sie schreibt eine Art Drehbuch mit vielen Varianten und die wahrscheinlichste Variante setzt sich dann um. Es gäbe also tausende von Möglichkeiten für mich als Seele, Fremdheitsgefühle in unterschiedlicher Intensität zu erleben. Ich möchte also Fremde erfahren und dann öffnet sich das Feld der Fremdheitsmöglichkeiten. Ich muss nur noch hineinfahren in die Möglichkeit, die sich auftut.
Geschieht das bewusst? Unbewusst? Je mehr ich meine Seele kenne und ihre Wünsche und Bedürfnisse, desto mehr kann ich steuern und gestalten. Wenn ich total unbewusst bin werde ich immer denken, dass ich lediglich ein Schicksal habe. Ich bekomme nicht mit, dass da gerade etwas läuft zwischen meiner Seele und dem, was sie sich gerade erschafft. Das erlebe ich dann als großes Leid. Ich leide, weil ein Teil in mir nicht zugestimmt hat. Oder es nicht weiß oder nur so ungefähr ahnt.
Es scheint mir wichtig zu sein, dass ich immer mehr in Kontakt komme mit meiner Seele. Welche Erfahrung möchte ich gerne machen? Wo spüre ich das im Bauch? Wo im Herzen? Welche Bilder tauchen auf? Welche Gedanken verstärken sich im Moment? Je mehr ich in die Achtsamkeit geht, desto mehr bekomme ich mit, was da in mir läuft. Je aufmerksamer ich werde, desto mehr kann ich mitgestalten und schöpfen. Ich kann viel bewusster und entschiedener in "ein bestimmtes Bild hineinfahren." Ich werde also merken: "Jetzt muss ich dieses oder jenes tun, weil es genau das ist, was ich erfahren möchte!" Ich werde ganz in Übereinstimmung sein mit mir selbst.
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Montag, 27. November 2023
Jede dunkle Nacht hat ein helles Ende. (persische Weisheit)
Ist
doch logisch oder? Das weiß jedes Kind, dass jede dunkle Nacht ein
helles Ende hat. Nach jeder Nacht kommt ein neuer Morgen. Diese
Erfahrung macht jeder Mensch seit Beginn des Lebens. Diese Erfahrung
teilt die ganze Menschheit. Vielleicht bildet eine Sonnenfinsternis und
ein Vulkanausbruch eine Ausnahme. Aber generell gilt dieser Satz.
Eigentlich geht es bei dieser persischen Weisheit um die Erfahrung, dass auch in einer ausweglosen Situation immer noch etwas möglich ist. Oder in einer Lebenskrise immer noch ein Fünkchen Hoffnung sein kann. Der Mensch in der Dunkelheit und mitten in der Krise kann leider das Licht nicht mehr wahrnehmen. Für ihn ist es ewige Nacht. Es gibt keinen neuen Morgen.
Für diesen Menschen hilft dann die Erinnerung. "Erinnerst du dich daran? Es war mal besser und es wird auch wieder besser werden." Aber Vorsicht mit einer solchen Ermutigung. Das kann schnell nach rückwärts gehen. Die dunkle Nacht muss man schon auch mal aushalten. Zugleich möchte ich noch die Perspektive erweitern. Dass es hell wird steht außer Frage, es ist nur die Frage wann. Wenn du in der Krise bist kannst du sagen: "Das ist das Ende!" Du kannst aber auch sagen: "Diese Dunkelheit ist der Anfang von etwas, das ins Helle führt!" Du entscheidest, welche Perspektive du einnimmst. Machst du dich fest in der Dunkelheit oder schaust du auf das, was neu kommt.
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Eigentlich geht es bei dieser persischen Weisheit um die Erfahrung, dass auch in einer ausweglosen Situation immer noch etwas möglich ist. Oder in einer Lebenskrise immer noch ein Fünkchen Hoffnung sein kann. Der Mensch in der Dunkelheit und mitten in der Krise kann leider das Licht nicht mehr wahrnehmen. Für ihn ist es ewige Nacht. Es gibt keinen neuen Morgen.
Für diesen Menschen hilft dann die Erinnerung. "Erinnerst du dich daran? Es war mal besser und es wird auch wieder besser werden." Aber Vorsicht mit einer solchen Ermutigung. Das kann schnell nach rückwärts gehen. Die dunkle Nacht muss man schon auch mal aushalten. Zugleich möchte ich noch die Perspektive erweitern. Dass es hell wird steht außer Frage, es ist nur die Frage wann. Wenn du in der Krise bist kannst du sagen: "Das ist das Ende!" Du kannst aber auch sagen: "Diese Dunkelheit ist der Anfang von etwas, das ins Helle führt!" Du entscheidest, welche Perspektive du einnimmst. Machst du dich fest in der Dunkelheit oder schaust du auf das, was neu kommt.
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Samstag, 25. November 2023
Höre mit dem Ohr des Herzens. (Benedikt von Nursia)
Höre mit dem Ohr des Herzens.
Jetzt!
Ich sehe dich!
Ich nehme dich wahr!
Ich schaue dich an und fühle ganz wohlwollend mit dir.
Ach, dass du da bist.
Dass DU da bist.
Dass du DA bist.
Dass du da BIST.
Ich sehe dich mit deinem Körper und dem, was du anziehst.
Mit deinem Gesichtsausdruck und dem, wie du wirken möchtest.
Ich nehme behutsam wahr, was du gerade fühlst.
Ich bin neugierig auf das, was du gerade denkst.
Aber noch viel lieber bin ich da mit dir.
Einfach nur da.
Du musst dafür nichts machen.
Gar nichts!
Du musst nicht einmal körperlich neben mir sitzen oder mir gegenüber.
Meine Vorstellung reicht völlig aus.
Jetzt bist du da und ich mit dir.
Und du mit dir und ich mit mir.
Und jetzt wird es still.
Frieden.
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Jetzt!
Ich sehe dich!
Ich nehme dich wahr!
Ich schaue dich an und fühle ganz wohlwollend mit dir.
Ach, dass du da bist.
Dass DU da bist.
Dass du DA bist.
Dass du da BIST.
Ich sehe dich mit deinem Körper und dem, was du anziehst.
Mit deinem Gesichtsausdruck und dem, wie du wirken möchtest.
Ich nehme behutsam wahr, was du gerade fühlst.
Ich bin neugierig auf das, was du gerade denkst.
Aber noch viel lieber bin ich da mit dir.
Einfach nur da.
Du musst dafür nichts machen.
Gar nichts!
Du musst nicht einmal körperlich neben mir sitzen oder mir gegenüber.
Meine Vorstellung reicht völlig aus.
Jetzt bist du da und ich mit dir.
Und du mit dir und ich mit mir.
Und jetzt wird es still.
Frieden.
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