Donnerstag, 30. Juni 2016

Kann ich das vom Bett aus machen?

In meiner Kindheit gab es etwas, das so schwer wog wie ein Verbrechen. Das ging überhaupt nicht! Das war verpönt. Dafür wurden wir ausgeschimpft. Das wurde uns ausgetrieben. Aus allen Körperzellen. Null Toleranz! Kein Verständnis! Nicht einen Hauch. Wovon spreche ich?

Von der Faulheit. "Sei nicht so faul!" "Bist du schon wieder faul gewesen?" "Häng nicht so rum!" "Was sollen die Leute von uns denken!" "Du musst es dir verdienen!" "Im Leben wird dir nichts geschenkt!" "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!" "Wenn du etwas nicht weißt, das ist nicht so schlimm. Aber Faulheit muss nicht sein!"

Da sitzt du gerade fünf Minuten auf dem Sofa und hast mit einem Buch begonnen, kommt die Mutter herein: "Hast du nichts besseres zu tun? Hast du schon die Hausaufgaben erledigt?" Sie scheucht dich hoch. Immer wieder! Bis du es verstanden hast. Erst wenn alles erledigt ist, darfst du dich hinsetzen. Ausruhen als Belohnung von der Arbeit. Und während des Ausruhens darfst du zugleich überlegen, was du danach machst. Denn die Faulheit sitzt mit im Sessel. Sie sagt dir: "Na, willst du nicht sitzen bleiben? Ist doch schön - die Muße und das Nichtstun, oder? Verweile noch!" Die Faulheit hat den Gedanken geäußert und du hörst die Stimme deiner Mutter: "Jetzt ist es genug. Nicht dass du hier Wurzeln schlägst. Im Keller muss noch aufgeräumt werden. Du hast dich lange genug ausgeruht!"

Jetzt lese ich auf dieser Postkarte das Motto des Tages: "Kann ich das vom Bett aus machen?" Das hätte ich als Kind mal meiner Mutter sagen sollen. Sie hätte wäre zu einer Furie geworden. Sie hätte mich gejagt. Sie hätte mir diese Gedanken ausgetrieben und mir verboten, je in meinem ganzen Leben wieder einen solchen Satz zu sagen.

Und jetzt mache ich da mal einen Punkt. Wie bist du groß geworden? Welcher Erziehungsstil hat dich geprägt? Gehörst du zu den Menschen, die faul sein durften? Oder wurde bei dir viel Wert auf Fleiß gelegt? Ich könnte in Gedanken durch meine Schulklasse gehen und Fleißkärtchen verteilen. Ich wusste, in welchen Familien Fleiß groß geschrieben wurde.

Zugleich wird mir bewusst, wie sehr die Erfahrungen aus der Kindheit in den Körperzellen eingeschrieben wurden. Heute "arbeite" ;-) ich ein wenig an der Korrektur, am anderen Pol. Ich hänge mir diese Postkarte ans Herz und sage mir: "Kann ich das vom Bett aus machen?" Ich spüre dem nach, wie fremd sich das anfühlt. Ich lehne mich für einen Moment zurück und atme tief durch. Meine Seele sagt mir: "Das tut jetzt aber gut! Darauf habe ich schon lange gewartet. Danke!"
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Mittwoch, 29. Juni 2016

Schau der Furcht in die Augen und sie wird zwinkern. (aus Russland)

Wovor fürchtest du dich? Vor Spinnen, vor Enge, vor Menschen, vor Kritik, vor Arbeitslosigkeit, vor Armut? Die meisten Menschen haben vor irgendetwas Furcht. Wobei für mich da im Moment kein großer Unterschied besteht zwischen Furcht und Angst. Die Angst ist das Grundgefühl und die Furcht bezieht sich auf etwas Reales.
Hinzu kommt in der Regel oft die Angst davor, dass die Angst auftaucht, sozusagen eine Potenzierung dieses Gefühles. Die Furcht erscheint uns wie ein Gespenst, dem wir aus dem Weg gehen. Es wirkt bedrohlich und unsere Angst kann ins Unermessliche wachsen. Sie kann sogar lebensbedrohlich werden. Hinter den meisten Ängsten steckt die Frage nach dem Tod. Die Spinne kann beißen und ich werde vergiftet. In der Enge schnürt es mir die Luft ab und ich werde sterben. Ich werde arbeitslos, habe kein Geld mehr und muss verhungern. Menschen können mir Gewalt antun und mich töten.
Das Entscheidende dabei ist: Alles findet in meiner Phantasie statt. Ich entwickle Bilder davon. Nur selten ist die Bedrohung real. Wenn meine Furcht "nur" ein Gespenst ist, dann kann ich es mir doch einmal anschauen. Wenn du deiner Angst in die Augen schaust, was geschieht dann? Das russische Weisheitswort meint: Sie wird zwinkern! Als Kinder haben wir uns im Umgang mit dem Schrecken eingeübt. Wir haben uns versteckt und die Erwachsenen haben uns gesucht. Wenn sie uns gefunden haben, dann haben sie "Buh" gemacht, wie ein Gespenst. Als Kinder haben wir das Erschrecken gespielt und vor Furcht gejuchzt. "Schau der Furcht in die Augen und sie wird zwinkern." In der Beratung lade ich oft ein, in die Angst hineinzugehen, sie anzuschauen, sich mit ihr vertraut zu machen. Das "Zwinkern" siehst du erst, wenn du dich vertraut gemacht hast, wenn du dich traust, genau hinzuschauen.
Mir erzählte eine Freundin von der Erfahrung im Hochseilgarten. Da gab es einen Abschnitt, da musste man springen. Sie musste die Angst vor dem Abgrund überwinden. Ihr half die Einstellung: "Ich springe und wenn ich sterbe dann wars das eben. Mein Leben war schön!"
Leider gibt es keine dauerhafte Befriedung der Angst. Sie kommt auf einem anderen Weg wieder zu dir. Sie bleibt ein Teil von dir solange du lebst, eben so lange du lebst.
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Dienstag, 28. Juni 2016

Empfehlung der Woche

Hättest du gerne eine Empfehlung für die Woche?

Der Gemüseladen empfiehlt Salat.
Der Fleischer seinen Hackbraten.
Der Bäcker den Bauernlaib.
Und der Elektroladen ein schönes Auslaufmodell.

Der Arzt empfiehlt regelmäßige Bewegung.
Der Pastor die Beichte mit der Befreiung von Sünden.
Der Psychologe das Reden über die Gefühle.
Und der Heilpraktiker Globuli genau auf dich abgestimmt.

Kinder empfehlen ein Eis am Stil.
Väter die Sicherheit eines vollen Bankkontos.
Mütter empfehlen, dass sich alle vertragen.
Und Omas und Opas empfehlen Gelassenheit.

Politiker empfehlen, dass man ihren Worten vertraut.
Polizisten, dass man sich an die Regeln hält.
Richter, dass man nicht kriminell wird.
Sozialarbeiter empfehlen einen gut funktionierenden Sozialstaat.

Was empfiehlst du?
Für diese Woche?
Für diesen Augenblick?
Und überhaupt?

Ich empfehle: "Sei freundlich zu dir!"
Darin ist schon alles enthalten.
Überprüfe es mal und fang diesen Text von vorne an.
Sei freundlich zu dir!

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Montag, 27. Juni 2016

Zuhause ist, wo die Liebe wohnt

Wo die Liebe wohnt?
Da möchte ich hin.
Kommst du mit?
Wir besuchen gemeinsam die Liebe.
Dort, wo sie wohnt.
Wir besuchen sie in ihrer Wohnung!

Wenn wir die Liebe besuchen in ihrer Wohnung geschieht Verwandlung.
Du denkst, du seist in der Fremde.
Du bist ja in einer fremden Wohnung.
Aber wenn du die Liebe besuchst, dann wird die Fremde zur Heimat.
Auf einmal bist du zu Hause.

Du musst nur dort sein, wo auch die Liebe ist.
Du besuchst sie und sobald du die Wohnung betrittst stellt sich das Gefühl ein:
Ich bin angekommen.
Ich bin daheim.
Ich bin zu Hause.
Hier darf ich sein.
Ich bekomme ein Bleiberecht.
Ich muss nie wieder gehen.

Wenn du dort bist, wo die Liebe wohnt, veränderst du dich.
Du wirst leicht und du lachst.
Du tanzt und du weinst zur gleich Zeit.
Weil dich das so berührt.
Und weil sich dort etwas löst.

Vorher war es vielleicht eng in deiner Brust.
Du warst angespannt.
Du warst umgeben von einer grauen Schleierwolke voller Traurigkeit.
Du konntest im inneren Abgrund deine Verlassenheit spüren.

Dann klingelst du an der Wohnungstür von Liebe.
Schon beim Klingeln merkst du die ersten Veränderungen.
Der Herzschlag erhöht sich.
Du wendest dich von innen nach außen.
Du verlässt deine einsame Insel und hältst Ausschau.
Da taucht am Horzont ein Schiff auf, dass du Hoffnung nennst.

Dann öffnet sich die Tür.
Liebe öffnet ganz persönlich.
Sie hat dich schon erwartet.
Ein ganzes Leben lang.
Schon von Ewigkeit her.

Und du stehst da und die Schleusen öffnen sich.
Du wirst zu einem Vulkan und zu einem Geysir.
Es kommt alles raus und ergießt sich in die Wohnung von Liebe.
Du schämst dich nicht weil du weißt, dass es genau so sein muss.
Und nicht anders.

Du kommst dir vor wie der verlorene Sohn in der Bibel
Oder wie die verlorene Tochter.
Du bist bei der Liebe angekommen und findest dort dein zu Hause. 
Der Vulkan verwandelt sich in einen Strom von Energie.
Der Geysir in eine sprudelnde Quelle.

Möchtest du da hin?
Vom Ort des Verstehens meiner Sätze in deinem Verstand
bis zu dem Ort, wo die Liebe wohnt, ist es nur Wimpernschlag.
Geh mit deinem Bewusstsein zu deinem Herzen und du bist da.
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Samstag, 25. Juni 2016

Ich bin Future Millionaire!

Ich bin Millionär!
Zellenmillionär!
Zellenbillionär!

Nicht erst in future!
Schon fast von Anfang an.
Es begann mit einer Zelle.
Die verdoppelte sich.
Und die verdoppelten sich.

Aus dem Bauch meiner Mutter kam ich als Zellenbillionär
und ich bin es bis heute geblieben.
Alle arbeiten miteinander und ich muss mich nicht darum kümmern.
Ein wenig Wasser, ein wenig Schlaf und ein wenig sonstwas.

Aber im Wesentlichen läuft das Unternehmen wie von selbst.
Wahnsinnige Kreisläufe und Systeme, die da ineinander greifen.
Da habe ich echt Schwein gehabt.
Ich muss nicht mehr darauf warten, in Zukunft ein Millionär zu werden.
Was sind schon zehn Milliarden Dollar oder Euro
im Verhältnis zu Billionen von Zellen!

Täglich verliere ich Millionen davon und es berührt mich nicht einmal.
Da bin ich völlig angstfrei. 
Täglich kommen ja Millionen hinzu.
Ich lebe ohne Tresor und Zaun.
Ohne Bank und Alarmanlage.

Fast jeder darf meine Zellenbillionen anfassen.
Eventuelle Verluste würde ich nicht mal bemerken.
Ich schwebe zwischen den Billionen von Zellen und frage mich:
In welcher verbirgt sich mein Bewusstsein?
In jeder Zelle?
In keiner einzigen?

Am letzten Tag meines Lebens werde ich zum Bettler werden.
Die Billionen Zellen werden sich auflösen und in Wellen oder Teilchen verwandeln.
Vielleicht landet die eine oder andere verwandelte Zelle bei dir oder deinen Nachfahren.
Hab sie bitte lieb, die Zellen, die jetzt noch zu mir gehören.

Zugleich werde ich ein Future Millionaire sein!
Und du auch!
Dein Bewusstsein gibt sich mit Millionen nicht zufrieden.
Es ist unendlich und ewig und bewegt sich jenseits von irdischen Millionen.
Schwein gehabt, nicht wahr?
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Freitag, 24. Juni 2016

Freude in Fülle!

Da sitzt er, der Engel.
Oder doch besser:
Da sitzt sie, die Engelin.
In ihrer ganzen Fülle.

Ein wahrhaft leiblicher Engel.
Nichts Feinstoffliches.
Bis auf den feinen Stoff.
Aus Gold mit goldenem Haar und goldenen Schuhen.
Eine goldene Engelin!

In ihrer ganzen Fülle!
In wunderbarer Eleganz!
Mit leichten Flügeln, daunenfe(e)derhaft.

Sie wird fliegen können.
Glaub es mir!
Sie macht es wie die Hummel.
Ihr Körper ist auch zu schwer zum Fliegen.
Aber weil sie das nicht weiß überschreitet sie das Gesetz der Schwerkraft.

Die goldene Engelin wird auch fliegen.
Weil ihr Herz leicht ist.
Noch sitzt sie da und sagt "Hallo!" zu dir.
Sie winkt dir zu mit einem kleinen goldenen Geschenk.
"Hab Freude in Fülle!"
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Donnerstag, 23. Juni 2016

Vergiss nicht, dass du toll bist!

Schon vergessen?
Du bist toll!
Du bist nicht verrrückt.
Und wenn schon.
Auch wenn du verrückt wärest, wärest du immer noch toll!

Wenn du verrückst,
dann rückst du ein paar Zentimeter oder Meter von deiner jetzigen Position ab.
Du siehst dich dann quasi von außen.
Du nimmst wahr, dass du ein Bild von dir gemacht hast und ständig versuchst, diesem Bild zu entsprechen.
Dabei bist du das gar nicht.
Darum musst du manchmal verrücken, damit du dich wieder zurechtrückst.

Wenn du toll bist, verrückst du vielleicht gerade ein wenig um wieder du zu sein.
Aber auch so bist du toll.
Ohne verrücken.
Vergisst du das auch manchmal?

Es gibt tausend Gründe und Möglichkeiten des Vergessens.
Und des Verdrängens.
Du hast schlecht geschlafen.
Jemand hat dich gekränkt.
Dir ist deine Arbeit nicht gelungen.
Du bist ohne Grund unzufrieden.
Und überhaupt.
Du bist auch mit Grund unzufrieden.
Du kämpfst und mühst dich ab.
Das Leben ist zäh.
Es geht nicht voran.
Oder nur so ungefähr.

Dann kannst du das ganz leicht vergessen.
Dass du toll bist!
Kannst du dir das selber sagen?
Dich vor den Spiegel stellen.
Dir in die Augen sehen?
Dich anstrahlen?
Wow, ich bin toll!
Dass ich so toll bin!
Wer hätte das gedacht!

Oder wartest du darauf, dass das jemand zu dir sagt?
Einverstanden, kann ich jetzt machen.
Mache ich auch gerne!
Gut wäre es trotzdem, wenn du dich selber vor deinen Spiegel stellst.
Wegen der heilsamen Wirkung von Selbstfreundlichkeit!
Aber jetzt ich:
Vergiss nicht, dass du toll bist!
Und einfach nur, weil du da bist!

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Mittwoch, 22. Juni 2016

Heute ist ein guter Tag für einen guten Tag!

Heute ist ein guter Tag!
Heute ist nämlich heute und jetzt ist jetzt.
Dieser Augenblick wird nicht wiederkehren.
Er findet in diesem Moment statt und wünscht sich meine ganze Aufmerksamkeit.
Jetzt gerade liest du dieses Wort: Lebe!

Heute ist ein guter Tag für einen guten Tag!
Mit Ausrufezeichen!
Mit offenen Augen und einem breiten Grinsen im "ü".
Das Wesen von "Ü" besteht in einem Lachen mit offenen Augen.
Es steht für Überraschung.

Überraschung!
Wenn du morgen deinen neuen Tag beginnst wird es wieder so sein.
Der morgige Tag wird dann heute und wieder gut.
Auch ein Tag mit einer Laus über der Leber (ü ;-)) kann noch gut werden.
Die Laus über der Leber wird dich aufwecken.
Nimm es ihr nicht übel (ü ;-)) !

Heute ist also ein guter Tag.
Jetzt und in diesem Augenblick findet vielleicht der beste Teil statt.
Du gehst mit deiner Aufmerksamkeit nach innen
und lässt es glucksen - ( u = lachen).
Damit aktivierst du dein Zwergfell.
Mit der Aktivierung des Zwergfells setzt du Glückshormone frei.
Die Glückshormone (ü ;-)) bewirken, dass du den Tag positiv wahrnimmst.

Auch mit der Laus über der Leber kannst du glucksen und glücksen.
Du setzt die passenden Hormone frei und die Laus verwandelt sich in Lust.
Gib Acht, dass die Lust nicht lausig wird.
Dein guter Tag soll ja gut bleiben.
Viel Glück an diesem und deinem guten Tag!

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Dienstag, 21. Juni 2016

Wenn du glücklich sein willst, dann sei glücklich.

Kann ich einfach so glücklich sein? Braucht es dafür nicht ein Ereignis im Außen? Die Sonne, die für mich scheint. Ein Mensch, der mich mag. Eine Tasse Kaffee an einem schönen Platz. Eine gelungene Arbeit? Hängt das Glück davon ab, dass ich ein Geschenk bekomme oder dass ich irgendetwas mache, das mich dann glücklich sein läßt?
"Wenn du glücklich sein willst, dann sei glücklich!" Geht das so? Einfach glücklich sein? Ohne Ereignis? Wie kann das geschehen? Im Spruch steckt eine echte Herausforderung. Ich kann glücklich sein aufgrund einer Entscheidung. Ich beschließe also, glücklich zu sein und bin dann glücklich! Es heißt ja: "Wenn du es willst". Ich muss es also wollen. Ich muss wirklich wollen, dass ich glücklich bin. Nicht einmal glücklich werden im Sinner einer langsamen Entwicklung. Sondern glücklich sein! Nicht als ein Weg. Sondern eher wie ein Fingerschnippen. Wenn du willst, dann sei es einfach!
Da werden manche Depressive sagen: "Das kann ich nicht! Wegen der fehlenden Hormone oder wegen meiner schrecklichen Kindheit!" Wer wirklich unglücklich ist würde diesen Satz wie Hohn und Spott verstehen. Da haut jemand noch zusätzlich auf mein Unglück drauf. Wenn das so einfach wäre, dann würde doch jeder glücklich sein. Wie kann ich glücklich sein, wo es so unmöglich für mich ist!
Ich habe festgestellt, dass ich einen großen Teil des Tages einfach glücklich sein kann. Vor allem, wenn es keinen Grund für das Unglück gibt. Wenn alles so läuft wie ich es mir wünsche und vorstelle, bin ich glücklich. Ich fühle mich im Flow. Nur - wenn da was passiert, was ich mir nicht gewünscht habe. Dann ist es mit einem Schlag vorbei. Mit dem Glück. Wie weggefegt! Kennst du das auch? Von jetzt auf gleich!
Aber manchmal stimmt es auch. Wenn ich eine zeitlang herumgegrübelt habe und dem eigenen Leid erlegen war, dann schüttle ich mich. Dann höre ich den Satz: "Wenn du glücklich sein willst, dann sei glücklich." Dann sage ich: "Ja, das stimmt! Genug gegrübelt! Genug Unglück! Genug geschmollt!" - "Jetzt beschließe ich einfach, wieder glücklich zu sein. Fühlt sich besser an!"
Wie wäre es, wenn du mal noch einen ganz anderen Weg versuchst. Verabschiede dich von der Vorstellung, glücklich sein zu wollen oder zu müssen. Auch das ist nur ein Denkkonzept deiner Glaubenssätze. Du strengst dich dafür an. Alle Welt will und muss glücklich sein! Immer auf der Jagd! Dem Glück hinterher oder vorne weg. Die Wirtschaft lebt davon. Mach dich doch unabhängig. Lass das Glück zu und auch das Unglück. Gib die Erlaubnis, dass da sein darf, was eh da ist. Worin besteht der Gewinn aus unglücklichen Tagen? Wie kann das beitragen zu deiner persönlichen Lebensentwicklung. Wenn du denkst, dass dein Partner dich glücklichen machen muss, dann wirst du zum Sklaven. Wehe du bekommst nicht, was du dir wünschst! Wenn dein Partner dich nicht glücklich machen muss, kannst du mit ihm zusammensein. Du kannst ihn wahrnehmen, so wie er ist. Jetzt in diesem Augenblick. Du nimmst wahr und wirst staunen. Da ist jemand an deiner Seite, der nichts für dich tun muss. Und er ist jetzt einfach gerade da, an deiner Seite.
Vielleicht gelangst du so in ein Verständnis vom Leben jenseits von Glück und Unglück. Sieht so Erleuchtung aus?
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Montag, 20. Juni 2016

Gräbst du schon oder bist du noch Manager?

Auf der Postkarte siehst du Horst. Horst arbeitet und gräbt ein Loch. Um ihn herum stehen einige Männer. Alles Manager. Alle tragen einen Titel in englischer Sprache. Sie scheinen für das Unternehmen hoch wichtig zu sein. Von außen betrachtet könnte man sagen: Die stehen doch nur rum! Da arbeitet doch niemand außer Horst.
Manager scheinen nicht selbst Hand anzulegen, sondern eben Dinge zu managen. Im Haushalt gibt es auch die, die was tun und die, die managen. "Du musst jetzt schauen, ob die Kartoffeln schon gar sind," meint der Küchenmanager. "Hast du die Waschmaschine auch auf 40 Grad eingestellt? Nicht, dass die Wäsche schrumpft," ermahnt der Kleidungsmanager. "Du müsstest mal wieder den Rasen mähen," meint der Gartenmanager und "du solltest die Kinder besser erziehen" findet der Pädagogikmanager.
In den Firmen scheint es von hochwichtigen Managern zu wimmeln. Hinter manchen Namen verbirgt sich leider nur ein schlecht bezahlter Job mit hochtrabendem Titel. Daneben gibt es aber bis heute die Arbeiter, Monteure und Handwerker. Die, die mit den Händen arbeiten und die auch so heißen. Du könntest auch voller Stolz davon sprechen, dass du eine oder einer davon bist. Du bist eine Schöpferin und ein Schöpfer und du gestaltest die Welt. Mit deinen Händen. Mit deinen Kräften. Mit deinem Fleiß.
Wir denken leider manchmal, dass wir mehr sind, wenn wir einen Titel tragen. Ein Doktor, ein Magister oder eben ein Manager. Kannst du einen ordentlichen Graben ausheben? Ein echtes Menü kochen? Ein Bad sauber putzen? Ich habe mal einen Bericht gelesen von einer Frau, die von ihrer Putztätigkeit erzählt. Das klang so professionell, dass ich vor Staunen nicht mehr den Mund schließen konnte. Alle Achtung, was man daraus machen kann!
So nebenbei: echtes Managen ist auch eine Leistung. Bist du zufrieden, wie du dein eigenes Leben managst? Müsstest du an der einen oder anderen Stelle auch mal was ganz konkret tun? Mit deinen Händen? Mit deinen Worten? Dann zu! Nimm dir eine Schaufel und pack an!
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Samstag, 18. Juni 2016

Mache den Tag einzigartig!

Im gleichen Bekleidungsgeschäft mit den BH's und dem Spruch an der Wand von Coco Chanel (vergleiche die letzten beiden Artikel) sehe ich eine Plastikfrau auf einem Regal, schwebend über Augenhöhe. Sie sitzt in Meditationshaltung da wie ein Buddha und trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck: "Make the day unique" - "Mache den Tag einzigartig".
Ich bleibe stehen und überlege, ob der heutige Tag einzigartig ist. In der Damenabteilung von Unterwäsche und Nachthemden. Habe ich den heutigen Tag einzigartig gemacht? Der ist ja übrigens schon wieder ein paar Wochen her.
Also hier die Einladung: Mache den Tag einzigartig. Was fällt dir dazu ein, wenn du das hörst? Ins Kino gehen und einen tollen Film anschauen? Die Sonne genießen? Die Lebensmittel bewusst auswählen? Besonders freundlich und zugewandt mit den Menschen umgehen? Dankbarkeit empfinden für das Geschenk des Lebens? Was macht deinen Tag einzigartig?
Ich habe übrigens festgestellt, dass ich nur die ganz besonders wichtigen Tage als einzigartig in Erinnerung behalten habe. Ein Tag kann einzigartig sein und dennoch hast du ihn nach wenigen Tagen vergessen. Ich erinnere mich aber noch sehr genau an die einzigartigen Tage, an denen mein Herz in die Hose gerutscht ist. Ich kann lückenlos seit meiner Grundschulzeit viele Tage aufzählen, an denen etwas Einzigartiges und zugleich Katastrophenhaftes passierte.
Katastrophen machen wir ja nicht selber. Sie überfallen uns. Darum bleiben sie uns auch so in Erinnerung. Die negativen Dinge im Leben speichern sich viel tiefer ein. Dennoch kann ich heute den Tag einzigartig machen. Mich jetzt freuen. In diesem Augenblick. Voll da sein. Ohne große Pläne. Es braucht kein Kino dafür und kein tolles Essen. Ich bin sowieso einzigartig. Dessen kann ich mir bewusst werden. Es ist wichtig, dass die Katastrophenereignisse im Leben ein Gegengewicht erhalten. Sonst wird der Tag düster und die Stimmung depressiv. Also jetzt liegt es an dir: "Mache den Tag einzigartig!"
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Freitag, 17. Juni 2016

Von Nachthemden, Männern und Coco Chanel

Mein Post von gestern beschäftigte sich mit meiner Erfahrung beim Kauf von einem weißen BH. Ich saß dort nicht nur auf meinem schönen Sessel sondern ich las diesen Vers an der weißen Wand von Coco Chanel: "Die meisten Frauen wählen ihr Nachthemd mit mehr Verstand als ihren Mann."

So so, dachte ich. Ich stehe zwischen BH's und Nachthemden und Coco Chanel flüstert mir ihre Weisheit zu. Hat meine Frau ihre Nachthemden besser geprüft als mich? Ich sehe, wie sie den Stoff zwischen ihren Fingern reibt und befühlt. Ein kritischer Blick! Qualität! Preis? Vergleichen! Weitersuchen und zurückkommen. Noch einmal befühlen. Wieder hinhängen. Weiter suchen. Wieder zurück. Noch einmal schauen. Gibt es doch noch einen Hinweis auf einen Preisnachlass? Passt es? Gefällt es wirklich? Lohnt sich das Anprobieren? Oder doch lieber ein anderes Geschäft? Das gleiche Produkt, aber günstiger? So geht es hin un her. Ein Nachthemd gekauft mit viel Verstand.
Und wie sucht die Frau sich ihren Mann aus? "Oh wie schön! Den will ich! Fertig!" Ist das so? Immerhin hat das eine Frau gesagt: "Frauen wählen ihr Nachthemd mit mehr Verstand als ihren Mann." Meint sie, dass der Verstand bei der Liebe die Frauen verlässt? Das glaube ich nicht. Oder doch? Was meint ihr Frauen?
Ich formuliere den Satz um, so dass er für mich stimmiger klingt. "Die meisten Frauen nutzen bei der Wahl ihres Nachthemdes den Verstand und bei der Wahl ihres Mannes die Gefühle." Oder
"Bei der Wahl von Nachthemden oder Männern bedienen sich die Frauen stets der geeigneten Mittel. Mal mehr Verstand und mal mehr Gefühl. Und manchmal vertun sie sich. Die Männer übrigens auch."
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Donnerstag, 16. Juni 2016

Oase im BH Dschungel


Meine Frau braucht einen neuen BH in weiß und ich begleite sie natürlich beim Einkauf. Während Sie die Ware beschaut und befühlt werde ich zum Beobachter. Der Fahrstuhl geht auf und einige junge Frauen gehen an mir vorüber, einen Koffer hinter sich herziehend. Ich werde zum Zeuge einer Aktion, wo Unterwäsche ausprobiert werden soll für eine Modenschau. Immer mehr junge, elegante und hübsche Frauen bevölkern das BH Paradies und verschwinden dann in ein Hinterzimmer.

Es wird wieder ruhig und ich stehe dort ein wenig verloren als Mann in der Abteilung für Unterwäsche. Da entdecke ich einen bequemen Sessel und nehme erlöst Platz. Den richtigen BH auswählen dauert eben seine Zeit. Da sitze ich und beobachte weiter. Einzelne Frauen begutachten die Ware. Wenige werden von ihren Männern begleitet. Diese wiederum schauen ein wenig ratlos bis gleichgültig. Begeisterung sieht anders aus. Ich stehe auf und schaue, was meine Frau macht. Aha, sie sucht noch. Dann gehe ich zurück zu meinem gemütlichen Sessel. Und sie da! Ein junger Mann hat diesen Oasenplatz auch für sich entdeckt. Und wenige Minuten später ein älterer Herr mit Sonnenhut. So muss ich auch gewirkt haben vor ein paar Minuten. Ratlos und verloren auf dem Oasensessel in der BH Wüste.
Mir fliegen ein paar kurze Gedanken zu. Für viele weiblichen Menschen ist diese Abteilung ein Paradies, für manche ein Dschungel. Für manche männliche Menschen eher eine Wüste oder ein großes Rätsel, das mit der Zeit ermüdet. Hilfreich ist immer ein Platz, wo du dich ausruhen kannst. Ich ziehe die Lehre daraus: Bleib immer schön gelassen und bleib in deiner Mitte. Wenn es zu viel wird, dann nimm Platz und lass alles an dir vorüberziehen. Irgendwann zieht die Gelassenheit ein. Du lehnst dich entspannt zurück und du bist dankbar für diesen Augenblick. Und so nebenbei - für jeden Menschen gibt es geheimnisvolle und verborgene Welten, die wir nicht verstehen.
Und? Welche Welt ist dir fremd? Welche könntest du einmal besuchen um zu schauen, wie dein Körper, dein Geist und deine Seele darauf reagiert. Wie wäre es mit einem Sternerestaurant oder einer Autowerkstatt? Die Lobby eines großen Hotels oder der Platz vor einem "Autohof" mit Blick auf Tankstelle, Restaurant und Pornoshop? Wer bist du, wenn du dort bist und wem begegnest du da in deinem Inneren?
Ich saß also auf meinem Sessel in der Abteilung für BH's. Ich kam mir dort ein wenig hilflos vor. Ein BH gehört nicht zu meiner körperlichen Wirklichkeit. Ich weiß nichts von dieser weiblichen Welt und ich begegne ihr dennoch fast täglich. Ich komme mir fremd vor. Und ein wenig wie ein Voyeur. Zugleich kommt mir in den Sinn, dass ich auch in Welten lebe, in denen nur ich zu Hause bin. Sie ist anderen Menschen verschlossen. Welten, die zu meiner Existenz dazugehören.  Oder kennst du die Welt des Obertongesanges? Die tiefsten Geheimnisse einer richtig guten Pizza? Die Meditationstechnik mit den Farbtafeln von Chartres? Füße halten und harmonisieren? Ich bin überzeugt davon, dass du auch in Welten lebst, die mehr oder weniger nur zu dir gehören. Für andere ein Rätsel und für dich ein zu hause.
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Mittwoch, 15. Juni 2016

Schicht im Schacht!


Jetzt ist Schicht im Schacht!
Genug ist genug!
Irgendwann muss auch mal Schluss sein!

Ich habe zu lange nur Ja gesagt.
Immer zugestimmt.
Habe meine Bedürfnisse ignoriert.
Die Bedürfnisse der anderen immer im Blick gehabt.

Ich war großzügig.
Habe beide Augen zugedrückt.
Bin ständig über meine Grenze gegangen.
Habe nie Nein gesagt!

Ich habe zwar gemahnt.
Leise gezweifelt.
Da gab es das komische Gefühl in der Magengegend.
Ich war gut darin, mich ein wenig zu betrügen.
Die Zeichen zu ignorieren.

Aber jetzt!
Jetzt ist es wirklich genug!
Keinen Schritt weiter!
Nicht noch eine Schleife!
Ich setze den Punkt!
Jetzt!
Schicht im Schacht!

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Dienstag, 14. Juni 2016

Wenn Amors Pfeil nicht trifft...


"Amor, gib mir den verdammten Pfeil. Ich mach den Scheiß jetzt selbst!"

Wie oft gibst du die Verantwortung im Leben ab? Soll der Gott Amor dafür sorgen, dass es mit der Liebe klappt? Er scheint öfter mal zu versagen. Vor allem, wenn es um deine Liebe geht.
Soll der Hausarzt dafür sorgen, dass du gesund bist? Er scheint schon das Eine oder Andere von Gesundheit und Krankheit zu wissen. Aber weiß er alles? Ist er ein Heilsgott? Und bist du selbst völlig inkompetent?
Soll der Lehrer dafür sorgen, dass du lesen und schreiben kannst? Ist es seine Verantwortung, dass du klüger wirst? Weil er ja so viel weiß und Wissen studiert hat! Bist du im Vergleich wirklich so dumm und unwissend?
Soll der Pfarrer dafür sorgen, dass du fromm wirst? Schließlich kennt er ja den lieben Gott persönlich! Wenn jemand etwas von dem großen unbekannten Gott weiß, dann ausschließlich der Pfarrer, oder? Bist du sicher, dass er etwas weiß? Weiß er überhaupt etwas? Hast du so wenig Ahnung, dass du nicht mitsprechen kannst? Du schweigst, wenn der Pfarrer spricht? Hast Achtung vor seinem Glauben und seiner Weisheit?
Du kannst die Verantwortung abgeben für all diese wichtigen Bereiche in deinem Leben. Die Verantwortung für Liebe, Wissen, Gesundheit und Spiritualität. Dann legst du deine Hände in den Schoß und sagst: "Ich bin unschuldig!" Das kannst du machen! Aber wundere dich nicht, wenn die Liebe nicht zu dir kommt. Wenn du nicht glauben kannst. Wenn du nichts weißt. Wenn du krank wirst.
Du kannst dich aber auch innerlich aufrichten. In die Selbstverantwortung gehen. Das Leben selber in die Hand nehmen und "deinen Scheiß jetzt selbst machen!" Du darfst wählen! ;-)

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Montag, 13. Juni 2016

Wo fängt der Friede an?

In Dortmund kam ich an einem Haus vorbei, wo im Fenster ein Bild angebracht war. Zwei Frauen reichen sich die Hand und spannen damit den Rahmen für die Darstellung auf. Ein Tor aus Gitterstäben öffnet sich. Hände sind zum Friedenszeichen erhoben. Einige davon in dunkler Hautfarbe. Ein Wort in großen Schriftzeichen deutet die Botschaft an: Friede.
Interessanterweise hängt das Bild selbst an einem Gitter. Dieses Gitter ist fest im Mauerwerk verankert. Ich kann zwar das Fenster öffnen, aber niemand kann dort einbrechen. Das Bild selsbst verstärkt sozusagen noch das Gitter. Hier kann niemand mehr durch. Verriegelt und verrammelt. Direkt hinter dem Gitter sieht man noch ein zusätzliches Brett. Sichtschutz, damit niemand hineinschauen kann.
Ich sehe also ein Bild mit einer Botschaft von einem Wunsch nach Frieden. Ich sehe das Bild mit dem Wunsch nach mehr Offenheit an einer Stelle, die sehr verschlossen wirkt. Da gibt es die großen Worte im Leben: Friede, Liebe, Hoffnung, Menschenrechte. Damit lassen sich großartige Reden schwingen.
Überprüfe die Wörter, Sätze und Bilder. Magst du sie glauben? Was steckt dahinter? Manchmal musst du genauer hinsehen! Ach ja! Da redet so ein Verschlossener über Offenheit. Da spricht ein Politiker mit der geschlossenen Faust über den Frieden.
Eine Konsequenz? Einfach nur mehr Aufmerksamkeit. Hinterfrage, was du hörst und siehst. Manchmal gibt es mehr Wunsch und Schein als Realität.
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Samstag, 11. Juni 2016

Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit (afrikanisches Sprichwort)


"Hast du mal einen Augenblick Zeit für mich?" Die Alarmglocken im Kopf klingeln. Hoffentlich dauert das nicht so lange! Eigentlich habe ich keine Zeit! Wenn es wirklich nur ein Moment ist! Da folgt mit Sicherheit ein Rattenschwanz!
"Die Europäer haben die Uhr." Ich habe einmal darüber nachgedacht, wie viel Uhren ich besitze. Dazu zähle ich auch die Zeitlesemöglichkeiten im Computer, auf dem Handy und im Auto. Ich komme auf 12 Möglichkeiten, in meinem Haushalt die Uhr abzulesen.
Nur im Urlaub, dann verbanne ich alle Uhren. Es besteht kein Drang und keine Notwendigkeit, darauf zu schauen. Ich erschrecke mich! Im Unterschied zum Urlaub diktiert die Uhr meinen Lebensalltag. In einer Stunde musst du da sein, um soundsoviel Uhr kommt der und der. Die Woche ist eine Aneinanderreihung von Uhrzeitterminen. Damit ich alles gut koordinieren kann muss ich die Uhr im Blick haben. "Ich habe eine Stunde Zeit für Sie!" "Ah, die Zeit ist leider abgelaufen. Wir müssen jetzt das Ende in den Blick nehmen!"
Ich ertappe mich bei dem Gedanken: "Die Uhr ist mein Gott!" Und ebenso:" Die Uhr ist mein Sklavenhalter!" Das afrikanische Sprichwort kann ich nachvollziehen. Wir Europäer haben wirklich die Uhr!
Wie mag es sich wohl anfühlen mit meinem Bild von Afrika, wenn ich wirklich die Zeit habe und nicht die Uhr? Ich setze mich hin und bin ganz da! Ich bekomme Besuch und bin ganz da. Ich bin so lange da, wie mein Besuch da ist und ich da bin.
Ich sitze auf der Bank und staune über das Leben und über alles, was ich sehe. Ich bin da! Ich vergesse die Zeit und was noch wichtiger ist: Ich habe kein Bedürfnis, auf eine Uhr zu schauen! Wozu auch? Ich bin doch ganz da! Beim Lesen, beim Essen, bei meiner Gesprächsrunde, wo auch immer...
Ich wünsche dir die Weisheit dieser afrikanischen Erfahrung - ganz ohne jede Uhr mit ganz viel Zeit!

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Freitag, 10. Juni 2016

Bist du nachtragend?


Wenn du nachtragend bist, dann tägst du etwas nach.
Es hat dich jemand gekränkt und diese Kränkung lastet wie ein schweres Gewicht auf deinen Schultern. Du bist betrübt und geknickt. Du kannst nicht vergeben und vergessen. Du magst nicht verzeihen. Du bist nicht einmal in der Lage, diese Kränkung einfach loszulassen.
Du gehst dem Menschen hinterher, der dich gekränkt hat, und erwartest eine Entschuldigung. Oder wenigstens eine Erklärung. Dabei trägst du das Geschehene weiter mit dir herum. Du trägst es nach! Du bist nachtragend!
Du bestrafst dich damit doppelt. Du empfindest den Schmerz der Kränkung und trägst sie zugleich weiter mit dir herum. Das ist so, als ob du einen Teebeutel immer wieder neu ins Wasser hältst. Die erste Kränkung hat dein Gegenüber verursacht. Schimpf und Schande über ihn! Aber die zweite und dritte Kränkung verursachst du selber, indem du das immer wieder aufwärmst. Du bist halt nachtragend! Du kannst es nicht loslassen! Du möchtest erst loslassen, wenn die Entschuldigung kommt. Was ist, wenn sie nicht kommt? Nie? Würdest du ewig warten?
Frage dich mal, wie viele Lasten du unsichtbar mit dir herumträgst. Die Kränkungen, die du im Laufe des Lebens angesammelt hast. Eltern, die dich verletzt haben. Freunde, die dich im Stich gelassen haben. Arbeiten, die dir nicht gelungen sind und für die du dich immer noch schämst. Hast du eine Ahnung davon, wie stark du nachträgst? Stell dich doch mal gedanklich auf deine Emotionswaage und spüre nach, wie schwer du bist. Wer soll dir diese "Nachtragelast" abnehmen, die dich drückt. Die schon ins Unterbewusstsein abgertuscht ist. Also weg von den Schultern hin zum Klotz am Bein? Wer soll dir das abnehmen?
Ich habe festgestellt, dass ich das selber machen muss. Das ist mein Job. Den kann niemand anders machen. Es ist eine Last auf meinen Schultern. Ich habe sie aufgenommen und nicht wieder abgegeben. Dass die Kränkung für eine Zeit da ist scheint mir in Ordnung zu sein. Aber wann kommt der Zeitpunkt, aus der Krändkung auszusteigen? Mag ich ihn selber bestimmen? Nach dem Motto: Jetzt ist es genug!
Du magst denken, dass das nicht geht. Das Gefühl sitzt so tief. So tief! Ja, das stimmt. Aber du erzeugst dieses Gefühl selber. Immer wieder. Du beginnst mit einem Gedanken. Du lässt die Bilder in deinem Inneren entstehen. Immer wieder neu! Hör auf, diesen Gedanken weiter zu denken. Du packst ja auch nicht ins Feuer, weil du weißt, dass du dich dort verbrennst.
Die Aufgabe lautet: Übe dich ein in Selbstfreundlichkeit! Sei gut zu dir und mute dir nicht diese nachtragenden Lasten zu. Du bist es dir selber wert, ein Sonnenmensch zu sein oder wieder zu werden, wenn du zum Schattenmenschen geworden bist. Und? Welche Last möchtest du loslassen? Jetzt!
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Donnerstag, 9. Juni 2016

Du kannst auch durch das Leben humpeln!

Sei stets motiviert!
Geh aufrecht!
Nimm das Leben im Sturm!
Sei gut drauf!
Immer!

Wir leben in einer Welt der Superlative. Alle muss immer wunderbar und supertoll sein. Auf die Dauer wird das ganz schön anstrengend. Die Welt funktioniert nicht immer nach diesen Gesetzen. Du hast wunderbare sonnige und erfüllte Tage. Dafür darfst du dankbar sein.
Zugleich musst du aber auch so manche Pille schlucken. Du wirst krank. Eine Freundschaft kommt in die Krise. Deine Beziehung erleidet Schiffbruch. Dein Arbeitsplatz ist bedroht. Du fühlst dich gestresst. Diese Erfahrungen gehören zum Leben auch dazu. Du wirst es nicht mögen. Aber an diesen Erfahungen darfst du wachsen und reifen.
Hast du den Anspruch, dass du immer elegant durch das Leben schreiten musst? Oder gibst du dir dir Erlaubnis, humpeln zu dürfen? Darfst du beim Humpeln gesehen werden? Schämst du dich dafür, dass es alle sehen können? Du humpelst! Na und? Du könntest auch liegen bleiben. Du könntest dich verstecken. Dich zurückziehen und erst wiederkommen, wenn alles wieder heile ist. Das kannst du machen. Du hast die Freiheit.
Wenn jemand zu mir in die Beratung kommt, dann kann schon mal eine Träne fließen. Leider zerfließt damit auch das sorgfältig geschminkte Gesicht. Es kommt zum Vorschein, was darunter liegt. Unter dem schönen Schein! Wer will schon so aufgelöst durch das Leben gehen. Da ist Humpeln noch besser! Hauptsache, das Gesicht wahren!
Ich sehe die Tränen. Den Schmerz. Die Trauer. Und es tut gut, wenn das alles mal rauskommen darf. Du verlierst dadurch nicht an Würde und Wert. Es humpelt vielleicht. Aber du kannst mit Würde humpeln. Mit einem zerflossenen Gesicht. Irgendwann geht ein Ruck durch deinen Körper. "So, jetzt ist es raus!" - "Ich muss mich nicht mehr verstecken und ich stehe zu mir. Das bin ich! So ist es und Punkt!"
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Mittwoch, 8. Juni 2016

Leihst du mir deine Aufmerksamkeit?


Manchmal denke ich, dass ich ganz gut aufmerksam sein kann.
Ich höre gerne zu.
Ich nehme die Vögel vor meinem Fenster wahr.
Ich schmecke intensiv das frische Brot.
Ich spüre auch, ob mein Gegenüber gerade traurig ist.

Doch manchmal bekomme ich so einen gewissen Zweifel.
Wenn mein Gegenüber sagt: Du hast mir gar nicht richtig zugehört.
Wenn meine Partnerin mich fragt, ob ich dieses oder jenes bemerkt habe.
Wenn ich mich nicht daran erinnern kann, ob eine Kundin ein Kleid oder eine Hose trug.
Dann überkommen mich Zweifel.

Bin ich wirklich so aufmerksam, wie ich denke, dass ich aufmerksam bin?
Übersehe ich oft was wirklich wichtig ist?
Viel öfter als ich ahne?
Bekomme ich vielleicht gar nichts so richtig mit?
Tauche ich ab in Tagträume oder klebe fest in Grübelgedanken?

Könntest du mir mal für einen Moment deine Aufmerksamkeit leihen?
Damit ich merke, wie du das machst.
Damit ich den Unterschied wahrnehmen kann.
Damit ich vergleichen kann.
Damit ich lerne, wie Aufmerksamkeit noch einmal ganz anders gehen kann.
Dazu müsstest du mir deine Aufmerksamkeit für einen Moment leihen.

Vielleicht bin ich am Ende doch noch ganz beruhigt.
Wenn ich merke, dass du auch manchmal abschweifst.
Nicht bei der Sache bist.
Versinkst in Grübeleien.
Wenn ich dir dann deine Aufmerksamkeit zurückgebe
könnte ich dir ein feed back geben.
Ich könnte dir zurückmelden, wie deine Aufmerksamkeit bei mir ankommt.

Ich wäre sehr behutsam mit dir.
Damit du nicht erschrickst und dir unnötig Gedanken machst.
Nur weil du nicht so aufmerksam bist, wie du es gedacht hasst.
Traust du dich?
Leihst du mir deine Aufmerksamkeit - nur für einen Augenblick?
Vielen Dank im Voraus!
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Dienstag, 7. Juni 2016

Ich verleihe dir einen Preis!


Ständig werden Preise verliehen.
Oscar, Echo, Grammy, Grimme...
Müssen die Preisträger ihren Preis zurückgeben?
Der Preis wurde ja nur verliehen.

Nun gut, verleihen heißt auch überlassen.
Den Menschen wird also ein Preis überlassen.
Er wird interessanterweise nicht verschenkt, sondern verliehen.
Überlassen für irgendeinen Verdienst.
Einen Preis muss man sich also verdienen.
Man bekommt ihn ohne Arbeitsvertrag oder Absprache.

Warum muss eine Preisverleihung immer mit einer Figur und mit Geld verbunden sein?
Ich könnte doch auch mal so einen Preis verleihen!
Ich kann dir jetzt einen Preis verleihen.
Wie wäre das?
Dafür musst du nichts tun.
Kein Verdienst!
Keine Anreise.
Keine Gala.
Keine Presse.
Niemand wird es erfahren.
Aber du wirst es spüren!

Jetzt, in diesem Augenblick verleihe ich dir meinen Preis.
Ich überlasse ihn dir hiermit ganz feierlich.
Ich verleihe dir den Preis für Selbstfreundlichkeit!
Du bist liebenswert!
Du bist ein Bruder oder eine Schwester!
Du gehörst zu den Menschen dazu.
Ganz selbstverständlich und ohne eine Erlaubnis von außen.
Das kann dir niemand nehmen.
Du hast deine eigene Geschichte.
Du bist einmalig und unverwechselbar.
Du bist total du!
So du wie du ist niemand sonst im ganzen Universum!

Der Preis, den ich dir verleihe besteht aus einem Wort mit zwei Buchstaben.
Beide sind groß geschrieben.
Das Wort kommt nicht von mir.
Ich gebe es nur weiter.
Es kommt von ganz oben und ganz tief unten zugleich.
Um es zu empfangen brauchst du keine Hand.

Öffne dein Herz und ich lege es jetzt hinein wenn du magst.
JA!

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Montag, 6. Juni 2016

Über das geschickte Verpacken von unangenehmen Nachrichten


Ich war vor ein paar Tagne beim Buchhändler.  An der Kasse bezahlte ich meine Waren und die Kassiererin stellte mir die Frage: "Geht das so mit oder brauchen Sie für 20 Cent eine Tüte?" Ich wurde daran erinnert, dass Geschäfte keine Tüten mehr verschenken dürfen.
Die Verkäuferin hätte ja auch sagen können: "Wenn Sie eine Tüte brauchen, dann kostet das 20 Cent extra." oder "Leider müssen wir jetzt für die Tüte 20 Cent berechnen." Ich fand ihren Satz unglaublich geschickt. Eigentlich gab es ja eine negative Nachricht für mich. Ich sollte jetzt für eine Tüte Geld bezahlen, die bislang umsonst war. Sie versteckte die 20 Cent aber so geschickt in ihrem Satz, dass gar kein Mangel bei mir aufkam. Sie war ja ganz besorgt um mich mit der Frage, ob ich auch noch einen Platz für meine Bücher finde. "Geht es so mit?" Klar ging es so mit, ich hatte ja meinen Rucksack. Wenn es nicht gegangen wäre, wäre die Tüte die Lösung gewesen - für 20 Cent. Und das klang so völlig neutral. Ohne Schimpfen auf die Politik. Ohne in ein Mangegespräch zu gehen. Ohne Lamentieren.
Diese Kunst würde ich gerne beherrschen. Negative Dinge so zu verpacken, dass sie zu einem Geschenk werden. "Möchten Sie gerne morgen bei einem anderen Arbeitgeber arbeiten oder benötigen Sie noch diesen Arbeitsplatz für einen geringen Abschlag beim Lohn?"
"Möchtest du gerne ein Eis bei diesem heißen Wetter oder lieber doch das volle Taschengeld am Anfang des Monats?" "Soll ich dir zum Geburtstag einen Kuchen backen oder hättest du doch lieber ein Überraschungsgeschenk?"
Die Kunst des Verpackens von unangenehmen Nachrichten besteht in einem einzigen Wort: "Oder". Wenn ich "oder" sage gebe ich die Möglichkeit zur Auswahl. Auswählen ist immer positiv. Ich habe eine Wahlfreiheit. "Möchtest du lieber verheiratet bleiben oder doch lieber viel Geld für eine Trennung bezahlen?" "Möchten Sie dieses Sonderangebot haben oder doch lieber für 1Euro das Angebot upgraden für die Nutzung der besonderen Funktionen?"
Was die Werbung kann, das kann ich doch auch im Alltag nutzen. "Möchtet ihr, dass ich frisch koche oder lieber das Essen aus der Pommesbude hole bei einer Umlage von 3 Euro pro Person?" Die weiteren "oder" überlasse ich gerne dir. Frohes Verpacken!
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Sonntag, 5. Juni 2016

Armer schwarzer Kater!



Kennst Du dieses Spiel aus Kindertagen? Alle Kinder sitzen im Kreis. Ein Kind in der Mitte spielt den schwarzen Kater und kriecht miauend zu einem Mitspieler. Dabei versucht es, diesen durch Grimassen zum Lachen zu bringen. Das angesprochene Kind im Kreis muss dann sagen: „Armer schwarzer Kater!“ und darf dabei keine Miene verziehen. Wenn es aber lacht, wird der Kater erlöst und die Rollen werden getauscht.
Ich denke mir, dass manche Kinderspiele einen bestimmten Zweck erfüllen. Es geht natürlich zunächst um den Spaß Spielen. Daneben geht es aber zugleich um die Bewältigung von Erlebnissen und Erfahrungen. Ich werde ausgegrenzt und bin traurig. Dann werde ich gerettet und gehöre wieder dazu. Ausgrenzung ist zwar blöd, aber ich muss lernen, mit dieser frustrierenden Erfahrung klarzukommen. 
Mit dieser kleinen Erinnerung an die Kindheit möchte ich dich jetzt gerne einladen, einen neuen Blick auf den schwarzen Kater zu werfen. Das Sprichwort weiß ja schon, dass es Unglück bedeutet, wenn eine schwarze Katze deinen Weg kreuzt. Was mag wohl eine solche Katze selber über diesen Glaubenssatz denken. „Ich will keine Quelle von Unglück sein. Das habe ich nicht verdient!“ Der schwarze Kater befindet sich ähnlich wie das schwarze Schaf in einer „schwarzen“ Rolle, die nicht sehr beliebt ist. Wer möchte schon gerne ausgegrenzt sein und nicht dazu gehören. Im Spiel stellt sich der schwarze Kater ja zusätzlich noch ziemlich dumm an. Statt sein Schicksal zu beklagen spielt er die Rolle des Clowns. Man sieht ihm nicht an, dass er traurig nach einem freien Stuhl im Kreis sucht und dazugehören möchte. Das erinnert mich an die Kinder, die es nur negatives Auffallen schaffen, Zuwendung zu bekommen. Der schwarze Kater miaut und zieht Grimassen in der Hoffnung, dass ein Kind reagiert. „Armer schwarzer Kater!“ Endlich wird er gesehen, der arme schwarze Kater. Endlich begreift jemand, dass hinter dem Feixen und Verstellen eine große Not steckt.
An dieser Stelle verlasse ich das Kinderspiel und betrete die Erwachsenenwelt. Ich möchte nicht in erster Linie dieses Kinderspiel analysieren sondern für das Leben jetzt fruchtbar machen.
So lade ich dich ein zu deinem ganz persönlichen „Armer-schwarzer-Kater-Spiel“. Stell dir doch einmal vor, dass du dich gerade mit einem Arbeitskollegen oder dem Chef gestritten hast. Da hat jemand deine Arbeit kritisiert und sich abfällig geäußert über deine mangelnden Qualitäten. „Das hättest du wirklich besser machen können! So kannst du diese Arbeit nicht abliefern! Das geht ja gar nicht!“
Jetzt bist du geknickt! Du fühlst dich traurig, bist wütend und enttäuscht. Du fängst an dich zu rechtfertigen. „Das stimmt ja gar nicht!“ – „Ich war gar nicht zuständig! Das war ja auch viel zu viel für mich!“ – „Immer hacken alle auf mir herum! Das ist ungerecht!“ Du sitzt in deinem seelischen Abgrund und möchtest dich verstecken mit einem Gefühlsgemisch von Schuld, Verzweiflung, Angst und Scham. Da hast du nun dein dickes Paket von schlechten Gefühlen. Du möchtest es loswerden, aber deine Gedanken lassen das nicht zu. Dann fangen die Grübeleien an. „Hätte dein Kollege nicht...“ – „Hättest du nicht...“ Du gehst die Szene der Auseinandersetzung immer wieder durch. „Und täglich grüßt das Murmeltier!“ Du  kannst nicht damit aufhören, dich wieder und wieder in diese Szene hineinzubegeben. Nie wieder kommst du zur Arbeit. Nie wieder wirst du mit deinem Kollegen sprechen. Du möchtest kündigen aber dann plagen dich die Existenzängste. Du bist nichts, du kannst nichts. Du wirst entlassen und du landest auf der Straße.
Wie gefällt es dir in diesem Abgrund der schlechten Gefühle? Bist du noch bei mir oder schüttelst du jetzt den Kopf! Oder denkst du: „Gott sei Dank habe ich gerade kein solch abgründiges Gefühlskonglomerat!“ Einverstanden! Schüttle mal alle deine eigenen Erinnerungen an solche Zustände ab.
Aber du gibst zu. Das kann manchmal vorkommen. Dein Leben ist gespickt mit kleineren und größeren Krisen und Katastrophen, die dich emotional in den Abgrund stürzen.
Weil du noch nicht erlöst oder erleuchtet bist, musst du klarkommen mit deinen dunklen Flecken, deinen Schattenseiten und deinen traumatischen Erinnerungen an deine Kindheit. „Armer schwarzer Kater!“
Jetzt stell dir noch einmal vor, dass du gerade sehr leidest. Du bist geknickt und du befindest dich im Abgrund. Jetzt gehst du zu einer Freundin, einem Freund, deinem Mann, deiner Frau und erzählst von diesem unglücklichen Ereignis. Vielleicht beginnst du so: „Kannst du mir helfen? Ich habe da ein Problem! Ich bin heute mit meinem Arbeitskollegen aneinandergeraten. Der hat mich so gekränkt und verletzt. Der hat doch glatt behauptet, dass meine Arbeit nicht qualifiziert ist!“
Was macht dein Gegenüber? Oft? Er fühlt natürlich mit dir mit! Und genau an dieser Stelle möchte ich den „armen schwarzen Kater“ einführen. Wenn ich das Wort „Problem“ höre, dann schwingt bei mir sofort ein anderes Wort mit und das heißt „Lösung“. Du erzählst mir von deinem Problem und ich höre: „Gib mir eine Lösung!“  Wenn du ein Problem hast dann glaube ich, dass ich dir Erleichterung verschaffe, wenn ich dir eine Lösung für dein Problem präsentiere. Ich gehe ja davon aus, dass dein Problem nicht mehr existiert, wenn ich eine gute Lösung gefunden habe. Das ist doch logisch, nicht wahr? Logisch schon! Aber nicht hilfreich! Zumindest nicht für den Augenblick.
Bei Paaren erlebe ich es oft, dass die Männer eher Lösungen präsentieren, wenn die Ehefrauen von einem Problem erzählen. Sie sind es gewohnt, in Autos oder Computer zu denken. Das muss ja nur repariert werden, dann funktioniert es doch wieder. Erledigt und gut. Das stimmt auch! Ein Problem sucht nach einer Lösung. Und wenn diese da ist, dann verschwindet automatisch das Problem. Leider funktioniert diese Logik nicht. Sie erweist sich sogar oft als völlig kontraproduktiv. Ich sehe da manchmal die Ehemänner stehen, die ratlos die Welt nicht mehr verstehen. „Da habe ich eine so gute Lösung und meine Frau weist mich ab. Was habe ich nur falsch gemacht!“ Was machen dann die Ehemänner? Sie suchen noch eine bessere Lösung! Und noch eine Lösung! Und noch eine! Das ist das, was sie können. (Wenn ich von Männern spreche, dann meine ich eher den männlich - rationalen Anteil in uns Menschen.)
Warum funktionieren Lösungen nicht? Es gibt doch so wunderbar viele davon! Eine besser als die andere! In uns Menschen sitzt leider nicht nur der rational denkende Verstand, sondern auch das überaus reiche Gefühlsleben. Wenn die Gefühle nichts bekommen, dann setzen sie sich vor jedem Lösungsansatz.
Und genau da möchte ich den „armen schwarzen Kater“ platzieren. Wenn du im emotionalen Abgrund steckst, dann brauchst du keine Lösung, sondern jemanden, der dich tröstet. So einfach ist das! „Armer schwarzer Kater!“ Es braucht ganz viel Raum zum Erzählen, zum Mitfühlen, zum Verständnis haben. Platz für den Ärger, Zeit für die Tränen, Raum für den Frust. Das will alles erst einmal da sein! Das Ausbreiten der Gefühle wünscht sich ein Gegenüber und ein Gehalten Sein, damit es sich auflösen kann. Wenn also jemand zu dir kommt um von seinem Problem zu erzählen kommt es zunächst darauf an, ganz viel Zuwendung und Raum zu schenken. Das ist die Lösung auf der ersten Ebene: „Armer schwarzer Kater!“ Nicht ins Lächerliche ziehen! Kein Spiel daraus machen! Den armen schwarzen Kater würdest du doch auch erst einmal streicheln, ihn trösten oder auf den Schoß nehmen. Wenn die Angst, die Trauer oder die Wut eine Erlaubnis bekommt wird sie satt und dann ist es irgendwann genug.
Unsere Gedanken rotieren immer und ständig. Ununterbrochen setzen wir sie Minute für Minute fort. Die Gefühle verhalten sich anders. Du fühlst die Angst, wie sie kommt. Du lässt sie zu und in dir wirken. Die Angst schwillt an, erreicht ihren Höhepunkt und löst sich wieder auf. Die Gefühle kommen in Wellen. Aber wehe, wenn der „arme schwarze Kater“ keinen Raum bekommt! Er bleibt sitzen oder wirkt im Untergrund weiter.
Für die rationalen und lösungsorientierten Menschen erfolgt hier ein wichtiger Hinweis. Deine Lösungen sind sehr gefragt. Die erste Lösung jedoch lautet: Fühle mit dem armen schwarzen Kater so lange, bis er satt ist. Vielleicht ist dann schon gar nichts mehr zu tun. Der „Kater“ war nie an einer pragmatischen Lösung interessiert. Der „Kater“ brauchte nur deinen Trost. Mehr nicht!
Jetzt möchte ich mit dir noch kurz auf den schwarzen Kater selbst schauen. Wie schafft es der Kater, dass er keinen Trost bekommt, obwohl er ihn gerne hätte?
Der Kater geht zum Tröster und sagt: „Ich habe da ein Problem. Weißt du eine Lösung?“ Der Kater inszeniert selber, dass er nicht getröstet wird. Er könnte ja auch sagen: „Ich bin traurig! Ich bin wütend! Ich bin frustriert! Kannst du mich trösten? Hältst du mich für einen Moment! Darf ich mich bei dir ausjammern?“ Wenn der „arme schwarze Kater“ das täte, wäre es für das Gegenüber viel leichter.  Das Gegenüber wüsste sofort, dass Lösungen auf der rationalen Ebene nicht gefragt sind.
In den Evangelien wird erzählt, dass Jesus die Menschen heilte. Wie hat er das gemacht? Manchmal wird beschrieben, wie er sich vor der Heilung innerlich emotional erregte. Jesus fühlte also zuerst einmal mit. Wir verstehen seine Handauflegungen heute eher wie ein Ritual. Dahinter steckt aber die Grunderfahrung einer körperlichen Zuwendung. Er hätte auch sagen können: „Komm in meine Arme!“ oder „Komm auf meinen Schoß!“ Wenn im Evangelium steht: ‚Er legte ihm die Hände auf.’ dann klingt es halt ein wenig erwachsener und wir können es leichter akzeptieren.
Und jetzt zu dir, du „armer schwarzer Kater!“ Wie geht es deinem Seelchen?  Ist bei dir alles gut? Bist du zufrieden? Oder fühlt es sich gerade bei dir leicht an? Wenn ja, ach wie schön! Und wenn nicht? Zu wem könntest du jetzt gehen? Wem magst du dich anvertrauen? Wer kann etwas dafür tun, dass es wieder ein wenig leichter wird? Nur zu!
Der arme schwarze Kater ist übrigens nicht nur „arm“. Im Grunde seines Herzens ist er ein stolzes Tier! Voller Anmut, Schönheit, Kraft und Stärke. Im Kater steckt ein König, der sich nur manchmal wie ein Bettler fühlt. So wechselt das bei uns Menschen ständig. Vom „armen schwarzen Kater“ zur „stolzen schönen Katze“ und zurück.

Freitag, 3. Juni 2016

Leih mir deinen Mann!


"Leih mir deinen Mann" so hieß eine amerikanische Filmkomödie von 1964 mit Jack Lemmon und Romy Schneider. Betrachten wir einmal nicht den Inhalt des dazugehörigen Romanes.
Ich bleibe mit dir bei der Idee. Die Idee wäre nicht schlecht, sich einen Ehemann oder eine Ehefrau ausleihen zu können. Es würde mir nicht darum gehen, Klischees zu bedienen nach dem Motto: Eine Frau zum Bügeln oder einen Mann zur Reparatur der Waschmaschine.
Wenn du in einer festen Beziehung lebst, dann bist du nun mal in einer festen Beziehung. Da genießt du die Anteile der Freude, was sehr schön ist. Du lebst aber auch mit den Teilen, die du nicht so magst. Du besitzt bestimmt genug von diesen Schattenteilen und deine Partnerin in deiner subjektiven Wahrnehmung erst recht und vielleicht sogar noch viel mehr als du. An schlechten Tagen siehst du womöglich nur die Unmöglichkeiten deiner festen Beziehung. Wie schnell kann das Leben da zur Hölle werden. Du wünschst dir den Partner auf den Mond - aber er bleibt einfach da sitzen. Du kannst es dir nur wünschen, mehr nicht!
Jetzt stell dir einmal vor, es gäbe eine Agentur, wo du dir einen Mann oder eine Frau ausleihen könntest. Gegen eine Gebühr, eine Leihgebühr. Mit diesem Leihmenschen verbringst du eine fest abgesprochene Zeit für ein fest vereinbartes Ereignis. Der Leihmensch will schließlich auch wissen, worauf er sich einlässt.
Du würdest dich vom Leihmann oder von der Leihfrau überraschen lassen. Du hättest keine überzogenen Erwartungen. Du würdest ihn oder sie einfach so annehmen und wissen: Am Ende geht er oder sie zurück ins eigene Leben. Du würdest dich entspannt zurücklehnen und die Zeit genießen. Du könnstest diesen Menschen bei Erfolg erneut leihen oder wegen der Abwechslung auch jemand anderen. Du würdest mit vielen Menschen viele bunte Erfahrungen sammeln. Der Frust der Zahnpastatube würde nicht mehr stattfinden. Nie wieder!
Leider oder Gott sei Dank gibt es eine solche Agentur nicht. Zumindest nicht in meiner Wohnnähe. Aber ich möchte dir gerne einen Vorschlag machen. Betrachte deine Partnerin oder deinen Partner doch mal selbst als Leihmenschen. Diesen Menschen hast du dir irgendwann ausgesucht für eine feste Beziehung. Wenn du in diesem Menschen einen Leihmenschen siehst, kannst du dich entpannt zurücklehnen. Du leihst ihn dir aus, wenn er mag und wenn du magst. Und wenn einer von euch nicht mag, geht ihr für eine Zeit euren eigenen Weg.
Du hast diesen Menschen geliehen. Er gehört dir nicht. Er gehört sich selbst. Du gehörst dir auch selbst. Wenn jemand dich ausleiht kannst du den Leihausweis verlängern und dich dir selbst zurückgeben.
Dein Dasein auf dieser Welt ist im Übrigen auch nur geliehen. Du weißt nur noch nicht, wann du es zurückgeben musst. Leihen könnte für dich so etwas werden wie eine Grundhalung. Ein Leiher hält nicht fest, sondern gebraucht und gibt zurück. So bleibt dein Koffer leicht und du kannst mit leichtem Gepäck reisen. Wenn du leihst, dann passt du auch gut auf deine Sachen auf. Du willst sie ja unbeschädigt zurückgeben und nicht Strafgebühren zahlen. Deinen Leihmenschen an deiner Seite solltest du auch gut behandeln. Nicht dass du irgendwann Strafgebühren zahlen musst für die Schrammen und Wunden, die du verursacht hast. Pass also schön auf deine Leihmenschen auf! ;-)
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Donnerstag, 2. Juni 2016

Ich verleihe Sinn!


Darf ich dir meinen Sinn verleihen?
Ich meine nicht meine Sinne. Auch nicht die Mehrzahl.
Deine Sinne gehören dir und meine zu mir.
Ich brauche sie jede Stunde meines Lebens.
Sehen, hören, riechen, schmecken, tasten.
Mit dem sechsten und/oder siebten Sinn finde ich manchmal sogar Sinn.

Darf ich dir meinen Sinn verleihen?
Den richtigen Sinn.
Den Sinn meines Daseins auf dieser Welt.
Darf ich dir meinen Sinn verleihen oder hast du schon einen eigenen?
Herzlichen Glückwunsch!
Vielleicht besitzt du sogar viel Sinn.
Einen richtig fetten.
Vielleicht bist du Lebensretter oder Architekt.
Oder du bist Mutter und das lebenslang.

Oder lebst du den Sinn eines anderen?
Den Sinn deiner Mutter, deines Vaters.
Den Sinn deiner Ahnen.
Den Sinn eines Politikers oder Heiligen.

Hast du dir schon mal Sinn ausgeliehen?
Wenn du mal keinen Sinn im Leben siehst?
Du gehst zum Papst und fragst ihn:
"Leih mir doch mal deinen Sinn!"
Und wenn er das täte, wie würde es dir dann gehen?
Wärest du dann erleuchtet?
Du hättest ja den Sinn des Papstes!

Wenn du den Sinn des Papstes hättest, dann wäre sein Sinn immer noch nur eine Leihgabe.
Es könnte sein, dass sein Sinn bei dir gar nicht funktioniert.
Es ist halt der Sinn des Papstes!
Vielleicht gibt es aber auch eine Explosion.
Die katapultiert dich direkt in den Himmel.
Hör mal! Mit dem Sinn des Papstes?!

Möchtest du mal meinen Sinn ausprobieren?
Du fragst, was mein Sinn ist?
Ob sich das für dich lohnt?
Einer meiner Sinne heißt: Weiterentwicklung.
Ein anderer heißt: Einüben in Selbstfreundlichkeit.

Selbstfreundlichkeit macht total viel Sinn und ist ein lebenslanges Geschäft.
Möchtest du mal für einen Moment meine Selbstfreundlichkeit ausleihen?
Oder lieber doch deine eigene finden!
Vielleicht besitzt du sie schon. Aber hast sie noch nicht bewusst in den Blick genommen.
Dann mal los!
Der Sinn meines Lebens besteht zur Zeit darin, mich in Selbstfreundlichkeit einzuüben.

Die Vögel brauchen das nicht zu üben. Die können das einfach so.
Viele indigenen Völker auch.
Und du? Worin besteht dein augenblicklicher Sinn?
Vielleicht bist du einfach da - und glücklich!
Dann brauchst du keinen Sinn ausleihen.
Das wäre überflüssig wie Fußpilz!
Aber wenn du nicht weiterkommst, dann helfe ich dir gerne!
Melde dich dann mal!

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Mittwoch, 1. Juni 2016

Leihst du mir mal dein Ohr?


Ich wünsche mir gerade nicht, dass du mir zuhörst.
Natürlich wünsche ich mir, dass du diese Zeilen liest.
Damit leihst du mir quasi dein Ohr, denn ich spreche schreibend zu dir.

Also: Leihst du mir mal dein Ohr?
Ich meine das fast wörtlich.
Du sollst dir nicht dein Ohr abschneiden und mir zur Verfügung stellen.
Was sollte ich mit deinem Ohr.
Dir würde das Schmerzen bereiten und ich wüsste nicht, ob du es noch retten könntest.

Leihst du mir trotzdem mal dein Ohr?
Ich meine das so:
Wenn ich virtuell mal dein Ohr leihen würde,
dann könnte ich mit deinen Ohren hören.
Dann wüsste ich hautnah, wie meine Worte bei dir ankämen.
Was sie in dir auslösten.
Ich könnte deine Gefühle fühlen.
Du müsstest mir nichts erzählen und ich wüsste, wie es sich in dir drinnen anfühlte.

Ich würde mitverfolgen können, wie meine Worte in dir sich ihren Weg bahnten.
Vor allem könnte ich dann vergleichen.
Ich könnte vergleichen, wie ich höre und wie du hörst.
Vielleicht funktioniert deine Akustik viel besser.
Du hörst die hellen Töne präziser?
Ich die tiefen Töne tiefer?
Wenn du dich gekränkt fühltest wüsste ich, wie tief dein Schmerz reichte.

Ich könnte mich wundern, dass ich bei wenig Schmerz schon ordentlich jammern würde
und du bei ganz tiefem Schmerz noch tapfer lächeltest.
Ich würde sofort mitbekommen, wann es genug wäre und mit meinen Worten aufhören.
Ich glaube, das mache ich jetzt mal.
Danke fürs Ausleihen!

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