Samstag, 31. März 2018

14 österliche Worte: Werde!


Sei und Werde! Du darfst zugleich im Sein sein und "Werden". Du bist in einer Entwicklung. Die hört nie auf! Du bist nie fertig! Nicht im Sinne eines Mangels. Du bist wie ein Baum. Auch der wächst. Er nimmt an Größe und Umfang zu. Er sammelt Erfahrungen und Erlebnisse. Jedes Erlebnis macht ihn reifer und vollständiger.
Bist du innerlich damit einverstanden? Das ist eine wichtige Frage! Bei meinem achtzehnten Geburtstag erzählten mir die Erwachsenen: "Jetzt gehörst du zu uns! Jetzt bist du erwachsen!" Ich konnte das noch nicht so ganz glauben weil ich mich noch so unfertig fühlte. Aber ich dachte, so in zwei oder drei Jahren mag das stimmen. Dann bin ich wirklich fertig. Vor allem, wenn ich mein Studium abgeschlossen habe.
Ich kenne viele Menschen die schon lange fertig sind. Haus bauen, heiraten, Kinder bekommen. Fertig! Nicht so ganz! Viele Jahre warten auf die Rente! Dann sterben und wirklich fertig!
Wenn du einverstanden bist mit dem "Werden" dann wird dein Leben zu einem Prozess. Es wird sich ständig wandeln und verändern. Du kannst nichts festhalten. Du gleichst mal einem Bach, mal einem Fluss und mal einem Rinnsal. Aber es verändert sich kontinuierlich. Wenn ich dir das österliche Wort "Werde!" zurufe dann bitte ich dich um das Einverständnis, dass du diesem Fließen deine innere Zustimmung und dein Einverständnis schenkst.
Stell dir vor dass du das Wasser bist. Du findest auf dem Weg des Fließens einen Baumstamm toll und möchtest ihn umarmen und festhalten. Weil du ständig fließt glaubst du, dass du diesen Baumstamm tatsächlich festhalten kannst. Aber das ist ein Irrtum. Der Baumstamm verändert seine Struktur und du bist nicht mehr das gleiche Wasser. Wasser Ja! Aber nicht mehr das gleiche. Hast du ein Bewusstsein davon?
Wenn du dich dem Prozess des Werdens überlässt "gehorchst" du dem Gesetz des Wachstums. Jesus kannte dieses Gesetz. Er sprach davon dass das Reich Gottes einem Senfkorn gleicht. Am Anfang ist es unscheinbar und klein und am Ende wird es zu einem großen Strauch.
Du kannst dich gegen das "Werden" stemmen aber erfüllter wird dein Leben wenn du dein Einverständnis gibst. "Werde!"
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Freitag, 30. März 2018

14 österliche Worte: Sei!


Sei lauter, sei leiser, sei stiller, sei gesprächiger, sei sparsamer, sei großzügiger, sei liebevoller, sei härter, sei moderner, sei traditionsbewusster, sei pünktlicher, sei genauer, sei kinderfreundlicher, sei geselliger, sei friedlicher, sei strukturierter, sei nicht so genau, sei genauer, sei sauberer, sei nicht so pingelig, ...

Wie lange wirst du brauchen bis du alle "sei" erfüllt hast? Wer richtet solche Wünsche an dich? Deine Familienangehörigen, KollegInnen oder du selbst? Der Hintergrund ist immer der Gleiche. Du bist nicht richtig so wie du bist! Du sollst anders sein! Und wenn du an einem Punkt richtiger bist, dann bist du gewiss an einem anderen Punkt auf jeden Fall noch falsch. Du arbeitest dein ganzes Leben daran immer richtiger zu sein. Du wirst immer wuschiger im Kopf! Du erfüllst vielleicht den Wunsch von manchen Menschen aber du bist nicht mehr du. Du bist derjenige/diejenige, die jemand anders sich wünscht.
Irgendwann hast du deine Mitte verloren. Du wirst es nämlich nie jemanden so wirklich recht machen. Es bleibt ein kleiner Rest. Du wirst immer und ständig an deinen Themen arbeiten. Ich höre die Resignation: "Das schaffe ich nie! Das ist so anstrengend! Du wirst nie fertig!"
Das österliche Wort heute heißt: "Sei!" Ohne ein Wort dabei! Du bist auf diese Welt gekommen als ein kleines Baby. Damals hat niemand etwas von dir erwartet. Alle haben sich nur gefreut dass du da warst! Nur aufgrund deiner Existenz! Du musstest nichts dafür tun! Du könntest einfach mal wieder dieses kleine Baby in dir besuchen. Bade in dem Gefühl des puren Daseins!
Wenn du im Urlaub am Strand sitzt und aufs Meer schaust, deine Seele in die Sonne hältst und es dir einfach nur gut gehen lässt dann bist du im Sein! Wenn du jetzt für einen Augenblick deine Augen schließt und alle deine tausend Gedanken auf ein schönes Samtkissen ablegst kann es auch geschehen das nur einfach nur bist! Ohne Beiwort, ohne Bewertung, weder richtig noch falsch. Sei!
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Donnerstag, 29. März 2018

14 österliche Worte: Du darfst!


"Mama, darf ich noch ein Eis?" - "Nein Kind, gleich gibt es Abendessen!"
"Mama, darf ich Fernsehen schauen?" - "Nein Kind, du hast heute schon deine halbe Stunde gehabt!"
"Darf ich heute früher gehen, meine Frau ist krank." - "Muss das wirklich sein?"
"Darf ich heute aus dem Krankenhaus entlassen werden?" - "Ich weiß nicht, wenn dann auf eigene Verantwortung!"
Schon als Kinder haben wir gelernt zu fragen. Wir bitten um Erlaubnis. Dann dürfen wir oder wir dürfen nicht. Die Eltern haben die Macht. Die Kinder beugen sich der Macht. Denn die Eltern haben es ja zu sagen. Sie bestimmen. Dann spielen Kinder miteinander und ein Kind macht einen Vorschlag. Ein anderes Kind sagt: "Immer willst du der Bestimmer sein!" Kinder lernen schon früh, wie die Dinge laufen. In der Regel sind Erwachsene die Bestimmer. Sie bestimmen über das Leben der Kinder. Du darfst oder du darfst nicht. Wenn ein Kind Glück hat bekommt es immerhin mal eine vernünftige Erklärung warum es darf oder nicht. Aber es muss auf das gültige "JA" der Eltern warten. Wir werden älter und fragen noch immer ob wir dürfen oder nicht. Vor einiger Zeit hielt ich ein Tagesseminar und eine Teilnehmerin fragte mich, ob sie auf die Toilette dürfte. Was hätte ich sagen sollen? "Ja klar, wenn Sie müssen!" "Nein, warten Sie doch noch eine halbe Stunde, dann machen wir sowieso Pause!" Ich habe ihr gesagt: "Wenn ich Sie wäre, täte ich das einfach selbst entscheiden."
"Dürfen" und "nicht dürfen". Natürlich ist es wichtig, dass Kinder noch nicht die volle Verantwortung für ihr Leben übernehmen können, weil sie nicht alle Folgen überblicken. Sie brauchen die Begleitung des Erwachsenen. Das "Dürfen" gibt die Möglichkeit für Eltern im positiven Sinne für die Sicherheit und das Wohlbefinden des Kindes zu sorgen.
Doch nach und nach können wir aufhören mit der Frage: "Darf ich?" Die Bibel erzählt viele Geschichten von Menschen, die etwas nicht oder nicht mehr durften. Sie durften nicht mehr ins Dorf wenn sie aussätzig waren. Sie durften nicht in den Tempel. Sie durften bestimmte Dinge nicht essen. Dazu kommt dann die große Unsicherheit! Darf ich vielleicht doch? Oder manchmal? Oder unter bestimmten Voraussetzungen?
Darf ich wieder heiraten obwohl ich geschieden bin? Darf ich zur Kommunion gehen auch wenn ich aus der Kirche ausgetreten bin? Manchmal bis oft kommt die Antwort wie bei einem Kind: "Du darfst!" oder "Du darfst nicht!" Solange ich um Erlaubnis bitten muss denke und handle ich wie ein Kind. Ich übernehme keine Verantwortung sondern schiebe sie dem Erwachsenen zu.
Das österliche "Du darfst" muss sich darum unterscheiden von den Kind- Erwachsenenspielen. Das österliche "Du darfst" ist ein "göttliches du darfst". Das möchte ich so übersetzen.
Du musst nicht mehr fragen! Grundsätzlich darfst du! Du bekommst eine endgültige Erwachsenenerlaubnis! Du darfst das Spiel befehlen-gehorchen verlassen! Du bist aufgenommen in die Gemeinschaft all derer, die Lebenserlaubnis wie selbstverständlich in sich tragen. Es ist ein Wort mit einem Folgesatz: "Du darfst! Geh in die Selbstermächtigung!"
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Mittwoch, 28. März 2018

14 österliche Worte: Du kannst!


Entweder haben unsere Eltern es uns eingetrichtert oder wir haben es von uns selber gedacht: "Du kannst das nicht! Du bist noch zu klein! Komm, lass mich mal machen!"
Ob du ein kleines Kind bist oder schon lange erwachsen. Wenn du etwas machen musst, was du noch nie zuvor getan hast, kannst du das möglicherweise noch nicht. Du bist ja schließlich unerfahren. Vielleicht musst du es erst noch lernen. Als Kind kannst du nicht laufen und lernst es im Laufe der Zeit. Du musst viele Dinge koordinieren. Auf deinen zwei Füßen stehen, das Gleichgewicht halten, gleichzeitig einen Fuß bewegen und mit dem anderen den Stand wahren. Das braucht seine Zeit. Zu Beginn kannst du fast nichts und am Ende läufst du ausgezeichnet. Wenn du verstanden hast, wie das Lernen geht dann überträgst du diese positive Erfahrung auf andere Situationen. Du siehst einen PC und hast keine Ahnung. Dann wagst du dich daran mit deinen Vorkenntnissen, mit Begleitung von außen, mit schriftlichen Anweisungen und du startest bis du es kannst. Es ist also ganz normal, etwas Neues nicht zu können, und nach einer gewissen Zeit seine Kenntnisse zu erweitern.
Hast du noch das Wort deiner Eltern im Ohr: "Das kannst du nicht! Kind, hör mir doch zu! Das kannst du nicht!" Klingt doch sehr absolut und endgültig. Wenn dieser Satz bei dir als Kind ankommt, was hörst du? Du hörst: "Das kannst du nie!" Wenn deine Eltern dir gesagt hätten: "Das kannst du jetzt noch nicht aber ich helfe dir und dann wirst du es können. Vielleicht nicht heute, aber morgen oder übermorgen!" Wie kämen diese Worte dann bei dir an? Die Absolutheit des "Nichtkönnens" wäre weg und du würdest die "Möglichkeiten" hören. "Noch" kannst du es nicht, aber bald...
Auf seinem Weg nach Jerusalem ist Jesus vielen Menschen begegnet, die nicht konnten. Sie konnten nicht sehen, nicht aufrecht gehen, nicht zupacken, nicht menschenfreundlich sein. Jesus sagte ihnen einfach auf seine Art: "Du kannst!" Er veränderte ihre negativen Glaubenssätze und sie konnten.
Wenn du in deinem Herzen und im Kopf ständig den Satz verinnerlichst: "Ich kann nicht", wie fühlst du dich dann. Klein? Ohnmächtig? Hilflos?
In der Beratung erlebe ich es oft und gerne den wichtigen Schritt, wenn der Mensch sagt: "Ich kann!" Er hat vielleicht noch nicht einmal eine Lösung für sein Problem. Es geht aber ein Ruck durch den ganzen Körper. Es kommt eine Energie die sich so ausdrückt wie: "Ich weiß noch keine Lösung aber ich will es anpacken!"
Barack Obama wird vielleicht nicht in die Geschichte eingehen mit seinen Taten. Bestimmt aber mit den Worten: "Yes we can!" Das österliche Wort heute heißt: "Der Tod in seiner vielfältigen Form kann mich nicht aufhalten. Ich kann!"
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Dienstag, 27. März 2018

14 österliche Worte: Vertraue!


Du bist enttäuscht! Dein Kind hat gelogen. Dein Mann verschweigt, dass er beim Arzt war. Deine Arbeitskollegin spricht schlecht über dich wenn du nicht da bist. Die Politiker halten nicht ihr Versprechen. Deine Eltern besuchen dich nicht zum Geburtstag. Dein Arbeitgeber entlässt dich obwohl du gut arbeitest. Du nimmst Medikamente gegen deine Krankheit und sie helfen nicht. Du bist enttäuscht! Du hast dich getäuscht! Du hast dich täuschen lassen!
Ständig verspricht uns jemand etwas und wir glauben es. Wir freuen uns wenn sich das Versprechen erfüllt. Die Freunde von Jesus glaubten auch, dass mit ihm sich alles ändern wird. Jeder hatte da seine eigenen Wünsche, Ideen und Projektionen. Der eine Jünger hoffte, dass Jesus die Römer aus dem Land jagt. Der andere Jünger hoffte, dass die Armen endlich an die Macht kommen. Andere hofften auf Heilung von körperlichen Gebrechlichkeiten oder Befreiung von Sünden.
Du hast deine Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen. Es sind deine Wünsche und Erwartungen. Du wünschst dir, dass dein Kind nicht lügt. Du erwartest, dass dein Mann erzählt, dass er beim Arzt war. Du denkst, dass deine Arbeitskollegin im Beisein von anderen nicht schlecht über dich sprechen darf. Es sind DEINE Wünsche und Erwartungen. Manchmal verspricht dein Gegenüber ja auch sogar etwas. "Ja, ich lüge nicht!" "Ja, ich war beim Arzt!" Dann bist du noch enttäuschter.
Immer geht es jedoch um eine Täuschung! Es geht um deine Täuschung! Du trägst insofern die Verantwortung, dass du diese Täuschung zugelassen hast. Weil du dir manchmal etwas so sehr wünschst, lässt du dich gerne täuschen und hältst diese Täuschung lange aufrecht.
Wenn dann die Enttäuschung kommt kannst du froh sein. Du bist von einer Täuschung befreit worden. Du kannst jetzt die Wahrheit erkennen. Die Wahrheit, dass du dich getäuscht hast oder dich hast täuschen lassen.
Manche Menschen sagen, ich bin so oft enttäuscht worden. Ich kann nicht mehr vertrauen. Wenn du so denkst, dann schiebst du die Verantwortung von dir fort. Dreh doch einmal diesen Gedanken um und sage: "Ich passe auf, dass ich mich nicht mehr so oft täuschen lasse. Oder, Täuschungen gehören zum menschlichen Leben dazu. Es ist in Ordnung! Ich gehe einfach in die Enttäuschung hinein und bin anschließend wieder klar!" Du kannst dankbar sein für jede Enttäuschung, weil sie dein Inneres klärt. Dein Vertrauen kannst du bewahren und weiterentwickeln jenseits von Enttäuschungen. Vertrau deinem Kind und deinem Mann und deinen Arbeitskollegen, den Politikern und vertrau jedem Menschen. Tue es einfach! Du wirst überrascht sein, was geschieht. Wenn du vertraust wird sich der Blickwinkel deiner Wirklichkeit verändern. Du wirst freundlicher, gelassener und wohlwollender. Du gibst deinem Mann und deinem Kind die Erlaubnis dich enttäuschen zu dürfen. Sie dürfen dich enttäuschen, dich von der "Täuschung" befreien.
Das bedeutet einen völlig anderen Umgang mit Enttäuschungen als bislang. Bislang hast du eine Enttäuschung negativ gedeutet. Enttäuschungen sind heilsam. Sie sind durchaus schmerzhaft, ärgerlich und unangenehm. Wenn du jedoch bereit bist, die Schmerzen anzunehmen dann bleibt dein Vertrauen von dieser Erfahrung unberührt. Du erlebst eher das Gegenteil. Eine "willkommene" Enttäuschung stärkt dein Vertrauen. Aber überprüfe das einmal! Glaube mir nicht! Es ist zunächst einmal nur meine Idee.
Vertraue! Vertrauen ist völlig unabhängig von deinen Vorerfahrungen und Enttäuschungen. Vertrauen ist eine Grundsatzentscheidung, die du einmal triffst und in jeder Situation deines Lebens wieder erneuerst. Eine wahrhaft österliche Erfahrung. Enttäuschungen "töten" deinen irrigen Blick und Vertrauen stellt den Anfang wieder her. Tod und Auferstehung!
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Montag, 26. März 2018

14 österliche Worte: Lebe!


Es kann vorkommen, dass du des Lebens müde wirst. Manchmal ist es einfach zu viel! Du rackerst dich ab. Du tust und machst! Du übernimmst eine Aufgabe und dann noch eine Aufgabe. Du läufst und läufst und irgendjemand sagt dir: "Du bist gar nicht mehr da! Du bist nur noch im Funktionsmodus!"
Irgendwann merkst du, dass du nicht mehr stoppen kannst. Dein Körper kommt nicht mehr zur Ruhe. Deine Gedanken kreisen. Du befindest dich im Hamsterrad. Während der Hamster sich dort scheinbar wohlfühlt geht es dir schlechter und schlechter in deinem Rad. Dein Energiepegel sinkt und sinkt und du hoffst, dass du diesen Tag irgendwie bewältigst.
Du begegnest letztlich deinem eigenen inneren Tod. Oft merkst du es leider viel zu spät. Letztlich schreit dann dein Körper auf und signalisiert: "Ich kann nicht mehr." Ständige Grippen, Rückenschmerzen, Migräne, Erschöpfungszustände und Schlaflosigkeit bestimmen deinen Alltag.
Wie kommst du aus dem Hamsterrad heraus? "Dein Kopf sagt: Immer weiter! Nicht nachdenken! Immer weiter! Ich finde schon einen Weg!" Unterbrich deine Kopfgedanken und sage."Stopp!" Aus dem Hamsterrad kommst du erst, wenn du "STOPP" machst. Innerlich gehst du aus dich heraus und beobachtest dich von außen: Was ist aus dir geworden? Willst du das alles so? Was wäre, wenn du jetzt sterben müsstest? Dann müsstest du dich von deinem Hamsterrad radikal verabschieden. Es gibt keine einzige Umdrehung mehr. Nicht eine! Du müsstest also für einen Moment sterben, alle Aktivitäten sterben lassen. Du müsstest dich von deiner Identität verabschieden. Vielleicht sogar von allen Identitäten!
Und dann? Dann braucht dein Körper, dein Geist und deine Seele Zeit! Es geht sozusagen in die Erde, in die Dunkelheit, in den Tod. Dir wird bewusst, was alles in dir eigentlich schon tot ist. Du hast nur noch funktioniert. Aber der Sinn ist dir abhanden gekommen, die Freude - und - vor allem "DAS LEBEN".
Ostern würde an dieser Stelle dir sagen: "Lebe!" Höre auf zu funktionieren! Verabschiede dich von überflüssigen und falschen Identifikationen! Überprüfe deine Beziehungen und deine Aufgaben! Schau den Menschen in die Augen und vergewissere dich, dass sie da sind. Und dass du da bist. Spüre die Freude in deinem Herzen, dass dein Herz pocht und schlägt und hüpft! Streife den Tod ab wie eine verbrauchte Haut und lebe!
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Samstag, 24. März 2018

Bei allem, was du sagst, achte auf den rechten Augenblick. Reden zur unpassenden Zeit sind nicht beliebt. (Ägypten)



Dein Sohn hat den Tisch nicht abgeräumt und als Vater oder Mutter ärgerst du dich darüber. In deinem spontanen Ärger weist du deinen Sohn zurecht, er möge doch Absprachen und Familienregeln einhalten. Der Ärger in deiner Stimme ist deutlich spürbar. Und wie reagiert dein Sohn?
Er wird bockig, er widerspricht, er legt sich mit dir an. Er spiegelt deinen Ärger zurück und dicke Luft ist im Raum.
Immer wieder erlebe ich Paare, die mit "aller Gewalt" versuchen, ihre Konflikt zu klären, wenn sie im Gefühl des Ärgers und der Wut sind. "Ich muss jetzt mit dir reden!" "Das müssen wir hier und jetzt klären!" "So geht das nicht weiter!" "Immer machst du das, nur um mich zu ärgern!" Kennst du diese oder ähnliche Sätze? In der Regel steht am Ende kein Ergebnis wo alle zufrieden sind. Am Ende resigniert einer oder beide sind erschöpft.
Der ägyptische Spruch erinnert dich an den "rechten Augenblick". Auch bei Konflikten gibt es einen rechten Augenblick. Wenn du dich mitten im Gefühl des Ärgers und der Kränkung befindest, ist es sehr schwer, mit deinem Konfliktgegner in einer guten Verbindung zu sein. Er ist eben dein Gegner und nicht mehr dein Partner. Du hast den Eindruck, du musst kämpfen. Du willst dein Recht, du willst gesehen werden, du vermisst das Verständnis und dein Gegenüber empfindet genauso wie du.
Beruhige erst einmal deinen Geist, geh auf Abstand, schlaf eine Nacht drüber, atme ein paar tiefe Atemzüger und triff eine Vereinbarung, wann du reden möchtest, eben... Suche mit deinem "Konfliktgegner" den rechten Augenblick, damit er/sie zu einem Konfliktpartner wird.
Stell dir dabei vor, dass ihr euch nicht gegenübersteht wie Kontrahenten, sondern ihr setzt euch nebeneinander auf eine Bank und schaut in die gleiche Richtung. Ihr schaut gemeinsam auf einen Baum oder eine Blume. Dieser Baum oder diese Blume steht als Symbol da für eure Partnerschaft oder eure Freundschaft. Gemeinsam schaut ihr den Baum an und fragt: "Wie geht es gerade der Ehe, der Freundschaft, der Partnerschaft? Was braucht sie von dir und dem anderen? Was hat gefehlt und wer kann was dafür tun, dass das Fehlende ergänzt wird."
Der richtige Augenblick ist dann, wenn in deinem Herzen wieder mehr Weite als Enge zu spüren ist.

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Freitag, 23. März 2018

Das Glas ist halb voll!

Ärgere dich nicht darüber, dass der Rosenstrauch Dornen trägt, sondern freue dich darüber, dass der Dornenstrauch Rosen trägt. (aus Arabien)


Ärgere dich nicht darüber, dass die falschen Politiker an der Regierung sind, sondern freue dich darüber, dass eine Regierung auch falsche Politiker verträgt.
Ärgere dich nicht darüber, dass der "neue" Papst Franziskus bislang so wenig Reformen umgesetzt hat, sondern freue dich darüber, dass trotz der wenigen Reformansätze Papst Franziskus seine gute Laune noch nicht verloren hat.
Ärgere dich nicht über deinen Nachbarn, der mit seinem Grill die Luft in deinem Garten verpestet, sondern freue dich darüber, dass trotz des Grills dir genügend Luft zu atmen bleibt.
Ärgere dich nicht darüber, dass deine erwachsenen Kinder dich nicht mehr anrufen, sondern freue dich darüber, dass deine Kinder ein so sinnvolles Leben führen, dass für Anrufe keine Zeit bleibt.
Ärgere dich nicht über das katastrophale Fernsehprogramm, sondern freue dich darüber, dass trotz des katastrophalen Fernsehprogrammes du noch Lust auf gute Unterhaltung hast.
Ärgere dich nicht über einen schlechten Service im Lebensmittelmarkt, sondern freue dich über einen Lebensmittelmarkt, in dem du noch das eine oder andere Produkt findest, das dein Herz erfreut.
Ärgere dich nicht darüber, dass du irgendwann sterben musst, sondern freue dich darüber, dass bis zu dem Zeitpunkt noch ein paar Atemzüge machen darfst und heute dein Leben genießt.

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Donnerstag, 22. März 2018

Nimm es leicht!


Stell dir eine Situation vor, die dich belastet. Du hast einen Fehler gemacht. Du hast dich blamiert. Du fühlst dich nicht wohl damit. Du möchtest es verdrängen, leugnen, zur Seite schieben. Aber es lastet auf dich. Wie fühlt es sich an?
Wenn das Ereignis frisch ist, kann ich diese Reaktion gut verstehen. Aber wenn diese Geschichte schon lange zurückliegt? Wenn es sich in deiner Kindheit abgespielt hat? Und wenn du daran denkst und es fühlt sich wieder so schwer an, macht das noch Sinn? Diesen alten Teebeutel wieder in die Tasse zu hängen und alte Gefühle wiederzubeleben? Es ist ein altes Gefühl! Es ist nicht aktuell!
Jetzt magst du denken: Aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Es kommt einfach immer wieder. Ich hatte mich damals so blamiert! Es belastet mich immer noch! Dann belastet dich nicht das vergangene Ereignis sondern es belastet dich das aktuelle Gefühl, dass du dir selber gemacht hast. Die Erinnerung erschafft das Gefühl. Du bist der Schöpfer dieses Gefühls. Du hast es selber erschaffen!
Wenn du mal in die Jauchegrube gefallen bist und es dir nicht gefallen hat. Würdest du freiwillig wieder hineinspringen? Würdest du noch einmal eine heiße Herdplatte anfassen um das Gefühl von Verbrennung wiederzubeleben? Würdest du doch nicht. Das macht keinen Sinn! Aber deine alten Ereignisse kramst du dein ganzes Leben lang wieder hervor und erneuerst deine schlechten Gefühle.
O.k. Wenn du es nicht lassen kannst, weil du ein Erinnerungsjunkie bist dann mache es doch einmal ganz richtig. Das geht so!
Stell dir eine Situation vor, die dich belastet. Schließe dazu die Augen und lass sich das Bild in dir entfalten. Nimm wahr, wie deine Mutter dich auslacht und wie du reagierst. Wende dich aber dieses mal auf keinen Fall ab wie sonst! Bleib bei dem Bild! Bleib noch weiter bei dem Bild! Schau dir deine Mutter an und schaue dich selber an. Lass alles zu, was auftaucht. Es ist wie bei einem Eiterpickel: Alles muss raus! Also schau das Bild an. Übernimm die Verantwortung dafür. Es ist deine Situation, deine Geschichte, deine Erinnerung. Sie gehört dir! Egal was du erlebt hast. Schau dir die Situation an und laufe nicht weg! Halte es länger aus als sonst. Schau dich daran satt! Ich habe einmal Sahne sehr gerne gemocht. Dann habe ich einen ganzen Becher Sahne getrunken und mir wurde schlecht. Lange Zeit konnte ich dann keine Sahne mehr essen. Ich hatte die Nase voll davon. Schau dir also mal als Experiment deine schwere Geschichte an bis du satt bist.
Wenn du es lange genug gemacht hast wird etwas sehr Unerwartetes und Ungewöhnliches geschehen. Davon kann ich dir hier nichts erzählen, denn dann würde dein Geist ganz schnell dahin flüchten. Das möchte ich vermeiden.
Wenn du dir dein Bild anschaust dann machst du etwas anderes gleichzeitig. Du sagst dir: Jetzt bin ich hier. Mein Leben ist weitergelaufen! Ich bin die von damals und zugleich jemand anderes. Zum Abschluss der Übung schaust du auf das Mädchen im Foto: Es bläst eine Pusteblume. Die Geschichte ist abgeschlossen. Der Same darf sich verteilen. Die Geschichte war schwer und der Same ist leicht. Wie bei einer Pusteblume puste ich den Samen meiner Geschichte in die Welt und habe Anteil an meiner Weiterentwicklung und der Entwicklung der Welt.
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Mittwoch, 21. März 2018

Die Frau mit dem Schirm!


Kennst du die Frau mit dem Schirm? Ihr Hauptberuf heißt Fremdenführerin. Als Jugendlicher war ich in Berlin und sah das erste Mal eine solche Frau mit einem Schirm. Sie hielt ihn hoch und somit war sie für die ganze Gruppe erkennbar. Es gab auch andere Gruppen mit anderen Männern oder Frauen, jeweils mit Schirm. Die "Fremdenführer" können durch das Hochhalten des Schirmes sich kenntlich machen. Niemand geht so verloren. Alle Schäflein folgen dem Schirm!
Die Frau mit dem Schirm zeigt dir wo du hingehörst. Sie gibt dir Orientierung und erleichtert dein Gruppendasein. Am Flugafen hält dir der Reiseleiter ein Pappschild entgegen und auf deiner Kinokarte findest du deine Platznummer. Das gibt ein gutes Gefühl. Für mich ist gesorgt. Ich muss nicht kämpfen. Ich muss mich nicht anstrengen. Hier ein Schirm, da ein Pappschild und hier wieder eine Nummer.
Dabei beschleicht mich so ein Gefühl, das ich nicht so gerne habe. Ich könnte verloren gehen. Ich verliere schon nicht gerne meine Schlüssel oder mein Geld. Ich achte darauf und halte meine Sachen gut zusammen. Ich fühle nach und zähle durch. Hier mein Geld, da mein Schlüssel und hier meine Papiere. Alles da! Ich bin sicher!
Aber was ist, wenn ich etwas verliere? Was ist, wenn ich mich verliere? Dann kommen die Träume ohne Ausweg! Du möchtest anhalten und kannst nicht aussteigen. Du gehörst hier nicht hin. Aber wie findest du deinen Platz wieder?
Da ist doch die Fremdenführerin mit ihrem Schirm. Sie führt Fremde! Das ist ihre Aufgabe. Sie begleitet Menschen, die fremd sind. Die sich nicht auskennen. Manchmal, wenn wir uns verlieren geschieht es, weil wir uns nicht auskennen. Weil wir fremd sind. Die Entfremdung ist jedoch Teil eines Erweiterungsprogrammes. Zunächst bist du fremd und verloren und so nach und nach wird dir etwas vertraut. Mach dir bewusst, dass das Gefühl von Verlorenheit dazu gehört in einem Prozess, wo du etwas Neues lernst. Du verlässt deinen sicheren Raum und gehst durch die Verlorenheit in das Neue. Und für einen kurzen Moment darfst du dich am Schirm festhalten.
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Dienstag, 20. März 2018

Der Mensch lasse zuerst sich selbst, dann hat er alles gelassen. (Meister Eckhart 1260 - 1327)

Ich schaue oft auf das Außen und mache mich da fest. Wenn mein Arbeitgeber sich verändert, dann geht es mir gut. Wenn das Wetter besser wäre würde ich spazieren gehen. Wenn ich mehr Geld hätte, dann könnte ich mir mehr kaufen und wäre dann glücklicher. Wenn mein Lebenspartner besser zuhören könnte wäre ich mit meiner Ehe zufrieden. Immer muss dann im Außen etwas geschehen.
Stelle dir vor, dass du von dir nach außen hin Fäden knüpfst. Du bist auf der einen Seite und am anderen Ende deines Fadens befindet sich eine "Außenstation". Was dort geschieht kannst du nur schwer beeinflussen. Dort geschieht, was immer geschieht. Du kannst wünschen, bitten, befehlen. Aber am Ende macht der andere Pol deines Fadens das, was dort geschieht.
Das andere Ende des Fadens liegt aber in deiner Hand und in deinem Herzen. Wenn du an dieser Stelle einen Faden loslässt, bist du wieder frei. Dann kann dein Gegenüber machen, was es will. Wenn ich alle Fäden loslasse dann muss ich nichts mehr halten. Nicht mehr ziehen. Keine Kraft mehr vergeuden.
Meister Eckhart geht noch einen Schritt weiter. Er spricht nicht von den "Fäden" im Inneren, die du loslassen sollst, sondern vom Menschen, der zuerst sich selbst lasse. Ich lasse mich los. Mich in meiner Tiefe. Ich gebe mich selber frei. Ich will nichts mehr. Ich halte gar nichts mehr fest. Ich wechsel das Betriebssytem. Mache eine Radikalkur. Ich werde zum Gast auf dieser Erde. Ich darf viel und muss nichts mehr. Ich lasse. Wenn ich also wieder etwas will, und unbedingt will, dann lasse ich als einen ersten Schritt. Ich lasse los, damit ich gar nicht erst festhalte. Ich fange mit dem Festhalten gar nicht erst an. Es macht ja schließlich keinen Sinn. Dann kann das Gewünschte sich ereignen, muss es aber nicht. "Der Mensch lasse zerst sich selbst, dann hat er alles gelassen." Es geht um eine Grundhaltung. Eine Grundhaltung, die grundsätzlich alles verändert. Eine herausfordernde tägliche Übung. Es ist nicht mit einem Beschluss getan. Tägliches Einüben in die Gelassenheit!
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Montag, 19. März 2018

Verabrede dich mit dem Leben!

Du sitzt auf deinem Sofa und hast nichts zu tun. Das ist eigentlich ja auch in Ordnung. Einfach mal herumsitzen und nichts tun. Das machen wir eh viel zu wenig. Wenn du aber öfter auf deinem Sofa sitzt und lieber etwas anderes tätest sieht das schon anders aus.
Es könnte ja sein, dass du auf deinem Sofa sitzt und denkst, dass das Leben an dir vorüberzieht und du nicht dabei bist. Dein Freundeskreis trifft sich ohne dich. Deine Familie ignoriert dich. Über deinem Haus regnet es, während deine Nachbarn im Sonnenlicht eintauchen. Überall brummt das Leben. Nur nicht auf deinem Sofa. Dann fragst du dich, wie das sein kann! Hat man dich übersehen? Hast du dich versteckt?
Du könntest jetzt Ursachenforschung betreiben. Dich verurteilen. In die Depression abrutschen. Oder? Du könntest dich einfach mit dem Leben verabreden! "Hallo Leben. Ich bin hier und sitze gerade auf dem Sofa. Magst du dich mit mir verabreden? Ich würde dich gerne treffen und etwas mit dir unternehmen." Was würde das Leben dann sagen? "Herzlich willkommen! Ich bin hier draußen! Komm zu mir. Auf die Straße. Auf den Berg. In die Volkshochschule. Ich bin überall!" Du müsstest auf jeden Fall dein Sofa verlassen. Als ersten Schritt! Egal, wohin du gehst. Auch, wenn du noch kein Ziel hast. Du stehst auf und verlässt dein Sofa. Du machst dich auf den Weg und musst das Ziel noch gar nicht wissen. Das Leben findet ja überall statt. Du stehst also auf und triffst eine Verabredung. Du sagst zum Beispiel: "Hallo Leben. Ich gehe jetzt in die Sauna. Kann ich dich da treffen?""Komm vorbei! Ich bin schon da!" Wenn du dich mit dem Leben verabredest kannst du dich darauf verlassen, dass es auch da ist!
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Samstag, 17. März 2018

Steuer dein Leben und überprüfe es!

Im Einkaufszentrum bewundere ich einen kleinen Jungen, der mit einem Elektroauto durch die Gänge fährt. Voller Stolz und Selbstbewusstsein dreht er das Steuerrad und wirkt darin sehr erwachsen. Beim näheren Hinschauen entdecke ich das andere Ende des Bildes. 


Im Hintergrund bewegt der Vater mit einem Joystick das Fahrzeug. Der Junge lebt in einer fröhlichen Illusion. Er fühlt sich als "Autoselbstfahrer" und merkt nicht, wie jemand von außen sein Fahrzeug steuert.

Dann stelle ich mir vor, dass ich der Junge in dem Fahrzeug bin. Ich denke, dass ich mein Leben fest im Griff habe. Ich entscheide über Weg und Ziel. Autonomie ist für mich ein sehr hoher Wert.
Dann stelle ich mir vor, dass im Hintergrund auch jemand mein Leben steuert mit einem Stick. Er lässt mich in dem Glauben, dass ich autonom bin, damit ich nicht protestiere und damit er ein leichtes Spiel mit mir hat. Aber ein Beobachter von außen sieht es deutlich: Dieser Mensch entscheidet nicht selbst, er wird gesteuert.

Das wiederum führt mich hin zu einer tiefen philosophischen Frage. Manche Menschen glauben ja, dass im Hintergrund Gott wie mit einem Joystick sitzt und seine menschlichen Autos durch die Gegend schaukelt. Das glaube ich nicht. Ich vermute, dass Gott daran nicht das geringste Interesse haben dürfte.
Ich glaube allerdings dennoch, dass es Menschen, Gruppen oder Konzerne mit einem Joystick gibt, die versuchen, die Menschen in bestimmte Richtungen zu lenken. Bist du dir sicher, dass du dein Lebensfahrzeug völlig autonom steuerst? Oder wie oft erliegst du den Impulsen, die von außen kommen. Werbung, Nachrichten in den Medien, scheinbar politische Notwendigkeiten. Beispiel gefällig? Da gibt es einen terroristischen Anschlag. Der wird in den Medien hochgepuscht über Tage und über Wochen. In dir steigt die Angst, dass dein Leben ebenfalls mächtig bedroht wird. Du fühlst dich unsicher und möchtest strengere Gesetze, die dich beschützen. Du bist einverstanden mit Video- und Telefonüberwachung. Und schon bist du mitten in einem System, das dich steuert. Da greift ein Zahnrad in das andere. Verschwörungstheoretiker vermuten dann gleich jemanden, der am anderen Ende der Leitung sitzt mit einem riesigen Weltenlenkungsplan.
Hypothese: So, wie der Vater auf dem Foto seinen Jungen steuert, macht die Wirtschaft das mit uns. Stimmt? Stimmt nicht! Du kannst es durchschauen und aufwachen. Du kannst das Steuer des Lebens in deine eigene Hände nehmen, weil du kein Kind mehr bist. Du bist ein erwachsener Mensch und hast die Freiheit, ja oder nein zu sagen. Ob ein Joystick am anderen Ende etwas macht oder nicht. Es funktioniert nicht automatisch. Du kannst dich dazu verhalten. Du kannst sagen: "Gerne!" oder "Mit mir nicht!"
Aus welchem Material besteht wohl so ein Joystick, mit dem "Die Anderen" arbeiten? Nach meiner Einschätzung ist es die Angst im Negativen oder die Verlockung im Positiven! Wenn du dich vertraut machst mit deiner Angst und sie annimmst, wirst du immun. Kein Joystick der Welt kann dich noch beeinflussen. Die Freiheit erwartet dich jenseits der Angst. Und der Weg dahin führt mitten hindurch! Bist du verführbar durch positive Verlockungen, dann erschaffe dir deine eigenen oder finde den Knopf auf dem steht: "Stopp! Jetzt ist es geunug!"
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Freitag, 16. März 2018

Jetzt wird es aber echt mal Zeit!

Jetzt wird es aber echt mal Zeit, dass ich zum Friseur gehe. Meine Haare sind schon viel zu lang. Wie sehe ich nur aus! Was denken wohl die Leute! So kann ich mich überhaupt nicht mehr sehen lassen.

Jetzt wird es aber echt mal Zeit, dass ich abnehme. Diese vier Kilo machen mir einfach zu schaffen. Ich bekomme die nicht weg! Die kleben an meinem Bauch und sehen aus wie acht Kilo. Jetzt habe ich lange genug nur einfach herumgedacht.

Jetzt wird es aber echt mal Zeit, dass ich mehr auf mich selbst achte. Ich habe schon so viele Überstunden gesammelt. Ständig diese vielen Projekte am Hals. Niemand, der es mir am Ende dankt. Ich zahle hier mit meiner Gesundheit.

Jetzt wird es aber echt mal Zeit, dass ich mein Fahrrad reparieren lasse. Ständig geht mir die Luft aus dem Reifen. Die Kette knattert und die Bremse greift nicht mehr so richtig. Das nervt mit der Zeit. Irgendwann bleib ich stehen!

Jetzt wird es aber echt mal Zeit! Und es ist gut, dass ich das mal gesagt habe. Und es ist echt mal Zeit für noch so viele andere Dinge. Mein Leben ist gepflastert mit Baustellen. Da sind die Autobahnbaustellen in NRW nichts dagegen. Jetzt wird es aber echt mal Zeit, grundsätzlich durchzugreifen. Von Grund auf! Radikal! Echt mal Zeit!

So! Jetzt ist es raus! Und jetzt setze ich mich hin und beruhige mich erst mal. Trinke eine Tasse Kaffee und komme zu mir. Und dann sehe ich mal weiter.
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Donnerstag, 15. März 2018

Schritt zurück oder Anlauf nehmen?

Als Kind konnte ich nicht über einen Bock springen. Mein Turntrainer meinte, dass ich mehr Anlauf nehmen müsste. Ich schaute den anderen Kindern zu. Sie standen an ihrem Ausgangspunkt. Gingen in Schrittstellung. Bewegten sie vor und zurück. Aus der Rückwärtsbewegung in den Anlauf. So habe ich das wahrgenommen.
So machte ich das auch. Ich ging in Schrittstellung. Schaukelte vor und zurück. Dann ganz richtig zurück um in den Anlauf zu finden und rannte los... und stoppte vor diesem Block abrupt ab. Ich hatte wieder was falsch gemacht. Worauf kommt es an? Auf den Schritt zurück? Ordentlich Anlauf nehmen? Kann man auf eines verzichten? Bedeutet der Schritt zurück nicht eine Art Selbstausbremsung? Oder verlängere ich den Anlauf und bekomme mehr Speed? Ich habe es nicht herausbekommen. Aber etwas anders fand ich heraus.
Ich stoppte vor diesem Bock weil ich Angst hatte. Ich wollte mir nicht weh tun. Wie kommt man über den Bock ohne sich anzustoßen oder am Ende hinzufallen? Die Frage nach dem Anlauf stellt sich überhaupt nicht. Die Angst ist das große Thema. Mit vierzig Jahren bin ich das erste mal über einen Bock gesprungen. Mit Eleganz und völlig angstfrei! Wow! Was lerne ich daraus fürs Leben?
1. Manchmal lohnt es sich, nach ein paar Jahrzehnten einen neuen Anfang zu machen. Es ist nie zu spät!
2. Wenn ich am falschen Ende anfange, mein Problem anzupacken, wird es dafür keine Lösung geben. Ich kaufe ja auch keinen Hammer beim Bäcker.  
3. Angst ist manchmal ein echt lebenseinschränkendes Gefühl. Ganz oft hilfreich um vor Gefahren zu warnen. Und oft auch eine Behinderung.
4. Der Bock war die Chance für mich, mich meiner Angst zu stellen. Mein Job bestand nicht darin, über den Bock zu springen, sondern die Angst zu bewältigen. Wofür Böcke gut sein können!
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Mittwoch, 14. März 2018

Wir müssen reden...

Dicke Luft in der Beziehung oder am Arbeitsplatz. Da hat sich was angestaut an Emotionen. Der Ärger wächst. Frust, Wut, Enttäuschung. Jeder zieht den Kopf ein. Schnell verstecken!
Bis die Person sich meldet, die es nicht mehr aushält. Die größte Einsicht hat. An das Gute glaubt. In den sauren Apfel beißt. Sich als Opfer fühlt. Oder auch als Retter. Irgendjemand sagt dann das gefürchtete und erlösende Wort: "Wir müssen reden..."
Dieser Satz bewirkt oft immerhin, dass der Vulkan zum Ausbruch kommen kann. Es brodelt ja sowieso. Nur zu glauben, dass das "Reden" wieder Frieden bringt ist eine Illusion. Wer reden "muss" und es nicht freiwillig macht, wird sich auch nicht öffnen. Wer reden "muss" weiß ja schon, dass er jetzt ein Gewitter aushalten muss. Es geht nicht um das Reden an sich sondern darum, dass der andere sein emotionales Chaos nicht mehr aushält und einen Schuldigen braucht. Wer ist schon gerne freiwillig ein Mülleimer oder ein Abladeplatz für Frust.
Wenn dein Reden mehr Frieden in eine Situation hineinbringen soll wäre es hilfreich, dein Anliegen als Bedürfnis und Wunsch zu äußern. Als eine Einladung mit der Möglichkeit zum Nein. "Ich fühle mich gerade mit dir in einer emotionalen Schieflage und würde das gerne mit dir anschauen und besprechen. Wärest du dazu bereit? Und wann könnten wir das machen?"
Wenn in Paarkonflikten die Situation gerade vergiftet ist kann auch das Reden mal nicht sehr hilfreich sein. Mehr Worte führen nicht zu mehr gegenseitigem Verständnis. "Du hast mich immer noch nicht verstanden. Wie soll ich dir das denn noch besser erklären." Dann folgt die vermeintlich bessere Erklärung, die emotional jedoch den Abstand vergrößert. Alternative? Eine Schweigephase. Ein sich Erinnern, dass ich mein Gegenüber ja eigentlich ganz gerne habe. Sich auf einer tieferen Ebene verbinden nach dem Motto: "Auch wenn wir uns nicht verstehen fühlen wir uns miteinander verbunden." Man kann auch darauf verzichten, sich gegenseitig verstehen zu wollen. "Ich verstehe dich nicht! Aber das ist völlig in Ordnung! Ich mag dich jenseits davon."
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Dienstag, 13. März 2018

Wer loslässt, hat beide Hände frei!

Zu mir kommt jemand mit einem Stapel voller Sorgen. Die Mutter ist schwer krank. Der Vater ist so hilflos. Der Bruder drückt sich. Der Pflegedienst kostet viel Geld, macht aber nicht seine Arbeit. Die Rente reicht nicht aus. Die eigene Familie streikt, die Oma weiterhin so intensiv zu betreuen. Dazu kommt noch ein Bandscheibenvorfall und eine berufliche Krise und die Aussicht in den nächsten Jahren keinen Urlaub machen zu können.
Dann kommen noch ein paar Kleinigkeiten hinzu, dass das Auto nicht mehr so richtig funktioniert und die Heizung erneuert werden müsste usw...
Dann sage ich: "Stopp! Das hält doch niemand aus!" Ich fange mit ihr noch mal von vorne an. Welche Probleme waren das noch mal? Die Mutter! Ich drücke der Ratsuchenden für die Mutter ein Buch in die Hand. "Die erste Last! Dafür symbolisch das Buch." Für den Vater das zweite Buch, für den Bruder das dritte Buch... du ahnst es schon. Der Bücherstapel wächst und wächst. Dieser Sorgenmensch sagt nach langer, langer Zeit: "Das ist aber echt schwer! Muss ich das jetzt tragen? Ich kann nicht mehr!" "Das finde ich auch! Aber es bleibt Ihnen nichts anderes übrig! Da müssen Sie jetzt durch!"
"Wer loslässt, hat beide Hände frei!" Wenn ich zu viel trage, werde ich am Ende handlungsunfähig. Also bleibt nichts anderes übrig als loszulassen. Aber wenn ich loslasse, dann habe ich beide Hände frei und kann etwas machen. Es wäre also hilfreich, sich sein Leben so einzurichten, auf jeden Fall handlungsfähig zu bleiben, also mit den "Händen" etwas machen zu können. Genügend Freiraum zu spüren. Wie viele Bücher kann man über einen längeren Zeitraum halten? Zwei, drei? Einen Stapel?
Oder gar keines? Ich plädiere für gar keines! Jedes Buch trage ich nur für eine kleine Weile und lass es dann wieder los. Jedes Buch. Jedes Problem. Jede Sorge! Nur für eine Weile! Ich habe nämlich gerne von Zeit zu Zeit meine Hände wieder frei! Neben dem Bewältigen von Problemen brauche ich meine Hände zum Essen und für die Streicheleinheiten!
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Montag, 12. März 2018

Träum mal drüber nach!

Manchmal suche ich nach einer Lösung für ein Problem. Ich bekomme eine Idee und erzähle meinen Freunden von meinem Problem und von meiner Lösung. Ich erzähle meinen Freunden davon, weil ich noch nicht so ganz sicher bin. Ich habe einen Rest von Zweifeln.
Dann sagt ein Freund zum Beispiel: "Das würde ich an deiner Stelle nicht so machen. Wenn du das machst, schaffst du dir nur neue Probleme. Denke lieber noch mal drüber nach!" Oder ein anderer Freund sagt: "Ja, genau! So machst du es und nicht anders!" Das finde ich dann wieder sehr radikal. So eindeutig bin ich ja noch nicht. Ich spreche also mit vielen Freunden über mein Problem und über meine inzwischen nur noch "mögliche" Lösung. Ich muss am Ende noch mal drüber nachdenken.
Nur - je länger ich darüber nachdenke, desto weiter weg rückt meine Lösung. Das viele Nachdenken erschwert den ganzen Prozess.
Jetzt lese ich auf einer Postkarte den wunderbaren Rat: "Träum mal drüber nach!" Wie wunderbar! Ich bitte den Traum, dass er mir die Lösung zeigt. Dann kommt die Lösung nicht aus meinem begrenzten Verstand sondern aus dem grenzenlosen Raum aller Möglichkeiten. In der Nacht weitet sich mein Bewusstsein. Ich sehe viel klarer. Ohne Nachdenken. Die Lösung zeigt sich mir!
Also - bei deinem nächsten Problem kannst du dir das Nachdenken sparen. Träum einfach mal drüber nach!
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Samstag, 10. März 2018

Erst die Arbeit und dann das Vergnügen!


Den Spruch kenne ich schon aus Kindertagen. Ich wollte draußen spielen und meine Mutter hinderte mich daran. Erst die Hausaufgaben machen! Erst die Arbeit und dann das Vergnügen!
Damit schaffen wir einen Unterschied und bilden eine Polarität, die nicht hilfreich und lebensfördernd ist. Wir arbeiten also im Schweiße unseres Angesichtes, damit wir uns anschließend vergnügen können. Wir vergnügen uns, weil wir es uns redlich verdient haben. Du gehst also nach der Arbeit in die Eisdiele und sagst dir: "Das habe ich mir redlich verdient!" Das Vergnügen ist positiv, die Arbeit negativ!
Wenn du dir vorstellst, wie viele Stunden am Tag du arbeitest, dann kann dein Leben nur eine einzige Qual sein. Das gefällt mir nicht und ich möchte diese Polarität ein wenig aufweichen.
Ich habe eine vergnügliche Arbeit. Meine Arbeit macht mir Freude, sie "genügt", sie "vergnügt" mich. In meinem Vergnügen arbeite ich auch sehr gerne. Ich liebe arbeitsame Vergnügen wie kochen und bügeln. Mönche müssen sich stundenlang hinsetzen um meditieren zu können. Mir reicht dazu ein Bügeleisen und schon reise ich in die bunte Innenwelt. Es gibt ja auch Menschen, die betreiben vergnüglichen Sport. Dabei setzen sie sich körperlich so intensiv ein wie ein Straßenbauer oder ein Schmied. Der Schweiß läuft am Körper herunter und - es kann total vergnüglich und befriedigend sein.
Wenn ich aufhöre, solche Unterschiede zu machen, dann ist es auch egal, wie viele Stunden ich arbeite. Ich lebe ja! Ich verabschiede mich von diesem alten Glaubenssatz: "Erst die Arbeit und dann das Vergnügen!" Ich sage: "Werde dir eines vergnügten Zustandes bewusst und dann tue was du willst!"
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Freitag, 9. März 2018

Liest du noch die Speisekarte oder isst du schon!


Auf den ersten Blick klingt dieser Satz vielleicht eigenartig. Darum will ich ein paar Sätze dazu schreiben.
Stell dir vor, du gehst mit Freunden in ein Restaurant. Der Kellner heißt euch willkommen und zeigt euch einen Platz, wo ihr sitzen könnt. Ihr setzt euch und der Kellner bringt die Speisekarte. Er überreicht dir sehr freundlich diese Karte und empfiehlt dir auch eine von den Speisen. "Suchen sie vegetarisch? Das finden Sie hier! Und auf dieser Seite stehen die Tagesgerichte! Der Fisch ist heute besonders zu empfehlen!"
Du bedankst dich beim Kellner und dann lest ihr alle die Speisekarte rauf und runter. Ihr tauscht euch aus. "Was nimmst du?" "Ja wie toll, das klingt auch ganz lecker!" Vor deinem geistigen Auge siehst du die toll angerichteten Speisen. Dein Magen ruft: "Hurra!" in seiner unnachahmlichen Art. Dann kommt der Kellner wieder und es geschieht etwas merkwürdiges. Du gibst dem Kellner die Speisekarte zurück und deine Freunde machen es ebenso. Ihr bedankt euch bei dem freundlichen Mann für das Austeilen der Karten, entrichtet eine kleine Leihgebühr und verlasst das Lokal.
"Hä!" wirst du jetzt denken, oder? Das ist doch völlig schräg! Man geht doch in ein Lokal um zu essen. Du liest zwar die Speisekarte, aber das Ziel ist doch das Essen. In meiner Geschichte gibt es aber keine Bewusstheit vom Essen, sondern nur die Bewusstheit einer Speisekarte. Dort werden die Speisen gelesen, aber nicht konsumiert. In meiner Geschichte ist das völlig in Ordnung so. Meine Besucher kennen es nicht anders. Sie gehen in eine Lokal um Speisekarten zu lesen.
Du würdest jetzt vielleicht mit deinem erweiterten Bewusstsein sagen: "Wie schräg ist denn das! Das Eigentliche haben die Gäste doch verpasst. Das Wesentliche kommt erst nach der Bestellung. Es geht um das Essen, das Genießen und das Sattwerden. Vom Lesen wirst du nicht satt!"
Jetzt wirst du vielleicht fragen warum ich diesen Gedanken mit dir teile. Ich möchte dich einladen, diese Geschichte auf dein Leben zu übertragen. Wo liest du noch die Speisekarte und merkst nicht, dass du eigentlich essen dürftest?
Ich wage einmal eine Übertragung. In der Kirche erzählt dir der Pfarrer im Rahmen seiner Predigt etwas über Gott. Er erzählt, dass er gütig ist und dass man ihm vertrauen kann. Er liest dir vor, was in der Bibel steht und erklärt dir, wie du das verstehen kannst. Mit meinen Worten. Er liest eine Speisekarte vor. Aber isst du auch? Du hörst vielleicht etwas über Gott, aber du isst ihn nicht. Du spürst ihn nicht in dir und hast keine Gespür dafür in ihm zu leben. Du bekommst selten eine Anleitung zum "Gott spüren". Gerade in spirituellen Fragen habe ich oft den Eindruck, dass wir alle Speisekarten lesen und gar nicht wissen, dass es ums Essen geht.
Stell dir doch einmal vor, dass die Predigt ausfällt. Der Pfarrer würde sagen: "Herzlich willkommen! Schließe deine Augen und achte auf deinen Atem wie er kommt und geht. Nimm wahr, welche Bilder in dir auftauchen und welche Gedanken entstehen. Hörst du die Stimme Gottes? Was sagt er gerade. Was nimmst du wahr?" Dann - Stille. Zeit zum Wirken! Nach einer Weile lädt der Pfarrer ein zum Teilen: "Wer möchte erzählen, was geschehen ist?"
Auf einmal gäbe es eine Demokratisierung von Religion. Alle würden von den kostbaren Speisen erzählen, die sie gerade gegessen haben. Alle würden merken, dass sie den Sprung geschafft haben vom Lesen der Speisekarte hin zum Genießen der Speisen.
Die Gotteserfahrung ist meine Herzensangelegenheit. Ich weiß nicht, ob dir mein Bild etwas sagt. Vielleicht lässt es sich auch auf andere Situationen übertragen. Du hörst von Musik aber in dir gibt es keine Melodie. Dir erzählt jemand von Farben aber deine Welt ist schwarz und weiß. Du hörst, dass es die Liebe gibt, aber dein Herz bleibt bei der Sehnsucht stehen. Darum noch einmal meine Frage: Liest du noch die Speisekarte oder isst du schon?
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Donnerstag, 8. März 2018

Ganz schön übertrieben!


Übertreibungen von etwas Gutem verdrehen sich schnell ins Gegenteil.

Übertriebenes Wissen führt schnell zur Überheblichkeit.
Übermäßige Pünktlichkeit führt zu Unfreiheit.
Zu viel Sparsamkeit führt zu Geiz.
Zu viel Ordnung führt zur Erstarrung.

Zu viel Sauberkeit führt zu Sterilität.
Zu viel Bewegung führt zur Rastlosigkeit.
Zu viel Ruhe führt zum Tod.
Zu viel Sicherheit führt zur Abgrenzung.

Zu viel Sorglosigkeit führt zu Verlusten.
Zu viel Aufmerksamkeit führt zur Kontrolle.
Zu viel Warten führt zu Passivität.
Zu viele Erwartungen führen zu Enttäuschungen.

Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Die Dinge sind nicht an sich gut! Sie stehen immer in einem Kontext. In der Familie bin ich vielleicht der Rastlose und in der Firma die Ruhe selbst. Und das Verhalten wird von uns bewertet. Ein ruhiger Mensch bekommt vielleicht unsere Achtung, einen phlegmatischen Menschen lehnen wir eher ab.
Schreib doch mal eine Liste deiner "guten" Eigenschaften. Da gibt es ganz viele! Dann beobachte mal, in welchen Situationen du übertreibst. Dann frage dich, wie man eine solche Eigenschaft nennt und ob du die auch kennst. Du beobachtest, dass du vielleicht gerne mit Menschen redest und sie unterhalten kannst. Und wenn du übertreibst, dann könnten dich deine Freunde schnell für einen "Schwätzer" halten. Vielleicht möchtest du ja hier und da ein neues Maß finden?!
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Mittwoch, 7. März 2018

Die ganze Welt ein Friedhof!


Zugegeben! Auf den ersten Blick kein schönes Thema! Zu Beginn des Frühjahrs von Friedhöfen zu sprechen. Aber wenn du bereit bist, mit mir einmal dahin zu schauen dann musst du mit mir übereinstimmen, dass die ganze Welt ein einziger Friedhof ist. Jede Blume, jeder Baum, jedes Tier in freier Wildbahn oder gezähmt und jeder Mensch stirbt irgendwann und geht den Weg der Verwesung.
Wenn wir an einen Friedhof denken, dann kommen uns natürlich zuerst die von uns Menschen angelegten Orte in den Sinn. Da wird der Tod hin verbannt. Der Friedhof ist eingezäunt und abgegrenzt. So wird der Tod kontrolliert und es wird ihm ein Ort zugewiesen, an dem er sein darf. Aber der Tod lacht uns aus! Er sagt dir: "Du lebst in einer Illusion! Die ganze Welt ist ein Friedhof und du findest keinen Ort, wo es mich nicht gibt."
Im Bad hinterlassen wir unsere Ausscheidungen, die Haare und die Hautschuppen.
Auf den Sitzpolstern reiben wir im Laufe der Jahre die Kleidung ab, die wir tragen.
In der Küche beendest du das Leben von Obst und Gemüse. Dort steht dein Behälter für Müll, der dann weitertransportiert wird auf unterschiedliche Friedhöfe für Bio, Rest oder "gelber Sack" mit der Chance, noch einmal in den Kreislauf zu dürfen.
In deinem Schlafzimmer findest du in der Schmutzwäsche die Sammlung deiner Körperdüfte und Ausscheidungen in etwas feinerer Konsistenz.
Im Waschkeller hast du dir einen besonderen Friedhof eingerichtet und leitest das Schmutzwasser geschickt aus deinem Haus.
Kein Raum in deinem Haus, der nicht Friedhof ist. Schau einmal genau hin!
Im Supermarkt beerdigst du dein Geld und auf der Arbeit begräbst du dein Zeitkontingent. Nicht jeder deiner Friedhöfe zeigt seine schreckliche Seite. Sehr dezent lassen wir den Tod agieren! Aber du wirst nicht drum herum kommen. Du lebst in deinem Friedhof Körper, in deinem Friedhof Haus und in einer Welt, die ein einziger Friedhof ist!
Erschrickt dich diese Sichtweise? Wir bauen ja oft einen Gegensatz auf. Hier das Leben und da der Tod! Das Leben suchen wir, den Tod vermeiden wir! Doch Martin Luther sagte schon: "Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen!" Wahrscheinlich meinte er damit das biologische, menschliche Ende.
Die ganze Welt ein Friedehof! Immerhin verbirgt sich in dem Wort ein Geheimnis. Da steckt das Wort "Frieden" drin! Die Ganze Welt ist also ein Hof, an dem es Frieden gibt. Mir geht es darum, dass es immer zwei oder mehr Wahrheiten gibt, die zur gleichen Zeit existieren. Die andere Wahrheit stimmt ebenso: Die ganze Welt ist ein Paradies!
Dein Schlafzimmer schenkt dir Ruhe und Erholung! Deine Küche gibt dir wunderbare Nahrung! Dein Bad lässt dich frisch werden! Dein Waschkeller sorgt für saubere Kleidung! Du verbindest dich mit der lebendigen Natur und dankst dem Schöpfer für dein Leben. Die ganze Welt ist ein Friedhof! Das bleibt! Die ganze Welt ist ein Paradies! Das bleibt auch!
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Dienstag, 6. März 2018

Rede wie Silber und schweige wie Gold!


So geht ja das Sprichwort eigentlich: "Reden ist Silber. Schweigen ist Gold!" Ein feierliches Abschlusswort eines Menschen, der nicht zum Kreis der Schwätzer, Denunzianten und Intriganten gehört. Ein Mensch, der auf die Kraft des Schweigens vertraut! Reden ist ganz in Ordnung, aber Schweigen ist auf jeden Fall besser. Silber ist wertvoll, aber Gold ist noch wertvoller.
Dadurch, dass "reden" und "schweigen" in einem Zusammenhang gesetzt werden geschieht zugleich eine Wertung.
Silber hat doch eine ganz eigene und besondere Qualität. Silber ist sehr kostbar. Manche Menschen können sehr gut Silberschmuck tragen. Sie sehen damit wunderbar und würdig aus! Eine Augenweide! Alte Menschen mit "silbernem" Haar wirken erfahren und weise!
Gold hat auch eine ganz eigene und besondere Qualität. Gold ist sehr kostbar. Manche Menschen können sehr gut Goldschmuck tragen. Sie sehen damit wunderbar und außergewöhnlich aus! Eine Augenweide! Menschen mit Gold in der Stimme erfreuen das Herz der Zuhörer!
Reden hat eine wunderbare Qualität! Darin besteht die Hälfte der Kommunikation! Reden auf der einen Seite und zuhören auf der anderen Seite. Toll, wenn jemand über seine Gefühle sprechen kann! Einladend, wenn jemand wohltuende Worte findet! Was täten wir ohne die Geschichtenfinder- und erzählerInnen! Durch das Reden werden ganze Welten erfunden. "Am Anfang war das Wort!" steht schon in der Bibel. Du kannst natürlich auch einfach drauflos quatschen! Darum wäre das schon wichtig, "Reden" mit "Silber" in einen Zusammenhang zu bringen. Etwa so: "Rede wie Silber!" Geh sorgfältig mit deinen Worten um! Achte darauf, was dein Reden beim Zuhörer auslösen kann! Finde ein gutes Maß! Zu wenig ist manchmal eben zu wenig. Und zu viel ist zu viel!
Schweigen hat eine wunderbare Qualität! Verteilt auf die vielen Stunden des Tages schweigst du lange Zeiten. Wenn du nachts im Bett deine Augen schließt trittst du ein in das große Schweigen! Im Schweigen kommt eine ganz neue Welt zu dir! Im Schweigen findest du Ruhe und Kraft! Es ist möglich, im Schweigen sich jenseits aller Worte zu verstehen. Du kannst aber auch schweigen, weil du gekränkt bist. Du verweigerst dich der Kommunikation bzw. des Redens. Du hältst den Mund, damit du nichts falsches sagen willst! Du schweigst halt lieber in Streitsituationen. Darum macht es Sinn, auf die Qualität des Schweigens zu achten! "Schweige wie Gold!" Werde dir dessen bewusst, dass es Art des Schweigens gibt, die wir Meditation oder Kontemplation nennen. Im Schweigen nimmst du das "Ganze" wahr. In der Bibel wird erzählt wie Gott am siebten Tag der Schöpfung ins Schweigen ging. Er ruhte aus! Auch Jesus ging für 40 Tage in die Wüste um eine "goldene" Schweigezeit mit Gott zu erleben.
Doch in der Kombination von "Reden wie Silber" und "Schweigen wie Gold" wird der Wert der einzelnen Qualitäten zerstört. Hilfreicher wäre es, ein Gespür dafür zu entwickeln, was zu welcher Zeit dran ist. Und dass du zugleich darauf achtest, dass deine Art zu reden und zu schweigen sich gut weiterentwickelt zu einer silbernen und goldenen Qualität.
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Montag, 5. März 2018

Tote Zeiten!



Gestern sprang mein Auto nicht an und ich musste mit dem Zug zur Arbeit nach Münster fahren. Mit dem Auto wären es nur 45 Minuten gewesen. Mit Fahrrad, Bahn und Bus benötige ich 1,5 Stunden. Ich stehe am Bahnsteig. Der Zug verspätet sich. Ich warte zehn Minuten. In Hamm koppeln sich zwei Züge aneinander und ich sitze dort und warte wieder zehn Minuten. In Münster stehe ich am Busbahnhof und warte noch einmal zehn Minuten. So kommen dreißig Minuten Wartezeit zusammen. Lauter tote Zeiten!
Ich warte vor meiner Kaffeekanne bis das Wasser kocht. Manchmal kann ich etwas parallel in der Küche machen. Jetzt sitze ich an meinem Schreibtisch und rechne die toten Minuten des Tages zusammen. Minuten, wo ich warte. Minuten, wo nichts passiert. Sinnentleerte Minuten. Minuten, die sich unheimlich dehnen. Ich höre einer Predigt zu, die nur zehn Minuten dauert, sich aber wie eine Stunde anfühlt. Ich stehe beim Bäcker oder an der Kasse im Supermarkt und ich sehe die kostbaren Minuten meines Tages dahinfließen.
Ich lese ein paar Artikel aus dem Bereich von Zeitmanagement und erfahre, dass ich tote Zeiten auch nutzen kann. Emails schreiben an der Supermarktkasse. Im Zug meditieren. Statt in Stunden denken, lieber den Tag in Viertelstunden aufteilen. Also tote Zeiten vermeiden oder irgendwie sinnvoll nutzen mit kleinen Dingen.
Und dann kommen dennoch die toten Zeiten. Ich sitze im Wartezimmer beim Arzt und mag weder lesen noch meditieren. Gespräche führen mit den anderen Patienten finde ich auch nicht so spannend. Ich schlage buchstäblich die Zeit tot. Ich sitze mit meiner „Zeitklatsche“ da und schlage Minute um Minute tot. Ich komme einfach nicht dran. Immerhin kann ich die Zeit totschlagen.
Tote Zeiten? Ich sitze da und lese für meine Tätigkeit ein Buch oder einen Aufsatz. Der Text langweilt mich. „Es langweilt mich zu Tode“, sagen wir ja manchmal. Bei einer Fernsehsendung, einem Kinofilm oder einer Konferenz. Dann sitzen wir da und machen etwas, aber es fühlt sich sinnlos an. Wenn eine Tagung wirklich einen ganzen Tag dauert halte ich am Abend Rückschau und denke: „Das hätte ich mir schenken können.“ Tote Zeit! Oder du liest jetzt meinen Text und denkst: „Frustrierend! Kenne ich schon! Nicht besonders interessant!“ Du ärgerst dich, dass du die Zeit verplempert hast.
Toten Zeiten! Wir gehen in den Supermarkt und das Sonderangebot ist schon ausverkauft. Umsonst gelaufen. Du holst den Kuchen aus dem Backofen, der dir so viel Zeit gekostet hat und er ist verbrannt. Stundenlang stehst du am Herd für dein wunderbares Rezept und die Familie mault.
Noch mehr tote Zeiten? Du könntest ja mal Bilanz ziehen im Rückblick auf dein gesamtes Leben. Sprachen, die du gelernt hast und nicht anwendest. Kurse, die du besucht hast und wovon du nichts umsetzt. Freundschaften, die du pflegst, obwohl sie schon lange „tot“ sind. Auf wie viele tote Jahre kommst du?
Woher kommt eigentlich unsere Vorstellung, dass wir unsere Zeit sinnvoll nutzen sollten. Jede Minute an jedem Tag in jedem Jahr und ein ganzes Leben lang! Carpe diem! Da stimmt doch was nicht! An meinem Denken und an meiner Einstellung.
Ich sehe überall Uhren und Kalender. Ich trage dort meine Arbeitszeiten ein. Meinen Urlaub und meine Begegnungen. Im Smartphone, im PC und auf dem Papier.
Ich werde geboren an einem bestimmten Tag in einem bestimmten Jahr und nehme ab dann teil am Erdenleben. Es kommt die Minute und der Tag, an dem ich diese Erde wieder verlasse. Die Zeit begleitet mich nicht nur, sondern sie gibt den Takt vor. Nicht bewusst in den ersten Jahren meines Lebens. Als Baby habe ich völlig unabhängig vom Wochentag geschrien. Da kannte ich die Zeit noch nicht. Aber irgendwann brachten meine Eltern mir bei, wie ich eine Uhr lesen muss und dass es wichtig ist, pünktlich zu sein und sich die Zeit gut einzuteilen. Denn die Zeit ist Geld und die Zeit ist begrenzt.
Als kleines Kind hatte ich noch gedacht, dass ich einfach frei bin. Ich spielte, ich aß, ich schlief. Ich war Teil einer Familie. Bedürfnisse wurden erfüllt oder auch nicht. Dasein in der totalen Gegenwart.
Doch jetzt bin ich ein Wesen, dass einem Kalender und einer Uhr folgt. Die Uhr und der Kalender weisen mich hin auf tote Zeiten. „Mach mehr aus deinem Leben! Hol raus, was du rausholen kannst. Du weißt nicht, ob du morgen noch eine Möglichkeit hast!“
Ich sitze jetzt vor meiner Uhr und schaue sie an. Da laufen Sekunden-, Minuten-, und der Stundenzeiger und versetzen mich in einen Trancezustand. Und jetzt erzähle ich dir, was die Uhr zu mir gesprochen hat. Und wenn du dein Leben so ahnungslos wie bislang weiterführen möchtest dann liest du ab jetzt auf keinen Fall mehr weiter. Es wäre nicht gut für dich! Wenn du weiterliest, gehst du ein Risiko ein. Also überleg es dir gut! Folgendes hat die Uhr mir zugeflüstert:
„Du erlebst tote Zeiten? Gut, dass du sie erlebst. Spürst du den Druck? Du solltest ein sinnvolles Leben führen? Die Zeit ausnutzen? Etwas aus dir machen? Wenn du diesen Druck spürst dann habe ich erreicht, was ich wollte. Ich sage es dir kurz und knapp.
Ich bin die Herrin und du mein Sklave. Es ist doch so, dass du mir gehorchst, nicht wahr? Du stellst mich am Abend ein, damit ich dich am Morgen wecke. Und brav stehst du auf. Du kochst dir den Kaffee und frühstückst mit dem Blick auf mich. Ich stehe an deinem Bett, hänge an deiner Wohnzimmerwand, habe einen Platz an deinem Arm und auf deinem Smartphone. Frühstücke nur, aber behalte mich im Blick. Oder auch nicht. Du kannst mir sowieso nicht ausweichen. Ich klebe wie ein Parasit in deinen Zellen. Du wirst mich nicht los!
Ich arbeite übrigens für deinen Arbeitgeber. Der möchte möglichst viel von dir haben und dass du dich genau an die Zeiten hältst. Ich habe mit ihm einen Vertrag geschlossen, dass du mindestens 140 000 Stunden zur Verfügung stehst. Nicht heute, aber insgesamt. Ich bin ständig präsent und achte darauf, dass du deinen Vertrag einhältst. Ich bin immer mit im Spiel. Es geht nie ohne mich! Selbst im Urlaub bin ich präsent und zeige dir ab dem ersten Tag, dass dein Urlaub bald schon vorbei ist. Ich sehe dir in die Augen und merke, wie du leidest. Du bedauerst, dass du nur zwei Wochen Urlaub hast. Du hättest gerne mehr davon. Ich verlängere um zwei Tage und sehe die Erleichterung in deinem Gesicht. Ich genieße meine Macht und deine Abhängigkeit. Wie du aufatmest bei zwei mickrigen Tagen! Ich bleibe Sieger. Du gehörst mir. Mir, der Zeit. Ich bin der Besitzer und du bist mein Eigentum. Ich lasse es dich nicht spüren. Du sollst mir ja freiwillig gehorchen. Das macht es mir leichter. Ich will dich ja nicht zu den Terminen prügeln. Am Ende stirbst du noch vor der Zeit, die dir biologisch vergönnt ist. Ich lese deine eigene Todesanzeige und dort wird ein Datum stehen. Von dann bis dann hast du mir gehört. Ich bestimme also auch noch das Erscheinungsbild auf deiner Todesanzeige. Oder hast du schon mal eine Anzeige gesehen wo stand: „Das war Matthias! Du warst ein netter Kerl. Wir werden uns gerne an dich erinnern. Mach es gut!“ Nein, dort steht von wann bis wann! Je kürzer die Zeit, desto größer der Schrecken beim Leser. Dann reibe ich mir die Hände. Du wirst dein Tempo erhöhen!
Wenn du im Stau stehst, dann mache ich dir Druck! Ich kann zwar nichts machen und muss es aushalten. Aber ich kann dafür sorgen, dass du dir Sorgen machst. Dass du ein schlechtes Gewissen bekommst. Jeder Stau hilft mir dabei, dass du gehorsamer wirst. Stell dir doch einmal vor, dass es auf der ganzen Welt keine Uhr gäbe! Du würdest im Stau stehen und wärest völlig gelassen. Du müsstest ja nirgendwo pünktlich ankommen. Du würdest vielleicht nur zwei Stunden arbeiten anstatt sieben oder acht. Daran hat dein Arbeitgeber kein Interesse. Er möchte, dass der Betrieb so präzise abläuft wie ich, die Uhr.
Ich weiß, dass es eigentlich unmenschlich ist. Menschlicher wäre es, wenn du mit der Sonne aufwachst und dich dem Rhythmus des Lichtes und des Herzens überlassen würdest. Aber dann würde ich meine Bestimmung verlieren. Ich lebe davon, dass du mir gehorchst.
In den vielen Jahren meiner Existenz habe ich gelernt, ganz dezent im Hintergrund zu arbeiten. Du kannst mein Wirken vergleich mit der Geschichte vom Frosch im heißen Wasser. Wenn ein Frosch ins heiße Wasser fällt dann springt er vor Schreck sofort wieder heraus. Wenn er aber im kalten Wasser ist und ich langsam und stetig die Temperatur erhöhe wird er nicht springen. Inzwischen könnt ihr Menschen nicht einmal mehr ohne mich leben. Ihr verplant euer Leben und ich gebe den Takt vor.
Und dann sind da die geheimnisvollen toten Zeiten. Die sind gefährlich für mich. Wenn du nichts zu tun hast dann wirst du innerlich unruhig. Es kommt dir seltsam vor. Du möchtest etwas Sinnvolles tun. Ich laufe ja immer weiter und habe dich gut konditioniert. Du bist mein pawlowscher Hund. Nur, wenn die toten Zeiten kommen, dann könnte etwas geschehen, wovor ich Angst habe. Ich flüstere es dir jetzt ins Ohr. Komme näher.
Wenn du in einer toten Zeit in dich hineinspürst, dann könntest du bemerken, dass ich dich beherrsche. Du könntest aufwachen und dir sagen: „Genug!“ „Nicht mehr mit mir!“ Du könntest alle Uhren und Zeiten aus deinem Leben verbannen. Du würdest einfach tun was du wolltest. Dir wäre es egal, ob du noch zwei oder zwanzig Jahre Zeit zum Leben hättest. Du würdest angstfrei und gewissenlos werden und nach deinen inneren Impulsen leben. Du würdest nicht mehr berechenbare 40 Stunden für so und soviel Euro arbeiten sondern irgendwie und einfach so. Dein Arbeitgeber wüsste nicht mehr, was er dir bezahlen sollte. Du würdest ihm sagen, dass du gut gearbeitet hast und dir wünschst, dass er dich jetzt gut bezahlt. Alles würde mehr nach einem Gefühl oder zeitlosem Rhythmus laufen.
Ich würde meine Macht und Vorrangstellung verlieren. Und daran habe ich kein Interesse. Es läuft doch prima so, wie es läuft. Nicht wahr? Es läuft und läuft und läuft. Ein kleiner Burnout gefällig? An die Verhinderung muss ich wohl noch arbeiten.
Was wäre das Gegenteil oder der Gegenpol von Zeit? Hast du einmal darüber nachgedacht? Wenn du diesen Pol entdeckst, dann bin ich dich los. Daran habe ich kein Interesse. Und jetzt wach auf und arbeite weiter!“
Ich wache auf und stelle die Uhr beiseite. Ich tauche tief in meine toten Zeiten ein. Wie wäre es, wenn ich nicht die toten Zeiten betrachte mit einem Gefühl des Versagens, sondern die Zeit an und für sich ausschalte oder töte. Es gibt Augenblicke, wo die Zeit gar keine Rolle spielt. Ich denke an das, was ich liebe. Ich fühle es und plötzlich existiert die Zeit nicht mehr. Sie ist gar nicht mehr da. Die Zeitformen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verlieren ihre Bedeutung. Zeit zeigt sich nur als Teil meiner menschlich begrenzten Denkweise. In diesem Zustand gibt es kein Gegenteil von Zeit. Auch keinen Gegenpol. Keine grenzenlos ausgedehnte Zeit.
Wenn ich in einer „toten Zeit“ in mein Inneres eintauche werde ich mir meiner selbst bewusst. Ein wort- und gedankenloser Zustand. Worte und Gedanken bin ich los. Stille? Frieden? Verbunden sein? Ein Schweigen!
Vielleicht finde ich in den toten Zeiten das Gegenteil vom Tod. Lebendigkeit. Den Atem, der kommt und geht. Den Puls und den Herzschlag. Das alles kann ich wahrnehmen in toten Zeiten.
In den toten Zeiten komme ich zurück zu meinem natürlichen Zustand. Ich werde mir bewusst, dass es eigentlich keinen Zwang gibt. Das pure Leben an sich ist völlig zwanglos. Löwen teilen auch nicht ein nach Frühstück und Mittagessen. Die Uhr suggeriert mir nur, dass ich mich nach ihr richten muss. Beherrsche ich die Uhr oder beherrscht sie mich. Das Motto für jede Fastenzeit und auch für eine österliche Erfahrung. Beherrsche ich den Alkohol oder beherrscht er mich. Beherrschen mich die Gefühle oder beherrsche ich sie?
Zugleich wird mir bewusst, dass auch das „Herrschen“ und das „Beherrschen“ zu einem Zwang werden kann, der mich unfrei macht. Wie wäre es, mit der Zeit zu spielen? Mit dem Alkohol zu spielen? Mit allen „Herrschaften“ zu spielen! Vielleicht ist es ja möglich, in all den vielen „Herrschaftsräumen“ sich „Freiheitsräume“ zu ermöglichen. Und wenn die Zeit sich als Herrschaftsraum zeigt, dann könnte ich mich ab und zu mal einfach verweigern. In „tote Zeiten“ abtauchen! Mich darin innerlich lebendig fühlen und ein wenig ausdehnen. Jemanden an der Kasse vorlassen. Im Wartezimmer beim Arzt sich fühlen wie in der Sauna. Am Bahnsteig einfach nur herumstehen dürfen. Es gibt nichts zu tun! 

Samstag, 3. März 2018

Fantasie, komme zurück - die Realität war gemein zu mir...

Ich stehe zu spät auf und verpasse den Zug. Außerdem regnet es und ich verschlafe den ersten Termin. Ausgerechnet heute!
Der Salat im Supermarkt sah so gut aus. Ich öffne zu hause die Schale mit dem Feldsalat und entdecke, dass er kurz vor dem Ende ist. Ich hatte mich so darauf gefreut und keine echte Alternative.
Ich habe die Ankündigung eines tollen Kinofilmes gelesen. Nur gute Kritiken! Ich gehe hin - und der Film gefällt mir nicht. Ich bin enttäuscht.

Wie oft kommt es vor, dass die Realität uns nicht gefällt. Sie macht nicht das, was wir wollen. Wir haben den Eindruck, dass sie macht was sie selbst will. Und vor allem haben wir manchmal den Eindruck, dass sie sich gegen uns verschworen hat. Da kommen die schwarzen Freitage, die Verkettung von unglücklichen Umständen, die Tage, die du vergessen möchtest...
Der Realität scheint es egal zu sein, wie es mir geht. Das sollte es ihr aber nicht! Ich möchte mich ja schließlich wohl fühlen. Kennst du auch diesen Zustand der Enttäuschung, der Lähmung und der Resignation. Wenn ich das Gefühl vermeiden kann, dann mach ich das. Und wie?
Ich gehe in die Fantasie! Ich male mir meine graue Enttäuschungswelt farbenfroh und bunt.  Manchmal funktioniert es. Aber, wenn der Frust tief sitzt, dann kann ich nur die Fantasie herbeibitten und hoffen, dass sie kommt.
Hin und wieder gelingt mir aber eine andere Einstellung. Ich nehme die Realität wie sie kommt. Ich lehne sie nicht ab. Ich bejuble sie auch nicht. In mir macht sich eine Empfindung von Gleichmut breit. Ich schwimme mit der Welle, mit dem Sturm und mit dem regungslosen Wasser. Die Realität haut mich nicht um und ich gebe ihr keine Macht. Ich bleibe in meiner eigenen! Wenn es mir gelingt, fühlt es sich gut an.
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Freitag, 2. März 2018

Verwandle es in Konfetti!

Ich bin zu schnell gefahren. Es hat geblitzt. Das hätte ich mir sparen können. Nicht viel! Nur etwa zehn Kilometer! Vielleicht 15 oder 20 Euro? Hätte nicht sein müssen! Ärgerlich!
Ich bekomme das Schreiben und zahle die Strafe. Denn nehme ich den Locher und das graue Schreiben. Ich falte das Blatt Papier und beginne zu lochen. Mein Lochen wird lauter und heftiger. Das Papier wird kleiner und kleiner. Bald ist nichts mehr übrig davon. Mein angestrengt Foto von mir verschwindet. Ich bin es nicht gewesen! Der Geldbetrag wird einfach weggelocht und der gesamte Vorwurf verwandelt sich in Konfetti.
So könnte ich es doch öfter mal machen, oder? Jemand wirft dir etwas vor. Das hast du falsch gemacht! So geht das nicht! Immer musst du! Nie darf ich! Wann lernst du es endlich! Ich höre das Gesagte und schreibe es auf ein Blatt Papier. In Gedanken nehme ich den Locher zur Hand und klemme das Papier in die Ritze. Ich drücke zu. Die ersten Löcher im Vorwurf. Ich drücke weiter zu! Noch mehr Löcher. Ich durchlöchere den ganzen Vorwurf und am Ende bleibt Konfetti übrig.
Ich bestreue das Leben mit diesem Konfetti. Mein Büro. Meinen Pullover. Meinen Teppich. Alles Konfetti! Wenn der nächste Vorwurf kommt verwandle ich alles gleich in Konfetti. Ich weiß ja jetzt, wie es geht! Ich werde immer schneller. Zack Zack und vorbei!
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Donnerstag, 1. März 2018

Auch wenn es blöd ist, ich bleibe!

Ich bin eingeladen zu einem Geburtstag. Viele Gäste sind da und viele finde ich nett. Es könnte ein netter Abend werden. Da gibt es einen Gast, der wohl gerne im Mittelpunkt steht. Er kommentiert alles, weiß zu jedem Thema etwas zu sagen. Hat einen leicht schrägen Humor. All die netten anderen Gäste werden stiller und stiller. Und irgendwann ist es wirklich blöd. Soll ich gehen? Es macht ja schließlich überhaupt keinen Spaß mehr. Auch wenn es blöd ist, ich bleibe!

Ich gehe ins Kino weil mir der Film eine gute Unterhaltung verspricht. Die ersten Minuten langweilen mich. Es wird nicht besser. Hier und da ein Lichtblick. Aber nur unwesentlich. Ich könnte jetzt einfach aufstehen und gehen. Neun Euro für nichts! Auch wenn es blöd ist, ich bleibe!

Ich war mal mit einer Gruppe in der Oper in Barcelona. Eine lyrische Oper wurde gespielt. Wir saßen auf Plätzen, wo wir die Bühne nicht sehen konnten. Oper auf dem Bildschirm vor der Nase. Lyrische Oper? Keine emotionalen Höhen und Tiefen. Für meine Ohren Sprechgesang. Zwei Stunden aushalten bis zur ersten Pause. Ein kurzes verständnisvolles Nicken. Wir gehen! Es ist uns zu blöd!

Was ist gut daran zu bleiben, auch wenn es blöd ist? Alles im Leben muss ständig toll sein. Toller Urlaub! Wunderbarer Arbeitsplatz! Klasse Auto! Alles immer wunderbar! Wer kann diesen Leistungsdruck nur aushalten? Wenn ich immer nur auf der Sonnenseite des Lebens sein muss komme ich ganz schön ins Schwitzen!
Langeweile ist auch mal gut. Es muss nicht immer alles toll laufen. So ungefähr ist auch in Ordnung. Es darf auch mal blöd sein. Auch mal ganz blöd. Dann ist es eben blöd. Wenn es blöd ist kann ich auch mal Blödsinn machen. Blödsinn kann ganz schön sinnig sein!
Ich sitze also beim Geburtstag diesem Menschen gegenüber, der das ganze Feld beherrscht. Es ist ziemlich blöd! Blödem begegne ich mit Blödsinn! Dann mache ich doch mal Blödsinn! Ich übertreibe. Ich stelle absurde Behauptungen auf. Ich verteile Komplimente an die Gastgeberin. Ich lade ein, mal die Plätze zu tauschen. Ich fasse den Entschluss, den nervtötenden Redner durch ständiges Nachschenken zum Schweigen zu bringen. Gerade wenn es blöd ist bleibe ich! Gute Laune kann ja jeder! Endlich mal eine blöde Situation. Ich nehme die Herausforderung an!
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