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Donnerstag, 21. September 2017

Erst die Arbeit und dann das Vergnügen!


Den Spruch kenne ich schon aus Kindertagen. Ich wollte draußen spielen und meine Mutter hinderte mich daran. Erst die Hausaufgaben machen! Erst die Arbeit und dann das Vergnügen!
Damit schaffen wir einen Unterschied und bilden eine Polarität, die nicht hilfreich und lebensfördernd ist. Wir arbeiten also im Schweiße unseres Angesichtes, damit wir uns anschließend vergnügen können. Wir vergnügen uns, weil wir es uns redlich verdient haben. Du gehst also nach der Arbeit in die Eisdiele und sagst dir: "Das habe ich mir redlich verdient!" Das Vergnügen ist positiv, die Arbeit negativ!
Wenn du dir vorstellst, wie viele Stunden am Tag du arbeitest, dann kann dein Leben nur eine einzige Qual sein. Das gefällt mir nicht und ich möchte diese Polarität ein wenig aufweichen.
Ich habe eine vergnügliche Arbeit. Meine Arbeit macht mir Freude, sie "genügt", sie "vergnügt" mich. In meinem Vergnügen arbeite ich auch sehr gerne. Ich liebe arbeitsame Vergnügen wie kochen und bügeln. Mönche müssen sich stundenlang hinsetzen um meditieren zu können. Mir reicht dazu ein Bügeleisen und schon reise ich in die bunte Innenwelt. Es gibt ja auch Menschen, die betreiben vergnüglichen Sport. Dabei setzen sie sich körperlich so intensiv ein wie ein Straßenbauer oder ein Schmied. Der Schweiß läuft am Körper herunter und - es kann total vergnüglich und befriedigend sein.
Wenn ich aufhöre, solche Unterschiede zu machen, dann ist es auch egal, wie viele Stunden ich arbeite. Ich lebe ja! Ich verabschiede mich von diesem alten Glaubenssatz: "Erst die Arbeit und dann das Vergnügen!" Ich sage: "Werde dir eines vergnügten Zustandes bewusst und dann tue was du willst!"
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Mittwoch, 20. September 2017

Zehn Aspekte der Achtsamkeit von Papst Johannes XXIII: "Nur heute!"



Papst Johannes XXIII richtet seinen achtsamen Blick auf das Heute. Auf 10 Punkte möchte er sich und uns hinweisen. Beginnen wir mit dem ersten Punkt und sehen die wertvollen Hinweise für unseren eigenen Alltag.

1. Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

Bist du ein Morgen- oder eher ein Abendgrübler? Kannst du nicht einschlafen, weil die vielen unerledigten Dinge in deinem Kopf schwirren? Oder wachst du am Morgen auf und überlegst, was du alles in den kommenden Tagen erledigen musst. Dabei fallen dir besonders die Hürden und Hindernisse ein. Es kommen Druckgefühle und das schlechte Gewissen.
Oder es kommt ein Familienangehöriger zu dir und beginn: "Das war ganz schrecklich mit meinem Arbeitskollegen. Der müllt mich immer zu mit seinen Themen, dass ich mich gar nicht konzentrieren kann. Ach ja, die Auffahrt zur Garage müssen wir unbedingt reinigen, weil sich der Nachbar schon beschwert hat. Der macht mir auch echt Sorgen. Ständig nörgelt er an uns herum. Wir müssen unbedingt mal mit dem reden. Jetzt gehe ich eben in den Keller und wechsle eine Dichtung aus. Oder müssen wir noch einkaufen? Da habe ich gar keine Antenne für. Aber wenn ich sehe, wie du mich anschaust, dann denke ich, das müssen wir sofort tun."
Alles auf einmal! Das wäre die Lösung, nicht wahr? Dann hättest du es hinter dir! Aber wir Menschen leben in Raum und Zeit. Wir können nicht tausend Dinge gleichzeitig machen. Das "auf einmal" überfordert uns. Es kann schnell geschehen, dass du eine völlige Blockade bekommst. Da steigt so ein fetter Nebel in deinem Inneren auf. Der bewirkt Druck und Abwehr. Du verlierst den Zugang zu deinen Fähigkeiten. Du verlierst die innere Freiheit. Das Hamsterrad fängt an sich zu drehen und du weißt, es wird nicht aufhören.
Papst Johannes empfiehlt, den Tag zu erleben, ohne das Problem seines Lebens auf einmal lösen zu wollen. Man achte auf die Details.
Der Papst spricht von sich! "Ich werde..." Er beschränkt sich auf das "Heute!" Er spricht vom Bemühen und nicht von dem Anspruch, dass es perfekt gelingen müsste. Er erkennt, dass die vielen kleinen Probleme etwas mit meiner Persönlichkeit zu tun haben. Er entscheidet sich für Geduld, Beschränkung, Freiraum.
Was ist dein Zuviel? Was kannst du für heute streichen? Was müsstest du selber gar nicht tun, weil jemand anders die Verantwortung trägt? Wie geht es dir mit deiner Perfektion? Kinder wollen oft alles sofort. Geduld ist nicht leicht. Es kann aber sein, dass es Freude macht, die Aufgaben zu reduzieren und mehr Sorgfalt und Wohlwollen hineinzulegen.


2. Nur für heute werde ich große Sorgfalt in mein Auftreten legen: vornehm in meinem Verhalten; ich werde niemanden kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern - nur mich selbst.

Nur heute - vielleicht auch nur in diesem Augenblick! Wenn ich im Spiegel auf meine Stirn schauen könnte, dann würde da stehen: "Das finde ich nicht gut!" - "Das finde ich nicht richtig!" Hast du einmal beobachtet, wie oft am Tag du etwas an deinem Gegenüber auszusetzen hast? Ob es deine Kinder sind, deine Arbeitskollegen, die Nachbarn, die weite Verwandtschaft, die Politiker... Du könntest den ganzen Tag und den Rest deines Lebens Menschen für ihr Verhalten kritisieren. Wie leicht ist es, den anderen zu verbessern. "Mach doch mal so!" "Hast du das probiert?" "Das kannst du doch so nicht machen!" Wie geht es dir, wenn du selber kritisiert wirst?"
Wirst du dann kleinlaut und verkriechst dich in dein Schneckenhaus? Oder ruft das deinen Ärger hervor und du gehst in den Widerstand? In der Regel bekommst du irgendein scheußliches Gefühl. Es sei denn, du bist schon so erleuchtet, dass du gelassen mit jeder Form von Kritik umgehen kannst. Wenn du ein negatives Gefühl bekommst bei Kritik, wie wird deine Kritik ankommen beim Gegenüber? "Ich habe es ja nur gut gemeint!" "Ich wollte nur helfen!" Ich glaube, dass diese Form von Hilfe überflüssig ist. Bist du beauftragt worden? Hat dich jemand danach gefragt?
Papst Johannes schlägt vor, dass er große Sorgfalt in seinem Auftreten legt und vornehm sein wird in seinem Verhalten - wohlgemerkt nur heute! Mir gefällt es, dass ich zunächst einmal in eine Grundhaltung hineingehe. Ich bin sorgfältig und vornehm! Das klingt ein wenig altertümlich, hat aber einen ganz schönen Kern. Du entdeckst in dir einen aristokratischen Zug. Du gehst in deine Göttlichkeit und in deine Würde. Wenn du in dir selbst ruhst und dich wertschätzt, dann gibt es meistens gar keinen Grund zur Kritik. So großzügig, wie du dir selber gegenüber bist, wirst du auch deinem Gegenüber sein, vom Kind bis zum Greis, vom Bettler bist zum Millionär.
Ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren, nur mich selbst. Der Gedanke gefällt mir. Ich arbeite an mir selbst. Ich entwickle mich - heute. Ich bin sorgfältig in dem was ich sage und auch was ich denke.
Auch deine kritischen Gedanken erreichen dein Gegenüber. Auch deine negativen Gedanken haben ihre Auswirkungen. An sich selbst zu arbeiten ist ein Mammutunternehmen und eine Lebensaufgabe. Eigentlich hätte ich damit schon genug zu tun - heute! Wenn die anderen nur nicht immer so unmöglich wären...;-)

3. Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin - nicht für die anderen, sondern auch für diese Welt.

Es gibt Tage, die echte Unglückstage sind. Warum? Warum habe ich diese unheilbare Krankheit? Warum bin ich ein Mauerblümchen? Warum werde ich immer übersehen? Du könntest dich vor den Spiegel stellen und den Hut des Leides aufsetzen. Du bist der unglücklichste Mensch der Welt. Womit hast du das verdient? Das ist auch ungerecht! Ohne Abstriche! Du hast das Unglück nicht verdient!
Angesichts all deiner leidvollen Augenblicke wäre es ermessen zu denken, du könntest immer und überall glücklich sein, oder? Papst Johannes spricht wieder vom "Heute". Nur heute werde ich... Dann kommt ein interessanter Gedanke. Er spricht von der "Gewissheit". Er wartet nicht auf einen glücklichen Augenblick und hofft, dass er kommt. Er ruft die Gewissheit in sich wach. Gewissheit meint so etwas wie ein inneres Wissen. Das innere Wissen ist unerschütterlich in der Zuversicht, eigentlich für das Glück bestimmt zu sein. Es kann sein, dass in diesem Augenblick ich mich in einer Situation befinde, dich mich nicht glücklich macht. Zugleich trage ich die Gewissheit in mir, dass ich dennoch für das Glück bestimmt bin. Die Gewissheit macht dich stark und nicht so sehr das erlebte Glück!
Du könntest schnell zu einem "Glücksjunkie" werden. Du hechelst immer und ständig danach, dass du um jeden Preis glücklich sein musst. Allein das Hecheln danach verhindert dein Glück. Gehe einmal der inneren Gewissheit nach. Die Gewissheit, dass ich für das Glück bestimmt bin, macht mich glücklich.
Zugleich gibt es da auch noch den Punkt, dass ich nicht für die anderen erschaffen bin. Ich muss nicht die anderen glücklich machen. Wenn ich heute in der Lebensbejahung bin sorge ich dafür, dass der Freudepegel in der Welt steigt. Ich bin ein Teil des Großen und Ganzen.

4. Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

In meinen Beratungen mache ich manchmal folgende Erfahrung. Ein Mitarbeiter hat Probleme mit seinem Vorgesetzten. Er findet auch, dass das Unternehmen keine so gute Firmenphilosophie hat. Es gibt Intrigen und Verfilzungen. Probleme werden auf die lange Bank geschoben und manche arbeiten nicht für ihr Geld oder nutzen andere aus. Das gibt es: Nicht so tolle Umstände!
Der Weg ist zu weit. Die Arbeit ist zu langweilig. Der Kollege ist zu umständlich! Wenn das alles nicht wäre, dann könnte ich ja so richtig loslegen. Wenn die Umstände anders wären, dann...
Leider sind die Umstände so wie sie sind. Manche Menschen versuchen als ständig, die Umstände zu verändern. Die Umstände sind leider so groß und mächtig, dass da oft nichts zu machen ist. Wenn der Chef netter wäre könnte ich eine viel bessere Arbeitsleistung bringen.
Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen. Den Gedanken mag ich. Eigentlich wünschte ich mir eine bessere Welt. Für heute entscheide ich mich dafür, mit dieser Welt zu leben, so wie ich sie vorfinde. Morgen könnte ich mich auch anders entscheiden. Heute entscheide ich mich dafür, mich mit dem schrecklichen Chef zu arrangieren. Morgen könnte ich ihn vergiften! Aber heute nicht! Heute passe ich mich den Umständen an.
Wenn du erst loslegen kannst mit deinem Leben wenn die Umstände passen, befindest du dich in Abhängigkeit. Du bist der Sklave der Umstände. Du hast deine Freiheit verloren. Du wartest ab, was die Umstände machen und du bist ihnen ohnmächtig und hilflos ausgeliefert. Wenn du dich "anpasst", bist du handlungsfähig. Du musst nicht mit den Umständen einverstanden sein. Du musst nicht kuschen, das ist damit nicht gemeint. Die Umstände sind oft einfach wie sie sind. Verschwende daran nicht deine Energie. Nur heute machst du einfach das Beste daraus. Dann hast du für heute schon einmal etwas geschafft und deine Freiheit bewiesen.

5. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

Zehn Minuten für eine gute Lektüre! Das ist nicht viel Zeit! Wenn ein Mensch einen guten Gedanken hat und ich darf ihn lesen empfinde ich das als ein sehr kostbares Geschenk. Die Menschen im Mittelalter waren darauf angewiesen, dass ein kluger Mensch in ihrer Umgebung wohnte. Sie konnten keine tollen Bücher lesen. Als Kind hatte ich kein Geld dafür, mir Bücher zu kaufen. Aber es gab die Leihbücherei. Ich habe sie geliebt und im Laufe der Jahre Regal um Regal verschlungen.
Ich bin immer noch auf der Suche nach Büchern, die meinen Horizont erweitern. Und es gibt so viele Menschen, die so tolle Dinge geschrieben haben. Romane für das Herz, Sachbücher für die Weiterbildung, psychologische Bücher für die innere Weiterentwicklung.
Papst Johannes gibt einen wertvollen Impuls, warum die Lektüre so wichtig ist. Es geht um das Leben der Seele. Deine Seele benötigt also Nahrung. Wir denken an unseren Körper und geben ihm drei Mal am Tag, was er braucht. Doch die Seele? Was gibst du deiner Seele als Nahrung? Manchmal liest du Sätze und in dir schwingt etwas mit. Die Seele ruft laut: "Juhu!" Das liebe ich! Wenn die Seele keine Nahrung bekommt zieht sie sich zurück. Sie fühlt sich überflüssig und wird nicht gebraucht. Aber sie kommt sofort, wenn du sie ansprichst. Hast du Lust zu einem Experiment?
Geh einmal in einen Buchladen und überlasse der Intuition die Entscheidung, wo sie hinmöchte. Zu den Romanen oder Ratgebern? Einfach nach dem Bauch entscheiden. Dann stehst du vor einem Regal und greifst nach dem Buch, wo du spontan hingreifen möchtest. Das ist dann dein Seelenbuch! Der Kopf sucht das Bekannte und Vertraute. Die Seele sucht das Neue!

6. Nur für heute werde ich eine gute Tat verbringen, und ich werde es niemandem erzählen.
Ein Papst und nur eine gute Tat? Und nicht mal drüber sprechen. Tu Gutes und rede darüber heißt es doch in der Geschäftswelt.

Mir gefällt die Idee trotzdem. Nicht jeden Tag eine gute Tat, sondern wiederum nur heute! Es ist wichtig, diesen Gedanken immer zu wiederholen. Nur heute... Viele Menschen haben in sich den Gedanken: "Wenn ich dir einen Finger hinstrecke nimmst du die ganze Hand." Heute darfst du deinen Finger anbieten. Du bietest deinen Finger an und nicht deine Hand. Was morgen ist, wird erst morgen entschieden und nicht heute. Heute den Finger und eher heimlich und verborgen.
Wenn du über deine Taten sprichst, ist das bestimmt gut für deine Selbstbestätigung. Du bekommst Zuwendung und Anerkennung von deiner Umwelt. Wenn du es niemandem erzählst, wird es keiner so leicht bemerken und du verzichtest auf Lob und Wertschätzung. Was ist gut daran, es niemandem zu erzählen?
Zunächst einmal gibt es so etwas wie eine stille, heimliche und kindliche Freude. Das Kind, das heimlich der Mutter ein Bild auf den Tisch legt und sich darüber freut, wie sie reagieren wird. Wann erlebst du als Erwachsener die kindliche Freude des "Nikolauseffektes". Still, leise, heimlich, verborgen, tief...
Wenn du es niemandem erzählst bekommt dein Ego keinen Stoff. Du kannst dich beobachten ob es dir um die gute Tat geht oder doch eher um die gute Anerkennung für deine Tat? Eine gute Tat heute macht dir deutlich, dass du ein Tel des großen Ganzen bist. Du darfst mitgestalten, mitschöpfen und in der Freude sein. Welche gute Tat würde dich heute reizen?

7. Nur für heute werde ich etwas tun, für das ich keine Lust habe zu tun: sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.

Kennst du das? Du stehst am Morgen auf und schaust auf die Arbeit, die vor dir liegt. Sie kommt dir eintönig vor. Jeden Tag kochen? Jeden Tag aufräumen? Jeden Tag spülen? Du hast keine Lust. Du findest das Leben in diesem Augenblick weder lustig noch lustvoll. Ja, du kannst dir einreden, dass du ja mal etwas anders machen kannst. Du probierst ein neues Rezept aus. Du verlängerst heimlich deine Pause am Arbeitsplatz um ein paar Minuten und schwätzt mit einem netten Kollegen.
Das wird aber wenig daran ändern, dass es immer wieder solche Augenblicke und Tage der Lustlosigkeit gibt. Wenn du wenigstens eine ordentliche Depression hättest! Du würdest eine Diagnose vom Arzt erhalten, das Mitgefühl deiner Familie, eine tolle Therapie und hilfreiche Tabletten. Aber Lustlosigkeit?
Ich erinnere mich an Ferienzeiten als Kind. Da gingen wir zu unserer Mutter und fragten sie: "Was sollen wir machen?" - "Spielt doch verstecken!" - "Nö, keine Lust!"  Gestehe es dir einfach ein: Es gibt Tage ohne Lust. Keine Depression. Einfach keine Lust. Ich habe manchmal auch keine Lust, etwas zu schreiben. Leider gibt es in mir eine Stimme die sagt: "Mache es trotzdem! Du kannst auch ohne Lust schreiben, ist nicht so schwer. Fang einfach an und es wird." Diese Stimme ist ziemlich mächtig.
Papst Johannes macht uns auf eine interessante Beobachtung aufmerksam. Du entscheidest dich also, trotz deiner Unlust etwas zu tun. Das beleidigt deine Gedanken! "Ich habe doch gesagt, dass ich keine Lust habe. Warum machst du trotzdem diese Aufgabe. Willst du, dass ich streike! Soll ich dir sagen, was ich jetzt mache! Ich zeige ein beleidigtes Gesicht. Ich werde so griesgrämig ausschauen, dass jeder Mensch zu dir auf Abstand geht. Hör also lieber auf zu arbeiten, sonst ziehe ich ein Gesicht." So ähnlich kommen die Gedanken, wenn du ohne Lust etwas tust. Der Papst macht daraus einfach einen Sport. Du darfst dich ruhig beleidigt fühlen. Das ist in Ordnung. Aber muss das jemand merken? Kannst du es nicht einfach erwachsen, stolz und selbstbewusst ganz für dich fühlen? Probiere doch einmal aus - nur heute - in einer Situation beleidigt zu sein und es niemanden merken lassen. Das Gefühl gehört dir. Du fühlst es und fertig!

8.  Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen - und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.

Nur für heute ein genaues Programm. Ich kenne Menschen, die vor lauter Arbeit nicht anfangen können. Ihnen fehlt ein Plan. Sie besitzen keine Struktur. Sie fangen etwas an und wenden sich ganz schnell dem nächsten zu. Oder sie fangen gar nicht erst an, nehmen aber alles in die Hand. Sie sind erfüllt von Gedanken wie: "Ich müsste...", "ich sollte...", "ich könnte..." ergänzt durch unbedingt, dringend und auf jeden Fall.

Nur heute machst du ein genaues Programm.
1. Du setzt dich hin und schreibst auf, was du erledigen möchtest.
2. Dann gibst du jeder Aufgabe Punkte. Drei Punkte bedeutet "total wichtig". Zwei Punkte ist wünschenswert und ein Punkt ist kann muss aber nicht.
3. Dann schreibst du die "Dreipunkteaufgaben" untereinander in der Reihenfolge der Dringlichkeit. Vergiss nicht die "Freudefaktoren" wie lustvolle Aufgaben oder Pausen oder kreative kleine Unterbrechungen. Dann folgen die Zweipunkter und dann die Einpunkter.
4. Dann schreibst du hinter jeder Aufgabe wie viel Zeit du dafür verwenden möchtest.
5. Du wirfst einen Blick darauf, ob deine Liste realistisch ist. Du kannst ja jetzt die Zeiten zusammenrechnen. Wenn dein Arbeitszeitpensum ausgeschöpft ist streichst du alles von deiner Liste, was darüber hinausgeht.

Der Papst gibt den Hinweis auf zwei Fallen. Achte darauf, dass du dich nicht abhetzt. Ein Programm bewirkt oft dies. Du fühlst dich wie ein Sklave und arbeitest das Programm ab. Du vergisst, dass das Programm lediglich eine Strukturhilfe ist und nicht dein Sklaventreiber. Wenn dein Zeitplan nicht gut berechnet ist oder Unvorhergesehenes geschieht, dann streiche wieder etwas vom Ende deiner Liste.
Der zweite Hinweis dreht sich um die Unentschlossenheit. Manchmal gehen deine Projekte deswegen nicht voran, weil du dich nicht entscheiden kannst. Mache ich A oder B oder lieber C oder rufe ich an und frage den oder die. Rechne einmal die Zeiten zusammen, in denen du unentschlossen bist. Deine Lebenszeit ist kostbar. Manchmal ist es besser, sich für das Falsche oder Zweitbeste zu entscheiden. Das ist besser als in der Unentschlossenheit zu verharren. Die Unentschlossenheit an sich ist ein unglaublicher Energieräuber. Sie führt dich in die Passivität und du bekommst nichts mehr von deiner Liste gebacken. Du gibst einfach auf!
Also, ein Programm. Nur für heute! In der Freude bleiben und es als Experiment sehen. Entscheide dich - ruhig auch einmal falsch - und vertraue, dass aus deiner falschen Entscheidung auch etwas Gutes wachsen kann. Aber die Gefahr wird geringer, wenn du dein Werk nicht in Hetze abarbeitest. Vergiss nicht, regelmäßig und tief dabei zu atmen.

9. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist - und ich werde an die Güte glauben.

Nur für heute werde ich keine Angst haben? Wenn ich darüber mal Einfluss hätte! Bei mir kommt die Angst einfach. Ich rufe sie nicht herbei. Ich will sie nicht einmal haben. In bestimmten Situationen kommt sie. Es kann sein, dass heute nichts geschieht, was die Angst auf den Plan ruft. Aber in der Hand habe ich das nicht. Ich kann leider einfach nicht beschließen, heute keine Angst zu haben. Ich kann Papst Johannes auch nicht fragen, ob er das in seinem Leben konnte. Nach meiner Erfahrung gibt es keinen Menschen ohne Angst. Jeden Menschen treibt irgendeine Angst im Leben an. Es gibt einigermaßen angstfreie Tage oder Zeiten. Vielleicht kannst du die Angst ausblenden, kleinreden, verdrängen... Da gibt es viele erfolgreiche Wege.
Vielleicht geht es dem Papst auch nicht um die Angst an sich sondern um die Kehrseite. Ich kann das Positive sehen und bejahen und mich darüber freuen. Es gibt ja Menschen, die sich konsequent weigern, in die Güte zu gehen. Wer weiß, was danach kommt. Wenn ich mich jetzt freue, falle ich hinterher um so tiefer. Wenn ich jetzt Angst vor der Freude habe und sie verhindere, kann ich auch nicht mehr fallen. Ich bin ja schon am Boden. Eine fatale Logik.
Ich möchte nicht enttäuscht werden, darum verhindere ich die Freude. Du kannst dich auf die Angst fixieren oder die Entscheidung treffen dich zu freuen über alles, was schön ist. Wenn dich auch viele Ängste plagen kannst du dich zugleich über die Blumen auf deinem Tisch freuen, das Lächeln eines Menschen, ein süßer Vogel im Baum. Stoff zum Freuen findest du genug!

10. Nur für heute werde ich fest glauben - selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten  - ,dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

Erst in dem zehnten und letzten Gedanken spricht der Papst über Gott. Alle anderen "nur heute" Gedanken beinhalten das Wort Gott nicht. Nur für heute werde ich "glauben".
Die Idee ist, dass Gott sich so um mich kümmert als gäbe es sonst niemanden auf der Welt. Wenn ich mir all die Menschen anschaue, die das Gegenteil zeigen... Die Menschen auf der Flucht. Die arbeitslos sind. Die unglücklich Verheirateten. Diejenigen, die Gewalt erfahren sei es physisch oder psychisch. Ich könnte eine ganze Litanei aufzählen von Menschen die das Gegenteil erleben von der gütigen Vorsehung Gottes. Ein großer Teil der Menschheit lebt ein Leben, das so nicht sein müsste, wenn wir alle gerechter und liebender wären. Aber der Kern dieses Papstgedankens ist wohl ein anderer.
Es geht ja um mich und um meine Grundhaltung. Nur für heute! Ich!
Ich werde also nicht über die Ungerechtigkeit der Welt nachdenken sondern darüber, wie es mir geht, wenn ich unglückliche Situationen erlebe. Verliere ich dauerhaft den Boden unter den Füßen, wenn ich in meinem Leben Leid erfahre? Kratzt das mein Gottesbild an? Erwarte ich tatsächlich, dass Gott mir jeden Tag paradiesische Umstände schenkt? Dann wäre er ja mein Sklave oder Diener. Zugleich finde ich den Gedanken und die Idee hilfreich. Wenn ich mein ganzes Leben anschaue weiß ich, dass ich einem Lebens- oder Seelenplan folge. Ich entwickle mich. In Zeiten von Entwicklung geht es rauf und runter. In meiner Entwicklung gibt es die Erlaubnis und das Einverständnis, dass kommen kann was kommen will.
Ich bin nicht wie ein Kind, das ständig etwas von Gott einfordert und erwartet. Gott, tu dies und bewahre mich vor jenem! Gott ist in mir und ich bin in ihm! Wir kümmern uns gemeinsam. Vielleicht müssen wir uns bis an das Ende des Lebens kümmern und über den Tod hinaus, dass alles vollendet und gut wird. Der Satz des Papstes für mich in Kurzform: "Es ist wie es ist und ich sage Ja dazu!"
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Montag, 18. September 2017

Keine Panik! Und wenn doch?


Vor ein paar Tagen hielt mein Zug planmäßig an einem kleinen Bahnhof. Dann kam die vertraute Durchsage: "Unsere Abfahrt verzögert sich leider noch um wenige Minuten. Wir müssen einen ICE vorbeifahren lassen."
Aus den wenigen Minuten wurde eine Viertelstunde. Ich richtete mich auf eine längere Verzögerung ein und packte meinen Laptop aus. Statt zu warten wollte ich die Zeit gut nutzen. Dann kam eine erneute Durchsage: "Auf dem Steckenabschnitt vor uns ist ein ICE in einen auf den Gleisen liegenden Baum hineingefahren. Unsere Abfahrt verzögert sich auf unbestimmte Zeit." Was war meine erste Reaktion? Kein Problem! Bis zu meinem Haus sind es zwanzig Minuten. Ich kann abgeholt werden. Ein kurzer Anruf genügt.
Die meisten Fahrgäste sprangen unmittelbar nach der Durchsage wie von der Tarantel gestochen auf und verließen fluchtartig den Zug mit dem Handy in der Hand. In wenigen Augenblicken waren Zug und Bahnsteig wie leergefegt. Ich brauchte noch ein paar Augenblicke, den Laptop wieder herunterzufahren.
Dann kam plötzlich die Zugbegleiterin in das Abteil: "Bleiben Sie sitzen! Es geht gleich weiter!" Unmittelbar auch die zentrale Durchsage: "Wir haben wieder freie Fahrt!" Für die flüchtenden Fahrgäste war es zu spät. Für mich nicht! Was lerne ich daraus?
Wenn es zu einer plötzlichen Überraschung kommt neigen wir Menschen zu Panikreaktionen. Unmittelbar und direkt möchten wir uns retten. Da kommen die tierischen Instinkte durch und wir haben das Gefühl, wir müssen sofort handeln. Aber müssen wir das wirklich? Es steht kein Löwe vor uns, der uns auffrisst. Es überfährt und gerade in diesem Augenblick kein Auto. Es besteht keine unmittelbare Todesgefahr. Aber unser Körper gibt diese Signale ab. Was tun stattdessen?
Einen Augenblick innehalten. Einen Atemzug nehmen und das ganz bewusst! Eine Verzögerung einbauen. Es geht darum, diesem Panikmoment für einen Augenblick zu widerstehen. Nach dem Atemzug öffnet sich quasi ein neues Tor. Es ist das Lösungstor! Nach dem Innehalten und dem bewussten Atemzug wirst du dir deiner Ressourcen und Möglichkeiten bewusst. Die waren nämlich für einen Moment ausgeschaltet.
Wenn du diesen Text jetzt liest, wirst du dich bei der nächsten Panik daran erinnern. Du gibst deinem Geist hier und jetzt den Impuls: Beim nächsten Mal innehalten und tief durchatmen. Zugleich fängst du schon jetzt an zu üben. Bei jeder Kleinigkeit wo du merkst, dass dein Puls hochgeht, hältst du inne und atmest. Du machst dir dein eigenes Angst- und Paniktrainingsprogramm. Dieses Programm beinhaltet nur einen Satz: "Innehalten und bewusst atmen!"
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Montag, 4. September 2017

Wenn ich könnte wie ich wollte



Wenn ich könnte wie ich wollte, dann würde ich was machen? Ich will ja wohl, aber ich kann nicht.
Ich würde gerne eine Reise um die ganze Welt machen. Alle Länder der Welt besuchen. Auch nach Nordkorea. Fremde Kulturen erleben. Von jeder Sprache wenigstens ein paar Sätze verstehen. Das wollte ich wirklich, aber mir fehlen leider Zeit und Geld.
Wenn ich könnte, würde ich gerne Einfluss nehmen auf die Politik unseres Landes. Weg von der Scheindemokratie mit dem Ankreuzen von irgendwelchen Parteien hin zu mehr Mitgestaltung an der Basis. Ich würde mich dafür stark machen, dass es mehr Gerechtigkeit und Vertrauen gäbe in unserem Land. Ich wollte das wirklich, aber ich habe keinen Einfluss auf notwendige Veränderungen im Grundgesetz.
Wenn ich könnte, dann würde ich echt die Kirchen abschaffen, sowohl die evangelische als auch die katholische. Ich hielte es für ausreichend, wenn Christen nur Christen wären, ohne Konfession. Wenn ich könnte, dann würde ich vielleicht sogar alle Religionen abschaffen, damit die Menschen ihre Unterschiede leichter überwinden und sich besser verbinden könnten. Das wollte ich wirklich, aber ich bin kein Papst und kein Bischof.
Und wenn ich könnte, dann würde ich nur noch ökologisch korrekte Produkte einkaufen. Ganz ohne Gentechnik oder Pestizide und völlig fair gehandelt. Das wollte ich wirklich, aber ich durchschaue bei der Komplexität des Marktes einfach nicht, was denn nun wirklich absolut korrekt wäre.
Wenn ich könnte wie ich wollte! Manchmal will ich etwas, was nicht geht. Weil die Welt es nicht so vorsieht. Weil es für mich eine Nummer zu groß ist. Darum wäre es besser, manche unrealistischen Dinge gar nicht erst zu wollen. Am Ende frustriere ich mich nur selbst.
Zu mir kommen immer wieder Menschen in die Beratung, die etwas wollen. Verständlich! Jeder will etwas! Eine Mitarbeiterin will wirklich gut und erfolgreich arbeiten. Aber sie scheitert, weil der Abteilungsleiter keine klaren Aufträge erteilt. So macht sie irgendetwas so ungefähr und ist frustriert.
Ein anderer Mitarbeiter weiß nicht, wie er sein Pensum bewältigen soll, weil seine Führungskraft ihm viel zu viel Verantwortung übertragen hat. Wenn er könnte, würde er alles wegarbeiten.
Eine Führungskraft findet, dass die gesamte Firmenpolitik sich in eine völlig falsche Richtung entwickelt. Unter diesen Voraussetzungen will sie nicht weiterarbeiten.
Wir leben alle in kleinen und großen Systemen wie Familie, Nachbarschaft, Firma oder Gemeinde. Dabei gibt es Bereiche, die ich beeinflussen kann und Bereiche, wo ich eher ohnmächtig bin. Ich kann mein Kreuz bei der Bundestagswahl machen und an Demonstrationen teilnehmen. Ich kann Petitionen stellen und an Diskussionen teilnehmen. Aber ich sitze nicht im Bundestag und stimme mit ab. Es gibt klare Grenzen.
Ein Mitarbeiter in seiner Firma kann seinen eigenen Arbeitsplatz begrenzt mitgestalten. Er kann alle Chancen nutzen, die er zur Verfügung bekommt. Er kann sich mit seinen Führungskräften auseinandersetzen und seinen Gestaltungsraum ausdehnen. Aber er wird immer wieder an Grenzen stoßen. Er ist nicht der Chef!
So wird es immer im Leben sein, dass wir etwas wollen, aber nicht können. Wir können nicht, weil es nicht zu unserem Einflussbereich gehört. Es ist zu groß für uns. Da liegt leider auch die Quelle für viel Frust und Enttäuschung. Manche Menschen wollen dann auch nicht loslassen nach dem Motto: „Das muss doch jetzt aber gehen!“ In manchem von uns zeigt sich gerade da ein kleiner Revolutionär oder Rebell.
Auf die Dauer ist es ungesund, ständig gegen Wände zu laufen und sich eine blutige Nase zu holen. Oder frustriert durch die Gegend zu laufen und nie zum Ziel zu kommen. Ich finde es hilfreicher, eher bei sich selbst anzufangen. Ich kann aufhören, etwas zu wollen. Ich kann meine Haltungen ändern. Meine innere Freiheit und Unabhängigkeit bewahren. Priorisieren... Vor einiger Zeit hörte ich den Satz: „Die Antwort auf jede Frage heißt: Liebe!“ Da ist etwas dran. Lieben kann ich immer. In jeder Situation.
Ich kann denken, dass mein Vorgesetzter nicht sehr qualifiziert ist in seiner Position, aber lieben kann ich ihn trotzdem. Ich kann wahrnehmen, dass ich überlastet bin und zu viel Verantwortung trage. Zugleich kann ich aber lieben. Wenigstens einen Kollegen oder die Tasse Kaffee am Morgen.
Wenn ich könnte wie ich wollte... Wenn ich das ständig täte würde ich im Möglichkeits- Unmöglichkeitsmodus leben. Im Spagat von wollen und nicht können. Das kann nur Frust zur Folge haben.
Wenn ich könnte wie ich wollte beinhaltet aber noch einen anderen Zugang. Es geht oft darum, dass ich nicht wirklich will. Ich will es nur nicht sagen. Wenn ich könnte wie ich wollte, dann würde ich dich am Wochenende besuchen. Leider muss ich in den Garten und noch zu meiner pflegebedürftigen Mutter, die auf mich wartet. Wenn ich könnte wie ich wollte, dann würde ich dich treffen. Ich schiebe aber lieber die Mutter und den Garten vor, weil ich eigentlich nicht will. Ich möchte dich nur nicht zurückweisen um dich nicht zu kränken.
Wenn ich könnte wie ich wollte, würde ich... schafft zugleich eine eigenartig lähmende Atmosphäre. Manchmal erlebe ich Gruppen und Teams in dieser emotionalen Verfassung von Stagnation. „Wir würden uns ja alle gerne bewegen wenn wir könnten. Aber wir dürfen ja nicht. Es geht einfach nicht!“ Jemand hat eine Idee und viele finden diese Idee gut. Dann kommen die Bedenkenträger und sagen, was nicht funktionieren wird. Sie sehen die Hürden und Hindernisse und nicht die Möglichkeiten. Sehr schnell sind alle frustriert und die Konferenz endet mit dem Frustgefühl: „Wir würden alle sehr gerne wenn wir könnten. Aber wir können nicht.“
Oft ist dabei die „große Lösung“ im Sinn. Die Weltreise, die Basisdemokratie, die Abschaffung der Religion. Wenn das Große nicht geht, dann geht gar nichts. Und da möchte ich gerne einhaken! Es geht immer etwas. Immer! An irgendeiner Stelle. Ich kann eine kleine Lösung finden. Einen ersten Schritt mal probeweise gehen. Eine Ausnahme machen.
Ich kann aufhören, die großen Dinge zu wollen und darauf vertrauen, dass ich doch etwas kann. Wie sieht meine Welt aus, wenn ich mit dem „wollen“ aufhöre. Je mehr ich will, desto mehr Leid schaffe ich. Besonders für mich selbst. Wenn es nicht geht bleib ich am Ende im eigenen Frustgefühl stecken. Und ich muss sehen, wie ich da wieder herauskomme.  
Wenn ich nichts mehr will – werde ich dann gleichgültig? Wird mir dann alles egal? Die Gefahr besteht, es muss aber nicht sein. Ich kann mich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen mit der ganzen Kraft meines Herzens und zugleich loslassen, dass es unbedingt gelingen muss.
Ich kann von ganzem Herzen lieben ohne die Erwartung, dass mein Geschenk angenommen wird. Deswegen bleibt die Liebe dennoch kostbar und wertvoll.
Ich kann alle Religionen der Welt bestehen lassen ohne sie zu bekämpfen und zugleich nach dem suchen, was alle Menschen spirituell verbindet.
Ich kann voller Leidenschaft ansprechen, wo es ungerecht zugeht aber dennoch den Menschen würdigen, der anders denkt als ich.
Wenn ich könnte wie ich wollte ... hält aber auch noch die Möglichkeit zum Träumen offen. Wenn ich könnte wie ich wollte, dann würde ich eine Politik erfinden, wo die Parteien sich nicht gegenseitig beschimpfen, sondern würdigen, was der andere für tolle Ideen hat. Wenn ich könnte wie ich wollte, dann würde ich einen Ort schaffen, wo Menschen aller Religionen friedlich in der Meditation verbunden sind. Und wenn ich könnte wie ich wollte, dann würde ich das Zauberwort finden, dass dir und mir die Fähigkeit geben würde, grenzenlos und ohne Angst zu lieben.