Freitag, 30. September 2016

Kraft, die aus der Stille kommt


Das wünschen sich viele Menschen vor allem am Wochenende nach einer anstrengenden und nervenaufreibenden Woche.  Zeit und Ruhe, in sich gehen, mal ein gutes Buch lesen, gemütlich beim Kerzenlicht sitzen, ein gutes Gespräch mit einem lieben Freund, ein besinnliches Konzert besuchen und die Seele baumeln lassen.
Das ist jedoch die Realität am Wochenende: Nachholen, was liegen geblieben ist; den Großeinkauf machen; Verwandte besuchen; den Garten bearbeiten und vieles mehr. Eigentlich wie immer: ein voller Terminkalender.

Ein ägyptisches Wort sagt: Wer sich abhetzt, wird nie Vollkommenheit erlangen. Dazu gehören Ruhe und Stille.

Die meisten Menschen werden es nicht verhindern können, den einen oder anderen auch schönen Termin zusätzlich zu haben. Aber du kannst alle Dinge etwas gelassener angehen und entgegennehmen. Du lässt dich in deiner Arbeit nicht antreiben vom inneren Unruhestifter. Du nimmst dir vor, vollkommener zu werden in einer ganz speziellen Weise. Vollkommener zu sein in deiner Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die du nicht ändern kannst. Vollkommener zu werden, barmherzig mit deiner Unfähigkeit umzugehen, deine Termine gut zu koordinieren. Vollkommener zu werden, all deine Unzulänglichkeiten zu akzeptieren und dabei der glücklichste Mensch der Welt zu sein. Ich wünsche dir einen gesegneten Tag.

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Donnerstag, 29. September 2016

Geh in dein Herz und sei ewig!


Im Zuge habe ich eine Radiosendung gehört über die indische Religion der Jains. Dort suchen die Eltern für die Kinder den Ehepartner aus. Interessant fand ich den Kommentar des interviewten Mannes dazu. Er sagte: "Das ist ganz gut, dass unsere Eltern den Ehepartner aussuchen. Dann wird man nicht so schnell zu einem Opfer der Liebe!"
Wer seine Partnerin, seinen Partner aussucht kann also schnell zu einem "Opfer der Liebe" werden. Nach unserer westlichen Gedankenvorstellung bedeutet die Liebe doch Freiheit oder nicht? Wir schätzen es, dass wir uns verlieben dürfen und dass die Liebe gelebt wird. Menschen heiraten, weil sie sich von ganzem Herzen lieben und eine große Sehnsucht haben, das Leben miteinander zu verbringen.
Der Mann aus dem Interview kennt dieses Prinzip sicherlich auch. Er sieht, wie die Menschen um ihn herum aus Liebe heiraten. Vielleicht schaut er aber mit einem anderen Blick darauf. Was sieht er wohl? Er sieht vielleicht, dass Menschen sich verlieben. Sie blicken sich an mit der rosaroten Brille. Sie wachen auf und stellen fest, dass die Liebe nicht mehr da ist. Sie fangen vielleicht sogar an sich zu hassen. Aus Liebe wird Abneigung und Hass! Die Liebe verspricht Glück bis in Ewigkeit. Sie zeigt sich wie eine Krake. Bist du in ihren Fängen verschlingt sie dich mit Haut und Haaren. Du wirst zum "Opfer der Liebe". Unser indischer Freund kommt zu dem Schluss: Es ist besser, sich nicht zu verlieben oder diese Form der Liebe zu leben. Am Ende gehst du darin unter.
Ich finde diese Sichtweise gar nicht so verkehrt. Wenn die Eltern die Ehepartner aussuchen, sozusagen ohne Liebe und aus praktischen Erwägungen gibt es nicht die Irrungen und Wirrungen der Liebe. Den Kindern wird viel Unglück erspart. Die erste Liebe setzt sich eh nur zusammen aus Hormonen und rosaroter Farbe. Wenn die verschwindet beginnt die Realität und das eigentliche Leben. Da treffen wir dann wieder unseren indischen Jain, der dieses Kapitel einfach überspringt.
Was lehrt mich das? Die Freiheit der Liebe bleibt für mich ein hohes Gut, muss es aber nicht sein! Das Aussuchen durch die Eltern finde ich nicht so prickelnd, muss aber nicht zwangsläufig schlecht sein.
Ich finde es aber interessant, einmal mit den Jains-Augen einen anderen Blick auf die Liebe zu werfen. Die Erkenntins daraus: Achte drauf, dass du die Liebe lebst und nicht zu ihrem "Opfer" wirst! Zum Opfer wird es, wenn du verkrampft daran festhältst und etwas erzwingen willst was nur freiwillig geht.
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Dienstag, 27. September 2016

Stolpern, hinfallen, auf de Bauch legen, den Moment genießen

Wenn ich im übertragenen Sinne stolpere, dann schäme ich mich. Ich habe versagt. Ich habe mich blamiert. Das hätte nicht sein dürfen. Wenn ich gekränkt bin, dann liege ich auch am Boden. Ich liege nicht gerne freiwillig am Boden. Da liege ich dann mit meiner Kränkung und mit meiner Scham. Das fühlt sich schrecklich an.
Als Kind habe ich mich in solchen Situationen ins Zimmer zurückgezogen und bin unter die Bettdecke gekrochen. Da konnte mich wenigstens niemand sehen. Dort habe ich dann gewartet. Manchmal verging die Kränkung. Manchmal bekam ich auch Besuch. Leider eher selten.
Stolpern und hinfallen möchte ich lieber nicht. Nicht am Boden liegen. Und da lese ich diese Spruchkarte. Sie lädt mich doch tatsächlich ein, den Moment zu genießen. Mich auf den Bauch zu legen und zu genießen.
Das könnte ich doch mal probieren. Wenn ich mich schon schlecht fühle und voller Scham, könnte ich diesen Moment doch innerlich umdrehen. Wenn ich schon liege, dann auch mit den Vorteilen, die das Liegen so mit sich bringt. Ich müsste nicht mehr stehen und aushalten. Ich könnte liegen und loslassen. Ich müsste mich nicht länger anstrengen. Abtauchen, eine Runde schämen und sich kränken und dann hinübergehen in das Loslassen. Und dann einen tiefen Heilschlaf machen und schön genießen.
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Montag, 26. September 2016

Ich bin nicht zickig!

Da steht es weiß auf rot. Ich bin nicht zickig! Und etwas kleiner drunter: "Du machst nur nicht das, was ich will."
Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du zickig bist? Hast du das selbst schon mal zu jemandem gesagt? Bist du eine Frau oder ein Mann. Sind Frauen zickig von "Zicke" und Männer bockig von "Bock"? Was zeichnet so eine Zicke aus? Heißt sie so, weil sie etwas nicht will? Weil sie sich verweigert? Weil sie schlecht drauf ist, wenn sie etwas nicht will? Oder auch er?
Manchmal kommt da so ein Gefühl hoch. Jemand will etwas von dir und du willst nicht. Da kommt jemand mit ganz tollen Gründen. Alles sehr verständlich. Sehr rational. Und du kannst einfach nicht verständnisvoll sein. Du bist schlecht drauf. Mit oder ohne Grund. Mit Grund findest du vielleicht selbst noch in Ordnung. Ohne Grund ist noch schlimmer. Dann bist du zickig ohne Begründung. Vielleicht leidest du auch noch darunter. Dann bist du zickig mit einem schlechten Gefühl, dass das nicht in Ordnung ist.
Schlimm ist, dass es sich einfach Scheiße anfühlt. Du bist viel lieber lustig und gelassen. Aber du lehnst es ab, auch noch so bezeichnet zu werden. Es reicht aus, wenn du dich zickig fühlst. Das muss dir nicht auch noch jemand aufs Brot schmieren. Das ist auch blöd, wenn jemand deine Idee nicht toll findet. Wenn jemand auf deine Wünsche nicht eingeht. Sie nicht sieht.
Wenn du zickig bist, dann befindest du dich im Land der Trennung. Du fühlst dich unverbunden. Isoliert. Allein. Ich habe mir vorgenommen, wenn ich mal zickig oder bockig bin, da mehr Verständnis für mich zu haben. Gnädiger mit mir umzugehen. Bislang war das in meinem Leben immer nur eine Phase. Ich bin da immer wieder rausgekommen. Ich werde nicht im Zustand des getrennt Fühlens bleiben und wieder zurückgehen in die Verbindung. Und ich werde das immer öfter, immer schneller und immer leichter schaffen. Alle zehn Jahre werde ich die Veränderung bemerken. Spätestens auf dem Sterbebett werde ich fragen: "Was ist zickig sein für ein Gefühl? Kenne ich nicht!"
Wenn ich besonders zickig bin heute und da eine schlimme Phase habe, kann ich mir einfach vorstellen, dass ich probeweise auf dem Sterbebett liege. Ich liege dort und lache über das komische Bild. Ich sterbe und bin zickig. Das wäre doch sehr überflüssig. Obwohl - wenn ich so richtig zickig bin, dann fühlt sich das sterbensmäßig schlecht an.
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Samstag, 24. September 2016

Ohne Whats App kann das Leben auch schön sein!

Ich lebe ohne Whats App. Immer noch! Manchmal schaue ich neidisch auf alle vernetzten Freunde. Ich sitze in einer Runde und gehöre nicht dazu. Alle paar Minuten klingelt es und immer schaut jemand auf sein Smartphone. Lächelt. Runzelt die Stirn. Vertieft sich in die Botschaften. Mein Smartphone schweigt. Beharrlich. Es gibt keinen Ton von sich. Es lohnt sich für mich nicht, das Gerät auch auf den Tisch zu legen.
Da findet etwas statt und ich gehöre nicht dazu. Ich bin ausgeschlossen. Ich sollte dies App auch bei mir installieren und Gruppen bilden. Inzwischen bekomme ich von Freunden über Freunden Grüße. "Wenn du mal Matthias siehst, grüße ihn. Sage ihm dieses oder das. Und er ist auch eingeladen." Niemand grüßt mich mehr direkt. Ich bekomme keine Einladungen face to face mehr ausgesprochen.
Jetzt lese ich auf dieser schönen Spruchkarte: "Warum 5 min telefonieren, wenn man es auch per Whats App in 8 Stunden klären kann?" Ja, genau so kommt es mir vor. Die Klärungsprozesse dauern Stunden. Die Nachrichten sind ja kurz und gehen schnell hin und her. Aber der ganze Prozess dauert. Man macht das halt so zwischendurch. Mal eben schnell eine Whats App verschicken.
Ich gehöre noch zu denen, die telefonieren müssen. Nicht ganz. Ich kann auch SMS oder eine Mail verschicken. Bis vor kurzer Zeit gehörte ich damit völlig zum Mainstream. Heute bin ich damit schon ein Dinosaurier.
Ich will auch nicht die moralische Keule herausholen nach dem Motto: "Die Whats App ist dir wichtiger als meine Anwesenheit. Da kann ich ja auch gleich gehen. Du schaust immer nur auf dem Display und ich bin nicht mehr wichtig." Das Smartphone kann schnell für ganz viel Kränkung sorgen. Pling - und ich bin raus. Ich wollte ja nicht moralisch werden, aber weh tut es doch manchmal. Es braucht halt seine Zeit, bis sich Whats App in eine bestimmte Kultur integriert. Und nicht dominiert.
Mich beschäftigt aber eine weiterführendere Idee. Noch brauchen wir zum Gedankenaustausch technische Geräte. Briefe für die Dinosaurier, Mails für die Großeltern, SMS für die Gestrigen und Whats App für die Heutigen. Was wird morgen sein? Damit hoffe ich schon sehr bald. Morgen werden wir für die schnelle Kommunikation keine Geräte mehr benötigen. Ich sende einfach einen Gedanken aus und du wirst in der Lage sein, diesen Gedanken aufzunehmen. Blitzschnell geht es hin und her und niemand merkt etwas. Mit Whats App üben wir für den Tag, wo wir uns ohne Technik austauschen und verstehen.
Wir werden viel tiefer eintauchen in die unsichtbaren Netze, die uns miteinander verbinden. Manchmal klappt das schon heute. Ich bekomme ein Signal von meiner Schwester und schon ruft sie an. Es funktioniert nur noch nicht so zuverlässig. Aber sie wird kommen. Die Zeit, in der wir keine App mehr brauchen. In diese Klammer (  ) habe ich jetzt einen Gedanken gepackt. Kannst du ihn lesen? Willkommen in der neuen Zeit!
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Freitag, 23. September 2016

Mehr Wertschätzung!



Wir sollten öfter loben. Das wird so leicht dahin gesagt. Manche mögen kein Lob und auch kein Lob erteilen. Im Lob steckt eine Wertung: "Das hast du gut gemacht." Welch eine Anmaßung. Als ob ich bewerten könnte, ob jemand etwas gut gemacht hat. Wenn ich werte, werde ich zum Maßstab. Beim Loben gibt es einen Lobenden und einen Gelobten, bzw. einen getadelten, wenn die Leistung nicht gut ist. Es gibt eben kein "Gut" ohne "Schlecht". Loben schafft ein Oben und Unten. Oben ist der Lobende und unten befindet sich der Gelobte. Lob schafft einen Rangunterschied. Darin liegt ein Stück Entwürdigung.

Wertschätzung dagegen beinhaltet ähnliches aber zugleich völlig verschiedenes. Wertschätzung geschieht auf Augenhöhe. Da heißt es auch nicht mehr: "Das hast du gut gemacht." Sondern: "Das, was du gemacht hast, findet meine Anerkennung." "Du hast dich eingebracht." "Das gefällt mir." "Das mag ich!" "Hast du das für mich gemacht?" "Da hast du ganz schön viel Arbeit drin gesteckt." Wertschätzung hat etwas zu tun mit Würdigung, mit Respekt. Sogar, wenn etwas in meinen Augen nicht gelungen ist, kann ich es wertschätzen. Ich mag die Entschlüsse der Regierung nicht gut heißen, aber ich kann würdigen, dass sie sich intensiv mit den Fragen auseinandergesetzt haben. Ich kann mit den Zeugnisses meines Kindes nicht einverstanden sein, aber ich kann wertschätzen, wie viel Arbeit und Mühe dahinter steckte. Die Wertschätzung gibt uns einen inneren Anschub, mehr von dem zu zeigen, was gewürdigt wird. So wünsche ich dir ein waches Herz für jedes Engagement.

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Donnerstag, 22. September 2016

Die demokratische Art zu gehen!

Aus Südafrika kommt folgender Vers:
Gehe ich vor dir, dann weiß ich nicht, ob ich dich auf den richtigen Weg bringe.
Gehst du vor mir, dann weiß ich nicht, ob du mich auf den richtigen Weg bringst.
Gehe ich neben dir, werden wir gemeinsam den richtigen Weg finden.


"Können Sie mir sagen, wo ich hin will?" fragte Karl Valentin in einem Sketch. Manchmal suchen wir im Leben einen "Meister", der uns sagt, wohin es geht. Für eine Zeit mag das auch gehen, wenn wir innerlich sehr unsicher sind. Aber du wirst dir nie sicher sein, ob der "Meister" wirklich den Weg kennt. Vielleicht führt er dich ungewollt oder unbewusst in die Irre. Der indische Philosoph und Gelehrte Krishnamurti pflegte in seinen Vorträgen immer zu sagen: "Glauben Sie nicht, was ich sage. Überprüfen Sie es selbst!"
Wenn du vorangehst und die Rolle des Meisters übernimmst, dann sei vorsichtig. Auf einmal vertrauen sich dir Menschen an und geben ihre Verantwortung bei dir ab. "Du weißt das doch besser als ich! Du bist doch so erfahren!" Das mag zwar schmeicheln, so auf den Podest gehoben zu werden. Aber weißt du wirklich, wohin der Weg geht für einen anderen Menschen? Weißt du um deinen eigenen Weg?
Nebeneinander zu gehen gefällt mir. Auf gleicher Augenhöhe. Mit der eigenen Weisheit und der Weisheit deines neben dir Gehenden. Das fühlt sich eigenverantwortlich und selbstbestimmt an. Als Kind bist du an die Hand deiner Mutter oder deines Vaters gegangen. Er oder sie vorweg und du mit kleinen Schritten ein wenig hinterher.
So bist du ins Leben gekommen. Daran hast du dich gewöhnt. Es ist nicht immer leicht, in die erwachsene Art des Gehens zu wechseln. "Ich bin so erschöpft!" "Das ist so anstrengend!" Vielleicht gibt es da noch eine weitere Lektion zu lernen. Geh in das erwachsene und selbstbestimmte Nebeneinander, und gehe zugleich in die Leichtigkeit wie ein Kind.
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Mittwoch, 21. September 2016

Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann. (Marie von Ebner - Eschenbach)





Wenn die Zeit kommt, könnte ich mal eine Reise machen.
Wenn die Zeit kommt, könnte ich mal wieder ein Buch lesen.
Wenn die Zeit kommt, könnte ich mal dieses interessante Restaurant besuchen.
Wenn die Zeit kommt, könnte ich mir mal diesen Film anschauen.

Während ich darüber nachdenke verrinnt die Zeit und ich denke nur nach. Je mehr ich nachdenke was ich tun könnte, desto mehr verrinnt die Zeit.

Jetzt kann ich eine kleine Reise im Zug machen, dabei ein Buch lesen, mich im Restaurant vor dem Kinobesuch stärken. Das Leben findet jetzt statt – immer! Und nur dann!


Dienstag, 20. September 2016

Der Huckel auf der f und auf der j Taste

Vor ein paar Tagen habe ich meine Tastatur gereinigt. Da fiel mir zum ersten Mal auf, dass die Buchstaben f und j einen kleinen Huckel haben. Das ist mir noch nie aufgefallen. Mir war klar, dass die Huckel mit Absicht da waren.
Ich wollte googeln und dann fiel es mir von selbst ein. Das hatte ich doch vor vielen Jahren einmal gelernt. 10 Finger Blindsystem. Du legst den linken Zeigefinger auf das F und den rechten auf das J und schon kannst du die übrigen Finger sortieren und ab geht die Post. Die sensiblen Finger finden sofort die richtigen Tasten und ich brauche nicht hinschauen. Nicht mal zu Beginn. Ich fühle schon die ersten zwei Tasten. Ich könnte im völlig dunklen Raum sitzen und würde die Orientierung nicht verlieren. Ich weiß immer und sofort, wie ich einen Text schreiben muss. Zeigefinger auf F und J.
Du kleinen und ganz unauffälligen Huckel zeigen mir den Weg. Daran kann ich mich orientieren. Immer!
Die Gangschaltung am Auto ist immer rechts von mir. An der Haustür finde ich ein Klingelschild. Die Geldscheine werden je nach Wert immer größer. Wo ich auch hinschaue, ich kann mich orientieren. Das gibt mir Halt und Sicherheit. So habe ich den Kopf frei zum Nachdenken. Ich könnte ja mal bewusst darauf achten, wo es die kleinen "Hilfshuckel" in meinem Leben gibt. Die ich in der Regel übersehe. Die mich unterstützen dass mein Leben nicht zum Dschungel wird.
Der Mensch an meiner Seite ist für mich auch manchmal so ein F oder J Huckel. Fürsorglich und an so kleine Macken erinnernd, wo es juckt. So ein Huckel ist klein und steht nicht im Weg. Ist aber sehr hilfreich zur Orientierung.

Montag, 19. September 2016

Von alten Frauen lernen, die Zug fahren


Im Zug gibt es ja immer noch die Viererplätze, an denen man sich gegenüber setzen kann. Das erinnert mich an die geschlossenen Zugabteile für sechs Personen, von denen es immer weniger gibt.
Vor ein paar Tagen wurde ich Zeuge einer interessanten Begegnung. Ich saß so, dass ich ein solches Viererquadrat gut sehen konnte. Da saß eine Frau und ihr schräg gegenüber ein Mann. Beide um die vierzig, vermutlich wie ich auf dem Weg zur Arbeit. So wie ich sprachen sie nicht miteinander. Im Zug sprechen ja nur Menschen miteinander, die sich kennen. Ansonsten ist jeder vertieft in sein Smartphone, sein Buch oder sonst was.
Dann stieg ein alte Dame ein mit einem Einkaufswagen. Mühsam stieg sie die paar Treppenstufen herunter und blieb vor dem Quadrat stehen. Ein Rucksack blockierte einen Sitz. "Darf ich mich da hinsetzen?" Klar durfte sie. Normalerweise setzen sich dann die Fahrgäste und - schweigen. Nicht so die alte Dame. Ich war wie elektrisiert. Ich erinnerte mich an die alten Damen zu meiner Studienzeit, die mit mir im Abteil saßen. Sie fingen immer Gespräche mit mir an. Sie konnten es nicht lassen. Ich hatte keine Möglichkeit mehr, meine Bücher zu lesen. Ich dachte, diese Menschen seien inzwischen ausgestorben. Sind sie aber nicht.
In wenigen Sekunden hatte die alte Dame ihre beiden Mitreisenden in ein Gespräch verwickelt. "Fahren Sie auch nach Bielefeld?" "Nein, nach Minden." "Ach, Sie arbeiten da?" "Ja." "Was denn?" "In einem Büro dort." "Mein Mann hat auch in einem Büro gearbeitet, aber in Bad Sassenberg. Kennen Sie Bad Sassenberg? Ist schön dort, nicht wahr? Da kann man auch Urlaub machen. Wo machen Sie denn Ihren Urlaub. Und wo kommen Sie her?" Sie plauderte und erzählte von sich und so ganz nehbenbei erfuhr sie alles von dem Mann und der Frau. Und ich auch! Er war Chemiker und wohnte in Dortmund, aber erst seit ein paar Monaten. Viele weiterere Details. Und unüberhörbar.
Ich mag die Anonymität im Zug. Ich bin bei mir und kann meine eigenen Dinge machen. Zugleich aber bewundere ich diese Frauen aus der alten Welt. Die besaßen noch die Kunst der gepflegten Gesprächsführung. Die konnten noch wildfremde Menschen zusammenbringen und Kommunikation machen. Ohne es je gelernt zu haben. Unterhaltsamer als jedes Fernsehprogramm und für ganz umsonst.
Wenn du jetzt diese Zeilen liest könnte ich ja mal so nebenbei fragen. Liest du meine Texte öfter mal? Was denkst du dann so? Wo liest du meine Texte und bist du verheiratet? Findest du nicht auch, dass Züge pünktlicher sind als ihr Ruf und kennst du solche älteren Damen auch? Schöne Grüße!
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Samstag, 17. September 2016

Die Kunst, nicht mehr als das Beste aus allem zu machen!


Du hast etwas versemmelt! Du hast etwas nicht hinbekommen! Dein Kuchen wurde nicht richtig gar. Dein Brief enthält viele Rechtschreibfehler. Du hast dich blamiert bei deinen Freunden. Du hast schlecht über jemanden gesprochen und der hat das "zufällig" mitbekommen.
Du hast einen Auftrag bekommen und dein Auftraggeber ist mit dem Ergebnis unzufrieden. Egal, was du versemmelt hast, du kannst immer noch das Beste daraus machen. Den Kuchen schiebst du wieder in den Ofen, den Brief korrigierst du, bei den Freunden entschuldigst du dich. Du kannst das Beste daraus machen.
Wenn du vor einer Prüfung stehst oder dein Kind vor einer Klassenarbeit zur Schule schickst kannst dir oder deinem Kind sagen: "Mach das Beste daraus!" So einfach und so banal! Du kannst immer und in jeder Situation noch irgend etwas "Bestes" finden. Glück im Unglück. Das Schlimmste verhindern. Dem Ganzen die Spitze nehmen. Retten, was zu retten ist. So weit, so gut! Oder auch, so schlecht?!
Geh mit mir noch einmal zu der Situation, in der du über jemanden schlecht gesprochen hast. Und diese Person hat das mitbekommen! Du versuchst also, das Beste daraus zu machen. Aber innerlich läuft ein dramatischer Vorgang ab. Du fühlst dich ertappt! Du wirst rot im Gesicht! Dir geht es schlecht! Du möchtest es rückgängig machen, im Boden versinken, dich unsichtbar machen! Es sei denn, du bist in der Lage, fehlerfreundlich mit dir umzugehen und dir deine Fehler nicht so zu Herzen zu nehmen. Wobei Fehler einfach entstehen können durch Unachtsamkeit oder Unvermögen. Aber schlecht über jemanden reden und dabei erwischt werden als "Fehler" interpretieren?
Ich will dir heute eine meiner peinlichsten Geschichten erzählen aus meiner Schullaufbahn. Im Englischunterricht schrieb ich mit vierhzehn Jahren auf einen Zettel über meine Lehrerin: "I love she!" Diesen Zettel zeigte ich meinen Freunden. Die lachten natürlich und meine "Offenbarung" sorgte für eine heitere Stimmung. Die Lehrerin wurde prompt auf mich aufmerksam und las diesen Zettel. Ihr einziger Kommentar war: "Das heißt: I love her." War mir das peinlich! Erst nach dreißig Jahren mag ich diese Geschichte öffentlich erzählen.
Da war nichts mehr zu retten. Ich konnte nichts rückgängig machen. Ich wurde erst erlöst, als wir einen neuen männlichen Englischlehrer aus Bayern bekamen. Das Beste konnte ich daraus machen, indem ich so tat, als hätte ich diesen Satz nie geschrieben. So nebenbei, die Lehrerin war wirklich sehr nett und sah auch toll aus.
Doch jetzt komme ich zu der Kunst, nicht mehr als das Beste aus allem zu machen. Eigentlich möchtest du mehr als das Beste aus allem machen, wenn du versuchst, deine Peinlichkeiten rückgängig zu machen. Du möchtest etwas ungeschehen machen. Das ist dein eigentlicher Wunsch! Du kannst es zwar nicht, aber du möchtest es! Fallen dir Situationen im Leben ein, die du rückgängig machen möchtest? Ein Streit mit deinem Mann, deiner Frau? Ein furchtbares Wort deinen Kindern gegenüber? Klebt an dir so ein Wort oder ein Satz, der bis heute Auswirkungen auf dein Leben hat und dein Glück einschränkt?
Die Kunst, nicht mehr als das Beste aus allem zu machen besteht darin, grundsätzlich einverstanden zu sein mit allem, was du gemacht hast. Du übernimmst die Verantwortung für dein Leben, für deine Gefühle, deine Gedanken und deine Taten. Du stehst einfach dazu. Du stehst zu deiner Scham, zum Rot werden und zu allem, was dir peinlich ist. Wenn du versuchst, mehr als das Beste aus allem zu machen, bewegst du dich in einen Bereich der Phantasie. Da kannst du alles rückgängig machen. Da ist dann nichts geschehen. Dann musst du aber gut im Verdrängen sein!
Nicht mehr als das Beste aus allem zu machen! Die Perfektionisten leben nach diesem Motto. Das Beste ist nicht gut genug. Es geht noch besser! Stress und Burnout sind da vorprogrammiert. Wenn du die Kunst beherrscht, nicht mehr als das Beste aus allem zu machen kannst du sogar anfangen, deine Fehler zu lieben. Du bist dir selbst von Herzen gut und gehst ganz wohlwollend mit dir um. Dann stehst du vor dem Herd und sagst zum Kuchen: "Ach ja! So ist es jetzt." Und gut!
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Freitag, 16. September 2016

Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt. (aus Afrika)

Ich kenne viele Menschen, die das Gefühl haben, nicht bei sich angekommen zu sein. Immer gibt es einen Mangel. Nie ist etwas so ganz richtig. "Jetzt mache ich mehr Sport, das hat mir früher schon gut getan, aber irgendwann habe ich damit aufgehört. Vielleicht hilft es mir ja weiter." Dann kommt der Sport und es fühlt sich wieder nicht so ganz richtig an.Manche Menschen sagen von sich, dass sie viele Umwege machen. Da ist die erste Liebe, die nicht funktioniert, dann kommt die zweite Liebe und manchmal ist die dritte Liebe dann die richtige.
Manche erlernen einen Beruf und stellen schnell fest, dass er nicht den eigenen Fähigkeiten und dem Herzenswunsch entspricht. Aber sie üben ihn aus über viele Jahre bis hin zur großen Sinnkrise.
Bei all diesen Geschichten und Erfahrungen kommt dann vielleicht der Gedanke: Wozu das alles? Warum diese ständigen Umwege? Wann komme ich endlich an mein Ziel? Wann wird alles so sein, dass ich rundum zufrieden bin?

Da sagt das afrikanische Sprichwort: Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt. Das ist doch beruhigend, nicht wahr? Ich darf Umwege machen, so viele ich will. Es ist nicht einmal ein Umweg. Das Wort "Umweg" ist nur meine persönliche Deutung. Es ist halt mein Weg, der Weg, den ich gerade gehe. Ich kann mehrmals um die ganze Erde reisen und innerlich durch tausend Welten wandern, es geht gar nicht anders, als das ich ans Ziel gelange. Ein Misslingen ist damit quasi ausgeschlossen. Egal wie lange du unterwegs bist und wohin du dich auch wendest: Du kommst irgendwann nach Hause, entweder am Ende deines Lebens, zwischendurch oder auch heute. Diese Erkenntnis schenkt dir eine unmittelbare Gelassenheit und klare Gewissheit. Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt.   
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Donnerstag, 15. September 2016

Lieben mit der Brille eines Jains!


Im Zuge habe ich eine Radiosendung gehört über die indische Religion der Jains. Dort suchen die Eltern für die Kinder den Ehepartner aus. Interessant fand ich den Kommentar des interviewten Mannes dazu. Er sagte: "Das ist ganz gut, dass unsere Eltern den Ehepartner aussuchen. Dann wird man nicht so schnell zu einem Opfer der Liebe!"
Wer seine Partnerin, seinen Partner aussucht kann also schnell zu einem "Opfer der Liebe" werden. Nach unserer westlichen Gedankenvorstellung bedeutet die Liebe doch Freiheit oder nicht? Wir schätzen es, dass wir uns verlieben dürfen und dass die Liebe gelebt wird. Menschen heiraten, weil sie sich von ganzem Herzen lieben und eine große Sehnsucht haben, das Leben miteinander zu verbringen.
Der Mann aus dem Interview kennt dieses Prinzip sicherlich auch. Er sieht, wie die Menschen um ihn herum aus Liebe heiraten. Vielleicht schaut er aber mit einem anderen Blick darauf. Was sieht er wohl? Er sieht vielleicht, dass Menschen sich verlieben. Sie blicken sich an mit der rosaroten Brille. Sie wachen auf und stellen fest, dass die Liebe nicht mehr da ist. Sie fangen vielleicht sogar an sich zu hassen. Aus Liebe wird Abneigung und Hass! Die Liebe verspricht Glück bis in Ewigkeit. Sie zeigt sich wie eine Krake. Bist du in ihren Fängen verschlingt sie dich mit Haut und Haaren. Du wirst zum "Opfer der Liebe". Unser indischer Freund kommt zu dem Schluss: Es ist besser, sich nicht zu verlieben oder diese Form der Liebe zu leben. Am Ende gehst du darin unter.
Ich finde diese Sichtweise gar nicht so verkehrt. Wenn die Eltern die Ehepartner aussuchen, sozusagen ohne Liebe und aus praktischen Erwägungen gibt es nicht die Irrungen und Wirrungen der Liebe. Den Kindern wird viel Unglück erspart. Die erste Liebe setzt sich eh nur zusammen aus Hormonen und rosaroter Farbe. Wenn die verschwindet beginnt die Realität und das eigentliche Leben. Da treffen wir dann wieder unseren indischen Jain, der dieses Kapitel einfach überspringt.
Was lehrt mich das? Die Freiheit der Liebe bleibt für mich ein hohes Gut, muss es aber nicht sein! Das Aussuchen durch die Eltern finde ich nicht so prickelnd, muss aber nicht zwangsläufig schlecht sein.
Ich finde es aber interessant, einmal mit den Jains-Augen einen anderen Blick auf die Liebe zu werfen. Die Erkenntins daraus: Achte drauf, dass du die Liebe lebst und nicht zu ihrem "Opfer" wirst! Zum Opfer wird es, wenn du verkrampft daran festhältst und etwas erzwingen willst was nur freiwillig geht.
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Die Liebe macht den, der von ihr trunken, gleichgültig gegen Ehre und Schande. (Mohammed Ben el-Hosein Ben Musa el-Esd)

Dieses Wort stammt von einem sufischen Mystiker aus dem Mittelalter. Ich möchte den Satz einmal von hinten her aufdröseln.
Du stellst dich einer Aufgabe und hoffst, dass du sie gut erfüllen kannst. Vielleicht sagt dir jemand: "Das hast du gut gemacht!" Dann fühlst du dich bestätigt und richtest dich auf. "Ja, das bin ich! Das habe ich geschafft!" In alter Sprache formuliert vermehrst du so deine Ehre. Die Menschen ehren und achten dich für das, was du geleistet hast. Umgekehrt könnte dir auch jemand sagen: "Das war ein Satz mit X!" Dann bist du gekränkt und fühlst dich beschämt. In alter Sprache ausgedrückt hieße das, dass du Schande in deinem Leben angehäuft hast.
Ständig erfüllst du irgendwelche Aufgaben und ständig kommentieren Menschen das, was du tust. Sie bewerten: Das hast du gut gemacht oder das hast du schlecht gemacht. Oder in alter Sprache: Ehre oder Schande. Da kann es geschehen, dass deine Aufmerksamkeit häufig bei dem Gedanken oder bei der Angst ist: "Bloß keine Schande! Hoffentlich viel Ehre!" So bist du nie bei deiner Aufgabe sondern immer schon bei der Bewertung am Ende. Die Erfüllung deiner Aufgaben wird dann begleitet von deiner Angst und deiner Sorge: "Hilfe! Genüge ich?!" Dann bist du schon raus aus dem "Flow". Es fließt nicht mehr und deine Arbeit wird wirklich zur harten "Arbeit".
Der sufische Mystiker nun glaubt, dass sich mit dir etwas fundamental ändert, wenn du an einer ganz bestimmten Schraube drehst. "Sei in der Liebe!" Wenn du in der Liebe bist, dann bist du im Flow, dann fließt es und du wirst gleichgültig gegenüber den Bewertungen deiner Umgebung. Du "bist" einfach. Zugleich gibt es noch eine Steigerung: Trunken sein von der Liebe. So, wie der Alkohol deine Sinne benebelt, verändert die Liebe dein Gemüt. Die Liebe macht dich unabhängig von menschlichen Urteilen und Verurteilungen. Du kommst dir vor wie im Paradies. Die Unzulänglichkeiten und Fehler treten zurück. Daraus folgt für mich so etwas wie eine Grundhaltung: "Bevor du mit deiner Arbeit beginnst, versetze dich in den Zustand der Liebe." Geht das so einfach? Nicht immer nach meiner Erfahrung. Aber du kannst jetzt etwas dafür tun, indem du beginnst mit der Veränderung deines Bewusstseins. Sei dir ständig bewusst, dass du ein Gottesgeschenk bist, dass du dafür nichts tun musst und dass es völlig ausreicht, einfach nur dazusein.
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Mittwoch, 14. September 2016

Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen. (Rahel Antonie Friederike Varnhagen von Ense)

 

Ein Spruch auf einer modernen Postkarte? Nein, eine Aussage von einer Berliner Salondame, die vor 200 Jahren lebte und sich für die Gleichberechtigung der Frauen einsetzte.
"Was machen Sie?" -  "Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen. " Ich habe einmal einen Film über die Yanomami gesehen. Das kam mir so ursprünglich vor. So nah bei sich selbst, bei der Natur und bei den Menschen. So stelle ich mir das Leben im Paradies vor. Das Leben bestimmt von selbst die Themen. Wenn ich Hunger habe esse ich. Wenn ein Mensch da ist bin ich gemeinsam mit ihm. Wenn die Sonne scheint halte ich den Bauch da hin.
Wenn ich das wirklich so täte! Ich esse wenn ich keinen Hunger habe und kann mit Menschen nicht gut zusammen sein. Ich schütze mich vor der Sonne wenn sie das und sehne sie herbei, wenn sie sich nicht blicken lässt.
"Was machen Sie?" - "Nichts." Ich mache immer etwas. Ich achte darauf, immer alles richtig zu machen. Im richtigen Rhythmus und zur richtigen Zeit. Ich führe dadurch ein anstrengendes Leben. Das Nichts leiste ich mir nicht einmal im Urlaub. Höchstens mal für einen Tag oder für eine Stunde. Frau Varnhagen von Ense lässt das Leben auf sich regnen. Sie setzt sich dem Leben aus. Sie muss da nicht extra was machen. Vielleicht geht sie auf die Straße und dann begegnen ihr schon die Themen. Ein Hund, eine Sonne, ein Hunger, eine Lust! Vielleicht ist es möglich, auch heute in der Zivilisation wie ein Yanomami zu leben. Im Einklang mit sich, mit den Menschen, mit der Natur. Der Regen ist da und ich auch. Einfach zulassen und nichts weiter machen. Darin liegt schon genug Stoff für das Leben.
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Dienstag, 13. September 2016

Sei Du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt. (Mahatma Gandhi)


Ja, ich wünsche mir Veränderungen. Wenn ich die Augen öffne, dann sehe ich genug Möglichkeiten, diese Welt zu verbessern, indem sie verändert wird. In meiner Wohnung sehe ich die Spinnweben und Staubflächen. Im Garten das Unkraut. In der Stadt die Häuser, die mal gestrichen werden könnten. In der Stadtverwaltung die Pleiten und Pannen. Beim Bürgermeister die Defizite. Bei den Häusermaklern die hohen Kosten. Und überhaupt die Ungerechtigkeit im Land und die Parteien, die man auf keinen Fall wählen darf. Ich sehe viele Möglichkeiten, die Welt zum Besseren zu verändern.

Die Spinnen in meiner Wohnung werden wiederkommen. Der Bürgermeister ist so wie er ist. Die Makler werden für mich nicht ihre Gebühren verändern. Ich stelle fest, dass ich im Außen nur wenig Möglichkeiten habe. Da bin ich immer auf Zustimmung und Mitarbeit der anderen angewiesen. Immer wieder springt zwar mein Herz an und schreit: "Ungerechtigkeit!" Und ich wünsche mir wirklich die eine oder andere Verbesserung. Aber ich bleibe da schnell in der Ohnmacht.

Mahatma Gandhi gibt mir einen wichtigen Hinweis: "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt." Ich selbst kann die Veränderung sein! Es geht nicht einmal so sehr um ein Tun. Wenn ich anders denke und fühle trage ich schon zur Veränderung bei. So gehe ich in die Haltung der Dankbarkeit und der tiefen Verbundenheit. Ich wünsche mir und der Welt Frieden und Liebe. Das kann ich immer machen. Zu jeder Stunde des Tages. Auch jetzt. Ich wünsche dir Frieden und Licht!
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Montag, 12. September 2016

Früher war ich eingebildet. Heute weiß ich, dass ich toll bin.


Als Kinder saßen wir früher am Küchentisch und sprachen über Verwandte, Nachbarn und Freunde. Und es wurde verglichen. Vor allem die Noten in der Schule. Wer war besser und wer war schlechter. Meine Eltern waren sehr stolz, wenn Verwandte sagten: "Ihr habt eure Kinder aber gut erzogen." Eine Tante sagte sogar einmal zu meiner Mutter: "Ich habe lieber deine Fünf als die Eine von deiner Schwägerin."
Meine Eltern konnten es nicht ausstehen, wenn jemand eingebildet war. Lehrer waren eingebildet, Ärzte und auch der Pastor. Ich könnte jetzt noch eine Liste erstellen der vielen eingebildeten Menschen in unserem Dorf. Dazu gehörte auch der Dorfpolizist. Mein Gott, war der eingebildet. Dabei wussten alle, dass er ein aler Nazi war.
Meine Eltern waren so froh, dass wir nicht eingebildet waren. Eine gute Note in der Schule war Pflicht, Schuldigkeit und Verdienst. Man hüte sich vor Einbildung. Die schreckliche Strafe wird folgen. Wir waren überhaupt nicht eingebildet. Wir kamen mit wenig Geld aus und waren alle gut in der Schule. Wir haben alle Aufgaben und Arbeiten im Familienalltag gelöst. Aber wir waren nie dabei eingebildet.
Wir waren also überhaupt nicht eingebildet. Zumindest nicht sichtbar. Unsichtbar waren wir aber die eingebildetsten Menschen im Dorf. Eine perfide Form von Einblidung. Eine unsichtbare Einbildung. Die Einbildung, eine perfekte Familie zu sein. Alles funktionierte wie am Schnürchen.
"Früher war ich eingebildet. Heute weiß ich, dass ich toll bin." Mir geht es um das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen. Ich bin in Ordnung, so wie ich bin. Mit dem, was ich kann und noch mehr mit dem was ich nicht kann. Ich bin in Ordnung jenseits meines Könnens. Ich bin toll und du auch! Du musst nichts dafür leisten und dich nicht verstecken. Und es ist gesund, sich nicht ständig zu vergleichen und sich immer zu bewerten. Dieses Bewerten macht dich krank in deiner Seele.
Lehne dich gelassen zurück. Lege die Hände in den Schoß. Heute weiß ich, dass ich toll bin!
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Samstag, 10. September 2016

Da, wo ich herkomme...

Da, wo ich herkomme, leben die Menschen von Zwiebeln.
Da, wo ich herkomme, klebt der Lehm an den Schuhen.
Da, wo ich herkomme, spart man mit dem Geld, den Worten und auch sonst.

Da, wo ich herkomme... In Gesprächsrunden fällt manchmal dieser Satz. Jemand, der das sagt, erzählt zunächst einmal nichts von dem konkreten Ort, sondern nur von "da, wo er herkommt". Da höre ich dann heraus: Das hat mich geprägt! Das gehört zu mir! Das sind meine Wurzeln! Jemand, der so spricht ist nicht mehr da, wo er herkommt, sondern ist jetzt wo ganz anders. Vielleicht in der Fremde?
Viel seltener sprechen wir von da, wo ich jetzt bin. Das muss ich nicht erzählen, denn das teilst du aktuell in deiner Erzählrunde. Auch selten sprechen wir von da, wo ich hingehe. Davon sprechen wir vielleicht einmal im Urlaub, aber eher nicht. Wir gehen davon aus, dass wir da sind, wo wir sind. Da, wo ich hingehe hört sich auch sehr philosophisch und spirituell an. Jesus spricht im Johannesevangelium einmal über seinen Tod und verwendet genau diese Worte: "Da, wo ich hingehe..."
Ich bleibe noch einmal bei dem Satz: "Da, wo ich herkomme..." In mir sperrt sich da etwas. Wo komme ich denn eigentlich her. Ist der Ort, an dem ich zur Welt komme und wo ich die ersten Jahre verbringe so ausschlaggebend? Komme ich da wirklich her? Komme ich nicht aus dem Bauch meiner Mutter? Dann hießen manche Sätze anders, etwa so: "Da, wo ich herkomme war es kuschelig, warm und feucht." "Da, wo ich herkomme, gab es ein regelmäßiges Klopfen, dass ich später als Herzschlag identifizieren konnte." Bislang teilen wir Menschen alle diese Erfahrung: Wir alle kommen aus dem Bauch unserer Mutter. Wir reden darüber nicht, weil wir keine Erinnerung daran haben. Vielleicht schämen wir uns auch dafür?! Die Herkunft und die Zeit im Bauch unserer Mutter hat uns auf jeden Fall mehr geprägt als der Ort, an dem wir zur Welt kamen.
Geht es noch eine Stufe zurück? Wo war ich vor der "im Bauch der Mutter Zeit"? Da, wo ich herkomme, gibt es die absolute Einheit, Liebe und Verbindung. Da, wo ich herkomme, hat das Wort Ewigkeit seinen Anfang. Da, wo ich wirklich herkomme, davon wüsste ich gerne mehr.

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Freitag, 9. September 2016

Die Liebe macht den, der von ihr trunken, gleichgültig gegen Ehre und Schande. (Mohammed Ben el-Hosein Ben Musa el-Esd)

Dieses Wort stammt von einem sufischen Mystiker aus dem Mittelalter. Ich möchte den Satz einmal von hinten her aufdröseln.
Du stellst dich einer Aufgabe und hoffst, dass du sie gut erfüllen kannst. Vielleicht sagt dir jemand: "Das hast du gut gemacht!" Dann fühlst du dich bestätigt und richtest dich auf. "Ja, das bin ich! Das habe ich geschafft!" In alter Sprache formuliert vermehrst du so deine Ehre. Die Menschen ehren und achten dich für das, was du geleistet hast. Umgekehrt könnte dir auch jemand sagen: "Das war ein Satz mit X!" Dann bist du gekränkt und fühlst dich beschämt. In alter Sprache ausgedrückt hieße das, dass du Schande in deinem Leben angehäuft hast.
Ständig erfüllst du irgendwelche Aufgaben und ständig kommentieren Menschen das, was du tust. Sie bewerten: Das hast du gut gemacht oder das hast du schlecht gemacht. Oder in alter Sprache: Ehre oder Schande. Da kann es geschehen, dass deine Aufmerksamkeit häufig bei dem Gedanken oder bei der Angst ist: "Bloß keine Schande! Hoffentlich viel Ehre!" So bist du nie bei deiner Aufgabe sondern immer schon bei der Bewertung am Ende. Die Erfüllung deiner Aufgaben wird dann begleitet von deiner Angst und deiner Sorge: "Hilfe! Genüge ich?!" Dann bist du schon raus aus dem "Flow". Es fließt nicht mehr und deine Arbeit wird wirklich zur harten "Arbeit".
Der sufische Mystiker nun glaubt, dass sich mit dir etwas fundamental ändert, wenn du an einer ganz bestimmten Schraube drehst. "Sei in der Liebe!" Wenn du in der Liebe bist, dann bist du im Flow, dann fließt es und du wirst gleichgültig gegenüber den Bewertungen deiner Umgebung. Du "bist" einfach. Zugleich gibt es noch eine Steigerung: Trunken sein von der Liebe. So, wie der Alkohol deine Sinne benebelt, verändert die Liebe dein Gemüt. Die Liebe macht dich unabhängig von menschlichen Urteilen und Verurteilungen. Du kommst dir vor wie im Paradies. Die Unzulänglichkeiten und Fehler treten zurück. Daraus folgt für mich so etwas wie eine Grundhaltung: "Bevor du mit deiner Arbeit beginnst, versetze dich in den Zustand der Liebe." Geht das so einfach? Nicht immer nach meiner Erfahrung. Aber du kannst jetzt etwas dafür tun, indem du beginnst mit der Veränderung deines Bewusstseins. Sei dir ständig bewusst, dass du ein Gottesgeschenk bist, dass du dafür nichts tun musst und dass es völlig ausreicht, einfach nur dazusein.
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Donnerstag, 8. September 2016

Eigentlich würde ich lieber Ja sagen.

Ich habe Nein gesagt.
Ich werde nicht zur Geburtstagsfeier gehen.
Ich bin sauer auf meinen Gastgeber.
Der hat mir nicht einmal zu meinem Geburtstag gratuliert.
Der hat mich nur eingeladen, weil er ein Selbstdarsteller ist.
Er umgibt sich gerne mit vielen Menschen weil er zeigen will, wie beliebt er ist.

Ich wollte kein schmückendes Beiwerk sein.
Ich wollte mich nicht missbrauchen lassen.
Der hat sich bisher noch nie bei mir entschuldigt.
Im letzten Jahr war ich noch dort.
Und alle haben ihn bewundert.
Das tolle Haus, die tolle Familie, der tolle Hund, das tolle Essen. Toll!

Er hatte nicht mal mein Geschenk ausgepackt.
Kurz gratuliert und schon wieder weg!
Ich hätte im letzten Jahr schon Nein sagen sollen.
Aber mein Nein musste wohl noch wachsen und klarer werden.
In diesem Jahr habe ich Nein gesagt.
Ich habe Nein gesagt ohne eine Begründung.
Damit es ordentlich weh tut.
Darf ich dich einladen?
Nein!

Aber eigentlich...
Eigentlich würde ich lieber Ja sagen.
In dem Nein steckt so viel Kränkung.
Die ist nicht weggegangen.
Ich habe Nein gesagt und die Kränkung ist geblieben.

Daraus habe ich gelernt.
Ich sage weiterhin Nein. Das fühlt sich richtig an.
Aber wenn ich eigentlich lieber Ja sagen würde,
sage ich nicht mehr Nein.
Ich arbeite dann an dem "eigentlich" bis es klar wird.

Bis Kopf, Herz und Bauch übereinstimmen.
Dann gibt es manchmal interessante Lösungen.
Ich sage Ja aber mit Vorbehalt.
Ich sage Nein aber mit Möglichkeit, dass es noch Ja werden kann.
Ich sage Nein und springe trotzdem über meinen Schatten.
Ich sage Ja und mache dennoch Nein.
Ich befreie mich vom Diktat von Ja oder Nein und frage nach meinen Bedürfnissen.
Wenn ich da angekommen bin, lässt sich vieles leicher klären.

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Mittwoch, 7. September 2016

Ich bin vielseitig unbegabt.


So hat es der Kabarettist Christian Ehring ausgedrückt. "Ich bin vielseitig unbegabt." Da klingt der gängige Spruch gleich mit. "Er ist nur einseitig begabt." Das fängt ja in der Schule schon an. Bist du eher sprachlich oder eher mathematisch begabt. Die einseitigen Naturwissenschaftler und die einseitigen Künstler. Wer einseitig begabt ist, muss sein Talent auch ordentlich kultivieren. So wirst du Schauspieler oder Physikprofessor. Das Leben ist ab der Grundschule schon vorgebahnt.
Dann gibt es noch die Menschen, die vielseitig begabt sind. Die echten Wunderkinder. Sie können alles. Denen fällt dann auch die Entscheidung manchmal schwer. Was mache nur mit meinem Leben? Schauspieler oder Professor? Oder Professor mit guten Schauspielqualitäten?
Ich gehöre wohl zu der Gruppe, die viele Dinge so ungefähr können. Nirgendwo ganz oben und nirgendwo ganz unten. Guter Durschnitt eben. Das hat den Vorteil, dass ich nicht so unter Leistungsdruck stehe.
Solange ich aber irgendetwas kann gibt es auch einen Anspruch. Den Anspruch, die Talente ordentlich auszubauen und zu nutzen. Etwas aus sich zu machen. Wie befreiend hört sich da doch der Satz von Christian Ehring an: "Ich bin vielseitig unbegabt." Das unterscheidet sich doch sehr von: "Ich kann nichts!" Erinnerst du dich an Zeugnisse, wo es eine sechs gab? Ungenügend? Hilfe! Mit einer solchen Note hätte ich mich nicht nach Hause getraut. Ungenügend und das Selbstbewusstsein im Keller. Wie erfrischend, wenn ich sage: "Ich bin vielseitig unbegabt." Ich habe keine Begabung, bin darin aber vielseitig. Vielseitig klingt positiv. Ein Vielseitiger ist für viele Dinge gut. Er kann nichts, davon aber viel und mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen.
Ich erinnere mich an manche Kinder im Ferienlager, die nicht begabt waren. Sie konnten nicht schön malen, nicht schnell rennen und vieles andere auch nicht. Aber in ihrem "Nichtkönnen" waren sie unglaublich glücklich. Mitleid war völlig fehl am Platz. Eher Neid. Wie kann man so glücklich sein, ohne etwas zu können?!
Unser Ego bestimmt sehr stark unser Leben. Etwas können. Dazu gehören. Etwas darstellen. Jemand sein. Der vielseitig Unbegabte spiegelt sich in der klassischen Rolle des Clowns. Er macht alles und macht es so verkehrt, dass alle über ihn lachen und er über sich selbst auch. Der Clown sieht das Leben als ein Spiel. Mehr nicht! Und damit hält er mir den Spiegel hin. Ich bin der unwichtigste Mensch in der Welt und darf darüber total glücklich sein.
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Dienstag, 6. September 2016

Einen Tag ungestört in Muße zu verleben heißt, einen Tag lang ein Unsterblicher zu sein. (Johann Albrecht Bengel 1687-1752)

Mein Kalender schreibt diesen Spruch einer chinesischen Weisheit zu. Tatsächlich stammt er aber wohl von dem protestantischen Theologen Bengel. Warum glaubt mein Kalender wohl, dass es sich um eine chinesische Weisheit handelt. Wo lag der Anfang des Irrtums?
Wenn du einmal das Internet durchforstest wirst du feststellen, dass viele von vielen abschreiben manchmal mit richtiger Quelle, manchmal mit falscher und oftmals auch ohne Ursprungsangaben. Meine Sätze habe ich auch schon in einem Blog wiedergefunden und gedacht: Ach wie vertraut!
Macht es einen Unterschied, ob die Würdigung der Muße chinesischen oder protestantischen Ursprungs ist? Ich glaube nicht! Wir alle haben etwas Unsterbliches in uns. Wann wird unsere Sehnsucht nach einem ewigen Leben wach? Wenn ich den ganzen Tag arbeite, dann erschließt sich mir kaum ein Ewigkeitsgedanke. Da zählt das, was jetzt in diesem Augenblick zu tun ist.
Doch wenn du für einen ganzen Tag dich der Muße hingibst und in den Himmel schaust, dann öffnest du den Raum des unendlichen Kosmos. Ich nenne es den Zustand der "Verbundenheit". Das Gegenteil wäre die "Trennung". Das theologische Wort dafür heißt "Sünde" von absondern, getrennt sein. Die Stunde ist begrenzt, der Tag mit den 24 Stunden auch. Wenn dir die Sterblichkeit in den Sinn kommt, bist du im Zustand der Trennung, der "Sünde". Der Tod trennt dich vom Leben. Wie gelangst du jedoch  in einen Zustand der Verbundenheit? Wenn du dir Zeit nimmst und nichts tust, einfach da bist, verschwindet diese gleich Zeit. Sie hört auf zu existieren. Es entsteht ein Zustand der Muße, in dem die Unsterblichkeit aufleuchtet. Auch, wenn du "arbeitest" kannst du in diese Bewusstheit hineingehen des "Ich Bin".
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Montag, 5. September 2016

Sei geduldig mit allen Fragen in deinem Herzen, und versuche, die Fragen an sich zu schätzen. (Rainer Maria Rilke)

Du bewegst eine Frage in deinem Herzen und suchst nach einer Antwort. Deine Ungeduld möchte oftmals eine zügige Antwort, vor allem, wenn du leidest. Du fragst, warum du immer so ungeduldig bist mit dir und den Menschen in deiner Familie. Du fragst dich, warum es dir nicht gelingt, den ganzen Tag ausgeglichen und guter Laune zu sein. Du fragst, warum das Leben so ungerecht zu dir ist. Du glaubst, dass dann, wenn du eine Antwort darauf hast, es dir besser geht.
Nach meiner Erfahrung gibt es keine letzten Antworten auf ein "Warum?". Hinter jedem "Warum" gibt es ein neues "Warum". Schon die Kinder, die so fragen, zeigen es dir. Du beantwortest geduldig jede Frage, aber irgendwann spürst du das brühmte Loch in deinem Bauch und sagst: "Schluss. Kein "Warum?" mehr!"
Rilke lädt dich ein, bei der Frage selbst zu bleiben. Lerne, deine Fragen zu schätzen und nicht eine Antwort zu erwarten. Nehmen wir doch einmal eine sehr philosophische Frage. "Wozu bin ich auf dieser Welt?" Jetzt kannst du dich direkt ans Antworten begeben. Du könntest sagen, weil deine Eltern sich liebten oder weil es im Plan Gottes liegt. Du könntest aber auch die Frage einfach einmal stehen lassen. Wozu bin ich auf dieser Welt? Wenn ein Antwortgedanke auftaucht, dann stoppe ihn einfach.
Bleib also bei der Frage selbst stehen, ohne auf eine Antwort zu warten. Welche Erfahrungen machst du dabei? Kommt vielleicht ein Gefühl? Wenn ja, welches? Entsteht Freude oder Trauer? Empfindest du vielleicht sogar einen Schmerz, weil da eine Leere entsteht? Das "Wozu" könnte zu einer sehr tiefen und persönlichen Sinnfrage werden. Wer ist das "Ich", das da fragt? Von welcher Welt sprichst du überhaupt, der sichtbaren oder der unsichtbaren Welt? Wo gehört das hin, was du so selbstverständlich "Ich" nennst? Es kann geschehen, dass du die Frage mehr liebst als die Antwort. Denn jede Antwort wird vorläufig sein. Wenn du deinen Kindern eine Antwort gibst bist du froh, wenn es nicht weiterfragt und da eine Zufriedenheit entsteht. Zugleich weißt du, dass deine Antwort dem Kind gegenüber mehr Fragen offen lässt, als du Antwort gegeben hast.
Uns fällt es schwer, etwas im Raum stehenzulassen. Wir mögen Stabilität und nicht die Schwebe. Fragen schweben eher als dass sie stabilisieren. Versuche, die Fragen an sich zu schätzen. Die Fragen wirken wie ein Motor, der dich weiter vorantreibt, neue Erfahrungen zu machen und auf der Suche zu bleiben.
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Samstag, 3. September 2016

Ein Hauch von Etwas – oder die richtige homöopathische Dosis




Von allem, was es auf der Welt gibt kannst du sehr viel oder auch nur einen Hauch haben. Ein Hauch von Sonne, Winter, Mord, Film, Italien, Liebe, Tannenduft, Zärtlichkeit oder Zimt. Sogar das Nichts kann existieren mit einem kleinen Hauch.
Ein Hauch von Etwas ist nicht viel. Ein Hauch ist sehr wenig. Sogar weniger als wenig. Fast nichts. Aber eben nur fast nichts. Homöopathische Mittel enthalten auch nur einen Hauch von Etwas. Sogar weniger als einen Hauch. Eigentlich bleibt nur die Information übrig. Informationen in Tropfen oder Globuli.
Dabei hat es der Hauch in sich. Stell dir vor, dass es drückend heiß ist und die Sonne intensiv auf dein Haupt scheint. Nirgendwo findest du Schatten. Wie würdest du jetzt einen Hauch von Wind empfinden?
Das Gegenteil vom Hauch wäre die pralle Fülle. Mehr als genug von Etwas. Pralles Italien, fette Liebe, betörender Tannenduft, krasser Mord. Jesus würde in diesem Fall vom Leben in Fülle sprechen. Ich selber mag diese Fülle sehr. Ich sehe die Auslagen beim Bäcker und darf wählen. Ich sehe die vielen Sorten Eis und kann mich in einen Eisbecher reinsetzen. Ich muss keine Angst vor dem Mangel haben. Fülle ist das Rezept für alle, die als Kinder zu kurz gehalten wurden. Ab und zu Pommes essen bis zum Abwinken. Beim letzten Betriebsausflug waren wir in einem Flammkuchen – Restaurant mit dem Konzept: all you can eat. Eine junge Kollegin fragte mich, ob ich als Kinder Hunger leiden musste. Sie hielt mich für ein Kind der Kriegsgeneration. Eine andere Kollegin erzählte voller Stolz, wie viele Flammkuchen sie beim letzten Mal mit ihrem Freund verdrücken konnte. Je mehr Flammkuchen uns gebracht wurden, desto schneller verschwand meine Lust. Es gab dann nur noch die Gier und die Befriedigung der Gier. Das Schmecken trat in den Hintergrund.
Ständig bewegen wir uns zwischen Hauch und Fülle. Ich wünsche mir die Fülle. Wenn sie da ist kann ich sie für einen Moment genießen. Aber es stellt sich irgendwann ein gewisses Maß an Sättigung ein und dann wäre eine Pause sinnvoll und angebracht.
Eine Pause vom Essen? Eine Pause von der Liebe? Auf die Fülle verzichten? Ein Teil von mir sagt: „Lieber nicht! Das muss nicht sein. Der Krieg ist schließlich schon lange vorbei.“ Ich gehöre doch wohl zur Generation die manchmal „kriegsmäßig“ denkt.
Ich glaube dennoch, dass wir als Menschen für die totale Fülle nicht geschaffen sind. Das überfordert unser System. Zu viel von Etwas scheint für uns schädlich zu sein. Das gilt auch in der Gottesbegegnung. Die zwei Jünger auf dem Berg der Verklärung konnten das gleißende Licht kaum ertragen. Unser Geist und unsere Seele vertragen nur irdische Portionen. Nicht mehr als zwei Flammkuchen und eine homöopathische Dosis von Gott.
Wünsche dir also nicht wirklich eine vollkommene Gottesbegegnung. Sie würde dich umhauen. Du könntest sie nicht tragen. Besser nur kleine Schritte machen. Kein Sprung ins eiskalte Wasser, sondern eine langsame Gewöhnung.
Schau doch noch einmal mit mir auf die kleine Dosis. Dem Hauch von Etwas. Verlockender als du ahnst. Stell dir einmal einen Hauch von Berührung vor. Es findet kein Körperkontakt statt. Aber jemand kommt dir so nahe, dass du so gerade etwas spürst. Stell es dir jetzt vor! Gerade jetzt kommt die Hand eines Freundes, einer Freundin und möchte dich berühren. Was geschieht? Richten sich deine feinen Härchen auf? Läuft dir ein wohliger Schauer über den Rücken? Fühlt es sich warm an? Oder gehst du in Alarmstellung? Witterst du Gefahr? Bei mir reicht der Hauch einer Vorstellung aus, dass mein Körper reagiert.
Ich sehe die unglaubliche Kraft und Macht des Hauches. Der Hauch einer Chance kann mehr entfalten als die Chance selber. Der Hauch besitzt ein eigenes Potential. Wenn du hauchst, dann hat das ja mit deinem Atem zu tun. Du belebst das, was außerhalb deiner selbst ist. Du atmest ein und im Ausatmen belebst du die Welt. Du musst nicht pusten und nicht einmal kräftig ausatmen. Es reicht aus, wenn du hauchst.
Wenn du deine Kinder anbrüllst, weil sie etwas angestellt haben und du dich ärgerst, wirst du nicht weit kommen. Deine Kinder werden sehr schnell immun gegen dein Schreien. Wenn du aber deinen Ärger leise hauchst und zugleich voll körperlich fühlst kann sich daraus ein gefährlicher Sturm entfalten, der fast ohne Töne auskommt.
Erinnerst du dich an die Anfangsszene des Westerns: „Spiel mir das Lied vom Tod?“ Da geschieht minutenlang fast nichts. Ein Windrad quietscht. Eine Fliege surrt. Gesichter und langes Warten. Ein Hauch von Nichts in dem sich die Katastrophe nähert.
Der Hauch versteckt mehr als dass er etwas zeigt. Er deutet nur an. Das gilt auch für die Kleidung. Die Frau ist nicht nackt interessant, sondern in ihrem Hauch von Nichts, das sie trägt. Das Versprechen! Die Einladung! Die Verheißung! Das Spiel mit der Phantasie!
Ich möchte mit dir diese Erfahrung gerne auf die Spiritualität und den Glauben übertragen. Gott kann kein Interesse daran haben, sich in ganzer Fülle uns Menschen zu zeigen. Warum sollte er? Es gäbe kein Spiel mehr. Wir würden ihn bei zu großer Nähe irgendwann nicht mehr spüren. Wir würden uns möglicherweise langweilen. Wenn es aber nur einen Hauch von Gott gibt in dieser Welt, dann leben wir immer in der Nähe einer Explosion, die sich nie ereignet aber die stets verspricht, gleich zu kommen.
Du hast keine Chance, in diesem Leben die Fülle Gottes zu erfahren. Wenn du aber bereit bist, dich auf seinen Hauch einzulassen, wirst du Wunder erleben. Ein Hauch von Rosenduft erscheint dir wie fast nichts aber dennoch sehr betörend. Ein Hauch von Gott wäre für deine irdische Existenz mehr als genug. Es sei denn du bist bereit zu sterben.  
Stell dir vor, dass Gott in dieser Schöpfung und in deinem Leben millionenfachen Hauch ausgebreitet hat. Milliardenfache vibrierende Impulse, die von seiner Anwesenheit Zeugnis geben. Von dieser Fülle an Hauchimpulsen kannst du dich betören lassen!
Zugleich jedoch kannst du ihn komplett ignorieren. Du kannst sagen: „Ich spüre nichts! Ich sehe nichts! Ich höre nichts! Da ist nichts!“ Zwei Menschen im gleichen Universum atmen den gleichen Hauch ein. Der eine wirkt auf dich wie im Rausch, der andere spürt nichts. Was macht der Mensch anders, der dem Hauch auf der Spur ist und ihm erliegt? Was unterscheidet ihn vom abgestumpften Trampel? Wer den Hauch von Etwas bemerkt erinnert sich zurück an den Anfang der Schöpfung. Er nimmt das wahr, was er immer schon kannte. Er riecht die Rose und erkennt den Duft wieder. Ein Hauch reicht!
Ich nehme Gott wahr, weil ich aus seiner Quelle komme und von seiner Art bin. Wenn ich mich erinnere kann ich ihn wahrnehmen. Ich erkenne ihn wieder von früher. Von der Zeit, als er und ich noch Eins waren. Und obwohl ich so weit entfernt von ihm bin, reicht der Hauch aus. Er ist mehr als genug. Der Hauch ist zugleich die Fülle!
 Jesus war vertraut mit den Auswirkungen des „Hauch-Prinzips“. Er hauchte die Jünger nach der Auferstehung an mit den Worten: „Empfangt den Heiligen Geist.“ Die Bibel erzählt immer wieder davon, wie Gott sich dem Menschen eher behutsam und vorsichtig nähert im Wissen um seine umwerfende und kaum zu ertragende Präsenz. Weil wir seine Ebenbilder sind tragen auch wir dieses Prinzip in uns. Beobachte einmal die Kraft und Auswirkung deiner Gedanken. Nimm wahr was geschieht, wenn du dich mit deinem Körper einer anderen Person näherst. Spüre in den Raum deines Herzens hinein und nimm dort aus auf, was gerade in deiner Umgebung geschieht. Du wirst staunen, was dein „Hauch“ bewirkt und ausmacht. 
Vertrau auf die homöopathischen Dosen im Leben und koste den Hauch aus. Ist dir schon einmal aufgefallen, dass der Hauch sich im Staunen offenbart? Im Staunen öffnest du deinen Mund und atmest hörbar aus. Darin wirst du zum Schöpfer und zur Schöpferin. 
  

Freitag, 2. September 2016

Das ist jetzt wirklich wichtig!


Es ist total wichtig!
Es ist sehr wichtig!

Es ist wirklich wichtig!
Es ist wichtig!

Es ist schon wichtig!
Es wäre schon wichtig!

Es könnte ganz wichtig sein!
Es ist nicht so ganz unwichtig!

Es ist nicht so unwichtig!
Es ist nicht unwichtig!

Es wäre nicht unwichtig!
Es wäre ein wenig wichtig!

Manche "Wichtigkeiten" verstecken sich in merkwürdig verdrehten Sätzen. Ist es jetzt wichtig oder ist es unwichtig? Manche Wichtigkeiten kannst du gut verstecken in solchen Monsterkonstruktionen. Stell dir vor du sagst: "Es ist wichtig, dass du pünktlich kommst!" Klare Botschaft! Dein Gegenüber sagt dann vielleicht: "Das mag aus deiner Sicht so sein, aber mir es es egal!"
Wenn du sagst: "Es ist nicht so ganz unwichtig, dass du pünktlich kommst!" relativierst du deinen Satz und machst dich unangreifbar. Es ist halt nur so ungefähr wichtig. Ich bin da ganz entschieden für mehr Klarheit!

Manche Sätze finde ich "un"-möglich!
Mein Freund ist nicht unnett!
Meine Arbeitskollegin ist wirklich nicht unkooperativ.
Das  Essen in dem Restaurant ist durchaus nicht ungenießbar.
Das Leben nach dem Tod finde ich nicht uninteressant.

Und? Worüber machst du gerne "un"-Sätze?
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Donnerstag, 1. September 2016

Bist du ein Problemjunkie?


Du wünschst dir eine Leben ohne Probleme? Na klar, ich glaube, das wünschen sich die meisten Menschen! Du möchtest glücklich sein? Deine Arbeit soll dich erfüllen? Du möchtest leben wie im Paradies? Das ist verständlich!
Probleme höchstens ab und zu. Ausnahmsweise! Immer glücklich sein ist vielleicht auch gar nicht so schön! Ein kleines Problemchen hier und da zur Abwechslung wäre hilfreich für den Unterschied. Wenn du dein Problem gelöst hast, bist du wieder glücklich. Und zugleich bist du glücklich, dass du wieder glücklich sein darfst.
Wenn du viele Probleme hast, dann wird es dir mit der Zeit immer besser gelingen, diese zu lösen. Du kannst zu einem Meister in Lösen von Problemen werden. Psychotherapeuten sind wie geschaffen dafür. Polizisten und Rechtsanwälte auch. Es gibt ganze Gruppen von "Problemlösungshelfern".
So weit so gut! Mich interessiert jetzt in diesem Augenblick allerdings eine ganz andere Seite dieses Themas. Alle "professionellen Problemlöser" wären arbeitslos, wenn es nicht die Problemfinder gäbe.
Stell dir einen Menschen vor, der zu dir kommt und dir sagt: "Kannst du mir helfen? Ich habe ein Problem!" Du hilfst natürlich gerne weiter, in dem Maße, wie du kannst. Wenn nicht, schaltest du einen Profi ein je nach Thema. Das Problem wird also gelöst. Wunderbar! Du hast einen Menschen glücklich gemacht.
Nach kurzer Zeit kommt dieser gleiche Mensch wieder zu dir und sagt: "Du, ich hab da noch ein Problem. Kannst du mir noch einmal helfen? Das hat ja beim letzten Mal so gut geklappt!" Also hilfst du freundlicherweise noch einmal, mit oder ohne Profi.
Jetzt kommt dieser Mensch zum dritten Mal zu dir. Nun gehen deine ersten Alarmzeichen an. "Der hat doch bestimmt wieder ein Problem!" Deine Alarmzeichen geben dir Recht.  Ein neues Problem ist aufgetaucht. Du bekommst einen Verdacht. Du bist einem Menschen begegnet, der ständig Probleme hat. Kaum hat er eine Schwierigkeit überwunden, tut sich die nächste Baustelle auf. Oft muss dieser Mensch mehrere Probleme gleichtzeitig lösen. Wahrscheinlich bist du nur einer von vielen Problemlösungshelfern in seinem Bekanntenkreis.
Ich kenne Familien, die mit Arbeitslosigkeit, Suchtproblemen und Erziehungsfragen eine ganze Batterie von "Helfern" am Laufen halten. Angefangen von Familie, Nachbarn und Freunden über Sozialamt, Jugendamt, Therapeuten und Caritasstationen beschäftigen sie so viele Menschen, dass man sie als Unternehmer bezeichnen könnte.
Ein solches Unternehmen muss laufen! Aber wie? Denn, wenn alle Probleme gelöst wären, würde sich das "Helferunternehmen" auflösen und arbeitslos werden. Was ist also die beste Lösung im Umgang mit Problemen? Klar! Man findet neue Probleme!
Und das ist die Kunst! Darauf will ich hinaus! Ich selber gehöre eher zu den Genügsamen, die sich schwer tun, etwas als Problem anzusehen. Aber ich bewundere Menschen, die es schaffen, ein Problem nach dem anderen zu finden. Sie sind Weltmeister im Anziehen von Problemen! Sie werden überfallen. Sie stürzen da hinein! Sie finden einfach Probleme wie Pilze im Wald. Sie haben halt einen Blick dafür. Es gibt Menschen, denen wird es unheimlich, wenn sie einfach glücklich sind. Das kann nicht einfach nicht sein!
Ein Leben mit Problemen kann einfach auch vertraut sein. Wenn du immer Probleme hast, hast du auch immer etwas zu tun. Das gibt ein vertrautes Gefühl. Von außen betrachtet mag das zwar unangenehm sein, aber für "Problemkünstler" ganz selbstverständlich.
Wenn du die meiste Zeit glücklich bist kennst du gar nicht mehr den Unterschied von "Problem" und "problemfreiem" Leben. Ein Problemkünstler empfindet vielleicht wie ein Junkie. Er genießt den Zeitpunkt und den Augenblick, wenn das Problem gerade gelöst wird. Dieses "Lösungsgefühl" möchte er immer wieder erleben. Erleichterung! Entlastung! Entspannung! Ein starkes Gefühl!
Vielleicht machen uns "Promlemfindekünstler" auf etwas Wichtiges aufmerksam: Hierfür sind wir Menschen auf dieser Welt! Wir sammeln Erfahrungen. Wir erleben etwas. Das geht schief! Es gibt ein Problem! Wir lösen es! Na denn...
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