Samstag, 23. März 2013

Das Vater unser und EFT


Das Vater unser ist ein zentrales Gebet für uns Christen. Doch geht es dir noch zu Herzen? Verstehst du die tiefen Dimensionen. Ich verbinde in dem Video das Gebet mit der energetischen Psychotherapie EFT, Beten mit klopfen, Beten mit allen Sinnen.
Eine PDF Datei findest du in meinem download Bereich

Mittwoch, 20. März 2013

Vogelweisheit oder auch für dich fällt etwas ab

 Als in diesem Winter viel Schnee lag, hing ich in einem Strauch einen Meisenknödel auf. Es brauchte ein paar Tage, bis die Meisen daran gingen. Auch eine Taube und eine Amsel hatten Interesse an diesn Körnern. Sie waren aber zu groß und zu schwer und konnten sich nicht an dem Netz festhalten. "Die Trauben hingen zu hoch." Als jedoch die Meisen kamen und kraftvoll in dem Knödel herumpickten, fiel immer ein Bröckchen auf den Boden. Da waren Taube und Amsel gleich zur Stelle und pickten sich ihren Teil. So erreichten sie doch noch ihr Ziel, etwas vom großen Kuchen abzubekommen. Ich glaube, das gilt auch für uns Menschen. Wenn du aufmerksam bist, fällt immer etwas ab, auch für dich. Schau nur genau hin! Dabei geht es um die Aufmerksamkeit und das Gewahrsein.
Jetzt im Frühjahr wärmt die Sonne die Natur und bringt sie zum aufwachen. Ein paar Sonnenstrahlen fallen auch für dich ab. Du brauchst nichts dafür tun. Stell dich einfach in die Sonne und es geschieht. Du erwachst, wie die Natur!
Du kannst dir auch die Weisheit von Taube und Amsel aneignen und dir zu Herzen nehmen. Immer fällt irgendwo etwas für dich ab. Im Karneval die Kamelle, im Winter die Wärme in einem Kaufhaus, hier und da ein paar Rabatte und Peisnachlässe, ein Probierstand im Supermarkt, eine kleine Gabe auf dem Wochenmarkt, ein Hustenbonbon und ein Paket Taschentücher in der Apotheke, eine Scheibe Wurst beim Metzger und ein freundlicher Hinweis einer Verkäuferin im Modegeschäft. Vielleicht lässt du selber mal hier und da etwas liegen für einen anderen Menschen. Ein kleines Bildchen, einen Aufkleber, eine Dose Futter für das Tierheim. So funktioniert der Kreislauf. Du empfängst und du gibst, du bist ein Teil vom Ganzen. Du kannst es bewusst mitgestalten und erlebst Wunder über Wunder! Faszinieren, nicht?

Samstag, 16. März 2013

Praline Ananas Curry

Ich bin Mitglied in einem Pralinenclub. Einmal im Monat treffe ich mich mit drei Frauen aus einer ehemaligen Fortbildungsgruppe zum Pralinen verkosten. Vom "offiziellen Dachverband" erhalte ich monatlich eine große Schachtel mit diesen Köstlichkeiten, jweils zwei Pralinen von einer Sorte. In unserem Club zelebrieren wir jeden dieser Abende. Eine Praline wird zunächst durchgeschnitten, beduftet, verkostet und am Ende bewertet mit Noten auf einer Skala von 1 bis 10. Die Note 10 haben wir schon häufig vergeben, denn wir sind großzügig. Die meisten Pralinen bekommen eine 7 oder eine 8, ganz selten mal eine 5 und nie eine 1. 
Einmal im Monat essen wir Pralinen, seit sechs Jahren. Da kamen schon viele unterschiedliche Köstlichkeiten zusammen. Oft gab es ein verzücktes Innehalten von "Oh!" und "Ah!" und "Wie köstlich!" Da gibt es Nougatvariationen oder Marzipankreationen. Da gibt es blumige Umschreibungen von "Hauch" und "Orient" und "erlesen" und "ausgewählt". Du fühlst dich wie eine Königin oder wie ein Prinz. 
Doch davon möchte eigentlich gar nicht mehr so viel erzählen. Probier es doch mal aus! Ist eine tolle Geschichte. Ich erzähle dir lieber von der Praline mit Ananas und Curry. Die gab es vor ca 5 Jahren. Es war eine furchtbare Praline, eine Ausnahme, ein Ausrutscher, die einzige Praline, die je von uns mit einer mageren 4 bewertet wurde. Nie vorher und nie danach haben wir so unsere Gesichter verzogen. 
Damals schüttelten wir uns, heute lachen wir darüber. Das ist doch denkwürdig, oder? Alle anderen Pralinen haben wir vergessen im Laufe der Zeit. Ich kann mich nicht mehr an die leckerste Praline erinnern. Es gab viele davon. Die Praline "Ananas Curry" werde ich nie vergessen. Sie hat sich in  meine Erinnerung und in meine Seele fest eingebrannt. Sie hat sich einen Platz erobert. Sie gehört zu meinem Leben dazu und zum Leben meiner Mitpralinenfreundinnen. Ist es nicht so? Die schwarzen Schafe sind halt doch im Leben interessanter! Hinter dem "hässliche Entlein" verbirgt sich eine verborgene Kraft. 
Ein wenig irritiert bin ich dennoch. All die wunderbaren Pralinen sind aus meiner Erinnerung verschwunden. Schade! Sie ähnelten sich wohl zu sehr. Es war halt immer irgendwie Nougat oder irgendwie Marzipan oder irgendwie Karamell. Meine Ananas Curry Praline jedoch ist einmalig und unverwechselbar. Ananas steht für die Süße und Curry für die Würze! Das Leben ist Polarität. Und? Was ist dein "Ananas Curry" im Leben?

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Freitag, 15. März 2013

Déja vue, Vorahnungen... oder die Synchronizität der Ereignisse



Vor drei Wochen fuhr ich mit meinem Rad zum Supermarkt und kettete mein Fahrrad an den Ständer. Als ich nach dem Einkauf mit meiner Tasche zum Fahrradständer kam sah ich, dass mein Fahrrad verschwunden war. Aber in der Nähe stand ein sehr ähnliches Rad. Und merkwürdig. Mein Schlüssel passte zu dem mir fremden Rad. Ich lachte auf! Da fährt doch tatsächlich jetzt jemand mit deinem Rad spazieren und unsere Fahrradschlösser haben zufällig auch noch das gleiche Schloss. Was blieb mir übrig, als mich auf dieses Fahrrad zu setzen und damit nach Hause zu fahren. Unterwegs schaute ich mir das Rad genauer an. Es war meinem Rad zum Verwechseln ähnlich. Es ließe sich so fahren wie meines, es fühlte sich an wie meines und kurz vor der Wohnung wusste ich es: es ist meines. Es war mir nur auf einmal fremd geworden. Diese Episode wollte ich niemandem erzählen. Es war einfach zu peinlich. Leide ich an Demenz? Ich erzähle es dennoch, weil es eine zweite Geschichte gibt. 
In der letzten Woche führ ich mit einem Freund zu einem anderen Supermarkt. Wieder parkten wir unsere Fahrräder und mein Freund kettete sein Rad am Ständer fest. Als wir wiederkamen stand mein Rad da wie ich es verlassen hatte. Das Rad meines Freundes auch. Aber die Kette mit dem Schloss war verschwunden. Eine ältere Dame sprach uns an und erzählte, dass kurz vorher ein Mann sein eigenes Fahrrad nicht wiederfand und das Rad meines Freundes für seines hielt. Er spach einige Arbeiter an einer Baustelle in der Nähe an, die kurzerhand die Kette des Rades meines Freundes mit einem Bolzenschneider zerschnitten. Dann entdeckte der fremde Mann sein eigenes Rad wieder, schloss es auf und fuhr davon. Mein Freund konnte so zwar sein Rad retten, aber nicht sein Fahrradschloss. 
Merkwürdig, nicht wahr? Zwei Ereignisse kurz hintereinander mit der Suche nach einem Fahrrad vor einem Supermarkt, zwei scheinbare Verwechslungen und zwei mal war ich daran beteiligt. Hatte ich jetzt bei der ersten Fahrradgeschichte eine Vorahnung von dem nachfolgenden Ereignis? In gewisser Weise glaube ich das schon. Solche Dinge erlebe ich öfter und staune dann über die Synchronizität der Ereignisse. 

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Donnerstag, 14. März 2013

Die Worte eines Bischofs und seine Körpersprache

Vor einiger Zeit war ich Teilnehmer an einem Firmgottesdienst. Die Jugendlichen und die Eltern waren festlich angezogen, der Rahmen war feierlich und der Bischof als Vorsteher des Gottesdienstes begann mit seiner Predigt. Er betrachtete kritisch die "glaubensfeindliche" Lebenseinstellung vieler Jugendlicher. Seine Botschaft lautete: du musst dein Leben in Gott festmachen, sonst gehst du in die Irre.
Während der Predigt stand er und hielt sich mit beiden Händen an seinem Hirtenstab fest. "Festmachen" in Gott ging zusammen mit "festhalten" am Bischofsstab. Leider konnte er sich nicht wirklich festhalten, sondern rutschte immer mit seiner Hand den Stab herunter und dann wieder herauf. Seine Körperbotschaft drückte also das Gegenteil seiner verbalen Ansprache aus. Vielleicht in folgender Weise: das Leben ist ein ständiges Auf und Ab. Du hast nichts sicher in deiner Hand. Alles verändert sich. Du kannst auch nichts dagegen machen.
Was haben die Jugendlichen wohl mit nach Hause genommen? Wirkten die Worte oder wirkte die Geste? Wenn die Geste wirkt, nehmen die Jugendlichen mit nach Hause, dass die Geschichte mit Gott eine unzuverlässige Angelegenheit ist.
So nebenbei: das Leben ist eine Entwicklung, der Glaube auch. Gottesbilder verändern sich und als Mensch hast du ein Recht darauf, deinen ganz eigenen Weg zu gehen und deine eigenen Erfahrungen zu machen mit Gott, mit der Liebe, mit deinen Talenten und deinen Schattenseiten...Mich würde interessieren, was ein Bischof fühlt und glaubt, wenn er einmal nicht Bischof ist. Ich meine damit nicht, was er denkt, sondern was er in der Tiefe seines Herzens wahrnimmt. 

Mittwoch, 13. März 2013

Sei vollkommen, aber nicht perfekt!




Perfektion oder Vollkommenheit! Gibt es denn da einen Unterschied? Ist Perfektion nicht das Gleiche wie Vollkommenheit? Im Alltag gebrauchen wir beide Worte oft wie Synonyme. Für mich gibt es dennoch einen großen Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen und es könnte hilfreich sein, da einmal genauer hinzuschauen.
Der Duden spricht bei „Perfektion“ von der höchsten Vollendung oder der Meisterschaft bei der Verrichtung einer Tätigkeit. Das ist durchaus verständlich. Wir wünschen uns ja ein Waschmaschine, die wirklich funktioniert und nicht nur so ungefähr. Auch beim Hausbau macht es Sinn, dass die Mauern gerade und die Fugen dicht sind. Eine perfekte Handwerksarbeit ist schon erstrebenswert. Zugleich bedeutet „perfekt“ jedoch auch, dass etwas „abgeschlossen“ ist und damit zur Vergangenheit gehört. Was abgeschlossen ist, kann man dann auch getrost loslassen.  
Was für eine Waschmaschine noch verständlich ist, kann für andere Lebensbereiche jedoch eine Überforderung sein. Viele Menschen möchten in allem nach Perfektion streben.  Neben den exakten Anforderungen an den Beruf, haben wir vielleicht auch noch den Anspruch an uns als perfekte Mutter, als perfekter Vater und meinen damit eine möglichst fehlerfreie Erziehung der Kinder. Oft geht es dabei um Vermeidung von Fehlern und um die Scham, die aufkommt, etwas nicht gut genug gemacht zu haben. Da klingeln alte Sprüche von früher in unseren Ohren: „Kind, das musst du noch einmal machen, das ist nicht gut genug. Das ist noch nicht perfekt!“
Ich habe noch das Schreiben mit dem Griffel auf einer Schiefertafel gelernt. Jeden Schultag mussten wir eine ganze Tafel mit runden Bögen gestalten exakt von Linie zu Linie – nicht drüber und auch nicht drunter. Es sollten perfekte Bögen sein. Meine Bögen waren nur selten perfekt. Mutter nahm dann oft den Lappen und wischte alles wieder weg. Ich musste von vorne beginnen und durfte so lange weiterschreiben, bis sie einigermaßen zufrieden mit meiner Arbeit war. 
Jede und jeder von uns kann eine ähnliche Geschichte erzählen von mehr oder weniger gelungenen Entwicklungsschritten. Am Ende entwickelt sich manchmal ein Perfektionszwang, der das Leben erschwert und förmlich vermiesen kann. Da reichen dann nicht die achtzig Prozent gelungene Arbeit, es sollten wenigstens hundert und ein Prozent sein, besser noch mehr. Für die letzten Prozentpunkte strengen wir uns dann auch noch übermäßig an. Die Folge ist irgendwann der innere Zusammenbruch und die Kapitulation.
Mein Vorschlag: verzichte auf die Perfektion und sei einfach vollkommen! Wie meine ich das? Ich muss dazu eine kleine Geschichte erzählen. Vor einiger Zeit war ich zu einem Empfang eingeladen und  eine Gruppe von Grundschulkindern sorgte für das musikalische Rahmenprogramm. Ungefähr zehn Jungen und eine Lehrerin betraten mit ihren Käppis auf dem Kopf die Bühne, stellten sich auf, zogen das Käppi von der Stirn und legten es mehr oder weniger elegant auf den Bühnenboden. Dabei standen sie breitbeinig da wie eine Eins in völliger Selbstsicherheit. Das war schon professionell. Die „Käppi-absetzen-Aktion“ sorgte für ausgesprochenes Vergnügen bei den Zuschauern. Dann sangen sie ihr erstes Lied. Meine musikalisch feinfühligen Ohren horchten auf: da singt doch ein Junge schief! Er singt zwar eine Melodie, aber eine, die mit dem ursprünglichen Lied nichts mehr zu tun hat. Ich konnte ihn sofort identifizieren. Alle anderen Kinder sangen super genau die Töne des Liedes. Aber der eine Junge sang schief. Ohne jeden Zweifel! Durch ihn wurde der Auftritt alles andere als perfekt. Zu meiner Kinderzeit wurden Kinder, die „nicht singen“ konnten, vom Singen ausgeschlossen. Doch dieser Junge war dabei. Er sang jenseits aller Perfektion. Und wie lautete mein innerer Kommentar? Es war vollkommen! Da war pure Freude und Vergnügen beim Singen. Da gab es einen Zusammenhalt in der Gruppe und das Selbstverständnis, ein Teil eines großen Ganzen zu sein. Der Auftritt dieser Kinder sorgte bei allen Zuhörern für Freude und Wohlwollen. Es war vollkommen! 
Was macht Vollkommenheit aus? Fehler in der Umsetzung von Aufgaben kann es durchaus geben, Qualitätsstandards werden vielleicht nicht erreicht. Aber dafür gibt es keinen Druck von Überforderung. Keiner bewertet dich, schimpft mit dir oder macht dich klein. In der Vollkommenheit bist du in deinem Tun völlig im Sein. Du bist die pure Lebensfreude.
In der Bibel sagt Jesus einmal: Seid also vollkommen, wie es auch euer himmlischer Vater ist. (Mt 5,48) In der Regel hören wir oft den Anspruch von Perfektion, hier an dieser Stelle eine moralische Perfektion. „Sei die beste Mutter, der ideale Vater, der tollste Ehemann und die perfekte Ehefrau!“ Gemeint ist biblisch etwas völlig anderes als eine moralische Höchstleistung. Im Hebräischen lautet es ursprünglich: sei „tamim“, wie es auch Gott ist. „Tamim“ heißt übersetzt „ganz“, „vollständig“, „ungeteilt.“ Damit ist also die Einladung ausgesprochen, mit seinem Herzen ungeteilt bei dem zu sein, was man gerade fühlt, denkt oder macht. Auf das Singen übertragen würde das heißen: singe nicht perfekt, aber singe mit ganzem und ungeteiltem Herzen. Mache es vergnügt und spüre dabei die Leichtigkeit und die Freude.
So ist Gott! Gott ist tamim! Gott ist mit seiner ungeteilten Aufmerksamkeit ganz bei uns. Er erfreut sich an seiner Schöpfung, er freut sich über uns. Er sieht unsere Entwicklungen und ist einfach nur da für uns. Es geht Gott nicht um Perfektion, sondern um das „Tamim – Vollkommensein“. Es gilt, sein Leben zu bejahen mit Haut und Haaren, mit der Vergangenheit, mit allen Gefühlen und mit allen erlebten Geschichten. Klammer nichts aus und heiße alles willkommen, was zu dir gehört.  Neben dem Verzicht auf den inneren Kritiker kann es in der Fastenzeit eine wunderbare Ergänzung geben: sei da mit deinem ungeteilten Herzen und mit ganzer Aufmerksamkeit!

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Reisen mit Klängen





Hast du schon einmal eine klanggeleitete Trance erlebt? Vielleicht eine interessante Erfahrung für dich. Du liegst warm und entspannt auf einer Unterlage und hörst die Klänge des Monochordes. Dein Körper entspannt sich, fängt villeicht an zu kribbeln und dir werden Traumbilder geschenkt. Du schwebst vielleicht über den Wolken oder machst einen Ausflug in ferne Länder.
Im Kino besuchst du einen Film, den du nicht gedreht hast. Bei einer Trancereise bist du Regisseur, Schauspieler und Zuschauer zugleich. Du machst neue und für dich ungewohnte Körpererfahrungen. Der Körper fühlt sich ganz leicht oder auch mal ganz schwer an. Es entwickelt sich Wärme und du verlierst das Zeitgefühl. Ca. drei mal im Monat lade ich in meinem Yogaraum zum Reisen ein. Hier findest du immer die neuen Termine:  Klangreisen
Weitere Instrumente sind der Gong, die Ocean-Drum, das Didgeridoo und die Schamanentrommel. 

Faste mal anders!




Fastenzeiten werden oft zum Anlass genommen, seine eigene Einstellung zum Leben zu überdenken. Häufig geht es dabei um nach außen gerichtete Defizite. Wir wollen für eine Zeit unsere Nahrungsaufnahme verändern, weil wir mit dem Körper unzufrieden sind,  verzichten auf Alkohol oder Fernsehen, weil wir uns davon abhängig glauben oder finden etwas Ähnliches. Im Hintergrund steht oftmals der Gedanke: ich bin nicht richtig, ich sollte anders sein! Dir fallen die vielen Defizite ein und der Mangel, in dem du dich befindest. Du gelangst zu der Erkenntnis: ich müsste so vieles in meinem Leben verändern! Es fällt mir schwer, so zu sein, wie ich bin! Je nachdem, könnte da eine lange Liste der Unzulänglichkeiten zusammenkommen. Ich bin zu dick, ich bin zu gierig, ich denke zu schlecht über andere, ich bin nörgelig und unzufrieden, ich bin zu perfektionistisch, ich bin zu überpünktlich, ich komme immer zu spät, ich kann dieses nicht richtig und jenes nicht richtig. Aber der Andere kann es auch nicht richtig und ich schäme mich dafür, dass ich den Anderen dafür kritisiere. Wenn ich diese Liste jetzt noch länger fortsetze, wirst du diesen Newsletter schnell zur Seite legen, oder?
Da lebt jemand in uns, den wir alle gut kennen. Es ist ein Er oder eine Sie. Dieses Wesen ist immer auf dem Sprung. Es ist immer in „Hab Acht Stellung“. Es ruht sich so gut wie nie aus und beobachtet uns mit Argusaugen. Es beobachtet, was wir sagen, was wir tun, ja sogar, was wir denken und fühlen. Die erste Reaktion dieses Wesens ist unübersehbar: du bist nicht richtig! Wenn dieser Gedanke auftaucht, war mit Sicherheit dieses Wesen am Werke. Ich möchte nicht länger drum herum reden und ihn oder sie an das Licht der Öffentlichkeit bringen. Das gefällt ihr oder ihm nicht, muss aber sein. Ich rede vom Kritiker, dem inneren Kritiker oder der Kritikerin. Dieses Wesen kann uns das Leben zur Hölle machen. Erinnerst du dich noch an die Dame aus der Lenorwerbung? Es ist schon lange her, aber sie war die Perfektion der kritischen Hausfrau und wusste genau, was der Wäsche fehlte und was die Frau falsch machte.

 Bei meiner letzten Weiterbildung saß ich mittags an einem Tisch, vor mir einen Teller mit Kartoffeln und Gemüse. Eine andere Teilnehmerin lud ihren Teller am Buffet voll und setzte sich zu mir. Ich sagte zu ihr: „Ah, du lässt es dir ja gut gehen!“ Daraufhin schaute sie mich  entgeistert an: „Wieso? Ist das zu viel? Habe ich jemandem etwas weggenommen? Oder meinst du, ich bin eh schon zu dick?“ Ich sah die vielen zusätzlichen unausgesprochenen Sätze wie: „Du Idiot, schau dir doch deinen eigenen Teller an, der ist mindestens ebenso voll…“ Dabei wollte ich mit ihr nur in einen Kontakt kommen, mehr nicht. Ich hatte gar keine Wertung im Kopf, eher die Freude, dass es ihr so schmeckt.
Aber so ist das. Die Kritikerin oder der Kritiker springt unglaublich schnell in uns an. Wenn du ihn einmal loslässt, rotiert er in deinem Kopf bis er sich erschöpft hat. Ein Teller mit Gemüse reicht völlig aus.
Auf der anderen Seite brauchen wir auch unseren inneren Kritiker. Er will uns helfen, dass wir uns weiterentwickeln und dass wir unseren Platz im Leben finden. Oftmals jedoch schränkt er unser Leben arg ein.
Kommen wir zur Fastenzeit. Der Kritiker und die Kritikerin liebt diese Zeit. Da kann er oder sie nach Herzenslust die Fehler und Schwächen gnadenlos anschauen. Es sei denn… du fastest. Verzichte doch mal auf deinen inneren Kritiker und schick ihn für ein paar Wochen in die Wüste. Auch der Kritiker muss sich mal erholen. Warum nicht gleich jetzt. Stell dir also vor, du sitzt vor einem großen Stück Kuchen und dein Kritiker meldet sich: „na, denkst du an die Pfunde? Verlierst du nicht an Attraktivität?“ und so weiter. Dann machst du es dieses Mal anders. Rede mit ihm oder ihr etwa in folgender (männlicher oder weiblicher) Weise.
„Hallo, lieber Kritiker. Danke für deinen Besuch. Aber heute habe ich dich nicht eingeladen. Bis gerade war ich ganz im Frieden mit mir selbst und möchte es noch ein Weilchen bleiben. Tu mir den Gefallen und mache für eine kleine Zeit Urlaub. Jesus war übrigens vierzig Tage in der Wüste und das hat ihm gut getan. Du musst es nicht genauso machen wie er, aber such dir doch einen Ort aus, wo du mal ausspannen kannst. Ich gebe dir sofort und augenblicklich Urlaub. Jetzt genieße ich dieses Stückchen Kuchen und sage mir selbst diesen Satz: auch wenn ich jetzt ein Stückchen Kuchen esse liebe und akzeptiere ich mich so, wie ich bin. Und auch wenn das Stückchen Kuchen heute etwas größer ausgefallen ist als sonst, bin ich ganz in Ordnung, so wie ich bin. Und auch wenn ich dieses große Stück Kuchen mitten in der Fastenzeit esse, bin ich immer und ewig von Gott geliebt und nehme mich von ganzem Herzen an, so wie ich bin.“
Meine Anregung für die Fastenzeit ist einfach und schwer zugleich. Verzichte auf deinen inneren Kritiker. Geh einfach in die Liebe zu dir selbst und sei mit dir gnädig und barmherzig. Schau nicht darauf, was du tust, sondern frage dich, wer du bist. Wenn du entdeckst, wer du bist, dann kann es Ostern für dich werden. Einfach ist es, weil du nichts machen musst, nur in der Liebe sein. Schwer ist es, weil der Kritiker so hartnäckig ist. Seit deiner Kindheit läufst du mit ihm herum und er kennt dich durch und durch. Es könnte eine schöne tägliche Fastenübung sein, sich immer wieder neu anzunehmen und Ja zu sich zu sagen, ohne Vorbehalt und ohne Einschränkung. Für diesen Weg  wünsche ich dir den Segen von Gott.

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