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Freitag, 29. März 2019

Es ist besser, das zu überschlafen, was du zu tun beabsichtigst, als dich von dem wachhalten zu lassen, was du getan hast. (Igbo)




Bevor du eine Entscheidung triffst, von der Glück oder Unglück anderer Menschen abhängt, schlaf mal eine Nacht drüber. Nicht alles muss sofort entschieden werden. Bedenke alles, wiege es hin und her und dann lass es wieder los. Schiebe es in den kosmischen Brutkasten und belass es dort für eine Weile.
Wenn du zu schnell handelst und dabei Menschen verletzt oder kränkst, nur weil du es zu eilig hattest, musst du den Preis der schlaflosen Nächte zahlen.
Die Art deiner Nächte kann ein wichtiger Hinweis sein, wie gelassen du mit deinem Leben umgehst. Kannst du gut loslassen? Deine Gedanken, deine Pläne, dein möglicherweise schlechtes Gewissen?

Es ist besser, das zu überschlafen, was du zu tun beabsichtigst, als dich von dem wachhalten zu lassen, was du getan hast.

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Mittwoch, 27. März 2019

Du wunderbares Einzelstück!


Immer wieder finde ich sie: Die Einzelstücke! Dieser Pullover ist ein Einzelstück. Er wurde nur einmal hergestellt. Diese Skulptur ist auch ein Einzelstück!
Auf Weihnachts- oder Handwerksmärkten finde ich Stände mit lauter Einzelstücken. Jeder Kuchen, den ich backe, ist ein Einzelstück. Einzelstücke heben sich aus der Masse des Gewöhnlichen hervor. Da steckt ein unglaublicher Reichtum drin! Eine kreative Idee. Sorgfalt. Zeit. Geduld. Kompetenz. Inspiration. Handwerkliches Geschick. Gedanken. Ideen. Schweiß. Ärger. Widrigkeiten. Freude. Liebe. Ganz viel von der Persönlichkeit des Schöpfenden.
Im Einzelstück offenbart sich der Schöpfer, die Schöpferin! Jedes Einzelstück ist ein Hinweis darauf, dass die Massenwaren uns noch nicht völlig überflutet haben. Jedes Einzelstück gibt ein Zeugnis von Einmaligkeit, Unverwechselbarkeit und Originalität.
Mehr noch als jeder Schrank, jede Skulptur, jeder Kuchen und jedes Bastelstück. Mehr noch als jedes Haus und jedes Kleidungsstück oder sonst von Menschen geschaffenes Objekt bist du ein Einzelstück. Du bist ein Einzelstück in hoher Potenz. In einer anderen Dimension. Nicht von Menschenhand gestrickt, aber dennoch mit Idee und unglaublicher Präzision. Du bist ein unglaubliches Einzelstück.
Wenn nicht schon Eines an meiner Seite wäre, das mein Leben ausfüllt, würde ich dich wählen. Weil auch du ein so kostbares Einzelstück bist. Für dich ließe ich alle meine "materiellen Einzelstücke" liegen und stehen. Sie kommen mir bedeutungslos vor, wenn ich dich anschaue. Du Einzelstück! Du geheimnisvolles Etwas! Du Unbegreifliches! Du Wunder! Du Wundervolles!
Und? empfindest du dich aus so? Oder liebst du deinen "einmaligen Strickpullover" mehr als dich selbst! Du und ich, wir sind beide unglaubliche Einzelstücke! Happy day!
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Montag, 25. März 2019

Hört man die Worte, ohne die Gedanken zu erfassen, so kann man gerade so gut die entgegengesetzten Worte hören, und es kommt auf dasselbe heraus. Lü Bu We (um 300 - 235 v. Chr)

Mit anderen Worten: Ich verstehe nur Bahnhof. Manchmal höre ich Worte und sie ergeben für mich keinen Sinn. Weil der Text zu kompliziert ist. Zu viele Fremdworte enthält. Oder weil ich gerade müde und erschöpft bin.
Ich habe schon mal Menschen gehört, die zu mir gesprochen haben und ich war so gestrickt, dass ich kein Wort verstehen konnte. Einzelne Wörter schon, aber keinen Zusammenhang. Da rauschten einfach Sätze in mein Ohr und ich konnte sie bei aller Konzentration in keinen Zusammenhang fügen. Dann meldet sich im Inneren eine Stimme die sagt: "Ich verstehe gerade nur Bahnhof. Was ist da los bei mir oder beim anderen." Die Stimme des anderen kann mich in eine solche Trance versetzen, dass ich gar nichts sagen kann. Manchmal kann ich aber auch: "Stopp!" sagen.
Der mir unbekannte chinesische Weise macht mir deutlich dass es Sinn macht, die Worte meines Gegenübers zu verstehen. Sonst kommt alles auf dassselbe heraus. Ein Wortmüll in meinem Kopf. Manchmal jedoch bei einem solchen "Gespräch" kommt doch etwas anderes bei heraus. Ich werde zugetextet und gerate in eine Art Trance. Wenn ich meine Aufmerksamkeit innerhalb der Trance auf mein Gegenüber richte und ich die Frage stelle, was ist unterhalb und jenseits der Worte - dann taucht auf einmal etwas auf. Ein Bild, ein Gefühl, eine Idee. Dann greife ich zu und greife ein. Ich sage das Bild oder mein Gefühl und mein Gegenüber ist überrascht. Ich spreche genau das aus, was er gemeint hat. Ich komme zum Ergebnis: Zuhören wird überbewertet. Hinspüren kann eine wichtige Ergänzung sein.
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Samstag, 23. März 2019

Denke immer nur an die Meile, die vor dir liegt. Nicht an die Meile danach. (aus Dänemark)


Ich erlebe viele Menschen, die versuchen, die Probleme von übermorgen zu lösen. Je größer die Kontrollzone, desto stärker das Gefühl von Sicherheit. Wenn ich mich jetzt schon einstelle auf übermorgen, dann habe ich morgen keine Sorgen. Klingt logisch und sehr fürsorglich mit sich selbst, oder?
Aber wenn ich das Übermorgen vorbereite, dann lauert das Unglück vielleicht in der Zeitspanne nach dem Übermorgen. Also auch diese Meile noch bedenken und die Meile danach. Ich sollte mein Leben bis zum letzten Tag bedenken, dann bin ich total sicher, oder?

Ich wäre nur noch mit Vorbereitungen für irgendein Morgen beschäftigt. Ich würde gar nicht mehr leben! Mein Leben wäre voll ohne dass ich leben würde. Denke immer nur an die Meile, die vor dir liegt. Nicht an die Meile, die danach kommt. Händel dein Leben in überschaubaren Portionen. Die Meile, die du jetzt gerade gehst. Die Aufmerksamkeit für diesen Schritt. Für diesen Augenblick. Lebe jetzt!

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Donnerstag, 21. März 2019

Gibt es ein Ohr so fein, daß es die Seufzer der welkenden Rose zu hören vermöchte? Arthur Schnitzler (1862 - 1931)

Ich hätte gerne ein so feines Ohr, dass ich das Seufzen der Rose hören könnte, wenn es welkt.
Ich hätte gerne ein so feines Ohr, dass ich die Zwischentöne meines Gegenübers hören könnte.
Ich hätte gerne ein so feines Ohr, dass ich das Gemeinte hören könnte im Gesagten.
Ich hätte gerne ein so feines Ohr, die Klarheit der Gefühle in meinem Inneren wahrzunehmen.

Meine Ohren sind leider so, wie sie sind. Ein wenig eingeschränkt in der Wahrnehmung. Ich höre nicht alles, verstehe nicht alles oder auch anders als gemeint. Ich bin nicht sensitiv genug, das leise Seufzen meiner welkenden Rosen zu hören. Aber ich gebe mir Mühe. Ich weiß um das Seufzen von der Welt um mich herum. Manchmal kann ich die Rosen trösten und manchmal eben nicht. Ich wünsche allen welkenden Rosen auf der Welt, dass ihr Seufzen in einen Raum von Liebe fällt.
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Mittwoch, 20. März 2019

Das Auge führt den Menschen in die Welt, das Ohr führt die Welt in den Menschen ein. Lorenz Oken (1779 - 1851)

So erlebe ich unsere Wirklichkeit. Ständig bekommt das Auge Futter. Ich sehe Menschen, Straßen, Häuser und Pflanzen. Ich sehe aber auch Geschäfte und Werbebotschaften. Ständig drängt sich mir etwas auf. Schau mich an! Schau hin! Bilder über Bilder. Der Bewegungsimpuls lautet: Komm zu mir und schau mich an. Eine Bewegung von mir weg und hin zu dem, was ich sehe. Und weil die Welt mir immer wieder neue Bilder entgegenwirft ist mein Auge ständig herausgefordert. Erst, wenn ich die Augen schließe, tritt eine Pause ein. Welche Erholung! Aber so ist das Auge und das Sehen gestrickt.
Das Ohr hat eine andere Aufgabe. Da kommt die Welt zu mir. Ich muss nichts aktiv machen. Ich kann sitzen und abwarten. Und ich kann mich entscheiden, was ich einlasse und was draußen bleibt. Die Eindrücke beim Hören sind stiller, einfacher, klarer. Bei einem Vortrag höre ich Wort für Wort. Ich kann bei einem Satz verweilen und die anderen Sätze ausschalten. Auf eigenartige Weise ist das Sehen laut und das Hören leise. Ich kann die Ohren nicht verschließen. Sie sind mein ganzes Leben lang geöffnet. Die Ohren geben mir den Hinweis, dass die Welt zu mir kommt. Dabei kann ich ruhig sitzen und mich entspannen. Ich muss nichts aktiv machen. Mit den Augen gehe ich in die Welt. Mit den Ohren kommt die Welt zu mir. Das Sehen kann zur Zerstreuung führen, das Hören in die Sammlung. Wir könnten wieder stärker Hörende werden und diese Qualität neu entdecken.
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Dienstag, 19. März 2019

Leg' ein Ohr auf die Erde – dann ist das andere für den Himmel offen.

Ein interessanter Gedanke. Hörst du horizontal oder vertikal? In der aufrechten Position hören wir ja horizontal. Wir bekommen mit, was wir auf Augenhöhe sehen. Wir sehen und hören. Oder wir hören und schauen hin und die Ohren sind parallel ausgerichtet. Oder wir hören von rechts oder von links. Wie prägt das unser Bewusstsein? Machen wir es wie die Hasen? Wir richten unsere Ohren aus auf mögliche Gefahren? Wir hören ein Auto und passen auf, dass es uns nicht erwischt. Wir hören einen Menschen und achten darauf, ob seine Stimme uns gegenüber aggressiv ist. Wir sind aber auch ganz Ohr bei einem Gespräch. Auf Augenhöhe höre ich hin, was mein Gegenüber mir sagt.
Was verändert sich jedoch, wenn ich vertikal höre. Mit einem Ohr an der Erde und mit dem anderen Ohr in den Himmel? Wie ein Indianer nutze ich die Erde selbst als Übertragungsmittel. Da klingt es vielleicht dumpfer, entfernter und verschwommener. Ich höre die Stimmen aus der Erde und das Gras wachsen. Ich höre die irdischen Dinge.
Und ich habe die Möglichkeit, die himmlischen Botschaften zu hören. Mit einem Ohr bin ich nach oben hin ausgerichtet. Ein Ohr frei haben für den Himmel! Das ist wohl die Botschaft des Tages. Im horizontalen und vertikalen Hören habe ich vier Ohren. Drei davon sind der Erde zugewandt und ein Ohr dem Himmel. Eine irdische Übermacht. Da können himmlische Botschaften schnell untertauchen. Ich stelle mir vor, dass ich mich einfach auf das vertikale Ohr ausrichte. Die anderen drei Ohren verschließe ich und richte mich nur auf das vierte Ohr aus. Was würde ich da hören? Ich bin überzeugt davon, dass ich im vertikalen Hören vor allem Herzensbotschaften empfange. "Wie schön, dass es dich gibt."
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Montag, 18. März 2019

Wenn du gut hinhörst, wird immer irgendwo ein Vogel singen.

Im Hintergrund nehme ich viele Geräusche wahr. Ich sitze und lese inmitten von einem Geräuscheteppich. Wenn ich auf mein Buch achte bekomme ich nur mit, dass da etwas mein Ohr erreicht, aber nicht was genau. Es it halt mehr oder weniger laut oder leise. Wenn es zu laut wird kann ich mich nicht mehr konzentrieren. Oder auch wenn plötzlich eine Stimme besonders laut wird fällt mir die Konzentration immer schwerer.
Ich kann mich aber auch hinsetzen und gezielt hören. Ich möchte jetzt den Autos zuhören, die vor meiner Tür vorbeifahren. Je länger ich lausche, desto mehr höre ich die Unterschiede. Jeder Motor klingt anders. Ich kann mich auch entscheiden, ein bestimmtes Geräusch hören zu wollen. Ich kann sitzen und warten bis ich den Ruf eines Kindes höre. Dann bin ich im Hören ausgerichtet.
Vielleicht muss ich auf ein Kind lange warten. Aber auf einen Vogel wahrscheinlich nicht. Draußen fliegen "noch" immer irgendwo Vögel herum und melden sich ab und zu. Wenn ich also einen Vogel hören möchte werde ich sehr wahrscheinlich nicht so lange warten müssen.
Ein schönes Bild für den Umgang mit der Zuversicht. Bist du im Alltag zuversichtlich? Dass du dein Arbeitspensum schaffst. Dass es noch genug Kaffee im Schrank gibt. Dass deine Kräfte reichen. Dass du deine Ziele erreichen wirst. Dass du deine Freundschaften aufrecht erhalten kannst. Wie zuversichtlich bist du? So zuverlässig, wie du von irgendwo her einen Vogel hören kannst so zuverlässig kann deine Zuversicht sein. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass es eine Lösung gibt. Du weißt noch nicht welche, aber es gibt eine im Universum.
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Samstag, 16. März 2019

Jeder möchte mal ankommen!

Diese Wirklichkeit stimmt mich traurig. Menschen müssen ihre Heimat verlassen. Sie werden vertrieben und verjagt. Sie haben Angst um ihre Existenz und suchen Sicherheit in einem ihnen fremden Land.
Menschen auf der Flucht existieren seit es Menschen gibt. Das ist bedrückend! Ich bin in einem Dorf groß geworden, wo die Flüchtenden aus dem Osten ihre neue Heimat gefunden haben. In meiner Kindheit hießen sie pauschal: "Flüchtlinge". Sie werden bis heute so genannt von der "Urbevölkerung", den "Herkunftsmünsterländern", auch noch nach mehr als fünfzig oder sechzig Jahren. Mich stört das Wort. "Flüchtlinge" bezeichne ich mit meinem Wortschatz lieber als "Menschen auf der Flucht" oder "Flüchtende". Ich finde es wichtig, sorgsam und so gut wie es geht mit der Sprache umzugehen.
Es gibt viele Worte mit "...ling" die festlegend und einschränkend sind. "Winzling", "Säugling", "Hänfling", "Sträfling". Ein Mensch kann klein sein, aber in ihm steckt mehr. Ein Mensch mag eine Strafe absitzen, aber er ist mehr. Ein Säugling mag an der Mutter der Brust saugen, aber er ist mehr.
Wir sind also mehr als "...linge". Ein sogenannter "Flüchtling" kommt aus einem ganz konkreten Land, hat ein ganz konkretes Geschlecht und Alter. Er und sie ist ein Mensch auf der Flucht. Und er flüchtet im Augenblick, vorübergehend. Nach der Flucht wird er ankommen und nicht mehr flüchtend sein.
So ganz nebenbei: Ich bin auch ein "Flüchtender" in bestimmten Situationen! Ich flüchte manchmal vor Regen, manchmal vor der Sonne und gerne vor übellaunigen Menschen und zerstörerischer Kritik. 
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Freitag, 15. März 2019

Das Unmögliche schaffen!

Manche Aufträge sind einfach unmöglich! Ein Elefant kann nicht auf einem Seil balancieren über einen Abgrund. Das Seil wird ihn nicht tragen. Da steht dann jemand davor oder dahinter und ruft: "Du schaffst das!"
Manchmal betrachtest du eine Anfrage, eine Aufgabe, einen Auftrag und denkst: Das geht gar nicht! Die Voraussetzungen stimmen nicht. Das Geld stimmt nicht. Deine Ressourcen stimmen nicht. Den Auftraggeber mag ich nicht. Ich kann das nicht! Die Summe heißt: Es geht nicht! Und wenn dein Bauch klar und deutlich Nein! sagt, dann verabschiede dich davon. Das war nichts für dich!

Manchmal jedoch bekommst du eine Aufgabe und es schleichen sich viele "wenn" und "aber" ein. Dein Bauch sagt dir: Fühlt sich eigentlich richtig an. Dein Kopf sagt dir: Zu viel, zu schwierig, zu...
Da können sich schnell Hürden aufbauen, die unüberwindlich erscheinen. Auch das wirkt wie ein Seil über den Abrund und du bist der Elefant.

Manchmal hast du nur ein Seil und manchmal gibt es einen breiten Weg. Manchmal erscheint dir der breite Weg aber wie ein Seil und du glaubst, dass du es nicht schaffst. Darum ist folgende Prüfung wichtig: Arbeitest du mit einem festen Weg oder mit einem Seil, das nicht trägt? Bei deiner Prüfung stellt sich vielleicht heraus, dass nur deine Angst den Weg zum Seil gemacht hat oder deine Unzulänglichkeit und deine behindernden Glaubenssätze.

Und manchmal geschieht auch das Wunder. Du gehst einfach los. Du fragst nicht nach Weg oder Seil über den Abgrund. Du gehst einfach. Und es geschieht das Wunder. Du kommst an! Du hast keine Erlärung dafür. Die Logik spricht dagegen. Aber du hast es geschafft!
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Mittwoch, 13. März 2019

Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss. Carolos Ruiz Zafon


Stell dir vor, dass es im Dachgeschoss deiner Seele ein Geheimnis gibt. Du hältst es unter Verschluss. Du kennst es selbst nicht, Du hast diese Kiste nie geöffnet und verbirgst den Schlüssel vor dir selbst. Du achtest darauf, dass niemand sonst von diesem Geheimnis etwas weiß. Du vermutest nämlich, wenn du deine geheime Kiste öffnen würdest, dann käme da ein schreckliches Gespenst heraus. Du würdest etwas entdecken, für das du dich so schämst, dass es tödlich endet. Oder du hättest die Angst, nicht mehr bestehen zu können vor deinen Lieblingsmenschen und vor der Umwelt.
Du hältst es lieber verschlossen, damit auch ja nichts geschieht. Du verschließt es so, dass du sogar nicht mehr weißt, dass es sich im Dachgeschoss befindet. Du würdest jedem Menschen sagen: Ich habe keine Geheimnisse! Und du würdest dir sogar selber glauben. Aber vielleicht ahnst du, dass es ein Geheimnis gibt und du vermutest, dass es eher unangenehm ist. Und dann? Dann verhältst du dich so, als ob du etwas verstecken müsstest. Du würdest durch die Gegend laufen wie jemand, der etwas versteckt. Du wärest betont freundlich oder ausgelassen, damit man deine Angst nicht spürt. Du würdest so eine Mischung versprühen von scheinbarer Gelassenheit, auffälliger Unauffälligkeit, betont ruhiger unruhiger Blick. "Hoffentlich sieht es niemand!"
"Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss." meint Zafon. Wie beruhigend! Ich bin damit nicht allein. Du hast es! Ich habe es. Alle haben es. Alle laufen mit einem Geheimnis herum. Dann können wir ja auch aufhören uns zu verstecken. Das ist auf die Dauer nämlich ganz schön anstrengend. Und wer weiß! Vielleicht ist das Geheimnis ja etwas unglaublich Liebevolles. Etwas, das ich gut öffnen könnte! Etwas, das zu mir gehört und das gerne angenommen und gesehen werden möchte. Etwas, das nach Integration ruft! "Hallo, hier bin ich! Magst du mich?"
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Samstag, 9. März 2019

Schmecke das Leben, es ist köstlich!

In einem Café hängt ein Bild an der Wand von El van Leersum. Zwei Männer und zwei Frauen genießen und schwelgen. "Schmecke das Leben, es ist köstlich!" So die Bildunterschrift.

Manchmal dreht sich der Kopf und ich beschäftige mich den ganzen Tag mit dem Lösen von Problemen. Was machst du hier? Wie antwortest du da? Wem sagst du was in welcher Situation? Was sind die Auswirkungen? Während des Nachdenkens decke ich den Tisch, esse mein Brot und trinke den Kaffee. Später am Tag kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wie viele Brote ich gegessen habe mit welchem Belag. Ich war zu sehr mit dem Denken beschäftigt.

Dabei habe ich doch nur dieses eine Leben. Vielleicht nur diesen einen Tag! Vielleicht mein letzter! "Schmecke das Leben, es ist köstlich!" Ich schmecke die Sonne! Ich schmecke den Regen! Ich schmecke die Vögel auf dem Rasen! Ich schmecke!
Ich schwelge und staune! Ich genieße und setze mich mitten hinein in das Leben. Ich schaue mir die üppigen Leute auf dem Bild an und proste ihnen zu. Schön, dass ich da bin! Schön, dass du da bist! Willkommen im Leben!
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Donnerstag, 7. März 2019

Mache den Tag einzigartig!

Im gleichen Bekleidungsgeschäft mit den BH's und dem Spruch an der Wand von Coco Chanel (vergleiche die letzten beiden Artikel) sehe ich eine Plastikfrau auf einem Regal, schwebend über Augenhöhe. Sie sitzt in Meditationshaltung da wie ein Buddha und trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck: "Make the day unique" - "Mache den Tag einzigartig".
Ich bleibe stehen und überlege, ob der heutige Tag einzigartig ist. In der Damenabteilung von Unterwäsche und Nachthemden. Habe ich den heutigen Tag einzigartig gemacht? Der ist ja übrigens schon wieder ein paar Wochen her.
Also hier die Einladung: Mache den Tag einzigartig. Was fällt dir dazu ein, wenn du das hörst? Ins Kino gehen und einen tollen Film anschauen? Die Sonne genießen? Die Lebensmittel bewusst auswählen? Besonders freundlich und zugewandt mit den Menschen umgehen? Dankbarkeit empfinden für das Geschenk des Lebens? Was macht deinen Tag einzigartig?
Ich habe übrigens festgestellt, dass ich nur die ganz besonders wichtigen Tage als einzigartig in Erinnerung behalten habe. Ein Tag kann einzigartig sein und dennoch hast du ihn nach wenigen Tagen vergessen. Ich erinnere mich aber noch sehr genau an die einzigartigen Tage, an denen mein Herz in die Hose gerutscht ist. Ich kann lückenlos seit meiner Grundschulzeit viele Tage aufzählen, an denen etwas Einzigartiges und zugleich Katastrophenhaftes passierte.
Katastrophen machen wir ja nicht selber. Sie überfallen uns. Darum bleiben sie uns auch so in Erinnerung. Die negativen Dinge im Leben speichern sich viel tiefer ein. Dennoch kann ich heute den Tag einzigartig machen. Mich jetzt freuen. In diesem Augenblick. Voll da sein. Ohne große Pläne. Es braucht kein Kino dafür und kein tolles Essen. Ich bin sowieso einzigartig. Dessen kann ich mir bewusst werden. Es ist wichtig, dass die Katastrophenereignisse im Leben ein Gegengewicht erhalten. Sonst wird der Tag düster und die Stimmung depressiv. Also jetzt liegt es an dir: "Mache den Tag einzigartig!"
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Samstag, 2. März 2019

Wie wäre es mit mehr Kür als Pflicht?!


Beim Eislaufen und beim Tanzen gibt es zwei Programme. Es gibt die Pflicht und es gibt die Kür. Dein Leben teilst du manchmal auch so ein. Die verfplichtende Arbeit und die Freizeitkür. Beide kämpfen häufig miteinander. Die Pflicht hat die Angst, nicht erfüllt zu werden und die Kür hat die Sorge, dass die Freude zu kurz kommt.
Am Morgen schaust du in der Regel auf den Tag und überlegst, was du alles erledigen musst. Unter erledigen verstehe ich die Vorstellung, dass wir bestimmte Pflichtaufgaben haben. Von diesen so genannten Pflichten kommen einige zusammen. Essen zubereiten, einkaufen, putzen, aufräumen, waschen usw. Manchmal arbeitest du dich durch diese Aufgaben und hakst in Gedanken ab, was du geschafft hast. Das Wort "erledigen" drückt dabei eine Menge aus. Am Ende bist du erledigt und erschöpft von deinen Pflichten. Du freust dich auf deine freie Zeit und lebst in der Dualität, im Gegensatz von Arbeit und Vergnügen.
Wenn du das Wort "erledigen" nun ersetzt durch "gestalten" betonst du deine Freiheit und deine Kreativität. Du entscheidest, was du machst und wann du es machst. Du entscheidest auch, ob du es mit Liebe tust oder mit Widerwillen. Du kannst die Aufgaben so gestalten wie Kinder ihre Spiele spielen. Der Tag ist ein Geschenk und darfst ihn für dein Vergnügen mit Inhalt und Freude füllen.
In der Bibel wird die Geschichte von Adam und Eva im Paradies erzählt. Vor dem "Sündenfall" mussten sie auch im Garten arbeiten, aber sie vergnügten sich. Nach dem "Sündenfall" verwandelte sich der Tag in Mühsal und Plage. Ob es Mühsal und Plage ist oder Freude, Siel und Vergnügen - diese Entscheidung findet in deinem Kopf und in deinem Herzen statt.
Je bewusster du den Beginn des Tages beginnst und in den Tag hineinmeditierst, desto eher hast du die Chance, die lebensfrohe Seite in den Blick zu nehmen. Vielleicht geht das nicht zu hundert Prozent, aber vom Grundsatz her ist eine Veränderung immer möglich.
Letztlich geht es wirklich um die Kunst, Pflichten in Küren zu verwandeln und am Ende die Dualität aufzuheben. Mark Twain erzählt von Tom Sawyer, der aus Strafe einen Zaun streichen "muss". Da müssen verwandelt er in ein Privileg und lässt alle Freunde und Bekannte dafür bezahlen, dass sie auch ein Stück Zaun streichen dürfen. Wer über den Dingen oder sich außerhalb stellt kann das Leben neue erfinden.
Vom Ende des Lebens her betrachtet hören ja mit dem Tod alle Pflichten auf und es beginnt die Kür des Himmels. Wenn du in diese Kür nicht eingeübt bist und nur die Pflichten kennst, wie wirst du den Himmel genießen können? Stell dir vor, dass Petrus dich an der Himmelspforte begrüßt und dich gerne an diesen Ort willkommen heißt. Du gehst dort auf und ab und brauchst nichts zu tun. Du darfst da sein und genießen. Innerlich jedoch treibt dich eine gewisse Unruhe voran und dir wird bewusst: Du suchst die Pflichten. Du kannst nicht ohne sie auskommen! Dann gehst du zu Petrus und erzählst ihm von deinem Leiden. Dieser antwortet dann: "Ah, alles klar. Du hast dich nur vertan! Du wolltest eigentlich in die Hölle! Die befindet sich ein Stockwerk tiefer!"

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Freitag, 1. März 2019

Ich sehe dich auf der anderen Seite stehen. Ich weiß nicht, wie der Fluss so breit geworden ist. (Leonard Cohen)

Zu mir kommt ein Paar in die Beratung und ich spüre die Distanz zwischen ihnen. In ihrer Erinnerung und Wahrnehmung gab es einmal ganz viel Nähe. Und diese Nähe war immer noch eine gedachte Nähe. "Wir sind ja verheiratet. Und Paare sind sich nahe. Das macht ja die Partnerschaft aus, ist doch klar!"
Dann schauen sich die beiden an und sie bemerken mehr und mehr die Entfremdung. "Ich weiß nicht, wie der Fluss so breit geworden ist." stellt Leonard Cohen fest. Wir waren mal so eng und jetzt ist so viel Platz zwischen uns. Manchmal wird der Fluss so breit, dass ein Paar sich gar nicht mehr wahrnehmen kann. Nicht die Trauer im Gesicht. Nicht die Abwehr, die Wut und den Ärger.
Was kann helfen in einer solchen Situation? Die Suche nach dem schuldigen Part? Wohl kaum. Wenn ich einen Schuldigen feststellen könnte bliebe immer noch die Distanz und die fehlende Möglichkeit, durch das Wasser wieder zueinander kommen zu können.
Der Fluss wird einfach breiter im Verlaufe des Fließens. Ich muss an der ersten geeigneten Stelle eine Brücke bauen, damit die beiden Ufer noch zueinander finden können. Je vertrauter ich mit einem Menschen bin, desto breiter wird der Fluss. Aber wenn ich das weiß, dann kann ich eine Brücke bauen. Ich fange an, bevor es zu spät wird. Wenn der Fluss zu breit geworden ist, dann bleibt manchmal nur das Aufwachen und die Erkenntnis: "Da haben wir wohl etwas versäumt."
Ich wünsche dir einen aufmerksamen Blick für den Fluss, für die Ufer und für deine Fähigkeit, eine Brücke zu bauen.
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