Samstag, 30. März 2019

Auch die stillen Katastrophen verdienen unsere Aufmerksamkeit


In den Medien erscheinen ständig die lauten Katastrophen. Krieg in Syrien, Konflikte in der Ukraine. Flüchtlingsströme in Europa. Lautstarke Auseinandersetzungen um den richtigen Weg in der Politik.
Diese Medienberichte nerven mich zunehmend. Es geht immer um die, die sich lautstark bermerkbar machen können.
Ich möchte hinweisen auf die stillen Katastrophen. Von denen spricht kaum jemand. Da muss ich lange im Internet suchen, bis ich Informationen dazu finde. Die öffentlichen Medien ersparen sich diese. Ich spreche von den vielen Millionen, die nicht genug zum Leben haben, die verhungern. Ich spreche von der ungerechten Verteilung des Wassers und der Vorstellung, Rechte darauf erwerben zu können. Ich spreche von den indigenen Völkern, denen man immer noch das Land stiehlt. Ich spreche von den Menschen, die jeden Tag mehrere Jobs bedienen und dennoch ihre Familien nicht ernähren können. Ich spreche von der zunehmenden Zubetonierung unseres Planeten. Ich spreche von den überflüssigen Konsumgütern und den Nahrungsmitteln, die wir wegwerfen. Ich spreche davon, dass wir in unserer aufgeklärten und superzivilisierten Gesellschaft es nicht hinbekommen, die Güter der Welt gerechter zu verteilen. Ich spreche von den Kindern, die vom Elternhaus und vom sozialen Umfeld her zu wenig Möglichkeiten erhalten, sich persönlich entfalten zu können. Ich spreche von all den Katastrophen, die nicht medienkonform sind. Vielleicht bedrohen diese unseren Planeten viel mehr als die "lauten" Katastrophen, über die jeder spricht und über die jeder noch wieder etwas besseres weiß. Im alten Rom hat mit mit Brot und Spielen die Bevölkerung von den eigentlichen Problemen abgelenkt! Was sind heute Brot und Spiele?
Und mich erschreckt, dass ich von vielen stillen Katastrophen nichts weiß! Sie ereignen sich und niemand hat eine Ahnung davon. Ich werde mal meine Antennen ausfahren. Meine Augen und mein Herz sensibilisieren! Das Spiel ist übrigens vertraut. Schon in der Schule wurden die stillen Kinder nicht bemerkt. Sie rutschten irgendwie dadurch. Die stillen und so wertvollen Kinder, die etwas mehr Beachtung und Aufmerksamkeit verdient hätten, weil auch sie Menschen sind.
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Freitag, 29. März 2019

Es ist besser, das zu überschlafen, was du zu tun beabsichtigst, als dich von dem wachhalten zu lassen, was du getan hast. (Igbo)




Bevor du eine Entscheidung triffst, von der Glück oder Unglück anderer Menschen abhängt, schlaf mal eine Nacht drüber. Nicht alles muss sofort entschieden werden. Bedenke alles, wiege es hin und her und dann lass es wieder los. Schiebe es in den kosmischen Brutkasten und belass es dort für eine Weile.
Wenn du zu schnell handelst und dabei Menschen verletzt oder kränkst, nur weil du es zu eilig hattest, musst du den Preis der schlaflosen Nächte zahlen.
Die Art deiner Nächte kann ein wichtiger Hinweis sein, wie gelassen du mit deinem Leben umgehst. Kannst du gut loslassen? Deine Gedanken, deine Pläne, dein möglicherweise schlechtes Gewissen?

Es ist besser, das zu überschlafen, was du zu tun beabsichtigst, als dich von dem wachhalten zu lassen, was du getan hast.

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Donnerstag, 28. März 2019

Du, meine Königin!


Die Königin von England - für mich unerreichbar!
Die Königin aus dem Märchen - weit weg!
Die Königinnen aus vergangenen Zeiten - längst gestorben!
Echte Königinnen kann ich mich nur virtuell nähern oder auf dem Papier.
Im Märchenbuch, in einer Zeitschrift, im Traum und im Internet!

Was nützt mir eine solche Königin?
Eine, die nur die Sehnsucht entfacht und mich hungrig stehen lässt!
Eine, die mir das Gefühl vermittelt, dass ich nur ein Bettler bin!
Eine, die in ihren Kreisen verkehrt ohne Kontaktmöglichkeiten zu den meinen!
Wozu brauche ich eine solche Königin?

Wenn ich mich von den Traumwelten verabschiede und aufwache...
Wenn ich den Alltag wirklich wahrnehmen mag...
Wenn ich mein Herz öffne für das, was ist...
Wenn ich nicht mehr die Taube auf dem Dach ganz besonders hoch einschätze...
Wenn ich die Wärme des Spatzes in meiner Hand voller Freude spüre...

Dann bin ich bereit für die Königin des Alltags!
Die Königin für jeden Tag!
Die Königin für die Stunde, wo ich sie brauche!
Die Königin in ihrem inneren Reichtum und in ihrer Armut zugleich!
Die Königin für das Teilen einer Tasse Kaffee!
Und die Königin für einen Spaziergang Hand in Hand...

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Mittwoch, 27. März 2019

Du wunderbares Einzelstück!


Immer wieder finde ich sie: Die Einzelstücke! Dieser Pullover ist ein Einzelstück. Er wurde nur einmal hergestellt. Diese Skulptur ist auch ein Einzelstück!
Auf Weihnachts- oder Handwerksmärkten finde ich Stände mit lauter Einzelstücken. Jeder Kuchen, den ich backe, ist ein Einzelstück. Einzelstücke heben sich aus der Masse des Gewöhnlichen hervor. Da steckt ein unglaublicher Reichtum drin! Eine kreative Idee. Sorgfalt. Zeit. Geduld. Kompetenz. Inspiration. Handwerkliches Geschick. Gedanken. Ideen. Schweiß. Ärger. Widrigkeiten. Freude. Liebe. Ganz viel von der Persönlichkeit des Schöpfenden.
Im Einzelstück offenbart sich der Schöpfer, die Schöpferin! Jedes Einzelstück ist ein Hinweis darauf, dass die Massenwaren uns noch nicht völlig überflutet haben. Jedes Einzelstück gibt ein Zeugnis von Einmaligkeit, Unverwechselbarkeit und Originalität.
Mehr noch als jeder Schrank, jede Skulptur, jeder Kuchen und jedes Bastelstück. Mehr noch als jedes Haus und jedes Kleidungsstück oder sonst von Menschen geschaffenes Objekt bist du ein Einzelstück. Du bist ein Einzelstück in hoher Potenz. In einer anderen Dimension. Nicht von Menschenhand gestrickt, aber dennoch mit Idee und unglaublicher Präzision. Du bist ein unglaubliches Einzelstück.
Wenn nicht schon Eines an meiner Seite wäre, das mein Leben ausfüllt, würde ich dich wählen. Weil auch du ein so kostbares Einzelstück bist. Für dich ließe ich alle meine "materiellen Einzelstücke" liegen und stehen. Sie kommen mir bedeutungslos vor, wenn ich dich anschaue. Du Einzelstück! Du geheimnisvolles Etwas! Du Unbegreifliches! Du Wunder! Du Wundervolles!
Und? empfindest du dich aus so? Oder liebst du deinen "einmaligen Strickpullover" mehr als dich selbst! Du und ich, wir sind beide unglaubliche Einzelstücke! Happy day!
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Dienstag, 26. März 2019

Freunde, die wie Sterne sind!

Freunde sind wie Sterne; du kannst sie nicht immer sehen, aber sie sind immer da.
Das erinnert mich an die Sprüche im Poesiealbum aus Kinderzeiten und die Bedeutung von Freundschaften.
Meine Erfahrung: Freunde sind wichtig! Sie sind oft für mich da und ich für sie. Das tut mir gut und das tut meinen Freunden gut. Freunde sind eine echte Bereicherung im Leben. Eine wichtige Ergänzung zu Familie. Und für Menschen ohne Familie stehen Freundschaften vielleicht an erster Stelle.
Spürst du schon meine kleinen Bauchschmerzen? Ich klebe an dem Teilsatz: "Aber sie sind immer da." Das gehört nicht zu meinen Erfahrungen: Freunde, die immer da sind. Ich bin auch nicht immer für alle meine Freunde da. Oft und gerne, ja! Immer? Nein, das würde mich überfordern. Das schaffe ich gar nicht. Das würde ich von einem Freund auch gar nicht erwarten.
Dann wäre der Freund ja eher so etwas wie der "liebe Gott". Von Freundschaften kann manchmal auch zu viel erwartet werden. Auf einmal ist der Freund nicht mehr so wunderbar zugewandt. Er kümmert sich um seine eigenen Sorgen und Probleme. Er hat genug mit sich selber zu tun. Er ist in einer Phase, wo es ihm schwer fällt, diese Freundschaft zu leben. Freundschaften können durchaus gefährdet sein.
Wie gesagt: Freunde sind toll. Ich wünsche mir und dir genügend Freundschaften für eine sattes Beziehungsleben. Ich wünsche dir und mir aber auch, dass es nicht zu einer Überforderung kommt. Keine Freundschaft wie ewige Sterne am Himmel sondern eher wie etwas Brüchiges und Menschliches auf der Erde - mit Macken und Einschränkungen; mit Pausen und Enttäuschungen; mit Höhen und auch mit echten Tiefen. Und mit einem gelassenen und großen Einverständnis
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Montag, 25. März 2019

Mit dir zusammen ist allein sein schön!

Wenn du deinen Alltag lebst mit vielen Aufgaben, Begegnungen und Erlebnissen kommt keine Langeweile auf. Wenn du nie im Leben auch nur einen Moment mit dir allein bist kannst du etwas vermeiden, was für viele Menschen ganz schrecklich ist. Das Gefühl: "Ich bin allein!"
Du könntest dich jetzt einfach mal hinsetzen und dich diesem Zustand aussetzen, wenn du dich traust! Du setzt dich hin und fängst ordentlich an zu grübeln. Die Menschen an deiner Seite haben nicht oft Zeit für dich. Dein Partner, deine Partnerin versteht dich nur manchmal. Die Freundin und der Freund verstehen dich öfter, sind aber nicht dann erreichbar, wenn du sie dringend brauchst. Dir fällt auf, dass du ganz oft Schwierigkeiten hast, auszudrücken, was du wirklich fühlst und denkst.
Du empfindest deine Arbeit auf den ersten Blick als erfüllend und sinnvoll. Auf den zweiten Blick könntest du aber auch zu der Erkenntnis kommen: Wenn ich sterbe wird es ohne mich weitergehen. Immer die gleiche Routine! Selten wird meine Arbeit gewürdigt!
Du könntest jetzt nach und nach in einen inneren Zustand von Trennung geraten. Kein Mensch ist total und immer für dich da. Den Sinn deiner Arbeit stellst du in Frage. Deine Wohnung besitzt fremde Ecken. Du fühlst dich nicht so wohl in deiner Haut und die Kleidung passt nicht so richtig zu dir.
Wenn du ehrlich bist, so richtig ehrlich mit dir selbst, dann kannst du zu dem Ergebnis kommen: "Am Ende bin ich allein! Spätestens beim Sterben wird es ganz deutlich so sein! Aber in der letzten Tiefe bin ich allein!" Dann kann sich das Gefühl von Einsamkeit, Verzweiflung, Trauer, Depression, Ablehnung und Heimatlosigkeit tief und unendlich ausbreiten.
Du wirst es hoffentlich erfolgreich verhindern, in einen solchen Zustand zu geraten. Der Abgrund ist nicht erstrebenswert. Die größte Gefahr liegt darin, dass du dich dann von allem abgeschnitten fühlst. Es gibt keine Verbindung mehr, auch keine Verbindung zu dir selbst.
Es gibt aber auch den Zustand des "Alleinseins" in der Weise, dass du mit "allem" "Eins" bist. Das steckt auch in dem Wort "All-ein".  Du bist zwar da als einzelne Person, aber in deinem Herzen und deinem Bewusstsein existiert ein sattes Empfinden von Verbindung und Einssein. Dann ist allein sein überhaupt nicht bedrohlich. So kannst du allein im Himmel oder allein in deiner Hölle sein.
"Mit dir zusammen ist allein sein schön!" Ich mag allein sein manchmal als Himmel oder als Hölle empfinden. Als Mensch bin ich kein Einzelwesen, keine Insel. Ich bin eingebunden in ein Netz. Wir Menschen brauchen das. Jemand, der mich hält und den ich halten kann. Körperkontakt, Gespräche, Gesehen werden. Immer wenn das geschieht, dann komme ich in die Wahrnehmung des Hier und Jetzt. "Ah, du bist da. Jetzt! Das tut gut! Das nehme ich wahr. Das macht mich lebendig!"
"Mit dir zusammen ist allein sein schön!" Damit das geschehen kann muss ich meinen Panzer öffnen und die Hand ausstrecken, in Blickkontakt gehen, das Herz öffnen, spüren und wahrnehmen. Wenn ich das nicht mache, dann kann ein Mensch in meiner Nähe sein oder tausend andere. Es geschieht nichts! Ich bleibe einsam und allein - auch unter vielen Menschen! Aber der Satz kann dich wachrütteln. "Hey du, mit dir zusammen ist allein sein schön!"
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Hört man die Worte, ohne die Gedanken zu erfassen, so kann man gerade so gut die entgegengesetzten Worte hören, und es kommt auf dasselbe heraus. Lü Bu We (um 300 - 235 v. Chr)

Mit anderen Worten: Ich verstehe nur Bahnhof. Manchmal höre ich Worte und sie ergeben für mich keinen Sinn. Weil der Text zu kompliziert ist. Zu viele Fremdworte enthält. Oder weil ich gerade müde und erschöpft bin.
Ich habe schon mal Menschen gehört, die zu mir gesprochen haben und ich war so gestrickt, dass ich kein Wort verstehen konnte. Einzelne Wörter schon, aber keinen Zusammenhang. Da rauschten einfach Sätze in mein Ohr und ich konnte sie bei aller Konzentration in keinen Zusammenhang fügen. Dann meldet sich im Inneren eine Stimme die sagt: "Ich verstehe gerade nur Bahnhof. Was ist da los bei mir oder beim anderen." Die Stimme des anderen kann mich in eine solche Trance versetzen, dass ich gar nichts sagen kann. Manchmal kann ich aber auch: "Stopp!" sagen.
Der mir unbekannte chinesische Weise macht mir deutlich dass es Sinn macht, die Worte meines Gegenübers zu verstehen. Sonst kommt alles auf dassselbe heraus. Ein Wortmüll in meinem Kopf. Manchmal jedoch bei einem solchen "Gespräch" kommt doch etwas anderes bei heraus. Ich werde zugetextet und gerate in eine Art Trance. Wenn ich meine Aufmerksamkeit innerhalb der Trance auf mein Gegenüber richte und ich die Frage stelle, was ist unterhalb und jenseits der Worte - dann taucht auf einmal etwas auf. Ein Bild, ein Gefühl, eine Idee. Dann greife ich zu und greife ein. Ich sage das Bild oder mein Gefühl und mein Gegenüber ist überrascht. Ich spreche genau das aus, was er gemeint hat. Ich komme zum Ergebnis: Zuhören wird überbewertet. Hinspüren kann eine wichtige Ergänzung sein.
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Samstag, 23. März 2019

Denke immer nur an die Meile, die vor dir liegt. Nicht an die Meile danach. (aus Dänemark)


Ich erlebe viele Menschen, die versuchen, die Probleme von übermorgen zu lösen. Je größer die Kontrollzone, desto stärker das Gefühl von Sicherheit. Wenn ich mich jetzt schon einstelle auf übermorgen, dann habe ich morgen keine Sorgen. Klingt logisch und sehr fürsorglich mit sich selbst, oder?
Aber wenn ich das Übermorgen vorbereite, dann lauert das Unglück vielleicht in der Zeitspanne nach dem Übermorgen. Also auch diese Meile noch bedenken und die Meile danach. Ich sollte mein Leben bis zum letzten Tag bedenken, dann bin ich total sicher, oder?

Ich wäre nur noch mit Vorbereitungen für irgendein Morgen beschäftigt. Ich würde gar nicht mehr leben! Mein Leben wäre voll ohne dass ich leben würde. Denke immer nur an die Meile, die vor dir liegt. Nicht an die Meile, die danach kommt. Händel dein Leben in überschaubaren Portionen. Die Meile, die du jetzt gerade gehst. Die Aufmerksamkeit für diesen Schritt. Für diesen Augenblick. Lebe jetzt!

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Freitag, 22. März 2019

Die Ohren sind meistens Zeugen ohne Einladung. Von den Bantu

Ich höre so viele Dinge, die nicht für mich bestimmt sind. Meine Ohren hören es und haben keine Einladung bekommen. Es wäre gut, wenn ich alles Gehörte filtern könnte. Habe ich eine Einladung oder keine. Wenn es keine Einladung gibt habe ich dort nichts zu suchen. Nicht für mich bestimmt! Die Party findet mit anderen statt, aber nicht mit mir.
Wenn da nicht die Neugier wäre. Wenn da nicht die Sorge wäre, dass da über mich gesprochen wird. Wenn da nicht die Angst wäre, dass da was gegen mich läuft. Meine Ohren sind ständig dabei. Ich kann sie nicht verschließen. Aber ich kann mit ihnen sprechen. "Hallo Ohren! Herein darf nur, wer eine Einladungskarte hat. Ohne Karte kein Eintritt!" Die Einladungskarte vergibt mein Bewusstsein. Ich treffe eine Entscheidung. Da gibt es einen Regisseur in mir, der sagt, wer mitspielen darf und wer nicht.
Ich könnte ungewollt zu einem Geheimnisträger werden. Ich könnte heimlich mächtiger werden und mich wichtiger fühlen. Aber das würde nur mein Ego aufblasen und mehr nicht. Je mehr ich ohne Einladung in mich aufnehme, desto mehr Müll sammelt sich an und verhindert, dass ich zu dem komme, was zu mir gehört. Im Hören kann ich einen Unterschied machen. Was zu mir gehört willkommen. Was nicht zu mir gehört bleibt draußen!
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Donnerstag, 21. März 2019

Gibt es ein Ohr so fein, daß es die Seufzer der welkenden Rose zu hören vermöchte? Arthur Schnitzler (1862 - 1931)

Ich hätte gerne ein so feines Ohr, dass ich das Seufzen der Rose hören könnte, wenn es welkt.
Ich hätte gerne ein so feines Ohr, dass ich die Zwischentöne meines Gegenübers hören könnte.
Ich hätte gerne ein so feines Ohr, dass ich das Gemeinte hören könnte im Gesagten.
Ich hätte gerne ein so feines Ohr, die Klarheit der Gefühle in meinem Inneren wahrzunehmen.

Meine Ohren sind leider so, wie sie sind. Ein wenig eingeschränkt in der Wahrnehmung. Ich höre nicht alles, verstehe nicht alles oder auch anders als gemeint. Ich bin nicht sensitiv genug, das leise Seufzen meiner welkenden Rosen zu hören. Aber ich gebe mir Mühe. Ich weiß um das Seufzen von der Welt um mich herum. Manchmal kann ich die Rosen trösten und manchmal eben nicht. Ich wünsche allen welkenden Rosen auf der Welt, dass ihr Seufzen in einen Raum von Liebe fällt.
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Mittwoch, 20. März 2019

Das Auge führt den Menschen in die Welt, das Ohr führt die Welt in den Menschen ein. Lorenz Oken (1779 - 1851)

So erlebe ich unsere Wirklichkeit. Ständig bekommt das Auge Futter. Ich sehe Menschen, Straßen, Häuser und Pflanzen. Ich sehe aber auch Geschäfte und Werbebotschaften. Ständig drängt sich mir etwas auf. Schau mich an! Schau hin! Bilder über Bilder. Der Bewegungsimpuls lautet: Komm zu mir und schau mich an. Eine Bewegung von mir weg und hin zu dem, was ich sehe. Und weil die Welt mir immer wieder neue Bilder entgegenwirft ist mein Auge ständig herausgefordert. Erst, wenn ich die Augen schließe, tritt eine Pause ein. Welche Erholung! Aber so ist das Auge und das Sehen gestrickt.
Das Ohr hat eine andere Aufgabe. Da kommt die Welt zu mir. Ich muss nichts aktiv machen. Ich kann sitzen und abwarten. Und ich kann mich entscheiden, was ich einlasse und was draußen bleibt. Die Eindrücke beim Hören sind stiller, einfacher, klarer. Bei einem Vortrag höre ich Wort für Wort. Ich kann bei einem Satz verweilen und die anderen Sätze ausschalten. Auf eigenartige Weise ist das Sehen laut und das Hören leise. Ich kann die Ohren nicht verschließen. Sie sind mein ganzes Leben lang geöffnet. Die Ohren geben mir den Hinweis, dass die Welt zu mir kommt. Dabei kann ich ruhig sitzen und mich entspannen. Ich muss nichts aktiv machen. Mit den Augen gehe ich in die Welt. Mit den Ohren kommt die Welt zu mir. Das Sehen kann zur Zerstreuung führen, das Hören in die Sammlung. Wir könnten wieder stärker Hörende werden und diese Qualität neu entdecken.
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Dienstag, 19. März 2019

Leg' ein Ohr auf die Erde – dann ist das andere für den Himmel offen.

Ein interessanter Gedanke. Hörst du horizontal oder vertikal? In der aufrechten Position hören wir ja horizontal. Wir bekommen mit, was wir auf Augenhöhe sehen. Wir sehen und hören. Oder wir hören und schauen hin und die Ohren sind parallel ausgerichtet. Oder wir hören von rechts oder von links. Wie prägt das unser Bewusstsein? Machen wir es wie die Hasen? Wir richten unsere Ohren aus auf mögliche Gefahren? Wir hören ein Auto und passen auf, dass es uns nicht erwischt. Wir hören einen Menschen und achten darauf, ob seine Stimme uns gegenüber aggressiv ist. Wir sind aber auch ganz Ohr bei einem Gespräch. Auf Augenhöhe höre ich hin, was mein Gegenüber mir sagt.
Was verändert sich jedoch, wenn ich vertikal höre. Mit einem Ohr an der Erde und mit dem anderen Ohr in den Himmel? Wie ein Indianer nutze ich die Erde selbst als Übertragungsmittel. Da klingt es vielleicht dumpfer, entfernter und verschwommener. Ich höre die Stimmen aus der Erde und das Gras wachsen. Ich höre die irdischen Dinge.
Und ich habe die Möglichkeit, die himmlischen Botschaften zu hören. Mit einem Ohr bin ich nach oben hin ausgerichtet. Ein Ohr frei haben für den Himmel! Das ist wohl die Botschaft des Tages. Im horizontalen und vertikalen Hören habe ich vier Ohren. Drei davon sind der Erde zugewandt und ein Ohr dem Himmel. Eine irdische Übermacht. Da können himmlische Botschaften schnell untertauchen. Ich stelle mir vor, dass ich mich einfach auf das vertikale Ohr ausrichte. Die anderen drei Ohren verschließe ich und richte mich nur auf das vierte Ohr aus. Was würde ich da hören? Ich bin überzeugt davon, dass ich im vertikalen Hören vor allem Herzensbotschaften empfange. "Wie schön, dass es dich gibt."
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Montag, 18. März 2019

Wenn du gut hinhörst, wird immer irgendwo ein Vogel singen.

Im Hintergrund nehme ich viele Geräusche wahr. Ich sitze und lese inmitten von einem Geräuscheteppich. Wenn ich auf mein Buch achte bekomme ich nur mit, dass da etwas mein Ohr erreicht, aber nicht was genau. Es it halt mehr oder weniger laut oder leise. Wenn es zu laut wird kann ich mich nicht mehr konzentrieren. Oder auch wenn plötzlich eine Stimme besonders laut wird fällt mir die Konzentration immer schwerer.
Ich kann mich aber auch hinsetzen und gezielt hören. Ich möchte jetzt den Autos zuhören, die vor meiner Tür vorbeifahren. Je länger ich lausche, desto mehr höre ich die Unterschiede. Jeder Motor klingt anders. Ich kann mich auch entscheiden, ein bestimmtes Geräusch hören zu wollen. Ich kann sitzen und warten bis ich den Ruf eines Kindes höre. Dann bin ich im Hören ausgerichtet.
Vielleicht muss ich auf ein Kind lange warten. Aber auf einen Vogel wahrscheinlich nicht. Draußen fliegen "noch" immer irgendwo Vögel herum und melden sich ab und zu. Wenn ich also einen Vogel hören möchte werde ich sehr wahrscheinlich nicht so lange warten müssen.
Ein schönes Bild für den Umgang mit der Zuversicht. Bist du im Alltag zuversichtlich? Dass du dein Arbeitspensum schaffst. Dass es noch genug Kaffee im Schrank gibt. Dass deine Kräfte reichen. Dass du deine Ziele erreichen wirst. Dass du deine Freundschaften aufrecht erhalten kannst. Wie zuversichtlich bist du? So zuverlässig, wie du von irgendwo her einen Vogel hören kannst so zuverlässig kann deine Zuversicht sein. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass es eine Lösung gibt. Du weißt noch nicht welche, aber es gibt eine im Universum.
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Samstag, 16. März 2019

Jeder möchte mal ankommen!

Diese Wirklichkeit stimmt mich traurig. Menschen müssen ihre Heimat verlassen. Sie werden vertrieben und verjagt. Sie haben Angst um ihre Existenz und suchen Sicherheit in einem ihnen fremden Land.
Menschen auf der Flucht existieren seit es Menschen gibt. Das ist bedrückend! Ich bin in einem Dorf groß geworden, wo die Flüchtenden aus dem Osten ihre neue Heimat gefunden haben. In meiner Kindheit hießen sie pauschal: "Flüchtlinge". Sie werden bis heute so genannt von der "Urbevölkerung", den "Herkunftsmünsterländern", auch noch nach mehr als fünfzig oder sechzig Jahren. Mich stört das Wort. "Flüchtlinge" bezeichne ich mit meinem Wortschatz lieber als "Menschen auf der Flucht" oder "Flüchtende". Ich finde es wichtig, sorgsam und so gut wie es geht mit der Sprache umzugehen.
Es gibt viele Worte mit "...ling" die festlegend und einschränkend sind. "Winzling", "Säugling", "Hänfling", "Sträfling". Ein Mensch kann klein sein, aber in ihm steckt mehr. Ein Mensch mag eine Strafe absitzen, aber er ist mehr. Ein Säugling mag an der Mutter der Brust saugen, aber er ist mehr.
Wir sind also mehr als "...linge". Ein sogenannter "Flüchtling" kommt aus einem ganz konkreten Land, hat ein ganz konkretes Geschlecht und Alter. Er und sie ist ein Mensch auf der Flucht. Und er flüchtet im Augenblick, vorübergehend. Nach der Flucht wird er ankommen und nicht mehr flüchtend sein.
So ganz nebenbei: Ich bin auch ein "Flüchtender" in bestimmten Situationen! Ich flüchte manchmal vor Regen, manchmal vor der Sonne und gerne vor übellaunigen Menschen und zerstörerischer Kritik. 
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Freitag, 15. März 2019

Das Unmögliche schaffen!

Manche Aufträge sind einfach unmöglich! Ein Elefant kann nicht auf einem Seil balancieren über einen Abgrund. Das Seil wird ihn nicht tragen. Da steht dann jemand davor oder dahinter und ruft: "Du schaffst das!"
Manchmal betrachtest du eine Anfrage, eine Aufgabe, einen Auftrag und denkst: Das geht gar nicht! Die Voraussetzungen stimmen nicht. Das Geld stimmt nicht. Deine Ressourcen stimmen nicht. Den Auftraggeber mag ich nicht. Ich kann das nicht! Die Summe heißt: Es geht nicht! Und wenn dein Bauch klar und deutlich Nein! sagt, dann verabschiede dich davon. Das war nichts für dich!

Manchmal jedoch bekommst du eine Aufgabe und es schleichen sich viele "wenn" und "aber" ein. Dein Bauch sagt dir: Fühlt sich eigentlich richtig an. Dein Kopf sagt dir: Zu viel, zu schwierig, zu...
Da können sich schnell Hürden aufbauen, die unüberwindlich erscheinen. Auch das wirkt wie ein Seil über den Abrund und du bist der Elefant.

Manchmal hast du nur ein Seil und manchmal gibt es einen breiten Weg. Manchmal erscheint dir der breite Weg aber wie ein Seil und du glaubst, dass du es nicht schaffst. Darum ist folgende Prüfung wichtig: Arbeitest du mit einem festen Weg oder mit einem Seil, das nicht trägt? Bei deiner Prüfung stellt sich vielleicht heraus, dass nur deine Angst den Weg zum Seil gemacht hat oder deine Unzulänglichkeit und deine behindernden Glaubenssätze.

Und manchmal geschieht auch das Wunder. Du gehst einfach los. Du fragst nicht nach Weg oder Seil über den Abgrund. Du gehst einfach. Und es geschieht das Wunder. Du kommst an! Du hast keine Erlärung dafür. Die Logik spricht dagegen. Aber du hast es geschafft!
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Donnerstag, 14. März 2019

... und in der schwärzesten Nacht meines Lebens sah ich Sterne. Carlos Ruiz Zafon


Wenn die Nacht der Seele schwarz ist, dann fühlt sie sich schwarz an. Um mich herum gehen die Lichter aus. Alle Freundlichkeit verschwindet. Die Liebe schleicht sich davon. Die bisher sinnvollen Dinge entleeren sich des Sinnes. Der Prozess erscheint unaufhaltsam, wenn er einmal begonnen hat. Die Dunkelheit wird unaufhaltsam dunkler und die Nacht breitet sich aus.
Was ist, wenn dann der Zeitpunkt kommt, wo nichts mehr ist? Ich erinnere mich an eine Wanderung auf Madeira in einen der dunklen Tunnel. Da gab es einen Tunnel, wo man nach einigen Metern nichts mehr sehen konnte. Der Weg ging ein wenig krumm, so dass der Anfangspunkt nicht mehr sichtbar war und der Endpunkt auch nicht. Kein Lichtstrahl kam an. Ein Moment, wo die Angst sich einschlich und unaufhaltsam durch die Knochen kroch.
... und in der schwärzesten Nacht meines Lebens sah ich Sterne. Das klingt wie eine Verheißung. Wie ein Geschenk. Und bei Zafon war es einfach so. Kein Ratschlag, dass du es auch so erfahren könntest. Er sah Sterne in der schwärzesten Nacht. Manche Sterne kann ich erst sehen, wenn die Nacht schwarz genug ist. Je schwärzer die Nacht auf der Erde, desto leuchtender erscheinen mir die Sterne. Manchmal gibt es keine Rettung aus der unmittelbaren Umgebung. Aus dem gewohnten Feld. Manchmal gerate ich ja in die Dunkelheit, weil das Feld dunkel ist, in dem ich mich bewege. Wie tröstlich, wenn aus der Ferne etwas auf mich zukommt. Etwas, das weit genug entfernt ist von der Dunkelheit.
Stell dir vor, dass du dich in einer emotional schwarzen Nacht befindest. Deine unmittelbare Umgebung bewirkt oder verstärkt sogar diese Nacht. Und du stellst dir vor, dass es einen Stern in der Ferne gibt. Du siehst ihn noch nicht. Du stellst dir nur vor, dass es einen gibt. Halte diese Vorstellung fest. Du magst nicht die gleiche Erfahrung gemacht haben wie Zafon. Aber du darfst dich von seiner Erfahrung mit nähren. Wenn nur ein Mensch in der Schwärze die Sterne sieht reicht es für alle!
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Mittwoch, 13. März 2019

Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss. Carolos Ruiz Zafon


Stell dir vor, dass es im Dachgeschoss deiner Seele ein Geheimnis gibt. Du hältst es unter Verschluss. Du kennst es selbst nicht, Du hast diese Kiste nie geöffnet und verbirgst den Schlüssel vor dir selbst. Du achtest darauf, dass niemand sonst von diesem Geheimnis etwas weiß. Du vermutest nämlich, wenn du deine geheime Kiste öffnen würdest, dann käme da ein schreckliches Gespenst heraus. Du würdest etwas entdecken, für das du dich so schämst, dass es tödlich endet. Oder du hättest die Angst, nicht mehr bestehen zu können vor deinen Lieblingsmenschen und vor der Umwelt.
Du hältst es lieber verschlossen, damit auch ja nichts geschieht. Du verschließt es so, dass du sogar nicht mehr weißt, dass es sich im Dachgeschoss befindet. Du würdest jedem Menschen sagen: Ich habe keine Geheimnisse! Und du würdest dir sogar selber glauben. Aber vielleicht ahnst du, dass es ein Geheimnis gibt und du vermutest, dass es eher unangenehm ist. Und dann? Dann verhältst du dich so, als ob du etwas verstecken müsstest. Du würdest durch die Gegend laufen wie jemand, der etwas versteckt. Du wärest betont freundlich oder ausgelassen, damit man deine Angst nicht spürt. Du würdest so eine Mischung versprühen von scheinbarer Gelassenheit, auffälliger Unauffälligkeit, betont ruhiger unruhiger Blick. "Hoffentlich sieht es niemand!"
"Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss." meint Zafon. Wie beruhigend! Ich bin damit nicht allein. Du hast es! Ich habe es. Alle haben es. Alle laufen mit einem Geheimnis herum. Dann können wir ja auch aufhören uns zu verstecken. Das ist auf die Dauer nämlich ganz schön anstrengend. Und wer weiß! Vielleicht ist das Geheimnis ja etwas unglaublich Liebevolles. Etwas, das ich gut öffnen könnte! Etwas, das zu mir gehört und das gerne angenommen und gesehen werden möchte. Etwas, das nach Integration ruft! "Hallo, hier bin ich! Magst du mich?"
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Dienstag, 12. März 2019

Die Liebe ist der einzige Stein, der immer über denselben Menschen stolpert. Carlos Ruiz Zafon


Hat Zafon sich vertan? Der Mensch ist es, der normalerweise stolpert. Menschen können immer über den gleichen Stein stolpern. Aber kann ein Stein auch über einen Menschen stolpern? Ein Stein, der Liebe heißt?
Kann also die Liebe immer wieder über einen Menschen stolpern? Wie kann ich das verstehen? Ich denke mir so: Jeder Mensch braucht Liebe und lebt von der Liebe. Und es ist genug Liebe da auf dieser Welt. Allein, dass ich lebe, ist ein Ausruck von schöpferischer Liebe. Sonst wäre ich gar nicht hier.
Es gibt aber Menschen oder Lebensphasen, wo wir diese Liebe nicht spüren. Wo wir uns weit weg davon bewegen. Wo wir mitten in einer lieblosen Wüste wohnen müssen. Wo uns das Leben so vorkommt, dass wir weit weg sind von jeder Liebensmöglichkeit. Unser Blick trübt sich. Wir sehen nur die Wüstenwirklichkeit.
Wie wäre die Vorstellung, dass immer uns herum genug Liebe da ist. Mehr als Wasser. Wenn die Wüste auch ohne Wasser wäre, nicht einmal dort wäre es ohne Liebe. Wir könnten ständig über die Liebe stolpern oder die Liebe über uns. Die Liebe würde sich uns also ständig und ohne Unterbrechung anbieten. Sie würde immer über uns stolpern. Wir müssten sie nur noch bemerken. Das wäre doch wunderbar.
Stell dir vor, dass du mit dem Glaubenssatz unterwegs bist: "Niemand liebt mich!" Du müsstest den Irrtum erkennen, weil die Liebe über dich stolpert und dir sagt, dass sie da ist. Die Liebe liebt dich! Die Liebe ist aber kein Abstraktum sondern sie fließt hinein in Dinge, Menschen, Pflanzen und Tiere. Du kannst allerdings blind sein dafür. Du kannst Dinge, Menschen, Pflanzen und Tiere anschauen ohne die Liebe darin zu sehen. So kann die Liebe über dich stolpern und du bemerkst es gar nicht. Du ergibst dich der Illusion, dass nichts und niemand dich liebt. Dabei schaut dich alles mit Liebe an, wenn du es nur sehen wolltest.
Die Liebe gibt nie auf. Sie stolpert immer über denselben Menschen. So, wie Fische über Wasser stolpern, stolpern wir über die Liebe. Werde dir dessen bewusst!
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Montag, 11. März 2019

Merkwürdig, wie wir die andern beurteilen und nicht merken, wie elend unsere Geringschätzung ist - bis sie uns fehlen, bis man sie uns wegnimmt. Carlos Ruiz Zafon


Ich teile diese Beobachtung. Da gibt es Menschen in meinem Umfeld, die es schaffen, in mir ein negatives Gefühl zu erzeugen. Das geschieht, wenn jemand zu laut spricht. Wenn mir jemand so einen befehlerischen Ton in seiner Sprache hat. Wenn mich jemand ungefragt auf meine Fehler hinweist. Die Besserwisser. Die Ratschlaggeber, die Rat geben, ohne dass sie gefragt werden. Menschen, die den Tisch nicht abwischen und verkrümelt hinterlassen. Menschen, die nicht grüßen, wenn sie kommen.
Ich spüre, wie mein Ärgerpegel schnell steigt. Wenn jemand das ein einziges mal macht, dann vergesse ich es schnell. Aber bei Wiederholungen prägt sich in mir das Bild von einem Menschen, der mir auf die Nerven geht und den ich immer mehr geringschätze. Ich spüre mein Ärgergefühl aber habe nicht das Bewusstsein davon, dass ich diesem Menschen jetzt einen absoluten Stempel aufgedrückt habe. Das ist jetzt für immer der Lautsprecher oder der Befehler oder der Besserwisser. Und an diesem Menschen kann ich so wunderbar meine Ärgergefühle auslassen. Er wird zum Blitzableiter all meiner Ärgergefühle.
Wenn jetzt dieser "Blitzableiter" aus meinem Leben verschwindet, dann habe ich keinen anderen über den ich mich ärgern kann. Mir fehlt der Blitzableiter. Ich muss dann in mich selber hineinschauen. Die anderen Menschen bilden so etwas wie mein "soziales Ich im Außen". Was ich in mir nicht haben möchte, verlagere ich nach außen. Dann bin ich viel erträglicher mit mir selbst. Sonst müsste ich ja zugeben, dass ich selbst ein Lautsprecher, ein Befehler oder Besserwisser bin.
Wie soll ich es dann mit mir selber aushalten? Besser allerdings wäre es! Ich hätte die Chance, mich weiter zu entwickeln. "Merkwürdig, wie wir die andern beurteilen und nicht merken, wie elend unsere Geringschätzung ist - bis sie uns fehlen, bis man sie uns wegnimmt." Das Wegnehmen und Fehlen führt uns in ein Loch und bewirkt, dass wir uns mit uns selbst konfrontieren können. Dieser andere, den ich geringschätze, bin ja ich!
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Samstag, 9. März 2019

Schmecke das Leben, es ist köstlich!

In einem Café hängt ein Bild an der Wand von El van Leersum. Zwei Männer und zwei Frauen genießen und schwelgen. "Schmecke das Leben, es ist köstlich!" So die Bildunterschrift.

Manchmal dreht sich der Kopf und ich beschäftige mich den ganzen Tag mit dem Lösen von Problemen. Was machst du hier? Wie antwortest du da? Wem sagst du was in welcher Situation? Was sind die Auswirkungen? Während des Nachdenkens decke ich den Tisch, esse mein Brot und trinke den Kaffee. Später am Tag kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie viele Brote ich gegessen habe mit welchem Belag. Ich war zu sehr mit dem Denken beschäftigt.

Dabei habe ich doch nur dieses eine Leben. Vielleicht nur diesen einen Tag! Vielleicht mein letzter! "Schmecke das Leben, es ist köstlich!" Ich schmecke die Sonne! Ich schmecke den Regen! Ich schmecke die Vögel auf dem Rasen! Ich schmecke!
Ich schwelge und staune! Ich genieße und setze mich mitten hinein in das Leben. Ich schaue mir die üppigen Leute auf dem Bild an und proste ihnen zu. Schön, dass ich da bin! Schön, dass du da bist! Willkommen im Leben!
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Freitag, 8. März 2019

Von Grenzen und von der Freiheit

Stell dir vor, dass du einen kleinen Spaziergang machst. Du befindest dich in einer Oase und läufst los hinein in die Wüste. Eben ein kleiner Spaziergang. Du gehst ein paar Minuten und fühlst dich frisch und kräftig. Du schaust in die Weite und lässt die Oase immer mehr hinter dir. Dann stellst du dich hin und drehst dich um deine eigene Achse. Wo immer du auch hinschaust siehst du freien Raum. Keine Begrenzung. Kein Zaun, der dich aufhält. Kein Meer, das du überqueren müsstest. Kein Weg, an dem du dich halten musst. Du befindest dich in der Grenzenlosigkeit. Bis zum Horizont - keine einzige Einschränkung.
Und? Verlockt dich diese Vorstellung? Wenn ja, wie lange? Hältst du es aus, diese Grenzenlosigkeit? Die Unendlichkeit von Möglichkeiten, deinen Weg fortzusetzen? Oder beschleicht dich irgendwann ein leises Unbehagen? Ich bin allein. Wo soll ich hin. Was erwartet mich, wenn ich weiterlaufe. Sorge, Angst, Todesangst, Panik?
Wenn du jetzt mal an deinen Alltag denkst mit all den Verantwortungen, denen du nachkommen musst. Familie, Beruf, Gesundheit, Finanzen. Deine Landschaft ist voll besetzt. Kaum Freiraum! Jetzt stellt dir vor, dass du ab jetzt keine einzige Verpflichtung mehr hast. Totaler innerer Freiraum - die Leere der Wüste und die Weite des Ozeans! Verlockend?
Mir hilft es, da einen Unterschied zu machen. Ich lebe in der Polarität von Begrenzung und Freiheit. Ich habe mich für dieses Leben entschieden. Für meine Arbeit, für meine Beziehungen, für meine Hobbys. Das erfüllt mich. Darum bin ich auch kein Sklave und erlebe das nicht als Begrenzung. Zugleich erfüllt mich der Wunsch nach Freiheit, nach Entgrenzung, nach neuen Möglichkeiten. Immer, wenn es mir zu viel wird, dann wird der Wunsch nach Entgrenzung mächtig. Wie bekomme ich diese widersprüchliche Polarität zusammen?
Ich entscheide mich für den einen Weg, den ich jetzt gerade gehe. Ich lasse mich ein auf die Menschen, denen ich gerade begegne. Ich lebe aufmerksam im Hier und Jetzt. Ich achte darauf, dass immer auch ein kleiner Freiraum bleibt. Ein Raum, in dem ich genug atmen kann. Ich lasse in meinem Bewusstsein zu, dass ich die völlige Grenzenlosigkeit denken kann. Wenn ich wirklich will, kann ich jetzt meine Oase verlassen und mich der Wüste und dem Meer aussetzen. Ich kann, aber ich muss es nicht. Ich kann es im Geiste und auch mal für ein paar Tage im Urlaub.
Der Unterschied heißt: Es gibt kein "Entweder/Oder" sondern ein "Sowohl/als auch". Begrenzung und Freiheit sind nur scheinbare Widersprüche. Ich erlebe beides zur gleichen Zeit. Ich kann mich wie ein Ausgelieferter erleben oder wie ein Gestalter und Schöpfer. Ich kann "gezwungenermaßen" zur Arbeit gehen und erlebe die Begrenzung. Ich kann aber auch "völlig frei" zur Arbeit gehen und erlebe die vielen Möglichkeiten.
Wie bekommst du das auf die Reihe? Schmerzen dich eher die Grenzen oder eher die vielen Möglichkeiten und deine Unmöglichkeit, dich entscheiden zu können? Wann ist es leicht und wann ist es besonders schwer?
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Donnerstag, 7. März 2019

Mache den Tag einzigartig!

Im gleichen Bekleidungsgeschäft mit den BH's und dem Spruch an der Wand von Coco Chanel (vergleiche die letzten beiden Artikel) sehe ich eine Plastikfrau auf einem Regal, schwebend über Augenhöhe. Sie sitzt in Meditationshaltung da wie ein Buddha und trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck: "Make the day unique" - "Mache den Tag einzigartig".
Ich bleibe stehen und überlege, ob der heutige Tag einzigartig ist. In der Damenabteilung von Unterwäsche und Nachthemden. Habe ich den heutigen Tag einzigartig gemacht? Der ist ja übrigens schon wieder ein paar Wochen her.
Also hier die Einladung: Mache den Tag einzigartig. Was fällt dir dazu ein, wenn du das hörst? Ins Kino gehen und einen tollen Film anschauen? Die Sonne genießen? Die Lebensmittel bewusst auswählen? Besonders freundlich und zugewandt mit den Menschen umgehen? Dankbarkeit empfinden für das Geschenk des Lebens? Was macht deinen Tag einzigartig?
Ich habe übrigens festgestellt, dass ich nur die ganz besonders wichtigen Tage als einzigartig in Erinnerung behalten habe. Ein Tag kann einzigartig sein und dennoch hast du ihn nach wenigen Tagen vergessen. Ich erinnere mich aber noch sehr genau an die einzigartigen Tage, an denen mein Herz in die Hose gerutscht ist. Ich kann lückenlos seit meiner Grundschulzeit viele Tage aufzählen, an denen etwas Einzigartiges und zugleich Katastrophenhaftes passierte.
Katastrophen machen wir ja nicht selber. Sie überfallen uns. Darum bleiben sie uns auch so in Erinnerung. Die negativen Dinge im Leben speichern sich viel tiefer ein. Dennoch kann ich heute den Tag einzigartig machen. Mich jetzt freuen. In diesem Augenblick. Voll da sein. Ohne große Pläne. Es braucht kein Kino dafür und kein tolles Essen. Ich bin sowieso einzigartig. Dessen kann ich mir bewusst werden. Es ist wichtig, dass die Katastrophenereignisse im Leben ein Gegengewicht erhalten. Sonst wird der Tag düster und die Stimmung depressiv. Also jetzt liegt es an dir: "Mache den Tag einzigartig!"
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Mittwoch, 6. März 2019

Die Liebe macht den, der von ihr trunken, gleichgültig gegen Ehre und Schande. (Mohammed Ben el-Hosein Ben Musa el-Esd)

Dieses Wort stammt von einem sufischen Mystiker aus dem Mittelalter. Ich möchte den Satz einmal von hinten her aufdröseln.
Du stellst dich einer Aufgabe und hoffst, dass du sie gut erfüllen kannst. Vielleicht sagt dir jemand: "Das hast du gut gemacht!" Dann fühlst du dich bestätigt und richtest dich auf. "Ja, das bin ich! Das habe ich geschafft!" In alter Sprache formuliert vermehrst du so deine Ehre. Die Menschen ehren und achten dich für das, was du geleistet hast. Umgekehrt könnte dir auch jemand sagen: "Das war ein Satz mit X!" Dann bist du gekränkt und fühlst dich beschämt. In alter Sprache ausgedrückt hieße das, dass du Schande in deinem Leben angehäuft hast.
Ständig erfüllst du irgendwelche Aufgaben und ständig kommentieren Menschen das, was du tust. Sie bewerten: Das hast du gut gemacht oder das hast du schlecht gemacht. Oder in alter Sprache: Ehre oder Schande. Da kann es geschehen, dass deine Aufmerksamkeit häufig bei dem Gedanken oder bei der Angst ist: "Bloß keine Schande! Hoffentlich viel Ehre!" So bist du nie bei deiner Aufgabe sondern immer schon bei der Bewertung am Ende. Die Erfüllung deiner Aufgaben wird dann begleitet von deiner Angst und deiner Sorge: "Hilfe! Genüge ich?!" Dann bist du schon raus aus dem "Flow". Es fließt nicht mehr und deine Arbeit wird wirklich zur harten "Arbeit".
Der sufische Mystiker nun glaubt, dass sich mit dir etwas fundamental ändert, wenn du an einer ganz bestimmten Schraube drehst. "Sei in der Liebe!" Wenn du in der Liebe bist, dann bist du im Flow, dann fließt es und du wirst gleichgültig gegenüber den Bewertungen deiner Umgebung. Du "bist" einfach. Zugleich gibt es noch eine Steigerung: Trunken sein von der Liebe. So, wie der Alkohol deine Sinne benebelt, verändert die Liebe dein Gemüt. Die Liebe macht dich unabhängig von menschlichen Urteilen und Verurteilungen. Du kommst dir vor wie im Paradies. Die Unzulänglichkeiten und Fehler treten zurück. Daraus folgt für mich so etwas wie eine Grundhaltung: "Bevor du mit deiner Arbeit beginnst, versetze dich in den Zustand der Liebe." Geht das so einfach? Nicht immer nach meiner Erfahrung. Aber du kannst jetzt etwas dafür tun, indem du beginnst mit der Veränderung deines Bewusstseins. Sei dir ständig bewusst, dass du ein Gottesgeschenk bist, dass du dafür nichts tun musst und dass es völlig ausreicht, einfach nur dazusein.
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Dienstag, 5. März 2019

Gucken kostet nix

Neugierig stehe ich vor einem Laden für Damenbekleidung. Im Schaufenster lese ich den Spruch "Gucken kostet nix". Ich könnte ja mal einfach reingehen und schauen, oder? Aber das sagt sich so leicht, dass das nichts kostet. Es kostet meine Zeit und Energie. Meine Neugier und Überwindung von Angst und Unsicherheit. Es kostet die Überwindung von meinen Glaubenssätzen wie: "Die wollen bestimmt am Ende doch mein Geld." "Das ist nur ein Trick um mich hereinzulocken." "Das ist ein Köderspruch!"
Ich stehe vor dem Laden und kann durch das Fenster hindurchschauen. Von hier aus kann ich alles im Laden sehen. Es lohnt sich für mich nicht. Es gibt nichts, was mich verlockt einfach mal umsonst zu schauen. Es ist draußen nicht einmal kalt, so dass ich mich aufwärmen wollte dort. Gucken kostet nix und lohnt sich für mich auch nicht. Und gucken kostet doch was. Vielleicht nicht mein Geld. Aber ich zahle mit anderen Mitteln.
Zugleich stimmt auch was anderes. Mal über den Tellerrand schauen. Hinter dem Gartenzaun. Kleine Dinge machen, die ich normalerweise nicht tun würde. Die Comfortzone verlassen. Neue Erfahrungen machen. Dem Impuls der Neugier folgen. Das Abenteuer leben wagen. Mal etwas riskieren. Das nächste mal, wenn ich vor diesem Laden stehe, werde ich ihn betreten. Aber dann, dann wird sich die Besitzerin umschauen. Was ich dann machen werde! Ich werde echt was riskieren. Genau weiß ich noch nicht. Aber ich werde was machen, wetten?
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Montag, 4. März 2019

Es ist mir ein Fest



Ich hörte ein längeres sehr unterhaltsames und anregendes Radiointerview. Die Fragen waren interessant. Die Antworten waren lebendig. Da war eine Menge Resonanz zwischen den Interviewpartnern zu spüren. Normalerweise endet jedes Gespräch am Radio ähnlich. „Vielen Dank für die Zeit.“ Antwort: „Gerne!“ oder „Danke ebenfalls!“ Dieses Interview endete mit dem Satz des weiblichen Gastes: „Es war mir ein Fest!“
Als sie das sagte wurde es mir ganz warm ums Herz. Es war ihr ein Fest. Es war keine Arbeit. Keine Anstrengung. Keine Pflichterfüllung. Es war ihr ein Fest. Es war auch nicht „wie“ ein Fest. Also vergleichbar! Es war ihr ein Fest.
Jetzt sitze ich und schreibe und denke und fühle: Ach, wie schön! Ich schreibe hier für dich und es ist mir ein Fest. Als hätte ich gekocht, den Tisch schön gedeckt und würde dich willkommen heißen und dir einen Platz anbieten. Als würden wir gemeinsam sitzen und uns über die Begegnung freuen. Als würden wir gemeinsam essen und uns austauschen. Und du würdest spüren, wie sehr du das genießt. Wie sehr du es magst, gemeint zu sein.
Dann sitze ich und mache mir Gedanken und schreibe und stelle mir vor, dass ich nicht so eine Art „Pflichtbrief“ schreibe, sondern ein Fest feiere mit dir. Es ist mir ein Fest, etwas mit dir zu teilen, was in meinem Inneren gerade geschieht, oder was mir begegnet ist. Oder worüber ich gerade so nachdenke.
Ich sitze an meinem Schreibtisch und schaue auf meine Ablage, auf meine Stifte und auf diverse Kleinigkeiten. Normalerweise ignoriere ich sie. Ich nutze sie, wenn ich sie brauche. Sie haben keine große emotionale Bedeutung. Jetzt aber stelle ich mir vor: „Es ist mir ein Fest!“ Ich sitze an meinem Schreibtisch und sage zu meinen Stiften: „Es ist mir ein Fest.“ Plötzlich entsteht eine Beziehung zwischen den Gegenständen und mir. Als würde ich durch diesen Gedanken alles in meinem Umfeld beleben. Das Arbeitszimmer wird zu einem Festsaal.
In der ersten Februarwoche musste ich bei Schneefall zur Arbeit. Alle Autos fuhren vorsichtig und ich brauchte viel länger als sonst. Ich fuhr in einer langen Kolonne mit vielen langsam fahrenden Autos. „Normalerweise“ mache ich mir dann Druck. „Kann das nicht etwas schneller gehen!“ „Ich komme nicht rechtzeitig und muss dann nacharbeiten!“ „Hoffentlich passiert nichts!“ Normalerweise!
An diesem Februarmorgen aber fuhr ich in der Kolonne und hatte noch das Wort im Ohr: „Es war mir ein Fest.“ Und plötzlich verschwand der Druck völlig. Ich wurde heiter und gelassen. Gedanklich nickte ich allen in meiner Kolonne und im Gegenverkehr zu. „Es ist mir ein Fest!“ „Ich bin einer von euch. Wir sind eine große Schar gemeinsam unterwegs zu verschiedenen Zielen. Wir verbinden uns und schaukeln hier diesen Schnee. Wir lassen uns nicht beeindrucken von dem Wetter. Wir genießen gemeinsam diese weiße Landschaft. Und es ist mir ein Fest, einer von euch zu sein.“
Was geht jetzt in dir vor, wo du das liest und mit dem inneren Ohr hörst? „Jetzt übertreibt der aber!“ „Das ist aber ein bisschen abwegig!“ „Ja doch, das hat was!“ „Ich habe ganz andere Situationen, wann es mir ein Fest ist.“ „Da muss schon wirklich was Außergewöhnliches passieren, dass ich so einen Satz sagen würde.“  In welchen Situationen bekommst du das Gefühl, dass dir etwas wie ein Fest wird? Kommt es dabei auf äußerliche Umstände an wie ein Geburtstag oder eine Hochzeit?
Als ich in diesem Interview aufhorchte bei diesem Satz, wurde ich auf einmal sehr lebendig. Auch mir war es ein Fest. Ich war bei diesem Interview dabei. Das wurde mir erst bei diesem Satz bewusst. Ja, ich war der Teil eines Festes dieses Studiogastes. Ich war ein Gast.
Dieser Satz lädt mich ein, damit noch ein wenig tiefer zu gehen. Ich komme als Baby auf diese Welt und erlebe etwas. Den engen Geburtskanal, die Kälte und das grelle Licht draußen. Die fremden Stimmen und ungemütliche Positionen. Ich erlebe Liebe und Zuwendung. Ich muss aber auch schwierige Situationen meistern. Ich werde älter und älter und drücke dem Leben folgenden Stempel auf: „Leben, dich muss ich meistern. Ich muss bestehen. Es ist eine Anstrengung. Es ist oft schön und zugleich auch herausfordernd. Ich schwanke zwischen Gelassenheit und Anspannung. Hallo Leben, du bist nicht ohne!“
Ich kann aber auch auf die Welt kommen durch den engen Geburtskanal und das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Ich kann zwar noch nicht gut bewusst denken und klare Sätze formulieren mit meinen Babywerkzeugen. Aber ich kann rückwirkend mir vorstellen, wie ich in das Leben trete und sage: „Es ist mir ein Fest.“ Damit erschaffe ich mir gleich ein Lebensprogramm. Es würde sich so anfühlen, als sei ich ein König der auf einem roten Läufer den Festsaal betritt. „Es ist mir ein Fest!“ in dieses Leben einzutreten und zu einem Teil davon zu werden.
Wenn du das Leben eher wie eine Bürde oder eine Pflichtveranstaltung wahrnimmst könnte dieser Satz eine hilfreiche Intervention sein. Gedanklich und mit deinen inneren Bildern gehst du zum Anfang zurück. Du drehst den Film deines Lebens einfach noch einmal neu. Jetzt aber nicht mehr unbewusst mit den Babywerkzeugen, sondern klar, bewusst und entschieden. Du als erwachsener Mensch nimmst dein inneres Baby mit in dein Herz. Du rutscht voller Vergnügen mit deinem Baby durch den Geburtskanal und betrittst diese Welt. Du nimmst wahr, wie du von der Welt empfangen wirst. Alle strahlen dich an und heißen dich willkommen. Ein wohliger Schauer durchflutet deinen erwachsenen Körper. Dein inneres Baby wird dabei überflutet von Glückshormonen. In der Welt angekommen genießt du diesen Augenblick und hältst inne: „Es ist mir ein Fest!“
Letztlich geht es darum, dass du dir deiner eigenen Würde bewusst wirst. Du bist nicht zufällig da. Du bist nicht einfach dem Schicksal des Lebens ausgeliefert. Du bist bewusst und entschieden hier. Du nimmst nicht nur deinen Platz in Anspruch als ob du kämpfen müsstest. „Auch ich darf mal mitmachen.“ Wenn du dir deiner Königswürde bewusst wirst musst du nicht mehr kämpfen oder dich rechtfertigen. Es wird dir zum Fest. Das Leben wird dir zum Vergnügen. Und jetzt ist es mir ein Fest, meine Augen zu schließen und in die Stille abzutauchen. Dich zu meinen und mit dir zusammen zu sein und das Gemeinsame zu genießen. Du und ich, wir schön zusammen!

Samstag, 2. März 2019

Wie wäre es mit mehr Kür als Pflicht?!


Beim Eislaufen und beim Tanzen gibt es zwei Programme. Es gibt die Pflicht und es gibt die Kür. Dein Leben teilst du manchmal auch so ein. Die verfplichtende Arbeit und die Freizeitkür. Beide kämpfen häufig miteinander. Die Pflicht hat die Angst, nicht erfüllt zu werden und die Kür hat die Sorge, dass die Freude zu kurz kommt.
Am Morgen schaust du in der Regel auf den Tag und überlegst, was du alles erledigen musst. Unter erledigen verstehe ich die Vorstellung, dass wir bestimmte Pflichtaufgaben haben. Von diesen so genannten Pflichten kommen einige zusammen. Essen zubereiten, einkaufen, putzen, aufräumen, waschen usw. Manchmal arbeitest du dich durch diese Aufgaben und hakst in Gedanken ab, was du geschafft hast. Das Wort "erledigen" drückt dabei eine Menge aus. Am Ende bist du erledigt und erschöpft von deinen Pflichten. Du freust dich auf deine freie Zeit und lebst in der Dualität, im Gegensatz von Arbeit und Vergnügen.
Wenn du das Wort "erledigen" nun ersetzt durch "gestalten" betonst du deine Freiheit und deine Kreativität. Du entscheidest, was du machst und wann du es machst. Du entscheidest auch, ob du es mit Liebe tust oder mit Widerwillen. Du kannst die Aufgaben so gestalten wie Kinder ihre Spiele spielen. Der Tag ist ein Geschenk und darfst ihn für dein Vergnügen mit Inhalt und Freude füllen.
In der Bibel wird die Geschichte von Adam und Eva im Paradies erzählt. Vor dem "Sündenfall" mussten sie auch im Garten arbeiten, aber sie vergnügten sich. Nach dem "Sündenfall" verwandelte sich der Tag in Mühsal und Plage. Ob es Mühsal und Plage ist oder Freude, Siel und Vergnügen - diese Entscheidung findet in deinem Kopf und in deinem Herzen statt.
Je bewusster du den Beginn des Tages beginnst und in den Tag hineinmeditierst, desto eher hast du die Chance, die lebensfrohe Seite in den Blick zu nehmen. Vielleicht geht das nicht zu hundert Prozent, aber vom Grundsatz her ist eine Veränderung immer möglich.
Letztlich geht es wirklich um die Kunst, Pflichten in Küren zu verwandeln und am Ende die Dualität aufzuheben. Mark Twain erzählt von Tom Sawyer, der aus Strafe einen Zaun streichen "muss". Da müssen verwandelt er in ein Privileg und lässt alle Freunde und Bekannte dafür bezahlen, dass sie auch ein Stück Zaun streichen dürfen. Wer über den Dingen oder sich außerhalb stellt kann das Leben neue erfinden.
Vom Ende des Lebens her betrachtet hören ja mit dem Tod alle Pflichten auf und es beginnt die Kür des Himmels. Wenn du in diese Kür nicht eingeübt bist und nur die Pflichten kennst, wie wirst du den Himmel genießen können? Stell dir vor, dass Petrus dich an der Himmelspforte begrüßt und dich gerne an diesen Ort willkommen heißt. Du gehst dort auf und ab und brauchst nichts zu tun. Du darfst da sein und genießen. Innerlich jedoch treibt dich eine gewisse Unruhe voran und dir wird bewusst: Du suchst die Pflichten. Du kannst nicht ohne sie auskommen! Dann gehst du zu Petrus und erzählst ihm von deinem Leiden. Dieser antwortet dann: "Ah, alles klar. Du hast dich nur vertan! Du wolltest eigentlich in die Hölle! Die befindet sich ein Stockwerk tiefer!"

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Freitag, 1. März 2019

Ich sehe dich auf der anderen Seite stehen. Ich weiß nicht, wie der Fluss so breit geworden ist. (Leonard Cohen)

Zu mir kommt ein Paar in die Beratung und ich spüre die Distanz zwischen ihnen. In ihrer Erinnerung und Wahrnehmung gab es einmal ganz viel Nähe. Und diese Nähe war immer noch eine gedachte Nähe. "Wir sind ja verheiratet. Und Paare sind sich nahe. Das macht ja die Partnerschaft aus, ist doch klar!"
Dann schauen sich die beiden an und sie bemerken mehr und mehr die Entfremdung. "Ich weiß nicht, wie der Fluss so breit geworden ist." stellt Leonard Cohen fest. Wir waren mal so eng und jetzt ist so viel Platz zwischen uns. Manchmal wird der Fluss so breit, dass ein Paar sich gar nicht mehr wahrnehmen kann. Nicht die Trauer im Gesicht. Nicht die Abwehr, die Wut und den Ärger.
Was kann helfen in einer solchen Situation? Die Suche nach dem schuldigen Part? Wohl kaum. Wenn ich einen Schuldigen feststellen könnte bliebe immer noch die Distanz und die fehlende Möglichkeit, durch das Wasser wieder zueinander kommen zu können.
Der Fluss wird einfach breiter im Verlaufe des Fließens. Ich muss an der ersten geeigneten Stelle eine Brücke bauen, damit die beiden Ufer noch zueinander finden können. Je vertrauter ich mit einem Menschen bin, desto breiter wird der Fluss. Aber wenn ich das weiß, dann kann ich eine Brücke bauen. Ich fange an, bevor es zu spät wird. Wenn der Fluss zu breit geworden ist, dann bleibt manchmal nur das Aufwachen und die Erkenntnis: "Da haben wir wohl etwas versäumt."
Ich wünsche dir einen aufmerksamen Blick für den Fluss, für die Ufer und für deine Fähigkeit, eine Brücke zu bauen.
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