Freitag, 31. Oktober 2014

Einen Tag ungestört in Muße zu verleben heißt, einen Tag lang ein Unsterblicher zu sein. (Johann Albrecht Bengel 1687-1752)

Mein Kalender schreibt diesen Spruch einer chinesischen Weisheit zu. Tatsächlich stammt er aber wohl von dem protestantischen Theologen Bengel. Warum glaubt mein Kalender wohl, dass es sich um eine chinesische Weisheit handelt. Wo lag der Anfang des Irrtums?
Wenn du einmal das Internet durchforstest wirst du feststellen, dass viele von vielen abschreiben manchmal mit richtiger Quelle, manchmal mit falscher und oftmals auch ohne Ursprungsangaben. Meine Sätze habe ich auch schon in einem Blog wiedergefunden und gedacht: Ach wie vertraut!
Macht es einen Unterschied, ob die Würdigung der Muße chinesischen oder protestantischen Ursprungs ist? Ich glaube nicht! Wir alle haben etwas Unsterbliches in uns. Wann wird unsere Sehnsucht nach einem ewigen Leben wach? Wenn ich den ganzen Tag arbeite, dann erschließt sich mir kaum ein Ewigkeitsgedanke. Da zählt das, was jetzt in diesem Augenblick zu tun ist.
Doch wenn du für einen ganzen Tag dich der Muße hingibst und in den Himmel schaust, dann öffnest du den Raum des unendlichen Kosmos. Ich nenne es den Zustand der "Verbundenheit". Das Gegenteil wäre die "Trennung". Das theologische Wort dafür heißt "Sünde" von absondern, getrennt sein. Die Stunde ist begrenzt, der Tag mit den 24 Stunden auch. Wenn dir die Sterblichkeit in den Sinn kommt, bist du im Zustand der Trennung, der "Sünde". Der Tod trennt dich vom Leben. Wie gelangst du jedoch  in einen Zustand der Verbundenheit? Wenn du dir Zeit nimmst und nichts tust, einfach da bist, verschwindet diese gleich Zeit. Sie hört auf zu existieren. Es entsteht ein Zustand der Muße, in dem die Unsterblichkeit aufleuchtet. Auch, wenn du "arbeitest" kannst du in diese Bewusstheit hineingehen des "Ich Bin".
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Donnerstag, 30. Oktober 2014

LOL

Mein Neffe hat eine ganze Zeit bei facebook jede Frage mit "LOL" beantwortet. Ich habe das nicht verstanden. Wenn ich ihn fragte, was das Wort bedeute, dann antwortete er mit "LOL". Ich gab es auf, weiter danach zu fragen. Sonst google ich in der Regel. Erst jetzt habe ich nachgeforscht, was es heißt. Bei Wikipedia lese ich: "Laugh Out Loud" auf deutsch: laut lachen, laut auflachen.
Mein Neffe hat also lediglich gelacht. Hat er mich ausgelacht? Hat er sich über mich gefreut? War ich Quelle seiner Erheiterungen? "LOL" hat mich irritiert und im Regen stehen lassen. Ich habe nichts verstanden.
In den letzten Jahren sind viele solcher Worte aufgetaucht. Alle Firmen, Gruppen und Verbände haben so ihre speziellen Abkürzungen. Als Fremder sitzt du dabei und denkst, die sprechen Deutsch und du verstehst trotzdem nur Bahnhof. Ich erinnere mich an den Turmbau zu Babel wo die Menschen sich auch nicht mehr gegenseitig verstanden haben.
In der Beratung kommen manchmal Menschen zu mir und sprechen viele Worte, einen ganzen Schwall, ein Berg voller Worte. Ich sitze dann gegenüber und höre nicht das Gesagte. Ich sitze und staune: "Sooo viele Worte!" Oft lassen sich diese Worte reduzieren auf: "Ich bin gekränkt!" - "Ich fühle mich verlassen!" - "Ich bin wütend!"  Dann plötzlich verstehe ich! Ich verstehe alles und brauche dafür kein Wort. Ich fühle mit.  LG Matthias
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Dienstag, 28. Oktober 2014

Sei geduldig mit allen Fragen in deinem Herzen, und versuche, die Fragen an sich zu schätzen. (Rainer Maria Rilke)

Du bewegst eine Frage in deinem Herzen und suchst nach einer Antwort. Deine Ungeduld möchte oftmals eine zügige Antwort, vor allem, wenn du leidest. Du fragst, warum du immer so ungeduldig bist mit dir und den Menschen in deiner Familie. Du fragst dich, warum es dir nicht gelingt, den ganzen Tag ausgeglichen und guter Laune zu sein. Du fragst, warum das Leben so ungerecht zu dir ist. Du glaubst, dass dann, wenn du eine Antwort darauf hast, es dir besser geht.
Nach meiner Erfahrung gibt es keine letzten Antworten auf ein "Warum?". Hinter jedem "Warum" gibt es ein neues "Warum". Schon die Kinder, die so fragen, zeigen es dir. Du beantwortest geduldig jede Frage, aber irgendwann spürst du das brühmte Loch in deinem Bauch und sagst: "Schluss. Kein "Warum?" mehr!"
Rilke lädt dich ein, bei der Frage selbst zu bleiben. Lerne, deine Fragen zu schätzen und nicht eine Antwort zu erwarten. Nehmen wir doch einmal eine sehr philosophische Frage. "Wozu bin ich auf dieser Welt?" Jetzt kannst du dich direkt ans Antworten begeben. Du könntest sagen, weil deine Eltern sich liebten oder weil es im Plan Gottes liegt. Du könntest aber auch die Frage einfach einmal stehen lassen. Wozu bin ich auf dieser Welt? Wenn ein Antwortgedanke auftaucht, dann stoppe ihn einfach.
Bleib also bei der Frage selbst stehen, ohne auf eine Antwort zu warten. Welche Erfahrungen machst du dabei? Kommt vielleicht ein Gefühl? Wenn ja, welches? Entsteht Freude oder Trauer? Empfindest du vielleicht sogar einen Schmerz, weil da eine Leere entsteht? Das "Wozu" könnte zu einer sehr tiefen und persönlichen Sinnfrage werden. Wer ist das "Ich", das da fragt? Von welcher Welt sprichst du überhaupt, der sichtbaren oder der unsichtbaren Welt? Wo gehört das hin, was du so selbstverständlich "Ich" nennst? Es kann geschehen, dass du die Frage mehr liebst als die Antwort. Denn jede Antwort wird vorläufig sein. Wenn du deinen Kindern eine Antwort gibst bist du froh, wenn es nicht weiterfragt und da eine Zufriedenheit entsteht. Zugleich weißt du, dass deine Antwort dem Kind gegenüber mehr Fragen offen lässt, als du Antwort gegeben hast.
Uns fällt es schwer, etwas im Raum stehenzulassen. Wir mögen Stabilität und nicht die Schwebe. Fragen schweben eher als dass sie stabilisieren. Versuche, die Fragen an sich zu schätzen. Die Fragen wirken wie ein Motor, der dich weiter vorantreibt, neue Erfahrungen zu machen und auf der Suche zu bleiben.
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Montag, 27. Oktober 2014

Es wäre dumm, sich über die Welt zu ärgern. Sie kümmert sich nicht darum. (Mark Aurel)

Über die Welt ärgere ich mich nicht. Ich ärgere mich über Menschen, die viel schwätzen ohne dass ich dazwischen komme. Ich ärgere mich über Menschen, die ständig über das Essen meckern. Ich ärgere mich über die Drängler auf der Straße und über alte Brötchen am Morgen im Hotel.
Bei so manchem Ärger könnte ich jedoch mal einen Moment verweilen. Dann stelle ich fest: Ich schwätze auch oft, ohne dass noch jemand dazwischen kommt. Ich mecker gerne über das Essen, wenn es nicht frisch ist. Und wenn ich ungeduldig bin, dann kann ich auch auf der Straße drängeln. Leider hat mein Polo nicht genug PS um an Schleicher vorbeizukommen.
Um all diesen Ärger kann ich mich gut kümmern. Der Ärger über die Anderen ist zum größten Teil der Ärger über mich selbst. Ich schaue da wie in einem Spiegel und erkenne im Gegenüber mich selbst.
Aber der allgemeine Ärger über die Welt lohnt sich nicht. Mein Ärger verändert leider nichts. Der Welt ist es nahezu egal, was ich von ihr halte. Die Welt ist da wie ist und ich darf mich darin tummeln. Es ist eine schöne Spielwiese sowohl für meinen Ärger als auch für meine Freude. Na denn...!
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Sonntag, 26. Oktober 2014

Entscheide dich und gib dein Einverständnis!

Stell dir vor, jemand bittet dich um etwas und du erfüllst diese Bitte. So weit so gut. Oder auch nicht.  Ich möchte mit dir heute einmal diesen eigenartigen Zwischenraum betrachten, der zwischen dem Aussprechen der Bitte und deren Erfüllung liegt.
Also noch einmal. Ein Freund bittet dich zum Beispiel: "Kannst du mir ein Paket Kaffee mitbringen wenn du kommst?" Dann steht diese Bitte in deinem inneren Raum. Vielleicht antwortest du spontan "Ja", weil du eh noch genug Vorräte im Schrank hast oder weil du sowieso an einem entsprechenden Geschäft vorbeikommst. Es ist für dich nicht mit Umständen verbunden so dass du die Bitte einfach erfüllst. Es kann aber auch sein, dass du keine Vorräte hast, eigentlich auch keine Zeit oder keine Lust. Dennoch kaufst du den Kaffee ein, weil du diesen Freund nicht enttäuschen möchtest oder weil du nicht nein sagen kannst, oder oder oder ...
Wenn du also eigentlich diese Bitte nicht erfüllen willst und es dennoch tust übergehst du etwas in dir. Du übergehst deine innere Stimme, die protestiert und ein "Nein" erwägt. Es kann leicht geschehen, dass du dann nicht mehr mit dir selbst in Übereinstimmung lebst und fremdgesteuert wirst. Daraus folgt dann auch ein Gefühl der Unzufriedenheit. Du gehst vielleicht mit einer gequälten Freundlichkeit zu deinem Freund und lieferst dort den Kaffee ab. Du kannst die Zweisamkeit nicht genießen, weil dein Inneres mit dir im Groll liegt und schmollt.
Im Zwischenraum von Bitte und Erfüllung bist du nicht aufmerksam gewesen und musst jetzt mit den Folgen leben. Bei einem Paket Kaffee mag das nicht so tragisch sein, aber wenn es um sehr große Bitten oder andere Wünsche geht spielt das eine große Rolle. Darum glaube ich, dass es wichtig ist, diesen Zwischenraum sorgfältig zu bedenken und den inneren Prozess zu gestalten.

1. Höre die Bitte mit dem Bauch, dem Herzen und dem Verstand.
2. Bewege es in deinem Inneren. Möchte ich das? Kann ich es? Gibt es Widerstände? Für wen ist es gut?
3. Triff eine Entscheidung. Wenn du ein klares "Nein" oder "Ja" hörst und umsetzt, übernimmst du Verantwortung für dein Handeln und hast keinen Grund, weiter innerlich zu grollen.
4. Gib dein Einverständnis. Atme ein und tief aus und sage noch einmal "Ja" zu deiner Entscheidung, egal wie sie ausfällt.

Ich möchte auf diesen vierten Schritt heute mein Augenmerk legen. Sein Einverständnis geben ist mehr als sich zu entscheiden. Beim Entscheiden wählst du zwischen den Möglichkeiten und setzt dann eine Möglichkeit um. Aber ob du wirklich innerlich ein ganzes "Ja" dazu sagst ist damit noch nicht grundgelegt. Probier einmal folgendes aus. Erinnere dich an die letzte Bitte, die jemand an dich gerichtet hat. Dann atme tief ein und im Ausatmen sagst du mit der Tiefe des Herzens und des Verstandes: "Einverstanden!" Was spürst du dabei?
Nach meiner Erfahrung setzt dieser Schritt eine Energie frei, die dich mit größerer Leichtigkeit Bitten erfüllen oder nicht erfüllen lässt. Beim "Einverstehen" nimmst du das Verständnis in dich hinein. Du verstehst und stehst zu dem, was du tust. Du gibst neben dem äußeren "Ja" auch dein inneres "Ja". Du entwickelst ein Verständnis für dich, das sich wie Wärme und Wohlwollen anfühlt. Du vollziehst den inneren Weg der notwendigen Schritte, um in Übereinstimmung mit dir zu bleiben, zu kommen und zu sein.
Vielleicht denkst du, dass es nicht immer möglich ist, im Gespräch diese vier Schritte zu machen. Wenn du einmal genauer darüber nachdenkst wirst du feststellen, dass du das immer schon gemacht hast im Bruchteil einer Sekunde. Es fehlte vielleicht manchmal die Bewusstheit dafür. Sich dieser vier Schritte bewusst zu werden gleicht einer spirituellen alltäglichen Praxis. Höre, bewege, entscheide dich.. Dann atme tief ein und sage im Ausatmen "Einverstanden". Dazu gehört für mich auch, dass du zum "Nein" sagen einverstanden sagst. Es geht nicht darum, dass du einverstanden bist, die Bitte eines anderen zu erfüllen. es geht darum, dass deiner Entscheidung das Einverständnis gibst. Erst, wenn du einen Vertrag unterschreibst, bekommt er Gültigkeit und Kraft.
Warum verbinde ich es mit dem Atem? Nun, im Ausatmen lässt du ja deinen Atem wieder los. Du gehst nicht in eine Anspannung sondern in die Entspannung und in die Lösung. Die gefühlte Lösung bringt dir zugleich Erleichterung mit. Du hast dich entschieden, es muss nicht mehr in deinem Kopf herumwandern, so wird es im Loslassen leichter in deinem Kopf. Übe dich im "Einverständnis". Du kannst dich auch einfach hinsetzen und einen Baum anschauen. "Einverstanden!" Du kannst dir deine Beziehungen anschauen und sagen: "Einverstanden!" Vielleicht wirst du aber da schon einen Unterschied merken ob du zu einem Sommerbaum "Ja" sagst und ob deine "hakeligen" Beziehungen auch ein solches "Ja" bekommen. Gibt es Widerstände? Spürst du ein unangenehmes Gefühl? Kommt da ein Mangel oder ein Schmerz? Das macht nichts, wenn ein Schmerz kommt, dann kannst du mit dem Schmerz "einverstanden" sein. Und wenn du mit dem Schmerz nicht einverstanden sein kannst, dann kannst du "Einverstanden" sein mit deinem "Unverständnis". Es wird immer eine Einladung im Raum stehen, mit dem du in ein "Einverständnis" gehen kannst.
Diese "Einverständnis" - Übung, wie ich sie einmal nennen möchte könnte zu einem wichtigen Bestandteil deines inneren Friedensprozesses werden.
1. Im Einatmen nimmst du alle Anliegen in dich auf.
2. Am Ende des Einatmens hältst du für nur einen Augenblick inne und bewegst das, was da ist.
3. Im Ausatmen lässt du los und sagst: "Einverstanden."
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Samstag, 25. Oktober 2014

Möge der neue Tag sich im Einklang mit dir treffen. (Altirischer Segenswunsch)

Heute ist Samstag. Der Samstag erzählt mir: "Ich habe noch keine Gestalt. Die Stunden sind nicht festgelegt. Da gibt es viele Freiräume und tausende von Möglichkeiten. Ich bin voller frischer Brötchen und bunter Marktstände. Ich bin pulsierendes Leben und Verlockung. Ich bin Muße und Entspannung. Ich bin Kino und Ausflug. Ich bin ohne "müssen" und "sollten". Ich komm dir wohlwollend, neugierig, offen und freundlich entgegen. Ich bin wie die einladenden Auslagen im Schaufenster. Ich bin ein Versprechen und eine Erfüllung. Ich bin Verheißung und Lust! Na, und wo bist du?"
Ja, wo bin ich am heutigen Samstag? Ich streife die Woche von Montag bis Freitag ab wie die tote Haut einer Schlange und schwinge im Einklang mit dem Samstag mit. Ich brauche dafür meine Zeit, denn der Samstag spricht zu mir wie ein junger springender Hund, der sich austoben möchte. Aber ich setze den ersten Schritt und kaufe frische Brötchen.
Dir wünsche ich einen reichen Samstagsegen.

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Donnerstag, 23. Oktober 2014

Lass dein Leben leichtfüßig auf den Rädern der Zeit tanzen, wie Tau auf der Spitze eines Blattes. (Rabindranath Tagore)

Bei einem Vortrag vor vielen Jahren fragte der Jesuit Josef Sudbrack uns Zuhörenden: "Warum können Engel fliegen und wir Menschen nicht?" Seine Antwort lautete: "Engel können fliegen, weil sie das Leben leicht nehmen. Menschen können nicht fliegen, weil sie das Leben so schwer nehmen."
Das kann ich bestätigen. Im Rahmen meiner Beratungstätigkeit kommen ja diejenigen zu mir, die das etwas Schweres tragen müssen. Das sucht sich in der Regel keiner aus. Manchmal gibt es das im Leben, manchmal nur für eine Stunde und manchmal für eine lange Phase. Dabei wiegen nicht die Ereignisse schwer. Die sind neutral. Ein Verkehrsunfall mag irgendwo in Deutschland passieren und es berührt dich nicht sehr. Du weißt vielleicht nicht einmal etwas davon. Wenn du aber Zeuge bist, oder selbst es erlebst, dann wirkt es sich auf dich aus. Du fängst an, diese "Last" auf dich zu nehmen und zu tragen. Du bekommst dazu Gefühle, Gedanken und Körperphänomene. Es fällt dir schwer, das zu tragen und du wirst es nicht so einfach los. Dadurch wird vielleicht dein ganzes Leben schwer.
Ich stelle mir vor, dass Rabindranath Tagore seinen Spruch geschrieben hat gegen die eigene "Schwere". Es ist für mich ein tiefer und therapeutischer Satz, ein Satz wie eine Salbe, die Linderung schenkt. Genieße doch einfach mit mir diesen Satz: "Lass dein Leben leichtfüßig auf den Rädern der Zeit tanzen, wie Tau auf der Spitze eines Blattes."
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Mittwoch, 22. Oktober 2014

Nichts ist so beständig wie der Wandel. (Heraklit)




Für drei Jahre lebte ich bei einem Pfarrer, der einen Spruch liebte und ständig zitierte. „Nichts erfordert so viel Treue wie beständiger Wandel.“ Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass die Quelle bei Heraklit liegt.
Wir neigen dazu, die Dinge festzuhalten. Wir halten unser Haus fest, unsere Freundschaften, Gewohnheiten, unsere Versicherungen, das Geld und letztlich das Leben. Dahinter steht vielleicht das Bedürfnis nach Sicherheit. Materielle und personale Sicherheit geben uns ein stabiles und gutes Gefühl. Die größte Gefahr für die beständige Sicherheit ist der Wandel.
Ich erinnere mich noch eine Kindersendung von früher mit einem Liedvers: „Nichts soll bleiben wie es ist. Alles muss sich ändern.“ Kinder lieben das Abenteuer und das Neue. Das Leben möge spannend sein.  Zu Beginn des Lebens bist du neugierig und freust dich auf spannende Erfahrungen. Mit zunehmendem Alter jedoch schleicht sich das Bedürfnis ein nach einem Zustand jenseits der Anstrengung. So wirst du älter und hast so manches Ehepaar vor Augen, das nur noch in Ritualen lebt nach dem Motto: „Alles soll bleiben wie es ist, nichts darf sich ändern.“ Wir richten uns ein und finden das  so gemütlich und zuverlässig. Schließlich folgt die Zwei  immer der Eins, der Abend folgt immer dem Mittag und der Schlaf folgt dem Wachsein.
Wenn wir unser Leben aber aus einem anderen Blickwinkel der Vergänglichkeit und Begrenzung betrachten, zerrinnt uns alles zwischen den Fingern. Die Körperzellen, aus denen wir jetzt bestehen, werden sich morgen umgewandelt haben in eine andere Daseinsform. Den gestrigen Tag kann ich nicht wieder beleben. Die Kinder werden erwachsen und ich lebe unaufhaltsam dem körperlichen Tod entgegen. Das ach so stabile und sichere Haus verfällt trotz aller Sanierungen und bei genauerem Betrachten stelle ich fest: Die absolute Beständigkeit ist eine Illusion.
Was tun? Wenn du die Prozesse nicht aufhalten kannst, dann kannst du vielleicht mit Allem mitschwingen. Gib dich einfach einverstanden mit den Veränderungen. Seltsamerweise kannst du darin beständig sein. Du kannst jeden Augenblick deines Lebens dich damit einverstanden erklären, alles loszulassen und Neues zu empfangen. In dem Wort Treue steckt ja „Vertrauen“. „Nichts erfordert so viel Treue wie beständiger Wandel.“ Das heißt: Mit großem Vertrauen meisterst du den stetigen Wandel. So wird dein Bedürfnis nach Beständigkeit erfüllt in der Bejahung eines fortwährenden Veränderungsprozesses.
Für mich hat diese Idee des Wandels auch etwas mit der Schöpfung zu tun. Wir sind Mitschöpfer und Gestalter dieser Welt. Wir entwickeln uns ständig weiter, hoffentlich. Wir dürfen wie eine Pflanze wachsen und reifen und unser ganzes Potential ausschöpfen. Der Wunsch nach Pausen ist bestimmt hilfreich und ebenfalls notwendig. Die Wandlungen finden einfach statt, aber in den Pausen triffst du die Entscheidung, wohin du dich mitentwickeln möchtest. Treue zum Wandel ist das Einverständnis in die eigene Weiterentwicklung.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Eine halbe Stunde Meditation ist absolut notwendig, außer, wenn man sehr beschäftigt ist, dann braucht man eine ganze Stunde. (Franz von Sales)

Wir brauchen jeden Tag eine Zeit, in der wir herunterfahren können wie bei einem Computer. Du hältst für einen Moment an, sagst Stopp und machst einen brake.  Meditieren mag vielleicht nicht für jeden die richtige Methode sein. Für manche klingt es vielleicht zu fremd, antiquiert oder religiös. Wie mache ich das denn? Muss ich da möglicherweise beten?
Ich möchte die Meditation heute einfach mal austauschen mit "Zeit des Nicht-Tun". Du sitzt einfach bei einer Tasse Kaffee da, bist ohne jede Absicht, legst die Hände in den Schoß, schließt vielleicht zwischendurch die Augen und versuchst, einfach nicht zu denken. Wenn Gedanken kommen dann sagst du zu ihnen freundlich "Hallo" oder "Ah ja, ihr seid auch da" mit einer gewissen Gleichgültigkeit und Gelassenheit.
Wenn du das jeden Tag eine halbe Stunde machst wird sich dein Leben von Grund auf verändern. Du kommst in einen inneren Zustand von Stille und Frieden. Dieser Zustand fühlt sich an wie eine Basis und ein Grund, auf dem du ruhst. Zu dieser Basis kehrst du immer wieder zurück. Du hast ein z.B aufregendes Telefonat, danach hältst du inne und kehrst zu dem Basisgefühl der Gelassenheit zurück. Diese Übung machst du neben der halben Stunde Stille immer wieder am Tag. Du richtest den Blick nach innen statt nach außen. Du siehst nicht die Bäume und den Küchenschrank sondern nimmst wahr, was gerade in deinem Inneren auftaucht. Vielleicht ein Körpersymptom wie Drücken oder Ziehen oder Leichtigkeit im Brustraum. Du nimmst wahr, welche Emotionen auftauchen und welche Gedanken kommen. Du nimmst wahr und tust nichts weiter damit.
Dann kann es sein, dass du in eine Situation oder Lebensphase kommst, in der dir das nicht mehr gelingt. Du bist überdreht wie eine Feder im Uhrwerk. Du kannst nicht mehr herunterfahren. Dann reicht die halbe Stunde nicht mehr aus und du brauchst eine "Generalüberholung".
Ich glaube, dass so etwas ähnliches im Sinnspruch von Franz von Sales gemeint ist wenn er von einer ganzen Stunde spricht. Es braucht immer die Ausgewogenheit und den Ausgleich der Polaritäten. Je mehr Aktion, desto mehr Stille.
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Montag, 20. Oktober 2014

"Ich halte Ausschau nach dir!"

In einem Buch bleibe ich bei dem Satz hängen: "Ich halte Ausschau nach dir." Ich weiß gar nicht, warum mich der Satz so berührt.
Immer wieder einmal kommt es vor, dass ich mich verabrede. Vor allem, wenn der Treffpunkt unüberschaubar oder unvertraut ist und mich verwirrt, habe ich gerne eine kleine Sicherheit. "Wie finde ich dich?" heißt dann meine Frage. Natürlich kann ich schauen im Café auf dem Platz zwischen den vielen Fußgängern wo die Person ist, mit der ich mich treffen will. Wenn ich aber höre, dass mir jemand sagt: "Ich halte Ausschau nach dir!" Dann bin ich beruhigt. Ich muss das nicht alleine hinbekommen. Mein Gegenüber unterstützt mich. Er schaut nicht wahllos in der Gegend herum und wartet still vor sich hin, liest ein Buch oder schreibt SMS. Da wirft jemand seine Fäden oder sein Netz aus, so dass ich nicht verloren gehen kann.
Im Schreiben merke ich, was mich berührt. Ich könnte meine Verabredung verpassen. Er oder sie ist nicht da und ich bleibe allein. Ich gehe verloren! Ich bin hilflos! Da springen ganz alte Muster an aus meiner kindlichen Vergangenheit.
Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Mutter Ausschau nach mir gehalten hat wenn ich draußen spielte. Andere Mütter sind am Abend auf die Straße gegangen und haben nach ihren Kindern geschaut und gerufen. "Thomas, komm rein, es gibt Abendessen!" Meine Mutter hat einfach erwartet, dass wir als gut erzogene Kinder die Regeln beachten. Wenn wir Kinder das Haus betraten war unsere Mutter immer beschäftigt mit irgendeiner Arbeit. Etwas war immer zu tun. Da hielt niemand "Ausschau". Da gab es kein Erwarten oder Ausdruck von Wiedersehensfreude.
"Ich halte Ausschau nach dir!" Da werde ich erwartet! Da kümmert sich jemand um mich! Da bin ich für jemanden wichtig! Ich gehe nicht verloren! Das fühlt sich wirklich gut an, nicht wahr?

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Samstag, 18. Oktober 2014

Umzugshelfer für Mücken

Zur Zeit sind wir umgeben von Mücken. Mücken sitzen im Waschkeller zu hunderten an den Wänden und Rohren. Ich weiß nicht, woher sie kommen. Immer wieder finden diese Tierchen den Weg über die Terrassentür in die Diele, ins Wohnzimmer und und und ...
Eigentlich nehmen die Mücken wenig Raum ein. Sie sitzen den ganzen Tag regungslos an ihrem Platz und dehnen sich nicht weiter aus. Auch wenn der Kellerraum voller Mücken ist wirkt der Raum nicht voller als sonst. Bedrohlich vielleicht, aber nicht voller. Das Öffnen der Waschmaschinentür bewirkt das Aufwachen eines ganzen Mückengeschwader. Da muss ich mich schon dazu überwinden in Ruhe meine Wäsche einzufüllen.
Ich scheue mich gegen eine generelle Mückenabwehr mittels Gift. Ich müsste die Giftwolken ja selber mit einatmen. Wenn ich die Viecher totschlage kann ich am Ende die Wände neu streichen und hätte nichts gewonnen. Ich würde die Mücken ja leben lassen, wenn sie mich leben lassen würden. Das tun sie zwar, aber sie fordern mein Blut Tag für Tag. Sie lassen da nicht mit sich reden. Sie nehmen auch keine Alternativangebote an. Weder Zuckerwasser noch Orangensaft finden deren Gefallen. Mein Blut und mein Leben finden sie interessant und erstrebenswert. Wie kann ich da noch Tierschützer bleiben?
Jetzt ist mir die rettende Idee gekommen. Ich habe mich zum professionellen Umzugshelfer für Mücken entwickelt. Zunächst öffne ich die Tür und bitte alle, den Raum freiwillig zu verlassen. Alle die übrig bleiben weise ich ausdrücklich darauf hin, dass ich ihnen einen neuen Raum zuweisen werde. Der ist zwar ein wenig dunkel und beengt, aber es ist immerhin ein Raum.
Leider sind so gut wie alle Mücken, nahezu 100% neugieriger auf den unbekannten Raum als auf die große Freiheit in der weiten Natur. So beginne ich dann mein Werk als Umzugshelfer. Dazu nehme ich meinen Staubsauger und entferne die äußere Bürste. Ich stelle eine Saugstärke ein, der die Mücken nicht wiederstehen können und gestalte Schritt für Schritt und gut durchdacht meinen Umzug. Mit ruhiger Hand und klarem Blick bewege ich die Düse vorsichtig von Mückenplatz zu Mückenplatz. Ich gehe von links nach rechts. Links wächst im Laufe der Zeit die Freifläche und systematisch arbeite ich mich durch bis in alle Winkel und Ecken. Das braucht seine Zeit.
Nun, was lerne ich dadurch? Ich gewinne meine Selbstsicherheit wieder und lasse mich nicht länger verrückt machen. Ich versuche, mit dem massenhaften Ableben von Mücken durch meine Hand dennoch den inneren Frieden zu bewahren. Ich gewinne die Überzeugung, dass jede Not und sei sie auch noch so groß, einen Ausweg findet.
Und wenn alle Mücken umgezogen sind in die Weite des Staubsaugerbeutels, dann.... kann ich drei Tage später wieder von vorne anfangen. Ich weiß nicht, woher diese neuen Mücken wieder kommen. Wer kann mir helfen?
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Freitag, 17. Oktober 2014

Die verborgene Botschaft von Geschenken

Ich erinnere mich an eine Situation in meiner Kindheit. Meine Mutter bekam eine Flasche Orangenlikör geschenkt. Einige Wochen lag dieses Teil in schönem Karton im Schrank. Beim näheren Hinsehen fiel mir auf, dass der Karton irgendwie nicht mehr so "Regalfrisch" aussah. Da gab es hier einen Knick und da einen kleinen Riss im Karton. Nun, meine Mutter trank keinen
Orangenlikör und bei einer nächsten Gelegenheit bekam eine Tante diese Flasche zu ihrem Geburtstag. Wieder ein Jahr später bekam meine Mutter ein Geschenk aus der gleichen verwandtschaftlichen Richtung: Eine Flasche Orangenlikör in einem schönen Karton. Nach einem Anfangsverdacht erkannte ich den Karton gleich wieder. Der war schon einmal in unserem Haus. Die Flasche wollte niemand haben.
Seit diesem Erlebnis geht mir durch den Kopf, dass so manche Geschenke lediglich die Aufgabe erfüllen, als Geschenk zu kreisen. Sie werden nicht ausgepackt und nicht benutzt. Ein Freund von mir besitzt sogar ein Fach in seinem Schrank mit lauter nicht ausgepackten Geschenken. Ihm reicht die Geste des Schenken aus. Der Inhalt ist egal. Einmal bekam er Besuch von einer älteren Freundin und ich war dabei. Diese ältere Freundin feierte kurz zuvor einen runden Geburtstag und erhielt von meinem Freund ein schönes Geschenk aus seinem Geschenkeschrank. Es fühlte sich an wie meine "Orangenlikörflasche in einem Karton". Natürlich freute sich die besagte Frau, dass ihr Geburtstag nicht vergessen wurde und dass sich jemand die Mühe gemacht hat, ein passendes Geschenk zu finden. Also packte sie den Karton aus und fand - eine große Flasche Rasierwasser! Kein schlechter Treffer für eine Frau. Es war hoch peinlich und unglaublich belustigend zugleich.
Aus diesem Erlebnis habe ich gelernt: "Wenn du schon Geschenke kursieren lässt dann packe sie vorher aus und schau nach, was es ist."
Eigentlich geht es ja gar nicht um die Geschenke an sich, oder? Viele besitzen schon was sie brauchen oder kaufen es sich, wenn es dran ist. Es geht um die Geste und die über das Geschenk ausgedrückte Botschaft: "Du bist mir wichtig!" - "Ich schätze dich!" - "Ich bin gerne dein Freund!" Um das zu sagen bräuchte es darum eigentlich kein Geschenk. Meine Idee für deinen nächsten Geburtstagsbesuch: "Herzlichen Glückwunsch zu deinem Fest! Ich habe heute kein materielles Geschenk mitgebracht. Ich will dir aber sagen, wie wichtig du für mich bist und wie gerne ich dich habe. Und wenn du mich brauchst bin ich für dich da!" Ein einfacher, klarer und direkter Satz wäre vielleicht eine gute Alternative zu einem unbestimmten Geschenk.
Schau dich doch einmal in deiner Wohnung um, wie vielen "Kursiergeschenken" du im Laufe der Jahre eine Heimat gegeben hast. Da mögen Teile drunter sein, von denen du es nicht dachtest! Bei mir verdächtig sind: Kerzen nebst Ständer, Vasen und andere "Stehrümchen". Was würden die wohl sagen, wenn sie erzählen könnten? Hast du noch Kontakt zu der Schenkerin, dem Schenker. Kennst du noch den Anlass?
Bei mir steht übrigens noch so eine Kerze mit einem silbernen Teller herum. Suchst du noch nach einem passenden Geschenk?
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Donnerstag, 16. Oktober 2014

Also doch kein Problem?

Nach dem Duden kommt das Wort "Problem" aus dem Griechischen: "pro ballein", "das Hingeworfene", "das Vorgelegte". Ein Problem meint also nur "die vorgelegte Aufgabe". Kommt jemand zu dir mit einem Problem dann meint er: "Ich habe da eine Aufgabe".
Bei uns kommt aber an: "Ich habe da etwas, das ich nicht lösen kann und das mir Kopfzerbrechen bereitet." In unserem Verständnis bekommt das Wort Problem sofort einen Beigeschmack: "Hilfe, ich muss da jetzt eine Lösung für finden.
Dabei ist ein Problem so lange kein Problem in unserem Sinne, wie die Aufgabe lösbar erscheint. Ein Problem wird zum Problem, wenn die Aufgabe unlösbar wird. Wozu ist das wichtig, dass ich das weiß?
Kommt jemand zu mir und sagt: "Ich habe da ganz viele Probleme!" Dann höre ich zunächst: "Ah, du hast ganz viele Aufgaben, die du lösen musst." Das nimmt den Druck heraus, sofort eine Antwort zu wissen. So muss ich ein Problem ja auch nicht lösen. Lösen muss ich etwas aus vielen Verwicklungen und Verstrickungen.
Wenn ich das Problem vereinfache hin zu einer Aufgabe zeigt sich die "Lösung" manchmal wie von selbst!
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Mittwoch, 15. Oktober 2014

Ich entscheide mich für...

"Ich entscheide mich gegen den Krieg!" Mein Unterbewusstsein registriert das Wort Krieg. Meine Bilder im Kopf zeigen Tod und  Zerstörung.

"Ich entscheide mich gegen Fleisch als Nahrung!" Mein Unterbewusstsein hört das Wort Fleisch und im Kopf entstehen Bilder von einer Wursttheke.

"Ich entscheide mich gegen das Fernsehen!" Mein Unterbewusstsein hört das Wort Fernsehen und im Kopf entstehen Bilder von Serien und Filmen.

Immer geht es um eine Entscheidung "gegen"! Wenn du dich gegen etwas entscheidest ist das nicht kraftvoll genug. Du bleibst bei den Bildern kleben, die du eigentlich vermeiden wolltest. Probier es einmal anders indem du sagst: "Ich entscheide mich für..."

"Ich entscheide mich für den Frieden!" Was geschieht jetzt in deinem Kopf und in deinem Herzen? Was nimmt dein Unterbewusstsein auf?

"Ich entscheide mich für Obst und Gemüse!" Ich rieche die Frische der Gartenfrüchte und schmecke Äpfel und Möhren.

"Ich entscheide mich für das Lesen!" Ich rieche Papier und tolle Texte.

Sich für etwas zu entscheiden ist kraftvoller, lebensbejahender und positiv ausgerichtet. Eine klare Botschaft, was zu denken, zu fühlen und zu tun ist. Wenn du dich gegen etwas entschieden hast dann weißt du immer noch nicht wie eine positive Alternative aussieht. Geh doch einmal mit dem Satz schwanger: Wenn ich dieses oder jenes ab jetzt nicht mehr mache, was tue ich dann stattdessen.
Übringens: Ich habe nichts gegen dich! Oder Halt besser ist: Ich bin ganz auf deiner Seite! Spürst du den Unterschied?
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Dienstag, 14. Oktober 2014

Kompetenz statt Qualifikation

Ich treffe immer wieder Menschen, die eine bestimmte Stelle nicht bekommen, weil sie nicht qualfiziert sind. Es ist gut, wenn du viele Scheine vorweisen kannst. Viele Prüfungen mit Siegel und Unterschrift. Dabei gilt eine Qualifikation von einer Universität sicherlich mehr als ein Papier von einem "Noname"-Institut. Manchmal schaue ich beim Aufräumen in meine Zeugnismappe und blicke auf meine zahlreichen Qualfikationen. Ich bin z.B. zertifizierter Kurzschriftpaktizierender und  "Bibliothekshelfer". Ein Zeugnis erzählt, dass ich EDxTM kann und außerdem habe ich auch noch ein Abiturzeugnis. Die Summe meiner Qualifikationen insgesamt wären in der Lage, mein Ego gut aufzublasen.
Doch die entscheidende Frage ist: bin ich auch kompetent? Ich bin kompetent im Kochen von Linsensuppe habe dazu jedoch keine Qualifikation. Ich besitze eine Qualifikation in Kurzschrift und bin Null kompetent. In der Bewältigung von Aufgaben zählt für mich die Kompetenz. Und da begegnen mir sehr viele Menschen. Ich kenne sehr kompetente Mütter und Väter, "LeckerköchInnen", Reinigungskräfte, TrösterInnen, handwerklich Begabte, "FreizeittherapeutInnen" und "WeltversteherInnen". Denen vertraue ich!
Manchmal kommt auch beides zusammen: Qualifikation und Kompetenz. Ist auch nicht schlecht! Mir würde es gefallen, wenn Menschen mit Kompetenz mehr Achtung bekämen, auch finanziell in ihren Berufen. Denn die Kompetenten gestalten die Welt.
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Montag, 13. Oktober 2014

Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir. (Augustinus)

Heute hörte ich im Radio eine religiöse Ansprache zum Thema "Unruhe". Da kam mir der bekannte Satz von Augustinus in den Sinn: "Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir."
Ich bin direkt bei der Vorsilbe "Un" steckengeblieben. Das Grundwort ist "ruhig", die Vorsilbe ist "un". Es gibt zahlreiche andere Wörter in der deutschen Sprache, die eine Grundausrichtung haben und durch "un" ergänzt werden. Das Wetter wird zum "Un-wetter", möglich wird zu "un-möglich". 
Statt unruhig könnte ich auch sagen: "Aufgeregt ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir." "Aufregung" wäre dann so etwas wie ein Gegensatz von "Ruhe." Das Wort "Unruhe" nimmt seinen Bezug auf die "Ruhe". "Unruhe" meint also die Abwesenheit von "Ruhe". Das Ziel ist also, Ruhe zu finden.
Gehen wir neben dem sprachlichen Aspekt doch einmal der Unruhe nach. Gestern erhielt ich eine Mail, dass ich heute unbedingt etwas erledigen müsste, das keinen Aufschub mehr duldet. Da sei irgendwo etwas ganz schlimmes passiert und nur der oder die könne da jetzt helfen. Ich sei der Einzige, der zu dieser Person Zugang hätte. Das hat mein Herz ganz schön in Unruhe versetzt. Diese Art von Unruhe schleicht sich häufig bei mir ein. Ich kann etwas nicht einschätzen. Da kommt "Un"-bekanntes auf mich zu. Ich muss unbedingt etwas erledigen. Weder Anfang noch Ende stehen fest. "Unruhe" hat viel mit "Unsicherheit" und "Unwägbarkeit" zu tun. Unruhig sind wir, wenn unsere Kinder auf Klassenfahrt gehen. Unruhig werden wir, wenn unser Arbeitsplatz bedroht wird. Unruhig werden wir, wenn wir von irgendwelchen Kriegsvorbereitungen hören.
Mit einer permanenten Unruhe lässt es sich schwer leben. Hin und wieder einmal führt Unruhe ja zu einer guten Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Auf die Dauer wird aber immer wieder das Bedürfnis wach: "Endlich zur Ruhe kommen!" "Keine Aufregung mehr!"
"Endlich" zur Ruhe kommen wir jedoch erst im Tod. Ab dann kann uns kein irdisches Ereignis mehr erschüttern. Was interessiert mich im Grab die Welt über mir. Ich kann eh nicht mehr eingreifen. Alles läuft so ab wie es läuft. Augustinus verlässt sich darauf, dass die endgültige Ruhe nicht im Sarg unter der Erde stattfindet sondern in einem göttlichen Du! Da gibt es Sicherheit und nicht "Unsicherheit". Da gibt es die große Ruhe und nicht "Unruhe".
Ich möchte gerne Augustinus Gedanken erweitern. Wenn ich jetzt schon weiß, dass eine Zeit kommen wird, wo ich die endgültige große Ruhe finde, dann kann ich mich doch hier und jetzt schon darauf einstimmen und einrichten. Ich hole die große jenseitige Ruhe jetzt in meine Gegenwart. Das geht nicht? Für mich liegt da das Grundanliegen jeder Spiritualität. Schon jetzt und mehr und mehr in der göttlichen Gegenwart zu leben, in seiner lebendigen Ruhe!
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Samstag, 11. Oktober 2014

Wenn Furcht das Herz befällt, spricht die Zunge nur das, was das Auge der Furcht sieht. (Ibnol Katib)

Noch eine Weisheit der Sufis. Teilst du diese Erfahrung? Du gehst im Alltag deinen Weg. Du erledigst deine Aufgaben. Du sprichst mit Menschen. Du verfolgst deinen Tagesplan. Plötzlich geschieht etwas. Es geschieht etwas, dass dich in ein Erschrecken versetzt. Das kann eine Kleinigkeit sein wie ein Porzellanteller auf dem Boden oder eine Person, die plötzlich dich von hinten her anspricht. Es kann auch etwas Großes sein wie ein Anruf, dass es einen Verkehrsunfall gab oder dein Arbeitsplatz in Gefahr ist.
In einer solchen Situation befällt "Furcht das Herz". Du wirst quasi überfallen. Du kannst für einen
Augenblick oder auch länger dein Leben nicht mehr steuern. Du fühlst dich ohnmächtig und alle kontrollierenden und selbstbestimmenden Kräfte stehen dir nicht zur Verfügung. Du hast nicht die Angst, sondern die Angst hat dich fest im Griff.
In dem Augenblick kann die Zunge nur das aussprechen, was gerade im Inneren abläuft. Du hast die Brille der Furcht aufgesetzt und kannst nicht mehr klar denken. Du denkst in Kategorien der Angst.
In manchen "angsterfüllten" Gesprächssituationen ist es darum wichtig, erst einmal Ruhe hineinzubringen. Erst einmal durchatmen! Erst einmal hinsetzen! Die Klarheit der Gedanken muss erst wiedergewonnen werden. Das braucht seine Zeit. Das geht nicht sofort.
Stell dir vor, dass ein Arbeitgeber seinen Angestellten ruft und ihm mitteilt, dass der in Kürze seine Stelle verliert. Jetzt müsse man unbedingt reden über alle Regularien. In dem Augenblick wird der Angestellte gar nicht in der Lage sein, da einen klaren Gedanken zu fassen. Er wird einfach Zeit brauchen, bis seine Zunge und sein Verstand wieder funktionsfähig sind.
Ich denke, dass es wichtig ist, in einer solchen Situation behutsam zu sein und sich Zeit zu lassen für alle weiteren Schritte.
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Freitag, 10. Oktober 2014

Die Liebe macht den, der von ihr trunken, gleichgültig gegen Ehre und Schande. (Mohammed Ben el-Hosein Ben Musa el-Esd)

Dieses Wort stammt von einem sufischen Mystiker aus dem Mittelalter. Ich möchte den Satz einmal von hinten her aufdröseln.
Du stellst dich einer Aufgabe und hoffst, dass du sie gut erfüllen kannst. Vielleicht sagt dir jemand: "Das hast du gut gemacht!" Dann fühlst du dich bestätigt und richtest dich auf. "Ja, das bin ich! Das habe ich geschafft!" In alter Sprache formuliert vermehrst du so deine Ehre. Die Menschen ehren und achten dich für das, was du geleistet hast. Umgekehrt könnte dir auch jemand sagen: "Das war ein Satz mit X!" Dann bist du gekränkt und fühlst dich beschämt. In alter Sprache ausgedrückt hieße das, dass du Schande in deinem Leben angehäuft hast.
Ständig erfüllst du irgendwelche Aufgaben und ständig kommentieren Menschen das, was du tust. Sie bewerten: Das hast du gut gemacht oder das hast du schlecht gemacht. Oder in alter Sprache: Ehre oder Schande. Da kann es geschehen, dass deine Aufmerksamkeit häufig bei dem Gedanken oder bei der Angst ist: "Bloß keine Schande! Hoffentlich viel Ehre!" So bist du nie bei deiner Aufgabe sondern immer schon bei der Bewertung am Ende. Die Erfüllung deiner Aufgaben wird dann begleitet von deiner Angst und deiner Sorge: "Hilfe! Genüge ich?!" Dann bist du schon raus aus dem "Flow". Es fließt nicht mehr und deine Arbeit wird wirklich zur harten "Arbeit".
Der sufische Mystiker nun glaubt, dass sich mit dir etwas fundamental ändert, wenn du an einer ganz bestimmten Schraube drehst. "Sei in der Liebe!" Wenn du in der Liebe bist, dann bist du im Flow, dann fließt es und du wirst gleichgültig gegenüber den Bewertungen deiner Umgebung. Du "bist" einfach. Zugleich gibt es noch eine Steigerung: Trunken sein von der Liebe. So, wie der Alkohol deine Sinne benebelt, verändert die Liebe dein Gemüt. Die Liebe macht dich unabhängig von menschlichen Urteilen und Verurteilungen. Du kommst dir vor wie im Paradies. Die Unzulänglichkeiten und Fehler treten zurück. Daraus folgt für mich so etwas wie eine Grundhaltung: "Bevor du mit deiner Arbeit beginnst, versetze dich in den Zustand der Liebe." Geht das so einfach? Nicht immer nach meiner Erfahrung. Aber du kannst jetzt etwas dafür tun, indem du beginnst mit der Veränderung deines Bewusstseins. Sei dir ständig bewusst, dass du ein Gottesgeschenk bist, dass du dafür nichts tun musst und dass es völlig ausreicht, einfach nur dazusein.
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Donnerstag, 9. Oktober 2014

Liebe, die vergeht, ist der Schatten der Liebe; wahre Liebe ist ohne Anfang und ohne Ende. (Hazrat Inayat Khan)

Liebe ereignet sich immer in der Gegenwart, im Augenblick und im Hier und Jetzt.
Manchmal höre ich den Satz von Paaren: "Wir lieben uns!" Dann würde ich gerne zurückfragen: "Jetzt in diesem Augenblick? Woran merkt ihr das?" Liebe ist wie eine Energie, die fließt. Wenn du über sie redest sprichst du über etwas, das in der Vergangenheit liegt allein schon deswegen, weil du gerade im Kopf und im Nachdenken bist. Du bist dann nicht mehr im Vollzug des Liebens. Ich möchte dazu einen Vergleich anstellen.
Kennst du den Unterschied zwischen einer Speisekarte und dem Essensvorgang selbst? Wenn du eine Speisekarte liest, dann liest du nur, du isst nicht! Du liest, was du essen könntest. Du stellst dir all die wunderbaren Speisen vor. Du entwickelst eine große Vorfreude zu den Gerichten, die du möglicherweise bestellen wirst. Egal, wie lange du liest und wie viel du dir auch in deiner Phantasie vorstellst: Es wird immer nur eine Speisekarte sein, in der du liest. Lesen und essen sind wie zwei verschiedene Welten. Speisekarten kannst du auch lesen so oft und so lange du willst. Essen kannst du nur das, was gerade vor dir steht. Irgendwann ist dein Bauch voll und der Teller leer. Die erste Gabel schmeckt dir wahrscheinlich anders als die letzte.
So ähnlich möchte ich es mit der Liebe vergleichen. Wenn ein Paar über die Liebe spricht, dann sprechen sie im Augenblick über ewas, das sie einmal empfunden haben, vielleicht sogar in der jüngsten oder allerjüngsten Vergangenheit. Aber ob sie sich gerade lieben könnte völlig anders sein. Vielleicht ist er gerade in den Gedanken bei seiner Arbeit oder seinen Fehlern und sie ist bei ihm. Aber sie merkt es nicht. Es fließt Energie von ihr zu ihm aber nicht von ihm zu ihr.
Weil Liebe im Augenblick geschieht, hat sie etwas Ewiges an sich, ohne Anfang und ohne Ende. Wenn du an den Anfang der Liebe denkst, dann denkst du eben gerade und erlebst nicht. Erinnerungen kommen hoch: "Ach, war das damals schön!" Du wärmst ein altes Gefühl auf und reaktivierst es. Das muss aber nichts bedeuten für den gegenwärtigen Moment. Wenn du an das Ende denkst und dir in den Sinn kommt: "Unsere Liebe möge nie vergehen!" In diesem Augenblick bist du bei Sorgen und Zukunftsängsten und nicht mehr bei deiner Liebe.
Überlege einmal im Rückblick, wie häufig du am Tag in der Liebe bist? Schaffst du es 24 Stunden, rund um die Uhr? Wenn du das schaffst, dann bist du völlig göttlich! Das Ziel finde ich erstrebenswert: Freundlich sich mit jedem Geschöpf der Erde verbinden, auch mit sich selbst. Vielleicht kannst du ein wenig üben, indem du ein Wort in deinem Herzen bewegst. Du stellst dir die Person in deiner Phantasie vor, mit der du eine gute Verbindung hast und sprichst das Wort: "Jetzt". Dann genieße, was geschieht und beobachte zugleich, wo sich etwas regt in deinem Körper. Wird es warm oder kalt? Wo wird es warm oder kalt? Was entwickelt sich jetzt? Immer wieder sagst du das Wort: "Jetzt" und bleibst bei der Person, mit der du dich verbindest.
Es ist bestimmt angenehmer, in der Sonne der Liebe zu sein, als im Schatten zu frieren.  
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Mittwoch, 8. Oktober 2014

Die Ros ist ohn warum...



Angelus Silesius schrieb folgenden Vers im  „cherubinischen Wandersmann“
„Die Ros ist ohn warum; sie blühet, weil sie blühet,
Sie acht nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.“
Die Rose ist einfach da. Sie fragt nicht, wie sie wirkt, was andere über sie denken. Bin ich schön genug? Genüge ich? Bin ich richtig? Sie fragt nicht, warum sie auf der Welt ist und wohin sie geht, wenn sie verblüht. Das macht sie frei, einfach nur zu sein.
Wenn du dich mit der Rose vergleichst, was kommt dir da in den Sinn? Gelingt es dir auch, so unbeschwert da zu sein? Oder stehst du schon am Morgen vor dem Kleiderschrank und überlegst, was du dir anziehen sollst und wie es dir steht? Fragst du dich, was die anderen über dich denken, wenn du dieses trägst, jenes sagst und etwas anderes wiederum tust? Bist du frei und unabhängig in deinem Denken, Fühlen und Handeln?
Die Ros ist ohne warum. Sie ist! Mach es der Rose gleich!

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Dienstag, 7. Oktober 2014

Welches "Werkzeug" braucht die Seele?




In einem Bericht über technische Veränderungen am Arbeitsplatz lese ich einen interessanten Gedanken. Arbeitsabläufe, die früher mit Händen und Muskelkraft mühsam bewältigt wurden, werden heute von Maschinen erledigt. Für eine solche Arbeit braucht es dann eher Köpfchen als Händchen. Im Laufe der Jahre entstanden in klugen Köpfen Maschinen in klein und groß bis überwältigend für alle erdenklichen Arbeitsabläufe. Dabei werden die Techniken immer detaillierter und ausgereifter. Viele empfinden es als eine große Erleichterung, weniger körperlich belastet zu sein. Allerdings steigt damit auch die Erwartung an den Kopf. Technik will bedient werden. Wenn ich entscheiden müsste eine Kiste von A nach B zu tragen, würde ich mich auch für den Gabelstapler entscheiden.
Im Baumarkt stehe ich staunend vor all den vielen Geräten und Werkzeugen. Für jede erdenkliche Arbeit existiert ein spezielles Werkzeugteil. Dahinter steckt letztlich ein unglaublicher Erfindergeist und Präzisionsarbeit über viele Jahrzehnte bis zu Jahrhunderten.
Jetzt mache ich einfach einen Sprung und betrachte ich meine Seele. Wurde für die Seele inzwischen auch ein Gabelstapler erfunden, der das Leben erleichtert? Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir unsere Seele immer noch mit den Steinzeitwerkzeugen bearbeiten. Meistens ignorieren wir sie. Wir hoffen, dass sie uns im Alltag nicht in die Quere kommt und die Stimmung vermasselt. Was stellen wir mit unserer Seele alles unbewusst und unbemerkt so an?
Wir spüren nicht, wenn wir zu stark belastet sind in unseren Beziehungen und unserer Arbeit und machen einfach weiter so.
Wir streifen unsere Bedürfnisse nach Geborgenheit und Streicheleinheiten ab wie eine nicht nötige Haut und denken, wir müssten den Alltag bewältigen.
Wir nehmen uns Zeit zum Putzen der Zähne und verschieben das Seelenpflegen auf die wenigen Urlaubstage im Jahr. Dabei verwechseln wir auch noch körperliches Ausruhen mit aktiver Seelenpflege.
Was braucht die Seele denn eigentlich zum Leben? Im übertragenen Sinn kann ich fragen: Wenn der Körper zur Entlastung einen Gabelstapler braucht, was braucht da die Seele?
Die erste Antwort, die mir dazu einfällt heißt: Nimm sie erst einmal wahr! Beachte sie! Schenke ihr deine Aufmerksamkeit! Befrage sie doch einmal: „Was brauchst du, dass es dir gut geht?“ Vielleicht wird deine Seele erst zaghaft und zögerlich hervorkommen und Schwierigkeiten haben, sich auszudrücken.  Sie braucht Zeit.  Sie ist unglaublich schnell und zugleich braucht sie Zeit und ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich empfehle dir folgende Übung.
Du gehst zum Bäcker und schaust auf die Auslagen. Du schaust nicht mit den Gedanken im  Kopf: „Was fehlt in meinem Haushalt, was ist gesund? Wie teuer ist das?“ Du fragst stattdessen deine Seele: „Worauf hast du Lust! Was lacht dich an! Was erfreut dein Herz!“ Es kann sein, dass du am Ende ganz unvernünftig bist und irgendein Sahneteilchen kaufst. Dein Kopf wird Bedenken äußern, aber deine Seele frohlockt. Mir geht es bei diesem Beispiel nur das Einüben. Zugleich geht es darum, dass du den Unterschied spürst, ob du im Kopf bist oder mit der Seele arbeitest. Auf die Dauer sollten Kopf und Seele natürlich besser zusammenarbeiten.
Deine Seele benötigt eigentlich keinen Gabelstapler. Deine Seele ist schöpferisch und kann jeder Zeit etwas neu erfinden und hervorrufen. Sie erzählt Geschichten, schenkt dir Freude im Alltag, hüpft um dich herum wie ein kleines Kind, schenkt dir spontan tiefe Erkenntnis und Weisheit, ist unberechenbar und total zuverlässig an deiner Seite.
Zugleich ist sie flüchtig und versteckt sich, wenn du für sie nicht aufmerksam bist. Wie Was für Gewichte der Gabelstapler, ist die Achtsamkeit für die Seele. Wenn du weißt, dass deine Zähne tägliche Pflege brauchen um gesund zu bleiben, dann schenke deiner Seele ein Vielfaches denn mit ihr reist du in das neue Leben. 

Montag, 6. Oktober 2014

Du


Ich liebe diese vielen und bunten "Du". Ein paar Kostproben?

Das handwerklich Du geht so:
Komm mal her und halte fest! Das musst du so machen! Du musst das anders halten, so rutscht es dir weg! Pack mal ordentlich an, so wird das nichts! Willste ne Flasche Bier? Du, wenn wir das geschafft haben, dann haben wir echt was geschafft! Passt! Dich hamsewohl zu heiß gebadet als Kind! Du hast wohl zwei linke Hände! Man, stell dich nicht so an! Siehste, hab ich doch gesagt! Hör mal zu! Du muss nur zuhören!

Das therapeutische Du geht so:
Du, wenn du das so sagst, wie du es gerade sagst, dann merk ich bei mir, wie du da was ins Schwingen bringst. Du hast so eine besondere Art, wie du dich da so ausdrückst. Das ist irgendwie, wie soll ich sagen, na ja so ein wenig einschmeichelnd. Aber nicht, dass du mich jetzt falsch verstehst. Ich meine das nicht so, wie du es vermutlich gerade glaubst. Denn wenn ich dich jetzt so anschaue, dann habe ich den Verdacht, dass sich da bei dir so eine bestimmte Phantasie regt, die ich wirklich vermeiden wollte. Du verstehst, was ich jetzt sagen will? Nein, du verstehst nicht? Ja stimmt, ich drücke mich manchmal so unentschieden aus. Da siehst du, welche Auswirkung so ein Satz auf mich hat, wenn du ihn aussprichst.

Das Eltern Du geht so:
Wie oft muss ich es dir noch sagen! Hast du nicht gehört? Du nervst! Jetzt halt doch mal den Mund und lass mich sprechen! Mach das nicht noch einmal, das sag ich dir! Wehe, du sagst dieses Wort noch einmal. Musst du immer... Kannst du nicht einmal... du du du....

Das Kinder Du geht so:
Du (damit einher gehtliegt eine Schwingung, die hoch anfängt, nach unten abfällt und sich wieder rasant nach oben zieht, verbunden mit einem gleichzeitigen Fragenklang, Erzählwunsch und um Aufmerksamkeit bittend.) Das "Du" muss man hören, es ist auf keinen Fall kurz, sondern lang gedehnt und variantenreich. 
Du, darf ich noch ein Eis? Du, Mama, du bist auch die Allerliebste! Du, Mama, darf ich auch noch ein Ü-Ei?

Das Göttlich Du geht so:

Du

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Sonntag, 5. Oktober 2014

Nach der Schöpfung die Erschöpfung...



Im Oktober feiern wir Erntedank. Wir sammeln die Früchte der Erde und der Arbeit ein und sagen Dank. Bei dem „Gedanken“ an den Oktober kamen mir auf einmal die Wortverwandtschaft von „Schöpfung“ und „Erschöpfung“ in den Sinn.
Zunächst einmal sind wir als Erschaffene alle selbst Schöpferinnen und Schöpfer – gemeinsam und in Verbundenheit mit der großen Schöpfungskraft. Wir engagieren uns in unseren Aufgaben, wir bewegen und verändern die Dinge. Wir denken, fühlen und handeln.
Der Gärtner in seinem Garten erlebt zwar den ursprünglicheren und natürlicheren Ablauf von Säen, pflegen und ernten. Aber auch wir Nichtlandwirte leben in Abläufen. Wir hatten im Frühjahr vielleicht eine schöpferische und kreative Idee. Wir haben geplant und umgesetzt und blicken jetzt hoffentlich dankbar auf die Ergebnisse.
Du hast vielleicht unterrichtet, Seminare gegeben, Kinder begleitet oder dein Haus instand gehalten. Du hast Liebe und Kraft gegeben und die vergangenen Monate gestaltet. Manche Ergebnisse mögen nicht sicht- und greifbar wie die Früchte des Feldes. Aber du erntest sie wie einen Schatz von Erkenntnissen und neu dazugewonnen Weisheiten.
Dabei wohnt in dir eine Schöpferkraft, die gestalten kann und die bewegt. Bist du dir dieser Kraft bewusst? Kannst du zu dir sagen: „Ja! Das war ich! Ich habe das alles in diesem Jahr erreicht! Ich war gut angebunden an meine Quelle. Ich bin hoch zufrieden mit meinen Ergebnissen!“ Du hast vielleicht Hürden und Hindernisse überwinden müssen. Du warst bei manchen Aufgaben kurz vor der „Aufgabe“. Du hast vielleicht auch kleine „Missernten“ hinnehmen müssen. Du hast Energie und Kraft in die Arbeit hineingelegt. Du warst liebevoll, achtsam und fürsorglich mit den Menschen und mit den Dingen. Am Ende wirst du mit dem leben müssen, was als Ergebnis vor dir liegt. Es mag dir wenig oder viel erscheinen.
Nach dem Schöpfen kommt die Erschöpfung. Wenn die Mutter das Kind auf die Welt bringt, kommt die Erschöpfung. Wenn die Erde die Früchte hervorgebracht hat erlebt auch sie die Erschöpfung. Die Erde kann für den Augenblick nichts mehr hergeben. Auch die Erde ist erschöpft. Die Energie ist geflossen und es braucht eine Zeit der „Rekreation“. Ein schönes Wort: „Rekreation“! Du brauchst Zeit, dich zu erholen und zu erfrischen. „Creare“ heißt erschaffen und „recreare“  meint dann vielleicht den Zeitraum, den es braucht, um wieder in die Schöpferkraft zu kommen.
In unserer Zeit des pausenlosen Schaffens fällt das vielen Menschen schwer. Sitzen, nichts tun, die Hände in den Schoß legen. Es geht darum, nach der Schaffensperiode einfach auszuruhen. Auch hier steckt die Botschaft im Detail. Du bist eingeladen, so lange zu ruhen, bis die Ruhe „aus“ ist. „Ausruhen“  meint also, nicht zu früh wieder anzufangen sondern sich so viel Zeit zu lassen, wie es braucht.
Ich gehöre leider auch zu den Menschen, die immer vorzeitig schon aufstehen und weitermachen. Ich gönne mir die Tasse Kaffee am Nachmittag. Aber der letzte Schluck bringt mich schon wieder in Bewegung. Es fällt mir schwer, noch einen Moment innezuhalten und dann noch einen Moment innezuhalten und dann noch einen Moment... Da fängt plötzlich das Kribbeln an und die Botschaft: Komm, Zeit ist Geld! Du musst noch so viel erledigen! So „erledigst“ du, bis du „erledigt“ bist.
Mir geht es dabei sehr um die Aufmerksamkeit für den Übergang. Es gibt einen Übergang von der Erschöpfung hin zu dem Wiederaufnehmen des Schöpfens. Denn nach der Ruhephase gibt es ja auch den Augenblick der Freude und der Wiederbelebung der Kräfte: „Jetzt geht es los!“ Wann kommt der Augenblick, wo es stimmig ist? Bist du wirklich schon so weit? Kannst du wieder loslegen?
Wenn du immer zu früh anfängst mit der Arbeit und diesen Zeitraum zu lange ausdehnst, wirst du die Balance im Leben verlieren. Ich kenne genug Menschen, die gar nicht mehr in der Lage sind, sich der Muße hinzugeben. Jetzt im Oktober und mehr noch im November werden wir uns ausruhen dürfen.
Alle Religionen teilen die wohltuende Erfahrung des Wechsels von Arbeit und Stille. Auch die Bibel erzählt von dem Schöpfergott, der am siebenten Tag ruhte. Er besah sich sein Werk und stellte fest: „Siehe, alles war sehr gut!“
Das „Ausruhen“ bekommt dann noch eine neue und tiefere Qualität. Neben dem Kraftsammeln für neue Taten geht es um viel mehr. Im Innehalten wächst und verändert sich dein Bewusstsein. Du wirst dir bewusst, dass du ein schöpferischer Mensch bist. In der Stille wächst die Freude über das Geschaffene. In der Ruhe reift das Gefühl der Dankbarkeit wie die Süße in den Trauben an den letzten Sonnentagen vor der Ernte. Im Innehalten zu genießen wird dir helfen, in das Bewusstsein von Verbundenheit zu kommen. Du bist verbunden mit dir selbst, mit der Schöpfung, mit den Menschen und der Quelle, die ich Gott nenne.  In diesem Sinne wünsche ich dir eine erntereiche Ausruhzeit.