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Samstag, 31. August 2019

Einfach mal mitschwingen!

Vielleicht lebst du nicht allein, sondern mit anderen Menschen zusammen. Das ist häufig sehr beglückend und schön, manchmal aber auch voller Spannungen. Eine der Ursachen liegt aus meiner Sicht in einem Mangel an Synchronizität. Wir schwingen alle unterschiedlich.
Zwei Menschen gehen aus und der Eine hat in Windeseile Schuhe und Mantel an und der Andere benötigt gefühlte ewige Zeiten. Ich will dabei die Rolle nicht auf Mann und Frau festlegen. Oder beim Essen ist der eine viel früher fertig als der andere. Du stellst einfach fest, dass jeder Mensch so seine ganz eigenen Zeitabläufe hat. Dein Tag kann sich zäh und langsam anfühlen oder rasch und voll. Die Uhr zeigt allen die gleiche Zeit an. Der Tag behält seine 24 Stunden. Die gefühlte Zeit unterscheidet sich jedoch mächtig von den gemessenen Stunden.
Beim Meditieren erlebe ich es häufig, dass für Einige die halbe Stunde schnell verfliegt und andere schon nach zehn Minuten unruhig werden. Diese unterschiedlichen Zeitgefühlt können im Zusammenleben manchmal zu Konflikten führen.
Der erste Schritt für dich könnte heißen: Werde dir bewusst, wie du selbst deine Zeiten und Abläufe empfindest und gestaltest.
Der zweite Schritt heißt: Beobachte, wie deine Umgebung das erlebt im Unterschied zu dir.
Der dritte Schritt heißt: Überlege, ob du hin und wieder dich dem Zeittempo der anderen angleichen könntest. Führt das zu mehr Harmonie und Ausgewogenheit?
Es kann sein, dass dein Gegenüber dankbar dafür ist, dass du mit Ihm oder Ihr stärker synchron schwingst!

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Freitag, 30. August 2019

Ich habe keine Lösug, aber ich bewundere das Problem

Ich betrachte Probleme als Probleme und suche für ein Problem eine Lösung. Wenn ich die Lösung gefunden haben besteht das Problem hoffentlich nicht mehr. Ein Problem wird ja dadurch zu einem Problem, dass ich mich damit hilflos fühle. Ich finde keinen Ausweg. Ich möchte diese ungute Situation beseitigen.
Manchmal habe ich zwar ein Problem, aber keine Lösung dafür. So sehr ich auch suche, ich habe dieses Problem. Ich kann in die Beratung gehen und einen Berater bitten, mir bei der Lösung zu helfen. Ein Problem wird ja eben dadurch für mich zu einem Problem, weil ich keine Lösung finde. Und ich denke, dass eine Lösung das Problem lösen würde. Logisch, oder?
Manchmal ist das Problem aber nicht wirklich ein Problem, sondern meine Lösung. Ich mache das, was mir möglich ist. Ich mache eigentlich immer das, was mir möglich ist. Die Lösung mag mir nicht immer super gefallen, aber es ist eine Lösung. Ich könnte sogar sagen: Ich habe kein Problem, weil ich schon eine Lösung habe. Die mir bestmögliche Lösung. Eigentlich geht es nur um das Gefühl zum Problem.
Wenn ich ein Problem habe, fühle ich mich schlecht. Wenn ich eine Lösung habe, fühle ich mich gut. Wenn ich das Problem nicht mehr als Problem definiere, fühle ich mich auch nicht mehr schlecht. Wenn das Problem zum Lösungsansatz wird, könnte ich mich schnell wieder gut fühlen. Auf meiner Postkarte lese ich: "Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem." Wenn ich das Problem bewundere, dann verschwindet das schlechte Gefühl. Dann fühle ich mich trotz Problem besser. Ich kann sagen: "Wow, ich habe da ein tolles Problem! So eines hat niemand sonst! Ich sollte es behalten. Es ist außergewöhnlich. Eine echte Herausforderung. Ich kann daran wachsen und reifen."
Ich könnte mir also eine menge Probleme wünschen, damit ich daran wachsen und reifen kann. Sonst rosten meine Zellen ein. Ich werde fett und behäbig. Wer will das schon. Lieber ein Problem als passiv herumsitzen. Wer keine Probleme hat kann auch getrost sterben. Wozu noch? Absurder Gedanke?
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Donnerstag, 29. August 2019

Einfach mal was abhängen

In einem Bekleidungsgeschäft sehe ich einen Ständer, wo ich meine anprobierte Ware abhängen darf. Ich muss sie nicht zurückbringen. Ich darf die Sachen einfach abhängen. Eine Verkäuferin ist zwischendurch damit beschäftigt, die Sachen wieder ordentlich auf den Bügel zu hängen und an den vorgesehenen Platz zurückzubringen.
In meinem Alltag hole ich Teller aus dem Schrank und räume sie nach dem Spülen zurück. Ich packe aus und packe wieder ein. Ich übernehme Verantwortung für die Dinge, für meine Aufgaben und für mein Leben. Ich besitze ein Fahrrad und habe wenigstens ein schlechtes Gewissen, wenn ich es nicht putze. Im Hintergrund sagt mir die innere Stimme: "Das ist dein Fahrrad. Willst du lange etwas davon haben, dann musst du es pflegen!"
Da komme ich in diesen Laden und darf meine Sachen einfach abhängen. Kennst du auch dieses Gefühl von Erleichterung, dass du etwas abhängen darfst. Du musst keine Verantwortung übernehmen. Du denkst nicht weiter nach und lässt los. Ich denke gerade an all die, die so viel Verantwortung tragen müssen. Die sich so viele Sorgen machen um ihre Kinder, die alten Eltern, die kranken Ehepartner. So viele Lasten!
Wenn es dir so geht, dann wünsche ich dir einen Kleiderständer mit der Einladung, einfach mal was abzuhängen. Du glaubst vielleicht, dass Sorgen nur innerlich sind. Sie gehören zu dir und es gibt dafür keinen Ständer. Aber gedanklich könntest du es einfach mal so machen. Da gibt es einen Sorgenständer in deiner Nähe und du hängst deine Sorgen da hin wie Kleider. Für einen Moment. Du kannst sie ja jederzeit wieder zu dir nehmen und anziehen. Aber du hast die Erlaubnis, einfach mal da was hinzuhängen. Dafür ist der Kleiderständer da und dort hängt auch ein Erlaubnisschild.
Wenn du jetzt gerade eine große Last zu tragen hast dann kannst du dir die Erlaubnis geben, für einen Moment loszulassen. Für einen Augenblick eine Pause einzulegen. Es bleibt dir noch genug. Die Verantwortung bleibt und du wirst weitertragen. Es geht nur um den kleinen Moment, mal einfach loszulassen. Der Augenblick der Erleichterung.
Ich freue mich, wenn ich in einem solchen Laden die Sachen nicht zurückbringen muss. Wo gehörten die noch mal hin? Ich darf sie einfach mal da abhängen und meine Gedanken und mein "schlechtes Gewissen" hänge ich gleich mit dazu.
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Mittwoch, 28. August 2019

Hier siehst du den Menschen, der für dein Leben verantwortlich ist!



An erster Stelle fallen mir mein Eltern ein. Sie haben dafür gesorgt, dass es mich gibt. Sie haben sich geliebt und ich bin das Ergebnis. So wünsche ich es mir jedenfalls. Aber gefragt wurde ich natürlich nicht. Ohne sie wäre ich wohl nicht. Meine Gene speisen sich aus ihrem Pool und aus den Linien vieler Vorfahren.
An zweiter Stelle fallen mir meine Lehrer ein, denn die haben dafür gesorgt, dass ich etwas lernen konnte. Ich mochte meine Grundschullehrerin. Wenn sie zu streng gewesen wäre, dann wäre aus mir vielleicht ein sehr ängstlicher Mensch geworden mit einem geringen Selbstwertgefühl. Die Jahre in der Realschule und dem Gymnasium erlebte ich aber eher als eine Heißmangel. Wie ein Stück Tuch wurde ich in der Schule durchgewalkt. Auf meinen Zeugnissen konnte ich das Endergebnis lesen. In Physik nur mäßig aber gut in Religion.
Mir fallen auch meine Pfarrer und Religionslehrer ein, denn die haben sich darum gekümmert, dass mein Glaube Konturen bekam. Manchmal war es wirklich interessant und herausfordernd. Und weite Strecken einfach nur langweilig. Am Schluss blieb auch ein wenig Angst und Respekt kleben.
Wer trägt noch die Verantwortung für mein Leben? Mein Hausarzt hat mich ins Krankenhaus gesteckt mit einer Blinddarmentzündung. Musste das sein? Jetzt habe ich vielleicht eine traumatische Erfahrung von Verlassenheit. Ein kleiner Junge so allein im Krankenhaus.
Mein Arbeitgeber trägt auch Verantwortung, denn er muss dafür sorgen, dass ich jeden Monat mein Gehalt bekomme. Zum Glück ist er zuverlässig und das Gesetz schützt mich.
Ich könnte noch ein paar Menschen zusammenrechnen, die Verantwortung für mein Leben tragen. Die Politik sollte ordentliche Gesetze machen und die Banken die Zinsen nicht zu hoch. Ich schaue am Ende des Monats auf mein Gehalt und sehe, welche Behörden und Versicherungen etwas von mir haben möchte. Vor allem die Krankenversicherung lässt sich ihren Anteil an Verantwortung gut bezahlen.
Jetzt könnte ich die Hände in den Schoß legen und sagen: „Wenn es mir so geht, wie es mir geht, dann ist das kein Wunder! Ich werde einen Schuldigen finden an meinem emotionalen Zustand.“ Vor allem meine Eltern müssen bis zum Ende ihres Lebens meinen Ärger spüren für all das, was sie nicht ordentlich hinbekommen haben. Meine Eltern sind verantwortlich dafür, ob aus mir ein sozial verträglicher Mensch geworden ist.
Ich könnte meinen Religionslehrern und Pfarrern jeden Tag einen Vortrag halten, was sie aus meiner Seele gemacht haben. Wie habe sie es nur geschafft, dass in mir ein strafender Gott Platz nehmen durfte. Ich wundere mich, dass ich trotz und mit all meinen Ängsten überleben konnte.
Ja, wenn alle ihre Verantwortung ordentlich wahrgenommen hätten, dann würde es mir prächtig gehen. Ich wäre heil und gesund. Ich wäre liebenswert und voller Selbstvertrauen. Ich fühlte mich wie auf Händen getragen und könnte die Erde glatt mit dem Paradies verwechseln. Ich hätte eine große Familie, äußerst liebevoll und fürsorglich. Ich wäre reich und würde alle Fähigkeiten und Begabungen entdecken und ohne einschränkende Glaubenssätze entfalten. Ich wüsste nicht einmal, was ein schlechtes Gewissen wäre, weil meine Straße mit Vertrauen und Wohlwollen gepflastert wäre. Wenn alle, aber wirklich alle ordentlich ihre Verantwortung wahrgenommen hätten. Haben sie aber nicht! Bei dir?
Mir geht es schlecht, weil alle versagt haben. Ich könnte eine lange Liste des Versagens und der Anklagen schreiben. Anschließend würde ich mich zurücklehnen und vorwurfsvoll in die Runde schauen: "Da seht ihr nun, was ihr angerichtet habt. Jetzt seht mal zu, wie ihr das wieder hinbekommt. Vorher stehe ich hier nicht auf!"
Ich bin ein armes Opfer. Ein Opfer meiner Eltern. Ein Opfer meiner Ärzte. Ein Opfer meiner Pfarrer. Darum bin ich so verkorkst. Aus mir konnte nur dieses Wrack werden, das jetzt diese Zeilen schreibt.
STOPP!
Bei einer Weiterbildung gehe ich auf die Toilette und sehe einen Zettel am Spiegel hängen. Darauf steht:  "Hier sehen Sie den Menschen, der für Ihr Leben verantwortlich ist!" Ich protestiere! "Ich bin verantwortlich? Ich? Nicht meine Eltern und das ganze Gefolge?" Unerbittlich hängt dort der Zettel und sagt mir, dass ich in den Spiegel schauen soll. "Du trägst die Verantwortung für dein Leben!"
Ja, es gibt Vorgaben. Die Eltern geben etwas vor, die Lehrer, die Ärzte und die ganze Liste der Menschen, die etwas zu meinem Leben beigetragen haben. Und dann kommt der Denkfehler. Ich denke dann: "Aha, das ist das Ergebnis. So bin ich jetzt und in Ewigkeit."
Ich denke um. Ich schaue in den Spiegel und nehme wahr, was ich alles im Leben erlebt habe. Das waren die Vorgaben. Die Geschenke! Und dann aber komme ich! Ich mache etwas mit dem Material, das vor dem Spiegel steht. Ich kann mich dazu verhalten. Ich kann etwas gut oder schlecht finden. Ich kann meinen Eltern danken oder mich davon distanzieren. Ich kann zur Arbeit gehen oder wegbleiben. Ich kann mich verhalten zu dem, was ich da im Spiegel sehe. Ich stehe also vor dem Spiegel und übernehme die Verantwortung für den Menschen, den ich dort sehe. Es ist mein Leben und nicht das Leben meiner Eltern oder meiner Lehrer oder meiner Pfarrer. Die Liste meiner "Förderer" und "Behinderer" existiert zwar. Aber ich mache etwas damit - oder auch nicht.
Ich gehe auf die Toilette und lasse dort etwas los. Ich übernehme die Verantwortung für mein „Geschäft“. Die Exkremente außen und die einschränkenden Bilder und Vorstellungen innen. Ich wasche meine Hände und übernehme die Verantwortung. Ich nicke mir freundlich zu und bestätige mich. In Ordnung! Jetzt bin ich dran!
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Dienstag, 27. August 2019

Einfach mal rumsitzen?


Sei nicht so passiv!
Werde doch mal aktiver!
Du sitzt da nur herum!
Ich habe dir das doch schon so oft gesagt!
Tu endlich mal etwas!
Du bringst mich zur Weißglut!

Du machst mich ganz verrückt!
Wenn ich dich schon sehe, wie du da herumsitzt!
Ist dir denn alles egal?
Muss erste die Welt untergehen, bevor du tätig wirst?
Nur ein mal!
Nur ein mal möchte ich erleben, dass du was machst!
Und nicht nur so herumsitzt!
Wenn jeder das täte!
Wenn alle nur so passiv wären!
Wie würde die Welt dann aussehen!

Ich weiß schon nicht mehr was ich sagen soll!
Ich habe alles versucht!
Ich kann nicht mehr!
Ich gebe auf!
Ich setze mich jetzt hin und komm erst mal zur Ruhe!

So stark verbal würde ich zwar nicht reagieren, aber im Kopf manchmal so oder so ähnlich denken.

Vor einigen Tagen sagte mir jemand: "Ich pflege meine Passivität." Das hat angesichts des aufgeregten Aktionismus durchaus etwas für sich. Manche Dinge erledigen sich von selbst. Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Du bleibst in einem erholsamen Entspannungszustand und sparst Adrenalin und Cortisol. Du kannst mehrmals tief durchatmen... und dann noch einmal durchatmen. Und du kannst denken: "Angesichts der Ewigkeit ist dieses Problem doch sehr gering!"

Die Person am Aktionismus-pol provoziert geradezu eine totale Passivität beim Gegenüber. Und jemand in totaler Passivität provoziert umgekehrt den Aktionismus. Interessanterweise sprechen wir aber vom Aktion -"ismus" und nicht vom Passiv-"ismus". "Ismen" haben immer etwas negatives. Sie übertreiben. "Alkoholismus" und "Individualismus" gehören z.B. dazu. Das Wort "passiv" wird nicht mit "ismus" verbunden sondern mit "Ivität". Bei "Ivität" fällt mir ein "Objektivität" oder "Konstruktivität". Vom Wortspiel scheint "Passivität" mit der innewohnenden "Ivität" eher wertschätzend zu klingen. Nun denn, ich pflege jetzt mal die Passivität und beende diesen Text.
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Montag, 26. August 2019

Werde beliebt und beliebe!


Wirst du beliebt? Merkwürdige Frage, oder? Normalerweise reden wir ja davon, dass wir geliebt werden oder beliebt sind. Ich werde also geliebt. Und das ist ein wunderbares Geschenk. Das Geschenk überhaupt. Lieben und geliebt werden und in der Liebe sein.

Dennoch geht mir die Idee nicht aus dem Kopf, dass es Sinn macht, vom "belieben" zu sprechen. Wenn ich jemanden beliebe so meint das den Vorgang, Liebe auszuüben. Ich beliebe also jemanden, indem ich diesen Menschen streichle oder nette Worte sage und "bewünsche", d.h. Wünsche zufliegen lasse.

Wenn ich beliebe dann bin ich nicht nur in dem Gefühl -oder Seinszustand, sondern im aktiven Tun. Ich könnte auch lieben sagen. Das wäre das Gleiche. Aber ich behänge den Weihnachtsbaum, ich befülle eine Flasche, ich behandle einen Kranken. Das "be" drückt aus, dass ich aktiv etwas tue. Und ich finde, dass sich das ganz schön anfühlt, wenn ich beliebt werde. Ich könnte zum Beispiel auf die Straße gehen und aktiv die Menschen belieben. Ich schicke ihnen nette Gedanken. Ich strahle sie an und finde sie wunderbar. Ich stelle mir vor, wie ich gedankliche Blumen verteile aus meinem unendlichen Phantasievorrat. Ich beliebe die Welt und mache damit deutlich, wie reich die Schöpfung ist.

Gott erschuf die Welt durch das Wort. Bekannt ist der Urlaut OM. Durch das Wort wurde das Nichts beliebt und ins Dasein gerufen. Du kannst durch dein "Belieben" der Schöpfung etwas in die Welt bringen. Durch das "Belieben" schöpfst du mit. Ich kannte eine Ordensschwester, die sprach mit den Pflanzen im Haus. Sie war davon überzeugt, dass es ihnen gefällt und das Wachstum unterstützt. Sie hat mit ihren Worten die Pflanzen "beliebt". Und? Was könntest du heute mal ein wenig belieben?
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Samstag, 24. August 2019

Sei wie du bist. Irgendwann kommt es sowieso raus.


Manchmal strenge ich mich an und zeige mich in einer neuen Gruppe von meiner Schokoladenseite her. Ich gehe auf die Menschen zu. Ich lache oder lächle zumindest. Ich nehme Augenkontakt auf. Ich spreche Komplimente aus und versuche, mich interessant zu machen.
Und das ist anstrengend. In mir gibt es einen Teil der sagt: "Was mach ich hier eigentlich. So bin ich doch gar nicht. Ich bin eher schüchtern und zurückhaltend. Ich bin eher jemand, auf den man zugehen muss und nicht jemand, der auf andere zustürmt."
Der Schüchterne in mir bekommt also gar keine Chance. Der wird plattgebügelt und übergangen. Das mag der Schüchterne in mir überhaupt nicht. Der sagt dann zu mir: "Nie wieder! Nie wieder komme ich mit in eine mir unbekannte Gruppe von Menschen!"
"Sei wie du bist. Irgendwann kommt es sowieso raus." In dir gibt es viele verschiedene Persönlichkeitsanteile, die zu dir gehören. Manche magst du und manche nicht. Und von manchen glaubst du, dass die anderen das nicht mögen werden. Wenn du bestimmte Anteile in dir nicht magst, wie sollen die anderen dann das mögen? Wird in der Regel nicht funktionieren.
Wenn ich das nächste Mal in eine Gruppe komme, wo ich niemanden kenne, werde ich es anders machen. Ich schaue, wer denn vertrauensvoll wirkt. Auf diesen Menschen gehe ich zu und sage: "Entschuldigung wenn ich Sie anspreche. Aber ich bin sehr schüchtern und fühle mich hier gerade sehr unsicher. Darf ich einen Augenblick bei Ihnen stehen? Sie wirken auf mich so vertrauenswürdig." Wenn ich mir vorstelle, dass ich das so machen werde, dann nehme ich den Schüchternen schon mal mit, so dass es leichter wird. Allein die Vorstellung, dass ich es machen könnte, reicht aus.
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Samstag, 17. August 2019

Männer schnarchen, um Frauen nachts vor wilden Tieren zu beschützen

Ich hatte gedacht, es sei ein Witz. Aber die Info stammt aus dem Bereich der Evolutionsbiologen. Sie meinen auch, dass ältere Menschen häufiger schnarchen. Das hat den Sinn, dass wilde Tiere eher auf sie aufmerksam werden als auf die jungen Stammesmitglieder. Das Schnarchen sichert die Zukunft der Sippe.
Worin liegt wohl der Sinn dieses Spruches? Schnarchen schön reden? Ich vermute, dass zahlreiche Beziehungen darunter leiden, dass einer keinen Schlaf findet, während der andere schnarcht. Bei Gruppenfreizeiten gibt es immer die Frage: "Schnarchst du?" Eine gute Klärung kann da echt den Urlaub retten.
Der tiefere Sinn liegt für mich in der Umdeutung. Schnarchen ist für fast jeden Menschen negativ besetzt. Der Schutz vor wilden Tieren ist der Versuch, dem Schnarchen auch eine positive Seite abzugewinnen.
Wenn du mal in eine Situation kommst, die du gefühlsmäßig negativ bewertest, könntest du "Stopp" sagen und dich fragen: "Wofür ist das jetzt gut?" Warte aber so lange ab, bis dir eine Idee kommt. Du wirst überrascht sein, dass es eine solche Seite gibt, und dich mit dem scheinbar nur Negativen versöhnt.
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Freitag, 16. August 2019

Das einzig lebenswerte Abenteuer kann für den modernen Menschen nur noch innen zu finden sein. (Carl Gustav Jung)

Wir erobern uns die Welt nach außen hin. Wir reisen und fliegen, wohin wir wollen. Persönlich oder virtuell. Dort, wo wir nicht hinkommen können wir uns Berichte anschauen. Per Video dabei sein. Mit google maps kann ich in das Restaurant Aziya nach Astana in Kasachstan reisen und weiß, dass das das Essen dort lecker ist, aber die Klimaanlage nicht gut funktioniert. Bis zu diesem Augenblick wusste ich nicht einmal den Namen des Restaurants. Ich bin mal eben virtuell da hingeflogen. Die Portionen sind groß und deftig und die Menschen an den Tischen sehen glücklich aus. Ich könnte jetzt auch nach Peking oder Hameln reisen und hätte ähnlich Erlebnisse.
C.G. Jung empfahl schon damals, dass es für den modernen Menschen im Außen kein Abenteuer mehr zu erleben gäbe. Aber innen können wir sie finden. Schließ deine Augen und atme tief ein und aus. Beobachte deinen Atem dabei. Wenn du die Augen schließt wendet sich dein Blick automatisch nach innen. Du nimmst das Außen nicht mehr wahr. Und wenn du deine Gedanken beobachtest, den Atem wahrnimmst und mit deiner Aufmerksamkeit in den eigenen Körper gehst wirst du merken, dass sich dort auch eine Welt befindet. Du wirst etwas fühlen und du wirst Gedanken und Bilder bekommen. Und wenn du stiller wirst und länger und länger bei dir bleibst und immer mehr zur Ruhe kommst, werden sich die Bilder verändern, das Körpergefühl wird sich auch verändern. Du wirst dich fragen, ob du immer noch derselbe oder dieselbe bist. Wo du jetzt ganz anders und anderes siehst, fühlst und denkst. Du wirst vielleicht auf die Frag stoßen: Wer ist das "Ich", das da gerade denkt, fühlt und wahrnimmt. Wenn du zu diesem Teil einen Zugang bekommst wird deine Reise eine völlig neue Wendung bekommen. Ein unglaubliches Abenteuer. Im Innen ist die Welt so unendlich wie im Außen. Dafür musst du nicht verreisen. Sich bewegen ist sogar schädlich. Ganz still sitzen und immer stiller werden. Es kann nicht still genug sein. Und nur noch atmen und wahrnehmen. In dem Bereich deines Körpers, wo sich dein Herz befindet kannst du den Raum entdecken, wo deine gesamte Innenwelt Platz findet und von dem du aus überall hin reisen kannst. Du kannst sogar süchtig danach werden. Nach dem Abenteuer der Reise nach innen. Die meisten Menschen haben Angst davor. Sie steigen ins Auto oder in den Flieger aber nur nicht nach innen.
Die Welt der geöffneten Augen bietet ja auch so viel an. Du wirst ständig abgelenkt und umgeleitet und alles fordert von dir Antwort und Herausforderung. Alles will dich verführen und verlocken. Das meiste davon kennst du schon. Noch eine Hose, noch ein technisches Gerät, noch ein Haus. Kennst du schon! Aber kennst du das, was in dir wohnt?

Donnerstag, 8. August 2019

Bist du tot oder blöd - es ist schwer für die anderen.

Der Spruch irritiert mich mal wieder: "Wenn du tot bist, dann weißt du nicht, dass du tot bist. Es ist nur schwer für die anderen. Genau so ist es, wenn du blöd bist."
Ich gehe davon aus, dass ich es mitbekomme, wenn ich tot bin. Ich werde am Ende meines Lebens die Augen des Körpers schließen. Das Herz wird aufhören zu schlagen und die Gehirnzellen werden ihre Tätigkeiten beenden. Ich werde diesen Körper verlassen und nicht mehr brauchen. Und es gibt ein "Ich", dass das bewusst wahrnimmt und gestaltet. Mein höheres Bewusstsein wird den letzten Schritt aktiv machen. Nicht mein Körper-Ich. Das wird lieber festhalten. Die Weisheit in mir wird diesen Schritt vom Leben zum Tod und zum höheren Leben ganz wunderbar gehen.
Manche Menschen finden mich blöd. Was immer das auch heißt, blöd zu sein. Ich finde auch manchmal Menschen blöd. Auf den ersten Blick! Wenn ich dann genauer hinschaue, dann fängt die Entdeckungsreise eigentlich erst an. Kann ich bei mir sehen, wie blöd ich eigentlich selber bin?
Ich finde jetzt, mal angenommen, meinen Ehepartner blöd. Er oder sie ist ständig unpünktlich. Immer muss ich warten. Das nervt total. Er oder sie merkt es nicht mal und ist nicht bereit, sich zu verändern. Wirklich blöd! Jetzt kann ich dabei stehen bleiben und diesen Menschen blöd finden. Der findet mich aber vielleicht auch blöd, weil ich etwas nicht merke. Mein Partner findet mich blöd, weil ich so pingelig bin. Weil er mich für einen Korinthenkacker hält. Weil ich immer so einen Druck mache und alles immer so genau nehme. Weil ich kein Einfühlungsvermögen habe, dass man nicht immer pünktlich sein kann bei so vielen roten Ampeln.
Wenn ich jetzt meinen Partner blöd finde, dann kann ich das machen. Ich habe ein wunderbares Ventil für meinen persönlichen Ärger. Ich kann aber auch wie in einen Spiegel schauen und sagen: "Das bin ja ich!" Ich habe ein viel zu starres Weltbild. Ich tue so, als ob mein Leben von ein paar Minuten abhängt. Ich bin vielleicht ein Sklave meiner Uhr und sehe, dass mein Gegenüber dazu im Unterschied die Herrin ihrer Uhr ist.
Das wäre doch mal eine neue Deutung. Pünktliche Menschen sind Sklaven ihrer Uhr und unpünktliche Menschen sind Herr darüber. Ein Stück mehr Freiheit!
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Montag, 5. August 2019

Die Kunst, es sich bei einem schlechten Leben gut gehen zu lassen


Beim Loseverkauf für einen guten Zweck kauft mir eine Frau ein Los ab. Sie erzählt mir, dass sie eigentlich kein Geld übrig habe. Sie würde sich gerne einmal Spargel kaufen, aber es reiche nur für Möhren. Aber von Möhren könne man auch satt werden und so führe sie kein schlechtes Leben.

Immer wieder beobachte ich Menschen, die ein tolles Leben führen. Sie besitzen ein großes Haus. Die Kinder sind prächtig geraten. Es gibt ein großes Familienauto und einen Kleinwagen für die Fahrten so nebenbei. Dann höre ich sie so reden: "Es geht bergab mit der Wirtschaft. Überall wirst du ausgenutzt. Das Geld ziehen sie dir aus der Tasche und im Supermarkt bekommst du keine nahrhaften Lebensmittel mehr. Die Kinder werden in der Schule ja nur noch gemobbt und die Lehrer haben ihr Studium im Lotto gewonnen."
Dann beobachte ich Menschen wie diese Frau auf dem Markt. Abgetragene Kleidung. Der Speiseplan besteht aus Kartoffeln, Gemüse und Brot vom zweiten Tag. Lücken im Gebiss. Jeden Tag genau rechnen und jeden Cent umdrehen. Dann höre ich ihnen zu: "Ich lebe. Ich habe zu essen. Die Sonne scheint. Was will man mehr."
So unterschiedlich kann es sein. Ich möchte von der Kunst sprechen es sich bei einem schlechten Leben gut gehen zu lassen. In unseren Köpfen existiert ja irgendwie die Vorstellung, dass du dir deinen Lebensunterhalt hart erarbeiten musst. Jeden Braten hast du dir ordentlich verdient. Für ein Auto musst du lange sparen. Ein Haus zahlst du dein Leben lang ab. Es wird dir nichts geschenkt. Dabei trägt all dein Besitz relativ wenig zum Glücksgefühl bei.
Du gehst wandern und setzt dich auf einen Stein. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und es gibt nichts zu tun. Das darfst du genießen. Es ist dir geschenkt. Es ist jedem Menschen geschenkt. Egal, wie gut oder schlecht dein Leben sonst auch ist. Die Sonne ist für dich. Dein Körper gehört dir. Du hast deine Gedanken. Du darfst wahrnehmen mit deinen Sinnen. Allein damit kannst du es dir gut gehen lassen, egal wie schlecht auch dein Leben ist. Bist du noch aufmerksam dafür?
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Samstag, 3. August 2019

Das Leben ist eine Reise und du bist "Erste Klasse!"


In meinem Ferienhaus hing ein Bild an der Wand mit dem Text: "Life is a journey".  Ja das stimmt, ist mir vertraut. Ich sehe das Netz, das mich erinnert an ein Zugabteil. Dahinter oder darüber befindet sich ein Koffer mit dieser Aufschrift vom Leben, das einer Reise gleicht.
Dann entdecke ich den Stempel in der linken Ecke: "First Class". In welcher Klasse reist du mit deinem Leben? Erste, zweite oder Holzklasse? Oder bist noch gar nicht aufgebrochen, weil du kein Geld für eine Fahrkarte hast?
In mir taucht der Wunsch auf, dass jeder Mensch in der ersten Klasse fahren darf. Ohne Ausweis. Ohne Aufpreis. Erste Klasse weil jeder Mensch ein Mensch ist. Weil unsere Welt das möglich macht. Es ist Fülle da. Für jedes Wesen!
Im realen Leben fahre ich oft und gerne Zug. Während sich die Leute in der zweiten Klasse quetschen, können die in der ersten Klasse die Füße hochlegen. Zwei Plätze für jeden. Das ist doch ungerecht, oder?
In meinem Herzen und in meinen Begegnungen mache ich keinen Unterschied. Jeder Mensch ist für mich einfach nur "Erste Klasse"!
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Donnerstag, 1. August 2019

Jeder kann etwas gut. Ich kann zum Beispiel gut am Meer sitzen!

Ich kann ganz viel.
Ganz viel kann ich nur so ungefähr.
Und ganz viel kann ich gar nicht.
Ich kann viel mehr etwas nicht als das, was ich kann.
Ich kann zum Beispiel nicht Fußball spielen.

Ich kann ganz wenig nur ganz gut.
Aber ich kann auch ganz viel eigentlich ganz gut.
Und machmal ist es mir gar nicht wichtig, ob ich es kann.
Ich mache es einfach weil es gemacht werden muss.

Und jeder kann etwas gut. so ganz richtig gut.
Ich kann zum Beispiel gut am Meer sitzen!
Ich kann auch gut meine Augen auf und zu machen.
Ich kann gut die Stirne runzeln.
Und ich kann gut Eis essen.

Und wenn ich richtig drüber nachdenke,
dann kann ich viel mehr als das, was ich nicht kann.
Was ich nicht kann, kann ich auf jeden Fall in meiner Phantasie.
In meiner Phantasie kann ich sogar Autos reparieren und reich dabei werden.
Und es erfüllt mich mit einer großen Zufriedenheit. Zu wissen: Jeder kann etwas gut!
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