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Dienstag, 31. Januar 2023

Liebeslänglich


"Liebeslänglich" - las ich auf einer Postkarte.

"Ich verurteile Sie zu einer lebenslänglichen Liebe und zu einem liebeslänglichen Leben."
Möge deine Fähigkeit zu lieben für ein langes Leben andauern.
Hoffentlich bis zu deinem Tod und darüber hinaus.
Möge deine Liebe "lang"- mütig und "kurz" - weilig sein!

"Liebeslänglich" mit und ohne Freispruch - sogar jenseits von Freisprüchen!
Wenn alle Menschen auf der Welt "liebeslänglich" hätten...
Wie sähe eine Zelle aus, wo die "Liebeslänglichen" säßen?
Freiraum statt Gefängnis, nicht wahr?

Liebeslänglich sage ich Ja zu mir und Ja zu dir.
Liebeslänglich halte ich das Licht in die Dunkelheit.
Liebeslänglich umgarne ich die Dornen mit Blütenblättern.
Liebeslänglich kitzle ich den Frust und locke das Lachen.
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Montag, 30. Januar 2023

Sich verlieren und hingeben!

Ich sehe dieses kleine Mädchen auf einer Postkarte im Meer von Blumen. Es ist noch deutlich zu erkennen! Die Blumen und Gräser könnten auch so hoch wachsen, dass das Mädchen darin wirklich untergehen könnte. Kinder irgendwo zu verlieren ist sicherlich der Schrecken vieler Eltern.

Ich bleibe hängen am Wort "verlieren". Sich verlieren im Blumenfeld. Ja, ich kann mich verlieren. Ich bin so voller Arbeit, dass ich mich nicht mehr spüren kann. Ich bin so voller Gedanken und Grübeleien, dass ich die Welt um mich herum nicht mehr wahrnehme. Ich kann mich verlieren in den Anforderungen des Alltags. So, wie ich in einem Wald die Orientierung verliere, kann ich mich auch im Leben verlieren. Dann schließe ich für einen Augenblick die Augen und atme tief durch. Ich suche einen Moment Abstand und halte inne. Wo bin ich? Was möchte ich? Was kann ich verändern? Wo ist mein Ausgangspunkt? Wo woll ich hin?

Ich blicke auf die Postkarte und sehe aber nicht ein Mädchen, das sich verliert. Es wirkt eher versunken. Vertieft in der Natur! Ich kann mcih also auch anders verlieren. Ich kann mich dem Leben hingeben. Das kann auch so aussehen, als würde ich mich verlieren. Ich kann mich im Blumenfeld verlieren, weil ich voller Staunen und Liebe bin. Ich gehe auf in dem, was ich tue. Bis fast hin zur Selbstauflösung. Aber nur fast! Eigentlich geht es darum, völlig im Selbst zu sein, wenn ich mich hingebe. Ich bin ganz ich selbst und gehe zugleich im Anderen auf. Ich kann mich auf zwei Arten verlieren. Indem ich von mir weg gehe und mich nicht mehr spüre. Oder indem ich mich hingebe um ganz da zu sein.

Was verlockt dich zur Hingabe? Wo kannst du dich völlig loslassen ohne Angst, dich zu verlieren? Wo kannst du dich hingeben um dich ganz zu finden?

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Samstag, 28. Januar 2023

Wenn du strauchelst, weil dir die Arbeit zu schwer wird, möge die Erde tanzen, um dir das Gleichgewicht wiederzugeben. (irischer Segensspruch)


Ich erinnere mich an meine ersten Erfahrungen mit der Telefonseelsorge. Ich saß am Telefon und war ganz aufgeregt. Hoffentlich war ich eine gute Hilfe für einen Menschen in Not. Dann kam die Katastrophe: Es rief ein Mann aus Bayern an und ich verstand kein Wort. Ich verlor den Kopf und wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich versuchte, mir beim Hören einen Sinnzusammenhang zu erschließen. Dann traute ich mich, ihm zu sagen, dass ich ihn nicht verstehe. Daraufhin erklärte er mir sein Problem noch einmal, wieder in tiefstem bayrisch. In meiner Not kam ich auf die Idee, ihn zu bitten, für einen Norddeutschen etwas hochdeutscher zu reden. Da verstand er mein Problem und bemühte sich auf bayrisch-hochdeutsch. Ich verstand wieder nichts.
Während des Anrufs gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Du bist nicht geeignet für die Telefonseelsorge! Was ist, wenn er sich beschwert. Du kannst mit niemandem darüber reden. Du hast Vorurteile gegen Bayern. Was ist, wenn jetzt alle Anrufer aus Dialektgegenden anrufen. Was mach ich nur! Gebe ich diese Aufgabe auf?
Ich hatte wirklich den Eindruck zu straucheln. Diese Erfahrung wird sicher der Eine oder die Andere mit mir teilen. Auch im Beruf kommt es vor, dass du dich überfordert fühlst. Irgendwann kommt es zum Blackout. Schüler kennen das von einem Test und Trainer vor einem hochwichtigen Vortrag.
Es kommt dabei zu bestimmten Körperphänomenen. Du erstarrst, du wirst steif und du hörst auf zu atmen.
Wenn du strauchelst, weil dir die Arbeit zu schwer wird, möge die Erde tanzen. Mir gefällt das Bild. Wenn ich mich versteife könnte die Erde sich bewegen, damit ich wieder in meinen Rhythmus zurückfinde.
Wenn ich mich schon nicht mehr bewegen kann, dann bewegt sich die Welt um mich herum dennoch weiter. Die Erde hat ihren eigenen Tanz, das Leben pulsiert.
Wenn ich demnächst bei einer Überforderung kopflos werde gehe ich in die Achtsamkeit. Ich spüre den Boden, der mich trägt. Ich atme tief durch und lasse mich von den Geräuschen und Stimmen der Umgebung wieder einladen, am Spiel des Lebens teilzunehmen. Die Erde ist groß genug, für ein ständiges und zuverlässiges Gleichgewicht zu sorgen. 

Freitag, 27. Januar 2023

Immer nur die erste Liga - oder vom Umgang mit den Sackgassen

"Street One" kann ich verschieden verstehen.
Es könnte sich um die beste und großartigste Straße im Vergleich zu allen anderen Straßen handeln. Die First Class Straße. Eine, auf die ich mich unbedingt bewegen möchte. Sehen und gesehen werden. Wer diese Kleidung trägt, der kann mithalten auf den Einlaufsmeilen dieser Welt. Der spielt in der ersten Liga. Immer die Nr. 1 sein!

Die zweite Lesart für mich lautet: Wer nur "eine Straße" kennt, landet schnell in der Sackgasse. Virginia Satir empfiehlt bei der Suche nach Lösungen, wenn du ein Problem hast, folgendes:
Ein Weg führt in die Sackgasse. (Street One)
Zwei Wege führen in ein Dilemma. (Street Two)
Ab dem dritten Weg beginnt die Freiheit. (Three and more streets)
Das ist genug Stoff zum Nachdenken, nicht wahr? Wo befindest du dich heute wie in einer Sackgasse? Wo musst du dich zwischen A und B entscheiden und kannst das nicht? Welches wäre jetzt dein dritter und/oder vierter Weg?
Vielleicht wird es Zeit für eine Marke: "Many streets".
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Donnerstag, 26. Januar 2023

Wir brauchen vier Umarmungen am Tag, um zu überleben. Wir brauchen acht Umarmungen am Tag, um uns selbst zu versorgen. Wir brauchen zwölf Umarmungen am Tag, um erwachsen zu werden. (Virginia Satir)

Das übersehen wir oft, dass wir menschliche Wesen sind. Wir brauchen den Körperkontakt. Da geht es um das Spüren, um Nähe und um das Nähren. Was hast du bekommen als kleines Kind, damit du gut wachsen konntest? Genug Babynahrung wirst du bekommen haben, sonst wärst du gestorben. Und deine Mutter hat auch mit dir gesprochen, sonst wärst du vermutlich auch schon gestorben. Du bist mit Nahrung versorgt worden, hattest einen Schlafplatz und jemand hat mit dir gesprochen.
Für die Nahrungsaufnahme hat deine Mutter dich auf ihren Arm genommen - hoffentlich.
Virginia Satir meint, dass du eine Mindestanzahl an Hautkontakt brauchst, um überhaupt lebensfähig zu sein. Wir brauchen etwas mehr, damit wir als Erwachsene in der Lage sind, uns selber versorgen zu können. Aber für das eigentliche pralle Leben brauchen wir die Fülle. Wenn ich zu wenig Kontakt hatte als Kind werde ich als Erwachsener immer ein Bedürftiger bleiben.
Ich werde andere Menschen benutzen, dass sie mich versorgen. Ich bin ja noch so ein kleines Kind! Wir bleiben Kinder, wenn wir nicht gut versorgt wurden. So gut, dass wir als Erwachsene uns um uns selbst kümmern können.
Mit wie vielen Umarmungen bist du groß geworden? Gab es genug? War es knapp? Schöpfst du aus der Fülle? Ich zähle mich zur Nachkriegesgeneration. Da gab es schon genug, aber es war immer auch knapp. Es reichte so gerade aus. Also nicht vier Umarmungen, eher gegen acht. Aber keine zwölf. Und ich glaube, dass viele in meiner Generation immer noch damit zu tun haben, auf diese zwölf Umarmungen zu kommen. Und wenn wir unseren Kindern eine gute Zukunft bereiten wollen können wir das nur, wenn wir selber erwachsen werden. Wenn wir nicht mehr wie Bedürftige und Süchtige die Welt ausbeuten, sondern in uns selber als Gesättigte ruhen. So wünsche ich dir satt machende Umarmungen, und welche, die du weiterschenken kannst.
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Mittwoch, 25. Januar 2023

Wir können jedes Mal etwas Neues lernen, wenn wir denken, dass wir es können. (Virginia Satir)

Wenn wir denken, dass wir es können, ist das der erste wichtige Schritt. Wenn ich denke, dass ich es nicht kann, werde ich es vermutlich auch nicht können. Ich benötige einen wichtigen ersten Gedanken, wenn ich etwas Neues lernen will. Ich benötigen einen offenen und zustimmenden Gedanken. Ich muss etwas zumindest erst einmal denken können.
Wenn ich etwas Neues lernen soll, gibt es manchmal den ersten Impuls: Hilfe, das geht ja überhaupt gar nicht! Ich fühle mich sofort überfordert und unter Druck gesetzt. Wenn das geschieht nehme ich da in mir drin eine Blockade wahr. Das fühlt sich so an, als ob für den Moment auch anderes nicht mehr geht. Blackout nennt man das!
Es gibt einen Unterschied, der einen Unterschied macht. Wenn ich den Gedanken zulasse, dass es vielleicht eine Möglichkeit gäbe, dann öffnet sich eine Tür in einen neuen Raum. Sonst bleibt die Tür zu. Wenn ich denke, dass ich etwas Neues grundsätzlich lernen könnte bewege ich mich im Möglichkeitsfeld. Das Gehirn schaltet auf Öffnung und Neugier. Darum ist es wichtig, für einen Moment aufmerksam zu sein. Oft macht die Angst dir einen Strich durch die Rechnung. "Hilfe, das überfordert mich!" "Hilfe, ich gehe unter!" Atme mal durch und vertraue, dass immer noch was geht!
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Dienstag, 24. Januar 2023

Niemand kann einen anderen davon überzeugen, sich zu ändern. Jeder von uns hat eine Tür zur Veränderung, die nur von innen geöffnet werden kann. (Virginia Satir)

Mir gefällt die Perspektive, die Virginia Satir beschreibt. Die Tür zur Veränderung meiner selbst lässt sich nur von mir selbst innen öffnen. Wenn jemand von außen an der Tür rüttelt will ich mich nicht verändern. In meinem Inneren habe ich alle Rechte, zu hundert Prozent.
Interessant, wie viele Menschen im Laufe eines Monats denken, was ich bei mir verändern müsste. Viele Menschen haben auch immer eine ähnliche Idee. Sie stellen vielleicht fest, dass ich "immer" so ernst bin und ich sollte lockerer werden. Also würden mich alle Menschen viel lieber haben, wenn ich das täte. Aber will ich das auch selbst?
Ich schaue mich an und finde mich ganz in Ordnung. Mein Gesichtsausdruck ist zum Teil genetisch bedingt. Ich laufe mit diesem Gesicht und mit diesen Falten durchs Leben. Ich sehe keinen Grund, da etwas zu verändern. Ich werde kein Training vor dem Spiegel machen, weniger ernst auszuschauen.
Aber manchmal stehe ich vor meiner Tür in mir drin und möchte diese Tür öffnen und öffne sie auch. Dann habe ich mich selbst dazu entschlossen. Ich bin ganz in Übereinstimmung mit mir und habe dafür ein großes Ja. Da gibt es keinen Druck und keinen Zwang von außen. Kein "müssen" oder "sollten". Dort, wo du deine Tür von innen her öffnest kommt deine ureigene Persönlichkeit zum Vorschein - unglaublich liebenswert und vollkommen!
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Montag, 23. Januar 2023

Gestalte dein Leben, jeden Tag!

Du schaust am Ende der Woche auf deinen Kalender und hältst dir vor Augen, was alles auf dich zukommt. Am Morgen schaust du auf den Tag und überlegst, was du alles erledigen musst. Unter erledigen verstehe ich die Vorstellung, dass wir bestimmte Pflichtaufgaben haben. Von diesen so genannten Pflichten kommen einige zusammen. Essen zubereiten, einkaufen, putzen, aufräumen, waschen usw. Manchmal arbeitest du dich durch diese Aufgaben und hakst in Gedanken ab, was du geschafft hast. Das Wort "erledigen" drückt dabei eine Menge aus. Am Ende bist du erledigt und erschöpft von deinen Pflichten. Du freust dich auf deine freie Zeit und lebst in der Dualität, im Gegensatz von Arbeit und Vergnügen.
Wenn du das Wort "erledigen" nun ersetzt durch "gestalten" betonst du deine Freiheit und deine Kreativität. Du entscheidest, was du machst und wann du es machst. Du entscheidest auch, ob du es mit Liebe tust oder mit Widerwillen. Du kannst die Aufgaben so gestalten wie Kinder ihre Spiele spielen. Der Tag ist ein Geschenk und darfst ihn für dein Vergnügen mit Inhalt und Freude füllen.
In der Bibel wird die Geschichte von Adam und Eva im Paradies erzählt. Vor dem "Sündenfall" mussten sie auch im Garten arbeiten, aber sie vergnügten sich. Nach dem "Sündenfall" verwandelte sich der Tag in Mühsal und Plage. Ob es Mühsal und Plage ist oder Freude, Siel und Vergnügen - diese Entscheidung findet in deinem Kopf und in deinem Herzen statt.
Je bewusster du den Beginn des Tages beginnst und in den Tag hineinmeditierst, desto eher hast du die Chance, die lebensfrohe Seite in den Blick zu nehmen. Vielleicht geht das nicht zu hundert Prozent, aber vom Grundsatz her ist eine Veränderung immer möglich.

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Fantasie, komme zurück - die Realität war gemein zu mir...

Ich stehe zu spät auf und verpasse den Zug. Außerdem regnet es und ich verschlafe den ersten Termin. Ausgerechnet heute!
Der Salat im Supermarkt sah so gut aus. Ich öffne zu hause die Schale mit dem Feldsalat und entdecke, dass er kurz vor dem Ende ist. Ich hatte mich so darauf gefreut und keine echte Alternative.
Ich habe die Ankündigung eines tollen Kinofilmes gelesen. Nur gute Kritiken! Ich gehe hin - und der Film gefällt mir nicht. Ich bin enttäuscht.

Wie oft kommt es vor, dass die Realität uns nicht gefällt. Sie macht nicht das, was wir wollen. Wir haben den Eindruck, dass sie macht was sie selbst will. Und vor allem haben wir manchmal den Eindruck, dass sie sich gegen uns verschworen hat. Da kommen die schwarzen Freitage, die Verkettung von unglücklichen Umständen, die Tage, die du vergessen möchtest...
Der Realität scheint es egal zu sein, wie es mir geht. Das sollte es ihr aber nicht! Ich möchte mich ja schließlich wohl fühlen. Kennst du auch diesen Zustand der Enttäuschung, der Lähmung und der Resignation. Wenn ich das Gefühl vermeiden kann, dann mach ich das. Und wie?
Ich gehe in die Fantasie! Ich male mir meine graue Enttäuschungswelt farbenfroh und bunt.  Manchmal funktioniert es. Aber, wenn der Frust tief sitzt, dann kann ich nur die Fantasie herbeibitten und hoffen, dass sie kommt.
Hin und wieder gelingt mir aber eine andere Einstellung. Ich nehme die Realität wie sie kommt. Ich lehne sie nicht ab. Ich bejuble sie auch nicht. In mir macht sich eine Empfindung von Gleichmut breit. Ich schwimme mit der Welle, mit dem Sturm und mit dem regungslosen Wasser. Die Realität haut mich nicht um und ich gebe ihr keine Macht. Ich bleibe in meiner eigenen! Wenn es mir gelingt, fühlt es sich gut an.
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Samstag, 21. Januar 2023

Der Dreh beim positiven Denken


Positives Denken funktioniert nicht wirklich. Das behaupte ich mal einfach. Die Bücher darüber verkaufen sich zwar toll. Allein die Vorstellung, dass das Lesen eines solchen Buches über positives Denken dir hilft, beflügelt dich.
Aber mal ehrlich. Hilft positives Denken wirklich? Ich erlebe eher, dass die Menschen, die es versucht haben, daran scheiterten und am Ende noch enttäuschter waren.
Positives Denken kann auch nicht helfen, weil es die Programme im Unterbewusstsein nicht berücksichtigt. Wenn du kein grundsätzliches Vertrauen ins Leben hast vom Bauch und vom Herzen her, dann helfen keine noch so klugen Sprüche. Deine einschränkenden und negativen Glaubenssätze machen dir das alles in Windeseile kaputt.
Da lese ich diese Spruchkarte und empfange eine interessante Botschaft. Positives Denken ist nutzlos. Und "immer" ist sowieso eine Überforderung. Wenn da in diesem O auf der Spruchkarte nicht ein Smiley wäre. Da grinst mich in diesem Buchstaben das Gesicht an und löst ein Gefühl aus. Das trifft mich ins Herz. Das freundliche Gesicht erweitert die Perspektive über das Kopfspektrum hinaus auf den Herzensbereich. Alles wird gut!
Es kommt also nicht auf das positive Denken an sonder auf die "Arbeit" mit den tieferliegenden Schichten in dir. Wenn du entspannt und gelöst bist brauchst du nicht mehr positiv Denken. Du bist ja im Vertrauen. Du bist! Mehr braucht es nicht!
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Freitag, 20. Januar 2023

Kuckuck, wo bin ich?

Wenn ich kleine Kinder sehe verstecke ich mich. Ich verberge das Gesicht in meine Hände und schaue kurz zwischen meine Finger hindurch und ganz schnell wieder weg. Ich spiele mit dem Kind verstecken. Kinder mögen das sehr und fangen an zu lachen. Sie haben Vergnügen am Verstecken und wiederentdecken. "Kuckuck, wo bin ich?" könnte das Spiel heißen.
Als Erwachsener suchst du die Aufmerksamkeit des Kindes. Du hoffst, dass du das Kind in deinen Bann ziehen kannst. Du wünschst dir vielleicht, dass du es sogar schaffst, ein Kind vom Quengeln oder von Tränen abzulenken.
Das erinnert mich an Runden unter Erwachsenen, wo mir das nicht gelingt. Ich komme nicht dazwischen. Immer reden andere! Sobald ich ansetzen möchte buhlt wenigstens einer um das nächste Wort. Manchmal gehe ich hinein in den Kampf und denke: "Jetzt bin ich aber dran!" Oft ist jemand anders schneller als ich. Irgendwann gebe ich auf! Die Themen haben gewechselt. Meine Lust ist verschwunden und mein Selbstvertrauen sinkt gleich mit. Dann denke ich daran, dass ich bei einem kleinen Kind nichts sagen muss. Hände vor das Gesicht. Ein wenig zwischen den Fingern hindurchschauen. Die Hände fallen lassen. Lachen und wieder verstecken. Ich muss nichts sagen. Nicht kämpfen. Und wenn das Kind schon sprechen kann wird es vielleicht sagen: "Noch einmal! Noch einmal!"
Ich stelle mir vor, in einer Runde von Erwachsenen zu sitzen. Wir sprechen über ein Thema und plötzlich wachen alle auf. Da sitzt jemand, der hat auch etwas zu sagen. Wir müssen nur einen Moment innehalten und schweigen. Uns gegenseitig anschauen und durch ein kurzes Nicken ermutigen. "Kuckuck, da bin ich!" Ich glaube nicht, dass die Erwachsenen in einem Gespräch immer wissen, wo sie sind! So viele kluge Worte! So weit weg vom Leben! Manchmal so unwichtig! Aber zugleich sooo wichtig!
Dann wechsle ich die Perspektive. Ich bin das Kind. Da macht ein Erwachsener einen Spaß mit mir. Versteckt sich hinter seinen Händen. Blinzelt durch eine Fingerritze. Lächelt mir zu! Grinst mich an! "Kuckuck, wo bin ich?" Hinter den Fingern? Oder mit dem Herzen ganz nah bei mir!
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Donnerstag, 19. Januar 2023

Schaffe Ordnung in deiner Seele!

Im Spielwarengeschäft fand ich diese schöne Kulturtasche. So heißt sie glaube ich. Die muss für Mädchen gemacht worden sein. Ein Pferdekopf und eine Karotte. Und vor allem Taschen, in die man etwas hineinstecken kann. Ordnung schaffen im kindlichen Beautycase. Für alles gibt es einen Platz und alles lässt sich gut wiederfinden. Ordnung in einem schönen Täschchen.
Mein erster Impuls war ja: Wenn ich ein Mädchen wäre in einem bestimmten Alter, dann hätte ich mich für diese Tasche entschieden. Warum? Mein Herz und meine Seele haben gedacht: Wie schön!
Mein zweiter Impuls dann war: Kann man auch in seiner Seele Ordnung schaffen? Kann man, dachte ich. Manchmal ist da alles so durcheinander. Dieses Gefühlschaos, das da mitunter herrscht. Kaum hast du das eine Erlebnis so ungefähr verarbeitet, musst du dich schon wieder mit dem nächsten beschäftigen. Da rumoren dann in den Gedanken gleichzeitig viele Ereignisse. Das ist nicht gut für die Seele, weil sie dann ganz durcheinander kommt.
Wie könnte ein Ordnungssystem für die Seele aussehen? Ausatmen und loslassen. Mit jedem Atemzug etwas. Loslassen, was die Seele nicht länger haben möchte und ein virtuelles Fach im Herzen schaffen für das, wovon die Seele leben kann. Im Eintamen aufnehmen und im Ausatmen abgeben.
Hast du einmal in deinen Herzenskammern der Seele nachgeschaut, was sich da alles so befindet? Welche Dinge aus Kindertagen spuken da wohl so herum und bereiten dir bis heute Kummer? Aufräumen ist nicht leicht, weil die Dinge tief vergraben sind in fast unsichtbaren Taschen. Sie machen sich aber manchmal bemerkbar. Als latente Unzufriedenheit. Als Unglückspotential. Als Spass- und Lebensbremse.
Daneben gibt es die kostbaren Kleinodien. In so einer "Mädchentasche" gibt es die ja auch. Die kleinen Schätze, die das Herz erfreuen. Gibt es solche Dinge auch in deinem Herzen. Entdecke sie doch mal wieder neu für dich! :-)
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Mittwoch, 18. Januar 2023

Nahrung für die Seele!




In einem Bericht über technische Veränderungen am Arbeitsplatz lese ich einen interessanten Gedanken. Arbeitsabläufe, die früher mit Händen und Muskelkraft mühsam bewältigt wurden, werden heute von Maschinen erledigt. Für eine solche Arbeit braucht es dann eher Köpfchen als Händchen. Im Laufe der Jahre entstanden in klugen Köpfen Maschinen in klein und groß bis überwältigend für alle erdenklichen Arbeitsabläufe. Dabei werden die Techniken immer detaillierter und ausgereifter. Viele empfinden es als eine große Erleichterung, weniger körperlich belastet zu sein. Allerdings steigt damit auch die Erwartung an den Kopf. Technik will bedient werden. Wenn ich entscheiden müsste eine Kiste von A nach B zu tragen, würde ich mich auch für den Gabelstapler entscheiden.
Im Baumarkt stehe ich staunend vor all den vielen Geräten und Werkzeugen. Für jede erdenkliche Arbeit existiert ein spezielles Werkzeugteil. Dahinter steckt letztlich ein unglaublicher Erfindergeist und Präzisionsarbeit über viele Jahrzehnte bis zu Jahrhunderten.
Jetzt mache ich einfach einen Sprung und betrachte ich meine Seele. Wurde für die Seele inzwischen auch ein Gabelstapler erfunden, der das Leben erleichtert? Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir unsere Seele immer noch mit den Steinzeitwerkzeugen bearbeiten. Meistens ignorieren wir sie. Wir hoffen, dass sie uns im Alltag nicht in die Quere kommt und die Stimmung vermasselt. Was stellen wir mit unserer Seele alles unbewusst und unbemerkt so an?
Wir spüren nicht, wenn wir zu stark belastet sind in unseren Beziehungen und unserer Arbeit und machen einfach weiter so.
Wir streifen unsere Bedürfnisse nach Geborgenheit und Streicheleinheiten ab wie eine nicht nötige Haut und denken, wir müssten den Alltag bewältigen.
Wir nehmen uns Zeit zum Putzen der Zähne und verschieben das Seelenpflegen auf die wenigen Urlaubstage im Jahr. Dabei verwechseln wir auch noch körperliches Ausruhen mit aktiver Seelenpflege.
Was braucht die Seele denn eigentlich zum Leben? Im übertragenen Sinn kann ich fragen: Wenn der Körper zur Entlastung einen Gabelstapler braucht, was braucht da die Seele?
Die erste Antwort, die mir dazu einfällt heißt: Nimm sie erst einmal wahr! Beachte sie! Schenke ihr deine Aufmerksamkeit! Befrage sie doch einmal: „Was brauchst du, dass es dir gut geht?“ Vielleicht wird deine Seele erst zaghaft und zögerlich hervorkommen und Schwierigkeiten haben, sich auszudrücken.  Sie braucht Zeit.  Sie ist unglaublich schnell und zugleich braucht sie Zeit und ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich empfehle dir folgende Übung.
Du gehst zum Bäcker und schaust auf die Auslagen. Du schaust nicht mit den Gedanken im  Kopf: „Was fehlt in meinem Haushalt, was ist gesund? Wie teuer ist das?“ Du fragst stattdessen deine Seele: „Worauf hast du Lust! Was lacht dich an! Was erfreut dein Herz!“ Es kann sein, dass du am Ende ganz unvernünftig bist und irgendein Sahneteilchen kaufst. Dein Kopf wird Bedenken äußern, aber deine Seele frohlockt. Mir geht es bei diesem Beispiel nur das Einüben. Zugleich geht es darum, dass du den Unterschied spürst, ob du im Kopf bist oder mit der Seele arbeitest. Auf die Dauer sollten Kopf und Seele natürlich besser zusammenarbeiten.
Deine Seele benötigt eigentlich keinen Gabelstapler. Deine Seele ist schöpferisch und kann jeder Zeit etwas neu erfinden und hervorrufen. Sie erzählt Geschichten, schenkt dir Freude im Alltag, hüpft um dich herum wie ein kleines Kind, schenkt dir spontan tiefe Erkenntnis und Weisheit, ist unberechenbar und total zuverlässig an deiner Seite.
Zugleich ist sie flüchtig und versteckt sich, wenn du für sie nicht aufmerksam bist. Wie Was für Gewichte der Gabelstapler, ist die Achtsamkeit für die Seele. Wenn du weißt, dass deine Zähne tägliche Pflege brauchen um gesund zu bleiben, dann schenke deiner Seele ein Vielfaches denn mit ihr reist du in das neue Leben. 

Dienstag, 17. Januar 2023

Jetzt wird es aber echt mal Zeit!

Jetzt wird es aber echt mal Zeit, dass ich zum Friseur gehe. Meine Haare sind schon viel zu lang. Wie sehe ich nur aus! Was denken wohl die Leute! So kann ich mich überhaupt nicht mehr sehen lassen.

Jetzt wird es aber echt mal Zeit, dass ich abnehme. Diese vier Kilo machen mir einfach zu schaffen. Ich bekomme die nicht weg! Die kleben an meinem Bauch und sehen aus wie acht Kilo. Jetzt habe ich lange genug nur einfach herumgedacht.

Jetzt wird es aber echt mal Zeit, dass ich mehr auf mich selbst achte. Ich habe schon so viele Überstunden gesammelt. Ständig diese vielen Projekte am Hals. Niemand, der es mir am Ende dankt. Ich zahle hier mit meiner Gesundheit.

Jetzt wird es aber echt mal Zeit, dass ich mein Fahrrad reparieren lasse. Ständig geht mir die Luft aus dem Reifen. Die Kette knattert und die Bremse greift nicht mehr so richtig. Das nervt mit der Zeit. Irgendwann bleib ich stehen!

Jetzt wird es aber echt mal Zeit! Und es ist gut, dass ich das mal gesagt habe. Und es ist echt mal Zeit für noch so viele andere Dinge. Mein Leben ist gepflastert mit Baustellen. Da sind die Autobahnbaustellen in NRW nichts dagegen. Jetzt wird es aber echt mal Zeit, grundsätzlich durchzugreifen. Von Grund auf! Radikal! Echt mal Zeit!

So! Jetzt ist es raus! Und jetzt setze ich mich hin und beruhige mich erst mal. Trinke eine Tasse Kaffee und komme zu mir. Und dann sehe ich mal weiter.
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Montag, 16. Januar 2023

Ganz schön übertrieben!


Übertreibungen von etwas Gutem verdrehen sich schnell ins Gegenteil.

Übertriebenes Wissen führt schnell zur Überheblichkeit.
Übermäßige Pünktlichkeit führt zu Unfreiheit.
Zu viel Sparsamkeit führt zu Geiz.
Zu viel Ordnung führt zur Erstarrung.

Zu viel Sauberkeit führt zu Sterilität.
Zu viel Bewegung führt zur Rastlosigkeit.
Zu viel Ruhe führt zum Tod.
Zu viel Sicherheit führt zur Abgrenzung.

Zu viel Sorglosigkeit führt zu Verlusten.
Zu viel Aufmerksamkeit führt zur Kontrolle.
Zu viel Warten führt zu Passivität.
Zu viele Erwartungen führen zu Enttäuschungen.

Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Die Dinge sind nicht an sich gut! Sie stehen immer in einem Kontext. In der Familie bin ich vielleicht der Rastlose und in der Firma die Ruhe selbst. Und das Verhalten wird von uns bewertet. Ein ruhiger Mensch bekommt vielleicht unsere Achtung, einen phlegmatischen Menschen lehnen wir eher ab.
Schreib doch mal eine Liste deiner "guten" Eigenschaften. Da gibt es ganz viele! Dann beobachte mal, in welchen Situationen du übertreibst. Dann frage dich, wie man eine solche Eigenschaft nennt und ob du die auch kennst. Du beobachtest, dass du vielleicht gerne mit Menschen redest und sie unterhalten kannst. Und wenn du übertreibst, dann könnten dich deine Freunde schnell für einen "Schwätzer" halten. Vielleicht möchtest du ja hier und da ein neues Maß finden?!
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Freitag, 13. Januar 2023

Das Grün der Wiesen erfreue deine Augen, das Blau des Himmels überstrahle deinen Kummer, die Sanftheit der kommenden Nacht mache alle dunklen Gedanken unsichtbar. (Irischer Segen)


Wie gehst du mit Kummer und mit dunklen Gedanken um? Wo wohnen sie in deinem Körper? Spüre dem einmal nach. Vielleicht sitzt der Kummer im Herzen und die dunklen Gedanken im Kopf? Vielleicht sitzen sie da und strahlen auf deinen ganzen Körper aus. Du spürst die Schwere in den Gliedern. Du entwickelst einen Tunnelblick. Du nimmst nicht mehr wahr, was um dich herum geschieht.
Kummer und dunkle Gedanken sind wirklich schwer zu ertragen. Die dunklen Gedanken kommen oft als ein Grübeln daher. Hier eine Schleife, daraus eine neue Schleife... Du gehst von Schleife zu Schleife und... dann fängst du wieder von vorne an. Die dunklen Gedanken lieben die Worte: Hätte, Sollte, Müsste. Der Kummer liebt den tiefen Seufzer und die Ohs und Ahs.
Die bedrückende Nachricht heißt: Kummer und dunkle Gedanken gehören zum Menschsein dazu. Sei dankbar, wenn du davon nicht zu viel hast. Aber sie sind und bleiben ein Teil von dir.
Der irische Vers leugnet das auch nicht. Er schenkt dir jedoch eine Ergänzung. Wenn du schon Kummer hast, dann möge das Blau des Himmels ihn überstrahlen. Im Lichte des blauen Himmels bekommt der dunkle Kummer eine andere Färbung. Und wenn deine Sorgen dich gefangen halten richte deine Augen auf das Grün der Wiesen.
Dieser Aspekt ist interessant! Der irische Segen schlägt uns eine Art Farbtherapie vor. Im Grün des Lebens und im Blau der Beruhigung findet dein Kummer Trost. Am Tag mag das noch gehen. Der größte Verbündete von kummervollen Gedanken ist jedoch die Nacht. Ich kenne so viele Menschen, die sich tagsüber gut ablenken können, aber beim Einschlafen fangen die Gedanken an zu kreisen. „Die Sanftheit der kommenden Nacht mache alle dunklen Gedanken unsichtbar.“
Auf dem ersten Blick erscheint dir die Nacht wie ein Feind. Er verstärkt die dunklen Bilder und angsteinflößenden Gedanken. Mir gefällt es, das Bild der Nacht zu verändern. Die Nacht kann sehr sanft sein. Als Kind bist du unter die dunkle Decke gekrochen und hast dich versteckt wie in eine Höhle. Ich lege mich also schlafen und entwickle das Bild einer bergenden Höhle. Wenn dann die Gedanken kommen sage ich ihnen: „Ich kann euch nicht sehen, es ist ja dunkel! Erst morgen im Licht des neuen Tages kann ich mich wieder mit euch beschäftigen. Macht es wie ich und legt euch schlafen. Gute Nacht!“
Erinnerst du dich an die schöne Familienserie von den „Waltons“? Zum 
Schluss einer jeden Episode gab es einen kurzen Dialog quer durch alle Schlafzimmer. Das war ein sehr hilfreiches Ritual den Tag abzuschließen. Jeder sagt seinen letzten Gedanken und vergewissert sich, dass alle Familienmitglieder da sind. Dann lassen alle ihre Gedanken los und Stille kehrt ein. Wünsche also deinem Kummer eine gute Nacht und versprich ihm, dass du dich am nächsten Tag wieder darum kümmerst. 

Donnerstag, 12. Januar 2023

Let's share some air!

Magst du mit mir ein wenig von deiner Zeit teilen?
Wir beschnuppern uns.
Teilen die Luft in diesem Raum.
Ich kann dich gut riechen!
Du mich hoffentlich auch!

Es ist so leicht! Wir teilen eine Überfülle an Luft.
Du wirst nicht ärmer und ich auch nicht.
Wir atmen beide und es ist mehr als genug da.
Wir hören nicht auf zu atmen und es bleibt noch genug Luft übrig.

Wir können noch mehr Menschen einladen in diesen Raum.
Wir können bei Bedarf das Fenster öffnen oder nach draußen gehen.
Da gibt es noch mehr Fülle.
Bis zum Ende meines Lebens werde ich nicht fertig sein mit dem Atmen.

Lass uns ein wenig diese Luft teilen.
Es weitet die Lunge und stärkt mein Herz!
Tief ein- und wieder ausatmen.
Tief durchatmen - mit dir!

Da sitze ich in einer Konferenz und es herrscht dicke Luft!
Da muss ich irgendwann raus.
Verbraucht! Negative Energien! Energieverluste!
Dann stehe ich auf und öffne die Tür.
Du gehst neben mir und wir schauen uns an.
Komm, teilen wir draußen gemeinsam die Luft!

Let's share some air!
Ich share mit dir meine Gedanken.
Ich share mit dir mein Wasser.
Ich share mit dir mein Pausenbrot.
Ich share mit dir some air!
Tut einfach gut!

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Mittwoch, 4. Januar 2023

Mehr Leichtigkeit - mit einem irischen Segen in das neue Jahr!


 

Wo immer das Glück sich aufhält - hoffe, ebenfalls dort zu sein.


Wo immer jemand freundlich lächelt, hoffe, dass sein Lächeln Dir gilt.

Wo immer die Sonne aus den Wolken hervorbricht, hoffe, dass sie besonders für Dich scheint.

Damit jeder Tag Deines Lebens so hell wie nur möglich sei.       (irischer Segen)

 

Ich könnte dahin reisen, wo das Glück sich aufhält. Welch eine schöne Idee! Ich stelle mir gerade vor, dass ich mich gerade in einem Lebensbereich bewege, das sich mühsam und träge anfühlt. Der Virus hat in seiner zweiten Welle schon wieder alles verlangsamt und beschränkt mich auf meine vier Wände. Das Leben besteht aus lauter häuslichen Dingen: Plätzchen backen, aufräumen, einkaufen, kochen, essen und ab und zu mal ein Spaziergang. Alltäglicher könnte es nicht sein. Ein Leben voller großartiger Langeweile. Ich habe total viel Zeit für mich selbst und kann endlich einmal meditieren. Alle Ablenkungen haben sich erschöpft. Ich kann gar nicht anders als herunterfahren. Ich führe ein mönchisches Leben.

Findet das Glück es im Augenblick spannend bei mir oder hat es sich einen vergnüglicheren Ort gesucht? Es bestimmt auf den Cookinseln vor Neuseeland. Die Region ist frei von Corona. Das Glück hat keine Ausgangssperre und kennt keine Maskenpflicht. Wenn es sich langweilt dann schaut es, wo die Aussichten besser sind. Das Glück wohnt, wo es sich lohnt und wo es sich ausbreiten darf. Leider darf ich im Moment nicht so weit reisen, um zu schauen, wo das Glück im Moment wohnt. Vanuatu im Südpazifik soll auch angesagt sein. Weißt du, wo du es gerade finden kannst? Wohnst du in der Nähe? Der irische Segen wünscht dir, dass du dich da aufhältst, wo sich gerade das Glück befindet.

Wenn ich es mir in meiner Haushöhle gemütlich mache mit einer Kerze, einem Buch und einer Tasse Tee könnte ich mir auch vorstellen, dass das Glück gerade bei mir zu Besuch wäre. Das kleine Glück!

Auf den ersten Blick kommt es mir ein wenig so vor, als spräche der irische Segen vom Zufall. Da gibt es das Glück, das Lächeln und die Sonne und ich kann froh sein, wenn es mich gerade erwischt, weil ich mich in der Nähe aufhalte. Dass ich beschenkt werde mit diesen wunderbaren Gaben. Vielleicht ist es Zufall! Vielleicht kann ich den Zufall auch unterstützen.

Es gibt in meinem Umfeld Räume, wo das Unglück nahezu Dauerrecht hat. Menschen, die mich ärgerlich anschauen. Regen und graue Tristesse beherrschen den Alltag. Solche Räume und Situationen könnte ich meiden. Ein guter Vorsatz für 2021: Ich vermeide nach Möglichkeit Situationen, die mich vergiften. Ich suche Räume auf, wo das Glück bessere Möglichkeiten hat, seine Kraft zu entfalten.

Ich kann mir vornehmen, dass meine Tage so hell wie nur möglich werden. Ich stelle mich nicht zu Menschen hin, die nur lästern, meckern und schimpfen. Ich schaue keine Fernsehprogramme, die nur vom Versagen der Politik sprechen. Ich lasse mich nicht mehr von einer schlechten Stimmung und Depressionen herunterziehen.

Stattdessen schaue ich in das Gesicht von freundlichen Menschen. Ich nutze die Sonnenstunden für einen Spaziergang, um ein wenig Energie zu tanken. Ich schicke ermunternde Gedanken und Wünsche an alle meine Lieblingsmenschen. Ich stärke mich in der Zuversicht, dass jeder Tag mir wunderbare neue Möglichkeiten schenkt.

Und während ich diese Zeilen schreibe merke ich, dass da etwas verloren gegangen ist in den vergangenen Monaten. Langsam und schleichend. Ich sehe es in den Gesichtern der Menschen auf der Straße. Ich höre es in den alltäglichen Gesprächen. Es ist still und leise aus dem Bewusstsein verschwunden. Was ich meine ist die Leichtigkeit. Ist dir das auch schon aufgefallen? Dass sich alles so schwer anfühlt. Dass die Menschen sich so anstrengen. Dass alle so dünnhäutig geworden sind. Wir wünschen uns bessere Zeiten. Ein Ende der Krise. Durchatmen können. Und die Leichtigkeit ist verschwunden.

Ich stehe manchmal mit Freundinnen und Freunden für einen Moment auf der Straße zusammen und wir freuen uns. Wir zögern, weil wir uns nicht mehr umarmen. Wir nicken uns ein wenig unbeholfen zu, entschuldigen uns für die Unmöglichkeit einer körperlichen Nähe und kommen schnell auf das Thema, über das niemand mehr sprechen möchte. Das „Voldemort“ – Thema.

Zwischen den Zeilen meines irischen Segens spüre ich diese Leichtigkeit. Es hat so etwas Verschmitztes. Gräme und ängstige nicht. Hör auf zu jammern und zu klagen. Stell dich einfach zum Glück dazu. Stell dir vor, dass du gemeint bist, wenn da jemand lächelt. Und die Sonne ist auch für dich da. Irgendwo gibt es unter dem Himmel ein wärmendes Plätzchen für dich.

Können wir diese Leichtigkeit einfach wiederfinden? Oder erst in ein paar Wochen nach möglicherweise überstandener Krise? In meinen Beratungen gibt es am Ende oft so ein Seufzen bei den Ratsuchenden. Das Seufzen ist ein erster Schritt von Erleichterung. „Endlich habe ich einmal darüber gesprochen.“ „Jetzt ist es raus!“ „Ganz so hoffnungslos ist es doch nicht, wie ich dachte.“ Seufz doch mal eine Runde und stöhne dich so richtig durch. Im Nachklang wird sich Leichtigkeit ausbreiten.

Wie könnten wir den Januar nutzen, in so eine heitere Gelassenheit hineinzukommen. Wie können wir die Schwere des alten Jahres ein wenig los werden? Die Krise ignorieren? Für beendet erklären? Genug davon haben?

Heute stand ich an der Käsetheke und bestellte mir ein Stück Appenzeller. Der Kommentar der Verkäuferin: „Gibt es an Silvester Fondue?“ Dabei strahlte sie mich an und ich war verblüfft. Woher weiß die das? „Dann wissen Sie ja, welchen Käse ich noch brauche.“ „Nehmen Sie den Gruyere, der passt wunderbar!“ Auf einmal gab es eine Spur von Leichtigkeit. Käse kaufen und Fondue machen.

Auf dem Rückweg vom Supermarkt befreie ich mich von der Maske und passe einen Moment nicht auf. Der Wind weht die Maske fort und ich stehe ohne da. Wenn jetzt ein Marsmensch käme und mich sehen würde, was würde der denken? „Bin ich hier in einem absurden Theater?“ Der Wind weht meine Maske weg, als ob er wüsste, was mir guttut.

Du und ich, wir sind doch kreative und schöpferische Wesen. Wir können uns Leichtigkeit und heitere Gelassenheit einfach kreieren. Es ist nicht verboten, mit einer Maske in Pfützen zu springen. Ich kann versuchen, unter einer Maske so breit zu grinsen, dass man es mir an den Augen ablesen kann, wie ich mich freue. Ich kann Daumen und Zeigefinger zu einem Herzen formen und jeden beglücken, den ich sehe.

Im Außen gibt es Zeiten, die eher verdunkeln. Graue Novembertage, Einschränkungen durch Corona, Verlust von Lebensqualität und Mangel an Freiräumen.

Im Innen jedoch kann ich meine Tage so hell wie möglich machen. Das ist ein wirkliches Trainingsprogramm. Die Tage so hell wie möglich machen. Dass du diese Fähigkeit in dir entfalten mögest, wünsche ich dir für 2023.  

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Dienstag, 3. Januar 2023

Lehne dich zufrieden zurück, wenn du eine gelungene Arbeit vor Augen hast, aber nicht zu weit, dass du deiner Arbeit zu Füßen liegst. (irischer Segensspruch)


Ich musste lachen als ich diesen Vers las. Ich sah mich zu Füßen meiner Arbeit liegen. Ich klopfte mir auf die Schulter und sagte zu mir: Das hast du gut gemacht! Das hast du wirklich toll hinbekommen! Dafür darfst du dir ein dickes Lob aussprechen! Ich steigerte mich so herein in das Klopfen auf die Schulter, dass mich mein Lob selber umhaute.
Jetzt wache ich auf aus diesem Bild und ergründe noch einmal den Sinn dieses irischen Segensverses.
Ich gehöre eher zu den Menschen, die kritisch mit der eigenen Arbeit sind. Ich sehe oft, was ich noch besser hätte machen können und reagiere allergisch, wenn mich jemand auf meine Defizite hinweist.
Dabei weiß ich aus langjähriger Erfahrung wie wichtig ein gesundes Selbstbewusstsein und Vertrauen ist. Ich sage es mir jedes Mal neu: „Lehne dich doch zufrieden zurück. Deine Arbeit ist  dir gut gelungen!“
Der irische Vers spricht von „Zufriedenheit“. Sei zufrieden mit dem, was du getan hast. Sei dabei zugleich nicht überheblich. Vielleicht liegt die Wahrheit wie so oft zwischen zwei Polen. Zwischen Überheblichkeit und zerfleischender Selbstkritik gibt es viele Möglichkeiten der Anerkennung. Nutze diese Spielräume einfach mehr aus!

Montag, 2. Januar 2023

Mit einem irischen Segen in das Jahr 2022



Nicht, dass jedes Leid Dich verschonen möge,
noch dass Dein zukünftiger Weg stets Rosen trage,
keine bitt’re Träne über Deine Wange komme,
und dass kein Schmerz Dich quäle,
nein, dies alles wünsche ich Dir nicht.
Sondern:
Dass dankbar Du allzeit bewahrst
die Erinnerung an gute Tage,
dass mutig Du gehst durch alle Prüfungen,
auch wenn das Kreuz auf Deinen Schultern lastet,
auch wenn das Licht der Hoffnung schwindet.
Was ich Dir wünsche:
Dass jede Gabe Gottes in Dir wachse,
dass Du einen Freund hast,
der Deiner Freundschaft wert ist.
Und dass in Freud und Leid
das Lächeln des Mensch gewordenen Gotteskindes
Dich begleiten möge.



Ein auf den ersten Blick doch seltsamer Wunsch aus Irland. Meinen Freunden wünsche ich, dass sie verschont bleiben von Leid, Schmerz und Tränen. Realistisch scheint das nicht zu sein. Was ist wenn? Was ist, wenn dich das Leid überfällt? Was ist, wenn aus irgendeinem Grund die Tränen kommen und du Schmerzen erleiden musst?
Es wird nicht so kommen, dass dein Jahr 2023 vom ersten bis zum letzten Tag voller Glück und Harmonie sein wird. Wenn sich dein Leben so fügt, dann überprüfe, ob du noch in deinem menschlichen Körper bist oder schon im Himmel! Vielleicht hast du den Übergang dann gar nicht wahrgenommen.
Wenn ich in Gedanken die vergangenen Jahre zurückblicke fällt mir für jedes Jahr wenigstens ein Ereignis ein, dass mich traurig gemacht hat. Warum sollte es 2023 anders sein für dich und mich?
"Lieber nicht daran denken!" höre ich dich sagen oder: "Augen zu und dadurch" wäre die Alternative.
Der irische Segen plädiert für Wünsche, die auch real werden können jenseits von Utopien, die sich nicht erfüllen lassen. Die Wünsche, die dort ausgedrückt werden sind handfest und spirituell zugleich.

1. Wunsch: Bewahre dankbar die Erinnerung an gute Tage.

Am Silvestertag macht es Sinn Rückblick zu halten. Was ist dir gelungen? Wo gab es erfüllende Begegnungen? Welche Erkenntnisse haben dich weitergebracht? Was möchtest du davon mitnehmen in das neue Jahr?
Entfalte in dir den Zustand von Dankbarkeit. Ich sage das nicht moralisch: "Sei dankbar!" sondern ich meine den Bewusstseinszustand von Dankbarkeit! Dafür setzt du dich hin und schließt die Augen. Dann besuchst du mit deiner Vorstellungskraft alle Menschen, die dir wichtig sind. Du nickst ihnen freundlich zu und begrüßt sie. Du erinnerst dich an deren gute Worte, Geschenke oder Zeichen.
Du wanderst durch deine Wohnung, bleibst an dem einen oder anderen Gegenstand hängen, der einmal ein Geschenk für dich war und verbindest dich mit der Schenkerin, dem Schenker. Du schaust in deinen Kühlschrank und bei deinen Vorräten und spürst die Sättigung in dir. Du gehst mit deinen inneren Bildern an deine Urlaubsorte und sammelst die Sonnenstrahlen wieder ein.
Du schickst die sorgenvollen Gedanken über das neue Jahr mit den Wolken fort und setzt deinen Erinnerungsweg der Dankbarkeit fort. Du kannst dich in das jüdische Dajenugebet einüben das da lautet: "Allein das wäre genug gewesen..." "Dajenu", "das Genügende" richtet den Blick auf das Einfache und Bescheidene. Du brauchst zum Leben nicht viel. Das "Wenige" ist schon "Fülle". Allein, dass du jeden Tag Brot essen konntest ist genug. Du hattest nicht nur Brot, sondern auch noch Wasser. Allein das Wasser für jeden Tag wäre genug gewesen. Du hattest nicht nur Wasser, sondern auch noch liebende Menschen um dich herum. Allein die liebenden Menschen wären genug gewesen...
Wenn du dich in den "Zustand des dankbaren Empfindens" versetzt, werden die Erinnerungen wieder frisch. Sie kommen wieder in dein Herz, in deinen Verstand und in deine Körperzellen.
"Bewahre dankbar die Erinnerung an gute Tage." Diesen Satz möchte ich für alle Mutigen noch erweitern. "Gib auch den Erinnerungen an schlechten Tagen Raum." Auch sie gehören zu deinem Leben dazu. Sie helfen dir vielleicht in deiner Weiterentwicklung. Hast du sie schon gut "durchgekaut"? Oft prägen sich diese Erfahrungen viel stärker in unser Gedächtnis ein.

2. Wunsch: Gehe mutig durch alle Prüfungen

Dieser Wunsch erinnert mich an die vielen Märchen wo es darum geht, ein Traumziel zu erreichen, einen Schatz zu erobern, eine Weisheit zu erlangen oder die große Liebe zu finden. Um etwas zu erreichen musst du dafür bestimmte Prüfungen bestehen. Bei den Umsetzungen entdeckst du deine Eigenschaften, die dich fördern und manchmal auch behindern. Und so manches mal stehst du dir selber im Weg. 
Du bist bequem, du bist anspruchsvoll, du bist gefangen in deiner Lebensgeschichte... der Prüfungsaufgaben gibt es viele. Und bei jeder begegnest du dir selber wie in einem Spiegel. Sich selber anzuschauen und zu begegnen erfordert viel Mut! Immer, wenn uns die "Fehler" der anderen auffallen, dann schauen wir eigentlich wie in einen Spiegel und sehen uns selbst. Nur sagen wir: "Das ist DER und nicht ICH!" 
Du mögest mutig durch alle Prüfungen gehen auch... Da gibt es diese "auch wenn". Im Märchen steht der Held vor einer Prüfung. Die muss er bestehen. Zuvor begegnet er dem "Auch wenn". "Auch wenn ich ängstlich bin!" "Auch wenn ich es nicht verstehe!" "Auch wenn es mir zu viel wird." Das "Auch wenn" kann zum Hindernis oder zur Hürde werden in der Umsetzung der Ziele. Du wirst erst gar nicht in die Prüfung hineingehen und schon vorher dich verweigern. Die Kinder in der Schule bekommen zum Beispiel Bauchschmerzen. Als Erwachsener bekommst du Migräne oder "Rücken". "...auch wenn das Kreuz auf deinen Schultern lastet". 
Die eigene Lebensgeschichte formt sich um zu einer Biographie von Hürden und Hindernissen. Deine Erlebnisse aus der Kindheit begleiten dich bei jeder Prüfung. "Das schaffst du nie!" haben vielleicht einmal deine Eltern zu dir gesagt. Dieser "Kreuzessatz" baut sich dann vor deiner nächsten Prüfung auf wie eine unüberwindliche Hürde. Irgendwann fängst du nicht einmal mehr an. 
Neben den "durchkreuzten Sätzen" kann der Mut noch kleiner werden, wenn das Licht der Hoffnung in dir schwindet. Wie willst du ohne Hoffnung den Weg in die Prüfung gehen. In dir braucht es das Denken der Möglichkeit, die Prüfung auch bestehen zu können. Erinnerst du dich daran wie deine Eltern dir sagten: "Ich weiß, du schaffst es! Ich weiß es ganz bestimmt!" Irgendwann bewegte sich in deinem Kopf ein Schalter und du konntest dich daran erinnern, dass das nicht deine erste Prüfung war, sondern, dass du schon einige vorher bestanden hattest. Deine neu aufkeimende Hoffnung ist nicht unbegründet. Einmal geschafft heißt: Ich schaffe es bestimmt noch einmal! So wünsche ich dir diesen Mut, kraftvoll in das neue Jahr auszuschreiten mit all deinen "auch wenn...." Gehe mutig durch alle Prüfungen!

3. Wunsch: Dass jede Gabe Gottes in dir wachse!

Hast du schon alle Gaben in dir entdeckt, die Gott dir geschenkt hat? Oft verstehen wir uns ja als "Lernende" lediglich im Kinder- und Jugendalter. Mit dem Ende der Ausbildung und des Studiums hört das "Gaben" entdecken für viele auf. Die Uhr bleibt stehen und das Leben besteht aus ständigen Wiederholungen des Gleichen. Wer traut sich noch mit 50 ganz jungfräulich ans Klavier?
Auf der anderen Seite: Wir Menschen sind neugierig! Wir sind so angelegt! Du siehst ein Sportgerät und probierst es aus. Du stellst fest, dass es genau wie für dich gemacht wurde. Du isst in einem Restaurant ein tolles Gericht, das dir himmlisch schmeckt und willst es unbedingt nachkochen. Dabei lernst du unbekannte Zubereitungsarten und erweiterst deinen Kochhorizont. 
Vor vier Jahren erfuhr ich einmal etwas von "Obertonsingen". Das hat mich so fasziniert, dass ich bei jeder Autofahrt mich in dieser Art des Singens versuchte bis sich der erste Oberton in mir bildete. Im Entdecken unserer Gaben spüren wir einfach, dass wir Menschen sind. Wie der schöpferische und erschaffende Gott sind auch wir Schöpferinnen und Schöpfer. Wir bauen mit an dieser Welt und erhalten dadurch die Bestätigung: Es ist gut, dass du dabei bist! 
Gaben wollen entdeckt werden! Sie möchten wachsen und reifen! Jeder Tag im neuen Jahr ist dabei ein Entdeckungstag und ein Wachstumstag! Richte deine Aufmerksamkeit einfach darauf!

4. Wunsch: Lebe die Freundschaft!

Manchmal geht mir ein Gedanke durch den Kopf. Wenn ich einem Freund, einer Freundin begegne denke ich: "Du weißt gar nicht, wie sehr ich dir wohlgesonnen bin!" Ich sollte meine Freundinnen und Freunde besser behandeln. Ich könnte schnell eine lange Liste der Defizite aufstellen. Ich lade nicht häufig genug ein. Ich schreibe nicht genügend Briefe. Ich rufe zu wenig an. Ich erkunde mich viel zu selten nach deren Wohlbefinden. Ich nehme die Freundschaften als viel zu selbstverständlich an. Ich bedanke mich zu wenig. Ich bitte zu wenig. Ich stelle viele Freundschaften auf eine lange Geduldsprobe. 
Bist du gut im Pflegen deiner Freundschaften? Herzlichen Glückwunsch! Du kannst mir da sicherlich so Einiges beibringen. Ich bin da nicht so gut drin! Aber in meinem Herzen bin ich mit allen Menschen verbunden, die mit mir bislang unterwegs waren. 
Wenn ich mich jetzt mit dir verbinde und dich anschaue, dann sage ich dir bekannter- und unbekannterweise: Du hast es verdient, einen Freund oder eine Freundin zu haben, die deiner Freundschaft wert ist - so wie es oben im irischen Segen ausgedrückt wird. Du bist wichtig! Du bist ein wertvoller Mensch! Ohne, dass du irgendetwas tust! Ohne, dass du irgendetwas besonders gut kannst! Ohne dein Geld! Ohne, dass du etwas verschenken könntest! Einfach, weil du bist! Und ich glaube, dass jeder einen Menschen braucht, der in diesem Sinne Freundschaft leben kann. Jemand, der nichts von dir will, sondern sich einfach freut, mit dir zu sein! 

5. Wunsch: Eine wohlwollende Begleitung!

Du wirst es nicht verhindern können, dass es in diesem Jahr Freud und Leid geben wird. Die Münze heißt "Leben" und jede Münze hat nun einmal zwei Seiten. Du wünschst dir viel von der einen Seite und möglichst wenig von der anderen. Einfacher machst du es dir, wenn du alles annimmst wie es kommt. Hilfreich ist es auch, nicht jetzt schon an das zu denken, was möglicherweise kommen könnte. Noch ist nichts eingetreten. 
Du kannst aber etwas dafür tun, wie du dich auf den Weg machst. Mit "wie" meine ich deine Gemütsverfassung. Du kannst innerlich jetzt schon besorgt sein, ängstlich, zweifelnd und fragend. Du kannst dich aber auch dafür entscheiden, noch einmal innerlich zur Krippe zu gehen, bevor du sie wieder abbaust und für ein Jahr in den Schrank verstaust. Du schaust auf das "Lächeln des Mensch gewordenen Gotteskindes." Was löst das in dir aus? Werden deine Schritte leichter, beschwingter? 
Eine bestimmte Art des Obertonsingens funktioniert so, dass du mit deiner Stimme einen gleichbleibenden Grundton erzeugst. Mit der Zunge und den Hohlräumen in deinem Mund baust du darauf die zweite Stimme mit den Obertönen auf. Wenn du aber den Grundton nicht mehr singst, verschwinden sofort die Obertöne. Dein Leben gleicht diesen Obertönen. Sie klingen himmlisch! Sie bewegen deine Seele! Aber... sie brauchen einen Grundton! Ohne diesen Grundton fällt dein Gesangsgebäude zusammen. "Das Lächeln des Mensch gewordenen Gotteskindes" kann so etwas wie ein Grundton sein. Im "Untergrund" ist er immer da und entfaltet seine Wirksamkeit. Er trägt dich, er begleitet dich und er gibt deinen Obertönen die Nahrung, die sie brauchen. 
So wünsche ich dir für dieses neue Jahr eine wohlwollende Begleitung in dir und im Lächeln aller Menschen, die dir wohlgesonnen sind!

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Sonntag, 1. Januar 2023

Irischer Segen für das neue Jahr 2021: Mehr Klarheit

 

"Möge Klarheit sich spiegeln auf dem Grunde deines Herzens. Rein sei deine Seele wie ein See in der Stille des Gebirges." Altirischer Segen

Mit welchen Gedanken und Gefühlen bist du in das neue Jahr hineingegangen? Kommt es dir auch so vor, als sei dein inneres Wasser getrübt mit vielen Gedanken von Einschränkungen, Mangel, Sorge, Ängste, Trennungen und Befürchtungen? Das vergangene Jahr war ja nicht so normal wie sonstige Jahre. Es gab keine Lebensbereiche, in die Corona nicht hineinreichte. 

Die Ereignisse machen etwas mit uns. Sie lassen uns nicht unberührt. Wie schön, wenn du zu den Menschen gehörst, die in Krisen eher gestärkt werden. Wenn du so stabil im Leben stehst, dass dich so leicht nichts ins Wanken bringt. Eine ganze Reihe meiner Freundinnen und Freunde konnten gut ihre Ressourcen abrufen. Ich habe aber auch viele Menschen gesehen oder begleitet, die ihre Mitte verloren haben. Die jetzt neben sich stehen oder nicht mehr so zugänglich sind. So, als ob das Herz angefüllt ist mit getrübtem Wasser. Ich finde das ganz verständlich. Nicht alle haben genug Widerstandskraft, mit den Widrigkeiten gelassen umgehen zu können.

Mir gefällt dieser irische Segen zu Beginn dieses Jahres. Zu mehr Klarheit kommen auf dem Grunde meines Herzens. Im letzten Jahr ist vieles unklar geworden oder verschwommen. Worauf kommt es in meinem Leben an. Was brauche ich mehr? Mehr Sicherheit oder mehr Freiraum? Wo bin ich zunehmend dünnhäutiger geworden? Und dann gibt es auch diese Erschöpfung. Immer aufpassen mit den Masken im Gesicht. Niemanden anstecken und nicht angesteckt werden. Vor allem nicht anecken und dafür sorgen, dass die Ängste nicht noch größer werden. Die vielen unterschiedlichen Stimmen, die viel wissen oder nichts wissen oder glauben zu wissen. Der Kopf wird immer voller und das Herz immer trüber. 

Menschen in den Familien fanatisieren und entzweien sich. Man darf sich nicht mehr treffen in größeren Gruppen und vielleicht ist es auch gut so. Nach wenigen Minuten sprechen alle über das Thema, über das man besser nicht mehr sprechen sollte. Schnell entstehen zwei Parteien. Die eine ist für etwas mit totaler Absolutheit und die andere ist dagegen mit ebensolcher Energie. "Möge Klarheit sich spiegeln auf dem Grunde deines Herzens." Mögest du deine eigene Mitte wiederfinden. Mögest du die Liebe wieder entfachen, die dich lebendig sein lässt. Mögest du wieder mehr verbinden als trennen können.

Wie wäre es, wenn die Seele die Reinheit wiederfinden könnte. Zwischen allen Gedanken, Ängsten und Zukunftssorgen mag es still werden. Erst still, damit sich die trüben Teile absenken können und dann warten, bis es klar wird. Damit es klar werden kann braucht es Stille. Das ist nicht leicht aber auch nicht unmöglich. Bei den lauten Pandemie Stimmen um uns herum werden die Stilleräume weniger. Das Internet dringt in jeden Winkel. Aber es gibt immer noch die Taste, die das Netz zum Schweigen bringt. Ich kann die Augen schließen und in mir das Bild vom stillen Bergsee entstehen lassen. Ich kann mich ans Ufer setzen und den See auf mich wirken lassen. Dieser See existiert in meinem Herzen. Wenn ich ein paar Augenblicke bei mir bleibe wird es stiller und stiller. Die Klarheit kommt dann, wenn sie kommt. Sie kommt, wenn die Erinnerung in mir aufsteigt, woher ich komme. Der Seelensatz taucht auf aus der Stille: "Ach, ich bin aus dem Göttlichen!" Ich spüre die Wirkung, die das Innewerden, das Erinnern auslöst. Das Herz atmet, wird weiter und berührt. Da ist sie, die Klarheit auf dem Grunde meines Herzens.

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