Donnerstag, 30. November 2017

Wer die anderen neben sich klein macht, ist nie groß. (Johann Gottfried Seume)

Wie bekomme ich das Bewusstsein für Größe? Für meine innere Größe? Wenn ich den Eindruck habe, dass ich klein und minderwertig bin, dann muss ich dafür sorgen, dass mein Umfeld noch kleiner ist als ich damit ich bestehen kann. Also werde ich ständig alle neben mir klein machen. Dann kann ich wenigstens bestehen.
Der Fehler liegt im Vergleich! Ich schaue auf die Menschen außer mir. Der hat mehr Geld weil er reiche Eltern hat! Kein Wunder, dass sie immer wieder einen neuen Mann findet wenn man sieht, wie die sich aufbrezelt. Der arbeitet viel weniger als ich bekommt aber viel mehr Geld!
Wenn ich aufhöre mit dem Vergleich kann ich den Spiegel schauen und sehe mich selbst. Das bin ich. Ich lasse den Vergleich zu anderen weg. Kann ich meine eigene mir innewohnende Größe sehen, spüren, entdecken? Nehme ich wahr, welch ein kostbares und wertvolles Geschenk ich bin? Ich bin einmalig und unverwechselbar. In meinem Herzen hat das ganze Universum Platz und ich habe einen wunderbaren Platz in diesem Universum! Die Dualität von klein und groß kann aufhören. Es ist ohne Bedeutung. Ich bin es, der wertet. Ich bewerte klein als schlecht und groß als gut.
Mein Platz im Universum kann mir niemand streitig machen. Ich gehöre dazu allein, weil ich existiere. Und das gilt auch für den Menschen neben mir, ob er nun klein oder groß ist.
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Mittwoch, 29. November 2017

Glück ist nichts Äußeres, sondern ein leises Singen der Seele. (Zenta Maurina)


Wie schön! Hast du schon einmal das Singen deiner Seele vernommen? Wenn du es hörst, ist es ein wunderbares Geschenk! Es wird innerlich auf eine bestimmte Weise still. Es ertönt ein feiner Ton, der das Herz trifft. Ein Wohlbefinden breitet sich im ganzen Körper aus. Du bist ganz gegenwärtig. Ganz da! Ganz in Übereinstimmung mit Herz, Kopf und Bauch.
Du kannst es fördern indem du es einlädst. Stell dir vor, dass dein Körperraum und dein Herzbereich wie ein Tempel sind. Ein heiliger Ort. Schirme alle Geräusche von außen ab und bitte deinen Verstand, in eine aufmerksame und wohlwollende Beobachterposition zu gehen. Dein Verstand möge die Aufmerksamkeit auf die Stimme richten, die gleich kommt. Du kannst es mit einem leichten Lächeln unterstützen. Du kannst es auf keinen Fall erzwingen. Es stellt sich ein!
Du bereitest das Nest vor. Du gehst in die Achtsamkeit. Du bist dir selbst Freundin oder Freund. Du hörst auf, im Außen zu suchen und von dort etwas zu erwarten. Die Quelle der Liebe ist tief in dir drin. Sie braucht aber deine Unterstützung, damit du ihren Klang hören kannst.
Hörst du schon das leise Singen deiner Seele?
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Dienstag, 28. November 2017

Man könnte sich den ganzen Tag ärgern. Aber man ist nicht dazu verpflichtet. (Peter Hohl)


Wie sehr könnte ich mich den ganzen Tag ärgern! Mein Brot am Morgen ist nicht mehr frisch. Ich bin vor dem Wecker aufgewacht. Es regnet, obwohl es  nicht angekündigt war. Die Straßen sind überfüllt. Da überholt jemand rücksichtslos. Das Büro ist nicht warm. Die Kollegin ist schlecht gelaunt. Ich habe einen Text nicht abgespeichert und jetzt ist er verloren. Noch nicht genug?
Wenn ich die Augen aufmache, dann finde ich genug Quellen für enormen Ärger. Und wenn ich mich schon mal ärgere, dann füge ich dem Ärger noch mehr hinzu. Höchstwahrscheinlich wird mir das Schicksal helfen, indem es für Nachschub sorgt nach dem Motto: "Ich liefere, was du bestellt hast!"
Mein Adrenalin- und Kortisolspiegel steigt ordentlich an und ich bin ordentlich unter Dröhnung. Ärger belebt!
Ich könnte mich ärgern. Aber ich muss es nicht. Ich bin nicht dazu verpflichtet! Nicht verpflichtet! Oder doch? Gehöre ich zu den Menschen, von denen man erwartet, dass sie verärgert durch die Gegend laufen. Gehöre ich zu denen, die man nur mit Samthandschuhen anfassen kann? Dünnhäutig? Zu gestresst? Nicht mehr autonom? Fremdbestimmt? Dauerbewohner im Haifischbecken?
Das kann sein. Aber ich bin nicht verpflichtet, mich in diesem destruktiven Bereich aufzuhalten. Ich muss nicht. Ich kann das Territorium wechseln. Kann ich es noch? Oder ist mein Leben schon automatisiert. Ich habe ein Abo für Ärger. Ein Abo kann ich kündigen. Ich bin nicht verpflichtet! Was also tun vor dem nächsten Ärger? Ich entscheide mich! Für Wohlwollen und Verständnis!
Ich muss nur aufpassen, dass ich kein Adrenalinjunkie bin. Ein Abhängiger vom Kortisol! Ich müsste mit der Vorstellung leben, dass es mal gerade in mir friedlich ist und dass dieser Zustand willkommen ist. Dann ist nichts los! Es gäbe nichts zu tun außer freundlich mit sich, seinen Fehlern und den Fehlern der anderen zu sein.
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Montag, 27. November 2017

Ab sofort bin ich nur noch ich. Alles andere ist mir auf die Dauer zu anstrengend. (Ernst Ferstl)


Es reicht aus, wenn ich ich bin. Damit habe ich genug zu tun. Ich weiß oft nicht einmal wer dieses ICH ist. Manchmal denke ich, es ist das Ich meines Vaters. Ich höre seine Stimme in mir. "Mach das so oder so! Aber bloß nicht anders!" Da gibt es die vielen Stimmen, die zu mir sprechen. Meine Eltern, meine Lehrer, mein Pfarrer. Eine lange Liste. Aber diese Stimmen tun so, als seien sie meine eigene. Wenn ich denke, dass sei meine eigene Stimme müsste ich dem ja folgen, nicht wahr?
Sehr raffiniert! Die vielen fremden Stimmen in mir tarnen sich! Ich denke, das sei ich, aber dabei bin ich es gar nicht. Was mache ich nun? Ich identifiziere die Stimmen in mir. Ich frage zuerst, wem sie gehört. Ist es eine fremde Stimme sage ich: "Raus aus meinem System!" Dann stelle ich mit Erschrecken fest, dass so nach und nach alle Stimmen verschwinden. Da bleibt nicht mehr viel übrig! Wo ist meine eigene Stimme? Die, die nur zu mir gehört?
Sie ist leise geworden im Laufe der Jahre. Sie denkt, dass sie unwichtig ist. Alle anderen Stimmen sind wichtiger. Besonders die elterlichen Stimmen. Aber ich halte die Stille in mir aus. Ich werde wütend und traurig. Und wenn ich es wirklich aushalte - meldet sich meine ureigene Stimme ganz leise in mir. Also: Ab sofort bin ich nur noch ich. Alles andere ist mir auf die Dauer zu anstrengend!
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Samstag, 25. November 2017

Hätte ich doch was gesagt!



  „Ja genau! Hätte ich doch bei der letzten Dienstbesprechung was gesagt. Ich habe genau gewusst, dass es nicht funktioniert. Aber alle anderen haben so stark argumentiert, dass ich nichts mehr sagen mochte. Jetzt ist es zu spät und ich muss eine Sache mit ausbaden, die ich gar nicht so wollte.“
„Hätte ich doch was gesagt als mein Mann sich dieses Auto gekauft hatte. Ich habe gleich gewusst, dass es für uns als Familie nicht geeignet ist. Kein Platz für Gepäck. Das habe ich sofort gesehen. Aber mein Mann wollte unbedingt diesen Wagen. Ich habe mich nicht getraut. Mein Mann hätte mich bestimmt platt geredet. Jetzt ist es zu spät und wir müssen mit diesem Wagen irgendwie klarkommen.“
Kennst du solche oder ähnliche Situationen? Eine Stimme in dir spricht: „Sag was! Das geht so nicht!“ Aber du schweigst. Du scharrst mit den Füßen. Du schaust unruhig hin und her und zugleich fühlst du dich gehemmt. „Soll ich es sagen? Wie stehe ich denn da, wenn ich nicht recht habe?“ Du wirst vielleicht wieder als Spaßbremse abgestempelt. „Schon wieder die mit ihren ewigen Bedenken!“
Wenn du bereit wärest, die Folgen einer Fehlentscheidung zu tragen, wäre ja alles in Ordnung. Aber du bist gar nicht bereit. Du hättest nur etwas sagen müssen! Dann ärgerst du dich doppelt. Du findest die Entscheidung falsch und du hast nichts gesagt. Du ärgerst dich über dich selbst. Über deine Feigheit. Über deine Angst. Über dein mangelndes Selbstvertrauen. Und dann klebst du am „hättest“ fest. Stundenlang zerfleischst du dich in Gedanken und möchtest die Uhr zurückdrehen. „Hätte ich doch...“
Hast du aber nicht! Du hast nichts gesagt! Du wirst damit leben müssen. Du kannst es dir dabei leicht machen oder schwer. Du kannst dich tagelang geißeln und deine geschwollene Zunge pflegen auf die du gebissen hast um nichts zu sagen. Du kannst aber auch sagen: „Nicht noch einmal! Das nächste Mal rede ich! Ich überwinde alle Hindernisse und sage, was ich denke!“
Die Umkehr heißt: „Ich spreche aus was ich denke und bin bereit, jeden möglichen schiefen Blick zu tragen. Mein Gedanke ist genauso wichtig wie jeder andere. Auch ich trage etwas dazu bei, dass es zu einer gemeinsamen Entscheidung kommt, an der ich meinen Anteil haben darf.“

Freitag, 24. November 2017

Ohne Anstrengung!


Ein Baby mag sich sehr anstrengen, um durch den engen Geburtskanal auf diese Welt zu kommen. Es mag diese anstrengende Erfahrung lange in sich tragen. Vielleicht erwächst daraus sogar ein Glaubenssatz. "Streng dich an! Das Leben ist kein Zuckerschlecken!"
Im Sandkasten kämpft es um die Schüppe mit den anderen Kindern. Im Kindergarten bemüht es sich, den Erzieherinnen zu gefallen. In der Schule holt es durch viel Üben das Letzte aus sich heraus. Und es erfährt im Laufe des Lebens immer wieder die Bestätigung: "Streng dich an, dann wirst du belohnt!"
Bevor das Baby auf die Welt kommt, geschah jedoch etwas anderes. Da gab es keine Anstrengung. Keine Leistung. Keine Arbeit. Den Großteil der "Arbeit" erledigte das Prinzip Geschenk und Wachstum wie von selbst. Es war ein großes Geschehen lassen. Da reihte sich Wunder an Wunder. Der menschliche Körper fügte sich in seiner unglaublich hohen Komplexität ohne jede Anstrengung. Jede Zelle wusste, was sie zu tun hatte. Jede Zelle fügte sich einem inneren Bauplan. Mit absoluter Sicherheit und völlig fehlerfrei.
Wenn du dir dein Leben heute anschaust, nach welchem Prinzip lebst du? Das Leben als Anstrengung oder das Leben als ein Wunder des Wachstums wie von selbst? Ich glaube, dass es gut ist, an der einen oder anderen Stelle es einfach mal geschehen lassen. Ins Vertrauen gehen! Nicht ständig rumerziehen an den Kindern. Ständig nörgelig mit sich selbst zu sein und an sich herumzuzerren. Diese immer wiederkehrende Unzufriedenheit mit sich und mit der Familie.
Die Pflanze wächst von selbst. Sie braucht nur Licht, Luft und Wasser und einen guten Platz. Was brauchst du? Licht, Luft und Wasser und einen guten Platz. Dann darf geschehen, was immer auch geschieht.
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Donnerstag, 23. November 2017

Wer mich ärgert, bestimme ich. (Winston Churchill)


Manchmal will jemand etwas von mir. Meine Führungskraft, meine Partnerin, ein Familienmitglied, ein Kunde. Allein meine erste Formulierung ist schon gefährlich! "Jemand will etwas von mir." Ich könnte ja auch sagen: "Manchmal trägt jemand einen Wunsch an mich heran." Klingt viel kommunikativer. Hat einen viel größeren Raum von Freiheit! Bei Wünschen kann ich nein sagen ohne Angst vor Groll und Ablehnung.
Wenn jemand etwas von mir will regt sich ein Widerstand. Ich spüre den Ärger schon vorab. Der andere will es. Aber ich nicht. Ich ärgere mich schon sehr früh, weil jemand etwas von mir will, das ich selber nicht möchte. Eine zusätzliche Arbeit. Eine unangenehme Botschaft. Zeit. Geld.
Winston Churchill trifft eine wichtige Entscheidung: "Wer mich ärgert, bestimme ich." Bei mir ist das oft umgekehrt. Ich fühle mich hilflos angesichts des Wollens der anderen. Dann bekomme ich einen Ärger, den ich nicht wollte und den ich nicht beeinflussen kann. Wenn ich mich in Ohnmacht befinde und mich ärgere verliere ich die Freiheit und Autonomie. Ich falle hinein in meine Opferrolle.
Wie anders klingt es wenn ich sage, dass ich selbst bestimme. Ich bestimme über mein Leben. Ich bestimme, wann und mit wem ich was mache. Ich entscheide es und niemand sonst. Auf einmal wache ich auf aus meiner Ohnmacht und Abhängigkeit und nehme die Zügel wieder in die Hand.
Davon wünsche ich mir mehr! Ich bestimme, wer mich ärgert. Und wenn ich bestimme wird mich niemand mehr ärgern. Ich entscheide ja schließlich. Immer mehr!
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Mittwoch, 22. November 2017

Dein goldener Schlüssel zum Leben!


Das Bild stammt von einer Postkarte, die an meinem Schrank hängt. Ein elegant gekleideter Vogel trägt einen Schlüssel im Schnabel. Er heißt übrigens Gregorius und wirkt mit seiner Brille klug und weise.
Eine Frau erzählte mir einmal von ihrer Beichtpraxis. Sie musste auf den Pfarrer warten, weil dieser noch einen dringenden Termin hatte. Zur Vorbereitung bekam sie ein Märchen der Gebrüder Grimm in die Hand gedrückt mit der Überschrift: "Der goldene Schlüssel." Kennst du dieses eigenartige Märchen? Es geht so:

Der goldene Schlüssel

Zur Winterszeit, als einmal ein tiefer Schnee lag, musste ein armer Junge hinausgehen und Holz auf einem Schlitten holen. Wie er es nun zusammengesucht und aufgeladen hatte, wollte er, weil er so erfroren war, noch nicht nach Haus gehen, sondern erst Feuer anmachen und sich ein bisschen wärmen. Da scharrte er den Schnee weg, und wie er so den Erdboden aufräumte, fand er einen kleinen goldenen Schlüssel. Nun glaubte er, wo der Schlüssel wäre, müsste auch das Schloss dazu sein, grub in der Erde und fand ein eisernes Kästchen. Wenn der Schlüssel nur passt! dachte er, es sind gewiss kostbare Sachen in dem Kästchen. Er suchte, aber es war kein Schlüsselloch da, endlich entdeckte er eins, aber so klein, dass man es kaum sehen konnte. Er probierte, und der Schlüssel passte glücklich. Da drehte er einmal herum, und nun müssen wir warten, bis er vollends aufgeschlossen, und den Deckel aufgemacht hat, dann werden wir erfahren, was für wunderbare Sachen in dem Kästchen lagen. (Märchen der Gebrüder Grimm)

Ein wenig ärgerlich, nicht wahr? Am Ende des Märchens fragst du dich, was denn wohl in dem Kästchen liegt. Du bekommst jedoch keine Antwort. Das Märchen hat nur eine Person und es gibt kaum Handlung. Keine Verwicklungen. Kein Drama. Keine Verwandlungen. Es geschieht nichts.

Es ist dennoch interessant, das Märchen ohne Geschichte! Es gleicht eher einem Traumbild oder einem Gleichnis. Wir sind alle Besitzerinnen und Besitzer eines "goldenen Schlüssels". Wir können in unserem Leben etwas "goldenes" sehen, wenn wir die Augen und das Herz aufmachen. Unser Leben hat einen sichtbaren und einen unsichtbaren Anteil. Sichtbarer Schlüssel und verborgenes Schatzkästchen. Dein "goldener Schlüssel" könnte deine handwerkliche Geschicklichkeit sein, die Fähigkeit mit den Augen zu sehen. Vielleicht kannst du zwischen den Zeilen hören und bist akrobatisch auf einem ganz bestimmten Gebiet. Vielleicht kannst du einen Finger so bewegen wie niemand sonst auf dieser Welt. Vielleicht nimmst du aber auch etwas wahr, was nur du wahrnehmen kannst. Es ist also unglaublich wichtig, dass du um deinen "goldenen Schlüssel" weißt. Von da aus kannst du auf dein "Kästchen" schließen. Wo es einen Schlüssel gibt, gibt es auch ein Kästchen. Es wäre Schade, wenn du deinen Schlüssel nicht einsetzen würdest. In deinem Herzen könnte lebenslang ein "Schatz" warten und du würdest ihn nicht entdecken, heben und für dich nutzen!
Viele Menschen kennen nicht einmal ihren Schlüssel. Sie gleichen dem Jungen im kalten Schnee. Das Leben ist mühsam und hart. Es fehlt die Wärme im Herzen. Kannst du deine "goldenen Schlüssel" benennen? Welche fallen dir ein? Worin besteht dein Schnee? Wie verbirgst oder versteckst du deine Fähigkeiten?
Der erste wichtige Schritt im Umgang mit sich selbst heißt: "Ich habe meine eigenen goldenen Schlüssel. Ich richte meine Aufmerksamkeit darauf und werde mir dessen bewusst." Du besitzt "goldene Schlüssel".
Der zweite wichtige Schritt heißt:"Ich finde mit meinem Schlüssel das dazu passende Kästchen. Dazu räume ich Hindernisse aus dem Weg und bleibe einfach dran. Der Schlüssel erinnert mich daran, dass ich mich wirklich einsetze und immer wieder vertraue."

Ergänzungen:
In vielen Geschichten gibt es zuerst das Kästchen und dann sucht man den Schlüssel dazu. Die Verzweiflung kommt, wenn sich der Schlüssel nicht finden lässt. Was ist jedoch wichtiger? Schlüssel oder Schatz!
Der Inhalt des Kästchens bleibt uns verborgen. Der Inhalt deines eigenen Schatzkästchens gehört nur dir! Er geht niemandem etwas an! Es ist deine ureigene Persönlichkeit. Geh wohlwollend und wertschätzend damit um!
Vielleicht öffnest du mit deinem Schlüssel irgendwann das Kästchen und kannst nichts darin entdecken. Du denkst, es sei leer! Dann kommt dir die Erkenntnis! Es ging gar nicht um das Kästchen. Es ging um den Schlüssel!
Darum geht es immer! Das wir den Schlüssel zum Leben finden! Das eigene Leben verstehen lernen! Kraftvoller gehen! Gezielter sich einsetzen! Die Verletzungen und Kränkungen bearbeiten! Gelassener und wohlwollender sein! Du könntest entdecken, dass dein "unscheinbarer Schlüssel", den du oft ignorierst oder übersiehst, sich erst beim näheren Betrachten als "goldener Schlüssel" erweist.
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Dienstag, 21. November 2017

Einmal in den Arm nehmen und drücken!


Was machst du wenn dein Kind zu dir kommt? Es weint, es ist traurig, es hat Sorgen. Du nimmst es zuerst in den Arm. Körperkontakt! Festhalten! Dazu sprichst du ein paar beruhigende Worte und schenkst Zuwendung und Trost. Irgendwann ist es wieder gut. Fast wie von selbst. Meistens!

Was machst du, wenn du traurig bist? Wenn dich jemand gekränkt hat? Wenn du Sorgen hast? In der Regel gehst du zu jemanden hin und sprichst. Du sprichst dich aus. Und du redest und du redest. Manchmal gibt es eine Erleichterung. Manchmal! Immer?

Jetzt mal ehrlich! Wünschst du dir nicht vielleicht auch öfter mal jemanden, der dich in den Arm nimmt so wie damals, als du noch ein kleines Kind hast? Körperkontakt? Ich finde, dass tröstende Worte oft zu wenig sind. Die tun zwar gut, machen aber nicht satt. Die Worte sind wichtig für den Kopf und das Herz, aber der Körper könnte schnell verhungern.

Es wäre schön, wenn wir das als Erwachsene öfter hinbekommen würden. ...nicht vergessen: ich muss dich unbedingt in den Arm nehmen und ganz doll drücken...
Ich wünsche dir jemanden, zu dem du gehen kannst, und der dich mal in den Arm nimmt. Wo es nicht peinlich ist! Wo du dich nicht schämen musst! Wo es ganz einfach geht! Für dich und für den der drückt! Und vielleicht magst du noch stärker zu jemandem werden der zum "in den Arm nehmen" einlädt! :-)
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Montag, 20. November 2017

Vom Seiltänzer lernen!


Von einem Seiltänzer hörte ich die Worte, die er Kindern beibringt, wenn sie auf das Seil wollen. "Schau dahin wo du hin willst! Wenn du auf den Boden schaust - willst du da hin!"
Den Gedanken fand ich interessant. Wenn ich mich auf das Seil stelle, dann muss ich das Ziel vor mir ins Auge fassen und mich darauf konzentrieren. Dann schleicht die Angst hoch und der Gedanke kommt: "Ich könnte fallen!" Ich schaue nach unten. Ich sehe den Abgrund und  - ich falle. Ich lenke also meine Gedanken vom Ziel vor mir um hin zum Ziel unter mir.
Auch, wenn ich mir sage, dass ich zum Boden nicht hin will - das Unterbewusstsein kann "nicht" ja nicht denken. Es denkt immer positiv. Wenn ich zum Boden schaue und nicht fallen will, programmiere ich mich auf das Fallen. Automatisch!
Der Seiltänzer ist also mit seiner ganzen Aufmerksamkeit auf das Ziel ausgerichtet, das vor ihm liegt. Wie gehst du um mit deinen Zielen? Bist du auf dein Ziel auch ausgerichtet? Mit wie viel Prozent deiner Energie und deiner Achtsamkeit? Lässt du es zu, dass sich "Absturzgedanken" einschleichen? Wenn du das zulässt, hast du schon verloren. Du verkrampfst auf dem Seil deines Lebens und du hörst auf zu tanzen.
Dein Leben gleicht einem ständigen Tanz. Du tanzt und unter dir lauert der Abgrund. Der Abgrund ist da, auch wenn du kein professioneller Seiltänzer bist. Du setzt dich ins Auto und fährst los. Du bewegst dich unter den vielen Autos auf der Autobahn. Kommt dir der Gedanke, dass du sterben könntest? Dass Autofahren total gefährlich ist? Dass du ein unglaubliches Risiko eingehst?
Und wenn du dein Gemüse isst? Weißt du zu hundert Prozent, dass es keine Pestizide enthält? Und wenn du liebst oder in einer Beziehung lebst. Kannst du dich wirklich und total darauf verlassen, dass deine Liebe erwidert wird?
Du tanzt und unter deinen Füßen lauert der Abgrund der Angst. Die Angst sagt dir ständig, dass das Leben nicht sicher ist. Überhaupt nicht! Und? Gehst du mit meinen Gedanken mit oder hast du "STOPP!" gemacht! Bist du bei deinem Ziel geblieben? Der Abgrund ist da. Das Ziel auch. Und du, du tanzt!
Da taucht in mir das Bild auf von einem Menschen, der wie auf heißen Kohlen tanzt. Er möchte sich nicht verbrennen und springt ständig hin und her um sein Leben zu schonen. Du kannst auch so auf dem Seil des Lebens tanzen. Immer mit der Bedrohung im Herzen - da sind die glühenden Kohlen.
Oder du entspannst dich, wirst gelassen und gehst in die Freude des Tanzens. "Schau da hin, wo du hinwillst. Wenn du auf den Boden schaust - dann willst du da hin!"
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Samstag, 18. November 2017

Jedes Versprechen ist ein Geschenk im Voraus. (Ägypten)



Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen. Bei Versprechungen denke ich oft an die Verpflichtung, die ich damit eingehe. Irgendwie ordne ich diesen Gedanken dem Bereich der Erziehung zu. „Du hast es mir versprochen!“ „Jetzt musst du das Versprechen auch einhalten.“ Wir sehen das Versprechen oft im Zusammenhang mit dem Thema Vertrauen. Wenn du dich nicht daran hältst, dann kann ich dir nicht mehr vertrauen. Dahinter steckt ein ziemlich hoher ethischer Anspruch. Politiker werden gemessen an die Erfüllung ihrer Versprechen, Kinder an ihrem Gehorsam und jeder im Beruf an die eigene Glaubwürdigkeit.
Der Vers aus Ägypten weckt in mir einen kostbaren Gedanken. Jedes Versprechen ist ein Geschenk im Voraus. Da geht es nicht um Verpflichtung, um das unbedingte Einhalten oder Vertrauen. Es geht um ein Geschenk. Wenn ich etwas verspreche, dann mache ich dir ein Geschenk. Du solltest also nicht zuerst auf die Einlösung achten, sondern auf den Geschenkcharakter. Ein Geschenk verbinde ich mit Freude, Wohlwollen und Wertschätzung.
Das Versprechen an sich ist es schon wert, gewürdigt zu werden. 

Freitag, 17. November 2017

Wenn die Nerven mit dir durchgehen...

Ich komme von der Arbeit und sitze im Auto. Ich höre WDR 5, es läuft das Wissenschaftsmagazin "Leonardo". Dort wird berichtet von Untersuchungen zur erfolgreichen Lärmdämmung von Klassenzimmern. In mir steigen eigene Erinnerungen hoch und meine Erfahrungen mit lauten Kindern.
Untersucht wurde, wie stark Kinder sich noch konzentrieren können, wenn sie durch Lärm oder einer lauten Stimme abgelenkt werden. Schaffen die Kinder es bei der Sache zu bleiben und wie ist die Selbsteinschätzung. Ein Mädchen kommentierte die gemachte Erfahrung von Konzentration angesichts einer steigenden Lärmbelastung: "Da bin ich voll durch meine Nerven gegangen!"
Diesen Spruch hat sie bestimmt von Erwachsenen gehört und irgendwie nicht richtig verstanden. Der ursprüngliche Satz heißt ja: "Da sind die Nerven mit mir durchgegangen!"im Sinne von: "Ich habe die Kontrolle verloren. Ich war völlig fertig und am Ende. Ich konnte es nicht aushalten, so schrecklich war mein Erlebnis."
Das Mädchen wirkte nicht verzweifelt und genervt sondern so, dass sie wirklich "durch die Nerven gegangen ist".  Mir gefällt die Umdeutung und Neuformulierung dieses Satzes. Die so empfindlichen Nerven müssen mal durchgebürstet werden. Wenn du vor einer schwierigen Aufgabe stehst machst du dir so deine Gedanken: "Das schaffe ich nicht! Das packe ich nicht! Wenn ich da schon dran denke...!" Mit dieser Voreinstellung gehst du an die Aufgabe und schnell lassen dich deine Nerven im Stich. Dein Körper und dein Geist verweigern den Dienst.
Wenn du durch deine Nerven durchgehst vor einer schwierigen Aufgabe, dann sammelst du all deinen Mut. Du konzentrierst dich, du gibst dir einen inneren Stupser, du machst und tust einfach! Du springst ins Feuer! Dir ist es egal ob du dabei stirbst! (Ich übertreibe jetzt!) Es ist besser, du gehst aktiv und voll durch deine Nerven durch, als dass du zum Opfer wirst. Nicht umsonst suchen wir manchmal den "Nervenkitzel" damit das Leben spannend bleibt.
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Donnerstag, 16. November 2017

Jede dunkle Nacht hat ein helles Ende. (persische Weisheit)

Ist doch logisch oder? Das weiß jedes Kind, dass jede dunkle Nacht ein helles Ende hat. Nach jeder Nacht kommt ein neuer Morgen. Diese Erfahrung macht jeder Mensch seit Beginn des Lebens. Diese Erfahrung teilt die ganze Menschheit. Vielleicht bildet eine Sonnenfinsternis und ein Vulkanausbruch eine Ausnahme. Aber generell gilt dieser Satz.
Eigentlich geht es bei dieser persischen Weisheit um die Erfahrung, dass auch in einer ausweglosen Situation immer noch etwas möglich ist. Oder in einer Lebenskrise immer noch ein Fünkchen Hoffnung sein kann. Der Mensch in der Dunkelheit und mitten in der Krise kann leider das Licht nicht mehr wahrnehmen. Für ihn ist es ewige Nacht. Es gibt keinen neuen Morgen.
Für diesen Menschen hilft dann die Erinnerung. "Erinnerst du dich daran? Es war mal besser und es wird auch wieder besser werden." Aber Vorsicht mit einer solchen Ermutigung. Das kann schnell nach rückwärts gehen. Die dunkle Nacht muss man schon auch mal aushalten. Zugleich möchte ich noch die Perspektive erweitern. Dass es hell wird steht außer Frage, es ist nur die Frage wann. Wenn du in der Krise bist kannst du sagen: "Das ist das Ende!" Du kannst aber auch sagen: "Diese Dunkelheit ist der Anfang von etwas, das ins Helle führt!" Du entscheidest, welche Perspektive du einnimmst. Machst du dich fest in der Dunkelheit oder schaust du auf das, was neu kommt.
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Mittwoch, 15. November 2017

Auch sind ja alle Dinge so oder anders nachdem wir sie so oder anders betrachten. (Wilhelm Heinrich Wackenroder)


Die Dinge ändern sich, je nachdem, wie ich sie betrachte. Probiere doch mal folgendes aus: Schaue dir einen Baum an und suche nach den Stellen, die dir nicht gefallen. Was findest du hässlich? Steht er nicht doch irgendwie am falschen Platz? Wie sind die Äste ausgerichtet? Die Baumrinde! Die Blätter. Suche die kranken Stellen. Hat fast jeder Baum. Schaue dir diesen Baum an und stelle fest, wie elendig er aussieht.
Dann suchst du dir einen Baum aus, der auf den ersten Blick ganz prima ist. Auch dort fängst du an und suchst nach dem, was dir nicht gefällt.
Dann gehst du zum ersten Baum zurück und stellst dir vor, dass das der schönste Baum der Welt ist. Bislang ist das noch niemandem aufgefallen. Dieser Baum hat wunderbare Teile. Er ist originell. Ein Unikat! Den zweiten Baum betrachtest auch auch wieder wie ein Weltwunder.
Du schaust dir die gleichen Bäume an und kommst zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ich bin der Betrachter und ich entscheide, wie etwas auf mich wirkt.
Was für Bäume gilt, gilt auch für Menschen. Ich kann meine eigenen Kinder sehr verschieden anschauen. Probe gefällig? "Mein Sohn ist verhaltensauffällig. Er räumt nie auf und kann nicht am Tisch sitzen bleiben. Konzentrieren geht nur für ein paar Minuten und außerdem streitet er sich jeden Tag mit seiner Schwester. Ich bin inzwischen fix und fertig mit den Nerven."
Oder: "Ich liebe meinen Sohn! Wenn ich ihn anschaue geht mir das Herz auf. Allein wie er sich freuen kann wenn er etwas sieht, was ihm gefällt! Er ist so lebendig. Er sprüht vor lauter Energie. Wie wunderbar!"
Wie wäre es, sich im Betrachten der Wirklichkeit einzuüben? Was möchte ich sehen? Auch sind ja alle Dinge so oder anders nachdem wir sie so oder anders betrachten.

Dienstag, 14. November 2017

Wenn jeder bekommt was er braucht, wird Gerechtigkeit überflüssig. (neudeutsche Weisheit)

Der Nachtisch wurde bei uns zu Hause stets gerecht verteilt. Die große Schüssel mit Quark kam auf den Tisch, dazu die kleinen Dessertteller. Dann nahm Mutter einen großen Löffel und zählte ab. Fünf Löffel für jeden. Wir fünf Kinder verfolgten mit den Augen das Schauspiel. Schafft Mutter es, alles gerecht zu verteilen? Wir hätten die Teller auf eine Waage stellen müssen, dann hätten wir es wirklich gewusst. So mussten wir unseren Augen und den Fähigkeiten der Mutter vertrauen.
"Das ist nicht gerecht!" Diesen Protestruf habe ich im Laufe meines Lebens so häufig gehört sei es von Kindern oder Erwachsenen. Das Leben ist eine Tummelwiese von großen und kleinen Ungerechtigkeiten. Immer wieder fühlen Menschen sich ungerecht behandelt. Der Andere hat mehr bekommen als ich! Der Eine lebt im materiellen Wohlstand, obwohl er es "nicht verdient" hat und der Andere lebt in Armut, wo er doch so fleißig ist.
Die Dessertverteilung habe ich als Kind zwar als sehr gerecht empfunden. Es war aber auch anstrengend! Du musstest immer deine Augen aufmachen. Du musstest messen, zählen, abwiegen und vergleichen.
Dabei gerät völlig aus dem Bewusstsein, dass du vielleicht gar nicht so viel möchtest oder brauchst. Aber du nimmst dir den gerechten Anteil, damit du nicht übervorteilt wirst.
Ich glaube nicht, dass es möglich ist, die Welt gerecht zu gestalten. Gerechtigkeit bleibt subjektiv, ist abhängig vom jeweiligen Beobachter. Du hast Glück oder weniger Glück. Du lebst im falschen Land auf dem falschen Kontinent. Du lebst in der benachteiligten oder privilegierten Schicht. Am Thema Gerechtigkeit kannst du ein ganzes Leben abarbeiten.
Jetzt stell dir einmal die Alternative vor am Beispiel meiner Quarkschüssel. Jeder am Tisch bekommt so viel wie er braucht. Was wird geschehen? Macht die Angst sich breit, dass es für mich nicht genug gibt? Dass jemand vor mir den Teller sich vollmacht ohne Rücksicht auf Verluste? Wenn mein Nachbar ein solch großes Bedürfnis hat und so viel braucht, warum nicht? Mag er es doch nehmen!
So einfach wird es doch nicht gehen. Es würde Sinn machen, vorher darüber zu sprechen, was jeder braucht. Dann kann man abschätzen, ob der Vorrat reicht. Es geht dann darum, das einzelne Bedürfnis in den Blick zu nehmen und das Gesamtbedürfnis aller. Das muss besprochen und verhandelt werden. Ich habe die erstaunliche Feststellung gemacht, dass es bei solchen Experimenten immer mehr als genug war!
Wenn am Ende dann jeder bekommt was er braucht, wird Gerechtigkeit überflüssig. Der Wunsch nach Gerechtigkeit schaltet sich ja erst ein, wenn das Bedürfnis des Einzelnen nicht genug berücksichtigt wird. Ist es sinnvoll, für eine gerechte Welt zu kämpfen? Oder macht es mehr Sinn, sich dafür einzusetzen, dass jeder das bekommt, was er zum Leben braucht. Ich glaube nicht, dass ich die Welt gerechter machen kann, aber ich kann meine Augen und mein Herz öffnen für die Bedürfnisse der Menschen, mit denen ich Kontakt habe.
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Montag, 13. November 2017

Als wir das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen. (Mark Twain)


Was geschieht, wenn du das Ziel aus den Augen verlierst? Wenn du dich auf ein Ziel fokussierst hast du zugleich mit im Blick, was du dafür brauchst. Alle deine Handlungen sind diesem Ziel zugeordnet. Und die lebst von der Energie, unbedingt das Ziel zu erreichen.
Wenn du das Ziel aus den Augen verlierst, geht dir auch ein großer Teil der Energie verloren. Du fängst an, dich zu verzetteln. Du erledigst Aufgaben, die vielleicht gar nicht sinnvoll sind. Es wird immer anstrengender weil du von deinen Reserven lebst.
Welche Ziele verfolgst du im Moment? Oder von welchen Visionen lebst du? Was möchtest du unbedingt noch machen bevor du dieses Leben beendest? Vielleicht kommt es nicht darauf an das Ziel zu erreichen. Es geht darum, es in den Blick zu nehmen.
Du möchtest zum Beispiel gelassener werden. Wenn du jetzt in diesem Augenblick etwas vorhast kannst du dich fragen, ob es dem Ziel der Gelassenheit dient oder ob es dich eher davon abbringt. Du musst eine Aufgabe erledigen und dir fallen tausend Sachen ein, die dazu gehören. Du wirst hektisch und fahrig. Wenn du aber das Ziel hast, gelassener zu werden, würde es Sinn machen diesen Aspekt immer im Fokus der Aufmerksamkeit zu haben.
Ab wann fange ich an hektisch zu werden? Was verträgt mein System noch? Wann lege ich einen Gedankenstopp ein? Wann bin ich erschöpft? Schaffe ich es, so mit mir umzugehen, dass ich nie in den Bereich von Stress gelange?
Ziele können auch verführerisch sein. Wenn ich mein Ziel zu stark fokussiere. Wenn ich etwas total und unbedingt will. Quasi mit aller Gewalt und totaler Ausschließlichkeit. Dann werde ich blind für meine Ressourcen und Möglichkeiten. Ich verfolge als mein Ziel im Rahmen meiner Ressourcen und Fähigkeiten und sorge gut für mich. Ich verliere das Ziel nicht aus den Augen - muss es aber auch nicht erreichen.
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Samstag, 11. November 2017

Spring doch mal über deinen Schatten!

Das sagt sich so leicht: "Spring doch mal über deinen Schatten!" Mach einmal etwas, was du sonst nicht tust. Es entspricht nicht deinen Gewohnheiten. Du schämst dich, wenn du es tätest. Es geht dir gegen den Strich. Es spricht gegen deine Glaubensüberzeugungen.
Du willst z.B. gerecht sein. Gerechtigkeit ist eines deiner höchsten Werte. Wenn du etwas tun müsstest was ungerecht wäre, würdest du es nie machen. Du müsstest da über deinen Schatten springen.
Genau betrachtet funktioniert das eigentlich gar nicht. Kein Mensch kann über seinen Schatten springen. Wenn du springst springt dein Schatten immer mit. Der lässt sich nicht austrixen. Dein Schatten gehört zu dir. Du kannst ihm nicht ausweichen. Du kannst dich wegdrehen und ihn nicht sehen. Aber er bleibt da. Und du weißt es. Schatten haben es an sich, in der Regel nicht gemocht zu werden. Darum führen sie ja auch ein Schattendasein. Der Schatten beinhaltet die Eigenschaften, die wir an uns gar nicht mögen. Wir verleugnen sie sogar. Wir sehen sie beim Gegenüber und regen uns fürchterlich darüber auf. Aber dass diese bestimmte Eigenschaft des anderen auch zu uns gehört würden wir strikt ablehnen. Wir Menschen sind häufig Künstler darin, unseren Schatten so zu verbergen, dass wir ihn selber nicht mehr sehen oder wahrnehmen können.
Aber auch wenn wir ihn nicht sehen, bleibt er uns erhalten und geht jeden Schritt mit uns. Tag und Nacht. Er beeinflusst unser Leben und unsere Entscheidungen. Je mehr wir ihn verleugnen, desto wirksamer setzt er sich in Szene.
Es gibt jedoch eine Möglichkeit, den Schatten zu verändern. Wenn Licht dahin fällt. Wenn Licht auf den Schatten fällt, dann verschwindet er. Das gilt im bildlichen und auch im übertragenen Sinn.
Wenn du Licht auf die Eigenschaften richtest, die du nicht magst und liebevoll damit umzugehen lernst, wird der Schatten immer kürzer. Der lange Schatten verkürzt sich und kommt auf dich zu. In dieser Phase lernst du dein "Geister" und "Gespenster" so richtig kennen.
Bei einem ganz bestimmten Sonnenstand verschwindet der Schatten fast gänzlich. Du lässt zu, dass überall Licht einfallen darf auf deine Schattenseiten. So geht der Prozess der Erleuchtung! Du entscheidest dich für  einen Friedens- und Versöhnungsprozess, den Schatten zu integrieren und als einen Teil deiner selbst anzunehmen.
Leider musst du diese Übungen täglich machen. Solange wir Menschen existieren wird es auch die Neigung zum Schatten geben. Er gehört zu uns dazu. Mal mehr und mal weniger. Wann bist du das letzte mal über deinen Schatten gesprungen und wie ist es dir bekommen? Wie hast du das geschafft?
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Freitag, 10. November 2017

Im Leben kommt es darauf an, dass Herz und Verstand zusammenarbeiten, wobei sie bei mir noch nicht mal freundschaftlich miteinander verkehren. (nach Woddy Allen)


Zusammenarbeit von Herz und Verstand? Wenigstens freundschaftlich miteinander verkehren? Erinnerst du dich daran, in welcher Situation Herz und Verstand zusammengearbeitet haben? Wie war das Erlebnis? Wie hast du das gemacht? Ging es wie von selbst oder hast es irgendwie geplant?

Ein Teil von mir sagt, dass in meiner frühesten Kindheit Herz und Verstand das gleiche Zimmer teilten. Sie waren in einer wunderbaren Symbiose. Das Herz war voller Fülle und der Verstand reich an erkenntnisvermehrenden Gedanken. Vielleicht gab es diesen Zustand auch nur für einen Augenblick im Bauch meiner Mutter. Aber es gab ihn, diesen paradiesischen Zustand.

Irgendwann wurde diese Symbiose gestört. Durch die Eltern, die Umwelt, ein Lehrer, irgendjemand oder irgendetwas. Es gehört zum Dasein auf dieser Erde einfach dazu. Wir werden gestört. Herz und Verstand dividieren sich auseinander. Früher oder später. Vielleicht gibt es das eine oder andere Naturvolk, wo dieser Prozess nicht stattfindet. Oder kennst du einen Menschen, bei dem Herz und Verstand nie getrennt waren? Immer in Übereinstimmung?

Mir kommt es so vor, dass wir als Menschen in dieser Symbiose die Welt betreten und gestört werden. Den Rest des Lebens verbringen wir damit, Herz und Verstand wieder zusammenzuführen. Und ich hege den Verdacht, dass es so sein soll! Wir wollen das so und nicht anders! Ein Teil von uns lehnt es ab, weil wir diese Symbiose so mögen und brauchen. Aber ein Teil von uns möchte diese Erfahrung machen, wie Herz und Verstand wieder zusammenkommen. Wir nehmen uns auseinander und fügen uns wieder zusammen. Wir sind halt Schöpfende!
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Donnerstag, 9. November 2017

Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis (Platon)


Alles hat einen Anfang! Auch die Erkenntnis fängt mit etwas an. Wie läuft ein Erkenntnisprozess? Ich werde zuerst mit einer Idee konfrontiert oder einem Ereignis. Das Erlebte verarbeite ich und ich denke darüber nach. Am Ende des Denkprozesses gibt es ein Ergebnis: Die Erkenntnis.
Jetzt hat Platon eine interessante Idee. Am Ende steht die Erkenntnis und am Anfang ist das Staunen. Das "Staunen" ist eine wunderbare Gabe für uns Menschen. Wann hast du das letzte Mal gestaunt? Kinder staunen ständig! Wenn du ihnen etwas erzählst, dann werden die Augen ganz groß und sie sperren den Mund auf. Sie sagen laut: "Oooooh!" und "Aaaaaah!" Sie sind ganz außer sich und völlig erfüllt von dem Erleben. Sie saugen das Gesehene oder Gehörte förmlich in sich auf. Sie erschaudern und sind tief bewegt. Sie wollen mehr davon. Sie wollen es tiefer erfassen.
Wir Erwachsenen sind da schon viel abgebrühter. Es muss schon ein Smartphone mit besonderen technischen Raffinessen sein, das uns staunen lässt. Wenn ich im Urlaub ans Meer fahre dann staune ich über die Weite! Wenn ich in die Berge fahre dann staune ich über die Erhabenheit! Wenn ich dann jeden Tag aufs Meer schaue verändert es sich schon. Das Staunen wird geringer, die Selbstverständlichkeit wächst. Wir tauschen das "Staunen" gegen die "Macht der Gewohnheit." Ja, die Gewohnheiten sind auf die Dauer mächtiger als das Staunen. Schade eigentlich! Wenn wir nicht mehr staunen können nach Platon, dann hören auch die Erkenntnisse auf. Wir nehmen ja nichts mehr wirklich wahr. Wir gehen daran vorbei.
Du kannst ja auch nicht immer ans Meer oder in die Berge fahren damit du mal staunen kannst. Manche Menschen brauchen immer den letzten Kick damit sie sich das Staunen erhalten können, und das "Ooooh"-Gefühl. Wenn ich heute wieder verstärkt staunen möchte dann braucht es mehr Aufmerksamkeit. Ich blicke in den Garten und schaue mir die Eibe an. Das mache ich über einen längeren Zeitraum. Ich beobachte die Meisen, die darin herumhüpfen und Beeren picken. Ich nehme die Schönheit des Baumes wahr und vertiefe mich in das immerwährende Grün. Ich merke, wie das Staunen sich so langsam im Körper ausbreitet. Ich lebe Seite an Seite mit einem Baum, der jeden Tag ganz zuverlässig an seinem Platz steht. Jahr für Jahr! Jeden Tag und ohne Ausnahme steht er da in seinem Grün und gibt mir Schatten und den Vögeln Nahrung.
Meine Aufmerksamkeit geht jetzt am Frühstückstisch zu meinem Lieblingsbäcker. Ich mag sein Brot. Ich kann es jeden Tag essen. Mir wird es nicht überdrüssig. Er backt es zuverlässig jeden Tag für mich. Ich staune über die Kontinuität. Kuchen kann ich nur ab und zu genießen. Frischen Brot mag ich jeden Tag. Und wiederum breitet sich ein langsames und stetiges Staunen aus.
"Das Staunen ist der Anfang der Erkenntnis." Das hieße für mich, bei jedem Anfang dem Staunen mehr Chancen zu geben, wenn sich in mir so ein Gewohnheitsgefühl breitgemacht hat. Ich lade dich ein zum Staunen über all die vielen Anfangssituationen, die dir geschenkt werden im Leben.
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Mittwoch, 8. November 2017

Wenn die Seele etwas erleben möchte, wirft sie das Bild dieser Erfahrung vor sich und fährt dann in das eigene Bild hinein. (Meister Eckhart)


Welch wunderbarer Gedanke! Wenn meine Seele etwas erleben möchte entwickelt sie dafür ein Bild und fährt hinein. Schon Meister Eckhart wusste, dass wir uns unsere eigene Wirklichkeit konstruieren. Es passiert nicht einfach etwas!
Es geschieht das, was die Seele entworfen hat. Etwas in mir hat die Sehnsucht und den Wunsch, etwas zu erleben. Erleben hat etwas mit fühlen zu tun. Mit Erfahrung. Ich möchte zum Beispiel wissen wie es sich anfühlt und wie es ist, sich völlig fremd zu fühlen. Ich will es ausprobieren, weil ich neugierig bin und weil ein Teil in mir es unbedingt braucht für den Erfahrungsschatz. Vielleicht für den Unterschied. Heimat kann ich nur dann in der ganzen Fülle erleben wenn ich den Unterschied kenne. Also die Fremde. Wenn meine Seele ein tiefes Heimatgefühl in der Totalität erleben möchte braucht es vielleicht ein ebenso starkes Fremdgefühl.
Die Seele traut sich auch unangenehme Gefühle zu. Gerade diese sind ein wichtiges Lern- und Entwicklungsfeld. Die Seele möchte also eine Erfahrung machen und dann tut sich dafür ein Feld auf. Es entwickelt sich nach und nach eine Geschichte oder wie Meister Eckhart sagt: ein Bild. Sie schreibt eine Art Drehbuch mit vielen Varianten und die wahrscheinlichste Variante setzt sich dann um. Es gäbe also tausende von Möglichkeiten für mich als Seele, Fremdheitsgefühle in unterschiedlicher Intensität zu erleben. Ich möchte also Fremde erfahren und dann öffnet sich das Feld der Fremdheitsmöglichkeiten. Ich muss nur noch hineinfahren in die Möglichkeit, die sich auftut.
Geschieht das bewusst? Unbewusst? Je mehr ich meine Seele kenne und ihre Wünsche und Bedürfnisse, desto mehr kann ich steuern und gestalten. Wenn ich total unbewusst bin werde ich immer denken, dass ich lediglich ein Schicksal habe. Ich bekomme nicht mit, dass da gerade etwas läuft zwischen meiner Seele und dem, was sie sich gerade erschafft. Das erlebe ich dann als großes Leid. Ich leide, weil ein Teil in mir nicht zugestimmt hat. Oder es nicht weiß oder nur so ungefähr ahnt.
Es scheint mir wichtig zu sein, dass ich immer mehr in Kontakt komme mit meiner Seele. Welche Erfahrung möchte ich gerne machen? Wo spüre ich das im Bauch? Wo im Herzen? Welche Bilder tauchen auf? Welche Gedanken verstärken sich im Moment? Je mehr ich in die Achtsamkeit geht, desto mehr bekomme ich mit, was da in mir läuft. Je aufmerksamer ich werde, desto mehr kann ich mitgestalten und schöpfen. Ich kann viel bewusster und entschiedener in "ein bestimmtes Bild hineinfahren." Ich werde also merken: "Jetzt muss ich dieses oder jenes tun, weil es genau das ist, was ich erfahren möchte!" Ich werde ganz in Übereinstimmung sein mit mir selbst.
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Dienstag, 7. November 2017

Ich finde, die beste Methode, Kindern Ratschläge zu geben, ist die, herauszufinden, was sie wollen, und ihnen dann zu raten, genau das zu tun. (Harry S. Truman)


Der beste Ratschlag für Kinder und erwachsene Menschen besteht darin herauszufinden, was jemand wirklich will. Doch wie finde ich heraus was ich wirklich will?
Ich las einmal einen Zeitungsartikel über ein Ehepaar, wobei der Ehemann viele Jahre als Mönch in einem Kloster lebte. Während all der vielen Jahre "verlernte" er mehr und mehr seine Wünsche und Bedürfnisse. Er hatte ja einen festen Tagesablauf mit dem Wechsel von Gebet und Arbeit. Eigene Wünsche wären da eher hinderlich gewesen. Jetzt lebte er aber in einer Beziehung wo es darauf ankommt, für seine eigenen Bedürfnisse einzustehen. Was tun, wenn er diese gar nicht mehr spüren kann?
Vielleicht steckt in uns allen aber ein Stück von diesem Mönch. Als Kinder hatten wir bestimmt ganz viele Wünsche, Bedürfnisse und ein Wollen. Was haben wir von unseren Eltern gehört? "Kinder, die was wollen..." Wir waren abhängig von unseren Eltern. "Sei lieb, dann bekommst du das und das!" Es war für uns als Kind eher wichtig herauszufinden, was unsere Eltern wollten. Unsere Eltern wollten, dass wir uns gut benehmen. Dass wir nicht streiten. Dass wir gesundes Gemüse essen. Dass wir grüßen. Dass wir nicht herumschreien. Dass wir zu einer bestimmten Zeit ins Bett gehen. Eine endlose Liste.
Wann war Zeit, dass wir herausfinden und ausprobieren konnten, was wir selber wollten? Aus uns heraus. Aus unserer eigenen tiefen Mitte. Unabhängig davon, ob die Eltern das gut fanden oder nicht. Kann ich nach so vielen Jahren der "Erziehung" noch etwas wollen oder ist mir der Wille ausgetrieben worden. Immerhin haben damals Eltern, Schule und Kirche gut zusammengearbeitet. Wie sähe mein Leben aus, wenn ich wirklich täte was ich wollte? Wäre es das Leben, was ich heute führe oder doch ein anderes? Und wenn es ein anderes wäre: Kann ich noch was Drehen? Kann ich mein tiefes eigenes Wollen wiederfinden? Sei weniger Sklave und bestimme dich immer mehr selbst!
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Montag, 6. November 2017

Von Fruchtfliegen lernen!



Wenn es so richtig kalt wird, werden die Fruchtfliegen hoffentlich verschwinden bis zum nächsten Jahr. Seit ein paar Tagen scheinen sie sich jedoch noch einmal zu vermehren und bevölkern die Küche. Sie sitzen im Schrank bei der Schokolade oder auf dem Rand der Rotweinflasche. Vor allem mögen sie unseren biologischen Abfall. Ich mag sie nicht und darum wird es Zeit, sie einmal zu würdigen. Nicht die Fruchtfliegen an und für sich. Ich möchte das beleuchten, wofür sie stehen und was sie mir über das Leben sagen können.

Erste Erkenntnis: Fruchtfliegen halten sich dort auf wo es gärt.
Wenn Obst reift fängt es irgendwann an zu gären. Da ist dann ordentlich was los im Obst. Bakterien verrichten ihre Arbeit. Dabei wird Energie freigesetzt! Da laufen starke Veränderungsprozesse. Es fängt an zu riechen und der Geruch wird immer stärker. Das Obst befindet sich sozusagen in einer existentiellen Krise und geht über in einen Sterbeprozess.
Wir Menschen machen um Veränderungen und Krisen oft einen weiten Bogen. Wir haben es gerne beständig. Mit Wachs behandeltes Obst vermittelt die Illusion ewiger Jugend. Alles soll bleiben wie es ist. Wenn Veränderungen, dann bitte sanft und ohne Krise. Und vor allem ohne Gestank. Leider sind menschliche Veränderungen oft mit Konflikten verbunden. Unsere Konflikte gleichen den Gärprozessen im Obst. Die Fruchtfliege haut da nicht ab sondern fliegt mitten hinein. Sie liebt diesen Veränderungsprozess, weil sie ihre Eier ablegen kann. Dort gibt es Nahrung und Energie. Sie weiß, dass dort etwas zu holen ist. Sie macht ihre Geschäfte mit dem, was andere nicht mehr wollen.
Davon könnte ich doch lernen! Dort, wo es gärt im Leben, finde ich zugleich Energie. Auch wenn Konflikte nicht so gut aushaltbar sind, bergen sie doch spannendes Material. Wo sich etwas verändert geschieht Leben. Da ist was los! Sterben kann ich auch noch morgen. Wir suchen ja manchmal unsere Quellen in der Ruhe und in der Erholung. Im Abschalten und im Urlaub. Und – wenn es dort tot ist? Wenn sich dort nichts findet? Die Fruchtfliege nutzt die Gärungsprozesse für ihre eigenen Angelegenheiten. Ein sehr geschickter Umgang mit Veränderungen und Krisen.

Zweite Erkenntnis: Fruchtfliegen kommen hartnäckig wieder.
Die Fruchtfliege lässt sich nicht abschrecken. Wenn ich sie mit der Hand verscheuche dreht sie ein oder zwei Runden und kommt wieder. Nur wenn ich sie töte, gibt sie auf. Zwangsweise! Sie steht einfach auf gärendes Obst. Um ihr Ziel zu erreichen riskiert sie ihr Leben.
Mir fehlt manchmal diese Hartnäckigkeit. Ich lese eine Gebrauchsanweisung und wenn ich sie nicht verstehe dann kann ein Gerät schon mal ein paar Wochen liegen bleiben. Ich bitte einen Freund um Unterstützung und wenn dieser ablehnt, dann gebe ich auf. Aber einmal habe ich mich auf die gleiche Stelle zwei Mal beworben. Auf die Stelle, wo ich jetzt arbeite. Beim ersten Mal erhielt ich einen ablehnenden Brief. „Vielen Dank, aber wir haben uns schon entschieden.“ Ein paar Wochen später stand die gleiche Anzeige wieder in der Zeitung. Ich bewarb mich noch einmal. Mit dem gleichen Text. Nach dem Prinzip der Fruchtfliege! Ich wollte da hin. Dann musste ich eben noch einmal fliegen. Es gab zu mir jedoch eine Alternative. Ich blieb hartnäckig und so wurde ich genommen.
Weißt du, wie oft du im Leben einfach nur zu früh aufgegeben hast? Du hättest nur noch einmal nachfragen müssen? Wie viele Chancen hast du dir dadurch vergeben? Es gibt ja diese lästigen Werbeanrufer von Energieunternehmen oder Weinhändlern. Die machen es wie die Fruchtfliegen. Sie bleiben einfach dran. Wenn es nicht ab und zu erfolgreich wäre würden sie es doch nicht machen, oder? Fruchtfliegen denken nicht nach. Sie machen einfach. Immer dem Geruch nach und ab auf die Nahrungsmittel. Ich glaube, dass wir manchmal zu viel nachdenken. Ich könnte ja mal überlegen, auf welchem Feld des Lebens sich mehr Hartnäckigkeit positiv auswirken würde. Ein paar Monate lang habe ich zum Beispiel in jeder Bäckerei nachgefragt, ob sie auch Kuchen mit Dinkelmehl hätten. Lange Zeit tat sich nichts. Inzwischen jedoch finde ich das Gewünschte bei dem einen oder anderen Bäcker. Ich sollte diese Hartnäckigkeit wieder aufnehmen.
Im Lukasevangelium wird von einer benachteiligten Witwe erzählt. Sie versucht, bei einem gewissenlosen Richter ihr Recht durchzusetzen. Der gibt irgendwann nach, nur weil er seine Ruhe haben will.
Hartnäckigkeit setzt voraus, dass ich mit Ablehnungen und Zurückweisungen umgehen kann. Ich kenne solche Menschen, die das wunderbar können. Da bleibt mir manchmal der Mund offen stehen. Sie bleiben unbeeindruckt einfach dran. Wenn ich abgelehnt werde mit einem Anliegen dann gehe ich erst mal in heftige Gefühle von Ärger oder Trauer. Das wiederum macht mich unfähig, wieder nachzufragen.
Vielleicht können andere das besser als ich, weil sie sich nicht so ärgern oder weil sie Zurückweisungen besser verkraften können. Aber ich könnte mich doch wie die Fruchtfliegen einfach weiterentwickeln. Ich muss ja nicht bis zum Ende meines Lebens angsterfüllt bleiben. Das Leben ist doch sowieso ein Abenteuer, nicht wahr? Wenn ich nichts wage kann ich mich auch gleich in einen Sarg legen. Oder ich richte mich nur ins Überleben ein. Die Fruchtfliege sagt mir: „Überleben ist überflüssig wie Fußpilz. Sterben muss ich sowieso. Aber jetzt will ich ran an die Töpfe!“

Dritte Erkenntnis: Fruchtfliegen machen eine ordentliche Metamorphose vor ihrem ersten Flug.
Die Larve ernährt sich vom gärenden Obst und danach verpuppt sie sich. Während dieser Zeit nimmt sie keine Nahrung mehr zu sich und wartet ab. Sie wartet ab, bis sich der Körper umgebaut hat zur Fliege.
Ich lebe oft ein anderes Prinzip. Hier noch was tun und da noch was tun. Ist es jetzt gut? Nein, noch nicht ganz! Ich könnte da noch mal anrufen und da noch mal nachschauen. Und wenn alles getan ist, bin ich in Gedanken immer noch damit beschäftigt. War es richtig so? Nicht doch besser anders? Erst, wenn das Ereignis herum ist tritt Stille ein. Die Fruchtfliege „gönnt“ sich eine Zeit der völligen Stille. Sie macht nichts und wartet einfach ab. Was geschehen muss, geschieht von selbst.
Zum Wachsen und Werden gehören solche Phasen unbedingt dazu. Phasen, in denen die Dinge wie von selber geschehen. Ich habe den Eindruck, dass wir uns solche Zeiten immer weniger gönnen. Alles muss kontrolliert werden. Prozesse werden perfektioniert und genormt. Zeitabläufe sollen verkürzt werden. Aber Wachstum folgt in einer bestimmten Phase den eigenen Gesetzen. Wenn ich mich schlafen lege lasse ja auch los. Ich höre auf, noch etwas zu regeln. Die Welt läuft eine ganze Nacht weiter ohne mich und ich steige währenddessen aus.
Aber wenn ich wach bin, dann muss ich wieder mitmischen im Weltgeschäft. Ich kann ja Einfluss nehmen. Aber die Fruchtfliege lässt für eine wichtige Phase ihres Lebens einfach los. Metamorphose. Umwandlung von A nach B. Vorher fressen und hinterher fliegen. Alles zu seiner Zeit. Hefeteig muss auch gehen. Kann ich loslassen? Lange genug loslassen? Zum richtigen Zeitpunkt? Wenn ich loslasse werde ich zum Beobachter meiner selbst. Diese Position kann ich empfehlen. Manchmal zum Beobachter seiner eigenen Prozesse zu werden. Irgendwann ist es so weit und die Metamorphose ist abgeschlossen.
Auch in Zukunft werde ich alles dafür tun, die Fruchtfliegen loszuwerden. Es bleiben aber ein paar Erkenntnisse: Ich darf da sein, wo das Leben heftig tobt. Ich bleibe hartnäckiger bei den Wünschen und Bedürfnissen. Und ich nehme mir die Zeiten, die es braucht damit wachsen kann was wachsen will. 

Samstag, 4. November 2017

No me como la cabeza - die spanische Art, sich nicht den Kopf zu zerbrechen


In unserer deutschen Sprache reden wir davon, dass wir uns nicht den Kopf zerbrechen möchten. Ich habe ein Problem, das sich nur schwer lösen lässt. Ich verzichte auf das Nachdenken, weil mein Kopf zerbrechen könnte. Aus Fürsorge gegenüber meinem Kopf verzichte ich also auf das Lösen meines Problemes. Es würde mich überfordern.
Der Spanier drückt diese Erfahrung etwas anders aus: "No me como la cabeza" - "Ich esse mir nicht den Kopf". Bei manchen Problemen fühlst du dich beim Nachdenken darüber so, als würde dein Gehirn zu Brei werden. Du könntest also durch das Essen deines Kopfes deinen Verstand verlieren. Oder du würdest eben kopflos herumlaufen. Du hättest die Orientierung verloren. Durch zu viel Nachdenken verlierst du den Zugang zu dem, was dir jetzt weiterhelfen würde.
Wenn das Bild tatsächlich möglich wäre: Wie viele Spanier würden heute ohne Kopf herumlaufen und wie viele Deutsche hätten einen zerbrochenen Kopf? Die Empfehlung lautet: Denke nicht zu viel nach und mache irgendwann Schluss. Eine Pause! Auf Abstand gehen! Den Bauch fragen! Das Herz sprechen lassen! Zerbrich dir nicht den Kopf, du hast nur einen! Que no te comes la cabeza!
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Freitag, 3. November 2017

„Schau der Furcht in die Augen und sie wird zwinkern“ (Russland)


Wenn ich Angst habe schaue ich weg. Das ist ein Relikt aus Kindertagen. Jemand steht hinter einer Ecke und kommt plötzlich hervor. Hebt die Hände hoch und schreit "Huh!" Was mache ich? Ich schaue weg! Mit dem Ziel der Flucht. Wohin kann ich flüchten wenn mich jemand erschreckt. Es geht ja um eine Bedrohung. Ich fühle mich bedroht und mein Leben ist gefährdet. Darum schnell weg.

Was passiert, wenn ich der Furcht in die Augen blicke? Dann habe ich nicht mehr den Drang, unmittelbar zu flüchten! Ich halte Stand. Für den ersten Augenblick! Und dann noch einen Augenblick länger. Und noch einen Moment. Dann fange ich an, richtig hinzuschauen. Ist ja nur der Bruder! Nur der Onkel! Nur die Schwester, die Freundin! Ich kann abwarten, bis mich der Blick vom Gegenüber nicht mehr fixiert. Ich kann auch starren, wenn ich angestarrt werde! Ich starre zurück! Wer zwinkert zuerst?
Schau der Furcht in die Augen und sie wird zwinkern. Wer zwinkert fängt an zu lächeln. Und zu lachen. War doch gar nicht schlimm! Wenn ich der Furcht in die Augen blicke dann habe ich eine Alternative zum Weglaufen. Wie oft laufe ich weg. Auch heute noch als Erwachsener. Ich mache es eleganter. Ich nenne es nicht mehr Furcht sondern: "Das brauche ich jetzt nicht!" - "Ist doch im Moment nicht so wichtig!" - "Ich habe noch eine Alternative!" - "Ich komme morgen wieder, da ist ja auch noch ein Tag!" Und? Wo läufst du fort von etwas? Wo könntest du dich hinwenden um eine Wende hinzubekommen? Weg von der Furcht und hin zum zwinkern? ;-)
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Donnerstag, 2. November 2017

Viele Probleme bleiben ungelöst, weil wir die Lösungen fürchten.


Wer diesen Satz gesagt hat konnte ich nicht herausfinden. In der Beratung frage ich manchmal was die Leute machen würden, wenn das Problem nicht mehr wäre.
Ein Beispiel? Jemand leidet unter schweren Depressionen. Darum bekommt er jede Woche ein Therapiegespräch. Wäre es gut, wenn der Therapeut es schaffen würde, den Klienten von seinen Depressionen zu befreien? Nicht unbedingt! Wenn der Klient keine andere sozialen Kontakte hätte würde er ja in ein tiefes Loch fallen wenn er den Therapeuten nicht mehr bräuchte! Für ihn wäre es also besser sein Problem zu behalten damit er weiterhin Therapie machen kann. Also wegen eines wichtigen sozialen Kontaktes.
Ich sollte also das eine oder andere Problem behalten, weil es eigentlich beim näheren Hinsehen eine Lösung ist. Die Alternative wäre ein noch größeres Problem. Probier es doch einfach mal aus! Welches Problem beschäftigt dich schon über einen längeren Zeitraum. Stelle dir alle möglichen Lösungen vor und überlege die Folgen. Ist das, was folgt, besser für dich? Wenn nicht, solltest du dein Problem auf jeden Fall behalten. Besser ein kleineres schlimmes Problem als ein großes noch schlimmeres Problem.
Vielleicht kommt aber dennoch eine andere Lösung in Frage. Du fürchtest ja nur die Lösung. Die Lösung an sich ist also nicht schlecht. Schlecht ist nur deine Furcht davor. Die Angst vor den Konsequenzen. Die meisten lösen ihr Problem nicht, weil sie sich fürchten. Dann wäre es doch mal an der Zeit, sich mit der Furcht und der Angst zu beschäftigen. Wenn du dich vor der Umsetzung einer Lösung nicht mehr so fürchtest, hättest du mehr Möglichkeiten. Das Lösen von Problemen scheitert also oft nur an meiner Angst.
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Mittwoch, 1. November 2017

Jetzt ist es rund!



Du liebst es, wenn etwas sich so richtig rund anfühlt, nicht wahr? Du hast zu deinem Geburtstag eingeladen. Die Gäste waren da und die Stimmung war prächtig. Das Essen hat geschmeckt und alle haben sich gut verstanden. Wenn die Gäste gegangen sind setzt du dich mit einem Glas Wein gemütlich auf das Sofa und blickst zurück mit der Erkenntnis: „Das war so richtig rund!“
Wenn ein neues Projekt anläuft dann gibt es zu Beginn häufig noch Ecken und Kanten. Wir sagen: „Es läuft noch nicht richtig rund. Wir müssen noch nachbessern.“ Beim Einkaufen wird schon einmal auf- oder abgerundet mit dem Ziel der Vereinfachung und dem Wunsch, es runder zu machen.
Braut und Bräutigam stecken sich beim Ja-Wort den Ring an den Finger. Der Ring ist rund, glatt, kostbar, glänzend. Als wollte der Ring das ausdrücken, was sich das Paar wünscht. Die Beziehung möge rund und glatt sein. Ohne Dellen und Blessuren. Ohne Kratzer und Verletzungen. Die Liebe möge glänzen und leuchten. Eben rund sein! Du stellst dir vor, dass du am Ende des Ehe-Weges voll und ganz „Ja“ sagen kannst wenn der Tod euch scheidet.
Im November blicken wir zum Einen auf die Ernte zurück.  Und zugleich sehen wir in der Natur, dass alles sich vorbereitet auf die Winterruhe. Nicht umsonst verorten wir hier die Totengedenktage. Bei Beerdigungen tragen Angehörige oft den Wunsch in sich, dass beim Abschied alles rund sein möge. Eine persönliche Feier. Eine positive Bilanz für den Verstorbenen, die rund ausfällt, damit die Familienmitglieder gut abschließen und beruhigt weiter gehen können. Keine Gespenster von unerledigten Geschäften und Gefühlen!
Meine Gedanken möchte ich gerne mit folgender Geschichte ins Wort bringen.
Jetzt ist es rund!
Der Großvater schlug in den Balken der Holzhütte den letzten Nagel ein und trat einen Schritt zurück. Dann schaute er stolz seinen Enkel Tim an und sagte zu ihm: „Jetzt ist es rund, nicht wahr Tim?“
Tim verstand aber nicht, was sein Großvater meinte. „Was meinst du damit, dass es rund ist. Die Hütte ist doch sehr gerade geworden. Die Balken sind gerade, das Dach ist gerade und die Fenster auch. Alles ist wunderschön gerade und genau richtig geworden.“ „Ja genau,“ sagte da der Großvater, „das meinte ich ja, es ist alles so richtig rund geworden.“ Dann erklärte er seinem Enkel, was er damit meinte. „Das sagt man halt so. Wenn du so richtig zufrieden bist mit deiner Arbeit und alles gut gelaufen ist. Wenn du dich freust und dein Werk dir anschaust, dann mag eine Hütte vielleicht eckig bleiben, aber es fühlt sich so rund an. Rund ist einfach nur ein gutes Gefühl.“
„Ich verstehe, was du meinst,“ sagte dann Tim nachdenklich zum Großvater. „Wenn ich in der Schule eine Arbeit habe und am Ende das Heft zumache und alles aufgeschrieben habe was ich wusste, dann fühlt es sich auch manchmal rund an, nicht wahr?“ Der Großvater nickte und gemeinsam standen sie vor der Hütte, die so exakt eckig aber zugleich auch so rund war.
Beim Betrachten der wundervollen Hütte sah Tim plötzlich einen langen Riss in einem der Balken. „Schau mal Großvater, es ist doch nicht so rund, wie du gedacht hast. Siehst du den Riss dort im Balken. Die Hütte ist nicht perfekt. Was sollen wir jetzt machen?“
Da schaute sich der Großvater den Riss genauer an und kam zu dem Urteil: „Der Riss macht nichts. Die Hütte steht und wird diesen kleinen Riss vertragen.“ Dann inspizierten sie noch einmal die Hütte und entdeckten beim genaueren Hinsehen hier eine Macke, dort einen Riss und hier und da eine Unebenheit.  Da wurde Tim sehr traurig. „Ach Großvater, es war doch alles so rund und jetzt fühlt es sich so eckig an. Die Hütte finde ich jetzt gar nicht mehr schön!“
Der Großvater ließ sich jedoch nicht beirren. „Nichts ist perfekt. Weder die Hütte noch deine Schularbeiten noch sonst etwas. Es kommt auf den Gesamteindruck an. Insgesamt bleibt unsere Hütte rund. Und wenn du genau hinschaust, dann machen die kleinen Risse und Macken doch erst unsere Hütte aus! Die Risse und Macken machen unsere Hütte unverwechselbar!“
Da wischte sich Tim die letzten Tränen aus seinem Gesicht und schaute zufrieden seinen Großvater an. „Ja“, sagte er, „du und ich. Wenn wir zusammen etwas machen, dann ist es rund, egal was dabei herauskommt. Du und ich, wir zwei zusammen, das ist so richtig rund. Viel runder als jede Hütte.“
Tief in uns Menschen gibt es den Wunsch nach einem absoluten „Ja“ zu einem gelingenden Leben. Die „Paradiessehnsucht“ begleitet uns und treibt uns voran. Am Ende des Lebens möge alles rund sein. Wenn es dann nicht die Einschränkungen gäbe! Wenn du stirbst hinterlässt du viele positive Werte. Aber auch deine Hypotheken, Verletzungen und Kränkungen gegenüber deinen Angehörigen. Die unvollendeten Aufgaben! Deine Fehler und Unzulänglichkeiten hinterlassen eine so deutliche Spur wie auch deine gelungenen Anteile. Wie du es drehst und wendest: Dein Lebensring ist zugleich rund und besitzt Scharten und Schrammen. Mit dieser „Hypothek“ muss deine Nachwelt weiterleben.
Neben deinem Leben wird die ganze Welt „eckig“ bleiben, bis sie in das Göttliche des Ganzen jenseits und am Ende der Zeiten zurückkehrt. Zugleich jedoch wird sie ebenfalls die runden Anteile haben – immer dann, wenn die Liebe zum Zuge kommt. Das Eckige und Kantige ist nicht immer leicht zu tragen und zu ertragen. „Ich hätte es so gerne rund!“ Da gibt es den Schönheitsfehler bei der Geburtstagsfeier, dass ein Gast sich daneben benommen hat. Da gibt es den Schmerz, dass du nicht das passende Geschenk gefunden hast für Weihnachten. Da hast du deinen Arbeitskollegen gekränkt und konntest es nicht wieder gut machen. Schau dir einmal in einer Mußestunde den Scherbenhaufen an, an dem du irgendwie mit beteiligt warst. Schau dir in dieser Mußestunde aber auch alle die vielen runden Dinge deines Lebensjahres an. Welche bunten Luftballons durften aufsteigen und den Himmel verschönern? Wie viele runde Smileys hast du Menschen geschenkt oder entgegengenommen? Mach nicht die Bilanz und wäge ab, ob es mehr Eckiges oder Rundes gab. Du landest dann zu schnell in eine Wertung, die dich unzufrieden macht.
Vielleicht kommst du ja zur Erkenntnis, dass das Raue und Eckige auch da sein darf. Dann kann wie in der Geschichte beides mit einem großen „Ja!“ nebeneinander und miteinander stehen bleiben. Rund und eckig ergibt? Mir fällt das Bild einer runden Kartoffel ein, die im Laufe der Zeit runzelig und schrumpelig wird. Das Runde ist noch deutlich erkennbar und wunderschöne Falten zeugen gleichzeitig von der langen Lebensgeschichte. So wie bei dir! Dein rundes Gesicht wird vielleicht auch ein wenig runzelig im November deines Lebens. Hoffentlich gehst du gnädig und liebevoll mit dir um, wenn du dann in den Spiegel schaust und bei dir das Runde und Eckige erkennst. 
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