Freitag, 31. Juli 2015

Innehalten vor dem Panikaufbruch!


Vor ein paar Tagen hielt mein Zug planmäßig an einem kleinen Bahnhof. Dann kam die vertraute Durchsage: "Unsere Abfahrt verzögert sich leider noch um wenige Minuten. Wir müssen einen ICE vorbeifahren lassen."
Aus den wenigen Minuten wurde eine Viertelstunde. Ich richtete mich auf eine längere Verzögerung ein und packte meinen Laptop aus. Statt zu warten wollte ich die Zeit gut nutzen. Dann kam eine erneute Durchsage: "Auf dem Steckenabschnitt vor uns ist ein ICE in einen auf den Gleisen liegenden Baum hineingefahren. Unsere Abfahrt verzögert sich auf unbestimmte Zeit." Was war meine erste Reaktion? Kein Problem! Bis zu meinem Haus sind es zwanzig Minuten. Ich kann abgeholt werden. Ein kurzer Anruf genügt.
Die meisten Fahrgäste sprangen unmittelbar nach der Durchsage wie von der Tarantel gestochen auf und verließen fluchtartig den Zug mit dem Handy in der Hand. In wenigen Augenblicken waren Zug und Bahnsteig wie leergefegt. Ich brauchte noch ein paar Augenblicke, den Laptop wieder herunterzufahren.
Dann kam plötzlich die Zugbegleiterin in das Abteil: "Bleiben Sie sitzen! Es geht gleich weiter!" Unmittelbar auch die zentrale Durchsage: "Wir haben wieder freie Fahrt!" Für die flüchtenden Fahrgäste war es zu spät. Für mich nicht! Was lerne ich daraus?
Wenn es zu einer plötzlichen Überraschung kommt neigen wir Menschen zu Panikreaktionen. Unmittelbar und direkt möchten wir uns retten. Da kommen die tierischen Instinkte durch und wir haben das Gefühl, wir müssen sofort handeln. Aber müssen wir das wirklich? Es steht kein Löwe vor uns, der uns auffrisst. Es überfährt und gerade in diesem Augenblick kein Auto. Es besteht keine unmittelbare Todesgefahr. Aber unser Körper gibt diese Signale ab. Was tun stattdessen?
Einen Augenblick innehalten. Einen Atemzug nehmen und das ganz bewusst! Eine Verzögerung einbauen. Es geht darum, diesem Panikmoment für einen Augenblick zu widerstehen. Nach dem Atemzug öffnet sich quasi ein neues Tor. Es ist das Lösungstor! Nach dem Innehalten und dem bewussten Atemzug wirst du dir deiner Ressourcen und Möglichkeiten bewusst. Die waren nämlich für einen Moment ausgeschaltet.
Wenn du diesen Text jetzt liest, wirst du dich bei der nächsten Panik daran erinnern. Du gibst deinem Geist hier und jetzt den Impuls: Beim nächsten Mal innehalten und tief durchatmen. Zugleich fängst du schon jetzt an zu üben. Bei jeder Kleinigkeit wo du merkst, dass dein Puls hochgeht, hältst du inne und atmest. Du machst dir dein eigenes Angst- und Paniktrainingsprogramm. Dieses Programm beinhaltet nur einen Satz: "Innehalten und bewusst atmen!"
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Donnerstag, 30. Juli 2015

Sei authentisch!



Sei doch du selbst!
Niemand ist wie du!
Du bist einmalig!
Du brauchst dich nicht verstellen!

Du bist du!
Wie anstrengend, wenn du dich ständig anstrengst, jemand zu sein, der du nicht bist.
Du bist dann so, wie jemand anders dich will!
So, wie deine Mutter dich wollte!
So, wie dein Vater dich wollte!
Dann gibt es noch die Lehrer, Pfarrer, Nachbarn und Verwandte.
Auch Freunde! Seit doch mir zuliebe ein wenig anders!

Sei authentisch!
Sei echt!
Sei keine Fälschung von dir selbst!
Wenn du dich nur ein klein wenig verbiegst,
nur ein wenig,
nur manchmal,
nur in Ausnahmesituationen
nur wenn es wirklich nicht anders geht...

Dann komm aber schnell wieder zurück,
wenn du es nicht schaffst, immer authentisch zu sein.
Vielleicht schaffst du es heute mal für eine Stunde.
Und morgen vielleicht eine Stunde mehr?

Dann gehst du zu deinem Liebsten und sagst ihm:
Dieses rote Hemd schmeiße ich jetzt weg. Es tut meinen Augen weh!
Und du gehst zu deiner Liebsten und sagst ihr:
Deine Salatsauce werde ich nicht mehr essen. Sie schmeckt mir nicht!

Authentisch sein: Das hat durchaus seinen Preis!
Das hat Folgen!
Dazu musst du Ja sagen!
Wäre auf jeden Fall besser!

Oder du entscheidest dich für das rote Hemd und die Salatsauce.
Das gehört ja zu den Ausnahmen.
Salatsauce gibt es ja nicht jeden Tag und das rote Hemd liegt oft im Schrank.

Bleib trotzdem dran!
Werde authentisch!

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Mittwoch, 29. Juli 2015

Bäume springen nicht zur Seite.


Natürlich tun sie das nicht. Bäume springen nicht zur Seite. Diesen Spruch las ich vom Auto aus und fuhr auf einer niedersächsischen Landstraße mit vielen Bäumen. Der Hintergrund war wohl der, dass die Menschen vorsichtig fahren und nicht in einer Kurve vor dem Baum landen wegen überhöhter Geschwindigkeit.
Als ich an dem Schild vorbeifuhr war meine Aufmerksamkeit abgelenkt von der Straße. Ich war ja damit beschäftigt, das Schild zu lesen. Währenddessen musste ich zwischen all diesen Bäumen hindurchfahren, die jetzt nicht mehr meine volle Aufmerksamkeit hatten. Das wäre eine tragische Geschichte gewesen, nicht wahr? "Beim Lesen des Plakates mit der Aufschrift 'Bäume springen nicht zur Seite' fuhr ein Autofahrer vor einem Baum."
An der Autobahn befinden sich ja auch manchmal solche merkwürdige Verkehrszeichen. Vorsicht! Staugefahr! Wenn du da vorbeifährst gerätst du in Panik. Du trittst auf die Bremse und veranlasst, dass alle hinter dir auch auf die Bremse treten. Der Verkehr verlangsamt sich und es kommt zum Stau. Das Schild warnt also nicht davor, sondern provoziert es.
Aber ich komme noch einmal zu dem Baumspruch zurück. Das stimmt! Bäume springen nicht zur Seite! Wie gut! Ich stelle mir wandernde Bäume vor. Sie würden die Straßen blockieren und ständige Verkehrshindernisse sein wie die heiligen Kühe in Indien. Bäume stehen und haben eine Qualität, die mir Zuverlässigkeit verspricht. Sie spenden mir Schatten, sorgen für Sauerstoff, bringen Früchte und Nüsse hervor, bieten Vögeln und Insekten ein zu Hause und Nahrung. Ich freue mich über jedes Exemplar in meinem Garten und ich wünsche mir, dass sie da noch Jahrzehnte stehen.
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Dienstag, 28. Juli 2015

Vertrauen ist gut, Anwalt ist besser...


Den Spruch las ich auf einer Tasche. Ich hätte den Spruch eher umgekehrt gedacht. Anwalt ist gut, Vertrauen ist besser!
Den Anwalt brauchst du ja erst, wenn das Vertrauen zerstört ist. Wenn du die Konflikte im Leben im Vertrauen lösen kannst, ist doch alles in Ordnung! Wenn schon diese Reihenfolge auf der Tasche, dann lieber: Vertrauen ist gut, Anwalt wäre nur eine Notlösung.

Der ursprüngliche Spruch heißt ja: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Möchte der Anwalt die Aufgabe der Kontrolle übernehmen? Ist der Spruch so gemein? Also in dem Sinne wie: Wenn du vertraust, dann ist das sicherlich eine gute Entscheidung, aber wenn du mich als Anwalt einschaltest werde ich gut kontrollieren können, dass dein Vertrauen mit Sicherheit nicht enttäuscht wird.

Der Anwalt hat seine Bedeutung und seine Funktion. Einmal in meinem Leben hätte ich gut einen gebrauchen können. Aber im kirchlichen System haben Anwälte nicht so wirklich einen Platz. Da übernimmt der Bischof alle Funktionen: Er ist Richter, Verteidiger und Staatsanwalt in einer Person.

Ich glaube, dass es gut ist, im Leben immer wieder das Vertrauen zu wagen. Wenn du vertraust, dann gehst du in Verbindung mit dem Leben, mit den Menschen, mit den Dingen. Wenn du misstraust, dann bist du getrennt von allem. Wenn du verbunden bist, dann bekommst du Zuwendung und Liebe. Und darum und dafür leben wir ja eigentlich, oder?
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Montag, 27. Juli 2015

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. (Albert Einstein)


Probleme können durch eine bestimmte Denkweise entstehen. Der Verstand denkt im Rahmen von ihm bekannten Mustern. Er greift zurück auf schon gemachte Erfahrungen. Er kann sozusagen keine Wunder aus dem "Nichts" bewirken.
Stell dir einmal vor, du bist ein perfekter Mensch. Du bist verheiratet, hast Kinder und eine Arbeit. Du pflegst ein paar Hobbys und gehörst noch zwei Vereinen an. Alle diese Dinge machst du mit großer Leidenschaft. So nach und nach fordern alle diese Felder immer mehr Zeit und Aufmerksamkeit von dir. Und du gibst dich dem hin, weil du es ja gut machen möchtest. Deine Arbeit wird verantwortungsvoller, du bekommst einen Posten im Verein, du besuchst eine Weiterbildung für das eine oder andere Hobby. Dein Zeitrahmen wird enger und enger.
Irgendwann hockst du in der Falle und bedienst alle Felder zwar noch, aber irgendwie im Funktionsmodus. Du stellst fest: Die Freude wird geringer, die Müdigkeit wird größer. Von außen betrachtet bekommst du die Diagnose "Burnout"!
Wenn du darunter leidest, hast du ein Problem. Du möchtest heraus aus dieser Falle? Du möchtest etwas ändern? Wie denn! Du bist perfekt. Du möchtest allen Ansprüchen genügen. Alle Felder wollen bedient werden. Du hast ja schließlich dafür Verantwortung übernommen. Wie löst du dein Problem?
Du verzichtest auf alle eigenen Bedürfnisse?
Du verkürzt deine Nachtruhe?
Du verzichtest auf das Wochenende und den Urlaub?
Das hört sich alles nicht sehr attraktiv an, oder? Albert Einstein meint nun, dass du erst auf eine andere und erfolgreichere Spur kommst, wenn du deine Denkweise änderst. Wortwörtlich! Die Art und Weise, wie du denkst! Die Art und Weise, wie du bislang gedacht hast, ist verantwortlich für die Misere in die du geraten bist. Wenn du mit dieser Denkweise in deine Misere geraten bist, hast du also grundsätzlich irgendetwas nicht so optimal gedacht.
Du könntest zum Beispiel den Glaubenssatz in Frage stellen: "Sei perfekt!" Das ist nur ein Gedankenkonstrukt. Gehört er deinem Vater oder deiner Mutter oder beiden Eltern? Wer sagt, dass man bei allen Vereinen, Hobbys und sonstigen Dingen bis zum Ende des Lebens durchhalten muss?
Also verändern wir einmal die Denkweise!
Stell dir vor, dein Leben ist ein Sandkasten. Du bist ein kleines Kind und du darfst in diesem Sandkasten spielen mit deiner Schaufel und deiner Schüppe. Dann baust du dir eine Burg und musst deine Burg verteidigen gegen die anderen Kinder, die deinen Sand möchten für ihre Burg. Und schon bist du im Stress, wie im richtigen Leben. Halt stopp!
Es ist ein Sandkasten! Es handelt sich um ein Spiel! Du kannst den Sandkasten verlassen! Nebenan ist eine Wiese, ein Wald oder ein anderes Spielgerät. Du musst das Spiel nicht weiterspielen. Du kannst aussteigen und etwas anderes machen. Übertragen auf dein erwachsenes Leben mit der "Problemdenkweise" kannst du auch aussteigen. Es ist "nur" ein "Erwachsenenspiel" Du hast den Sandkasten vertauscht gegen etwas anderes. Du darfst natürlich gerne weiterspielen, denn du hast ja Verantwortung übernommen.
Aber im Sinne von Albert Einstein wäre es gut, wenn du für einen deutlichen Moment ein Stopp einrichtest. Geh einen Schritt zurück. Geh raus aus deinen Gedanken. Sei ganz da im Hier und Jetzt. Lass dich überraschen von woher da eine Lösung kommt. Sie wird nicht aus dem Denken kommen sondern wie aus einem anderen Raum. Manche nennen es Intuition oder Schöpfen aus dem Feld des Unbewussten. Ich wünsche dir diesen Zugang aus dem Raum der grenzenlosen Möglichkeiten!
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Sonntag, 26. Juli 2015

Sortier mal wieder deine Lebenssätze! ;-)


Folgenden Satz las ich in Celle an einer Häuserwand. Mir geht es gar nicht um den Inhalt sondern um die Wahrnehmung, dass die Buchstaben so aneinandergereiht waren, dass es zwischen den Wörtern keinen Abstand gab. Und so lautete der unverständliche Satz:

ACHGOTWIEGEHTESIMMERZUDASDIEMICHHASSEN
DENICHNICHTSHVENNOCHGEBENMVSSENGLEICHWOLLEIDENDASICHLEBE

Und so lautet er, nachdem ich ihn sortiert habe:

Ach Gott wie geht es immer zu,
dass die mich hassen, denen ich nichts tu,
dennoch geben müssen,
gleichwohl leiden dass ich lebe.


Manchmal gleicht unser Leben wie ein Haufen von Zeug. Alles ist wichtig und schafft ein Durcheinander im Kopf. Tausend Dinge wollen zugleich erledigt werden. Der Tag bräuchte dafür 36 Stunden statt 24. Irgendwann verlierst du den Überblick. Du kannst dein eigenes Leben nicht mehr lesen, wie der Spruch an der Häuserwand.
Du musst dir einen Coach suchen oder dein eigener Coach werden, der dir dabei hilft, dein Leben zu sortieren. Der Satz bekommt im Sortieren überschaubare Wörter. Die überschaubaren Wörter ergeben im Zusammenhang einen sinnvollen Satz. Dann kannst du dir den Satz anschauen und prüfen, ob du ihn verstehst und ob du ihn beherzigen willst.
Kannst du deinen eigenen Lebenssatz im Augenblick gut lesen? Hast du den Überblick? Oder musst du neue Prioritäten setzen? Dann wünsche ich dir viel Erfolg beim Sortieren deiner Buchstaben zu sinnvollen Wörtern und Sätzen.
Und so nebenbei zu dem frommen Spruch: So ganz versteh ich ihn nicht! Es geht wohl um eine Person, die von der Umgebung abgelehnt wird obwohl sie nichts getan hat. Ein echter Opferspruch! Bitte nicht beherzigen!

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Freitag, 24. Juli 2015

Auch jenseits der Urlaubstage: Leben mit voller Energie!


Die große Urlaubszeit wird irgendwann vorbei sein und der Alltag beginnt wieder. Konntest du die Zeit bislang gut für dich nutzen und hast aufgetankt? Merkst du jetzt den Unterschied von vorher und nachher? Fühlst du dich gesünder an, gibt es weniger Grübeleien oder spürst du die Auswirkungen eher seelisch? Wie nachhaltig waren die Urlaubstage für dich? Wie viele Kilometertage oder Wochen wirst du nun mit dem vollgeladenen inneren Tank fahren können?
Oder gehörst du zu den Menschen, die das nicht hinbekommen, im Urlaub aufzutanken. Es soll Menschen geben, die in der „schönsten Zeit“ des Jahres erst so richtig Stress bekommen. Die Konflikte in der Familie zeigen sich viel deutlicher als im Alltag wenn man jetzt mehr Zeit miteinander verbringt. Oder, da entsteht auf einmal ein Gefühl der Leere und der Sinnlosigkeit, wenn du nicht mehr arbeiten kannst. Du weißt nichts mit dir anzufangen und bist froh, wenn der schnöde Alltag wieder die zuverlässige Zeitgestaltung vorgibt. Mir klingt noch der Satz von meinem Vater in den Ohren: „Es wird Zeit, dass die Schule wieder beginnt. Nichts ist schlimmer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.“ Mein Vater konnte nie wirklich Urlaub machen während seines Arbeitslebens. In den freien Tagen wurde im Garten gearbeitet oder etwas am Haus renoviert. Vielleicht hat mein Vater den Urlaub aber auch gar nicht gebraucht, weil er mit der damit verbundenen „Philosophie des Ausspannens“ nichts anfangen konnte.
Ich komme noch einmal zurück zu meinen Eingangsfragen. Die „Ferienphilosophie vom Ausspannen“ setzt ja bestimmte Glaubenssätze voraus, die folgendermaßen aussehen. Du arbeitest das ganze Jahr und bist irgendwann müde, erschöpft und urlaubsreif. Dann nutzt du die freie Zeit, deinen leeren Akku aufzuladen und hoffst, dass es reicht bis zu deinem nächsten Urlaub. So „hangelst“ du dich von Ferien zu Ferien ein Leben lang und hoffst, bei einigermaßen zufrieden stellender Gesundheit dein Rentenalter zu erreichen. Im extremen Fall sieht ein solches Leben so aus, dass du nie wirklich lebst, sondern in der Vorbereitung für das Leben steckenbleibst. In der Arbeit erwartest du sehnsuchtsvoll die freie Zeit und bist nicht mehr mit der Arbeit verbunden. In der freien Zeit denkst du daran, dass du schon bald wieder arbeiten musst und kannst die freie Zeit nicht voll ausschöpfen. Im Rentenalter weißt du dann nichts mit dir anzufangen, weil du so an dein Schema und den Rhythmus „Arbeit und Urlaub“ gewohnt bist, dass du dich nicht mehr umstellen magst. Ein solches Lebensmodell finde ich nicht sehr erstrebenswert.
Zugleich kannst du nur wirklich gut leben mit einem gut gefüllten inneren Tank. Die Familientherapeutin Virginia Satir gebrauchte für ihre Klienten immer das Bild vom Energietopf. Gestresste Eltern fragte sie immer: „Wie voll ist dein Energietopf?“ Und wenn sie sagten, dass höchstens noch der Boden bedeckt ist, fragte Virginia weiter, wie sie mit so wenig Energie ihre Aufgaben meistern könnten.
Manchmal kommen Menschen zu mir in die Beratung, die die Freude im Leben verloren haben. Sie fühlen sich überfordert vom Beruf, den Ansprüchen in der Familie, finanziellen Sorgen und gesundheitlichen Problemen, dass es einfach zu viel geworden ist. Ein ganz wichtiger Schritt in der Begleitung wird dann für mich die „Ressourcenarbeit“. Was tut dir im Moment gut? Was brauchst du für dich? Was ist für dich Quelle deiner Freude? Nur mit Energie im Topf lassen sich Aufgaben bewältigen. Energie tanken ist also der erste und wichtigste Schritt vor allen anderen Aufgaben.
Zwei Ideen kommen mir in den Sinn. Die erste heißt: Neben der „Jahresurlaubstankstelle“ tanke täglich auf. Gönne dir Momente des Sitzens und des Nichtstuns. Gestalte zwischendurch Tage der Entspannung und des einfachen Daseins. Genieße es, mit deiner Familie bei einer Tasse Kaffee zu sitzen und die Natur zu betrachten. Fühle deine Dankbarkeit für die vielen kleinen Dinge des Alltags.
Die zweite Idee heißt: Ändere deine Grundeinstellung! Bei meinem Yoga- und Workcamp in Italien hieß die Devise: „Arbeiten ist spielen!“ Wir arbeiten nicht, sondern wir spielen. Kinder spielen zum Beispiel Vater, Mutter, Kind. Familie „spielen“ fühlt sich leichter und erlöster an als „Arbeit an den familiären Strukturen“. Verbinde dich innerlich mit deiner Arbeit und geh in die Leichtigkeit. Sieh die schöpferischen und freudigen Aspekte. So fühlst du dich am Ende des Tages nicht mehr erholungsbedürftig. Du hast ja lediglich gespielt.
Die ersten Menschen im Paradies bestellten ihren Garten Eden und waren mit ihrer Handarbeit glücklich und zufrieden. Nach dem „Sündenfall“ empfanden sie die gleiche Tätigkeit als Mühsal und Plackerei. Interessant, nicht wahr? Du tust das Gleiche und empfindest es je nach innerem Seinszustand paradiesisch oder höllisch. Der „Sündenfall“ war ein „Absonderungsfall“, ein sich loslösen von der göttlichen Quelle. Wenn du dich mit der göttlichen Quelle verbindest bekommt dein Energietopf einen nie versiegenden Zugang. Du kannst also deinen Energietopf immer wieder mühsam anfüllen einmal im Jahr über den Urlaub oder du verbindest dich kontinuierlich mit der Quelle. Darin liegt wohl das Geheimnis der Heiligen, dass sie um dieses Geheimnis wussten, direkt aus der Quelle zu schöpfen.

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Donnerstag, 23. Juli 2015

Hetz dich nicht ab!


Das wünschen sich viele Menschen vor allem am Wochenende nach einer anstrengenden und nervenaufreibenden Woche.  Zeit und Ruhe, in sich gehen, mal ein gutes Buch lesen, gemütlich beim Kerzenlicht sitzen, ein gutes Gespräch mit einem lieben Freund, ein besinnliches Konzert besuchen und die Seele baumeln lassen.
Das ist jedoch die Realität am Wochenende: Nachholen, was liegen geblieben ist; den Großeinkauf machen; Verwandte besuchen; den Garten bearbeiten und vieles mehr. Eigentlich wie immer: ein voller Terminkalender.

Ein ägyptisches Wort sagt: Wer sich abhetzt, wird nie Vollkommenheit erlangen. Dazu gehören Ruhe und Stille.

Die meisten Menschen werden es nicht verhindern können, den einen oder anderen auch schönen Termin zusätzlich zu haben. Aber du kannst alle Dinge etwas gelassener angehen und entgegennehmen. Du lässt dich in deiner Arbeit nicht antreiben vom inneren Unruhestifter. Du nimmst dir vor, vollkommener zu werden in einer ganz speziellen Weise. Vollkommener zu sein in deiner Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die du nicht ändern kannst. Vollkommener zu werden, barmherzig mit deiner Unfähigkeit umzugehen, deine Termine gut zu koordinieren. Vollkommener zu werden, all deine Unzulänglichkeiten zu akzeptieren und dabei der glücklichste Mensch der Welt zu sein. Ich wünsche dir einen gesegneten Tag.

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Mittwoch, 22. Juli 2015

Wer mit dem Leben spielt, kommt nie zurecht. Wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer ein Knecht. (Goethe)

Im Urlaub war ich in der Lüneburger Heide. Auf vielen alten Fachwerkhäusern kann man Inschriften lesen. Meistens sind es fromme Sprüche wie: "Wer Gott vertraut, hat auf keinen Sand gebaut." So drückten die Menschen früher wohl ihr Lebensmotto aus. Sieh da, in diesem Haus wohnen fromme und anständige Leute. Es war interessant, diese verschiedenen Sprüche zu lesen.
In Celle fand ich ein Haus, da blieb ich vor dem Spruch stehen. "Wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer ein Knecht." Erst beim Recherchieren fan dich heraus, dass dieser Vers von Goethe stammt.
Die üblichen Sätze hatten eher etwas demütiges und unterwürfiges. Aber dieser Spruch hat es in sich!

Zwei Gedanken bringt Goethe hier zusammen. Spiel nicht mit dem Leben, sondern gestalte es. Renne nicht in irgendetwas einfach so hinein. Es geht nicht darum, im Leben zu spielen. Das ist heilsam und wichtig. Es geht darum, nicht "mit" dem Leben zu spielen. Du musst dich damit beschäftigen, wie das Leben so abläuft. Es folgt bestimmten Gesetzen. Die musst du kennen, damit du zurecht kommst. Du kannst nicht nur nehmen, du musst auch geben. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Sei freundlich zu den Menschen, dann sind sie es auch zu dir. Verschaffe dir einen Überblick, bevor du ins Detail gehst. Vertraue der Liebe!
Im ersten Schritt geht es also darum, sich mit den Grundsätzen des Lebens vertraut zu machen. Aha, so funktionieren die Dinge in dieser Welt! Dann kommt der zweite Schritt. Werde dir bewusst, wer du bist! Bist du Freier oder bist du ein Knecht. Knechte gehorchen fremden Befehlen. Ein Freier gehorcht sich selbst. Du musst ein Bewusstsein dafür entwickeln, dir selbst zu befehlen. Du entscheidest über dein Leben und niemand sonst!
Ist das so? In deinem Leben? Wessen Knecht bist du, wenn du ehrlich hinschaust. Im Straßenverkehr, als Staatsbürger, als Familienmitglied, als Mitglied von einem Verein oder einer Gruppe. Hast du immer das Bewusstsein dafür, dass du ein Freier bist oder wann bist du ein Knecht? Wir glauben ja, dass die Menschen im Mittelalter da eher und öfter Knechte waren als heute. Wir kommen uns ja so unglaublich frei vor. Wie frei sind wir vom Handy, vom PC, vom Auto, vom Geld, vom Urlaub...? Die Namen der Herren haben sich verändert, aber nicht der grundsätzliche Zustand.
Wie kommst du jedoch dahin, weniger Knecht und mehr Freier zu werden. Das Rezept von Goethe lautet: Lerne, dir selbst zu befehlen. Lerne die Gesetze des Lebens kennen und gehe bewusst mit ihnen um. Überprüfe stets bei dir selbst, wenn dich eine Aufgabe oder irgendein Wunsch anfällt: "Will ich das?" "WILL ich das?" "Will ICH das?" "Will ich DAS?" Es geht also um drei Aspekte: Um den "Willen", das wirkliche und kräftige Wollen. Es geht darum, wer dieses "Ich" ist und es geht um das "was"! So lade ich dich ein, einmal einen Tag damit unterwegs zu sein. Immer, wenn du etwas machen sollst stellst du dir die Frage: "Will ICH Das?"
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Dienstag, 21. Juli 2015

Vielleicht? Viel-leicht!


Das Wort "vielleicht" verwenden wir wir ja in der Regel im Sinne von "möglicherweise". "Also, ich weiß noch nicht, ob ich morgen Zeit habe. Vielleicht komme ich, vielleicht aber auch nicht."
Wenn wir genauer auf das Wort schauen, dann steckt etwas ganz anderes dahinter. Ich höre das Wort "viel" und "leicht". Wir könnten es also auch verstehen als "Viel Leichtes".
Es fällt uns ja manchmal schwer, Entscheidungen zu treffen. Ich muss mich festlegen. Ich habe doch so viele Alternativen. Weiß ich, ob ich morgen noch das will, was ich heute möchte? "Vielleicht" ist ja morgen meine Stimmung eine ganz andere. "Vielleicht" habe ich noch nicht alles bedacht. "Vielleicht" entscheide ich mich ja falsch und hinterher bereue ich es. In diesem Sinne steckt da viel Schwanken in dem "Vielleicht". Es macht das Wort eher schwer und könnte auch heißen "Vielschwer". Entscheidungen können also "Vielschwer" fallen oder "Vielleicht". Die Alternative hieße also. Die Entscheidung zu fällen ist mir ganz "viel leicht"! Es fühlt sich gut und richtig an! Morgen werde ich mich "vielleicht" mit dir dir treffen! Es ist ganz leicht, sich mit dir zu treffen, da liegt ganz viel Leichtigkeit drin.
Merkwürdig, dass die vielen Entscheidungen, die uns so schwer fallen, sich mit "Viel-leicht-igkeit" tarnen, nicht wahr? Ich wünsche dir auf jeden Fall bei allen Entscheidungen eine gute Portion Leichtigkeit!
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Montag, 20. Juli 2015

Alles in Ordnung?


An der Kasse des Supermarktes fragte mich heute die Kassiererin: "War alles in Ordnung?" Ich schaute Sie an und fragte zurück: "Wie meinen Sie das?" Sie verstand wohl nicht, was ich meinte. Sie war es nicht gewohnt, dass Kunden tatsächlich auf solche Fragen reagieren. Dann erläuterte ich weiter: "Als ich durch den Supermarkt ging schien mir noch alles in Ordnung. Niemand ist gestorben, keiner wurde überfallen und einen Diebstahl habe ich auch nicht bemerkt." Die Kassiererin schaute mich an, als ob ich sie auf den Arm nehmen würde. "Ich meinte doch nur, ob Sie alles gefunden haben." Aha, noch eine Möglichkeit, eine tiefere Frage zu stellen. Ich hätte sagen können, woher sie denn wüsste, dass ich etwas gesucht habe.
Ich hatte nämlich gar nichts gesucht. Ich kenne mich in dem Laden gut aus. Ich weiß, wo das Obst und Gemüse steht, finde meine Wurstsorte in dem gut sortieren Regal, schiebe meinen Einkaufswagen in rasender Geschwindigkeit an den Kühlregalen vorbei. Hand links ausgestreckt zum Joghurt, Hand rechts ausgestreckt zum Käse! Ich liebe es, nicht suchen zu müssen, sondern einfach zu wissen, wo die Dinge sind. Wenn ein Supermarkt die Waren umstellt, bin ich verloren. Ich bin konfus, verwirrt und brauche ewig, bis ich mich wieder zurecht finde. Für mich müsste der Supermarkt nicht umstellen, ich kaufe eh die gleichen Produkte. Ich lass mich nicht verführen! Wenn der Supermarkt umgestellt hätte und die Kassiererin an der Kasse mich gefragt hätte, dann hätte ich klar gesagt: "Nichts war in Ordnung! Alles ist durcheinander! Räumen Sie mal schön alles zurück!"
"War alles in Ordnung?" fragte sie. "War!" Ich frage mich, warum sie nicht in der Gegenwart fragt: "Ist alles in Ordnung!" Wieso "War"? Da hätte ich auch sagen können: "Ja stimmt, es war alles in Ordnung bis Sie mich gefragt haben. Jetzt ist nichts mehr in Ordnung. Ihre Frage bringt mich ganz aus dem Konzept!"
Es ist nämlich so, dass ich die Waren nach dem Einscannen schnell in den Korb einsortiere. Die schweren Dinge unten, die zerbrechlichen oben. Da muss ich mich konzentrieren und kann nicht gleichzeitig philosophische Fragen von Filialangestellten beantworten. Warum fragt sie nicht sinnvollere Fragen wie: "Sind Sie mit unseren Produkten zufrieden?" "Wünschen Sie sich vielleicht andere Apfelsorten?" "Führen wir zu wenig oder zu viele Wurstwaren?" Stattdessen fragt sie mich nach der Kundenkarte. Ganz vorsichtig! Hoffentlich stellt dieser Kunde nicht wieder so eine bescheuerte Frage.
Meiner Einkaufsbegleitung sind diese Dialoge an der Kasse peinlich. Ich kann es nicht lassen. Ich weiß, die Frau an der Kasse macht nur ihre Arbeit. Ihr Chef will, dass sie diese Fragen stellt. Ich sollte also den Chef ansprechen und die Kassiererin in Ruhe ihre Arbeit machen lassen. In Ordnung!
Dabei stelle ich fest, dass wirklich alles heute seine Ordnung hatte. Genug Geld im Portemonnaie. Die Waren sind frisch. Alles passt in meinem Korb. Ich habe gut sortiert.
Und wenn nichts in Ordnung wäre? Wenn alles in Unordnung wäre? Wäre das schlimm? Warum möchten wir denn alles immer in Ordnung haben? Das Gegenteil wäre Chaos. Chaos ist auch wichtig! Da kommt etwas in Bewegung! Die Gehirnzellen finden neue Verbindungen. Du bekommst neue Ideen! Alles ist in Ordnung wenn mal alles in Unordnung ist. Zu viel Ordnung ist tödlich!
Zu hause angekommen werfe ich die Waren lässig in Schubladen und Schränke. Da liegen sie nun unordentlich zwischen den gut sortieren Dosen, Packungen und Flaschen. Alles in schöner Unordnung!
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Sonntag, 19. Juli 2015

Die Kunst, Lakritzschnecken zu vermehren



Du sitzt im Eiscafé und bestellst dir ein Eis. Allein die Vorstellung erfüllt dein Herz und deine Seele. Du freust dich und das Wasser läuft dir im Munde zusammen. Du siehst das Bild auf der Eiskarte und weißt, gleich ist es so weit. Die nette Kellnerin bringt dir dein Eis in einem tollen Becher, wunderbar dekoriert mit einer Waffel, köstlicher Sauce und einem langen Löffel.
Dann steht das Eis vor dir und du nimmst den Löffel in die Hand. Du entscheidest dich für eine ganz bestimmte Stelle deines Bechers. Du nimmst so viel, wie du nehmen möchtest und führst den Löffel zum Mund. Du weißt, was geschieht, sobald deine Zunge in Kontakt kommt mit diesem ersten Löffel Eis. Dein ganzer Körper reagiert. Er explodiert förmlich! Du schüttelst dich vor Freude. Köstlich! Einfach köstlich! Du wanderst schlemmend durch deinen Becher und entdeckst die verschiedenen Nuancen und Kompositionen von Geschmäckern. Köstlich! Immer wieder!
Du arbeitest dich zum Boden des Bechers durch und dir geht ein Gedanke durch den Kopf. Gleich ist es vorbei. Gleich ist der Becher leer. Schade! Aber jetzt darf ich noch genießen! Noch sind ein paar Löffel Eis vorhanden. Dann kommt der Zeitpunkt des letzten Löffels und du musst dich verabschieden. Aus und vorbei! Vielleicht freust du dich auf das nächste Eis. Leider musst du ein Eis zügig essen, sonst ist es kein Eis mehr. Eis essen folgt einem eigenen Gesetz.
Warum erzähle ich dir diese Geschichte und mache deinen Mund wässrig? Ich komme jetzt zum nächsten Schritt. Stell dir vor, du könntest das Eisessen irgendwie ausdehnen, verlängern. Die Augenblicke des Genießens strecken! Aber dein Eis sagt dir deutlich. Diese Menge ist da. Mehr nicht und dann aus und vorbei.
Lässt sich Vergnügen dehnen oder vermehren. Steckt in uns allen ein kleiner Brotvermehrer wie bei jesus in der Wüste? Klar! Auf jeden Fall! Vor ein paar Tagen hörte ich ein Interview im Radio. Da ging es bei einer Kindersendung darum, welche Süßigkeiten sie mögen und welche nicht. Wie kann man als Kind lernen, dass Paprika toll ist? Welche Strategien entwickeln Kinder sich bestimmten Nahrungsmitteln zu nähern. War interessant.
Ich wurde hellhörig, als ein Mädchen erzählte, wie es mit Lakritzschnecken umging. Das katapultierte mich sofort zurück in meine Kindheit. Es ging dem Mädchen darum, möglichst viel von diesem Genuss zu haben. Wie sprengt man die Grenzen, wie dehnt man das Vergnügen aus? Wie erreicht man sozusagen eine wunderbare Lakritzschneckenvermehrung?
Das Mädchen erzählte, dass es die Schnecke erst einmal abrolle. Dann würde die Schnecke der Länge nach geteilt und so ergäben sich automatisch schon mal zwei. Eine Schnecke misst der Länge nach ca. 60 cm. Eine zweigeteilte Schnecke bringt es dann auf 1,20 Meter.
Im ersten Schritt verdoppelst durch die Schnecke durch Teilen. Dann dehnst du langsam den Lakritz auf 2,40 Meter. Anschließend beißt du ab und kaust so lange auf diesem Stück, bis du allen Geschmack ausgepresst hast. Der Rest der Schnecke kommt zurück in die Tüte. Du wartest ein paar Minuten und achtest auf dein Verlangen. Du hast Vergnügen an diesem Verlangen und erst dann, wenn du es nicht mehr aushältst, beißt du wieder ein Stück Schnecke ab. So machst du aus einem eigentlich kurzen Vergnügen ein Spiel der Fülle.
Die Schnecke selbst gibt ja schon das Thema vor. Du folgst ihrem Gesetz. Du verlangsamst. Du dehnst aus! Du vermehrst natürlich nicht das Gewicht einer Lakritzschnecke, aber du machst dennoch mehr daraus.
Das Mädchen erinnerte mich an Salmiakpastillen. Als Kinder haben wir sie zusammengefügt zu einem Stern und auf die Hand geklebt. Sah toll aus! Dann konnten wir daran schlecken und behielten den Geschmack im Mund und hatten etwas davon für  eine lange Zeit.
Und das ist aus diesen Gedanken abgeleitet mein Wunsch für die Urlaubszeit. Das Tempo herausnehmen! Dehnen und genießen! Die Bilder im amerikanischen Spielfilm laufen mir zu schnell. Manche Familien streiten sich in einem Tempo, dass ich nicht folgen kann. Wer hat da gerade was gesagt? Wer macht was wann dann? In der Beratung hänge ich noch ganz zuhörend bei dem traurigen Sohn, da springen die Eltern schon zum nächsten Thema. Halt Stopp, ich komme nicht mehr mit!
Das Internet wird schneller. Ich kann überall und zu jeder Zeit surfen, chatten, telefonieren, simsen und mailen. Zeitgleich arbeite ich einen Vortrag aus. Und am Ende weiß ich nicht mehr wo ich bin und vor allem wer ich bin. Wer ist diese Person, die da gerade sitzt und im ICE Tempo durch das Leben rast?
Dann halte ich diese Schnecke in der Hand und rieche Lakritz. Ich löse vorsichtig ein Ende und rolle langsam ab. Ich passe auf, den Doppelfaden dabei nicht zu zerstören. Die Schnecke löst sich auf und verwandelt sich in eine lange Kordel. Ich erinnere mich an Charly Chaplin, der in einem Spielfilm als armer Held ein Schuhband aß. Ich habe mal gelesen, dass dieser Schnürsenkel aus Lakritz bestand.
Im Abwickeln der Schnecke sehe ich meinen eigenen Lebensfaden. Das, was sich da so zusammenstaucht, bekommt auf einmal Raum und weitet sich aus. Ich sehe Abschnitt für Abschnitt. Da gibt es die Abrisse im Leben. Das, was nicht so glatt war. Ich rolle weiter und komme zum Zentrum und ... es löst sich auf. Ja, alles im Leben löst sich auf. Die Blume in der Vase wird irgendwann zu Humus. Aus meinem Eis bekomme ich Energie für die nächsten Augenblicke.
Jetzt beginne ich zu teilen. Wie schön, Zeit zu haben und sich mitzuteilen. Dass es zwei Hälften gibt! Eine für mich und eine für dich! Es reicht für mich und es reicht für viele. Ich kann eine wunderbare Schneckenvermehrung initiieren. Für wie viele Menschen würde eine Schnecke reichen? Ich tippe mal auf 200!
Ich werde immer langsamer und überlege, welchen Menschen ich ein Stück Schnecke schenken könnte. Es fallen mir viele ein und ich muss mein Stück Lakritz dehnen. Ich mache es langsam, im Tempo der Schnecke.
Zugleich stelle ich fest: Das bin ja gar nicht ich! Ich bin keine Schnecke! Ich bin schnell! Ich bin superschnell! Ich bin ein Wusel! Ich lebe auf der Überholspur. Entschleunigen bedeutet für mich harte Arbeit. Das mit dem Lakritz dehnen ist wohl eher was für Kinder.
Und dennoch! Ich komme immer wieder zurück zur Schnecke. Ich meditiere. Ich sitze auf meinem Stuhl in der Sonne und mache...nichts. Ich schaue den Vögeln zu und wenn keine da sind den Bäumen. Und wenn keine Bäume da sind nehme ich wahr, wie ich einfach ein Sehender und Hörender bin und  beobachte mich, ob ich da bin. 
Wenn ich mit dem Leben rausche dann bleibt dafür keine Zeit. da besteht eine große Gefahr. Ich verliere mich! Ich bleibe auf der Strecke bei dem Vielen, was da ist. An Eindrücken, Bildern, Gesprächen, Aufgaben, Menschen, Dingen, Terminen...
Ich lese im Markusevangelium (6,31): Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Wahrscheinlich kannte Jesus das Geheimnis der Lakritzschnecke. Einen Schritt zurücktreten, eine Außenposition einnehmen, das Tempo verlangsamen, etwas scheinbar völlig Unproduktives und Sinnloses tun. Pause vom Heilen, Wunder wirken und predigen.
Lakritzschnecken im übertragenen Sinne zu dehnen ist eine wirkliche Kunst. Die Urlaubszeit lädt dich ein, dich in dieser Kunst zu üben. Mach es mit Freude und mit Neugier. Wie geduldig und behutsam kannst du die Schnecke ausdehnen? Wie lange kannst du dich mit ihr beschäftigen ohne dass etwas Neues kommen muss? Im Vorgang des Dehnens könnte etwas in deinem Inneren geschehen. Virtuell schenke ich dir eine Lakritzschnecke oder fünf Salmiakpastillen und wünsche dir, dass Körper, Geist und Seele sich erholen. Wenn du dir weggelaufen bist, dann gib dir Zeit, dass du dich wieder einholen kannst damit es zum „Erholen“ kommt! Eine freundliche Zeit mit dir!

Freitag, 17. Juli 2015

Die Kunst, nach dem Zubeißen wieder loslassen zu können


Manchmal beißt du dich fest! Du verfolgst eine Idee, die du unbedingt umsetzen möchtest. Die Idee lässt dich nicht los oder du möchtest die Idee nicht loslassen.
Du hast einen Arbeitskollegen, den du als völlig ungerecht oder inkompetent empfindest. Du verstehst ihn nicht. Immer wieder neu versuchst du, ihn zu verstehen. Und du möchtest, dass er sein Verhalten dir gegenüber verändert. Du findest es unerträglich. Du fragst dich, wie ein Mensch so sein kann!
Du hast eine Mutter, die dich ständig anruft. Sie lässt dich nicht in Ruhe. Du kannst ihr tausend Mal sagen, dass sie nur zu bestimmten Zeiten anrufen soll, aber sie macht es nicht. Du sagst es ihr aber immer wieder. Und du beschwerst dich bei dem Rest deiner Familie, deinen Freunden und bei den Arbeitskollegen über diese schreckliche Mutter, die dich nicht in Ruhe lässt.
Du verbeißt dich in die Vorstellung, irgendetwas müsst doch jetzt so und nicht anders sein. Der Bruder soll sich benehmen wie ein Familienmitglied, der trinkende Teil soll aufhören mit dem Alkohol, der Missionar möchte Erfolge sehen im Zugewinn von vielen Schafen.
Kennst du Menschen, die so verbissen sind, dass sie den Zeitpunkt nicht mehr kennen, wo sie aufhören sollten. Sie hauen sich lieber den Kopf noch einmal blutig. Da muss doch eine Tür sein! Es ist zwar keine da, aber da muss trotzdem eine sein. Der Gaul ist tot, aber du reitest weiter. Der Gaul war ja noch nicht so alt, der war doch nur krank, der hat nur nicht genug Wasser gehabt. Aber du möchtest nicht vom Gaul absteigen. Vielleicht ist ja noch ein Hauch Leben drin.
Es ist eben nicht leicht, wenn du einmal Zeit, Geld und Liebe in etwas hineingesteckt hast, dieses wieder loszulassen. Manche Hunde lassen einfach nicht los. Sie können es nicht. Wer loslässt, verliert! Verlieren möchte niemand! Also beiße ich so lange, bis das Stück mir gehört! Bis ich es habe, egal was es kostet! Von meinem Freund erwarte ich, dass er dieses oder jenes macht. Sonst ist er kein Freund. Wenn ich aber schon so verbissen erwarte habe ich die Freundschaft schon lange verloren.
Habe den Mut, loszulassen. Schau, was dann geschieht. Du wirst es nicht im Vorhinein wissen. Übe dich ein in diese Kunst, nach dem Zubeißen wieder loslassen zu können. Vielleicht finden deine Zähne ein lohnenderes Ziel!
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Donnerstag, 16. Juli 2015

Da geht doch noch was!

                                                                                              
Das Kind bekommt ein schlechtes Zeugnis und wird nicht versetzt in die nächste Klasse. Da kann man nichts machen!
Das Paar hat sich heillos zerstritten und reicht die Scheidung ein. Da kann man nichts machen.
Der Kranke liegt im Sterben und der Tod wartet vor der Tür. Da kann man nichts machen.

Klingt wie Resignation, nicht wahr. Manchmal müssen wir uns dem "Schicksal" ergeben. Das Kind hat sich alle Mühe gegeben und dennoch die erforderlichen Noten nicht geschafft. Das Ehepaar war sogar in einer Beratung und der Kranke hat lange gekämpft. Da kann man nichts machen. Es mag sein, dass das Kind nicht versetzt wird, das Paar sich trennt und der Kranke stirbt. In jeder Situation "kann man dann dennoch etwas machen".
Das Kind kann daraus eine Lektion für die Zukunft lernen und andere Wege gehen. Das Paar findet in der Krise vielleicht einen neuen Anfang. Der Kranke kann noch vor dem Tod seinen Angehörigen seine Liebe zeigen.
Die Situationen können wir manchmal nicht verändern, aber unsere innere Einstellungen. Jedes Ereignis, das uns herausfordert, gibt uns die Gelegenheit zum inneren Wachsen.

Du kannst dein Leben bejahen mit allen Facetten. Es gibt nichts zu tun.
Du kannst Ja sagen auch  zu deinen Fehlern. Dann gibt es nichts zu tun.
Du kannst dich mit dir selber aussöhnen. Dann gibt es nichts zu tun.

Da kann man nichts machen - Resignation.
Es gibt nichts zu tun - einfach im Sein sein!

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Mittwoch, 15. Juli 2015

Auf der Suche nach dem Geheimnis, wie Leben gelingt



Kennst du das Geheimnis des Lebens? Stelle ich jemanden diese Frage erlebe ich es häufig, dass derjenige oder diejenige sich aufrichtet, die Augen weit öffnet und sehnsüchtig das Geheimnis von mir erfahren möchte. Möchtest du das Geheimnis des Lebens kennenlernen oder kennst du es schon? Folgendes habe ich im Sommer erlebt.
Ich war im Milton Erickson Institut in Heidelberg und habe bei dem amerikanischen Psychotherapeuten Fred Gallo die Grundlagen der energetischen Psychotherapie gelernt. Das funktioniert im Prinzip so, dass alle Gefühle und Emotionen sich in unseren Meridianen wiederspiegeln. So wie die Akupunktur z.B. bei Schmerzen wirkt, kann man an bestimmten Stellen den Körper beklopfen, und der emotionale Stress reduziert sich. Das kann besonders heilsam sein bei Angstzuständen und Sorgen. Wer Lust hat, etwas mehr dazu zu erfahren, ist am 8. November herzlich eingeladen.  Ich schweife ab und komme jetzt wieder zum Geheimnis des Lebens. Kurz vor Ende der Ausbildung stellte uns Fred diese Frage: Do you know the secret of life? Wir schauten ihn alle mit großen und erwartungsvollen Augen an. Doch er lüftete das Geheimnis nicht, sondern bat zwei TeilnehmerInnen um Mithilfe. Sie sollten ein kleines Rollenspiel machen. Eine ist Therapeutin und die Andere ist die schlimmste Klientin, die man sich vorstellen kann. Wir sollten bei unserer therapeutischen Arbeit unterstützt werden bei Klienten, denen kaum zu helfen ist. Also saßen sich Therapeutin und Klientin im Gespräch gegenüber.
Klientin: Was Sie mir gesagt haben, hat überhaupt nicht geholfen, mir geht es so schlecht wie immer. Eigentlich geht es mir jetzt noch schlechter.
Therapeutin: Ach, das ist aber schade, erzählen Sie doch mal von letzter Woche.
Klientin: Ach, da gibt es nichts zu erzählen, es war einfach nur schlimm. (Klientin hängt im Stuhl und muss fast gestützt werden.)
Fred Gallo macht jetzt bei der Therapeutin den Muskeltest. Dazu streckt die T. den Arm aus und Fred drückt den Arm nach unten. Noch ist die Therapeutin stark und sie kann dagegen halten. Fred drückt den Arm der Klientin nach unten und die Klientin lässt den Arm sinken. Therapeutin und Klientin reden weiter miteinander, sofern man das als Gespräch bezeichnen kann. Nach ungefähr zwei Minuten testet Fred Gallo erneut die Therapeutin und was geschieht? Die Therapeutin hat keine Energie mehr und der Arm sinkt, bei der Klientin auch. Eine depressive Klientin kann einen Therapeuten also völlig aus der Energie bringen.
Jetzt fragt Fred Gallo die Therapeutin und uns nach dem Geheimnis des Lebens. Er verlässt mit ihr den Raum und kommt nach zwei Minuten wieder. Die Therapie setzt sich fort mit einer unveränderten Klientin, die ständig jammert und einer Therapeutin, die sich scheinbar vergeblich abmüht. Fred Gallo testet wieder den Arm der Therapeutin und der Arm reagiert stark, ihr geht es gut. Die Klientin reagiert schwach, ihr geht es schlecht. Wieder einen kurzen Zeitraum später geschieht ein Wunder. Im Gespräch hat sich nichts verändert, aber plötzlich reagiert die Klientin auf den Armtest hin stark. D.h. der Klientin geht es besser. Warum geht es ihr auf einmal besser? Die Lösung ist denkbar einfach: die Therapeuten kennt das Geheimnis des Lebens!
Habe ich dich jetzt neugierig gemacht? Jedes Mal, wenn ich die Frage stelle, überlege ich, ob ich die Antwort verraten soll. Ich werde dich jetzt vielleicht enttäuschen. Jetzt in diesem Augenblick werde ich das Geheimnis nicht lüften. Aber so viel schon jetzt: du musst die Antwort gar nicht wissen. Es reicht aus, die Antwort wissen zu wollen. Nicht mit dem Kopf, sondern mit allen Fasern deiner Existenz. Wenn du aufmerksam wirst und wenn du dich nach innen ausrichtest, wird sich das Geheimnis des Lebens dir wie von selbst offenbaren.
Als Fred die Frage stellte, wusste ich sofort um die Antwort. Seit vielen Jahren bin ich genau auf der Suche nach einer Antwort darauf: Kennst du das Geheimnis deines Lebens?
Es ist jedoch meine Antwort. Wenn du selber eine Antwort hast, deine Antwort, dann erzähle sie mir und ich verrate dir meine Antwort. Wie viele Geheimnisse mag es geben? Ist es nur Eines oder sind es Viele? Öffne Körper, Geist und Seele und es kommt wie von selbst. Meines verbirgt sich übbrigens im Foto oben.
Interessanterweise weiß Jesus um das Geheimnis des Lebens. Er drückt es aus mit den Worten vom „Reich Gottes“. Es ist wie ein Senfkorn, zu Beginn unscheinbar. Es wird jedoch groß und kommt unaufhaltsam. Im Samenkorn ist alles enthalten und es wächst im Griechischen: „automatä“ – automatisch. 

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Dienstag, 14. Juli 2015

Weniger ist mehr



Manchmal verkomplizieren wir die Dinge statt sie zu vereinfachen. Da schrauben wir dann Sätze,  die so klingen wie: "Jetzt wo ich dich sehe wollte ich dir noch sagen von gestern her als ich beim Einkaufen war und mir wieder einmal bei  meiner Vergesslichkeit nicht einfiel..." Du kennst sicherlich auch Menschen, die so reden. Oder, du überlegst dir eine Mahlzeit und du möchtest es besonders gut machen für deine Lieben. Je komplizierter das Rezept, desto größer deine Liebe. Das Ergebnis sieht dann so aus: Die Herrlichkeit ist in wenigen Minuten nahezu kommentarlos verputzt.

Schalte mal bewusst einen Einfachtag ein. Heute keine komplizierten Saucen, sondern gebratene Kartoffeln mit Gemüse in der Pfanne, alles naturbelassen. Sage, was du zu sagen hast klar heraus in einfachen Sätzen und ohne Umschweife. Heute könnte dein "Weniger" zu einem "Mehr" werden. Genieße den Freiraum, der dir dadurch entsteht. Ich wünsche dir einen Tag voller Klarheit und Geradlinigkeit.

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Montag, 13. Juli 2015

Gott ist in uns Daheim, wir sind in der Fremde


Schon lange begleitet mich dieser Vers von Meister Eckhart. Gerade in der Urlaubszeit kommt er mir wieder in den Sinn. „Gott ist in uns daheim, wir sind in der Fremde.“ Der Vers spielt mit dem Gegensatzpaar „Daheim“ und „Fremde“.
Mit dem Wort „Daheim“ bekomme ich ein Wohlgefühl. Ich bin geborgen und fühle mich angekommen. Ich darf gelassen sein und mich entspannen. Dieser Platz gehört mir und ich muss nicht darum kämpfen. Ich muss nicht fragen, ob ich bleiben darf oder gehen muss. Ich bin „daheim“.
Mit dem Wort „Fremde“ verbinde ich ein ganz anderes Gefühl. Kinder fremdeln, wenn sie jemand Unbekanntem begegnen. In der Fremde befinde ich mich in einem mir unbekanntem Land und betrete unvertrautes Terrain. Hier ist nicht mein Platz. Ich bin Gast für eine Zeit. Möglicherweise nur geduldet und mit der Erlaubnis eines „Fremden“. Die damit verbundene Unsicherheit ist für Manche nur schwer auszuhalten. In der Fremde bekomme ich Sehnsucht nach „Daheim“. Aus meiner Ferienlagerzeit kommen mir da die Kinder in den Sinn, die sehr unter „Heimweh“ litten vor allem am Abend, allein im Bett und ohne die schützende Nähe der Mutter.
Aber so eindeutig, wie ich es hier gerade schreibe, sind die Gefühle gar nicht. Mit „Daheim“ verbinde ich auch manchmal die Langeweile und die Eintönigkeit. Das kenne ich schon! Immer das Gleiche! Dann möchte ich aufbrechen und in die „Fremde“ gehen. Das verheißt Spannung und Abenteuer. Du machst neue Erfahrungen. Du fühlst dich lebendig. Die mögliche Angst vor dem Unbekannten weicht dem Kribbeln von aufgeregter Erwartung. Wenn niemand die Fremde lieben würde, dann gäbe es keinen Tourismus. Dann würden wir auf unser Haus beschränken uns im Garten oder auf dem Balkon ausruhen.
Manche reisen in die Fremde, in den Urlaub, um etwas hinter sich zu lassen. Den Stress, die Unzufriedenheit, die negativen Erlebnisse und Erfahrungen, ein wenig Flucht vor dem Alltag und der Wunsch, dass in der Fremde das Bessere auf mich wartet nach dem Motto: Daheim fühle ich mich fremd und in der Fremde werde ich neue Heimat finden. Zum Teil wird sich dieser Wunsch leider als Trugschluss erweisen.
Wohin du auch gehst, du nimmst dich immer mit. Deine Ängste sind im Gepäck, deine Eigenschaften, dein Charakter, halt deine komplette Persönlichkeit. Und es kann dir geschehen, dass du in der Fremde dieses Gepäck viel deutlicher wahrnimmst als in deiner kuscheligen Heimat. Wenn ich zum Beispiel zu Hause geizig bin, werde ich nicht auf einmal großzügig nur, weil ich mich an einem anderen Ort befinde.
Meine Gedanken führen mich zu der Idee hin, dass das „Daheim“ und die „Fremde“ zugleich Anteile in uns sind. Ich kann in der Fremde daheim sein und daheim mich fremd fühlen. Diese Gefühle sind unabhängig vom äußeren Ort. Die Orte können mich schneller zu diesem Lebensthema hinführen. Manchmal spürst du eben, wie fremd du dir selber bist. Wer bin ich eigentlich? Was bleibt von mir, wenn ich nicht mehr Familienmutter oder Vater bin. Was bleibt von mir, wenn ich in Rente gehe. Was bleibt von mir, wenn ich mein Haus oder meine Wohnung wegdenke? Bin ich dann noch in mir „daheim“? Wenn alles mir zwischen den Fingern zerrinnt, bleibt noch etwas übrig von mir?
Du kannst da sehr schnell ein absolutes Gefühl von Fremdheit und Verlorenheit bekommen. Du kannst aber auch ein „Dennoch“ – Gefühl spüren von tiefer Heimat jenseits aller Fragen. Die Frage nach Fremde und Heimat ist für mich zugleich eine tief spirituelle Frage. Wir verwechseln da manchmal Kirche mit Gott und denken, dass die Heimat in der Kirche die Heimat in Gott mit einschließt. Auf einmal machst du die Erfahrung, dass die Kirche keine Heimat mehr für dich ist, aber Gott umso mehr. Wir leben in einer Zeit, in der es da keine Eindeutigkeiten mehr gibt.
Meister Eckhart gibt uns einen wichtigen spirituellen Hinweis. Gott ist in uns daheim. Wenn wir das registrieren, in uns aufnehmen, uns damit vertraut machen, dem nachspüren und unsere Aufmerksamkeit dahin lenken, dann breitet sich auf einmal in uns Frieden aus. Du bist von jetzt auf gleich daheim, zu Hause in dir. Du musst nirgendwo mehr hin um Heimat zu finden. Du verreist aus Lust, aber nicht mehr mit dem Ziel, dass da etwas ganz besonderes geschehen muss. Stell dir vor, Gott wohnt in dir und du bist auf der Suche nach ihm. Das Einfachste kommt dir dabei nicht in den Sinn. Du gehst den Weg nach innen in dein Herz und – kommst an. 

Samstag, 11. Juli 2015

Gute Erholung - ein weiterer Urlaubsimpuls



Das Wort „erholen“ kommt ursprünglich aus der Medizin. Nach einer Phase der Krankheit geht es darum, wieder gesund zu werden.  Der Körper soll nach einer Anstrengung wieder Zeit bekommen zur Regenerierung, vielleicht nach dem Motto: „Hole dir deine Gesundheit wieder.“
Wenn wir uns vor dem Urlaub wünschen: „Erhol dich gut!“ dann verbinden wir damit den Wunsch nach einer Regeneration. Das setzt ja voraus, dass der entsprechende Mensch tatsächlich krank war oder eine anstrengende Phase hinter sich gebracht hat.
Es wäre schön, wenn wir auch die Arbeitsphasen im Leben so gestalten, dass wir nicht erholungsbedürftig werden. Interessanterweise sprechen wir auch nicht von Erholungsbedürftigkeit nach einem anstrengenden Sport. Ein anstrengender Sport führt zur Erholung und eine anstrengende Arbeit zur Erholungsbedürftigkeit.
Ich glaube, da stimmt was nicht.
Statt „Erholung“ rede ich lieber von „Pause“. Untersuchungen zeigen, dass wir Menschen uns nur 90 – 120 Minuten konzentrieren können und dann eine Unterbrechung brauchen. Einfach für ein paar Minuten nichts tun und Körper und Geist zur Ruhe kommen lassen. Wenn wir am Tag genug pausieren, wird der Urlaub nicht zu einer Art selbstfinanzierter Reha Maßnahme.  Der Urlaub wird zur zweckfreien Zeit und zu einer ausgedehnten Pause.
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Freitag, 10. Juli 2015

Komme heil wieder! Ein Urlaubsgedanke



Welch ein Wunsch! Zunächst denk ich natürlich an das Unterwegs sein. Ob im Auto oder im Flugzeug: Reisen ist mit Gefahren verbunden. Du kannst verunglücken. Das wäre das Horrorszenario für dieses kostbare Zeit. Da bereitest du dich vor, freust dich vor, legst hohe Erwartungen in die Reise und machst dich mit Sorgen auf den Weg. „Komme ich wohl heil an? Und komme ich heil wieder zurück?“
Vorsicht und Vorbeugen ist wichtig, aber Angst wäre eine arge Einschränkung. So mancher bleibt aus Reiseängsten zu Hause.
Mich bewegt noch ein weiterer Gedanke. Wenn ich wünsche: „Komm heil wieder!“ setzt der Gedanke voraus, dass ich „unheil“ bin. Ich verreise also mit dem Ziel, heil zu werden. „Heil sein“ empfinde ich als einen sehr hohen Anspruch. Das kann kein Urlaubsziel einlösen. „Heil“ bin ich, wenn ich total glücklich bin, ganz in Übereinstimmung mit mir selbst. „Heil“ werde ich sein, wenn mich keine Krankheit mehr plagt und wenn ich keine Sorgen mehr mit mir herumschleppe.
Ich glaube nicht, dass ich von einem Urlaubsort her „heil“ wieder zu Hause ankommen kann. Eher schon erholt oder entspannt. Ich stelle mir die letzte Reise in meinem Leben vor und wünsche mir, dass mir jemand sagt: „Komm heil an!“ 

Donnerstag, 9. Juli 2015

Die Zeit genießen - ein Urlaubsimpuls



Ja, genieße die Zeit deines Urlaubes. Genieße die Sonne, das Essen, die Natur, die Ausflüge, das Wandern, deine Familie! Lass die Beine baumeln, gib der Seele Nahrung und freue des Lebens. Du hast Zeit! Du darfst auf Termine verzichten! Du musst nicht planen! Du kannst essen, wenn du isst und du kannst wandern wenn du wanderst.

Dann kommst du wieder nach Hause. Und dann?

Ja! Dann genieße die Zeit. Genieße die Arbeit, genieße den Alltag, erfreue dich an der Zuverlässigkeit in deinen Beziehungen. Genieße das tägliche Brot und freue dich über einen erholsamen Schlaf.
Das Genießen von Zeit ist nicht auf den Urlaub beschränkt. Und, wenn ich genau nachdenke, dann finde ich Zeit ungenießbar. Genießen kann ich, was ich in einem bestimmten Zeitraum unternehme. Also, genieße das Leben, im Urlaub und auch jetzt!

Mittwoch, 8. Juli 2015

Zähneputzen für die Seele, Leben und Arbeiten in Balance



Sorgen begleiten uns ständig. Sie beeinträchtigen unser Denken, nehmen unsere Aufmerksamkeit in Anspruch und beeinflussen das gesamte Wohlbefinden.

So, wie du deine Zähne pflegst, übernimm Verantwortung für dein Wohlbefinden.

Einleitung – „Es ergibt sich so“ oder „Ich gestalte!“


In einem ersten Schritt möchte ich Ihre Aufmerksamkeit lenken auf Ihr Denken, auf Ihr Bewusstsein und auf Ihre Grundhaltung.

Was gehört für Sie zu einer guten Balance?
Sind Sie glücklich?
Oder sind Sie eher zufrieden?
Gehört dazu nur ein gutes Gefühl oder können Sie das irgendwie messen?
Geschieht es einfach so, dass Sie in einer Balance sind oder können Sie aktiv etwas dafür tun? (Denken Sie mal einen kurzen Augenblick nach.)

Viele Menschen erleben sich selbst in bestimmten Lebenssituationen wie ohnmächtig, wenn ein Unglück sie z.B. überfällt. Niemand kann sich letztlich zu 100 Prozent schützen vor Unfällen, Trennungen, Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Tod.

Es gibt Erlebnisse, die wir gestalten und beeinflussen können und es gibt Dinge, die auf uns einstürmen. Auch, wenn wir die Ereignisse selbst nicht verändern können:

Wir können uns zu den Dingen verhalten. Wir können resignieren, in den Widerstand gehen, kämpfen, es annehmen oder einfach verdrängen.

Für den einen Menschen bricht bei einer Trennung die Welt zusammen. Der andere kommt einigermaßen heil durch diese Situation hindurch. Wie macht der das? Hat er geübt? Kommt er aus einem intakten Elternhaus. Hat er einfach gute Gene oder besondere Fähigkeiten?
In meinem Vortrag möchte ich Sie letztlich einladen, dass Sie Ihr eigenes Programm entwickeln, Tag für Tag dafür zu sorgen, dass Sie emotional stabiler werden. Dass Sie Ihre eigenen Strategien entwickeln, die zu Ihnen passen. Es geht mir darum, dass Sie herausfinden, was Sie für sich selbst tun können, um in einer guten Balance zu sein.


Sie bekommen Futter für Kopf geben.

Sie werden die Möglichkeit erhalten, Ihre eigene Balance zu überprüfen.

Sie erhalten den einen oder anderen Tipp, wie Sie Ihre Balance stärken können. 

Die mentalen Voraussetzungen für ein Leben in Balance


Die erste Szene: Handeln aus Angst

Ich möchte Sie einladen, in folgende Gedanken mit einzusteigen. Vielleicht sind Ihnen diese Gedanken vertraut. Beobachten Sie sich einmal dabei. Kennen Sie das?

Sie putzen sich Ihre Zähne. Sie wollen Karies vermeiden. Sie haben Angst vor dem Zahnarzt und seiner Kritik, dass Sie Ihre Zähne nicht ordentlich pflegen. Sie möchten dieses Angstgefühl auf jeden Fall verhindern. Sie möchten außerdem nicht schlecht aus dem Mund riechen. Allein die Vorstellung finden Sie ekelig. Sie möchten nicht abgelehnt werden von Ihren Arbeitskollegen oder der Geliebten. Wer küsst schon gerne einen Menschen mit einem schlechten Mundgeruch?

Gehören Sie zu den Menschen, die sich die Zähne putzen, weil sie noch die Worte Ihrer Eltern im Kopf haben: „Wenn Du deine Zähne nicht putzt, dann wirst du es später bitter bereuen!“?

Verstehen Sie, worauf ich hinaus will? Wie gehen Sie mit sich um? Mit welchen Voraussetzungen und Glaubenssätzen gehen Sie in Ihre Handlungen?

Sie handeln aus Angst und Sorge, mit einem schlechten Gewissen, mit inneren Vorwürfen. Sie reagieren vielleicht auf Ihre inneren Zwänge und/oder Antreiber! Die Eltern, der Zahnarzt und sonst wer sitzt Ihnen im Nacken. Immerhin bekommen Sie für den Preis von Angst und schlechtem Gewissen gesunde Zähne.


Die zweite Szene: Handeln aus einer lebensbejahenden Grundstimmung

Jetzt möchte ich Sie einladen, sich wieder von der ersten Szene zu verabschieden und mit mir in das zweite Bild zu gehen. Das unterscheidet sich zunächst einmal gar nicht. Zumindest nicht von außen.

Sie putzen sich Ihre Zähne. Sie lieben Ihre Zähne! Sie stehen vor dem Spiegel und grinsen sich an! Ja, Sie haben einfach tolle Zähne. Nicht alle sind gerade. Aber auch die etwas schiefen mögen Sie. Vor allem mögen Sie den Geschmack von Frische in Ihrem Mund. Sie pflegen Ihre Zähne gerne, weil sie achtsam sind. Sie haben den Wunsch und die Absicht, dass Sie Ihren Zähnen einfach etwas Gutes tun.  
Sie begegnen Ihren Zähnen mit Wohlwollen und Aufmerksamkeit.
Sie kaufen Bürsten und Pasten, die ihr Herz erfreuen und wenden sich jedem Zahn mit Liebe und Aufmerksamkeit zu. Jeder Zahn ist für Sie wie ein kleines Kind in Ihrem Mund und Sie reagieren fürsorglich, wenn sich mal einer von denen schmerzhaft meldet.

Merken Sie den Unterschied zur ersten Szene?  In beiden Szenen putzen Sie sich die Zähne. In beiden Szenen sind Ihre Zähne gepflegt. Dennoch gibt es einen Unterschied. In der zweiten Szene handeln Sie aus Fürsorge, Freude und mit einem guten Gefühl. Sie kämpfen nicht für oder gegen Ihre Zähne sondern Sie befinden sich in Übereinstimmung mit ihnen. Sie und Ihre Zähne sind einfach ein gutes Team.


Von der Vermeidungsbalance zur Wohlfühlbalance.


Sie merken den Unterschied? Klar! Was haben die Zähne mit unserem Thema der inneren Balance zu tun fragen Sie vielleicht. Beide Typen stehen am Ende da mit gepflegten Zähnen. Das Ergebnis zählt!

Unser Thema heißt jedoch:  Innere Balance!

Ich darf Sie wieder einladen, sich ein Bild vorzustellen. Stellen Sie sich eine Waage vor. Eine Waage hat zwei Hälften. Je nachdem, kann sie sich zu der einen oder zu der anderen Seite neigen. Wenn beide Teile auf gleicher Höhe sind sprechen wir von einem ausgewogenen Verhältnis. Auf ihr Zahnputzverhalten haben Sie Ihr Denken vielleicht bislang folgendermaßen angewendet:

Nicht - Putzen führt zu schlechten Zähnen und die Gesundheit befindet sich nicht in Balance.
Zähneputzen - Ja führt zu gesunden Zähnen und die Gesundheit befindet sich in Balance.

Natürlich suchen Sie eine gute Balance. Sie glauben also, wenn sie gut für Ihre Zähne sorgen befinden Sie sich auf diesem Gebiet in einer Balance. Sie pflegen ja ihre Zähne und gehen regelmäßig zum Zahnarzt. Einen Teil machen Sie also selbst, den anderen Teil überlassen Sie dem Profi.
Und dennoch gibt es einen Unterschied, der einen Unterschied ausmacht. Ihre Balance ist möglicherweise nur scheinbar! Sie gaukeln sie sich vielleicht nur  vor. Lassen Sie mich diesen ungewöhnlichen Gedanken erklären.

Sie können die  Balance suchen aus der  Angst heraus vor schlechten Zähnen. Sie vermeiden also schlechte Zähne! 

Oder sie suchen und finden die Balance, weil Sie Ihre wundervollen Zähne lieben.

Sie entscheiden sich für eine Vermeidungsbalance oder für eine  Im-Flow-Balance.
Von Außen betrachtet scheint es keinen Unterschied zu geben. Die Zähne sind gepflegt.  Aber von innen betrachtet gibt es einen enormen Unterschied.

Es geht um ein grundsätzlicheres Lebensgefühl und um eine andere Art des „in der Welt Seins“.  
Wie Sind Sie  da in der Welt? Mit welcher inneren Lebenseinstellung gehen Sie an Ihre Aufgaben heran? Welche Grundsätze leiten Sie?
So möchte ich jetzt mit Ihnen einen Schritt weitergehen. Weg von den Zähnen und hin zum Rest Ihres Körpers, Ihres Geistes und Ihren Gefühlen.

Das Geheimnis der inneren Balance

Vom Problemlösungsdrang hin zur Wohlfühlbalance



Ich möchte Ihnen zwei Sätzen sagen und Sie beobachten einmal, was in Ihnen vorgeht, wenn Sie diese beiden Sätze hören. Der erste Satz heißt:

„Wenn ich alle meine Probleme gelöst habe dann geht es mir gut.“
Ich wiederhole noch einmal: Wenn ich alle meine Probleme gelöst habe dann geht es mir gut.

Lassen Sie diesen Satz für einen Moment auf sich wirken. 

Gehen wir ins Detail und wenden uns dem diesem ersten Satz zu:
„Wenn ich alle meine Probleme gelöst habe dann geht es mir gut.“

Jetzt stellen Sie sich doch bitte einmal alle Ihre Aufgaben vor. Die Alltäglichen, die Aufgeschobenen, die Dringenden, die Unerledigten, die Großen, die Kleinen, die Überflüssigen, die Eigenen, die der Anderen!  

Stellen Sie sich diesen Berg vor! Was müssen Sie da gerade bewältigen?

Jetzt geht es darum, dass Sie sich alle Probleme vor Augen halten. Dafür suchen Sie Lösungen und anschließend geht es Ihnen besser oder sogar gut. Machen wir das einmal praktisch mit dem folgenden Aufgabenblatt.


Ich hoffe, Sie können mir noch folgen und sind jetzt nicht beeindruckt, abgelenkt und vereinnahmt durch Ihre vielen Aufgaben, Sorgen und Problemen.

Da gibt es ja Aufgaben, die lösen keinen Stress aus, sondern Freude. Sie möchten z.B. Ihren Urlaub planen. Denken Sie doch jetzt mal an Ihren Urlaub.

Was müssen Sie da noch alles für tun? Und? Macht es Freude oder bekommen Sie Beklemmungen? Der erste Urlaubstag rückt näher und Sie haben noch keine Unterkunft. Außerdem haben Sie sich mit der Familie noch nicht wirklich geeinigt, wohin Sie reisen möchten. Ihre Ehefrau und Sie können sich wohl einigen, aber ihre Kinder, die wollen wo ganz anders hin. Die wollen vielleicht schon gar nicht mehr mit! Vielleicht haben Sie gar keine Lust mehr auf Urlaub! Und außerdem wartet da noch eine ganze Menge Arbeit auf Sie. Werden Sie alle Aufgaben noch vor dem Urlaub erledigt haben? Ist da nicht noch ein kleiner Konflikt mit dem Chef? Und außerdem die Sorge um Ihre Gesundheit? Da gibt es doch seit Wochen schon dieses Kratzen im Hals. Vor kurzem haben Sie einen Artikel in der Zeitung gelesen, dass man Körpersymptome beachten sollte, weil sie sich chronifizieren könnten und die Auswirkungen und Folgen dann?

Das sind jetzt meine für Sie fantasierten Probleme. Sie können noch einmal auf Ihr Arbeitsblatt schauen und meine Gedanken dazu nehmen. Ich bitte Sie also jetzt, dass Sie in sich gehen, nachdenken und sich noch einmal einfühlen. Können Sie sich vielleicht noch ein wenig mehr da hereinsteigern?

Noch einmal der erste Satz:
„Wenn ich alle meine Probleme gelöst habe, dann geht es mir gut.“

Das klingt doch sehr logisch oder? Jetzt habe ich Sie darin unterstützt, ein Bewusstsein für alle Ihr Sorgen und Nöte zu entwickeln oder zu vertiefen. Vielleicht ist es mir auch nicht gelungen, weil ich nicht gut genug war, oder weil Sie gut in den Widerstand gegangen sind.
Wenn ich könnte, würde ich in kurzer Zeit Ihnen allen ein schlechtes Gewissen machen und am Ende hätten Sie Probleme, von denen Sie im Augenblick noch gar keine Ahnung von Anwesenheit haben. Ein kleiner Versuch?
Wann haben Sie Ihrer Frau, Ihrem Mann zuletzt ein wirklich liebevolles Wort gesagt? Wann waren Sie wirklich und ich meine wirklich zum letzten Mal mit Ihrer vollen Aufmerksamkeit bei Ihr oder bei Ihm? Mit welcher Lebensfrage beschäftigt sich Ihr Partner gerade besonders? Wissen Sie das wirklich?
Wenn Sie jetzt feststellen, dass Sie das nicht wissen, wie nah empfinden Sie Ihre Beziehung jetzt in diesem Augenblick bei einer Skala von 1-10? Alles noch gut? Oder ist Ihre Beziehung gefährdet? Haben Sie jetzt ein Problem, von dem Sie vorher keine Ahnung hatten?
Ein Problem wird ja erst zu einem Problem, wenn eine ganz normal zu bewältigende Aufgabe schwer wiegt oder  sich schwierig anfühlt. Wenn eine Sorge in meinem Kopf kreist und mir schlaflose Nächte bereitet. Wenn ich unglücklich oder unzufrieden bin. Ein Problem entsteht erst, wenn ich es als Problem empfinde. Ich wähle ein Beispiel:
Der Eine redet nicht mehr mit seiner Frau hat aber kein Problem, weil ihn das nicht stört. Seine Ehefrau hingegen kann ein großes Problem damit haben, weil sie an ihrer Beziehung zweifelt.
Es kann sein, dass Sie viele Aufgaben zu bewältigen haben aber kein Problem darin sehen. Und es kann sein, dass sie viele Aufgaben zu bewältigen haben aber lauter Probleme darin entdecken. Je nachdem können Sie mit vielen Aufgaben total unglücklich oder äußerst zufrieden sein.

Ich habe Ihnen vor ein paar Minuten gesagt, dass es mir um zwei Sätze geht. Den einen haben Sie nun gehört:

„ Wenn ich alle meine Probleme gelöst habe, dann geht es mir gut.“


Okay? Jetzt kommt der zweite Satz:

„Wenn es mir gut geht finde ich für alle meine Probleme Lösungen.“

Auch diesen Satz wiederhole ich noch einmal und bitte Sie, diesen Satz auf sich wirken zu lassen. „Wenn es mir gut geht, dann finde ich für alle meine Probleme Lösungen.“

Sie hören den Unterschied? Wenn dieser Satz für Sie stimmt, dann müssten wir jetzt noch einmal von vorne beginnen. Ich habe Sie in Ihre Probleme hineinbegleitet und Sie haben sich mit Ihren Problemen beschäftigt. Vergessen Sie mal für einen Augenblick alle Ihre Sorgen. Da ist eine Fee aufgetaucht, die hat alles weggepustet. Sie dürfen von Punkt Null neu beginnen.

Jetzt stellen Sie sich vor, Sie würden vor der Beschäftigung mit irgendeiner Aufgabe zunächst einmal etwas für sich tun. Etwas, was Ihnen gut tut. Sie bringen sich in eine Verfassung, in der Sie viel besser Ihre Aufgaben bewältigen können. Bislang haben Sie eher nach dem Grundsatz gelebt: Wie kann ich meinen Stress bewältigen? Wie kann ich da vorbeugen? Wie kann ich ihn vermeiden. Sie haben vom Stress und von den Problemen her gedacht. Ich möchte Sie einladen einmal von der anderen Seite her zu denken.
Wenn Sie einen Marathon laufen, wie gehen Sie da vor? Könnten Sie jetzt in diesem Augenblick aufstehen und loslaufen und dann nach ein paar Stunden an Ihr Ziel ankomme?
Nein! Sie müssten sich vorbereiten und Sie müssten Ihren Körper trainieren und Sie müssten das über einen längeren Zeitraum machen. Sie müssten Ihren Körper fit halten und Sie würden das selbstverständlich tun. Sie würden gar nicht mit mir jetzt mitlaufen. Sie hätten ein Bewusstsein davon. Wenn ich Sie zu einem Marathon einladen würde, dann würden Sie zunächst sagen, dass das so ohne Vorbereitung nicht geht. Bei Ihrem Körper scheint Ihnen das selbstverständlich zu sein.
Aber wenn Sie an Ihre Psyche oder an Ihren Geist denken, wie machen Sie es da? Ich gebe Ihnen eine Aufgabe und noch eine Aufgabe und noch eine Aufgabe. Wo ist die Grenze? Was könnten Sie noch vertragen?

So, wie Sie eine gute körperliche Verfassung brauchen, um einen Marathon zu laufen, benötigen Sie auch eine gute psychische Konstitution um durch das Leben gehen zu können. In welcher inneren Verfassung befinden Sie sich jetzt gerade? Sind Sie noch aufmerksam? Sind Sie noch bei mir? Sorgen Sie gerade gut für sich? Stelle ich Fragen, die Sie gar nicht mehr mit bedenken wollen? Oder geht es Ihnen gerade gut? Sind sie entspannt? Müssen Sie eigentlich auf die Toilette oder einen Schluck Wasser trinken? Wenn ja, warum tun sie es nicht?

Stellen Sie sich doch einmal vor, dass es Ihnen gut geht! Woran würden Sie das merken? Wie würde Ihre Familie das sehen und erkennen? Wie würde ich das hier und jetzt merken, dass es Ihnen so richtig gut geht?

Sind Sie fröhlich, zufrieden, ausgeglichen? Sie fühlen sich wohl in Ihrer Haut? Ihnen schmeckt das Essen? Sie können entspannt schlafen? Sie haben Lust auf Hobby auf Menschen? Sie freuen sich, dass die Sonne scheint, Sie genießen den Regen? Sie genießen überhaupt? Sie genießen relativ viele Stunden am Tag? Können Sie den ganzen Tag genießen?
Wie viele Stunden am Tag haben Sie den Eindruck, dass Sie ganz in Übereinstimmung sind mit sich selbst! Die Arbeit geht Ihnen von der Hand. Sie fühlen sich wohl in Ihrer Kleidung, die Raumtemperatur stimmt. Sie sitzen angenehm. Die Zeit verrinnt wie im Flug. Sie genießen die Pausen.
Wenn ich jetzt so spreche, was löst das in Ihnen aus? Denken Sie doch einmal an Ihr Lieblingsrestaurant. Sie suchen sich ein Essen auf der Speisekarte aus und das Wasser läuft Ihnen im Munde zusammen. Jetzt dürfen Sie sich ausruhen und sättigen mit einem Essen, dass Sie total mögen. Sie stärken sich!
Sie können auch an den Menschen denken, den Sie besonders gerne haben. Vielleicht sind Sie frisch verliebt oder gerade Vater oder Mutter geworden oder Sie hatten eine Sternstunde in Ihrer Liebe. Können Sie sich mit diesem Gefühl verbinden? Was taucht da jetzt auf?

Erinnern Sie sich noch an den zweiten Satz? Der heißt:

„Wenn es mir gut geht, kann ich für viele Probleme eine Lösung finden.“

Sie haben sich jetzt in einen Zustand versetzt in dem Sie Lösungen finden können. Eigentlich ist das doch ganz einfach, oder?
Wenn Sie gut drauf sind, geht alles von allein. Sie sind im Flow. Wenn Sie nicht gut drauf sind  werden Sie von Ihren Problemen erdrückt und alles wird zur Qual.

Dann machen wir oft den entscheidenden Fehler: Wir fangen an, die Probleme abzuarbeiten.

Sie erdrücken uns ja schließlich.
Die Alternative heißt: Ich packe nicht ein einziges Problem an, egal wie es auch drückt. Sinnvoller wäre es, erst einmal etwas dafür zu tun, wieder arbeits- oder lebensfähig zu werden.
Die Balance geht vor!

Sie sorgen als ersten Schritt für eine Balance. Erst wenn Sie sich in einer emotionalen Balance befinden, können Sie die Aufgaben bewältigen. Seltsamerweise werden Sie feststellen, dass Sie das Wort Problem erst in den Mund nehmen, wenn Sie in der Dysbalance sind. Im Balancebewusstsein werden Sie Probleme eher als Aufgaben wahrnehmen. Da gibt es eine Aufgabe, die Sie erfüllen möchten und nicht: Da gibt es ein Problem, das Sie lösen müssen.

Es macht also Sinn, sich sehr viel Zeit dafür zu nehmen, wie ich denn ich eine gute Balance komme.

Beim Zähneputzen wissen Sie, was Sie tun müssen, damit Sie Ihre Zähne pflegen. Da wissen Sie, was Ihren Zähnen gut tut. Sie haben dafür Übungen entwickelt und Strategien. Die helfen Ihnen. Sie machen es zwei, drei oder viermal am Tag. Sie bevorzugen bestimmte Bürsten und Härtegrade. Mechanisch oder elektrisch! Sie gehen zum Zahnarzt ihres Vertrauens und machen sogar eine Zahnpropyhlaxe d.h. eine professionelle Reinigung. Sie besitzen möglicherweise Spezialbürstchen und benutzen Zahnseide. Sie haben vielleicht auch noch ganz persönliche Kniffe und Tricks, die sie für sich behalten oder anderen verraten. Sie sind ein Profi ihrer Zähne und Sie haben die Verantwortung übernommen. Und Sie sorgen grundsätzlich und immer für Ihre Zähne. Jeden Tag, jedes Jahr, ein ganzes Leben.

Und dieses Wort möchte ich Ihnen ins Herz schreiben. Sie haben für Ihre Zähne Verantwortung übernommen! Sie sind der Verantwortliche Ihrer Zähne nicht der Zahnarzt, nicht die Zahnbürstenindustrie und nicht die Zahnpasten Hersteller. Sie haben die Verantwortung. Als Kind haben Ihre Eltern für Sie gesorgt. Jetzt sind Sie selber für Ihre Zähne zuständig.

Und für Ihr psychischen Wohlbefinden? Wer ist da verantwortlich? Und welche Mittel und Strategien haben Sie entwickelt, gut für sich zu sorgen?

Nun, irgendetwas machen Sie richtig! Davon bin ich überzeugt. Sonst wären Sie schon längst gestorben. Vielleicht machen Sie schon ganz viel richtig. Wenn es Ihnen gut geht, wenn sie zufrieden sind und das Leben genießen, machen Sie wahrscheinlich schon ganz viel richtig. Machen Sie das mit Absicht, mit Bewusstheit, wissen Sie, wie Sie das machen und was genau Sie machen, dass sie in Balance sind?

Vielleicht sind Sie wie selbstverständlich in einer Balance. Nur, Sie haben keine Ahnung, wie es Ihnen gelingt.
Heute können Sie die Gelegenheit nutzen, einmal zu schauen, welche Pflegeprodukte für die Psyche und welche Instrumentarien hilfreich sein könnten. Was Sie einsetzen oder bewusst gestalten können, damit Sie noch ausbalancierter sind.

Der Markt ist voll von Ratgeberbüchern aus der Psychoecke, des Coaching oder Trainings. Sie können nur etwas unterstützen, was im Wesentlichen in Ihnen liegt. Kein Buch und kein Tipp nimmt Ihnen die Verantwortung ab, der Coach Ihres eigenen Lebens zu sein.

Die „Pflegeprodukte“ – Übungen zur inneren Balance


Dennoch möchte ich Ihnen ein paar „Pflegeprodukte“ vorstellen. Es geht mir dabei darum, das Bewusstsein zu stärken, dass Sie etwas „Gutes“ für sich tun. Dass Sie sich in die Lage versetzen, in einer guten Balance zu sein. Nicht am Ende von Stress, sondern bevor Sie überhaupt ins Tun kommen.

Einige „Pflegeprodukte“ werden Sie kennen und andere werden vielleicht neu für Sie sein. Ich möchte meinen „Ressourcenkoffer“  für Sie öffnen.
Manche Vorschläge sind Basics, manche wünschenswert und manche auch die hohe Kunst der Selbstfürsorge. In meinem Koffer befinden sich Übungen, Sätze und Visualisierungen.
Es gibt ja den christlichen Grundsatz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Die meisten haben nur mitbekommen, dass man sich um den Nächsten kümmern muss nach dem Motto: Wenn die anderen glücklich sind, bin ich es auch! Der Satz meint jedoch: Du wirst dich um den Nächsten so kümmern, wie du dich um dich selbst kümmerst. Wenn du dich nicht um dich kümmerst bist du nicht gut im Kümmern um die anderen. Wenn du dich selbst gut im Blick hast, wirst du auch die andren gut im Blick haben. Lebe also nach dem Grundsatz: Sei gut zu dir, dann bist du auch gut zum Nächsten.

Dabei gibt es zwei Dimensionen, die ich mit Ihnen betrachten möchte. Zum einen geht es um den Blick nach außen in der Wahrnehmung meines Netzwerkes. Wenn ich ein soziales Netz und darin meinen Platz habe stärkt das meinen Standpunkt. Der zweite Blick wendet sich nach innen. Wenn ich mit mir selber in einem guten Kontakt bin, kann es auch eine innere Balance geben.

Der Blick nach innen.


Zählen Sie Erbsen

Am Morgen stecken Sie drei Erbsen in die linke Hosentasche. Immer dann, wenn Sie etwas erlebt haben, was Sie erfreut hat, dann wandert die Erbse in die andere Hosentasche. Sie werden Ihre Augen mehr öffnen für das, was Ihnen gelingt. Sie wenden den Blick fort vom halb leeren Glas hin zum halb vollen.


Lernen sie aus der jüdischen Philosophie und Spiritualität

Dort gibt es das Gebet des „Dajenu“. Dajenu ist hebräisch und heißt auf Deutsch „das Genügende“. Die Übung dazu geht so.
„Allein, dass ich heute aufstehen konnte wäre genug gewesen. Aber ich bin nicht nur aufgestanden. Ich hatte auch meinen Kaffee. Allein, dass ich meinen Kaffee heute am Morgen hatte wäre genug gewesen. Aber ich hatte nicht nur meinen Kaffee, ich hatte auch noch eine Scheibe Brot. Allein das wäre genug gewesen.“
Sie erkennen die Struktur und den Hintergedanken? Es geht um den Blick für die Kleinigkeiten. Sie gehen weg von den großen manchmal unerfüllten Lebensträumen und werden aufmerksam für das scheinbar Kleine und Unwichtige.

Der Selbstwerttopf von Virginia Satir

Virginia Satir war Familientherapeutin und hat die Idee entworfen vom Energietopf, oder Selbstwerttopf. Sie stellen sich ihr Inneres vor wie einen Topf voller Energie. Wenn da wenig drin ist, können Sie wenig geben. Wenn er voll ist, dann können Sie aus dem Vollen schöpfen. In diesen Topf hinein kommen aufmunternde Worte, liebevolle Blicke, die gelungene Arbeit, die Sonne, ein gutes Essen, die Aufmerksamkeit anderer Menschen. Sie achten darauf und übernehmen die Verantwortung dafür, dass der Topf nie leer wird. Sie sind auch nicht mit einem Viertel zufrieden! Sie sorgen schön für diesen Topf. Wenigstens einmal am Tag überprüfen Sie in einer stillen Minute, wie es da gerade aussieht. Und? Wie ist gerade Ihr Energiepegel?

Ich schaffe mir einen Freiraum

Es kommt vor, dass da viele Sorgen, Gedanken, Aufgaben und Dinge auf Sie einströmen. Da kann man sich nicht gegen wehren. Aus der therapeutischen Arbeit des Focussing kommt die Idee des Freiraumes. Wenn es eng wird dann müssen Sie sich erst einen Freiraum schaffen. Sie machen eine Pause, Sie atmen tief durch. Sie ziehen sich zurück. Sie visualisieren diesen Raum. Sie gehen einmal um den Block. Die Idee heißt: Ich schaffe mir erst einmal einen Freiraum. Trainieren Sie den, damit er Ihnen auch zur Verfügung steht. Probieren Sie aus, wie sie Freiräume schaffen können. Was braucht der Körper (Sport, Nahrung, Yoga, etc. ), was braucht der Geist (eine gedankenfreie Zeit), was braucht das Herz (ein netter und zugewandter Mensch)
Stellen Sie sich Ihren Chef vor. Der gibt Ihnen einen neuen dicken Auftrag und Sie haben den alten noch gar nicht bewältigt. Bisher haben Sie vielleicht geschluckt und etwas dazu gepackt. Jetzt sagen Sie ihm: „Ich muss mal eben kurz auf die Toilette.“ Da atmen Sie tief durch! Sie öffnen das Fenster! Sie schaffen sich einen Freiraum! Erst dann reagieren Sie überhaupt erst auf die Frage des Chefs.


Ich heiße alles willkommen, was mir begegnet

Wenn Sie alles willkommen heißen, was Ihnen begegnet, brauchen Sie nichts mehr abwehren. Sie heißen Ihren Schatten willkommen. Sie begrüßen jede Eigenschaft, die Sie haben. Sie bejahen Ihre Ängste, Ihre Aggressivität, Ihre Bedürfnisse... Was verändert sich, wenn in Ihrem Inneren alles da sein darf? Vielleicht müssen Sie weniger kämpfen, sich weniger anstrengen....


Ich heiße alles willkommen, was mir begegnet

Wenn Sie alles willkommen heißen, was Ihnen begegnet, brauchen Sie nichts mehr abwehren. Sie heißen Ihren Schatten willkommen. Sie begrüßen jede Eigenschaft, die Sie haben. Sie bejahen Ihre Ängste, Ihre Aggressivität, Ihre Bedürfnisse... Was verändert sich, wenn in Ihrem Inneren alles da sein darf? Vielleicht müssen Sie weniger kämpfen, sich weniger anstrengen....

Dazu keine weiteren Erklärungen, sondern eine Geschichte.

Der chinesische Bauer

In einem Dorf in China, nicht ganz klein, aber auch nicht groß, lebte ein Bauer – nicht arm, aber auch nicht reich, nicht sehr alt, aber auch nicht mehr jung, der hatte ein Pferd. Und weil er der einzige Bauer im Dorf war, der ein Pferd hatte, sagten die Leute im Dorf: „oh, so ein schönes Pferd, hat der ein Glück!“
Und der Bauer antwortete: „Wer weiß?!“

Eines Tages, eines ganz normalen Tages, keiner weiß weshalb, brach das Pferd des Bauern aus seiner Koppel aus und lief weg. Der Bauer sah es noch davongaloppieren, aber er konnte es nicht mehr einfangen. Am Abend standen die Leute des Dorfes am Zaun der leeren Koppel, manche grinsten ein bisschen schadenfreudig, und sagten: "Oh der arme Bauer, jetzt ist sein einziges Pferd weggelaufen. Jetzt hat er kein Pferd mehr, der Arme!" Der Bauer hörte das wohl und murmelte nur: "Wer weiß?!"

Ein paar Tage später, sah man morgens auf der Koppel des Bauern das schöne Pferd, wie es mit einer wilden Stute im Spiel hin und herjagte: sie war ihm aus den Bergen gefolgt. Groß war der Neid der Nachbarn, die sagten: "Oh, was hat der doch für ein Glück, der Bauer!" Aber der Bauer sagte nur: "Wer weiß?!"

Eines schönen Tages im Sommer dann stieg der einzige Sohn des Bauer auf das Pferd, um es zu reiten. Schnell war er nicht mehr alleine, das halbe Dorf schaute zu, wie er stolz auf dem schönen Pferd ritt. "Aah, wie hat der es gut!" Aber plötzlich schreckte das Pferd, bäumte sich auf und der Sohn, der einzige Sohn des Bauern fiel hinunter und brach sich das Bein, in viele kleine Stücke, bis zur Hüfte. Und die Nachbarn schrien auf und sagten: "Oh, der arme Bauer: Sein einziger Sohn!  Ob er jemals wieder wird richtig gehen können? So ein Pech!" Aber der Bauer sagte nur: "Wer weiß?!"

Einige Zeit später schreckte das ganze Dorf aus dem Schlaf, als gegen Morgen ein wildes Getrappel durch die Straßen lief. Die Soldaten des Herrschers kamen in das Dorf geritten und holten alle Jungen und Männer aus dem Bett, um sie mitzunehmen in den Krieg. Der Sohn des Bauern konnte nicht mitgehen. Und so mancher saß daheim und sagte: "Was hat der für ein Glück!" Aber der Bauer murmelte nur: "Wer weiß?!"
Und die Moral von der Geschichte ... "Wer weiß?!"
(Quelle unbekannt)

Der Blick nach außen


Neben der Perspektive, was Sie für sich selbst tun können kommt noch der Blick nach außen. Sie sind nicht allein. Kein Mensch ist eine Insel. Sie sind eingewoben in ein soziales Netz. Ich möchte mit Ihnen jetzt dieses Netzwerk betrachten. Dafür gibt es eine Netzwerkkarte und mit dieser Karte möchte ich jetzt mit Ihnen arbeiten. Sie haben die Möglichkeit, wie beim TÜV einmal zu schauen und zu überprüfen, wie es Ihnen geht mit all Ihren Beziehungen.

Arbeiten mit der Netzwerkkarte


Die Netzwerkkarte zum Downloaden gibt es hier.

Sie betrachten Ihr Netzwerk von der Mitte der Karte wo „ich“ steht. Von dieser Position aus nehmen Sie wahr, mit wem Sie zusammenleben, sprechen, sich austauschen, Kontakt halten. In den vier Vierteln tragen Sie dann mit einem Kreuz und Namen die Personen ein.

Familie:
Zunächst einmal überlegen Sie, wer in Ihrer Familie Ihnen wie nahe steht. Sie tragen jede Person mit einem X und Namen in dieses Feld ein. Je näher Ihnen jemand ist, desto näher tragen Sie diesen Namen ein bei „ich“. Denken Sie bei der Familie nicht nur an die Personen, die mit Ihnen im Haushalt leben. Es gibt da noch Onkel und Tanten, vielleicht auch so manche „Schwarze Schafe“.

Freunde:
Dann wenden Sie sich den anderen Feldern zu. Welche Freunde fallen Ihnen ein? Gibt es Freunde in räumlicher Nähe, aber auch welche, die weit weg wohnen? Zu welchen Menschen haben Sie eher selten Kontakt, dafür aber um so intensiver. Welche Freundschaften haben Sie beendet oder sind einfach verschwunden und könnten wiederbelebt werden. In welchen Vereinen und Gruppen existieren auch Freunde?

Arbeit:
Mit welchen ArbeitskollegInnen arbeiten Sie zusammen? Ihre Vorgesetzten, Ihre Mitarbeiter... Vielleicht gibt es auch Kollegen an anderen Standorten, mit denen Sie mehr telefonieren.

Profis:
Bei den Profis tagen Sie ein, wer sonst noch zum sozialen Netzwerk gehört. Ihre Ärzte, Lehrer, Ausbilder, Fitnesstrainerin, Therapeuten und sonstige Personen, deren Hilfe und Unterstützung Sie in Anspruch nehmen.  

Auswertung:
Jetzt schauen Sie sich Ihre Netzwerkkarte an. In welchen Bereichen gibt es viele Personen, die Ihnen nahestehen?
Wie zufrieden sind Sie selber mit Ihrem Netzwerk bei einer Skala von 1 bis 10? Zehn heißt: Ich bin super zufrieden! Es kann nicht besser sein! Eins hieße: Da ist niemand, mit dem ich verbunden bin und das macht mich total unglücklich. Wo ordnen Sie sich ein?
Wenden Sie sich noch einmal allen Bereichen zu. Stellen Sie Unterschiede fest? Gibt es vielleicht sehr viele Arbeitskollegen oder Freunde und dafür kaum Familie?
Oder Sie haben viele enge Familienangehörige aber kaum Freunde?
Schauen Sie sich alle Personen an, die Ihnen ganz nahe stehen. Empfinden Sie Freude oder Dankbarkeit?
Sie können auch alle Personen betrachten, die ganz außen stehen. Haben die dort ihren erwünschten Platz? Möchten Sie manche Personen näher haben oder lieber weiter weg?

Die nächsten Schritte:
Wenn Sie zufrieden sind mit Ihrer Netzwerkkarte, dann ist weiter nichts zu tun. Wenn Sie auf der Skala aber in einem Bereich sind, der Sie unzufrieden macht, dann können Sie überlegen, mit welchen Schritten Sie auf Ihrer Skala etwas zufriedener werden.
Welche Beziehung bereitet Ihnen die größte Sorge?
Mit wem möchten Sie mehr Kontakt und wie können Sie das erreichen?
Warten Sie auf ein Signal oder möchten Sie selber ein Signal setzen?
Welchen Menschen könnten Sie überraschen?
Mit wem müssten Sie dringend mal etwas klären?

Mit manchen Menschen stehen wir im Konflikt oder befinden uns im Schweigen. Manche Beziehungen sind ungeklärt und warten auf Klärung. Das kostet Energie! Energie, die Sie vielleicht nicht übrig haben. Was können Sie selber machen, damit es eine Verbesserung gibt. Warten Sie nicht, sondern gestalten Sie selber!


Ein Ideenpool

Schreiben Sie allen einen Gruß – ohne Grund, nur weil Sie sich freuen!
Laden Sie jemanden ein, der vielleicht gar nicht damit rechnet!
Bringen Sie Menschen aus Ihrem Netzwerk zusammen, die sich bislang noch nicht kennen, aber wo es hilfreich und nützlich wäre!
Bedenken Sie mal stärker den Familienbereich und in einem anderen Monat die Freunde!
Setzen Sie Schwerpunkte im Kontaktaufnehmen und gestalten Sie!

Zum Schluss

Sie haben zwei verschieden Sätze gehört, die ich noch einmal wiederhole.
Sie haben Ideen gehört, wie Sie noch einmal anders mit sich selber umgehen können.
Sie haben mit der Netzwerkkarte gearbeitet.
Sie haben vielleicht eine Idee davon bekommen, dass die Balance nicht irgendwann kommt, sondern dass sie in der Prioritätenliste an oberster Stelle steht.
Wie werden Sie es erfolgreich schaffen, in ihr altes gewohntes Muster zurückzufallen, wenn Sie diesen Vortrag verlassen?
Wie werden Sie es schaffen, in kurzer Zeit und ohne Schwierigkeiten ein Burnout zu erreichen?
Wie werden Sie es erfolgreich hinbekommen, die Verantwortung an die Umstände, das Schicksal oder die anderen Menschen hinzuschieben?
Werden Sie zum Experten Ihrer eigenen Balance. Es ist Ihre! Sie tragen die Verantwortung dafür! Es kann sein, dass Sie sich dabei ertappen, dass Ihr Leben auf einmal zufriedener abläuft, ohne dass Sie viel dafür tun müssen. Da gibt es einen Schalter in Ihrem Herzen oder in Ihrem Kopf, den Sie umgelegt haben.

www.matthias-koenning.de