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Donnerstag, 21. Januar 2021

Die Liebe macht den, der von ihr trunken, gleichgültig gegen Ehre und Schande. (Mohammed Ben el-Hosein Ben Musa el-Esd)

Dieses Wort stammt von einem sufischen Mystiker aus dem Mittelalter. Ich möchte den Satz einmal von hinten her aufdröseln.
Du stellst dich einer Aufgabe und hoffst, dass du sie gut erfüllen kannst. Vielleicht sagt dir jemand: "Das hast du gut gemacht!" Dann fühlst du dich bestätigt und richtest dich auf. "Ja, das bin ich! Das habe ich geschafft!" In alter Sprache formuliert vermehrst du so deine Ehre. Die Menschen ehren und achten dich für das, was du geleistet hast. Umgekehrt könnte dir auch jemand sagen: "Das war ein Satz mit X!" Dann bist du gekränkt und fühlst dich beschämt. In alter Sprache ausgedrückt hieße das, dass du Schande in deinem Leben angehäuft hast.
Ständig erfüllst du irgendwelche Aufgaben und ständig kommentieren Menschen das, was du tust. Sie bewerten: Das hast du gut gemacht oder das hast du schlecht gemacht. Oder in alter Sprache: Ehre oder Schande. Da kann es geschehen, dass deine Aufmerksamkeit häufig bei dem Gedanken oder bei der Angst ist: "Bloß keine Schande! Hoffentlich viel Ehre!" So bist du nie bei deiner Aufgabe sondern immer schon bei der Bewertung am Ende. Die Erfüllung deiner Aufgaben wird dann begleitet von deiner Angst und deiner Sorge: "Hilfe! Genüge ich?!" Dann bist du schon raus aus dem "Flow". Es fließt nicht mehr und deine Arbeit wird wirklich zur harten "Arbeit".
Der sufische Mystiker nun glaubt, dass sich mit dir etwas fundamental ändert, wenn du an einer ganz bestimmten Schraube drehst. "Sei in der Liebe!" Wenn du in der Liebe bist, dann bist du im Flow, dann fließt es und du wirst gleichgültig gegenüber den Bewertungen deiner Umgebung. Du "bist" einfach. Zugleich gibt es noch eine Steigerung: Trunken sein von der Liebe. So, wie der Alkohol deine Sinne benebelt, verändert die Liebe dein Gemüt. Die Liebe macht dich unabhängig von menschlichen Urteilen und Verurteilungen. Du kommst dir vor wie im Paradies. Die Unzulänglichkeiten und Fehler treten zurück. Daraus folgt für mich so etwas wie eine Grundhaltung: "Bevor du mit deiner Arbeit beginnst, versetze dich in den Zustand der Liebe." Geht das so einfach? Nicht immer nach meiner Erfahrung. Aber du kannst jetzt etwas dafür tun, indem du beginnst mit der Veränderung deines Bewusstseins. Sei dir ständig bewusst, dass du ein Gottesgeschenk bist, dass du dafür nichts tun musst und dass es völlig ausreicht, einfach nur dazusein.
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Mittwoch, 20. Januar 2021

Da, wo ich herkomme...

Da, wo ich herkomme, leben die Menschen von Zwiebeln.
Da, wo ich herkomme, klebt der Lehm an den Schuhen.
Da, wo ich herkomme, spart man mit dem Geld, den Worten und auch sonst.

Da, wo ich herkomme... In Gesprächsrunden fällt manchmal dieser Satz. Jemand, der das sagt, erzählt zunächst einmal nichts von dem konkreten Ort, sondern nur von "da, wo er herkommt". Da höre ich dann heraus: Das hat mich geprägt! Das gehört zu mir! Das sind meine Wurzeln! Jemand, der so spricht ist nicht mehr da, wo er herkommt, sondern ist jetzt wo ganz anders. Vielleicht in der Fremde?
Viel seltener sprechen wir von da, wo ich jetzt bin. Das muss ich nicht erzählen, denn das teilst du aktuell in deiner Erzählrunde. Auch selten sprechen wir von da, wo ich hingehe. Davon sprechen wir vielleicht einmal im Urlaub, aber eher nicht. Wir gehen davon aus, dass wir da sind, wo wir sind. Da, wo ich hingehe hört sich auch sehr philosophisch und spirituell an. Jesus spricht im Johannesevangelium einmal über seinen Tod und verwendet genau diese Worte: "Da, wo ich hingehe..."
Ich bleibe noch einmal bei dem Satz: "Da, wo ich herkomme..." In mir sperrt sich da etwas. Wo komme ich denn eigentlich her. Ist der Ort, an dem ich zur Welt komme und wo ich die ersten Jahre verbringe so ausschlaggebend? Komme ich da wirklich her? Komme ich nicht aus dem Bauch meiner Mutter? Dann hießen manche Sätze anders, etwa so: "Da, wo ich herkomme war es kuschelig, warm und feucht." "Da, wo ich herkomme, gab es ein regelmäßiges Klopfen, dass ich später als Herzschlag identifizieren konnte." Bislang teilen wir Menschen alle diese Erfahrung: Wir alle kommen aus dem Bauch unserer Mutter. Wir reden darüber nicht, weil wir keine Erinnerung daran haben. Vielleicht schämen wir uns auch dafür?! Die Herkunft und die Zeit im Bauch unserer Mutter hat uns auf jeden Fall mehr geprägt als der Ort, an dem wir zur Welt kamen.
Geht es noch eine Stufe zurück? Wo war ich vor der "im Bauch der Mutter Zeit"? Da, wo ich herkomme, gibt es die absolute Einheit, Liebe und Verbindung. Da, wo ich herkomme, hat das Wort Ewigkeit seinen Anfang. Da, wo ich wirklich herkomme, davon wüsste ich gerne mehr.

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Dienstag, 19. Januar 2021

Himbeeren für die Seele - der zweite Teil der "Seelenbücher"

 Unsere Seele verhungert, wenn sie nicht das bekommt, wovon sie gut leben kann. Doch was braucht sie? Aufmerksamkeit, Fürsorge, Zuwendung, gute Ideen und Impulse, Worte der Verbundenheit und vieles mehr.
Als Menschen machen wir im Laufe eines langen Lebens gute und schlechte Erfahrungen. Wir tragen belastende Ereignisse aus der Kindheit wie eine Hypothek mit uns herum, die uns immer noch einschränken und behindern. Was wäre neben einer Beratung oder Therapie außerdem hilfreich? Wie können wir Verantwortung für uns übernehmen und gut für uns sorgen? Dabei liegen die Quellen für einen zufriedeneren Alltag im Inneren des Menschen. Dort sind die Himbeeren für die Seele zu finden.
Matthias Könning lädt die Leserin und den Leser wieder ein zu einem Spaziergang in die innere Landschaft der Seele. Ähnlich wie in dem Buch „Zähneputzen für die Seele“ gibt es wieder eine Fülle von einladenden Gedanken und Ideen, freundlicher und wohlwollender mit sich selbst umzugehen. Dabei darf es gerne ressourcenorientiert, leicht und nahrhaft sein. Zugleich lässt der Autor teilhaben an seinen eigenen Lebenserfahrungen, die aus einem seelsorglichen und beratenden Hintergrund kommen. 

 

Und hier der Link zum Buch: Himbeeren für die Seele - Damit das Leben wieder schmeckt

Eigentlich würde ich lieber Ja sagen.

Ich habe Nein gesagt.
Ich werde nicht zur Geburtstagsfeier gehen.
Ich bin sauer auf meinen Gastgeber.
Der hat mir nicht einmal zu meinem Geburtstag gratuliert.
Der hat mich nur eingeladen, weil er ein Selbstdarsteller ist.
Er umgibt sich gerne mit vielen Menschen weil er zeigen will, wie beliebt er ist.

Ich wollte kein schmückendes Beiwerk sein.
Ich wollte mich nicht missbrauchen lassen.
Der hat sich bisher noch nie bei mir entschuldigt.
Im letzten Jahr war ich noch dort.
Und alle haben ihn bewundert.
Das tolle Haus, die tolle Familie, der tolle Hund, das tolle Essen. Toll!

Er hatte nicht mal mein Geschenk ausgepackt.
Kurz gratuliert und schon wieder weg!
Ich hätte im letzten Jahr schon Nein sagen sollen.
Aber mein Nein musste wohl noch wachsen und klarer werden.
In diesem Jahr habe ich Nein gesagt.
Ich habe Nein gesagt ohne eine Begründung.
Damit es ordentlich weh tut.
Darf ich dich einladen?
Nein!

Aber eigentlich...
Eigentlich würde ich lieber Ja sagen.
In dem Nein steckt so viel Kränkung.
Die ist nicht weggegangen.
Ich habe Nein gesagt und die Kränkung ist geblieben.

Daraus habe ich gelernt.
Ich sage weiterhin Nein. Das fühlt sich richtig an.
Aber wenn ich eigentlich lieber Ja sagen würde,
sage ich nicht mehr Nein.
Ich arbeite dann an dem "eigentlich" bis es klar wird.

Bis Kopf, Herz und Bauch übereinstimmen.
Dann gibt es manchmal interessante Lösungen.
Ich sage Ja aber mit Vorbehalt.
Ich sage Nein aber mit Möglichkeit, dass es noch Ja werden kann.
Ich sage Nein und springe trotzdem über meinen Schatten.
Ich sage Ja und mache dennoch Nein.
Ich befreie mich vom Diktat von Ja oder Nein und frage nach meinen Bedürfnissen.
Wenn ich da angekommen bin, lässt sich vieles leicher klären.

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Montag, 18. Januar 2021

Streu ein wenig Freundlichkeit aus und schau, was geschieht!

Das höre ich häufig bei der Arbeit: "Dafür werde ich nicht bezahlt!" Du wirst nicht dafür bezahlt, jemanden freundlich zu grüßen. Du hältst die Tür auf für den Nachfolgenden. Du fragst, ob dein Gegenüber auch eine Tasse Kaffee möchte. Du erkundigst dich nach dem Gesundheitszustand einer kranken Mutter. Du gibst einen positiven Kommentar ab zu dem, was dir gerade gefällt. Du nimmst etwas auf, was ein anderer fallengelassen hat.
Für all das wirst du nicht bezahlt! Das steht nicht in deinem Arbeitsvertrag! Du hast völlig Recht, wenn du solche Aufgaben verweigerst! Nichts davon musst du tun! Jetzt stell dir einmal einen großen Produktionsbetrieb vor, in dem genau nach Arbeitsvertrag gearbeitet wird. Dem Recht wird völlig Genüge getan. Kein Grund zur Klage darum keine Gefahr für eine Abmahnung. Jetzt stell dir vor, ein solcher Betrieb macht das ein Jahr. Wie wird es dort nach dieser Zeit aussehen?
Scheinbar lebt ein Produktionsbetrieb vom Verkauf seiner Produkte. Aber nur scheinbar! Eigentlich lebt er von den Dingen, wofür niemand bezahlt wird und wofür niemand bezahlt werden kann. In einem guten Betriebsklima kann etwas wachsen und gedeihen. Ein freundliches Klima drückt sich darin aus, wo Menschen aufmerksam sind füreinander, sich gegenseitig wohlwollend begegnen und wo auf die Bedürfnisse der Einzelnen geachtet wird.
Für bestimmte Dinge wirst du nicht bezahlt, aber wenn du sie nicht tust, gräbst du dir auf die Dauer selber die Lebensqualität ab. Dahinter steckt das Gesetz der Resonanz. Wenn du der Welt freundlich begegnest kommt Freundlichkeit zu dir zurück. Wenn du die Umwelt als deinen Feind ansiehst, kommt Misstrauen zu dir zurück.

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Mein neues Buch: Zähne putzen für die Seele

https://publish.bookmundo.de/shop/index.php/catalog/product/view/id/494031/s/zahne-putzen-fur-die-seele-uber-die-kunst-liebevoll-mit-sich-selbst-umzugehen-227618-publish-bookmundo-de/

Wir putzen täglich die Zähne und betreiben eine intensive Körperpflege. Wir betreiben Fitness und sorgen uns um unsere Gesundheit. Das ist auch sinnvoll und gut so.
Zugleich könnte die eigen Seele mehr Zuwendung und Pflege erfahren. Wie kann ein Mensch seine Seele pflegen? Welche Gedanken sind hilfreich? Und welche eher hinderlich? Wie kann jemand freundlich mit sich umgehen ohne gleich ein Narzisst zu sein?

Das Buch „Zähen putzen für die Seele“ widmet sich diesen Fragen. Es kommt eher leicht und heiter daher. Es fängt oft an mit einer Beobachtung im Alltag, in der Umwelt oder im eigenen Erleben und Handeln. Dann erfolgt eine Einladung, die Beobachtung zu vertiefen und für sich Rückschlüsse zu ziehen. „Ach, so kann ich das Leben ja auch mal betrachten.“ „Warum mache ich es mir so schwer, wo ich es auch mal leichter haben könnte.“

Die einzelnen Texte und Impulse besitzen eine christlich orientierte, jahreszeitliche Orientierung. Sie sind so geschrieben, dass der Autor in einen  inneren Dialog eintritt mit seinem Leser, seiner Leserin. Das Lesen soll sich anfühlen wie ein Spaziergang, wo es neben der Sonne und der frischen Luft auch den einen oder anderen Gedanken oder eine Erkenntnis gibt. Zugleich lässt der Autor teilhaben an seinen eigenen persönlichen Lebenserfahrungen, die vor allem aus einem seelsorglichen und beratenden Hintergrund kommen.


Und hier der Link zum Buch!  Zähne putzen für die Seele

Samstag, 16. Januar 2021

Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen. (Rahel Antonie Friederike Varnhagen von Ense)

 

Ein Spruch auf einer modernen Postkarte? Nein, eine Aussage von einer Berliner Salondame, die vor 200 Jahren lebte und sich für die Gleichberechtigung der Frauen einsetzte.
"Was machen Sie?" -  "Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen. " Ich habe einmal einen Film über die Yanomami gesehen. Das kam mir so ursprünglich vor. So nah bei sich selbst, bei der Natur und bei den Menschen. So stelle ich mir das Leben im Paradies vor. Das Leben bestimmt von selbst die Themen. Wenn ich Hunger habe esse ich. Wenn ein Mensch da ist bin ich gemeinsam mit ihm. Wenn die Sonne scheint halte ich den Bauch da hin.
Wenn ich das wirklich so täte! Ich esse wenn ich keinen Hunger habe und kann mit Menschen nicht gut zusammen sein. Ich schütze mich vor der Sonne wenn sie das und sehne sie herbei, wenn sie sich nicht blicken lässt.
"Was machen Sie?" - "Nichts." Ich mache immer etwas. Ich achte darauf, immer alles richtig zu machen. Im richtigen Rhythmus und zur richtigen Zeit. Ich führe dadurch ein anstrengendes Leben. Das Nichts leiste ich mir nicht einmal im Urlaub. Höchstens mal für einen Tag oder für eine Stunde. Frau Varnhagen von Ense lässt das Leben auf sich regnen. Sie setzt sich dem Leben aus. Sie muss da nicht extra was machen. Vielleicht geht sie auf die Straße und dann begegnen ihr schon die Themen. Ein Hund, eine Sonne, ein Hunger, eine Lust! Vielleicht ist es möglich, auch heute in der Zivilisation wie ein Yanomami zu leben. Im Einklang mit sich, mit den Menschen, mit der Natur. Der Regen ist da und ich auch. Einfach zulassen und nichts weiter machen. Darin liegt schon genug Stoff für das Leben.
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Freitag, 15. Januar 2021

Wenn du strauchelst, weil dir die Arbeit zu schwer wird, möge die Erde tanzen, um dir das Gleichgewicht wiederzugeben. (irischer Segensspruch)


Ich erinnere mich an meine ersten Erfahrungen mit der Telefonseelsorge. Ich saß am Telefon und war ganz aufgeregt. Hoffentlich war ich eine gute Hilfe für einen Menschen in Not. Dann kam die Katastrophe: Es rief ein Mann aus Bayern an und ich verstand kein Wort. Ich verlor den Kopf und wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich versuchte, mir beim Hören einen Sinnzusammenhang zu erschließen. Dann traute ich mich, ihm zu sagen, dass ich ihn nicht verstehe. Daraufhin erklärte er mir sein Problem noch einmal, wieder in tiefstem bayrisch. In meiner Not kam ich auf die Idee, ihn zu bitten, für einen Norddeutschen etwas hochdeutscher zu reden. Da verstand er mein Problem und bemühte sich auf bayrisch-hochdeutsch. Ich verstand wieder nichts.
Während des Anrufs gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Du bist nicht geeignet für die Telefonseelsorge! Was ist, wenn er sich beschwert. Du kannst mit niemandem darüber reden. Du hast Vorurteile gegen Bayern. Was ist, wenn jetzt alle Anrufer aus Dialektgegenden anrufen. Was mach ich nur! Gebe ich diese Aufgabe auf?
Ich hatte wirklich den Eindruck zu straucheln. Diese Erfahrung wird sicher der Eine oder die Andere mit mir teilen. Auch im Beruf kommt es vor, dass du dich überfordert fühlst. Irgendwann kommt es zum Blackout. Schüler kennen das von einem Test und Trainer vor einem hochwichtigen Vortrag.
Es kommt dabei zu bestimmten Körperphänomenen. Du erstarrst, du wirst steif und du hörst auf zu atmen.
Wenn du strauchelst, weil dir die Arbeit zu schwer wird, möge die Erde tanzen. Mir gefällt das Bild. Wenn ich mich versteife könnte die Erde sich bewegen, damit ich wieder in meinen Rhythmus zurückfinde.
Wenn ich mich schon nicht mehr bewegen kann, dann bewegt sich die Welt um mich herum dennoch weiter. Die Erde hat ihren eigenen Tanz, das Leben pulsiert.
Wenn ich demnächst bei einer Überforderung kopflos werde gehe ich in die Achtsamkeit. Ich spüre den Boden, der mich trägt. Ich atme tief durch und lasse mich von den Geräuschen und Stimmen der Umgebung wieder einladen, am Spiel des Lebens teilzunehmen. Die Erde ist groß genug, für ein ständiges und zuverlässiges Gleichgewicht zu sorgen. 

Donnerstag, 14. Januar 2021

„Ich könnte schreien!“ - Mit Ärger und Wut angemessen umgehen

 


Kennst du das? Du befindest dich im Home-Office und konzentrierst dich auf deine Arbeit. Dann hast du ein wichtiges berufliches Telefonat und im Hintergrund hörst du das Zanken der Kinder oder das lautstarke Rufen: „Darf ich was Süßes!“

Dabei bist du schon früh aufgestanden und hast den Haushalt erledigt, die Kinder versorgt, die kranken Eltern angerufen und für diverse Familienmitglieder einen Termin vereinbart. Du hattest gehofft, dass du jetzt in Ruhe arbeiten kannst und weißt innerlich doch, dass das wahrscheinlich wieder einmal nicht klappen wird. Du spürst, wie in deinem Körper der Vulkan brodelt und dass beim ersten Schrei deines Kindes du nicht mehr an dich halten kannst. Und weil du eine fürsorgliche und gute Mutter bist rufst du dann so etwas „mildärgerliches“ wie: „Was habe ich euch gesagt? Worum habe ich euch gebeten?“

Aber eigentlich könntest du schreien. Du spürst diese Wut im Bauch. Dieses Gemisch von Fassungslosigkeit, Ärger und Resignation. Du könntest schreien und reißt dich trotzdem zusammen. Und dann verurteilst du dich vielleicht auch noch dafür. Du möchtest ja schließlich immer und überall professionell sein. Und nun? Magst du mit mir einmal näher hinschauen?

 

Hurra, du bist noch lebendig!

Solange du Wut und Ärger spürst, bist du noch lebendig und das ist gut so. Da spürst du in dir eine ordentliche Portion Leben. Es gibt berechtigte und gute Gründe für deinen Ärger. du willst Lösungen. Du packst an! Da ist eine Menge Potential in dir und das ist großartig. Das darfst du positiv würdigen und wertschätzen.

 

Der Ärger ruft nach Veränderung

Wenn du dich ärgerst dann ist das zunächst nur ein Ausdruck dafür, dass du gerade nicht einverstanden bist mit dem was abläuft. Du hättest es gerne anders. So, dass es für dich passt. Du spürst zum Beispiel dein Bedürfnis nach Ordnung, Struktur, Akzeptanz, Kontrolle oder was auch immer. Du lernst dich kennen als ein Mensch mit Grenzen. Du bist weder ein Roboter noch ein Supermensch. Du bist ein verletzbares Wesen und hast völlig zurecht eigene Bedürfnisse und Wünsche. Wenn der Ärger massiv auftaucht darfst du auf die innere Stimme hören, die sagt: „Mach etwas anders! Lass dir das nicht gefallen! Du hast auch Rechte!“ Wenn du dieses Bedürfnis nach mehr Freiraum spürst, kannst du es dir erst einmal eingestehen. Eigene Wünsche dürfen sein und brauchen Platz. Unbedingt!

 

Die erste Reaktion

Hast du dir schon mal so richtig Luft und Raum verschafft mit deiner Stimme? Herausgeschrien, was dich alles nervt? Großartig, wenn du das kannst! Such dir ein Gegenüber, der deinen Ärger gerne für eine Weile aushält und nicht sofort abwiegelt. Diesem Menschen sagst du kräftig, was so viel Ärger macht. Nimm keine Rücksicht! Gebrauche Kraftausdrücke und haue ein paar ordentlich Sätze heraus. Dein Gegenüber darf sagen: „Ja genau! Und was sonst noch?“

Wenn es einen Raum und eine Gelegenheit gibt, mal den ganzen Ärger herausposaunen zu dürfen kann sich der Wut-Nebel lichten und du gewinnst Klarheit. Vor allem beschimpfst du dann nicht die falschen Personen, die gerade in der Nähe sind. Deine Kinder, dein Mann oder deine Frau.

 

 

Die Bewertung

Wir bewerten unseren Ärger und die Wut oft negativ und verurteilen uns dafür. Dabei gibt es einen guten Grund, dass diese Gefühle kommen. Sie wollen uns einladen zur Veränderung und geben die dafür nötige Energie. Verzichte auf die negative Wertung und mach dich nicht zusätzlich fertig. Einfacher wird es, wenn du diese Energie für dich nutzt. Was möchtest du ändern? Was könntest du ändern? Und was wäre der erste Schritt?

 

Die präventive Arbeit

Stell dir vor, dass du in angespannten Zeiten wie in einem fahrenden Karussell sitzt. Ständig wirst du aufgefordert, die Pferde und Autos zu wechseln. Nie hast du Ruhe! Während du das erste Pferd reitest ruft das zweite, dass es auch mal drankommen möchte. Im Hintergrund hupt das Auto, dass es dein Verhalten total ungerecht findet. Was machst du? Du flitzt hin und her und hoffst, dass du irgendwie alle bedienen kannst. Und du wunderst dich, wenn du nach einer gewissen Zeit nur noch schreien möchtest? Du kannst nicht abspringen und die Karussellteilnehmer nicht verändern. Aussichtslos! Oder? Ich verrate dir ein kleines Geheimnis.

Jedes Karussell hat einen Mittelpunkt. In diesem Mittelpunkt dreht sich nichts und du findest absoluten Stillstand. Du kannst dort einen Stuhl hinstellen und dich draufsetzen. Da hast du deine Ruhe. Du könntest also ab und zu einfach mal in die Mitte gehen und kurz Pause machen. Du siehst, dass das Karussell weiterfährt und du winkst ein wenig allen Herausforderungen zu. Du sagst, dass du gleich wieder einsteigen wirst, aber jetzt machst du kurz eine Pause. Prävention bedeutet: Wenn du so viel Verantwortung trägst, dass es manchmal einfach zu viel wird und dass du sowieso nicht alles bedienen kannst - dann darfst du wenigstens für einen Moment gut zu dir selber sein. Nicht nur am Ende des Tages, sondern immer wieder mal kurz zwischendurch. Qualitative Mini - Auszeiten!

Dafür suchst du dir im realen Alltag einen Stuhl und setzt dich. Du schließt die Augen und stellst dir vor, dass du in der Mitte des Karussells sitzt und unsichtbar wirst. Du atmest tief ein und aus und gibst dir die Erlaubnis, im Ausatmen alles loszulassen. Jede Anspannung im Körper. Je öfter du das machst, desto weniger gibt es die Vulkansituation, dass du schreien müsstest.

Ich wünsche dir solche Punkte, wo es dir gelingt, innere Ruhe und Frieden zu finden. Und wenn nicht, dann wenigstens einen Menschen, der dir lustvoll zuhören mag und gerne für dich zu einer Klagemauer wird, wenn du mal so richtig loslegst. Ein Mensch, der auf gute Tipps und Ratschläge verzichtet und keine Lösungen anbietet, die du sowieso schon kennst.

 

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Mittwoch, 13. Januar 2021

Einfach mal mitschwingen!

Vielleicht lebst du nicht allein, sondern mit anderen Menschen zusammen. Das ist häufig sehr beglückend und schön, manchmal aber auch voller Spannungen. Eine der Ursachen liegt aus meiner Sicht in einem Mangel an Synchronizität. Wir schwingen alle unterschiedlich.
Zwei Menschen gehen aus und der Eine hat in Windeseile Schuhe und Mantel an und der Andere benötigt gefühlte ewige Zeiten. Ich will dabei die Rolle nicht auf Mann und Frau festlegen. Oder beim Essen ist der eine viel früher fertig als der andere. Du stellst einfach fest, dass jeder Mensch so seine ganz eigenen Zeitabläufe hat. Dein Tag kann sich zäh und langsam anfühlen oder rasch und voll. Die Uhr zeigt allen die gleiche Zeit an. Der Tag behält seine 24 Stunden. Die gefühlte Zeit unterscheidet sich jedoch mächtig von den gemessenen Stunden.
Beim Meditieren erlebe ich es häufig, dass für Einige die halbe Stunde schnell verfliegt und andere schon nach zehn Minuten unruhig werden. Diese unterschiedlichen Zeitgefühlt können im Zusammenleben manchmal zu Konflikten führen.
Der erste Schritt für dich könnte heißen: Werde dir bewusst, wie du selbst deine Zeiten und Abläufe empfindest und gestaltest.
Der zweite Schritt heißt: Beobachte, wie deine Umgebung das erlebt im Unterschied zu dir.
Der dritte Schritt heißt: Überlege, ob du hin und wieder dich dem Zeittempo der anderen angleichen könntest. Führt das zu mehr Harmonie und Ausgewogenheit?
Es kann sein, dass dein Gegenüber dankbar dafür ist, dass du mit Ihm oder Ihr stärker synchron schwingst!

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Dienstag, 12. Januar 2021

Ich würde mich ja gern entschuldigen, aber es tut mir einfach nicht leid.

Das höre ich öfter mal. "Der hat sich nicht einmal entschuldigt! Ich habe ihm gesagt, dass er mir das nicht antun durfte und das mich das total gekränkt hat. Bis heute warte ich auf eine Entschuldigung. Wenn er das täte, dann könnte ich raus aus meiner Kränkung. Aber solange der sich nicht entschuldigt, rede ich kein Wort mehr mit ihm."
Dieser andere ist sich vielleicht gar keiner Schuld bewusst. Oder er wollte bewusst kränken, weil er zuvor gekränkt wurde. Kränkung und Gegenkränkung. Aber das stimmt schon. Wenn ich sage: "Es tut mir leid!" dann heißt das übersetzt vom Wort "leidtun": "Ich leide darunter, dass ich dir das jetzt angetan habe. Ich habe dir Leid zugefügt und so für Unfrieden gesorgt." Das Gespür für Leid ist die Voraussetzung für den Frieden verbunden mit dem Wunsch, das Leiden zu lindern oder zu beseitigen. Wenn ich mich entschuldige, dann wünsche ich mir, dass die für alle Beteiligten leidvolle Situation beendet wird. Ich beseitige das entstandene "Schuld-" oder "Leidenspaket". Ich räume auf. Ich kann es nicht ungeschehen machen. Es bleiben Narben zurück. Aber ich kann als Mitverursacher Salbe auf die Wunde streichen und dafür sorgen, dass das Leid gemildert wird.
Eine Entschuldigung ohne diese innere Versöhnungsarbeit entspricht zwar den Konventionen, ist aber nicht sehr wertvoll, wenn das Herz nicht mitschwingt. Vielleicht kennst du auch das Gefühl bei dir, wenn sich jemand entschuldigt, aber da kommt nichts bei dir an. Da kann es geschehen, dass du dich danach noch gekränkter fühlst. Also noch "kränker" als vor der Kränkung. Und wenn der andere sich nicht entschuldigen möchte dann auch, weil dieser das intuitiv weiß. "Wenn ich mich jetzt pro forma entschuldige, wird es nicht ankommen und verstärke das Leid. Also sage ich lieber nichts und schweige und hoffe, dass es irgendwann weitergeht."
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Montag, 11. Januar 2021

Entspannter mit der Angst sein

 


Nur sehr wenige Menschen haben nie Angst. Das wiederum ist für andere sehr beängstigend. Jemandem zu begegnen, der mitten in Gefahren hineingeht ohne Zittern und Stocken.

Eigentlich haben alle Menschen Angst. Nur mit unterschiedlichen Themen verknüpft. Angst vor einem Virus, vor dem Fallen, vor zu viel Nähe, vor zu wenig Nähe, vor Verlusten. Wir können das Leben so wahrnehmen, dass ständig das Etikett Angst dran klebt. Zum Glück sind wir Meister im Bewältigen, Wegschieben, Ablenken, medikamentös Herunterregeln, Gewöhnen und Ignorieren. Und großartig, wer ein breites Spektrum an Bewältigungsstrategien beherrscht. Magst du mal einer vielleicht ungewöhnlichen Idee folgen

In der Regel gibt es eine Situation wie das Auftauchen eines Virus, ein steiler Abhang vor mir oder eine menschliche Bedrohung mit der Stimme oder der Faust. Ganz schnell reagiert unser autonomes Nervensystem mit Kampf, Flucht oder Erstarren. Dann gibt es einen Gedanken: „Wie kann ich das jetzt einschätzen? Wie gefährlich ist es? Habe ich noch Zeit für eine angemessene Reaktion?“ Zugleich wird in unserem Körper etwas ausgelöst das wir schnell mit einem Gefühlsnamen bezeichnen: „Angst!“ Oft beschäftigt uns dann der Gedanke, was wir tun sollen und wie wir das unangenehme Gefühl wieder loswerden. Irgendwann entsteht das Grübel-Karussell, das immer wiederkehrende Angstgefühl und die Angst vor der Angst. Dieses dicke Paket ist uns im Laufe der Jahre sehr vertraut und wir tun viel dafür, das zu vermeiden.

Wie wäre es, wenn wir mal für einen Augenblick nur kurz den Gedanken zulassen und nicht sofort uns von der Angst verschlingen lassen sondern beim Körper selbst bleiben. Genauer bei dem, was das, was gerade geschieht, wo in unserem Körper auslöst? Wie geht das, was geschieht dabei, und inwiefern kann das hilfreich sein?

Es gibt immer eine Reaktion im Körper. Wir schwitzen, hören auf zu atmen, im Brustbereich kann sich etwas zusammenziehen, der Hals kann sich zugeschnürt anfühlen. Da gibt es ein Klopfen oder Pochen, Es wird warm oder kalt. Es fühlt sich bei Gefahren besonders unangenehm an. Anstatt zu denken können wir in den Körper hineinspüren.

Du schließt die Augen und denkst kurz an dein Thema. Dann reagiert der Körper und du beobachtest und nimmst wahr, was da gerade auftaucht. Du stellst dir vor, dass du dich einfach danebensetzt in einem Abstand, wie es sich besser anfühlt. Vielleicht magst du ganz nah dran sein oder lieber weiter weg. Dann beobachtest du das, was sich da im Körper zeigt. Wie groß ist es? Hat es eine Farbe oder eine Form? Verändert es sich oder wandert es? Du kannst mit dem, was da auftaucht, Kontakt aufnehmen. Du kannst „Hallo?“ sagen und abwarten, ob dieser Teil im Körper reagiert. Dann taucht vielleicht ein Impuls auf. Du möchtest tiefer atmen oder seufzen. Oder die Hand da hinlegen und spüren, ob es dadurch leichter wird. Du kannst die Position der Wahrnehmung verändern, indem du wieder näher ran gehst oder weiter weg. Du bleibst einfach dabei, ohne etwas damit zu machen. Du wirst vielleicht erfahren, dass das Unangenehme ein wenig zurückweicht. Dass es sich ein wenig angenehmer anfühlt. Dass es dir gut tut, in der Ohnmacht etwas machen zu können.

Eine angstauslösende Situation führt häufig in eine Hilflosigkeit. Die „Arbeit“ mit dem Körper unterstützt dich dabei, wieder handlungsfähig zu werden. Im Körper zeigt sich die ganze Wahrheit auf völlig ehrliche Art und Weise. Es lohnt sich, eher zu spüren als ständig die gleichen Gedanken zu denken und dann unangenehme Gefühle zu bekommen. Die Idee heißt also: Weder weg von der Angst noch Angriff oder Erstarrung. Sondern sich freundlich danebensetzen und spüren, ob mehr und mehr ein kleiner Freiraum entstehen kann.

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Samstag, 9. Januar 2021

Braucht den Tag noch jemand ... oder kann der weg?

Beim letzten Umzug tauchte ständig die Frage auf: "Brauchst du das noch oder kann das weg?" Ich habe festgestellt, dass ich viel mehr Dinge nicht mehr brauche als Dinge, die ich brauche. Mehrere Wagenladungen gingen weg - ab ins soziale Kaufhaus.
Nach unserem Umzug schaue ich mich um und muss zugeben, dass ich nicht mutig genug war. Ich konnte mich nicht von meinen Büchern trennen. Brauchen tue ich sie eigentlich nicht mehr. Ich entscheide mich in der Regel immer für die neuen noch ungelesenen Bücher. Davon sind immer genug da, so dass die gelesenen Bücher im Regal verstauben.
Für die Wohnlichkeit reicht auch eine schöne Tapete, eine Blume oder ein Bild. Das ist doch ein Gesetz, oder? Was nicht mehr gebraucht wird kann weg! Kurz vor Mitternacht muss sich ja auch der Tag verabschieden. Er wird nicht mehr gebraucht. Eine Sekunde nach Mitternacht ist der vorherige Tag völlig überflüssig. Der neue Tag ist da und los geht es.
Obwohl - es gibt Tage, da denke ich schon beim Frühstück, dass ich den Tag nicht möchte. Da liegt so viel Unangenehmes vor mir. Oder es könnte langweilig oder stressig werden. Wenn ich den Tag dann ablegen könnte wie ein Kleidungsstück oder wegwerfen könnte in die Mülltonne - dann könnte ich es mir doch leichter machen. Kann ich aber nicht! Ich kann den Tag nicht wegmachen. Unerbittlich sagt er mir: Sekunde für Sekunde!
Ist der Tag also der Herr über mein Leben und ich bin sein Sklave? Ich glaube nicht. Wenn ich an die unangenehmen Dinge denke, die heute vor mir liegen, kann ich meine Einstellung dazu ändern. Wenn ich Angst vor Langeweile habe dann kann ich mir spannende Ausflüge ausdenken oder in einen Hochseilgarten gehen. Ich bin mal zum Empfang auf eine Hochzeit gegangen wozu ich nicht eingeladen war und wo ich niemanden kannte. Das war überhaupt nicht langweilig!
Braucht den Tag noch jemand ... oder kann der weg? Auch wenn du ihn nicht mehr brauchst, er kann nicht weg. Selbst wenn er wollte. Wenn der Tag reden könnte würde er sagen: "Carpe diem!"
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Freitag, 8. Januar 2021

Gestalte dein Leben, jeden Tag!

Du schaust am Ende der Woche auf deinen Kalender und hältst dir vor Augen, was alles auf dich zukommt. Am Morgen schaust du auf den Tag und überlegst, was du alles erledigen musst. Unter erledigen verstehe ich die Vorstellung, dass wir bestimmte Pflichtaufgaben haben. Von diesen so genannten Pflichten kommen einige zusammen. Essen zubereiten, einkaufen, putzen, aufräumen, waschen usw. Manchmal arbeitest du dich durch diese Aufgaben und hakst in Gedanken ab, was du geschafft hast. Das Wort "erledigen" drückt dabei eine Menge aus. Am Ende bist du erledigt und erschöpft von deinen Pflichten. Du freust dich auf deine freie Zeit und lebst in der Dualität, im Gegensatz von Arbeit und Vergnügen.
Wenn du das Wort "erledigen" nun ersetzt durch "gestalten" betonst du deine Freiheit und deine Kreativität. Du entscheidest, was du machst und wann du es machst. Du entscheidest auch, ob du es mit Liebe tust oder mit Widerwillen. Du kannst die Aufgaben so gestalten wie Kinder ihre Spiele spielen. Der Tag ist ein Geschenk und darfst ihn für dein Vergnügen mit Inhalt und Freude füllen.
In der Bibel wird die Geschichte von Adam und Eva im Paradies erzählt. Vor dem "Sündenfall" mussten sie auch im Garten arbeiten, aber sie vergnügten sich. Nach dem "Sündenfall" verwandelte sich der Tag in Mühsal und Plage. Ob es Mühsal und Plage ist oder Freude, Siel und Vergnügen - diese Entscheidung findet in deinem Kopf und in deinem Herzen statt.
Je bewusster du den Beginn des Tages beginnst und in den Tag hineinmeditierst, desto eher hast du die Chance, die lebensfrohe Seite in den Blick zu nehmen. Vielleicht geht das nicht zu hundert Prozent, aber vom Grundsatz her ist eine Veränderung immer möglich.

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Donnerstag, 7. Januar 2021

Erst zentrieren und durchatmen, dann loslegen!



Hast du schon einmal bemerkt, dass du die gleiche Tätigkeit mal mit Energie und Kraft locker bewältigst und ein andermal nur mit großer Mühe und Anstrengung?
Also, du stehst in der Küche und bereitest das Essen zu. Voller Freude liest du dein Rezept. Du schaust in den Kühlschrank, ob alle Zutaten da sind. In deiner Phantasie entsteht das Bild eines wunderbaren Gerichtes auf einem schön gedeckten Tisch. Deine Familie oder die Gäste schauen erwartungsvoll auf das Wunder, das du gewirkt hast. Nach den ersten Gabeln vernimmst du ein Ah! und Oh! Mit diesem inneren Bild und dem beglückenden Gefühl stellst du dich an den Herd und zauberst fast ohne jede Anstrengung dein Essen.
Ein paar Tage später stehst du wieder in der Küche. Du liest dein Rezept, du schaust in den Kühlschrank ... und du merkst: Etwas fehlt! Du freust dich nicht. Du bekommst kein Bild vom Ergebnis. Die Familie erscheint dir als undankbar. Die Zutaten erfüllen nicht deine Erwartungen. Du kochst und hoffst, du bekommst alles noch irgendwie fertig. Mühselig und angestrengt vollziehst du jeden Arbeitsschritt. Das Essen kommt auf den Tisch und du bist nur froh, wenn du anschließend deine Ruhe hast.
Der Zuschauer deines Filmes sieht zwei fast identische Szenen. Aber wenn der Zuschauer in dein Inneres hineinblicken könnte, würde er einen großen Unterschied wahrnehmen. Die erste Szene wäre gefüllt von Leben und Freude und die zweite Szene trist und grau.
Mich erinnert das an die erste Geschichte in der Bibel. Die Menschen leben im Paradies und arbeiten in diesem Garten voller Liebe und in Verbundenheit mit dem Schöpfer. Nach dem Essen von der verbotenen Frucht verwandelt sich das Paradies in einen Ackerboden, der kaum zu bewältigen ist. Die hilfreichen Engel verschwinden und sie fühlen sich ausgestoßen und verloren in einer kalten Welt.
Manchmal sagst du vielleicht selber: „Ich bin nicht im Vollbesitz meiner Kräfte.“ Wenn dir die Kraft fehlt, wird das Leben zu einer Anstrengung. Wenn du in der Freude bist, wird jede Arbeit zum Spiel und du erlebst dich wie im Flow. Wenn die Anforderungen jedoch anwachsen kann es sein, dass du mehr und mehr den Bezug zu deiner Mitte verlierst.
Wenn dir das Kartoffelschälen keine Freude mehr bereitet und du lustlos mit dem Löffel in der Sauce rührst, wird es Zeit, dass du eine Pause einlegst. Tank erst mal wieder auf! Stell dich in deinen Sonnenraum! Suche einen Wohlfühlort auf und tu erst einmal – nichts! Dein Sonnenraum kann ein äußerer Ort sein wie die Bank vor der Tür, ein Sessel im Wohnzimmer oder ein Platz  unter einem Baum. Dein Sonnenraum braucht jedoch zugleich eine innere Entsprechung. Im Sessel deines Wohnzimmers schließt du die Augen und wendest dich nach innen. Du visualisierst Licht und Wärme. Die angestrengte und überforderte Person in dir bittest du, für einen Moment zur Seite zu treten. Du könntest sie in die Küche schicken und von deinem Sessel aus betrachten. Von deinem Sessel aus schaust du wohlwollend auf die Person in der Küche, die sich gerade abmüht und keine Kraft hat. Dieser Person in der Küche schickst du Aufmerksamkeit und Anerkennung. Du selbst in deinem Sessel weißt, dass alles sich zum Guten wenden wird, denn du bist ja weise. Wenn du die Mitte wieder gefunden hast in deinem Sonnenraum kannst du diesen Menschen in der Küche ja ein wenig unterstützen. 
Wie oft höre ich: „Das muss ich erst noch fertig machen, dann gönne ich mir eine Pause!“ Im Hintergrund klingt bei mir: „Ich muss mich erst noch fertigmachen, dann kann ich eh nicht mehr!“ Arbeiten bis zum Anschlag. Die Pause musst du dir verdienen. Dann kann ich nur sagen: Umgekehrt! Umgekehrt! Nur mit der Pausenstimmung kommst du gut in deine Arbeit. Ohne innere Anbindung an deinen Sonnenraum wird das Leben zum Krampf. Dann höre ich: „Aber ich muss doch ...“ Überprüf einmal deine Glaubenssätze. Von wem stammen diese Aussagen? Spricht da deine Mutter oder dein Vater?
In der Mitte deines Sonnenraumes bist du unangreifbar für das schlechte Gewissen und die ständige Pflichterfüllung. Da ist Platz für dich. Da tankst du auf. Da bist du einfach da!

Mittwoch, 6. Januar 2021

Deine königlichen Gaben...




Die Gaben der Weisen aus dem Morgenland für das Jesuskind bestanden aus Gold, Weihrauch und Myrrhe. So erzählt es uns das Matthäusevangelium. Dazu gibt es natürlich die entsprechenden spirituellen Deutungen. Gold steht für die Königswürde von Jesus, Weihrauch für sein Priestertum und Myrrhe für seine Heilfähigkeiten.  
Die Geschichte der Magier, Weisen oder Könige mit ihren wunderbaren Geschenken inspiriert mich zum Nachdenken. Diese Gaben unterscheiden sich von den üblichen Geschenken. Ich möchte mit dir mal einen Vergleich anstellen. Wenn du selber einem Freund oder einem Familienmitglied zum Geburtstag etwas schenkst suchst du ein Präsent aus? Aber nach welchen Kriterien? Schaust du in erster Linie, worüber sich jemand freuen würde? Oder fragst du dich, ob ihm etwas fehlt oder nützlich wäre. Überlegst du, was zu diesem Menschen passen könnte? Vielleicht verschenkst du auch etwas, was diese Person so noch nicht besitzt. Ein Buch, Blumen, ein Bild oder irgendeinen anderen Gegenstand. Oder eine Einladung zu einem Ereignis oder einen Gutschein. Durch dein Geschenk machst du das Leben des Beschenkten reicher. Du fügst also in der Regel etwas hinzu.
Wie war das bei den Königen aus dem Morgenland? Haben sie auch etwas zum Kind hinzugefügt? Etwas, was das Kind reicher machte? Wenn ich die Armut im Stall betrachte könnte es so sein.
Mich beschäftigt aber ein anderer Gedanke. Sie haben kein Geschenk im traditionellen Sinne mitgebracht. Sie wollten nicht das Leben von Jesus bereichern sondern eher etwas verdeutlichen. Sie haben etwas sichtbar gemacht, was bislang unsichtbar oder verborgen war. Sie haben durch ihre Gabe deutlich gemacht, wie sie dieses Kind wahrnehmen oder sehen. Sie sehen nicht mit ihren leiblichen Augen das arme Kind in der Krippe sondern mit dem Herzen und ihrer Weisheit den König, den Priester und den Heiler. Sie sagen also nicht: „Wie niedlich dieser Kleine! Ach welch ein süßes Kind!“ Sie sehen vorweg, was in diesem Kind steckt und wohin es sich entwickeln wird.  
Und diesen Gedanken finde ich interessant. Es kommt nicht auf die materielle Qualität der Gaben an. Nicht einmal der symbolische Wert ist wichtig. Es kommt darauf an, was die Weisen in diesem Kind Jesus sehen.
Spannend wird jetzt die Übersetzung auf dein und mein Leben. Stell dich doch einmal vor einen Spiegel und betrachte dich darin. Was oder wen siehst du? Welche Qualitäten nimmst du bei dir wahr. Kannst du so weit gehen, dass du in dir eine Königin, eine Priesterin oder einen Heiler siehst?
Oder siehst du einfach nur einen Mann oder eine Frau in einem bestimmten Alter mit mehr oder weniger Falten und grauen oder sonstigen Haaren. Siehst du die Spuren deiner Lebensgeschichte oder deine derzeitige psychische Verfassung?
Oder kannst du in den Spiegel schauen und entdeckst dort deine ganz ureigene Qualität. „Ich bin ein Zuhörer, eine Zuhörerin.“ „Ich bin ein Tröster, eine Trösterin.“ „Ich spiele mein Leben mit Leidenschaft und genieße alles was ist.“
Worin liegt also deine Qualität jenseits von Bewertung von richtig und falsch oder gut und schlecht. Was gehört so richtig zu dir. Ordnest du die Welt? Erfindest du? Machst du Beziehungen? Gestaltest du etwas mit Materialien oder besitzt du eine grüne Hand? Oder bist du vielleicht sogar ähnlich „gestrickt“ wie Jesus? Du blickst in den Spiegel und siehst erneut und jetzt noch aufmerksamer hin. Königin? Heilerin? Zuhörer? Tröster? Göttin? Findest du es vermessen, so über dich zu denken?
Was hat Jesus wohl bei sich wahrgenommen, wenn er sich gespürt hat. Sah er in sich auch den König, den Priester und den Heiler? Oder war er angewiesen auf das, was andere in ihm sahen oder über ihn sagten?
Ich vermute, dass es eher ein Wechselspiel ist. Wir brauchen ein Gegenüber, dass uns etwas widerspiegelt. Deine Freundin oder dein Freund sagt dir: „Du bist ein guter Zuhörer. Das schätze ich.“ Dann nimmst du den Gedanken auf und prüfst ihn. „Ja, wo du das sagst, kann ich dem zustimmen. Das könnte gut sein.“ Danach achtest du darauf und stellst mehr und mehr fest, dass du wirklich gut zuhören kannst. Und so baust du diese Qualität aus allein durch deine Aufmerksamkeit.
Wie viele Qualitäten und Fähigkeiten mögen in uns schlummern, die noch nicht zum Leben erweckt wurden. Du selber bist blind für dich, weil du nur die Runzeln und Macken siehst. Und die anderen haben es bei dir noch nicht gesehen oder dir nie gesagt. Oder du warst nie in einer Lebenssituation, wo diese Qualität gefragt war.
Haben deine Eltern früher deine Qualitäten gesehen und diese gefördert? Wunderbar, wenn ja! Oder wurde nur nach den Notwendigkeiten gefragt wie: „Mach ordentlich deine Schule! Sei aufmerksam. Sei höflich! Fall nicht auf!“ Wer hat dich im Leben außerhalb des Elternhauses sonst auf deine Gaben aufmerksam gemacht? Wer waren deine Förderer und Entwicklungshelfer?
Vielleicht möchtest du die Chance in diesem Jahr nutzen und dich weiterentwickeln. Du könntest ja mal vertraute oder auch fremde Menschen fragen: „Welche Qualitäten siehst du in mir? Was nimmst du bei mir wahr?“ Es braucht allerdings ein wenig Mut, solche ungewöhnlichen Fragen zu stellen.
Vielleicht könnte umgekehrt dein nächstes Geschenk für einen Menschen auch eine königliche Gabe wie bei den Weisen des Morgenlandes sein. Du gibst also kein „materielles“ Geschenk sondern eher ein Symbol. Verschenke z.B. eine Schachtel Streichhölzer mit dem Satz: „Wenn ich mit dir zusammen bin, dann gibt es immer sehr zündende Ideen, weil du so lebendig bist. Danke für diese Gabe, an der ich Anteil haben darf.“ Oder du schenkst eine Kerze mit den Worten: „Wenn ich bei dir bin, dann strahlst du immer eine so willkommene Wärme aus, die mir gut tut.“
Du überlegst also, welche Qualitäten sehe ich bei meinem Gegenüber. Wie kann ich das, was ich sehe ausdrücken mit einem Symbol und mit entsprechenden Worten.
Je mehr du deine eigenen Gaben kennst, desto bewusster kannst du sie einsetzen und damit arbeiten. Es wäre doch schade, wenn du am Ende des Lebens für immer deine Augen schließt und in der Anderswelt aufwachst. Von dort aus siehst du auf einmal das Potential, dass in dir zu Lebzeiten schlummerte und nie geweckt wurde. Du würdest denken: „Wenn ich das gewusst hätte, wäre mein Leben anders verlaufen.“
Ich möchte dich zu Beginn des neuen Jahres einladen zu einer Entdeckungsreise. Finde deine eigenen königlichen oder göttlichen Gaben. Da werden die kritischen Stimmen auftauchen wie: „Sei nicht überheblich! Das ist aber ganz schön nazistisch! Eigenlob stinkt!“ Du wirst deine eigenen Hindernisgedanken und Sätze bestimmt kennen. Lass dich davon nicht beeindrucken. Diese Sätze stehen wie Wächter vor einer Schatzhöhle und verhindern, dass du deine Gaben entdeckst.
Sei gewiss: Sie sind auf jeden Fall da. Ohne jeden Zweifel! Du bist voller königlicher Qualitäten! Du kannst dir beim Entdecken nur selbst im Wege sein. Stell dich vor den Spiegel und bitte darum, dass du deine inneren Qualitäten wahrnehmen darfst. Bitte deine selbstzerstörerischen „Dämonen“ darum, für einen Moment mal Pause zu machen und zur Seite zu treten. Sieh die Schönheit deiner Augen und die Würde deiner Lebensgeschichte. Blicke in deine Fähigkeiten, grenzenlos zu lieben. Schau dich an oder spüre in dich hinein und wisse, dass du mit der göttlichen Quelle verbunden bist.
Stelle dir vor, dass jede Träne, die du vor Freude oder auch vor Trauer weinst ihren Ursprung in Gott hat. Mit diesen Tränen spülst du deine Qualitäten frei, so dass sie wie ein Diamant sichtbar werden. Du strahlst dich im Spiegel an und verstärkst damit die Idee, dass diese Erde in Wirklichkeit ein Paradies ist.
Die alten irischen Segen haben oft zum Inhalt, dass du die Welt und dich selbst wohlwollend wahrnimmst. Sei selbst wie ein alter irischer Segen voller Geschichte und Kraft. So brauchst du kein Segenswort von außen. Du bist selbst ein fleischgewordener Segen. Für dich, für deine Umgebung und für die Welt.  

Dienstag, 5. Januar 2021

Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis (Platon)


Alles hat einen Anfang! Auch die Erkenntnis fängt mit etwas an. Wie läuft ein Erkenntnisprozess? Ich werde zuerst mit einer Idee konfrontiert oder einem Ereignis. Das Erlebte verarbeite ich und ich denke darüber nach. Am Ende des Denkprozesses gibt es ein Ergebnis: Die Erkenntnis.
Jetzt hat Platon eine interessante Idee. Am Ende steht die Erkenntnis und am Anfang ist das Staunen. Das "Staunen" ist eine wunderbare Gabe für uns Menschen. Wann hast du das letzte Mal gestaunt? Kinder staunen ständig! Wenn du ihnen etwas erzählst, dann werden die Augen ganz groß und sie sperren den Mund auf. Sie sagen laut: "Oooooh!" und "Aaaaaah!" Sie sind ganz außer sich und völlig erfüllt von dem Erleben. Sie saugen das Gesehene oder Gehörte förmlich in sich auf. Sie erschaudern und sind tief bewegt. Sie wollen mehr davon. Sie wollen es tiefer erfassen.
Wir Erwachsenen sind da schon viel abgebrühter. Es muss schon ein Smartphone mit besonderen technischen Raffinessen sein, das uns staunen lässt. Wenn ich im Urlaub ans Meer fahre dann staune ich über die Weite! Wenn ich in die Berge fahre dann staune ich über die Erhabenheit! Wenn ich dann jeden Tag aufs Meer schaue verändert es sich schon. Das Staunen wird geringer, die Selbstverständlichkeit wächst. Wir tauschen das "Staunen" gegen die "Macht der Gewohnheit." Ja, die Gewohnheiten sind auf die Dauer mächtiger als das Staunen. Schade eigentlich! Wenn wir nicht mehr staunen können nach Platon, dann hören auch die Erkenntnisse auf. Wir nehmen ja nichts mehr wirklich wahr. Wir gehen daran vorbei.
Du kannst ja auch nicht immer ans Meer oder in die Berge fahren damit du mal staunen kannst. Manche Menschen brauchen immer den letzten Kick damit sie sich das Staunen erhalten können, und das "Ooooh"-Gefühl. Wenn ich heute wieder verstärkt staunen möchte dann braucht es mehr Aufmerksamkeit. Ich blicke in den Garten und schaue mir die Eibe an. Das mache ich über einen längeren Zeitraum. Ich beobachte die Meisen, die darin herumhüpfen und Beeren picken. Ich nehme die Schönheit des Baumes wahr und vertiefe mich in das immerwährende Grün. Ich merke, wie das Staunen sich so langsam im Körper ausbreitet. Ich lebe Seite an Seite mit einem Baum, der jeden Tag ganz zuverlässig an seinem Platz steht. Jahr für Jahr! Jeden Tag und ohne Ausnahme steht er da in seinem Grün und gibt mir Schatten und den Vögeln Nahrung.
Meine Aufmerksamkeit geht jetzt am Frühstückstisch zu meinem Lieblingsbäcker. Ich mag sein Brot. Ich kann es jeden Tag essen. Mir wird es nicht überdrüssig. Er backt es zuverlässig jeden Tag für mich. Ich staune über die Kontinuität. Kuchen kann ich nur ab und zu genießen. Frischen Brot mag ich jeden Tag. Und wiederum breitet sich ein langsames und stetiges Staunen aus.
"Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis." Das hieße für mich, bei jedem Anfang dem Staunen mehr Chancen zu geben, wenn sich in mir so ein Gewohnheitsgefühl breitgemacht hat. Ich lade dich ein zum Staunen über all die vielen Anfangssituationen, die dir geschenkt werden im Leben.
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Montag, 4. Januar 2021

Mehr Leichtigkeit - mit einem irischen Segen in das neue Jahr!


 

Wo immer das Glück sich aufhält - hoffe, ebenfalls dort zu sein.


Wo immer jemand freundlich lächelt, hoffe, dass sein Lächeln Dir gilt.

Wo immer die Sonne aus den Wolken hervorbricht, hoffe, dass sie besonders für Dich scheint.

Damit jeder Tag Deines Lebens so hell wie nur möglich sei.       (irischer Segen)

 

Ich könnte dahin reisen, wo das Glück sich aufhält. Welch eine schöne Idee! Ich stelle mir gerade vor, dass ich mich gerade in einem Lebensbereich bewege, das sich mühsam und träge anfühlt. Der Virus hat in seiner zweiten Welle schon wieder alles verlangsamt und beschränkt mich auf meine vier Wände. Das Leben besteht aus lauter häuslichen Dingen: Plätzchen backen, aufräumen, einkaufen, kochen, essen und ab und zu mal ein Spaziergang. Alltäglicher könnte es nicht sein. Ein Leben voller großartiger Langeweile. Ich habe total viel Zeit für mich selbst und kann endlich einmal meditieren. Alle Ablenkungen haben sich erschöpft. Ich kann gar nicht anders als herunterfahren. Ich führe ein mönchisches Leben.

Findet das Glück es im Augenblick spannend bei mir oder hat es sich einen vergnüglicheren Ort gesucht? Es bestimmt auf den Cookinseln vor Neuseeland. Die Region ist frei von Corona. Das Glück hat keine Ausgangssperre und kennt keine Maskenpflicht. Wenn es sich langweilt dann schaut es, wo die Aussichten besser sind. Das Glück wohnt, wo es sich lohnt und wo es sich ausbreiten darf. Leider darf ich im Moment nicht so weit reisen, um zu schauen, wo das Glück im Moment wohnt. Vanuatu im Südpazifik soll auch angesagt sein. Weißt du, wo du es gerade finden kannst? Wohnst du in der Nähe? Der irische Segen wünscht dir, dass du dich da aufhältst, wo sich gerade das Glück befindet.

Wenn ich es mir in meiner Haushöhle gemütlich mache mit einer Kerze, einem Buch und einer Tasse Tee könnte ich mir auch vorstellen, dass das Glück gerade bei mir zu Besuch wäre. Das kleine Glück!

Auf den ersten Blick kommt es mir ein wenig so vor, als spräche der irische Segen vom Zufall. Da gibt es das Glück, das Lächeln und die Sonne und ich kann froh sein, wenn es mich gerade erwischt, weil ich mich in der Nähe aufhalte. Dass ich beschenkt werde mit diesen wunderbaren Gaben. Vielleicht ist es Zufall! Vielleicht kann ich den Zufall auch unterstützen.

Es gibt in meinem Umfeld Räume, wo das Unglück nahezu Dauerrecht hat. Menschen, die mich ärgerlich anschauen. Regen und graue Tristesse beherrschen den Alltag. Solche Räume und Situationen könnte ich meiden. Ein guter Vorsatz für 2021: Ich vermeide nach Möglichkeit Situationen, die mich vergiften. Ich suche Räume auf, wo das Glück bessere Möglichkeiten hat, seine Kraft zu entfalten.

Ich kann mir vornehmen, dass meine Tage so hell wie nur möglich werden. Ich stelle mich nicht zu Menschen hin, die nur lästern, meckern und schimpfen. Ich schaue keine Fernsehprogramme, die nur vom Versagen der Politik sprechen. Ich lasse mich nicht mehr von einer schlechten Stimmung und Depressionen herunterziehen.

Stattdessen schaue ich in das Gesicht von freundlichen Menschen. Ich nutze die Sonnenstunden für einen Spaziergang, um ein wenig Energie zu tanken. Ich schicke ermunternde Gedanken und Wünsche an alle meine Lieblingsmenschen. Ich stärke mich in der Zuversicht, dass jeder Tag mir wunderbare neue Möglichkeiten schenkt.

Und während ich diese Zeilen schreibe merke ich, dass da etwas verloren gegangen ist in den vergangenen Monaten. Langsam und schleichend. Ich sehe es in den Gesichtern der Menschen auf der Straße. Ich höre es in den alltäglichen Gesprächen. Es ist still und leise aus dem Bewusstsein verschwunden. Was ich meine ist die Leichtigkeit. Ist dir das auch schon aufgefallen? Dass sich alles so schwer anfühlt. Dass die Menschen sich so anstrengen. Dass alle so dünnhäutig geworden sind. Wir wünschen uns bessere Zeiten. Ein Ende der Krise. Durchatmen können. Und die Leichtigkeit ist verschwunden.

Ich stehe manchmal mit Freundinnen und Freunden für einen Moment auf der Straße zusammen und wir freuen uns. Wir zögern, weil wir uns nicht mehr umarmen. Wir nicken uns ein wenig unbeholfen zu, entschuldigen uns für die Unmöglichkeit einer körperlichen Nähe und kommen schnell auf das Thema, über das niemand mehr sprechen möchte. Das „Voldemort“ – Thema.

Zwischen den Zeilen meines irischen Segens spüre ich diese Leichtigkeit. Es hat so etwas Verschmitztes. Gräme und ängstige nicht. Hör auf zu jammern und zu klagen. Stell dich einfach zum Glück dazu. Stell dir vor, dass du gemeint bist, wenn da jemand lächelt. Und die Sonne ist auch für dich da. Irgendwo gibt es unter dem Himmel ein wärmendes Plätzchen für dich.

Können wir diese Leichtigkeit einfach wiederfinden? Oder erst in ein paar Wochen nach möglicherweise überstandener Krise? In meinen Beratungen gibt es am Ende oft so ein Seufzen bei den Ratsuchenden. Das Seufzen ist ein erster Schritt von Erleichterung. „Endlich habe ich einmal darüber gesprochen.“ „Jetzt ist es raus!“ „Ganz so hoffnungslos ist es doch nicht, wie ich dachte.“ Seufz doch mal eine Runde und stöhne dich so richtig durch. Im Nachklang wird sich Leichtigkeit ausbreiten.

Wie könnten wir den Januar nutzen, in so eine heitere Gelassenheit hineinzukommen. Wie können wir die Schwere des alten Jahres ein wenig los werden? Die Krise ignorieren? Für beendet erklären? Genug davon haben?

Heute stand ich an der Käsetheke und bestellte mir ein Stück Appenzeller. Der Kommentar der Verkäuferin: „Gibt es an Silvester Fondue?“ Dabei strahlte sie mich an und ich war verblüfft. Woher weiß die das? „Dann wissen Sie ja, welchen Käse ich noch brauche.“ „Nehmen Sie den Gruyere, der passt wunderbar!“ Auf einmal gab es eine Spur von Leichtigkeit. Käse kaufen und Fondue machen.

Auf dem Rückweg vom Supermarkt befreie ich mich von der Maske und passe einen Moment nicht auf. Der Wind weht die Maske fort und ich stehe ohne da. Wenn jetzt ein Marsmensch käme und mich sehen würde, was würde der denken? „Bin ich hier in einem absurden Theater?“ Der Wind weht meine Maske weg, als ob er wüsste, was mir guttut.

Du und ich, wir sind doch kreative und schöpferische Wesen. Wir können uns Leichtigkeit und heitere Gelassenheit einfach kreieren. Es ist nicht verboten, mit einer Maske in Pfützen zu springen. Ich kann versuchen, unter einer Maske so breit zu grinsen, dass man es mir an den Augen ablesen kann, wie ich mich freue. Ich kann Daumen und Zeigefinger zu einem Herzen formen und jeden beglücken, den ich sehe.

Im Außen gibt es Zeiten, die eher verdunkeln. Graue Novembertage, Einschränkungen durch Corona, Verlust von Lebensqualität und Mangel an Freiräumen.

Im Innen jedoch kann ich meine Tage so hell wie möglich machen. Das ist ein wirkliches Trainingsprogramm. Die Tage so hell wie möglich machen. Dass du diese Fähigkeit in dir entfalten mögest, wünsche ich dir für 2021.  

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Samstag, 2. Januar 2021

Lehne dich zufrieden zurück, wenn du eine gelungene Arbeit vor Augen hast, aber nicht zu weit, dass du deiner Arbeit zu Füßen liegst. (irischer Segensspruch)


Ich musste lachen als ich diesen Vers las. Ich sah mich zu Füßen meiner Arbeit liegen. Ich klopfte mir auf die Schulter und sagte zu mir: Das hast du gut gemacht! Das hast du wirklich toll hinbekommen! Dafür darfst du dir ein dickes Lob aussprechen! Ich steigerte mich so herein in das Klopfen auf die Schulter, dass mich mein Lob selber umhaute.
Jetzt wache ich auf aus diesem Bild und ergründe noch einmal den Sinn dieses irischen Segensverses.
Ich gehöre eher zu den Menschen, die kritisch mit der eigenen Arbeit sind. Ich sehe oft, was ich noch besser hätte machen können und reagiere allergisch, wenn mich jemand auf meine Defizite hinweist.
Dabei weiß ich aus langjähriger Erfahrung wie wichtig ein gesundes Selbstbewusstsein und Vertrauen ist. Ich sage es mir jedes Mal neu: „Lehne dich doch zufrieden zurück. Deine Arbeit ist  dir gut gelungen!“
Der irische Vers spricht von „Zufriedenheit“. Sei zufrieden mit dem, was du getan hast. Sei dabei zugleich nicht überheblich. Vielleicht liegt die Wahrheit wie so oft zwischen zwei Polen. Zwischen Überheblichkeit und zerfleischender Selbstkritik gibt es viele Möglichkeiten der Anerkennung. Nutze diese Spielräume einfach mehr aus!

Freitag, 1. Januar 2021

Irischer Segen für das neue Jahr 2021: Mehr Klarheit

 

"Möge Klarheit sich spiegeln auf dem Grunde deines Herzens. Rein sei deine Seele wie ein See in der Stille des Gebirges." Altirischer Segen

Mit welchen Gedanken und Gefühlen bist du in das neue Jahr hineingegangen? Kommt es dir auch so vor, als sei dein inneres Wasser getrübt mit vielen Gedanken von Einschränkungen, Mangel, Sorge, Ängste, Trennungen und Befürchtungen? Das vergangene Jahr war ja nicht so normal wie sonstige Jahre. Es gab keine Lebensbereiche, in die Corona nicht hineinreichte. 

Die Ereignisse machen etwas mit uns. Sie lassen uns nicht unberührt. Wie schön, wenn du zu den Menschen gehörst, die in Krisen eher gestärkt werden. Wenn du so stabil im Leben stehst, dass dich so leicht nichts ins Wanken bringt. Eine ganze Reihe meiner Freundinnen und Freunde konnten gut ihre Ressourcen abrufen. Ich habe aber auch viele Menschen gesehen oder begleitet, die ihre Mitte verloren haben. Die jetzt neben sich stehen oder nicht mehr so zugänglich sind. So, als ob das Herz angefüllt ist mit getrübtem Wasser. Ich finde das ganz verständlich. Nicht alle haben genug Widerstandskraft, mit den Widrigkeiten gelassen umgehen zu können.

Mir gefällt dieser irische Segen zu Beginn dieses Jahres. Zu mehr Klarheit kommen auf dem Grunde meines Herzens. Im letzten Jahr ist vieles unklar geworden oder verschwommen. Worauf kommt es in meinem Leben an. Was brauche ich mehr? Mehr Sicherheit oder mehr Freiraum? Wo bin ich zunehmend dünnhäutiger geworden? Und dann gibt es auch diese Erschöpfung. Immer aufpassen mit den Masken im Gesicht. Niemanden anstecken und nicht angesteckt werden. Vor allem nicht anecken und dafür sorgen, dass die Ängste nicht noch größer werden. Die vielen unterschiedlichen Stimmen, die viel wissen oder nichts wissen oder glauben zu wissen. Der Kopf wird immer voller und das Herz immer trüber. 

Menschen in den Familien fanatisieren und entzweien sich. Man darf sich nicht mehr treffen in größeren Gruppen und vielleicht ist es auch gut so. Nach wenigen Minuten sprechen alle über das Thema, über das man besser nicht mehr sprechen sollte. Schnell entstehen zwei Parteien. Die eine ist für etwas mit totaler Absolutheit und die andere ist dagegen mit ebensolcher Energie. "Möge Klarheit sich spiegeln auf dem Grunde deines Herzens." Mögest du deine eigene Mitte wiederfinden. Mögest du die Liebe wieder entfachen, die dich lebendig sein lässt. Mögest du wieder mehr verbinden als trennen können.

Wie wäre es, wenn die Seele die Reinheit wiederfinden könnte. Zwischen allen Gedanken, Ängsten und Zukunftssorgen mag es still werden. Erst still, damit sich die trüben Teile absenken können und dann warten, bis es klar wird. Damit es klar werden kann braucht es Stille. Das ist nicht leicht aber auch nicht unmöglich. Bei den lauten Pandemie Stimmen um uns herum werden die Stilleräume weniger. Das Internet dringt in jeden Winkel. Aber es gibt immer noch die Taste, die das Netz zum Schweigen bringt. Ich kann die Augen schließen und in mir das Bild vom stillen Bergsee entstehen lassen. Ich kann mich ans Ufer setzen und den See auf mich wirken lassen. Dieser See existiert in meinem Herzen. Wenn ich ein paar Augenblicke bei mir bleibe wird es stiller und stiller. Die Klarheit kommt dann, wenn sie kommt. Sie kommt, wenn die Erinnerung in mir aufsteigt, woher ich komme. Der Seelensatz taucht auf aus der Stille: "Ach, ich bin aus dem Göttlichen!" Ich spüre die Wirkung, die das Innewerden, das Erinnern auslöst. Das Herz atmet, wird weiter und berührt. Da ist sie, die Klarheit auf dem Grunde meines Herzens.

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