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Samstag, 11. Juni 2016
Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit (afrikanisches Sprichwort)
"Hast du mal einen Augenblick Zeit für mich?" Die Alarmglocken im Kopf klingeln. Hoffentlich dauert das nicht so lange! Eigentlich habe ich keine Zeit! Wenn es wirklich nur ein Moment ist! Da folgt mit Sicherheit ein Rattenschwanz!
"Die Europäer haben die Uhr." Ich habe einmal darüber nachgedacht, wie viel Uhren ich besitze. Dazu zähle ich auch die Zeitlesemöglichkeiten im Computer, auf dem Handy und im Auto. Ich komme auf 12 Möglichkeiten, in meinem Haushalt die Uhr abzulesen.
Nur im Urlaub, dann verbanne ich alle Uhren. Es besteht kein Drang und keine Notwendigkeit, darauf zu schauen. Ich erschrecke mich! Im Unterschied zum Urlaub diktiert die Uhr meinen Lebensalltag. In einer Stunde musst du da sein, um soundsoviel Uhr kommt der und der. Die Woche ist eine Aneinanderreihung von Uhrzeitterminen. Damit ich alles gut koordinieren kann muss ich die Uhr im Blick haben. "Ich habe eine Stunde Zeit für Sie!" "Ah, die Zeit ist leider abgelaufen. Wir müssen jetzt das Ende in den Blick nehmen!"
Ich ertappe mich bei dem Gedanken: "Die Uhr ist mein Gott!" Und ebenso:" Die Uhr ist mein Sklavenhalter!" Das afrikanische Sprichwort kann ich nachvollziehen. Wir Europäer haben wirklich die Uhr!
Wie mag es sich wohl anfühlen mit meinem Bild von Afrika, wenn ich wirklich die Zeit habe und nicht die Uhr? Ich setze mich hin und bin ganz da! Ich bekomme Besuch und bin ganz da. Ich bin so lange da, wie mein Besuch da ist und ich da bin.
Ich sitze auf der Bank und staune über das Leben und über alles, was ich sehe. Ich bin da! Ich vergesse die Zeit und was noch wichtiger ist: Ich habe kein Bedürfnis, auf eine Uhr zu schauen! Wozu auch? Ich bin doch ganz da! Beim Lesen, beim Essen, bei meiner Gesprächsrunde, wo auch immer...
Ich wünsche dir die Weisheit dieser afrikanischen Erfahrung - ganz ohne jede Uhr mit ganz viel Zeit!
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Freitag, 10. Juni 2016
Bist du nachtragend?
Wenn du nachtragend bist, dann tägst du etwas nach.
Es hat dich jemand gekränkt und diese Kränkung lastet wie ein schweres Gewicht auf deinen Schultern. Du bist betrübt und geknickt. Du kannst nicht vergeben und vergessen. Du magst nicht verzeihen. Du bist nicht einmal in der Lage, diese Kränkung einfach loszulassen.
Du gehst dem Menschen hinterher, der dich gekränkt hat, und erwartest eine Entschuldigung. Oder wenigstens eine Erklärung. Dabei trägst du das Geschehene weiter mit dir herum. Du trägst es nach! Du bist nachtragend!
Du bestrafst dich damit doppelt. Du empfindest den Schmerz der Kränkung und trägst sie zugleich weiter mit dir herum. Das ist so, als ob du einen Teebeutel immer wieder neu ins Wasser hältst. Die erste Kränkung hat dein Gegenüber verursacht. Schimpf und Schande über ihn! Aber die zweite und dritte Kränkung verursachst du selber, indem du das immer wieder aufwärmst. Du bist halt nachtragend! Du kannst es nicht loslassen! Du möchtest erst loslassen, wenn die Entschuldigung kommt. Was ist, wenn sie nicht kommt? Nie? Würdest du ewig warten?
Frage dich mal, wie viele Lasten du unsichtbar mit dir herumträgst. Die Kränkungen, die du im Laufe des Lebens angesammelt hast. Eltern, die dich verletzt haben. Freunde, die dich im Stich gelassen haben. Arbeiten, die dir nicht gelungen sind und für die du dich immer noch schämst. Hast du eine Ahnung davon, wie stark du nachträgst? Stell dich doch mal gedanklich auf deine Emotionswaage und spüre nach, wie schwer du bist. Wer soll dir diese "Nachtragelast" abnehmen, die dich drückt. Die schon ins Unterbewusstsein abgertuscht ist. Also weg von den Schultern hin zum Klotz am Bein? Wer soll dir das abnehmen?
Ich habe festgestellt, dass ich das selber machen muss. Das ist mein Job. Den kann niemand anders machen. Es ist eine Last auf meinen Schultern. Ich habe sie aufgenommen und nicht wieder abgegeben. Dass die Kränkung für eine Zeit da ist scheint mir in Ordnung zu sein. Aber wann kommt der Zeitpunkt, aus der Krändkung auszusteigen? Mag ich ihn selber bestimmen? Nach dem Motto: Jetzt ist es genug!
Du magst denken, dass das nicht geht. Das Gefühl sitzt so tief. So tief! Ja, das stimmt. Aber du erzeugst dieses Gefühl selber. Immer wieder. Du beginnst mit einem Gedanken. Du lässt die Bilder in deinem Inneren entstehen. Immer wieder neu! Hör auf, diesen Gedanken weiter zu denken. Du packst ja auch nicht ins Feuer, weil du weißt, dass du dich dort verbrennst.
Die Aufgabe lautet: Übe dich ein in Selbstfreundlichkeit! Sei gut zu dir und mute dir nicht diese nachtragenden Lasten zu. Du bist es dir selber wert, ein Sonnenmensch zu sein oder wieder zu werden, wenn du zum Schattenmenschen geworden bist. Und? Welche Last möchtest du loslassen? Jetzt!
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Donnerstag, 9. Juni 2016
Du kannst auch durch das Leben humpeln!
Sei stets motiviert!
Geh aufrecht!
Nimm das Leben im Sturm!
Sei gut drauf!
Immer!
Wir leben in einer Welt der Superlative. Alle muss immer wunderbar und supertoll sein. Auf die Dauer wird das ganz schön anstrengend. Die Welt funktioniert nicht immer nach diesen Gesetzen. Du hast wunderbare sonnige und erfüllte Tage. Dafür darfst du dankbar sein.
Zugleich musst du aber auch so manche Pille schlucken. Du wirst krank. Eine Freundschaft kommt in die Krise. Deine Beziehung erleidet Schiffbruch. Dein Arbeitsplatz ist bedroht. Du fühlst dich gestresst. Diese Erfahrungen gehören zum Leben auch dazu. Du wirst es nicht mögen. Aber an diesen Erfahungen darfst du wachsen und reifen.
Hast du den Anspruch, dass du immer elegant durch das Leben schreiten musst? Oder gibst du dir dir Erlaubnis, humpeln zu dürfen? Darfst du beim Humpeln gesehen werden? Schämst du dich dafür, dass es alle sehen können? Du humpelst! Na und? Du könntest auch liegen bleiben. Du könntest dich verstecken. Dich zurückziehen und erst wiederkommen, wenn alles wieder heile ist. Das kannst du machen. Du hast die Freiheit.
Wenn jemand zu mir in die Beratung kommt, dann kann schon mal eine Träne fließen. Leider zerfließt damit auch das sorgfältig geschminkte Gesicht. Es kommt zum Vorschein, was darunter liegt. Unter dem schönen Schein! Wer will schon so aufgelöst durch das Leben gehen. Da ist Humpeln noch besser! Hauptsache, das Gesicht wahren!
Ich sehe die Tränen. Den Schmerz. Die Trauer. Und es tut gut, wenn das alles mal rauskommen darf. Du verlierst dadurch nicht an Würde und Wert. Es humpelt vielleicht. Aber du kannst mit Würde humpeln. Mit einem zerflossenen Gesicht. Irgendwann geht ein Ruck durch deinen Körper. "So, jetzt ist es raus!" - "Ich muss mich nicht mehr verstecken und ich stehe zu mir. Das bin ich! So ist es und Punkt!"
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Geh aufrecht!
Nimm das Leben im Sturm!
Sei gut drauf!
Immer!
Wir leben in einer Welt der Superlative. Alle muss immer wunderbar und supertoll sein. Auf die Dauer wird das ganz schön anstrengend. Die Welt funktioniert nicht immer nach diesen Gesetzen. Du hast wunderbare sonnige und erfüllte Tage. Dafür darfst du dankbar sein.
Zugleich musst du aber auch so manche Pille schlucken. Du wirst krank. Eine Freundschaft kommt in die Krise. Deine Beziehung erleidet Schiffbruch. Dein Arbeitsplatz ist bedroht. Du fühlst dich gestresst. Diese Erfahrungen gehören zum Leben auch dazu. Du wirst es nicht mögen. Aber an diesen Erfahungen darfst du wachsen und reifen.
Hast du den Anspruch, dass du immer elegant durch das Leben schreiten musst? Oder gibst du dir dir Erlaubnis, humpeln zu dürfen? Darfst du beim Humpeln gesehen werden? Schämst du dich dafür, dass es alle sehen können? Du humpelst! Na und? Du könntest auch liegen bleiben. Du könntest dich verstecken. Dich zurückziehen und erst wiederkommen, wenn alles wieder heile ist. Das kannst du machen. Du hast die Freiheit.
Wenn jemand zu mir in die Beratung kommt, dann kann schon mal eine Träne fließen. Leider zerfließt damit auch das sorgfältig geschminkte Gesicht. Es kommt zum Vorschein, was darunter liegt. Unter dem schönen Schein! Wer will schon so aufgelöst durch das Leben gehen. Da ist Humpeln noch besser! Hauptsache, das Gesicht wahren!
Ich sehe die Tränen. Den Schmerz. Die Trauer. Und es tut gut, wenn das alles mal rauskommen darf. Du verlierst dadurch nicht an Würde und Wert. Es humpelt vielleicht. Aber du kannst mit Würde humpeln. Mit einem zerflossenen Gesicht. Irgendwann geht ein Ruck durch deinen Körper. "So, jetzt ist es raus!" - "Ich muss mich nicht mehr verstecken und ich stehe zu mir. Das bin ich! So ist es und Punkt!"
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Mittwoch, 8. Juni 2016
Leihst du mir deine Aufmerksamkeit?
Manchmal denke ich, dass ich ganz gut aufmerksam sein kann.
Ich höre gerne zu.
Ich nehme die Vögel vor meinem Fenster wahr.
Ich schmecke intensiv das frische Brot.
Ich spüre auch, ob mein Gegenüber gerade traurig ist.
Doch manchmal bekomme ich so einen gewissen Zweifel.
Wenn mein Gegenüber sagt: Du hast mir gar nicht richtig zugehört.
Wenn meine Partnerin mich fragt, ob ich dieses oder jenes bemerkt habe.
Wenn ich mich nicht daran erinnern kann, ob eine Kundin ein Kleid oder eine Hose trug.
Dann überkommen mich Zweifel.
Bin ich wirklich so aufmerksam, wie ich denke, dass ich aufmerksam bin?
Übersehe ich oft was wirklich wichtig ist?
Viel öfter als ich ahne?
Bekomme ich vielleicht gar nichts so richtig mit?
Tauche ich ab in Tagträume oder klebe fest in Grübelgedanken?
Könntest du mir mal für einen Moment deine Aufmerksamkeit leihen?
Damit ich merke, wie du das machst.
Damit ich den Unterschied wahrnehmen kann.
Damit ich vergleichen kann.
Damit ich lerne, wie Aufmerksamkeit noch einmal ganz anders gehen kann.
Dazu müsstest du mir deine Aufmerksamkeit für einen Moment leihen.
Vielleicht bin ich am Ende doch noch ganz beruhigt.
Wenn ich merke, dass du auch manchmal abschweifst.
Nicht bei der Sache bist.
Versinkst in Grübeleien.
Wenn ich dir dann deine Aufmerksamkeit zurückgebe
könnte ich dir ein feed back geben.
Ich könnte dir zurückmelden, wie deine Aufmerksamkeit bei mir ankommt.
Ich wäre sehr behutsam mit dir.
Damit du nicht erschrickst und dir unnötig Gedanken machst.
Nur weil du nicht so aufmerksam bist, wie du es gedacht hasst.
Traust du dich?
Leihst du mir deine Aufmerksamkeit - nur für einen Augenblick?
Vielen Dank im Voraus!
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Dienstag, 7. Juni 2016
Ich verleihe dir einen Preis!
Ständig werden Preise verliehen.
Oscar, Echo, Grammy, Grimme...
Müssen die Preisträger ihren Preis zurückgeben?
Der Preis wurde ja nur verliehen.
Nun gut, verleihen heißt auch überlassen.
Den Menschen wird also ein Preis überlassen.
Er wird interessanterweise nicht verschenkt, sondern verliehen.
Überlassen für irgendeinen Verdienst.
Einen Preis muss man sich also verdienen.
Man bekommt ihn ohne Arbeitsvertrag oder Absprache.
Warum muss eine Preisverleihung immer mit einer Figur und mit Geld verbunden sein?
Ich könnte doch auch mal so einen Preis verleihen!
Ich kann dir jetzt einen Preis verleihen.
Wie wäre das?
Dafür musst du nichts tun.
Kein Verdienst!
Keine Anreise.
Keine Gala.
Keine Presse.
Niemand wird es erfahren.
Aber du wirst es spüren!
Jetzt, in diesem Augenblick verleihe ich dir meinen Preis.
Ich überlasse ihn dir hiermit ganz feierlich.
Ich verleihe dir den Preis für Selbstfreundlichkeit!
Du bist liebenswert!
Du bist ein Bruder oder eine Schwester!
Du gehörst zu den Menschen dazu.
Ganz selbstverständlich und ohne eine Erlaubnis von außen.
Das kann dir niemand nehmen.
Du hast deine eigene Geschichte.
Du bist einmalig und unverwechselbar.
Du bist total du!
So du wie du ist niemand sonst im ganzen Universum!
Der Preis, den ich dir verleihe besteht aus einem Wort mit zwei Buchstaben.
Beide sind groß geschrieben.
Das Wort kommt nicht von mir.
Ich gebe es nur weiter.
Es kommt von ganz oben und ganz tief unten zugleich.
Um es zu empfangen brauchst du keine Hand.
Öffne dein Herz und ich lege es jetzt hinein wenn du magst.
JA!
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